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Posts Tagged ‘Club International Erlangen’


Seit zehn Jahren sorgte er als Pächter des Bistros im Club International der Volkshochschule für das leibliche Wohl seiner Gäste und gab allen, die in seinem Café Platz nahmen oder sich am Büfett einer Veranstaltung bedienten, das Gefühl, er habe genau auf niemanden sonst, sondern nur noch auf sie gewartet. Nun ist Bernd Uebel, an dessen Seite hinter und vor dem Tresen Lala Reyef und Franco Tommasino standen am 24. April ganz unerwartet verstorben. Für all die vielen anderen, die den Wirt mit dem gastlichen Herzen kannten und schätzten, nimmt Tatjana Kirssanowa, Leiterin der Deutschkurse am Erlangen-Haus, Abschied aus der Ferne.

Bernd Uebel

Bernd Uebel und Franco Tommasino

Das ist eine erschütternde Nachricht für uns alle, ein schwerer Verlust. Wir alle haben Bernd sehr geliebt und werden ihn sehr vermissen. Es gibt Menschen, die Spuren in unserem Herzen hinterlassen. Bernd hat zu ihnen gehört: Er hat sich nicht einfach nur so um uns, um unsere Gruppe, gekümmert. Nicht einfach nur gekocht und bedient. Es gab etwas Besonderes, etwas mehr, immer mehr: sein Lächeln, seine Witze, seine Komplimente, seine Herzlichkeit… Im Februar, bei unserem letzten Wiedersehen, hat er uns über seine Träume für die Zukunft erzählt… Unser Beileid und aufrichtiges Mitgefühl gelten seiner Familie. Es ist schwer, bei einem solchen Anlaß tröstende Worte zu finden, vor allem für seine Töchter, die er so sehr geliebt hat. Einfach unvorstellbar! Armer Bernd!

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Die Zeit des Oberbürgermeisters beim morgendlichen Empfang für Nikolaj Schtschelkonogow mag noch so knapp sein, er hört gebannt den Erinnerungen des Veteranen zu, den er im Mai 2015 persönlich in Wladimir kennengelernt hatte. Da kann der nächste Termin ruhig etwas warten. Denn: „Es ist unglaublich und bewundernswert wie Sie die Erinnerung an die Schrecken des Krieges mit einem lebensfrohen Willen zur Aussöhnung verbinden!“ Es ist genau diese Mischung, die der wegen seiner vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten zum Oberst ehrenhalber ernannte Hauptmann a.D. der Sowjetarmee auch gestern an den Tag legte. Es ist sein Lebensmotto: „Nicht vergessen, was war, und frohgemut in die Zukunft blicken.“ Und so erzählte er gestern denn auch im Rathaus – anfangs durchaus ein wenig aufgeregt, im Besprechungszimmer des Stadtoberhaupts sitzen zu dürfen – nicht nur von den erbitterten Kämpfen an der weißrussischen Front und vom Häuserkampf in Berlin, sondern auch davon, wie er, selbst ein Landkind, vor den Toren der zerstörten Hauptstadt Deutschlands wenige Tage nach den Kampfhandlungen Bauern bei der Arbeit half und am Wiederaufbau mitwirkte, bis er im Oktober 1945 zur weiteren militärischen Ausbildung in die Ukraine geschickt wurde und von dort nach Wladimir kam, wo er seine mittlerweile verstorbene Frau kennenlernte.

Florian Janik, Peter Steger und Nikolaj Schtschelkonogow, gesehen von Robert Hatzold

Aber immer wieder Erlangen: Seine erste Reise in das wiedervereinigte Deutschland im Jahr 1992, wo die Veteranendelegation aus Erlangen am Abend von einer gespannt wartenden Gruppe erwartet wurde, wohin er nun schon zum sechsten Mal gekommen ist, um Abschied zu nehmen, begleitet von seiner Gefährtin, Tatjana Jazkowa, und der Dokumentarfilmerin, Jekaterina Zwetkowa, die jeden Schritt und jede Begegnung für die Nachwelt festhält. Ein wichtiges Moment, wie Florian Janik betont, denn: „Die Zeitzeugen werden immer weniger. Dabei ist gerade für junge Leute so wichtig, an deren Erleben teilhaben zu können. Ich erinnere mich selbst noch, wie ans Ohm-Gymnasium in meine Klasse einmal eine Überlebende des Holocaust kam. So etwas kann man nie vergessen, zumal die Frau die gleiche heitere Ausstrahlung hatte wie Sie – ungeachtet all des Leids, das hinter ihr lag.“

Florian Janik, Nikolaj Schtschelkonogow, Tatjana Jazkowa und Jekaterina Zwetkowa

Für sein einzigartiges Friedenswerk, begonnen bereits 1991 mit der Aufnahme der ersten Erlanger Veteranendelegation in Wladimir, zeichnete darum Erlangens Oberbürgermeister den Ehrengast aus Wladimir mit einer Dankurkunde aus, verliehen für den großen Beitrag zur Verständigung und Aussöhnung zwischen Deutschen und Russen.

Wolfgang Morell und Nikolaj Schtschelkonogow

In diesem Geist fand dann auch das Treffen mit Wolfgang Morell statt, dem man – der Blog berichtete bereits ausführlich darüber – nach der Gefangennahme in der Winterkälte vor Moskau im Jahr 1941, schwer erkrankt, in einem Wladimirer Militärhospital das Leben rettete. Die beiden Veteranen hatten sich lange nicht mehr gesehen, das letzte Mal im Juni 2011, und hatten sich denn auch viel zu erzählen, aufmerksam verfolgt von Jekaterina Zwetkowa und ihrem Doku-Team. Und doch blieb auch noch Zeit für die Freunde, einigen Damen noch ein Ständchen zu singen. Alte Kavaliere eben.

Nikolaj Schtschelkongow und Wolfgang Morell beim Damenkränzchen

Zwei Stunden waren am frühen Nachmittag für ein Treffen am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas. Es wird niemanden verwundern, daß dieses Seminar in Oral History am Ende fast drei Stunden dauerte. Zu viel hatte Nikolaj Schtschelkonogow auf dem Herzen, von der vielfach betriebenen Geschichtsfälschung bis hin zur Bedeutung des Geschichtsstudiums. Ginge es nämlich nach ihm, sollten in der Politik hauptsächlich Historiker tätig sein. Kein Fach sei so wichtig, wie dieses, denn ohne die Geschichte gerate alles ins Trudeln und Wanken. Eine Haltung, die an das traurige Fazit des Veteranen Günther Liebisch erinnert: „Es studieren so viele Geschichte, aber niemand lernt aus der Geschichte.“ Der Gast aus Wladimir würde da sicher widersprechen. Er wird nicht müde, seine erlebte Geschichte des Krieges mitzuteilen – stets in der Hoffnung, damit etwas für den Frieden leisten zu können.

Nikolaj Schtschelkonogow im Gespräch mit Moritz Florin, Igor Biberman und Olga Malinowa-Tsiafeta

Recht hat er ja damit, denn mit dieser zugewandten Haltung nimmt er nicht nur jedes Mal sein Publikum, wie gestern abend im Club International der Volkshochschule, für sich und seine Botschaft ein, sondern er gewinnt auch ständig neue Freunde dazu.

Familienbild mit Wolfgang Morell und Nikolaj Schtschelkonogow

Ganze Familien oder jemanden wie Heinrich Hirschfelder, der zur Geschichte der russischen Kriegsgefangenen aus dem 1. Weltkrieg in Erlangen forschte und dem Gast sein Buch mit Widmung überreichte.

Heinrich Hirschfelder und Nikolaj Schtschelkonogow

Dann aber die Diskussion – gemeinsam mit Wolfgang Morell geführt und gekonnt vom Sprecher des Freundeskreises Wladimir, Gerhard Kreitz, moderiert – im Club International, die nach eineinhalb intensiven Stunden noch lange nachwirken wird, und von der hier nur einige Schlaglichter wiedergegeben werden sollen: Etwa das mit dem doppelten Stalin-Wodka vor jeder Schlacht, um den sich viele Legenden ranken, der in seiner ursprünglichen Form aber vom Generalissimus bald wieder abgeschafft und ersetzt wurde durch ein Hundertgramm-Glas Wässerchen für jene in vorderster Front, das auf Antrag des jeweiligen Befehlshabers und entsprechend der Versorgungslage im Troß auch durchaus einmal reichlicher ausgeschenkt werden konnte. Etwa das – schon viel ernsthafter – mit dem Rotarmisten, der kurz nach dem Krieg in Erfurt eine Schneiderin vergewaltigte und die von ihr bewachten Stoffe mitgehen ließ, nach zwei Tagen aber dingfest gemacht und in einer п-Formation standrechtlich erschossen wurde. Denn für solche Vergehen gab es keine Gnade. Streng hielt man es auch mit dem Umgangsverbot mit Deutschen, das erst nach Stalins Tod gelockert wurde. Wer sich mit einer deutschen Frau einließ, lief Gefahr, innerhalb von 24 Stunden unehrenhaft in die Heimat zurückgeschickt zu werden, degradiert und ggf. aus der Partei entlassen. Nicht einmal Kinos oder Restaurants und Theater durfte man besuchen. Andererseits lebte man einigermaßen privilegiert, war gut versorgt, und als Nikolaj Schtschelkonogow 1953 seine Frau nachholen durfte, sammelte sich bis 1956 – nach sechs Jahren Dienst in der DDR – derart viel „Plunder“ an, daß eine befreundete deutsche Familie mit Preßspankisten aushelfen mußte. Da war sie dann schon erlaubt und sogar erwünscht – allerdings nur für die höheren Ränge – die deutsch-sowjetische Freundschaft. Und dann noch etwa das von den Zeitungen, die kurz vor der Schlacht in den Unterständen und Gräben verteilt wurden – stets mit einem scharfen Artikel von Ilja Ehrenburg, der „Auge um Auge“, „Blut um Blut“, „Zahn um Zahn“ und sogar die Schändung deutscher Frauen als Vergeltung forderte. Die Deutschen hatten ja mit den Greultaten begonnen. Erst vor den entscheidenden Kämpfen um Berlin schlug der Ton um und der Hetzjournalist verstummte. Nun hieß es: „Wir sind nicht wie die Faschisten, wir tun niemandem Gewalt an, wir zwingen nicht Kinder und Frauen in die Schlacht.“ Und noch dedizierter: Am 9. Februar schrieb die „Krasnaja Swesda“, das Organ des Kommissariats: „Auge um Auge, Zahn um Zahn ist ein alter Spruch. Aber man muß ihn nicht wörtlich nehmen. Wenn die Deutschen marodierten und Frauen schändeten, heißt das nicht, daß wir dasselbe tun müssen. Das war niemals so und wird niemals so sein.“ Siehe dazu den Spiegelartikel aus dem Jahr 1975: https://is.gd/BBPGul

Wolfgang Morell und Nikolaj Schtschelkonogow zur Eröffnung des Abends im Club International

Oder jene Geschichte vom Geburtsort eines in Polen geborenen Mannes aus dem Publikum, der kaum glauben kann, daß Nikolaj Schtschelkonogow offensichtlich bei der Befreiung seiner Heimatstadt dabei war. Überhaupt – all die Gefechte und Schlachten: Nikolaj Schtschelkonogow kennt sie noch alle, die Orte, die Opfer auf beiden Seiten, die Strategien. Und nun schlägt er seine letzte Schlacht um die Bewahrung der Wahrheit und um den Frieden. Möge er auch diese Schlacht gewinnen! Wie er das tut, ist auch ohne viele Worte anhand der Bildstrecke von Othmar Wiesenegger, gerade noch rechtzeitig vor Redaktionsschluß eingetroffen, zu sehen.

Bleibt noch nachzureichen: Zum Ausklang des Abends stimmte Nikolaj Schtschelkonogow seine bereits 1992 komponierte und getextete Erlangen-Hymne „Stadt an der Regnitz“ an, ohne Begleitung, auswendig aus dem Stand und in der deutschen Übersetzung von Peter Steger. Und dabei behauptet er, kein Talent zum Schreiben und zur Tonsetzerei zu besitzen. Der Veteran hat eben auch den Schalk im Nacken.

Abendliche Einkehr mit Othmar Wiesenegger in der Stadt an der Regnitz

Stadt an der Regnitz, wie bist du mir teuer,

gleich beim Hotel wird flaniert,

Gärten und Parks, alter Mühlen Gemäuer,

gern man zu zwein hier spaziert.

Erlangen, Erlangen!

Es war einmal, früh noch im Mai.

Erlangen, Erlangen!

Ja, damals war ich auch dabei.

Hauptstädtisch wird wohl dein Puls niemals schlagen,

davon halt‘ dich besser fern, –

mehr hat dein eigener Reiz mir zu sagen,

darum hab‘ ich dich so gern.

Erlangen, Erlangen!

Gemütlicher Gassen Gewirr. –

Erlangen, Erlangen!

Der Wind trägt ein Glockengeschirr.

Viele lockt freilich der Flitter der Kronen:

London, Ägypten, Paris…

Doch ob die Mühen sich wirklich auch lohnen?

Du bist viel schöner gewiß.

Erlangen, Erlangen!

An Schönem bist du selbst so reich. –

Erlangen, Erlangen!

So alt und doch jung stets zugleich.

Und Kameraden hab‘ ich hier gefunden,

Freundschaft mit ihnen ich halt‘.

Zärtlich und heiter in all deinen Stunden,

dank dir wird’s mir nimmer kalt.

Erlangen, Erlangen!

Die Liebe zu dir singt mir Lieder.

Erlangen, Erlangen!

Vielleicht sehen wir uns bald wieder.

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Auch der mittlerweile zwölfte zweiwöchige Deutschkurs an der Volkshochschule in Folge ging gestern für die Gäste aus dem Erlangen-Haus mit einem von der Wladimirer Gruppe gestalteten Abschiedsabend zu Ende. Ein wenig vorgezogen, denn nach Hause brechen die 16 zumeist jungen Besucher ja erst am Montag wieder auf. Aber heute heißt es zum letzten Mal die Schulbank im Club International drücken und das eigens zusammengestellte Lehrprogramm abzuschließen, bevor das Wochenende noch Ausflüge nach Bayreuth und in die Fränkische Schweiz bringt, zusammen mit dem Freundeskreis Wladimir, der sich von Besuch zu Besuch mit seinen Angeboten immer weiter steigert.

Iwan Schtscherbakow

Die Gäste wissen das zu schätzen und sind denn auch voll des Lobes für die Volkshochschule und Reinhard Beer, den „Vater dieser Sommerkurse“, den Freundeskreis Wladimir und natürlich besonders für die Familien, bei denen man sich „wie die eigenen Kinder fühlen“ durfte, wie es die mitgereiste Deutschlehrerin aus dem Erlangen-Haus, Jekaterina Ussojewa, so anrührend ausdrückt. Und so durften sich gestern abend, dem bisher heißesten Tag in der Wettergeschichte Erlangens, die Gastgeber entspannt zurücklehnen und genießen, was ihnen die russische Dankbarkeit zu bieten hatte. Iwan Schtscherbakow – Sie erinnern sich, der Feuermann? – brachte sogar einen in der Küche von Heidi und Jürgen Binder selbstgebackenen Apfelkuchen mit, der sinnbildlich für die liebevolle Phantasie steht, mit der die Gäste zu Werke gingen.

Wie sehr die Kommunalpolitik in Erlangen diese Bürgerpartnerschaft schätzt, erlebte die Gruppe dann aber auch, als Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Pause der Stadtratssitzung nutzte, um allen ihre Anerkennung auszusprechen und auf die unverzichtbare Bedeutung der Volksdiplomatie hinzuweisen. Dabei gehört die Politikerin selbst zum engen Kreis dieser Verständigung über die Grenzen hinweg, denn immer wieder nimmt sie selbst Besucher aus Wladimir bei sich auf. So auch dieses Mal in Person von Jekaterina Ussojewa.

Elisabeth Preuß vor dem Auditorium im Club International

Seit Juni vergangenen Jahres gehört die Germanistin, die in Sankt Petersburg studierte und dann in ihre Heimatstadt zurückkehrte, zum sechsköpfigen Dozententeam am Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir. Zum ersten Mal ist sie nun – nach zwei vorgelagerten Besuchen in Berlin – in Erlangen und leitete nicht nur die Gruppe souverän, sondern führte auch ebenso selbstischer wie sympathisch durch das deutsch-russische Unterhaltungsprogramm des Abends.

Jekaterina Ussojewa und Elisabeth Preuß

Auch Igor Rjaschtschenko kennt Deutschland von früheren Besuchen und kam nun zum ersten Mal in die Partnerstadt, wo Matthias Utzschneider ihm Kost und Logis mit nicht ausgeschlossener späterer Freundschaft bietet. Der Sänger seinerseits kennt Wladimir vom vorjährigen Auftritt seines Chores „Vocanta“ und will der nicht mitgereisten Frau des Gastes helfen, vielleicht einmal mit ihrem Puppentheater nach Erlangen zu kommen. Wenn man so hineinhört in die Gespräche, ist ohnehin immer wieder zu vernehmen, wie da auch ganz neue Verbindungen entstehen, die in der Zukunft die Städtepartnerschaft auf ihre Weise prägen dürften. Denn, das sei nie vergessen: Wer an diesen Sommerkursen – gleich auf welcher Seite – teilnimmt und mitwirkt, spielt stets auch eine Rolle im deutsch-russischen Miteinander und der Gestaltung von Beziehungen zwischen unseren Städten und Ländern.

Igor Rjaschtschenko und Matthias Utzschneider

Zum Kanon des Unterrichtsprogramms gehört von Beginn an die Stadt-Rallye, bei der die Kursteilnehmer in zumeist dreiköpfigen Teams ausschwärmen, um im „gemischten Doppel“ im Praxistest Erlangen zu erkunden und – dieses Mal – 18 Fragen zu beantworten, von denen die nach der täglich über die Städtepartnerschaft berichtenden Internetquelle noch die einfachste war. Die Siegertroika schaffte dabei etwas, das es so bisher nicht gegeben hatte: Das Trio machte keinen einzigen Fehler und holte alle 18 Punkte. Dazu war übrigens auch folgendes Rätsel zu lösen: „Es hat zwei Flügel und kann doch nicht fliegen. Es hat einen Rücken und kann doch nicht liegen. Es trägt eine Brille und kann doch nicht sehen. Es hat ein Bein und kann doch nicht stehen. Zwar kann es laufen, aber nicht gehen.“ Hätten Sie es gewußt? Kleine Denkhilfe für Literaturfreunde: Es handelt sich um ein Organ, dem Nikolaj eine seiner klassischen Grotesken widmete.

Artjom Isjumow, Jekaterina Tatarnikowa, Nadeschda Stachowskaja und Reinhard Beer bei der Verleihung des 1. Preises

Lew Kopelew, der Weltkriegsveteran, Autor und große Friedensstifter zwischen Russen und Deutschen, meinte einmal, ein guter Wille könne vieles leisten, auch den bösen Gewalten widerstehen und sie sogar bewältigen. Diesen guten Willen zeigten am gestrigen Abend alle. Möge er nicht der letzte seiner Art gewesen sein!

Erlangen-Haus 12

Siehe auch: https://is.gd/2sAgrM und https://is.gd/9VBTuU

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Am späten Montagabend in Nürnberg gelandet, sitzt die 16köpfige Gruppe aus dem Erlangen-Haus nun seit Dienstag jeden Morgen bis Freitag nächster Woche im Deutschkurs von Heide Thies im Club International der Volkshochschule, paukt Grammatik und übt Konversation. In der Freizeit und am Wochenende sollen die Gäste dann Erlangen – von „Klassik am Berg“ bis zu den Regnitzwerkstätten – und möglichst viel von Franken kennenlernen und sogar einen Ausflug bis nach Kloster Weltenburg unternehmen. Ein vielseitiges Programm, zusammengestellt vom Freundeskreis Wladimir, der auch diese, die zwölfte Sprachreise des Erlangen-Hauses in Folge, aufmerksam vorbereitete und begleitet. Immer für die zweiten Julihälfte schreibt das Erlangen-Haus in Kooperation mit der Volkshochschule Erlangen für seine jährlich gut 200 Deutsch-Kursteilnehmer diese Möglichkeit der Vertiefung von Sprachkenntnissen aus. Es kann nicht oft genug gesagt werden: Was von Klaus Wrobel, dem seinerzeitigen Direktor der VHS, und seinen Nachfolgen, Christine Flemming und Markus Bassenhorst, mit der tatkräftig-kompetenten Unterstützung des Sprachenbeauftragten, Reinhard Beer, schon Mitte der 90er Jahre ins Werk gesetzt wurde und unermüdlich fortgesetzt wird, trägt nicht nur erstaunliche Früchte, sondern entwickelt eine großartige Eigendynamik.

Markus Bassenhorst

Dank den Bemühungen von Klaus Wrobel und Reinhard Beer kamen die Deutsch-Kurse des Erlangen-Hauses unter die Fittiche des Goethe-Instituts Moskau, die wachsende Dozentenschar aus Wladimir wurde dort geschult und auf die eigenen pädagogischen, an der Sprachpraxis ausgerichteten Lehrmethoden eingeschworen. Mit Erfolg. Das Konzept hebt sich offenbar so wohltuend von den Angeboten anderer Einrichtungen – vor allem der Schulen und Universitäten – ab, daß die Kurse ungeachtet des allgemein zu Gunsten des Englischen nachlassenden Interesses an der deutschen Sprache immer stärker nachgefragt werden, besonders übrigens von jungen Leuten.

Florian Janik und Irina Chasowa

Beim gestrigen Treffen mit Oberbürgermeister Florian Janik zeigte denn auch Irina Chasowa, Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, eine gehörige Portion Selbstbewußtsein, als Markus Bassenhorst bei seiner Begrüßung meinte, man werde an seiner Volkshochschule erst demnächst das erste Smartboard einsetzen können, eine Technik, die im Wladimirer Sprachlernzentrum bereits vor gut zwei Jahren den Praxistest bestanden hatte. Die Besucherin bot nämlich gleich schlagfertig ein Praktikum in der Partnerstadt vor, um die Erlanger Dozentenschaft von den Vorteilen der schlauen Weißwandtafel zu überzeugen. Ein Angebot, das Florian Janik, der als Gastgeschenk seine russische Lieblingsleckerei erhielt, gern aufgriff, denn: „Gründe, Wladimir zu besuchen, gibt es viele!“

Aber natürlich gibt es auch nicht weniger Gründe, Erlangen zu besuchen. Gerade in diesen Zeiten, wie das Stadtoberhaupt anmerkte, wo, ohne Schuldzuweisungen aussprechen zu wollen, das Verhältnis zwischen unseren Staaten besser sein könnte. Gerade da komme es auf den bürgerschaftlichen Austausch, auf die Volksdiplomatie an. Und die lebt tatsächlich zwischen Erlangen und Wladimir, zumal wieder alle Gäste in Familien untergebracht sind und so, wie sich Florian Janik wünscht, neue Verbindungen und Freundschaften zwischen Deutschen und Russen entstehen. Denn davon kann es gar nicht genug geben. Gerade in diesen Zeiten.

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Am Montag, den 18. März, veranstaltet der Club International der Volkshochschule Erlangen, Friedrichstraße 17,  um 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Gästen aus Wladimir zum Thema „Russische Medien – Wie frei ist die Presse in Wladimir?“, moderiert von Georg Escher, Nürnberger Nachrichten. Das Trio aus der Partnerstadt hält sich vom 17. bis 22. März in Franken auf, um die hiesige Medienlandschaft kennenzulernen und die Diskussion fortzusetzen, die den im November in Wladimir aufgenommenen Dialog zu Fragen der Rolle von Presse für das Bild voneinander fortsetzt. Siehe hierzu: https://is.gd/MsOoV5

Julia Kusnezowa

Julia Kusnezowa arbeitet als Chefredakteurin und Moderatorin beim privaten Sender 6TV und schreibt auf dessen Homepage über sich selbst:

Im zweiten Studienjahr stieß ich einmal bei der Suche nach Arbeit im Telephonbuch auf die Nummer des hiesigen staatlichen Regionalsenders, wählte und stellte die Frage, ob man jemanden brauche. Auf die Erwiderung, man suche kluge und schöne Leute antwortete ich: „Dann meinen Sie mich.“ So begann meine journalistische Laufbahn mit unendlich vielen Drehs zu unterschiedlichen Themen von Sport bis Landeskunde, mit schlaflosen Nächten am Schreibtisch und im Schneideraum, mit der Moderation der Morgen- und Abendnachrichten beim Sender „Rossia“ und jetzt bei Kanal 6. Natürlich dachte auch ich schon einmal daran, mir etwas anderes zu suchen. Aber wenn ich mir dann vorstelle, jeden Morgen um 9 Uhr aufstehen und vielleicht sogar bereits um 8 Uhr mit all den Staus zur Arbeit fahren zu müssen, um dann bis zum Abend in einem staubigen und stickigen Büro zu sitzen… Uff! Da ist mir dann schon klar: Meine Arbeit ist die allerbeste! Stören tut nur eines: Wir als Moderatoren haben kein Recht auf eigene Stimmung. Wir können ja dem Zuschauer nicht erklären, daß wir uns mit der Mutter gestritten oder einen uns nahestehenden Menschen verloren haben…

Karina Romanowa

Die studierte Psychologin Karina Romanowa arbeitet bei Gubernia 33, einem vor fünf Jahren vom Gouvernement ins Leben gerufenen und finanzierten staatlichen Sender und ist dort u.a. für den Internetauftritt zuständig. Nicht verwunderlich deshalb, daß die Journalistin in einer kaum zu überschauenden Menge von News-Gruppen aktiv ist und sowohl bei Facebook als auch dessen russischem Klon, VKontakte, veröffentlicht.

Nikolaj Liwschiz

Nikolaj Liwschiz schließlich, der sich auf seinem Facebook-Auftritt als jemanden charakterisiert, er sei „fast so wie alle“, arbeitet als Chefredakteur von Prisyw, einer Zeitung, die Ende Juli 2017 zum hundertjährigen Jubiläum ihres Bestehens ihre Druckfassung einstellte und seither nur noch als Internetzeitung mit Stream-Diensten und TV-Angeboten erscheint. Hinzu kommt eine wöchentliche Videokolumne des Journalisten mit entspannt-nachdenklichen Kommentaren zum Zeitgeschehen in Wladimir und der Welt.

Das Arbeitsprogramm für die Troika mit Besuchen in verschiedenen Redaktionen stellte der Nürnberger Journalist Wolfgang Mayer, der im November die Prisma-Gruppe nach Wladimir begleitete, mit seinem Kollegen Klaus Schrage von den Nürnberger Nachrichten zusammen.

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Wollte man Mark Twain folgen, sollte man die deutsche Sprache ja sanft und ehrfruchtsvoll zu den toten Sprachen ablegen, „denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen.“ Doch die Russen halten es da mehr mit Johann Wolfgang von Goethe und dem nach ihm benannten Institut mit Hauptsitz in Moskau sowie 21 Sprachlernzentren, darunter eines im Erlangen-Haus zu Wladimir: „Wer die deutsche Sprache versteht und studiert, befindet sich auf dem Markte, wo alle Nationen ihre Waren anbieten; er spielt den Dolmetscher, indem er sich selbst bereichert.“

Markus Bassenhorst und Susanne Lender-Cassens bei der Begrüßung der Gruppe aus dem Erlangen-Haus im Club International

Landesweit geht die Zahl derer, die sich an russischen Schulen, Universitäten, Instituten und Filialen des Goethe-Instituts mit Deutsch plagen zwar zurück – um etwa 800.000 auf etwa eineinhalb Millionen -, aber nach dem Englischen behauptet das Deutsche als „erste zweite Fremdsprache“ vor dem Spanischen, Französischen oder Chinesischen seine Position. Und daran ändern offenbar auch die schwieriger gewordenen politischen Beziehungen glücklicherweise nichts.

Die Gäste aus dem Erlangen-Haus mit Markus Bassenhorst, Susanne Lender-Cassens, Dozentin Heide Thies und Reinhard Beer

Daran knüpfte denn auch Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim gestrigen Empfang im Club International zusammen mit Markus Bassenhorst, dem Leiter der Volkshochschule an, als sie den Austausch mit der Partnerstadt Wladimir als Möglichkeit zur Begegnung bezeichnete, „egal, worüber die ganz oben sich gerade streiten“. Die Chef-Dozentin des Sprachlernzentrums von Wladimir und Leiterin der zwanzigköpfigen Gruppe, Tatjana Kirssanow, ging in ihrer Erwiderung noch weiter:

Bei der Vorbereitung auf diese zweiwöchige Reise erzählte ich natürlich viel über Erlangen. Einmal wurde ich da gefragt, ob das denn wirklich alles so märchenhaft sei, wie ich es schildere. Ja, nun sehen es alle, die mitgekommen sind. Wir fühlen uns hier im Kurs und bei den Gastfamilien wie im Paradies. Danke für dieses Märchen!

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Bisher hatte es noch keine unmittelbare Freundberührung gegeben, erst die „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule brachte gestern abend die „Kommunalka“ und den „Freundeskreis Wladimir“ zusammen, – und schon entstand mehr als wenn man nur eins und eins zusammenzählt. So unterschiedlich der „Überbau“ der Städtepartnerschaft auf den ersten Blick sein mag, so viele Möglichkeiten eines Miteinanders zeigten sich bereits bei diesem ersten Treffen.

Facebook-Auftritt „Kommunalka“

Der Freundeskreis, vertreten durch Sprecher Gerhard Kreitz – er hatte noch um die Mittagszeit Irina Chasowa, Jelena Tschilimowa und Wiktor Malygin zum Flughafen gebracht -, besteht seit 2010 als „Stammtisch“, ohne Satzung, der sich hauptsächlich um die Unterbringung und Begleitung von Gästen aus Wladimir kümmert, aufmerksam und zuvorkommend für deren Kultur-, Ausflugs- und Wohlfühlprogramm sorgt, mit anderen Worten das bürgerschaftliche Element der Städtepartnerschaft prägt.

„Freundeskreis Wladimir“ trifft „Kommunalka“

Die „Kommunalka“ hingegen tat sich erst im Sommer vergangenen Jahres nach einer Studienreise des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Osteuropa an der FAU nach Sankt Petersburg und Wladimir zusammen, wo man, wie Sonja Ruppik, Cornelia Götschel und Igor Biberman den Gästen im Club International erläuterten, so manches Klischee von „den Russen“ getrost vergessen konnte. Seither wächst die Gruppe, die sich nach den zwangsfreiwilligen Wohn- und Lebensgemeinschaften aus Sowjetzeiten benennt und bei ihren Aktivitäten und Veranstaltungen nicht nur die Partnerstadt, sondern ganz Osteuropa im Blick hat, wie eben erst bei einer Fahrt nach Prag. Doch schon entsteht im Gespräch die Idee, einander bei der Betreuung von Gästen zu unterstützen, Jugendliche aus Wladimir einzuladen, die bisher keine Gelegenheit hatten, Erlangen zu besuchen, sich einmal zusammenzusetzen, um über mögliche gemeinsame Projekt zu sprechen. Mitmachen jedenfalls kann jeder, hier wie dort, und virtuell kann man ja immer einmal bei der „Kommunalka“ unter https://is.gd/hCFyOk vorbeischauen.

Wladimir im Schnee

Derweil ist in Wladimir so richtig viel Schnee gefallen, und die Temperaturen sind endlich dort, wo sie um diese Jahreszeit auch sein sollten. Der Februar nämlich wird in den slawischen Sprachen „luty“ oder „ljutyj“, der „strenge, schreckliche und wilde“ Monat, genannt.

Der Mongolensturm auf Wladimir

Streng, schrecklich und wild erlebte Wladimir vor allem den 7. Februar 1238. Damals, vor 780 Jahren, vollendete Batu Khan mit der Einnahme der Hauptstadt der Rus das Eroberungswerk seines Großvaters, Dschingis Khan. Das Mongolenheer hatte am 20. Januar bereits das damals noch unbedeutende Moskau im Sturm genommen und traf – wohl auf der zugefrorenen Kljasma vordringend – am 4. Februar auf die Verteidigungsmauern von Wladimir. Die Angreifer führten eine Geisel aus Moskau bei sich und forderten von den Verteidigern die bedingungslose Kapitulation. Doch die Russen hofften auf baldige Verstärkung und ließen sich auf den Handel nicht ein – mit fatalen Folgen: Die Feste Wladimir hielt – übrigens ebensowenig wie Susdal, das man im Handstreich niedergeworfen hatte – der Belagerung und dem Dauerbeschuß nicht stand und verlor nach gerade einmal drei Tagen des Widerstands einen Großteil seiner Bevölkerung, erlitt die Zerstörung seiner Kirchen und Klöster und ging seiner politischen wie geistlichen Vormachtstellung für immer verlustig. Ein strenger, schrecklicher und wilder Tag in der Geschichte der Partnerstadt und des ganzen Landes, das – leider auch durch Fehlentscheidungen der eigenen Fürsten und Zaren, die etwa Hilfsangebote des Papstes ausschlugen – für fast drei Jahrhunderte den Tataren untertan und tributpflichtig blieb. Kein Wunder, daß im vorpetrinischen Russischen Reich gut ein Viertel der Adelsgeschlechter mongolische Vorfahren hatte. Und noch heute sagt man: „Kratze an einem Russen, und es kommt ein Mongole zum Vorschein.“

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