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Posts Tagged ‘Artenschutz Rußland’


In Zusammenarbeit mit dem NABU, dem Naturschutzbund Deutschland, beringt man derzeit Vögel gefährdeter Arten in der Region Wladimir. Das von der deutschen Umweltorganisation finanzierte Projekt sieht sogar die Ausstattung der Tiere mit einem GPS-Peilsender vor.

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Erstmals gelang es nun, einen Nestling aus dem Horst eines Schelladlers auf diese Weise in ein Überwachungsprogramm aufzunehmen. Der Greifvogel, der im Winter nach Nordafrika oder Südasien zieht, gilt in seinem gesamten Verbreitungsgebiet als vom Aussterben bedroht, und auch in der Region Wladimir ziert er mit nur noch zehn bis zwanzig Paaren leider die Rote Liste.

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Der Bestand hat am Zusammenfluß von Kljasma und Luch, Kljasminsko-Luchskij Naturschutzgebiet, ein letztes Refugium gefunden, das 2011 von der Politik beinahe aufgegeben worden wäre. Siehe hierzu: https://is.gd/AKjD0K

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Das Junge erwies sich übrigens als Männchen, und anhand einer Genanalyse ließ sich auch feststellen, daß es sich nicht – wie durchaus häufig – um einen Hybriden handelt. Schelladler paaren sich nämlich immer wieder mit dem kleineren Schreiadler, der ebenfalls ausgedehnte Sumpfgebiete bewohnt.

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Die Wissenschaftler hoffen nun, mehr Erkenntnisse über das Verhalten der Vögel zu gewinnen und damit natürlich auch deren Schutz verbessern zu können.

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Dank einer kleinen Solarzelle ist der Sender übrigens energieautark und sollte seine Signale über einen längeren Zeitraum an die Vogelschützer schicken.

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Und besonders schön: Russen und Deutsche arbeiten auch im Bereich des Artenschutzes zusammen. Es gibt eben doch viel mehr Verbindendes als Trennendes zwischen unseren Ländern.

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In diesem Jahr erscheint eine neue Ausgabe des Roten Buchs der bedrohten und aussterbenden Fauna und Flora in der Region Wladimir. 2008 hatte man zum ersten Mal eine Bestandsaufnahme vorgenommen, damals noch unvollständig, mit vielen blinden Flecken. Die Datenbasis ist mittlerweile viel besser geworden, leider aber eben auch das Tempo des Artenschwunds. Wäre ja auch zu schön, könnte man die Gegend um die Partnerstadt als Insel der seligen Tiere und Pflanzen bezeichnen. Ungeachtet aller erfreulicher Tendenzen beim Schutz etwa des Wassermaulwurfs oder des Wisents, drohen leider auch hier viele Spezies, für immer zu verschwinden, besonders unter den Kerbtieren – mit all den verheerenden Folgen für Pflanzen und Vögel.

Distelhummel

Einer der Mitautoren des Roten Buches weist nun auf das Bienensterben hin, das besonders auch die Hummeln betrifft, von denen man in Wald und Flur des Gouvernements Wladimir von der Größe des Bundeslandes Brandenburg 28 Arten zählt, darunter vier Spezies der parasitären Kuckuckshummeln. Alle werden sie seltener, besonders aber die auch in Deutschland vom Aussterben bedrohte Samthummel und die Distelhummel. Erstere mag es trocken, die zweite braucht Feuchtgebiete. Spezialistinnen, denen zunehmen der Lebensraum fehlt.

Samthummel

Ob der Eintrag im Roten Buch den brummelnden Insekten, denen man nachsagt, sie seien noch emsiger und effektiver als die kleinere Honigbiene, zu überleben hilft, sei dahingestellt, aber immerhin wissen wir so, was wir in absehbarer Zeit verlieren – sehenden Auges. Spätere Generationen werden uns fragen, warum wir wider besseres Wissen nicht handelten.

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Im nächsten Jahr beginnen die Arbeiten an der 770 km langen Bahnstrecke von Moskau nach Kasan mit Halt in Wladimir, auf der nach Fertigstellung ab 2023 Hochgeschwindigkeitszüge – mit großer Wahrscheinlichkeit aus chinesisch-russischer Gemeinschaftsproduktion – mit einer Fahrzeit von nur noch dreieinhalb Stunden zwischen der Hauptstadt und der Metropole in Tatarstan verkehren. Die Vorarbeiten für das erste Teilstück, Moskau – Wladimir, sind bereits im Gange, und, wie das bei derartigen Infrastrukturprojekten nicht ausbleiben kann, man trifft auf Widerstände, muß einen Ausgleich zwischen Verkehr und Umwelt finden. Eine Herausforderung, die von den Planern offenbar ernstgenommen wird.

Russischer Desman oder Wassermaulwurf

So will man etwa 20 Wassermaulwürfe – der Blog berichtete schon öfter von diesen fast ausgestorbenen Kleinsäugern – aus einer Zone im Becken der Kljasma umsiedeln, weil man befürchtet, die in der Nähe verlaufende Trasse könnte den russischen Desman stören. Aber auch für Grau- und Silberreiher oder Schnepfen überlegt man Schutzmaßnahmen, und in der Brutzeit will man besonders Rücksicht auf das wilde Federvieh nehmen. Mehr noch: Im Grenzgebiet zwischen den Regionen Wladimir und Nischnij Nowgorod verlegt man die Schienen über eine Strecke von neun Kilometern auf Stelzen, um die Natur weitgehend sich selbst zu überlassen. Insgesamt verlaufen sogar 20% der Trasse als „Hochbahn“, um die Natur zu schonen und den Wildwechsel  nicht zu beeinträchtigen, für den zusätzlich insgesamt 89 Brücken vorgesehen sind. Sogar an Unterführungen für Amphibien denken die Projekteure. Wer hätte das gedacht! Gut so. Dann müssen die Kröten nur noch an die richtigen Stellen wandern.

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Unsere Lebensweise ist so angelegt, als könnten wir nach wie vor ungestraft aus dem vollen schöpfen, dabei ist die Erde längst erschöpft durch unser fortgesetztes Haushalten ohne Maß und Vernunft, ausgerichtet allein am scheinbar unumkehrbaren Mechanismus einer Gier nach immer mehr Konsum, getrieben von der Vorgabe, genug sei nicht genug. In einer Erhebung des WWF zum Ressourcenverbrauch vergeben einander Rußland und Deutschland auf den Plätzen fünf und sechs kaum etwas. Der größte Flächenstaat der Welt handelt, als stünden der Menschheit statistisch 3,3 Erden zur Verfügung, und Deutschland verschleißt den Planeten in einer Weise, daß 3,1 Erdkugeln nötig wären, um all die Rohstoffe zu liefern, die wir meinen zu brauchen, um unseren Wohlstand zu mehren. Seit dem 5. August nun leben wir alle auf dem Globus im Debit, konsumieren mehr, als im Rest des Jahres nachwachsen kann, bräuchten eigentlich das 1,6-fache der Welt, um im Gleichgewicht zu leben.

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Da freut es besonders, von einer botanischen Wiederentdeckung in der Region Wladimir zu hören. 1886 hatte man im Landkreis Sudogda zuletzt ein Exemplar der Sumpf-Weichorchis gesichtet, seither gilt diese kleine Orchidee im Gouvernement als ausgestorben, wie übrigens fast überall in ihrem ehemaligen Verbreitungsgebiet der zumeist trockengelegten Hoch- und Zwischenmoore Europas, leider auch in Deutschland, wo die Art wohl erloschen  und nur noch im Alpenvorland anzutreffen ist, – in Restbeständen. In 66 der 85 Subjekte der Russischen Föderation findet man die unscheinbare Blume fast auch nur noch in der Roten Liste. Der Lebensraum, die Sümpfe, fehlen eben, seit der Mensch diese urbar gemacht, zu seinem Nutzen und Frommen. Auch der neuentdeckte Standort in einem Moor des Nationalparks Meschtschjora zählt nur wenige, gerade einmal neun Exemplare der Spezies. Die Naturschützer versprechen nun, alles zu tun, um den Bestand zu erhalten, und 2018, wenn die Neuauflage der Roten Liste bedrohter Arten der Region Wladimir erscheint, wird die Hammarbya paludosa in dem Verzeichnis einen Ehrenplatz einnehmen und den notwendigen Schutz erhalten. Denn vorerst haben wir nur diese eine Welt, auch wenn die Wissenschaft gerade über die Entdeckung eines erdähnlichen Planeten jubelt…

P.S.: In Rußlands Weiten gedeihen ca. 250 Orchideenarten, allerdings nur 27 in der Region Wladimir, von denen fünf bereits als erloschen gelten, weil man sie seit mehr als einhundert Jahren nicht mehr registriert hat, und 17 in die Regionale Rote Liste eingetragen sind, von denen wiederum acht Arten auch in die Rote Liste Rußlands Aufnahme gefunden haben.

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Heute nimmt der Blog seine Leser mit auf eine Reise zu den Wisenten im Kljasmensko-Luchskij-Nationalpark, etwa 100 km östlich von Wladimir in einem noch ganz ursprünglichen Zweistromland gelegen. Hier wilderte man 1989 eine kleine Herde von Wisenten aus, der gottlob keine Trophäenjäger, sondern nur noch Wildheger und Wissenschaftler auf der Spur sind, manchmal in deren Schlepptau auch Journalisten, wie von Gubernia 33, die dann grandiose Bilder aus einer Welt mitbringen, die der Mensch bislang so erfolgreich um sich her zu zerstören wußte.

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Jetzt, im Hochwinter, gelangt man nur per Schneemobil tief ins Herz der neuen Heimat der fast schon ausgerotteten europäischen Bisons. Auf einer Fläche von 40.000 ha, bedeckt auf der einen Seite mit Laub-, auf der anderen mit Nadelwald, leben mehr als 30 Exemplare dieser imposanten Wiederkäuer. Und sie sind fruchtbar und vermehren sich.

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An einer Futterstelle, tief im Forst, dann die Begegnung mit den winterharten Riesen. Alles unter Aufsicht eines Wildhüters, der erklärt, wie scheu die Tiere seien, wie schreckhaft sie auf ungewohnte Laute und Gerüche reagieren. Die Wisente zogen sich denn auch nach einem ersten Auftauchen an den Raufen gleich wieder ins Dickicht zurück und ließen sich Zeit: Erst nach zwei Stunden kamen sie wieder und ließen sich aus dem Versteck photographieren und filmen.

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Wo die einen satt werden, können wir uns auch gütlich tun, denken sich da offenbar auch die Wildschweine, die sich in ganzen Rotten – ohne Futterneid oder gar gegenseitige Feindseligkeiten – Seit an Seit mit den Wisenten stärken. Großartige Bilder der Eintracht im Hunger entstehen so.

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Die erste Herde blieb ohne Nachwuchs. 1994 setzte man deshalb weitere Tiere aus. Doch erst zehn Jahre später stellte sich der erste natürliche Nachwuchs ein. Ganz so, als hätten die Wisente zunächst dem Frieden nicht getraut und erst einmal prüfen wollen, wie sich die Gegend für die Familienplanung langfristig eigne. Nun aber haben sie sich das Revier zu eigen gemacht. Eine der Herden wird von der Leitkuh Prima angeführt, die vor fast vier Jahren mit einem Peilsender versehen wurde, der seither stündlich vermeldet, wo sich der Trupp gerade aufhält.

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So weiß man, daß die Wisente sich bevorzugt im Nadelwald aufhalten und Sumpfgebiete meiden, während sie im Sommer gern Ausflüge in die Auen des Luch unternehmen, der nach 240 km Lauf in die Kljasma mündet. All die vielen Erkenntnisse, die man hier gewinnt, teilen die Zoologen mit ihren Kollegen aus Orjol, wo ein ähnliches Auswilderungsprogramm läuft. Und dann denkt man natürlich auch an naturbegeisterte Touristen, denen man eines Tages die Beobachtung der friedlichen Herrscher der Wälder erleichtern möchte. In Zukunft vielleicht auch ein Ziel für Entdecker aus Erlangen?

Hier geht es jedenfalls schon einmal zu den Anfängen des Wisent-Projekts: http://is.gd/ORLBcA, und da ist der Film zu sehen, auch ohne Textverständnis sehenswert: http://is.gd/waHobp

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