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Posts Tagged ‘Bayerischer Rundfunk Studio Franken’


„Hier riecht es nach Zeitung“, rief Ella Rogoschanskaja erfreut, als es in den Keller der Nürnberger Nachrichten ging, wo – ein ingenieurtechnisches Meisterwerk – auf engstem Raum die Druckerei liegt, von wo aus die Postkästen und Kioske der ganzen Region beliefert werden. Die seit Jahren in Nürnberg lebende Journalistin aus Wladimir hatte die Gäste am Vormittag durch ihre neue Heimat geführt und sah nun auch zum ersten Mal das Verlagshaus mit allen Bereichen, von den Redaktionsstuben bis zur Auslieferung der Blätter Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung.

Wjatscheslaw Kartuchin, Karina Romanowa, Julia Kusnezowa, Klaus Schrage und Ella Rogoschanskaja

„Eine derart moderne und große Druckerei, noch dazu unter einem Dach mit der Redaktion, haben wir in Wladimir nicht“, bekennt Wjatscheslaw Kartuchin, Leiter der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung, dem Betriebsratsvorsitzenden Klaus Schrage, der sich gestern viel Zeit für die Führung genommen hatte. „Diese Bereiche sind in der Regel getrennt. Dafür haben wir in so gut wie jeder Kreisstadt unserer Region eine eigenständige Lokalzeitung.“ Noch, möchte man hinzufügen, denn auch die russische Medienlandschaft befindet sich im Umbruch, orientiert sich zu Lasten der gedruckten Zeitung immer stärker auf das Internet. Noch aber zeigt sich in der Partnerstadt und im ganzen Gouvernement mit der Größe von ganz Franken und der halben Oberpfalz zusammengenommen ein buntes Bild mit allein in Wladimir vier TV-Stationen, nicht weniger Radiosendern, drei Zeitungen und vielen Internetportalen, unter denen Zebra-TV, immer wieder auch die Referenz für den Blog, herausragt. „Wenn bei uns eine Pressekonferenz angesetzt ist“, beschreibt Julia Kusnezowa vom privaten Fernsehkanal TV6, der zu Ren TV gehört, „dann ist die Hütte voll, während es, wie wir erfahren haben, im Erlanger Rathaus schon einmal vorkommen kann, daß ein Termin platzt, weil kein Journalist kommt. Undenkbar bei uns.“

Julia Kusnezowa und Karina Romanowa

Beide Journalistinnen arbeiten ja beim Fernsehen (s. vorherige Einträge im Blog) und machten ihre ersten Medienerfahrungen mit dem Radio. Beide moderieren, beide haben sich die Liebe zum gesprochenen Wort bewahrt und genießen staunend die technischen Möglichkeiten beim Bayerischen Rundfunk, Studio Franken, kundig-pfundig rundgeführt von Daniel Peter und begrüßt von Thomas Rex, dem Gesicht der allsonntäglichen Frankenschau, der mit seinen drei Reportagen über die Städtepartnerschaft besonders eng mit Wladimir verbunden ist und auch bereits einmal einer russischen Kollegin Gelegenheit zu einem Praktikum gab: https://is.gd/nbCQw3

Thomas Rex, Karina Romanowa, Julia Kusnezowa, Daniel Peter und Wjatscheslaw Kartuchin

„Wenn wir das alles so sehen, würden wir uns auch Rundfunkgebühren wünschen“, meinen die Gäste, „aber das ließe sich gesellschaftspolitisch nicht durchsetzen. Bei allen Vorteilen, die wir hier sehen, etwa die starke Präsenz in den Regionen und die ausgewogene Berichterstattung.“ Vor allem auf letzteres kommt es Julia Kusnezowa und Karina Romanowa an, und so lautet denn auch die Antwort auf eine Frage am Abend im Kollegenkreis, was das schönste Zuschauerlob für sie beide sei: „Die Anerkennung, den Fakten entsprechend und ehrlich berichtet zu haben.“ Dies, Tatsachen und Gewissenhaftigkeit, sei denn auch ihr höchster Anspruch an sich selbst, und: „Die Leute wissen das zu schätzen. Damit und mit Kompetenz verschafft man sich dann auch Ansehen in einem allgemeinen Klima des Mißtrauens gegenüber den Medien.“ Etwas, das die deutschen Kollegen sicher ebenfalls unterschreiben würden.

Ella Schindler, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Klaus Schrage

Im Unterschied zur Podiumsdiskussion im Erlanger Club International am Montag geriet das gestrige Gespräch in der Nürnberger Nordkurve, gemeinsam unterhaltsam moderiert von der eloquent zweisprachigen Ella Schindler und dem noch besser als sonst schon gestimmten Klaus Schrage eher zu einer kammermusikalischen Veranstaltung mit – freilich zu wenig – Zeit für Zwischentöne, für Fragen nach dem journalistischen Arbeitsalltag in Wladimir, für das kollegiale Kennenlernen – und für noch mehr Lust, einander besser zu verstehen.

Wjatscheslaw Kartuchin, Wolfgang Mayer, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa, Ella Schindler und Klaus Schrage

Ein Wort des Dankes fehlt noch. Wolfgang Mayer hatte nach seiner Teilnahme an der Prisma-Reise nach Wladimir im November vergangenen Jahres, die Idee, eine Journalistendelegation aus der Partnerstadt zur Fortsetzung des Dialogs einzuladen. Er hielt sich nun bescheiden im Hintergrund. Aber ohne ihn wären all die Begegnungen nicht zustande gekommen. Wie schade und bedauerlich das wäre, zeigen diese Begegnungstage. Deshalb nochmals danke und спасибо!

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