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Posts Tagged ‘Christine Faigle’


Man hat ihr schon so manchen hohen und höchsten Posten in der Verwaltung des Gesundheitswesen der Region Wladimir angeboten, aber, so Swetlana Makarowa, „ich kann doch meine Kinder nicht verlassen.“ Und so ist und bleibt die gelernte Pulmologin und Pädiaterin gern ärztliche Direktorin des Kinderkrankenhauses, in dem junge Patienten aus dem ganzen Umland, so groß wie ganz Franken und die halbe Oberpfalz, bei schweren Erkrankungen medizinische Hilfe finden. Was ihr dabei besonders gefällt: An einem Tag in der Woche (einschließlich Nachtdienst) praktiziert sie selbst in ihrer Klinik, kennt also die Abläufe aus eigenem Erleben, sieht Schwächen und Stärken, weiß, wo Verbesserungen notwendig und möglich sind.

Wolfgang Rascher, Swetlana Makarowa und Patrick Morhart

Um aber das Notwendige möglich zu machen, wendet sich Swetlana Makarowa an Erlangen, dessen Unterstützung sie seit Beginn der Aktion „Hilfe für Wladimir“ 1990 zu schätzen weiß, erst recht, seit sie vor elf Jahren zur Direktorin berufen wurde. An ihrer Seite hat sie dabei seit 1998 ihren Kollegen, Wolfgang Rascher, der bereits zwei Besuche in Wladimir hinter sich hat und dabei die Fortschritte vor Ort zu sehen bekam. Nun gibt er zwar Ende März endgültig die Leitung der Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche an der FAU ab, verspricht jedoch: „Der Austausch geht weiter.“ Dafür steht auch jemand wie Patrick Morhart, ärztlicher Leiter der Neonatologie I, der seiner Besucherin erklärt, welche Geräte und Therapien man im Bereich der Hämodialyse für Früh- und Neugeborene einsetzt, etwas, das man bald auch in Wladimir einführen möchte. Darüber hinaus soll in der Partnerstadt eine ambulante Palliativversorgung für Kinder aufgebaut werden. Die gesetzlichen Voraussetzungen seien zwar gegeben, aber es fehlten die Erfahrungen, meint die Kinderärztin, weshalb man gern die fast zehnjährige Expertise der deutschen Freunde nutzen möchte.

Wolfgang Rascher, Birgitt Aßmus, Swetlana Makarowa und Patrick Morhart

Je länger die Gespräche am Montag dauern, desto mehr Ideen entstehen, und wenn man, wie etwa Stadträtin Birgitt Aßmus, über die Jahre beobachten konnte, wie positiv dieser Erfahrungsaustausch der Pädiater sich entwickelt, glaubt man auch an die baldige Umsetzung der Anregungen, die der Gast heute wieder mit nach Hause nimmt. Doch damit nicht genug, Swetlana Makarowa will auch Einblick nehmen in die Arbeit des Gesundheitsamtes, das am Tag ihres Besuches gerade vor 99 Tage ins Landratsamt eingezogen ist.

Swetlana Makarowa und Frank Neumann

Was Swetlana Makarowa von Frank Neumann, promovierter Mediziner aus dem Vogtland, der in Erlangen studierte und die Behörde seit Herbst 2015 leitet, erfährt, kennt sie so von der eigenen Gesundheitsadministration nicht: Man hat hier eigene Ärzte, die Untersuchungen machen und Gutachten erstellen, man entlastet die Krankenhäuser und niedergelassenen Ärzte, indem Assistenten die medizinischen Einschulungstests machen, man bietet anonyme Geburten und Schwangerschaftsberatung an… So viel wird hier anders gemacht, daß die Besucherin ihren Kollegen möglichst bald in Wladimir begrüßen möchte, um im größeren Fachkreis von seinen Zuständigkeiten zu berichten. Da gäbe es in vielen Bereichen – etwa bei der HIV-Problematik oder bei der TBC-Vorbeugung und Impffrage – Erfahrungen, die man nutzen könnte. Nützlich dabei könnten sicher auch die Russischkenntnisse des Gastgebers sein.

Christine Delfs, Swetlana Makarowa, Ulrike Rascher und Susanne Schmid

Christine Delfs muß in dieser Hinsicht dieses Mal passen. Bisher hatte sie in ihrer 4. Klasse an der Heinrich-Kirchner-Schule immer Kinder, die aus russischsprachigen Familien kamen. Nun ist da nur noch ein Junge, der aber selbst kein Russisch mehr spricht. Aber ausschlaggebend ist das ja nicht. Sie will ihre Aktion unbedingt fortsetzen, die sie 1999 mit Taschengeldspenden für das Kinderkrankenhaus Wladimir begonnen hatte und die mittlerweile mit dem Pausenverkauf von Leckereien aus der elterlichen Küche im Advent regelmäßig dreistellige Summen erbringt, mit denen Swetlana Makarowa bedürftige Patienten unterstützt oder Mal- und Bastelutensilien kauft. Denn es gehen immer wieder auch Bilder und Zeichnungen hin und her. Und wenn Christine Delfs eines Tages in Ruhestand geht, übernimmt diese Tradition – so vereinbarte man das im Beisein von Schulleiterin, Susanne Schmid – nach dem Motto „Familientradition verpflichtet“ Ulrike Rascher, Tochter des Professors für Kinderheilkunde. So schließen sich Kreise.

Soroptimist-Präsidentin Christine Faigle, Swetlana Makarowa, Rentia van Eldik und Doris Lang

So ein Kreis schließt sich auch beim Treffen mit den Schwestern von Soroptimist International, wo Swetlana Makarowa Mitglied ist. Der Serviceklub organisierte ja bereits die Ausstellung „Heimat“ mit dem Kinderkrankenhaus und richtete den ersten gynäkologischen Behandlungsraum für Mädchen in der Region Wladimir ein. Nun erhielt die Besucherin wiederum eine Spende für ihre Klinik, und schon im November will Doris Lang sich selbst ein Bild von der Partnerstadt machen und den Kontakt mit Soroptimist Wladimir ausbauen.

Susanne Lender-Cassens und Swetlana Makarowa

Am Ausbau dieser Verbindungen möchte auch Susanne Lender-Cassens verstärkt mitwirken. Bereits zu der Zeit, als sie noch als Krankenschwester am Universitätsklinikum arbeitete, schickte sie regelmäßig medizinisches Verbrauchsmaterial an das Kinderkrankenhaus. Nun versucht sie, dabei zu helfen, den Austausch von Pflegepersonal voranzubringen. Und Swetlana Makarowa kann der Bürgermeisterin auch schon eine erste Kandidatin benennen, die sie gerne für eine Hospitation nach Erlangen schicken würde. Und überhaupt – wen wundert das noch? – kann sie mit Stolz berichten, eine ihrer Krankenschwestern habe unlängst den ersten Preis bei einem regionalen Wettbewerb gewonnen. An Können und Motivation fehlt es da sicher nicht.

Christine Hetterle und Swetlana Makarowa

Woran es aber leider noch mangelt, ist eine Unterbringungsmöglichkeit für Eltern, deren Kinder – vor allem wegen onkologischer Erkrankungen – für einen längeren Zeitraum auf Station bleiben müssen. Zwar wurden mit Hilfe von Soroptimist einige Krankenzimmer und Räume für diese Bedürfnisse eingerichtet, aber es bräuchte etwas in der Art wie das Ronald-McDonald-Haus in Erlangen. Sicher ein noch langer Weg, aber, mit den Erfahrungen und Erläuterungen von Christine Hetterle im Gepäck, macht sich Swetlana Makarowa ermutigt und zuversichtlich heute auf die Heimreise. Wer, wie sie, erfolgreich die Bauchfelldialyse von Erlangen nach Wladimir übertragen hat, wird auch Behörden und Politik von der Notwendigkeit eines Gästehauses oder der Einführung einer palliativen Ambulanz für Kinder überzeugen.

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1964 erschien „Herzog“, ein Roman von Saul Bellow, der heute so lesenswert ist wie damals und einen Aufruf enthält, den man angesichts der Menschenschlächterei in Syrien hinausschreien möchte in eine Welt, die scheinbar nur noch weghören will:

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Dreiländertreffen Soroptimist International

Die Sache war, daß es Menschen gibt, die die Menschheit vernichten können, und daß sie töricht, anmaßend und verrückt sind und gebeten werden müssen, es nicht zu tun. Laßt die Feinde des Lebens abtreten. Laßt jeden Menschen sein Herz prüfen. Ohne einen großen Wandel meines Herzens würde ich mir nicht zutrauen, eine führende Stellung zu bekleiden. Liebe ich die Menschheit? Genug, um sie zu verschonen, wenn ich imstande wäre, sie in die Hölle zu schießen? Laßt uns alle unsere Leichentücher umhängen und nach Washington und Moskau marschieren. Laßt uns alle, Männer, Frauen und Kinder, uns hinlegen und schreien: „Laßt das Leben fortdauern – wir mögen es nicht verdient haben, aber laßt es dauern.“

Christine Faigle

Christine Faigle

Dem Flehen und Bitten setzt der Literatur-Nobelpreisträger, dessen Eltern aus Sankt Petersburg in die Neue Welt emigriert waren, freilich einen wenig hoffnungsfrohen Kontrapunkt entgegen:

Dreiländertreffen Soroptimist International

Dreiländertreffen Soroptimist International: Rentia van Eldik und Inge Richter

In jeder Gemeinschaft gibt es eine Kategorie von Menschen, die für die übrigen unsäglich gefährlich ist. Ich meine nicht die Verbrecher. Für die haben wir Strafmaßnahmen. Ich meine die Führer. Ohne Ausnahme streben die gefährlichsten Leute nach der Macht.

Karin Roberts, Gabriele Saemann und Natalia Serdjukowa

Karin Roberts, Gabriele Saemann und Natalia Serdjukowa

Auch wenn sie es nicht für sich öffentlich reklamieren, wirken die Verantwortlichen der Lokalpolitik in Erlangen und seinen Partnerstädten fast wie wider besseren Wissens fünf Jahrzehnte später noch immer dem drohenden Weltenbrand entgegen, unterstützt von ihrer internationalen Armee der kleinen Leute, die da guten Willens sind. Gäbe es nur mehr von ihnen…

Schulleiterin und Gastgeberin Carmen Vogt

Schulleiterin und Gastgeberin Carmen Vogt

Mehr von ihnen – wie von Soroptimist International, die gestern in der Pestalozzischule ihr Dreiländertreffen abhielten, dessen Ergebnis Schatzmeisterin Doris Lang ebenso spontan wie treffen auf die Formel brachte: „Viele Unterschiede, aber keine Differenzen!“

Die drei Gäste aus Riverside: Lynn Scecina, Jeanne Hatcher und Karin Roberts

Die drei Gäste aus Riverside: Lynn Scecina, Jeanne Hatcher und Karin Roberts

Just an dem Tag waren Mitglieder des Service-Klubs für Frauen aus den amerikanischen und russischen Partnerstädten, Riverside und Wladimir, mit ihren Schwestern aus Erlangen zusammengekommen, als der diplomatische Faden zwischen Washington und Moskau auf der Bühne der UNO zum Zerreißen gespannt war, just an dem Tag suchten die Sorores gemeinsam nach Ähnlichkeiten und Verschiedenartigkeiten der Rolle von Frauen in den unterschiedlichen Gesellschaftssystemen.

Natalia Serdjukowa

Natalia Serdjukowa

Moderiert von Christine Faigle kamen in Kurzreferaten und Diskussionen all die Fragen zur Sprache, die nirgendwo auf der Welt bisher zufriedenstellend geklärt sind: Warum haben es Frauen noch immer so schwer, in Führungspositionen aufzurücken? Wann gibt es für gleiche Leistung endlich auch gleiche Entlohnung? Wie lassen sich junge Frauen auf ihrem Weg ins Berufsleben begleiten und unterstützen?

Naina Akimowa und

Naina Akimowa und Marianne von der Emde

Während amerikanische und deutsche Frauen sich in der Karriere oft ähnlich behindert erleben, betonen die russischen Gäste, ihnen stünden alle Türen zum Aufstieg offen, und unterschiedliche Löhne und Gehälter gebe es ohnehin nicht. Dafür sei es in Wladimir wiederum erheblich schwieriger – wegen der Steuergesetzgebung -, Spenden einzuwerben und überhaupt eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Wohl auch, weil dort nach dem allgemeinen gesellschaftlichen Verständnis noch immer und schon wieder die öffentlichen Einrichtungen für die Daseinsfürsorge als zuständig gesehen werden. Ganz anders als in den USA, wo ein mit Steuern finanziertes Sozialsystem – vom Gesundheitswesen ganz zu schweigen – von einem großen Teil der Bevölkerung mit Argwohn betrachtet wird.

Naina Akimowa und Doris Lang

Naina Akimowa und Doris Lang

Wie enorm auch in einer durchaus wohlhabenden Stadt wie Riverside der Bedarf an Wohltätigkeitsorganisationen ist, zeigt eine beeindruckende Zahl: Mehr als 70 Benefizvereine tun Gutes in der kalifornischen Partnerstadt, in der Region, dem County, sind es über 300 solcher Serviceklubs. Will man da ehrenamtlich erfolgreich sein, sollte man sich kreativ zeigen bei der Suche nach Sponsoren und bei der Organisation von Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Jelena Ljubar

Jelena Ljubar und Rentia van Eldik

Und noch so ein Unterschied: Während an Soroptimist Riverside zumeist von außen Anträge auf Unterstützung gestellt werden, sucht sich der Erlanger Klub seine Projekte selbst aus – ebenso wie die seit 2001 in Wladimir bestehende Organisation.

Natalia Serdjukowa und Galina Larytschewa

Natalia Serdjukowa und Galina Larytschewa

Aber da gibt es auch überraschende Übereinstimmungen zwischen den amerikanischen und russischen Schwestern: Hier wie dort kostet es buchstäblich ein Vermögen, wenn man studieren will und nicht gerade ein Stipendium erhält. Da sehen es die Frauen von Soroptimist International als ihre Aufgabe, junge Talente zu fördern, denen die finanziellen Mittel fehlen. Überhaupt die Bildung und im weitesten Sinne Aufklärung – ein gemeinsames Betätigungsfeld, angefangen von der Beratung für Mädchen, um nicht ungewollt schwanger zu werden, bis hin zur Berufsorientierung.

Jelena Ljubar

Jelena Ljubar

Viele Gemeinsamkeiten bei allen Unterschieden, ein Arbeitstag, der mit einem Kochabend ausklang und alle zufrieden stimmte. Mehr noch: Im April 2018 feiert Soroptimist Riverside sein siebzigjähriges Bestehen, und spätestens dann will man sich wiedersehen zum nächsten Dreiländertreffen. Bis dahin lassen die Führer dieser Welt unser Leben hoffentlich weiter fortdauern, damit die Armee der kleinen Leute guten Willens um einige weitere Köpfe und Herzen wachsen kann.

Bilder: Nadja Steger

P.S.: Heute ist der Internationale Tag zur vollständigen Abschaffung der Atomwaffen.

 

 

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