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Posts Tagged ‘Behindertenarbeit Rußland’


Noch einmal kurz zurück zu dem Treffen in Berlin zum Thema „Teilhabe für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“, angelegt als „praktische Konferenz“, also in Form von Arbeitsgruppen, wo Möglichkeiten besprochen wurden, wie man Sozialzentren vor Ort einrichten kann, die eine möglichst gelungene Inklusion von Menschen mit schweren Einschränkungen zum Ziel haben. (Siehe: https://is.gd/d6FWrQ) Wie wichtig man diese Fragen gerade auch in Wladimir nimmt, zeigt die Teilnahme von Roman Alexandrow, dem Direktor des Jugendzentrums, das sich auf diesem Feld stärker engagieren will.

Jurij Katz, Roman Alexandrow, Arina Alstut und Jürgen Ganzmann mit zwei der Redaktion unbekannten Damen in der Mitte

Jurij Katz, Gründer von Swet, einer der landesweit ersten, unserer Lebenshilfe vergleichbaren Initiative für Eltern mit zumeist schwerbehinderten Kindern, nutzte den Besuch in der Hauptstadt gestern auch noch zu einem Arbeitstreffen im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, das er, damals noch geleitet von Dinah Radtke, bereits seit 2008 kennt. Ungläubig erinnert er sich noch an seinen Disput von damals mit der heutigen Ehrenbürgerin, die darauf beharrte, nur jemand mit einer Behinderung könne und solle Beratung für Menschen mit einem Handicap leisten, während der Gast aus Wladimir vor allem auf der Qualität der Konsultation bestand, die nicht vom Grad der persönlichen Einschränkung abhänge. Beide blieben damals bei ihrer Position, und beide hätten sich seinerzeit wohl nicht vorstellen können, daß heute das Zentrum von Jürgen Ganzmann geleitet wird, der zwar weiß Gott viel Erfahrung mitbringt, aber keine eigene Behinderung erkennen läßt.

Jurij Katz, Rainer Keßler, Albina Alstut und Axel Ebinger

Heute sei man da tatsächlich flexibler, meint denn auch Rainer Keßler, der als Leiter der Offenen Behindertenarbeit, freilich weiterhin meint, eine persönliche Betroffenheit erleichtere den Zugang zu Menschen mit einer ähnlichen Behinderung. In der Verwaltung freilich könne man aber – so wie Albina Alstut als Teamleiterin und dank ihrer Russischkenntnisse Verbindungsfrau zu Wladimir – auch als jemand ohne Einschränkungen arbeiten. Stichwort „arbeiten“. Jurij Katz bringt ein neues Projekt ins Gespräch: Einen inklusiven Jugendaustausch zwischen den Partnerstädten. Eine durchaus aufwendige Sache, die hier wie dort viel Vorbereitung braucht. Aber versuchen will man es auf jeden Fall, und schon im Dezember will man die Entscheidung treffen. Ganz im Sinne der „praktischen Konferenz“ in Berlin – etwas zum Anpacken.

Siehe auch: https://is.gd/GRGutg

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Jürgen Ganzmann, seit 1999 in der Städtepartnerschaft mit Wladimir aktiv, hielt sich Ende vergangener Woche zu einer Tagung in Berlin auf, wo sich im Russischen Haus der Wissenschaft an der Friedrichstraße eine Expertengruppe aus sieben deutsch-russischen Projektpaaren zum Thema Teilhabe von Menschen mit Behinderung trafen. Erstmals dabei auch ein Gast aus Minsk.

Jürgen Ganzmann (2. v.l.) und Jurij Katz (6. v.l.) bei einer Tagung in Pskow, November 2017

Besonders freute sich der Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, Jurij Katz aus Wladimir, Gründer der Elternselbsthilfegruppe Swet wiederzusehen, mit dem er seit Jahren zusammenarbeitet, und der dieser Tage auch noch in Erlangen erwartet wird. Doch Jürgen Ganzmann wäre nicht der, als den man ihn kennt, wenn da nicht noch mehr wäre, etwa der Plan, auch mit Initiativen aus Irkutsk und Nischnij Nowgorod eine Projektpartnerschaft einzugehen. Denn:

Wenn wir dazu beitragen können, die Gesellschaft in unseren Ländern zu verändern, und Schritte nach vorne gehen, bringt uns das dem Ziel einer möglichst vollständigen Teilhabe für Menschen mit Behinderung näher. Hierfür lohnt sich jedes Engagement.

Jürgen Ganzmann

Gerade das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, das übrigens Anfang der 90er Jahre eine gleichartige Einrichtung in Jena zu gründen half, ist auf diesem Weg sehr weit fortgeschritten, vor allem auch mit der Schaffung von Voraussetzungen für behindertengerechte Arbeitsplätze und damit der Ermöglichung von Inklusion. Da, so Jürgen Ganzmann, ist es besonders wichtig, in Zeiten von politischen Spannungen als Nichtregierungsorganisationen grenzüberschreitend zu kooperieren:

Hier hat sich die Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir als äußerst stabil erwiesen. Ich freue mich somit auf die weiteren Gespräche und Ergebnisse dieser Tagung und die künftige Zusammenarbeit mit Wladimir, Irkutsk und Nischnij Nowgorod.

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Helm auf, das Kind zum Pferd führen, aufgesessen. Klingt doch gar nicht so schwierig. Aber wenn das Kind behindert ist, etwa an Krampfanfällen leidet oder in seiner Motorik Einschränkungen hat? Oder wenn es sich um einen autistischen Jungen handelt, wie bei dem Sohn von Galina Komarowa? Gerade für diese Kinder ist die Hippotherapie eine Möglichkeit, die Welt und sich ganz neu zu erfahren, Muskeln und Kräfte zu entwickeln, die ansonsten untrainiert und unerkannt blieben.

Swetlana Komarowa bei der Arbeit

Galina Komarowa bei der Arbeit

Die Selbsthilfeorganisation Swet macht mit dem Reiten schon seit den 90er Jahren gute Erfahrungen vor Ort, aber jetzt kam auch noch die überregionale Anerkennung: Galina Komarowa belegte bei einem landesweiten Wettbewerb für Pädagogen den zweiten Platz in der Nominierung: „Beste Unterrichtsstunde im Freien“.

 

Любовь Кац.jpg

Ljubow Katz

Ljubow Katz, mit ihrem Mann Jurij zusammen Gründerin und Leiterin der Organisation, kann eine beeindruckende Bilanz vorweisen: An fünf Tagen in der Woche wird die Hippotherapie angeboten. Zu Beginn, 1998, waren es gerade einmal 25 Kinder, die daran teilnahmen, jetzt sind es 80, weshalb mittlerweile auch zwei Trainer angestellt sind, Galina Komarowa und Wiktor Tschukajew.

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Galina Komarowa

Eltern berichten von erstaunlichen Fortschritten ihrer Kinder: Da ist der Junge, der nach den Reitstunden buchstäblich aus sich herausgeht, Futter für sein Pferd herrichtet, selbst zu gehen versucht; da ist das Mädchen, bei dem nach dem Pferdekontakt deutliche Verbesserungen in der Artikulation zu bemerken sind. Und dann ist da die ganze Bewegung auf dem Rücken des Tiers, dessen Körpertemperatur um etwa ein Grad wärmer ist als die des Menschen und damit Krämpfe lösen kann, Muskeln geschmeidiger macht, sich einfach gut anfühlt beim Streicheln…

 

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„Wenn wir von Erlangen sprechen, meinen wir Deutschland, und wenn wir von Deutschland sprechen, meinen wir Erlangen. Wir lieben Erlangen!“ So das Bekenntnis von Bürgermeisterin Jelena Owtschinnikowa, die damit glaubt, ihren Landsleuten aus dem Herzen zu sprechen. Und sie hat wohl recht damit, wenn man den gestrigen ersten Arbeitstag der Delegation von Oberbürgermeister Florian Janik noch einmal Revue passieren lassen will.

Swetlana Makarowa, Florian Janik, Martina Stamm-Fibich und Melitta Schön

Swetlana Makarowa, Florian Janik, Martina Stamm-Fibich und Melitta Schön

Im Kinderkrankenhaus ist das besonders zu spüren, wo man seit 1990 freundschaftlich-fachliche Verbindungen zu den Pädiatern in der deutschen Partnerstadt unterhält. Swetlana Makarowa, die ärztliche Direktorin, weiß das nicht nur mit Erinnerungen an ihre eigenen Hospitationen in Erlangen zu belegen, sie kann auch Geräte zeigen, die in den 90er Jahren im Rahmen der Aktion „Hilfe für Wladimir“ gespendet wurden und noch heute ihren Dienst tun, obwohl man sie längst durch modernere Apparate ersetzen könnte: „Sie sind uns einfach ans Herz gewachsen. Und warum sollen wir sie wegwerfen, wenn sie so treu funktionieren?“

Florian Janik, Martina Stamm-Fibich und Swetlana Makarowa

Florian Janik, Martina Stamm-Fibich und Swetlana Makarowa

Die Visite aus Erlangen bekommt alles zu sehen, von der Neonatologie bis hin zur Onkologie, für die das Ehepaar Arnold und Erika Axmann erst unlängst wieder 700 Euro gespendet hat; von dem einzigen gynäkologischen Behandlungsraum für Mädchen in Wladimir, eingerichtet mit Hilfe von Soroptimist International in Erlangen, nach dessen Vorbild ähnliche Therapiezimmer in Kreiskrankenhäusern der Region geschaffen wurden – bis hin zu den Angeboten an Eltern, vor allem bei einer Langzeittherapie beim Kind zu bleiben, ebenfalls eine Anregung der deutschen Kollegen. Und auch die vielen kleinen Spender aus Erlangen, etwa von der Grundschule Tennenlohe oder der Heinrich-Kirchner-Schule, die regelmäßig Aktionen zu Gunsten der kleinen Patienten in Wladimir machen, sind nicht vergessen, und ihre Bilder und Zeichnungen hängen überall auf den Gängen. Der größte Wunsch hier: den Erfahrungsaustausch mit Erlangen fortsetzen, denn „von der Medizinstadt wollen wir noch viel lernen, und unsere Freunde dort wollen wir immer wieder besuchen!“

Janik 11

Im Blauen Himmel

Sofort zu spüren bekommt man diese Liebe zu Erlangen aber auch im Blauen Himmel, dem mit Hilfe der Aktion Sternstunden geschaffenen Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik, fast 40 km außerhalb von Wladimir, idyllisch am Waldrand und am Ufer der Kljasma gelegen, wo gerade wieder im zweiwöchigen Turnus 22 Kinder aus einem Waisenheim therapiert werden. „So, wie nirgendwo sonst in ganz Zentralrußland“, betont Alexander Bersenjew, Chefpsychiater der Region Wladimir, der gemeinsam mit den deutschen Partnern schon vor einem Jahrzehnt das Konzept für dieses Reha-Zentrum entwickelt hatte. Und die Pädagogin Marina Goljakowa ergänzt: „Die Kinder fühlen sich hier so wohl, daß sie am liebsten hierbleiben wollen, und wenn möglich, können sie auch wiederkommen, immer wieder!“ Länger als zwei Wochen am Stück geht aber nicht, weil die Kleinen dann wieder zur Schule müssen.

Janik 12

Alexander Bersenjew, Melitta Schön, Florian Janik, Marina Goljakowa und Martina Stamm-Fibich

Mit der Dorfjugend trägt man regelmäßig Sportwettkämpfe aus, die Akzeptanz vor Ort ist groß – und es gibt große Pläne für die Zukunft. Marina Goljakowa berichtet den Gästen vom jüngsten Besuch der Fachleute für Erlebnispädagogik aus Nürnberg, Jena und Wien und zeigt einen Entwurf von Wladimirer Studenten für einen Hindernis-Parcours, für dessen Umsetzung es gar keiner großen Finanzmittel bedürfte, helfende Hände und weitere Ideen würden schon genügen. Den Gästen fällt dazu gleich einiges ein, schon gibt es Vorstellungen, wie Erlanger Jugendliche bei dem Projekt mitwirken könnten, und auch der Herzenswunsch von Alexander Bersenjew, die Kontakte seines Psychiatrischen Krankenhauses auch auf die FAU in Erlangen auszuweiten, wird wohl zu erfüllen sein. Es ist ja keine einseitige Sache, diese Liebe der Wladimirer zu Erlangen.

Janik 13

Martina Stamm-Fibich, Florian Janik, Melitta Schön und Alexander Tschinakow

Auf dem Rückweg vom Blauen Himmel ist gerade noch Zeit, um, geführt von Alexander Tschinakow, dem kundig-klugen Kenner der Geschichte seines Landes, das Kronjuwel der russischen Baukunst zu besuchen, Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl, wo Großfürst Andrej Bogoljubskij aus Kiew den Grundstein für die russische Staatlichkeit gelegt und Wladimir zur Hauptstadt erhoben hat.

Janik 14

Melitta Schön, Martina Stamm-Fibich, Irina Chasowa, Florian Janik und Ljubow Katz

Der Nachmittag gehört der Elterninitiative Swet, die seit zwei Jahrzehnten in Zusammenarbeit mit Erlangen landesweit einzigartige Programme für Familien mit schwerbehinderten Kindern entwickeln und natürlich das Spielzimmer „Erlangen“ ebenso zeigen wie das mit Mitteln der kirchlichen Hilfsorganisation Renovabis verwirklichte Pilotprojekt „Betreutes Wohnen“ für junge Erwachsene mit Behinderungen. Jurij Katz, gemeinsam mit seiner Frau Ljubow Begründer der Selbsthilfegruppe nach dem Motto der Lebenshilfe, war selbst erst im Frühjahr bei der WAB Kosbach zu Besuch und erwartet nun schon im November vier Fachleute von dort zu einem Symposium. Und dann noch ein weiterer Erfolg von Swet: Auf Initiative der Organisation hat die Regionalduma ein Gesetz für die Pflegschaft von schwerbehinderten Kindern angenommen. Und binnen eines Jahres konnten bereits einhundert Familien gefunden werden. Freilich fehlen jetzt noch immer 400 Plätze, aber wer die schier unerschöpfliche Energie des Ehepaars Katz kennt, glaubt gern, das auch das zu schaffen ist.

Janik 15

Florian Janik und Natalia Kolesnikowa mit dem Kammerchor Raspew

Seit Mitte der 90er Jahre kennt und liebt der Kammerchor Raspew Erlangen, wo man im Ensemble Vocanta sogar einen musikalischen Wunschpartner gefunden hat. Und nun die Einladung an den neuen Oberbürgermeister und seine Delegation, auch den musikalischen Teil der Verbindungen zwischen beiden Städten kennenzulernen, in der intimen Atmosphäre der letzten Kirche Wladimirs, die unmittelbar vor der Oktoberrevolution fertiggestellt wurde und wo heute das Glasmuseum eingerichtet ist. „Überwältigend, großartig, genau das Richtige nach einem Tag, wo einem vom Erlaufen der Geschichte Wladimirs und der Partnerschaft schon die Füße weh tun können“, zeigt sich Florian Janik nach dem Konzert begeistert.

Janik 16

Florian Janik mit fortgeschrittenen Deutschkurs-Teilnehmern im Erlangen-Haus

Wo aber wäre die Liebe zu Erlangen nicht mehr zu spüren, als im Erlangen-Haus, das seit 1999 offizieller Partner des Goethe-Instituts Moskau ist, und wo sich am Abend eine Gruppe von Fortgeschrittenen der Deutschkurse eingefunden hat, um den Gästen Fragen zu stellen? Wo, wenn nicht hier, wo im Jahr mehr als 200 Jugendliche wie Erwachsene Deutschunterricht nehmen und damit Wladimir zum größten Sprachlernzentrum in Zentralrußland machen, größer als die Einrichtungen in Nischnij Nowgorod, Jaroslawl oder Sergijew Possad. „Dank der Städtepartnerschaft“, wie Irina Chasowa, die Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses betont, und „dank der Unterstützung der VHS Erlangen“, wie Tatjana Kirssanowa, zuständig für die Kooperation mit dem Goethe-Institut, ergänzt. Die Fragen dann – so vielfältig wie die Gruppe: Ob man nicht auch einen „grünen Zweig“ der Partnerschaft wachsen lassen könnte und ob nicht auch für Wladimir eine Baumschutzverordnung sinnvoll wäre; wie es denn um die Medizin in Deutschland bestellt sei; wie man sich um die alten Menschen kümmere; ob man im Westen nicht zu früh mit dem Sexualkundeunterricht an Schulen beginne; ob die gleichgeschlechtliche Ehe nicht ins Verderben führe… Besonders die beiden letzten Fragen wurden durchaus kontrovers diskutiert. Ob es Martina Stamm-Fibich und Florian Janik gelungen ist, die Hörerschaft davon zu überzeugen, daß der Untergang des Abendlandes nicht unmittelbar bevorstehe, jedenfalls gewiß nicht wegen zu früher Aufklärung der Kinder und zu großer Toleranz gegenüber anderen Lebensformen, in die sich der Staat nicht einmischen sollte, wird erst ein weiteres Treffen klären können. „Dazu gibt es bestimmt noch viel Gelegenheit“, verspricht Erlangens Oberbürgermeister, sichtlich beeindruckt von der Offenheit der Diskussion, die nach jeder „letzten“ Frage noch eine „allerletzte“ hervorbringt und mindestens ein akademisches Viertel länger als die geplante Stunde dauert.

Janik 17

Irina Maschkowzewa, Jelena Owtschinnikowa, Kirill Kowaljow, Florian Janik, Martina Stamm-Fibich, Melitta Schön und Anna Makarowa

Der Liebe zu Erlangen tut es jedenfalls keinen Abbruch, wenn die Gäste zum Abendessen auf sich warten lassen. Wie auch, wenn sogar das gewiß strittige Thema der Ukraine-Krise freundschaftlich besprochen werden kann? Wenn man es in beiden Städten mit Flüchtlingen zu tun hat, denen in erster Linie geholfen werden sollte – bevor man die Schuldfrage stellt. Wenn man sich klar darüber ist, auf beiden Seiten nur das zu kennen, was die Medien vermitteln. Wenn man hier wie dort die Gemengelage vor Ort kaum beurteilen kann. Wenn man aber auch erfahren muß, wie die Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zur Ukraine Familien zerreißen, wie Jelena Owtschinnikowa aus eigenem Erleben berichtet. „Nun sollten beide Seiten nicht mehr danach fragen, wer angefangen hat, sondern die Logik des Krieges stoppen und einen Schritt aufeinander zugehen, die gegenseitigen Interessen anerkennen, wie das seinerzeit schon Willy Brandt mit seiner Ostpolitik praktizierte.“ Fragen, die im Rahmen eines Abendessens mit Freunden sicher nicht letztgültig zu klären sind, die aber für die feste Absicht stehen, das Gespräch nicht abreißen zu lassen. „Und auch all unsere Projekte weiterzuführen“, fordert Stadträtin Irina Maschkowzewa, die sich noch immer an ihre Zeit als Ärztin auf der Intensivstation des Kinderkrankenhauses erinnert als Anfang der 90er Jahre jener „Atemzug frischer Luft aus Erlangen“ Einzug hielt. Womit sich der Kreis für diesen Tag schließt.

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Irina Arschanych, Dozentin am Lehrstuhl für Allgemeine und Pädagogische Psychologie der Universität Wladimir, ist wieder zu einer Hospitation in Erlangen bei der WAB Kosbach. Wesen und Wirken dieser Einrichtung erscheinen ihr so bedeutend und nachahmenswert, daß sie für ihre Studenten in der Partnerstadt einen Aufsatz „Über die Integration von auf Grund von Persönlichkeitsstörungen ausgegrenzten Menschen“ geschrieben hat, der die Besonderheiten des deutschen Wegs in der Behindertenarbeit vorstellt und es als Produkt der Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir verdient, in der Übersetzung von Peter Steger hier im Blog (unter Verzicht auf die wissenschaftlichen Fußnoten) veröffentlicht zu werden.

Irina Arschanych mit ihren Kolleginnen vom Lehrstuhl für Psychologische Didaktik, Olga Morosowa und Irina Plaksina im Erlangen-Haus

Irina Arschanych mit ihren Kolleginnen vom Lehrstuhl für Psychologische Didaktik, Olga Morosowa und Irina Plaksina im Erlangen-Haus

Die sozialpolitischen und sozialökonomischen Veränderungen des letzten Jahrzehnts haben einen ausgesprochen starken Einfluß auf den gesamten Kontext der Lebensaktivitäten der Gesellschaft ausgeübt. Die Spezifik der russischen Situation besteht darin, daß sich nicht nur deprivierte Bevölkerungsschichten, sondern auch früher durchaus am Wohlstand beteiligte und sozial integrierte Menschen aus bestimmten Gründen, etwa einer Erkrankung oder nach einer Krise, jenseits oder am Rand des Existenzminimums wiederfinden und zumindest zeitweise aus dem sozialen Kontext ausgeschlossen sind. Als aktuelles Problem stellt sich deshalb die Schaffung einer zukunftsorientierten und adäquat den heutigen Bedingungen der Lebensaktivität entsprechenden Strategie einer sozialen Rehabilitation von ausgegrenzten Menschen.

Ziel dieser Untersuchung ist die Darstellung der Ansätze, wie sie in Deutschland bei der Integration von Menschen in der WAB Kosbach Anwendung finden, wenn eine Lebenskrise, psychische Erkrankungen und andere Diagnosen zu überwinden haben.

Irina Arschanych mit den Hospitantinnen Milena Prochorowa und Irina Isjuminkowa

Irina Arschanych mit den Hospitantinnen Milena Prochorowa und Irina Isjuminkowa

Eines der Hauptprobleme der Integration dieser Menschen – oft nach einer längeren Isolation, bedingt durch eine psychische oder sonstige Erkrankung, in einem Krankenhaus oder in einer geschlossenen Anstalt – liegt in der Definition der Möglichkeiten jeder Person für sich genommen, ungeachtet einer Erkrankung oder Behinderung, einen adäquaten sozialen Status zu erhalten, und in der Förderung des psychologischen Bestrebens, eine möglichst umfangreiche Teilhabe an der eigenen Lebensgestaltung zu erreichen. Dabei liegt die Verpflichtung der Gesellschaft nicht darin, ihren Bürgern diese Ressourcen an die Hand zu geben, sondern ihnen die Möglichkeiten zu bieten, diese Ressourcen selbst zu erreichen. Dabei ist zu beachten, daß diese Menschen nie über die exakt gleichen Voraussetzungen wie die übrigen Mitglieder der Gesellschaft verfügen werden. Denn das Phänomen der sozialen Stigmatisierung, nachgerade institutionalisiert, erschwert die Integration erheblich.

Diese Probleme können einen in jedem Alter treffen, weshalb sich in der Zielgruppe Kinder genauso finden können wir ältere Menschen. Hauptziel der Integration ist es, die physiologischen Bedürfnisse zu erfüllen, damit ihr Leben nicht zu einem Beispiel für Grausamkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen werde. Die Integrationsmerkmale bestehen aus der Nutzung der von der Gesellschaft bereitgestellten Ressourcen durch die erkrankten Menschen, wobei ein Teil der gesamtgesellschaftlichen Ressourcen zum Unterhalt und zur Pflege der Patienten zur Verfügung zu stellen ist.

In langfristig angelegten Befragungen und Untersuchungen kann man feststellen, daß die Personengruppe offensichtlich große Hoffnung darauf setzt, wirtschaftliche Unabhängigkeit durch eigene Einkünfte zu erreichen, womit die Freiheit verbunden wäre, sich selbst Zugang zu bestimmten Waren und Dienstleistungen zu verschaffen. Nach Vorstellung der Befragten sollte die wirtschaftliche Unabhängigkeit gesichert durch Rente oder Sozialhilfe (auch durch Ermäßigungen) sowie eine erfolgreiche Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt sein. Räumliche und physische Unabhängigkeit setzt den vollständigen Zugang zur Infrastruktur am frei gewählten Wohnort ebenso voraus wie die Mobilität. Unter sozialer Unabhängigkeit versteht man die freie Wahl sozialer Kontakte (im Alltag, in der Partnerbeziehung, im Beruf, im sozio-kulturellen Umfeld), den Zugang zur sozialen Dienstleistungen und zu allem, was die Lebensweise eines Menschen formen kann.

Irina Arschanych mit Leonhard Hirl, Swetlana Schkurowa, Jürgen Ganzmann und Milena Prochorowa

Irina Arschanych mit Leonhard Hirl, Swetlana Schkurowa, Jürgen Ganzmann und Milena Prochorowa

Werfen wir nun einen Blick darauf, wie diese Aufgabe von unseren deutschen Kollegen am Beispiel von Beobachtungen der Facheinrichtung WAB Kosbach gelöst wird. Das in Deutschland gegenwärtig weithin praktizierte Modell der Rehabilitierung gründet sich auf Methoden der Veränderung im Denken und Handeln der Behinderten ebenso wie auf die Gewährleistung des Zugangs zur Infrastruktur der Gesellschaft. Hinzu kommen Integrationsprozesse unter Einbeziehung aller Mitglieder dieser sozialen Aktion. Die Einrichtung selbst besteht aus einer Reihe von Häusern, die aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, aber auch Unterstützung von gemeinnützigen Stiftungen erhalten und einen Teil ihrer Mittel durch Landwirtschaft und Dienstleistungen selbst erwirtschaften. Ein vielstufiges System erlaubt es der Einrichtung, einen optimalen Standard der Betreuung zu bieten. Abhängig von der Schwere der Persönlichkeitsstörung erhalten die Bewohner unterschiedliche Angebote mit verschiedenen Abstufungen der Freiheit und Selbständigkeit. Es gibt keine vorgegebene Frist für eine vollständige Integration, vielmehr variiert die Zeit abhängig von den Bedürfnissen von wenigen Monaten bis zu einem lebenslangen Aufenthalt in einer der Einrichtungen, von denen es wiederum ganz unterschiedliche Formen gibt: Altersheime, geschlossene Wohngruppen unter ständiger Beobachtung und mit medizinischer Betreuung, offene Wohngruppen mit Möglichkeiten zur Arbeitstherapie außerhalb der Einrichtung.

Zu der WAB Kosbach gehört auch ein ganzer Komplex von kreativen Angeboten, von Werkstätten über Pferdehaltung, Landwirtschaft, Bäckerei bis hin zu einem Café, wo die Patienten sich wieder in den Arbeitsprozeß integrieren können. Die Einrichtung arbeitet eng mit ähnlichen Strukturen im ganzen Land zusammen, weshalb auch ein Umzug für die betreuten Menschen jederzeit möglich ist, etwa dann, wenn jemand nach einer Lebenskrise bestimmte soziale Kontakte vermeiden will oder sein Umfeld ändern möchte. Gewahrt bleibt dabei stets die Verbindung zur Therapieeinrichtung, wo bei Bedarf die notwendige medizinische Hilfe oder die Konsultation eines Psychologen – stationär wie ambulant – gewährleistet ist. Der Rehabilitationsprozeß wird auf allen Etappen begleitet, bis hin zur Wiedereingliederung in das soziale Umfeld. Als Kriterium für die Bereitschaft zum eigenständigen Leben gilt ein Fachgutachten vom Psychiater, Psychologen oder Sozialpädagogen, ein Mietvertrag und ein festes Arbeitsverhältnis. Wichtig auch der Umstand, daß die Integration des jeweiligen Menschen für seine Familie und sein Umfeld keine zu große Belastung darstellt. Das ist besonders wichtig vor dem Hintergrund, daß häufig gerade im familiären Umfeld die Gründe für die Erkrankung liegen und die Angehörigen selbst einer Therapie bedürfen. Wichtig auch, weil die Familie oft gar nicht ausreichend über die Möglichkeiten einer notwendigen Begleitung durch Fachleute informiert ist. Der Kontakt mit den Familienangehörigen gestaltet sich dabei flexibel: Je nach Wunsch des Patienten und abhängig von den Befunden der Fachleute kann das vom gemeinsamen Besuch therapeutischer Einrichtung bis hin zum vollständigen Abbruch der Kontakte reichen. Besonders wichtig dabei, daß es zu keiner kompletten Abhängigkeit von Familienmitgliedern kommt, was sich erschwerend und ungünstig auf alle am Prozeß beteiligten Menschen auswirken kann.

Irina Arschanych

Irina Arschanych

Im Ergebnis kann man sagen, daß die Integration definiert ist durch einen ganzen Maßnahmenkomplex, gerichtet auf die Wiederherstellung von gestörten oder verlorenen Verbindungen und Beziehungen zur Gesellschaft, in deren Folge gesundheitliche Beeinträchtigungen mit bleibenden Beschwerden bei den Funktionen des Organismus (bis hin zur Invalidität) ebenso auftreten können wie die Veränderung des sozialen Status (Alter, Flüchtlinge, Arbeitslose), Verhaltensauffälligkeiten (Minderjährige, Alkoholkranke, Rauschgiftsüchtige, ehemalige Straffällige). Ziel der sozialen Rehabilitation ist die Wiederherstellung des sozialen Status der Persönlichkeit, die Gewährleistung der sozialen Adaption in der Gesellschaft und die Erlangung materieller Unabhängigkeit. Grundlegende Prinzipien der Rehabilitation sind ein möglichst früher Beginn der Maßnahmen, Kontinuität und Struktur, System und Komplexität sowie ein individueller Ansatz.

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Die WAB Kosbach hat gestern in der Kulturfabrik zu Höchstadt an der Aisch ihr dreißigjähriges Bestehen gefeiert. Mit den Partnern aus ganz Franken, mit Freunden aus fast aller Welt: Ungarn, Schweiz, Österreich und Rußland.

Michael Kleiner und Jurij Katz

Michael Kleiner und Jurij Katz

Am Rande des Festakts trafen sich auch endlich Michael Kleiner und Jurij Katz. Der Beauftragte für den Bereich Eine Welt des Erzbistums Bamberg und die Partnerschaft mit dem Senegal hat fast von Beginn an die Sozialprojekte mit der Wladimirer Psychiatrie unterstützt und führt ohne großes Aufhebens Regie bei der Koordinierung der Zusammenarbeit mit der Rosenkranzgemeinde in der Partnerstadt. Er war es auch, der den entscheidenden Hinweis auf das Förderprogramm der katholischen Hilfsorganisation Renovabis in Freising für die Behindertenarbeit in Osteuropa gab, dank dem im Vorjahr die Elterninitiative Swet 50.000 Euro zur Renovierung und Einrichtung einer Wohnung für behinderte Jugendliche bewilligt bekam. Nun endlich kann Jurij Katz, der das Pionierprojekt für die russische Behindertenarbeit umsetzte, dem Wohltäter auch persönlich danken – und, ganz so, wie man ihn kennt, gleich auch von der geplanten Fortsetzung berichten: dem Bau eines Hauses in Wladimir, wo junge Menschen mit Behinderungen unter Betreuung möglichst eigenständig leben sollen.

Die Wladimir-Riege beim Festakt 30 Jahre WAB Kosbach

Die Wladimir-Riege beim Festakt 30 Jahre WAB Kosbach

Michael Kleiner wird wohl doch bald wieder nach Wladimir kommen müssen, um sich das Erreichte wie das Geplante mit eigenen Augen anzusehen, zumal ja nun auch unter seiner Ägide der Bau des Pilgerzentrums der Rosenkranzgemeinde beginnt. Ganz zu schweigen von seiner engen Verbindung zum Psychiatrie-Projekt Lichtblick mit seinem Hospitationsprogramm und zum Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik Blauer Himmel.

Leonhard und Edith Hirl mit Sohn, Svenja Kreiner und Jürgen Ganzmann

Leonhard und Edith Hirl mit Sohn Andreas als Moderator, Svenja Kreiner und Jürgen Ganzmann

Die WAB Kosbach, heute in vierzehn Häusern in Erlangen und im Landkreis Heimat für mehr als einhundert Menschen mit psychischen Behinderungen, ist für die Organisation von Jurij Katz in vielerlei Hinsicht zu einem Vorbild geworden. Was vor 30 Jahren im Kreis der Familie Leonhard und Edith Hirl ganz klein begonnen hatte, ist heute zu einer unverzichtbaren Einrichtung geworden, deren segensreiches Wirken in die ganze Region ausstrahlt. Ebenso wie die Selbsthilfegruppe Swet in Wladimir, die ihre Zusammenarbeit mit der WAB Kosbach noch weiter vertiefen will.

Die Gäste aus Wladimir mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jürgen Ganzmann

Die Gäste aus Wladimir mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Jürgen Ganzmann

Ebenso wie auch die Pädagoginnen, Psychologinnen und Krankenschwestern aus Wladimir, die zum Teil seit dem Jahr 2000 an den verschiedenen Austauschprojekten mitwirken und alle ihren Anteil daran haben, daß Menschen mit Behinderungen oder Psychiatriepatienten heute in der Partnerstadt nicht mehr begafft, verlacht und versteckt werden, sondern dazugehören. Man sieht sie in Ausstellungen, in Konzerten, im Straßenbild, sie zeigen ihr Können und geben Wladimir ihr Gesicht. Betreutes Wohnen, Beratungszentren, heilpädagogische Einrichtungen und Krankenhäuser sind nach wie vor wichtig. Aber ohne die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist alles nichts. Und so bleibt an diesem Jubiläumstag nur eines zu wünschen: Es möge der Tag kommen, an dem die Inklusion so selbstverständlich für alle geworden ist, daß all die jetzt noch so notwendigen Angebote für Behinderte in der heutigen Form nicht mehr notwendig erscheinen. In den Partnerstädten hat man sich jedenfalls auf diesen gemeinsamen Weg gemacht. Doch der entsteht eben erst, wenn wir ihn gehen. „Gemeinsam, gerade jetzt!“ wie Jurij Katz angesichts der geopolitischen Lage zu betonen nicht müde wird.

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Christine Hubrach nahm fast schon inkognito an der Bürgerreise zum dreißigjährigen Jubiläum teil und stellte ihr Besuchsprogramm ganz nach eigenen Wünschen zusammen. Immer im Zeichen ihres vielfältigen sozialen Engagements für behinderte Kinder und Waisen. Was sie da so alles bei ihren teilweise entdeckte, teilt sie heute mit. Was daraus noch alles werden kann, hängt auch davon ab, wer sich ihren Aktionen in Wladimir und Erlangen noch anschließen wird.  

Christine Hubrach mit Jurij und Ljubow Katz, einem von Swet betreuten Kind und Anastasia Suchowa

Christine Hubrach mit Jurij und Ljubow Katz, einem von Swet betreuten Jugendlichen und Anastasia Suchno

Kinderpsychiatrie

Ich habe die Psychiatrie für Kinder besucht. Es war schön, die Erzieherinnen und Lehrerinnen wieder zu treffen. Es hat sich an der Innenaustattung der Lehrräume sehr viel verbessert. Dort hat man den Eindruck, das Geld sei wirklich angekommen und man arbeite sinnvoll. Auch der Empfangsbereich ist viel freundlicher geworden. Aber der Aufenthaltsraum der Kinder besitzt kaum Gegenstände und sieht schlimm aus. Teppich gibt es keinen mehr, und die Tischtennisplatte wurde an die Seite geräumt. Tapeten und Putz bröckelt ab. Offensichtlich halten sich in diesem Raum viel zu viele Kinder zu lange auf. Den Speiseraum und die Schlafzimmer habe ich vergessen anzuschauen.

Unterricht in der Kinderpsychiatrie

Unterricht in der Kinderpsychiatrie

Ich komme dort immer unangemeldet und kann so auch ein wenig hinter die Kulissen schauen. Laut den Erzieherinnen gibt es keine körperliche Gewalt mehr gegenüber den Kindern. Eine neue Oberschwester führt ein zwar strenges, aber gewaltfreies Regiment. Bis auf gelegentliche Schreianfälle, die aber wohl jeder Mutter oder Lehrerin passieren können. Die Kinder wirken jedenfalls, bis auf ihre jeweiligen Krankheitssymptome entspannt und zugänglich.

Hier soll ein neuer Spielplatz entstehen.

Hier soll ein neuer Spielplatz entstehen.

Die Außenanlagen zerfallen, der Putz bröckelt ab, und das Mauerwerk ist zu sehen. An dem Gebäude und im Treppenhaus gäbe es eine Menge zu verbessern. Der Spielplatz für die Kinder wird gerade neu gemacht. Aus eigener Erfahrung weiß ich, die Grünanlagen werden nur bei wichtigem Besuch gepflegt. Das war aber offensichtlich schon lange nicht mehr der Fall.

Ljubow Katz mit den Gästen aus Erlangen und Jena

Ljubow Katz mit den Gästen aus Erlangen und Jena

Kinderklinik

Hier war ich sehr beeindruckt. Sie kann sich durchaus mit westlichem Standard messen. Im Sinne der Unfallverhütung könnte man noch etwas verbessern. Prof. Dieter Wenzel wäre beinahe die Treppen runtergefallen. Es sind zu viele nicht auf Anhieb erkennbare Schwellen an den Übergängen zum nächsten Raum. Behindertengerechte Zugänge konnte ich keine sehen. Die Sinne dafür wird aber sicher die Selbsthilfeorganisation für Eltern mit schwerbehinderten Kindern, „Swet“, in den nächsten Jahren ändern.

Integratives Kindermusical von Swet

Integratives Kindermusical von Swet

„Swet“

Finde ich sehr gut. Ein Austausch mit dem Hausenhof  wäre ganz toll. Das ist eine Camphill-Einrichtung, die gerade bei der Hippotherapie sehr gut ist. Außerdem könnte er „Swet“ Ideen liefern, wie die jungen Erwachsenen auch nach ihrem 30. Lebensjahr gut versorgt wären. Eine Besichtigung der Behinderten-Werkstätten in Gremsdorf oder bei der Lebenshilfe wäre ebenfalls schön. Ich konnte nämlich meine Frage nicht klären, warum die behinderten Menschen keine bezahlte Arbeit annehmen können. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Gegenständen fließen nur in die Einrichtung. Gibt es Firmen, die einfache Tätigkeiten an diese Menschen weitergeben könnten? Den hier verwendeten Begriff „Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten“ finde ich klasse!

Christine Hubrach, Peter Steger, Siegfried Balleis, Ljubow Katz, Iwan Nisowzew

Christine Hubrach, Peter Steger, Siegfried Balleis, Ljubow Katz, Iwan Nisowzew

Waisenhaus Susdal

Hier war ich angemeldet, Das ganze Haus war frisch geputzt und noch naß. Die Spielzeuge im neuen und aufgeräumten Zustand. Die Spielanlagen im Außenbereich wirkten unbenutzt, das Gras war hoch. Das Haus wirkte freundlich. Die Kinder befanden sich in der Küche. Wo sich die Kinder komischerweise immer befinden, wenn ich irgendwo angemeldet bin. Die Kinder wirkten panisch, zitterten und hatten Angst in den Augen. Etwas, woran ich wieder einige Zeit zu knabbern habe. Es waren 36 Kinder. 20 davon behindert, trotzdem war – außer den zwei Frauen in der Küche und der Leiterin – kein Personal da. Ich konnte mit den Kindern keinen Kontakt aufnehmen und wurde ganz schnell wieder herausgeführt. Die Leiterin wünscht sich für 1.800 Euro eine elektronische Tafel!?!

Spielzimmer Waisenheim Susdal

Spielzimmer Waisenheim Susdal

Drei Waisenhäuser in Wladimir

Hier bekam ich keinen Zugang. In den ersten zwei Tagen war ich mit „Swet“ beschäftigt (obwohl ich immer wieder betonte, mein Anliegen gelte den Waisenhäusern), und am 1.Juni waren angeblich alle Kinder unterwegs. Als ich sagte, mir sei das egal, ich würde die Einrichtungen auch ohne Kinder anschauen wollen, hieß es, ich hätte keine Erlaubnis dafür bekommen. Das hätte man früher anmelden müssen.

Waisenheim Susdal

Waisenheim Susdal

Blauer Himmel

Hätte ich gerne gesehen, blieb aber keine Zeit.

Schlafraum Waisenheim Susdal

Schlafraum Waisenheim Susdal

Spendenaktion

Nach vielen Gesprächen und mit Gottes Hilfe steht nun folgendes Ergebnis fest: Rusanna (eine Sprachstudentin) wird Dokumente übersetzen, die wir austauschen wollen. Anastasia Suchno, Mitglied der Folkloregruppe Wladimirez, hat eine Arbeit über das Waisenhaus Dom Maljutki geschrieben und wird vor Ort Kontakt mit den Waisenhäusern aufnehmen, um die Bedürfnisse abzufragen. Vorstellungen wären z.B. Windeln für Dom Maljutki (Ausgabe wird von Jurij Katz streng überwacht), Außenspielanlagen für das Waisenhaus, das ich nicht kennengelernt habe und technische Geräte (z.B. Kaffeemaschine) für das Waisenhaus, in dem die Betreuung sehr gut zu laufen scheint, damit die Erzieherinnen eine Anerkennung für Ihre Arbeit bekommen. Der Bedarf wird mir noch mitgeteilt, und ich entscheide, wie das Geld ausgegeben wird. Anastasia Suchno und Olga, eine Ehrenamtliche in einem Waisenhaus, kommen demnächst nach Erlangen, und ich werde ihnen Einrichtungen hier zeigen. Wir wollen versuchen, Freiwillige zu finden, die bereit sind, in den Waisenhäusern Praktika zu machen. Die Möglichkeiten werden noch abgeklärt. Die Betreuung übernimmt wohl Jurij Katz von „Swet“.

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