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Posts Tagged ‘Club International Erlangen’


Wollte man Mark Twain folgen, sollte man die deutsche Sprache ja sanft und ehrfruchtsvoll zu den toten Sprachen ablegen, „denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen.“ Doch die Russen halten es da mehr mit Johann Wolfgang von Goethe und dem nach ihm benannten Institut mit Hauptsitz in Moskau sowie 21 Sprachlernzentren, darunter eines im Erlangen-Haus zu Wladimir: „Wer die deutsche Sprache versteht und studiert, befindet sich auf dem Markte, wo alle Nationen ihre Waren anbieten; er spielt den Dolmetscher, indem er sich selbst bereichert.“

Markus Bassenhorst und Susanne Lender-Cassens bei der Begrüßung der Gruppe aus dem Erlangen-Haus im Club International

Landesweit geht die Zahl derer, die sich an russischen Schulen, Universitäten, Instituten und Filialen des Goethe-Instituts mit Deutsch plagen zwar zurück – um etwa 800.000 auf etwa eineinhalb Millionen -, aber nach dem Englischen behauptet das Deutsche als „erste zweite Fremdsprache“ vor dem Spanischen, Französischen oder Chinesischen seine Position. Und daran ändern offenbar auch die schwieriger gewordenen politischen Beziehungen glücklicherweise nichts.

Die Gäste aus dem Erlangen-Haus mit Markus Bassenhorst, Susanne Lender-Cassens, Dozentin Heide Thies und Reinhard Beer

Daran knüpfte denn auch Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim gestrigen Empfang im Club International zusammen mit Markus Bassenhorst, dem Leiter der Volkshochschule an, als sie den Austausch mit der Partnerstadt Wladimir als Möglichkeit zur Begegnung bezeichnete, „egal, worüber die ganz oben sich gerade streiten“. Die Chef-Dozentin des Sprachlernzentrums von Wladimir und Leiterin der zwanzigköpfigen Gruppe, Tatjana Kirssanow, ging in ihrer Erwiderung noch weiter:

Bei der Vorbereitung auf diese zweiwöchige Reise erzählte ich natürlich viel über Erlangen. Einmal wurde ich da gefragt, ob das denn wirklich alles so märchenhaft sei, wie ich es schildere. Ja, nun sehen es alle, die mitgekommen sind. Wir fühlen uns hier im Kurs und bei den Gastfamilien wie im Paradies. Danke für dieses Märchen!

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Bisher hatte es noch keine unmittelbare Freundberührung gegeben, erst die „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule brachte gestern abend die „Kommunalka“ und den „Freundeskreis Wladimir“ zusammen, – und schon entstand mehr als wenn man nur eins und eins zusammenzählt. So unterschiedlich der „Überbau“ der Städtepartnerschaft auf den ersten Blick sein mag, so viele Möglichkeiten eines Miteinanders zeigten sich bereits bei diesem ersten Treffen.

Facebook-Auftritt „Kommunalka“

Der Freundeskreis, vertreten durch Sprecher Gerhard Kreitz – er hatte noch um die Mittagszeit Irina Chasowa, Jelena Tschilimowa und Wiktor Malygin zum Flughafen gebracht -, besteht seit 2010 als „Stammtisch“, ohne Satzung, der sich hauptsächlich um die Unterbringung und Begleitung von Gästen aus Wladimir kümmert, aufmerksam und zuvorkommend für deren Kultur-, Ausflugs- und Wohlfühlprogramm sorgt, mit anderen Worten das bürgerschaftliche Element der Städtepartnerschaft prägt.

„Freundeskreis Wladimir“ trifft „Kommunalka“

Die „Kommunalka“ hingegen tat sich erst im Sommer vergangenen Jahres nach einer Studienreise des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Osteuropa an der FAU nach Sankt Petersburg und Wladimir zusammen, wo man, wie Sonja Ruppik, Cornelia Götschel und Igor Biberman den Gästen im Club International erläuterten, so manches Klischee von „den Russen“ getrost vergessen konnte. Seither wächst die Gruppe, die sich nach den zwangsfreiwilligen Wohn- und Lebensgemeinschaften aus Sowjetzeiten benennt und bei ihren Aktivitäten und Veranstaltungen nicht nur die Partnerstadt, sondern ganz Osteuropa im Blick hat, wie eben erst bei einer Fahrt nach Prag. Doch schon entsteht im Gespräch die Idee, einander bei der Betreuung von Gästen zu unterstützen, Jugendliche aus Wladimir einzuladen, die bisher keine Gelegenheit hatten, Erlangen zu besuchen, sich einmal zusammenzusetzen, um über mögliche gemeinsame Projekt zu sprechen. Mitmachen jedenfalls kann jeder, hier wie dort, und virtuell kann man ja immer einmal bei der „Kommunalka“ unter https://is.gd/hCFyOk vorbeischauen.

Wladimir im Schnee

Derweil ist in Wladimir so richtig viel Schnee gefallen, und die Temperaturen sind endlich dort, wo sie um diese Jahreszeit auch sein sollten. Der Februar nämlich wird in den slawischen Sprachen „luty“ oder „ljutyj“, der „strenge, schreckliche und wilde“ Monat, genannt.

Der Mongolensturm auf Wladimir

Streng, schrecklich und wild erlebte Wladimir vor allem den 7. Februar 1238. Damals, vor 780 Jahren, vollendete Batu Khan mit der Einnahme der Hauptstadt der Rus das Eroberungswerk seines Großvaters, Dschingis Khan. Das Mongolenheer hatte am 20. Januar bereits das damals noch unbedeutende Moskau im Sturm genommen und traf – wohl auf der zugefrorenen Kljasma vordringend – am 4. Februar auf die Verteidigungsmauern von Wladimir. Die Angreifer führten eine Geisel aus Moskau bei sich und forderten von den Verteidigern die bedingungslose Kapitulation. Doch die Russen hofften auf baldige Verstärkung und ließen sich auf den Handel nicht ein – mit fatalen Folgen: Die Feste Wladimir hielt – übrigens ebensowenig wie Susdal, das man im Handstreich niedergeworfen hatte – der Belagerung und dem Dauerbeschuß nicht stand und verlor nach gerade einmal drei Tagen des Widerstands einen Großteil seiner Bevölkerung, erlitt die Zerstörung seiner Kirchen und Klöster und ging seiner politischen wie geistlichen Vormachtstellung für immer verlustig. Ein strenger, schrecklicher und wilder Tag in der Geschichte der Partnerstadt und des ganzen Landes, das – leider auch durch Fehlentscheidungen der eigenen Fürsten und Zaren, die etwa Hilfsangebote des Papstes ausschlugen – für fast drei Jahrhunderte den Tataren untertan und tributpflichtig blieb. Kein Wunder, daß im vorpetrinischen Russischen Reich gut ein Viertel der Adelsgeschlechter mongolische Vorfahren hatte. Und noch heute sagt man: „Kratze an einem Russen, und es kommt ein Mongole zum Vorschein.“

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Als Bühne für die Kammerspiele der „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule dient der Club International, geschaffen für Veranstaltungen ohne Mikrophon und Rednerpult, ganz so, wie man es sich für eine literarische Lesung vorstellt, wie sie gestern abend vor einem zweiundzwanzigköpfigen Kreis zu erleben war. Mit einer poetischen Bekanntschaft, die der Referent des Abends, Peter Steger, seit 1990 pflegt, als in seiner Übersetzung der Lyrikband „Denkmal für den unbekannten Feigling“ des Moskauer Autors Wjatscheslaw Kuprijanow erschien.

Peter Steger

Das Tandem hat seither eine Vielzahl von Büchern – auch mit Erzählungen und Romanen – veröffentlicht, eine weitere Publikation ist derzeit in Vorbereitung. Natürlich gab es aber auch Übertragungen von Lyrik aus Wladimir zu hören, und mit Wiktor Malygin – in der Partnerstadt nicht nur als Germanist bekannt, sondern auch als Rezitator geschätzt – war vereinbart, in seiner inspirierten Interpretation auch zwei Gedichte von Alexander Puschkin erklingen zu lassen.

Peter Steger und Wiktor Malygin

Nicht vereinbart war dann freilich, womit der russische Gast am Ende der Veranstaltung Publikum wie Referent überraschte: Dieser Tage wurde an der Regionalen Wissenschaftlichen Maxim-Gorkij-Bibliothek in Wladimir zum dritten Mal das „Buch des Jahres“ gewählt. In der Sparte „Memoirenliteratur“ entschied sich die zehnköpfige Jury unter elf nominierten Titeln für den Band „Komm wieder, aber ohne Waffen!“, auf Deutsch zusammengestellt und herausgegeben von Peter Steger im Jahr 2015 und im April 2017 in der russischen Übersetzung von Jelena Tschilimowa erschienen.

Diplom für das „Wladimirer Buch des Jahres 2017“

Mit dieser Auszeichnung, so der glückliche Autor, ist das Buch tatsächlich dort angekommen, wo es hingehört: im kollektiven Gedächtnis der Partnerstadt. Als Gelegenheitsübersetzer fügt er freilich in Anerkennung der Arbeit von Jelena Tschilimowa an, wie schön es gewesen wäre, wenn man auch deren Leistung namentlich gewürdigt hätte. Viel zu oft noch bleibt nämlich der Anteil des Übersetzers am Erfolg eines Buches unerwähnt, nicht gebührend geschätzt. Doch die Freude über den Preis kann das nicht trüben.

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Kaum war der Auftakt mit dem „Russischen Abend“ verklungen, ging es gestern ab dem späten Vormittag schon weiter mit dem Programm der „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule. In zwei Sparten, auf zwei Bühnen.

Anna Schellenberger und Jelena Gorbunowa ziehen die Fäden

Während im Historischen Saal des Wildenstein’schen Palais Jelena Gorbunowa und Anna Schellenberger Einzelunterricht beim Klöppeln  gaben und dabei halfen, kunstvoll die Fäden der Partnerschaft zu ziehen, füllte sich im Club Internation des Egglofstein’schen Palais mit Gästen zum „Russischen Brunch“.

Russischer Brunch im Club International

Die Organisatoren des kulinarischen Treffens, Gerhard Kreitz und Wolfram Howein, dachten dabei nicht nur an das leibliche Wohl, sondern sammelten für die „Pannenhilfe Kammerorchester Wladimir“, ein Zweck, der sein Ziel allmählich erreicht, denn der VW-Bus mit Getriebeschaden ist mittlerweile in Dresden repariert und steht zur Abholung bereit. Nach bisheriger Planung wird Mitte April Igor Besotosnyj wieder nach Erlangen kommen und dann auch sein Fahrzeug abholen können. Doch dazu bald mehr.

Pannenhilfe für das Kammerorchester Wladimir

Die Partnerschaft – ein Wunschkonzert? In vielfacher Hinsicht schon, denn sie lebt von den Ideen und Initiativen aller, die den Austausch mitgestalten wollen. Da wäre es doch einmal lohnend, Wünsche und Vorstellungen zu sammeln, wie das Miteinander von Erlangen und Wladimir in fünf Jahren aussehen könnte. Also: Wunschzettel ausfüllen, einwerfen. Auch wenn vielleicht nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann, dürfen doch alle, die mitmachen, darauf hoffen, zum vierzigjährigen Partnerschaftsjubiläum – das dann in Wladimir ausgetragen wird – das große Los gezogen zu haben und einen der vielen Preise zu gewinnen. Setzen Sie also auf die Zukunft der Partnerschaft und deren Glück, dann winkt auch Ihnen Fortuna.

Wünsch dir was für die Partnerschaft

Aber die Hauptsache gestern waren natürlich Essen und Trinken, die auch Erlangen und Wladimir zusammenhalten. Schon seit dem frühen Morgen hatten sich Gerhard Kreitz, Sprecher des Freundeskreises Wladimir, mit Irina Chasowa, Direktorin des Erlangen-Hauses, und ihrer Vorgängerin in der Funktion, Jelena Tschilimowa, auf die Speisung der 40 vorbereitet, und siehe, die Hungrigen und Dürstenden kamen ohne Zahl, sich am „Hering im Pelz“ oder Salat „Olivier“ zu laben.

Jelena Tschilimowa 1

Jelena Tschilimowa bei den Vorbereitungen auf den Russischen Brunch

Ohne Rechnung am Ende, nur mit der Bitte, sich an der Sammlung für die „Pannenhilfe Wladimir“ zu beteiligen.

Irina Chasowa, Gerhard Kreitz und Jelena Tschilimowa

Und so wurde dieser Brunch zu einem weiteren Flansch der Partnerschaft, zu einer dichten Verbindung zwischen den komplex kommunizierenden Röhren des Austausches zwischen Erlangen und Wladimir, von denen es so viele gibt, wie Menschen sich beteiligen.

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Beim gestrigen deutsch-russischen Abend im Club International der Volkshochschule, wie in den neun Jahren zuvor gekonnt moderiert von Reinhard Beer, dem unentbehrlichen Kurator der Deutschkurse am Erlangen-Haus, gab es an einer Stellwand handschriftliche Botschaften der Gäste aus Wladimir zu lesen, darunter auch die Worte von Iwan:

Wir sind schon zwölf Tage in Deutschland. Das war sehr schön. Jeder Tag war besonders.

Unter Gästen und Gastgebern die Bürgermeisterinnen Elisabeth Preuß und Susanne Lender-Cassens

Und jeder Tag hätte wohl auch einen eigenen Blogeintrag verdient. Weil’s aber nicht kann sein, heute nur einige Auszüge aus den Schilderungen der wieder großartig vom Freundeskreis Wladimir betreuten Gruppe, die morgen nach Hause reist:

Reinhard Beer, Leiter der VHS-Sprachenabteilung, eröffnet den Abend

Die meisten Leute sind höflich, beeilen sich nicht, alle sind ruhig und seelensfriedlich. – Die Preisbildung der DB (Regionalticket) – wirklich günstig und klug, aber – ständige Verspätungen. – Alkohol zu trinken, überall erlaubt. Alle trinken, aber keiner randaliert. – Viele Schwerbehinderte auf der Straße. Die Bedingungen für sie sind so günstig, alle Plätze sind für sie zugänglich. – Sehr schwer, einen Parkplatz zu finden, aber niemand parkt da, wo es verboten ist. – Viele Nationen und Kulturen, alle kommen zurecht miteinander. Tatjana.

Natalia Korssakowa, Deutschdozentin am Erlangen-Haus und Leiterin der Gruppe

Ich habe mich über die Straßen, die Häuser, die Leute und alles andere gefreut. Ich bedanke mich für diese Reise nach Deutschland! Wsewolod.

Ein Geschenk für Reinhard Beer von Natalia Korssakowa

Kosbach ist bekannt dank seiner Schönheit. Wälder, Felder und Weiher, in denen es Karpfen gibt. Deshalb können wir Gerichte vom Fisch probieren und die Atmosphäre genießen. Aber die besten Eindrücke haben wir vom Fischerstechen bekommen. Es war unglaublich. Darja, Anna und Wiktoria.

Volles Haus im Club International

Ich war schon einmal in Erlangen, deshalb war der erste Tag auch der Tag der Nostalgie. Besonders gut hat mir der Sonntag gefallen. Ich hatte keine Fahrt irgendwohin, war einfach zu Hause, wo wir einen Kuchen gebacken haben. Dann waren wir im Theater. An diesem Tag habe ich erfahren, was der Begriff „deutsche Familie“ bedeutet. Marina ♥

Szenische Aufführung des Erlkönigs

Unsere Reise bleibt für immer in unserem Gedächtnis. Waleria. – Meine Gastfamilie war total super. Hier habe ich sehr viel Neues erfahren und gesehen. Und das bleibt in meiner Erinnerung. Besonders gut hat mir die Fachwerktour gefallen. Vielen Dank für alles!!! Kristina ♥♥♥

Ein Ständchen der Gäste

Im Unterricht erfahre ich immer etwas über die Geschichte von Deutschland und Erlangen. Besonders interessant war für mich die Geschichte der Hugenotten. Alle unsere Exkursionen haben mir gute Laune gemacht. In diesen zwei Wochen haben wir auch traditionelles deutsches Essen probiert. Es schmeckt mir gut, besonders Kartoffelsalat mit Brötchen. Es war wirklich eine tolle Reise, und später möchte ich das noch einmal machen. Maria

Die musikalische Antwort vom Sprecher des Freundeskreises Wladimir, Gerhard Kreitz, und der Deutschdozentin, Heide Thies

Eine Dekade Deutschkurse für das Erlangen-Haus an der Volkshochschule. Grund genug für beide Bürgermeisterinnen, Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß, die Gäste zu verabschieden und den Gastgebern zu danken. Wie zufrieden beide miteinander waren, ist den obigen Zitaten zu entnehmen. Auch Heide Thies und Gerhard Kreitz sind voll des Lobes: „Ausgezeichnete Sprachkenntnisse, hohes Niveau, viel Interesse an allem, menschlich in Ordnung, hat richtig Spaß gemacht mit der Gruppe!“

Wolfgang Morell

Und Spaß machte natürlich auch wieder das Programm mit der Preisverleihung an die Teams mit den besten Kenntnissen von Erlangen, mit der Präsentation zum russischen Aberglauben, mit den Liedern und szenischen Einlagen bis hin zu Wolfgang Morells Rezitation von Alexander Puschkins lyrischer Solidaritätsadresse an die nach Sibirien verbannten Dekabristen.

Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß mit der Band Soundscape 2.0

Schon fast gegen Ende des Abends dann noch Überraschungsgäste, die Rockband Soundscape 2.0 aus Cumiana, der italienischen Freundschaftsstadt, nach ihrem Auftritt am Marie-Therese-Gymnasium. Wie um Tatjanas Worte zu bestätigen: „Viele Nationen und Kulturen, alle kommen zurecht miteinander in Erlangen.“

Zu Gast in der Wladimirstraße, gesehen von Georg Kaczmarek

Solange Erlangen auch weiterhin so gut mit seinen Partnerstädten zurechtkommt – gottlob spricht nichts dagegen! -, leuchtet ja auch noch ein Funken Hoffnung für eine Welt, die droht, das Licht hinter sich auszumachen.

 

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Wenn Besuchergruppen aus Wladimir gleichzeitig in Erlangen zu Gast sind, ist eine Parallelität der Ereignisse fast unvermeidlich. Und tatsächlich haben sich die Gäste des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) und die Teilnehmer am Deutsch-Kurs der Volkshochschule noch gar nicht getroffen, zu unterschiedlich sind die Programme. Aber am Samstag dürfte es in der Fränkischen Schweiz mit einer Begegnung klappen – und spätestens am Freitag, den 30. Juli, wenn im Club International bzw. bei gutem Wetter im Hof der Volkshochschule ab 18.00 Uhr zum Russische Abend geladen wird. Oberbürgermeister Florian Janik hat sein Kommen zugesagt, und – noch unbestätigt – vielleicht gibt es sogar hohen Besuch aus dem Russischen Generalkonsulat in München.

Gruppe des Erlangen-Hauses mit Reinhard Beer (2. v.l.), Elisabeth Preuß (MItte( und Irina Chasowa (erste Reihe, 2. v.r.)

Gruppe des Erlangen-Hauses mit Reinhard Beer (2. v.l.), Elisabeth Preuß (3. v.r., 2. Reihe) und Irina Chasowa (erste Reihe, 2. v.r.) in der VHS

Noch aber sind wir in Parallelwelten. Die Gruppe des Erlangen-Hauses erhielt gestern vormittag  von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß einen Einblick in die Stadtgeschichte, und nur eineinhalb Stunden später lud Erzbischof Ludwig Schick die Wladimirer Studenten der Religionswissenschaft und Philosophie in Begleitung des katholischen Priesters, Sergej Sujew, und seines orthodoxen Amtsbruders, P. Warfolomej (Sergej Minin) zum Empfang in seine Residenz.

Empfang für die Wladimirer Gäste des BDKJ bei Erzbischof Ludwig Schick

Empfang für die Wladimirer Gäste des BDKJ bei Erzbischof Ludwig Schick in Bamberg

Viel länger als geplant, eine ganze Stunde, nahm sich der Gastgeber Zeit für die vielen Fragen zum Verhältnis der Katholiken gegenüber der Orthodoxie, zum Miteinander von Staat und Kirche, zu den Unterschieden der Konfessionen. Offen und unbelastet, so der Erzbischof, sei das Verhältnis zwischen Katholiken und Orthodoxen auf der Ebene der Praxis und des Zusammenlebens. So unkompliziert, daß russisch-orthodoxe Eltern – wegen der fehlenden Lehrkräfte – ihre Kinder gern in den katholischen Religionsunterricht schicken. Ganz anders natürlich sehe es natürlich auf der theologischen Ebene aus, wo Fragen wie der Primat des Papstes oder die gegenseitige Anerkennung der Taufe noch einen langen Weg bis zur Einheit der Christen versprechen. Desto wichtiger sind Ludwig Schick, der Wladimir aus eigener Anschauung kennt und die dortige Rosenkranzgemeinde großherzig unterstützt, diese Jugendbegegnungen, bei denen man im Umgang miteinander über die Grenzen hinweg auch lernen kann, daß Konfessionen nicht viel mehr sind als Konventionen, verschiedene Auslegungen des Glaubens an den einen Gott, in dem alle vereint sind.

 

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Familie Nikolajew ist nun schon zum vierten Mal zum Sommersprachkurs in Erlangen. Doch mittlerweile sind die vier aus Gus-Chrustalnyj so fortgeschritten, daß sie am Language Center ein eigenes Programm absolvieren und nur noch bei den landeskundlichen Aktivitäten zur Gruppe aus dem Erlangen-Haus stoßen. Wenn man nicht gerade sogar ganz eigene Wege geht.

Natalia, Jewgenij und Olga Nikolajewa

Natalia Nikolajewa, Patrick Hofstetter, Siggi Pietsch, Jewgenij und Olga Nikolajew

So getan vorgestern abend, als die begeisterten Badminton-Spieler (nur Sohn Alexander hält sich da zurück und mehr ans Laufen) beim TV 1848 zum Schläger griffen und gleich eine Einladung aussprachen, mit einem Team nach Wladimir zu kommen. Möglichst schon im Herbst. Warum lange warten! Allerdings, so der Arzt und Hobby-Sportler, Jewgenij Nikolajew, sollten sie nicht unbedingt ihre besten Spieler mitbringen. Denn: „Ich gehöre in unserem Regionalverband nicht zu den schlechtesten, aber hier bin ich gegen keinen angekommen. Klasse Spieler habt Ihr hier in Erlangen.“ Und dann bekennt er, diese Disziplin sei in Rußland noch nicht so recht heimisch, auch wenn sie von Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew vor allem an den Schulen gefördert werde. „Unser bester Spieler im Verein stammt aus Syrien. Der könnte den Erlangern richtig Paroli bieten. Aber mir geht es ja um ein Freundschaftstreffen. Da ist nicht so wichtig, wer am Ende siegt. Hauptsache mitmachen!“

Tatjana Kolesnikowa und Manfred Scheltz

Tatjana Kolesnikowa und Manfred Scheltz

Jenseits des Gruppenprogramms hat sich auch an so manchem Tag Tatjana Kolesnikowa bewegt. Immer an der Hand des väterlichen Freundes, Manfred Scheltz. Sechs Jahre war die Germanistin, die in Wladimir immer dann als Dolmetscherin einspringt, wenn es knifflig wird, nun nicht mehr in Erlangen. „Aber Manfred hat mir das Leben in Deutschland und bei unserem Ausflug nach Osttirol das Leben zum Paradies gemacht.“ Genau so will sie es geschrieben wissen, und so sei es denn auch. Zumal deshalb, weil die Deutsch-Dozentin damit im Namen aller fast 20 Kursteilnehmer spricht, die ähnliches über ihre Gastgeber zu sagen wüßten.

Olga Mosgowaja bei ihrer Präsentation im Club International

Olga Mosgowaja bei ihrer Präsentation im Club International

Gestern, beim Russischen Abend im Club International, jedenfalls konnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man sich ein wenig umhörte. Rundum Zufriedenheit und ein buntes Programm, gestaltet von den russischen Gästen mit eigenen Beiträgen, die nicht nur beweisen, wie erstaunlich gut sie schon Deutsch beherrschen – mit oder ohne Spickzettel -, sondern auch wie sehr sie sich bemühen, ihr eigenes Land den deutschen Gastgebern näher zu bringen und sympathischer zu machen. Botschafter des guten Willens, von denen man Rußland besonders in diesen politisch so verfinsterten Tagen mehr wünschen möchte.

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