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Posts Tagged ‘Barmherzige Brüder Gremsdorf’


Am 3. Januar startete Günther Allinger, Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, zu einer privaten Reise in die Partnerstadt, mit der er fachlich und über den Austausch mit der dortigen Psychiatrie seit fast zwanzig Jahren verbunden ist. Hier nun das erste Kapitel seines Berichts:

Minus 34 Grad. Es war die kälteste Nacht bzw. der kälteste Morgen während meines Aufenthaltes in Rußland. Na gut, um genau zu sein, es war mein Urlaub, den ich in Einsamkeit und Abgeschiedenheit verbringen wollte.

Aber alles der Reihe nach. Stellen Sie sich vor, Sie vereisen nach Rußland, stehen um 4.30 Uhr morgens auf, prüfen Ihr Gepäck und die Reisepapiere. Bei leichtem Schneefall geht es zu Fuß zur U-Bahn, um den ersten Bahnhof zu erreichen. Pünktlich angekommen, geht es weiter zum Hauptbahnhof Nürnberg, um den ICE nach München zu erwischen. Es schneit noch immer leicht. Pünktlich erreiche ich den Hauptbahnhof, und auch der ICE trifft auf die Minute ein. Die Weiterfahrt nach München verläuft planmäßig. Von München geht es dann mit der S Bahn weiter zum Franz-Josef-Strauß-Flughafen. Und wieder, es schneit noch immer leicht, eine Punktlandung. Ich verstehe nicht, weshalb wir in Deutschland grundsätzlich über die Bahn schimpfen. Besser hätte es nicht laufen können. Also hier einmal ein dickes Lob auf die Deutsche Bahn. Macht weiter so.

Wladimir Besrukow, Alexander Bersenjew und Günther Allinger vor dem Denkmal für die ermodeten Heimbewohner der Barmherzigen Brüder Gremsdorf

Wladimir Besrukow, Alexander Bersenjew und Günther Allinger vor dem Denkmal für die ermodeten Heimbewohner der Barmherzigen Brüder Gremsdorf

Einchecken am Flughafen bei der Siberian Airline S7 – kein Problem. Paßkontrolle dauerte wegen langer Menschenschlangen über eine Stunde. Boarding wie vorgesehen – kein Problem.

Eine Boeing 320, vollbesetzt mit Fluggästen, wartet auf die Startfreigabe. Und wartet…und wartet…..und wartet. Und auch Sie als Leser haben wohl gewartet, bis endlich was passiert. Ja, mit über einer Stunde Verspätung war es dann endlich so weit. Wir hoben ab Richtung Moskau. Der Flug verlief ruhig und entspannt, es gab etwas zu essen, und insgesamt wurden wir gut versorgt. Nach der Landung auf  verschneiter Landebahn und dem Erreichen der Parkposition, plötzlich ein kleiner Knall, die Turbinen standen still, und der Flieger war komplett dunkel. Noch nicht einmal eine Notbeleuchtung war zu sehen. Wir blieben alle ruhig. Für mich dachte ich, dem Flieger ist wohl gerade der Sprit ausgegangen, und wir hatten das Glück der rechtzeitigen Landung.

Jetzt raus aus dem Flieger zur Einreise- und Paßkontrolle. Superschnell und unkompliziert. Die Gepäckausgabe war dann doch etwas langwieriger. Das Gepäckband läuft nach einer kurzen Wartezeit an. Es läuft und läuft. Was fehlt, sind die Koffer auf dem Band.

Mein Blick zur Uhr wird zunehmend unruhiger. Hatte ich doch noch einige Etappen mit den öffentliche Verkehrsmitteln zu bewältigen, und mein bereits gebuchter Zug wird wohl eher nicht auf mich warten. Ich weiß es nicht so genau, aber es waren 20 bis 30 Minuten, bis endlich die Koffer kamen. Jetzt schnell das Flughafengebäude verlassen und zum Aeroexpress eilen.

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Neujahrsbaum am Flughafen Moskau

Der Ticketautomat vor dem Bahnsteig kann neuerdings auch auf Deutsch kommunizieren. Die Fahrkarte für 980 Rubel gilt für Hin- und Rückfahrt. Da habe ich doch schon wieder etwas Neues gelernt und Geld gespart. Früher einmal, der Automat kommunizierte neben seiner Muttersprache nur Englisch, hatte sich mir das so nicht erschlossen.

Jetzt hieß es wieder kurz warten. Der Zug zum Pawelezkij-Bahnhof geht alle 30 Minute. Nach rund 40 Minuten Fahrzeit ist man dort und erreicht die Metro. Die Fahrt selbst war wieder angenehm und unproblematisch. Alles verlief nach Plan. Leider funktioniert das angepriesene W-LAN im Zug nicht so einfach. Habe dann ganz darauf verzichtet. Eine kostenpflichtige Verbindung über irgendeinen russischen Provider wollte ich nicht.

Am Pawelezkij angekommen, wurde mir klar, wie verdammt knapp es mit meiner gebuchten Verbindung ab dem Kursker Bahnhof wird. Ich mußte und wollte ja noch mit der Metro fahren. Und der Bahnhof hat hier zwei unterschiedliche Stationen. Das ist nicht so wie in München, wo mal eben jede U-Bahn so einfach mal vorbeikommt.

Ein netter Taxifahrer wollte mich als Fahrgast gewinnen. Hätte ich doch bloß dieses Angebot angenommen. Ich wäre gerade noch rechtzeitig im Kursker Bahnhof angekommen.

Aber njet und nein, nein. Eigensinnig und abenteuerlustig mußte ich die Metro Nr. 5 suchen. Die Haltestelle ist etwas entfernt vom Bahnhof. Auch ein Ticket an der Kasse sollte ich noch lösen. Alles mit Zeit, viel Zeit, die ich nicht hatte, verbunden. Aber egal, die Metro ist und bleibt ein Erlebnis. Eines Tages werde ich drei oder vier Tage nur in Moskau verbringen und jede U-Bahn Station erkunden. Die sind architektonisch einmalig. Nicht alle, aber viele. Und es ist billig, mit der Metro zu fahren. Solange man den Untergrund nicht verläßt, genügt ein Ticket. Und für 55 Rubel kann man da nicht jammern.

Metro in Moskau

Metro in Moskau

Gut, das wird dann vielleicht einmal ein eigener Bericht.

Den Bahnsteig der braunen Linie (M5) habe ich gefunden. Zwei Stationen bis zum Kursker Bahnhof. Die U-Bahn zieht an. Gefühlt erreicht sie ein teuflisches Tempo. Das macht richtig Spaß. Umfallen kann man auch nicht, weil die Züge immer dicht gedrängt und voll sind. Was will man mehr.

Am Kursker Bahnhof angekommen, verrät der Blick auf die Uhr, daß die schlimmsten Befürchtungen eingetreten sind. Mein Zug nach Wladimir ist weg. Ja, einfach weg, ohne Vorwarnung, ohne Nachricht, ohne Rücksicht auf meine aktuelle Situation. Es waren nur 15 Minuten, die ich mich verspätete habe. Die berühmte akademische Viertelstunde. Ich habe mich versichert und am Bahnsteig nachgeschaut. In Rußland wird darauf keine Rücksicht genommen. Der Zug fährt planmäßig und Ende der Diskussion.

Etwas enttäuscht und vermutlich blöd aus der Wäsche blickend, gehe ich in die Schalterhalle. Das alte Ticket in der Hand, den Koffer im Schlepptau. Ich steuere den nächstliegenden Schalter an. Es war der Schalter mit der Nummer 60. Die Dame dort verwies mich nach meiner Gestik weiter „na sprawa“. Die Dame im „sprawa“ Schalter, er hatte die Nummer 54, hat mich erstmal an 53 verwiesen und 53 dann an 51. Na gut, die liegen ja nebeneinander. Wieder bemüht, mein Anliegen nach einem neuen Ticket und einer neuen Abfahrtszeit deutlich zu machen, schickte sie mich „na sprawa“ . Ich kam in eine neue Halle, in der die restliche Schalter waren. Zielstrebig steuerte ich auf einen zu. Da spricht mich ein freundlicher Russe an. Etwas Englisch und Russisch – und schleppt mich zu einem dieser Ticketautomaten, die es hier haufenweise gibt. Das ist eine eigene Geschichte und kann übersprungen werden. Tatsache ist aber, ich habe eine neue Fahrkarte für den Zug um 20.20 Uhr bekommen, wenn auch für einen Preis, der locker eine Taxifahrt nach Wladimir ermöglicht hätte. Vielleicht sogar mit Rückfahrt. Ich sehe das locker. Hätte auch schlimmer kommen können.

Jetzt habe ich noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt. Erschöpft und doch zufrieden und froh gehe ich in eine Kneipe und trinke in Ruhe ein Bier. Keine Schleichwerbung an dieser Stelle, aber ein Baltika Nr. 7 ist nicht zu verachten. Löscht den Durst, schmeckt und erfrischt.

So gestärkt und erwartungsvoll harren wir der Fortsetzung des Reiseberichts hier im Blog.

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Fast von Beginn ihrer Gründung vor mehr als 20 Jahren an begleitet Erlangen die Selbsthilfeorganisation „Swet“ von Familien mit behinderten Kindern. Alles hatte mit der Spende von Siemens-Hörgeräten für inklusiven Schulunterricht, vermittelt vom Kinderschutzbund Erlangen, und entwickelte sich zu einem umfassenden Projekt von der gezielten Förderung bestimmter Projekte bis zur Überschreibung eines ganzen Grundstücks durch die Stiftung „Lichtblick“ zur weiteren Verwendung durch die Wladimirer Elterninitiative. Besonders wichtig dabei, laut dem Ehepaar Jurij und Ljubow Katz, die als Gründer der Organisation diese bis heute mit weltenversetzender Energie leiten, nicht nur die materielle Unterstützung, sondern vor allem die inhaltliche Zusammenarbeit, die fachliche Anregung, der Wissenstransfer.

Elisabeth Preuß und Ljubow Katz

Elisabeth Preuß und Ljubow Katz

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß will bei keinem ihrer Besuche in Wladimir ein Treffen mit den Kämpfern für Teilhabe und Integration missen, kennt das Begegnungs-, Beratungs- und Therapiezentrum „Mischutka – Der kleine Meister Petz“ mit seinem „Erlangen-Saal“ seit dessen Entstehung mit Unterstützung aus der Partnerstadt, und ist doch immer wieder überrascht von den erstaunlichen Erfolgen. Erst vor kurzem ist es beispielsweise gelungen, die Zahl der Kinder, die an der Pferdetherapie teilnehmen können, auf einhundert zu erhöhen.

Elisabeth Preuß

Ljubow Katz, Elisabeth Preuß und Jurij Katz mit einer Eltern-Kind-Gruppe im „Erlangen-Saal“

Längst sind die Kinder aus den Anfangsjahren erwachsen, ihre Eltern älter und möglicherweise selbst schon pflegebedürftig geworden, wenn nicht gar verstorben. Deshalb die hatte man vor zwei Jahren – mit über die Partnerschaft vermittelten Zuschüssen des katholischen Hilfswerks „Renovabis“ – eine Wohnung für eine betreut-selbständige Gruppe junger Männer eingerichtet. So erfolgreich, daß dieses Projekt landesweit Schule macht – demnächst gründet sich eine derartige Initiative nach Wladimirer Vorbild auch in Tula – und russischen Fachleuten als Blaupause für geglückte Integration gilt. Erfolgreich aber auch in der Hinsicht, daß immer mehr Wladimirer die Arbeit unterstützen, wie etwa ein Monteur, der unlängst für die teuere Reparatur der Spülmaschine keinen Rubel verlangte.

Elisabeth Preuß mit Jurij und Ljubow Katz in der Wohngruppe

Elisabeth Preuß mit Jurij und Ljubow Katz in der Wohngruppe

Und schon ist ein nächster Schritt in Planung: Das Grundstück der Stiftung „Lichtblick“ in Barskoje Gorodischtsche, von Wladimir auf halbem Weg nach Susdal gelegen, ist bereits vermessen, demnächst soll ein Zaun um das Gelände gezogen werden, und dann könnten im nächsten Jahr schon die Bauarbeiten für ein Erholungsheim für Eltern mit behinderten Kindern beginnen, ein Projekt, das die Partnerschaft noch einige Zeit begleiten wird, zumal Jurij Katz zu dessen Umsetzung wieder auf die inhaltliche Unterstützung der Erlanger Freunde von der WAB Kosbach, dem Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, der Barmherzigen Brüder Gremsdorf und all der anderen Organisationen hofft – und wohl auch auf die eine oder andere Spende. Vor Ort jedenfalls ist man schon fleißig dabei, Anträge für Zuschüsse auf lokaler wie regionaler Ebene zu stellen.

Manfred Kirscher, Jürgen Zeus, Herbert Mainka, Irina Chasowa, Herbert Lerche, Elisabeth Preuß und Dieter Kümpers

Manfred Kirscher, Jürgen Zeus, Herbert Mainka, Irina Chasowa, Herbert Lerche, Elisabeth Preuß und Dieter Kümpers

Als die Erlanger Delegation gestern gegen Mittag die Heimreise antrat, war man sich denn auch in einem einig: Man hat viele Freunde hinzugewonnen, die Freundschaft mit alten Bekannten vertieft und nun auf vielen Gebieten neue Kooperationen und Projekte angeregt, die der Partnerschaft zusätzliche Schubkraft geben werden. Was kann man sich mehr von einer solchen Reise erwarten! Gerade in diesen Zeiten… Jurij Katz meinte denn auch anerkennend: „Ein großartiges Zeichen habt Ihr da mit Eurem Besuch zum 75. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion gegeben, ein Zeichen, wie es nur Freunde geben können.“

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Eine abwechselungsreiche Woche liegt vor mir, als ich mit Günther Allinger, Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder Gemsdorf, am 3. Oktober pünktlich um 15.15 Uhr am Moskauer Flughafen Domodjedowo ankomme. Wir wollten mit dem Zug nach Wladimir fahren und hatten geplant, den Zug um 20.05 Uhr zu nehmen. Doch alles geht überraschend schnell, schon nach 15 Minuten sind wir durch die Kontrollen, das Gepäck ist auch bald da, und wir erreichen den Airport-Express um 16.30 Uhr, der uns in die Stadt zum Pawelezkij-Bahnhof bringt. Zwei Stationen mit der Metrolinie 5, und wir sind am Kursker Bahnhof, wo wir noch den Schnellzug um 18.25 Uhr nach Wladimir erwischen.

Nach einem Sonntag bei Freunden auf der Datscha hatte ich dann Gelegenheit, Olga Dejewa zu treffen, die gerade zum neuen Stadtoberhaupt von Wladimir gewählt worden war. So wurde ich ihr erster ausländischer Besucher und konnte ihr Briefe mit Glückwünschen aus Erlangen, besonders von unserem Oberbürgermeister, Florian Janik, übergeben.

Olga Dejewa und Wolfram Howein

Olga Dejewa und Wolfram Howein

Ich traf sie allerdings in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Roten Kreuzes Wladimir, ein Amt, das sie im Frühjahr 2016 wegen der neuen politischen Aufgabe abgeben wird. Ich wollte mich über den Fortgang des Projektes „Ambulantes Hospiz“ informieren, das vom Erlanger Förderverein zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir gesponsort wird. Neben Olga Dejewa nahmen an dem Gespräch der Projektkoordinator, Wladimir Prosor, eine Mitarbeiterin des Krankenhauses Nr. 5 und zwei Pädagoginnen einer medizinischen Schule für Pflegeberufe teil, die auch die ehrenamtlichen Helfer für die Hospizarbeit ausbilden sollen. Wladimir Prosor berichtete über den Stand des Projektes. Weil Hospizarbeit im russischen Gesundheitswesen Neuland bedeute, sei es schwer, an potentielle Patienten heranzukommen.

Anders die Situation bei den Helfern. Von den 1.500 Studenten der medizinischen Schule haben sich bereits 60 Freiwillige gemeldet. Die beiden Pädagoginnen berichteten über ihre Arbeit mit den Ehrenamtlichen, wobei auch psychische Probleme im Umgang mit den Patienten und deren Familien zum Ausbildungsprogramm gehören. Diese jungen Leute machen keine umfassende medizinische Behandlung, sondern sie sollen vorwiegend soziale Hilfe für die Kranken leisten. Die medizinische Behandlungen sollen durch Kooperationsverträge mit den Kliniken abgedeckt werden, mit einer Klinik ein solches Abkommen bereits abgeschlossen. Mit viel Engagement wurde einiges erreicht, es bleibt aber noch viel zu tun. Die weitere Förderung durch den Erlanger Förderverein wird auch davon abhängen, ob es gelingt, zunehmend russische Sponsoren zu gewinnen.

Bei einem überregionalen, russischen Fachtreffen hat eine der Pädagoginnen das Projekt vorgestellt. Man ist der Meinung, Wladimir leiste mit diesem Projekt landesweit Pionierarbeit.

Ohne einen Besuch in unserem Kinder-Reha-Zentrum „Blauer Himmel“ ist eine Reise von mir nach Wladimir nicht denkbar. Günther Allinger und ich fuhren also nach Penkino, wo man sich gerade auf eine neue Gruppe von Kindern vorbereitete. Gemeinsam mit Wasilij und Marina, zwei der Pädagogen, konnten wir die Anlage besichtigen und aktuelle Problem diskutieren. Die beiden sind mit viel persönlichem Engagement dabei, die Anlage zu verschönern. Lebensgroße Tierfiguren, ein kleines Holzhaus, eine Bauernstube und anderes sind Bastelarbeiten, die mit den Kindergruppen angefertigt und in der Anlage aufgestellt werden.

Blauer Himmel

Blauer Himmel

Die Pädagogen erzählten auch über ihre Außenaktivitäten, z. B. Wanderungen in den umliegenden Waldgebieten mit interessanten und spannenden Aufgaben für die Kinder. Marinas Teilnahme an der Winteruniversität Erlebnispädagogik im Bayerischen Wald hat neue Ideen und Anregungen gebracht! Schließlich besichtigten und testeten wir die von den Erlanger Pfadfindern errichteten Stationen auf dem Erlebnispfad. Kompliment, die Jungs aus Erlangen haben gute Arbeit geleistet!

Das Zentrum „Blauer Himmel“ ist jetzt fast sechs Jahre in Betrieb, trotzdem gibt es immer noch etwas zu verbessern. In der für die kalte Jahreszeit so wichtigen Werkstatt fehlt es nach wie vor an Ausstattung und Werkzeugen, auch der Gemeinschaftsraum bedarf noch medialer Aufrüstungen. Schließlich kommt die Versorgung des Zentrums mit Material für Basteln und Werken immer noch zu kurz. Wir haben gemeinsam mit den Pädagogen eine Wunschliste erstellt, die aus noch vorhandenen Restspenden befriedigt werden soll.

Erlebnispfad im Blauen Himmel

Erlebnispfad im Blauen Himmel

Da der „Blaue Himmel“ als Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik in Penkino an der Kljasma seine dauerhafte Heimat gefunden hat, ist das vor mehr als zehn Jahren aus Spenden erworbene Grundstück – in einem Dorf zwischen Wladimir und Susdal an der Nerl gelegen – nicht mehr nötig. Das Grundstück sollte daher an die Elterninitiative Swet übertragen werden (der Blog berichtete schon mehrfach über diese Organisation). Ein Grund für unsere Reise, bei der wir die Besonderheiten der russischen Bürokratie, noch verstärkt durch die Behandlung in zwei Sprachen, kennenlernen konnten. Protokolle von Besprechungen und Beschlüssen, Übergabeverträge und Kopien der Pässe wollten ins Russische übersetzt und mit zahlreichen Unterschriften und Stempeln vor den Augen einer Notarin versehen werden. Mit diesen Dokumenten konnten dann Ljubow Katz (als Vorsitzenden der Elternvereinigung Swet) und Günther Allinger (als Vorsitzender der Stiftung Lichtblick) das Übergabeprotokoll unterzeichnen. Inzwischen wurde das Grundstück rechtsverbindlich der Elterninitiative überschrieben, wie der Blog bereits am 29.10. berichtete.

Swetlana Schelesowa und Günther Allinger

Swetlana Schelesowa und Günther Allinger

Wie bei fast allen meinen Reisen hatte ich auch diesmal wieder Gelegenheit, mich in die Sprachkurse des Erlangen-Hauses einzubringen. Es gab sehr interessante und lange Diskussionen über die aktuelle Lage mit viele Fragen über Deutschland und unsere Situation mit den vielen Flüchtlingen aus moslemischen Ländern. Auch viele Russen sehen vor dem Hintergrund all der Ethnien in der Kaukasus-Region den Islam als Bedrohung.

Schließlich hatte ich noch tiefergehende Gespräche über die Situation des Erlangen-Hauses. Trotz eines Rückgangs der Teilnehmer an den Sprachkursen können wir wirtschaftlich ein ausgeglichenes Ergebnis für das Jahr 2015 erwarten. Hilfreich dabei im Hotelbetrieb nach wie vor eine zu erwartende Auslastung von mehr als 50 %.

Wolfram Howein

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Am Ende ihres Besuchs hatten Olga Andrijenko und Marina Goljakowa, die Leiterin und die Chefpädagogin des Blauen Himmels, versprochen, noch einen Bericht über ihre Erfahrungen zu schreiben. In Ergänzung zu dem Blogeintrag http://is.gd/yIqK7X hier nun also die Rückschau der beiden:

Mit großem Interesse und viel Vorfreude haben wir die Einladung zur Teilnahme an der Winteruniversität 2014 der Organisation Erlebnistage im Bayerischen Wald angenommen. Ziel unserer Reise war es, die Methoden der Erlebnispädagogik kennenzulernen, und die ganzen zehn Tage unseres Aufenthaltes in Bayern über befanden wir uns im Zustand der Verwunderung und Begeisterung angesichts all dessen, was wir zu sehen bekamen.

Stephan Reichert mit seinem Team: Mit sich selbst im Grünen sein.

Christoph Reichert mit seinem Team: Mit sich selbst im Grünen sein.

Wir besuchten die WAB Kosbach, die für Wohnen, Arbeiten und Betreuung steht, und wo sich Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen wie zu Hause fühlen, Mut fassen, bestehende berufliche Fähigkeiten bewahren und neue erwerben, dank derer sich ihre Lebensqualität verbessert, wo aber auch der Gedanke einer umfassenden Inklusion in das Gemeinwesen gelebt wird. Die Mitarbeiter der WAB Kosbach sehen sich dem Prinzip verpflichtet, wonach sich die Persönlichkeit eines Menschen in der Interaktion mit der sozialen Umgebung herausbildet. Wenn nicht schon in den ersten Lebensjahren die richtigen sozialen Verbindungen hergestellt werden, ist ein wichtiger Faktor für das spätere Entstehen von psychischen Erkrankungen gegeben.

Regelrecht bezaubert hat uns Christoph Reichert, der Leiter der „Grünen Zone“ der WAB Kosbach. Er zeigte uns, welch große therapeutische Bedeutung die körperliche Arbeit in der Natur hat. Wir würden ihn sehr gern einladen, um uns bei der Gestaltung unserer Außenanlagen zu beraten.

Die gewaltige Energie, die der Leiter der WAB Kosbach, Jürgen Ganzmann, ausstrahlt, hat uns schlichtweg überwältigt. Wir überzeugten uns von seinem aufrichtigen Interesse an der weiteren Entwicklung des Kinderzentrums in Penkino. Jürgen gab uns viele Ratschläge zur Verbesserung unserer Arbeit, vor allem die Anregung, in die Therapie auch Tiere einzubeziehen. Anfangs Hühner, um die sich in der warmen Jahreszeit die Kinder selbst kümmern können, und die im Dorf überwintern könnten. Eine Zusammenarbeit mit den Einwohnern des Dorfes Penkino zu organisieren, um sich gegenseitig zu helfen, ein weiterer wichtiger Faktor für die soziale Integration unserer psychisch kranken Kinder. Die regelmäßige Durchführung von Tagen der offenen Tür.

Werkstätte der Barmherzigen Brüder Gremsdorf

Werkstätte der Barmherzigen Brüder Gremsdorf

Auf dem Programm standen auch die Einrichtungen der Barmherzigen Brüder Gremsdorf. Schwerkranke Menschen, die unter anderen Umständen wohl nur noch ein vegetatives Leben führen könnten, hier aber durchaus in die Marktwirtschaft einbezogen sind. Zum Produktionssortiment in Gremsdorf gehören Keramik, Kunstgewerbe, Stoffe, aber auch Verpackungen und Einzelteile, Dinge die man zum Teil auch im eigenen Laden oder über das Internet kaufen kann. Es gibt hier verschiedene Abteilungen: Wohngruppen, Teams für Arbeitstherapie, Werkstätten. Wir konnten sowohl in den künstlerischen Werkstätten sehen als auch in der Arbeitstherapie und in der Aufnahmediagnostik das Geschehen beobachten. Wir sahen, wie man einfache Materialien aus der Natur zur Herstellung von ausgesprochen interessanten Gegenständen verwenden kann. Einen kleinen Webstuhl für unsere Kinder haben wir gleich mitgenommen.

WaldkindergartenDer Besuch des Waldkindergartens und der Jugendfarm hat uns regelrecht überwältigt. Hier hat das Wort, alles Geniale sei einfach, seine volle Berechtigung. Die Jugendfarm ist eine ganz in die Natur integrierte Einrichtung, eine Ort der Entspannung, ein Spielplatz und eine Anlage zur Tierhaltung, gedacht für alle Kinder von sechs bis sechzehn Jahren ebenso wie für alle interessierten Erwachsenen. Unabhängig von sozialer Herkunft, religiöser Ausrichtung oder Gesundheitszustand können die Besucher hier die Zeit in der Natur und in der Gesellschaft von Tieren verbringen. Ziel ist die Einübung von sozialen Regeln, die Erlangung von Selbstsicherheit, von Toleranz und Verantwortungsgefühl, also die Schaffung von Möglichkeiten für eine „nachhaltige Entwicklung“. Die Kinder kümmern sich um die Ziegen, Schafe, Esel, Pferde und Vögel, haben die Möglichkeit, „Piratenschiffe“ zu bauen und Höhlen sowie Lager zu bauen. Alles mit Hilfe von richtigen Sägen und anderem Werkzeug zur Herstellung von „Kunst im Wald“. Die Präsenz von Tieren wirkt psychotherapeutisch auf die Kinder, vermindert Ängste und reduziert nervliche Anspannungen. Etwas, das besonders wichtig ist in der Arbeit mit geistig behinderten Kindern. Denn hier wird vermittelt: Nur dann, wenn ich mich selbst spüre und erlebe, kann ich auch ein Empfinden für andere entwickeln.

Hin und weg waren wir vom Waldkindergarten. Etwas in der Art gibt es bei uns einfach nicht. Es handelt sich dabei um „Naturpädagogik“ in Reinkultur. Es ist ja allgemein bekannt, welche Qualität die Natur für die psychologisch-pädagogische Arbeit besitzt, über welches erzieherisches Potential sie verfügt, welche gewaltigen Kräfte sie bei der humanistischen Entwicklung junger Menschen sie entwickelt. Doch im Waldkindergarten kommt noch die „Musik der Natur“ hinzu: der Gesang der Vögel, das Rauschen der Bäume, das Murmeln eines Baches – und das alles im Zusammenspiel mit reiner Luft, dem besonderen Mikroklima, der Schönheit der Landschaft, der Verschiedenheit der Farben und Gerüche. All das weckt in den Kindern kreative Energie. Es kommt zur einer unmittelbaren Interaktion der Kinder mit der Natur, etwas, das hilft, emotional teilzuhaben am Dasein anderer Lebewesen, an Naturprozessen und eins zu werden mit der Natur. Das wiederum schafft die Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung der Persönlichkeit, für eine klare Ausrichtung auf Ziele, für ein ausgezeichnetes Sozialverhalten. Diese besondere Atmosphäre der Wechselbeziehungen von Kind und Natur bietet, wie wir sehen konnten, einen ganzen Schatz an erzieherischen Funktionen.

JugendfarmHier ist es an der Zeit, besonders Wolfram Howein zu danken, der uns nicht nur mit väterlicher Sorge betreut und für uns das Arbeitsprogramm wie auch die Ausflüge nach Nürnberg und Bamberg organisiert hat, sondern sogar als Sponsor unserer Tage in Franken und im Bayerischen Wald in Erscheinung getreten ist. Dank ihm haben wir nichts Geringeres als ein Märchen erlebt. Städte, die uns mit ihrer edlen Seele in ihren Bann schlugen, uns gastfreundlich aufnahmen, uns mit großartiger Architektur im Stil der Gotik beeindruckten wie St. Sebald in Nürnberg oder im Übergang von der Romanik zur Gotik wie im Bamberger Dom, uns in ihren kleinen und gemütlichen Gasthäusern bewirteten, um nur einige Andeutungen zu machen.

Marina Goljakowa (liegend) mit Olga Andrijenko und Jekaterina Tscherepanowa

Marina Goljakowa (liegend) mit Olga Andrijenko und Jekaterina Tscherepanowa

Die Winteruniversität der Erlebnistage im Bayerischen Wald machte uns schließlich diese alternative Pädagogik greifbar. Wir versuchten, nur ja nichts auszulassen, alles mitzumachen, gleichzeitig Kinder und Erwachsene zu sein, immer bereit, alles zu reflektieren, was mit uns vorging. Wir bauten Skulpturen aus Schnee, färbten eine Schneestadt, nahmen teil an der Eröffnung der Schneestadt. Wir beteiligten uns an verschiedenen sozialen Spielen im Wald, legten tapfer eine Bergtour auf Schneeschuhen zurück, verbrachten eine Nacht im Schlafsack. Und wir nutzten die Gelegenheit zum Gespräch mit den Studenten, erlebten ihr Interesse an uns, ihre Fürsorge für uns. Dies alles war zutiefst anrührend. Im Ergebnis sind wir überzeugt, daß die Erlebnispädagogik etwas wirklich Wirksames sein kann, eine Methode, die jedem die Möglichkeit gibt, im Team zu agieren, anderen zu vertrauen, Verantwortung für seine Handlungen gegenüber anderen zu tragen. Denn alles vollzieht sich stets in der Gruppe.

Wir sind begeistert und mit funkelnden Augen nach Hause zurückgekehrt. Es ist halt doch immer besser, die Dinge einmal selbst gesehen zu haben, viel besser, als sie nur vom Hörensagen zu kennen. Und allemal besser, wenn man alles auch noch an sich selbst ausprobieren kann, wenn man sein eigenes Berufsbild auch einmal gespiegelt in einem anderen Land erlebt. Wir werden nun unbedingt versuchen, das in unsere Alltagsarbeit einzubauen, was wir gesehen und gelernt haben. Und wir möchten unbedingt regelmäßige Kontakte zu den Fachleuten aus der Erlebnispädagogik in Deutschland, einen Austausch mit unseren deutschen Kollegen in unserem Kinderzentrum.

Jekaterina Tscherepanowa, Marina Goljakowa und Olga Andrijenko mit Jürgen Ganzmann und Wolfram Howein

Jekaterina Tscherepanowa, Marina Goljakowa und Olga Andrijenko mit Jürgen Ganzmann und Wolfram Howein

Einige Projekte wollen wir nun schon in nächster Zeit umsetzen – und zwar drinnen wie draußen. Drinnen sind das kleine Gewächshäuser an den Fenstern, ein Aquarium, ein Landschaftsfragment an der Wand, grüne Kompositionen aus Blumentöpfen, Vasen, einen Wintergarten sowie eine Ecke mit tropischen Gewächsen, ein Florilegium, einen Vogelbauer. Und draußen wollen wir ein Übungsgrundstück, Beete und Rasen, einen Obstgarten, einen Teich, einen Hühnerstall und einen Hügel anlegen. Schließlich haben wir vor, in unserer Werkstätte Nistkästen und Futterhäuschen für Vögel zu fertigen und eine Weberei einzurichten.

Danken möchten wir herzlich Peter Steger für die Einladung und seine große Anteilnahme an all unseren Problemen, für seine Hilfe bei unserer so angenehmen Reise nach Deutschland und seine Unterstützung bei all unseren Vorhaben. Richtig liebgewonnen haben wir Wolfram Howein und seine Gattin Inge für die elterliche Sorge um uns. Besonders zu danken haben wir Jekaterina Tscherepanowa, die für uns mehr als nur eine Dolmetscherin war, sondern die mit uns bei den Erlebnistagen alles mitgemacht hat, alle Mühen und Freuden. Sehr angenehm war auch die Bekanntschaft mit Nadja Steger, die sich seinerzeit den das Wesen unseres Kinderzentrums so genau treffenden Namen – Blauer Himmel – ausgedacht hatte.

Olga Andrijenko und Marina Goljakowa

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„Denn viele sind berufen, aber wenige auserwählt!“ Dieses Jesus-Wort schwingt mit, wenn man hört, was Olga Andrijenko, seit fast zwei Jahren ärztliche Leiterin des Blauen Himmels in Penkino bei Wladimir, und ihre pädagogische Mitarbeiterin, Marina Goljakowa, Bürgermeisterin Birgitt Aßmus von ihrer Arbeit zu berichten wissen. Die Finanzierung des nun seit Herbst 2008 bestehenden Zentrums für Natur- und Erlebnispädagogik, des bisher einzigen seiner Art in Rußland, sei zwar durch die Gouvernementsverwaltung gesichert, meinen die Gäste beim gestrigen Empfang im Rathaus, aber mit der personellen Ausstattung könne man noch nicht zu zufrieden sein. Nach dem Weggang von zwei Erzieherinnen suche man intensiv nahc Ersatz. Doch woher nehmen? Neben der eher bescheidenen Bezahlung grenzen die Wahl noch ganz andere Kriterien ein. Man könne für die anspruchsvolle Arbeit nämlich nur Bewerber nehmen, die bereit sind, sich in die Prinzipien der Erlebnispädagogik einzuarbeiten, ein gutes Gespür für die Bedürfnisse von Kindern mit psychischen Beeinträchtigungen und Behinderungen zeigen, Teamgeist beweisen und mit der zwar idyllischen, aber doch 35 km von Wladimir entfernten Lage der Einrichtung zurecht kommen. Der Pendelbus, von Erlanger Lions-Mitgliedern gespendet, hilft zwar, die Strecke zeitlich zu verkürzen, aber den Weg kann und will dann doch nicht jeder täglich auf sich nehmen.

Olga Andrijenko, Birigtt Aßmus, Marina Goljakowa und Wolfram Howein

Olga Andrijenko, Birigtt Aßmus, Marina Goljakowa und Wolfram Howein

Dennoch, die beiden Besucherinnen, kundig begleitet vom Projektbetreuer, Wolfram Howein, bleiben zuversichtlich, das personelle Problem lösen zu können, und sind schon nach ihrem ersten Tag in Erlangen überwältigt von den Eindrücken bei den Kollegen der WAB Kosbach, wo sie sich besonders von den Möglichkeiten des Gartenbaus bei der Therapie haben inspirieren lassen. Heute steht noch ein Besuch beim Projektpartner Barmherzige Brüder Gremsdorf auf dem Programm, übermorgen eine Besichtigung der Jugendfarm und des Waldkindergartens, bevor es eine ganze Woche zu der „Winteruniversität“ der Organisation „Erlebnistage“ in den Bayerischen Wald geht. Das zusammengenommen dürfte dann Anregungen genug bieten, um den Kindern im Blauen Himmel noch besser zu helfen, sich nach ihrer Behandlung wieder in Familie und sozialem Umfeld einzuleben. Dies auf ihre je eigene Weise zu unterstützen, sind alle berufen und auserwählt in diesem wohl wichtigsten Sozialwerk der Städtepartnerschaft.

Mehr zum Projekt „Blauer Himmel“ unter: http://is.gd/nhCP3g. Was die „Winteruniversität“ so alles bieten kann, ist hier nachzulesen: http://is.gd/hZiBSq

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Mit einem Konzert der musikalischen Extraklasse begeisterte das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir in der Einrichtung der Barmherzigen Brüder Gremsdorf. Swetlana Besotosnaja an der Violine, Alexander Schaposchnikow am Knopfakkordeon, Olga Besotosnaja an der Domra, einer russischen Laute, und Igor Besotosnyj an der Balalaika boten eine musikalische Darbietung auf höchstem Niveau.

Kammerensemble der Philharmonie Wladimir: Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Kammerensemble der Philharmonie Wladimir: Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Die mehrfache Preisträgerin und Stipendiatin, Swetlana Besotosnaja, brillierte an der Solovioline und fand die vollendete Balance zwischen handwerklicher Perfektion und emotionaler Intensität. Ob temperamentvoll oder melancholisch, voller Begeisterung oder voller Wehmut – die russischen Künstler präsentierten Musik in all ihren Facetten.

Swetlana Besotosnaja

Swetlana Besotosnaja

Als Eröffnung des Konzertes brachte das Quartett den ersten Satz aus Vivaldis „L´estro Armonico Concerto“ in a-Moll. Den Musikern gelang es, einen Klang zu erzeugen, der sich in seiner Fülle hinter einem großen Orchester nicht zu verstecken braucht. Auch der „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ war so ausgezeichnet interpretiert, daß bereits an dieser Stelle des einstündigen Konzertes die ersten Bravo-Rufe aus dem Publikum ertönten.

Swetlana Besotosnaja

Swetlana Besotosnaja

In reinster Form konnte die Interpretin ihr Talent an Bachs Solo-Violinsonate Nr. 1 in g-Moll präsentieren. Swetlana Besotosnaja bezauberte mit dem ihr ganz eigenen Ausdruck in einer klanglichen Mischung aus Sanftheit, Schwermut und vollendeter Schönheit.

Dorothee Lotsch

Dorothee Lotsch

Neben Werken der Klassik standen aber auch russische Volksweisen auf dem Programm, die in gewohnt schwungvoller Manier dargeboten wurden. Einen besonderen Teil des Konzertes bildeten drei Lieder der berühmten Schlagersängerin Alexandra, vorgetragen von Dorothee Lotsch, einer Sängerin aus Penzberg und Freundin des Kammerensembles. Mit „Tanz, alter Tanzbär“, „Sehnsucht“ und „Those were the days“ zollte sie ihrem großen Idol Tribut und versetzte so manchen Zuhörer in vergangene Zeiten zurück.

Swetlana Besotosnaja mit einem russischen Weihnachtslied

Swetlana Besotosnaja mit einem russischen Weihnachtslied

Nach einem in jeder Hinsicht gelungenen Konzert forderte das Publikum selbstverständlich eine Zugabe ein und wurde mit einem schwungvollen Potpourri aus russischer Feder belohnt.

Katrin Heinz-Karg

Virtuosen unter sich: Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Virtuosen unter sich: Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Dieser Konzertkritik ist nur noch der Hinweis auf die beiden letzten Auftritte des Ensembles in der Region hinzuweisen: Morgen, am 13. Dezember, spielen die Musiker aus Wladimir um 19.00 Uhr in der Jakobuskirche, Jakobusweg 3, in Lauf an der Pegnitz, und die kleine Tournee geht am Sonntag, den 15. Dezember, um 19.00 Uhr mit einem Konzert in der m&i-Fachklinik Herzogenaurach, In der Reuth 1, zu Ende. Ein Weg, der sich lohnt!

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Das Kammerensemble der Wladimirer Philharmonie – Kenner wissen, wovon die Rede ist, alle anderen können spätestens jetzt zu Kennern werden – kommt wieder nach Erlangen. Am Montag, den 9. Dezember tritt das Quartett unter Leitung von Igor Besotosnyj um 17.00 Uhr im Saal der Arbeiterwohlfahrt, Am Anger 2, auf und ist am Dienstag, den 10. Dezember um 16.00 Uhr in der Aula der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf zu hören.

Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow beim Konzert in Gremsdorf Dezember 2012

Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow beim Konzert in Gremsdorf Dezember 2012

Die Tournee, die mit Hilfe von Dorothee Lotsch auch nach Oberbayern und in weitere Städte Frankens führt, endet am Sonntag, den 15. Dezember, um 19.00 Uhr mit einem Auftritt in der m&i-Fachklinik Herzogenaurach. Auf ihren original russischen Instrumenten – Balalaika, Domra und Bajan in Begleitung einer Violine – interpretieren die in farbenfrohen Trachten gekleideten Musiker aus der Partnerstadt auf virtuose Werke der europäischen Klassik ebenso wie slawische Volkslieder und Weihnachtsweisen. Der Eintritt zu den Konzerten ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Mehr zum Ensemble unter Kammerensemble der Philharmonie Wladimir – Biografie und Kammerensemble der Philharmonie Wladimir 2013 sowie im Blog unter http://is.gd/gXd1Lx

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