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Posts Tagged ‘Christine Flemming’


Am späten Montagabend in Nürnberg gelandet, sitzt die 16köpfige Gruppe aus dem Erlangen-Haus nun seit Dienstag jeden Morgen bis Freitag nächster Woche im Deutschkurs von Heide Thies im Club International der Volkshochschule, paukt Grammatik und übt Konversation. In der Freizeit und am Wochenende sollen die Gäste dann Erlangen – von „Klassik am Berg“ bis zu den Regnitzwerkstätten – und möglichst viel von Franken kennenlernen und sogar einen Ausflug bis nach Kloster Weltenburg unternehmen. Ein vielseitiges Programm, zusammengestellt vom Freundeskreis Wladimir, der auch diese, die zwölfte Sprachreise des Erlangen-Hauses in Folge, aufmerksam vorbereitete und begleitet. Immer für die zweiten Julihälfte schreibt das Erlangen-Haus in Kooperation mit der Volkshochschule Erlangen für seine jährlich gut 200 Deutsch-Kursteilnehmer diese Möglichkeit der Vertiefung von Sprachkenntnissen aus. Es kann nicht oft genug gesagt werden: Was von Klaus Wrobel, dem seinerzeitigen Direktor der VHS, und seinen Nachfolgen, Christine Flemming und Markus Bassenhorst, mit der tatkräftig-kompetenten Unterstützung des Sprachenbeauftragten, Reinhard Beer, schon Mitte der 90er Jahre ins Werk gesetzt wurde und unermüdlich fortgesetzt wird, trägt nicht nur erstaunliche Früchte, sondern entwickelt eine großartige Eigendynamik.

Markus Bassenhorst

Dank den Bemühungen von Klaus Wrobel und Reinhard Beer kamen die Deutsch-Kurse des Erlangen-Hauses unter die Fittiche des Goethe-Instituts Moskau, die wachsende Dozentenschar aus Wladimir wurde dort geschult und auf die eigenen pädagogischen, an der Sprachpraxis ausgerichteten Lehrmethoden eingeschworen. Mit Erfolg. Das Konzept hebt sich offenbar so wohltuend von den Angeboten anderer Einrichtungen – vor allem der Schulen und Universitäten – ab, daß die Kurse ungeachtet des allgemein zu Gunsten des Englischen nachlassenden Interesses an der deutschen Sprache immer stärker nachgefragt werden, besonders übrigens von jungen Leuten.

Florian Janik und Irina Chasowa

Beim gestrigen Treffen mit Oberbürgermeister Florian Janik zeigte denn auch Irina Chasowa, Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, eine gehörige Portion Selbstbewußtsein, als Markus Bassenhorst bei seiner Begrüßung meinte, man werde an seiner Volkshochschule erst demnächst das erste Smartboard einsetzen können, eine Technik, die im Wladimirer Sprachlernzentrum bereits vor gut zwei Jahren den Praxistest bestanden hatte. Die Besucherin bot nämlich gleich schlagfertig ein Praktikum in der Partnerstadt vor, um die Erlanger Dozentenschaft von den Vorteilen der schlauen Weißwandtafel zu überzeugen. Ein Angebot, das Florian Janik, der als Gastgeschenk seine russische Lieblingsleckerei erhielt, gern aufgriff, denn: „Gründe, Wladimir zu besuchen, gibt es viele!“

Aber natürlich gibt es auch nicht weniger Gründe, Erlangen zu besuchen. Gerade in diesen Zeiten, wie das Stadtoberhaupt anmerkte, wo, ohne Schuldzuweisungen aussprechen zu wollen, das Verhältnis zwischen unseren Staaten besser sein könnte. Gerade da komme es auf den bürgerschaftlichen Austausch, auf die Volksdiplomatie an. Und die lebt tatsächlich zwischen Erlangen und Wladimir, zumal wieder alle Gäste in Familien untergebracht sind und so, wie sich Florian Janik wünscht, neue Verbindungen und Freundschaften zwischen Deutschen und Russen entstehen. Denn davon kann es gar nicht genug geben. Gerade in diesen Zeiten.

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Zu denen, die unsere Partnerschaft mit Wladimir entscheidend prägen, gehört ohne Zweifel Reinhard Beer, dem gestern im Innenhof seiner Volkshochschule gut einhundert Gäste zum 60. Geburtstag gratulierten. Da er lieber anderen etwas Gutes tut, als für das Gute selbst gelobt zu werden, hier statt der verdienten Eloge nur eine verdichtete Würdigung seiner Rolle im Austausch mit der russischen Partnerstadt.

Reinhard Beer

Obwohl als Leiter der Sprachenabteilung und stellvertretender Direktor der Volkshochschule durchaus gefordert, nimmt er sich Zeit für die Biennale „Russisch-Deutsche Wochen“ mit einem ebenso vielfältigen wie anspruchsvollen Programm und organisiert im elften Jahr in Folge jeden Sommer wieder einen zweiwöchigen Deutschkurs für eine Gruppe aus dem Erlangen-Haus in Wladimir. Ein Verwaltungs- und Gestaltungsaufwand, der so wohl kaum in seiner Arbeitsplatzbeschreibung stehen dürfte, aber in guter Tradition von all seinen Vorgesetzten – Klaus Wrobel, Christine Flemming und Markus Bassenhorst – mitgetragen wird.

Reinhard Beer mit Jutta Brandis und Lux

Entscheidend aber die Unterstützung für den Aufbau der Deutschkurse am Erlangen-Haus, die so nicht denkbar wären ohne Reinhard Beer, der das Goethe-Institut schon 1995 für eine Zusammenarbeit mit dem heutigen Sprachlernzentrum gewann und somit für die international anerkannte Qualität des Unterrichts sorgte. Seine eigenen Fortbildungen für die Lehrkräfte am Erlangen-Haus sind mittlerweile legendär, und all das pädagogische Material, das er von Verlagen für Wladimir gespendet erhielt, füllt ganze Bücherschränke.

Reinhard Beer

Reinhard Beer beim Programmgespräch mit der Gruppe aus dem Erlangen-Haus am 14. Juli 2018, gesehen von Georg Kaczmarek

Und dann noch dies: Dank dem Bemühen von Reinhard Beer kann man an der Volkshochschule Erlangen seine Russischkenntnisse zertifizieren lassen. Da mutet es allerdings verwunderlich an, wenn der bekennende Rockmusikfan und gelernte Hispanologe selbst noch kein Russisch spricht. Deshalb hier als Nachgesang auf den Geburtstag mit den besten Wünschen von Sting der auf Englisch gesungene Song „Russians“: https://is.gd/rukkjm

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Beim gestrigen Abschiedsabend für neunköpfige Damengruppe aus Wladimir präsentierte jede Besucherin ihr persönliches Lieblingswort der deutschen Sprache. Anna Nikonowa bekannte sich zu „geil“ und fand auch gleich die richtige Verwendung dafür, sogar im Superlativ: „Es war geil in Erlangen, megageil!“

Anna Nikonowa und ihr deutsches Lieblingswort

Anna Nikonowa und ihr deutsches Lieblingswort

Tatjana Kirssanowa, im Bild ganz links, begründete ihre persönliche Neigung zu dem Verb „lieben“ mit dessen Nähe zum „Leben“ und versprach: „Wir lieben Erlangen und nehmen diese Liebe zu Erlangen in unseren Herzen mit nach Hause, wo wir sie dann an unsere Schüler und Kursteilnehmer weitergeben.“

Reinhard Beer, Christine Flemming, Natalia Korsanowa, Anna Nikonowa, Tatjana Kolesnikowa und Elisabeth Preuß

Reinhard Beer, Christine Flemming, Natalia Korsanowa, Anna Nikonowa, Tatjana Kolesnikowa und Elisabeth Preuß

Wie groß diese Liebe zur deutschen Partnerstadt ist und wie gut sie Erlangen kennen, bewiesen die Besucherinnen denn auch mit dem Erfolg beim „Quiz 2016 für die Gäste aus Wladimir“, an dem sich auch die deutschen Freunde und Gastgeber beteiligten. Zwölf knifflige Fragen zum Knobeln hatte sich Reinhard Beer, Leiter der Sprachenabteilung an der Volkshochschule, ausgedacht, etwa danach, wo ein goldener Handschuh aus welchem Grund hängt, wann das Palais Egloffstein gebaut wurde und welche berühmte Persönlichkeit dort lebte oder wie viele Stockwerke das Erlanger Rathaus hat… Bis zu 14 Punkte konnten erreicht werden, und Anna Nikonowa hat mit einer Wertung von 13,5 das Maximum fast erreicht. Natalia Korsakowa und Tatjana Kolesnikowa belegten nur knapp hinter ihr mit einem halben Punkt weniger gemeinsam den zweiten Platz und freuten sich mit der Siegerin über einen Stick aus den Händen von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Christine Flemming, der Leiterin der VHS.

Dieter Argasts und die Gruppe aus Wladimir

Dieter Argast und die Gruppe aus Wladimir

Der Abend im Club International bot aber auch Gelegenheit, nochmals den Gastgebern zu danken und dem Freundeskreis Wladimir, besonders aber auch den ehrenamtlichen Dozenten, die den Gästen die unterschiedlichsten Themen näherbrachten. Dieter Argast, pensionierter Lehrer für Sozial- und Erdkunde, stellte das verwirrend vielfältige Schulsystem in Deutschland und Bayern vor.

Christofer Zwanzig und die Gruppe aus Wladimir

Christofer Zwanzig und Praktikantin Anja Kuplich mit der Gruppe aus Wladimir

Wie die Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus funktioniert, wie die Verwaltung mit den Medien und der Stadtgesellschaft interagiert, erklärte Pressesprecher Christofer Zwanzig.

Rudolf Schloßbauer und seine Gäste

Rudolf Schloßbauer und seine Gäste

Rudolf Schloßbauer, ehemaliger Schulreferent und einer der Väter der Erlanger Bürgerstiftung, empfing zu seinem Vortrag über die „Methodik des Fremdsprachenunterrichts“ sogar in seiner „Datscha“ in Waischenfeld, die über einem ehemaligen, in Stein gehauenen Bierkeller steht. Neun Mal war der begeisterte Pädagoge schon in Wladimir, bepackt mit Lehrmaterial und inspiriert vom Wissensdurst der russischen Kollegen an den bis heute 18 Schulen, wo Deutsch als erste Fremdsprache gelehrt wird.

Klaus Stuhlmüller, Gerhard Kreitz, Rudolf Schloßbauer und Wolfram Howein mit der Gruppe aus Wladimir

Franz Stuhlmüller, Gerhard Kreitz, Rudolf Schloßbauer und Wolfram Howein mit der Gruppe aus Wladimir

Auf Rudolf Schloßbauer gehen die ersten Deutsch-Olympiaden zurück, ausgetragen schon Mitte der 90er Jahre, und damals, vor gut 20 Jahren hatte er auch erstmals eine Gruppe von Deutschlehrerinnen nach Erlangen und Waischenfeld geladen. Eine gute Tradition, die nun ihre Fortsetzung fand.

Birgitt Aßmus und die Gruppe aus Wladimir

Birgitt Aßmus und die Gruppe aus Wladimir

Ein Thema des zehntägigen Arbeitsprogramms aber auch „Frauen in der Politik“, Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Stellung der Frau in der Politik, aus eigenem Erleben und Gestalten dargestellt von Stadträtin Birgitt Aßmus, die auch qua Amt, ihre Zugehörigkeit zum Vorstand der Stiftung „Erlangen-Haus“, eine ganz besonders enge Beziehung zu Wladimir pflegt.

Abschiedsabend im Club International

Abschiedsabend im Club International

Nimmt man all die Ausflüge von Coburg bis Weimar, von Bamberg bis Prichsenstadt oder Nürnberg, vor allem aber die vielen Gespräche und Begegnungen mit den Gastgebern hinzu, stimmt sicher, was Bürgermeisterin Elisabeth Preuß bei ihrem gestrigen Abschiedswort den Besucherinnen mit auf den Heimweg gab: „Ich hoffe, Sie haben erlebt und gespürt, wie freundschaftlich man in Erlangen – und nicht nur hier – russische Gäste aufnimmt, wie willkommen Sie uns sind.“ Aber das wurde ja eingangs schon von Anna Nikonowa unaufgefordert bestätigt: „Es war geil in Erlangen, megageil!“

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Beim gestrigen Finale der 5. Russisch-Deutschen Wochen gab es nur Sieger – im Großen wie im Historischen Saal der Volkshochschule Erlangen. Vor allem die Vortragsveranstaltungen und der Liederabend waren, wie Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der VHS sowie preiswürdiger Produzent und Regisseur des Programms, hochzufrieden konstatieren konnte, bestens besucht und zeigten durchweg ein hohes Niveau.

Jelena Ljubar und Klaus Becker

Jelena Ljubar und Klaus Becker

Noch deutlicher wurde Christine Flemming, Leiterin der Volkshochschule, in ihrer Begrüßung, als sie versprach: „Dies waren bestimmt nicht die letzten Russisch-Deutschen Wochen!“ Eine Anerkennung nicht nur für die vielen Dozenten und Interpreten sowie das Organisationsteam, vor allem auch für die vielen ehrenamtlichen Helferlein, die vor allem diesen Abschlußabend auch kulinarisch zu einem Genuß machten.

Jelena Ljubar mit Doris Lang, sowie Angela und Hartmut Dörfler

Jelena Ljubar mit Doris Lang, sowie Angela und Hartmut Dörfler

Star des Abends war freilich unbestritten Jelena Ljubar. Ihren Vortrag über die architektonischen Wunder der Wladimirer Rus ging sie in ihrer zupackend-herzlichen Art und Weise an, wie ihre so ansprechenden Stadtführungen: mit dem geballten Wissen einer Kunsthistorikerin und der Vermittlungskunst einer passionierten Pädagogin, gepaart mit einem präzisen Gefühl für Publikum und Pensum.

Jelena Ljubar

Jelena Ljubar

Es ist schon eine besondere Kunst, innerhalb einer Dreiviertelstunde die Anfänge der russischen Staatlichkeit von der Kiewer über die Wladimirer bis hin zur Moskauer Rus, also die Periode vor dem Zartentum, auszuleuchten und in gesamteuropäische Zusammenhänge zu stellen, ohne dabei die Zuhörer mit Jahreszahlen und Namen zu traktieren. Möglich ist das nur, wenn man so in der Materie lebt und denkt, wie Jelena Ljubar.

Volles Haus im Großen Saal der Volkshochschule

Volles Haus im Großen Saal der Volkshochschule

Was alles in ihr steckt, ließ die Mitarbeiterin des Wladimirer Landesmuseums dann bei den anschließenden Fragen noch einmal so richtig hell aufblitzen. Aber da drängte dann doch schon die Zeit, denn nebenan, im Historischen Saal, wartete bereits das russisch-fränkische Buffet – und das Quiz „Wer wird Russionär?“ mit 21 Fragen hauptsächlich zu Wladimir, aber auch zur russischen Landeskunde insgesamt.

Reinhard Beer

Reinhard Beer

„Viel zu schwer für mich“, klagte Christine Flemming schon vorab im Gespräch nach einem kurzen Blick auf die drei gelben Seiten, und bei der Begrüßung meinte sie gar: „Wenn die Volkshochschule den Fragenkatalog zusammengestellt hätte, wäre es bestimmt leichter geworden.“ Weit gefehlt, Frau Direktorin! Sie hatte sich und die Abendgesellschaft gehörig unterschätzt.

Nadja Steger und Reinhard Beer

Nadja Steger und Reinhard Beer

Rasch stellte das Bewertungstrio – Natalia Kaiser, Nadja Steger und Reinhard Beer – nämlich fest: Kaum jemand war bei der Punktezahl im einstelligen Bereich geblieben. Mehr noch: Es gab vier Mal das gleiche Ergebnis mit 19 richtigen Antworten auf die 21 Fragen. Da konnte nur das Los entscheiden.

Christine Flemming, Reinhard Beer, Elisabeth Preuß, Dagmar Denzler und Peter Steger

Christine Flemming, Reinhard Beer, Elisabeth Preuß, Dagmar Denzler und Peter Steger

Dies war die Stunde der Glücksfee, Elisabeth Preuß, der als Bürgermeisterin mit Partnerschaftsexpertise die Aufgabe zukam, den ersten Preis, einen Sprachkursgutschein,  an die neue Russisonärin, Dagmar Denzler, zu verleihen. Eine verdiente Siegerin, die im Sommer vergangenen Jahres an der vom Freundeskreis Wladimir und Erlangen-Haus veranstalteten Studienreise teilgenommen hatte. Wie sich nun zeigt – mit großem Gewinn.

Natalia Kaiser, Nadja Steger und Inge Howein

Natalia Kaiser, Nadja Steger und Inge Howein

Verdient haben ihre Preise aber natürlich alle, etwa Inge Howein, die ebenfalls 19 Punkte erreicht hatte, oder – hört, hört! – Christine Flemming, die, ebenso wie Elisabeth Preuß, nur einen Platz dahinter zu liegen kam. So unbeantwortbar können die Fragen dann ja doch nicht gewesen sein…

Elfriede Vittinghoff

Elfriede Vittinghoff

Eine davon übrigens lautete, wann die Volkshochschule ihr Engagement für Wladimir aufgenommen habe: Anfang der 80er Jahre, Ende der 80er Jahre oder 1993? Ja, bereits Anfang der 80er Jahre, noch vor Aufnahme der partnerschaftlichen Beziehungen hatte die VHS unter Klaus Wrobel bereits Bürgerreisen nach Wladimir im Programm und damit eine Tradition begonnen, die bis heute mit den Stationen „Arbeitskreis Wladimir“, „Arbeitskreis Ost“, „Club International“, „Freundeskreis Wladimir“ sowie „Russisch-Deutsche Wochen“ fortlebt und die Volksdiplomatie so richtig aufleben läßt, von Mal zu Mal und gestern allemal wieder ganz besonders. Wie gesagt: Es gab nur Sieger und natürlich eine Russionärin.

 

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Fragt man nach dem Erfolgsrezept der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, gehört zu den wichtigsten Zutaten unbedingt die Kontinuität in den kollegial-freundschaftlichen Beziehungen der politischen Spitzen hier wie dort. Das weiß niemand besser als Nikolaj Winogradow, der in seiner Amtszeit von 1996 bis 2013 stets darauf bedacht war, zu Erlangen auf allen Ebenen beste Kontakte zu unterhalten, alte Freundschaften zu pflegen und immer bereit zu sein, auch neue Verbindungen einzugehen. Stets im Geist der Verständigung und unter seinem Motto: „Es gibt keine schlechten Völker, Nationen oder Parteien, es gibt nur schlechte Menschen.“

Florian Janik und Nikolaj Winogradow

Florian Janik und Nikolaj Winogradow

Nach Erlangen freilich ist der Politiker im Ruhestand gekommen, um all die guten Menschen wiederzusehen, die er in den Jahren einer engen Zusammenarbeit kennengelernt hatte. Besonders freut es ihn da, nun auch zum ersten Mal mit Florian Janik zusammenzutreffen und sich davon überzeugen zu können, wie sehr sich Erlangens Oberbürgermeister in der Tradition seiner Vorgänger im Amt, Dietmar Hahlweg und Siegfried Balleis, sieht, gerade wenn es um die Bedeutung der deutsch-russischen Verständigung geht. Da verstehen sich die beiden auf Anhieb.

Nikolaj Winogradow im stillen Gedenken an Gerd Lohwasser

Nikolaj Winogradow im stillen Gedenken an Gerd Lohwasser

Von einem alten Freund konnte der Gast nur noch stillen Abschied nehmen. Mit Gerd Lohwasser hatte Nikolaj Winogradow vieles eng verbunden: Geradlinigkeit, Zugewandtheit, Überzeugungskraft, Verläßlichkeit und vor allem dieser besondere Sinn für Humor und Pointe. So unterschiedlich sie ihrer Parteizugehörigkeit nach waren – der eine führender Kopf in der CSU, der andere aus dem Leitungskader der Kommunistischen Partei -, verstanden sie einander doch prächtig und waren einander in freundschaftlichem Respekt zugetan. Gute Menschen eben.

Russische Wochen in Erlangen 2016: Reinhard Beer, Peter Steger, Nikolaj Winogradow und Christine Flemming

Russische Wochen in Erlangen 2016: Reinhard Beer, Peter Steger, Nikolaj Winogradow und Christine Flemming; Photo: Günter Wolf

Es war wohl sein Credo von der Macht der guten Menschen, sein Glaube an jene, die für Verständigung und Versöhnung eintreten, gemischt mit seinem verschmitzten Witz, was das Publikum am Montagabend im Club International der Volkshochschule so für den Referenten einnahm. Sicher aber auch seine große Dankbarkeit dafür und seine ansteckende Freude darüber, was er alles in seiner aktiven Zeit in der Zusammenarbeit mit Erlangen hat erleben und gestalten dürfen: besonders das Erlangen-Haus und der Blaue Himmel, die ohne Nikolaj Winogradows Unterstützung – auch wenn er selbst das nie so formulieren würde – kaum hätten Wirklichkeit werden können.

Russische Wochen in Erlangen 2016: Siegfried Balleis, Rudolf Schwarzenbach und Klaus Wrobel

Russische Wochen in Erlangen 2016: Siegfried Balleis, Rudolf Schwarzenbach und Klaus Wrobel, im Hintergrund Dieter Argast; Photo: Günter Wolf

Zum gestrigen Abschiedsessen lud denn auch Nikolaj Winogradow, der heute wieder die Heimreise antritt, all seine engsten Erlanger Freunde ein – und erlebte etwas, das zu dieser Bürgerpartnerschaft gehört und doch immer wieder überrascht: Er begegnet einem alten Bekannten aus Wladimir, Fjodor Lawrow, der, eben erst angekommen, als Gründungsmitglied von Rotary Wladimir zur Ausarbeitung eines neuen Projekts bei seinen deutschen Klubfreunden zu Gast ist. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte, die ein andermal zu erzählen ist.

Angelika Balleis, Ludmila Winogradowa, Ludmila Kondratenko, Fjodor Lawrow, Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Siegfried Balleis, Peter Steger, Nikolaj Winogradow, Rudolf Schwarzenbach und Rainer Hornschild

Angelika Balleis, Ludmila Winogradowa, Ludmila Kondratenko, Fjodor Lawrow, Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Siegfried Balleis, Peter Steger, Nikolaj Winogradow, Rudolf Schwarzenbach und Rainer Hornschild; Photo: Nadja Steger

Es blieb schließlich Dietmar Hahlweg überlassen, prägnant dem Geist der Begegnungen mit Nikolaj Winogradow und der Partnerschaft insgesamt Ausdruck zu verleihen: „Wir sind alten Freunden treu und für neue immer offen.“ Ein Wahlspruch, der sich über mehr als 30 Jahre bewährte, eine Maxime, die noch lange Zeit währen möge.

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Christine Flemming, Leiterin der Volkshochschule, traf die Stimmung des gestrigen Russischen Abends im Club International, als sie meinte, diese Begegnungen seien dazu da, nicht nur mit den Gästen aus Wladimir einen schönen gemeinsamen Abschluß zu feiern, sondern auch Lust zu machen, einmal wieder nach Erlangen zu kommen. Und gekommen waren viele: die beiden je zwanzigköpfigen Gruppen aus dem Erlangen-Haus und vom Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaften, die Praktikantinnen von der WAB Kosbach, das Künstlerehepaar Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko, die Ärztefamilie Jewgenij, Olga, Natalia und Alexander Nikolajew… – von den Mitgliedern des Freundeskreises Wladimir und den Quartiergebern ganz zu schweigen.

Kein Sitzplatz mehr im Club International

Kein Sitzplatz mehr im Club International

Just bei dem, verantwortlich für die private Unterbringung und das landeskundliche Programm der Deutschkursteilnehmer aus dem Erlangen-Haus, bedankte sich Irina Chasowa für die gelungene Organisation und führte in Erwiderung auf die Worte von Christine Flemming sich selbst als überzeugendes Beispiel an: „Ich bin schon so oft wiedergekommen, daß ich gar nicht mehr mit dem Zählen nachkomme!“ – Und immer wieder gern und besonders zum zweiwöchigen Sommer-Deutschkurs der Volkshochschule Erlangen, so gern, daß sie dafür sogar Urlaub nimmt. Aber davon spricht sie nicht. Das gehört sich fast schon so als Herbergsmutter des Erlangen-Hauses.

Irina Chasowa

Irina Chasowa

Der Einladung zum Russischen Abend mit seinem bunten Vortragsprogramm folgten auch einige derer, die im Mai zum zwanzigjährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses mit Oberbürgermeister Florian Janik nach Wladimir gereist waren und spätestens seit dieser Fahrt wissen, welche unverzichtbare Rolle diese Residenz der deutsch-russischen Volksdiplomatie für die Städtepartnerschaft spielt.

Platz ist in der kleinsten Hütte

Platz ist in der kleinsten Hütte

Die nämlich, das hat Erlangens Stadtoberhaupt in unzähligen Begegnungen erlebt, hat eine erstaunliche Eigendynamik und kann längst nicht mehr „allein von den Oberbürgermeistern oder einem Mitarbeiter im Rathaus allein mit Leben erfüllt werden.“ Vielmehr seien es doch all die Ehrenamtlichen, die gerade in politisch kritischem Umfeld das segensreiche Geschäft der Verständigung betreiben, neue Projekte ersinnen und den Austausch fortsetzen.

Wolfram Howein, Irina Chasowa und Barbara Wittig

Wolfram Howein, Irina Chasowa und Barbara Wittig

Wie um die Worte Florian Janiks zu bekräftigen überreichten dann auch Barbara Wittig und Wolfram Howein vom „Förderverein Rotes Kreuz Wladimir“ an Irina Chasowa eine Spende in Höhe von 2.250 Euro für die Fortsetzung des Projektes „Häusliche Pflege“. Ein Betrag, der es Olga Dejewa, der Vorsitzenden des Roten Kreuzes Wladimir, ermöglichen wird, die Versorgung von schwerkranken Patienten weiterzuführen, solange es in der Partnerstadt noch kein Hospiz gibt.

Rolf Bernard und Florian Janik

Rolf Bernard und Florian Janik; im Hintergrund Claudia Gebele und Jutta Schnabel vom Orga-Team des BDKJ

Aber auch im Gespräch mit Rolf Bernard, der in seiner aktiven Zeit die Kontakte für das Erzbischöfliche Jugendamt nach Wladimir aufgebaut hat und jetzt ehrenamtlich das Projekt „Pilgerhaus“ für die Rosenkranzgemeinde betreut, erfährt Erlangens Oberbürgermeister, wie intensiv sich mittlerweile – dank ehrenamtlichem Engagement des Orga-Teams um Jutta Schnabel – die Kontakte im Zusammenspiel mit dem Bund der Katholischen Jugend, der Rosenkranzgemeinde und der Universität Wladimir gestalten. Und er sieht, was sich noch so alles „am Rande“ der Veranstaltung tut.

Jelena Jermakowa, Rainer F. Schulz und Jurij Iwatko

Jelena Jermakowa, Reiner F. Schulz und Jurij Iwatko

Da trifft sich der Künstler Reiner F. Schulz mit seinen Kollegen Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko, die mittlerweile die Skulptur „Das letzte Opfer“ in Tennenlohe fast fertiggestellt haben und nun hoffen, den Erlanger Kollegen bald einmal in ihrer Heimat begrüßen zu können.

Andrej Schebanow, Anna Igolkina, Willi Merz und Jekaterina Lytschagina

Andrej Schebanow, Anna Igolkina, Willi Merz und Jekaterina Lytschagina

Da löst Willi Merz sein spontanes Versprechen vom Mai des Jahres ein, die Reise von drei Preisträgern eines Wettbewerbs des Erlangen-Hauses mit einer Spende der Max-und-Justine-Elsner-Stiftung in Höhe von 1.250 Euro zu unterstützen – und kann sich bei der beklatschten Präsentation des Trios gleich davon überzeugen, wie sinnvoll dieses Geld angelegt ist.

Wolfgang Morell im Interview mit Tomix-TV

Wolfgang Morell im Interview mit Tomix-TV

Da nutzt das mit der Studentengruppe der Universität Wladimir angereiste Team von Tomix-TV die Gelegenheit, mit Wolfgang Morell, einem der allerersten deutschen Kriegsgefangenen in Wladimir, ein Interview zu machen. Als ein Teil eines auf viele Folgen angelegten Films über den Austausch zwischen den Partnerstädten.

Klaus Wrobel und Reinhard Beer

Klaus Wrobel und Reinhard Beer

Und da sind Klaus Wrobel und Reinhard Beer, die zu den Menschen gehören, ohne die, um mit Florian Janik zu sprechen, die Partnerschaft nicht zu dem geworden wäre, als was wir sie heute kennen und schätzen. Den beiden nämlich, dem ehemaligen Leiter der Volkshochschule ebenso wie dem heutigen Chef der Sprachenabteilung, ist es zu verdanken, wenn das Erlangen-Haus seit fast zwei Jahrzehnten so erfolgreich mit dem Goethe-Institut Moskau zusammenarbeitet.

Reinhard Beer und ein Siegerquartett aus Wladimir

Reinhard Beer und ein Siegerquartett aus Wladimir

Und da sind natürlich die Hauptakteure, die Gäste aus Wladimir, die am Morgen eine Stadt-Rallye zu absolvieren hatten mit 20 durchaus kniffligen Fragen zu Geschichte und Gegenwart Erlangens, vom Nürnberger Tor bis zum Pauli-Brunnen, vom Markgrafen Christian Ernst bis zur Sophienkirche der Ritterakademie. Ohne Helferlein aus dem Internet! Nur durch Erkundung, Nachfrage, dank Teamgeist. Wer gewonnen hat, ist dabei weniger wichtig. Es galt allein, Erlangen zu entdecken, Lust zu bekommen, um nochmals Christine Flemming aufzugreifen, wiederzukommen in die Partnerstadt.

Leni Plack, Marina Gedina und Leonhard Plack

Leni Plack, Marina Gedina und Leonhard Plack im Febraur 2013

Einer freilich war gestern nicht da. Er mußte bereits wegen einer bevorstehenden Operation seine Teilnahme an der Reise nach Wladimir im Mai absagen. Leonhard Plack, der zur Kerntruppe der Monteure am Erlangen-Haus um Helmut Eichler gehörte, ist im Alter von 78 Jahren am vergangenen Sonntag verstorben und wird heute zu Grabe getragen. Irina Chasowa, die er besonders in Herz geschlossen hatte, wird seinem Sarg im Trauerzug folgen. Kein Thema für Mikrophon und Bühne. Aber da ist einer gegangen, ohne den die Partnerschaft auch nicht zu dem geworden wäre, als die wir sie heute kennen und schätzen. Leo war gestern nicht da. Er wird uns nun immer fehlen!

Siehe auch: http://is.gd/GE3ZRd

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Christine Flemming, Leiterin der Volkshochschule, Erlangen, hatte zu der gestrigen Podiumsdiskussion geladen und konnte die Veranstaltung zu Ursachen und Folgen der Friedlichen Revolution nach dem Muster der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen im bis auf den letzten Platz gefüllten Großen Saal ihres Hauses am 25. Jahrestag des Mauerfalls eröffnen.

Großer Saal VHS 9. November 2014

Großer Saal VHS 9. November 2014, Christine Flemming rechts vorne im Bild

Mit der Ode an die Freude, seit 1985 Hymne der Europäischen Union, in einer – ganz im Geist der Städtepartnerschaft – doppelten Interpretation: Die Mädchen von der Kunstschule Nr. 3 in Wladimir sangen den eigens einstudierten Text auf Russisch, der Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums intonierte das Freudenlied auf Deutsch, und der Refrain erklang dann aus allen 40 Kehlen gemeinsam auf Deutsch.

Mädchenchor Wladimir mit Schulleiter Alexander Sneschin

Mädchenchor Wladimir mit Schulleiter Alexander Sneschin

Eine kurze Probe vor dem Auftritt hatte genügt, um diese so symbolische Geste der Verständigung möglich zu machen. Ein kurzer Auftritt nur zur Einstimmung, aber ein nachwirkender Eindruck von der verbindenden Kraft der Musik, bevor ein filmischer Rückblick auf das Jahr 1989 Publikum und Podium zu dem Thema des Tages hinführte: Unter Leitung des emeritierten Soziologieprofessors, Rudi Schmidt, der an der Friedrich-Alexander-Universität und an der Friedrich-Schiller-Universität vor allem zu Fragen der Transformation von osteuropäischen Ländern gelehrt hat, erinnerten sich an den 9. November die beiden Oberbürgermeister der Partnerstädte Erlangen und Jena, Florian Janik und Albrecht Schröter, mit Lesley Rollason und Sergej Schtschedrin, die eigens aus den Partnerstädten, Stoke-on-Trent und Wladimir, angereist waren, sowie Henri Noel Ménudier von der Sorbonne und Andreas Falke, Leiter des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Nürnberg, die Rennes und Riverside vertraten, von wo niemand die weite Reise hatte machen können.

Podium 25 Jahre Mauerfall mit Albrecht Schröter, Andreas Falke, Lesley Rollason, Rudi Schmid, Henri Ménudier und Sergej Schtschedrin

Podium 25 Jahre Mauerfall mit Albrecht Schröter, Andreas Falke, Lesley Rollason, Rudi Schmidt, Henri Noel Ménudier und Sergej Schtschedrin

Die kluge Moderation führte zunächst in das persönliche Leben zurück, das altersbedingt mit dem Ereignis des Mauerfalls ganz unterschiedliche Erfahrungen verbindet. Während die beiden jüngsten auf dem Podium, Florian Janik und Sergej Schtschedrin, den Fall der Mauer als Schüler eher unbeteiligt und zufällig im Fernsehen verfolgt und sich etwas später über die vielen anderen Autos aus dem Osten bzw. aus dem Westen wunderten und für den Russen die Geschehnisse in Deutschland wie von einem anderen Stern erlebt wurden oder im Fall des späteren Oberbürgermeisters erst bei seinen Gastschüleraufenthalten in England und Frankreich durch Fragen seiner dortigen Altersgenossen nach der neuen Rolle Deutschlands „irritierend“ ins Bewußtsein gerieten, während die beiden also erst in das Thema hineinwuchsen, hatte Albrecht Schröter in Jena bereits maßgeblich an der Friedlichen Revolution mitgewirkt und sogar ein Tagebuch zu den historischen Begebenheiten von damals zusammengetragen.

Henri Ménudier und Sergej Schtschedrin

Henri Noel Ménudier und Sergej Schtschedrin

Der Politologe, Henri Noel Ménudier, war als Deutschlandexperte im näheren Umfeld von François Mitterrand tätig und hielt sich am 9. November 1989 in Berlin auf, weil anderntags eine Tagung zum Thema „40 Jahre deutsche Teilung“ vorgesehen war, die angesichts des Mauerfalls natürlich eine ganz andere Wendung nahm. Und so wurde er Zeuge der Grenzöffnung, hätte beinahe auch die Mauer erklommen, wäre da nicht sein neuer Anzug gewesen, den er schonen wollte, und er traf Willy Brandt, mit dem er beste Beziehungen unterhielt. Der Altbundeskanzler spürte, worum es ging, als er dem Franzosen sagte: „Das ist der Beginn der deutschen Einheit. Wann sie kommen wird, weiß noch niemand, aber die Richtung ist jetzt klar. Vergessen Sie aber nicht, Ihren Studenten zu erklären, daß dies meine Ostpolitik ermöglicht hat.“ Eine Ostpolitik, die nicht nur die Entspannung zum Ziel, sondern auch die Oder-Neiße-Grenze festgeschrieben hatte, um deren Beibehaltung etwa der französische Präsident bangte, wohingegen Lesley Rollason, bis kurz vor dem Mauerfall für die Britischen Streitkräfte in Berlin tätig und heute als Verwaltungsleiterin der Universität von Staffordshire in Erlangens Partnerstadt Stoke-on-Trent beschäftigt, zu Protokoll gibt, wie sehr Margaret Thatcher um ihre besonderen Beziehungen zu den USA fürchtete, weil sie meinte, Deutschland könne die Favoritenrolle einnehmen.

Albrecht Schröter und Andreas Falke

Albrecht Schröter und Andreas Falke

Michail Gorbatschow, so schließlich Sergej Schtschedrin, der Journalist und Pressesprecher im Rathaus von Wladimir, habe Fehler gemacht, die ihm in der Heimat bis heute viele nicht verzeihen: „Mit dem Mauerfall begann auch die Auflösung der UdSSR, der bis dahin zweitmächtigste Staat der Erde hörte zu existieren auf. Die Rückkehr der vielen Soldaten aus der DDR traf uns unvorbereitet, der wirtschaftliche Niedergang bedrückte die Menschen.“ Doch der Amerikakenner und Förderer der Städtepartnerschaft Erlangens mit Riverside, Andreas Falke, sieht gerade in dem damals durchaus konstruktiv-vertrauensvollen Zusammenwirken der Supermächte und in der Einheit Deutschlands den „wohl letzten großen Triumpf der US-Außenpolitik“.

Florian Janik

Florian Janik

Albrecht Schröter fühlte sich da freilich zu dem Hinweis aufgefordert, klarzustellen, wie die Losung „Wir sind das Volk“ betont wurde, nämlich auf dem „wir“ gegenüber der Staatsmacht. Und er hat wohl recht, wenn er damit meint, es seien weder Willy Brandt noch Vertreter der Siegermächte damals mutig auf die Straße gegangen, sondern mutige Menschen, die nicht länger in einer Welt leben wollten, wo man alle Farben schätzte, solange sie nur grau waren, und wo die besten Leute ihr eigens Land verließen.

Albrecht Schröter, Andreas Falke, Lesley Rollason, Rudi Schmid, Florian Janik, Henri Ménudier und Sergej Schtschedrin

Albrecht Schröter, Andreas Falke, Lesley Rollason, Rudi Schmidt, Florian Janik, Henri Noel Ménudier und Sergej Schtschedrin

Es waren dann auch die beiden Oberbürgermeister, die überzeugend und unter Beifall aus dem Publikum die künftige Rolle Deutschlands als eine Macht beschrieben, die solidarische Verantwortung wahrnehmen sollte, sowohl innerhalb der eigenen Grenzen – mit einem Soli, der nicht nach Himmelsrichtungen, sondern nach Bedürftigkeit ausgerichtet sei – als auch in Europa – Stichwort Schulden- und Eurokrise – und weltweit, wobei Albrecht Schröter, ein profunder Kenner des israelisch-palästinensischen Konflikts, forderte, im Nahen Osten endlich mehr Verantwortung zu übernehmen, im Heiligen Land mit seiner neuen Mauer nicht länger alles den USA zu überlassen. Und so traf man sich am Podium immer wieder bei der These von Moderator, Rudi Schmidt, der Deutschland ein antimilitaristisches und friedfertiges Wesen attestierte, das aber zunehmend von seinen Partnern gefordert werde, einen immer größeren Beitrag zur Konfliktlösung zu leisten, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Christine Flemming und Lesley Rollason

Christine Flemming und Lesley Rollason

Auch in der Ukraine? Eine Frage in diese Richtung kam aus dem Publikum an Sergej Schtschedrin mit dem Zusatz, was denn der Westen falsch gemacht habe, warum Wladimir Putin so unversöhnlich vorgehe… Für Geopolitik sah sich der Gast aus der Partnerstadt nicht zuständig, wollte sich dann aber doch nicht um eine Antwort drücken. Den Konflikt in der Ukraine verstehe er wesentlich hausgemacht, als jemand, der häufig in Donezk zu Besuch war und mit Freunden noch immer in Kontakt stehe, wisse er, daß dieses Gebiet ein ganz anderes Selbstverständnis als der Rest des Landes habe. Jetzt wolle man dort weder mit Kiew noch mit Moskau verbunden sein. Und sein Wunsch? Nur endlich Frieden. – Und endlich weg mit der Mauer zwischen Israel und Palästina – laut Albrecht Schröter schlimmer als die zwischen der DDR und der BRD seinerzeit – und nieder mit der Mauer, wie sie derzeit an der ukrainisch-russischen Grenze geplant ist!

Photos: Nadja Steger

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