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Posts Tagged ‘Behinderte Wladimir’


Olga Dejewa ist weiter zuversichtlich. Die ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes in Wladimir setzt auf die Jugend und Mäzene. Die Zusammenarbeit mit Schulen liegt ihr besonders am Herzen, was man unschwer sehen kann, wenn man einmal die vielen kleinen Zeichnungen und die detailfreudigen Plakate betrachtet, die in den letzten Wochen entstanden sind. Ergebnis einer erfolgreichen pädagogischen Arbeit mit dem Ziel, die Aufgaben des Roten Kreuzes der jungen Generation nahezubringen. Wer so viel vorzuweisen hat, tut sich auch leichter, private Geldgeber für die Rot-Kreuz-Sache zu begeistern. Und so ist denn zur Freude von Olga Dejewa schon die erste größere Spende in Höhe von 5.000 Rbl. eingegangen. Dabei soll es natürlich nicht bleiben, denn neben den bereits laufenden Projekten „Licht des Guten“ und „Das sollte jeder wissen“, also Programmen, die zum einen häusliche Pflege für Kriegsveteranen, zum andern Ausbildungskurse für Erste Hilfe umfassen, ist jetzt auch noch ein Kurs für Notversorgung in Planung. Und alles begleitet durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Fehlt nur eine eigene Homepage, für die allerdings rasch einmal 30.000 Rbl. zu bezahlen wären. Vielleicht aber tut es für den Anfang ja auch ein Blog, der keinerlei Kosten verursacht, freilich regelmäßig gepflegt werden will, wie die geneigten Leser aus eigenem Erleben wissen.

 

Olga Dejewa und Peter Steger vor dem Erlangen-Haus

Was und wie auch immer: Olga Dejewa freut sich schon jetzt auf den Besuch der offiziellen Delegation unter Leitung von Bürgermeisterin Birgitt Aßmus Anfang September und hofft, dann auch das Raumproblem lösen zu können. Schon heute nämlich reicht der Platz nicht mehr für all die vielfältigen Aktivitäten, und gerade für die geplanten Kurse braucht man ja auch Unterrichtsräume. Und dann, wie weiter? Einen Deutsch-Kurs im Erlangen-Haus möchte die hauptamtliche Direktorin des Wladimirer Sozialwerks belegen – und möglichst noch in diesem Jahr ihre erste Reise nach Erlangen und Jena unternehmen. Da kann man jetzt schon sagen: Herzlich willkommen! In Erlangen hat sie ja bereits erste Freunde. Und das werden bestimmt bald mehr!

 

Vorgarten des Alten- und Pflegeheims

Willkommen ist auch Irina Morosowa, die Leiterin des Alten- und Pflegeheims mit seinen fast 700 Plätzen für Senioren und Behinderte. Dessen bekanntester Bewohner heißt Stanislaw Katkow und hat schon mehr als ein halbes Dutzend Lyrikbände veröffentlicht, aus denen einige Gedichte auch in deutscher Übersetzung von Ute Schirmer und Peter Steger vorliegen. Zeugnisse der unbändigen Lebenslust eines Menschen, dem das Schicksal übel mitgespielt hat, der, kaum auf der Welt, so schwer erkrankte, daß er bis heute halbseitig gelähmt ist und nur schwer verständlich sprechen kann. Und doch hält er sich selbst für ein Glückskind, sprüht vor Witz und ist nie um ein Lächeln verlegen. Wenn man sieht, mit welcher Aufmerksamkeit sich Irina Platowa um ihn kümmert, die viele seiner Gedichte auswendig rezitiert und seit der Autor wegen der fortschreitenden Lähmung kaum mehr selbst leserlich schreiben kann auch dessen Lyrik ins reine schreibt, wundert man sich freilich nicht mehr allzu sehr über seine Frohnatur. Und dann ist da noch Sinaida Gagulajewa, im Heim zuständig für das Kultur- und Freizeitprogramm, die den Dichter versteht wie kaum jemand sonst. Fast sollte man meinen, ihm fehlte fast nichts mehr zu seinem Glück. Zumal es da in Erlangen auch noch zwei Damen gibt, Ruth Sych und Ute Schirmer, die Stanislaw Katkow seit zwei Jahrzehnten begleiten und die Ausstellungen in Etzelskirchen und in Dreycedern mit Illustrationen von Alewtina Sínowjewa zu seinen Gedichten organisiert haben.

 

Sinaida Gagulajewa

Die beiden würden ihren Augen nicht trauen, wenn sie sehen könnten, was sich alles zum Guten gewendet hat seit ihren ersten Besuchen in den frühen 90er Jahren. Der Garten blüht, was das Zeug hält, überall wird gewerkelt und renoviert, die Bewohner machen einen zufriedenen und heiteren Eindruck, und Irina Morosowa will es dabei nicht bewenden lassen. Geht es nach ihr, werden schon bald alle ihre Schutzbefohlenen moderne Hilfsmittel nutzen können, sogar ein Schwimmbad schwebt ihr vor. Das mag alles noch dauern, aber die Aufbruchstimmung ist jetzt schon da. Und es gibt ein konkretes Ziel: Zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft vom 29. Mai bis 2. Juni 2013 soll es in Wladimir eine Ausstellung geben – mit Arbeiten von behinderten Künstlern aus Erlangen.

Sinaida Gagulajewa, Irina Morosowa, Stanislaw Katkow, Irina Platowa

Stanislaw Katkow, der 2013 seinen 70. Geburtstag feiert, wird sicher im Organisationskomitee sitzen. Und vielleicht ein wenig Deutsch mit Irina Platowa lernen. Seine fehlenden Sprachkenntnisse beklagt er nämlich in einem Gedicht, das er den beiden Freundinnen aus Erlangen gewidmet hat und das mit dem Vers endet: „Zu den Deutschen, nach Erlangen / schick ich diese Zeilen ab. / Euch will ich von Herzen danken / und dem Glück, daß ich Euch hab.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

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Während die Wladimirer Abteilung des Allrussischen Behindertenverbandes mit etwa 30 Teilnehmern den ersten Kongreß vor allem zu Fragen des barrierefreien Zugangs zu öffentlichen Gebäuden abhielt, veröffentlichten die Behörden der Region erste Zahlen zu dem Thema. Demnach ist nur etwas mehr als die Hälfte der Ämter und Einrichtungen in der Region Wladimir den Vorgaben entsprechend mit Rampen und Handläufen ausgestattet. Doch selbst wenn ein Gehbehinderter sich selbständig Zugang verschaffen kann, beginnen spätestens im Treppenhaus die Probleme, die meist bei den Toiletten enden.

Viel sei noch zu tun, da sind sich die Tagungsgäste einig, aber es gibt auch erste Erfolge: Am Wladimirer Bahnhof nimmt man Aufzüge in Betrieb und Markierungen an den Bahnsteigen machen Sehbehinderten die Orientierung leichter. Und endlich stehen in allen Sozialzentren der Region Wladimir Rollstühle und Gehhilfen kostenlos zur Ausleihe bereit. Es ist sicher noch ein weiter Weg zum behindertengerechten Wladimir – vom flachen Land ganz zu schweigen -, aber die ersten Schritte sind getan, und die Behinderten erkämpfen sich ihr Recht, nicht länger behindert zu werden.

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Fragt man Jurij Katz, der vor siebzehn Jahren gemeinsam mit seiner Frau Ljubow, die Initiative „Swet – Licht“ für Eltern mit schwerbehinderten Kindern gegründet hat, wie viele Menschen seine Selbsthilfeorganisation betreut, greift er gern zur Symbolik der Blume, dem Emblem des Vereins. Die 30 Blütenblätter stehen für je ein Programm, das angeboten wird, von Hypotherapie bis zur juristischen Beratung. Das eine zugeschnitten auf einen eher kleinen Kreis von Kindern mit besonderen Behinderungen, das andere ein Service für alle 30.000 Behinderten der Region Wladimir, um nur zwei Bereiche herauszunehmen. Allein in der Partnerstadt sind es mehr als 800 Familien, deren Kinder von Swet betreut werden. Familie ist denn auch das Stichwort, denn deren Bund fürs Leben zerbricht oft am Schicksal eines behinderten Kindes, weshalb das Augenmerk gerade der Unterstützung von betroffenen Eltern gilt. Dabei ist die Organisation, die ursprünglich nur in den ersten Lebensjahren eines Kindes Hilfe anbieten wollte, heute für Behinderte aller Altersstufen offen und gilt damit landesweit als beispielgebend.

Wolfram Howein, Elisabeth Preuß, Jurij Katz

Jurij Katz nutzt seinen Besuch in dieser Woche dazu, alte Freunde wiederzusehen und neue zu gewinnen – für sich und vor allem seine großartige Sache. Bei Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, zuständig im Erlanger Rathaus unter anderem für Fragen der Inklusion, muß der Gast freilich nicht lange werben. Die beiden verstehen sich auf Anhieb, wissen, wovon sie sprechen. Im Unterschied zu breiten Teilen der Politik und Öffentlichkeit hier wie dort: „Inklusion betrifft alle“, meint dazu die Gastgeberin, „aber noch längst nicht alle wissen, wie sehr es sie persönlich betrifft“, ergänzt Jurij Katz, der drei Hochschulabschlüsse vorweisen kann. Der gelernte Ingenieur studierte nach der Geburt des schwerbehinderten Sohnes vor 28 Jahren und der Gründung des Vereins zunächst zusätzlich Pädagogik, und, weil es damit bei seiner Arbeit noch längst nicht getan ist, erwarb er im Vorjahr auch noch ein Diplom als Jurist. Nun möchte der Vorkämpfer für ein gleichberechtigtes Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten möglichst rasch ein Kooperationsprojekt im Bereich Inklusion beginnen, den mit der habe man dank medizintechnischer Unterstützung aus Erlangen bereits seit mehr als zehn Jahren gute Erfahrungen gemacht. Mit Hilfe von über Vermittlung des Kinderschutzbundes seitens Siemens gespendeter Geräte konnten nämlich schon etwa 30 Kinder mit eingeschränkter Hörfähigkeit in den normalen Schulbetrieb inkludiert werden. Ein Experiment, das gegen den anfänglichen Widerstand der „Fachleute“ gelungen ist, lange bevor der Terminus Inklusion auf die Agenda kam und heute exemplarisch für ganz Rußland.

Daniela Lade, Jurij Katz

Im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, das Jurij Katz bereits bei seinem ersten Besuch vor gut vier Jahren kennengelernt hatte, trifft er Daniela Lade, die das gleiche Ziel verfolgt: ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen. Der Gast geht allerdings einen Schritt weiter und plädiert dafür, die Beratung nicht alleine Behinderten zu überlassen, auch wenn die aus eigener Erfahrung sicher über mehr Empathie verfügen. Wichtig sei aus seiner Sicht neben der professionellen Hilfestellung auch die Öffnung für Nichtbehinderte, ganz so wie ja auch Betriebe verpflichtet seien, einen bestimmten Anteil von Behinderten zu beschäftigen. Ganz pragmatisch sieht er die Sache: „Entscheidend ist die Qualität der Beratung, gleich ob die ein Behinderter oder Nichtbehinderter anbietet“, lautet sein Credo. Auch Daniela Lade will keine Abstriche bei der Qualität machen, hält aber entgegen, gerade in den oft schwierigen Lebenslagen von behinderten Menschen schaffe die gemeinsame Betroffenheit ein besonderes Klima des Vertrauens und Verstehens. Man kann davon ausgehen, daß der Dialog fortgeführt wird. Jurij Katz verspricht jedenfalls wiederzukommen, um zu sehen, wie sich die Inklusion von Nichtbehinderten im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben in Zukunft entwickelt.

Bevor es am Nachmittag mit seinem Freund Wolfram Howein zu den Barmherzigen Brüdern nach Gremsdorf geht, besucht Jurij Katz noch einen Spender, der seit Jahren mit monatlich 100 Euro die Organisation Swet unterstützt, aber anonym bleiben möchte. Jetzt überlegt der Pharmazeut, einmal Wladimir zu besuchen, um selbst zu sehen, was mit seiner Hilfe alles an Gutem bewirkt wurde. Wolfram Howein, selbst ein großzügiger Förderer der Arbeit von Jurij Katz, könnte da viel zeigen. Auch viel von dem, was noch zu tun ist. Gemeinsam. Mit Behinderten und Nichtbehinderten. In Erlangen und in Wladimir. Mitstreiter willkommen!

Mehr zu Swet – viel mehr! – unter Eingabe von „Jurij Katz“ in der Suchmaske oben rechts.

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Wolfram Howein und Jurij Katz

Wolfram Howein ist dieser Tage wieder in Wladimir zu Gast. Dieser schlichte Satz hat es in sich. Wer den Tausendsassa der Partnerschaft nämlich kennt, weiß, er beläßt es dort nicht bei der beratenden Revision des Erlangen-Hauses. Er wird vielmehr noch die Rosenkranzgemeinde besuchen, wo er mit Pfarrer Sergej Sujew über die Pläne für ein Pilgerheim spricht, er will die Rot-Kreuz-Vorsitzende Olga Dejewa kennenlernen und sich im Blauen Himmel nach dessen Übergabe an die Psychiatrie umsehen, um nur einige seiner Vorhaben zu nennen.

Wolfram Howein bei der Spendenübergabe

Ohne all seine anderen Projekte, darunter auch die Vorbereitung der nächsten Bürgerreise im Mai, zu vernachlässigen, liegt Wolfram Howein etwas besonders am Herzen: das Zentrum für Familien mit behinderten Kindern, das gestern eröffnet wurde. Mehr als 6.000 Kinder mit besonderem Förderbedarf  leben in der Region Wladimir – leider zumeist mit der alleingelassenen Mutter, den 80% der Väter trennen sich von der Frau, wenn sie ein behindertes Kind zur Welt bringt -, doch es bedurfte der Initiative der Selbsthilfeorganisation „Swet – Licht“, um in einem zentrumsnahen Gebäude auf einer Fläche von knapp 200 m² die Räume im Erdgeschoß so zu renovieren, daß sie nicht nur behindertengerecht gestaltet wurden, sondern sogar neben Beratung auch Therapie anbieten. Damit ist nicht nur ein langgehegter Traum des Ehepaars Jurij und Ljubow Katz, den Gründern und Leitern der Elterninitiative, in Erfüllung gegangen, denn von Beginn der nur achtmonatigen Bauarbeiten an, finanziert aus Spenden – besonders vom lokalen Globus-Markt – und häufig durchgeführt von Freiwilligen, hat auch Wolfram Howein nicht nur mitgeträumt, sondern tatkräftig mitgewirkt an der Verwirklichung der Pläne.

Kinderglück im neuen Zentrum

Nun konnte der Gast aus Erlangen gestern im Beisein von Oberbürgermeister, Sergej Sacharow, eine Spende in Höhe von 2.000 Euro an die Einrichtung übergeben, gesammelt in einer eigenen Aktion und bestimmt für die Ausstattung des Zentrums, wo möglichst viele therapeutische Maßnahmen angeboten werden sollen, die es ansonsten weder in der Stadt noch gar auf dem Lande gibt, obwohl man allein in Wladimir drei solcher Einrichtungen bräuchte. Das weiß das Stadtoberhaupt freilich längst und verspricht denn auch, wenn nötig, beim weiteren Ausbau zumindest dieses Zentrums zu helfen, zumal die Verwaltung schon jetzt nicht ganz beiseite steht, trägt sie doch die laufenden Kosten bis hin zum Personal.

Sergej Sacharow bei der Eröffnung

Unterdessen denken Jurij und Ljubow Katz schon wieder weiter: Ein Mehrgenerationenhaus schwebt ihnen vor, wo Behinderte mit Nichtbehinderten gemeinsam leben lernen und alt werden können. Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß Wolfram Howein auch hierfür Unterstützer in Erlangen findet und seiner Devise folgt: Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!

Mehr zu Swet unter: http://is.gd/RHIYNL und http://is.gd/3WS452.

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„Swet“, eine unterstützenswerte Initiative in Wladimir

Wolfram Howein und Jurij Katz

Bryan Landmann, Mathe-Lehrer der Franconian International School, erzählte in seinem Reisebericht aus Wladimir begeistert über unseren Besuch bei der Elterninitiative „Swet“ (Licht). Ich kenne Ljubow und Jurij Katz, die beiden Initiatoren dieser Vereinigung, schon eine ganze Zeit. Wie das aber bei den Reisen nach Wladimir so geht: Immer ist das Programm kompakt, die Zeit fast vollständig verplant, und mit den Überraschungen vor Ort bleibt dann vieles liegen. So auch mein schon lange fälliger Besuch bei „Swet“. Mit der Reise der beiden Lehrer, Bryan Landmann und Steven Fogarty, hat es dann endlich geklappt. Seit 1995 besteht diese Initiative, in der sich mehr als 700 Eltern von Kindern mit den verschiedensten Behinderungen zusammengefunden haben. Ziel ist es, die Behinderten aus der durch die administrativen Vorgaben und die medizinische Therapie entstandenen Isolation zu befreien und in die Gesellschaft zu integrieren, ein Recht, das ihnen durch die Gesetze der Russischen Föderation garantiert wird.

Ljubow Katz

Man muss die Einrichtungen von „Swet“ gesehen haben, um zu begreifen, welche enorme Leistung dahinter steckt. Ljubow Katz ist die Vorsitzende der Organisation und ihr Mann, Jurij, ihr unermüdlicher Begleiter und Kämpfer, wenn es um die Interessen der Kinder geht. Jurij hat uns denn auch zu den verschiedenen Einrichtungen gefahren, von denen Bryan in seinem Reisebericht so begeisternd geschrieben hat. Sie liegen in den die Altstadt umringenden Wohngebieten, gebaut in der zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts. Wie in vielen russischen Vorstädten sind dort die Straßen und Hauszugänge in einem jämmerlichen Zustand. Anders, wenn man zu den Häusern kommt, in denen Einrichtungen von „Swet“ zu finden sind. Blumenampeln an den Fenstern und Blumenbeete vor dem Haus sind das äußere Markenzeichen von „Swet“. Und an zwei Stellen haben wir gesehen, wie die Jugendlichen selber Hand anlegten, um den Zugang zu Ihren Einrichtungen zu verschönern. Unterstützt wurden sie dabei von Pädagogen und Betreuern.

Freizeit mit behinderten Kindern

Eine selbstständig organisierte Wohngemeinschaft für vier behinderte Jugendliche, eine kleine Schule für drei Jahrgangsstufen, eine Werkstatt mit Nähmaschinen sowie das Zentrum von „Swet“ mit einem kleinen Internetcafé konnten wir besichtigen. Als jüngstes Objekt waren wir in einer gerade erstandenen Wohnung, in der u.a. auch ein Kindergarten eingerichtet werden soll. Die Wohnung ist übrigens eine Spende Wladimirer Bürger, was auch für viele der Einrichtungen und Möbel gilt, wie wir sehen konnten. Diese Spendenbereitschaft belegt den Stellenwert, den „Swet“ in Wladimir inzwischen erreicht hat. Unser Zeitsaldo war mit diesen Eindrücken bereits verbraucht, und es hätte noch soviel mehr gegeben: Beispielsweise die Pferde- oder Schwimmtherapie für Behinderte, eine Rechtsberatung für betroffenen Eltern, um ihre Interessen gegen die auch in Russland fast unüberwindbare Bürokratie durchzusetzen usw. Beim meinem nächsten Besuch in der Partnerstadt werde ich dort weitermachen, wo wir diesmal aufgehört haben.

Pferdetherapie

Vieles, was wir in der Vergangenheit in Wladimir unterstützt haben, hat sich inzwischen zum Besseren gewandelt und braucht unsere unmittelbare Hilfe aus Erlangen nicht mehr. Wenn es in Wladimir noch ein Objekt gibt, für das sich unsere Hilfe auf längere Zeit lohnt, so ist das die bewundernswerte Elterninitiative „Swet“ von Ljubow und Jurij Katz. Ich möchte auf diesem Weg für eine Unterstützungsaktion für „Swet“ werben. Für weitere Informationen und Gespräche stehe ich gerne zur Verfügung, meine Mailadresse: whowein@freenet.de.

Vielleicht finden sich ja auch im Freundeskreis Wladimir Mitstreiter für die Idee!

Wolfram Howein

Anmerkung des Bloggers: Die Organisation Swet entwickelt derzeit ein Wohn- und Lebenskonzept, das vorsieht, Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenzubringen, bisher in seiner Art wohl einzigartig in Rußland und jeder Unterstützung wert, auch aus Erlangen. Es gibt, das bleibe an dieser Stelle nicht unerwähnt, in Erlangen eine Familie, die Swet seit fast zehn Jahren anonym mit regelmäßigen Spenden unterstützt und ebenso regelmäßig Berichte aus Wladimir über die Verwendung der Mittel erhält. Ermutigend und nachahmenswert. Und dann – dies nur als Anregung an Wolfram Howein und seine hoffentlich zahlreichen Mitstreiter – der Hinweis darauf, daß auch die Lebenshilfe in Deutschland aus einer derartigen Elterninitiative hervorgegangen ist und zu einem fast schon natürlichen Partner von Swet in Wladimir werden könnte. Wer übrigens mehr über die Organisation und deren Gründer erfahren will, gebe in der Suchmaske des Blogs einfach die Begriffe „Katz“ und/oder „Swet“ ein. Hier deshalb nur noch der Link zu der freilich russischsprachigen Homepage von Swet, genauer zu der Rubrik Neuigkeiten, wo von dem Vorhaben zu lesen ist, Räumlichkeiten für spielerische Beschäftigung mit schwerstbehinderten Kindern zu renovieren, wo, wie zu sehen ist, noch einiges zu tun bleibt. Auf der Spenderliste findet sich da bereits Wolfram Howein, was der selbst vielleicht noch gar nicht wußte: http://svet33.ru/index.php?id=356

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„Wir können noch mehr!“ So lautet das Fazit der Wladimirer Mannschaft, die unlängst aus Sotschi zurückgekehrt ist, wo sie vom 1. bis 10. Oktober am Russischen Festival für Leibesübung und Sport, einem landesweiten Wettkampf für Behinderte teilnahm. Wenn da nicht die Schiedsrichter gewesen wären, so die feste Überzeugung der Athleten, wäre das Team in der Mannschaftswertung sogar auf dem ersten Platz gelandet. Aber der zweite ist ja auch aller Ehren wert. Immerhin traten fast 400 Sportler aus fünf Regionen Rußlands gegeneinander an.

Mit dem Rückenwind des Erfolgs gelingt es nun vielleicht auch, die Trainingsbedingungen für die behinderten Sportler zu verbessern, ein einheitliches Mannschaftstrikot anzuschaffen, neue Geräte zu kaufen. Durchaus möglich, daß es dann beim nächsten Mal mehr als „nur“ sieben Medaillen werden. Aber die hat man ja auch gewissermaßen aus dem Stand erkämpft, denn die Mannschaft gibt es in der Form erst seit einem Jahr. Respekt!

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Sergej Djatschenko. Photo: Irina Chasowa

Seit 16 Jahren schon gibt es in Wladimir die Selbsthilfeorganisation „Nadjeschda – Hoffnung“ mit fast einhundert Mitgliedern. Hier haben sich Menschen zusammengetan, die an verschiedenen Formen von Lähmung leiden, an Multipler Sklerose erkrankt sind oder beinamputiert wurden. Niemand von den Mitgliedern will deshalb aber abgeschoben werden oder zwangsweise selbst eine ruhige Kugel schieben. Wer nicht mehr arbeiten kann, betätigt sich zumindest sportlich, zum Beispiel mit Boccia. Diese Diziplin eignet sich besonders für Rollstuhlfahrer, wenn man denn an das Gerät, sprich die behindertengerechten Kugeln herankommt. Die freilich gibt es in Rußland nicht zu kaufen.  Also meldete sich Sergej Djatschenko, der Vorsitzende der Organisation, per E-Mail im Erlanger Rathaus und bat, darum, einen Satz Boccia-Kugeln zu bestellen und nach Wladimir zu bringen. Schon zwei Wochen später war der Auftrag dank der Vermittlung von Nadja Steger ausgeführt, und Gerhard Kreitz, Sprecher des Freundeskreises Wladimir und Teilnehmer der Bürgerreise, von der Ute Missel hier berichtet hat, konnte die Tasche mit den Kugeln in die Partnerstadt bringen. Bezahlt hat die Behindertenorganisation übrigens selbst. Hilfe zur Selbsthilfe eben. Da hilft man auch auf Umwegen und über viele Stationen gern und wünscht viel Erfolg bei der neuen Sportart.

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BehinderteSeit Oberbürgermeister Alexander Rybakow zu Beginn des Jahres sich persönlich des Themas „behindertengerechtes Wladimir“ annimmt, kommt Bewegung in die Sache. Zu Zeiten der Sowjetunion versteckte man Menschen mit Behinderungen lieber in Heimen oder in ihren eigenen vier Wänden, in der Öffentlichkeit störten sie nur das ideologisch vorgegebene Bild vom neuen sozialistischen Menschen. Während der Perestrojka erst wurde man so richtig auf die Problematik aufmerksam, doch es fehlte noch immer der politische Wille, Behinderten in der Lebenspraxis gleiche Rechte und Möglichkeiten zu bieten, und es mangelte an der Bereitschaft, dafür Geld auszugeben. Erst langsam wuchs die Einsicht, daß ein zivilisierter Staat daran gemessen wird, wie er mit seinen verwundbarsten Untertanen umgeht.

Wladimir geht da nun beispielhaft voran: 33 öffentliche Gebäude, darunter natürlich auch das Rathaus, und Einkaufszentren sind mittlerweile mit Rampen ausgestattet, und fast an allen wichtigen Ampeln unterstützen akustische Signale die Verkehrssicherheit. Auf öffentlichen Parkplätzen finden behinderte Autofahrer endlich auch speziell ausgewiesene Stellplätze. Noch vor zehn Jahren undenkbar, wo es sogar noch an Rollstühlen fehlte. Dennoch: Es bleibt viel zu tun. So gibt es in ganz Wladimir bisher in keinem öffentlichen Gebäude eine behindertengerechte Toilette. Wehe dem, der da mal muß. Das gewissen Bedürfnis zu befriedigen, war freilich bis vor kurzem noch in Wladimir auch für körperlich nicht eingeschränkte Zeitgenossen und vor allem Gäste ein lästiger Hindernislauf. Und noch etwas: Viele Türen von Amtsgebäuden lassen sich zwar über die Rampen jetzt leichter erreichen, lassen sich aber ohne fremde Hilfe oft nicht öffnen… Klopfet also, und euch wird – hoffentlich – aufgetan.

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Neujahrsfest Swet - LichtIn Wladimir gibt es zwei große Verbände, die sich um die Rehabilitation und Integration von Menschen mit Behinderungen kümmern: „Swet – Licht“, gegründet als Selbsthilfegruppe vom Ehepaar Ljubow und Jurij Katz, und „Nadjeschda – Hoffnung“, der Verein für Rollstuhlfahrer. Letzterem ist es jetzt gelungen, über eine Förderung der Stadtverwaltung ein Viertel der Gehbehinderten mit den notwendigen Hilfsmitteln auszustatten und damit immerhin eine eingeschränkte Mobilität zu gewährleisten. „Swet – Licht“ kümmert sich um schwerbehinderte Kinder, die als „nicht förderungsfähig“ eingestuft wurden. In den Kategorien der Behörden können sie weder gehen, noch lesen, noch rechnen, noch einkaufen oder gar kochen. Die Elterninitiative beweist nun dank intensiver Betreuung und der seit dreizehn Jahren betriebenen „Schule des Lebens“ das Gegenteil und lädt immer wieder die Medien und interessierte Menschen zu Begegnungen mit den Kindern ein, die sich besser entwickeln, als so mancher Beamte meinte.

Doch damit gibt sich das Ehepaar Katz nicht zufrieden. Die beiden haben eine Gesetzesinitiative erarbeitet, die schon seit vier Jahren bei den zuständigen Stellen auf Wiedervorlage und Umsetzung wartet. Gefordert wird ein rechtliches Instrumentarium für Pflege- und Adoptivfamilien, die behinderte Kinder aufnehmen könnten. Doch dergleichen, so die Behörden kenne man bisher nicht und brauche man deshalb auch in Zukunft nicht. Dabei ist allen klar, daß die häusliche Pflege die beste ist – und letzlich sogar die kostengünstigste. Aber solange nicht einmal die rechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz von ehrenamtlichen Pflegekräften geregelt sind, bleibt die ganze Last auf den Schultern der Eltern. Fazit: Nicht nur bei der regionalen Entwicklung (s. vorhergehender Eintrag im Blog) sind flexible Gesetze notwendig. Doch dafür muß sich wohl erst noch etwas im Denken und Handeln des Gesetzgebers und des öffentlichen Dienstes verändern.

Unterdessen soll in den nächsten Wochen geregelt werden, inwieweit von „Swet – Licht“ betreute Kinder auch die Einrichtung „Blauer Himmel“ nutzen können. Und dann gibt es da noch den Erlanger Spender, der anonym bleiben will und jährlich um die tausend Euro für die Selbsthilfegruppe auf das Spendenkonto „Hilfe für Wladimir“, Nr. 19 000 345 bei der Stadtsparkasse Erlangen überweist. Nachahmenswert, gleich in welcher Höhe!

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