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Posts Tagged ‘Behindertenarbeit Wladimir’


Noch einmal kurz zurück zu dem Treffen in Berlin zum Thema „Teilhabe für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“, angelegt als „praktische Konferenz“, also in Form von Arbeitsgruppen, wo Möglichkeiten besprochen wurden, wie man Sozialzentren vor Ort einrichten kann, die eine möglichst gelungene Inklusion von Menschen mit schweren Einschränkungen zum Ziel haben. (Siehe: https://is.gd/d6FWrQ) Wie wichtig man diese Fragen gerade auch in Wladimir nimmt, zeigt die Teilnahme von Roman Alexandrow, dem Direktor des Jugendzentrums, das sich auf diesem Feld stärker engagieren will.

Jurij Katz, Roman Alexandrow, Arina Alstut und Jürgen Ganzmann mit zwei der Redaktion unbekannten Damen in der Mitte

Jurij Katz, Gründer von Swet, einer der landesweit ersten, unserer Lebenshilfe vergleichbaren Initiative für Eltern mit zumeist schwerbehinderten Kindern, nutzte den Besuch in der Hauptstadt gestern auch noch zu einem Arbeitstreffen im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, das er, damals noch geleitet von Dinah Radtke, bereits seit 2008 kennt. Ungläubig erinnert er sich noch an seinen Disput von damals mit der heutigen Ehrenbürgerin, die darauf beharrte, nur jemand mit einer Behinderung könne und solle Beratung für Menschen mit einem Handicap leisten, während der Gast aus Wladimir vor allem auf der Qualität der Konsultation bestand, die nicht vom Grad der persönlichen Einschränkung abhänge. Beide blieben damals bei ihrer Position, und beide hätten sich seinerzeit wohl nicht vorstellen können, daß heute das Zentrum von Jürgen Ganzmann geleitet wird, der zwar weiß Gott viel Erfahrung mitbringt, aber keine eigene Behinderung erkennen läßt.

Jurij Katz, Rainer Keßler, Albina Alstut und Axel Ebinger

Heute sei man da tatsächlich flexibler, meint denn auch Rainer Keßler, der als Leiter der Offenen Behindertenarbeit, freilich weiterhin meint, eine persönliche Betroffenheit erleichtere den Zugang zu Menschen mit einer ähnlichen Behinderung. In der Verwaltung freilich könne man aber – so wie Albina Alstut als Teamleiterin und dank ihrer Russischkenntnisse Verbindungsfrau zu Wladimir – auch als jemand ohne Einschränkungen arbeiten. Stichwort „arbeiten“. Jurij Katz bringt ein neues Projekt ins Gespräch: Einen inklusiven Jugendaustausch zwischen den Partnerstädten. Eine durchaus aufwendige Sache, die hier wie dort viel Vorbereitung braucht. Aber versuchen will man es auf jeden Fall, und schon im Dezember will man die Entscheidung treffen. Ganz im Sinne der „praktischen Konferenz“ in Berlin – etwas zum Anpacken.

Siehe auch: https://is.gd/GRGutg

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Bürgermeisterin Elisabeth Preuß wußte gestern genau, welche Frage sie stellen mußte, um ihren Gast zum Sprechen zu bringen: „Lieber Herr Katz, an welchem neuen Projekt arbeiten Sie denn derzeit?“ Genau das Stichwort für den Gründer des im Jahr 1995 ersten russischen Selbsthilfevereins „Swet“ für Eltern mit behinderten Kindern: „Wir sind derzeit dabei, eine große Wohnung in Susdal so behindertengerecht einzurichten, daß wir in einem halben Jahr gern auch schon eine sechs- bis siebenköpfige Gruppe der Lebenshilfe Erlangen dort aufnehmen können.“ Gerade erst, am 10. Oktober, konnte man das siebenjährige Jubiläum der betreuten Wohngruppe  in Wladimir feiern, und nun also schon wieder neue Pläne, möglich geworden dank der Schenkung eines Grundstücks seitens der Erlanger Stiftung „Lichtblick“, aus dessen Erlös „Swet“ im Zentrum von Susdal eine Haushälfte zur Unterbringung von Gästen erwerben konnte. Was die Übernachtung dort genau kosten soll, ist erst noch festzulegen, aber in jedem Fall wird es um ein Vielfaches günstiger als im Hotel und – vor allem – hilft jeder Gast mit seinem Obolus bei der Finanzierung der Sozialprojekte von „Swet“.

Behindertenbeauftragter Thomas Grützner, Inklusionsbeauftragte Schila Németh-Heim, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jurij Katz

Jurij Katz, der russische Vorkämpfer für Inklusion könnte noch viel von seiner segensreichen Arbeit und dem großen Anteil Erlangens an dieser Erfolgsgeschichte berichten, etwa davon, daß dieser Tage ein Jugendlicher aus der betreuten Reitergruppe der Organisation bei einem überregionalen Wettbewerb bei Moskau in der Disziplin Galopp den zweiten Platz belegte – oder von der Teilnahme am VI. Internationalen Forum „Jedes Kind ist einer Familie würdig“ und seinem eigenen Besuch der Lebenshilfe-Zentrale in Berlin, bevor er am Wochenende nach Erlangen weiterreiste. Aber die Zeit der Bürgermeisterin ist knapp, und fallen die vielleicht wichtigsten Worte des Tages erst nach dem Empfang, im Gespräch mit Thomas Grützner, dem gegenüber der Gast, angesprochen auf die Ergebnisse der Bundestagswahlen ein Bekenntnis abgibt:

Für mich sind die Anzeichen entscheidend, die auf eine Wiederannäherung unserer Länder hindeuten. Vertrauen zu zerstören ist schnell geschehen, es wieder aufzubauen, kann dauern. Als es in meiner Schulzeit daran ging, sich für eine Fremdsprache zu entscheiden, wurde ich zunächst für die Deutsch-Gruppe eingeteilt. Doch ich bat meinen Vater, alles zu tun, um mich Englisch lernen zu lassen. Und so kam es denn auch. Für mich als russischen Juden war es undenkbar, Deutsch zu lernen. Erst viel später und vor allem in der Zusammenarbeit mit Erlangen habe ich meine Einstellung zu Deutschland grundlegend geändert. Ich möchte, daß das so bleibt, und ich bin zu allem bereit, das der russisch-deutschen Freundschaft dient.

Leonhard Hirl, Jürgen Ganzmann, Jelena Schaab, Jurij Katz und Michael Schaab

Der Rest des Tages gehörte der WAB Kosbach, mit der zusammen „Swet“ nicht nur die Deutschkurse, sondern auch die Hospitationen fortsetzen will, gehörte dem Gespräch mit Geschäftsführer Jürgen Ganzmann und Leonhard Hirl, dem Gründer der Einrichtung, gehörte dem Schmieden neuer Pläne, etwa für ein deutsch-russisches Kickerturnier in Wladimir während der Fußballweltmeisterschaft. Dabei geht es ja heute noch weiter mit der Besichtigung verschiedener Einrichtungen der WAB Kosbach und einem Abstecher nach Gremsdorf zu den Barmherzigen Brüdern. Dabei kann man in einem schon sicher sein: Jurij Katz wird seiner Devise treu bleiben, morgen nur die besten Errungenschaften seiner fränkischen Freunde mit nach Hause zu nehmen und mit ihnen gemeinsam an dem zu hobeln und zu schleifen, was noch nicht so gelungen sein mag – zum Wohl der Behindertenarbeit hier wie dort. Eben ganz so, wie es sein soll in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

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Helm auf, das Kind zum Pferd führen, aufgesessen. Klingt doch gar nicht so schwierig. Aber wenn das Kind behindert ist, etwa an Krampfanfällen leidet oder in seiner Motorik Einschränkungen hat? Oder wenn es sich um einen autistischen Jungen handelt, wie bei dem Sohn von Galina Komarowa? Gerade für diese Kinder ist die Hippotherapie eine Möglichkeit, die Welt und sich ganz neu zu erfahren, Muskeln und Kräfte zu entwickeln, die ansonsten untrainiert und unerkannt blieben.

Swetlana Komarowa bei der Arbeit

Galina Komarowa bei der Arbeit

Die Selbsthilfeorganisation Swet macht mit dem Reiten schon seit den 90er Jahren gute Erfahrungen vor Ort, aber jetzt kam auch noch die überregionale Anerkennung: Galina Komarowa belegte bei einem landesweiten Wettbewerb für Pädagogen den zweiten Platz in der Nominierung: „Beste Unterrichtsstunde im Freien“.

 

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Ljubow Katz

Ljubow Katz, mit ihrem Mann Jurij zusammen Gründerin und Leiterin der Organisation, kann eine beeindruckende Bilanz vorweisen: An fünf Tagen in der Woche wird die Hippotherapie angeboten. Zu Beginn, 1998, waren es gerade einmal 25 Kinder, die daran teilnahmen, jetzt sind es 80, weshalb mittlerweile auch zwei Trainer angestellt sind, Galina Komarowa und Wiktor Tschukajew.

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Galina Komarowa

Eltern berichten von erstaunlichen Fortschritten ihrer Kinder: Da ist der Junge, der nach den Reitstunden buchstäblich aus sich herausgeht, Futter für sein Pferd herrichtet, selbst zu gehen versucht; da ist das Mädchen, bei dem nach dem Pferdekontakt deutliche Verbesserungen in der Artikulation zu bemerken sind. Und dann ist da die ganze Bewegung auf dem Rücken des Tiers, dessen Körpertemperatur um etwa ein Grad wärmer ist als die des Menschen und damit Krämpfe lösen kann, Muskeln geschmeidiger macht, sich einfach gut anfühlt beim Streicheln…

 

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Vier junge Männer beweisen in Wladimir auf 170 qm Wohnfläche seit zwei Jahren ihre Fähigkeit zum selbständigen Leben, unterstützt nur durch eine Pädagogin. Ein erfolgreicher Probelauf für die unterschiedlich Behinderten, zwischen 20 und 35 Jahren, die ohne die bewundernswerte Initiative der Selbsthilfeorganisation „Swet“ von Ljubow und Jurij Katz mit Sicherheit in einem Heim leben untergebracht wären. So können sie selbst entscheiden, wie ihr Tagesablauf strukturiert ist, wofür sie ihre Invalidenrente ausgeben, welchen Freizeitbeschäftigungen sie nachgehen.

Ljubow Katz und ihre Schützlinge

Ljubow Katz und ihre Schützlinge

Der Erfolg des Projekts ist auch möglich geworden durch die Städtepartnerschaft, durch die inhaltliche Beratung etwa seitens der WAB Kosbach, wo man schon seit mehr als 30 Jahren Erfahrung sammelt mit betreutem Wohnen; durch Spenden aus Erlangen und von der katholischen Hilfsorganisation „Renovabis“. Man darf sich also hier wie dort freuen, zumal die Initiative in Wladimir dabei ist, schon die nächsten Schritte zu gehen, sprich ein ganzes Haus für betreutes Wohnen zu errichten, und seit einigen Monaten ist „Swet“ ja auch im Besitz eines großen Grundstücks, übertragen von der Partnerschaftsstiftung „Lichtblick“, wofür es schon große Pläne gibt. Aber davon ein andermal wieder – in Ihrem Blog. Hier für heute nur nochmals DANKE an alle, besonders Wolfram Howein, Leonhard Hirl und Jürgen Ganzmann, für die Unterstützung.

 

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Irina Arschanych, Dozentin am Lehrstuhl für Allgemeine und Pädagogische Psychologie der Universität Wladimir, ist wieder zu einer Hospitation in Erlangen bei der WAB Kosbach. Wesen und Wirken dieser Einrichtung erscheinen ihr so bedeutend und nachahmenswert, daß sie für ihre Studenten in der Partnerstadt einen Aufsatz „Über die Integration von auf Grund von Persönlichkeitsstörungen ausgegrenzten Menschen“ geschrieben hat, der die Besonderheiten des deutschen Wegs in der Behindertenarbeit vorstellt und es als Produkt der Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir verdient, in der Übersetzung von Peter Steger hier im Blog (unter Verzicht auf die wissenschaftlichen Fußnoten) veröffentlicht zu werden.

Irina Arschanych mit ihren Kolleginnen vom Lehrstuhl für Psychologische Didaktik, Olga Morosowa und Irina Plaksina im Erlangen-Haus

Irina Arschanych mit ihren Kolleginnen vom Lehrstuhl für Psychologische Didaktik, Olga Morosowa und Irina Plaksina im Erlangen-Haus

Die sozialpolitischen und sozialökonomischen Veränderungen des letzten Jahrzehnts haben einen ausgesprochen starken Einfluß auf den gesamten Kontext der Lebensaktivitäten der Gesellschaft ausgeübt. Die Spezifik der russischen Situation besteht darin, daß sich nicht nur deprivierte Bevölkerungsschichten, sondern auch früher durchaus am Wohlstand beteiligte und sozial integrierte Menschen aus bestimmten Gründen, etwa einer Erkrankung oder nach einer Krise, jenseits oder am Rand des Existenzminimums wiederfinden und zumindest zeitweise aus dem sozialen Kontext ausgeschlossen sind. Als aktuelles Problem stellt sich deshalb die Schaffung einer zukunftsorientierten und adäquat den heutigen Bedingungen der Lebensaktivität entsprechenden Strategie einer sozialen Rehabilitation von ausgegrenzten Menschen.

Ziel dieser Untersuchung ist die Darstellung der Ansätze, wie sie in Deutschland bei der Integration von Menschen in der WAB Kosbach Anwendung finden, wenn eine Lebenskrise, psychische Erkrankungen und andere Diagnosen zu überwinden haben.

Irina Arschanych mit den Hospitantinnen Milena Prochorowa und Irina Isjuminkowa

Irina Arschanych mit den Hospitantinnen Milena Prochorowa und Irina Isjuminkowa

Eines der Hauptprobleme der Integration dieser Menschen – oft nach einer längeren Isolation, bedingt durch eine psychische oder sonstige Erkrankung, in einem Krankenhaus oder in einer geschlossenen Anstalt – liegt in der Definition der Möglichkeiten jeder Person für sich genommen, ungeachtet einer Erkrankung oder Behinderung, einen adäquaten sozialen Status zu erhalten, und in der Förderung des psychologischen Bestrebens, eine möglichst umfangreiche Teilhabe an der eigenen Lebensgestaltung zu erreichen. Dabei liegt die Verpflichtung der Gesellschaft nicht darin, ihren Bürgern diese Ressourcen an die Hand zu geben, sondern ihnen die Möglichkeiten zu bieten, diese Ressourcen selbst zu erreichen. Dabei ist zu beachten, daß diese Menschen nie über die exakt gleichen Voraussetzungen wie die übrigen Mitglieder der Gesellschaft verfügen werden. Denn das Phänomen der sozialen Stigmatisierung, nachgerade institutionalisiert, erschwert die Integration erheblich.

Diese Probleme können einen in jedem Alter treffen, weshalb sich in der Zielgruppe Kinder genauso finden können wir ältere Menschen. Hauptziel der Integration ist es, die physiologischen Bedürfnisse zu erfüllen, damit ihr Leben nicht zu einem Beispiel für Grausamkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen werde. Die Integrationsmerkmale bestehen aus der Nutzung der von der Gesellschaft bereitgestellten Ressourcen durch die erkrankten Menschen, wobei ein Teil der gesamtgesellschaftlichen Ressourcen zum Unterhalt und zur Pflege der Patienten zur Verfügung zu stellen ist.

In langfristig angelegten Befragungen und Untersuchungen kann man feststellen, daß die Personengruppe offensichtlich große Hoffnung darauf setzt, wirtschaftliche Unabhängigkeit durch eigene Einkünfte zu erreichen, womit die Freiheit verbunden wäre, sich selbst Zugang zu bestimmten Waren und Dienstleistungen zu verschaffen. Nach Vorstellung der Befragten sollte die wirtschaftliche Unabhängigkeit gesichert durch Rente oder Sozialhilfe (auch durch Ermäßigungen) sowie eine erfolgreiche Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt sein. Räumliche und physische Unabhängigkeit setzt den vollständigen Zugang zur Infrastruktur am frei gewählten Wohnort ebenso voraus wie die Mobilität. Unter sozialer Unabhängigkeit versteht man die freie Wahl sozialer Kontakte (im Alltag, in der Partnerbeziehung, im Beruf, im sozio-kulturellen Umfeld), den Zugang zur sozialen Dienstleistungen und zu allem, was die Lebensweise eines Menschen formen kann.

Irina Arschanych mit Leonhard Hirl, Swetlana Schkurowa, Jürgen Ganzmann und Milena Prochorowa

Irina Arschanych mit Leonhard Hirl, Swetlana Schkurowa, Jürgen Ganzmann und Milena Prochorowa

Werfen wir nun einen Blick darauf, wie diese Aufgabe von unseren deutschen Kollegen am Beispiel von Beobachtungen der Facheinrichtung WAB Kosbach gelöst wird. Das in Deutschland gegenwärtig weithin praktizierte Modell der Rehabilitierung gründet sich auf Methoden der Veränderung im Denken und Handeln der Behinderten ebenso wie auf die Gewährleistung des Zugangs zur Infrastruktur der Gesellschaft. Hinzu kommen Integrationsprozesse unter Einbeziehung aller Mitglieder dieser sozialen Aktion. Die Einrichtung selbst besteht aus einer Reihe von Häusern, die aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, aber auch Unterstützung von gemeinnützigen Stiftungen erhalten und einen Teil ihrer Mittel durch Landwirtschaft und Dienstleistungen selbst erwirtschaften. Ein vielstufiges System erlaubt es der Einrichtung, einen optimalen Standard der Betreuung zu bieten. Abhängig von der Schwere der Persönlichkeitsstörung erhalten die Bewohner unterschiedliche Angebote mit verschiedenen Abstufungen der Freiheit und Selbständigkeit. Es gibt keine vorgegebene Frist für eine vollständige Integration, vielmehr variiert die Zeit abhängig von den Bedürfnissen von wenigen Monaten bis zu einem lebenslangen Aufenthalt in einer der Einrichtungen, von denen es wiederum ganz unterschiedliche Formen gibt: Altersheime, geschlossene Wohngruppen unter ständiger Beobachtung und mit medizinischer Betreuung, offene Wohngruppen mit Möglichkeiten zur Arbeitstherapie außerhalb der Einrichtung.

Zu der WAB Kosbach gehört auch ein ganzer Komplex von kreativen Angeboten, von Werkstätten über Pferdehaltung, Landwirtschaft, Bäckerei bis hin zu einem Café, wo die Patienten sich wieder in den Arbeitsprozeß integrieren können. Die Einrichtung arbeitet eng mit ähnlichen Strukturen im ganzen Land zusammen, weshalb auch ein Umzug für die betreuten Menschen jederzeit möglich ist, etwa dann, wenn jemand nach einer Lebenskrise bestimmte soziale Kontakte vermeiden will oder sein Umfeld ändern möchte. Gewahrt bleibt dabei stets die Verbindung zur Therapieeinrichtung, wo bei Bedarf die notwendige medizinische Hilfe oder die Konsultation eines Psychologen – stationär wie ambulant – gewährleistet ist. Der Rehabilitationsprozeß wird auf allen Etappen begleitet, bis hin zur Wiedereingliederung in das soziale Umfeld. Als Kriterium für die Bereitschaft zum eigenständigen Leben gilt ein Fachgutachten vom Psychiater, Psychologen oder Sozialpädagogen, ein Mietvertrag und ein festes Arbeitsverhältnis. Wichtig auch der Umstand, daß die Integration des jeweiligen Menschen für seine Familie und sein Umfeld keine zu große Belastung darstellt. Das ist besonders wichtig vor dem Hintergrund, daß häufig gerade im familiären Umfeld die Gründe für die Erkrankung liegen und die Angehörigen selbst einer Therapie bedürfen. Wichtig auch, weil die Familie oft gar nicht ausreichend über die Möglichkeiten einer notwendigen Begleitung durch Fachleute informiert ist. Der Kontakt mit den Familienangehörigen gestaltet sich dabei flexibel: Je nach Wunsch des Patienten und abhängig von den Befunden der Fachleute kann das vom gemeinsamen Besuch therapeutischer Einrichtung bis hin zum vollständigen Abbruch der Kontakte reichen. Besonders wichtig dabei, daß es zu keiner kompletten Abhängigkeit von Familienmitgliedern kommt, was sich erschwerend und ungünstig auf alle am Prozeß beteiligten Menschen auswirken kann.

Irina Arschanych

Irina Arschanych

Im Ergebnis kann man sagen, daß die Integration definiert ist durch einen ganzen Maßnahmenkomplex, gerichtet auf die Wiederherstellung von gestörten oder verlorenen Verbindungen und Beziehungen zur Gesellschaft, in deren Folge gesundheitliche Beeinträchtigungen mit bleibenden Beschwerden bei den Funktionen des Organismus (bis hin zur Invalidität) ebenso auftreten können wie die Veränderung des sozialen Status (Alter, Flüchtlinge, Arbeitslose), Verhaltensauffälligkeiten (Minderjährige, Alkoholkranke, Rauschgiftsüchtige, ehemalige Straffällige). Ziel der sozialen Rehabilitation ist die Wiederherstellung des sozialen Status der Persönlichkeit, die Gewährleistung der sozialen Adaption in der Gesellschaft und die Erlangung materieller Unabhängigkeit. Grundlegende Prinzipien der Rehabilitation sind ein möglichst früher Beginn der Maßnahmen, Kontinuität und Struktur, System und Komplexität sowie ein individueller Ansatz.

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Schon Ende Februar sind in Wladimir fünf junge Erwachsene mit Behinderungen in eine bisher für Rußland einzigartige Wohnung eingezogen. Mit Unterstützung aus Erlangen und dank dem katholischen Hilfswerk Renovabis.

Luftballons für ganz Rußland

Luftballons für ganz Rußland

Gestern nun die Einweihungsfeier mit Gästen aus Moskau, Pskow und Nischnij Nowgorod dieser neuen Heimat für junge Menschen, die noch vor wenigen Jahren bestenfalls hätten in ein Heim ziehen können.

Jurij Katz in einem der Zimmer

Jurij Katz in einem der Zimmer

Die fünf jungen Männer haben eine intensive Vorbereitung auf den Einzug hinter sich. Die vor fast zwanzig Jahren gegründete Elterninitiative Swet hat nämlich eine „Schule des Lebens“ eingerichtet, wo die Heranwachsenden bereits lernen konnten, wie man sich mit ein wenig Unterstützung von Fachkräften weitgehend selbständig in der Welt der „Normalen“ zurechtfindet. Hippotherapie gehörte ebenso zum Programm wie das „Theater der Freundschaft“, die Arbeit in Werkstätten oder die Übernahme von Haushaltsarbeiten.

Jurij Katz im behindertengerechten Bad der Wohnung

Jurij Katz im behindertengerechten Bad der Wohnung

Mit diesem Projekt geht Wladimir dank der Selbsthilfeorganisation Swet, vergleichbar mit der Lebenshilfe, die vor 50 Jahren in Deutschland den Umgang mit Behinderten von unten reformiert hat und bis heute unverzeichtbar bleibt, wieder einmal landesweit voran. Gemeinsam mit Pskow, wo es bereits ähnliche Ansätze gibt. Aber sogar in der Partnerstadt wäre in dem Bereich noch viel zu tun. Es ist erst ein Anfang gemacht.

Ljubow Katz und Wladimir Kissiljow

Ljubow Katz und Wladimir Kisseljow

Aber ein guter Anfang, auch wenn noch fast 400 Behinderte auf einen Heimplatz warten, ganz zu schweigen von der Möglichkeit, in eine derartige Wohnung einziehen zu können und ganz zu schweigen, wie Ljubow Katz meint, mit ihrem Mann Jurij zusammen die treibende Kraft dieser Organisation, von denen, die sich gar nicht erst bewerben.

Ljubow Katz und Sergej Sacharow

Ljubow Katz und Sergej Sacharow

Aber die Botschaft ist angekommen. Was vor einem Jahr mit viel Bauschutt und kahlen Wänden begonnen wurde, ist nun vollendet. Auch mit Hilfe der Lokalpolitik. Sowohl auf regionaler Ebene, vertreten durch Wladimir Kisseljow, den Vorsitzenden der Gouvernements-Duma, als auch in der Partnerstadt selbst, repräsentiert durch Oberbürgermeister Sergej Sacharow. Mit Hilfe vor allem aber der Eltern, vieler Freiwilliger (sogar aus dem Amerikanischen Haus haben Studenten aus den USA mit Hand angelegt) und einer langen Liste von Sponsoren.

Ljubow Katz und Peter Steger

Ljubow Katz und Peter Steger

In dieser Liste hat das Hilfswerk Renovabis aus Freising einen Ehrenplatz, beteiligte es sich doch mit 50.000 Euro an der guten Sache. Geld, das bereits im Vorjahr im Rahmen eines Programms für Behindertenarbeit in Osteuropa freigegeben worden war und das nun eine wunderbare Wirkung zeigt: 177 qm, sieben Zimmer, inmitten eines Wohnbezirks etwas am Stadtrand, Platz zum leben vier fünf junge Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Ljubow Katz und P. Jewgenij

Ljubow Katz und P. Jewgenij

Jeder hat sein eigenes Zimmer mit 14 qm Fläche, und für den Empfang von Freunden, Angehörigen und Gästen gibt es einen Gemeinschaftsraum, mit seinen 35 Quadratmetern groß genug, um auch die Einweihungsfeier auszurichten. Zu Swet (auf Deutsch: Licht) gehört auch eine enge Verbindung zur orthodoxen Kirche. P. Jewgenij ist denn auch von Erzbischof Jewlogij eigens für die Seelsorge bei Menschen mit Behinderungen abgestellt.

Musikgruppe Swet

Musikgruppe Swet

Wer die Familie Katz kennt, weiß, daß sie sich damit noch nicht zufrieden geben. Ihr nächstes Ziel ist nun der Bau eines ganzen Hauses im Ortsteil Jurjewez. Die Stadt hat das Grundstück bereits zur Verfügung gestellt, und nach dem Motto – nach dem Einzug ist vor dem Einzug – beginnen jetzt schon die Vorbereitungen auf das nächste Projekt.

Luftballons für Rußland

Luftballons für Rußland

Längst kennt man Swet auch in anderen Regionen Rußlands und nimmt sich ein Beispiel an den Erfolgen der Initiative aus Wladimir. So stiegen denn auch die Luftballons nicht einfach aus Jux und Dollerei in den blauen Himmel auf, sondern mit dem Wunsch, es möge bald in vielen anderen Städten Rußlands ähnliche Wohnungen geben, wo junge Behinderte zu leben lernen. Selbständig. Eines Tages auch ohne ihre Eltern und Angehörigen. Und ohne die einzige Perspektive: ab ins Heim.

Luftballons für Rußland

Luftballons für Rußland

Dazu braucht es Menschen wie Ljubow und Jurij Katz, die begeistern und überzeugen, die vor allem aber auch ein offenes Ohr bei den Behörden finden. Denn sowohl die regionalen zuständigen Ämter als auch die städtischen Dienststellen ermöglichen das Projekt unter anderem dadurch, daß sie die Kosten für Pädagogen übernehmen, die an dem Projekt mitarbeiten. Eine Arbeit, die von Ehrenamtlichen und den Eltern allein nicht zu bewältigen wäre.

Natalia Bugajewa

Natalia Pugajewa

Mit einer ganz ähnlichen Thematik beschäftigt sich Natalia Pugajewa aus Raduschnyj bei Wladimir. Selbst Mutter von drei Kindern hat sie auch noch einen Sohn und eine Tochter in Pflege – und zwölf Jugendliche um sich geschart, die aus unterschiedlichen Gründen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind  und am Leben zu scheitern drohen. Mit ihnen übt sie Theaterstücke ein und fertigt Kunstwerke der besonderen Art. Als gelernte Malerin hat sie dafür ein besonderes Händchen. Nun möchte sie mit ihrer Gruppe einmal nach Erlangen kommen, um von ihrer Arbeit zu berichten, um ihre Kleinodien zu zeigen, um Kontakte zu knüpfen. Noch in diesem Jahr.

Lira Trozenko

Lira Trozenko

Lira Trozenko hingegen, die als erste Zahnärztin Wladimirs mit Erlanger Unterstützung eine eigene Praxis schon in den 90er Jahren gegründet hat, kennt Erlangen schon seit gut 20 Jahren. Erst im Januar waren drei ihrer Ärzte in der Partnerstadt zu einer Hospitation. Nun will sie den Gegenbesuch organisieren, die erste Konferenz für Stomatologen in Wladimir mit Dozenten aus Erlangen. „Was die anderen medizinischen Fachrichtungen schon vorgemacht haben, können wir sicher nicht schlechter“, meint Lira Trozenko dazu mutig.

Demonstration auf dem Kathedralenplatz

Demonstration auf dem Kathedralenplatz

Natürlich läßt sich die Weltpolitik in diesen Tagen nicht ausblenden. Auch nicht in der Partnerstadt, wo sich gestern der Kathedralenplatz bis gegen 17.00 Uhr für eine halbe Stunde füllte, um auf einer Kundgebung die Unterstützung für die Politik des Staatspräsidenten zum Ausdruck zu bringen.

Wir sind mit dem Präsidenten. Wir sind mit der Krim.

Wir stehen zum Präsidenten. Krim, wir stehen zu dir.

Viele Vertreter von Jugendorganisationen, Repräsentanten aller im Parlament vertretenen Parteien, Betriebsangehörige, Gewerkschaftsmitglieder.

Gouverneurin Swetlana Orlowa auf der Demonstration

Gouverneurin Swetlana Orlowa auf der Demonstration

Politiker aus der ersten Reihe traten zwar nicht ans Mikrophon, zeigten sich aber dennoch prominent. Eben eine Sympathiekundgebung mit Aufrufen, die Ukraine und die Krim nicht im Stich zu lassen, für die Opfer der dort drohenden Übergriffe auf Russen Spenden zu sammeln, moralischen Beistand zu leisten.

Die Krim ist Rußland

Die Krim ist Rußland

Auch wenn nach Umfragen zwei Drittel der Russen klar gegen den Einsatz von Waffen in der Ukraine sind, sollte man nicht zweifeln daran, daß dort für die Mehrheit vom Westen eine rote Linie überschritten wurde.

Ukraine, wir sind mit dir!

Rußland und die Ukraine, wir sind zusammen!

Ob es nun stimmt oder nicht – die Historiker werden das bald rekonstruieren -, daß auf dem Maidan in Kiew mehr ausländische Agenten und angeworbene Provokateure zu Gange waren als aufrechte Demokraten im Kampf gegen ein korruptes Regime, kann hier nicht geklärt werden. Aber selbst in der EU verstehen immer mehr Politiker, daß man die russische Sicht der Dinge zu wenig im Auge gehabt habe.

Sergej Sacharow und Sergej Schochin

Sergej Sacharow und Andrej Schochin

Noch ist ja Zeit für Gespräche. Noch ist es nicht zu spät. Niemand auf dem Kathedralenplatz ruft zum Krieg auf. Alle sind zum Dialog bereit. Aber es wird lange dauern, bis die Russen wieder Vertrauen zum Westen fassen. Wie gut es da ist, eine Bürgerpartnerschaft zu pflegen, erfährt man just in diesen Tagen des Umbruchs.

Nein zum Faschismus. Krim, wir sind mit dir.

Nein zum Faschismus. Krim, wir stehen zu dir.

Vielleicht sollten wir nicht nur über eine Wohnung für Behinderte nachdenken und nun ein Haus für sie planen, sondern uns an das Wort von Michail Gorbatschow erinnern, der vom gemeinsamen europäischen Haus gesprochen hat. Darin sollten, können und wollen wir doch alle Platz finden. Die Hausordnung freilich müssen wir dann gemeinsam entwerfen – ohne Drohungen, sondern im Miteinander. Wie das gehen kann, können wir von Swet lernen!

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Christine Hubrach nahm fast schon inkognito an der Bürgerreise zum dreißigjährigen Jubiläum teil und stellte ihr Besuchsprogramm ganz nach eigenen Wünschen zusammen. Immer im Zeichen ihres vielfältigen sozialen Engagements für behinderte Kinder und Waisen. Was sie da so alles bei ihren teilweise entdeckte, teilt sie heute mit. Was daraus noch alles werden kann, hängt auch davon ab, wer sich ihren Aktionen in Wladimir und Erlangen noch anschließen wird.  

Christine Hubrach mit Jurij und Ljubow Katz, einem von Swet betreuten Kind und Anastasia Suchowa

Christine Hubrach mit Jurij und Ljubow Katz, einem von Swet betreuten Jugendlichen und Anastasia Suchno

Kinderpsychiatrie

Ich habe die Psychiatrie für Kinder besucht. Es war schön, die Erzieherinnen und Lehrerinnen wieder zu treffen. Es hat sich an der Innenaustattung der Lehrräume sehr viel verbessert. Dort hat man den Eindruck, das Geld sei wirklich angekommen und man arbeite sinnvoll. Auch der Empfangsbereich ist viel freundlicher geworden. Aber der Aufenthaltsraum der Kinder besitzt kaum Gegenstände und sieht schlimm aus. Teppich gibt es keinen mehr, und die Tischtennisplatte wurde an die Seite geräumt. Tapeten und Putz bröckelt ab. Offensichtlich halten sich in diesem Raum viel zu viele Kinder zu lange auf. Den Speiseraum und die Schlafzimmer habe ich vergessen anzuschauen.

Unterricht in der Kinderpsychiatrie

Unterricht in der Kinderpsychiatrie

Ich komme dort immer unangemeldet und kann so auch ein wenig hinter die Kulissen schauen. Laut den Erzieherinnen gibt es keine körperliche Gewalt mehr gegenüber den Kindern. Eine neue Oberschwester führt ein zwar strenges, aber gewaltfreies Regiment. Bis auf gelegentliche Schreianfälle, die aber wohl jeder Mutter oder Lehrerin passieren können. Die Kinder wirken jedenfalls, bis auf ihre jeweiligen Krankheitssymptome entspannt und zugänglich.

Hier soll ein neuer Spielplatz entstehen.

Hier soll ein neuer Spielplatz entstehen.

Die Außenanlagen zerfallen, der Putz bröckelt ab, und das Mauerwerk ist zu sehen. An dem Gebäude und im Treppenhaus gäbe es eine Menge zu verbessern. Der Spielplatz für die Kinder wird gerade neu gemacht. Aus eigener Erfahrung weiß ich, die Grünanlagen werden nur bei wichtigem Besuch gepflegt. Das war aber offensichtlich schon lange nicht mehr der Fall.

Ljubow Katz mit den Gästen aus Erlangen und Jena

Ljubow Katz mit den Gästen aus Erlangen und Jena

Kinderklinik

Hier war ich sehr beeindruckt. Sie kann sich durchaus mit westlichem Standard messen. Im Sinne der Unfallverhütung könnte man noch etwas verbessern. Prof. Dieter Wenzel wäre beinahe die Treppen runtergefallen. Es sind zu viele nicht auf Anhieb erkennbare Schwellen an den Übergängen zum nächsten Raum. Behindertengerechte Zugänge konnte ich keine sehen. Die Sinne dafür wird aber sicher die Selbsthilfeorganisation für Eltern mit schwerbehinderten Kindern, „Swet“, in den nächsten Jahren ändern.

Integratives Kindermusical von Swet

Integratives Kindermusical von Swet

„Swet“

Finde ich sehr gut. Ein Austausch mit dem Hausenhof  wäre ganz toll. Das ist eine Camphill-Einrichtung, die gerade bei der Hippotherapie sehr gut ist. Außerdem könnte er „Swet“ Ideen liefern, wie die jungen Erwachsenen auch nach ihrem 30. Lebensjahr gut versorgt wären. Eine Besichtigung der Behinderten-Werkstätten in Gremsdorf oder bei der Lebenshilfe wäre ebenfalls schön. Ich konnte nämlich meine Frage nicht klären, warum die behinderten Menschen keine bezahlte Arbeit annehmen können. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Gegenständen fließen nur in die Einrichtung. Gibt es Firmen, die einfache Tätigkeiten an diese Menschen weitergeben könnten? Den hier verwendeten Begriff „Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten“ finde ich klasse!

Christine Hubrach, Peter Steger, Siegfried Balleis, Ljubow Katz, Iwan Nisowzew

Christine Hubrach, Peter Steger, Siegfried Balleis, Ljubow Katz, Iwan Nisowzew

Waisenhaus Susdal

Hier war ich angemeldet, Das ganze Haus war frisch geputzt und noch naß. Die Spielzeuge im neuen und aufgeräumten Zustand. Die Spielanlagen im Außenbereich wirkten unbenutzt, das Gras war hoch. Das Haus wirkte freundlich. Die Kinder befanden sich in der Küche. Wo sich die Kinder komischerweise immer befinden, wenn ich irgendwo angemeldet bin. Die Kinder wirkten panisch, zitterten und hatten Angst in den Augen. Etwas, woran ich wieder einige Zeit zu knabbern habe. Es waren 36 Kinder. 20 davon behindert, trotzdem war – außer den zwei Frauen in der Küche und der Leiterin – kein Personal da. Ich konnte mit den Kindern keinen Kontakt aufnehmen und wurde ganz schnell wieder herausgeführt. Die Leiterin wünscht sich für 1.800 Euro eine elektronische Tafel!?!

Spielzimmer Waisenheim Susdal

Spielzimmer Waisenheim Susdal

Drei Waisenhäuser in Wladimir

Hier bekam ich keinen Zugang. In den ersten zwei Tagen war ich mit „Swet“ beschäftigt (obwohl ich immer wieder betonte, mein Anliegen gelte den Waisenhäusern), und am 1.Juni waren angeblich alle Kinder unterwegs. Als ich sagte, mir sei das egal, ich würde die Einrichtungen auch ohne Kinder anschauen wollen, hieß es, ich hätte keine Erlaubnis dafür bekommen. Das hätte man früher anmelden müssen.

Waisenheim Susdal

Waisenheim Susdal

Blauer Himmel

Hätte ich gerne gesehen, blieb aber keine Zeit.

Schlafraum Waisenheim Susdal

Schlafraum Waisenheim Susdal

Spendenaktion

Nach vielen Gesprächen und mit Gottes Hilfe steht nun folgendes Ergebnis fest: Rusanna (eine Sprachstudentin) wird Dokumente übersetzen, die wir austauschen wollen. Anastasia Suchno, Mitglied der Folkloregruppe Wladimirez, hat eine Arbeit über das Waisenhaus Dom Maljutki geschrieben und wird vor Ort Kontakt mit den Waisenhäusern aufnehmen, um die Bedürfnisse abzufragen. Vorstellungen wären z.B. Windeln für Dom Maljutki (Ausgabe wird von Jurij Katz streng überwacht), Außenspielanlagen für das Waisenhaus, das ich nicht kennengelernt habe und technische Geräte (z.B. Kaffeemaschine) für das Waisenhaus, in dem die Betreuung sehr gut zu laufen scheint, damit die Erzieherinnen eine Anerkennung für Ihre Arbeit bekommen. Der Bedarf wird mir noch mitgeteilt, und ich entscheide, wie das Geld ausgegeben wird. Anastasia Suchno und Olga, eine Ehrenamtliche in einem Waisenhaus, kommen demnächst nach Erlangen, und ich werde ihnen Einrichtungen hier zeigen. Wir wollen versuchen, Freiwillige zu finden, die bereit sind, in den Waisenhäusern Praktika zu machen. Die Möglichkeiten werden noch abgeklärt. Die Betreuung übernimmt wohl Jurij Katz von „Swet“.

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