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Posts Tagged ‘Angelika Balleis’


Fragt man nach dem Erfolgsrezept der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir, gehört zu den wichtigsten Zutaten unbedingt die Kontinuität in den kollegial-freundschaftlichen Beziehungen der politischen Spitzen hier wie dort. Das weiß niemand besser als Nikolaj Winogradow, der in seiner Amtszeit von 1996 bis 2013 stets darauf bedacht war, zu Erlangen auf allen Ebenen beste Kontakte zu unterhalten, alte Freundschaften zu pflegen und immer bereit zu sein, auch neue Verbindungen einzugehen. Stets im Geist der Verständigung und unter seinem Motto: „Es gibt keine schlechten Völker, Nationen oder Parteien, es gibt nur schlechte Menschen.“

Florian Janik und Nikolaj Winogradow

Florian Janik und Nikolaj Winogradow

Nach Erlangen freilich ist der Politiker im Ruhestand gekommen, um all die guten Menschen wiederzusehen, die er in den Jahren einer engen Zusammenarbeit kennengelernt hatte. Besonders freut es ihn da, nun auch zum ersten Mal mit Florian Janik zusammenzutreffen und sich davon überzeugen zu können, wie sehr sich Erlangens Oberbürgermeister in der Tradition seiner Vorgänger im Amt, Dietmar Hahlweg und Siegfried Balleis, sieht, gerade wenn es um die Bedeutung der deutsch-russischen Verständigung geht. Da verstehen sich die beiden auf Anhieb.

Nikolaj Winogradow im stillen Gedenken an Gerd Lohwasser

Nikolaj Winogradow im stillen Gedenken an Gerd Lohwasser

Von einem alten Freund konnte der Gast nur noch stillen Abschied nehmen. Mit Gerd Lohwasser hatte Nikolaj Winogradow vieles eng verbunden: Geradlinigkeit, Zugewandtheit, Überzeugungskraft, Verläßlichkeit und vor allem dieser besondere Sinn für Humor und Pointe. So unterschiedlich sie ihrer Parteizugehörigkeit nach waren – der eine führender Kopf in der CSU, der andere aus dem Leitungskader der Kommunistischen Partei -, verstanden sie einander doch prächtig und waren einander in freundschaftlichem Respekt zugetan. Gute Menschen eben.

Russische Wochen in Erlangen 2016: Reinhard Beer, Peter Steger, Nikolaj Winogradow und Christine Flemming

Russische Wochen in Erlangen 2016: Reinhard Beer, Peter Steger, Nikolaj Winogradow und Christine Flemming; Photo: Günter Wolf

Es war wohl sein Credo von der Macht der guten Menschen, sein Glaube an jene, die für Verständigung und Versöhnung eintreten, gemischt mit seinem verschmitzten Witz, was das Publikum am Montagabend im Club International der Volkshochschule so für den Referenten einnahm. Sicher aber auch seine große Dankbarkeit dafür und seine ansteckende Freude darüber, was er alles in seiner aktiven Zeit in der Zusammenarbeit mit Erlangen hat erleben und gestalten dürfen: besonders das Erlangen-Haus und der Blaue Himmel, die ohne Nikolaj Winogradows Unterstützung – auch wenn er selbst das nie so formulieren würde – kaum hätten Wirklichkeit werden können.

Russische Wochen in Erlangen 2016: Siegfried Balleis, Rudolf Schwarzenbach und Klaus Wrobel

Russische Wochen in Erlangen 2016: Siegfried Balleis, Rudolf Schwarzenbach und Klaus Wrobel, im Hintergrund Dieter Argast; Photo: Günter Wolf

Zum gestrigen Abschiedsessen lud denn auch Nikolaj Winogradow, der heute wieder die Heimreise antritt, all seine engsten Erlanger Freunde ein – und erlebte etwas, das zu dieser Bürgerpartnerschaft gehört und doch immer wieder überrascht: Er begegnet einem alten Bekannten aus Wladimir, Fjodor Lawrow, der, eben erst angekommen, als Gründungsmitglied von Rotary Wladimir zur Ausarbeitung eines neuen Projekts bei seinen deutschen Klubfreunden zu Gast ist. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte, die ein andermal zu erzählen ist.

Angelika Balleis, Ludmila Winogradowa, Ludmila Kondratenko, Fjodor Lawrow, Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Siegfried Balleis, Peter Steger, Nikolaj Winogradow, Rudolf Schwarzenbach und Rainer Hornschild

Angelika Balleis, Ludmila Winogradowa, Ludmila Kondratenko, Fjodor Lawrow, Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Siegfried Balleis, Peter Steger, Nikolaj Winogradow, Rudolf Schwarzenbach und Rainer Hornschild; Photo: Nadja Steger

Es blieb schließlich Dietmar Hahlweg überlassen, prägnant dem Geist der Begegnungen mit Nikolaj Winogradow und der Partnerschaft insgesamt Ausdruck zu verleihen: „Wir sind alten Freunden treu und für neue immer offen.“ Ein Wahlspruch, der sich über mehr als 30 Jahre bewährte, eine Maxime, die noch lange Zeit währen möge.

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„Nichts brauchen wir derzeit mehr als solche Inseln der Freundschaft“, betont Nikolaj Winogradow immer wieder bei seinem Wiedersehen mit Freunden in Erlangen. Der ehemalige Gouverneur der Region Wladimir hat in seiner Amtszeit von 1997 bis 2013 und bereits davor als Abgeordneter und späterer Präsident der Gesetzgebenden Versammlung (Duma) alles getan, um die Zusammenarbeit der Partnerstädte zu fördern, ohne sich in die interkommunalen Beziehungen einzumischen. Kaum eine offizielle Delegation aus Erlangen, die nicht von ihm empfangen worden wäre, kein Großprojekt – wie das Erlangen-Haus oder der Blaue Himmel -, das er nicht maßgeblich unterstützt hätte. Kurzum: Die Bürgerpartnerschaft wäre nicht, was sie ist ohne das Mitwirken von Nikolaj Winogradow, der bei all seinen Besuchen in Erlangen – der letzte liegt nun freilich schon bald zehn Jahre zurück – immer auch das Gespräch mit Ehrenamtlichen und Interessierten suchte, besonders im Forum der Volkshochschule, wo er bereits in den 90er Jahren in dem von Klaus Wrobel geleiteten „Arbeitskreis Wladimir“ seine Sicht der Dinge vorstellte.

Ludmila und Nikolaj Winogradow

Ludmila und Nikolaj Winogradow

Stets anschaulich, pragmatisch und konstruktiv, ganz so wie er, ursprünglich aus dem Baugewerbe kommend, auch Politik machte. Nie ideologisch, wenngleich leitendes Mitglied der Kommunistischen Partei, sondern stets, wie ihm auch heute noch festzustellen wichtig ist, nach dem Buchstaben des Gesetzes und im Geist der Menschenliebe. Allein schon die lange Amtszeit, die übrigens mit der von Altoberbürgermeister Siegfried Balleis zusammenfällt, weist darauf hin, welch großen Respekt er sich in der Bevölkerung seiner Region erworben hatte. Man darf also gespannt sein, wenn Nikolaj Winogradow morgen um 20.00 Uhr im Club International der Volkshochschule mit seinem Vortrag über die gegenwärtige Lage in seinem Land – mit anschließender Diskussion – die Russischen Wochen eröffnet.

Siegfried und Angelika Balleis, Ludmila und Nikolaj Winogradow sowie Ludmila Kondratenko

Siegfried und Angelika Balleis, Ludmila und Nikolaj Winogradow sowie Dolmetscherin Ludmila Kondratenko

Wer jetzt noch nicht neugierg geworden ist, sei versichert, kein knochentrockenes Polit-Referat absitzen zu müssen, denn bei allem notwendigen Ernst, mit dem er jede Sache angeht, sitzt ihm der Schalk im Nacken, weiß er alles mit Humor zu nehmen. Kleine Kostprobe gefällig? Von seinem deutschen Freund darum gebeten, sich ins Gästebuch einzutragen, überlegt Nikolaj Winogradow kurz und lockert die Gedanken erst einmal mit einem Witz: Trifft ein Wolf im Wald ein Pferd. „Dich will ich fressen“, knurrt der Räuber seine Beute an. „Darfst du nicht!“ bekommt er da als Antwort zu hören. „Wie das? Ich darf, was ich will!“ – „Eben nicht, ich gehöre nämlich der Kolchose.“ – „Das kann jeder behaupten. Beweise mir das erst einmal.“ – „Ganz einfach: Das steht auf meinem Schweif. Schau doch nach, da kannst du es selber lesen.“ Der Wolf geht um das Pferd herum, sieht sich den Schweif an und bekommt im selben Moment einen Schlag mit dem Huf. Als er wieder zu sich kommt, kratzt er sich den Kopf und brummt: „Ich bin dir aber aber auch ein Blödmann. Ich kann doch gar nicht lesen…“

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Bei Waldspaziergängen hat die große Weltpolitik schon so manche entspannende Wendung genommen. Man denke nur an die stockenden Verhandlungen der Amerikaner mit den Sowjets in Sachen atomarer Mittelstreckenraketen Anfang der 80er Jahre, die am Genfer See erst nach einem Ausflug zu Fuß in die Natur der beiden Unterhändler wieder in Gang kamen. Nun bedarf die Städtepartnerschaft weder der Hilfe von Mittelsmännern noch beschäftigt sie sich mit der Begrenzung von Waffensystemen. Ihr Begehr ist es, möglichst viele Menschen zusammenzubringen, in Freundschaft zusammenzuarbeiten, einander zu schätzen und zu achten. Und möglichst viel gemeinsam zu unternehmen. Gern auch – wie gestern in vertrauter Runde – zusammen durch den Schnee der Fränkischen Schweiz zu stapfen und etwas für die „sibirische Gesundheit“ zu tun, die Vizekonsul Andrej Isjurow beim Empfang am Freitag Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg und allen Festgästen so herzerfrischend wünschte.

Dietmar Hahlweg, Nadja Steger, Alexander Rybakow, Igor Schamow, Angelika und Siegfried Balleis

Dietmar Hahlweg, Nadja Steger, Alexander Rybakow, Igor Schamow, Angelika und Siegfried Balleis

Dabei ist es ja nicht so, als wären die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir abgekoppelt von den geopolitischen Entwicklungen. Weder damals, als Dietmar Hahlweg im Geist der Ostpolitik von Willy Brandt die Aussöhnung mit den Feinden von einst suchte, noch später, als Siegfried Balleis auf kommunaler Ebene die Innovationspartnerschaft der Bundesregierung mit dem Kreml umzusetzen versuchte. Und heute nun die Annektion der Krim, der Krieg in der Ostukraine. Beides vermeidbar, wie Igor Schamow meint, schon zu Sowjetzeiten ein politischer Freigeist und Wirtschaftsliberaler, denn der Kreml hätte sich aus seiner Sicht auf dem Verhandlungsweg mit Kiew über die langfristige Nutzung des strategisch wichtigen Hafens von Sewastopol einigen können und müssen. Nun drohe die Gefahr, sich an dem Brocken zu verschlucken, von den Folgekosten für den Staatshaushalt ganz zu schweigen. Und erst recht von der bereits drastisch spürbaren Wirtschaftskrise, die auch der Partnerschaft Probleme bereiten wird, sind Reisen in den Westen doch wegen des Rubelverfalls für immer mehr Russen nicht mehr bezahlbar.

Siegfried Balleis, Igor Schamow, Alexander Rybakow und Dietmar Hahlweg

Siegfried Balleis, Igor Schamow, Alexander Rybakow und Dietmar Hahlweg

Wenn wir schon bei Problemen sind: Alexander Rybakow, der als Nachfolger von Igor Schamow (1990 bis 2002) sein Amt vor vier Jahren an Sergej Sacharow übergeben hatte, ist der letzte vom Volk gewählte Oberbürgermeister Wladimirs. Beim Urnengang im September werden die Wladimirer nur noch ihre Kandidaten in den Stadtrat entsenden, aus dessen Mitte dann ein neues Stadtoberhaupt bestimmt wird. Mit einem Mitspracherecht von 50% des Gouvernements. Eine Entwicklung die beiden Altoberbürgermeistern gar nicht behagt, denn damit wird die kommunale Selbstverwaltung von der „Vertikale der Macht“, der sich die beiden Gäste so verpflichtet fühlten, unvermittelt beendet. Wenn auch nur eines der derzeit 35 Mitglieder des Stadtrates für den Kandidaten der Gouverneurin Swetlana Orlowa stimmen sollte, hat der das Rennen gemacht. Sicher jemand von der Kreml-Partei Einiges Rußland, die Alexander Rybakow schon vor gut vier Jahren verlassen hat und der Igor Schamow nie angehörte.

Im Herrgottswinkel: Angelika und Siegfried Balleis, Dietmar Hahlweg, Alexander Rybakow, Igor Schamow und Rudolf Schwarzenbach

Im Herrgottswinkel: Angelika und Siegfried Balleis, Dietmar Hahlweg, Alexander Rybakow, Igor Schamow und Rudolf Schwarzenbach

Aber es waren natürlich nicht nur die Zukunftssorgen, die im Winterwald und im Herrgottswinkel der warmen Stube zur Sprache kamen: Es war vor allem der Dank für die Hilfe aus Erlangen, derentwegen ja Wladimir so hochrangig beim Geburtstagsempfang für Dietmar Hahlweg vertreten war, ein Vorgang, wie Bürgermeisterin Elisabeth Preuß beim morgendlichen Abschied ihres Kollegen, Sergej Sacharow, meinte, gerade in der jetzigen Krise der zwischenstaatlichen Beziehungen eigentlich bundesweite mediale Aufmerksamkeit verdient hätte. Es war der Dank für die Unterstützung mit der Aktion „Hilfe für Wladimir“ unter Federführung des BRK Erlangen-Höchstadt mit all den segensreichen Auswirkungen bis heute, etwa die Förderung der häuslichen Pflege; es war der Dank für die Heizkessel aus Erlangen, die „uns in Wladimir nicht haben erfrieren lassen“; es war der Dank für die Busse aus der Partnerstadt, um die Wladimir damals in den 90er Jahren landesweit beneidet wurde; es war der Dank für die ausgestreckte Hand der Weltkriegsveteranen; es war der Dank für wahre Freundschaft, die sich erweist, wenn man einander uneigennützig hilft; es war der Dank für so vieles, daß Altoberbürgermeister Siegfried Balleis auf die Idee kommt, mit den beiden russischen Kollegen doch auch einmal ein Zeitzeugengespräch zu machen. Auf jeden Fall sollte ihre einzigartige Erfahrung mit der Partnerschaft festgehalten werden.

Peter Steger, Igor Schamow, Dietmar Hahlweg, Alexander Rybakow und Angelika Balleis

Peter Steger, Igor Schamow, Dietmar Hahlweg, Alexander Rybakow und Angelika Balleis

Möglich macht diese Einzigartigkeit freilich ein wirklich selten gelungener Umstand: die reibungslose Weitergabe des Staffelstabes der Partnerschaft von Dietmar Hahlweg an Siegfried Balleis und Florian Janik – wie in Wladimir von den beiden bereits verstorbenen Michail Swonarjow und Wladimir Kusin an Igor Schamow, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow. Ein Wunder der politischen Kontinuität über Parteigrenzen, sprachliche, kulturelle und weltanschauliche Grenzen hinweg, – keineswegs selbstverständlich, wie an anderen Partnerschaftsverbindungen zu sehen. Etwas, wofür man wahrlich dankbar sein kann, etwas, wofür es sich einzusetzen lohnt. Damals wie heute.

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Eng bestuhlt war gestern der Redoutensaal, und kein Platz blieb mehr frei, als Oberbürgermeister Florian Janik gestern den Empfang zum 80. Geburtstag von Dietmar Hahlweg eröffnete. Des nicht enden wollenden Gratulationsdefilees wegen mit gut zwanzigminütiger Verspätung. Obwohl alle pünktlich gekommen waren, auch die Gäste mit der weitesten Anreise wie Oberbürgermeister Albrecht Schröter und sein Vorgänger im Amt, Peter Röhlinger, aus Jena, besonders aber Sergej Sacharow, Wladimirs Stadtoberhaupt, der eigens gestern eingeflogen war und heute schon wieder abreist.

Peter Steger und Sergej Sacharow

Peter Steger und Sergej Sacharow

Ein eindrucksvolles Zeichen der Verbundenheit mit dem Jubilar, der nicht nur die Partnerschaft als solche begründete, sondern auch den Anstoß zu dem bis heute wichtigsten Gemeinschaftsprojekt, dem Erlangen-Haus, gab. Lange hätte der hohe Gast da referieren können, von der Aktion „Hilfe für Wladimir“ über das „Kesselhaus Wladimir“ bis zu der Kooperation zwischen den Schulen und Universitäten, wäre ihm mehr Zeit dafür geblieben. Aber in Erlangen weiß man ja, was Wladimir für Dietmar Hahlweg bedeutet, und in der russischen Partnerstadt weiß man es zu schätzen. „Wir haben 14 Partnerstädte, aber wenn man die Leute auf der Straße danach fragt, werden 95% nur Erlangen nennen“, so Sergej Sacharow und überbrachte denn auch Erlangens Altoberbürgermeister in Anerkennung der einzigartigen Leistungen für die Städtefreundschaft die Medaille für besondere Verdienste um Wladimir mit dem dazugehörigen Beschluß des Stadtrates.

Dietmar Hahlweg und Andrej Isjurow

Dietmar Hahlweg und Andrej Isjurow

Doch damit nicht genug der Ehren: Eigens aus München reiste gestern Vizekonsul Andrej Isjurow an, um Dietmar Hahlweg das Abzeichen des Außenministeriums der Russischen Föderation zu überreichen, verliehen für die außergewöhnlichen Verdienste um die deutsch-russische Verständigung. Dann erst, nach der Begrüßung durch seinen Nachfolger, Florian Janik, nach der Laudatio von Staatsminister Joachim Herrmann, nach dem Grußwort von Albrecht Schröter, der „den Osten wiedervereinte“,  und erst nach den Ehrungen durch den Wladimirer Kollegen und den russischen Diplomaten, trat die Hauptperson ans Rednerpult, um ihre Dankesworte zu sprechen.

Dietmar Hahlweg

Dietmar Hahlweg

Die hohen Auszeichnungen der Russischen Föderation und der Partnerstadt Wladimir habe ich freudig entgegengenommen, persönlich, aber vor allem auch stellvertretend für die vielen, die sich in den mehr als 30 Jahren in der Partnerschaft mit Wladimir engagierten. Dank auch für die guten Worte, die Sie für unser Bemühen um Aussöhnung und um dauerhaften Frieden mit Rußland gefunden haben. So froh und stolz wir auf das Erreichte auf kommunaler Ebene sind, so sehr bedrückt uns die nicht mehr für möglich gehaltene fortschreitende Entfremdung im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise. Unser aller sehnlichster Wunsch ist daher eine möglichst schnelle Lösung auf strikt diplomatischem Wege.

Angelika und Siegfried Balleis, Geswid Herrmann, Florian Janik und Heidi Hahlweg

Angelika und Siegfried Balleis, Gerswid Herrmann, Florian Janik und Heidi Hahlweg

Diesen Worten seines Parteifreundes und Mentors weiß sich auch Florian Janik verpflichtet, der in seiner Begrüßung gerade auch die überragende Bedeutung der „östlichen Partnerschaften“ für Erlangen, gerade auch jetzt in dieser Zeit neuer Konfrontationen, hervorhob und ja auch seit dem ersten Tag seines Amtsantritts diese Tradition der Freundschaft zu Jena und Wladimir von seinen Vorgängern, Dietmar Hahlweg und Siegfried Balleis, ebenso begeistert wie überzeugt fortführt.

Rolf Wurzschmitt und Igor Schamow

Rolf Wurzschmitt und Igor Schamow

So ein Empfang bietet aber Gelegenheit, sich an ganz konkrete Freundschaftsbeweise zu erinnern. Igor Schamow, in den schweren Jahren der Post-Perestrojka von 1990 bis 2002 Oberbürgermeister von Wladimir, drückt es so aus: „Freunde beweisen sich in der Not!“ Einer dieser unvergessenen Freunde ist Rolf Wurzschmitt. Buchstäblich auf Zuruf hat der damalige Chef der Erlanger Stadtwerke die beiden ausgemusterten Heizkessel der Siemens AG ausfindig gemacht und im Dezember 1991 auf den Weg geschickt, die noch heute im „Kesselhaus Erlangen“ ihren Dienst tun und ganze Straßenzüge in der Partnerstadt mit Fernwärme versorgen. Mit seinem Namen sind die Busse verbunden, die Wladimir landesweit zu der Kommune mit dem besten Nahverkehr machten. Ohne ihn würde dem Erlangen-Haus so manches Gewerk fehlen. So manches Wasserrohr wäre vielleicht heute noch leck, hätte Rolf Wurzschmitt nicht für Abhilfe gesorgt. „Wir bleiben Ihnen unendlich dankbar für diese Unterstützung“, so Igor Schamow, worauf Rolf Wurzschmitt nur zurückgeben kann: „Es war eine beglückende und bereichernde Zeit für uns alle, und wir haben viel voneinander gelernt.“ Zwei große Macher, die viel zu dem beitrugen, was die Partnerschaft trägt.

Alexander Rybakow, Siegfried Balleis und Sergej Sacharow

Alexander Rybakow, Siegfried Balleis und Sergej Sacharow

Und dann Alexander Rybakow und Sergej Sacharow, die besonders eng mit Siegfried Balleis zusammenarbeiteten und all das fortführten und ausbauten – mit vielen neuen Schwerpunkten und anderen Akzenten -, was Dietmar Hahlweg und Igor Schamow aufgebaut hatten. Wobei an einem solchen Tag immer auch mitgedacht werden darf, was die bereits verstorbenen Vorsitzenden des Exekutivkomitees des Stadtsowjets, wie die Oberbürgermeister in den 80er Jahren noch genannt wurden, Michail Swonarjow und Wladimir Kusin, gemeinsam mit dem politischen Eisbrecher aus Erlangen begründeten. Nichts anderes und nichts weniger als eine historische Leistung.

Sergej Sacharow, Joachim Herrmann und Dietmar Hahlweg

Sergej Sacharow, Joachim Herrmann und Dietmar Hahlweg

Darauf immer wieder aufzubauen, ist auch ein Anliegen von Staatsminister Joachim Herrmann, der nicht nur zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft 2013 nach Wladimir gereist war, sondern dieser besonderen Beziehung von Beginn an wohlwollend gegenüberstand. Deshalb gilt diesem Bereich auch ein eigener Absatz seiner Laudatio:

Mit großem Engagement haben Sie sich dafür eingesetzt, neue Städtepartnerschaften zu bergründen. Besondere Bedeutung kommt hier den Partnerschaften mit den Städten Wladimir und Jena zu. Denn sie wurden zu einer Zeit geknüpft, als ein lebendiger Bürgeraustausch und Begegnungen nur unter erschwerten Bedingungen möglich waren. Dennoch war es Ihnen ein Herzensanliegen, diese kommunalen Partnerschaften mit Leben zu erfüllen.  Ihre Verdienste um die Völkerverständigung und Partnerschaften wurden mit dem Ehrendoktor der Staatlichen Pädagogischen Universität Wladimir, dem Ehrenbürger der englischen Partnerstadt Stoke-on-Trent und der Ernennung zum Ritter der französischen Ehrenlegion besonders gewürdigt.

Siegfried Balleis, Igor Schamow, Dietmar Hahlweg, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow

Siegfried Balleis, Igor Schamow, Dietmar Hahlweg, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow

Da konnte der Laudator freilich noch wissen, welche beiden Auszeichnungen an diesem so gelungenen Festabend – der Jubilar vergaß denn auch nicht, den „tüchtigen Rathäuslern, Herrn Lerche, Frau Lotter und Frau Steinhäußer, die die Hauptlast der Vorbereitung dieser Veranstaltung getragen haben“, zu danken – noch hinzukommen würden. Besonders schön seine Geste an die Gattin des politischen Wegbegleiters:

Dietmar Hahlweg und Sergej Sacharow

Dietmar Hahlweg und Sergej Sacharow

Ein ausdrückliches Wort des Dankes möchte ich heute auch an Sie, liebe Frau Hahlweg, richten. Als Ehefrau des Oberbürgermeisters der Stadt Erlangen mußten Sie auf Ihren Ehemann oft verzichten. Über lange Jahre hinweg brachten Sie großes Verständnis für das Berufsleben Ihres Mannes auf. Das ist nicht selbstverständlich – ein ganz herzliches Dankeschön dafür.

Heidi Hahlweg und Albrecht Schröter

Heidi Hahlweg und Albrecht Schröter

Recht hat er damit, denn gerade auch die Partnerschaften – neben all den vielen Amtsverpflichtungen vor Ort – hat Heidi Hahlweg immer mit viel Einfühlungsvermögen begleitet und damit so manche Reise im Geist der Verständigung gelingen lassen. Ganz zu schweigen von ihren ganz privaten Initiativen, etwa die damals so wichtigen Medikamentenspenden für das Kinderkrankenhaus in Wladimir.

Gruppenbild

Gruppenbild einer deutsch-russischen Freundschaft

Während der Grandseigneur der Partnerschaften noch im Redoutensaal die Honneurs machte, traf sich auf Einladung von Altoberbürgermeister Siegfried Balleis noch ein illustrer Kreis, dem neben den Gästen aus München, Jena und Wladimir auch der Präsident der Friedrich-Alexander-Universität, Karl-Dieter Grüske, seine Ehefrau Ingrid und Altkanzler Thomas Schöck teilnahmen. Eine Begegnung unter Freunden, wie sie – gerade in schwierigen Zeiten – öfter stattfinden sollte. Da fügt es sich atmosphärisch ins Bild, wenn der wissenschaftliche Leiter der zweitgrößten Hochschule Bayern nicht nur von seiner Begegnung mit Wladimir Putin in München oder seinem Besuch in Wladimir im Mai 2012 berichten kann, sondern zur Überraschung aller auch Einblick in seinen Stammbaum gibt. Da nämlich findet sich ein Urgroßvater aus der Gegend um Moskau, der vor der Zwangsrekrutierung unter dem Zaren nach Schlesien geflüchtet ist und seiner Familie, die es dann nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschlug, seinen mittlerweile eingedeutschten russischen Namen, Gruschka, vererbte. Auch so etwas, das diese wunderbare Partnerschaft im Innersten zusammenhält.

Was für ein zerbrechlich Gut der Friede im Europäischen Haus ist, zeigen eindrucksvoll-bedrückend diese Bilder ganz ohne Schuldzuweisung, ohne Blut, ohne Tote: http://is.gd/muVe2K

 

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Seit Montag schon ist Pfarrer Sergej Sujew in Erlangen, um den Fortgang der Bauarbeiten am Pilgerhaus seiner Rosenkranzgemeinde vorzustellen, unterstützt von den beiden Unternehmern Dmitrij Pawlow und Alexej Kurilow und begleitet von einer Jugendgruppe, auf die der Blog dieser Tage noch zurückkommen wird. – Und mit dem Ziel, Gespräche mit den katholischen Hilfsorganisationen Kirche in Not und Renovabis zu führen, weil sich das Projekt wegen der so nicht vorhersehbar aufwendigen Stützmaßnahmen erheblich verteuern dürfte: von der ursprünglich veranschlagten Million auf nunmehr etwa 500.000 Euro mehr.

Udo Zettelmeier, Sergej Sujew und Josef Dobeneck

Udo Zettelmaier, Sergej Sujew und Josef Dobeneck

Doch gestern stand für den Geistlichen nach den ermutigenden Verhandlungen in Freising, dem Sitz von Renovabis, eine Feierstunde im Zentrum des Programms: die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Altoberbürgermeister Siegfried Balleis, den der Laudator, Altministerpräsident Edmund Stoiber, in seiner politischen Bedeutung einen Solitär nannte, dem Erlangen unendlich viel zu verdanken habe. Auch weil er, nach den anerkennenden Worten seines Nachfolgers, Florian Janik, stets findig auf der Suche nach der Stadt Bestem gewesen sei.

Ehepaar Siegfried und Angelika Balleis, beklatscht von Florian Janik und Edmund Stoiber

Ehepaar Siegfried und Angelika Balleis, beklatscht von Florian Janik und Edmund Stoiber

Etwas, womit beide Redner dem Publikum aus dem Herzen sprachen, was spätestens spürbar war, als sich das ganze Foyer der Heinrich-Lades-Halle von den Sitzen erhob, um dem Geehrten stehende Ovationen zu spenden. Vielleicht gibt es ja doch sogar in der Politik Momente der Dankbarkeit. Wer gestern im Publikum war, hat davon jedenfalls eine Ahnung erfahren.

Siegfried Balleis und Sergej Sujew

Siegfried Balleis und Sergej Sujew

Dankbar zeigte sich nach dem Festakt besonders Sergej Sujew. In Wladimir kennt man die Sentenz von Siegfried Balleis, der gegenüber Chorleiter Eduard Markin nach dem Adventskonzert der Wladimirer Knaben 1996 in Frauenaurach auf die Frage, ob er die Partnerschaft ebenso erfolgreich entwickeln wolle wie sein Vorgänger, Dietmar Hahlweg, zuversichtlich und bestimmt meinte: „Sogar noch besser!“ In der Tat gab er sich ja nie und bei nichts mit dem Guten zufrieden. Gerade auch nicht bei den internationalen Beziehungen, die er um Beşiktaş und Riverside erweiterte, ohne die umfassende Intensivierung aller anderen Verbindungen hintan zu stellen. Und Wladimir? Da lag dem Gemeindemitglied von St. Theresia, dessen Pfarrer, Udo Zettelmaier, wie es die Fügung will, Vorsitzender des Fördervereins Nadjeschda ist, das Schicksal der Katholiken besonders am Herzen. Kein Aufenthalt in Wladimir ohne Besuch eines Gottesdienstes in der Rosenkranzkirche. Kein Gespräch mit den russischen Kollegen, in dem er nicht auch die Rede auf die Rolle der romtreuen Christen gebracht hätte.

Florian Janik und Sergej Sujew

Florian Janik und Sergej Sujew

Eine Tradition, die auch sein Nachfolger im Amt, Florian Janik, fortführen möchte. Zumal er selbst berichtet, von seinem Vorgänger in fast schon freundschaftlicher Atmosphäre die Amtsgeschäfte übernommen zu haben. In einer Weise, die stilbildend werden solle. Da verwundert es nicht, wenn Erlangens Oberbürgermeister die Einladung annimmt, bei seinem Antrittsbesuch Ende September auch die Rosenkranzgemeinde zu besuchen und sich einen Eindruck vom Fortgang der Bauarbeiten am Pilgerheim zu machen.

Sergej Sujew und Albrecht Schröter

Sergej Sujew und Albrecht Schröter

Leider fehlte die Zeit, um auch mit seinem Amtsbruder, Albrecht Schröter, im Zivilberuf Oberbürgermeister der Partnerstadt Jena, ins Gespräch zu kommen. Doch das wird sicher so nicht bleiben, schließlich will Sergej Sujew für sein Projekt möglichst viele Verbündete gewinnen, auch in Thüringen. Und da könnte eine Zusammenarbeit der Kirchen im Partnerschaftsdreieck Erlangen – Jena – Wladimir eine herausragende Rolle spielen.

Sergej Sujew im Kreis des Fördervereins Nadjeschda

Sergej Sujew im Kreis des Fördervereins Nadjeschda

Am Abend schließlich erklärt der Gast, assistiert von Alexej Kurilow und Dmitrij Pawlow (auf dem Photo links von Sergej Sujew), die Gründe für die Verteuerung des Projekts den Mitgliedern des Fördervereins Nadjeschda und zeigt sich zuversichtlich, was die weitere Finanzierung des Vorhabens angeht. Besonders auch, weil Rolf Bernard (dritter von links im Bild) bereit ist, die Rolle des Koordinators und Kurators zu übernehmen und das Prozedere zu überwachen. Schon im August will der Pionier des christlichen Jugendaustausches mit Wladimir vor Ort die ehrenamtliche Arbeit aufnehmen. Etwas, das Sergej Sujew für nicht weniger wichtig hält als die Unterstützung der Hilfsorganisationen mit Geld: die Solidarität, die Freundschaft, das gegenseitige Verstehen. Wenn man weiß, daß er als Dekan für die Gemeinden in Perm, Kirow, Nischnij Nowgorod, Jaroslawl, Iwanowo und Wladimir zuständig ist, begreift man, wovon er spricht. Er allein nämlich kann dieses bisher umfangreichste Projekt im Rahmen der Städtepartnerschaft nicht schultern. Gut für ihn, den Solitär der russischen katholischen Kirche, zu erfahren, daß man ihm in Erlangen zur Seite steht.

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Als Eduard Markin nach dem Konzert seines Knabenchors im Advent 1996 Siegfried Balleis, damals gerade erst ein gutes halbes Jahr im Amt des Oberbürgermeisters, ganz offen fragte, ob es denn mit der Städtepartnerschaft so gut weitergehen werde, wie dies unter seinem Vorgänger, Dietmar Hahlweg, der Fall war, freute sich der Maestro aus Wladimir über die verheißungsvolle Antwort: „Aber ja, unsere Beziehungen sollen sogar noch besser werden.“ Ob dies gelungen ist? Darüber zu richten, bleibt späteren Kommentatoren und künftigen Historiographen der deutsch-russischen Beziehungen vorbehalten. Doch daß Siegfried Balleis im Austausch mit Wladimir unentwegt wegweisende Initiativen ergriffen hat, zeigt noch der unvollständigste Rückblick auf sein Wirken – im guten Geist des Begründers der Partnerschaft, Dietmar Hahlweg.

Siegfried Balleis und Sergej Schtschedrin, Pressesprecher Stadtrat Wladimir, im Wahlkampf 2013

Siegfried Balleis und Sergej Schtschedrin, Pressesprecher Stadtrat Wladimir, im Wahlkampf 2013

Bereits als Wirtschaftsreferent reiste Siegfried Balleis 1989 nach Wladimir, begleitet von einer kleinen Delegation von Geschäftsleuten. Auch wenn der Diplom-Kaufmann die ökonomischen Beziehungen zur Partnerstadt später einmal einen „steinigen Acker“ genannt hat, gelang doch schon kurz nach diesem Besuch die Gründung des Fuhrunternehmens Transmoros, des ersten Joint Ventures, das später sogar zwei Büros im Erlangen-Haus anmieten sollte. Auch wenn Erlangens Stadtoberhaupt, seinem Impetus entsprechend, immer gerne noch eine Schippe draufgelegt hätte, tat sich in seiner mit dem heutigen Tag endenden Amtszeit viel mehr im wirtschaftlichen Bereich, als gemeinhin angenommen, vor allem im Bereich des Mittelstandes. Regelrecht elektrisiert aber haben den promovierten Politik- und Kommunikationswissenschaftler die Perspektive des Baus einer Hochgeschwindigkeitstrasse mit Halt in Wladimir auf dem Weg von Moskau nach Kasan und die Pläne für einen Flughafen in der Partnerstadt. Ungeahnte Möglichkeiten für die Weiterentwicklung der Wirtschaftskontakte sogar im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Metropolregion Nürnberg und dem Gouvernement Wladimir. Eine Perspektive, deren Chancen zu nutzen, Siegfried Balleis nun seinem Nachfolger im Amt, Florian Janik, ans Herz legen möchte.

Siegfried Balleis und Sergej Schtschedrin: From Erlangen with Love

Siegfried Balleis und Sergej Schtschedrin: From Erlangen with Love

Nicht von ungefähr nannte Michail Gorbatschow im April des Jahres 2002 am Rande einer vom MDR moderierten Podiumsdiskussion die Städtepartnerschaft gegenüber Siegfried Balleis, der bereits 1993 mit einer Stafette nach Wladimir geradelt ist, eine „Brüderschaft“, die im gleichen Jahr von Bundespräsident Johannes Rau mit dem 1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland ausgezeichnet wurde. Es folgten weitere öffentliche und überregionale Anerkennungen bis hin zur Aussage der deutschen Botschaft in Moskau, es gebe wohl kaum eine intensivere deutsch-russische Bürgerpartnerschaft mit ihren derzeit mehr als einhundert Austauschprogrammen jährlich.

Joachim Herrmann, Sergej Sacharow, Siegfried Balleis

Joachim Herrmann, Sergej Sacharow, Siegfried Balleis im Juni 2013

Hinter diesem Lob stehen konkrete Projekte, von denen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die wichtigsten genannt werden sollen: Aufbau von E-Government in der Stadtverwaltung Wladimir, Kooperationsvertrag zwischen dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen und der FAU mit der Staatlichen Universität Wladimir; Reaktivierung des Roten Kreuzes Wladimir; Start des Zentrums für Natur- und Erlebnispädagogik „Blauer Himmel“; Baubeginn des Pilgerzentrums der Rosenkranzgemeinde; Bereitstellung von technischem Gerät für das Klärwerk Wladimir; Ausbau des Fachaustausches im Bereich der Medizin. Schließlich ein Höhepunkt 2008 mit der Unterzeichnung des Partnerschaftsdreiecks Erlangen – Jena – Wladimir. Alles eingefügt in ein überreiches und vielfältiges Programm von Jugend- und Kulturaustausch.

Angelika und Siegfried Balleis mit Sergej Sacharow vor dem Erlangen-Haus, Mai 2013

Angelika und Siegfried Balleis mit Sergej Sacharow vor dem Erlangen-Haus, Mai 2013

Von besonderer emotionaler Bedeutung bleibt sicher die Ehre, als erster Deutscher am Tag des Sieges in Wladimir gesprochen zu haben. Zur gleichen Stunde war Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Roten Platz in Moskau nur die Rolle der Zuhörerin zugedacht. Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit, die ihren Ausdruck auch in jenem Holzhaus findet, bei dessen Bau in der Fränkischen Schweiz Siegfried Balleis als Junge seinem Vater helfen durfte. Diese „Datscha“ nach russischem Vorbild – der Vater war in sowjetischer Kriegsgefangenschaft – hätte vielleicht noch als Blaupause für ein Wladimir-Haus in Erlangen dienen können, als Gegenstück zum Erlangen-Haus in Wladimir, dessen Geschicke Erlangens Oberbürgermeister 18 Jahre lang, wie Geschäftsführerin Irina Chasowa in ihrem Dankschreiben betont, zusammen mit seinen russischen Amtskollegen, Igor Schamow, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow, leitete.

Angelika und Siegfried Balleis mit Dietmar Hahlweg bei Kranzniederlegung am 9. Mai 2010

Angelika und Siegfried Balleis mit Dietmar Hahlweg bei Kranzniederlegung am 9. Mai 2010

Siegfried Balleis ist Polit-Profi genug, um zu wissen: Dank sollte man eher nicht erwarten. Aber wer einmal erlebt hat, mit welcher Leidenschaft er sich gerade für die Partnerschaft mit Wladimir (und längst nicht nur für diese!) einsetzte, weiß auch, was ihm in dem Bereich zu verdanken ist. Der Blog schließt deshalb für heute mit Peter Alexander: „Sag‘ beim Abschied leise ‚Servus‘, nicht ‚Lebwohl‘ und nicht ‚Adieu‘, diese Worte tun nur weh.“ – Und ein großes DANKE / СПАСИБО!

Siehe auch: http://is.gd/hqMHzB

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Angelika Balleis sah es bei ihrem Besuch zum dreißigjährigen Partnerschaftsjubiläum kommen: Die Radfahrer werden in Wladimir bald das Straßenbild mitprägen. Damit meinte sie nicht die Teilnehmer an der Rennstrecke durch die Stadt, angeführt von ihrem Mann, der mit seinem Kollegen, Sergej Sacharow, die Leidenschaft für den Radsport teilt. Damit meinte sie auch nicht jene Langstreckler vom Schlag eines Peter Smolka oder des Ehepaars Doris und Klaus Höhle, die von Erlangen aus bis nach Wladimir geradelt waren. Auch nicht Gennadij Stachurlow oder Wladimir Panow, die mit ihren Zweirädern schon die Strecke in umgekehrter Richtung zurückgelegt haben.

Radwegmarkierung in Wladimir

Radwegmarkierung in Wladimir

Die Gattin des Erlanger Oberbürgermeisters hatte vielmehr die wachsende Zahl junger Leute im Auge, die das Rad offensichtlich zum Trendobjekt machen, damit auch Fakten schaffen und Forderungen nach geeigneten Wegen stellen.

Radler auf dem Fußweg, Fußgänger auf dem Radweg...

Radler auf dem Fußweg, Fußgänger auf dem Radweg…

Ob es nun an dem Vorbild Erlangens lag – während des Jubiläums immer wieder von den Medien thematisiert -, oder ob auch hier, wie in vielen anderen Fragen, die kommissarische Gouverneurin, Swetlana Orlowa, den Ausschlag gab, von der man sich erzählt, sie visitiere die Straßen in ihrer Wahlheimat Susdal vom Fahrradsattel herab, werden künftige Velohistoriker zu untersuchen haben. Jedenfalls ist dieser Tage in Wladimir der erste Kilometer eines Radweges freigegeben worden.

Kombinierter Rad- und Fußweg in Wladimir

Kombinierter Rad- und Fußweg in Wladimir

Und damit nicht genug. Bis Ende des Sommers soll ein sechseinhalb Kilometer langer Rundweg entstehen, der die Universitätsstandorte verbindet. Ein Anfang immerhin nach Jahren der totalen Ausrichtung auf den motorisierten Individualverkehr mit allen bekannten Folgen.

Mit dem Strom der Autos auf dem Rad in Wladimir

Mit dem Strom der Autos auf dem Rad in Wladimir

Bis freilich – wie in Erlangen – ein ganzes Radwegenetz entstanden ist, das auch die Altstadt durchzieht, mag noch einige Zeit hingehen, wird man noch lange und immer mehr über die Verkehrsstaus klagen. Zumindest so lange, wie die allermeisten in der wunderlichen Welt der Automobilisten noch nicht glauben, daß Gott Fahrrad fährt, wie wir bei Maarten ‚t Hart so wunderschön lesen können.

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