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Posts Tagged ‘Andrej Schochin’


Ein einziges Bild zeigt, wie anders heuer der Tag des Sieges in Wladimir begangen wurde.

Oberstadtdirektor Andrej Schochin, Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkonogow und Oberbürgermeisterin Olga Dejewa

Aber auch für all die Tausende, die ansonsten auf dem Platz des Sieges gestanden oder die Straßen gesäumt und an den Massenveranstaltungen teilgenommen hätten, verlief der 75. Jahrestag des Kriegsendes ganz anders als sonst: zu Hause, in Quarantäne, mit nur wenig Kontakt nach draußen und – besonders im Fall von kinderreichen Familien oder alten Menschen – oft auch in schierer materieller Not. Diese zu lindern sind derzeit Freiwilligentrupps unterwegs, die von Tür zu Tür gehen, um Essenspakete zu verteilen und Zuspruch zu geben.

Michail Mojsejantschik

Einer dieser Helfer und Tröster in Zeiten von Corona ist Michail Mojsejantschik, der hier im Blog mit seiner Aktion bereits vorgestellt wurde: https://is.gd/MHecfm

Sein Bericht von einer alten Frau, die er dieser Tage fast ohnmächtig vor Hunger vorgefunden habe, gab den Anstoß für eine Gemeinschaftsaktion: Mit einem Zuschuß der Stadt Erlangen in Höhe von 1.500 Euro kochte das Hotel Wosnessenskaja Sloboda unter Leitung von Anna Schukowa ein Festessen, das von den jungen Leuten um Michail Mojsejantschik an bedürftige Familien und Weltkriegsveteranen verteilt wurde.

Von dieser humanitären Geste der Partnerschaft berichtet der Regionalsender Gubernia 33 in folgender Sendung.

Bleibt noch die traurige Corona-Statistik nachzutragen: Mittlerweile sind, Stand 11. Mai, 10.00 Uhr 1.326 Menschen in der Region Wladimir infiziert, 249 davon in der Partnerstadt,  15 Personen verstarben, 100 gelten als genesen.

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Gestern gab Oberstadtdirektor Andrej Schochin bekannt, in Wladimir seinen derzeit zwei Personen positiv auf den Corona-Virus getestet, während 776 Rückkehrer aus dem Ausland oder von Reisen innerhalb der Russischen Föderation unter ärztlicher Beobachtung stehen und eine zweiwöchige Quarantäne einzuhalten haben. Der mit COVID-19 infizierte 48jährige Mann, der am 27. März im Kreiskrankenhaus von Kowrow verstarb, hatte während seiner Behandlung zu fast einhundert Personen Kontakt, weshalb dort ein neuer Ansteckungsherd droht. Unterdessen räumt das Gesundheitsamt der Region ein, es gebe zu wenig Testmöglichkeiten, man müsse wegen der abschließenden Bestätigung, die aus Moskau oder Nowosibirsk, wo die zentralen Labore angesiedelt sind, zu lange warten; überdies fehle es vor Ort an den notwendigen Reagenzien. Außerdem beginne man mit dem Bau von zwei Infektionskrankenhäusern, von denen es bisher kein einziges gebe.

Parallel dazu ruft Gouverneur Wladimir Sipjagin Betriebe und Privatpersonen dazu auf, Mundschutzmasken zu nähen. Banken sollen sich bei den Krediten für Geschäftsleute großzügig zeigen, und Betrieben werden Hilfen für Kurzarbeit versprochen. Und schon warnt auch die IHK der Region Wladimir vor den wirtschaftlichen Folgen des allgemeinen Kontaktverbots, das im Augenblick vor allem den Handel sowie Gastronomie und Hotellerie trifft. Wenn man jetzt nicht bei den Steuern einen Nachlaß einräume, so der Präsident der IHK, Iwan Axjonow, werde der Staat nach der Krise gar keine Gewerbesteuer mehr einnehmen… Sowohl die innerstädtischen wie auch die regionalen und überregionalen öffentlichen Verkehrsverbindungen gehen in den Wochenendtakt über, wenn sie nicht sogar ganz eingestellt werden, und sogar das Standesamt kommt zum Stillstand: Hochzeiten und Scheidungen sind erst im Sommer wieder möglich. Und im Landkreis Petuschki, der an die Region Moskau grenzt, werden drei weitere positive Tests gemeldet.

Erfreulich, wie rasch die Zivilgesellschaft aber den Zusammenhalt in der Krise unter Beweis stellt: Da übernehmen Jugendliche die Einkäufe für die Menschen über 65, die derzeit die Wohnung gar nicht mehr verlassen dürfen, da werden Konzerte und Lesungen oder Schauspiele bis hin zu Puppentheateraufführungen ins Netz gestellt, und da spricht man einander Mut und Zuversicht zu. Ganz wie überall dort – auch in Erlangen – wo der Virus die Gesellschaft im Griff hält. Leider aber sind natürlich auch viele Falschmeldungen und Irreführungen in Umlauf, und bei vielen ist der Ernst der Lage noch nicht angekommen. Immerhin aber rief nun Patriarch Alexij dazu auf, keine Gottesdienste mehr abzuhalten. Auch wenn die Kirchen noch offen bleiben, solle man vom Küssen der Ikonen absehen… In der mehr als tausendjährigen Geschichte der russischen Orthodoxie gab es das noch nie: einen Aufruf, der heiligen Messe fernzubleiben. Ein starkes Zeichen in schweren Zeiten, die auf die Russen zukommen.

Da tröstet vielleicht ein Tagebucheintrag des 2002 verstorbenen deutsch-russischen Künstlers Pjotr Dik aus Wladimir, dessen Bilder diesem Beitrag ihre so eigene Aura verleihen:

Kunst ist die Fähigkeit zu lieben, offen für die Welt zu sein. Mir ist nicht gleichgültig, mit welchen Augen wir die Welt betrachten. Mit ist der Mensch wichtig, die Atmosphäre der Welt, das heißt, wie wir die heutigen Probleme bewältigen und welche Aura wir hinterlassen. Wir haben keine Alternative. Beeilt euch, gute Werke zu tun, nur so können wir überleben.

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Noch wächst sie langsam in Rußland, die Zahl der positiv auf Corona getesteten Personen. Stand heute 6.00 Uhr zählt man gerade erst 63, von denen drei schon wieder genesen sind, aber Oberstadtdirektor Andrej Schochin handelt sicher vom Standpunkt der Epidemiologen richtig, wenn er per Verfügung ähnlich verfährt wie die Region Moskau und einige andere Gouvernements und erste Schritte unternimmt, um das öffentliche Leben einzuschränken.

Ikonenmaler Andrej Rubljow mit Mundschutz auf dem Kathedralenplatz von Wladimir, montiert von Zebra-TV

Zu den ersten prophylaktischen Maßnahmen gehört, daß ab heute die Warnstufe „erhöhte Alarmbereitschaft“ für die Partnerstadt – wenngleich noch nicht für die Region – ausgerufen wurde. Dazu gehört die Möglichkeit für Eltern, ihre Kinder ab sofort nicht mehr in die Schule, Betreuungseinrichtungen oder Sportstätten zu schicken. Wie sich das entwickelt, wird man sehen. Vielleicht wäre es doch besser, diese schwierige Entscheidung nicht den Eltern zu überlassen. Aber es ist ja auch nur ein erster Schritt in einer Stadt und Region wo bisher kein einziger Infektionsfall gemeldet wird. Jedenfalls hat das Schulamt bereits die Anweisung, alle Möglichkeiten zu schaffen, um auf Fernunterricht umzuschalten.

Darüber hinaus verfügt Wladimirs City-Manager alle Arbeitgeber, niemanden an den Arbeitsplatz zu lassen, der unter Quarantäne steht. Die Betriebe und Firmen sind überdies verpflichtet, die Behörden über Kontaktpersonen zu unterrichten, mit denen eine infizierte Person zusammentraf. Und: Wer zur Arbeit geht, muß dort täglich Fieber messen. Wer erhöhte Temperatur hat, ist verpflichtet, sich sofort nach Hause und dort in eine zweiwöchige Quarantäne zu begeben.

Als nächster Schritt sind Einschränkungen bei den Massenveranstaltungen geplant. Wladimir tut gut daran, hat man doch noch einen entscheidenden zeitlichen Vorsprung bei all den Maßnahmen. Es möge gelingen! Wladimir bleibe gesund!

P.S.: Ab sofort stellt auch die Staatliche Universität Wladimir, einer Empfehlung des Bildungsministeriums folgend, den Lehrbetrieb um auf Fernstudium.

P.P.S.: Soeben, um 10.30 Uhr, wird gemeldet, 136 Personen befänden sich in der Region Wladimir in Quarantäne. Am Freitag waren es noch 80 Verdachtsfälle. Hinzugekommen sind ja nun wohl auch die fünf Austauschstudentinnen, die gestern zurückkehrten.

Aktualisierung um 14.00 Uhr: Die russischen Behörden zählen nun bereits 93 positiv auf den Corona-Virus getestete Personen, 30 mehr als noch heute morgen…

 

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Gestern besuchte Sebastian Reichle, Beauftragter der Deutschen Botschaft Moskau für die Region Wladimir, im Rahmen seines ersten offiziellen Besuchs in der Partnerstadt auch das Erlangen-Haus. Der vierunddreißigjährige Diplomat interessierte sich lebhaft für die Organisation der Deutschkurse, die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und natürlich die Partnerschaft insgesamt. Er zeigte sich beeindruckt von Umfang und Intensität der Zusammenarbeit zwischen Wladimir und Erlangen und bedauerte sehr, daß es in seiner Heimatstadt Stuttgart keinen derart vielfältigen Austausch mit Samara gebe.

Natalia Korssakowa und Sebastian Reichle im Intensivkurs

Da das Programm des Gastes eng getaktet war, blieb leider nur wenig Zeit für das Gespräch, aber immerhin nutzte er noch die Gelegenheit für ein Treffen mit einer Gruppe aus dem Intensivkurs des Niveaus A2, die gerade Unterricht hatte.

Alexander Dunjuschkin

Leider konnte Sebastian Reichle nicht im Erlangen-Haus übernachten, da derzeit der Heizkessel, vor 25 Jahren von der Firma Niersberger gespendet und seither von der Firma Pillipp gewartet, auf Vordermann gebracht wird. Auf dem Bild kann man sehen, wie der Kesselraum bereits neu gefliest ist. Nach Abschluß der Arbeiten schaltet sich der Kessel je nach Außentemperatur automatisch ein und aus und arbeitet damit ökonomischer, zuverlässiger und ökologischer, zumal es dann auch in jedem Stockwerk – Keller, erste und zwei Etage – ein geschlossenes Heizsystem geben wird. Zu sehen ist hier Alexander Dunjuschkin, ein von der Firma Buderus zertifizierter Monteur.

Tatjana Kirssanowa und Swetlana Schelesowa im Gespräch mit Sebastian Reichle

Zurück zum Antrittsbesuch des Diplomaten, der bereits vorgestern mit dem Frühzug aus Moskau gekommen war und der zunächst gleich weiter nach Gus-Chrustalnyj reiste, um dort das mit deutscher Beteiligung gegründete Unternehmen Bautex zu besuchen. Der Nachmittag war dann für ein Treffen mit Oberstadtdirektor Andrej Schochin im Rathaus und mit der Staatlichen Universität sowie einen Stadtrundgang reserviert. Gestern dann noch neben den Begegnungen im Erlangen-Haus ein Empfang im Weißen Haus, der Staatskanzlei der Region Wladimir, und der Besuch der Schule Nr. 23 mit ihren intensiven Verbindungen zu Erlangen, bevor es am Abend wieder zurück nach Moskau ging.

Irina Chasowa

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Nicht genug Kompetenzen, zu klein ihr dreizehnköpfiger Stab als Vorsitzende des Stadtrats und Oberbürgermeisterin von Wladimir, räumt nun Olga Dejewa selbst ein, und echte Probleme und Anliegen der Menschen könne sie ohnehin nur in enger Zusammenarbeit mit der kommunalen Verwaltung angehen, der als Oberstadtdirektor alle Fäden in der Hand halte. Nach der Entscheidung des Stadtrats – der Blog berichtete bereits darüber – hält nun auch in einer öffentlichen Stellungnahme das Stadtoberhaupt die Entscheidung für richtig, nach den Wahlen am zweiten September des kommenden Jahres wieder alle exekutive Macht in einer Person zu konzentrieren. Olga Dejewa, seit dreieinhalb Jahren im Amt, dazu wörtlich:

Nun ist also die Entscheidung gefallen: Stadtoberhaupt sollte eine Person sein, in Personalunion mit dem City Manager. Er leitet die Stadt, weil er auch mehr Vollmachten hat. Ihm stehen alle Hebel zur Verfügung, er hat alle Möglichkeiten, etwas zum Wohl der Stadt zu tun – vom Wohnungsbau über Bildung, Kultur, Sport und Jugend, also in sehr vielen Fragen. Das ist wohl auch richtig so.

Olga Dejewa und Andrej Schochin

Damit geht ein politisches Experiment in Wladimir zu Ende. Vor neun Jahren hatte man die Direktwahlen des Stadtoberhaupts abgeschafft, seit 2011 gibt es eine Doppelspitze, zunächst mit Sergej Sacharow und Andrej Schochin, seit September 2015 mit Olga Dejewa und Andrej Schochin, der sich nun nach den Wahlen wieder – gegen Konkurrenz – einem Berufungsverfahren stellen muß, um dann erneut vom Stadtrat im Amt bestätigt zu werden und auch die bisherigen repräsentativen Aufgaben des Stadtoberhaupts zu übernehmen.

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Schon im November hatte Oberstadtdirektor Andrej Schochin durchblicken lassen, er halte die seit einem Jahrzehnt in Wladimir regierende Doppelspitze aus Citymanager und Oberbürgermeisterin für nicht länger praktikabel, als er gegenüber den Medien sagte:

Ich habe Hochachtung vor meiner Kollegin Olga Dejewa. Wenn wir aber von einem System sprechen, das meiner Meinung nach effektiver wäre, halte ich dafür, die Doppelspitze abzuschaffen. Die Bürger sollten wissen, an wen sie sich wenden, wen sie kritisieren können. Ich meine, das System sollte ein Oberhaupt der Verwaltung und einen Vorsitz des Stadtrats vorsehen. So sehe ich das. Wie das dann alles umgestaltet wird, ist noch zu klären. Die Vollmachten legt ein föderales Gesetz fest, da gibt es nicht zu rütteln. Danach übt die Exekutive alle Vollmachten zur Umsetzung der Finanzierung aus, und teilweise hat auch der Stadtrat im Rahmen der Gesetzgebung einige Vollmachten.

Andrej Schochin und Olga Dejewa

Wie auch immer, in der Bevölkerung, die ihre obersten Vertreter schon seit zehn Jahren nicht mehr direkt wählen kann – der Citymanager wird nach einem Auswahlverfahren vom Stadtrat bestimmt, und zum Stadtoberhaupt kürt der Stadtrat jemanden aus seinen Reihen –  herrschte nie so recht Klarheit darüber, wer nun für was zuständig zeichnet. Diese Dekade der Unsicherheit geht nun zu Ende. Laut einem neuen Gesetz der Regionalduma, unterschrieben von Gouverneur Wladimir Sipjagin, können die Kommunen entscheiden, nach welchen Regeln sie wählen lassen: direkt oder indirekt. Für Wladimir bedeutet dies: Ab 2020 wird es keine Trennung mehr zwischen den Ämtern des Oberstadtdirektors und des Oberbürgermeisters mehr geben. Alle Leitungsfunktionen gehen auf den Chef der Verwaltung über, während der Stadtrat nur noch einen Vorsitzenden hat, der über keine weiteren Funktionen verfügt. De facto handelt es sich dabei um die Beschreibung des Istzustandes: Olga Dejewa nennt sich rein formal Oberbürgermeisterin, ohne, abgesehen von ihren repräsentativen Funktionen, über tatsächliche Vollmachten zu verfügen. Die faktische Macht in Händen hält Oberstadtdirektor Andrej Schochin. Wenn also im September nächsten Jahres in Wladimir Kommunalwahlen stattfinden, macht man sein Kreuzchen nur noch für die Zusammensetzung des Stadtrates, der dann entscheidet, wer allein das Sagen hat.

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Gestern verstarb im Alter von 95 Jahren Pawel Mochow, der sich im Juni 1941 freiwillig zur Roten Armee gemeldet hatte und nach Abschluß der zweijährigen Panzerfahrerausbildung an die Front ging. Vielfach dekoriert nahm der spätere Oberst an der Befreiung der Ukraine, Polens und der Tschechoslowakei teil. Den Sieg über die Wehrmacht erlebte er, verwundet, in Prag. Geboren 1923 in der Region Rjasan, diente Iwan Mochow noch in Rumänien, Moldawien, Moskau, Alma-Ata, am Aralsee und Bajkonur, bevor er sich 1970 in Wladimir niederließ und hier seinen Ruhestand genoß.

Iwan Mochow und Wolfgang Morell am 22. Juni 2011

1991 übernahm Pawel Mochow die Leitung des Wladimirer Veteranenvereins im Stadtteil Leninskij, 2005 wählte man ihn zum Vorsitzenden des Verbands der Frontkämpfer. Er war einer, die das Erinnern an die Schrecken des Krieges wachhielt – im Gespräch mit der jungen Generation und im Austausch mit den einstigen Feinden, den Veteranen aus Erlangen.

Wolfgang Morell, Iwan Mochow, Sergej Sacharow, Andrej Schochin, Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Preuß am 22. Juni 2011 auf dem Platz des Sieges

Ob öffentlich auf dem Platz des Sieges oder im privaten Gespräch, Pawel Mochow streckte den Deutschen immer die Hand zur Versöhnung aus und wünschte sich ein enges Bündnis zwischen beiden Ländern, um gemeinsam gegen die Vormacht der USA bestehen zu können. Auch wenn diese Hoffnung zu seinen Lebzeiten nicht mehr in Erfüllung ging, hat sich der Veteran in vorderster Front große Verdienste um die Verständigung zwischen Russen und Deutschen erworben. Wenn Wladimir morgen in der Kasaner Kirche auf dem Platz des Sieges von dem einstigen Rotarmisten Abschied nimmt, trauern mit den Angehörigen auch seine Freunde in Erlangen.

 

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