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Posts Tagged ‘Alexander Kirjuchin’


Ich hatte bei der Wahl der Praxis für meine Pflichtfamulatur in der Allgemeinmedizin großes Glück, da ich hierbei Jürgen Binder kennenlernen konnte, einen promovierten Arzt, der sich schon seit langem für den medizinischen Austausch im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir mit Herz und Seele engagiert.

Der Mediziner bot mir die unglaubliche Gelegenheit, ihn und eine Delegation von Ärzten aus Erlangen Mitte Juni in die russische Partnerstadt zu begleiten. Das Land faszinierte mich sowieso seit jeher, und nun hatte ich die Möglichkeit, sowohl die medizinische Versorgung vor Ort, als auch Land und Leute kennenzulernen. Wie könnte man da ablehnen?!

Wladimir bei Nacht

Die Anreise war sogleich unser erstes Abenteuer. Nachdem schon alle Passagiere an Bord gegangen waren, wurde ein technischer Defekt festgestellt (quasi in letzter Sekunde), woraufhin wir das Flugzeug wieder zu räumen hatten. Es folgten nervenzehrende Verhandlungen mit der Fluggesellschaft über das weitere Vorgehen, doch glücklicherweise konnten wir, zwar mit erheblicher Verspätung, unsere Fahrt dennoch am selben Tag antreten.

Bei unserer Ankunft wurden wir im Erlangen Haus trotz der frühen Zeit (4.30 Uhr) herzlich aufgenommen und konnten uns von den Strapazen der Anreise für einige Stunden erholen. Nach einem ausgiebigen Frühstück, zeitlich wohl eher Brunch, starteten wir gestärkt und gespannt  in unser Programm für den ersten Tag:  die Besichtigung der Palliativabteilung sowie der Dialyseabteilung im Krankenhaus Nr. 6 und ein Treffen mit Alexander Kirjuchin, dem Leiter des Gesundheitsministeriums der Region Wladimir, am Nachmittag.

Prof. Christoph Ostgathe und seine Wladimirer Palliativkolleginen

Das Team der Palliativabteilung begrüßte uns mit Kaffee und Tee, sowie kleinen Häppchen. Anschließend wurden wir durch die Station geführt und konnten einen Eindruck von der palliativen Versorgung in diesem Krankenhaus gewinnen; durch Gespräche mit Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und auch Patienten lernten wir die Organisation  und die Herangehensweise dieser Fachdisziplin etwas näher kennen.

Flur der Palliativstation

Gerade für mich war es sehr spannend, da ich aus Studium und Praxis am Universitätsklinikum Erlangen eine hochmoderne High-Tech-Medizin gewohnt bin. Zu sehen, wie man auch mit einfachsten Mitteln den Bedürfnissen schwerkranker Patienten gerecht werden kann, weckte vor allem Demut für die Arbeit der Ärzte und Pflegekräfte dieser Abteilung.

Am Nachmittag waren wir dann im Gesundheitsministerium der Region bei Alexander Kirjuchin zu Gast. Hierbei wurden vor allem Brücken geschlagen, um den weiteren fachlichen und personellen Austausch im Bereich der Palliativmedizin zu festigen.

Empfang bei Alexander Kirjuchin

Abends lernte ich endlich meine Gastfamilie kennen, bei der ich die restlichen Tage wohnte. Dies war für mich in dieser Zeit eine besonders wichtige Erfahrung, da ich mich dort nicht nur fachlich austauschen konnte (beides Mediziner), aber auch den Alltag und das Miteinander einer russischen Familie erleben durfte. Die Gastfreundschaft, die mir in dieser Familie widerfuhr, kann man nicht beschreiben.

Felix Wackerbauer und seine Gastfamilie Seliwjorstow

Am darauffolgenden Tag besichtigten wir das Notfallkrankenhaus gemeinsam mit dessen ärztlichem Direktor, Jewgenij Jaskin. Wir wurden auch hier wieder herzlich (und kulinarisch) empfangen, bevor wir durch die Stationen geführt wurden.

Unsere Gruppe mit Jewgenij Jaskin und Irina Chasowa, unserer unermüdlichen Betreuerin und kompetenten Dolmetscherin

Die „Rot-Kreuz-Krankenhaus“ genannte Klinik dient vor allem der Notfallversorgung der Region und beherbergt insbesondere chirurgische Fachdisziplinen. Wie schon am Tag zuvor, konnte ich einen direkten Vergleich zu unseren modernen Kliniken ziehen und war wieder einmal erstaunt darüber, wie dort Medizin auf hohem Niveau betrieben wird – trotz der (in unseren Augen) einfachen, dort vorherrschenden Verhältnisse.

Ansicht des Rot-Kreuz-Krankenhauses unmittelbar nach der Fertigstellung vor gut einhundert Jahren

Hier begegneten uns auch die Krankenbetten wieder, die vor einiger Zeit, vom Uniklinikum Erlangen ausgemustert, an das Notfallkrankenhaus in Wladimir gespendet wurden.

Krankenbett aus Erlangen

Nach einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns dann vom Gastgeber und starteten anschließend in den Kulturteil unserer Reise.

Jewgenij Jaskin und Felix Wackerbauer

Hier möchte ich mich nun etwas kürzer fassen, da über Wladimir und Susdal in diesem Blog bereits mehrfach ausführlich berichtet wurde. Beide Städte liegen am sogenannten „Goldenen Ring“, nordöstlich von Moskau, mit seinen altrussischen Städten eines der bekanntesten Reiseziele im Land, das Einblick gibt in die Geschichte der Entstehung des Russischen Reiches. Hier lagen insbesondere die religiösen und wirtschaftlichen Zentren der mittelalterlichen Rus.

Ich hatte ehrlicherweise nach kurzer Zeit schon einen kleinen „Kirchenkoller“, will jedoch zugeben, die Kirchen, Kathedralen und Klöster, die wir besichtigten, wunderschön und wirklich beeindruckend gefunden zu haben. Insbesondere die Freskenmalereien im Inneren luden zum Staunen ein.

Am Tag unserer Abreise hatten wir noch die Gelegenheit, einige Stunden in der Hauptstadt zu verweilen. In der kurzen Zeit, die uns blieb, besichtigten wir den Kreml und den Roten Platz und fuhren selbstverständlich auch mit der Metro. Wir hatten auch zum ersten Mal schönes Wetter! Es war warm und die beiden Orte quollen vor Touristen schon beinahe über, dennoch war es toll, bei unserer Abreise noch „ein wenig Moskau“ mitnehmen zu können.

Felix Wackerbauer vor der Basilius-Kathedrale

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Jürgen Binder und Peter Steger bedanken, die mir diese großartige Erfahrung ermöglichten. Weiterhin möchte ich mich auch bei der Reisegruppe für die schöne Zeit und die angenehmen Gespräche bedanken, die ich mit allen führen konnte. Und zu guter Letzt möchte ich mich bei Iwan und seiner Familie bedanken, die mich für die Zeit des Aufenthalts bei sich zu Hause aufnahmen und mir die russische Lebensart ein wenig näher brachten. Ich habe hier einen sehr guten Freund gefunden!

Christoph Ostgathe, Thomas Schöllhammer, Stephan Horn, Christiane Schöllhammer, Anette Christian, Felix Wackerbauer und Jürgen Binder

„Wladimir wird mich wiedersehen“, verspricht Felix Wackerbauer

Siehe auch: https://is.gd/lzz0yh

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Derzeit hält sich eine siebenköpfige Medizinerdelegation aus Erlangen in Wladimir auf, die vorgestern vom Leiter der Regionalen Gesundheitsbehörde, Alexander Kirjuchin, und seiner Stellvertreterin, Jelena Owtschinnikowa, empfangen wurde. Hauptthema des Treffens – die Palliativmedizin.

Empfang bei Alexander Kirjuchin

Die Homepage der zentralen Verwaltung aller medizinischen Einrichtungen des Gouvernements Wladimir berichtet ausführlich über den Empfang für die deutsche Delegation, die der Hausarzt und medizinische „Wladimir-Beauftragte“, Jürgen Binder, zusammengestellt hatte und über deren Programm noch im einzelnen zu berichten sein wird.

Medizinstudent Felix Wackerbauer, Christiane Schöllhammer und Christoph Ostgathe

Heute deshalb hier nur erste Eindrücke von dem Besuch, der hauptsächlich der Palliativmedizin galt, die in der Region Wladimir noch im Aufbau steckt. Erst 2013 eröffnete man in der Partnerstadt eine Palliativstation, 2015 und 2016 folgten dann weitere Einrichtungen in Murom, Sudogda, Sobinka und im Landkreis Gus-Chrustalnyj mit insgesamt 60 Betten, deren Zahl man bis 2020 verdoppeln will. Ziel ist es, zehn Betten für 100.000 Einwohner bereit zu halten, was in etwa auch dem Angebot in Erlangen entspräche, wo es derzeit zwölf Betten im Universitätsklinikum gibt.

Jürgen Binder, Irina Chasowa, Anette Christian und Stephan Horn

Allein die Station in Wladimir hatte im vergangenen Jahr mehr als 200 Patienten. Allerdings wird – im Unterschied zu Erlangen – noch kaum ambulante Hilfe angeboten, die in der Hugenottenstadt von etwa 500 Patienten jährlich in Anspruch genommen wird.

Anette Christian, Jelena Owtschinnikowa und Alexander Kirjuchin, Jürgen Binder, Christoph Ostgathe, Stephan Horn, Felix Wackerbauer, Thomas und Christiane Schöllhammer

Wichtigstes Ergebnis der Unterredung: Professor Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativklinik an der FAU, sagte zu, den Austausch mit Wladimir fortzusetzen, und Hospitationen anzubieten. Dies wird dann sicherlich auch Gelegenheit geben, mit Unterstützung von Stadträtin Anette Christian, federführend in der ambulanten Palliativversorgung tätig, die häusliche Pflege in Wladimir besser zu organisieren.

Christoph Ostgathe mit seinen Wladimirer Kolleginnen auf der Palliativstation

Siehe hierzu auch: https://is.gd/xLCt8G

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In den Osterferien war nicht nur die DLRG-Jugendgruppe in Wladimir. Auch zwei Ärzte, Jürgen Binder und Walter Otto, besuchten die Partnerstadt, begleitet von einer Gruppe der Waldorfschule, die noch einen Bericht für den Blog zugesagt hat. Was die beiden Mediziner erlebt haben, resümiert Jürgen Binder: 

Jürgen Binder, Jewgenij Jaskin und Walter Otto

Jürgen Binder, Jewgenij Jaskin und Walter Otto

Unsere Reise diente neben dem touristischen Programm einschließlich einer Tagesfahrt mit dem Sapsan nach Moskau der weiteren Vertiefung der Kontakte mit Kollegen insbesondere aus dem Rot-Kreuz-Krankenhaus. Dort konnten wir auch die aus dem Bettenhaus der Erlanger Uni-Chirurgie gespendeten Bettgestelle besichtigen, die aufgrund des geplanten Abrisses hier zur Verfügung stehen. Der ärztliche Direktor, Jewgenij Jaskin, Personal und Patienten zeigten sich sehr zufrieden und dankbar für diese Verbesserung bei der stationären Behandlung, wenn auch noch nicht alle fast 150 Betten ihren Weg nach Wladimir gefunden haben. Dem Freundeskreis Erlangen-Wladimir sei nochmals Dank für die Hilfe bei der Verladung auf die Transport-Lkws gesagt.

Die Betten aus Erlangen in Wladimir

Die Betten aus Erlangen in Wladimir

Darüber hinaus fand ein Treffen mit Alexander Kirjuchin, dem Gesundheitsreferenten des Gouvernements, statt. Die Gesprächsatmosphäre war sehr aufgeschlossen und freundschaftlich, und so konnten wir Austauschmöglichkeiten für Klinikärzte, aber auch Medizinstudenten, ins Auge fassen. Außerdem besteht hohes Interesse an Informationen über unsere ambulanten Organisationsstrukturen für Rehabilitations- und Palliativmedizin sowie die allgemeinmedizinische hausärztliche Versorgung. Für diese Fachgebiete besteht dringender Informationsaustausch aufgrund der dortigen Probleme in diesen Bereichen. Es wurde deshalb ein baldiger Informationsbesuch in Erlangen mit der ärztlichen Direktorin der Abteilung für Gesundheitswesen der Region Wladimir, Ljubow Bykowa, vereinbart.

Jewgenij Jaskin und die Betten aus Erlangen

Jewgenij Jaskin und die Betten aus Erlangen

Nebenbei fand bei einem Konzertbesuch auch ein kurzes Gespräch mit dem neuen 1. Konzertmeister der Wladimirer Philharmoniker statt, den ich schon früher als Meisterschüler der Kunst- und Musikhochschule in Wladimir kennengelernt hatte. Er kennt Erlangen von einem früheren Gastkonzert. Natürlich würde man sich freuen, wieder einmal in Erlangen spielen zu dürfen. Das Konzert selbst war ein Genuß: Es wurden die Rhapsody in Blue von George Gershwin mit der Geige als Soloinstrument und eine Symphonie von Sergej Prokofjew gegeben. Für unsere Augen auffällig war die große Anzahl von jungen Orchestermitgliedern.

Es gibt viel zu tun, packen wir`s an.

Dr. Jürgen Binder
FA für Allgemeinmedizin
Ehrenvorsitzender Verein Hausärzte Erlangen und Umgebung
Ehemaliger Sprecher der Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin an der FAU Erlangen-Nürnberg

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Die Veränderungen im Kinderkrankenhaus Wladimir sind nicht zu übersehen. Es beginnt außen mit einem geteilten Parkplatz, weil Kinderwägen nicht in die Klinik dürfen, wie ein Schild an der Eingangstür verkündet. Wobei man sich mit der Zeit auch noch eine Überdachung vorstellen könnte.

Kinderwagenparkplaty

Kinderwagenparkplatz

Das setzt sich im Gebäude fort: Alles blitzblank, die Gänge hell mit Durchbrüchen für den Weitblick, eine freundliche Atmosphäre. Alles endlich so, wie man es sich schon lange gewünscht hat. Auch die Ausstattung mit medizinischen Geräten fast schon auf dem Stand der Erlanger Kollegen, natürlich auch und gerade dank der Unterstützung aus der deutschen Partnerstadt.

Mutter-Kind-Zimmer

Mutter-Kind-Zimmer

Diese Unterstützung hat sich in den letzten Jahren besonders auf ein gynäkologisches Behandlungszimmer für Mädchen und die Krebsstation konzentriert. Mit Spenden aus Erlangen wurden Möbel und Haushaltsgeräte angeschafft, die es den Eltern angenehmer machen, über Tage und Wochen bei ihren kranken Kindern zu bleiben.

Elternschränke

Elternschränke

Betten, Schränke, Waschmaschinen… Anschaffungen aus Erlanger Spendenmitteln zuhauf. Nur noch etwas mehr Platz könnte sein, aber das gibt der in den 70er Jahren erbaute Trakt nicht her. Und überhaupt setzt man ja nun auf die Erfahrung der Freunde aus Erlangen, die gerade für unheilbar an Krebs erkrankte Kinder die ambulante Palliativmedizin zu Hause in der Familie bevorzugen.

Waschsalon

Waschsalon

Operiert werden die kleinen Krebs-Patienten aus der ganzen Region zumeist in Moskau. In Wladimir folgen dann die Chemo-Therapie und die Nachsorge auf der Station mit zwölf Betten. Nach den internationalen Protokollen, deren Anwendung man in Erlangen studieren konnte.

Wandteppich aus Erlangen im Wladimirer Kinderkrankenhaus

Wandteppich aus Erlangen im Wladimirer Kinderkrankenhaus

Auch dieses Mal – das gehört zu jedem Besuch im Kinderkrankenhaus seit 1990 – bekommt die Klinikleiterin, Swetlana Makarowa, wieder Spenden aus Erlangen überreicht. 1.000 Euro von Soroptimist Internation für Liegen auf der Intensivstation, damit Eltern dort auch länger bei ihren Kindern bleiben können, und weitere 640 Euro von Erlanger Familien für letzte Anschaffungen auf der Krebsstation, die damit als vollständig ausgestattet betrachtet werden kann. Wieder ein Projekt erfolgreich abgeschlossen.

Nadeschda Sergejewa

Nadeschda Sergejewa

Ein neues Kapitel in der deutsch-russischen Zusammenarbeit der Mediziner will Nadeschda Sergejewa aufschlagen, die gerne das Angebot des Erlanger Pflegedirektors, Reiner Schrüfer, zu einem Austausch annimmt. Seit 33 Jahren schon ist sie am Kinderkrankenhaus tätig und hat allein hier 600 Krankenschwestern unter sich. Hinzu kommen die Kolleginnen aus den anderen Kliniken der Stadt. Genug jedenfalls, um gleich mehrere Auditorien zu füllen, wenn der Fachmann aus Erlangen nach Wladimir kommt, um die Ausbildung und Zuständigkeit des Pflegepersonals in Deutschland vorzustellen.

Alexander Kirjuchin und sein Team

Alexander Kirjuchin und sein Team

Bei den so vielfältigen Medizinkontakten zwischen den Partnerstädten liegt es auf der Hand, schon im Vorfeld der geplanten Zusammenarbeit auf Ebene der Metropolregion Nürnberg mit dem Gouvernement Wladimir auch die Leitung des Referats für Gesundheit einzubeziehen. Die Anregung nimmt Alexander Kirjuchin, seit einem Jahr im Amt des „Gesundheitsministers“ der Region Wladimir, gerne auf, zumal der Facharzt für Kardiologie und Pneumologie und langjährige Leiter des Wladimirer Landeskrankenhauses, schon vielfach Kontakt zu Kollegen aus Erlangen hatte und die Ergebnisse der medizinischen Zusammenarbeit mit den Deutschen zu schätzen weiß. Nun will er mit seinem Team festlegen, welche Strategien sinnvoll sein könnten, um im Rahmen der regionalen Kooperation das Gesundheitswesen des gesamten Gouvernements zu verbessern. Erste Überlegungen gehen in Richtung Herz- und Gefäßerkrankungen und den Bereich der Rehabilitation von Patienten nach größeren Eingriffen. Und dann ist da auch noch das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik, Blaue Himmel, für dessen Weiterentwicklung Alexander Kirjuchin nachgerade eine moralische Verpflichtung angesichts der Unterstützung aus Erlangen empfindet.

Vorbereitung auf den Auftritt im Euro-Klub

Vorbereitung auf den Auftritt im Euro-Klub

Auch wenn die Medizinkontakte den Tagesablauf bestimmten, gab es natürlich auch Gespräche und Begegnungen zu anderen Themen: Zuvorderst zu Fragen des Jugendaustausches. Drei Steinwürfe und ein paar Schritte vom Erlangen-Haus entfernt hat der Euro-Klub sein Quartier, wo sich Gruppen abends zu ganz unterschiedlichen Themen treffen.

Gesangseinlage der Jungs im Euro-Klub

Gesangseinlage der Jungs im Euro-Klub mit Dominik Steger rechts im Bild

Gestern füllten russische und europäische Feste und Feiertage das Programm. Naheliegend, denn morgen steht der Internationale Frauentag im Kalender. Deutschland ist, was diesen Tag angeht, noch immer geteilt. Im Osten dürfen sich die Frauen nach wie vor auf besondere Aufmerksamkeit und Blumen freuen, im Westen könnten die Floristen ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Für russische Männer ist es eine Selbstverständlichkeit, an diesem Tag ihre Damen auf Rosen und Nelken zu betten. Die Frauen machen sich sogar gegenseitig Geschenke und gratulieren einander. So beliebt ist der Feiertag, daß er am Montag nachgeholt wird. Möglich dank einer Regelung, die vorsieht, daß gesetzliche Feiertage, so sie denn auf das Wochenende fallen, zu Wochenbeginn den Arbeitnehmern einen weiteren arbeitsfreien Tag bescheren. Deutsche Arbeitgeber werden sich darüber freuen, daß den Gewerkschaften dies noch nicht bekannt zu sein scheint.

Jena und Bayern

Jena und Bayern

Etwa einhundert Schüler und Studenten gehören zum Euro-Klub, der alle möglichen Arbeitskreise anbietet von Ökologie bis zu Landeskunde, von Geschichte bis zu Politik. Und immer wieder Reisen in die europäischen Nachbarländer. Jena ist seit Jahren ein steter Partner der Jugendorganisation. Doch nun soll – nach dem Besuch einer 40köpfigen Gruppe Anfang Januar – auch in Erlangen diese Verbindung gestärkt werden. Schon in den nächsten Wochen kommt eine Gruppe nach Thüringen und will wieder einen Abstecher nach Franken machen.

Schminkwettbewerb

Schminkwettbewerb links im Bild

Natürlich läßt sich der Krim-Konflikt auch an diesem Tag nicht ausblenden. Im Gegenteil: Die Nachrichtenagentur Itar-Tass ruft im Erlangen-Haus an, gleich zwei TV-Sender kommen zum Interview vorbei. Und immer wieder die Frage: „Wie wird sich Erlangen verhalten, wenn es zu Sanktionen gegen Rußland kommen sollte? Werden die Kontakte abgebrochen? Wie sieht man die Ereignisse in Erlangen?“

Gruppenphoto im Euro-Klub

Gruppenphoto im Euro-Klub

Im Bewußtsein der Wladimirer, das muß man wissen, ist die Reaktion der französichen Partnerstadt Saintes auf den Tschetschenienkrieg: In einem Schreiben an den seinerzeitigen Oberbürgermeister Igor Schamow wurde damals die Freundschaft offiziell aufgekündigt. Seither gibt es nur noch sporadische Kontakte zwischen Künstlern und befreundeten Familien. In Erlangen hingegen stand der Kontakt zu Wladimir schon von Beginn an unter belastenden Vorzeichen. Vor allem das Gefängnis, in dem in den 80er Jahren noch Dissidenten einsaßen, erschien vielen als Hindernis für eine Städtepartnerschaft. Dietmar Hahlwegs, damals Oberbürgermeister, überzeugende Reaktion darauf: „Wir wollen die Freundschaft und Begegnung mit den Menschen vor Ort. Über das Gefängnis entscheidet nicht Wladimir, das tut Moskau.“ Was für den vorausschauenden Begründer der Partnerschaft gegolten hat, gilt sicher auch für seinen umsichtigen Nachfolger, Siegfried Balleis, der auch angesichts der Krim-Krise weiß, was Erlangen an dieser Bürgerpartnerschaft hat. Die Volksdiplomatie wird deshalb sicher weiterhin intensiv betrieben, zumindest solang nicht in der „großen Politik“ alle Sicherungen durchbrennen.

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