Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Arthur Mainka’


Heute nun die Fortsetzung zum gestrigen Bericht, die wegen technischer Probleme erst jetzt im Blog erscheinen kann: eine bebilderte Zusammenfassung der Ziele und Ergebnisse einer von Alexej Aljochin, unterstützt von seiner Lehrerin, Ludmila Mironowa, Recherche auf den Spuren von deutschen Kriegsgefangenen in Lagern der Region Wladimir.

Die deutsche Seite von Kowrow und Anopino

Die Kriegsgefangenenlager

Philipp Dörr und P. Wladimir

Das Projekt “Ein Blick in die Vergangenheit”, 2008

Gewinner und Preisträger des Wettbewerbs “Kulturbrücke Rußland-Deutschland”, Dezember 2013

Besichtigung der Gedenkstätte für gefallene Sowjetsoldaten, wo Ludmila Mironowas Großvater Wasilij Fedotow 1944 beigesetzt wurde.

Ludmila Mironowa, Alexej Aljochin und Herbert Meinka in Kowrow.

ZIELE:

  1. Informationen über die Gefangenenlager in Kowrow und Anopino, Region Wladimir, zu gewinnen.
  2. Ein Bild vom Leben und dem Аlltag der deutschen Kriegsgefangenen zu erhalten, die dort während des Krieges und in der Nachkriegszeit interniert waren.
  3. Die Ereignisse in Erinnerung zu halten, um die freundschaftlichen Beziehungen zu den Bürgern des heutigen Deutschlands zu festigen.

AUFGABEN:

  1. Material aus den Büchern und der Ausstellung in Kowrow / Anopino zu sammeln.
  2. Treffen und Interviews mit Verwandten der Gefangenen sowie mit Zeitzeugen.
  3. Internetrecherche zum Thema.
  4. Zusammenfassend Informationen über diese Ereignisse zu zusammenzutragen und das Gesicht des Krieges mit den Augen der damaligen deutschen Kriegsgefangenen zu zeigen.

Arthur Mainka, Vater von Herbert Mainka.

Der alte Stadtplan von Kowrow, Region Wladimir. Das Kriegsgefangenenlager ist rot, der Weg von dort zum Bahnhof blau markiert.

Die weiße Mauer ist der letzte Rest des Lagers für Kriegsgefangene Nr. 1. Auch Arthur Mainka war hier untergebracht.

Die Kirche auf dem Gelände des Lagers ist bis heute erhalten geblieben.

Alter Bahnhof in Kowrow. Hier kamen die Kriegsgefangenen an.

Die Häuser, auf die deutsche Kriegsgefangenen ein weiteres Stockwerk, die 4. Etage, setzten.

Der sogenannte Deutsche Turm vor der Glasfabrik in Anopino, aufgenommen von Herbert Mainka.

Anopino, das Innere der Werkhalle wo Arthur Mainka als Kriegsgefangene arbeitete.

Herbert Mainka, Michail Lissow, Ludmila Mironowa und Alexej Aljochin vor einem Glasofen der neuen Fabrik.

Michail Lissow, Herbert Mainka und Ludmila Mironowa vor dem „Madrid“ genannten Gebäude der Lagerleitung.

Etwa hier befand sich der Friedhof der Kriegsgefangenen, nicht weit von Anopino.

Abschluß

Als Fazit möchte ich den Gedanken festhalten: Es ist entscheidend wichtig, immer an unsere Geschichte zu erinnern, die uns mit Menschen aus der ganzen Welt verbindet und die wir besonders mit den Deutschen teilen. Ich meine, dies ist die einzige Weise, den Frieden auf der Erde zuhalten und den Krieg zu verhindern.

Alexej Aljochin

Read Full Post »


Heute nun die Fortsetzung der Spurensuche von Herbert Mainka, deren erster Teil am 23. August hier im Blog erschien.

Traktorenwerk Wladimir

Traktorenwerk Wladimir

Nach dem Besuch in Kameschkowo im ehemaligen Hospital und auf dem dort von der Kriegsgräberfürsorge eingerichteten Friedhof stand noch am gleichen Tag das Wladimirer Traktorenwerk auf dem Programm, wo Arthur Mainka vom 10. September 1947 bis 26. November 1949 als Kriegsgefangener eingesetzt war.

Herbert Mainka am Gedenkstein auf dem Gelände des Traktorenwerks

Herbert Mainka am Gedenkstein auf dem Gelände des Traktorenwerks

Die Erlaubnis zum Besuch des Betriebs, während des Krieges vom eingekesselten Leningrad nach Wladimir, also ins weitgehend sichere Land hinter dem Frontverlauf verlegt, hatte die Deutschlehrerin und Betreuerin des Gastes, Ludmila Mironowa, eingeholt. Sogar eine eigene Führung über das Gelände wurde so möglich, durch einen kleinen, von den Deutschen angelegten Park – bis zum Gedenkstein für die in Wladimir verstorbenen Gefangenen, der im Vorjahr im Beisein von Oberbürgermeister Florian Janik enthüllt worden war.

Gedenkstein

Gedenkstein

Einen weiteren Tag benötigte Herbert Mainka, um mit Ludmila Mironowa ins 80 km südlich von Wladimir gelegene Anopino zu fahren, wo sein Vater vom 18. August 1945 bis 10. September 1947 in der Glashütte eingesetzt war. Ebenso wie das Traktorenwerk, wird auch dieser Betrieb bis heute fortgeführt, und der technische Direktor, Michail Lissow, erhielt von der Leitung den Auftrag, den Gästen Gelände und Produktion zu zeigen. Arthur Mainka mischte damals wohl verschiedene Komponenten zur Glasherstellung.

Glaswerk Anopino

Glaswerk Anopino

Bei den Gesprächen stellten sich rasch Gemeinsamkeiten heraus: So war der Vater des Gastgebers in Sewastopol in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und mußte zu Fuß bis weit in die Ukraine, verpflegt nur sporadisch von hilfsbereiten Einheimischen. Über Polen und die Tschechoslowakei ging es weiter bis Bayern, wo die Ehefrau des Arbeiters, dem der Gefangene zugeteilt war, dem Russen das Überleben ermöglichte, indem sie mit einer Zusatzration für das Essen sorgte.

Glashütte Anopino

Glashütte Anopino

Demgegenüber kann Herbert Mainka vom Onkel seiner Mutter, Paul Erlekampf, berichten, der einen Bauernhof in Eisfeld bei Ohlau bewirtschaftete, wo es üblich war, die Kriegsgefangenen, gleich ob Polen, Russen oder Franzosen, am gemeinsamen Mittagstisch zu bewirten. Kleine Gesten der Menschlichkeit in Zeiten der Barbarei.

Deutscher Turm von Anopino

Deutscher Turm von Anopino

Doch zurück nach Anopino, wo es auf dem Gelände der Glashütte einen sogenannten „deutschen Turm“ gibt, der 1949 von Kriegsgefangenen errichtet wurde und heute noch – dank guter Qualität – in Betrieb ist. Der Turm gehört zum Ensemble um den großen Platz, wo die Kriegsgefangenen sich morgens und abends zum Appell zu versammeln hatten, um ihre Vollzähligkeit festzustellen.

Herbert Mainka, Michail Lissow und Ludmila Mironowa

Herbert Mainka, Michail Lissow und Ludmila Mironowa

Der Vater von Michail Lissow wohnte damals auf dem Gelände des Betriebs und hatte offenbar viel Kontakt zu den deutschen Kriegsgefangenen, von denen er sich besonders gern die Reparatur und Wartung von Autos zeigen ließ. Offenbar nicht ohne Erfolg, denn später wurde er Chauffeur des Direktors. Gut möglich, daß sich die Väter der beiden damals kannten oder zumindest einander öfter begegneten.

Glasreste an der Stelle, wo wohl auch Arthur Mainka arbeitette

Glasreste an der Stelle, wo wohl auch Arthur Mainka arbeitette

Gut lokalisieren läßt sich auch noch, wo Arthur Mainka, damals 27 Jahre alt, den Quarzsand zu schaufeln hatte. Man kann nur ahnen, was im Sohn vorging, als er all diese Erinnerungsstätten besuchte. Heute stellt man hier Flaschen für den russischen und chinesischen Markt her, drei von ihnen durfte sich Herbert Mainka als Andenken mitnehmen.

Neues Glaswerk in Anopino

Neues Glaswerk in Anopino

Mit großer Wahrscheinlichkeit kann sogar bestimmt werden, wo Arthur Mainka dann die verschiedenen Komponenten – Quarzsand, Sand, Altglas – mischte. Eine Stelle, wo eine neue deutsch-russische Freundschaft besiegelt wurde, die Herbert Mainka und Michail Lissow auch in Zukunft pflegen wollen, sicherlich im Sinne und Geiste ihrer Väter.

Gefangenenfriedhof, zwischen beiden Wegen gelegen

Gefangenenfriedhof, zwischen beiden Wegen gelegen

Nach dem Mittagessen in der Werkskantine zeigte Michail Lissow den Gästen im 2.000-Seelen-Ort das Gebäude, wo sich in den 40er Jahren die Lagerkommandantur befunden hatte, damals alles noch innerhalb der Lagergrenzen.

Herbert Meinka inmitten des Gefangenenfriedhofs

Herbert Meinka inmitten des Gefangenenfriedhofs

Schließlich noch ein Beweis der neuen Freundschaft: Michail Lissow zeigte Herbert Mainka, wo man damals die verstorbenen Gefangenen beisetzte. An einem Ort, den ihm sein Vater gezeigt hatte, ein Ort, von dem bisher niemand außer den beiden wußte.

Ludmila Mironowa

Ludmila Mironowa

Beim Besuch im Garten von Michail Lissow dann das Versprechen, den Kontakt zu halten, sich wiederzusehen, bevor der Tag auf der Datscha von Ludmila Mironowa ausklang.

 

Read Full Post »


Am 17. Juni erschien hier im Blog ein erster Bericht von Herbert Mainka – https://is.gd/jxZx7D – , der an der Delegationsreise von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß nach Wladimir anläßlich des 75. Jahrestags des Überfalls der Wehrmacht auf die UdSSR teilnahm, um die einstigen Lager zu besuchen, wo sein Vater die Kriegsgefangenschaft überlebte.

Mainka Kameschkowo, Hospital, Ludmila, Herbert, Alex,

Ludmila Mironowa und Herbert Mainka mit Alexej Aljochin und Swetlana Kudrjaschowa

Unterstützt wurde der Gast bei seiner Spurensuche durch Ludmila Mironowa, die in der Betreuung von Kriegsveteranen und deren Angehörigen über viel Erfahrung verfügt, die sie immer wieder auch an ihre Schüler weitergibt.

Hospital in Kameschkowo

Hospital in Kameschkowo

Wie ungezählte andere wurde auch Arthur Mainka im zentralen Krankenhaus von Kameschkowo ärztlich behandelt und schließlich als geheilt entlassen.

Hospital in Kameschkowo, ehemaliges Kulturhaus

Hospital in Kameschkowo, ehemaliges Kulturhaus

Die Gebäude werden als Schule genutzt und sind – nach Anmeldung – zugänglich.

1. Stock im ehemaligen Hospital Kameschkowo mit Krankenzimmern

1. Stock im ehemaligen Hospital Kameschkowo mit Krankenzimmern

Man gelangt über eine alte Eisentreppe hinauf in den 1. Stock mit großen Türen, hinter denen sich unter den Nummern 8 bis 12 die ehemaligen Krankenzimmer verbergen.

Wohnung von ehemaligen Bediensteten des Hospitals in Kameschkowo

Wohnung von ehemaligen Bediensteten des Hospitals in Kameschkowo

Aber auch ein kleines Museum ist zu sehen, das Leben und Geschichte der heute etwa 12.000 Menschen in Kameschkowo, 5o km nordöstlich von Wladimir gelegen.

Museumsraum im Hospital von Kameschkowo

Museumsraum im Hospital von Kameschkowo

Auch der Operationssaal ist erhalten. Eine Vitrine mit Erinnerungsgegenständen an deutsche Soldaten, ein historisches Motorrad und eine Plakatwand mit Bildern geben Einblick in jene Zeit zwischen 1943 und 1949, als das Hospital vielen als die letzte Hoffnung galt. Das gesamt Erdgeschoß wird heute für schulische Zwecke genutzt. Gegenüber liegt ein weiteres Gebäude, das ehemalige Kasino und Kulturhaus, das nach der Schlacht um Stalingrad zum Gefangenenhospital umgebaut wurde.

Soldatienfriedhof von Kameschkowo

Soldatienfriedhof von Kameschkowo

Wer nach Kameschkowo kommt, besucht auch den Friedhof, wo all jene bestattet sind, für die jede medizinische Hilfe zu spät kam, für die keine Medikamente mehr da waren, die zu stark unterernährt ankamen…

Gedenktafel für die Verstorbenen von Kameschkowo

Gedenktafel für die verstorbenen Kriegsgefangenen von Kameschkowo

Die nächsten Stationen von Herbert Mainka – das Traktorenwerk in Wladimir und das Lager von Anopino – folgen hier im Blog demnächst.

 

Read Full Post »


Im Dezember 1919 kam im schlesischen Ohlau, dem heutigen Oława, Arthur Mainka zur Welt, in einem jener Orte, die bis heute sichtbar vom Zweiten Weltkrieg gezeichnet sind, wo mit der territorialen Zugehörigkeit zu Polen die deutsche Bevölkerung vertrieben und polnische Zwangsumgesiedelte aus den der UdSSR zugeschlagenen Regionen im Osten heimisch werden sollten. Folgen des Hitler-Stalin-Paktes und des Vernichtungskrieges, den am 22. Juni 1941 die Wehrmacht in die Sowjetunion trug.

Arthur Mainka im April 1940

Arthur Mainka im April 1940

Nun reist sein Sohn, Herbert Mainka, mit der Erlanger Delegation unter Leitung von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, in der nächsten Woche nach Wladimir, um an den Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des Beginns vom „Unternehmen Barbarossa“ teilzunehmen, das für die Sowjetvölker zum „Großen Vaterländischen Krieg“ mit seinen millionenfachen Opfern werden sollte.

Soldbuch Arthur Mainka

Soldbuch Arthur Mainka

Herbert Mainka hat akribisch den Weg seines Vaters in Krieg und Gefangenschaft – beginnend mit dem 1. September 1941 – nachvollzogen und aus den deutschen wie russischen Archiven erhalten, was über den Soldaten und späteren Kriegsgefangenen zu finden war.

"Paßphoto" von Arthur Mainkas Soldbuch

„Paßbild“ von Arthur Mainkas Soldbuch

Nur die Orte der Gefangenschaft des Vaters hat der Sohn noch nie mit eigenen Augen gesehen. Einzig die allgemein zugänglichen und bekannten Bilder von Lagern kennt er bisher.

Sowjetische Akte des Kriegsgefangenen Arthur Mainka

Sowjetische Akte des Kriegsgefangenen Arthur Mainka, abgeschlossen am 26. November 1949 wegen Rückführung in die Heimat

In Gefangenschaft geraten ist Unteroffizier Arthur Mainka am 8. Mai 1945 im lettischen Tukums, von wo er zunächst nach Kowrow, Kreisstadt in der Region Wladimir, ins Lager Nr. 190/18 gebracht wurde.

Befragungsprotokoll Arthur Mainka

Befragungsprotokoll Arthur Mainka

Am 18. August 1945 verlegt man den Schlesier ins Lager Nr. 190/4, nach Anopino, Landkreis Gus-Chrustalnyj, Region Wladimir, zwei Jahre später, am 10. September 1947 kommt er schließlich ins Hauptlager Nr. 190/1 in Wladimir.

Entlassungsschein Arthur Mainka

Entlassungsschein Arthur Mainka – deutsch

All diese Städte und Orte will Herbert Mainka nun in den nächsten Tagen besuchen und ein Gefühl dafür bekommen, unter welchen Umständen sein mittlerweile verstorbener Vater damals lebte und arbeitete

Entlassungsschein Arthur Mainka

Entlassungsschein Arthur Mainka – russisch

Gut dokumentiert ist auch der Weg aus der Gefangenschaft, möglich geworden dank den Vereinbarungen der Konferenz von Jalta, wo die Alliierten am 11. Februar 1945 mit der UdSSR festgelegt hatten, welcher Personenkreis zwangsweise zu repatriieren sei.

Gesundheitsschein Arthur Mainka

Gesundheitsschein Arthur Mainka

Eines der fünf Kriterien mußte dazu erfüllt sein: 1. Wohnsitz auf sowjetischem Territorium am 1. September 1939; 2. Nach der Konferenz von Jalta in die Hände der westlichen Alliierten geraten; 3. Am 22. Juni 1941 oder später dienstpflichtig in der Roten Armee; 4. Gefangennahme in einer deutschen Uniform; 5. Nachweis über Kollaboration.

Gesundheitsschein Arthur Mainka

Gesundheitsschein Arthur Mainka

Arthus Mainka fiel unter Punkt 4, er hatte bei der Gefangennahme eine deutsche Uniform getragen – und traf nun, nach seiner Entlassung, am 5. Dezember 1949 im Heimkehrerlager Gronenfelde bei Frankfurt an der Oder ein, von wo es über Gutenfürst und das Durchgangslager Moschendorf bei Hof weiterging in die neue Heimat.

Zuzugsgenehmigung für Arthur Mainka

Zuzugsgenehmigung für Arthur Mainka

Burgwindheim im Landkreis Bamberg nahm den Heimkehrer am 8. Dezember 1949 auf, wo Arthur Mainka sich ein neues Leben aufbaute.

Arthur Mainka

Arthur Mainka

In den nächsten Tagen und Wochen werden wir sicher mehr über dieses Schicksal erfahren. Vielleicht erinnert sich ja aber auch einer der ehemaligen Kameraden an die gemeinsame Zeit im Lager mit Arthur Mainka in Kowrow, Anopino oder Wladimir.

 

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: