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Posts Tagged ‘Alexej Butakow’


Nach einem Jahr Pause konnte ich heuer endlich wieder die lieben Sportfreunde aus Wladimir zum Winterwaldlauf begrüßen und mit ihnen einen Tag vor dem Wettkampf die Strecke ablaufen. Das interessierte auch besonders die Neulinge unter ihnen, wie Wlad, Natalia und Anna. Wlad meinte nach 1,5 km: „Can we run faster?“ „No problem!“ erwiderte ich und zog an. Flotter mittlerer Dauerlauf, auch Olga blieb erstaunlicherweise in unserer Dreiergruppe und redete einfach weiter. Wlads Englisch war gut verständlich, obwohl nicht perfekt. Wir haben uns sofort verstanden, wie früher bei Dmitrij und Alexej anno 1992. Und ich spürte mit meinem Trainerinstinkt auch jetzt wieder bei unserer Unterhaltung den Ehrgeiz des Gastes: Er wollte die 15 km einfach sehr gut finishen. „How fast do you want to go?“ – „About 51 minutes.“ Das könnte schon zum Sieg reichen, dachte ich, denn die guten bayerischen Läufer sind alle in einer Woche bei der BLV-10-km-Meisterschaft in Neuhaus. Nachher machte er eindrucksvoll noch schnelle Steigerungen und Lauf-ABC mit seinen lange Beinen, und sein Haarzöpfchen stand dabei waagerecht im Laufwind. Die Lasagne meiner Ehefrau Manuela schmeckte uns allen danach prima. Sie hatte sich wieder reingehängt als aufmerksame Gastgeberin: Obst, Kuchen und … Doch ich mußte dann mal kurz weg zu Eisert, Drucksachen für die Teilnehmer hinbringen, die sich tags zuvor ihre Unterlagen abholen wollten. Schnell reingeradelt, aber doch nicht gleich wieder zurück, da trotz Zusage eine Helferin nicht kam und sich eine Lücke auftat, die ich schloß. Später waren Olga, Wlad, Wiktor und die anderen auch im Eisert – klar, daß ich mich um sie kümmerte. Manuela hatte sie nacheinander hinkutschiert.  Man hatte mich sowieso bei Eisert gebraucht, wie immer.

17. Winterwaldlauf Erlangen 25.03.2017, Siegerinterview: Wlad Demjanow und John Stackmann, Photo: Stefan Schöner

Denn schon die Anmeldezahlen (insgesamt 1660) waren so hoch wie nie zuvor. Am sonnigen Wettkampftag und tags zuvor gab es auch noch viele Nachmeldungen, zudem waren mehr als 120 Walker durch den Wald marschiert, so viele wie noch nie. Ganz abgetrocknet war die Strecke noch nicht gewesen von den kürzlichen Niederschlägen. Besonders im Startbereich gab es einiges an Schlamm und Pfützen. Also bin ich nach der Vorab-Startnummernausgabe bei Eisert noch los, um mit den Holzraspeln der KITA Mooswichtel e.V. die Piste nach dem Start zu verputzen. Die Frühlingssonne am nächsten Morgen stimulierte enorm, obwohl anfangs ein kalter Ostwind aufkam. Aber im Wald war der kaum zu spüren, und bei den Starts der Kleinsten ganz vergangen. Voll motiviert sprinteten schon die dann los (hinter mir her) mit ihren instruierten Eltern. Sie bauten zwar schnell ab, aber die Anfeuerungen der Eltern und deren Ziehkraft rissen sie weiter nach vorne. Ein ähnlicher Startsprint bei den zwei Tausendmeterläufen, aber mit nur wenigen Erwachsenen. Diesmal kam glücklicherweise trotzdem kein Kind zu Fall, denn ich hatte eindringlich auf Fairplay hingewiesen. Genau so wollte ich es haben.

17. Winterwaldlauf Erlangen 25.03.2017, Bambini-Lauf mit John Stackmann, Photo: Stefan Schöner

Der große Platz füllte sich immer mehr, der 15er-Hauptlauf stand bevor. Noch Siegerehrungen durchführen, den Johnny-Pokal übergeben, Ankündigungen, Hinweise nach kleine Zwischenfragen, Redemanuskript, Begrüßungen und gute Stimmung im heiteren Sonnenschein des Vorfrühlings. Pünktlich um 13 Uhr durften die gut 300 erwachsenen und 30 jugendlichen Läufer losrennen. Wlad und unser Felix nach einer Runde voran, Favorit Jürgen schon deutlich dahinter, bevor das restliche Feld kam. Nach zwei Runden Wlad dann alleine in der Spitzenposition nach seiner deutlichen Temposteigerung kurz zuvor. Das sah recht locker und souverän aus. Und so gewann Wlad Demjanow auch überlegen, die erste Überraschung des Tages! 51 Minuten und 10 Sekunden. Nach der Frauensiegerin, Angela Kühnlein, lief schon Olga Sagitowa als achte Frau ins Ziel, klar an der Spitze der W55. Auch Wiktor Winogradow überzeugte als Sieger der M70. Drei erste Plätze für Wladimir, darunter der Gesamtsieger. Ebenfalls drei erste Klassen-Plätze und den zweiten gesamt stellte die LG Erlangen.

17. Winterwaldlauf Erlangen 25.03.2017, Start 15-km-Lauf mit Wlad Demjanow, Photo: Stefan Schöner

Spannend auch das Jugendrennen: Zwei Kader-Triathletinnen gegen die Rekordhalterin Anja vom LAC. Triathletin Sofia Rubio entschied es für sich vor Anja, verfehlte aber knapp deren Rekord. Naja, sie lief ja dann noch in der LAC-Frauenstaffel mit Hannah, war da auch siegreich. Wieder viele asylsuchende Jugendliche von der Berufsschule waren dabei, sozusagen auf den letzten Drücker, und hatten ihren Spaß. Ich eilte derweil auf dem gesamten Platz umher, und neben meinen Hauptaufgaben Starts und Siegerehrungen löste ich so manches „Problemchen“, denn mit Micha moderierte auch Markus gut (ohne mich). Wieder Siegerehrungen (kleines Interview mit Wlad), die Micha wie immer sorgfältig vorbereitet hatte und zu denen Rüdiger pünktlich und schnell Listen und Urkunden lieferte. Es klappte wieder alles wie am Schnürchen, einfach professionell.

10-km-Start, Photo: Fabiana Garske

Kurz nach Hause gejoggt, kurz erholt und dann zum großen Finale: 10 km und Staffel bildeten wie üblich das größte Feld des Tages. Ob wir wohl die 500 knacken, trotz Neuhaus mit BLV-10? Zumindest waren wir knapp dran (496). (1-2-3🙂 Joseph hatte sich in alter Treue nachgemeldet, und ich habe ihn angestachelt, die 31 Min. zu unterbieten. Er drehte als erster weit vor allen anderen hinter dem Führungsfahrrad gekonnt und leicht seine zwei Runden im 3-Minuten-Tempo, sehr eindrucksvoll, Siegerzeit 30:26! Dann kam lange nichts. Erst nach drei Minuten finishte Markus klar vor Christian. Markus als aktueller LG-Starter und zwei Ex-LGler (Joseph und Christian) standen zusammen auf dem Podium. Treppenlauf-Europameister Christian Riedl war nicht undankbarer Vierter, denn er war hinter Markus zweiter der Siemens-Wertung vor meinem italienischen Freund Luigi. Ursula Schürle ließ sich diesmal den 10-km-Sieg nicht nehmen, lag aber deutlich hinter der siegreichen jugendlichen LAC-Frauenstaffel. Die zwei schnellsten Staffeln waren gemischte aus Forchheim und die von der LG Erlangen, wobei die Erlanger gegen die Gundermanns keine Chance hatten. Gesamtplatz 2 und zwei erste Plätze für die LG Erlangen und den zweiten Staffel-Rang des Mix-Teams gab es über 10 km, Wladimir überzeugte vor allem mit der bemerkenswerten Leistung des verletzt an den Start gegangenen Alexej Butakow, der vor wenigen Tagen erst seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte und mit 54 Minuten und 39 Sekunden auf den zweiten Platz der M70 lief.

Der Freundschaftspokal: Chankischi Emirgamsajew, Wlad Demjanow, John Stackmann, Wiktor Winogradow, Olga Sagitowa, Manuela Stackmann, Sofia Prutnikowa und sitzend Natalia Krutskich und Alexej Butakow

Aber das ist ja auch nicht so wichtig, denn den Freundschaftspokal hatten sie sicher. Und der wurde am nächsten Abend beim Abschiedsessen stimmungsvoll überreicht und mit Reden, die Peter übersetzte, und kleinen Geschenken unterfüttert. Und sie überreichten mir im Gegenzug den Läuferpokal von Laufklub Bodrost Wladimir. Eine Runde mit glänzenden, freudestrahlenden Gesichtern unter Freunden: Was gibt es Schöneres! Beim Betrachten der über 1.100 Bilder, von den Siemens-Photographen mit ihrem Gespür und Können aufgenommen, kommen mir am Tag darauf die Tränen.

Bodrost Kernteam

Das Kernteam mit John Stackmann

Welch eine schöne Veranstaltung hatten wir doch, das Orga-Team und die vielen Helfer, wieder auf die Beine gestellt und damit den über 1.430 Finishern welch eine Freude bereitet. Wie lange werde ich noch die Kraft dafür haben, obwohl mich mein Orga-Team aus fünf Freunden und am Veranstaltungstag bis zu 80 Helfer so gekonnt und freundlich unterstützen? Die Kraft, zu der Freude und Freundschaft so wesentlich beitragen. Kraft, die nicht nur in den Beinen steckt, die aber gefordert sein wird, wenn ich nachher mit Olga und Wlad trainiere. Kraft, die auch Manuela demonstriert, die schon den ganzen Tag nach dem Einkauf am Herd steht, um bei unserem Grillen für den Abendschiedsabend wieder für glänzende Gesichter zu sorgen. Natürlich, Freude und Freundschaft stecken einfach an.

John Stackmann

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Er kam, lief und siegte: Wlad Demjanow, Jahrgang 1982 vom Laufklub Bodrost aus Wladimir – gestern beim Winterwaldlauf in der Brucker Lache, auf der 15-km-Strecke mit einer Zeit von 51 Minuten und 10 Sekunden. Zum ersten Mal dabei und dann gleich Gesamtsieger, eine Leistung, über die er sich mit seinem Team freuen kann.

Der später Sieger Wlad Demjanow bei der Eröffnung des Laufes mit John Stackmann

Und das besonders, weil es da noch weitere Mitglieder auf den Siegertreppchen der 15-km-Distanz gab.

Natalia Krutskich, Sofia Prutnikowa und Alexej Butakow

Olga Sagitowa belegte in ihrer Altersklasse W55 auf der gleichen Strecke mit 1.12.33 ebenfalls den ersten Platz, ebenso wie Wiktor Winogradow, M70, mit 1.16.35, während Chankischi Emirgamsajew, M55, mit 1.12.20 als sechster ins Ziel lief.

Wiktor Winogradow, Olga Sagitowa und Chankischi Emirgamsajew

Aber auch über die zehn Kilometer gab es Zeiten, die Grund zur Freude sind. Besonders herausragend Alexej Butakow, M70, dessen Zeit 54.39 immerhin für Silber in seiner Altersklasse genügte. Natalia Krutskich und Anna Tschischowa erreichten in W20 und W30 jeweils den sechsten Platz, während Sofia Prutnikowa, W50, als Nummer 13 und Dmitrij Kuschpita M55 als achtzehnter das Rennen beendete. Eine großartige Gesamtleistung bei strahlendem Frühlingswetter – und wieder einmal ein Sieg für die sportliche Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir, ermöglicht von John Stackmann und seinem Orga-Team von der Sportgemeinschaft Siemens Erlangen Leichtathletik. Gratulation!

Bilder: Nadja Steger

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Als im Juli vergangenen Jahres Gennadij Stachurlow, in Wladimir ein Pionier der Grünen Bewegung und des Ökotourismus, Erlangen besuchte, bat er seine deutschen Freunde um Unterstützung bei der Förderung des Radverkehrs. Dietmar Hahlweg griff diese Anregung gerne auf und schrieb an Oberbürgermeister Sergej Sacharow einen Brief, in dem er auf die Bedeutung des Fahrrads für eine lebenswerte Stadt hinwies und seinen Rat anbot. Knapp ein Jahr später nun schon der Besuch aus Erlangen und die erfreuliche Feststellung, die bereits gegebenen und neu geschaffenen Voraussetzungen für ein Umsteigen vom Auto auf das Rad seien viel besser, als gemeinhin angenommen, wenngleich natürlich Gennadij Stachurlow sich mehr und raschere Initiativen wünscht.

Josef Weber, Gennadij Stachurlow, Marlene Wüstner und Dietmar Hahlweg

Josef Weber, Gennadij Stachurlow, Marlene Wüstner und Dietmar Hahlweg

Doch als er am gestrigen Morgen Marlene Wüstner und Josef Weber zu einer Tour mit seinem Radklub „Weles“ nach Bogoljubowo – mit Picknick unterwegs – abholt, treten diese Überlegungen in den Hintergrund. Wichtig ist jetzt nur noch die gemeinsame Unternehmung, das Zusammensein, ein geteiltes Ziel, das man zusammen erreichen will, wie bei allen Partnerschaftsprojekten.

Jurij Fjodorow, Dietmar Hahlweg und Alexander Rasow

Jurij Fjodorow, Dietmar Hahlweg und Alexander Rasow

„Ein gemeinsames Ziel“, so Dietmar Hahlweg, „ist für uns Erlanger, wenn wir in Wladimir sind, auch immer ein Ausflug nach Susdal, in diese zauberhafte Stadt, die von Jahr zu Jahr immer schöner wird.“ Erlangens Altoberbürgermeister ließ sich schon 1983, bei seinem ersten Besuch, von diesem architektonischen Juwel mit all seinen Kirchen und Klöstern verzaubern und gewann seinen damaligen Kollegen aus Rothenburg o.d.T., Oskar Schubart, für eine Reise zum Goldenen Ring. Am Ende stand bereits 1988 die bis heute recht lebendige Partnerschaft zwischen den beiden Touristenmagneten. A propos: Susdal zählt mehr als 800.000 Gäste pro Jahr, gut 80 je Einwohner, im Pro-Kopf-Verhältnis mehr als Moskau! Nur leider, beklagt Alexander Rasow, seit eineinhalb Jahren City-Manager, der Erlangen noch aus seiner Zeit als Polizeichef in Wladimir kennt, bleibe kaum Geld von den Besuchern im Stadtsäckel hängen. Bestenfalls indirekt, denn das Geschäft machen die fast einhundert Hotels und Gästehäuser sowie die Händler und Dienstleister, während die Kommune trotz Intervention an höchster Stelle keine Tourismusabgabe oder Gästetaxe erheben dürfe, obwohl man nicht nur die ganze Infrastruktur schaffe, sondern sie auch unterhalte. Das freilich, so der Besuch aus Erlangen mit großem Erfolg.

Alexander Rasow, Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow mit zwei Sängern des Klosterquartetts

Alexander Rasow, Dietmar Hahlweg und Jurij Fjodorow mit zwei Sängern des Klosterquartetts

Überall Grünanlagen, bestens gepflegt von einem „Eigenbetrieb Stadtgrün“, auf Schritt und Tritt eine nachgerade vorbildliche Sauberkeit und das sichtbare Bemühen, nicht nur die fünfzig denkmalgeschützten und drei zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Bauten zu bewahren, sondern auch die so ansprechenden Holzhäuser in ihrer Substanz zu erhalten. Und dann dieser besondere Geist, der jeden ergreift, der dem einzigartigen Glockenspiel im Erlöser-Euthymius-Kloster lauscht, sich der Pracht der Fresken öffnet oder gar in der erst jüngst so einfühlsam restaurierten Erlöser-Verklärungs-Kirche den erschütternd schönen Gesang des Kloster-Quartetts erlebt, für Dietmar Hahlweg die vielleicht schönsten Minuten dieser an berührenden Eindrücken doch so reichen Tage, Minuten der Innigkeit, in denen ein stilles Gebet um den Frieden, dieses oberste gemeinsame Ziel der Städtepartnerschaft, gen Himmel stieg.

Äbtissin Sophia begrößt Dietmar Hahlweg

Äbtissin Sophia begrößt Dietmar Hahlweg

Ganz nahe kommt man diesem Frieden im Mariä-Schutz-Kloster, wo Äbtissin Sophia, Oberin von vierzig Nonnen, gerne das Lied von der kleinen Friedenstaube rezitiert, das sie noch aus dem Deutsch-Unterricht an der Schule erinnert. Die Ordensfrau steht in einer langen Tradition, denn ihr Kloster an der trägen Kamenka wurde bereits im 14. Jahrhundert gegründet und wuchs vor allem, wie Alexander Rasow weiß, ab 1525 zu einem der größten und mächtigsten Anlagen heran, als der Moskauer Großfürst, Wassilij III, seine Frau, Solomonia Saburowa (sie nahm als Nonne den Namen Sophia an und ist in der Mariä-Schutz-Kirche beigesetzt), wegen „Unfruchtbarkeit“ hierher verbannte und den neuen Wohnort dafür reichlich mit Land entlohnte. Ihm taten es später die Zaren vielfach gleich, bis hin zu Peter I, der seine erste Gattin, Jewdokia Lopuchina, für immer nach Susdal schickte.

Mariä-Schutz-Kathedrale in Susdal

Mariä-Schutz-Kathedrale in Susdal

„Hier ist ja ein zweites Mainau entstanden“, meint Dietmar Hahlweg und freut sich an den vielen Kleinodien am Wegrand, an den bunten Rabatten, den naturbelassenen Wiesen, an der Beschaulichkeit des Stadtensembles – und an den offenen Gesprächen mit den Gastgebern, auch und gerade über die bedrohliche weltpolitische Lage, wo es sich so schwierig gestaltet, den Auffassungen von Wahrheit die Gegensätzlichkeit und die Widersprüche zu nehmen.

Jurij und Tatjana Fjodorow mit Dietmar Hahlweg und Swetlana Kusina

Jurij und Tatjana Fjodorow mit Dietmar Hahlweg und Swetlana Kusina

Wenn es denn je Mißverständnisse zwischen Erlangen und Wladimir gegeben hat, werden sie rasch wieder im Gespräch ausgeräumt. Zu fest ist das Fundament des gegenseitigen Vertrauens, gelegt vom Sozialdemokraten Dietmar Hahlweg und Kommunisten Jurij Fjodorow vor 32 Jahren mit dem gemeinsamen Ziel der Aussöhung und Verständigung. In dieser guten Tradition der Volksdiplomatie stand auch Wladimir Kusin, von 1987 bis 1990 Stadtoberhaupt und 2003 verstorben, auf dessen Bitte hin schon 1990 die erste humanitäre Hilfe aus Erlangen in die russische Partnerstadt geschickt wurde.

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Natalia Tarakanowa, Jürgen Ganzmann und Tamara Skworzowa

Eine Aktion, aus der fast zehn Jahre später auch das Projekt „Lichtblick“, gewidmet der Zusammenarbeit der Psychiatrie Wladimir und der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, initiiert und koordiniert von Jürgen Ganzmann, der mit den beiden Projektpartnerinnen, Natalia Tarakanowa und Tamara Skworzowa, am frühen Abend ins Stadion Torpedo kam, um seine Mitarbeiterin, Elke Sausmikat, beim Zehn-Kilometer-Lauf anzufeuern und daneben auch noch die folgenden Photos zu machen.

Peter Steger und Elke Sausmikat vor dem Start

Peter Steger und Elke Sausmikat vor dem Start

Der Lauf sollte das erste Leichtathletikfest dieses Jahres auf Regionalebene abschließen, als einzige Langstrecke. Beschwerlich genug bei drückender Schwüle und unter den für beide, Elke Sausmikat wie Peter Steger, ungewohnten Stadionbedingungen: 25 Runden im Kreis, ohne Steigung oder Gefälle, ohne die sinnlichen Anregungen bei Wald- oder Stadtläufen.

Dmitrij Kuschpita, Elke Sausmikat Alexej Butakow, Peter Steger, Alexej Kruglow und Anatolij Mitrofanow

Dmitrij Kuschpita, Elke Sausmikat Alexej Butakow, Peter Steger, Alexej Kruglow und Anatolij Mitrofanow

Aber eine Herausforderung, die beide mit freudiger Spannung erwarteten, gerade im Kreis der Athleten, die alle schon in Erlangen beim „Winterwaldlauf“ in der Brucker Lache dabei waren. Deshalb wurde die Sache wohl auch mehr zu einer Freundschaftsveranstaltung, zumal die russischen Läufer zu den besten ihres Fachs weit und breit gehörten.

Alexej Kruglow, Elke Sausmikat und Peter Steger

Alexej Kruglow, Elke Sausmikat und Peter Steger

Und der schnellste Langstreckler von allen, Alexej Kruglow, erwies den beiden Gästen dann auch noch den Freundschaftsdienst des Tempomachers – über all diese 25 Runden hinweg – und zog sie regelrecht über die Ziellinie. Womit wir schon wieder bei den gemeinsamen Zielen wären.

Elke Sausmikat und Peter Steger

Elke Sausmikat und Peter Steger

Die Zeit mag deshalb allenfalls für die Statistik nachgereicht werden: 53 Minuten und 9 Sekunden. Für beide Gastläufer, die auf die Auswertung des Zielphotos verzichten. Was geht schon über einen gemeinsamen Sieg, ein gemeinsam erreichtes Ziel.

Peter Steger, Elke Sausmikat und Alexej Kruglow

Peter Steger, Elke Sausmikat und Alexej Kruglow

Und da stehen sie nun auch – ebenso erschöpft wie überglücklich ob des gemeinsamen ersten Platzes: Elke Sausmikat als die beste und schnellste Läuferin aus Deutschland und Peter Steger als der beste und schnellste bei den deutschen Herren im Feld. Alexej Kruglow hingegen als der beste deutsch-russische Sportsfreund im Stadionrund, ohne den die beiden Rundenneulinge vielleicht gar nicht ins Ziel gekommen wären, und der verspricht, zum nächsten Winterwaldlauf auch wieder nach Erlangen zu kommen. Wieder zu einem dieser vielen gemeinsamen Ziele auf dem beglückend schönen Weg zu Versöhnung und Verständigung.

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Man fühlt sich an Winston Churchills Blut-, Schweiß- und Tränen-Rede erinnert, wenn man liest, was Alexej Pjatkin als Zusammenfassung seiner Kriegserlebnisse in einem Antragsformular so zusammenfaßt: „Blut, Tränen und Gram!“ Der bald 89jährige Veteran wurde mit 17 Jahren eingezogen und diente im hohen Norden bei der Kriegsmarine, erhielt die seltene Auszeichnung für die Verteidigung des Polargebietes und lernte in Norwegen die Unterstützung der verbündeten USA schätzen. „Die haben uns damals oft rausgehauen mit ihrer überlegenen Amphibientechnik, mit ihren Fliegern, die um Stunden länger in der Luft bleiben konnten, um feindliche U-Boote auszumachen und zu versenken.“

Veteranen

Beim Veteranenverein: Vorsitzender Wassilij Nikitenko mit Alexej Pjatkin und Renad Kadyrytsch

Gerade einmal 600 Weltkriegsveteranen seien in Wladimir noch am Leben, berichtet Wassilij Nikitenko, der Vorsitzende des Soldatenverbands. „Viel zu wenige“, meint er, „denn sie wissen noch, was so ein Schlachten bedeutet, sie können die kommenden Generationen warnen.“ Im Gespräch mit den Helden von einst wird dem Gast erst so richtig bewußt, was es bedeuten würde, wenn in der Ukraine deutsche Waffen zum Einsatz kämen, wie tragisch die Entzweiung der einstigen Alliierten – Washington und Moskau – ist, die einander heute wieder als strategische Gegner begreifen. Doch in der Städtepartnerschaft zählen die kleinen Zeichen der Verbundenheit und sei es nur, wenn man gemeinsam überlegt, wie man miteinander den 70. Jahrestag des Kriegsendes begehen kann, etwa mit der Pflanzung von weiteren 20 Bäumen entlang der Allee, die bereits vor 20 Jahren mit damals 50 Eichen vereint angelegt wurde.

Wiktor Winogradow, Peter Steger und Alexej Butakow

Wiktor Winogradow, Peter Steger und Alexej Butakow

Es zählen die kleinen Zeichen, etwa beim Training im Stadion für den Winterwaldlauf in der Brucke Lache am 21. März, zu dem wieder ein Team vom Verein Bodrost anreist, auch wenn der Rubelkurs die Sportbegegnung für die Gäste fast um das Doppelte teurer macht. Teurer ist den Läufern die Freundschaft. Und die will erlaufen sein.

Der Läufertrupp vom Verein Bodrost mit Peter Steger in der Mitte

Der Läufertrupp vom Verein Bodrost mit Peter Steger in der Mitte

Ein russisches Sprichwort sagt, man lerne einen Menschen erst kennen, wenn man mit ihm ein Pud Salz mit einem Teelöffel aufgegessen habe. Beim Laufsport geht das schneller, aber unter zehn Kilometern sollte man es auch nicht machen.

Andrej Schewljakow, Larissa Wyssozkaja und Dmitrij Bugakow

Andrej Schewljakow, Larissa Wyssozkaja und Dmitrij Bugakow

Es sind die kleinen Zeichen, wie die Absicht des Instituts für Kultur an der Universität Wladimir, das für Anfang Juni geplante Gastspiel des Magdeburg-Trios aus Erlangen als Auftakt für ein internationales Jazz-Festival zu nutzen. Institutsleiterin, Larissa Wyssozkaja, und ihre beiden Dozenten, Andrej Schewljakow und Dmitrij Bugakow, sind schon voll in der Vorbereitung der Auftritte und der musikalischen Werkstatt mit den Gästen. Und dann könnte ja auch im nächsten Jahr wieder einmal ein Jazz-Ensemble von der Kljasma an die Regnitz kommen. Der Austausch soll in jedem Fall weitergehen. Gerade jetzt.

Konzert des Knabenchors unter Leitung von Eduard Markin

Konzert des Knabenchors unter Leitung von Eduard Markin

Es sind die kleinen Zeichen, wie das Angebot von Eduard Markin, für die Gäste aus Erlangen zum zwanzigjährigen Jubiläum des Erlangen-Hauses in seinen eigenen Räumen ein Konzert zu geben, ganz intim, nur für die Freunde aus Deutschland.

Rummel auf dem Kathedralenplatz

Rummel auf dem Kathedralenplatz

Schlendert man durch das vorfrühlingshafte Wladimir, trifft man freilich auch auf schwer deutbare Zeichen. Ein wenig „crazy“ sei es schon, meint so mancher gestandene Wladimirer, ausgerechnet auf dem Kathedralenplatz Wochen nach Neujahr und Weihnachten noch Budenzauber und Kirmesrummel vorzufinden. Oder soll da ein Wladimirer Prater entstehen? Wohl besser nicht, jedenfalls nicht hier, zumal sich der Zulauf offensichtlich in Grenzen hält.

Peter Steger, Anna Makarowa und Irina Chasowa

Peter Steger, Anna Makarowa und Irina Chasowa

Das kleine Zeichen „Wir weigern uns, Feinde zu sein“ macht dagegen inzwischen Schule. Der Wladimirer TV-Sender Zebra und andere Medien berichteten schon ausführlich über die Aktion, der sich die Oberbürgermeister des Partnerschaftsdreiecks Erlangen – Wladimir – Jena angeschlossen haben. Nun verbindet es auch im Erlangen-Haus.

Prüflinge am Erlangen-Haus

Prüflinge am Erlangen-Haus mit Tatjana Kirssanowa und Peter Steger

Das Sprachlernzentrum bietet nämlich nicht nur Deutschkurse an, sondern hat auch Prüfungen für Schüler im Programm. Zehn von ihnen haben unlängst die Tests im Rahmen des weltweit vom Goethe-Institut aufgelegten Programms „Sprachbrücke“ absolviert. Zwei auf der Stufe „Fit in Deutsch 2“, acht auf dem Niveau „Fit in Deutsch 1“. Nur zwei Jungs aus der Gruppe müssen „nachsitzen“, die anderen haben alle bestanden.

Verzeichnis der Sprachlernzentren des Goethe-Instituts in der Russischen Föderation

Verzeichnis der Sprachlernzentren des Goethe-Instituts in der Russischen Föderation

Eltern und Lehrkräfte können die Schüler anmelden, und die werden dann auf Stufe 1 eine Stunde und auf Stufe 2 sogar eineinhalb Stunden mündlich und schriftlich geprüft. In Wladimir sogar zu einer Vorzugsgebühr, gewissermaßen mit Partnerschaftsrabatt. Nicht von ungefähr, denn man darf erfahrungsgemäß davon ausgehen, daß die eine oder der andere von den Prüflingen später einmal auch eine Rolle im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir übernimmt.

Nach der Zeugnisvergabe

Nach der Zeugnisvergabe mit Tatjana Kirssanowa und Peter Steger

Kleine Zeichen, großes Ergebnis. Bei allen gegenseitigen Sanktionen, Vorwürfen und Anschuldigungen geht das vielseitige Miteinander der Bürgerpartnerschaft lebhaft weiter, auch wenn den Volksdiplomaten der Weg zueinander nicht eben leichter gemacht wird durch die weltpolitische Großwetterlage, der ein baldiger Frühlingsanbruch zu wünschen ist. Erste kleine Zeichen kann man ja mit viel gutem Willen schon erkennen.

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1.220 Laufbegeisterte sind gestern beim 13. Winterwaldlauf in der Brucker Lache ins Ziel gekommen, solche, die auf Zeit liefen, andere, die einfach dabei sein und die Atmosphäre genießen wollten. Gleich mit welchen Erwartungen und Hoffnungen man an den Start ging, die Bedingungen waren für alle gleich: ein steifer Ostwind, dessen winterlich-kalter Atem erst im Wald nachließ, trockene Wege, ein malerisch schöner Parcours und eine straff-ordnende Regie der Veranstaltung.

Jekaterina Budajewa und Anatolij Mitrofanow am Start.

Jekaterina Budajewa und Anatolij Mitrofanow am Start.

Schon um 10.00 Uhr waren die ersten 100 am Start beim Nordic Walking, darunter auch Jekaterina Budajewa und Anatolij Mitrofanow. Beide zum ersten Mal in Erlangen und überhaupt zum ersten Mal bei einer derartigen Veranstaltung dabei. In Wladimir nämlich geht man noch kaum am Stock, ist diese Art der Fortbewegung keine Disziplin, der eigene Wettkämpfe gewidmet sind.

Das Siegerpaar: Anatolij Mitrofanow und Jekaterina Budajewa.

Das Siegerpaar: Anatolij Mitrofanow und Jekaterina Budajewa.

Aber das war in Erlangen vor elf Jahren auch noch nicht anders, als, wie John Stackmann, Kopf des Organisationsteams, zu berichten weiß, auch nicht immer so. 2001, hatte man diese Sportart erstmals ins Programm genommen, angemeldet war dann aber nur ein einziger Teilnehmer. Der wollte aber so ganz alleine doch nicht laufen. Und heute bzw. gestern? Da stehen gut einhunder Frauen und Männer am Start, und das Wladimirer Pärchen setzt sich ohne große Ambitionen auf der Fünf-Kilometer-Distanz an die Spitze: Jekaterina Budajewa lief bei den Frauen auf den ersten und Anatolij Mitrofanow bei den Männern auf den zweiten Platz. Ein guter Einstieg und ein vielversprechender Auftakt für den weiteren Verlauf des Tages, in dessen Verlauf die Wladimirer nicht enttäuschten.  

Aus der Vogelperspektive.

Der Lauf aus der Vogelperspektive.

Einziges Manko: Es hätte ein wenig mehr Publikum sein können. Aber bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt ist es ja auch nur auszuhalten, wenn man ständig in Bewegung ist.

John Stackmann und Elisabeth Preuß.

John Stackmann und Elisabeth Preuß.

Auch Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, zum zweiten Mal Schirmherrin des Winterwaldlaufs, kam erst zu den Nachmittagsrennen in die Brucker Lache. Zunächst ans Mikrophon, später selbst an den Start.

Nikolaj Petrow und Alexej Butakow am Start zum 15-km-Lauf.

Nikolaj Petrow und Alexej Butakow am Start zum 15-km-Lauf.

Wissen wollten es dann beim 15-Kilometer-Lauf drei Sportler aus der starken Seniorenmannschaft von Bodrost Wladimir. Nikolaj Petrow, der in der Wertung M 60 mit einer Stunde und vier Minuten den dritten Platz belegte, und Alexej Butakow, der vor 30 Jahren den Laufklub in der Partnerstadt gegründet hat und gestern noch eine Minute schneller als sein Landsmann war und auf dem ersten Platz in der Kategorie M 65 landete.

Siegerehrung mit Anatolij Iwantschenko und Alexej Butakow.

Siegerehrung mit Anatolij Iwantschenko und Alexej Butakow.

Hinter ihm Anatolij Iwantschenko, Jahrgang 1948, auf dem zweiten Rang, eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um vier Minuten und Anlaß zu richtiger Freude. Der meditativ-stille Läufer ist ja eigentlich Marathonspezialist, aber die Strecke in Bruck liegt ihm auch hervorragend und ist überhaupt für die russischen Sportler eine erste Herausforderung nach der langen Winterpause.

Bodrost mit Olga Sagitowa nach dem Aufwärmen und vor dem 10-Kilometer-Lauf.

Bodrost mit Olga Sagitowa nach dem Aufwärmen und vor dem 10-Kilometer-Lauf.

Auch auf der 10-Kilometer-Strecke ließen die Gäste aus Wladimir nichts anbrennen. Herausragend die Leistungen von Olga Sagitowa, die als erste der Frauen in der Altersgruppe W 50 ins Ziel kam – in 49 Minuten und 42 Sekunden. Wiktor Winogradow, Jahrgang 1946, distanzierte mit einer Zeit von 47 Minuten und 51 Sekunden alle Mitbewerber in der Kategorie M 65. Aber auch all die anderen aus Wladimir liefen immer ganz vorne mit. Ein starkes Team eben!

Die Rathaus-Troka: Fredy Schmidt, Peter Steger und Elisabeth Preuß vor dem Start zum 10-Kilometer-Lauf.

Die Rathaus-Troika: Fredy Schmidt, Peter Steger und Elisabeth Preuß vor dem Start zum 10-Kilometer-Lauf.

Stark ungeachtet der Witterungsbedingungen in der Heimat, die ein Wintertraining kaum zulassen. Sergej Sagitow, der mit 38 Minuten und 33 Sekunden den 13. Platz in der Gesamtwertung im Feld belegte, berichtet von den harten Konditionen. Laufen sei da nur auf der Straße möglich, bei oft gnadenlosem Frost, bei Schnee und Eis. Nur einer von ihnen nutze die sogenannte Manege, wo man eine 100-Meter-Bahn im Kreis nutzen könne: „Alle anderen bekommen davon den Drehwurm…“ 

Das "Kücken" Anastasia Golikowa bei der Siegerehrung.

Das „Küken“ Anastasia Golikowa bei der Siegerehrung.

Die Bedingungen für den Laufsport mögen in Wladimir nicht ideal sein. Andere Disziplinen erfahren mehr öffentliche Aufmerksamkeit, mehr Förderung durch die Kommunalpolitik, mehr Unterstützung seitens der Sponsoren. Aber an Talenten mangelt es wahrlich nicht. Eine Entdeckung ist sicher Anastasia Golikowa, Jahrgang 1990, die mit 43 Minuten und 29 Sekunden den 5. Platz in der Frauenwertung und den 2. Rang in der AK W erlief. Weitere Ergebnisse: Nikolaj Kruglow und Wladimir Moriganow 1. und 2. Platz bei M 50! In der gleichen Klasse belegten Wladimir Poljudow, Sergej Smirnow und Sergej Tschernow die Plätze 5, 9 und 26. Konstantin Sotskow siegte bei M 55. Den Teamsieg nimmt damit der Laufklub Bodrost (frei übersetzt mit „Frisch und Munter“) verdient nach Hause. Glückwunsch, Wladimir! Молодцы!

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So voll war das Karree im 14. Stock des Rathauses selten, und kaum einer Besuchergruppe wird die protokollarische Ehre zuteil, gleich von beiden Bürgermeisterinnen, Birgitt Aßmus und Elisabeth Preuß, empfangen zu werden, unterstützt von Stadtrat Robert Thaler in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Stadtverbands Sport und von Ulrich Klement, Leiter des Sportamtes. Vorgestern abend ist die Gruppe aus Wladimir eingetroffen, eine Gruppe, die aus zwei Teilen besteht: aus Sportlehrern von der Schule Nr. 37, die in den 90er Jahren einen engen Austausch mit der Erlanger Wirtschaftsschule pflegte und aus Mitgliedern des Laufklubs „Bodrost“, die gekommen sind, um am heutigen Winterwaldlauf in der Brucker Lache teilzunehmen. Zum zweiten Mal nun und mit alten wie neuen Gesichtern – im Teufelsdutzend, wie man die Zahl 13 im Russischen gern nennt.

Läufer und Sportlehrer aus Wladimir beim Empfang mit den Bürgermeisterinnen Elisabeth Preuß und Birgitt Aßmus. Photo: Anna Tschischowa.

Läufer und Sportlehrer aus Wladimir beim Empfang mit den Bürgermeisterinnen Elisabeth Preuß und Birgitt Aßmus. Photo: Anna Tschischowa.

Auch wenn die Bürgermeisterinnen an diesem Morgen nur eine halbe Stunde Zeit haben, springt der Funke doch sofort über. Es sind eben nicht nur die 30 Jahre der Partnerschaft, die verbinden, es ist vielmehr die immer wieder neue und erstaunlich spontan empfundene und bekundete gegenseitige Sympathie, von der all diese Begegnungen geprägt sind. Besonders im Sport, dessen integrative Kraft über Sprachbarrieren und Ländergrenzen hinweg Birgitt Aßmus, zuständig u.a. für Schulen und Sport, gerade auch im Beisein der Integrationsbürgermeisterin Elisabeth Preuß besonders hervorhob. Da fügt es sich trefflich, wenn die Gäste als Morgengabe einen Schal und eine Tasse von Torpedo Wladimir überreichen, just von dem Fußballverein, der schon zwei Mal in Erlangen ein Trainingslager durchgeführt hat und nun um den Wiedereinzug in die 2. Liga kämpft, die man eine Saison lang aus Geldmangel hatte verlassen müssen, obwohl die Kicker aus der Partnerstadt immer ganz vorne mitspielten. Das Gespräch ging nach dem Abschied der Bürgermeisterinnen aber noch eine gute Stunde lang weiter als Austausch zwischen den beiden zum Empfang gekommenen Erlanger Sportlehrern und den Kollegen aus Wladimir, die bei allen Unterschieden eines teilen: den Kampf um mehr Unterrichtsstunden und mehr Anerkennung ihrer Leistung. Denn hier wie dort erschrecken die Lehrer über die wachsenden Defizite bei der Motorik der Kinder, klagen über Bewegungsmangel. In Rußland will man dem nun damit entgegenwirken und auf vier Unterrichtsstunden pro Woche aufstocken, außerdem soll der Wettbewerbsgedanke wieder stärker ins Spiel kommen. Etwas, worauf man in Wladimir mit seiner wiedererstarkenden Turnschule schon bestens vorbereitet ist. Vor allem auch dank dem großen Angebot an außerschulischen Fördermaßnahmen in einem Dutzend Disziplinen. Etwas, das die Erlanger Sportlehrer vor Neid erblassen läßt, aber auch etwas, das zeigt, wie ernst man den Vorschlag von Michail Tschischow nehmen sollte, der Erlangen seit den frühen 90er Jahren kennt, einen Fachaustausch aufzunehmen und vielleicht sogar Schüler aus beiden Städten sportlich gegeneinander antreten zu lassen, wenn auch, wie die Gastgeber fürchten, die deutsche Seite dabei schlecht abschneiden könnte. Daß dies nicht unabdingbar so sein muß, beweist übrigens der so erfolgreiche Austausch der Schwimmer beider Städte. Jedenfalls liegt der Ball nun in der Erlanger Hälfte!

John Stockmann mit dem Vorschußgeschenk zum 60. Geburtstag, überreicht von Alexej Butakow, Gründer und Vorsitzender des Laufklubs "Bodrost".

John Stackmann mit dem Vorschußgeschenk zum 60. Geburtstag, überreicht von Alexej Butakow, Gründer und Vorsitzender des Laufklubs „Bodrost“.

Am Vorabend des Winterwaldlaufs, zu dem Bürgermeisterin Elisabeth Preuß als Schirmherrin ein beseeltes Grußwort geschrieben hat (www.winterwaldlauf.de), hat dann John Stackmann, Cheforganisator des Sportereignisses, das Team aus Wladimir zu einem Trainingslauf auf die Strecke in der Brucker Lache eingeladen. Kühl, aber trocken ging es zügig über die Waldwege. Nicht zu schnell, um die Kräfte zu schonen, um noch nicht alle Stärken zu zeigen. Obwohl die ja bei den russischen Gästen bekannt sind. Dennoch fragt der Gastgeber immer wieder nach, ob nicht unter den Neuzugängen weitere Spitzenläufer zu erwarten seien. Man wird ja sehen heute.

Das Team von "Bodrost" im Abendlicht vor dem Frankenhof.

Das Team von „Bodrost“ im Abendlicht vor dem Frankenhof.

Und gestern? Da saß man um den Tisch, ließ es sich nach getanem Lauf gut schmecken, schmiedete Pläne für die Zukunft und machte einander Geschenke. Als schönstes Geschenk empfinden aber alle diese sportliche Freundschaft, die zurückgeht auf das Jahr 1992, als John Stackmann zum ersten Mal in Wladimir war, zum Marathon Goldener Ring. Ende Mai will er es noch einmal wissen: Er wird zum dreißigjährigen Jubiläum der Partnerschaft mit den Freunden von „Bodrost“ die 30 km von Susdal nach Wladimir laufen. Symbolischer geht es wohl kaum, zumal die gleiche Strecke auch die beiden Oberbürgermeister zurücklegen wollen, allerdings per Fahrrad. Man stelle sich da einen gemeinsamen Zieleinlauf vor! Aber damit greifen wir nun weit vor. Freuen wir uns auf die heutigen Läufe, alle mit Beteiligung aus Wladimir! Da heißt es nur noch „Keine Gnade für die Wade!“ und „Fersengeld geben!“

Wie stark das Team aus Wladimir im Vorjahr war, ist nachzulesen unter http://is.gd/tSv256.

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Das Orga-Team um John Stackmann hat das Dutzend meisterhaft vollgemacht. Der 12. Winterwaldlauf war ein einziges Fest für Athleten wie Zuschauer – und verzeichnete eine Rekordbeteiligung. Was mit 120 Aktiven begonnen hatte, zog gestern fast 1.200 Laufbegeisterte in die Brucker Lache.

Elisabeth Preuß zur Eröffnung des Winterwaldlaufs mit Michael Cipura und John Stackmann

Traumhaft war die Veranstaltung, wie nicht nur die Gäste aus Wladimir meinten: ein wunderschöner Streckenverlauf durch die Brucker Lache und die angrenzenden Waldgebiete bis hoch zur B 2 mit abwechslungsreichem Profil, ideale Wetterbedingungen bei Frühlingstemperaturen, eine fachkundige Moderation, eine rasche Auswertung der Ergebnisse und viel Lob für die Siegerehrungen.

Olga Sagitowa nach ihrem Sieglauf

Von derlei Voraussetzungen freilich können die Sportler aus der Partnerstadt tatsächlich nur träumen. „Wie im Läuferparadies fühlen wir uns hier“, meint etwa Sofia Prutnikowa, die in ihrer Altersgruppe beim Zehn-Kilometer-Lauf den zwölften Platz belegte. „Und überhaupt, was heißt da Winterlauf?“ lacht Olga Sagitowa, die Siegerin in ihrer Kategorie W 50 auf der Zehn-Kilometer-Distanz. „Bei Eis und Schnee mußten wir bis zur Abreise trainieren, und wenn es wirklich einmal etwas wärmer wurde und taute, dann war es mehr ein Springen über Pfützen, unter denen sich das blanke Eis verbarg, als ein gleichmäßiger Trainingslauf.“

Alexej Butakow nach seinem Sieglauf mit John Stackmann und Michael Cipura

Ins gleiche Horn stößt auch Alexej Butakow, der langjährige Vorsitzende des Laufklubs Bodrost und Sieger beim 15-Kilometer-Rennen in der Klasse M 65. Noch auf dem Podium brummelt er, eigentlich sei er ja viel schneller als die 1:04:11, aber bei der Vorbereitung war wohl einfach nicht mehr drin. Und dann machte ihm auch noch die Achillessehne zu schaffen, die er vor dem Start vereist hatte. Hart im Nehmen der Mann, der in der Region Wladimir so ziemlich alle Rekorde hält und einen ganzen Marathon lang erzählen könnte, an welchen Wettkämpfen er schon überall teilgenommen hat, auch im Ausland. In Frankreich wurde er sogar einmal eingebuchtet, weil er kein Visum hatte.

Elisabeth Preuß und John Stackmann beim Start zum 15-Kilometer-Lauf

Stichwort Frankreich. Im Oktober war es, daß in Rennes die Schirmherrin des Winterwaldlaufs, Elisabeth Preuß, und ihr Mitarbeiter, Peter Steger, die Zehn-Kilometer-Stecke als ihre gemeinsame Leidenschaft entdeckten. Während die Bürgermeisterin ihre Leistung vom Herbst halten konnte, durfte sich der Partnerschaftsbeauftragte in der Brucker Lache über eine Steigerung von fünf Minuten gegenüber damals freuen.

Elisabeth Preuß und Peter Steger am Start zum 10-Kilometer-Lauf

Am meisten freuten sich beide aber über das viele Lob der Besucher aus Wladimir und die Einladung in die Partnerstadt zum Geländelauf im September. Viel Zeit noch, vor allem für die Russen, nach der Winterperiode wieder richtig in Form zu kommen – und dem Feld davonzulaufen.

Nadja Steger an der Strecke

Heute besichtigen die Gäste Nürnberg, und am Montag lädt John Stackmann, der gute Geist dieser Begegnungen, zu einem Trainingslauf ein, bevor es am Dienstag wieder nach Hause geht. Dann sollte auch die Partnerschaft in eine neue Runde gehen. Den richtigen Anlauf hat sie jedenfalls genommen: zu mehr Sport im Austausch.

Teambesprechung bei Bodrost

Die Ergebnisse im einzelnen unter: www.winterwaldlauf.de, und mehr über die Läufergruppe aus Wladimir gibt es hier im Blog im Eintrag von vorgestern.

Wiktor Winogradow, Olga Sagitowa, Nikolaj Kruglow und Alexej Butakow

Als kleiner Service und Nachtrag hier die Ergebnisse der drei Bestplatzierten:  Wiktor Winogradow, 10-Kilometer-Lauf: 1. Platz (M65) – 46:39; Olga Sagitowa, 1. Platz, 10-Kilometer-Lauf (W50) – 44:48;  Nikolaj Kruglow, 10-Kilometer-Lauf, 2. Platz (M50) – 40:47; Alexej Butakow, 15-Kilometer-Lauf (M65) – 1:04:11. Gratulation!

Bodrost Wladimir im Läuferglück vereint mit Peter Steger

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