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Posts Tagged ‘Bundesverband deutscher Ost-West-Gesellschaften’


Alle zwei Jahre lädt die Botschaft der Russischen Föderation in ihre Prunksäle ein und bietet dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO) ein Podium, um über die deutsch-russischen zivilgesellschaftlichen Beziehungen zu diskutieren. Eine hohe Anerkennung durch die Diplomatie für diesen zuallermeist ehrenamtlich geleisteten Beitrag zur Völkerverständigung. Um die, so freute sich Botschafter Sergej Netschajew gestern nachmittag bei seiner Begrüßung der etwa 70 Gäste, sei es besser bestellt, als man gemeinhin annehme, auch dank fortgesetzter Gespräche auf Regierungsebene – parallel zu dem Arbeitstreffen hielt sich der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow zu Gesprächen in Berlin auf – und dem nun anlaufenden Partnerschaftsjahr der Wissenschaften.

Peter Franke und Sergej Netschajew

Die gut dreistündige Veranstaltung deckte ein breites Spektrum der bürgerschaftlichen Initiativen ab und stelle mit Impulsvorträgen und anschließender Diskussion Themen vor wie die Arbeit der deutsch-russischen Vereine, die Kulturbegegnungen in den Regionen, die Förderung des Russischen als Schulfach, den Hochschul- und Fachaustausch, die Zusammenarbeit mit der Krim und die Visa-Problematik.

Auditorium in der Botschaft der Russischen Föderation

Aber auch die Rolle der Städtepartnerschaften im deutsch-russischen Dialog kam zur Sprache mit Fallbeispielen aus Osnabrück, Karlsruhe und Erlangen. Blog-Lesern braucht man zur Bedeutung dieses Themas nicht mehr viel erzählen, und es ging dem Partnerschaftsbeauftragten auch nicht um eine „Leistungsschau“, vielmehr darum, an einigen Beispielen zu belegen, wie wichtig gerade in diesen Zeiten wieder die persönlichen Begegnungen sind, ganz im Sinne des Diktums des Weltkriegsveteranen Fritz Wittmann: „Da wo man Familienphotos austauscht, entstehen keine Feindbilder mehr“. Wichtig aber auch der Appell des Referenten, sich mehr darum zu bemühen, die Zahl der deutsch-russischen Städtepartnerschaften zu erhöhen. Das Verhältnis von 2.500 deutsch-französischen kommunalen Verbindungen gegenüber gerade einmal knapp über einhundert deutsch-russischen Allianzen dieser Art sollte zu denken geben und endlich auch handeln machen.

Peter Steger

Eine Anregung von Peter Franke, Vorsitzender des BDWO, findet hoffentlich auch Anklang: Treffen dieser Art nicht nur in Berlin, sondern darüber hinaus in den Regionen – verteilt nach den Zuständigkeiten der Konsulate der Russischen Föderation – zu veranstalten, um die Akteure vor Ort besser zu vernetzen und über die diplomatischen Möglichkeiten einer Unterstützung für Städtepartnerschaften und Freundschaftsvereine zu informieren. Es kann ja gar nicht genug solcher Foren zwischen Deutschen und Russen geben.

Ein P.S. erlaubt sich die Redaktion noch. Nach dem Vortrag des Partnerschaftsbeauftragten erhob sich Peter Franke und verkündete, er habe den Sozialen Netzen entnommen, der Gast feiere heute Geburtstag. Ein echter Überraschungseffekt – mit der Überreichung einer Flasche Wein. „Aber wo, wenn nicht hier“, so der Geehrte, „hätte ich heute sein sollen?! Die deutsch-russische Verständigung ist doch mein Lebenswerk…“

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Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann

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