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Posts Tagged ‘Brüne Soltau’


Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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Beide sind sie zum ersten Mal in Erlangen, und doch verbindet beide Gäste aus Wladimir eine lange und ganz persönliche Geschichte mit der deutschen Partnerstadt. Olga Antropowa brachte ihren Sohn 1994 zur Welt, als die russische Wirtschaft, insbesondere auch das Gesundheitswesen, am Boden lagen und die Aktion „Hilfe für Wladimir“ noch auf Hochtouren lief. Nicht einmal der Großvater des Jungen, der heute selbst Arzt ist, konnte als Leiter eines Krankenhauses helfen: Es gab einfach nirgends Babynahrung im Fall, daß Mütter nicht stillen konnten. „Wenn damals nicht die Hilfslieferungen aus Erlangen und das Bayerische Rote Kreuz gewesen wären… Wer weiß, ob ich den Kleinen durchgebracht hätte. Noch heute läuft es mir heiß und kalt über den Rücken, wenn ich daran denke“, erinnert sich die stellvertretende Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege und seit einem Jahr ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes Wladimir.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prochor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Wladimir Prochor ist seit 1965 mit dem Roten Kreuz in Wladimir verbunden und hatte eine Vielzahl von Leitungsfunktionen im Gesundheitswesen, später auch in der regionalen Verwaltung, inne. In den 90er Jahren allerdings, während der intensivsten Zeit der humanitären Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Erlangen-Höchstadt des BRK, war der gelernte Mediziner als stellvertretender Leiter des städtischen Gesundheitsamtes tätig und machte die ganzen Ausschreibungen für die Medikamente und Verbrauchsmaterialien, die vor Ort mit Spendenmitteln gekauft wurden, um sie dann an Wladimirer Krankenhäuser abzugeben. Seit fast zwanzig Jahren betreut Wladimir Prochor ehrenamtlich als Koordinator die Programme des Roten Kreuzes in der russischen Partnerstadt und steht nun Olga Antropowa als Stellvertreter zur Seite. Ein gutes Doppel, von dessen einwöchigen Arbeitsprogramm hier bald mehr zu lesen sein wird.

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Als Anfang Mai 2009 Brüne Soltau nach 16 Jahren als Vorsitzender des Kreisverbands Bayerisches Rotes Kreuz Erlangen-Höchstadt aus dem Ehrenamt verabschiedet wurde, zollte ihm Siegfried Balleis, der damalige Erlanger Oberbürgermeister, Lob für einen „beispielhaften Einsatz im humanitär-ehrenamtlichen Bereich“ und bescheinigte dem scheidenden Präsidenten, die Aktion „Hilfe für Wladimir“ zu einem „wahren Vorzeigeprojekt gemacht“ zu haben. Florian Janik, Nachfolger im Amt, geht in seinem Glückwunschschreiben zum heutigen 75. Geburtstag noch einen Schritt weiter und hält fest, ohne Brüne Soltau, sei die Aktion „Hilfe für Wladimir“ gar nicht denkbar gewesen.

Brüne Soltau

Brüne Soltau 1994 in Wladimir

Wir wissen nicht, ob der Jubilar die Maxime von Leo Tolstoj kennt, wonach die allerwichtigste Sache sei, Gutes zu tun, weil der Mensch nur dafür lebe, was wir aber wissen ist: Brüne Soltau hat sein Leben danach ausgerichtet – und daran offenbar gut getan. Wenn nämlich heute Erlangen in den Herzen der Menschen von Wladimir untrennbar mit Begriffen wie „Freundschaft“, „Hilfsbereitschaft“ oder „Menschlichkeit“ verbunden ist, kommt dem in Hamburg geborenen Herzogenauracher ein erheblicher Anteil daran zu. Die Anerkennung für sein humanitäres Wirken blieb denn auch nicht lange aus: 1998 der „Ehrenbrief für Soziales Engagement“ der Region Wladimir, 2002 der „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“, verliehen von Bundespräsident Johannes Rau. Vor allem aber die vielen Dankesworte von Ärzten und Pflegekräften, von Patienten und Politikern, von Kindern und Alten, von all den ungenannten Menschen, die Unterstützung durch die Hilfsaktionen des „Ritters vom Roten Kreuz“ erhielten.

Brüne Soltau neben Johannes Rau

Peter Steger, Alexandra Gräfin Lambsdorff, Fritz Wittmann, Brüne Soltau, Johannes Rau und Jürgen Ganzmann

Neben der akuten Nothilfe vor allem zu Beginn der 90er Jahre und in den Krisenmonaten von 1998 war es Brüne Soltau stets besonders wichtig, das Rote Kreuz in Wladimir wieder handlungsfähig zu machen, den weitgehend paralysierten Ortsverband in den Stand zu versetzen, seine Aufgaben wahrzunehmen und Menschen in Notlagen beizustehen. Ungeachtet der vielen Rückschläge hielt der Retter vom BRK Kurs und bewies einen bewundernswert langen Atem. Und wurde für seine Ausdauer und Beharrlichkeit belohnt.

Brüne Soltau, 2013, mit Jelena Owtschinnikowa, damals stellv. Bürgermeisterin, heute stellv. Leiterin des Gesundheitsamts der Region Wladimir, und Olga Dejewa, damals Leiterin des Sozialwerks und Vorsitzendes des Roten Kreuzes, heute Oberbürgermeisterin von Wladimir

Brüne Soltau, 2013, mit Jelena Owtschinnikowa, damals stellv. Bürgermeisterin, heute stellv. Leiterin des Gesundheitsamts der Region Wladimir, und Olga Dejewa, damals Leiterin des Sozialwerks und Vorsitzendes des Roten Kreuzes, heute Oberbürgermeisterin der Partnerstadt

Heute kann das Geburtstagskind erleichtert durchatmen, denn der russischen Partnerorganisation kommt mittlerweile dank ihren Programmen zur Ersten Hilfe und Häuslichen Pflege eine geachtete Rolle in der Wladimirer Sozialpolitik zu, und der von Brüne Soltau 1999 aus der Taufe gehobene Förderverein für das Wladimirer Rote Kreuz sorgt für die notwendige Kontinuität und Verläßlichkeit der Zusammenarbeit. Dafür und für vieles mehr kann der Blog nur DANKE und СПАСИБО sagen sowie die besten Glückwünsche von den Ufern der Regnitz und Kljasma an die Aurach schicken.

 

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Sehr geehrter Herr Üblacker,

zu Ihrem 65. Geburtstag gratuliere ich Ihnen im Namen des Stadtrates und ganz persönlich recht herzlich und verbinde mit meinen Glückwünschen auch die dankbaren Grüße meiner beiden Vorgänger im Amt, Dr. Dietmar Hahlweg und Dr. Siegfried Balleis.

Seit 1966 Mitglied des Roten Kreuzes und ab 1974 bis zu Ihrer Pensionierung 2011 Geschäftsführer und später Direktor des Kreisverbandes des BRK Erlangen-Höchstadt, haben Sie den Bereichen Medizin und Soziales, Rettungswesen und Ehrenamt unschätzbar wichtige Impulse gegeben. Wenn es in einer Zeitungsüberschrift heißt, Sie „haben getan, was zu tun war“, möchte ich dem hinzufügen, Sie haben mehr getan, als Sie hätten tun müssen. Und das haben sie gut getan, ob in der Seniorenarbeit oder bei der Anschaffung eines behindertengerechten Busses, ob bei ihren vielfältigen Bauaktivitäten oder der kontinuierlichen Entwicklung des Kreisverbandes zu einem der erfolgreichsten des Freistaates.

Barbara Wittig, Jürgen Üblacker, Melitta Schön und Robert Niersberger

Barbara Wittig, Jürgen Üblacker, Melitta Schön und Robert Niersberger

Von ganz besonderer Bedeutung ist auch Ihr Engagement im Bereich der Städtepartnerschaften. In Jena ist der Aufbau der Roten Kreuzes untrennbar mit Ihrem Namen verbunden und Ihre Feldküche bei der Verpflegung der Gäste nach der Maueröffnung vor 25 Jahren bleibt unvergessen. Die Aktion „Hilfe für Wladimir“ trug Ihre Handschrift und ungezählte soziale und medizinische Kontakte, die zum Teil bis heute gepflegt werden, gehen auf Sie zurück. Unbedingt nennen möchte ich Ihr segensreiches Wirken für das Rote Kreuz in Wladimir, stets unterstützt von Ihrer Frau, und Ihr einzigartiges Engagement für den Förderverein Rotes Kreuz Wladimir. Nicht von ungefähr wurden Sie ja bereits im Jahr 2000 vom Gouverneur der Region Wladimir mit der Ehrenmedaille für „Soziale Dienste“ ausgezeichnet und konnten dann 2002 für das Rot-Kreuz-Projekt aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau gemeinsam mit Brüne Soltau den 1. Preis für bürgerschaftliches Engagement entgegen nehmen.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Gesundheit, Glück und Zufriedenheit in der Hoffnung, auch in Zukunft in Erlangen, in der Metropolregion und in den Partnerstädten auf Ihren Rat und Ihre Erfahrung zählen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Dr. Florian Janik

Soweit der Gratulationsbrief von Erlangens Oberbürgermeister an einen Menschenfreund, dem Wladimir unendlich viel zu verdanken hat, mit dessen Namen das hohe Ansehen der Städtepartnerschaft untrennbar verbunden bleibt und der in seiner jetzigen ehrenamtlichen Rolle des Schriftführers im Förderverein für das Rote Kreuz Wladimir noch viel Gutes für die russischen Freunde zu tun bereit ist. Dem Schreiben sind deshalb nur noch der Dank und die besten Glückwünsche all derer aus Erlangen und Wladimir hinzuzufügen, denen Jürgen Üblacker in schwerer Zeit geholfen hat und die an seiner Seite den Dienst am Menschen verrichten durften. Mehr zu Jürgen Üblacker unter http://is.gd/nTkLDk

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Gestern feierte man in Wladimir mit einem Festakt den 145. Jahrestag der Gründung des Roten Kreuzes. Ob nun glückliche Fügung oder trefflicher Zufall: Ebenfalls gestern traf sich der Förderverein des Wladimirer Roten Kreuzes, um über die weitere Zusammenarbeit zu entscheiden. Um es gleich vorwegzunehmen, ohne gleich Interna auszuplaudern: Man einigte sich darauf, je nach Bedarf die beiden laufenden Projekte „Licht des Guten“ mit seiner Häuslichen Pflege und „Das sollte jeder wissen“ mit seinen Erste-Hilfe-Kursen weiter zu unterstützen. Gleich nach Ostern wird Wolfram Howein in die Partnerstadt reisen und mit Olga Dejewa, der Vorsitzenden des Roten Kreuzes, das weitere Vorgehen zu besprechen.

Förderverein Rotes Kreuz Wladimir, April 2014

Förderverein Rotes Kreuz Wladimir, April 2014

Wenn man die so vielgestaltigen medizinischen und sozialen Projekte der Städtepartnerschaft destilliert, bleibt am Ende immer wieder die eine Essenz zurück: Alle tragen sie den Lebenshauch des BRK Erlangen-Höchstadt in sich, alle sind sie inspiriert von Jürgen Üblacker und Brüne Soltau und ihrer überragenden Bedeutung für das Fortbestehen des Roten Kreuzes in Wladimir. Anfang der 90er Jahre, als die Zusammenarbeit begann, stand der Ortsverband in der Partnerstadt kurz vor seiner Auflösung, heute zählt er mehr als 700 Mitglieder und gewinnt stetig an Ansehen in Politik und Öffentlichkeit. Die beiden zusammen mit Erlangen entwickelten Projekte zur Pflege von Palliativpatienten („Licht des Guten“) und zur Erste-Hilfe-Ausbildung („Das sollte jeder wissen“) wurden nicht nur von der Stadtverwaltung Wladimir gefördert, sondern von ihr sogar wegen der außergewöhnlichen gesellschaftlichen Bedeutung als vorbildlich ausgezeichnet. Vor allem auch für die hervorragende Jugendarbeit und die gelungene Einbindung von ehrenamtlichen Kräften in alle Tätigkeitsbereiche. Davon wird hier im Blog sicher schon bald wieder zu berichten sein. Neue Mitglieder sucht man übrigens nicht nur in Wladimir, sondern auch beim Förderverein mit seinen knapp 50 Unterstützern. Bei Interesse bitte hier im Blog melden. Denn besonders in Erlangen gilt das Wort von „unserem“ Friedrich Rückert: „Helft, Ritter, wenn ihr Ritter seid, seid Retter!“

S. auch: http://is.gd/gAsap4

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Wünsche sind bei dem Besuch der Jugendgruppe aus Wladimir (s. http://is.gd/4iHSBL), die gestern wieder die Heimreise angetreten hat, keine offen geblieben. Nur an Zeit hat es gefehlt, wirklich allen Fragen nachzugehen. Ein Grund, bald in dieser oder einer anderen Zusammensetzung wiederzukommen und vor allem nun den Gegenbesuch der neuen deutschen Freunde vorzubereiten.

Spasatel Aßmus

Sergej Konstantinow, Alewtina Klimowa, Jekaterina Medwedjewa, Birgitt Aßmus, Swetlana Sokolowa, Gennadij Brajt

Dabei hatten sich die Gäste so manches doch anders vorgestellt. Zum Beispiel den Ablauf eines Empfangs im Rathaus, wo es statt des erwarteten steifen Protokolls ein angeregtes Frage- und Antwortspiel mit Bürgermeisterin Birgitt Aßmus gibt: von der Familienplanung bis hin zur Jugendpolitik.

Spasatel BDKJ

Gennadij Brajt, Jutta Schnabel, Amil Scharifow, Alewtina Klimowa, Swetlana Sokolowa, Jekaterina Medwedjewa, Rolf Bernard, Sergej Konstantinow

Die war dann in ihrer praktischen Umsetzung und vor allem der Anwendung in der Städtepartnerschaft auch Thema beim Treffen mit dem Bund der Katholischen Jugend in Deutschland, vertreten durch Jutta Schnabel und Rolf Bernard. Und schon war man übereins gekommen, beim nächsten Austausch die Organisation Retter und das Rote Kreuz Wladimir in die Programmplanung einzubeziehen. Denn genau nach dem haben die Erlanger gesucht, was diese Vereine in Wladimir bieten können: Zeltlager, Naturausflüge, Überlebenstraining. Im Gegenzug sollen im nächsten Sommer auch schon junge Leute aus den Reihen von Retter und Rotem Kreuz am Austausch in Erlangen teilnehmen. So schnell kann es gehen, wenn Partner zusammenpassen.

Spasatel BRK

Stefanie Wawra und Anna Kienreich lassen Gennadij Brajt bei der Jugendgruppe des BRK Erlangen-Höchstadt zur Ader

Das gilt nicht minder für die Jungendorganisation des Roten Kreuzes, wo man die Gäste nur zu Demonstrationszwecken zur Ader läßt. Nachdem das BRK Erlangen-Höchstadt das Fundament für die Zusammenarbeit mit den Rettungsorganisationen in Wladimir gelegt hat – und noch viel mehr! – ist es mehr als ein Anstandsbesuch, den die Gäste in der Henri-Dunant-Straße absolvieren. Denn ohne die Anstöße aus Erlangen, das darf man so sagen, gäbe es das Rote Kreuz in Wladimir nicht, könnten die Programme zur Ersten-Hilfe-Ausbildung und zur Häuslichen Pflege, an denen sich die Gäste alle ehrenamtlich beteiligen, nicht durchgeführt werden. Jetzt ist es an der jungen Generation des Bayerischen Roten Kreuzes, die Einladung in die Partnerstadt anzunehmen und das fortzuführen, was Jürgen Üblacker und Brüne Soltau so erfolgreich ins Werk gesetzt haben.

Spasatel DLRG

Gennadij Brajt an Bord der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft

Wißbegierig wie die ganze Gruppe ist, wollen sie aber auch im Laufe dieser Woche andere Rettungsorganisationen kennenlernen und mehr erfahren über die ehrenamtliche Arbeit in Deutschland. So bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, wo alles über und unter dem Wasser zu inspizieren ist, wo es gerade für die beiden Taucher, Gennadij Brajt und Sergej Konstantinow, vieles gibt, dem sie auf den Grund gehen und wo Stefanie Burhard und Serhat Uzun zeigen, was zu zeigen ist.

Spasatel Johanniter Katja und Sergej

Sergej Konstantinow und Jekaterina Medwedjewa mit Jennifer Kwapis bei den Johannitern

Da sind die Johanniter mit einer ähnlichen Struktur wie das BRK und doch wieder mit einem anderen Profil und einem in der Region einzigartigen Rettungswagen für Neugeborene.

Spasatel Johanniter Katja

Jekaterina Medwedjewa im Rettungswagen für Babys

Ob man sich da nicht bei Rettungsmaßnahmen ins Gehege komme, ob es da nicht Kompetenzstreitigkeiten gebe, Fragen über Fragen von jungen Leuten, die aus einem Land kommen, wo die Strukturen ganz anders sind, wo das Rote Kreuz zwar auf den Ambulanzen zu sehen ist, dahinter aber die Polikliniken stehen, wo bei Unfällen die Mitarbeiter des Katastrophenschutzministeriums ausrücken und die Feuerwehr tatsächlich nur Brandbekämpfung betreibt, wo alles noch viel zentralistischer geregelt ist, eben auch im Rettungswesen.

Spasatel Johanniter

Gruppenbild bei den Johannitern

Und wo die Strukturen von oben nach unten geordnet sind, wo das Ehrenamt, wie vor allem Alewtina Klimowa beklagt, vielfach bisher nur auf dem Papier stehe, etwa bei den Freiwilligen Feuerwehren.

Die Gruppe beim Technischen Hilfswerk mit dem Ortsbeauftragten, Bernd Völkel, 5. v.l.

Die Gruppe beim Technischen Hilfswerk mit dem Ortsbeauftragten, Bernd Völkel, 5. v.l.

Wo bisher eine ehrenamtliche Rettungsorganisation wie das Technische Hilfswerk nur schwer vorstellbar ist mit ihrem weltweiten Einsatz, der übrigens vor mehr als 20 Jahren auch einmal nach Wladimir führte. Damals, im Winter 1991/92 brachte das THW die zwei Heizkessel in die Partnerstadt, die bei Siemens UBMed nicht mehr gebraucht wurden und bis heute in Wladimir Dienst tun.

Spasatel Förderverein 1

Gruppenbild mit Mitgliedern des Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir

Auch nicht nur auf dem Papier steht der Förderverein Rotes Kreuz Wladimir, der zu einem Abendessen einlud und hören wollte, was die jungen Gäste beruflich machen und ehrenamtlich für das Rote Kreuz tun. Rudolf Schwarzenbach war als ehemaliger Partnerschaftsreferent derjenige am Tisch, der dabei den Blick am weitesten zurück bis in die Anfänge der Zusammenarbeit mit Wladimir richten konnte. Er war es aber auch, der im 30. Jahr der Partnerschaft die Jugend leidenschaftlich aufrief, den Austausch unbedingt fortzusetzen. Darum braucht er sich freilich keine Sorgen zu machen. Junge Menschen wie Sergej Konstantinow, der dieser Tage in Erlangen seinen 25. Geburtstag feierte, wissen diese Möglichkeiten der Begegnung zu schätzen und die Aktiven in Erlangen zu würdigen – wie Barbara Wittig für ihr so wichtiges Amt der Kassenwartin im Förderverein.

Spasatel Förderverein 2

Sergej Konstantinow und Barbara Wittig

Dafür steht auch der Stadtjugendring, der schon in den frühen 80er Jahren die Begegnungen mit jungen Leuten aus beiden Städten in die Hände nahm. Und seit Heino Sand und Matthias Buggert sich im Rahmen des Partnerschaftsjubiläums persönlich in Wladimir auf die Suche nach neuen Kontakten gemacht haben, sind die Verbindungen wieder greifbar geworden.

Spasatel Stadtjugendring

Heino Sand, Swetlana Sokolowa, Jekaterina Medwedjewa, Sergej Konstantinow, Matthias Buggert und Alewtina Klimowa

Verbindungen, die längst auch Jena einbeziehen, von wo eine kleine Gruppe, begleitet von Anna Kulakowa, zu einer Europaveranstaltung zum Thema Jugendaustausch nach Erlangen gekommen war und mit der die Wladimirer einen Abend verbrachten und eine gemeinsame Bamberg-Fahrt unternahmen. Das Freiwillige Europäische Jahr, in dessen Rahmen Anna Kulakowa derzeit in Jena arbeitet, könnte auch für die Organisationen Retter und Rotes Kreuz Wladimir Möglichkeiten bieten. Man braucht sie nur zu ergreifen. Wie das geht weiß das Quintett jetzt.

Spasatel Jena

Die Gruppe mit Anna Kulakowa und den Gästen aus Jena

Doch es könnte endlich auch zu einem ganz neuen Fachaustausch kommen. Ein gelungener Anfang jedenfalls ist mit Jekaterina Medwedjewa gemacht. Die angehende Krankenschwester, die ehrenamtlich bei der Pflege von schwerkranken Patienten dem Roten Kreuz in Wladimir hilft, durfte  dank der spontanen Zustimmung der Leiterin, Gunda Kramer, einen ganzen Vormittag lang die Staatliche Berufsfachschule für Krankenpflege kennenlernen.

Spasatel Katja 1

Jekaterina Medwedjewa, Gunda Kramer und Natalja Schutzeichel

Geführt von der russischsprachigen Natalia Schutzeichel mit viel Sachverstand und Herzlichkeit – durch eine Vielzahl von Kliniken und Abteilungen, vertraut gemacht von der Erlanger Kollegin mit Ausbildungsschwerpunkten – und angeregt, aus diesem Antrittsbesuch eines Tages mehr zu machen: eine Zusammenarbeit mit der Wladimirer Fachschule für Krankenpflege. Warum es nicht endlich den Ärzten gleichtun, die seit drei Jahrzehnten die Verbindung zu Erlangen nutzen, um in so gut wie allen Fachbereichen zu hospitieren und voneinander zu lernen!

Spasatel DAV 1

Gennadij Brajt, Sergej Konstantinow, Jekaterina Medwedjewa, Christian Goldhagen, Alewtina Klimowa, Swetlana Sokolowa und Amil Scharifow

Aber nicht vom Lernen allein lebt der Mensch, vor allem nicht der junge. Er will auch etwas erleben, sich selbst erproben, seine Grenzen kennenlernen.

Spasatel DAV 2

Alewtina Klimowa

Das bietet der Deutsche Alpenverein mit seinen 6.500 Mitgliedern und all den Angeboten in der Halle, auf dem Gelände und natürlich draußen in der Natur.

Spasatel DAV 3

Jekaterina Medwedjewa, Swetlana Sokolowa, Christian Goldhagen, Alewtina Klimowa, Gennadij Brajt und Sergej Konstantinow

Christian Goldhagen, der sich einen ganzen späten Vormittag für die Wladimirer freihielt, weiß, wonach jungen Leuten der Sinn steht und kann für Kletterer und Boulder-Freunde Dinge zeigen, die es so in Wladimir – leider – bisher nicht gibt.

Spasatel DAV 4

Christian Goldhagen, gefesselt von Gennadij Brajt

Gennadij Brajt, der an die 20 verschiedene Knoten zu binden weiß, würde gern mit Alewtina Klimowa eine Gruppe für Bergrettung gründen. Auch wenn das nicht ganz das Metier des Alpenvereins ist, wollen die Gäste dennoch von dem neuen Kontakt profitieren und können sich beispielsweise vorstellen, ihre Bergfexe für ein Praktikum nach Umhausen zu schicken, wo die Erlanger Hütte lockt. Mancher Traum will eben gleich hoch hinaus. Aber das ist ja auch das Vorrecht der Jugend.

Spasatel DAV 6

Alewtina Klimowa in der Wand

Während der Rest der Gruppe noch in der Wand hängt, trifft sich Swetlana Sokolowa, Vorsitzende des Ortsverbands Wladimir der Partei-Organisation Junge Garde mit etwa 3.000 Mitgliedern, mit Rufus Buschart und Johannes Heunisch von der Jungen Union.

Spasatel DAV 7

Sergej Konstantinow, Amil Scharifow, Swetlana Sokolowa, Jekaterina Medwedjewa, Gennadij Brajt und Alewtina Klimowa

Bei allen Gemeinsamkeiten in der politischen Arbeit und im Kampf gegen das politische Desinteresse der Jugend hier wie dort gibt es auch große Unterschiede: Die Junge Garde kann ihre Mitgliedsbeiträge für eigene Projekte verwenden – besonders im Sozialen -, steht aber im Oben-Unten-Verhältnis zur Mutterpartei Einiges Rußland. Dafür hat sie den Vorteil gegenüber der Jungen Union, die einzige „Ausgründung“ der Partei zu sein und dadurch größere Aufmerksamkeit zu genießen. Mit spätestens 28 Jahren müssen sich die Jung-Gardisten endgültig für die Partei entscheiden, während man bei der JU bis Mitte 30 zum Nachwuchs zählt.

Spasatel JU

Johannes Heunisch, Swetlana Sokolowa und Rufus Buschart

Politische Agitation an den Hochschulen – Swetlana Sokolowa studiert im 3. Jahr an der Verwaltungsakademie – ist in Rußland gesetzlich untersagt, aber auf dem Umweg über die enge Zusammenarbeit mit Organisationen wie Rotes Kreuz oder die Selbsthilfeinitiative Swet kommt sie doch immer wieder an ehrenamtlich, sozial und politisch interessierte Altersgenossen heran, die sich möglicherweise auch für die Junge Garde gewinnen lassen. Für Wladimir hat die Jungpolitikerin, die sich von den Krawall-Aktionen der Jugendorganisation „Naschi – Die Unseren“ distanziert, mehr auf inhaltliche Überzeugungsarbeit setzt und beklagt, daß die Oppositionsparteien kaum praktikable Gegenkonzepte auf den Tisch legen, auf jeden Fall schon einmal ihre Erlanger Kollegen gewonnen. Noch steht der Kontakt am Anfang, aber schon ist da die Einladung nach Wladimir und zu den alljährlichen Jugendtreffen am Seligersee. Mancher Traum will eben gleich hoch hinaus…

P.S.: Ein besonderer Dank der Gäste geht übrigens an Amil Scharifow für die ausgezeichnete Vorbereitung des Programms und die Rundumbetreuung!

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Eine Tafel gibt es in Wladimir noch nicht. Aber das kann sich ja bald schon ändern, wenn es nach dem Willen von Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa und Olga Dejewa, Chefin des Roten Kreuzes, geht. Am liebsten wäre ihnen ja, Jörg Schultz, Gründer und Geschäftsführer der Erlanger Tafel, würde gleich selbst nach Wladimir kommen und dort seine vierte Filiale eröffnen – nach den Ausgabestellen in der Gebbertstraße, in Büchenbach und Herzogenaurach. So schwierig meint er wohlgemut, sei das gar nicht, wenn man, ja wenn man nur genug Freiwillige um sich scharen könne, wie ihm das seit Mitte der 90er Jahre gelingt. Als seinen „Schatz“ bezeichnet er denn auch die 160 Ehrenamtlichen, die helfen, Lebensmittel anzuliefern, einzulagern, zu sortieren und schließlich drei Mal pro Woche die Ausgabe für Bedürftige – darunter übrigens mehr als die Hälfte Spätaussiedler – zu öffnen. Die Geschäftswelt, Serviceklubs und die gesamte Öffentlichkeit für die gute Sache zu gewinnen, sei angesichts der allgemeinen Sensibiltät gegenüber sozialen Themen auch fast ein Heimspiel. Bleibe nur, einen Träger wie die Diakonie zu finden, um eine hauptamtliche Kraft zu finanzieren, in der Stadtverwaltung Unterstützung zu gewinnen, etwa durch die Übernahme der Raummiete, und einen Verein zu gründen, der Spenden einwirbt, um größere Anschaffungen tätigen zu können, zum Beispiel die drei Fahrzeuge, mit denen die Lebensmittel in den Läden abgeholt werden. Ob sich das Konzept auch in Wladimir so eins zu eins umsetzen läßt, wird sich zeigen. Aber etwas in der Art wollen die Besucherinnen in der Partnerstadt auf die Beine stellen. Und wer, wenn nicht sie?! Jörg Schultz jedenfalls könnte da noch so manche Anfrage und Einladung erhalten.

Jörg Schultz, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa.

Jörg Schultz, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa.

Ebenfalls aus einer privaten Initiative und später mit der Trägerschaft der Diakonie ist der Verein mit seinen gut 20 Mitgliedern entstanden, der seit 15 Jahren die von der Stadtverwaltung angemietete Wärmestube in der Heuwaagstraße zu einem beliebten Treffpunkt für Menschen ohne festen Wohnsitz macht. Durchreisende stellen dabei gar nicht einmal das Gros der Besucher, wie Lydia Kampus meint, die als Mutter der Einrichtung gelten darf, die übrigens wegen der Brandschutzauflagen im Frühjahr schon in die Wilhelmstraße umzieht. Die meisten, die das Angebot eines Frühstücks und Mittagessens in wohnlich-familiärer Umgebung nutzen, kommen, wie Otto Vierheilig, Leiter des Sozialamts und in Personalunion auch Vorsitzender des Vereins, weiß, aus den fast zweihundert Verfügungswohnungen. Menschen also, die zwar ein Dach über dem Kopf haben, aber Mangel an Sozialkontakten leiden.

Lydia Kampus, Otto Vierheilig, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa mit einer der beiden Köchinnen in der Küche der Wärmestube.

Lydia Kampus, Otto Vierheilig, Jelena Owtschinnikowa, Olga Dejewa mit einer der beiden Köchinnen in der Küche der Wärmestube.

In Wladimir ist es ein Unternehmer, der vom Abend bis zum frühen Morgen in vier Eisenbahnwaggons Obdachlosen ein Nachlager und eine Verpflegung anbietet. Die Stadtverwaltung erkennt auch dort das Problem und hat zumindest dafür gesorgt, daß im Winter niemand draußen erfrieren muß. Die Polizei ist nämlich gehalten, in der kalten Jahreszeit nachts die Augen besonders offen zu halten und Stadtstreicher nicht ihrem Schicksal zu überlassen, sondern sie notfalls in ein Krankenhaus zu bringen. Da seien, so Jelena Owtschinnikowa, stets Betten reserviert, für deren Kosten die Stadtverwaltung aufkomme. Ein großes Problem, aber auch eine große Chance für manchen. Aus ihrer Zeit als Ärztin – vor ihrer politischen Laufbahn und der Übernahme ihres Amtes im Frühjahr 2011 – weiß sie denn auch eine Begebenheit zu erzählen, die nach einem richtigen Märchen klingt.

Beim Förderverein Rotes Kreuz Wladimir.

Beim Förderverein Rotes Kreuz Wladimir.

Ein Mann, zwei Jahre bereits obdachlos, habe sich eines Wintertages in ihrem Krankenhaus gemeldet und um Behandlung gebeten. Eine verwitwete Krankenschwester habe sich um den Patienten gekümmert, der nach der Trennung von seiner Frau aus dem Tritt geraten war. Die beiden hatten sich offenbar gesucht und gefunden, waren wie füreinander gemacht. Jedenfalls haben sie mittlerweile geheiratet, und es heißt, der Mann habe sich wieder gefangen, sei wieder als Künstler tätig und trage seine Gedichte inzwischen sogar in Moskau vor. Da kann Otto Vierheilig durchaus mithalten, wenn er von einer Ehe berichtet, die zwischen zwei Obdachlosen in der Wärmestube gestiftet worden sei. Auch die beiden seien noch immer ein Paar mit einer eigenen Wohnung und eigenem Auskommen. Menschliche Sternstunden, die zeigen, wie wichtig es ist, sich gerade derer anzunehmen, die nichts mehr zu geben haben als ihre Dankbarkeit.

Peter Steger und Olga Dejewa beim Tätigkeitsbericht des RK Wladimir.

Peter Steger und Olga Dejewa beim Tätigkeitsbericht des RK Wladimir.

Die Ergebnisse der Treffen am Nachmittag im Stadtjugendring und im Kulturamt finden später hier noch ihren Widerhall, zumal sie alle mit den Vorbereitungen auf das dreißigjährige Partnerschaftsjubiläum zu tun haben. Deshalb gleich der Sprung in die Abendveranstaltung mit dem Förderverein Rotes Kreuz Wladimir.

Wolfram Howein, Olga Dejewa und Rudolf Schwarzenbach.

Wolfram Howein, Olga Dejewa und Rudolf Schwarzenbach.

Endlich nun konnten sich dessen Mitglieder ein eigenes Bild machen, von dem, was Olga Dejewa in knapp zweijähriger ehrenamtlicher Dienstzeit auf die Beine gestellt hat und immer wieder Gegenstand der Blog-Berichterstattung war. Alles für eine umfassende Berichterstattung hat sie mitgebracht: die Publikationen, die Medienberichte, die T-Shirts, Bilder, Abrechnungen, Tätigkeitsnachweise, vor allem aber ihre persönliche Überzeugungskraft, ihre ansteckende Energie und ihren pragmatischen Enthusiasmus.

Jürgen Üblacker und Jelena Owtschinnikowa.

Jürgen Üblacker und Jelena Owtschinnikowa.

Lob gab es deshalb viel für Ihr Schaffen. Doch auch sie hatte ein Zeichen der Anerkennung mitgebracht. Für Jürgen Üblacker, den ehemaligen Direktor des BRK Erlangen-Höchstadt und gemeinsam mit Brüne Soltau Gründervater des Fördervereins, in Form der Pirogow-Auszeichnung, benannt nach dem ersten Vorsitzenden des Russischen Roten Kreuzes und Begründers der russischen Chirurgie. Ehrenvoll und verdient, sicher aber auch eine Aufforderung und Ermunterung, auch in Zukunft dem Roten Kreuz in Wladimir verbunden zu bleiben.

Jelena Owtschinnikowa, Melitta Schön, Vorstandsmitglied des BRK Erlangen-Höchstadt, und Olga Dejewa.

Jelena Owtschinnikowa, Melitta Schön, Vorstandsmitglied des BRK Erlangen-Höchstadt, und Olga Dejewa.

Das wollen die Mitglieder des Fördervereins erklärtermaßen alle, und es sollen ihrer bald auch mehr werden, vielleicht sogar schon heute beim Russischen Abend. Und ganz sicher wird die Unterstützung ideell wie materiell fortgesetzt. Das nächste Projekt – nach „Licht des Guten“ mit der häuslichen Pflege und „Das sollte jeder wissen“ mit den Erste-Hilfe-Kursen für Schüler – ist nämlich schon beantragt. Im Februar wird die Stadtverwaltung über die Mittelvergabe entscheiden, und dann könnte das „Haus der Hoffnung“ an den Start gehen, ein Begriff, der ein ambulantes Hospiz meint, unterstützt von Studierenden an der Fachhochschule für medizinische Berufe.

Jelena Owtschinnikowa, Brüne Soltau und Olga Dejewa.

Jelena Owtschinnikowa, Brüne Soltau und Olga Dejewa.

Wladimir hat gelernt, sich selbst zu helfen. Mehr konnte und wollte man in der Partnerschaft nicht erreichen, und da macht es Freude, weiter Unterstützung und Zusammenarbeit anzubieten. Im Sozialen, in der Kultur und überhaupt.

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