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Posts Tagged ‘Andrej Schochin’


Als Ergebnis der Kommunalwahlen gewann Einiges Rußland alle 25 Sitze im Stadtrat von Wladimir – zum ersten Mal in der postsowjetischen Geschichte der Partnerstadt. Die Wirkung dieses Ergebnisses zeigte sich bei der konstituierenden Sitzung: Nikolaj Tolbuchin wurde in weniger als einer Minute zum Ratsvorsitzenden gewählt, und Andrej Schochin erhielt zum dritten Mal in Folge die Schlüssel zur Macht in die Hand. Der Blog berichtete darüber gestern.

Auf Anfrage von Zebra TV erläuterte nun der auch in Erlangen bekannte Dmitrij Petrosjan, Doktor der Philosophie, außerordentlicher Professor des Lehrstuhls für soziale und geisteswissenschaftliche Disziplinen der Wladimirer Filiale der Russischen Akademie für Soziologie und Geisteswissenschaften und Direktor des „Zentralen Russischen Beratungszentrums“, die Ergebnisse des Wahlkampfs und zog die Schlußfolgerungen für alle, die an den politischen Prozessen in Wladimir beteiligt sind.

Dmitrij Petrosjan (rechts im Bild) bei einem Empfang mit für eine Wissenschaftlerdelegation mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß im Dezember 2019

Für diejenigen, die die Wahlen seit langer Zeit beobachten, ist nichts Unerwartetes geschehen. Zumindest, weil Ende 2019 die Abstimmung via Parteilisten durch die Abstimmung in Ein-Mitglieder-Wahlkreisen ersetzt wurde. Wie die Praxis der letzten Jahre zeigt, siegen in solchen einsitzigen Wahlkreisen traditionell die Vertreter der Partei Einiges Rußland. Ich erkläre dies damit, daß sie als Personen mit politischem Hintergrund oder solider Führungserfahrung antreten. Sie werden dem Wähler als Menschen mit Macht präsentiert, denen man vertrauen kann. Jeder, der sich gegen sie stellt, sieht hingegen wie ein Emporkömmling aus, was typisch für unsere politische Kultur ist.

Die Abstimmung über Parteilisten würde Kommunisten, Vertreter der Liberaldemokratischen Partei in den Stadtrat bringen, möglicherweise auch von Gerechtes Rußland und Jabloko. Gleichzeitig müssen wir, wenn wir über den Sieg von Einiges Rußland sprechen, bedenken, daß keiner der siegreichen Kandidaten, unterstützt von der Regierungspartei, in seinen Werbematerialien dem Wähler erklärt hat, mit wessen Unterstützung er antritt. Erst im Wahllokal, wurde klar, daß der Kandidat Einiges Rußland vertrat. Offenbar wird das Ansehen der Partei als zu niedrig angesehen, obwohl es sich dabei eher um ein Stereotyp handelt. Das Ansehen der Partei ist zwar tatsächlich zu niedrig, um eine Mehrheit über die Listen zu erhalten, aber in allen Umfragen würden 30-35% der Wähler für Einiges Rußland stimmen.

So oder anders wurde der Sieg in den Wahlkreisen mit einem Einzelmandat errungen, was vorhergesagt und wohl auch so geplant war. Reden wir nicht von Fälschungen ohne Beweise, obwohl all dies so meinen: Wahlen, die drei Tage dauern, sind für Beobachter äußerst schwer zu kontrollieren. Aber nehmen wir eine rein technologische Frage. Die niedrige Wahlbeteiligung hat bereits Tradition: Die 18% Wahlbeteiligung hatten wir nicht zum ersten Mal. Dies ist unter anderem das Ergebnis der Boykottstrategie, die bei früheren Wahlen wiederholt angewandt wurde, hat aber auch zu tun mit der Apathie und dem Mißtrauen der Wähler in Sachen freier Wahlen, ist ein Spiegelbild dessen, daß man meint, die eigene Stimme entscheide ohnehin nichts.

Gleichzeitig können wir nicht sagen, unser Volk sei unpolitisch und 80% der Wähler hätten kein Interesse an dem, was geschieht. Nein, sie sind interessiert, aber erinnern wir uns einmal, wie der Wahlkampf aussah. Ich bin jemand, der beruflich politische Prozesse beobachtet, aber selbst ich mußte auf eigene Faust Informationen über die Kandidaten recherchieren, danach suchen, was sie tun, wer von welcher Partei kommt und wer in welchem Wahlkreis nominiert ist. Im Aufzug des Hauses, in dem ich wohne, war immer das Porträt eines Vertreters von Einiges Rußland zu sehen, aber weder ein kommunistischer noch ein Kandidat der Vereinigten Demokraten tauchten in meinem Hof auf.

Junge Menschen versuchten, in sozialen Netzwerken Wahlkampf zu machen, aber es wurde nur ein Appell an ihre Unterstützer. Sie wandten sich überhaupt nicht an jene Menschen, die sie nicht kannten und zum ersten Mal ihren Namen sahen. Bei all dem Gerede über administrative Ressourcen, über mögliche Verfälschungen, rein technologisch haben unser System und die nichtsystemischen Oppositionellen es nicht verstanden, ihre Wählerschaft zu mobilisieren. Sie können weder ihr Elektorat genau definieren, noch dessen Größe bestimmen, und erst recht bringen sie ihre Wählerschaft an die Urne. Das ist ziemlich offensichtlich. Eine Person, die nicht speziell an politischen Prozessen interessiert ist – und wir haben mindestens die Hälfte davon -, wo soll so jemand etwas über die Kandidaten der Opposition, ihre Programme, für das, was sie stehen und was sie vertreten, in Erfahrung bringen. Das ist eine altbekannte Sache – im voraus zu verlieren. Unsere systemische Opposition – die Kommunisten oder die Liberaldemokraten – weiß, wie man sich an Wahlen beteiligt, und sie weiß, wie man es richtig macht. Doch der nichtsystemischen Opposition fehlt wahrscheinlich die Erfahrung, wie sie in den unterschiedlichen Wählerschichten Stimmen fangen kann.

Ob es Diskussionen im Stadtrat geben wird, oder ob er einstimmig wie nie zuvor sein wird, hängt davon ab, wie sich die sozioökonomische und politische Situation im Land und in der Region in den kommenden Jahren und vielleicht Monaten entwickelt, ob es neue Herausforderungen gibt, wie sich die Situation mit Corona entwickelt. Es ist klar, daß die Stadtratsmitglieder jetzt als Einheitsfront auftreten, außerdem ist das Amt des Ratsvorsitzenden nicht mehr so bedeutsam wie noch vor kurzem, und es besteht innerhalb der Partei ein Konsens über den Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters. Obwohl sich selbst hier, wie Sie wissen, der vielleicht letzte aktive Politiker in der Region Wladimir, Sergej Kasakow, eingemischt haben könnte und der nun ein Gerichtsverfahren mit dem Ziel angestrengt hat, die Wahl des Stadtoberhaupts zu annullieren.

Das Problem mit den Ergebnissen dieser Wahl – bei einer so niedrigen Wahlbeteiligung von 18% und 100% der Sitze einer Partei im Stadtrat – liegt darin, daß sie eine ihrer wichtigsten Funktionen nicht erfüllen: die Interessen verschiedener Bevölkerungsgruppen zum Ausdruck zu bringen. Wir wissen wirklich nicht, was die politischen Präferenzen der 80% sind, die nicht zur Abstimmung gingen. Wir haben im Stadtrat keine Vertretung derjenigen, die andere Parteien und andere Politiker unterstützen. Probleme und Widersprüche zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen – wirtschaftlich, sozial, beruflich – haben sich ja nicht in Luft aufgelöst und werden sich früher oder später manifestieren. Deshalb gibt es ja eine republikanische Regierungsform mit Wahlen und Räten. Heute haben wir einen Stadtrat, der durch seine Struktur nicht die tatsächlich existierende Fülle der Ansichten der Bürger widerspiegelt.

Nun zum Oberhaupt der Stadt. Wenn Andrej Schochin die Direktwahl des Oberbürgermeisters wiederherstellt, wie er vor der Wahl sagte, wäre seine Wahl für eine neue Amtszeit, wie ich glaube, gerechtfertigt. Seine Effizienz sollte danach beurteilt werden, wer was vom Chef der Kommunalverwaltung erwartet. Aus Sicht des Machtwechsels wäre es gut, einmal einen anderen Menschen zu sehen, es kommt ja in der Gesellschaft immer zu Veränderungen, neuen Entwicklungsimpulsen, und die Menschen leben damit, daß es eine gewisse Bewegung gibt, und sie fangen an, ihre eigene Verantwortung dafür zu spüren, wie die Macht funktioniert.

Gleichzeitig wird, wie soziologische Untersuchungen zeigen, die Tätigkeit von Andrej Schochin nicht geringer eingeschätzt als die anderer Führungspersönlichkeiten. Deshalb haben viele Menschen nicht so recht verstanden, warum er hätte ausgewechselt werden sollen. Ein ausreichend großer Anteil der Stadtgesellschaft, insbesondere der unpolitische, wird im Prinzip sagen, die Stadt entwickle sich und stehe sehr gut da, vor allem im Vergleich zu vielen anderen Städten. Wenn wir jetzt direkte Bürgermeisterwahlen gehabt hätten, hege ich unter diesem Gesichtspunkt wenig Zweifel daran, daß Andrej Schochin gute Chancen gehabt hätte, sie zu gewinnen. Als die Direktwahlen abgeschafft wurden (2010 – Anm. d. Red.), hatten weder Andrej Schochin noch Sergej Sacharow eine Chance, gegen Alexander Rybakow zu gewinnen. Nun hat sich Andrej Schochin als ein sehr effektiver Manager erwiesen, und Versuche, ihn der Korruption zu beschuldigen, hinterließen in der Bevölkerung keinen Eindruck.

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Er galt natürlich als der gegeben Favorit für den Posten des Stadtoberhaupts, gestern bei der konstituierenden Sitzung des Mitte des Monats gewählten Stadtrats mit seinen 25 Mitgliedern, die ausnahmslos alle, darunter sechs Frauen, der Partei Einiges Rußland angehören. Andrej Schochin leitet ohnehin seit 2011 als Oberstadtdirektor die Geschicke Wladimirs und empfahl sich dem Kommunalparlament in seiner Bewerbungsrede als jemand, der bei maximaler Bürgerbeteiligung weiter daran arbeiten wolle – wie schon in den vergangenen neun Jahren – , den Lebensstandard aller zu erhöhen. Dazu beabsichtige er, den Mittelstand zu fördern, die Infrastruktur zu verbessern und den urbanen Raum schöner zu gestalten.

Andrej Schochin

Die beiden Mitbewerber um das Amt, der Vizerektor der Universität, Lew Loginow, und der wirtschaftsliberale Verleger mit Sitz im Regionalparlament, Sergej Kasakow, schieden bereits in der ersten Runde aus. Auf Andrej Schochin entfielen bei einer Enthaltung alle Stimmen der 23 anwesenden Mitglieder des Stadtrats. Hiermit fungiert der 1961 in Wladimir geborene gelernte Mathematik- und Physiklehrer als Chef der Verwaltung und als protokollarischer Vertreter der Partnerstadt, anders als in Erlangen allerdings nicht zugleich als Vorsitzender des Stadtrats. Auf diesen Posten wurde – ebenfalls einstimmig und sogar ohne Enthaltung – Nikolaj Tolbuchin gewählt.

Nikolaj Tolbuchin

Damit sind die politischen Weichen für die nächsten fünf Jahre in Wladimir gestellt. Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik gratulierte seinem Kollegen bereits und lud ihn baldmöglichst zu einem Besuch ein. Da Andrej Schochin die Städtepartnerschaft seit seinem bisher einzigen Besuch in Erlangen zur Tausendjahrfeier die Partnerschaft kennt, darf man in der guten bisherigen Tradition auf eine Kontinuität der Beziehungen hoffen.

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Am vergangenen Wochenende standen in der Region Wladimir – wie im ganzen Land – die Wahllokale offen. Die Neubesetzung der Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte stand an, und in der Partnerstadt gibt es am Ergebnis nichts zu deuteln: Alle 25 Mandate gehen an die Partei Geeintes (oder Einiges, je nach Übersetzung) Rußland, nicht einmal die Liberaldemokratische Partei, der Gouverneur Wladimir Sipjagin angehört, schaffte den Wiedereinzug ins Stadtparlament, geschweige denn die Kommunisten und Jabloko oder eine der vier weiteren Parteien, die angetreten waren. Immerhin konnte sich die Opposition bisher auf neun Sitze im 35köpfigen Gremium stützen. Doch nun dieser Absturz. Erklären können sich das viele nur durch die vorher beschlossene Reduzierung um zehn Sitze und den Verzicht auf Parteilisten, weshalb auch die siegreichen Kandidaten gar nicht groß mit ihrer politischen Zugehörigkeit warben.

Gouverneur Wladimir Sipjagin

Erklärungsbedürftig ist auch die historisch niedrige Wahlbeteiligung, die man ja pandemiebedingt gerade durch die Ausweitung auf drei Tage und die Möglichkeit, schon die ganze vergangene Woche seine Stimme vorab abzugeben. Nur knapp über 20% der Wahlberechtigten gingen in Wladimir an die Urne. 2016 waren es immerhin noch fast 39% und 2011 sogar beinahe 50%, die von ihrem demokratischen Grundrecht Gebrauch machten.

Oberstadtdirektor Andrej Schochin und Wladimir Kisseljow, Vorsitzender der Regionalduma, bei der gestrigen Pressekonferenz nach der Kommunalwahl

Zu bemerkenswerten Verstößen sei es laut Wahlleiter und den verschiedenen Organisationen für Wahlbeobachtung nicht gekommen. Anfechtungen liegen wohl auch nicht vor. Nun erscheint es fast nur noch eine Formalie zu sein, wenn bei der konstituierenden Sitzung des Stadtrates der bisherige Oberstadtdirektor, Andrej Schochin, im Amt bestätigt wird, zumal es einer seiner Herausforderer gar nicht ins Gremium schaffte. Zur Erinnerung: Das während der vergangenen zwei Legislaturperioden geltende Prinzip der „Doppelherrschaft“ mit einem protokollarischen Stadtoberhaupt – zunächst Sergej Sacharow, dann Olga Dejewa – ist abgeschafft. Die Person des City-Managers oder Oberstadtdirektors zeichnet dann alleine – ähnlich wie in Bayern – für die administrative Macht nach innen und die Vertretung der Stadt nach außen verantwortlich.

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Gestern legte Olga Dejewa nach der letzten Sitzung des Stadtrates mit einigen Worten des Dankes an dessen Mitglieder ihr Amt als Vorsitzende des Gremiums und Oberbürgermeisterin nieder. Formell übernimmt ihre Funktion bis zu den Kommunalwahlen am 13. September Larissa Pyschonina, die auch zu der dreiköpfigen Findungskommission gehört, die aus den Bewerbungen für die Nachfolge die richtige Wahl treffen soll. Doch der Reihe nach.

Andrej Schochin und Olga Dejewa

Olga Dejewa, seit fünf Jahren Nachfolgerin von Sergej Sacharow und protokollarisches Stadtoberhaupt sowie Leiterin des Stadtparlaments, hatte Andrej Schochin an ihrer Seite, der seit neun Jahren als Oberstadtdirektor das eigentliche Sagen hatte und die administrativen wie politischen Entscheidungen in Wladimir traf. Er bewirbt sich nun auch – als bisher einziger Kandidat – für das Amt des Oberbürgermeisters, das nun, wie bis zum März 2011, nun wieder von einer Person bekleidet wird, ausgestattet, wie bei uns in Bayern, mit der Zuständigkeit für Verwaltung, Stadtrat und Außenvertretung. Mit dem feinen Unterschied, nicht vom Volk, sondern von den Mitgliedern des neuen Stadtrates gewählt zu werden. Deshalb auch die Findungskommission, die Vorschläge für das neuzusammengesetzte dreiköpfige Gremium im September machen soll, das durch ein von Gouverneur Wladimir Sipjagin benanntes Trio aufgestockt wird. Schon bis zum 12. August wird die sechsköpfige Abgeordnetengruppe die eingegangenen Bewerbungen um das Amt gesichtet und bewertet haben, die in einer Empfehlung für die Wahl nach dem 13. September münden. Selbst wenn weitere Kandidaten – vor fünf Jahren waren es immerhin noch zwei weitere – ihren Hut in den Ring werfen, dürfte nach Meinung der gern bei solcher Gelegenheit zitierten „gut informierten politischen Beobachter“ das Votum eindeutig Andrej Schochin lauten.

Florian Janik und Olga Dejewa nach einem Empfang für die Gäste aus Erlangen im Rathaus Wladimir, April 2017

Der 58jährige geborene Wladimirer arbeitete zunächst als Mathematik- und Physiklehrer, ging dann in die Wirtschaft und wurde 2002 in den Stadtrat gewählt, der ihn dann – zusammen mit Sergej Sacharow – zur Tausendjahrfeier nach Erlangen entsandte. Andrej Schochin kennt deshalb auch die Städtepartnerschaft aus eigener Anschauung und ist gut über die laufenden – und derzeit Corona-bedingt ruhenden – Projekte und Austauschprogramme.

Olga Dejewa und Florian Janik im Januar 2018 bei der Eröffnung des Forums Prisma

In einem Schreiben an die scheidende Oberbürgermeisterin dankte Erlangens Stadtoberhaupt, Florian Janik, seiner bisherigen Kollegin, Olga Dejewa, für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die ja bis in ihre Zeit als Vorsitzende des Ortsverbands Wladimir des Russischen Roten Kreuzes zurückreicht, und äußerte die Hoffnung, sie werde in der einen oder anderen Funktion auch in Zukunft der Städtepartnerschaft verbunden bleiben.

Melitta Schön, Vorsitzende des Fördervereins Rotes Kreuz, und Olga Dejewa im April 2016 im Club International

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Unlängst erreichte das Erlangen-Haus eine Zuschrift folgenden Inhalts:

Nach Recherchen des Verkehrsexperten unserer Blog-Redaktion, Speedy Pedalow, ist dem nicht ganz so. Es gibt erste Abstellplätze, Verleihstationen und sogar ein Wegenetz (siehe https://is.gd/VqpoEB). Dieses, so Oberstadtdirektor, Andrej Schochin schon Mitte Juni, soll nun sogar ausgebaut werden:

Ein Radwegenetzt bedeutet eine gesunde Lebensweise. Die erste Etappe wollen wir schon in der nächsten Woche vorstellen. Dann sehen wir, was die Bürger dazu sagen. Mit dem Projekt beginnen werden wir entweder noch in diesem oder im nächsten Jahr. Und dann bauen wir Radwege überall in der ganzen Stadt. Die Zeit ist schon lange dafür reif. Vor einiger Zeit hatte Moskau damit begonnen, doch da ist jetzt ein Stillstand festzustellen.

Anders als die ersten Radwege sollen die neuen auf eigenen Streifen verlaufen, getrennt vom Fußgängerbereich. Mit einer Moskauer Firma soll sogar ein Fahrrad-Sharing für Wladimir eingerichtet werden. Sollte Erlangen zu seinen Erfahrungen gefragt werden, könnte da eine neue langfristige Zusammenarbeit entstehen. Thema war der Radverkehr ja immer einmal wieder zwischen den Partnerstädten. Siehe dazu auch: https://is.gd/vsdJcf

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Ein einziges Bild zeigt, wie anders heuer der Tag des Sieges in Wladimir begangen wurde.

Oberstadtdirektor Andrej Schochin, Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkonogow und Oberbürgermeisterin Olga Dejewa

Aber auch für all die Tausende, die ansonsten auf dem Platz des Sieges gestanden oder die Straßen gesäumt und an den Massenveranstaltungen teilgenommen hätten, verlief der 75. Jahrestag des Kriegsendes ganz anders als sonst: zu Hause, in Quarantäne, mit nur wenig Kontakt nach draußen und – besonders im Fall von kinderreichen Familien oder alten Menschen – oft auch in schierer materieller Not. Diese zu lindern sind derzeit Freiwilligentrupps unterwegs, die von Tür zu Tür gehen, um Essenspakete zu verteilen und Zuspruch zu geben.

Michail Mojsejantschik

Einer dieser Helfer und Tröster in Zeiten von Corona ist Michail Mojsejantschik, der hier im Blog mit seiner Aktion bereits vorgestellt wurde: https://is.gd/MHecfm

Sein Bericht von einer alten Frau, die er dieser Tage fast ohnmächtig vor Hunger vorgefunden habe, gab den Anstoß für eine Gemeinschaftsaktion: Mit einem Zuschuß der Stadt Erlangen in Höhe von 1.500 Euro kochte das Hotel Wosnessenskaja Sloboda unter Leitung von Anna Schukowa ein Festessen, das von den jungen Leuten um Michail Mojsejantschik an bedürftige Familien und Weltkriegsveteranen verteilt wurde.

Von dieser humanitären Geste der Partnerschaft berichtet der Regionalsender Gubernia 33 in folgender Sendung.

Bleibt noch die traurige Corona-Statistik nachzutragen: Mittlerweile sind, Stand 11. Mai, 10.00 Uhr 1.326 Menschen in der Region Wladimir infiziert, 249 davon in der Partnerstadt,  15 Personen verstarben, 100 gelten als genesen.

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Gestern gab Oberstadtdirektor Andrej Schochin bekannt, in Wladimir seinen derzeit zwei Personen positiv auf den Corona-Virus getestet, während 776 Rückkehrer aus dem Ausland oder von Reisen innerhalb der Russischen Föderation unter ärztlicher Beobachtung stehen und eine zweiwöchige Quarantäne einzuhalten haben. Der mit COVID-19 infizierte 48jährige Mann, der am 27. März im Kreiskrankenhaus von Kowrow verstarb, hatte während seiner Behandlung zu fast einhundert Personen Kontakt, weshalb dort ein neuer Ansteckungsherd droht. Unterdessen räumt das Gesundheitsamt der Region ein, es gebe zu wenig Testmöglichkeiten, man müsse wegen der abschließenden Bestätigung, die aus Moskau oder Nowosibirsk, wo die zentralen Labore angesiedelt sind, zu lange warten; überdies fehle es vor Ort an den notwendigen Reagenzien. Außerdem beginne man mit dem Bau von zwei Infektionskrankenhäusern, von denen es bisher kein einziges gebe.

Parallel dazu ruft Gouverneur Wladimir Sipjagin Betriebe und Privatpersonen dazu auf, Mundschutzmasken zu nähen. Banken sollen sich bei den Krediten für Geschäftsleute großzügig zeigen, und Betrieben werden Hilfen für Kurzarbeit versprochen. Und schon warnt auch die IHK der Region Wladimir vor den wirtschaftlichen Folgen des allgemeinen Kontaktverbots, das im Augenblick vor allem den Handel sowie Gastronomie und Hotellerie trifft. Wenn man jetzt nicht bei den Steuern einen Nachlaß einräume, so der Präsident der IHK, Iwan Axjonow, werde der Staat nach der Krise gar keine Gewerbesteuer mehr einnehmen… Sowohl die innerstädtischen wie auch die regionalen und überregionalen öffentlichen Verkehrsverbindungen gehen in den Wochenendtakt über, wenn sie nicht sogar ganz eingestellt werden, und sogar das Standesamt kommt zum Stillstand: Hochzeiten und Scheidungen sind erst im Sommer wieder möglich. Und im Landkreis Petuschki, der an die Region Moskau grenzt, werden drei weitere positive Tests gemeldet.

Erfreulich, wie rasch die Zivilgesellschaft aber den Zusammenhalt in der Krise unter Beweis stellt: Da übernehmen Jugendliche die Einkäufe für die Menschen über 65, die derzeit die Wohnung gar nicht mehr verlassen dürfen, da werden Konzerte und Lesungen oder Schauspiele bis hin zu Puppentheateraufführungen ins Netz gestellt, und da spricht man einander Mut und Zuversicht zu. Ganz wie überall dort – auch in Erlangen – wo der Virus die Gesellschaft im Griff hält. Leider aber sind natürlich auch viele Falschmeldungen und Irreführungen in Umlauf, und bei vielen ist der Ernst der Lage noch nicht angekommen. Immerhin aber rief nun Patriarch Alexij dazu auf, keine Gottesdienste mehr abzuhalten. Auch wenn die Kirchen noch offen bleiben, solle man vom Küssen der Ikonen absehen… In der mehr als tausendjährigen Geschichte der russischen Orthodoxie gab es das noch nie: einen Aufruf, der heiligen Messe fernzubleiben. Ein starkes Zeichen in schweren Zeiten, die auf die Russen zukommen.

Da tröstet vielleicht ein Tagebucheintrag des 2002 verstorbenen deutsch-russischen Künstlers Pjotr Dik aus Wladimir, dessen Bilder diesem Beitrag ihre so eigene Aura verleihen:

Kunst ist die Fähigkeit zu lieben, offen für die Welt zu sein. Mir ist nicht gleichgültig, mit welchen Augen wir die Welt betrachten. Mit ist der Mensch wichtig, die Atmosphäre der Welt, das heißt, wie wir die heutigen Probleme bewältigen und welche Aura wir hinterlassen. Wir haben keine Alternative. Beeilt euch, gute Werke zu tun, nur so können wir überleben.

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Noch wächst sie langsam in Rußland, die Zahl der positiv auf Corona getesteten Personen. Stand heute 6.00 Uhr zählt man gerade erst 63, von denen drei schon wieder genesen sind, aber Oberstadtdirektor Andrej Schochin handelt sicher vom Standpunkt der Epidemiologen richtig, wenn er per Verfügung ähnlich verfährt wie die Region Moskau und einige andere Gouvernements und erste Schritte unternimmt, um das öffentliche Leben einzuschränken.

Ikonenmaler Andrej Rubljow mit Mundschutz auf dem Kathedralenplatz von Wladimir, montiert von Zebra-TV

Zu den ersten prophylaktischen Maßnahmen gehört, daß ab heute die Warnstufe „erhöhte Alarmbereitschaft“ für die Partnerstadt – wenngleich noch nicht für die Region – ausgerufen wurde. Dazu gehört die Möglichkeit für Eltern, ihre Kinder ab sofort nicht mehr in die Schule, Betreuungseinrichtungen oder Sportstätten zu schicken. Wie sich das entwickelt, wird man sehen. Vielleicht wäre es doch besser, diese schwierige Entscheidung nicht den Eltern zu überlassen. Aber es ist ja auch nur ein erster Schritt in einer Stadt und Region wo bisher kein einziger Infektionsfall gemeldet wird. Jedenfalls hat das Schulamt bereits die Anweisung, alle Möglichkeiten zu schaffen, um auf Fernunterricht umzuschalten.

Darüber hinaus verfügt Wladimirs City-Manager alle Arbeitgeber, niemanden an den Arbeitsplatz zu lassen, der unter Quarantäne steht. Die Betriebe und Firmen sind überdies verpflichtet, die Behörden über Kontaktpersonen zu unterrichten, mit denen eine infizierte Person zusammentraf. Und: Wer zur Arbeit geht, muß dort täglich Fieber messen. Wer erhöhte Temperatur hat, ist verpflichtet, sich sofort nach Hause und dort in eine zweiwöchige Quarantäne zu begeben.

Als nächster Schritt sind Einschränkungen bei den Massenveranstaltungen geplant. Wladimir tut gut daran, hat man doch noch einen entscheidenden zeitlichen Vorsprung bei all den Maßnahmen. Es möge gelingen! Wladimir bleibe gesund!

P.S.: Ab sofort stellt auch die Staatliche Universität Wladimir, einer Empfehlung des Bildungsministeriums folgend, den Lehrbetrieb um auf Fernstudium.

P.P.S.: Soeben, um 10.30 Uhr, wird gemeldet, 136 Personen befänden sich in der Region Wladimir in Quarantäne. Am Freitag waren es noch 80 Verdachtsfälle. Hinzugekommen sind ja nun wohl auch die fünf Austauschstudentinnen, die gestern zurückkehrten.

Aktualisierung um 14.00 Uhr: Die russischen Behörden zählen nun bereits 93 positiv auf den Corona-Virus getestete Personen, 30 mehr als noch heute morgen…

 

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Gestern besuchte Sebastian Reichle, Beauftragter der Deutschen Botschaft Moskau für die Region Wladimir, im Rahmen seines ersten offiziellen Besuchs in der Partnerstadt auch das Erlangen-Haus. Der vierunddreißigjährige Diplomat interessierte sich lebhaft für die Organisation der Deutschkurse, die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und natürlich die Partnerschaft insgesamt. Er zeigte sich beeindruckt von Umfang und Intensität der Zusammenarbeit zwischen Wladimir und Erlangen und bedauerte sehr, daß es in seiner Heimatstadt Stuttgart keinen derart vielfältigen Austausch mit Samara gebe.

Natalia Korssakowa und Sebastian Reichle im Intensivkurs

Da das Programm des Gastes eng getaktet war, blieb leider nur wenig Zeit für das Gespräch, aber immerhin nutzte er noch die Gelegenheit für ein Treffen mit einer Gruppe aus dem Intensivkurs des Niveaus A2, die gerade Unterricht hatte.

Alexander Dunjuschkin

Leider konnte Sebastian Reichle nicht im Erlangen-Haus übernachten, da derzeit der Heizkessel, vor 25 Jahren von der Firma Niersberger gespendet und seither von der Firma Pillipp gewartet, auf Vordermann gebracht wird. Auf dem Bild kann man sehen, wie der Kesselraum bereits neu gefliest ist. Nach Abschluß der Arbeiten schaltet sich der Kessel je nach Außentemperatur automatisch ein und aus und arbeitet damit ökonomischer, zuverlässiger und ökologischer, zumal es dann auch in jedem Stockwerk – Keller, erste und zwei Etage – ein geschlossenes Heizsystem geben wird. Zu sehen ist hier Alexander Dunjuschkin, ein von der Firma Buderus zertifizierter Monteur.

Tatjana Kirssanowa und Swetlana Schelesowa im Gespräch mit Sebastian Reichle

Zurück zum Antrittsbesuch des Diplomaten, der bereits vorgestern mit dem Frühzug aus Moskau gekommen war und der zunächst gleich weiter nach Gus-Chrustalnyj reiste, um dort das mit deutscher Beteiligung gegründete Unternehmen Bautex zu besuchen. Der Nachmittag war dann für ein Treffen mit Oberstadtdirektor Andrej Schochin im Rathaus und mit der Staatlichen Universität sowie einen Stadtrundgang reserviert. Gestern dann noch neben den Begegnungen im Erlangen-Haus ein Empfang im Weißen Haus, der Staatskanzlei der Region Wladimir, und der Besuch der Schule Nr. 23 mit ihren intensiven Verbindungen zu Erlangen, bevor es am Abend wieder zurück nach Moskau ging.

Irina Chasowa

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Nicht genug Kompetenzen, zu klein ihr dreizehnköpfiger Stab als Vorsitzende des Stadtrats und Oberbürgermeisterin von Wladimir, räumt nun Olga Dejewa selbst ein, und echte Probleme und Anliegen der Menschen könne sie ohnehin nur in enger Zusammenarbeit mit der kommunalen Verwaltung angehen, der als Oberstadtdirektor alle Fäden in der Hand halte. Nach der Entscheidung des Stadtrats – der Blog berichtete bereits darüber – hält nun auch in einer öffentlichen Stellungnahme das Stadtoberhaupt die Entscheidung für richtig, nach den Wahlen am zweiten September des kommenden Jahres wieder alle exekutive Macht in einer Person zu konzentrieren. Olga Dejewa, seit dreieinhalb Jahren im Amt, dazu wörtlich:

Nun ist also die Entscheidung gefallen: Stadtoberhaupt sollte eine Person sein, in Personalunion mit dem City Manager. Er leitet die Stadt, weil er auch mehr Vollmachten hat. Ihm stehen alle Hebel zur Verfügung, er hat alle Möglichkeiten, etwas zum Wohl der Stadt zu tun – vom Wohnungsbau über Bildung, Kultur, Sport und Jugend, also in sehr vielen Fragen. Das ist wohl auch richtig so.

Olga Dejewa und Andrej Schochin

Damit geht ein politisches Experiment in Wladimir zu Ende. Vor neun Jahren hatte man die Direktwahlen des Stadtoberhaupts abgeschafft, seit 2011 gibt es eine Doppelspitze, zunächst mit Sergej Sacharow und Andrej Schochin, seit September 2015 mit Olga Dejewa und Andrej Schochin, der sich nun nach den Wahlen wieder – gegen Konkurrenz – einem Berufungsverfahren stellen muß, um dann erneut vom Stadtrat im Amt bestätigt zu werden und auch die bisherigen repräsentativen Aufgaben des Stadtoberhaupts zu übernehmen.

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