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Posts Tagged ‘Alexandrow’


Passend zum gestrigen Weltumwelttag wurde am 5. Juni die aktuelle ökologische Rangliste für die 85 untersuchten Regionen der Russischen Föderation veröffentlicht. Das Gouvernement Wladimir kommt dabei auf Platz 53 zu liegen, eine Position, die – wer wollte das bestreiten? – verbesserungsfähig ist.

Der sogenannte Müllaufstand von Wolokolamsk. Quelle Tass

Ein weites Feld, die Umweltproblematik. Beschränken wir uns deshalb auf den Müll, der im Mai landesweit Schlagzeilen machte, als in Wolokolamsk die Menschen auf die Straßen gingen, weil sie nicht mehr dulden wollten, die Abfälle Moskaus vor der eigenen Haustür abgeladen zu bekommen. Als dann die Kippe auch noch zu brennen anfing und Atembeschwerden um sich griffen, war für viele das Maß voll, und es erging sogar eine Petition an den Präsidenten im Kreml. Angesicht von 200-fach erhöhten Schwefelwasserstoffwerten in der Luft schlossen die Behörden alle Schulen, einige Kinder lieferte man mit Vergiftungen ins Krankenhaus ein.

Treibgut in der Wolga, gesehen in Nischnij Nowgorod

Ebenfalls im Mai unternahm es in der Region Wladimir das Katastrophenschutzamt, 190 km Ufer von Gewässern von den Hinterlassenschaften der Zeitgenossen zu reinigen. Insgesamt kamen ungefähr 200.000 m³ Müll zusammen. Allein ein 250-Meter-Abschnitt brachte eine Ausbeute von elf Kubikmetern, darunter drei Dutzend Autoreifen.

Deponie bei Alexandrow, Quelle Zebra-TV

Und wenn man den Schamott eingesammelt hat, wohin damit? Es gibt neun Deponien in der Region, deren Zustand auch nach offizieller Lesart als kritisch zu bezeichnen sei. Bis 2026 sollen sechs Mülltrenn- und Recyclinganlagen gebaut werden. Doch wer zählt all die illegalen Schutthalden in den Datschensiedlungen, entstanden, weil niemand für die Beseitigung bezahlen will, all die Haufen an den Rändern der Dörfer und in der freien Natur?

Am Wegrand, gesehen in Kameschkowo bei Wladimir

Hinzu kommt nun auch noch der Mülltourismus aus Moskau, ein Korruptionsfall in Gus-Chrustalnyj, der wohl noch vieles in der Art von „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Maria Fassbinder nach sich ziehen dürfte. In Alexandrow, schon ganz an der Grenze zur Region Moskau, regt sich massiver Widerstand gegen die Fuhren aus der hauptstädtischen Nachbarschaft, wo doch schon die eigene Deponie aus allen Nähten platzt und längst geschlossen werden sollte.

Bis das Gras darüberwächst, gesehen am Ortsrand von Kameschkowo

Aber es wird wohl noch schlimmer werden müssen, bis es besser wird, bis Gesellschaft und Staat verstehen, welch gewaltigem Problem man gegenübersteht. Es gibt kein Pfandsystem, alles, aber auch alles, was man kauft, kommt in Plastik verpackt daher, das kaum wiederverwertet wird. Das seinerzeit aus der Not geborene Rückgabe- und Sammelsystem aus Sowjetzeiten ist schon Anfang der 90er Jahre zusammengebrochen, um einem hemmungslosen Wegwerfmodus nach westlichem Vorbild Platz zu machen.

Kleinvieh macht auch Mist, gesehen in Wladimir, unweit vom Bahnhof

Hauptstraßen und Plätze sind heute ebenso wie Bahnhöfe oder andere öffentliche Anlagen oft fast pingelig gepflegt. Doch schon wenige Schritte abseits kann einen das schiere Heulen überkommen. Reist man übers Land oder will man sich im Wald die Beine vertreten, vermag man die Augen nicht davor verschließen: Die Plastikflut erscheint unaufhaltsam. Es kann einem passieren, ein Geräusch unter den Füßen zu hören, das man zunächst für das Knacken von Ästen hält, doch es sind PET-Flaschen, über die schon Gras gewachsen ist. Man möchte sich nicht ausmalen, was all die Weichmacher und sonstigen Bestandteile eines Tages in der Vegetation und im Grundwasser anrichten. Vielleicht begreift man es erst, wenn die Pilze und Beeren nicht mehr genießbar sind.

Für die Schließung der Deponie! Für das Leben! Demonstration in Alexandrow. Quelle Zebra-TV

Hätte die Umwelt-Redaktion des Blogs das Sagen, käme die ökologische Frage ganz nach oben in der Agenda der russischen – und natürlich auch deutschen und weltweiten – Politik, und beginnen würde sie beim Müll, in erster Linie mit dessen Vermeidung – und sei es mit drastischen Steuern und drakonischen Strafen. Bisher ist das Denken der Russen – ähnlich wie das der Amerikaner – geprägt von der unendlichen Größe des Landes, wo eigentlich ja auch Platz für jede Art von Unrat sein sollte. Aber die Fläche ist dennoch begrenzt, während jeden Tag immer noch unbeschränkt mehr und mehr Dreck und Abfall hinzukommt. Quousque? Wir wissen was wir tun und tun es trotzdem. Nachhaltig falsch.

Wie viel auf diesem ja weltweit verwahrlosten Feld auch in Erlangen noch zu tun bleibt, ist hier unter dem Eintrag vom 3. Juni zu sehen und nachzulesen: https://is.gd/Dlyc6c

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Am 22. August 2011 stand im Blog zu lesen:

Niemanden, der ihn kennt, wird es verwundern zu hören, daß Archimandrit Innokentij, bisher tätig als Generalvikar der Erzdiözese Wladimir – Susdal, nun selbst zum Bischof ernannt wurde. Patriarch Kirill persönlich nahm die Weihe in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale vor und entsandte den Mönch Innokentij mit den Insignien eines Bischofs in den Ural, um dort die Diözese Nischnij Tagil, gute 100 km von Jekaterinburg entfernt, zu übernehmen.

P. Innokentij

Natürlich gratulieren dem Geistlichen alle Freunde in Wladimir und Erlangen, doch für die Partnerschaft ist sein Weggang ein schwerer Verlust. Niemand verstand es wie er, der erst nach dem Tod seiner Frau vor mehr als 20 Jahren Mönch wurde und vorher als Architekt und Künstler tätig war, zwischen Kirche und Welt zu vermitteln. Niemand hatte so viel Autorität wie er im interkonfessionellen und interreligiösen Dialog. Und wer hätte die Orthodoxie besser als er auch in der Partnerschaft vermitteln können! Besonders auch durch seine künstlerische Arbeit und die Ausstellung, die er anläßlich des 25jährigen Partnerschaftsjubiläums 2008 im Stadtmuseum Erlangen zeigte. In Planung war bereits eine weitere Schau seiner Arbeiten. Doch dieses Vorhaben wird nun wohl wichtigeren Dingen geopfert werden müssen. Die Wege des Herrn sind eben unergründlich. Uns bleibt da nur, dem Gesandten des Herrn viel Glück und viel Segen auf all seinen Wegen zu wünschen, die sich ja vielleicht doch auch einmal wieder auf der Landkarte der Partnerschaft abgebildet finden.

 

 

 

P. Innokentij und Erzbischof Jewlogij

Diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Am 14. Mai beschloß der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche unter dem Vorsitz von Patriarch Kirill bei seiner Sitzung in Sankt Petersburg, P. Innokentij wieder in die alte Heimat zu versetzen, genauer in das Amt des Bischofs von Alexandrow und Jurjew-Polskij, in der Region Wladimir gelegen. Hier, im Herzen des Goldenen Rings, hatte der 1947  als Jakow Jakowljew auf Sachalin geborene Gottesmann bereits 1983 sein Zuhause gefunden – bis zur Versetzung in den Ural vor sieben Jahren.

Bischof Innokentij

An Wunder zu glauben, ist nicht jedermanns Sache, aber niemand, der Bischof Innokentij kennt – übrigens auch ein großer Mann der Ökumene und der Zusammenarbeit mit der Rosenkranzgemeinde in Wladimir – wird den Kopf schütteln, wenn man ihn als wundervollen Menschen bezeichnet. Deshalb darf man auch auf mindestens sieben fette Jahre des partnerschaftlichen Miteinanders mit diesem Mann hoffen, der es wie kaum einer versteht, dank seinem Wort und seiner Kunst die Menschen zusammenzuführen – ad maiorem dei gloriam.

Landschaft des Künstlers Jakow Jakowljew

Bleibt nur, Frohe Pfingsten zu wünschen. Alles Gute zu diesem Fest, das ja nicht nur an die Gründung der Kirche erinnert, sondern auch die Verständigung über Völker- und Sprachgrenzen hinweg darstellt, also sozusagen Pate für die säkulare Partnerschaftsarbeit steht. (Bildmaterial Zebra-TV)

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Im September vergangenen Jahres schuf er bei dem Skulpturensymposium in Erlanger Stadtteil Büchenbach die Holzfigur „Widerstand“, nun plant Jurij Iwatko für heuer seine Teilnahme am Tennenloher Kunstfest im August. Begleitet von seiner Frau, Jelena Jermakowa.

Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa

Das Künstlerehepaar aus Alexandrow, fast zwei Autostunden nordwestlich von Wladimir gelegen, teilt bei allen Unterschieden – sie arbeitet viel im Bereich Enkaustik, er kann auf ein großes Œuvre auf dem Gebiet der Bildhauerei verweisen – die Meisterschaft in der Graphik und Lyrik. Nun würden die beiden Mitglieder des Wladimirer Kunstvereins gern beide ihr Können in Erlangen zeigen, sie bei einer Werkstattveranstaltung die Enkaustik, er bei der öffentlichen Gestaltung seiner neuen Skulptur „Sisyphos“.

Sisyphos-Entwürfe von Jurij Iwatko

Die mythologische Figur, verdammt dazu, den Fels, der immer wieder hinabrollt, fortwährend nach oben zu tragen, versteht Jurij Iwatko universell als Symbol für den Kampf gegen die Gravitation und hat dafür bereits eine Reihe von Entwürfen vorbereitet. Für welchen er sich dann aber vor Ort entscheidet, steht noch nicht fest. Das wird auch vom Material abhängen, das die Veranstalter vom Kunstkreis Tennenlohe bereitstellen.

Jurij Iwatkos Lieblingsmotiv im Kreml von Alexandrow

Aus Erlangen kommen nur wenige Besucher nach Alexandrow. Schade eigentlich, denn die Kreisstadt im Gouvernement war von 1564 bis 1581 Residenz von Iwan dem Schrecklichen, Sitz der staatlichen Druckerei, der Ort, wo der Zar die Gesandtschaften aus aller Welt empfing, von wo aus er den Feldzug gegen Nowgorod in Gang setzte – und wo er im Jähzorn seinen Sohn Iwan erschlug. Von dieser Bluttat erschüttert, kehrte der Selbstgekrönte zurück in den Kreml von Moskau, wo er schon drei Jahre darauf starb und ein folgenschweres Machtvakuum hinterließ, das ein Jahrhundert später Peter der Große zu füllen wußte, nachdem er sich auf den „Deutschen Bergen“, ganz in der Nähe von Alexandrow, in der Kriegskunst geübt hatte.

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„Aber höher als ihr, Zaren, sind die Glocken“, lautet eine Mahung an die Mächtigen aus der Feder von Marina Zwetajewa, jener Lyrikerin, die für sich in den despotischen Jahren des Stalinismus den Ausweg im Freitod fand. Ausgerechnet in Alexandrow, der Stadt in der Region Wladimir, wo die mit Rainer Maria Rilke seelenverbundene und vom Leben zutiefst verwundete Dichterin sich von 1915 bis 1917 niedergelassen hatte und wo 1991 das erste ihr gewidmete Museum eröffnet wurde, ausgerechnet hier, wo sie mit einem weiteren Opfer der kommunistischen Tyrannei, mit dem Schriftsteller Ossip Mandelstam, zusammengetroffen war, ausgerechnet hier sollte Iwan dem Schrecklichen, jenem Altmeister des Terrors gegen das eigene Volk, ein Denkmal errichtet werden. Das zweite seiner Art landesweit nach einem ähnlichen Monument der Apotheose des Menschenschinders auf dem Zarenthron in Orjol im Herbst vergangenen Jahres.

Nicht ganz von ungefähr, denn jener Moskauer Großfürst, der sich einen Stammbaum andichten ließ, der bis zurück zu den römischen Kaisern reichte, hatte in Alexandrow von 1564 bis 1581 seine Residenz eingerichtet, um, wie er selbst sagte, jenseits von Moskau Gott näher sein zu können, was ihn freilich nicht hinderte, gegen Nowgorod ins Feld zu ziehen. Immerhin aber wurde hierher 1571 auch die landesweit einzige Druckerei – nach einem Brand in Moskau – verlegt, wo 1577 eines der seltensten Bücher der russischen Literatur entstand, ein Gebetsbuch, von dem es vermeintlich nur noch 24 Exemplare gab, bis unlängst auf einer Auktion Nummer 25 auftauchte und nun für eine wahrscheinlich nicht geringe Summe in die Heimat zurückkehrte.

Doch zurück zum Denkmal für Zar Iwan IV. Die Skulptur hatte ein Künstler in Moskau geschaffen, das Projekt wurde von einer privaten Gruppe betrieben, aber die örtlichen Behörden zeigten sich nicht allzu enthusiastisch von dem Vorhaben, das immer wieder verschoben wurde. Schließlich wurde der Bildhauer der Sache überdrüssig und kündigte an, sein Werk andernorts zu präsentieren.

Kulturell sicher ein zu verschmerzender Verlust, in jedem Fall mehr als aufgewogen durch eine Gedenktafel für Marina Zwetajewa an dem Haus, wo sie seinerzeit mit ihrer Schwester Anastasia wohnte und dichtete. Jahre später, 1925, schrieb die Vertreterin einer Weltliteratur auf Deutsch, das sie perfekt beherrschte, an Rainer Maria Rilke:

Dichten ist schon Übertragen, aus der Muttersprache in eine andere, ob Französisch oder Deutsch wird wohl gleich sein. Keine Sprache ist Muttersprache. Dichten ist Nachdichten. Darum versteh ich nicht, wenn man von französischen und russischen etc. Dichtern redet. Ein Dichter kann Französisch schreiben, er kann nicht ein französischer Dichter sein. Das ist lächerlich. Ich bin kein russischer Dichter und staune immer, wenn man mich für einen solchen hält und als solchen betrachtet. Orpheus sprengt die Nationalität, oder dehnt sie so weit und breit, daß alle (gewesenen und seienden) eingeschlossen sind.

Wie schön, sie in Alexandrow, 130 km nordwestlich von Wladimir, geehrt zu wissen, wo es im Juni alljährlich ein Zwetajewa-Lyrik-Festival gibt. Die Glocken der Dichtung sind eben doch höher als die Macht der Zaren…

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Erstmals erhält ein Junge in der Russischen Föderation den Vornamen Putin. Auf Anregung des Großvaters von Rassul Dschurajew, eines erklärten Verehrers des Staatspräsidenten, haben die aus Tadschikistan stammenden und nach fünf Jahren in Moskau nun seit eineinhalb Jahren in einem Dorf bei Alexandrow in der Region Wladimir wohnenden Eltern die Namensänderung beantragt. Die Behörden, so berichten lokale Medien, fanden nach anfänglicher Skepsis keinen formalen Grund, dem Ansinnen nicht nachzukommen, und so wird der Kleine wohl bald als erster auf den Nachnamen des ersten Mannes im Staate hören müssen.

Putin Dschurajew und seine Eltern

Putin Dschurajew und seine Eltern

Sicher zumindest kurios diese Namensgebung, zumal man gespannt sein darf, welche Koseformen für Putin verwendet werden. Ein russischer Vorname steht nämlich nur formal im Ausweis; im richtigen Leben – je nach Alter, Umgebung und Situation – hören die Menschen aber auf ganz andere Varianten mit jeweils ganz unterschiedlichen Abstufungen der menschlichen Nähe. Um nur Wladimir als wohlfeiles Beispiel zu wählen. Den ruft man im Kindesalter gern Wowa, Wolodjenka oder Wowotschka, später Wolodja oder Wowtschik. Man versuche das einmal mit Putin. Oder doch lieber nicht?

Präsidiale Devotionaliensammlung der Familie Dschurajew

Präsidiale Devotionaliensammlung der Familie Dschurajew

Kuriose Eigennamen gab es übrigens besonders in der frühen Sowjetzeit und in der Periode des Personenkults, die unter Genosse Josef Stalin Stilblüten trieb in der Art von Stalen (zusammengesetzt aus Stalin und Lenin), Ninel (Akronym von Lenin), Stalij oder Stal (maskulines oder feminines Adjektiv des Pseudonyms von Josef Dschungaschwili), Stalber (zusammengesetzt aus Stalin und Berija) oder Wladlen (gebildet aus den Anfangssilben von Wladimir und Lenin). Noch nicht bizarr genug? Dann sei mit Ikki gedient, der russischen Abkürzung für Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationalen. Überliefert ist auch noch Nisercha, zu dechiffrieren als Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Zur Ehrenrettung der sowjetischen Eltern sei gesagt, daß derartige Wortungetüme eher selten Eingang in die Geburtsurkunden fanden, und spätestens seit der Machtübernahme durch Leonid Breschnjew und der schleichenden Entzauberung der Sowjet-Ideologie verschwanden all diese Kunstnamen aus den Registern, und die Kinder wurden wieder nach christlichen Märtyrern, griechischen Heroen, slawischen Helden, skandinavischen Adeligen, alttestamentarischen Gottesknechten genannt, bevor zunehmend auch westliche Vorbilder in Mode kamen.

Sowjetische Vornamen

Sowjetische Vornamen: Widlen – Große Ideen Lenins

Übrigens auch in Deutschland gibt es in dem Bereich Kuriosa: Vor einem Jahr ging der Vorname Angela Merkel durch die Medien. Ophelya Adé, aus Ghana geflüchtet, hatte ihre Tochter nach der deutschen Kanzlerin genannt – als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung. Motive, die man durchaus auch der Familie aus Tadschikistan gegenüber dem russischen Präsidenten unterstellen darf. Dennoch eher fraglich, daß sich die beiden Vornamen durchsetzen. Den Kindern wird das nur recht sein.

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Beide sind zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal überhaupt in Europa und fühlen sich gleich in ein Märchenland versetzt voller Häuser und Gassen, die sie bisher nur aus Büchern und Bildern oder den Nachstellungen von historischen Schlachten eines befreundeten Künstlers kennen. Und werden bis zum Sonntag zu Gast in einem Haus in Kraftshof sein, dessen Geschichte man bis in die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg zurückdatieren kann, heute bewohnt von Hans und Rosie Zahn, die seit Anfang der 90er Jahren schon ungezählten Malern und Graphikern aus Wladimir großzügig Quartier und Freundschaft angeboten haben. So nun auch Jurij Iwatko und seiner Frau, Jelena Jermakowa, die ihr Glück noch gar nicht fassen können, in der Stadt von Albrecht Dürer angelangt und bei einem deutschen Kollegen untergebracht zu sein, der schon mit Pjotr Dik befreundet war.

Jelena Jermakowa, Jurij Iwatko, Rosie und Hans Zahn

Jelena Jermakowa, Jurij Iwatko, Rosie und Hans Zahn

A propos Pjotr Dik: Jurij Iwatko ist selbst erstaunt, wie sehr seine Karriere dem Weg des großen deutsch-russischen Graphikers gleicht, der vor zwölf Jahren in Worpswede verstorben ist: zeitversetzt die gleiche Ausbildung im Ural und in Moskau mit anschließender Übersiedlung in die Region Wladimir, künstlerischer Beginn mit Großplastiken und Skulpturen für Ehrenmale, später die ganz individuelle Entwicklung eines eigenen Stils. 1993 kam der aus dem Ural stammende Freund der Avantgarde ganz in den Nordwesten der Region Wladimir, nach Alexandrow, wo einst Iwan der Schreckliche seine Residenz und Hauptstadt eingerichtet hatte und eine Zitadelle von vergangener Pracht zeugt. „Heute ist da nicht mehr viel los, ganze vier Berufskünstler gibt es in der Kreisstadt mit 60.000 Einwohnern, aber die Nähe zu Moskau kommt uns sehr entgegen“, meint der Gast, der über viele Jahre seine Bilder auf dem Arbat, der Fußgängerzone in der Hauptstadt, verkauft hat. 1.500 Arbeiten ingesamt, darunter auch viel, was er dem Publikumsgeschmack habe anpassen müssen, bis genug Geld beisammen war, um sich in Alexandrow ein altes Haus zu kaufen, wo er jetzt mit seiner Familie lebt und ein Atelier eingericht hat, um Kinder und Jugendliche in den Grundtechniken der Kunst zu unterrichten. Übrigens gehörte auch seine Frau, mittlerweile selbst künstlerisch tätig, zu seinen Schülern.

Die schematische Anatomie der Aggression: willkürliche Form, Eindringen und Spuren der Gewalt

Die schematische Anatomie der Aggression: willkürliche Form, Eindringen und Spuren der Gewalt

Jurij Iwatko hat seine Bilder und Skulpturen schon überall in Rußland gezeigt und kann von seiner Inspiration und Hände Arbeit leben. In Deutschland freilich waren seine Arbeiten noch nie zu sehen. Das soll sich ändern: Morgen, am 3. September wird um 19.00 Uhr in den Räumen des Erlanger Kunstvereins, Hauptstraße 72, die Ausstellung „Pulverfässer 1914 – 2014“ eröffnet (s. http://is.gd/JE6S9Z) . Mit Exponaten der beiden Wladimirer Künstler, Jurij Iwatko und Igor Tschernoglasow, der selbst nicht kommen konnte, seine Beiträge aber dem Kollegen mitgegeben hat. Man braucht Jurij Iwatko nicht lange zu bitten. Seinen Beitrag zur Ausstellung zeigt er gerne vorab, das Triptychon „Die schematische Anatomie der Aggression“, gegossen aus Altmetall in ihren drei Stadien der willkürlichen Form, des Eindringens oder der Invasion und schließlich der Spuren der Gewalt. Wie das Publikum seine Interpretation des Themas aufnimmt, wird man sehen, aber vorab freut sich der Künstler schon einmal darüber, wie die deutschen Zollbeamten begeistert reagierten, als sie die Plastiken im Gepäck des Reisenden aufspürten, wie sie einander herbeiriefen und anerkennend nickten, bevor sie den Künstler durchwinkten. „Das hat mich riesig beeindruckt“, erinnert sich Jurij Iwatko. „Da habe ich mich gleich verstanden gefühlt, auch wenn ich kein Deutsch spreche.“

Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko

Jelena Jermakowa und Jurij Iwatko

Bevor es ins Bett geht, will das Ehepaar unbedingt noch Kraftshof erkunden, voller Entdeckerfreude und Lebenslust. Und man will es gar nicht glauben, daß mit ebenso unerwarteter wie erschreckender Aktualität das Ausstellungsthema „Pulverfässer 1914 – 2014“ in ihrer Heimat täglich mehr an Brisanz gewinnt, wo die Lunte wieder brennt. Wenn Gouverneurin Swetlana Orlowa im 1. Kanal des Russischen Staatsfernsehens – auf die demokratisch gewählte Regierung der Ukraine gemünzt – prophezeit: „Diese Junta wird besiegt, glauben Sie mir!“ und den „rotzfrech gewordenen Amerikanern“ unterstellt, sie wollten „die ganze Welt an sich reißen“, während die Landemutter dem russischen Volk einen „Sieger-Code“ attestiert, ohne auch nur mit einem Wort die russischen Soldaten zu erwähnen, die in der Ukraine bzw. bei „Manövern an der Grenze“ ums Leben gekommen sind, wie Sergej Selesnjow, der gestern in Wladimir bestattet wurde. Wenn drei stramm patriotisch gestimmte Organisationen im ideologischen Gleichschritt ein Auftrittsverbot in Wladimir für Diana Arbenina und ihre Band fordern, weil die populäre Rocksängerin und Liedermacherin sich „für Kiew“ ausgesprochen und damit zu den „verhaßten Personen“ gehört, die „staatsfeindlich agieren“. Wenn ein Stadtrat dazu aufruft, als Reaktion auf die Sanktionen des Westens „massenhaft auf die Verwendung des Dollars“ zu verzichten und alle Greenbacks via Zentralbank an Barack Obama zurückzuschicken, um in Zukunft nur noch eine „harte Währung“ zu verwenden, den Rubel. Die Lunte brennt. Künstler allein können die neue „schematische Anatomie der Aggression“ allein nicht aufhalten. Sie werden später neue Formen der Verarbeitung dieses europäischen Traumas finden müssen. Heute tun sie gut daran, ihre Kritik an den Verhältnissen oder gar Sympathie für die „Faschisten und Revanchisten in der Ukraine“ für sich zu behalten oder bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden, wenn sie nicht an den medialen Pranger gestellt werden wollen, wie in dieser Reportage – einer Kulturnation unwürdig – mit deutschen Untertiteln des zentralen Senders NTV zu sehen:  http://is.gd/8TRQV2

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Was Studiosus an Qualität in der großen Tourismuswelt bietet, hat die Städtepartnerschaft dank Wolfram Howein mit seinen Bürgerreisen nach Wladimir und entlang dem Goldenen Ring im Programm: kleine Gruppen, intensive Betreuung, Begegnungen mit Menschen vor Ort, Besichtigungen auch abseits der großen Besucherströme, Einblicke in den Alltag, Kultur und Lebensart sowie eine Reiseleitung, die kompetenter nicht sein könnte.

Winterimpression von Jelena Gontscharowa.

Winterimpression von Jelena Gontscharowa.

Die Erfahrungen, die Wolfram Howein, unterstützt vom Team des Erlangen-Hauses und in Zusammenarbeit mit der VHS Erlangen, bei der Zusammenstellung des Programms und der Durchführung der Reisen seit 2009, garantieren denn auch einzigartige Einblicke in das russische Mittelalter ebenso wie intensive Begegnungen mit Menschen aus der Partnerstadt oder Besichtigungen von Kooperationsprojekten wie etwa des Zentrums für Natur- und Erlebnispädagogik Blauer Himmel.

Winterimpression von Jelena Gontscharowa.

Winterimpression von Jelena Gontscharowa.

Die diesjährige Kulturreise rund um das dreißigjährige Jubiläum führt vom 26. Mai bis 2. Juni über Sergijew Possad, den größten Wallfahrtsort der russisch-orthodoxen Kirche mit seiner imposanten Klosteranlage über Alexandrow, wo Iwan der Schreckliche vorübergehend seine Residenz eingerichtet hatte, nach Wladimir, zu dem hier nicht mehr viel auszuführen ist. In der Partnerstadt schlägt die Gruppe dann ihr „Basislager“ auf und unternimmt von hier aus Exkursionen in die Museumsstadt Susdal – nirgendwo ist Rußland so russisch wie hier! – und nach Mstjora, ein Städtchen inmitten gewaltiger Wälder, das berühmt ist für seine Lackminiaturen. Im Zentrum der Kulturreise  steht aber natürlich das Programm zu 30 Jahren Städtepartnerschaft mit einem bunten Veranstaltungsreigen in Wladimir. Noch bis Ende des Monats sind Anmeldungen möglich unter wladimir@stadt.erlangen.de. Doch mehr dazu unter: Reiseablauf Kulturreise. Und wer einmal nachlesen will, was so eine Reise mit Wolfram Howein alles bieten kann, lese nach unter: http://is.gd/ZjrpTk

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