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Posts Tagged ‘Anna Schukowa’


Wer sich in der zurückliegenden und in den Kartagen ihrem Höhepunkt entgegengehenden Fastenzeit einer gewissen Enthaltsamkeit befleißigte, hat jetzt allen Grund zur Vorfreude auf die sündhaft leckeren Köstlichkeiten der russischen Osterküche, auch wenn das Fest der Auferstehung erst am Sonntag in einer Woche auf dem rechtgläubigen Kalender steht. Denn es steht geschrieben: Wenn’s dem Orthodoxen schmeckt, leckt der Katholik die Lippen. Zugegeben, nicht ganz politisch korrekt und integrativ, aber es mag wohl auch für andere Konfessionen, Religionen, Häretiker, Agnostiker und – in Gottes Namen – auch Atheisten gelten, hält man sich denn an die strenge Regel, das folgende Rezept, entnommen dem formidablen Kochbuch von Anna Schukowa, der Wladimirer Großmeisterin der Gastronomie, erst am Karsamstag anzuwenden und die Paßcha dann an Ostern zu genießen. Wie das anzufangen sei, heute schon im Blog, damit morgen die notwendigen Einkäufe getätigt werden können. Man braucht nämlich:

450 g Butter, fünf bis sechs Eidotter, 500 g Zucker, ein Kilo Topfen (z.B. handgeschöpfter Bio-Topfen von Andechser Natur), 300 ml Sahne (am besten mit 30% Fettstufe im Glas aus dem Bioladen), je 100 g Rosinen, Mandeln und Zitronat / Orangeat sowie je einen halben Teelöffel Kardamom und Vanillepulver.

Die Zubereitung der Paßcha erfolgt in drei Schritten:

  1. Die warme Butter mit dem Zucker aufquirlen, die Dotter einzeln hinzugeben und die Masse weiter rühren, bis sich die Zuckerkristalle ganz aufgelöst haben, damit die Paßcha eine cremig-zarte Konsistenz erhalte.
  2. Aromatisieren läßt sich die Paßcha am besten durch die Beigabe von Kardamom und Vanillepulver.
  3. Nun kommt der Topfen an die Reihe – und mit ihm die Rosinen, die kleingeschnittenen Mandelstifte und das Zitronat. Alles gut umrühren und dann die geschlagene Sahne dazugeben. Wiederum alles sorgfältig vermischen, von unten nach oben und von oben nach unten, und dann in eine mit einem angefeuchteten Tuch ausgelegte Form füllen, oben mit einem Teller abschließen (er sorgt für den nötigen leichten Druck) und für zwölf Stunden in den Kühlschrank stellen.

Vor dem Servieren kommt noch das Verzieren mit Beeren oder Gummibären (für die Kleinen), gottgefällig mit dem orthodoxen Zeichen XB, das als Христос Воскрес, Christ ist erstanden, zu lesen ist. Dann gibt es kein Halten mehr, zumal die Speise wegen der rohen Eier als leicht verderblich-sterblich gilt.

Paßcha 1

Hinweis zur Güte: Diese Paßcha ist aus der Hälfte der o.g. Zutatenmenge entstanden.

P.S.: Der Jourdienst des Blogs begeht die hoffentlich nur läßliche Sünde des vorgezogenen Fastenbrechens natürlich einzig um der geneigten Leserschaft willen.

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Vor einem Jahr war Anna Schukowa in Erlangen zu Gast, die nicht nur vier Jungs großzieht und zwei Hotels, eines in Wladimir, das andere in Susdal, mit Restaurants leitet, sondern auch für ein malerisch schönes Kochbuch verantwortlich zeichnet. Eines ihrer ebenso einfachen wie raffinierten Rezepte gilt dem Rübensalat, der mehr darstellt als eine bloße Beilage.

Dazu reibt man eine kleine Steckrübe und 50 g Hartkäse mittelfein, schneidet fünf bis sechs Cherrytomaten in Hälften, brät eine Handvoll Walnüsse kurz an und gibt alles auf ein Rukolabett, salzt und pfeffert den Salat, schmeckt ihn mit Essig und Olivenöl ab und läßt es sich schmecken.

Das Rübchen

Und weil das so schnell ging, lese man noch als Appetitmacher eines der bekanntesten und beliebtesten russischen Märchen, die Geschichte vom Rübchen:

Großvater steckte ein Rübchen und spricht zu ihm:
Wachse, mein Rübchen, wachse, werde süß!
Wachse, mein Rübchen, wachse, werde fest!

Das Rübchen wuchs heran: süß, fest und groß – riesengroß.
Großvater geht, das Rübchen ziehen:
Er zieht und zieht – kann’s nicht herausziehen.

Da ruft der Großvater die Großmutter.
Die Oma faßt den Opa an,
Der Opa faßt die Rübe an.
Sie ziehen und ziehen – und können’s nicht herausziehen.

Da ruft die Großmutter das Enkelein.
Das Mädchen faßt die Oma an,
Die Oma faßt den Opa an,
Der Opa faßt die Rübe an.
Sie ziehen und ziehen – und können’s nicht herausziehen.

Da ruft das Enkelein das Hündlein.
Das Hündlein faßt das Mädchen an,
Das Mädchen faßt die Oma an,
Die Oma faßt den Opa an,
Der Opa faßt die Rübe an.
Sie ziehen und ziehen – und können’s nicht herausziehen.

Da ruft das Hündlein das Kätzchen.
Das Kätzchen faßt das Hündchen an,
Das Hündlein faßt das Mädchen an,
Das Mädchen faßt die Oma an,
Die Oma faßt den Opa an,
Der Opa faßt die Rübe an.
Sie ziehen und ziehen – und können’s nicht herausziehen.

Da ruft das Kätzchen das Mäuslein.
Das Mäuslein faßt das Kätzchen an,
Das Kätzchen faßt das Hündlein an,
Das Hündlein faßt das Mädchen an,
Das Mädchen faßt die Oma an,
Die Oma faßt den Opa an,
Der Opa faßt die Rübe an.
Sie ziehen und ziehen und zogen das Rübchen heraus.

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„Картошка“ – „Kartoschka“ soll aus Finnland stammen. Wie es heißt, habe man im Hause des Dichters Johan Ludvig Runeberg angesichts einer unerwarteten Besuchergruppe, die zu bewirten man nicht einmal mehr Süßigkeiten genug auf Vorrat hatte, zu einer kulinarischen List gegriffen. Man scharrte die letzten Krümel von Kuchen und Gebäck zusammen, vermengte sie mit Marmelade, gab etwas Likör dazu, formte sie mit Schmand und setzte oben drauf eine Beere. Fertig war die Leckerei, deren Herstellung wir uns nun etwas näher ansehen und zur Nachahmung empfehlen wollen:

Zu Sowjetzeiten gab es diese „Kartoffeln“ in so gut wie allen Restaurants und Cafés, denn auf diese leckere Weise konnte man alle Reste von Backwaren wiederverwerten, durchaus auch Gebäck vom Vortag. Heute soll es Köche geben, die eigens Kuchen backen, um darauf diesen Nachtisch zuzubereiten.

So viel Aufwand muß nicht unbedingt betrieben werden, es genügen fürs erste 400 g Gebäck oder Kekse, gleich welche, Hauptsache sie schmecken. Dazu braucht man eine halbe Dose gesüßte Kondensmilch, 180 g Butter, einen Schuß Cognac, drei Eßlöffel Kakao sowie Nüsse und Trockenfrüchte nach Geschmack. Schritt für Schritt geht es dann so weiter:

Das Gebäck von Hand oder mit der Küchenmaschine fein zerbröseln. Die weiche Butter und die Kondensmilch gut vermischen. Die Krümel in diese Masse geben. Ein oder zwei Eßlöffel Cognac dazu – oder auch weglassen, bzw. durch Rum-Aroma ersetzen. Nun kann man sich für zwei Varianten entscheiden, die dunkle und die helle:

Für die helle Spielart formt man „kartoschki“, die im Kakaopulver gewälzt werden. Für die dunklen gibt man den Kakao in die Masse, mischt sie gut durch und formt erst daraus die „Kartoffeln“. Noch hübsch gemacht – vielleicht mit sibirischen Zedernnüssen – und für ein paar Stunden in den Kühlschrank bevor das Dessert zu Tee, Kaffee oder Kakao gereicht wird.

Anna Schukowa bei der Vorstellung des Restaurantführers

Sie haben es längst erkannt: Die ältere Schwester der „Kartoffel“ ist die Rumkugel, englischer Herkunft. Es soll auch Kreuzungen geben… Und, passend zu dem Rezept, angeregt von der Online-Ausgabe der Zeitung „Prisyw“, die Nachricht von einem Restaurantführer, der dieser Tage für die Region Wladimir von Anna Schukowa, Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, präsentiert wurde. Bleibt nur noch, diesen kulinarischen Atlas mit 40 Stationen ins Deutsche zu übersetzen…

 

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Es ist wichtig, einander in die Augen schauen zu können. So lernen Menschen einander kennen und schätzen. Wenn sie aber miteinander in die gleiche Richtung blicken, haben sie ein gemeinsames Ziel, das andere möglicherweise gar nicht sehen. Dies mag auch für Anna Schukowa, Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands der Region Wladimir und Hotelbesitzerin, und Nicole Kobjoll, Geschäftsführerin und Inhaberin des Hotels „Schindlerhof“, gelten, die sich im Dezember erstmals in Nürnberg begegneten und Ende April in Wladimir Freundschaft schlossen.

Anna Schukowa und Nicole Kobjoll

Wohin die zwei Unternehmerinnen an diesem Wochenende, als Anna Schukowa wieder nach Franken kam, nun steuern, wissen nur die beiden. Wir werden sie aber hoffentlich an der einen oder anderen Station ihres Weges wiedersehen. Einstweilen bescheiden wir uns hingegen mit einer Adaption der Schlußworte des Romans „Die toten Seelen“ von Nikolaj Gogol, in dem mutatis mutandis zu lesen steht:

Stürmst nicht auch du, Partnerschaft, so dahin, wie ein kühnes Cabriolet, das niemand einholen kann?… Wohin stürmst du, Partnerschaft? Gib Antwort! Du schweigst. Wundersam tönt die Hupe. Die vor deinem Ansturm zurückflutende Luft wird zum heulenden Sturm. Alles zwischen Erlangen und Wladimir weicht dir aus, und es geben dir den Weg frei alle anderen…

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Heute beenden Nicole Kobjoll-Setzer und Ehemann Marcel sowie ihr Sohn Max ihren Aufenthalt in Wladimir. Eingeladen hatte Anna Schukowa, Vorsitzende des regionalen Hotel- und Gaststättenverbands, die kurz vor Weihnachten den Schindlerhof in Boxdorf mit dem Ziel besucht hatte, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erkunden.

Anna Schukowa, Nicole Kobjoll mit Ehemann Marcel Setzer und Sohn Max sowie Peter Steger

Nun war es an den Gästen, die mit Klaus und Renate Kobjoll für den internationalen Erfolg des vielfach ausgezeichneten Schindlerhofs stehen, erst einmal zu sehen, in welchen Bereichen eine Kooperation mit Wladimir möglich und sinnvoll wäre. Da kann eine Besichtigung des Erlangen-Hauses nie schaden, wo schon, die Bauphase eingerechnet, seit 25 Jahren Tag für Tag bewiesen wird, wie fruchtbar ein deutsch-russisches Gemeinschaftsunternehmen wirken kann, wenn man es richtig angeht. Bleibt der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir nur zu wünschen, daß sie nun auch noch eine gastronomische Note erhält. Eine Bestnote.

Mehrzweckhalle in Susdal

Wie es gemeinsam gehen kann, sehen die Gäste auch bei einem Abstecher nach Susdal, wo nicht nur der riesige, vor 40 Jahren errichtete Hotel- und Kongreßkomplex am Rande der Stadt runderneuert wird, sondern auch mit Traumblick auf das architektonische Märchen aus dem russischen Mittelalter ein modernes Freizeitzentrum entsteht, das den bis zu 700 Gästen des Hauses ebenso wie Touristen und Einheimischen zur Verfügung stehen soll.  Geplant und projektiert in Zusammenarbeit mit dem Studio Gollwitzer, vermittelt durch die Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir.

Amphitheater in Susdal

Hinter diesem Erfolg steht Oleg Schukow, ein russischer Selfmademan, von der Art, wie man sie dem Land – gern in größerer Zahl – nur wünschen kann. Der Bauunternehmer hat bereits im Mai 2010 Kontakt zu Erlangen aufgenommen, als er sein Spaßbad zu konzipieren begann, das verschiedener bürokratischer Hemmnisse wegen erst jetzt Gestalt annimmt. Mehr dazu unter: https://is.gd/qKiKwh

Oleg und Anna Schukowa mit Familie Kobjoll-Setzer, Peter Steger sowie Max und Gleb

Ein Erfolg, der freilich nicht möglich wäre ohne die politische und administrative Unterstützung durch Sergej Sacharow, den ehemaligen Oberbürgermeister von Wladimir und jetzigen Stadtdirektor von Susdal, vor seiner politischen Karriere selbst Unternehmer. Wenn 2024 Susdal im Glanz seiner Geschichte das tausendjährige Jubiläum feiern kann, wird das ganz wesentlich diesen beiden kreativen Machermännern zu verdanken sein.

Peter Steger und Sergej Sacharow

Der Vollständigkeit halber sei nur noch vermerkt: Susdal und Rothenburg feiern heuer auch schon 30 Jahre Partnerschaft, damals vermittelt und angeregt von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg. Dito: Eine Partnerschaft, wie man sie den Ländern – gern in größerer Zahl – nur wünschen kann.

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Wladimir ist ja nie um eine gute Idee verlegen, gleich ob es um Kultur oder Sport geht. Am besten gelingen die Einfälle in der Verbindung beider Felder in der Verbindung mit dem Kulinarischen. Beispiel gefällig?

Bastschuhe ohne Stollen

Wladimir läuft sich bereits warm für die Fußballweltmeisterschaft. Und da in der Partnerstadt keines der Länderspiele der FIFA ausgetragen wird, übernimmt die einstige Kapitale der Rus die Rolle der Kulturhauptstadt. Ganz offiziell, vom Sportministerium in Moskau so beschlossen. Auch wenn die lokale Elf nur in der 2. Liga spielt und Fußball ja auch eigentlich nicht als der Nationalsport gilt, läßt man in Wladimir den Ball rollen und pfeift diese fünfte Saison in Bastschuhen an. Ein traditionelles russisches Schuhwerk ohne Stollen, in dem es sich erstaunlich bequem läuft, fast wie barfuß, das aber sicher nicht für das Kicken erdacht und gemacht wurde.

Bastschuhe am männlichen Fuß

Erst recht nicht geeignet für Füße, sollte man meinen, die vor mehr als vierzig Jahren zum letzten Mal in Ballberührung kamen, also ein wenig aus der Übung geraten sind. Und dann das: Ausgerechnet der krasse Außenseiter hat das einzige Tor seiner Mannschaft auf dem bastbeschuhten Fuß und legt den einzigen Paß vor, der dem Team die Ehre hätte retten können. Wenn da nicht… Aber davon später.

Peter Steger, Anna Schukowa und Andrej Schochin

Eingeladen hat Anna Schukowa zu dem Turnier „Foodball“, die Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes der Region Wladimir, und gekommen sind gestern am späten Vormittag nicht nur die Honoratioren der Partnerstadt wie Oberstadtdirektor Andrej Schochin, sondern Spitzenköche aus sechs Ländern: aus der Türkei, aus Aserbaidschan, aus Serbien, aus Kroatien, aus Slowenien und Wolfgang P. Menge aus Seidwitz bei Creußen in Oberfranken, umständehalber und kurzerhand für die Partnerschaft unwidersprochen eingemeindet.

Peter Steger und Wolfgang P. Menge

Der Vorsitzende der deutschen Euro-Toques, der schon für die Bundeskanzlerin kochte, kann es  sich im Ruhestand leisten, nur noch für kleine Gesellschaften bis zu zwölf Personen den Löffel zu rühren und ist ansonsten viel unterwegs, um sich in aller Welt für seine Gäste Anregungen zu holen. Nun, bei seinem ersten Besuch am Goldenen Ring, zeigt er sich voll des Lobes für die geschmacklich so vielfältige und optisch überaus ansprechende Küche der Gastgeber. „1 A ist hier alles“, so sein kurzes Fazit.

Internationales Köcheteam

Aber gemeinsam auf den Rasen? Und dann noch in derartigem Schuhwerk? Wolfgang P. Menge nimmt es gelassen, geht es ruhig an – wie die übrigen Athleten übrigens auch. Es geht ja um den Spaß an der Gaudi.

Peter Steger im Interview mit dem 1. Russischen Kanal

Ein Spektakel übrigens auch, an dem bei frischem Frühlingswetter nicht nur die lokalen Medien großes Interesse zeigten.

Peter Steger in der Grätsche

Als dann aber das Los entscheidet, daß die internationale Kochauswahl gegen die heimischen Küchenmeister gleich im ersten Spiel antreten soll, packt die Gäste doch der sportliche Ehrgeiz. Schon nach der ersten Angriffswelle wird allerdings klar, wer die Partie dominiert. Rasch fällt denn auch das erste Tor, und am Ende der beiden Halbzeiten zu zwölf Minuten ist die Sache mit 5:0 eindeutig entschieden. Zu behende und variantenreich gingen die Gastgeber zu Werke, zu erfolgreich waren sie regelmäßig im Abschluß.

Peter Steger beim Torschuß – an den Pfosten

Dabei mangelte es der wenig glorreichen Sieben weniger an Chancen als vielmehr an Fortune. Immerhin wäre in den letzten Augenblicken der Begegnung beinahe noch der Ehrentreffer gelungen, kommentiert von Wiktor Gusjew, dem bekanntesten russischen Sportkommentator, mit dem einprägsamen Stabreim „Штегер в штангу – Steger an den Pfosten“. Und dann auch noch ein Traumpaß aus Erlangen zum slowenischen Stürmer, der unglücklich vergibt.

Die glücklichen Verlierer des Turniers

Dennoch: Bei der Siegerehrung mit vier Mannschaften fühlen sich dann doch alle vier Teams als Sieger, auch wenn die Mannschaft von Metro Cash & Carry Wladimir ganz oben auf dem Treppchen zu stehen kommt. Und gesiegt haben auf jeden Fall die Gastfreundschaft und die Völkerverständigung.

Türkisch-russische Gastfreundschaft

Wer gut spielt, soll auch gut essen. Dafür war gestern im Stadion Lybjed, gleich hinter dem Erlangen-Haus gelegen, bestens gesorgt. Die Köche aus den elf Austragungsorten der Weltmeisterschaft hatten auch ihre lokalen Spezialitäten mitgebracht und damit gewissermaßen die gastronomische Karte Rußlands ausgerollt. Welch ein Genuß für Gaumen und Augen. Man kann da nur Schwelgen und Schwärmen.

Tischlein-deck-dich auf Russisch

Denn die russische Küche hat viel mehr zu bieten, als gemeinhin angenommen, bietet auch andernorts völlig unbekannte Getränke wie den vitaminreichen Birkensaft, der just in dieser Jahreszeit gesammelt wird, oder macht Lust auf eingelegte Pilze mit Backwaren, die offenbar noch ganz ohne Geschmacksverstärker auskommen.

Der Fußballhimmel über Wladimir

So war denn auch reichlich Prominenz aus Moskau vertreten, um nicht nur zu degustieren, sondern auch über die Medien zu propagieren: Die Fans können kommen, die Stadien werden rechtzeitig fertig, und es ist angerichtet, denn der Mensch lebt nicht vom Fußball allein.

Kulinarisches Stilleben mit Samowar

Was kann man Schöneres berichten am Internationalen Tag der Städtepartnerschaften – ja, auch dergleichen gibt es! -, wenn sogar das Auswärtige Amt in Berlin vermerkt, die bürgerschaftlichen Beziehungen, die Volksdiplomatie, spiele eine wichtigere Rolle denn je.

Igor Kechter, Fjodor Lawrow und Peter Steger

Da ist denn auch die Ankündigung von Fjodor Lawrow, Leiter des Instituts für Tourismus Wladimir, von Bedeutung, daß sich dieser Tage in Susdal Rotarier aus der ganzen Welt auf seine Einladung hin treffen, unterstützt von Igor Kechter, dem ehemaligen Stadtdirektor der heimlichen Hauptstadt des Goldenen Rings, der nun dort ein Restaurant betreibt. Seine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Rothenburg o.d.T.  – heuer steht übrigens das dreißigjährige Jubiläum an – hat Spuren hinterlassen.

Es ist angerichtet

Am Abend dann ein Empfang für alle Aktiven auf dem Feld und an dessen Rand – im Hotel Wosnesenskaja Sloboda. Ein Festschmaus für Augen und Zunge.

Wiktor Gusjew und Peter Steger

Mit dabei Wiktor Gusjew, die Stimme des russischen Fußballs, der sich über ein kleines Präsent, das in Erlangen entwickelte Quartett zur Fußballweltmeisterschaft, sehr freut, denn sein sechzehnjähriger Sohn sammelt ausgerechnet Kartenspiele.

Anna Schukowa

Zufrieden dann denn auch Gastgeberin Anna Schukowa, die es meisterhaft versteht, die russische Gastlichkeit zu verbreiten. Man kann ihr nur viele zufriedene Gäste aus aller Welt wünschen.

Wodka aus dem Eichenfaß

Die bekommen dann vielleicht auch einen selbstgebrauten Wodka kredenzt. Ein Jahr lang reifte er in Fässern aus einer besonderen Eiche, die nur im Raum Krasnodar wächst und dem Klaren die ungewöhnliche Farbe verleiht. Vom Aroma ganz zu schweigen.

Regenbogenhimmel über der der Auferstehungskirche

Es verwundert dann auch gar niemanden mehr groß, wenn selbst der Himmel in Feierlaune gerät und Wladimir unter seinen Regenbogen stellt. Wo sollten Himmel und Erde schöner aufeinandertreffen als hier!

Fußballtorte zum Ausklang

Es bleibt der Aufruf frei nach dem Jubilar Karl Marx: „Köche aller Länder, vereinigt euch und kommt nach Wladimir!“

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Noch gibt es nur die russische Fassung des Kochbuches „Feiern nach Rezept“ von Anna Schukowa aus Wladimir, aber Lawrentij Wkusnikow, das für das Kulinarische zuständige Mitglied der Blog-Redaktion, begab sich selbst in seine Backstube und testete zum heutigen Heiligen Abend der russisch-orthodoxen Kirche den „Weihnachtskeks“, wie ihn die Köchin aus der Partnerstadt empfiehlt. Das – es sei vorweggenommen – geglückte Ergebnis seiner Bemühungen steht nun exklusiv für die feierlich gestimmte Leserschaft des Blogs zu Verfügung:

Für vier bis sechs Portionen werden benötigt: vier Eßlöffel Brandy, je zwei Eßlöffel Rosinen, Zitronat, Nüsse, ein Eßlöffel gemahlenen Ingwer, Saft einer Zitrone, 400 g Mehl, 200 g Rohrzucker, zwei Eßlöffel Honig, 200 g Butter und vier Eier.

Man beginnt die Zubereitung damit die Rosinen und Nüsse sowie das Zitronat ungefähr 30 Minuten im Brandy und Zitronensaft einzuweichen. Unterdessen mischt man Rohrzucker, Butter und Honig, gibt das Mehl und die Eier dazu und rührt alles zu einem Teig von homogener Konsistenz. In den fertigen Teig kommen die eingeweichten Zutaten und der gemahlene Ingwer, bevor man ihn in die mit Butter ausgefetteten Förmchen gibt, wobei vor allem die Nüsse und die Rosinen nicht an die Oberfläche treten sollten, weil sie sonst leicht verbrennen. Bevor es bei einer Temperatur von 180° C für – je nach Höhe der Förmchen – 40 bis 60 Minuten in die Röhre geht, versteckt man eine Mandel im Teig. Wer diese Nuß findet, bekommt seinen Herzenswunsch erfüllt. Aber nur an Weihnachten! Genießen läßt sich das Gebäck nämlich auch noch lange nach den Feiertagen.

Der Duft freilich ist unwiderstehlich, vor allem dann, wenn er sich mit dem von frisch gekochter Schokolade mischt, von der leitmotivisch im Roman „Das achte Leben“ von Nino Haratischwili die geheimnisvolle Rede ist:

Sie war das Kind eines im ganzen Lande berühmten Konditors und an allerlei Köstlichkeiten gewöhnt, aber solch einen betörenden Duft hatte sie noch nie gerochen, geschweige denn geschmeckt. Wie hypnotisiert zählte sie die Zutaten eine nach der anderen auf, wiederholte die jeweilige Menge andächtig, spürte, wie ihr der Speichel im Mund zusammenlief. Daraufhin wurde sie vom Vater aufgefordert, alles, was sie vernommen hatte, genauestens aufzuschreiben, die Zutaten, die Zubereitungszeit und – ganz wichtig – die exakte Dosierung. Sie bekam einen Stift und einen Zettel auf den Tisch gelegt, notierte fein säuberlich in ihrer besten Schönschrift das Geheimnis ihres Vaters; sie mußte sich dabei schwer konzentrieren, wegen des berauschenden Duftes, der den Raum erfüllte. Dann bekam sie eine kleine, dünnwandige Tasse, leicht wie eine Feder, mit einer schweren schwarzen Flüssigkeit darin, die sie mit einem Silberlöffel zu schlemmen anfing. Ihr Gaumen: zu unglaublichen Freuden erwacht, ihr Kopf: berauscht von dem Geschmack, ihre Zunge: betäubt. Sie kostete, Löffel um Löffel, und vergaß für ein paar Minuten die Welt um sich herum. „Was um Gottes Willen, war das?“ fragte sie, nachdem sie wie eine hungrige Katze die Tasse leergeleckt und dann vorsichtig abgestellt hatte. „Und warum hast du uns das bisher nie gezeigt?“ – „Weil es ein Geheimrezept ist. Eine kleine Dosis meines Geheimnisses misch ich in all unsere Schokoladenwaren, aber das Rezept ist ursprünglich für diese Heiße Schokolade erfunden worden, die du nun kosten durftest. (…) Aber sie ist gefährlich. (…) Zu viel des Guten kann zu viel Schlechtes hervorbringen. Und ich habe noch keinen Menschen gesehen, der diese Schokolade gekostet und der danach nicht nach mehr verlangt und ja: nach mehr gegiert hätte. Aber Gier in Kombination mit Genuß kann zum Verhängnis werden. Merk dir das bitte!“

Was es mit dem süßen Fluch auf sich hat, der den fast 1.300 Seiten prallen Roman, dem freilich ein besseres Lektorat zugestanden hätte, lockend durchzieht, wird hier natürlich ebenso wenig verraten wie die Geheimrezeptur, aber in Zeiten der allgemeinen Teilhabe wollen wir nicht für uns behalten, welches Geschmackserlebnis sich bereiten kann, wer, am besten in schwelgerischer Gesellschaft, zu Anna Schukowas Weihnachtsgebäck eine Tasse Kakao trinkt, gekocht aus den erlesenen Zutaten der Heiligen Drei Könige: als da sind Gold in Gestalt von 400 ml Vollmilch, vorzugsweise von Demeter, Weihrauch in Form von vier gehäuften Teelöffeln Kakao (keinesfalls entölt!) und Myrrhe, eine Mischung aus je einer guten Prise Zimt, Nelke, Muskatnuß und Kardamon. Serviert im Geist von Glaube, Liebe und Hoffnung, gelingt nicht nur das Fest! Allerdings gilt auch hier die Warnung vor zu viel des Guten…

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