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Posts Tagged ‘Artjom Markin’


Jedes Sternchen, das am Pop-Himmel zu flackern beginnt, hält diesen meist gar nicht so denkwürdigen Moment in einem Videoclip von nun an bis in Ewigkeit fest. Dabei gibt es große Ensembles, wie etwa das Symphonieorchester Wladimir unter Leitung von Artjom Markin, von dem es bisher nur die eine oder andere Fernsehreportage gibt, aber kein in Szene gesetztes Zusammenspiel von Musik und Filmkunst. Das ist ab sofort mit einem fulminanten Entrée in dieses Metier anders, ganz anders. Denn in Zusammarbeit mit der Kreativ-Initiative „Leiter“, deren Wladimirer Winterprojekt der Blog dieser Tage bereits vorstellte, ist ein kleines Meisterwerk entstanden, das hier zu den Klängen des Walzers aus der Maskerade von Aram Chatschaturjan zu sehen ist: http://is.gd/JODfde – und hier nochmals der Link zur Himmelsleiter: http://is.gd/79bCTy

Goldenes Tor in Wladiimr

Goldenes Tor in Wladiimr

Doch damit nicht genug des Schönen: Weil heute der 4. Advent ist, hier als festliche Dreingabe ein Weihnachtsgedicht von Natalia Prokofjewa, die am Erlangen-Haus Deutsch lernt und den Bloglesern bereits als Dichterin bekannt ist:

Im Winter

Wenn ich manchmal das Wort „der Winter“ höre,
entsteht vor meinen Augen ein Bild:
Einst war in einer Höhle ein Kind geboren,
ein heller Stern erstrahlte froh und mild.

Gesandte fingen an zu beten,
verbreitend die gute Nachricht überall:
Messias kam, um diese Welt zu retten!
Das Jesuskind ist geboren mit hellem Schall.

Seit ehe und je wird die Geburt weltweit
von der Christenheit freudig begangen.
Wunder geschehen in der Weihnachtszeit
in allen Ländern, zu Ende ist das Bangen!

Als wahres Zeichen gilt der erste Stern,
um Kerzen am Heiligen Abend anzuzünden.
Die Kinder erwarten die Bescherung gern.
Beim Singen sind die Gläubigen verbunden.

Ein Tannenbaum als Symbol des Festes
steht schön geschmückt in jedem Haus,
auf jedem Festtisch gibt es da nur Bestes.
Danke, Christkind, Weihnachtsmann und Nikolaus.

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Lange Zeit war nichts mehr von ihm im Blog zu lesen, noch länger ist seine letzte Konzertreise mit dem Knabenchor nach Erlangen her. Aber das heißt noch lange nicht, daß es still um Eduard Markin geworden wäre. Zu den Stillen im Lande gehörte er ja nie – schon allein qua Profession, doch auch als vernehmlich für die Rechte und Belange der Kultur streitende Stimme kennt man den Gründer des „Theaters für Chormusik“ in Wladimir. 1985 war der Maestor erstmals mit seinem Kammerchor in Erlangen, und es sollten viele weitere Auftritte folgen, die Maßstäbe in der kulturellen Zusammenarbeit der Partnerstädte setzten. Eine Tournee Mitte der 90er Jahre kam sogar auf Initiative des damaligen Außenministers, Klaus Kinkel, zustande, der in einer Winternacht mit seinem russischen Kollegen, Andrej Kosyrew, einem Konzert in der Georgskirche gelauscht hatte. Beide Politiker sind mittlerweile im Ruhestand, das Gotteshaus wurde 2007 der Erzdiözese zurückgegeben, nachdem Eduard Markin dort 30 Jahre lang gewirkt hatte, und ein Jahr später verlor er wegen mutmaßlicher Dienstvergehen seinen Posten als Direktor des Zentrums für Chormusik, das seither sein Sohn Artjom als Leiter der Landesphilharmonie weiterführt. Doch schon damals prophezeite der 1941 geborene Dirigent, er werde zurückkommen, er werde sich nicht unterkriegen lassen. Nun meldet sich der vielfach ausgezeichnete Ehrenbürger Wladimirs mit einer Grußbotschaft über den Blog  an seine alten Freunde in Erlangen. 

Liebe Freunde,

gerne nutze ich die Gelegenheit, mich auf diesem Wege an Euch alle zu wenden. Erst unlängst waren wir in den USA, wo ich mein Projekt „Russische Musik in der amerikanischen Schule“ vorstellte. Dabei bereisten wir einen halben Monat lang verschiedene Städte und gaben in den dortigen Schulen einen halbstündigen Auftritt – mit Musik und Wort. In meinen begleitenden Worten zum Konzert sagte ich immer: „Junges Amerika, Ihr habt das junge Rußland vor Euch. Ihr solltet zusammenleben und Euch über Musik austauschen, nicht über Raketen.“

Eduard Markin

Eduard Markin

Ähnliche Konzerte schenken wir den Wladimirer Schulen.

Knabenchor von Eduard Markin.

Knabenchor von Eduard Markin.

Wir haben jetzt auch unser eigenes Gebäude mit drei Stockwerken. Im Erdgeschoß ein Vestibül und der Konzertsaal, im ersten Stock die Probenzimmer und auf der dritten Etage Unterrichts- und Büroräume. Monatlich geben wir zwei öffentliche Konzerte.  Mal mit dem Knabenchor, mal mit dem Mädchenchor oder dem Kammerensemble, das übrigens ebenfalls regelmäßig in Schulen auftritt.

Eduard Markin

Eduard Markin

Meine lieben deutschen Freunde, gern und in alter Freundschaft denke ich oft an Euch. Wir hatten es schwer in der letzten Zeit, aber wir haben uns durchgebissen und sind auferstanden aus der Asche. Wir freuen uns auf das dreißigjährige Jubiläum der Freundschaft unserer Städte und werden unseren geschätzten Gästen musikalische Geschenke bereiten. Bleibt gesund bis dahin! Ein langes Leben wünscht Euch Euer Eduard Markin mit seinen Chorkindern.

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Seit seinem Exodus aus dem von ihm gegründeten Zentrum für Chormusik im September 2010 (s. Eintrag im Blog http://is.gd/IytxOm) hat Eduard Markin die Hände nicht in den Schoß gelegt, sondern u.a. einen neuen Knaben- und Mädchenchor gegründet, für diese einen Träger in Form des städtischen Jugendbegegnungszentrums gefunden und vor allem die Ensembles im In- und Ausland zu neuen Höhen und zu höchster Anerkennung geführt. Nun hielt der Maestro dieser Tage die Zeit für gekommen, die Kommunalpolitik auf die besondere Situation seiner Kinderchöre hinzuweisen und um Unterstützung zu bitten. Doch, nehmen wir es vorweg, vergeblich, zumindest was die gewünschte Finanzierung anging.

Dabei bräuchte der Ehrenbürger Wladimirs vor allem eines: den juristischen Status einer außerschulischen Einrichtung, einer Musikschule. Bisher nämlich agieren die Chöre nämlich nur auf der Ebene von Singkreisen ohne eigenen Anspruch auf städitsche Finanzierung, ohne das Recht Abschlußdiplome auszustellen und stets, wie Eduard Markin vor dem Kulturausschuß mahnend ausrief, in der Gefahr, die Lehrkräfte zu verlieren, weil er sie nicht bezahlen könne. Das Chorstudio bietet dabei in der Tat eine achtjährige Ausbildung an und beschäftigt hochqualifizierte Dozenten. Noch.

Eduard Markin. Quelle: rusmusic.com.

Eduard Markin. Quelle: rusmusic.com.

Doch die Ausschußmitglieder erklären dem Künstler, es gebe genug andere Musikschulen, denen er sich anschließen könne, sein Studio sei nicht einzigartig, und Oberbürgermeister Sergej Sacharow meint gar, Eduard Markin solle sich doch wieder um eine Förderung durch das Gouvernement bemühen. Drei Millionen Rubel würde es nämlich die Stadt jährlich kosten, würde sie den Plänen des Musikers folgen. Geld, das dann anderen Einrichtungen fehlen würde, Geld, das der Haushalt Wladimirs derzeit nicht hergebe, auch wenn niemand die künstlerische Leistung in Frage stelle. Artjom Markin, Sohn und Nachfolger Eduard Markins im Amt des Direktors am Zentrum für Chormusik, der für die Kommunisten im Stadtrat sitzt und im Ausschuß für eine weitere Behandlung des Themas gestimmt hat, mutmaßt nun, hinter der Abfuhr könnte auch die Absicht stehen, das Gebäude, ein ehemaliges Kino, in dem die ausgegründeten Chöre Obdach gefunden haben, könne schon bald zum Verkauf anstehen.

Nach einem derartigen Nasenstüber und all den vohergehenden Kalamitäten würde wohl fast jeder andere den Bettel hinwerfen. Nicht so Eduard Markin. Von Niederlagen läßt er sich nicht unterkriegen. Und so heißt es, er stehe bereits mit der Regierung in Moskau in Verbindung, um seine Probleme auf höchster Ebene lösen zu lassen. Außerdem hoffe er auf die baldige Schaffung einer Russischen Chorvereinigung, unter deren Dach dann seine Ensembles Anerkennung und Förderung erfahren könnten. Daß da etwas dran ist, darf man getrost glauben. Denn „seinen“ Konzertsaal ließ er vor Jahren auch von Wladimir Putin und dem mittlerweile in Ungnade gefallenen und abgesetzten Oberbürgermeister von Moskau, Jurij Luschkow, mitfinanzieren. Und seine singenden Knaben begleiten auch schon mal den Präsidenten als Kulturbotschafter bei Auslandsreisen.

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Und wieder gibt es für die Kultur-Stadt Wladimir etwas zu feiern. Das Kammerballett „Gestus“ des Instituts für Kunst an der Staatlichen Universität hat beim 11. Allrussischen Wettbewerb junger Ensembles für modernen Tanz in Jekaterinburg die Goldmedaille gewonnen. Andrej Martschenkow, Inhaber des Lehrstuhls für Choreographie und Schauspiel am Institut und künstlerischer Leiter der Siegertruppe ist stolz und überglücklich:

Gestus auf der Bühne

Bei dem Wettbewerb handelt es sich um den einzigen, der unmittelbar in Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium durchgeführt wird. Hier allein schon Aufnahme zu finden, ist aller Ehren wert und zeichnet eine Gruppe aus. Auf unseren Schultern lag deshalb eine große Verantwortung bei der Vorbereitung, weshalb wir den ganzen September und den halben Oktober komplett der Vorbereitung auf dieses wichtige Ereignis widmeten. Hier treffen sich nämlich die besten jungen Truppen, die im Bereich des modernen Tanzes arbeiten, neue Richtungen von Contemporary-Dance und freie Plastik ausprobieren. „Gestus“ ist in der Sparte „Schautanz“ mit einer großen Suite nach Musik von Arturo Marquez aufgetreten. Außerdem hatten wir noch ein kleineres Stück dabei. Mit diesen beiden Arbeiten haben wir in den zwei Wettkampftagen alles gegeben und den ersten Preis erhalten.

Willkommensplakat für Gestus nach den Frühjahrssiegen

Angefügt werden soll, daß „Gestus“ bereits im Mai d.J. gleich vier Preise von internationalen Festivals nach Wladimir gebracht hat. Passend zum zehnjährigen Bestehen des Ensembles und sicher auch sehr zur Freude von Larissa Wyssozkaja, der Dekanin des Instituts, die im September die offizielle Delegation aus Erlangen empfangen hat und nun eine weitere Gruppe hat, die sie für eine Erlangen-Reise guten Gewissens empfehlen könnte.

Die Zauberwelt des Tanzes von Gestus

Unter http://is.gd/RTzlOe kann man eine Sequenz des Marquez-Stückes in Begleitung des Wladimirer Symphonieorchesters unter Leitung von Artjom Markin sehen und hören. Ein Muß für Tanzfreunde!

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Sergej Tanejew

Am 25. November beging man in Wladimir mit einem Festkonzert den 155. Geburtstag des Komponisten Sergej Tanejew. Der spätere Schüler von Peter Tschajkowskij und Lehrer von Alexander Skrjabin und Sergej Rachmaninow ist zwar bereits mit zehn Jahren nach Moskau gezogen, um am dortigen Konservatorium zu studieren und seine musikalische Laufbahn zu beginnen, aber Wladimir ehrt den großen Sohn der Stadt natürlich als einen der Ihren. Die Kindermusikschule Nr. 1 trägt seinen Namen und der Konzertsaal der Philharmonie. Rund um das Jubiläum veranstaltet die Partnerstadt ein Festival der Klaviermusik und lädt dazu auch einen Pianisten aus Erlangen ein, der sich bereits vor sechs Jahren mit einem umjubelten Auftritt – gemeinsam mit dem Wladimirer Philharmonieorchester unter Leitung von Artjom Markin – einen unvergessenen Namen gemacht hat. Seinen gelungenen Einstand hatte David Theodor Schmidt, von keinem geringeren ist hier die Rede, in Wladimir freilich schon 2003 zum 20jährigen Jubiläum der Partnerschaft.

David Theodor Schmidt

Gestern gab der ehemalige Schüler des Christian-Ernst-Gymnasiums, das einen so fruchtbaren künstlerischen Austausch mit Wladimir unterhält, in St. Markus ein Benefizkonzert zugunsten des Diakonischen Zentrums Erlangen-Büchenbach (schon das zweite dieser Art) und wurde vor der Pause mit dem Kulturförderpreis des Regierungsbezirks Mittelfranken ausgezeichnet. In ihrer Laudatio wies Karin Knorr, stellvertretende Landrätin, in der gut besuchten Kirche voller Begeisterung auf die großartigen Erfolge des Pianisten hin, konnte aber natürlich nicht alle Kritiken zitieren, die David Theodor Schmidt schon vor Jahren einen Weg in den musikalischen Himmel vorausgesagt hatten. Deshalb hier ein Auszug aus einem Artikel der Wladimirer Zeitung Molwa vom 5. April 2005:

David Theodor Schmidt

Seinem Aufführungsprogramm nach zu urteilen, scheut David nicht vor Schwierigkeiten auf seinem künstlerischen Weg zurück. Das romantische Klavierkonzert Schumanns erklang (im ausverkauften Saal) mit Tiefgang und geistiger Reife. Dem Künstler gelang es großartig, den Sinn des Werks offenzulegen. Ungeachtet einer gewissen Befangenheit bei der Ausführung des ersten Konzertsatzes, erklang die Kadenz farbig und virtuos. Bezaubernd und mit Humor wurde der zweite Satz vorgetragen, und im dritten schließlich zeigte David seine hohe Kultur als Pianist, seine Reife, seine glänzende Technik und Vielfalt pianistischer Ausdrucksmöglichkeiten.Im Anschluß an den Auftritt in Wladimir spielte David Theodor Schmitt im Moskauer Tschajkowskij-Konservatorium, dem russischen Tempel der Klaviermusik. Der damals gerade erst einmal 22jährige Künstler erhielt dort so etwas wie den Ritterschlag, als seine Kollegin Tatjana Rubina ihm eine ausgeprägte Individualität und ein ganz eigenes Gesicht attestierte, um dann fortzufahren: „Die sorgfältige Behandlung des Klangs, die großartige Phrasierung und Inspiration jeder Phrase läßt den Zuhörer alles mitfühlen und sich neue Begegnungen wünschen

David Theodor Schmidt und Karin Knorr bei der Preisverleihung

Wladimir hat es nicht bei dem bloßen Wunsch belassen, sondern den herausragenden Erlanger Künstler eingeladen. Heute fliegt er ab, und schon morgen um 18.30 Uhr präsentiert er sein Bach/Liszt-Schubert-Schumann-Programm mit der furiosen Kreisleriana als Höhepunkt. Gerade an diesem Stück, das darf man prognostizieren, wird das Wladimirer Publikum seine helle Freude haben. Aus drei Gründen: Robert Schumann erfährt in Rußland eine ganz besondere Wertschätzung. Der Held des Stückes, Kapellmeister Johannes Kreisler, entstammt dem Werk von E. T. A. Hoffmann, allen Russen bekannt als Märchenerzähler Gofman – und David Theodor Schmitt spielt hier all seine Stärken aus, von den zart-lyrischen Momenten bis hin zu vollgriffigen Gefühlsausbrüchen, stets temperiert von der hohen Kultur seiner musikalischen Disziplin. Wenn das Publikum in der Partnerstadt auch nur halb so begeistert ist wie gestern die Erlanger Freunde der Klaviermusik, wird, das sei verraten, David Theodor Schmitt am Freitagabend im Sergej-Tanejew-Saal der Philharmonie Wladimir noch eine besondere Zugabe spielen: die Sarabande von Johann Sebastian Bach. Glückliches Erlangen, einen solchen Musiker zu haben, glückliches Wladimir, einen solchen Freund zu haben.

Mehr zu dem Künstler unter: www.david-theodor-schmitt.de und etwas Biographisches zu Sergej Tanejew mit Bezug auf Lew Tolstoj unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/11/20/die-seligkeit-auf-erden/

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Alexander Rybakow

Der Wahlkampf in Wladimir hatte eine lange Vorgeschichte und begann im November mit einer Serie von Presseartikeln, die Oberbürgermeister Alexander Rybakow mit heftigsten Vorwürfen konfrontierten. Auch wenn er sich damals gleich gerichtlich und öffentlich zur Wehr setzte, war doch sichtbar, daß die medialen Attacken Wirkung zeigten und das Stadtoberhaupt empfindlich schwächten. Gestern nun versetzte dem ehemaligen Stadtoberhaupt das Gericht in erster Instanz den letzten Niederschlag, indem es seine Klage zurückwies. Der Richter sah, anders als der Kläger, dessen Ehre durch die Publikationen nicht beschädigt, ließ aber eine Berufung in der nächsthöheren Instanz zu. Auch in Wladimir also müssen Politiker mit einer schlechten Presse leben. Gut für die Freiheit der Medien, schmerzlich im Einzelfall für den Menschen, der ein Politiker ja auch ist.

Artjom Markin

Fast vor Gericht gekommen wäre schließlich noch das Ergebnis in dem Wahlkreis, wo Artjom Markin, Direktor des Zentrums für Chormusik und Chefdirigent des Symphonieorchesters, mit sage und schreibe drei Stimmen Vorsprung  ein Stadtratsmandat für die Kommunisten vor einem Geschäftsmann und Mitglied der Partei Einiges Rußland holen konnte. Sein Opponent ließ die Protokolle vergleichen, drohte an, Nachzählungen zu veranlassen, engagierte eine auswärtige Anwältin… Alles vergebens. Mit fünf zu zwei Stimmen bei einer Enthaltung entschied die Wahlkommission für Artjom Markin. Es zählt eben doch jede Stimme. Man wird sehen und hören, ob der Musiker nun auch im Stadtrat für Harmonie wird sorgen können. Den Taktstock dort wird freilich nicht er schwingen.

Noch für heute wird die Entscheidung erwartet, wer künftig als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt lenken soll. Die Wladimirer Lokalpolitik wird uns also noch eine Zeitlang beschäftigen. 

Wer nochmals nachlesen will, was Alexander Rybakow so sauer aufgestoßen ist, lese hier nach: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/11/15/nach-lekture-hande-waschen

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Nun steht die Wahlbeteiligung fest: 33%. Im Umkehrschluß bedeutet dies, daß fast zwei Drittel der Wladimirer sich von keiner der Parteien, von keinem der Kandidaten vertreten sehen will. Da könnte man mit Bertold Brecht sagen, die Politiker haben bald keine andere Wahl mehr, als sich ein anderes Volk zu wählen. Oder weiter zugespitzt: „Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie schon längst verboten.“ Deutlicher jedenfalls kann der Abstand zwischen dem Volk und seinen demokratisch legitimierten Vertretern kaum mehr sein. Diese Distanz zu überwinden, bedeutet für beide Seiten einen Marathonlauf durch alle Instanzen der Gesellschaft. Der Versuch einer Analyse dieser Apathie und Agonie wird Sache der Zukunft sein.

Triff deine Wahl!

Die Tagespolitik wird sich dafür – das steht zu befürchten – weniger Zeit nehmen. Eine Woche bleibt nun die alte Mannschaft noch im Amt; erst wenn dann das amtliche Wahlergebnis veröffentlich wird, kann der Stadtrat in seiner neuen Konstellation zusammentreten und den Oberbürgermeister wählen sowie einen Oberstadtdirektor (City-Manager) bestellen. Die Zusammensetzung des 35köpfigen Gremiums sieht wie folgt aus: 24 Vertreter von Einiges Rußland, acht Kommunisten, zwei von der Partei Gerechtes Rußland und einer von der marktschreierisch-nationalistischen Liberaldemokratischen Partei Wladimir Schirinowskijs. Die Zentristen von Einiges Rußland, gern auch „Partei der Macht“ oder „Kreml-Partei“ genannt, verfügen also tatsächlich auch in Wladimir weiter über die Macht und haben das Sagen, zumal Gerechtes Rußland ein ähnliches Spektrum abdeckt.

Wähle die Würdigen

Zwei Überraschungen der unangenehmen Sorte gab es freilich für Einiges Rußland, das wohl mit noch mehr Stimmen gerechnet hatte: Der Bauunternehmer Jurij Higer, bereits partnerschaftserfahren mit Erlangen und Jena, hat seinen Sitz im Stadtrat verloren – und Sergej Kruglikows Taktik des Aussitzens ist nicht aufgegangen. Der bisherige Vorsitzende des Stadtrats wurde an der Urne für sein Schweigen zu seinem getürkten Diplom abgestraft. Für den „Guttenberg zu Wladimir“ heißt es jetzt Nachsitzen in Sachen Politik wie Wissenschaft und Umgang mit der Öffentlichkeit. Und dann noch ein Paukenschlag musikalisch wie politisch: Einen sicher geglaubten Wahlkreis verlor Einiges Rußland an die Kommunisten, vertreten durch den Leiter des Zentrums für Chormusik und Chefdirigenten des Wladimirer Landessymphonieorchesters, Artjom Markin. Der wird heute nacht sicher die Internationale anstimmen lassen…

Der Link zum Guttenberg zu Wladimir, der wohl eher Klagelieder intonieren dürfte: https://erlangenwladimir.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=8624&action=edit&message=1

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