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Posts Tagged ‘Alexej Kruglow’


Seine Schatten warf dieser Lauf schon lange voraus: Halbmarathon in Wladimir. Denn es ist nach wie vor ein formaler Prozeß abzuwickeln, bevor die Reise in die Erlanger Partnerstadt angetreten werden kann. Neuer Ausweis, ein Visum und und und… Parallel dazu läuft dazu ein anderer Prozeß ab: Training strikt nach Plan. Denn wir wollen ja mit unseren russischen Freunden mithalten können. Und so hatte ich mich entschlossen, mein Training doch wieder etwas hochzuziehen. Solange es die Knochen eben mitmachen. Mit Peter hatte ich zwar schon oft beim Training für unsere Ausdauer und bei so manchem Lauf in den Partnerstädten geschwitzt, nur nicht in den letzten, vielleicht entscheidenden Wochen vor dem HM, denn bei Peter entschied sich alles erst ganz kurzfristig. Ich dagegen hatte zwei Urlaube an der Ostseeküste in der Lübecker Bucht gute Bedingungen – alles lief nach Plan.

John Stackmann und Sergej Tschernow

Unsere Anreise klappte fast ausgezeichnet – bis auf den Abholer am Moskauer Flughafen. Schon auf der Zufahrt zeigte sich: Der Straßenverkehr hatte hier gegenüber 2013 enorm zugenommen. Am Erlangen-Haus konnten wir aufatmen und uns endlich strecken. Freundlich wurden wir von Swetlana Schelesowa und Nadeschda Sawina empfangen und konnten sogleich den überfälligen Spaziergang antreten. Auf der Hauptstraße ins Zentrum und zurück – kaum vorstellbar, daß hier übermorgen kein Reifen mehr rollte.

Aber so war es. Am Freitag hatten wir – nach Peters vielen Terminen – bereits unsere Startunterlagen geholt. Alles war perfekt organisiert. Ich stand auf dieser Liste ganz oben, welche Ehre 27 Jahre nach dem letzten Laufwettkampf hier, dem Wladimirer Golden-Ring-of-Russia-Marathon 1992!

John Stackmann

Ein schwarz-gelbes Funktionstrikot war auch im Startbeutel – nicht BVB – und ein 30%-Gutschein der Pizzeria “Papa John“. Gut, um Kohlenhydrate zu schaufeln für den Wettkampftag und sogleich von uns umgesetzt bevor es zum abendlichen Konzert ging.

John Stackmann und Peter Steger

Entlang der breiten verkehrsleeren Hauptstraße, der Laufstrecke, die wie eine Kammstraße über der Stadt thront, schlenderten wir am Samstag ab 11.30 Uhr – professionell präpariert – zum Startbereich. Da starteten gerade die 10 km, die ersten Läufer fegten wie irre los. Man konnte ihnen ansehen, daß sie das Tempo nicht lange würden durchhalten können. Bald darauf stürzte ein in gelb-schwarz gehüllter Läufer auf uns los, um uns mit überschwenglicher Freude zu begrüßen: Alexej Kruglow.

Mit den Freunden von Bodrost und Alexej Kruglow in der Bildmitte

Dann trafen wir noch mehrere vom Laufklub Bodrost, von denen auch fünf am HM teilnahmen, wie Olga Sagitowa mit Sohn Alexej und Nikolaj Petrow. Sechs Minuten nach dem um 13.15 Uhr geplanten Start ging es auch für uns los. Kurz davor war noch ein gordischer Knoten in Peters Schnürsenkeln zu lösen. Auch das gelang gerade noch.

Die 7-km-Runde, die dreimal zu laufen war, rochierte im Prinzip auf der Hauptstraße mit einigen seitlichen Schlenkern zwischen oberem und unterem Wendepunkt, zunächst angenehm abfallend, aber zurück teils anstrengend bergauf. Dafür galt es, sich genügen Körner aufzuheben. Wir hatten kurz vor dem Start die Pacemaker anhand ihrer Stern-Luftballons für 1:49 und 1:59 ausgemacht, Countdown und die gut 300köpfige Startermasse bewegte sich.

John Stackmann

Mit einigen schnellen Schritten war ich beim Luftballon-Mann. Der nahm mein Tempo auf und hielt es. 5:00 auf meiner GPS-Uhr, eben und leicht ansteigend, kurz nach der Kathedrale. Der Pacemaker taugte nicht. Nach km 1 war mir das zu schnell, ich ließ langsam abreißen, lief bei 5:08 am Erlangen Haus vorbei bis zur Wende und mit kurzen schnellen Schritten wieder bergauf, Peter abgeklatscht, nach dem Schlenker zum kleinen Stadion nahm ich ein Gel, trank erstmals und fand dann wieder bergan erst meinen Laufrhythmus bei km 6, bergan arbeiten und abwärts lange Schritte und erholen. So arbeitete ich mich langsam im Feld nach vorne, kämpfte und ließ nicht nach. Peter sah ich noch zweimal nach den beiden Wendepunkten, dann nicht mehr. Nach km 15 hatte seine Wade wieder keine Gnade, trotzdem finishte er mit seiner Willenskraft und im Finale mit Alexej Begleitung.

Aus dem Erlangen-Haus winkte mir fünfmal Nadeschda zu, Alexej war ständig präsent und brüllte “very good“ und machte Bilder und Othmar Wiesenegger, zwischenzeitlich erkrankt, war überraschend doch da und knipste, das gab Extrakraft!

John Stackmann

Mit mir lief ein Pärchen ohne Startnummern. Hat mich zwar geärgert und Kraft gekostet, aber auch gezogen. Fast bis zum Ziel, vor dem sie plötzlich aufhörten, während ich meine letzten Körner zum Zielspurt sammelte, um unter 1:55 zu bleiben. Meine Uhr zeigte 21,44 km und 1:54.43 an, offiziell waren es dann sogar nur 1:54:36. Das war’s also. Die Zwischenstation HM ist für mich demnach bei 1:52 gewesen, bei flacher Strecke doch in Richtung 1:50. Die Erlanger Ehre rettete ich als Dritter der M65. Ich war sehr zufrieden. Und Peter? Er lief nur 100m hinter seinem Pacemaker ein, schaffte die Strecke also knapp unter zwei Stunden. So gut kamen wir über die Runden!

Oberstadtdirektor Andrej Schochin und die drei Erstplatzierten in der Altersgruppe M65 mit John Stackmann

P.S.: Großes Lob an die Veranstalter mit Sergej Tschernow an der Spitze, denen es gelang, den mittlerweile dritten Wladimirer Halbmarathon nach internationalen Standards zu organisieren.

John Stackmann

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Es hatte etwas von den Bremer Stadtmusikanten, als gestern das Quintett um Alexej Kruglow am Erlangen-Haus an den Start ging, um bis an die westliche Grenze Wladimirs, in den Park Druschba zu laufen. Unterwegs nämlich bekam der Trupp immer wieder unerwartet Zuwachs.

Roman Tschernow, Nikolaj Petrow, Peter Steger, Alexej Kruglow und Witalij Galkin

Da war zum Beispiel der Herr mit dem Hündchen an der Leine und der Schiebermütze auf dem Kopf, der auf Höhe des Goldenen Tors aus dem Bus stieg und stante pede mitlief – bis zu seiner Arbeitsstelle einen halben Kilometer weiter.

Oder die junge Mutter mit dem Baby im Wagen, die sich der Läufergruppe in der Nähe vom Platz des Sieges der Gruppe anschloß und bis zum noch fünf Kilometer entfernten Ziel mithielt.

Am Ende waren es dann um die fünfzehn Kilometer, die das Team von Alexej Kruglow, der auch die Bilder von unterwegs machte, zurückgelegt hatte, bevor man wieder am Erlangen-Haus eintraf. Ein Freundschaftslauf als kleine Entschädigung dafür, daß heuer Wladimir beim Winterwaldlauf in der Brucker Lache leider nicht vertreten sein wird, ein Freundschaftspreis mit einem Trostpflaster: Alexej Kruglow blickt auf 25 Jahre sportlichen Austausch mit Erlangen zurück und will seine fränkischen Freunde im Juni wieder besuchen – als Initiator einer Bürgerinitiative im Kampf gegen eine vermüllte Umwelt, als sportlicher Kämpfer für saubere Wälder, als Mitglied der Delegation, die sich mit Erlanger Fachleuten zu ökologischen Fragen austauschen will. Aber davon bald mehr hier in Ihrem Blog.

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Als im Juli vergangenen Jahres Gennadij Stachurlow, in Wladimir ein Pionier der Grünen Bewegung und des Ökotourismus, Erlangen besuchte, bat er seine deutschen Freunde um Unterstützung bei der Förderung des Radverkehrs. Dietmar Hahlweg griff diese Anregung gerne auf und schrieb an Oberbürgermeister Sergej Sacharow einen Brief, in dem er auf die Bedeutung des Fahrrads für eine lebenswerte Stadt hinwies und seinen Rat anbot. Knapp ein Jahr später nun schon der Besuch aus Erlangen und die erfreuliche Feststellung, die bereits gegebenen und neu geschaffenen Voraussetzungen für ein Umsteigen vom Auto auf das Rad seien viel besser, als gemeinhin angenommen, wenngleich natürlich Gennadij Stachurlow sich mehr und raschere Initiativen wünscht.

Josef Weber, Gennadij Stachurlow, Marlene Wüstner und Dietmar Hahlweg

Josef Weber, Gennadij Stachurlow, Marlene Wüstner und Dietmar Hahlweg

Doch als er am gestrigen Morgen Marlene Wüstner und Josef Weber zu einer Tour mit seinem Radklub „Weles“ nach Bogoljubowo – mit Picknick unterwegs – abholt, treten diese Überlegungen in den Hintergrund. Wichtig ist jetzt nur noch die gemeinsame Unternehmung, das Zusammensein, ein geteiltes Ziel, das man zusammen erreichen will, wie bei allen Partnerschaftsprojekten.

Jurij Fjodorow, Dietmar Hahlweg und Alexander Rasow

Jurij Fjodorow, Dietmar Hahlweg und Alexander Rasow

„Ein gemeinsames Ziel“, so Dietmar Hahlweg, „ist für uns Erlanger, wenn wir in Wladimir sind, auch immer ein Ausflug nach Susdal, in diese zauberhafte Stadt, die von Jahr zu Jahr immer schöner wird.“ Erlangens Altoberbürgermeister ließ sich schon 1983, bei seinem ersten Besuch, von diesem architektonischen Juwel mit all seinen Kirchen und Klöstern verzaubern und gewann seinen damaligen Kollegen aus Rothenburg o.d.T., Oskar Schubart, für eine Reise zum Goldenen Ring. Am Ende stand bereits 1988 die bis heute recht lebendige Partnerschaft zwischen den beiden Touristenmagneten. A propos: Susdal zählt mehr als 800.000 Gäste pro Jahr, gut 80 je Einwohner, im Pro-Kopf-Verhältnis mehr als Moskau! Nur leider, beklagt Alexander Rasow, seit eineinhalb Jahren City-Manager, der Erlangen noch aus seiner Zeit als Polizeichef in Wladimir kennt, bleibe kaum Geld von den Besuchern im Stadtsäckel hängen. Bestenfalls indirekt, denn das Geschäft machen die fast einhundert Hotels und Gästehäuser sowie die Händler und Dienstleister, während die Kommune trotz Intervention an höchster Stelle keine Tourismusabgabe oder Gästetaxe erheben dürfe, obwohl man nicht nur die ganze Infrastruktur schaffe, sondern sie auch unterhalte. Das freilich, so der Besuch aus Erlangen mit großem Erfolg.

Alexander Rasow, Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow mit zwei Sängern des Klosterquartetts

Alexander Rasow, Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow mit zwei Sängern des Klosterquartetts

Überall Grünanlagen, bestens gepflegt von einem „Eigenbetrieb Stadtgrün“, auf Schritt und Tritt eine nachgerade vorbildliche Sauberkeit und das sichtbare Bemühen, nicht nur die fünfzig denkmalgeschützten und drei zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Bauten zu bewahren, sondern auch die so ansprechenden Holzhäuser in ihrer Substanz zu erhalten. Und dann dieser besondere Geist, der jeden ergreift, der dem einzigartigen Glockenspiel im Erlöser-Euthymius-Kloster lauscht, sich der Pracht der Fresken öffnet oder gar in der erst jüngst so einfühlsam restaurierten Erlöser-Verklärungs-Kirche den erschütternd schönen Gesang des Kloster-Quartetts erlebt, für Dietmar Hahlweg die vielleicht schönsten Minuten dieser an berührenden Eindrücken doch so reichen Tage, Minuten der Innigkeit, in denen ein stilles Gebet um den Frieden, dieses oberste gemeinsame Ziel der Städtepartnerschaft, gen Himmel stieg.

Äbtissin Sophia begrößt Dietmar Hahlweg

Äbtissin Sophia begrößt Dietmar Hahlweg

Ganz nahe kommt man diesem Frieden im Mariä-Schutz-Kloster, wo Äbtissin Sophia, Oberin von vierzig Nonnen, gerne das Lied von der kleinen Friedenstaube rezitiert, das sie noch aus dem Deutsch-Unterricht an der Schule erinnert. Die Ordensfrau steht in einer langen Tradition, denn ihr Kloster an der trägen Kamenka wurde bereits im 14. Jahrhundert gegründet und wuchs vor allem, wie Alexander Rasow weiß, ab 1525 zu einem der größten und mächtigsten Anlagen heran, als der Moskauer Großfürst, Wassilij III, seine Frau, Solomonia Saburowa (sie nahm als Nonne den Namen Sophia an und ist in der Mariä-Schutz-Kirche beigesetzt), wegen „Unfruchtbarkeit“ hierher verbannte und den neuen Wohnort dafür reichlich mit Land entlohnte. Ihm taten es später die Zaren vielfach gleich, bis hin zu Peter I, der seine erste Gattin, Jewdokia Lopuchina, für immer nach Susdal schickte.

Mariä-Schutz-Kathedrale in Susdal

Mariä-Schutz-Kathedrale in Susdal

„Hier ist ja ein zweites Mainau entstanden“, meint Dietmar Hahlweg und freut sich an den vielen Kleinodien am Wegrand, an den bunten Rabatten, den naturbelassenen Wiesen, an der Beschaulichkeit des Stadtensembles – und an den offenen Gesprächen mit den Gastgebern, auch und gerade über die bedrohliche weltpolitische Lage, wo es sich so schwierig gestaltet, den Auffassungen von Wahrheit die Gegensätzlichkeit und die Widersprüche zu nehmen.

Jurij und Tatjana Fjodorow mit Dietmar Hahlweg und Swetlana Kusina

Jurij und Tatjana Fjodorow mit Dietmar Hahlweg und Swetlana Kusina

Wenn es denn je Mißverständnisse zwischen Erlangen und Wladimir gegeben hat, werden sie rasch wieder im Gespräch ausgeräumt. Zu fest ist das Fundament des gegenseitigen Vertrauens, gelegt vom Sozialdemokraten Dietmar Hahlweg und Kommunisten Jurij Fjodorow vor 32 Jahren mit dem gemeinsamen Ziel der Aussöhung und Verständigung. In dieser guten Tradition der Volksdiplomatie stand auch Wladimir Kusin, von 1987 bis 1990 Stadtoberhaupt und 2003 verstorben, auf dessen Bitte hin schon 1990 die erste humanitäre Hilfe aus Erlangen in die russische Partnerstadt geschickt wurde.

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Eine Aktion, aus der fast zehn Jahre später auch das Projekt „Lichtblick“, gewidmet der Zusammenarbeit der Psychiatrie Wladimir und der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, initiiert und koordiniert von Jürgen Ganzmann, der mit den beiden Projektpartnerinnen, Natalia Tarakanowa und Tamara Skworzowa, am frühen Abend ins Stadion Torpedo kam, um seine Mitarbeiterin, Elke Sausmikat, beim Zehn-Kilometer-Lauf anzufeuern und daneben auch noch die folgenden Photos zu machen.

Peter Steger und Elke Sausmikat vor dem Start

Peter Steger und Elke Sausmikat vor dem Start

Der Lauf sollte das erste Leichtathletikfest dieses Jahres auf Regionalebene abschließen, als einzige Langstrecke. Beschwerlich genug bei drückender Schwüle und unter den für beide, Elke Sausmikat wie Peter Steger, ungewohnten Stadionbedingungen: 25 Runden im Kreis, ohne Steigung oder Gefälle, ohne die sinnlichen Anregungen bei Wald- oder Stadtläufen.

Dmitrij Kuschpita, Elke Sausmikat Alexej Butakow, Peter Steger, Alexej Kruglow und Anatolij Mitrofanow

Dmitrij Kuschpita, Elke Sausmikat Alexej Butakow, Peter Steger, Alexej Kruglow und Anatolij Mitrofanow

Aber eine Herausforderung, die beide mit freudiger Spannung erwarteten, gerade im Kreis der Athleten, die alle schon in Erlangen beim „Winterwaldlauf“ in der Brucker Lache dabei waren. Deshalb wurde die Sache wohl auch mehr zu einer Freundschaftsveranstaltung, zumal die russischen Läufer zu den besten ihres Fachs weit und breit gehörten.

Alexej Kruglow, Elke Sausmikat und Peter Steger

Alexej Kruglow, Elke Sausmikat und Peter Steger

Und der schnellste Langstreckler von allen, Alexej Kruglow, erwies den beiden Gästen dann auch noch den Freundschaftsdienst des Tempomachers – über all diese 25 Runden hinweg – und zog sie regelrecht über die Ziellinie. Womit wir schon wieder bei den gemeinsamen Zielen wären.

Elke Sausmikat und Peter Steger

Elke Sausmikat und Peter Steger

Die Zeit mag deshalb allenfalls für die Statistik nachgereicht werden: 53 Minuten und 9 Sekunden. Für beide Gastläufer, die auf die Auswertung des Zielphotos verzichten. Was geht schon über einen gemeinsamen Sieg, ein gemeinsam erreichtes Ziel.

Peter Steger, Elke Sausmikat und Alexej Kruglow

Peter Steger, Elke Sausmikat und Alexej Kruglow

Und da stehen sie nun auch – ebenso erschöpft wie überglücklich ob des gemeinsamen ersten Platzes: Elke Sausmikat als die beste und schnellste Läuferin aus Deutschland und Peter Steger als der beste und schnellste bei den deutschen Herren im Feld. Alexej Kruglow hingegen als der beste deutsch-russische Sportsfreund im Stadionrund, ohne den die beiden Rundenneulinge vielleicht gar nicht ins Ziel gekommen wären, und der verspricht, zum nächsten Winterwaldlauf auch wieder nach Erlangen zu kommen. Wieder zu einem dieser vielen gemeinsamen Ziele auf dem beglückend schönen Weg zu Versöhnung und Verständigung.

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Wie kompakt und intensiv die drei Tage in Wladimir, einschließlich Ankunftsabend und Abfahrtsmorgen, doch waren! Nicht nur wegen der rauschenden Geburtstagsfeiern zum Dreißigsten der Partnerstädte mit Bürgern aus Wladimir und den Gästen aus Erlangen, sondern auch ganz unerwartet und furios dank einer Doppelgeburtstagsfeier mit einer russischen Großfamilie. Ein weiterer Höhepunkt war das Wiedersehen mit den befreundeten, ehemaligen russischen Laufprofis nach bis zu 20 Jahren. Gefühle und Glücksmomente, die meinen Herzschlag auch ohne Laufschritt rasant in die Höhe getrieben haben. Für solch schöne Momente im Leben kann man nur dankbar sein!

John Stackmann (4. v.l.) mit seinen Wladimirer Freunden

John Stackmann (4. v.l.) mit seinen Wladimirer Freunden

Der aktiv Sport war beim dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen den Städten Wladimir und Erlangen (nur) durch drei Läufer in der 200 Köpfe starken fränkischen Delegation vertreten: Helmut Müller, Michael Krug und ich. Wir wurden in Wladimir von unseren Freunden, wie immer, sehr herzlich empfangen und umsorgt, sowohl von den ehemaligen Profiläufern als auch vom Laufklub Bodrost, der von Dmitrij Grischin gesponsert wird. Damit und angesichts der neuen Kontakte nach 2010 sind auch Dmitrij und ich (natürlich unter Peter Stegers übergeordneter Regie) kleine laufsportliche Motoren der Städtepartnerschaft geworden.

Der Laufklub Bodrost hatte 2012 (und auch 2013) mit leistungsstarken Senioren beim Erlanger Winterwaldlauf teilgenommen und dadurch die seit Jahren schlummernde Freundschaft zu neuem Leben erweckt, die auf Kontakte in den Jahren 1991 bis 1997 zurückgeht. Damals starteten die Profiläufer unter Spartak Wladimir, die z.T. der russischen Nationalmannschaft angehörten, wie der 100 km Weltcup-Sieger Alexej Wolgin. Natürlich sprang der Funke auch jetzt im Rahmen des Winterwaldlaufs sofort über – da tut sich der Sport leicht –, obwohl von den russischen Laufstars der 90er Jahre lediglich Alexej Kruglow 2012 wieder nach Erlangen gekommen war.

Nach der langen Anreise am Mittwoch wartete ich vor dem Hotel Goldener Ring gespannt auf Dmitrij Grischin. Er sah genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Unser intensives Gespräch endete erst um 2 Uhr morgens. Wieder verzauberte mich hier die sensible russische Herzlichkeit.

Programm des Marathons in Wladimir 1992

Programm des Marathons in Wladimir 1992

1991 war ich (nur) Zuschauer beim Sportfest mit Athleten aus Wladimir und Erlangen auf dem Uni-Sportplatz an der Gebbertstraße. Ich bestaunte den überlegenen Dmitrij Grischin beim Doppelsieg über 800 m und 5.000 m und unterhielt mich gut mit ihm bei der anschließenden Grillfeier. So richtig hatte die russisch-deutsche Sportfreundschaft für mich dann aber mit dem “Golden-Ring-of-Russia“-Marathon 1992 in Wladimir angefangen. In meinem 15. Marathonjahr kam die Anfrage des Sportamts durch Ernst Bayerlein, ob wir mit einigen Athleten am Marathon in Wladimir teilnehmen könnten, mitten im heißen russischen Sommer des Jahres 1992. Pia Fischer, Herbert Fröhlich, Rudi Kunstmann und ich nahmen diese Gelegenheit wahr. In Wladimir war ich bei Jurij Kissiljows Familie untergebracht. Jurij hatte seinerzeit über 1.500 m mit 3:35 min eine international hervorragende Zeit stehen. Aber dem auf die Funktionstüchtigkeit seiner Beine angewiesenen Laufprofi spielte das Schicksal einen schweren Streich. Er hatte sich damals eine Entzündung der Achillesferse zugezogen, die er später nicht mehr in den Griff bekam. Die wichtige Einnahmequelle aus seinen internationalen Starts im Ausland war entfallen! Jurij und seine Familie ließen es sich trotzdem nicht nehmen, mir damals den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. So fuhr er fast den gesamten Marathon im Auto in meiner Nähe, photographierte, filmte und versorgte mich auch mit meinem Spezialgetränk.

Zeitungsbericht der EN Marathon in Wladimir

Zeitungsbericht der EN Marathon in Wladimir

Die mit dem Marathon gestarteten 10 km hatte übrigens Jurij Michajlow gewonnen, der kurz nach dem Start schon direkt hinter der Spitze lief (im Bild des alten Zeitungsausschnitts hinter der rechten Schulter des Läufers mit Startnummer 165). Denkwürdig und gut in Erinnerung sind mir auch noch die häufigen Zusammenkünfte bzw. Tischrunden der Sportler und Funktionäre damals mit Speis und Trank. Einer hatte nämlich immer ein Aktenköfferchen dabei, das mit etlichen Flaschen Wodka gut gefüllt war. Die „sollten“ dann innerhalb der zwei Stunden alle geleert werden. Nur ich tanzte aus der Reihe, da ich schon immer keinen Alkohol trinke. Schnell hatten sich unsere Gastgeber auch auf meine vegetarische Ernährung eingestellt. Bei den Nachfragen habe ich Dmitrijs damalige Freundin und jetzige Frau Anastasia kennengelernt, die schon damals sehr am Austausch interessiert war.

Herbert, der damals noch seine Fröhlich-Brauerei in Dormitz betrieb, hatte bei den Wodka-Runden eine relativ geringe Hemmschwelle. Das merkte man ihm dann nach zwei Tagen auch deutlich an. Rudi hatte sich damals in Wladimir gesundheitlich nicht so wohl gefühlt und deshalb kurzfristig auf die Teilnahme am Marathon verzichtet. Aber für mich hatte der Aufenthalt ein trauriges Nachspiel: Ich hatte mir einen Virus eingefangen (wahrscheinlich weil öfters Strom und Wasser abgestellt worden waren) und konnte dann zu Hause für ein halbes Jahr eine Lungenentzündung auskurieren.

Auch diesmal habe ich mich in Wladimir sehr wohl gefühlt, auch weil ich bei Dmitrij untergebracht war und er mir sein Reich (neues, edles Schlafzimmer und Bad neben Gregorijs Zimmer im zweiten Stock über ihrer alten Vier-Zimmer-Wohnung) überlassen hatte und ich ganz natürlich in sein Familienleben integriert war. Dies hatte für einen Banausen der russischen Sprache wie mich nämlich den großen Vorteil, mich hervorragend in Englisch unterhalten zu können (auch mit seinen Söhnen Gregorij und Nikita; bei dem Jüngsten, Igor, genügten Gebärden, um zu schäkern und zu blödeln). Dmitrij und seine Anastasia haben nämlich sieben Jahre in Südafrika gelebt und dabei ihre englischen Sprachkenntnisse entscheidend verbessert.

Dmitrij Grischin in seinem Lexus

Dmitrij Grischin in seinem Lexus

Für Dmitrij haben sich diese Jahre besonders gelohnt, hatte er doch mehrfach an dem gut dotierten Comrades-Marathon als (bezahlter) Spitzenläufer teilgenommen, ihn sogar zweimal gewonnen und beim zweiten Sieg durch den dabei aufgestellten Streckenrekord kräftig Kasse gemacht. Aufgrund dieser für einen russischen Laufprofi außergewöhnlich guten Finanzpolster fiel es ihm nach seiner Profizeit in Wladimir leicht, sich beruflich als Bauunternehmer zu etablieren. Natürlich haben ihm auch seine Cleverness und sein gutes Gefühl geholfen, mit dem er sich um schwierige Situationen herummanövrierte – genauso wie ihm das mit seinem brandneuen, edlen Lexus-Offroader mit V8-Motor bei den kratertiefen Löchern auf Wladimirs Straßen gelang, als er mir ganz stolz die unter seiner Regie erstellten und im Bau befindlichen acht Häuser zeigte. Ich hatte den Eindruck, Dmitrij kutschiere am liebsten einfach nur mit seinem „Luxusschlitten“ herum.

Frauenkloster Bogoljubowo

Frauenkloster Bogoljubowo

In Wladimir hatten wir Läufer (oft) unsere eigenen Pläne und nahmen dann nicht am offiziellen Programm teil. So habe ich an allen drei Tagen mit den alten und neuen Sportfreunden trainiert. Schon der Donnerstag hatte es in sich: morgens Ausflug nach Bogoljubowo mit der Bürgergruppe und unserer „wissenschaftlichen“ Busreiseleiterin Jelena. In der Klosterkirche galten nach wie vor traditionell strenge Sitten: Nicht nur die Frauen hatten auf die Sittsamkeit ihrer Kleidung zu achten. Auch dem Männerchor der Stad’l Harmonists, die die hervorragende Akustik des Kirchenraums bemerkt und spontan einen Choral angestimmt hatten, wurde der Gesang untersagt. Sie mußten abbrechen, denn das Singen störe ja die würdevolle Ruhe …

Knut-Wulf Gradert (links) mit seinen Stadl Harmonists

Knut-Wulf Gradert (links) mit seinen Stadl Harmonists

Danach ab 14 Uhr – direkt vor dem offiziellen Partnerschaftslauf – trainierten wir zu viert (Michael, Helmut, Dmitrij und ich) auf einem Reitweg mit Cross-Charakter. Eine Wohltat nach der gestrigen fehlenden Bewegung des langen Anreisetags! Leider hatten sich die ursprünglichen Ankündigungen vom 30-km-Lauf (auf den ich mich im Training vorbereitet hatte) bzw. später das 10-km-Rennen auf einen nur drei bis vier Kilometer langen Partnerschaftslauf  in der Stadt reduziert, an dessen Ende noch ein kleines Stück gemeinsam mit Fahrradfahrern zurückzulegen war. Hatte ich schon beim Cross etwas „fürs Tempo gesorgt“, konnte ich mich jetzt weiter austoben. Denn gleich anschließend rannte ich einen Großteil des Partnerschaftslaufs volle Kanne (hinterher), da ich etwas später gestartet war und die „Spitze“ noch erreichen wollte. Abends folgte dann die offizielle Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem sehr reichhaltigen Kulturprogramm von russischen und deutschen Tanz- und Gesangskünstlern, mit Ballett und Folklore. Nur die Eröffnungsreden haben mir nicht so sehr gefallen, was nicht an den viel zu laut eingestellten Lautsprechern lag – aber man kann ja nicht alles haben. Am besten hat mir neben den Stad’l Harmonists noch der melodische Gesang eines Kammerchors gefallen, nicht nur wegen ihrer samtroten Kleider…

Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums unter Leitung von Joachim Adamczewski

Mädchenchor des Christian-Ernst-Gymnasiums unter Leitung von Joachim Adamczewski

Am Freitagvormittag nahmen wir an dem großen Ausflug nach Susdal teil und erlebte viermal hintereinander einen ganz unerwarteten Ohrenschmaus! Nach dem Glockenspiel (sieben Minuten lang!)  inspirierten der Auftritt eines gregorianischen Vier-Männer-Ensembles und die hervorragende Akustik in der Klosterkirche unsere zwei Chöre. Jetzt durften die Stad’l Harmonists und der Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium nacheinander ihr Können zu zeigen. Der optische Höhepunkt schwebte als Deckenmalerei über uns mit seinen speziellen, intensiven Blautönen.

Hochzeitskutschen in Susdal

Hochzeitskutschen in Susdal

Wieder in Wladimir zurück, durfte ich ab 16 Uhr sogar das gemeinsame Training im Torpedo-Stadion mit Senioren des Laufklubs Bodrost sowie Helmut und Michael gestalten: mit Warmlaufen, Steigerungen, 3 x bis 6 x 400 m Tempo und Auslaufen, obwohl die Beine von gestern etwas müde waren (danach eiskalte Duschen, brrr!). Direkt darauf hat man uns dort ganz rührig zu einem kleinen Empfang mit Essen eingeladen, bei dem ich die 30 T-Shirts mit einem beidseitigen speziellen Aufdruck übergab (30 Jahre Freundschaft Wladimir – Erlangen, vorne in Russisch und auf der Rückseite in Deutsch). Die Hemden kamen super gut an und waren ab sofort ständig in Wladimir zu sehen. Genauso wie ich dies in meiner Ansprache auch angeregt hatte. „Wir sollen damit unsere Freundschaft auch in der Öffentlichkeit zeigen!“

30 Jahre Freundschaft Wladimir - Erlangen

30 Jahre Freundschaft Wladimir – Erlangen

Dann kam etwas ganz Unerwartetes, als mich Anastasia und Dmitrij (in feinen Zwirn gehüllt, mit Binder) vom Stadion abholten. Erst auf dem Treppenaufgang weihte er mich ein: An diesem Nachmittag bis spät in der Nacht durfte ich bei der furiosen russischen Geburtstagsfeier von Dmitrijs Schwester Irina (50.) und deren Ehemann Slawa (42.) dabeisein. Viel Tanz, Humor und ansteckende Vitalität bei Spielen und Sketchen, Folklore, Gesang, zelebrierten Gratulationsprozeduren und natürlich Speisen und Getränken vom Feinsten.

Wir kamen in den Saal, und sofort – ehe ich mich setzen konnte – schnappte mich eine vollschlanke Russin im roten Kleid, die mich ständig anlächelte, und zog mich auf die Tanzfläche. Das tat meinen müden Beinmuskeln sogar gut, war ich doch im Torpedo-Stadion nicht zum Stretching gekommen. So lockerte ich mich eine ganze Weile im Tanzrhythmus bevor ich am Tischinneneck noch zwischen Anastasia und Dmitrij gesteckt wurde. Während die langen Tische laufend mit leckersten Speisen beladen wurden, sang und tanzte eine kleine Folklore-Gruppe. Dann übernahm eine Animateurin das Kommando, die ständig ihre Spiele und Späße mit den Anwesenden trieb. Derweil schoben mir Anastasia, die unerklärlich ernst wirkte und kaum auch nur lächelte, von links und Dmitrij von rechts unentwegt Häppchen und Köstlichkeiten (u.a. auch Kaviar) zu und versorgten mich mit Fisch- und Gemüsevariationen und Getränken. Alles vom Feinsten

Dmitrij stellte mich seiner Schwester und den beiden Brüdern sowie weiteren Nachbarn am Tisch vor und dann diese mir, darunter auch seine tanzwütige Schwipp-Schwägerin im roten Kleid. Irgendwie waren alle verwandt und verschwägert. Der eine Bruder, ein Bär von einem Mann und äußerst sympathisch, war international erfolgreicher Ringer gewesen und ist jetzt Trainer, den anderen hatte der Alkohol schon etwas im Griff. Es gab ja ständig Programm und Trinksprüche… Diese Ideen, diese Intensität des ausgelassenen Lustigseins sowie die natürliche Herzlichkeit waren überwältigend – und ich mittendrin. Ich konnte gar nicht anders als mitmachen. Ich genoß und ließ mich treiben. Nach der zelebrierten Prozedur der Übergabe von Geschenken mit Glück- und Segenswünschen, die Irina im Stehen entgegennahm, erhob sich Dmitrij und sprach vor dem ganzen Saal über mich. Was erzählt er denn da so lang? dachte ich mir bei dem Applaus. Ich durfte mich als einziger Gast, der nicht irgendwie mit der Familie verwandt oder verschwägert war, zuletzt in die Schar der Gratulanten einreihen. Ich stellte mich kurz in Englisch vor, und Dmitrij übersetzte (und ergänzte wieder!) sogar das kleine deutsche Gedicht, das ich (in englischer Übersetzung) vortrug:

Schon sind die 50 Jahr‘ vorbei! / Doch haltet Geist und Körper fit, / nehmt Euch das Plus des Lebens mit, / dann ist das Alter einerlei. / Für Euer Wohl die Freunde sorgen, /dann bleibt Ihr glücklich auch bis morgen!

Auch Dmitrijs sportlicher Bruder verstand wohl etwas Deutsch und bedeutete mir, Rhythmus und Reime der Originalfassung haben ihm gefallen. Ganz plötzlich ohne große Ankündigung brachen wir so gegen 22.30 Uhr auf.

Das Erlanger Trio mit den Lauffreunden in Wladimir

Das Erlanger Trio mit den Lauffreunden in Wladimir

Am Samstag, dem internationalen Kinderschutztag, stand erst einmal langes Ausschlafen und ab 10.30 Uhr ein lockeres Training in einem kleinen Kiefernwald in einem vor der Stadt gelegenen Areal mit Kindererholungsheim auf meinem Programm. Diesen Parcours kannte ich noch von meinem Aufenthalt vor 21 Jahren. Mit Alexej, der meistens mit seinem Mountainbike unterwegs war, und Dmitrij wurde aus der ruhigen Elf-Kilometer-Strecke noch ein Lauf mit leichten Steigerungen, da mir das Tempo etwas zu langsam war. Später schauten wir bei einem Radrennen zu, bei dessen Ablauf auch Mitglieder des Laufklubs Bodrost gleich in ihren neuen T-Shirts mitorganisierten. Danach wurden wir dann Zeugen bei dem Staffellauf mit dem (olympischen) Feuer zur Universiade 2013.

Natalia, Olga, John Stackmann und Michael Krug

Natalia, Olga, John Stackmann und Michael Krug

Dann ging ich mit Dmitrijs Familie zum Einkauf im Spar-Markt für die abendliche Grillfeier. Es dauerte ganz schön lange, bis alle Sachen zunächst in vier (!) Einkaufswagen und dann in Dmitrijs Lexus verstaut waren. Viel Zeit, um mit dem kleinen Igor Quatsch zu machen. Später holten wir Alexej Wolgin und seine Frau Natalia ab. Sie war uns schon beim Training im Torpedo-Stadion mit ihrem wippenden Pferdeschwänzchen aufgefallen, als sie dort enorm schnell ihre Runden drehte. Als Weltklasse-Athletin steht sie den Erfolgen ihres Mannes in nichts nach, der u.a. 1994 in Japan 100-km-Weltmeister in unglaublichen 6:22 Std. wurde (unter 3:50 min pro km). Wie Dmitrij gewann auch er schon beim Comrades Marathon. Mit Wolgins steuerten wir dem Höhepunkt am Abend entgegen, der Grillfeier in Dmitrijs schmuckem Gartenhäuschen. Hier war neben Helmut, Michael und mir alles anwesend, was Rang und Namen hatte: die alten Freunde (seit 1991) und Profiläufer Dmitrij und Anastasia Grischin, Alexej und Natalja Wolgin, Alexej Kruglow, Jurij Kissiljow mit Ehefrau (bei denen ich 1992 zunächst wohnte), Trainer Alexander Sakow und die junge Berglauf-Weltmeisterin mit der russischen Mannschaft Olga Gorbunowa. Es war für uns alle wunderschön, uns nach dieser langen Zeit wiederzusehen, natürlich zum Teil sehr verändert. Das wurde gefeiert bei intensiven Gesprächen, vielen Trinksprüchen und leckerem Essen in einer sportlich-lockeren Atmosphäre, während sich die Kinder auf dem Trampolin vor dem Gartenhaus austobten. Nur Jurij Michajlow hatte gefehlt (wie auch Rudi, Herbert und meine Frau, nach denen oft gefragt wurde).

Eine lang gelebte Langstrecken-Freundschaft unter Laufsportlern und deren Familien!

John Stackmann

S. auch: http://is.gd/PufvQe

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Der Sport hätte beim dreißigjährigen Jubiläum – es liegt nun schon wieder eine Woche zurück! – durchaus stärker vertreten sein können. Wenn er unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, gibt es dafür einige Gründe, auf die hier heute aber nicht weiter eingegangen werden soll. Freuen wir uns lieber über das, was wieder möglich wurde, erzählt es doch davon, wie auch über Jahre schlummernde Verbindungen plötzlich wieder quicklebendig und ausgeschlafen ein neues Leben beginnen. Bestes Beispiel dafür ist John Stackmann, der schon in den frühen 90er Jahren in Wladimir den Marathon „Goldener Ring“ gelaufen ist. Als diese Veranstaltung mangels Sponsoren wenig später eingestellt wurde, kamen zwar noch Athleten aus Wladimir nach Erlangen, doch der sportliche Kontakt verlor an Fahrt. Bis vor zwei Jahren zum ersten Mal – und heuer wieder – eine Gruppe von Langstrecklern aus der Partnerstadt zum Winterwaldlauf in die Brucker Lache kam. Als es dann hieß, während der Feierlichkeiten zum dreißigsten Geburtstag werde es auch einen Jubiläumslauf geben, rekrutierte John Stackmann mit Helmut Müller und Michael Krug zwei Mitglieder seiner Laufgemeinschaft Erlangen und berichtet heute von seinen Begegnungen mit dem munteren Völkchen vom Wladimirer Verein Bodrost und den alten Sportsfreunden. 

In Wladimir haben wir Läufer (oft) unser eigenes Programm gemacht und dann nicht am offiziellen Programm teilgenommen. So habe ich an allen drei Tagen mit den alten und neuen Sportfreunden trainiert. Ich wurde bestens integriert, besonders in Dmitrij Grischins Familie, wo ich wie vor 20 Jahren wohnte.

John Stackmann, 4. v.l., und seine Wladimirer Freunde

John Stackmann, 4. v.l., und seine Wladimirer Freunde

Schon der Donnerstag hatte es in sich: Morgens Ausflug nach Bogoljubowo mit der Bürgergruppe, danach ab 14 Uhr – noch vor dem Partnerschaftslauf, den ich fast volle Kanne gerannt bin, da ich etwas später startete und die Spitze noch erreichen wollte – schon 9 km Crosslauf mit Dmitrij Grischin, Michael Krug und Helmut Müller. Abends dann die offizielle Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Am Freitag nahm ich an dem Ausflug nach Susdal teil und erlebte da einen unerwarteten Ohrenschmaus: Der Auftritt eines gregorianischen Vier-Männer-Chors und die hervorragende Akustik inspirierten unsere zwei Chöre, die Stad’l Harmonists und den Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium, dazu, nacheinander ihr Können zu zeigen. Wieder in Wladimir zurück, durfte ich ab 16 Uhr das gemeinsame Training im Torpedo-Stadion mit den Senioren des Laufklubs Bodrost, Helmut Müller und Michael Krug gestalten: 13 km mit 3 bis 6 x 400 m Tempo (danach eiskalte Duschen, brrr!), obwohl die Beine von gestern etwas müde waren.

Quartett in Susdal

Quartett in Susdal

Direkt danach hatten die Freunde uns dort zu einem kleinen Empfang mit Essen eingeladen, bei dem ich die 30 eigens angefertigten T-Shirts übergab – mit einem speziellen Aufdruck.

Ab dem späten Nachmittag bis spät nachts durfte ich bei der furiosen Feier des runden Geburtstags von Dmitrijs Grischins Schwester Irina und deren Ehemann Slawa dabei sein. Mit viel Tanz, russischem Humor und ansteckender Vitalität bei Spielen und Sketchen. Dmitrij stellte mich vor, und ich gratulierte später mit einem kleinen deutschen Gedicht, das ich ins Englische übersetzte, aus dem es dann Dmitrij ins Russische übertrug.

Am Samstag stand ab 10.30 Uhr Training in einem kleinen Kiefernwald in einem vor der Stadt gelegenen Park auf dem Programm. 11 km mit leichten Steigerungen. Später schaute ich dem Radrennen zu und wurde dann Zeuge der Staffelübergabe bei der olympischen Universiade. Später Einkauf mit Dmitrijs Familie im Spar-Markt für die abendliche Grillfeier, dann Alexej Wolgin und seine Frau abgeholt zum Höhepunkt am Abend: Grillfeier bei Dmitrij mit Helmut, Michael und den alten Freunden (seit 1991!) und Profiläufern Dmitrij Grischin, Alexej Wolgin, Alexej Kruglow, Jurij Kissiljow (bei dem ich schon 1992 gewohnt hatte) – siehe Bild Wladimir 107 (von Michael) – , deren Ehefrauen, Trainer Alexander Sakow und der jungen Bergläuferin, Olga Gorbunowa.

Joachim Adamczewski und sein Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium

Joachim Adamczewski und sein Mädchenchor vom Christian-Ernst-Gymnasium

Es war für uns alle wunderschön, uns nach dieser langen Zeit (1991 bis 1995, s. meine kleine Chronik unten) wiederzusehen, zum Teil sehr verändert, bei intensiven Gesprächen, vielen Trinksprüchen und leckerem Essen in einer sportlich lockeren Atmosphäre. Nur Juri Michajlow hat noch zu unserem Glück gefehlt (wie auch Rudi Kunstmann und meine Frau, nach denen oft gefragt wurde).

Eine gelebte Langstrecken-Freundschaft unter Laufsportlern und deren Familien!

Zur Chronik der Läuferpartnerschaft:

1991 Bei der Partnerschaftswoche nahmen am 30. Mai auch Leichtathleten aus Wladimir beim 800- und 5.000 Meter-Lauf teil (Uni-Stadion, Sandplatz). Es gewann jeweils Dmitrij Grischin, ein Profi-Läufer von Spartak Wladimir.

1992 Eine Läuferin, Pia Fischer, in der Gesamtwertung 17. Frau in einer Zeit von 3 Stunden und 45 Minuten, und zwei Läufer der Laufgemeinschaft Erlangen, John Stackmann, 40. Mann in einer Zeit von 2 Stunden und 46 Minuten, sowie Herbert Fröhlich gingen am 13. Juni beim 5. Internationalen Golden-Ring-of-Russia-Marathon in Wladimir an den Start, bei dem Dmitrij Grischin in 2 Stunden und 18 Minuten Zweiter wurde. Die Erlanger Nachrichten berichteten darüber am 30.6.1992.

1993 Beim Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) am 28. März siegte mit Jurij Michajlow aus Wladimir der russische 20-Kilometer-Meister von 1991 mit neuer Streckenrekordzeit von 1:08:08 h.

1994 Das Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) gewann am 10. April erneut Jurij Michajlow, mit einem verbessertem Streckenrekord von 1:07:39 h. Alexej Kruglow, sein Vereinskollege von Spartak Wladimir, wurde in 1:09:37 h Dritter vor dem späteren mehrfachen deutschen Seniorenmeister der LG Erlangen, Thomas Drechsler. Beide Profi-Läufer aus Wladimir nahmen am Folgewochenende am Jubiläumslauf in Bayreuth teil, bei dem sie sowohl die Zehn-Kilometer-Strecke (Michajlow) als auch den Marathon und die Kombinationswertung beider Läufe (jeweils Kruglow) gewinnen sollten.

1995 Beim Erlanger Frühjahrskriterium (Halbmarathon) am 2. April lief Dmitrij Grischin trotz Sturz nach einem Kilometer als Zweiter zeitgleich (1:07:10 h) mit dem Sieger Sági aus Ungarn ins Ziel. Im international stark besetzten Feld kamen seine Vereinskollegen Alexej Kruglow auf Platz fünf und Alexej Wolgin (100-Kilometer-Weltcup-Sieger) auf Platz acht. Erfolgstrainer Alexander Sakow hatte seine drei Schützlinge, die die Mannschaftswertung gewannen, nach Erlangen begleitet. Die Ergebnislisten dieses Frühjahrskriteriums sind nachzulesen unter: www.fruehjahrskriterium.de/ergtab.htm

John Stackmann, 1. v.l., und Michael Krug, 4. v.l., mit ihren Wladimirer Freunden

John Stackmann, 1. v.l., und Michael Krug, 4. v.l., mit ihren Wladimirer Freunden

1997 Im Juli besuchte Dmitrij Grischin zwischen seinen Wettkämpfen in Europa mit seiner Frau John Stackmann.

2012 Ein neunköpfiges Team des Laufklubs Bodrost Wladimir nimmt sehr erfolgreich an den Seniorenwertungen des Erlanger Winterwaldlaufs vom 24. März teil. Nach zusätzlichem Training feiert man bei John Stackmann.

2013 Aus neun werden schon dreizehn (verstärkt um zwei Nordic Walker) vom Laufklub Bodrost und der Sportschule Nr. 4 beim Winterwaldlauf am 23. März – und wieder sehr erfolgreich, wie hier im Blog und in der Ergebnisliste nachzulesen: www.winterwaldlauf.de/ergebnisse/archivwwl.htm Und dann zum Jubiläum das Wiedersehen in Wladimir.

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Nach einem Wettkampf tut man gut daran, sich noch einmal auszulaufen, gemeinsam durch die Natur zu traben, anschließend die Glieder, Sehnen und Muskeln – von deren Existenz und Bezeichnungen der anatomisch nicht vorgebildete Sportler gar keine Kenntnis haben mag – zu dehnen und zu strecken, damit sie nicht beim nächsten Mal den Dienst aufkündigen, und sich dann zu einem kräftigenden Abendmahl zusammenzusetzen. Tut man das alles auch noch unter Anleitung von John Stackmann von der Leichtathletikgemeinschaft Erlangen, wird daraus ein Erlebnis, das den Besuch der Läufer aus Wladimir, die heute wieder die Heimreise antreten, zum schieren Genuß steigert. Ohnehin sind sie voll des Lobes für die großartige Organisation des Winterwaldlaufs, voll der Begeisterung über die Gastfreundschaft, voll der Dankbarkeit für unvergeßliche Eindrücke vom „Paradies für Läufer und Radfahrer“, wie sie Erlangen gern nennen.

Die Gastläufer mit John Stackmann (6. v.l.) nach dem letzten Auslauf auf dem Sportgelände von Siemens

„Hätten wir eure Bedingungen, wir würden bestimmt doppelt so schnell laufen“, scherzt Alexej Kruglow und fügt hinzu, er habe sich in Erlangen wieder in Wettkampflaune gebracht. Das gilt auch für Sofia Prutnikowa, die seit fünf Jahren zum ersten Mal wieder die 10 Kilometer gelaufen ist und dennoch den ehrenvollen Platz 12 bei W 45 schaffte. Das gilt besonders auch für Anatolij Iwantschenko, erst vor wenigen Jahren aus Samarkand in die Partnerstadt gezogen, der in der Gruppe M 60 auf der 15-Kilometer-Distanz auf den 7. Platz kam. Ihm, der seit 20 Jahren Marathon läuft – außer ihm tut das übrigens nur noch ein einziger jüngerer Sportler im ganzen großen Wladimir! – war die Strecke zu kurz. Er konnte seine Stärken nicht ausspielen wie in Twer, wo er schon einmal den ersten Platz belegte, oder in Moskau, St. Petersburg oder Omsk, wo er regelmäßig an den Start geht. Nun wünscht er sich, auch einmal mit – nicht gegen! – John Stackmann zu laufen, sei es in Düsseldorf, Berlin oder irgendwo in Rußland. Doch der will zuerst noch seinen einhundertsten Marathon beim Ober-Main-Lauf absolvieren. Danach ist alles möglich. Wie in der wiederbelebten Disziplin der Partnerschaft überhaupt: Beim nächsten Winterwaldlauf jedenfalls wollen alle wieder dabeisein und noch mehr Athleten mitbringen, und im Herbst gibt es einen Cross-Lauf in den Wäldern von Wladimir. Bis dahin haben die russischen Sportler ihren winterbedingten Trainingsrückstand bestimmt wettgemacht und noch eins draufgelegt. Aber die Partnerschaft lebt ja vom Miteinander – zumindest nach dem Wettkampf.

Mehr am laufenden Meter unter: http://is.gd/tSv256 und http://is.gd/CYmjEl

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Langläufer können oft auch lange Geschichten erzählen, Geschichten, die weit zurückreichen in die Geschichte der Städtepartnerschaft. 1992 war es, daß John Stackmann mit einem vierköpfigen Team in Wladimir am Golden Ring of Russia, einem Halbmarathon, teilgenommen hat. Den Lauf hat der Athlet, der in Erlangen nun schon das zwölfte Mal in Folge mit seiner Laufgemeinschaft den Winterwaldlauf in der Brucker Lache organisiert, noch so in Erinnerung, als hätte er ihn gestern erst absolviert: die weißen Kirchen, die fröhlichen Menschen, die breiten Straßen, aber auch die oft rasend schnellen Autos, weil der Kurs nicht abgesperrt war.

John Stackmann und Alexej Kruglow

Es kam, wie es gottlob immer bei solchen Partnerschaftsbegegnungen kommt. Es blieb nicht bei der sportlichen Herausforderung, man verstand sich auch ohne viele Wort, auch ohne Dolmetscher, und so kamen 1994 und 1995 Laufmannschaften aus Wladimir nach Erlangen, beide Male mit von der Partie Alexej Kruglow, der wie damals wieder bei seinem Freund John Stackmann wohnt und natürlich – wie alle andern auch – fleißig mit ihm für den Lauf am Samstag trainiert.

Seit vorgestern ist die neunköpfige Gruppe – ein zehnter kommt erst am Wochenende dazu – in Erlangen, doch schon voller Begeisterung über die Stadt und natürlich vor allem die Streckenführung in der Brucker Lache und überhaupt die Laufleidenschaft in der deutschen Partnerstadt. In Wladimir, beklagen die Gäste, werde der Laufsport kaum gefördert, den Golden Ring of Russia gebe es schon lange nicht mehr, nur im Herbst veranstalte man noch in einem Erholungsgebiet am östlichen Stadtrand jenseits der Kljasma einen Fünf- und Zehnkilometerlauf. Das könnte sich ändern, wenn Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Schirmherrin des diesjährigen Winterwaldlaufs, mit ihrem Wladimir Kollegen Sergej Sacharow spricht, denn sie hat sich mit Peter Steger, dem Partnerschaftsbeauftragten, zusammen vorgenommen, wenigstens einmal in allen befreundeten Städten an einem Lauf teilzunehmen. Nach Rennes im vergangenen Jahr steht nun zunächst Erlangen selbst auf dem Programm. Danach sieht man weiter, wie es läuft…

Geschenkübergabe an Elisabeth Preuß

Die Gruppe um Alexej Kruglow gehört zum Verein „Bodrost“ (Бодрость), was mit „Munterkeit“ übersetzen kann, vielleicht auch mit „Rüstigkeit“. Die gut 40 Mitglieder, alles ehemalige Profiläufer, sind zwischen 30 und 80 Jahren alt und wollen nach Ende ihrer aktiven Karriere nicht einfach die Beine hochlegen. Wo immer es in der Region und sonst wo in Rußland Gelegenheit zum Laufen gibt, findet man die munter-rüstigen Wladimirer. Nun auch in Erlangen. Hoffentlich nicht zum letzten Mal. Noch ist ja Zeit, um über die Streckenführung des Jubiläumsjahrs der Partnerschaft 2013 gemeinsam nachzudenken, sich ein gemeinsames Ziel zu stecken, gegeneinander und miteinander zu laufen. In Wladimir wie in Erlangen.

Gruppenbild mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Das Programm mit den Teilnehmernamen findet sich unter www.winterwaldlauf.de. Die Wladimirer Herren messen sich mit ihren deutschen Freunden um John Stackmann auf der 15-Kilometer-Strecke, die beiden Damen wählen ebenso wie Elisabeth Preuß und Peter Steger die 10 Kilometer. Die Lauflisten sind längst geschlossen, aber jubelnde Zuschauer mit russischen Fähnchen können gar nicht genug kommen!

Mehr zu dem Lauf in Rennes unter http://is.gd/0ARsaa

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