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Posts Tagged ‘Alexej Wolgin’


Wie kompakt und intensiv die drei Tage in Wladimir, einschließlich Ankunftsabend und Abfahrtsmorgen, doch waren! Nicht nur wegen der rauschenden Geburtstagsfeiern zum Dreißigsten der Partnerstädte mit Bürgern aus Wladimir und den Gästen aus Erlangen, sondern auch ganz unerwartet und furios dank einer Doppelgeburtstagsfeier mit einer russischen Großfamilie. Ein weiterer Höhepunkt war das Wiedersehen mit den befreundeten, ehemaligen russischen Laufprofis nach bis zu 20 Jahren. Gefühle und Glücksmomente, die meinen Herzschlag auch ohne Laufschritt rasant in die Höhe getrieben haben. Für solch schöne Momente im Leben kann man nur dankbar sein!

John Stackmann (4. v.l.) mit seinen Wladimirer Freunden

John Stackmann (4. v.l.) mit seinen Wladimirer Freunden

Der aktiv Sport war beim dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen den Städten Wladimir und Erlangen (nur) durch drei Läufer in der 200 Köpfe starken fränkischen Delegation vertreten: Helmut Müller, Michael Krug und ich. Wir wurden in Wladimir von unseren Freunden, wie immer, sehr herzlich empfangen und umsorgt, sowohl von den ehemaligen Profiläufern als auch vom Laufklub Bodrost, der von Dmitrij Grischin gesponsert wird. Damit und angesichts der neuen Kontakte nach 2010 sind auch Dmitrij und ich (natürlich unter Peter Stegers übergeordneter Regie) kleine laufsportliche Motoren der Städtepartnerschaft geworden.

Der Laufklub Bodrost hatte 2012 (und auch 2013) mit leistungsstarken Senioren beim Erlanger Winterwaldlauf teilgenommen und dadurch die seit Jahren schlummernde Freundschaft zu neuem Leben erweckt, die auf Kontakte in den Jahren 1991 bis 1997 zurückgeht. Damals starteten die Profiläufer unter Spartak Wladimir, die z.T. der russischen Nationalmannschaft angehörten, wie der 100 km Weltcup-Sieger Alexej Wolgin. Natürlich sprang der Funke auch jetzt im Rahmen des Winterwaldlaufs sofort über – da tut sich der Sport leicht –, obwohl von den russischen Laufstars der 90er Jahre lediglich Alexej Kruglow 2012 wieder nach Erlangen gekommen war.

Nach der langen Anreise am Mittwoch wartete ich vor dem Hotel Goldener Ring gespannt auf Dmitrij Grischin. Er sah genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Unser intensives Gespräch endete erst um 2 Uhr morgens. Wieder verzauberte mich hier die sensible russische Herzlichkeit.

Programm des Marathons in Wladimir 1992

Programm des Marathons in Wladimir 1992

1991 war ich (nur) Zuschauer beim Sportfest mit Athleten aus Wladimir und Erlangen auf dem Uni-Sportplatz an der Gebbertstraße. Ich bestaunte den überlegenen Dmitrij Grischin beim Doppelsieg über 800 m und 5.000 m und unterhielt mich gut mit ihm bei der anschließenden Grillfeier. So richtig hatte die russisch-deutsche Sportfreundschaft für mich dann aber mit dem “Golden-Ring-of-Russia“-Marathon 1992 in Wladimir angefangen. In meinem 15. Marathonjahr kam die Anfrage des Sportamts durch Ernst Bayerlein, ob wir mit einigen Athleten am Marathon in Wladimir teilnehmen könnten, mitten im heißen russischen Sommer des Jahres 1992. Pia Fischer, Herbert Fröhlich, Rudi Kunstmann und ich nahmen diese Gelegenheit wahr. In Wladimir war ich bei Jurij Kissiljows Familie untergebracht. Jurij hatte seinerzeit über 1.500 m mit 3:35 min eine international hervorragende Zeit stehen. Aber dem auf die Funktionstüchtigkeit seiner Beine angewiesenen Laufprofi spielte das Schicksal einen schweren Streich. Er hatte sich damals eine Entzündung der Achillesferse zugezogen, die er später nicht mehr in den Griff bekam. Die wichtige Einnahmequelle aus seinen internationalen Starts im Ausland war entfallen! Jurij und seine Familie ließen es sich trotzdem nicht nehmen, mir damals den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. So fuhr er fast den gesamten Marathon im Auto in meiner Nähe, photographierte, filmte und versorgte mich auch mit meinem Spezialgetränk.

Zeitungsbericht der EN Marathon in Wladimir

Zeitungsbericht der EN Marathon in Wladimir

Die mit dem Marathon gestarteten 10 km hatte übrigens Jurij Michajlow gewonnen, der kurz nach dem Start schon direkt hinter der Spitze lief (im Bild des alten Zeitungsausschnitts hinter der rechten Schulter des Läufers mit Startnummer 165). Denkwürdig und gut in Erinnerung sind mir auch noch die häufigen Zusammenkünfte bzw. Tischrunden der Sportler und Funktionäre damals mit Speis und Trank. Einer hatte nämlich immer ein Aktenköfferchen dabei, das mit etlichen Flaschen Wodka gut gefüllt war. Die „sollten“ dann innerhalb der zwei Stunden alle geleert werden. Nur ich tanzte aus der Reihe, da ich schon immer keinen Alkohol trinke. Schnell hatten sich unsere Gastgeber auch auf meine vegetarische Ernährung eingestellt. Bei den Nachfragen habe ich Dmitrijs damalige Freundin und jetzige Frau Anastasia kennengelernt, die schon damals sehr am Austausch interessiert war.

Herbert, der damals noch seine Fröhlich-Brauerei in Dormitz betrieb, hatte bei den Wodka-Runden eine relativ geringe Hemmschwelle. Das merkte man ihm dann nach zwei Tagen auch deutlich an. Rudi hatte sich damals in Wladimir gesundheitlich nicht so wohl gefühlt und deshalb kurzfristig auf die Teilnahme am Marathon verzichtet. Aber für mich hatte der Aufenthalt ein trauriges Nachspiel: Ich hatte mir einen Virus eingefangen (wahrscheinlich weil öfters Strom und Wasser abgestellt worden waren) und konnte dann zu Hause für ein halbes Jahr eine Lungenentzündung auskurieren.

Auch diesmal habe ich mich in Wladimir sehr wohl gefühlt, auch weil ich bei Dmitrij untergebracht war und er mir sein Reich (neues, edles Schlafzimmer und Bad neben Gregorijs Zimmer im zweiten Stock über ihrer alten Vier-Zimmer-Wohnung) überlassen hatte und ich ganz natürlich in sein Familienleben integriert war. Dies hatte für einen Banausen der russischen Sprache wie mich nämlich den großen Vorteil, mich hervorragend in Englisch unterhalten zu können (auch mit seinen Söhnen Gregorij und Nikita; bei dem Jüngsten, Igor, genügten Gebärden, um zu schäkern und zu blödeln). Dmitrij und seine Anastasia haben nämlich sieben Jahre in Südafrika gelebt und dabei ihre englischen Sprachkenntnisse entscheidend verbessert.

Dmitrij Grischin in seinem Lexus

Dmitrij Grischin in seinem Lexus

Für Dmitrij haben sich diese Jahre besonders gelohnt, hatte er doch mehrfach an dem gut dotierten Comrades-Marathon als (bezahlter) Spitzenläufer teilgenommen, ihn sogar zweimal gewonnen und beim zweiten Sieg durch den dabei aufgestellten Streckenrekord kräftig Kasse gemacht. Aufgrund dieser für einen russischen Laufprofi außergewöhnlich guten Finanzpolster fiel es ihm nach seiner Profizeit in Wladimir leicht, sich beruflich als Bauunternehmer zu etablieren. Natürlich haben ihm auch seine Cleverness und sein gutes Gefühl geholfen, mit dem er sich um schwierige Situationen herummanövrierte – genauso wie ihm das mit seinem brandneuen, edlen Lexus-Offroader mit V8-Motor bei den kratertiefen Löchern auf Wladimirs Straßen gelang, als er mir ganz stolz die unter seiner Regie erstellten und im Bau befindlichen acht Häuser zeigte. Ich hatte den Eindruck, Dmitrij kutschiere am liebsten einfach nur mit seinem „Luxusschlitten“ herum.

Frauenkloster Bogoljubowo

Frauenkloster Bogoljubowo

In Wladimir hatten wir Läufer (oft) unsere eigenen Pläne und nahmen dann nicht am offiziellen Programm teil. So habe ich an allen drei Tagen mit den alten und neuen Sportfreunden trainiert. Schon der Donnerstag hatte es in sich: morgens Ausflug nach Bogoljubowo mit der Bürgergruppe und unserer „wissenschaftlichen“ Busreiseleiterin Jelena. In der Klosterkirche galten nach wie vor traditionell strenge Sitten: Nicht nur die Frauen hatten auf die Sittsamkeit ihrer Kleidung zu achten. Auch dem Männerchor der Stad’l Harmonists, die die hervorragende Akustik des Kirchenraums bemerkt und spontan einen Choral angestimmt hatten, wurde der Gesang untersagt. Sie mußten abbrechen, denn das Singen störe ja die würdevolle Ruhe …

Knut-Wulf Gradert (links) mit seinen Stadl Harmonists

Knut-Wulf Gradert (links) mit seinen Stadl Harmonists

Danach ab 14 Uhr – direkt vor dem offiziellen Partnerschaftslauf – trainierten wir zu viert (Michael, Helmut, Dmitrij und ich) auf einem Reitweg mit Cross-Charakter. Eine Wohltat nach der gestrigen fehlenden Bewegung des langen Anreisetags! Leider hatten sich die ursprünglichen Ankündigungen vom 30-km-Lauf (auf den ich mich im Training vorbereitet hatte) bzw. später das 10-km-Rennen auf einen nur drei bis vier Kilometer langen Partnerschaftslauf  in der Stadt reduziert, an dessen Ende noch ein kleines Stück gemeinsam mit Fahrradfahrern zurückzulegen war. Hatte ich schon beim Cross etwas „fürs Tempo gesorgt“, konnte ich mich jetzt weiter austoben. Denn gleich anschließend rannte ich einen Großteil des Partnerschaftslaufs volle Kanne (hinterher), da ich etwas später gestartet war und die „Spitze“ noch erreichen wollte. Abends folgte dann die offizielle Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem sehr reichhaltigen Kulturprogramm von russischen und deutschen Tanz- und Gesangskünstlern, mit Ballett und Folklore. Nur die Eröffnungsreden haben mir nicht so sehr gefallen, was nicht an den viel zu laut eingestellten Lautsprechern lag – aber man kann ja nicht alles haben. Am besten hat mir neben den Stad’l Harmonists noch der melodische Gesang eines Kammerchors gefallen, nicht nur wegen ihrer samtroten Kleider…

Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums unter Leitung von Joachim Adamczewski

Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums unter Leitung von Joachim Adamczewski

Am Freitagvormittag nahmen wir an dem großen Ausflug nach Susdal teil und erlebte viermal hintereinander einen ganz unerwarteten Ohrenschmaus! Nach dem Glockenspiel (sieben Minuten lang!)  inspirierten der Auftritt eines gregorianischen Vier-Männer-Ensembles und die hervorragende Akustik in der Klosterkirche unsere zwei Chöre. Jetzt durften die Stad’l Harmonists und der Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium nacheinander ihr Können zu zeigen. Der optische Höhepunkt schwebte als Deckenmalerei über uns mit seinen speziellen, intensiven Blautönen.

Hochzeitskutschen in Susdal

Hochzeitskutschen in Susdal

Wieder in Wladimir zurück, durfte ich ab 16 Uhr sogar das gemeinsame Training im Torpedo-Stadion mit Senioren des Laufklubs Bodrost sowie Helmut und Michael gestalten: mit Warmlaufen, Steigerungen, 3 x bis 6 x 400 m Tempo und Auslaufen, obwohl die Beine von gestern etwas müde waren (danach eiskalte Duschen, brrr!). Direkt darauf hat man uns dort ganz rührig zu einem kleinen Empfang mit Essen eingeladen, bei dem ich die 30 T-Shirts mit einem beidseitigen speziellen Aufdruck übergab (30 Jahre Freundschaft Wladimir – Erlangen, vorne in Russisch und auf der Rückseite in Deutsch). Die Hemden kamen super gut an und waren ab sofort ständig in Wladimir zu sehen. Genauso wie ich dies in meiner Ansprache auch angeregt hatte. „Wir sollen damit unsere Freundschaft auch in der Öffentlichkeit zeigen!“

30 Jahre Freundschaft Wladimir - Erlangen

30 Jahre Freundschaft Wladimir – Erlangen

Dann kam etwas ganz Unerwartetes, als mich Anastasia und Dmitrij (in feinen Zwirn gehüllt, mit Binder) vom Stadion abholten. Erst auf dem Treppenaufgang weihte er mich ein: An diesem Nachmittag bis spät in der Nacht durfte ich bei der furiosen russischen Geburtstagsfeier von Dmitrijs Schwester Irina (50.) und deren Ehemann Slawa (42.) dabeisein. Viel Tanz, Humor und ansteckende Vitalität bei Spielen und Sketchen, Folklore, Gesang, zelebrierten Gratulationsprozeduren und natürlich Speisen und Getränken vom Feinsten.

Wir kamen in den Saal, und sofort – ehe ich mich setzen konnte – schnappte mich eine vollschlanke Russin im roten Kleid, die mich ständig anlächelte, und zog mich auf die Tanzfläche. Das tat meinen müden Beinmuskeln sogar gut, war ich doch im Torpedo-Stadion nicht zum Stretching gekommen. So lockerte ich mich eine ganze Weile im Tanzrhythmus bevor ich am Tischinneneck noch zwischen Anastasia und Dmitrij gesteckt wurde. Während die langen Tische laufend mit leckersten Speisen beladen wurden, sang und tanzte eine kleine Folklore-Gruppe. Dann übernahm eine Animateurin das Kommando, die ständig ihre Spiele und Späße mit den Anwesenden trieb. Derweil schoben mir Anastasia, die unerklärlich ernst wirkte und kaum auch nur lächelte, von links und Dmitrij von rechts unentwegt Häppchen und Köstlichkeiten (u.a. auch Kaviar) zu und versorgten mich mit Fisch- und Gemüsevariationen und Getränken. Alles vom Feinsten

Dmitrij stellte mich seiner Schwester und den beiden Brüdern sowie weiteren Nachbarn am Tisch vor und dann diese mir, darunter auch seine tanzwütige Schwipp-Schwägerin im roten Kleid. Irgendwie waren alle verwandt und verschwägert. Der eine Bruder, ein Bär von einem Mann und äußerst sympathisch, war international erfolgreicher Ringer gewesen und ist jetzt Trainer, den anderen hatte der Alkohol schon etwas im Griff. Es gab ja ständig Programm und Trinksprüche… Diese Ideen, diese Intensität des ausgelassenen Lustigseins sowie die natürliche Herzlichkeit waren überwältigend – und ich mittendrin. Ich konnte gar nicht anders als mitmachen. Ich genoß und ließ mich treiben. Nach der zelebrierten Prozedur der Übergabe von Geschenken mit Glück- und Segenswünschen, die Irina im Stehen entgegennahm, erhob sich Dmitrij und sprach vor dem ganzen Saal über mich. Was erzählt er denn da so lang? dachte ich mir bei dem Applaus. Ich durfte mich als einziger Gast, der nicht irgendwie mit der Familie verwandt oder verschwägert war, zuletzt in die Schar der Gratulanten einreihen. Ich stellte mich kurz in Englisch vor, und Dmitrij übersetzte (und ergänzte wieder!) sogar das kleine deutsche Gedicht, das ich (in englischer Übersetzung) vortrug:

Schon sind die 50 Jahr‘ vorbei! / Doch haltet Geist und Körper fit, / nehmt Euch das Plus des Lebens mit, / dann ist das Alter einerlei. / Für Euer Wohl die Freunde sorgen, /dann bleibt Ihr glücklich auch bis morgen!

Auch Dmitrijs sportlicher Bruder verstand wohl etwas Deutsch und bedeutete mir, Rhythmus und Reime der Originalfassung haben ihm gefallen. Ganz plötzlich ohne große Ankündigung brachen wir so gegen 22.30 Uhr auf.

Das Erlanger Trio mit den Lauffreunden in Wladimir

Das Erlanger Trio mit den Lauffreunden in Wladimir

Am Samstag, dem internationalen Kinderschutztag, stand erst einmal langes Ausschlafen und ab 10.30 Uhr ein lockeres Training in einem kleinen Kiefernwald in einem vor der Stadt gelegenen Areal mit Kindererholungsheim auf meinem Programm. Diesen Parcours kannte ich noch von meinem Aufenthalt vor 21 Jahren. Mit Alexej, der meistens mit seinem Mountainbike unterwegs war, und Dmitrij wurde aus der ruhigen Elf-Kilometer-Strecke noch ein Lauf mit leichten Steigerungen, da mir das Tempo etwas zu langsam war. Später schauten wir bei einem Radrennen zu, bei dessen Ablauf auch Mitglieder des Laufklubs Bodrost gleich in ihren neuen T-Shirts mitorganisierten. Danach wurden wir dann Zeugen bei dem Staffellauf mit dem (olympischen) Feuer zur Universiade 2013.

Natalia, Olga, John Stackmann und Michael Krug

Natalia, Olga, John Stackmann und Michael Krug

Dann ging ich mit Dmitrijs Familie zum Einkauf im Spar-Markt für die abendliche Grillfeier. Es dauerte ganz schön lange, bis alle Sachen zunächst in vier (!) Einkaufswagen und dann in Dmitrijs Lexus verstaut waren. Viel Zeit, um mit dem kleinen Igor Quatsch zu machen. Später holten wir Alexej Wolgin und seine Frau Natalia ab. Sie war uns schon beim Training im Torpedo-Stadion mit ihrem wippenden Pferdeschwänzchen aufgefallen, als sie dort enorm schnell ihre Runden drehte. Als Weltklasse-Athletin steht sie den Erfolgen ihres Mannes in nichts nach, der u.a. 1994 in Japan 100-km-Weltmeister in unglaublichen 6:22 Std. wurde (unter 3:50 min pro km). Wie Dmitrij gewann auch er schon beim Comrades Marathon. Mit Wolgins steuerten wir dem Höhepunkt am Abend entgegen, der Grillfeier in Dmitrijs schmuckem Gartenhäuschen. Hier war neben Helmut, Michael und mir alles anwesend, was Rang und Namen hatte: die alten Freunde (seit 1991) und Profiläufer Dmitrij und Anastasia Grischin, Alexej und Natalja Wolgin, Alexej Kruglow, Jurij Kissiljow mit Ehefrau (bei denen ich 1992 zunächst wohnte), Trainer Alexander Sakow und die junge Berglauf-Weltmeisterin mit der russischen Mannschaft Olga Gorbunowa. Es war für uns alle wunderschön, uns nach dieser langen Zeit wiederzusehen, natürlich zum Teil sehr verändert. Das wurde gefeiert bei intensiven Gesprächen, vielen Trinksprüchen und leckerem Essen in einer sportlich-lockeren Atmosphäre, während sich die Kinder auf dem Trampolin vor dem Gartenhaus austobten. Nur Jurij Michajlow hatte gefehlt (wie auch Rudi, Herbert und meine Frau, nach denen oft gefragt wurde).

Eine lang gelebte Langstrecken-Freundschaft unter Laufsportlern und deren Familien!

John Stackmann

S. auch: http://is.gd/PufvQe

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Der Sport hätte beim dreißigjährigen Jubiläum – es liegt nun schon wieder eine Woche zurück! – durchaus stärker vertreten sein können. Wenn er unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, gibt es dafür einige Gründe, auf die hier heute aber nicht weiter eingegangen werden soll. Freuen wir uns lieber über das, was wieder möglich wurde, erzählt es doch davon, wie auch über Jahre schlummernde Verbindungen plötzlich wieder quicklebendig und ausgeschlafen ein neues Leben beginnen. Bestes Beispiel dafür ist John Stackmann, der schon in den frühen 90er Jahren in Wladimir den Marathon „Goldener Ring“ gelaufen ist. Als diese Veranstaltung mangels Sponsoren wenig später eingestellt wurde, kamen zwar noch Athleten aus Wladimir nach Erlangen, doch der sportliche Kontakt verlor an Fahrt. Bis vor zwei Jahren zum ersten Mal – und heuer wieder – eine Gruppe von Langstrecklern aus der Partnerstadt zum Winterwaldlauf in die Brucker Lache kam. Als es dann hieß, während der Feierlichkeiten zum dreißigsten Geburtstag werde es auch einen Jubiläumslauf geben, rekrutierte John Stackmann mit Helmut Müller und Michael Krug zwei Mitglieder seiner Laufgemeinschaft Erlangen und berichtet heute von seinen Begegnungen mit dem munteren Völkchen vom Wladimirer Verein Bodrost und den alten Sportsfreunden. 

In Wladimir haben wir Läufer (oft) unser eigenes Programm gemacht und dann nicht am offiziellen Programm teilgenommen. So habe ich an allen drei Tagen mit den alten und neuen Sportfreunden trainiert. Ich wurde bestens integriert, besonders in Dmitrij Grischins Familie, wo ich wie vor 20 Jahren wohnte.

John Stackmann, 4. v.l., und seine Wladimirer Freunde

John Stackmann, 4. v.l., und seine Wladimirer Freunde

Schon der Donnerstag hatte es in sich: Morgens Ausflug nach Bogoljubowo mit der Bürgergruppe, danach ab 14 Uhr – noch vor dem Partnerschaftslauf, den ich fast volle Kanne gerannt bin, da ich etwas später startete und die Spitze noch erreichen wollte – schon 9 km Crosslauf mit Dmitrij Grischin, Michael Krug und Helmut Müller. Abends dann die offizielle Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Am Freitag nahm ich an dem Ausflug nach Susdal teil und erlebte da einen unerwarteten Ohrenschmaus: Der Auftritt eines gregorianischen Vier-Männer-Chors und die hervorragende Akustik inspirierten unsere zwei Chöre, die Stad’l Harmonists und den Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium, dazu, nacheinander ihr Können zu zeigen. Wieder in Wladimir zurück, durfte ich ab 16 Uhr das gemeinsame Training im Torpedo-Stadion mit den Senioren des Laufklubs Bodrost, Helmut Müller und Michael Krug gestalten: 13 km mit 3 bis 6 x 400 m Tempo (danach eiskalte Duschen, brrr!), obwohl die Beine von gestern etwas müde waren.

Quartett in Susdal

Quartett in Susdal

Direkt danach hatten die Freunde uns dort zu einem kleinen Empfang mit Essen eingeladen, bei dem ich die 30 eigens angefertigten T-Shirts übergab – mit einem speziellen Aufdruck.

Ab dem späten Nachmittag bis spät nachts durfte ich bei der furiosen Feier des runden Geburtstags von Dmitrijs Grischins Schwester Irina und deren Ehemann Slawa dabei sein. Mit viel Tanz, russischem Humor und ansteckender Vitalität bei Spielen und Sketchen. Dmitrij stellte mich vor, und ich gratulierte später mit einem kleinen deutschen Gedicht, das ich ins Englische übersetzte, aus dem es dann Dmitrij ins Russische übertrug.

Am Samstag stand ab 10.30 Uhr Training in einem kleinen Kiefernwald in einem vor der Stadt gelegenen Park auf dem Programm. 11 km mit leichten Steigerungen. Später schaute ich dem Radrennen zu und wurde dann Zeuge der Staffelübergabe bei der olympischen Universiade. Später Einkauf mit Dmitrijs Familie im Spar-Markt für die abendliche Grillfeier, dann Alexej Wolgin und seine Frau abgeholt zum Höhepunkt am Abend: Grillfeier bei Dmitrij mit Helmut, Michael und den alten Freunden (seit 1991!) und Profiläufern Dmitrij Grischin, Alexej Wolgin, Alexej Kruglow, Jurij Kissiljow (bei dem ich schon 1992 gewohnt hatte) – siehe Bild Wladimir 107 (von Michael) – , deren Ehefrauen, Trainer Alexander Sakow und der jungen Bergläuferin, Olga Gorbunowa.

Joachim Adamczewski und sein Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium

Joachim Adamczewski und sein Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium

Es war für uns alle wunderschön, uns nach dieser langen Zeit (1991 bis 1995, s. meine kleine Chronik unten) wiederzusehen, zum Teil sehr verändert, bei intensiven Gesprächen, vielen Trinksprüchen und leckerem Essen in einer sportlich lockeren Atmosphäre. Nur Juri Michajlow hat noch zu unserem Glück gefehlt (wie auch Rudi Kunstmann und meine Frau, nach denen oft gefragt wurde).

Eine gelebte Langstrecken-Freundschaft unter Laufsportlern und deren Familien!

Zur Chronik der Läuferpartnerschaft:

1991 Bei der Partnerschaftswoche nahmen am 30. Mai auch Leichtathleten aus Wladimir beim 800- und 5.000 Meter-Lauf teil (Uni-Stadion, Sandplatz). Es gewann jeweils Dmitrij Grischin, ein Profi-Läufer von Spartak Wladimir.

1992 Eine Läuferin, Pia Fischer, in der Gesamtwertung 17. Frau in einer Zeit von 3 Stunden und 45 Minuten, und zwei Läufer der Laufgemeinschaft Erlangen, John Stackmann, 40. Mann in einer Zeit von 2 Stunden und 46 Minuten, sowie Herbert Fröhlich gingen am 13. Juni beim 5. Internationalen Golden-Ring-of-Russia-Marathon in Wladimir an den Start, bei dem Dmitrij Grischin in 2 Stunden und 18 Minuten Zweiter wurde. Die Erlanger Nachrichten berichteten darüber am 30.6.1992.

1993 Beim Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) am 28. März siegte mit Jurij Michajlow aus Wladimir der russische 20-Kilometer-Meister von 1991 mit neuer Streckenrekordzeit von 1:08:08 h.

1994 Das Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) gewann am 10. April erneut Jurij Michajlow, mit einem verbessertem Streckenrekord von 1:07:39 h. Alexej Kruglow, sein Vereinskollege von Spartak Wladimir, wurde in 1:09:37 h Dritter vor dem späteren mehrfachen deutschen Seniorenmeister der LG Erlangen, Thomas Drechsler. Beide Profi-Läufer aus Wladimir nahmen am Folgewochenende am Jubiläumslauf in Bayreuth teil, bei dem sie sowohl die Zehn-Kilometer-Strecke (Michajlow) als auch den Marathon und die Kombinationswertung beider Läufe (jeweils Kruglow) gewinnen sollten.

1995 Beim Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) am 2. April lief Dmitrij Grischin trotz Sturz nach einem Kilometer als Zweiter zeitgleich (1:07:10 h) mit dem Sieger Sági aus Ungarn ins Ziel. Im international stark besetzten Feld kamen seine Vereinskollegen Alexej Kruglow auf Platz fünf und Alexej Wolgin (100-Kilometer-Weltcup-Sieger) auf Platz acht. Erfolgstrainer Alexander Sakow hatte seine drei Schützlinge, die die Mannschaftswertung gewannen, nach Erlangen begleitet. Die Ergebnislisten dieses Frühjahrskriteriums sind nachzulesen unter: www.fruehjahrskriterium.de/ergtab.htm

John Stackmann, 1. v.l., und Michael Krug, 4. v.l., mit ihren Wladimirer Freunden

John Stackmann, 1. v.l., und Michael Krug, 4. v.l., mit ihren Wladimirer Freunden

1997 Im Juli besuchte Dmitrij Grischin zwischen seinen Wettkämpfen in Europa mit seiner Frau John Stackmann.

2012 Ein neunköpfiges Team des Laufklubs Bodrost Wladimir nimmt sehr erfolgreich an den Seniorenwertungen des Erlanger Winterwaldlaufs vom 24. März teil. Nach zusätzlichem Training feiert man bei John Stackmann.

2013 Aus neun werden schon dreizehn (verstärkt um zwei Nordic Walker) vom Laufklub Bodrost und der Sportschule Nr. 4 beim Winterwaldlauf am 23. März – und wieder sehr erfolgreich, wie hier im Blog und in der Ergebnisliste nachzulesen: www.winterwaldlauf.de/ergebnisse/archivwwl.htm Und dann zum Jubiläum das Wiedersehen in Wladimir.

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Wladimir hat nicht nur die großartigen Hobbyläufer vom Klub Bodrost. Aus der Partnerstadt stammt auch eine der besten Langstreckenläuferinnen der Welt, Natalia Wolgina. Daß sie noch zur Weltspitze gehört, hat die Wladimirerin soeben beim 56-km-Lauf in Südafrika bewiesen, der die beiden Ozeane verbindet. Mehr als 10.000 Sportler waren am Start des Two-Oceans-Marathons. Und als erste Frau ins Ziel kam mit einer Zeit von 3 Studen, 38 Minuten und 38 Sekunden Natalia Wolgina, mit mehr als einer Minute Vorsprung auf die nächste. Vor elf Jahren hatte die 36jährige Athletin, die mit Alexej Wolgin, dem russischen Meister über die 100-km-Distanz, verheiratet ist, schon einmal am gleichen Ort einen solchen Triumph zu feiern. Da sage noch einer: They never come back…

Natalia Wolgina.

Natalia Wolgina.

Gratulieren darf man auch Alexej Slepow, der als einziger Wintersportler aus Wladimir in seiner Disziplin, im Biathlon, zur Gruppe der besten sieben Zweikämpfer im Schnee zählt. Man darf also im nächsten Jahr mit ihm rechnen, wenn die Olympischen Winterspiele in Sotschi stattfinden.

 

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