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Posts Tagged ‘Alexander Sinjagin’


Die heiße Phase des Wahlkampfs hat in Wladimir begonnen. Die Parteien stellen ihre Kandidaten vor und lassen sie ihre Trümpfe auspacken. Betrachten wir heute einmal die beiden großen Widersacher, Einiges Rußland und die Kommunisten, die wohl beide am 13. März das Gros der Stimmen unter sich aufteilen werden.

Andrej Sirotkin

Die Kremlpartei macht dabei eine Punktlandung, überraschend wie der Absprung von Fallschirmjägern hinter der Front. Zu bekämpfen hat sich Einiges Rußland vor allem vorgenommen die Korruption bei den kommunalen Eigenbetrieben und deren privaten Ausgründungen, wo man eine nimmersatte Krake am Werk sieht. Ins Feld ziehen soll der bisher in der politischen Arena noch weitgehend unbekannte Andrej Sirotkin, der die Troika der Spitzenkandidaten unerschrocken anführt. Nicht verwunderlich, wenn man weiß, daß der Oberst und Chef einer paramilitärischen Spezialeinheit Träger von zwei Tapferkeitsmedaillen ist. An seiner Seite Jelena Owtschinnikowa, ärztliche Leiterin von gleich zwei Krankenhäusern, und Sergej Sacharow, Geschäftsmann und Abgeordneter der Regionalduma, von dem treue Blog-Leser bereits einiges wissen. Wer von den dreien, die übrigens alle aus Wladimir stammen, nach den Wahlen welchen Posten im Rathaus bekleidet, soll erst nach dem Votum der Bürger festgelegt werden, in jedem Fall aber wird nichts ohne dieses Trio gehen: ein beherzter Ober als Haudegen im Kampf gegen Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft, eine rührige Medizinerin als Herzdame und soziales Gewissen sowie ein weltoffener Geschäftsmann und gewiefter Politprofi als Bube, der noch zum Aß werden könnte.

Jelena Owtschinnikowa

Auffällig, wie klar sich Einiges Rußland von eigenen Mitgliedern abgrenzt, die aus dem Umfeld der städtischen Eigenbetriebe als Einzelkandidaten auftreten, weil sie von der Partei nicht aufgestellt wurden. Offen wird gemutmaßt, diesen Personen gehe es mehr darum, im Stadtrat eine gewisse Immunität zu genießen als sich um das Wohl Wladimirs zu kümmern. Das Prinzip Berlusconi soll sich aber nicht durchsetzen. Dies zu verhindern, hat man Andrej Sirotkin angeworben. Aber nur eines ist und bleibt sicher: Der bisherige Oberbürgermeister, Alexander Rybakow,wird nach seiner zweiten Amtszeit wechseln, möglicherweise auf einen der freiwerdenden Sitze in der Regionalduma.

Artjom Markin

Bei den Kommunisten hingegen war ein Holpern und Stolpern zu beobachten. Eben noch hatten sie stolz Jewgenij Durnjew, Trainer von Torpedo Wladimir, als aufgehenden Stern am roten Himmel präsentiert, da ist sein Licht auch schon wieder verloschen. Der populäre Sportler, der dem Dreigestirn der Kommunisten prächtigen Glanz verliehen hätte, hat seine Kandidatur zurückgezogen, auf Druck von oben, wie Alexander Sinjagin, 1. Sekretär des Regionalverbands der Kommunisten, meint: „Jewgenij Durnjew kam zu mir, entschuldigte sich und sagte, er wolle ein ehrlicher Mensch bleiben, könne aber in der Situation und in seiner Position nicht zu seinem Wort stehen, um Schaden von seiner Mannschaft abzuwenden.“ Dazu muß man wissen, daß der Kapitän von Torpedo, Dmitrij Wjasmikin, im anderen politischen Lager an prominenter Stelle steht… Aber das kann die kampferprobten Genossen nicht erschüttern. Als Nachrücker präsentieren sie nichts anderes als eine kleine Sensation: Artjom Markin. Dem Direktor des Wladimirer Zentrums für Chormusik und Chefdirigenten des Symphonieorchesters sagte man bisher – wenn überhaupt bei ihm von Politik die Rede sein konnte – ein gewisse Nähe zu Einiges Rußland nach. Und nun diese Volte! Gewiß nicht die letzte. Das Rennen ist eröffnet.

Mehr zu Sergej Sacharow unter: https://erlangenwladimir.wordpress.com/2010/12/16/volkspartei-einiges-rusland

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Irina Tabazkowa

Während man in Wladimir wegen des Lecks im Fernwärmesystem (s. vorhergehender Eintrag) friert, könnte eine undichte Stelle bei den Kommunisten zu einer politischen Eiszeit führen. Noch ist nicht klar, wie das Medienportal „Regnum“ in den Besitz des Mitschnitts einer nichtöffentlichen Regionalkonferenz der kommunistischen Partei gelangt ist, dessen Inhalt das Zeug zu einem handfesten Skandal hat, wenn das Audioprotokoll nicht gar zum Rücktritt von Gouverneur Nikolaj Winogradow führen könnte. Bestätigt sich nämlich die Meldung, dann haben führende Wladimirer Kommunisten hinter verschlossenen Türen nichts Geringeres getan, als ihre Parteigenossen aus Kowrow, einer 60 km von Wladimir entfernten Stadt mit 150.000 Einwohnern, zu nötigen, bei den im März anstehenden Bürgermeisterwahlen Irina Tabazkowa zu unterstützen, bislang eine Erzfeindin von Gouverneur Nikolaj Winogradow. Irina Tabazkowa ist, das muß man wissen, um die Zusammenhänge zu verstehen, die frühere Vorsitzende des Regionalverbands der Nationalbolschewisten, einer als extremistisch eingestuften Partei, und steht im Ruch der Bestechlichkeit und gesetzeswidrigen Einflußnahme, um es diplomatisch auszudrücken.

Gerüchteweise hieß es schon länger, der Landesvater habe seinen Burgfrieden mit der Opponentin geschlossen, doch nun ist dem den Medien vorliegenden Tonband zu entnehmen, daß zu zweifelhaften Mitteln des Wahlkampfes gegriffen werden sollte. Alle Argumente der Kowrower Kommunisten der Art, die Kandidatin habe den Gouverneur durch den Dreck gezogen, sie genieße keinerlei Rückhalt in der Bevölkerung und sei ideologisch alles andere als auf Linie der Partei, wischte Nikolaj Winogradow laut Stenogramm mit dem entlarvenden Diktum beiseite: „Wir haben keinen eigenen Kandidaten gegen Einiges Rußland. Und selbst wenn jetzt noch jemand aufgestellt werden sollte, hätten wir keine Zeit mehr, ihn aufzubauen. Es läuft also darauf hinaus, daß es nur eine Kandidatur gibt, nämlich die von Tabazkowa.“

Alexander Sinjagin, Vorsitzender des Regionalverbands der Wladimirer Kommunisten, geht noch weiter und attestiert der Kandidatin wachsende Willfährigkeit gegenüber dem Gouverneur: „Im vergangenen  Jahr hat Irina Tabazkowa zunehmend Rücksicht auf die Position des Gouverneurs genommen, ist seinen Ratschlägen gefolgt, und das sollte so noch weitere drei oder vier Jahre weitergehen.“  

Gesteigert wird dies von dem freimütigen Bekenntnis des ehemaligen Senators, Jewgenij Iljuschkin, der unverblümt davon spricht, man solle die „administrativen Ressourcen“ der Kandidatin für den Wahlkampf nutzen: „Tabazkowa hat Verbindungen zu den Chefs im Bereich des städtischen Wohnungs- und Straßenbaus, bei den Energieversorgern und im Verkehrswesen. Solange Tabazkowa Bürgermeisterin ist, so versichern die uns, werden sie ihre Anweisungen befolgen. Diese Kräfte können außerdem einen aktiven Wahlkampf führen.“

Nikolaj Winogradow

Da bahnt sich ein politisches Erdbeben an: Der Gouverneur ruft – wenn auch im engeren Parteizirkel – dazu auf, seine einstige Gegnerin zu unterstützen, während seine Genossen just zu jenen zweifelhaften Methoden des Wahlkampfes greifen wollen, die sie immer dann mit lauter Stimme kritisieren, wenn sie selbst wieder einmal an der Urne der Partei Einiges Rußland unterlegen sind. Um der Sache noch das Sahnehäubchen zu geben: Die Kommunisten aus Kowrow probten erfolgreich den Aufstand. Sie werden sich dem Druck aus der Landeshauptstadt nicht beugen und Irina Tabazkowa ihre Unterstützung verweigern. Sind da nun Renegaten und Dissidenten in der Provinz am Werk? Funktioniert da noch die Vertikale der Macht in der Partei Lenins? Bahnt sich da eine Götzendämmerung an? Nutzen jedenfalls wird die Veröffentlichung des verräterischen Protokolls Nikolaj Winogradow und den Seinen gewiß nicht. Hat nicht Präsident Dmitrij Medwedjew sich eine Demokratisierung des Landes und der Parteienlandschaft auf die Fahnen geschrieben? Hat er nicht gefordert, politische Entscheidungsprozesse transparenter zu machen? In jedem Fall hat er die Macht, einem Gouverneur das Vertrauen zu entziehen und ihn seines Postens zu entheben. Daß er von dieser Macht auch Gebrauch macht, hat der Präsident bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Und daß Nikolaj Winogradow als landesweit letzter Kommunist auf dem Posten eines Gouverneurs unter besonderer Beobachtung steht, dürfte außer Zweifel stehen.

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Stalin - Ikone

Eine gespenstische Veranstaltung kontrastierte und konterkarierte gestern das ansonsten so weltoffene Bild, das Wladimir gerne und verdient abgibt. Da kamen doch tatsächlich die unverbesserlichen Ewiggestrigen der Russischen Kommunistischen Partei zusammen, um an ihren Großen Führer von einst, Josef Stalin, zu erinnern und sich schon einmal warmzureden für den am 21. Dezember bevorstehenden 130. Geburtstags dieses Meisters des Terrors. Man entblödet sich nicht, Oden auf jemanden zu singen, der den Abgesang an jede Humanität angestimmt hat, der als kakophoner Komponist eines grausamen Requiems für das Regime von Sozialismus und Kommunismus Millionen von Menschen in Verbannung und Tod geschickt und die Ideen von Friedrich Engels und Karl Marx für alle Zeiten diskreditiert hat. 

Aber hören wir Alexander Sinjagin, den Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei in der Region Wladimir, im Originalton:

Man darf nicht einfach historische Persönlichkeiten im Rückblick beurteilen, ohne zu beachten, unter welchen Umständen sie lebten und wirkten. Heute vergeht kein Tag, wo man nicht mindestens 15 Mal in den Medien gegen Stalin auskeilt. (…) Es ist nicht die Zeit, sich mit dem Papst zu treffen, oder abgesprochene Fragestunden mit dem Volk abzuhalten. So kann man das Land nicht aus der Krise führen. (…) Unter Stalin gab es keine Korruption. Wenn eine Führungskraft sich erlaubte, vom Kurs abzuweichen, hat man sich augenblicklich von ihr getrennt. Heute versinken wir in der Korruption, wir sind wahrscheinlich das korrupteste Land der Welt. Nicht von ungefähr rufen die Menschen, die schon unter Stalin lebten, heute: Erwache, Josef Stalin, erwache! (…) Das jetzige System wird uns nicht von der Rohstoffabhängigkeit befreien. Um Rußland wieder unabhängig und wirtschaftlich stark zu machen, braucht es andere Politiker. (…) Den heutigen Politikern rate ich, von Stalin zu lernen, wie man seine Heimat liebt und das russische Volk wertschätzt. Der Jugend rate ich, von Stalin zu lernen, wie eifrig man sich mit der Wissenschaft beschäftigen sollte. Stalin unterzog sich der Selbstverpflichtung, täglich nicht weniger als 150 Seiten zu lesen…

Was soll man zu einem derartig makaberen Mummenschanz noch sagen? Immerhin kann der Chronist erleichtert vermerken, daß Gouverneur Nikolaj Winogradow, seines Zeichens Kommunist, bei dieser Homunculi-Veranstaltung der roten Finsterlinge nicht gesehen ward. Es ist sein Geheimnis, was ihn noch in dieser Partei hält. Und sei es nur die historische Erfahrung, daß ein Einparteiensystem nicht überlebensfähig ist. Aber kann die Kommunistische Partei mit Josef Stalin als Säulenheiligem im Pantheon der Tyrannen tatsächlich im 21. Jahrhundert ernsthaft auch nur die Rolle der Opposition übernehmen, geschweige denn Regierungsverantwortung für ein Land übernehmen, das den Kalten Krieg endgültig hinter sich lassen und auf der Weltbühne als Friedensmacht auftreten will? Da muß sich in vielen Köpfen noch viel bewegen, damit es nie zu einer Wiedererweckung dieses Ungeistes kommt.

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Alexander Sinjagin

Alexander Sinjagin

Heute vor einer Woche fanden im Rahmen der rußlandweiten Kommunal- und OB-Wahlen in Wladimir Nachwahlen zum Stadtrat – es ging um vier Mandate – statt. Wie berichtet und zu erwarten, gewannen die Kandidaten der Partei „Einiges Rußland“, verloren hat u.a. nach Meinung ausgerechnet der Kommunisten die Demokratie, die es derzeit in Rußland nicht gebe, und von der man weiter denn je entfernt sei. Wie die einstmals alleinherrschende Partei zu diesem Schluß kommt? Lassen wir dazu Alexander Sinjagin, den 1. Sekretär des Regionalkomitees der Kommunistischen Partei der Russischen Republik (KPRF) zu Wort kommen.

Zur niederschmetternd niedrigen Wahlbeteiligung von kaum 15%: „Dazu fällt mir ein Witz ein: Ein Kandidat kommt ganz glücklich nach Hause und erzählt, er habe gewonnen, drei Stimmen habe er bekommen. Seine Frau verpaßt ihm einen Kinnhaken und meint, sie habe ja schon immer geglaubt, er habe eine Geliebte. Aber das ist kein Witz. Mit drei Stimmen kann man bei uns Stadtrat werden. Soll man sich darüber etwa freuen?“

Zum Ansehen der Politik: „Fast 70% der Wähler stimmen für Einiges Rußland?! Ja, die Menschen sind gut, aber wir alle wissen doch, wie schlecht es den einfachen Menschen heute geht. 27.000 werden in Togliatti (Sitz des großen Autobauers LADA an der Wolga, sinnigerweise Partnerstadt von Wolfsburg) auf die Straße gesetzt. Die fünf Zulieferer in der Wladimirer Region werden auch bald stillstehen.“ 
 

Zurück zum Totalitarismus? „Sie kennen ja den Witz, der da lautet, gleich welche Partie man in Rußland gründe, am Ende komme doch immer wieder die KPdSU heraus. Wir Kommunisten haben daraus gelernt. Was aber Einiges Rußland heute veranstaltet, ist nichts anderes als die Fortsetzung der Arbeit der KPdSU.“
 

Und in Wladimir: „Ich habe OB Alexander Rybakow zum Geburtstag gratuliert, schon am Morgen. Ich weiß, daß er zwei Tage vor der Wahl eine Pressekonferenz abgehalten und dort rundweg abgestritten hat, Kommandos seien in seinem Namen losgezogen, um einflußreichen Leuten in der Art zu drohen: Wenn die Kandidaten der Partei Einiges Rußland nicht gewinnen, sind eure Tage als Schuldirektoren, als Klinikleiter, als Stadtteilbürgermeister gezählt. Alexander Rybakow hat wohl tatsächlich derlei Einschüchterungen nicht angeordnet. Das glaube ich ihm sogar. Aber er hat eifrige Helfer, die das für ihn taten. Und ich kann nicht ganz glauben, daß Alexander Rybakow davon rein gar nichts gewußt haben soll.“
 

Selbst die Kreml-Partei Einiges Rußland räumt ein, es habe jede Menge Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen gegeben, landesweit. Die unterlegenen, aber noch in der Staatsduma vertretenen Parteien, KPRF und Gerechtes Rußland, boykottieren derzeit die Parlamentssitzungen, und an der Basis will man sich auch zur Wehr setzen. Doch es scheint niemanden zu kümmern, daß mancherorts die Partei Einiges Rußland vor den Wahlen zu Festmahlen eingeladen hat, daß Wähler mit bereits ausgefüllten Stimmzetteln in der Jackentasche ins Wahllokal kamen, daß Betrunkene an die Urne gingen, die zugaben, man habe ihnen gesagt, für wen sie stimmen sollten…

Ironie der Geschichte: Die einstigen Liquidatoren der Demokratie in Rußland, die Kommunisten, mahnen heute die Einhaltung demokratischer Spielregeln an. Wenn man solche Schiedsrichter braucht, könnte das Spiel wirklich schon bald aus sein.

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Emblem des Komsomol

Emblem des Komsomol

Eigentlich sollte es ihn ja gar nicht mehr geben, den Komsomol, die noch von Wladimir Lenin 1918 gegründete und von Boris Jelzin nach dem gescheiterten August-Putsch gegen Michail Gorbatschow 1991 verbotene Jugendorganisation der Kommunistischen Partei, dereinst als KPdSU Alleinherrscherin über das weite Sowjetreich. Aber Verbote werden aufgehoben, aufgeweicht, umgangen. Das ist der Gang der Dinge. Und so hat sich auch der Komsomol mit der Restaurierung der Kommunisten neu formiert und Ortsgruppen gebildet, u.a. auch in Wladimir. Mehr als eine Handvoll Aktivisten ist es nicht, doch die versteht es, Krawall zu schlagen, wenn es darum geht, das öffentliche Interesse auf sich zu lenken.

Plakat - Hände weg vom Komsomol

Plakat - Hände weg vom Komsomol

Beim Stadtfest am vergangenen Sonntag wollte sich die revolutionäre Organisation in den Umzug einreihen und auf die eigenen Ideale hinweisen. Ob eine Erlaubnis dafür vorlag, ist noch unklar, in jedem Fall aber ging Polizeichef Alexander Rasow persönlich dazwischen und verhinderte mit einem kleinen Einsatzkommando die Teilnahme der Jungkommunisten. Übel beschimpft habe der sie als „Extremisten“, die nichts bei einem solchen Fest zu suchen hätten, beklagen sie sich nun. An der Ausübung ihres in der Verfassung verbrieften Rechts, an öffentlichen Kundgebungen teilzunehmen, habe er sie gehindert. Auch Anrufe bei ranghohen Politikern hätten nichts bewirkt. Alexander Rybakow, Oberbürgermeister von Wladimir, habe sie nicht verteidigt und nur gebeten, sie mögen vor den Gästen der Stadt keinen Skandal provozieren. Der Stadtratsvorsitzende Sergej Kruglikow gar habe sie völlig abblitzen lassen. Wenn das mal keine Diskriminierung sei!

Nun fordern die Kommunisten eine offizielle Entschuldigung von Alexander Rasow. Sogar eine Mahnwache wollten sie vor dem Polizeipräsidium aufstellen, ließen davon aber ab, als sie erfuhren, daß der Adressat in Urlaub sei. Komme er der Forderung nicht nach, werde man vor Gericht ziehen und den obersten Polizisten wegen Verletzung der Menschenrechte verklagen. Alexander Sinjagin, Parteisekretär der Kommunisten, ereifert sich noch immer: „Die Komsomolzen hatten mich schon an der Strippe und wollten mich per Handy mit Herrn Rasow sprechen lassen. Aber der weigerte sich. Ich bin außer mir!“

Alexander Rasow

Alexander Rasow

Alexander Rasow, das sei hier gesagt, genießt bei seinen Erlanger Kollegen hohen Respekt und gilt in Wladimir als unbestechlicher und gradliniger Kämpfer gegen Kriminalität. Es mag sein, daß sich die russische Verfassung Gelichter wie den Komsomol gefallen läßt, umso mehr braucht es auch mutige Menschen, die zur rechten Zeit und am rechten Ort erkennen, wo man die ideologischen Feinde der noch jungen Demokratie in Rußland in ihre Schranken weisen sollte – und sei es dadurch, daß man die Politik aus einem Stadtfest heraushält.

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