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Posts Tagged ‘Barbara Wittig’


Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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Beide sind sie zum ersten Mal in Erlangen, und doch verbindet beide Gäste aus Wladimir eine lange und ganz persönliche Geschichte mit der deutschen Partnerstadt. Olga Antropowa brachte ihren Sohn 1994 zur Welt, als die russische Wirtschaft, insbesondere auch das Gesundheitswesen, am Boden lagen und die Aktion „Hilfe für Wladimir“ noch auf Hochtouren lief. Nicht einmal der Großvater des Jungen, der heute selbst Arzt ist, konnte als Leiter eines Krankenhauses helfen: Es gab einfach nirgends Babynahrung im Fall, daß Mütter nicht stillen konnten. „Wenn damals nicht die Hilfslieferungen aus Erlangen und das Bayerische Rote Kreuz gewesen wären… Wer weiß, ob ich den Kleinen durchgebracht hätte. Noch heute läuft es mir heiß und kalt über den Rücken, wenn ich daran denke“, erinnert sich die stellvertretende Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege und seit einem Jahr ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes Wladimir.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prochor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Wladimir Prochor ist seit 1965 mit dem Roten Kreuz in Wladimir verbunden und hatte eine Vielzahl von Leitungsfunktionen im Gesundheitswesen, später auch in der regionalen Verwaltung, inne. In den 90er Jahren allerdings, während der intensivsten Zeit der humanitären Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Erlangen-Höchstadt des BRK, war der gelernte Mediziner als stellvertretender Leiter des städtischen Gesundheitsamtes tätig und machte die ganzen Ausschreibungen für die Medikamente und Verbrauchsmaterialien, die vor Ort mit Spendenmitteln gekauft wurden, um sie dann an Wladimirer Krankenhäuser abzugeben. Seit fast zwanzig Jahren betreut Wladimir Prochor ehrenamtlich als Koordinator die Programme des Roten Kreuzes in der russischen Partnerstadt und steht nun Olga Antropowa als Stellvertreter zur Seite. Ein gutes Doppel, von dessen einwöchigen Arbeitsprogramm hier bald mehr zu lesen sein wird.

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Immer wieder ein Höhepunkt im Kalender der Städtepartnerschaft mit Wladimir: die alljährlich von Wolfram Howein in Zusammenarbeit mit dem Erlangen-Haus organisierten und geleiteten Bürgerreisen. Heute nun ein Rückblick von Barbara Wittig auf die diesjährige Tour im Spätsommer über Moskau, Wladimir und den Goldenen Ring bis nach Sankt Petersburg.

31. August: Voller Erwartung machte sich unsere kleine Reisegruppe, bestehend aus vier Ehepaaren und mir, auf, unter der erfahrenen Führung von Wolfram Howein einen kleinen Teil des großen Rußlands zu erkunden.

Am frühen Morgen vom Flughafen Nürnberg via Frankfurt ging der Flug nach Moskau / Domodedowo. Mit dem Airport-Express dann in ca. 45 Minuten zum Pawelezkij-Bahnhof, wo uns Irina Chasowa, Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses in Wladimir, erwartete, die uns auf dieser Reise begleitete und eine große Hilfe war. Mit der Metro erreichten wir dann in der Nähe der Metrostation Dynamo unsere Hotelanlage Petroff Palace, erbaut im 18. Jahrhundert für Katharina II als Zwischenstation für sie und ihre Gäste auf dem Weg von St. Petersburg nach Moskau und inzwischen großzügig renoviert.

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Petroff Palace

Den Nachmittag nutzen wir zu ersten Erkundungen mit gezückten Kameras um das Bolschoj-Theater und den Kreml herum.

1. September: Den Vormittag verbrachten wir bei schönstem Wetter in den wunderbaren, ausgedehnten Anlagen des großen Parks Kolomenskoje, wir besuchten auf einem Spaziergang durch den weitläufigen Komplex unter anderem eine rekonstruierte, hölzerne Zarenresidenz aus dem 17. Jahrhundert

Zarenresidenz Kolomenskoje

Zarenresidenz Kolomenskoje

und die Christi-Himmelfahrts-Kirche (1532) mit ihrem zeltförmigen Dach. Am Nachmittag buchten wir eine Besichtigungstour per Bus und bummelten später über den Arbat, Moskaus Fußgängerzone. Für den Abend hatten wir beste Karten für einen Zapfenstreich, der eine ganze Woche lang auf dem Roten Platz stattfand. Ein Spektakel mit mehr als 15 Militärkapellen aus dem ganzen Land und verschiedenen europäischen und asiatischen Staaten sowie einem großen Abschluß-Feuerwerk.

Feuerwerk über dem Roten Platz

Feuerwerk über dem Roten Platz

2. September: Heute konnten wir den Kreml mit seinen vielen alten Kathedralen und ungezählten goldenen Kuppeln besichtigen. Die Mittagspause in einem russischen Selbstbedienungsrestaurant im Kaufhaus GUM mußte sein, danach dann Besichtigung verschiedener Metro-Stationen mit ihren Marmorhallen und Kronleuchtern. Der Besuch des Ehren- und Prominentenfriedhofs Nowodewitschi rundete unseren Moskaubesuch ab. Am Nachmittag holte uns ein Bus ab und brachte uns in das Klosterstädtchen Sergijew Possad, wo wir in der Pilgerherberge übernachten konnten.

Sergijew Possad

Sergijew Possad

3. September: Besichtigung dieses bedeutenden Dreifaltigkeitsklosters mit seinen Kirchen- und Glockentürmen hinter hohen Festungsmauern, im 14. Jahrhundert gegründet. Zum Abschluß gab es ein Becherchen Kwas, eine ganz neue Erfahrung! Weiterfahrt nach Rostow Welikij, einem ehemaligen Fürsten- und Bischofssitz mit einem gut erhaltenen Kreml, wo wir auch das weithin hörbare Geläute der drei großen Glocken vernehmen konnten. Die ausgezeichnet englischsprechende Führerin machte uns mit der Geschichte vertraut. Die zwei Meter dicke, zwölf Meter hohe und 1,3 km lange Befestigungsmauer ist mit elf Türmen bestückt. Im Inneren der Anlage konnten wir drei Kathedralen und drei Kirchen mit sehr vielen schönen Zwiebeltürmen besichtigen, und in einer davon lauschten wir einem Gesangstrio.

russische Bewirtung

russische Bewirtung

Am späten Nachmittag erreichten wir Jaroslawl, wo wir für zwei Nächte Quartier bezogen.

4. September: Leider war das Wetter für unseren Bootsausflug auf der Wolga nicht ganz so schön, wurde aber besser für die Besichtigung der Elias-Kirche mit unserer sprachgewandten und temperamentvollen Stadtführerin Tamara. Das Gotteshaus ist voll von teilweise sehr gut erhaltenen Fresken, die das Alte Testament erklären, und einer riesigen Ikonenwand. Weiter ging es zum Christi-Verklärungs-Kloster, wo ein Musiker ein im Freien aufgehängtes Glockenspiel wunderbar zum Klingen brachte, und danach besuchten wir das Ikonenmuseum mit außergewöhnlichen Exponaten. Auch dort brachte ein Sängerquartett russische Lieder zu Gehör. Zum Abendessen waren wir im Kellerlokal eines historischen Gebäudes, wo wir mit verschiedenen Fischgerichten verwöhnt wurden, und als krönenden Abschluß gab es einen mit Meerrettich, Zitronensaft und anderen Geheimnissen angesetzten Wodka, sensationell! Davon mußte ich natürlich eine Flasche mitnehmen.

5. September: Der Bus bringt uns nach Kostroma und Pljos, einem bekannten Künstlerstädtchen an der Wolga. Unterwegs fallen mir viele Autos auf, die auf dem Standstreifen halten und auf ihre in den lichten Birkenwäldern nach Pilzen oder Beeren suchenden Insassen warten. Viele Pilze, eimerweise. Die können wir dann auf dem Markt von Kostroma (der Stadt der Romanows mit ihren Markthallen und dem Iwan-Susanin-Denkmal) bewundern: Steinpilze, Pfifferlinge, Moos- und Preiselbeeren und vieles andere. In Pljos machen wir eine kleine Wanderung oberhalb der Wolga entlang, kaufen geräucherten Fisch für das Abendessen ein, bevor wir nach Wladimir weiterfahren.

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Rostow Welikij

Im Erlangen-Haus beziehen wir für weitere zwei Nächte unsere Zimmer, nachdem wir alle herzlich begrüßt worden waren. Ein gemütliches Abendessen „zu Hause“ schloß sich an.

6. September: Das von Galina zubereitete Frühstück war überwältigend und überraschte uns mit einem herrlichen Soufflé. Mit unserem jungen Stadtführer erkundeten wir anschließend das Kloster im Wladimirer Vorort Bogoljubowo, machten einen Spaziergang zur Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche an der Nerl, ein Weltkulturerbe aus dem späten 12. Jahrhundert. In Wladimir selbst besuchten wir das Goldene Tor, das Stadtmuseum mit alten Erinnerungsstücken, die Mariä-Entschlafens-Kathedrale und alles, was sonst  in Wladimir wichtig ist. Zum Abendessen hatte Wolfram Howein Freunde der Partnerschaft in ein kaukasisches Lokal in der Nähe des Erlangen-Hauses eingeladen. Es wurde ein sehr schöner und fröhlicher russischer Abend.

Markthallen in Susdal

Markthallen in Susdal

7. September: Am nächsten Tag – wieder nach einem ausgiebigen, guten Frühstück – trennte sich die Gruppe: Die Kenner des Landes hatten eine Einladung auf eine Datscha, die kleine Gruppe der Neueinsteiger besuchte Susdal, leider bei etwas ungemütlichem Wetter. Auch hier wurden wir begleitet von einer sehr netten, ausgezeichnet deutschsprechenden Stadtführerin, die uns alle historischen Details, den Kreml, die Handelsreihen und die alten Klöster im Stadtgebiet näherbrachte und uns später zum Aufwärmen zu ihrem Geheimtip – einem kleinen, heimeligen Café – führte. Gut erhaltene Holzhäuser und eine alte Holzkirche im Freilichtmuseum konnten wir besuchen. Und es wurden dort selbstgefertigte Porzellan-Figuren und sehr schöner Schmuck angeboten. Unser Bus brachte uns dann rechtzeitig wieder zum Erlangen-Haus zurück.

Abends ging es zum Wladimirer Bahnhof, und im Schlafwagen schaukelten wir dann ab 23 Uhr in ca. 13 Stunden unserem Endziel, Sankt Petersburg, entgegen.

8. bis 12. September: Unser Hotel lag sehr zentral an der Fontanka, einem Nebenkanal der Newa. Von dort konnten wir fast überall hin zu Fuß gehen. Als erstes wurde eine Bootsfahrt unternommen, um einen Überblick vom Wasser aus von den Sehenswürdigkeiten zu gewinnen, die wir später an Land besuchen wollten. Nach dem Abendessen schauten wir noch auf dem Rückweg zum Hotel auf dem riesigen Schloßplatz mit der beleuchteten Ermitage und der Alexandersäule vorbei.

Sankt Petersburg

Sankt Petersburg

Die nächsten Tage brachten uns mit unserer Stadtführerin per Bus unter anderem in eine große Markthalle mit riesigem Angebot an teils unbekannten Genüssen, weiter wurde die Innenstadt erkundet. Wir besuchten einige wichtige Kirchen (die Peter- und-Paul-Kathedrale mit ihren Zarengräbern, die wunderschöne Christi-Auferstehungs-Kirche mit den bunten Fassaden und Zwiebeltürmen, die mächtige Isaaks-Kathedrale usw.). Beeindruckend überall, wie verschwenderisch die Kirchen in Gold schwelgen können. Ganz zu schweigen von der Sommerresidenz, dem Katharinenpalast, wo mir am besten die wunderbaren Einlegearbeiten der Fußböden gefielen. Das nachgebaute Bernsteinzimmer erschlägt einen, wobei die Arbeiten als solches natürlich zu bewundern sind. Ansonsten kann man schon eine „Goldallergie“ bekommen. Auch die ausgedehnten, sehr gepflegten Parkanlagen mit Galerien, Pavillons und Badehäusern zeugen vom ehemaligen Reichtum.

Nachmittags besuchten wir die Gemäldegalerie der Eremitage, wo einem die Augen übergingen ob der Masse an zum Teil unbekannten Werken großer Meister. Natürlich mußten wir auch unbedingt einige der spektakulären Metro-Stationen besichtigen, die von alter Marmorpracht zeugen. Der vorletzte Tag führte uns nach Peterhof mit seiner schönen, leider wegen der Aufbauten zur Jahresabschlußfeier der Wasserspiele etwas verschandelten Großen Kaskade und der großen Fontäne am Samsonbrunnen. Viele Besucher wollten das Spektakel sehen. Anschließend ein Spaziergang durch die ausgedehnten Gartenanlagen mit ihren versteckten Wasserspielen.

Wasserspiele in Peterhof

Wasserspiele in Peterhof

Als krönender Abschluß dieses Tages dann noch der Besuch des Winterpalastes, wo ich wiederum die wundervollen Mosaiken der Fußböden bewunderte. Vom Glanz des Goldes in allen Räumen ganz zu schweigen.

Der Abend fand uns dann in unserem „Stammlokal“ wieder, wo wir in sehr gemütlicher Runde die russische Küche ausprobierten.

Die Bürgergruppe mit Barbara Wittig, etwas verdeckt, dritte von links im Bild.

Die Bürgergruppe mit Barbara Wittig, etwas verdeckt, dritte von links im Bild.

Den letzten Tag nutzte jeder der Gruppe anders, um sich noch eigene Wünsche zu erfüllen. Gegen 15 Uhr trafen alle wieder im Hotel ein, und per Bus ging es zum Flughafen für die Heimreise. Eine sehr interessante, viel zu kurze Reise für so ein Riesenland ging leider zu Ende und hinterläßt bei mir bleibende Eindrücke. Vielen Dank dafür an Wolfram Howein.

                                                                                                      Barbara Wittig

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Fast genau drei Jahre ist es her, seit der Blog zum ersten Mal von Jurij Treguboff (1913 – 2000) berichtete – https://is.gd/sK53U1 -, jenem Schriftsteller, der einen großen Teil seiner Kindheit in und um Wladimir verbrachte, bevor die Wirren und Wehen der Revolution sein Leben in den Mahlstrom der Geschichte katapultierten und schier zwischen den Mächten der Politik zerrieben hätten. Eine Biographie wie aus einem Sittengemälde des vergangenen Jahrhunderts, festgehalten in vielen Romanen und Erzählungen, alle erschienen im Feuervogel-Verlag, vertrieben von der Witwe des Autors. Kennengelernt und auf die Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir aufmerksam gemacht hat Anita Treguboff bei einer Messe in der Heinrich-Lades-Halle Barbara Wittig, Mitglied des Fördervereins Rotes Kreuz. Der Rest ist rasch erzählt: Es lag nahe, vor allem Exemplare der literarischen Werke mit Wladimir-Bezug an eine Bücherei in der Partnerstadt abzugeben. Auf Vermittlung des Erlangen-Hauses entstand dann der Kontakt zur Wissenschaftlichen Regionalbibliothek, wo Olga Akimowa, Leiterin der Abteilung für fremdsprachige Literatur, die Bücher gerne in ihren Bestand aufnahm und in einen regen Austausch per E-Mail mit Anita Treguboff trat. Nun trafen sich die beiden vorgestern zum ersten Mal – natürlich in Erlangen, die eine aus Wladimir gekommen, die andere eigens aus Frankfurt angereist – und freuten sich besonders, auch Barbara Wittig zu sehen, die ja am Beginn dieser bemerkenswerten Verbindung stand.

Dolmetscherin Kristina Kapsjonkowa, Barbara Wittig, Olga Akimowa und Jutta Treguboff

Dolmetscherin Kristina Kapsjonkowa, Barbara Wittig, Olga Akimowa und Anita Treguboff

Einen ganzen Rucksack voller Bücher aus dem Nachlaß ihres Mannes, darunter Raritäten wie ein viersprachiges Lexikon, hatte Anita Treguboff für die Besucherin aus Wladimir mitgebracht, vor allem aber einen ganzen Nachmittag Zeit, um all das viele bisher noch Ungesagte endlich der Frau zu erzählen, die das Gedächtnis der frühen Heimat des Autors bewahren möchte. Da wurde vielleicht gestern vollendet, was Jurij Treguboff nur noch hatte anlegen können.

Anne Reimann und Olga Akimowa

Anne Reimann und Olga Akimowa

Bevor es heute in die Kloster- und Stiftsbibliothek Waldsassen und morgen schon wieder nach Hause geht, besuchte Olga Akimowa gestern noch einmal die städtische Bibliothek und holte die Besichtigung der Kinder- und Jugendabteilung nach. Hier fand sie nun endlich auch russischsprachige Bücher und Gelegenheit, ihre literarischen Geschenke an die Kollegin, Anne Reimann, zu überreichen, verbunden natürlich mit einer herzlichen Einladung zum Gegenbesuch in Wladimir. Wer weiß… Vielleicht wird da ja schon eine jener überraschenden Geschichten im Fortsetzungsband der Partnerschaft geschrieben. Wer so lange nicht warten will, lese einmal hier hinein: https://is.gd/tj83K1

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Christine Flemming, Leiterin der Volkshochschule, traf die Stimmung des gestrigen Russischen Abends im Club International, als sie meinte, diese Begegnungen seien dazu da, nicht nur mit den Gästen aus Wladimir einen schönen gemeinsamen Abschluß zu feiern, sondern auch Lust zu machen, einmal wieder nach Erlangen zu kommen. Und gekommen waren viele: die beiden je zwanzigköpfigen Gruppen aus dem Erlangen-Haus und vom Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaften, die Praktikantinnen von der WAB Kosbach, das Künstlerehepaar Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko, die Ärztefamilie Jewgenij, Olga, Natalia und Alexander Nikolajew… – von den Mitgliedern des Freundeskreises Wladimir und den Quartiergebern ganz zu schweigen.

Kein Sitzplatz mehr im Club International

Kein Sitzplatz mehr im Club International

Just bei dem, verantwortlich für die private Unterbringung und das landeskundliche Programm der Deutschkursteilnehmer aus dem Erlangen-Haus, bedankte sich Irina Chasowa für die gelungene Organisation und führte in Erwiderung auf die Worte von Christine Flemming sich selbst als überzeugendes Beispiel an: „Ich bin schon so oft wiedergekommen, daß ich gar nicht mehr mit dem Zählen nachkomme!“ – Und immer wieder gern und besonders zum zweiwöchigen Sommer-Deutschkurs der Volkshochschule Erlangen, so gern, daß sie dafür sogar Urlaub nimmt. Aber davon spricht sie nicht. Das gehört sich fast schon so als Herbergsmutter des Erlangen-Hauses.

Irina Chasowa

Irina Chasowa

Der Einladung zum Russischen Abend mit seinem bunten Vortragsprogramm folgten auch einige derer, die im Mai zum zwanzigjährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses mit Oberbürgermeister Florian Janik nach Wladimir gereist waren und spätestens seit dieser Fahrt wissen, welche unverzichtbare Rolle diese Residenz der deutsch-russischen Volksdiplomatie für die Städtepartnerschaft spielt.

Platz ist in der kleinsten Hütte

Platz ist in der kleinsten Hütte

Die nämlich, das hat Erlangens Stadtoberhaupt in unzähligen Begegnungen erlebt, hat eine erstaunliche Eigendynamik und kann längst nicht mehr „allein von den Oberbürgermeistern oder einem Mitarbeiter im Rathaus allein mit Leben erfüllt werden.“ Vielmehr seien es doch all die Ehrenamtlichen, die gerade in politisch kritischem Umfeld das segensreiche Geschäft der Verständigung betreiben, neue Projekte ersinnen und den Austausch fortsetzen.

Wolfram Howein, Irina Chasowa und Barbara Wittig

Wolfram Howein, Irina Chasowa und Barbara Wittig

Wie um die Worte Florian Janiks zu bekräftigen überreichten dann auch Barbara Wittig und Wolfram Howein vom „Förderverein Rotes Kreuz Wladimir“ an Irina Chasowa eine Spende in Höhe von 2.250 Euro für die Fortsetzung des Projektes „Häusliche Pflege“. Ein Betrag, der es Olga Dejewa, der Vorsitzenden des Roten Kreuzes Wladimir, ermöglichen wird, die Versorgung von schwerkranken Patienten weiterzuführen, solange es in der Partnerstadt noch kein Hospiz gibt.

Rolf Bernard und Florian Janik

Rolf Bernard und Florian Janik; im Hintergrund Claudia Gebele und Jutta Schnabel vom Orga-Team des BDKJ

Aber auch im Gespräch mit Rolf Bernard, der in seiner aktiven Zeit die Kontakte für das Erzbischöfliche Jugendamt nach Wladimir aufgebaut hat und jetzt ehrenamtlich das Projekt „Pilgerhaus“ für die Rosenkranzgemeinde betreut, erfährt Erlangens Oberbürgermeister, wie intensiv sich mittlerweile – dank ehrenamtlichem Engagement des Orga-Teams um Jutta Schnabel – die Kontakte im Zusammenspiel mit dem Bund der Katholischen Jugend, der Rosenkranzgemeinde und der Universität Wladimir gestalten. Und er sieht, was sich noch so alles „am Rande“ der Veranstaltung tut.

Jelena Jermakowa, Rainer F. Schulz und Jurij Iwatko

Jelena Jermakowa, Reiner F. Schulz und Jurij Iwatko

Da trifft sich der Künstler Reiner F. Schulz mit seinen Kollegen Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko, die mittlerweile die Skulptur „Das letzte Opfer“ in Tennenlohe fast fertiggestellt haben und nun hoffen, den Erlanger Kollegen bald einmal in ihrer Heimat begrüßen zu können.

Andrej Schebanow, Anna Igolkina, Willi Merz und Jekaterina Lytschagina

Andrej Schebanow, Anna Igolkina, Willi Merz und Jekaterina Lytschagina

Da löst Willi Merz sein spontanes Versprechen vom Mai des Jahres ein, die Reise von drei Preisträgern eines Wettbewerbs des Erlangen-Hauses mit einer Spende der Max-und-Justine-Elsner-Stiftung in Höhe von 1.250 Euro zu unterstützen – und kann sich bei der beklatschten Präsentation des Trios gleich davon überzeugen, wie sinnvoll dieses Geld angelegt ist.

Wolfgang Morell im Interview mit Tomix-TV

Wolfgang Morell im Interview mit Tomix-TV

Da nutzt das mit der Studentengruppe der Universität Wladimir angereiste Team von Tomix-TV die Gelegenheit, mit Wolfgang Morell, einem der allerersten deutschen Kriegsgefangenen in Wladimir, ein Interview zu machen. Als ein Teil eines auf viele Folgen angelegten Films über den Austausch zwischen den Partnerstädten.

Klaus Wrobel und Reinhard Beer

Klaus Wrobel und Reinhard Beer

Und da sind Klaus Wrobel und Reinhard Beer, die zu den Menschen gehören, ohne die, um mit Florian Janik zu sprechen, die Partnerschaft nicht zu dem geworden wäre, als was wir sie heute kennen und schätzen. Den beiden nämlich, dem ehemaligen Leiter der Volkshochschule ebenso wie dem heutigen Chef der Sprachenabteilung, ist es zu verdanken, wenn das Erlangen-Haus seit fast zwei Jahrzehnten so erfolgreich mit dem Goethe-Institut Moskau zusammenarbeitet.

Reinhard Beer und ein Siegerquartett aus Wladimir

Reinhard Beer und ein Siegerquartett aus Wladimir

Und da sind natürlich die Hauptakteure, die Gäste aus Wladimir, die am Morgen eine Stadt-Rallye zu absolvieren hatten mit 20 durchaus kniffligen Fragen zu Geschichte und Gegenwart Erlangens, vom Nürnberger Tor bis zum Pauli-Brunnen, vom Markgrafen Christian Ernst bis zur Sophienkirche der Ritterakademie. Ohne Helferlein aus dem Internet! Nur durch Erkundung, Nachfrage, dank Teamgeist. Wer gewonnen hat, ist dabei weniger wichtig. Es galt allein, Erlangen zu entdecken, Lust zu bekommen, um nochmals Christine Flemming aufzugreifen, wiederzukommen in die Partnerstadt.

Leni Plack, Marina Gedina und Leonhard Plack

Leni Plack, Marina Gedina und Leonhard Plack im Febraur 2013

Einer freilich war gestern nicht da. Er mußte bereits wegen einer bevorstehenden Operation seine Teilnahme an der Reise nach Wladimir im Mai absagen. Leonhard Plack, der zur Kerntruppe der Monteure am Erlangen-Haus um Helmut Eichler gehörte, ist im Alter von 78 Jahren am vergangenen Sonntag verstorben und wird heute zu Grabe getragen. Irina Chasowa, die er besonders in Herz geschlossen hatte, wird seinem Sarg im Trauerzug folgen. Kein Thema für Mikrophon und Bühne. Aber da ist einer gegangen, ohne den die Partnerschaft auch nicht zu dem geworden wäre, als die wir sie heute kennen und schätzen. Leo war gestern nicht da. Er wird uns nun immer fehlen!

Siehe auch: http://is.gd/GE3ZRd

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Die Städtepartnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen ist geprägt von herzlicher Freundschaft und intensivem Austausch. Fast jede Woche macht sich eine Gruppe auf den Weg von der Kljasma an die Regnitz oder umgekehrt. Wegen der engen Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung in sozialen Belangen und nicht zuletzt wegen der großen Aufgabe Inklusion, vor der beide Kommunen stehen, fahre auch ich mehr oder weniger regelmäßig nach Wladimir.

Schwimmer aus Wladimir beim 20. Röthelheim Cup mit ihren Betreuerinnen Olga Poljakowa und Irina Pawlowa sowie mit den Gastgebern Sigrid und Wolf-Dieter Thiel

Schwimmer aus Wladimir beim 20. Röthelheim Cup mit ihren Betreuerinnen Olga Poljakowa und Jelena Fomina sowie mit den Gastgebern Sigrid und Wolf-Dieter Thiel

Diese Reise im Dezember 2014, das ist ganz klar, war anders als alle anderen Reisen zuvor. Die Frage nach dem „Warum?“ der Sanktionen und Berichte über Auswirkungen des Embargos zogen sich wie ein roter Faden durch die Gespräche mit Kollegen wie Freunden. Die Atmosphäre zwischen der großen Russischen Föderation und der kleinen Bundesrepublik Deutschland hat sich in den letzten Monaten verändert. Der Rubel fällt, importierte Ware verteuert sich. Für die Wladimirer wird sie unerschwinglich, dem deutschen Produzenten oder Exporteur fehlen die Kunden. Schon im Sommer wurde der holländische Markt mit Gemüse überschwemmt, das Moskau nicht mehr ins Land ließ, die Preise fielen, für so manchen Gemüsebauern eine finanzielle Talfahrt, die so manchen von ihnen an den Rand der Insolvenz brachte. (Amateur-)Kulturgruppen, die zu Tourneen nach Westeuropa aufbrechen wollten, können dies nicht mehr tun, da die Flugpreise um 30% oder mehr angestiegen sind. Das kann der normale Bürger sich nicht mehr leisten. Diese Kunden fehlen unseren Hotels, Gaststätten, Geschäften. Auch hier Schaden auf beiden Seiten.

Kammerensemble der Philharmonie Wladimir: Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow auf der Waldweihnacht

Kammerensemble der Philharmonie Wladimir: Swetlana und Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow auf der Waldweihnacht

Wie im Blog vom 8. Dezember beschrieben, werden Bildungsprojekte des Goethe-Instituts nicht mehr fortgeführt, weil russische Sponsoren auf einer „schwarzen Liste“ stehen; ein Schaden für Bildung, Spracherwerb und den Transfer von Kultur, für bewährte Beziehungen, für das Einüben des gegenseitigen Verständnisses. Dies Liste ließe sich noch fortsetzen. Getroffen von den Sanktionen werden letztlich Menschen wie „Sie und ich“, die mit der Ukraine nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Wird das Leid der Menschen in Donezk und Luhansk gelindert, wenn langjährige Beziehungen zwischen unseren Ländern eingefroren werden? Der Schaden ist immens. Umso wichtiger werden alle zivilgesellschaftlichen Kontakte, wie sie zum Beispiel Städtepartnerschaften pflegen. Ist sich Verteidigungsministerin von der Leyen klar darüber, was sie anrichtet, wenn sie im Frühling 2014 auf einer Tagung in den USA sagt, Moskau sei auf absehbare Zeit kein Partner mehr?

Das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir im Ratssaal der Stadt Erlangen

Das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir im Ratssaal der Stadt Erlangen

Viele, viele Deutsche, die freundschaftliche Bande zu Russen unterhalten, werden sagen: Für mich spricht sie nicht! Viele, viele deutsche und russische Zeitungsleser werden die Schwarz-Weiß-Malerei in vielen westlichen wie östlichen Medien hoffentlich durchschauen und die Freundschaften über die diplomatische Eiszeit hinüberretten. Alle politisch Interessenten sind aufgerufen, sich möglichst vielseitig zu informieren! Es gibt übrigens auch kritische russische Medien, wie die ‚Nowaja Gaseta‘ oder die englischsprachige ‚Moskau-Times‘, die Putin nicht verherrlichen, sondern versuchen, einen klaren Blick zu behalten.

Barbara Wittig, Robert Niersberger, Wolfram Howein und Melitta Schön

Barbara Wittig, Robert Niersberger, Wolfram Howein und Melitta Schön

Und so reise ich heute zurück nach Erlangen, einerseits besorgt, andererseits mit dem Willen, das Fundament der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir weiter zu festigen.

Dr. Elisabeth Preuß, Bürgermeisterin

Unterdessen bestätigen sich die verbindenden Worte von Elisabeth Preuß auch durch das Geschehen in Erlangen, wo die stete Arbeit am Fundament der Städtepartnerschaft ebenso fleißig fortgesetzt wurde. Zum 15. Mal in Folge hat nun schon die Schwimmschule Wladimir an dem seit 1994 immer am Nikolaus-Wochenende ausgetragenen Röthelheim Cup teilgenommen und unter den 25 Mannschaften – von München oder Eichstädt über Chemnitz bis nach Dortmund – wieder einen beachtlichen sechsten Platz erkämpft. Und nachdem nun endlich das eigene Schimmbad renoviert ist, können die Gäste, die gestern wieder zurückgereist sind, fest damit rechnen, im nächsten Jahr für den Schwimmverein Erlangen ein Turnier in Wladimir ausrichten zu können. Die Einladung wurde ausgesprochen und angenommen im Beisein von Oberbürgermeister Florian Janik, der übrigens auch selbst gern seine Bahnen schwimmt, hat also bereits amtlichen Charakter. Während die einen ins Wasser gingen, spielten die anderen, das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir, am 2. Advent auf der Erlanger Waldweihnacht, feierten am Montag den Geburtstag ihres Leiters, Igor Besotosnyj, der heuer auch sein 25jähriges Erlangen-Jubiläum begeht, und bereiten sich nun auf ihr Konzert im Isartreff, Isarstraße 12, am Freitag, den 12. Dezember, um 18.00 Uhr vor.

Kunsthandwerk von Swetlana Grigorjewa

Kunsthandwerk von Swetlana Grigorjewa

Ebenfalls am Montag  – ein besonderes Ereignis: Robert Niersberger, großzügiger Mäzen der Partnerschaft, unverzichtbarer Förderer des Erlangen-Hauses, das bis heute mit einem Kessel aus seinem Betrieb beheizt wird, und von 1999 bis 2014 tatkräftiger Vorsitzender des Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir, erhielt aus den Händen seiner Nachfolgerin im Amt, Melitta Schön, die Urkunde zur Ernennung als Ehrenvorsitzender. Wahrlich verdient, wie unter http://is.gd/aB4k8H nachzulesen. Schließlich ist noch zu vermelden, daß am Donnerstag, Freitag und Samstag am Ehrenamtsstand auf der Waldweihnacht von Soroptimist International, dem Service-Klub für berufstätige Frauen mit einer Depandance in der Partnerstadt, kleine Kunstwerke, gefertigt von Swetlana Grigorjewa aus Wladimir, verkauft werden. Natürlich für einen guten Zweck und ganz im Sinne von Elisabeth Preuß: zur Festigung des Fundaments der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir.

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Sehr geehrter Herr Üblacker,

zu Ihrem 65. Geburtstag gratuliere ich Ihnen im Namen des Stadtrates und ganz persönlich recht herzlich und verbinde mit meinen Glückwünschen auch die dankbaren Grüße meiner beiden Vorgänger im Amt, Dr. Dietmar Hahlweg und Dr. Siegfried Balleis.

Seit 1966 Mitglied des Roten Kreuzes und ab 1974 bis zu Ihrer Pensionierung 2011 Geschäftsführer und später Direktor des Kreisverbandes des BRK Erlangen-Höchstadt, haben Sie den Bereichen Medizin und Soziales, Rettungswesen und Ehrenamt unschätzbar wichtige Impulse gegeben. Wenn es in einer Zeitungsüberschrift heißt, Sie „haben getan, was zu tun war“, möchte ich dem hinzufügen, Sie haben mehr getan, als Sie hätten tun müssen. Und das haben sie gut getan, ob in der Seniorenarbeit oder bei der Anschaffung eines behindertengerechten Busses, ob bei ihren vielfältigen Bauaktivitäten oder der kontinuierlichen Entwicklung des Kreisverbandes zu einem der erfolgreichsten des Freistaates.

Barbara Wittig, Jürgen Üblacker, Melitta Schön und Robert Niersberger

Barbara Wittig, Jürgen Üblacker, Melitta Schön und Robert Niersberger

Von ganz besonderer Bedeutung ist auch Ihr Engagement im Bereich der Städtepartnerschaften. In Jena ist der Aufbau der Roten Kreuzes untrennbar mit Ihrem Namen verbunden und Ihre Feldküche bei der Verpflegung der Gäste nach der Maueröffnung vor 25 Jahren bleibt unvergessen. Die Aktion „Hilfe für Wladimir“ trug Ihre Handschrift und ungezählte soziale und medizinische Kontakte, die zum Teil bis heute gepflegt werden, gehen auf Sie zurück. Unbedingt nennen möchte ich Ihr segensreiches Wirken für das Rote Kreuz in Wladimir, stets unterstützt von Ihrer Frau, und Ihr einzigartiges Engagement für den Förderverein Rotes Kreuz Wladimir. Nicht von ungefähr wurden Sie ja bereits im Jahr 2000 vom Gouverneur der Region Wladimir mit der Ehrenmedaille für „Soziale Dienste“ ausgezeichnet und konnten dann 2002 für das Rot-Kreuz-Projekt aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau gemeinsam mit Brüne Soltau den 1. Preis für bürgerschaftliches Engagement entgegen nehmen.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Gesundheit, Glück und Zufriedenheit in der Hoffnung, auch in Zukunft in Erlangen, in der Metropolregion und in den Partnerstädten auf Ihren Rat und Ihre Erfahrung zählen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Dr. Florian Janik

Soweit der Gratulationsbrief von Erlangens Oberbürgermeister an einen Menschenfreund, dem Wladimir unendlich viel zu verdanken hat, mit dessen Namen das hohe Ansehen der Städtepartnerschaft untrennbar verbunden bleibt und der in seiner jetzigen ehrenamtlichen Rolle des Schriftführers im Förderverein für das Rote Kreuz Wladimir noch viel Gutes für die russischen Freunde zu tun bereit ist. Dem Schreiben sind deshalb nur noch der Dank und die besten Glückwünsche all derer aus Erlangen und Wladimir hinzuzufügen, denen Jürgen Üblacker in schwerer Zeit geholfen hat und die an seiner Seite den Dienst am Menschen verrichten durften. Mehr zu Jürgen Üblacker unter http://is.gd/nTkLDk

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