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Posts Tagged ‘Cornelia Bartlau’


Seit drei Tagen ist Cornelia Bartlau endlich einmal wieder in Wladimir. Die mittlerweile aus dem aktiven Dienst geschiedene Streetworkerin und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jena – um nur zwei ihrer vielen Berufe und Ämter zu nennen – hat seit den 90er Jahren nicht nur den Jugendaustausch zwischen beiden Partnerstädten Erlangens aufgebaut, sondern auch internationale Frauenkonferenzen zwischen Saale und Kljasma organisiert. Alles ausgesprochen erfolgreich und vor allem mit Bestand.

Jelena Guskowa und Cornelia Bartlau mit vier Jugendlichen vom Euroklub

Und so kann sie natürlich, zwei Jahre nach ihrem letzten Besuch, beim Wiedersehen auf Facebook schreiben: „Vieles ist neu in Wladimir“, aber das liegt vor allem auch an ihrem stets frischen Blick und ihrer unerschöpflich lustvollen Kreativkraft. Wie anders wäre es erklärlich, wenn sie sich nun bei dem Privatbesuch mit ihrer einstigen Kollegin, Jelena Guskowa, der Leiterin des Euroklubs, trifft und gleich auch wieder mit Jugendlichen spricht, die schon im Herbst zur Eurowerkstatt nach Jena kommen, an jene Anlaufstelle unter anderem für Freiwillige aus aller Welt, die von Cornelia Bartlau aufgebaut wurde.

Kwaß-Wagen

Neues gibt es aber natürlich auch auf den Straßen, wenn auch im Gewand einer alten Tradition. Die Kwaß-Getränkewagen standen zu Sowjetzeiten an jeder Ecke zur Nahversorgung dehydrierter Passanten. In letzter Zeit verschwanden die ungeschlachten Zisternen auf Rädern weitgehend aus dem Stadtbild, wichen all den Kiosken und Läden, die Durstlöscher in Einwegplastikflaschen zuhauf anbieten. Nun steht da also wieder so ein reaktiviertes Relikt – mit einer bedauerlichen Neuerung: Früher spülten die Verkäuferinnen immer die Gläser nach Gebrauch. Heute, erkennbar am großen Abfalleimer, trinkt man wohl nur noch aus Wegwerfbechern und vermehrt den Müll ad ultimo.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit Palas

Und die anderen Motive? Die sind natürlich nicht neu für Kenner der Partnerstadt. Aber es ist doch immer wieder überraschend, wie die Kathedralen und Denkmäler neu und anders betrachtet werden können.

Denkmal Wladimirs des Täufers

Und es ist dann schon so, wie Christian Morgenstern einmal meinte:

Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale vom Lipki-Park aus gesehen

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Neben Cornelia Bartlau war es Thomas „Kaktus“ Grund, der den Jugendaustausch zwischen Jena und Wladimir in Gang brachte. Der mittlerweile verrentete Streetworker veröffentlichte dieser Tage auf Facebook seine Erinnerungen an jene durchaus anarchischen Pionierzeiten mit mittlerweile wohl verjährten läßlichen Sünden.

Als ich 1994 das erste Mal mit einer Gruppe Jugendlicher in Wladimir war, war auch ein Substituierter dabei, für den ich das Methadon schmuggeln mußte. Als wir ankamen, mußte ich feststellen, daß die russischen Teilnehmerinnen entsetzt waren. Tätowierte waren nur Knastbrüder und keine normalen Menschen. Die nächsten Tage verbrachten sie damit, sich mit mir photographieren zu lassen, ich war wohl doch kein Knastbruder für sie.

Thomas „Kaktus“ Grund mit Dieter Argast und Cornelia Bartlau im Hintergrund

Wir waren bei Gasteltern untergebracht. Mein Gastgeber hieß Boris, der in einer Parterrewohnung bei seiner Mutter lebte, die gerade im Krankenhaus lag. Er studierte Musik am Konservatorium. In der ersten Nacht sagte er, du darfst nicht das Fenster öffnen, nur die Tür zum Flur. Ich verstand das erst am nächsten Tag. Eine Gruppe ordentlich Zurechgetrunkener stand vorm Haus. Sie umringten mich gleich, bewunderten meine Tattoos, zeigen mir ihre verblassten Knast-Tattoos. Es gab eine Flasche lauwarmen Wodka-Fusels, ich spendierte Westzigaretten. Zum Abschied gab es Umarmungen. In dieser Nacht habe ich das Fenster geöffnet, weil klar war, ich bin jetzt ihr deutscher Freund.

Bei Freunden: Jelena Guskowa, Gennadij Stachurlow, Dieter Argast, N.N. und Cornelia Bartlau

Die nächsten Abende gab es immer viel Wodka mit Boris und seinen Freunden. Ich gab mir Mühe, zu gewinnen. Am letzten Abend war ich Sieger und mußte am Morgen Boris wachrütteln. Der rief mir dann eine Taxe, die mich zum Flughafen brachte, und wankte wieder ins Bett. Zurück schmuggelte ich russische Westzigaretten für 50 Cent die Schachtel.


Bei einer Wanderung fragte mich ein russischer Arzt, was meine Rückentattoos bedeuten. Unsere Dolmetscherin übersetzte ihm die Bedeutung nach Freud: Der Stier ist mein Ich, der durch die Mauer des Überich, über die tosenden Fluten von Lava des Unbewußten springt! Er lächelte und sagte: „Ich weiß, was das bedeutet: Anarchie.“ Da hatte er wohl recht.

Thomas „Kaktus“ Grund

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Die Partnerschaft zwischen dem Euroklub Wladimir und der Eurowerkstatt in Jena, entstanden aus der gemeinsamen Verbindung mit Erlangen hält nun schon seit fünfzehn Jahren. Grund genug auch für das Rathaus der Partnerstadt, den wichtigsten Akteuren dafür zu danken, so viele junge Menschen zusammengebracht zu haben. Grund genug, diese natürlich auch im Blog nochmals zu nennen: Jelena Guskowa, Cornelia Bartlau, Elke Kerber, Thomas Kaktus Grund, Natalia Kostina, Iwan Nisowzew und Anna Kulakowa.

Aber auch in Jena würdigt man dieses völkerverbindende Engament. So erhielt Elke Kerber, mittlerweile im Ruhestand, für ihren Einsatz im Rahmen des Austausches der Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft ÜAG mit Jugendlichen aus Wladimir, unlängst aus den Händen von Oberbürgermeister Thomas Nitzsche eine Ehrenurkunde.

Thomas Nitzsche und Elke Kerber

Von den vielen Berichten über diese Begegnungen sei nur dieser Bericht aus dem Blog https://is.gd/z7SVNg angeführt, und ein kreatives Zeugnis der Zusammenarbeit findet man noch heute in Jena.

Bleibt nur, weiter Glück und Erfolg bei der Völkerverständigung auch für die kommenden fünfzehn Jahre zu wünschen. Und Dank zu sagen an alle, die mitwirkten und dabeibleiben.

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Heute darf ich, Nikolaj Kaplenko, Sie herzlich begrüßen. Ich bin 22 Jahre alt, habe 2017 die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft in Wladimir abgeschlossen und dann die Gelegenheit wahrgenommen, in Jena ein Jahr im Rahmen des „Europäischen Freiwilligendienstes“ zu verbringen. Vorher war ich schon Mitglied des Wladimirer „Euro-Klubs“ und engagierte mich dort im Bereich der Städtepartnerschaft. Meine Entscheidung für Jena kam also nicht zufällig zustande, denn auch hier beschäftige ich in der „Eurowerkstatt“ mit der deutsch-russischen Zusammenarbeit und dem Partnerschaftsdreieck Erlangen-Wladimir-Jena. Zu meinen Aufgaben gehört es, meinen Leiter, Iwan Nisowzew, den Vorsitzenden der „Eurowerkstatt“ bei der Durchführung von Kulturveranstaltungen, bei der Kommunikation mit dem Euro-Klub, beim Austausch zwischen dem Universitätsklinikum Jena und der Wladimirer Fachschule für Medizinische Berufe ebenso zu unterstützen wie bei der Vorbereitung von Delegationsbesuchen aus den Partnerstädten oder bei der Arbeit im Büro der „Eurowerkstatt“, bei Freiwilligenfestivals und bei vielem anderen zu helfen. Mit Alexander Fomin hält sich derzeit ein weiterer Freiwilliger aus Wladimir in Jena auf.

Nikolaj Kaplenko und Iwan Nisowzew

In meiner Freizeit treffe ich mich mit anderen Freiwilligen und Studenten aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Der Austausch mit ihnen hilft mir, andere Menschen besser zu verstehen und zu begreifen, daß wir so verschieden gar nicht sind. Ich erlerne die deutsche Sprache und reise viel, um die deutsche Kultur besser zu verstehen.

Vom 19. bis 23. Februar besuchte ich unsere Partnerstadt Erlangen, um an den „Russisch-Deutschen Wochen“ teilzunehmen. Daneben wollte ich neue Kontakte knüpfen, von der Erfahrung bei der Durchführung derartiger Veranstaltungen profitieren und einen ausländischen Blick auf die russische Kultur verstehen lernen.

Cornelia Bartlau und „ihre“ Freiwilligen

In dieser Woche sah ich den Film „Hundeherz“ aus dem Jahr 1988, versuchte mich in der russischen Kaligraphie und fühlte mich wieder wie in der ersten Klasse, als ich überlegen mußte, wie man die Buchstaben untereinander verbindet. Dann war da jener überwältigende Vortrag zum Thema „Russische Klassik gestern und heute“ mit einem Lektor, Dorian Keilhack, der nicht nur erzählte, sondern auch zusammen mit seiner Frau und Tochter selbst einige Stücke spielte. Auch der Abend, der einer Radfahrt von Erlangen nach Wladimir gewidmet war, hat mir sehr gut gefallen. Schön auch, nach dem Bericht all die vertrauten Bilder aus Wladimir und der Region um meine Stadt wiederzusehen.

Anastasia Blasch, Wolfgang Morell und Nikolaj Kaplenko

Besonders freute mich die Bekanntschaft mit dem Weltkriegsveteranen, Wolfgang Morell. Er lieh mir sein Exemplar der russischen Fassung des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ von Peter Steger. Es handelt sich dabei um die Sammlung von Erinnerungen ehemaliger Kriegsgefangener an ihre Lagerzeit auf dem Gebiet der Region Wladimir.

Meine Eindrücke von dieser Woche waren durchweg positiv, ich hatte das Gefühl, eine Woche lang gar nicht in Erlangen, sondern zu Hause, in Wladimir, zu sein. Ich hoffe nun, mit meinen in dieser Zeit erworbenen Kenntnissen eine ähnliche Veranstaltung auch in Jena organisieren zu können.

Nikolaj Kaplenko

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Seit 2003 pflegen Jena und Wladimir einen engen Jugendaustausch, der damals, vor 15 Jahren, mit dem EU-Projekt „Move Together“ mit Begegnungen einsetzte, die alle europäischen Partnerstädte einbezog. Derlei Programme laufen naturgemäß nach einer bestimmten Zeit aus, die Beteiligten gehen auseinander, die Treffen enden nach Abrechnung der Kosten in der Ablage. Nicht so zwischen Jena und Wladimir.

Im Botanischen Garten zu Jena

Cornelia Bartlau, damals noch Streetworkerin, heute Gleichstellungsbeauftragte, hatte im 1997 gegründeten Euroklub und deren Vorsitzenden, Jelena Guskowa, ein Wladimirer Pendant gefunden, das sich an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert zeigte. Und so entstanden neue Ideen, eigene Projekte wie der Freiwilligenaustausch, in dessen Rahmen vor sieben Jahren Iwan Nisowzew nach Thüringen gekommen war – und bis heute als Mittler zwischen den Städten und Menschen geblieben ist.

Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Friedensfahrer Winfried Merkel

Zu den festen Programmen des Euroklub gehören landeskundliche Reisen, die per Bus dieses Mal bis in die Niederlande führen – nach dem Motto: gestern noch Jena, heute Amsterdam. Oder frei nach der russischen Redensart: im Galopp durch Europa.

Plenum

Dabei wollen die knapp 50 jungen Gäste nicht nur selbst möglichst viel von der Kultur und Geschichte vor Ort erfahren, sie stellen vielmehr überall auch ihre eigene Heimat vor. Und die heißt für einige in der Gruppe nicht nur Wladimir, sondern beispielsweise auch Wjasniki, eine Kreisstadt aus der Region, die mit ihren Naturschutzgebieten für sich einnimmt.

Jelena Guskowa, Iwan Nisowzew und Matthias Bettenhäuser

Wie wichtig Jena den Besuch im zehnten Jahr des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir nimmt, zeigt die Begrüßung durch Matthias Bettenhäuser, persönlicher Mitarbeiter und Leiter des Büros von Oberbürgermeister Albrecht Schröter, im Bürgertreff des Rathauses. Wie wichtig der Besuch ist, zeigen die politischen Umstände, die angesichts der aktuellen Eskalation mit der gegenseitigen Ausweisung von Botschaftspersonal mehr denn je auf die Volksdiplomatie setzen muß, gerade auch im „Deutsch-Russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“. Schwere Zeiten für den Austausch, wenn hüben wie drüben neue Feindbilder entstehen. Da mag helfen, manches mit historischem Abstand zu sehen, etwa, wenn man die Fahrt von Erlangen nach Jena nutzt, um sich in die Anmerkungen zum Roman „Der Idiot“ von Fjodor Dostojewskij zu vertiefen. Da findet sich nämlich folgender Hinweis:

Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Matthias Bettenhäuser

Heinrich Joh. Ostermann (geb. 1687 in Westfalen als Sohn eines Pastors) hatte als Jenenser Student seinen Gegner im Duell getötet, war nach Holland geflohen und dort 1703 in russische Dienste getreten. Er gewann Peters Vertrauen und machte sich verdient bei den Friedensschlüssen am Pruth 1711 und namentlich in Nystad 1721. (Geheimrat und Baron Ostermann) Nach Peters Tode 1725 ernannte ihn Katharina I. (1725-27) zum Oberintendanten des Hofes und zum Mitglied des Regentschaftsrates für Peters Enkel, den Knaben Peter II. Alexejewitsch, der aber schon 1730 starb. Die russische Adelspartei unter Führung des Fürsten Dolgorukij erhob hierauf Peters Nichte, die Witwe des Herzogs von Kurland, Anna Iwanowna (1730-40) auf den Thron und versuchte hierbei, die kaiserliche Allmacht zu beschränken. Der Versuch scheiterte an der Opposition der anderen, deutschfreundlichen Partei bei Hofe, und nach dem Sturz und der Verbannung der Russen kam es zur Bildung des Kabinetts, in dem Annas Günstling, Biron (von Bühren), Graf Ostermann und Generalfeldmarschall Münnich die Hauptrolle spielten. Anna ernannte (auf Ostermanns Rat?) ihren zweijährigen Großneffen als Iwan IV. (1740-41) zu ihrem Nachfolger; doch schon 1741 trat Peters jüngste Tochter, Elisabeth, auf und bestieg nach einer Palastrevolution den Thron (1741-62). Graf Ostermann wurde von ihr der Intrigen gegen ihr Thronfolgerecht beschuldigt, zum Tode durch das Rad verurteilt, auf dem Blutgerüst zur Verbannung nach Sibirien begnadigt, wo er 1747 in Berjosoff starb. Er stand im Ruf, ein kluger Staatsmann und geschickter Diplomat zu sein.

zitiert nach der Ausgabe des R. Piper & Co. Verlags, München, 1977

Gruppe aus Wjasniki

Geschickte Diplomaten brauchen wir heute zwischen unseren Ländern mehr denn je, Menschen, die verhindern wollen, daß die deutsch-russischen Beziehungen unter die Räder kommen oder unzerkaut im Rachen jenes Krokodils aus der gleichnamigen Erzählung – schon wieder – von Fjodor Dostojewskij landen, wie derzeit auf der Bühne des Theaters Jena zu sehen: https://is.gd/oQdLfJ

 

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Als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jena pflege ich auch einen sehr regen Austausch zwischen Frauen aus unseren Partnerstädten. Schwerpunkte liegen dabei auf Netzwerkbildung bei den Themen „Häusliche Gewalt“, „Alltagsbewältigung“ und ….

Cornelia Bartlau und Olga Dejewa

Nach Reisen in die Partnerstädte Jenas, Berkeley und Lugoj, fuhren in diesem Jahr elf Frauen nach Wladimir. Vom 5. bis 10. Mai mieteten wir uns im Erlangen-Haus ein und waren dort sogleich begeistert vom herzlichen Empfang durch Irina Chasowa, von den gemütlichen Zimmern und vom praktischen Gemeinschaftsraum mit Balkon. Wir fühlten uns in diesem Haus wie in einer großen Wohngemeinschaft. Von dem üppigen Frühstück, welches jeden Morgen für uns wie ein kleines Kunstwerk vorbereitet wurde, schwärmten vor allem diejenigen, die den süßen Start in den Tag bevorzugen.

Frauendelegation aus Jena im Erlangen-Haus

Für fast alle Frauen war es die erste Reise nach Rußland, die erste Begegnung mit russischer Kultur und Menschen in unterschiedlichen Lebens- und Arbeitssituationen.

Patriarchengarten

Wir wurden sehr herzlich von der Oberbürgermeisterin, Olga Dejewa, empfangen. Sie begleitete unsere Delegation im Patriarchengarten mit seinem einzigartigen Blick auf die Altstadt, und Walentina Blinowa, seit 25 Jahren dort angestellt, gab uns einen interessanten Einblick in die Geschichte und in die innovativen Zukunftsvorstellungen des Parks. Wir durften uns in das Gästebuch eintragen, welches auch Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew schon für seinen Eintrag in den Händen hielt.


Danach ließ es sich Frau Dejewa nicht nehmen, uns die neugestaltete Fußgängerzone zu zeigen. Auch für mich war vieles neu, vor allem aber überraschte mich, wie ein Stück altes Wladimir so geschmackvoll wiederhergestellt wurde. Ein Bummel bei Sonnenschein wäre ganz sicher noch schöner gewesen, so zog es uns schnell in die warmen Stuben der Souvenirläden. Interessant hier, wie nicht nur viel selbstgemachtes Handwerk verkauft, sondern wie auch Frauen vor Ort ihr Können öffentlich zeigen. Die wunderschönen Schatullen mit der Lackkunstmalerei sind immer wieder ein Hingucker und exotisches Mitbringsel für Freunde zu Hause.
Der Besuch im Wladimirer „Frauenhaus“ wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Mit sehr viel Engagement und großer städtischer Unterstützung finden hier Frauen für einen begrenzten Zeitraum nicht nur eine Unterkunft, sondern auch psychologische und soziale Unterstützung. Den Kontakt zu dieser Einrichtung gibt es schon über einige Jahre, und die Leiterin, Alla Gawrilowa, konnten wir im letzten Jahr zu unserer Tagung „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“ in Jena begrüßen.


Susdal, gerade mal 30 Kilometer von Wladimir entfernt, stand ganz oben auf dem Besichtigungsplan. Dank unserem Freund Peter Steger konnten wir diese Fahrt mit Jelena Ljubar machen. Ich war ja schon oft in dort, aber noch nie habe ich es so schön erlebt. Jelena verstand es einfach hervorragend, für uns die Geschichte lebendig werden zu lassen. Wir gingen durch jahrhundertealte Klöster, den Kreml, und immer wieder überraschte unsere Führerin mit einer erfrischend modernen, lockeren Sprache über Details und Zusammenhänge der russischen Kultur. Wir haben es sehr genossen, mit ihr sechs Stunden durch die Stadt zu gehen, und immer hatte sie ein wachsames Auge auf uns. Als eine Teilnehmerin von uns fehlte bemerkte sie es als erste. Mit ihren Anweisungen an den Taxifahrer konnten wir die Vermißte wieder „einfangen“.

Mit Jelena Ljubar in Susdal

Den Abschluß unserer kurzen Reise krönten wir mit dem Besuch der Festlichkeiten zum 9. Mai, dem Tag des Sieges. Obwohl es eiskalt war und leichter Regen fiel, waren viele Wladimirer Frauen, Männer und Kinder auf den Beinen, trugen zu Tausenden das Bild eines gefallenen Angehörigen vom Großen Vaterländischen Krieg. Nach den offiziellen Reden bekam der Tag einen Jahrmarktcharakter mit viel Musik, Tanz zum Mitmachen und Leckerein aller Art.

Wir haben uns in die warme Wohnung einer russischen Familie aufgemacht, die uns alle herzlich eingeladen hatte. Zuerst trauten sich nicht alle Frauen, zweifelten daran, dass wir alle elf Personen Platz hätten. Aber ich kenne die russische Gastfreundschaft und wußte: Das ist kein Problem. Keine fünf Minuten nachdem wir angekommen waren, hatte jede einen Sitzplatz, ein Schnapsglas, und das Essen roch schon aus der Küche. Eine Teilnehmerin fragte unsere Gastgeberin, Sonja Babanina, wie denn das russische Gericht genannt werde und ob es traditionell sei. Mit dem einzigartigen Humor, den ich nur bei Sonja kenne, antwortete sie: „Das sind ja nur Kartoffeln mit Fleisch aus der Dose, ihr seid so viele, und es mußte schnell gehen!“ Gelacht und geredet haben wir viel in den zwei Stunden. Sonja, als ehemalige Deutschlehrerin bei einigen Jugendaustauschbegegnungen im Rahmen von „Mix-Tour“ unsere Übersetzerin, konnte jede neugierige Frage der Deutschen in deren Sprache beantworten.

Uns haben die Begegnungen sehr beeindruckt. Die Menschen in Rußland besitzen eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die wir hier nicht kennen.


Eine Reise in eine unserer Partnerstädte ist mehr als eine touristische Tour, sie öffnet die Herzen für Verständnis und Freundschaften – in den heutigen Zeiten ein kostbares Gut.


Für uns war es ein großer Schritt nach Wladimir, aber hoffentlich auch viele kleine Schritte für eine kommende Städtepartnerschaft im Dreieck mit Erlangen.

Cornelia Bartlau
Gleichstellungsbeauftragte

s. auch: https://is.gd/37RoHP

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Im vergangenen Jahr hat Cornelia Bartlau, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jena, ein Frauentreffen mit Vertreterinnen aus allen Partnerstädten, darunter auch Erlangen und Wladimir, an der Saale organisiert. Eines der Ergebnisse bestand darin, auch einmal die weibliche Lebens- und Arbeitssituation in Wladimir aus eigener Anschauung kennenlernen zu wollen.

Wasserpumpen: Cornelia Bartlau und Olga Dejewa

Nun ist dieser Gegenbesuch auch tatsächlich über die Mai-Feiertage zustande gekommen, wenn auch leider ohne Beteiligung aus Erlangen, und Oberbürgermeisterin Olga Dejewa erwies den Gästen persönlich die Ehre, begleitete die Delegation in den Patriarchengarten mit seinem einzigartigen Blick auf die Altstadt.

Die Frauendelegation aus Jena mit Irina Chasowa, Cornelia Bartlau und Olga Dejewa (2., 3. und 4. v.l.)

Ein Reisebericht steht noch aus, aber aus dem Rathaus der Partnerstadt und dem Erlangen-Haus ist bereits zu erfahren, es habe ein Besuch des Frauenhauses und verschiedener sozialer Einrichtungen stattgefunden. Auch einen ersten konkreten Ansatz für eine künftige Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir im Bereich von Kindergärten sei in Sicht.

Botanische Führung durch den Patriarchengarten

Da kommt aber sicher noch mehr, denn Cornelia Bartlau ist eine Frau der Tat. Sie initiierte bereits in den 90er Jahren einen Jugendaustausch zwischen Jena und Wladimir, der bis heute fortwährt und konnte schon mit ihrer Freiwilligeninitiative das Partnerschaftsdreieck Erlangen – Jena – Wladimir mit vielfältigem Leben erfüllen. Warten wir also ab, was da kommen wird.

Blick aus dem Fenster mit Roman Jewstifejew, gestern in Wladimir

So schön wie zu Beginn des Aufenthalts am 4. Mai blieb es in Wladimir nicht. Während wir hierzulande gestern endlich den Wonnemonat von seiner schönsten Seite genießen durften, verhagelt das Wetter buchstäblich den Frühling in der Partnerstadt. Es ist mittlerweile derart kalt und unwirtlich geworden, daß man für die Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser wieder die Fernwärme aufgedreht hat.

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