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Posts Tagged ‘Behinderte in Rußland’


Olga Dejewa ist weiter zuversichtlich. Die ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes in Wladimir setzt auf die Jugend und Mäzene. Die Zusammenarbeit mit Schulen liegt ihr besonders am Herzen, was man unschwer sehen kann, wenn man einmal die vielen kleinen Zeichnungen und die detailfreudigen Plakate betrachtet, die in den letzten Wochen entstanden sind. Ergebnis einer erfolgreichen pädagogischen Arbeit mit dem Ziel, die Aufgaben des Roten Kreuzes der jungen Generation nahezubringen. Wer so viel vorzuweisen hat, tut sich auch leichter, private Geldgeber für die Rot-Kreuz-Sache zu begeistern. Und so ist denn zur Freude von Olga Dejewa schon die erste größere Spende in Höhe von 5.000 Rbl. eingegangen. Dabei soll es natürlich nicht bleiben, denn neben den bereits laufenden Projekten „Licht des Guten“ und „Das sollte jeder wissen“, also Programmen, die zum einen häusliche Pflege für Kriegsveteranen, zum andern Ausbildungskurse für Erste Hilfe umfassen, ist jetzt auch noch ein Kurs für Notversorgung in Planung. Und alles begleitet durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Fehlt nur eine eigene Homepage, für die allerdings rasch einmal 30.000 Rbl. zu bezahlen wären. Vielleicht aber tut es für den Anfang ja auch ein Blog, der keinerlei Kosten verursacht, freilich regelmäßig gepflegt werden will, wie die geneigten Leser aus eigenem Erleben wissen.

 

Olga Dejewa und Peter Steger vor dem Erlangen-Haus

Was und wie auch immer: Olga Dejewa freut sich schon jetzt auf den Besuch der offiziellen Delegation unter Leitung von Bürgermeisterin Birgitt Aßmus Anfang September und hofft, dann auch das Raumproblem lösen zu können. Schon heute nämlich reicht der Platz nicht mehr für all die vielfältigen Aktivitäten, und gerade für die geplanten Kurse braucht man ja auch Unterrichtsräume. Und dann, wie weiter? Einen Deutsch-Kurs im Erlangen-Haus möchte die hauptamtliche Direktorin des Wladimirer Sozialwerks belegen – und möglichst noch in diesem Jahr ihre erste Reise nach Erlangen und Jena unternehmen. Da kann man jetzt schon sagen: Herzlich willkommen! In Erlangen hat sie ja bereits erste Freunde. Und das werden bestimmt bald mehr!

 

Vorgarten des Alten- und Pflegeheims

Willkommen ist auch Irina Morosowa, die Leiterin des Alten- und Pflegeheims mit seinen fast 700 Plätzen für Senioren und Behinderte. Dessen bekanntester Bewohner heißt Stanislaw Katkow und hat schon mehr als ein halbes Dutzend Lyrikbände veröffentlicht, aus denen einige Gedichte auch in deutscher Übersetzung von Ute Schirmer und Peter Steger vorliegen. Zeugnisse der unbändigen Lebenslust eines Menschen, dem das Schicksal übel mitgespielt hat, der, kaum auf der Welt, so schwer erkrankte, daß er bis heute halbseitig gelähmt ist und nur schwer verständlich sprechen kann. Und doch hält er sich selbst für ein Glückskind, sprüht vor Witz und ist nie um ein Lächeln verlegen. Wenn man sieht, mit welcher Aufmerksamkeit sich Irina Platowa um ihn kümmert, die viele seiner Gedichte auswendig rezitiert und seit der Autor wegen der fortschreitenden Lähmung kaum mehr selbst leserlich schreiben kann auch dessen Lyrik ins reine schreibt, wundert man sich freilich nicht mehr allzu sehr über seine Frohnatur. Und dann ist da noch Sinaida Gagulajewa, im Heim zuständig für das Kultur- und Freizeitprogramm, die den Dichter versteht wie kaum jemand sonst. Fast sollte man meinen, ihm fehlte fast nichts mehr zu seinem Glück. Zumal es da in Erlangen auch noch zwei Damen gibt, Ruth Sych und Ute Schirmer, die Stanislaw Katkow seit zwei Jahrzehnten begleiten und die Ausstellungen in Etzelskirchen und in Dreycedern mit Illustrationen von Alewtina Sínowjewa zu seinen Gedichten organisiert haben.

 

Sinaida Gagulajewa

Die beiden würden ihren Augen nicht trauen, wenn sie sehen könnten, was sich alles zum Guten gewendet hat seit ihren ersten Besuchen in den frühen 90er Jahren. Der Garten blüht, was das Zeug hält, überall wird gewerkelt und renoviert, die Bewohner machen einen zufriedenen und heiteren Eindruck, und Irina Morosowa will es dabei nicht bewenden lassen. Geht es nach ihr, werden schon bald alle ihre Schutzbefohlenen moderne Hilfsmittel nutzen können, sogar ein Schwimmbad schwebt ihr vor. Das mag alles noch dauern, aber die Aufbruchstimmung ist jetzt schon da. Und es gibt ein konkretes Ziel: Zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft vom 29. Mai bis 2. Juni 2013 soll es in Wladimir eine Ausstellung geben – mit Arbeiten von behinderten Künstlern aus Erlangen.

Sinaida Gagulajewa, Irina Morosowa, Stanislaw Katkow, Irina Platowa

Stanislaw Katkow, der 2013 seinen 70. Geburtstag feiert, wird sicher im Organisationskomitee sitzen. Und vielleicht ein wenig Deutsch mit Irina Platowa lernen. Seine fehlenden Sprachkenntnisse beklagt er nämlich in einem Gedicht, das er den beiden Freundinnen aus Erlangen gewidmet hat und das mit dem Vers endet: „Zu den Deutschen, nach Erlangen / schick ich diese Zeilen ab. / Euch will ich von Herzen danken / und dem Glück, daß ich Euch hab.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

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Wolfram Howein und Jurij Katz

Wolfram Howein ist dieser Tage wieder in Wladimir zu Gast. Dieser schlichte Satz hat es in sich. Wer den Tausendsassa der Partnerschaft nämlich kennt, weiß, er beläßt es dort nicht bei der beratenden Revision des Erlangen-Hauses. Er wird vielmehr noch die Rosenkranzgemeinde besuchen, wo er mit Pfarrer Sergej Sujew über die Pläne für ein Pilgerheim spricht, er will die Rot-Kreuz-Vorsitzende Olga Dejewa kennenlernen und sich im Blauen Himmel nach dessen Übergabe an die Psychiatrie umsehen, um nur einige seiner Vorhaben zu nennen.

Wolfram Howein bei der Spendenübergabe

Ohne all seine anderen Projekte, darunter auch die Vorbereitung der nächsten Bürgerreise im Mai, zu vernachlässigen, liegt Wolfram Howein etwas besonders am Herzen: das Zentrum für Familien mit behinderten Kindern, das gestern eröffnet wurde. Mehr als 6.000 Kinder mit besonderem Förderbedarf  leben in der Region Wladimir – leider zumeist mit der alleingelassenen Mutter, den 80% der Väter trennen sich von der Frau, wenn sie ein behindertes Kind zur Welt bringt -, doch es bedurfte der Initiative der Selbsthilfeorganisation „Swet – Licht“, um in einem zentrumsnahen Gebäude auf einer Fläche von knapp 200 m² die Räume im Erdgeschoß so zu renovieren, daß sie nicht nur behindertengerecht gestaltet wurden, sondern sogar neben Beratung auch Therapie anbieten. Damit ist nicht nur ein langgehegter Traum des Ehepaars Jurij und Ljubow Katz, den Gründern und Leitern der Elterninitiative, in Erfüllung gegangen, denn von Beginn der nur achtmonatigen Bauarbeiten an, finanziert aus Spenden – besonders vom lokalen Globus-Markt – und häufig durchgeführt von Freiwilligen, hat auch Wolfram Howein nicht nur mitgeträumt, sondern tatkräftig mitgewirkt an der Verwirklichung der Pläne.

Kinderglück im neuen Zentrum

Nun konnte der Gast aus Erlangen gestern im Beisein von Oberbürgermeister, Sergej Sacharow, eine Spende in Höhe von 2.000 Euro an die Einrichtung übergeben, gesammelt in einer eigenen Aktion und bestimmt für die Ausstattung des Zentrums, wo möglichst viele therapeutische Maßnahmen angeboten werden sollen, die es ansonsten weder in der Stadt noch gar auf dem Lande gibt, obwohl man allein in Wladimir drei solcher Einrichtungen bräuchte. Das weiß das Stadtoberhaupt freilich längst und verspricht denn auch, wenn nötig, beim weiteren Ausbau zumindest dieses Zentrums zu helfen, zumal die Verwaltung schon jetzt nicht ganz beiseite steht, trägt sie doch die laufenden Kosten bis hin zum Personal.

Sergej Sacharow bei der Eröffnung

Unterdessen denken Jurij und Ljubow Katz schon wieder weiter: Ein Mehrgenerationenhaus schwebt ihnen vor, wo Behinderte mit Nichtbehinderten gemeinsam leben lernen und alt werden können. Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß Wolfram Howein auch hierfür Unterstützer in Erlangen findet und seiner Devise folgt: Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!

Mehr zu Swet unter: http://is.gd/RHIYNL und http://is.gd/3WS452.

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„Swet“, eine unterstützenswerte Initiative in Wladimir

Wolfram Howein und Jurij Katz

Bryan Landmann, Mathe-Lehrer der Franconian International School, erzählte in seinem Reisebericht aus Wladimir begeistert über unseren Besuch bei der Elterninitiative „Swet“ (Licht). Ich kenne Ljubow und Jurij Katz, die beiden Initiatoren dieser Vereinigung, schon eine ganze Zeit. Wie das aber bei den Reisen nach Wladimir so geht: Immer ist das Programm kompakt, die Zeit fast vollständig verplant, und mit den Überraschungen vor Ort bleibt dann vieles liegen. So auch mein schon lange fälliger Besuch bei „Swet“. Mit der Reise der beiden Lehrer, Bryan Landmann und Steven Fogarty, hat es dann endlich geklappt. Seit 1995 besteht diese Initiative, in der sich mehr als 700 Eltern von Kindern mit den verschiedensten Behinderungen zusammengefunden haben. Ziel ist es, die Behinderten aus der durch die administrativen Vorgaben und die medizinische Therapie entstandenen Isolation zu befreien und in die Gesellschaft zu integrieren, ein Recht, das ihnen durch die Gesetze der Russischen Föderation garantiert wird.

Ljubow Katz

Man muss die Einrichtungen von „Swet“ gesehen haben, um zu begreifen, welche enorme Leistung dahinter steckt. Ljubow Katz ist die Vorsitzende der Organisation und ihr Mann, Jurij, ihr unermüdlicher Begleiter und Kämpfer, wenn es um die Interessen der Kinder geht. Jurij hat uns denn auch zu den verschiedenen Einrichtungen gefahren, von denen Bryan in seinem Reisebericht so begeisternd geschrieben hat. Sie liegen in den die Altstadt umringenden Wohngebieten, gebaut in der zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts. Wie in vielen russischen Vorstädten sind dort die Straßen und Hauszugänge in einem jämmerlichen Zustand. Anders, wenn man zu den Häusern kommt, in denen Einrichtungen von „Swet“ zu finden sind. Blumenampeln an den Fenstern und Blumenbeete vor dem Haus sind das äußere Markenzeichen von „Swet“. Und an zwei Stellen haben wir gesehen, wie die Jugendlichen selber Hand anlegten, um den Zugang zu Ihren Einrichtungen zu verschönern. Unterstützt wurden sie dabei von Pädagogen und Betreuern.

Freizeit mit behinderten Kindern

Eine selbstständig organisierte Wohngemeinschaft für vier behinderte Jugendliche, eine kleine Schule für drei Jahrgangsstufen, eine Werkstatt mit Nähmaschinen sowie das Zentrum von „Swet“ mit einem kleinen Internetcafé konnten wir besichtigen. Als jüngstes Objekt waren wir in einer gerade erstandenen Wohnung, in der u.a. auch ein Kindergarten eingerichtet werden soll. Die Wohnung ist übrigens eine Spende Wladimirer Bürger, was auch für viele der Einrichtungen und Möbel gilt, wie wir sehen konnten. Diese Spendenbereitschaft belegt den Stellenwert, den „Swet“ in Wladimir inzwischen erreicht hat. Unser Zeitsaldo war mit diesen Eindrücken bereits verbraucht, und es hätte noch soviel mehr gegeben: Beispielsweise die Pferde- oder Schwimmtherapie für Behinderte, eine Rechtsberatung für betroffenen Eltern, um ihre Interessen gegen die auch in Russland fast unüberwindbare Bürokratie durchzusetzen usw. Beim meinem nächsten Besuch in der Partnerstadt werde ich dort weitermachen, wo wir diesmal aufgehört haben.

Pferdetherapie

Vieles, was wir in der Vergangenheit in Wladimir unterstützt haben, hat sich inzwischen zum Besseren gewandelt und braucht unsere unmittelbare Hilfe aus Erlangen nicht mehr. Wenn es in Wladimir noch ein Objekt gibt, für das sich unsere Hilfe auf längere Zeit lohnt, so ist das die bewundernswerte Elterninitiative „Swet“ von Ljubow und Jurij Katz. Ich möchte auf diesem Weg für eine Unterstützungsaktion für „Swet“ werben. Für weitere Informationen und Gespräche stehe ich gerne zur Verfügung, meine Mailadresse: whowein@freenet.de.

Vielleicht finden sich ja auch im Freundeskreis Wladimir Mitstreiter für die Idee!

Wolfram Howein

Anmerkung des Bloggers: Die Organisation Swet entwickelt derzeit ein Wohn- und Lebenskonzept, das vorsieht, Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenzubringen, bisher in seiner Art wohl einzigartig in Rußland und jeder Unterstützung wert, auch aus Erlangen. Es gibt, das bleibe an dieser Stelle nicht unerwähnt, in Erlangen eine Familie, die Swet seit fast zehn Jahren anonym mit regelmäßigen Spenden unterstützt und ebenso regelmäßig Berichte aus Wladimir über die Verwendung der Mittel erhält. Ermutigend und nachahmenswert. Und dann – dies nur als Anregung an Wolfram Howein und seine hoffentlich zahlreichen Mitstreiter – der Hinweis darauf, daß auch die Lebenshilfe in Deutschland aus einer derartigen Elterninitiative hervorgegangen ist und zu einem fast schon natürlichen Partner von Swet in Wladimir werden könnte. Wer übrigens mehr über die Organisation und deren Gründer erfahren will, gebe in der Suchmaske des Blogs einfach die Begriffe „Katz“ und/oder „Swet“ ein. Hier deshalb nur noch der Link zu der freilich russischsprachigen Homepage von Swet, genauer zu der Rubrik Neuigkeiten, wo von dem Vorhaben zu lesen ist, Räumlichkeiten für spielerische Beschäftigung mit schwerstbehinderten Kindern zu renovieren, wo, wie zu sehen ist, noch einiges zu tun bleibt. Auf der Spenderliste findet sich da bereits Wolfram Howein, was der selbst vielleicht noch gar nicht wußte: http://svet33.ru/index.php?id=356

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Die Idee, den Integrativen Kindergarten im Röthelheimpark zu besuchen, entstand bei einem Gespräch Anfang Juni in Gremsdorf mit den drei Hospitantinnen: der Krankenschwester aus der Kinderpsychiatrie, Jelena Bordanowa, der Kinderpsychiaterin, Swetlana Sawina, und der heilpädagogischen Erzieherin, Swetlana Schkurowa. Bisher nämlich werden in Wladimir Kinder mit Behinderungen ausschließlich in speziellen, an ihren Bedürfnissen ausgerichteten Einrichtungen betreut. Bei der gestrigen Führung durch die integrative Kindertagesstätte, an der auch die erst vor wenigen Tagen aus Wladimir angereiste Psychologiedozentin, Irina Arschanych, teilnahm, überzeugten sich die staunenden Besucherinnen davon: Integrative Vorschularbeit mit Kindern ist möglich und notwendig, eine Bereicherung für alle Beteiligten.

Ewa Bretting, vorne rechts, mit ihren Besucherinnen aus Wladimir

Überzeugt hat die Gäste vor allem aber die begeisternde Mischung aus Professionalität und Leidenschaft, aus der Ewa Bretting, die Leiterin der Einrichtung in Trägerschaft der Lebenshilfe, und das Team ihre Energie beziehen. Eine Energie, die sich speist aus dem Respekt vor Menschen, gleich ob mit oder ohne Behinderungen, und dem Wunsch, allen die gleichen Entwicklungs- und Lebensperspektiven zu bieten. „Dazu muß man raus aus dem Schatten solcher Einrichtungen und rein in die Öffentlichkeit, damit man uns und unsere Arbeit überall wahrnimmt“, fordert Ewa Bretting. Denn es sollte mehr Angebote dieser Art geben. Selbst in Erlangen, das durchaus auch in Bildungsfragen offen aus Tradition ist, findet man nur noch einen weiteren integrativen Kindergarten – in Büchenbach. Dabei wächst die Nachfrage nach dieser Art von „Koedukation“. Was in Erlangen auch erst in der letzten Dekade – freilich unterstützt durch Gesetze und Fördermaßnahmen von Staat, Stadt und Bezirk – entstehen konnte, ist in Wladimir im Moment noch nicht mehr als eine Idee. Und doch auch schon wieder mehr als nur eine Idee, denn – und das freut Ewa Bretting besonders – die Kinderpsychiatrie macht seit Beginn des Projekts Lichtblick, wie Jelena Bordanowa berichtet, regelmäßig Ausflüge in die Stadt, um die kleinen Patienten am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen und die Gesellschaft sensibel zu machen für das Recht auf Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. In den Partnerstädten und überall.

Noch in dem Monat wollen die Gäste aus Wladimir die Georg-Zahn-Tagesstätte, ebenfalls eine Einrichtung der Lebenshilfe, besuchen und sich dort weitere Anregungen holen. Doch für die Leser des Blogs hier einstweilen die Links: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2011/06/11/der-lichtblick-der-partnerschaft und  http://www.lebenshilfe-erlangen.de/einrichtungen-integrativer-kindergarten-roethelheimpark.html.

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Man hört es am Gesang der Vögel, mag es aber noch nicht so recht glauben. Es soll Frühling werden. Noch nicht in Rußland, aber zumindest bei uns. Einen Vorgeschmack darauf brachte gestern Ute Schirmer, immer gut für angenehme Überraschungen, ins Rathaus. Sie hatte das Gedicht „März“ von Stanislaw Katkow ins Deutsche übertragen. So nah am Original und doch so ursprünglich, daß man meinen könnte, die Worte seien eigenem Erleben entsprungen.

Stanislaw Katkow

Stanislaw Katkow, 1943 in Saransk geboren, leidet seit seiner frühen Kindheit an einer Sprachstörung und Lähmung der Beine. Von 1953 bis 1956 war er deshalb in einem Heim in Tjomnikow, und nachdem 1961 seine Mutter tragisch ums leben kam, fand er 1962 Aufnahme in der psychoneurologischer Abteilung des Alters- und Pflegeheims Wladimir, wo er bis heute lebt und künstlerisch tätig ist. Mit 25 Jahren begann der Dichter zu schreiben, und seit Ende der 90er Jahre erschienen bereits fünf Sammelbände mit seinen Gedichten, die zum Teil auch schon in überregionalen Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt waren. Entdeckt für Erlangen hat den Autor schließlich Ruth Sych, gemeinsam mit Ute Schirmer gute Seele des Alters- und Pflegeheims.

Alewtina Sinowjewa

Um die Jahreswende war im Wladimirer Planetarium eine Ausstellung von Bildern der fünfunddreißigjährigen Fußmalerin Alewtina Sinowjewa zu sehen, wobei jeder Arbeit der Künstlerin ein Gedicht von Stanislaw Katkow beigestellt war. Die beiden haben sich bereits vor zwölf Jahren in der Behindertenorganisation „Nadjeschda – Hoffnung“ kennengelernt und sind eine kreative Partnerschaft eingegangen, die ihren Ausdruck unter anderem darin findet, daß Alewtina Sinowjewa die Bücher ihres Kollegen illustriert. Seit ihrem achten Lebensjahr sind ihre Arme gelähmt, doch dank aufmerksamen Pädagogen, die sie bis heute professionell begleiten, lernte sie rasch, mit den Füßen zu malen und zu zeichnen. 1990 hatte sie schon ihre erste Ausstellung und macht sich seither einen guten Namen im Kunstleben der Partnerstadt. Mehr Eindrücke von ihrer Schaffenskraft unter: http://fotogalerey.narod.ru/Zinoveva.html

Nun lassen wir aber Stanislaw Katkows Frühling herein durch das Fenster von Alewtina Sinowjewa und in der Bearbeitung von Ute Schirmer:
März

Frühlingsfenster, Alewtina Sinowjewa

Es zupft der Frühlingswind an den Bäumen, / sie wachzurütteln aus ihren Träumen. / „Wacht doch auf! Was ist mit euch? Es ist wahr! / Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist nah! „/ Schon ist der Dompfaff nach Norden geflogen, / die Krähen haben wieder ihr Heim bezogen… / Und es winken im Halbschlaf die Bäume mit Zweigen: / „Wir wissen’s schon, Wind, sei leise! / Wach zu werden brauchen wir uns nicht zu eilen. / Die Mutter Erde zuerst erweck! / Noch ist sie ja vom Schnee bedeckt. / Uns laß im Schlummer noch ein wenig verweilen.“

Mehr über den Autor und vor allem mehr von seinen allerdings noch unübersetzten Gedichten (über 150 an der Zahl) unter: http://www.stihi.ru/cgi-bin/authors.pl?author=katkov. Da gibt es noch viel zu tun, liebe Frau Schirmer!

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Programmatischer geht es nicht mehr als mit diesem Motto, das sich die Band „Rur-Rock“ der Rurtal-Schule Heinsberg-Oberbruch gegeben hat. Dahinter verbirgt sich eine Begegnung von jungen Menschen mit und ohne Behinderung aus Deutschland und Rußland, ein Projekt das bereits 2001 in Pskow mit einem Musikworkshop begonnen hatte und mit viel Erfolg weitergeführt wurde: Gastspiele folgten 2004 in Moskau, 2007 in Perm, 2008 wieder in Pskow und 2009 in St. Petersburg beim Stadtfest, das ganz dem integrativen Gedanken gewidmet war. Dazwischen, im Mai 2005, Benefizkonzerte und das Deutsch-Russische Musik- und Friedensprojekt mit Rolf Zuckowski, ganz zu schweigen von den UNICEF-Galas in Berlin, Siegburg und Hilden und im Mai vergangenen Jahres der Teilnahme am 2. Integrativen Soundfestival im fränkischen Fürth.

Pskow

Wie kommt da nun Erlangen ins Spiel – oder besser Wladimir? Zur Beantwortung der Frage ist ein kleiner Rückblick notwendig. 1991 lernte Pastor Klaus Eberl von der evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg im Kreis Heinsberg auf einer Versöhnungsreise durch Rußland die sozialen Verhältnisse in Pskow (Pleskau), fast an der estnischen Grenze gelegen, kennen und kam mit dem festen Vorsatz zurück, der Partnerstadt von Neuss im Bereich Heilpädagogik zu helfen. Es gelang, das Bundesland NRW und die Landeskirche für das Projekt zu begeistern, und so konnte man bereits im Juni 1992 mit der stattlichen Starthilfe vom Staat in Höhe von DM 640.000 die Planung und im Oktober des gleichen Jahres den Bau eines Objekts beginnen, das bis dahin in der russischen Bildungslandschaft nicht zu finden war: ein Heilpädagogisches Zentrum für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Nicht einmal ein Jahr später, am 1. September 1993, die Eröffnung der Einrichtung in der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg im Rheinland. Die pädagogische Begleitung und Verantwortung übernahm die Rurtal-Schule unter Leitung von Bernd Schleberger, der mit Herz und Verstand zu Werke ging. Dem erfahrenen Fachmann war es von Beginn an um mehr als bloßen Erfahrungsaustausch zu tun. Sein Ziel war es, den Wissenstransfer in dem bisher von der russischen Bildungspolitik unbeachteten Bereich dauerhaft zu gestalten und zu systematisieren, damit er auch unabhängig von den engeren Projektpartnern Nutzen bringen kann. Dazu ist ein Lehrplan notwendig. Und just den hat Bernd Schleberger federführend mit einem Team aus Pskow erarbeitet, eine echte Pionierleistung! Das Curriculum, das übrigens auch Religionslehre berücksichtigt, ist seit dem Jahr 2000 vom russischen Staat anerkannt und gültig für derartige Förderschulen. Es entstand ein ganzes Netzwerk für die Fortbildung von Pädagogen, weg von der einstigen defektorientierten Fixierung auf die Korrektur von Behinderungen, hin zu einem integrativen und ganzheitlichen Ansatz. Beispielhaft, wie selbst das russische Bildungsministerium anerkennend konstatiert.

Bernd Schleberger und Wolfgang Thierse

Fast 50 Kinder und Jugendliche, davon die Hälfte mit schwersten und mehrfachen Behinderungen, besuchen heute diese Einrichtung. Damit aber noch immer nicht genug: Im Sommer 2001 entstand auf Druck der Schulabgänger in unmittelbarer Nachbarschaft der Einrichtung eine Werkstatt für Behinderte, womit der Förderbereich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene abgedeckt ist. Und: Seit Januar 2003 gibt es in der 200.000-Einwohner-Stadt ein Förderzentrum für Kinder mit Behinderungen im Vorschulalter, d.h. auch die letzte Lücke ist geschlossen. Was da im Zusammenspiel mit der Pskower Lokalpolitik entstand und noch weiter wächst, hat – man kann es nur mit Anerkennung sagen – Vorbildcharakter für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland, verdientermaßen ausgezeichnet u.a. mit dem „2. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ der Robert-Bosch-Stiftung und des Deutsch-Russischen-Forums, überreicht 2003 von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in Berlin.

Jürgen Ganzmann, Bernd Schleberger, Wolfram Howein

Auf der einstigen Brache im pädagogischen Niemandsland sind Strukturen gewachsen, die Fachleute aus allen russischen Regionen faszinieren. Und natürlich blieb das heilpädagogische Wunder von Pskow auch in Wladimir nicht unbeachtet. Das Ehepaar Jurij und Ljubow Katz, Gründer und Leiter der Selbsthilfeorganisation „Swet – Licht“ für Eltern von schwerstbehinderten Kindern, hält seit Jahren Kontakt zu den Kollegen im russischen Nordwesten und hat Bernd Schleberger im vergangenen Jahr nach Wladimir eingeladen. „Ihre Partnerstadt hat mir wirklich sehr gefallen, viel schöner als die meisten anderen russischen Provinzstädte“, lobt der vielgereiste Schulleiter, und erzählt weiter, er habe mit Familie Katz vereinbart, vom 1. bis 7. Juni mit der Band „Rur-Rock“ nach Wladimir zu reisen. Die Finanzierung stehe bereits u.a. dank einem Zuschuß der örtlichen Sparkasse aus ihrer „Stiftung für Völkerverständigung“, jetzt müsse man nur noch das Programm zusammenstellen. Eigens dazu und um mehr von der Partnerschaft Erlangen – Wladimir zu erfahren, kam Bernd Schleberger gestern angereist und traf sich natürlich mit Jürgen Ganzmann und Wolfram Howein, um mehr über den „Blauen Himmel“ und das Projekt „Lichtblick“ zu erfahren. Rasch wurde klar, wie breit die gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit ist, und es spricht alles dafür, daß sich Wladimir und Pskow eng vernetzen könnten.

Die Musik könnte dafür einen ersten Anstoß geben, denn es kommen Anfang Juni nicht nur 14 Schüler mit sieben Betreuern aus der Rurtal-Schule, sondern auch fünf junge Musiker mit ihren drei Betreuern aus Pskow nach Wladimir. Und eingeladen zum Mitmachen sind natürlich auch Kinder aus der Wladimirer Psychiatrie, wo Tatjana Parilowa den Taktstock schwingt. In der Geschichte ist im wahrsten Sinn des Wortes Musik. Und von der wird noch viel zu hören sein – auch hier im Blog.

Mehr zu dem Projekt der Rurtal-Schule auf der empfehlenswerten Homepage: www.rurtal-schule.de

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Im Mai hatte Oberbürgermeister Alexander Rybakow eine Kommission berufen, die klären sollte, was zu tun sei, um die Einrichtungen der Stadt für Rollstuhlfahrer zugänglicher zu machen. Den Mitgliedern des Gremiums will nun eine Selbsthilfegruppe um die rührige Ljubow Katz auf die Sprünge helfen. Per Selbstversuch.

Schon an der ersten Station mußte sie aufgeben: „Ich käme ohne fremde Hilfe vom Kristallmuseum nicht zum Goldenen Tor“, beklagt die Kämpferin für Behindertenrechte. „Nicht einmal ein junger Sportler neben mir hat das geschafft.“ Es sind vor allem die hohen Bordsteine, die das eigenständige Fortkommen für Rollstuhlfahrer unmöglich machen, und die einzige abgeschrägte Stelle im Stadtzentrum – zugeparkt.

Jelena Brajlowskaja mit ihrem Sohn Fjodor

Jelena Brajlowskaja mit ihrem Sohn Fjodor

Es fehlt im wesentlichen noch am Bewußtsein für die Bedürfnisse der mobilitätsbehinderten Menschen. Die Mängel erkennt man erst richtig, wenn man sich selbst in die Lage der Rollstuhlfahrer versetzt oder, wie Jelena Brajlowskaja, ein gelähmtes Kind hat. „Der Belag der Bürgersteige hat sich zwar teilweise verbessert, aber der Übergang von Straße zu Bürgersteig und umgekehrt ist so gut wie überall in der Stadt ein unüberwindliches Hindernis. Selbst wenn Straßen ausgebessert werden beseitigt man diesen Mißstand nicht.“ Die Mutter hat deshalb eine Liste der „unbefahrbarsten Straßen und Bürgersteige“ Wladimirs zusammengestellt.

Die Freiwilligengruppe, der viele Studenten angehören, will nun bis zum 15. Oktober diese Liste mit eigenen Beobachtungen ergänzen und sie der Kommission vorstellen. Aber es ist in Wladimir wohl noch ein langer Weg bis zum Ziel einer barrierefreien Stadt. Immerhin jedoch haben sich Politik und Bürger aufgemacht. Es kommt Bewegung in die Sache.

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