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Posts Tagged ‘Alexander Herzen’


Wladimir verlor nach dem Mongolensturm und dem Aufstieg Moskaus nicht nur seine Bedeutung als Hauptstadt der vorzaristischen Rus und Sitz des Patriarchen, sondern verschwand regelrecht in der provinziellen Bedeutungslosigkeit. Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte die Partnerstadt nach allgemeinem Dafürhalten erst wieder mit Alexander Herzen, der 1838 als Verbannter die Erlaubnis erhielt sich in Wladimir niederzulassen, wo er heiratete, Vater eines Sohnes wurde und die Lokalzeitung leitete. Kurz darauf zog der Publizist schon wieder weiter nach Moskau und überließ Wladimir wieder der Bedeutungslosigkeit, wie der Politologe Roman Jewstifejew meint.

Doch der Dozent an der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft läßt sich gern eines Besseren belehren. Das Buch der amerikanischen Historikerin Susan Smith-Peter „Imagining Russian Regions, Subnational Identity and Civil Society in Nineteenth-Century Russia“, erschienen 2018, nämlich bezeugt ein Wladimir auch ohne Alexander Herzen mit dem Bild auf dem Umschlag „Wladimir an der Kljasma“ von Andrej Martynow aus dem Buch „Eine Reise in Gemälden von Moskau bis zur chinesischen Grenze. Sankt Petersburg, 1819“, entstanden also vor genau 200 Jahren.

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Was wurde nicht alles wider die Versuche der Europäischen Union geschrieben und gesagt, den Urheberschutz im Internet zu stärken! Vom Ende der Freiheit im Netz ging die Rede, es drohe eine nur noch gefiltert wahrnehmbare virtuelle Wirklichkeit. Keine Sorge, der Blog bleibt für Sie weiterhin frei zugänglich, die Plattform versteht sich weiterhin als offene Quelle, zumal hier ja bei all den Gastbeiträgen nicht immer die Meinung der Redaktion zum Audruck kommt.

Eine kleine, für Sie hoffentlich verschmerzbare Änderung bringt die Richtlinie, wenn sie denn in der gegenwärtigen Fassung vom EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten so angenommen werden sollte. Nicht-kommerzielle Anbieter wie etwa Online-Enzyklopädien oder Open-Source-Software-Plattformen oder eben auch Ihr Blog sind außen vor. Zudem sollen kleine und junge Anbieter von den Regelungen ausgenommen werden: Plattformen, die weniger als zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr machen und weniger als fünf Millionen Nutzer im Monat haben – alles Parameter, die der Wladimir-Blog noch erfüllt – unterliegen nicht den neuen Regeln. Im Kleingedruckten freilich findet sich ein wichtiger Hinweis, der auch für die Nutzer dieses Mediums gilt. Es sollen nämlich nicht nur die Urheberrechte geschützt werden, sondern man will auch die Witwen und Waisen von verarmt und vergrämt im ehrenamtlichen Dienst an der Allgemeinheit verblichenen Blog-Redakteuren gegen die Unzumutbarkeiten eines Lebens im materiellen Elend absichern. Ein Ziel, dem sich wohl niemand edlen Gemütes entziehen möchte. Sie erhalten deshalb ab morgen mit dem Zugriff auf den Blog die Aufforderung, einen automatisch nach Ihrem Nutzerverhalten errechneten Jahresbeitrag zur WWBK (Witwen und Waisen der Blogger-Kasse) zu entrichten. Nach Eingang Ihrer Überweisung werden Sie umgehend wieder für den Blog freigeschaltet. Schauen Sie morgen einfach wieder vorbei, Sie werden dann schon sehen. Im Namen der Witwen und Waisen sagt die Redaktion aber schon heute herzlich danke für Ihre Unterstützung. Denn: kein schwarzer Tag für den Blog, sondern eine lichte Zukunft für die Hinterbliebenen.

Einstweilen halten wir uns an ein Bonmot des Publizisten, Philosophen und Schriftstellers Alexander Herzen, der mehr als zwei Jahre in Wladimir lebte: „Wollten die Menschen, statt die Welt zu retten, sich selber retten; statt die Menschheit befreien, sich selber befreien, – wieviel würden sie da zur Rettung der Welt und zur Befreiung der Menschheit beitragen!“

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Alexander Solschenizyn

In Gus-Chrustalnyj, 70 km östlich von Wladimir, will die Stadtverwaltung ein Museum einrichten, gewidmet dem Nobel-Preisträger Alexander Solschenizyn. Gezeigt werden soll dort der Archivschatz der ersten Frau des Schriftstellers, Natalia Reschetowskaja, mit Zeugnissen aus seiner Zeit in der Region Wladimir. Vorgesehen sind eine Bibliothek und ein Infozentrum mit Dokumenten, Photographien, persönlichen Dingen und Büchern des 2008 verstorbenen Autors, der nach langen Jahren des Exils in den USA seine letzte Schaffensperiode im postkommunistischen Rußland erlebte. Eröffnet werden soll das Alexander-Solschenizyn-Haus bereits im nächsten Jahr, zum 95. Geburtstag des Verfassers der epochalen Werke Ein Tag Tag im Leben des Iwan Denissowitsch, des Archipel Gulag oder der Krebsstation., der seine Zeit als Physiklehrer Mitte der 50er Jahre in der Wladimirer Provinz der berühmten Erzählung Matrjonas Hof unterlegt hat.

Sowjetische Briefmarke zum 150. Geburtstag von Alexander Herzen

Bleiben wir noch kurz bei der Literatur. In Rußland begeht man 2012 den 200. Geburtstag des Philosophen und Schriftstellers, Alexander Herzen, der seinen deutschen Namen seiner aus Stuttgart stammenden Mutter verdankt, die den unehelichen Sohn ein Kind des Herzens nannte. Eine Herzensangelegenheit verbindet den großen Denker des 19. Jahrhunderts übrigens auch mit Wladimir: Hierher entführte er seine Braut aus Moskau, um sie in der leider von den Sowjets zerstörten protestantischen Kirche zu heiraten. Hierher wurde er aber auch wegen seiner Oppositionstätigkeit gegen den Zaren zwei Jahre – von 1838 bis 1840 – verbannt, um schon knappe zehn Jahre später, als Impetus und Einheit der Andersdenkenden verlorengingen, ohne je in seine Heimat zurückzukehren nach Westeuropa zu emigrieren, . Von da, genauer aus der Schweiz, sind nun einige seiner Nachkommen, darunter eine Ururenkelin, in Erlangens Partnerstadt zur Eröffnung einer Ausstellung gekommen, die besonders der Wladimirer Schaffensperiode, aber auch Originalausgaben aus London und Genf des großen Vorfahren gewidmet ist.

Es lohnt sich eben, auch auf der Reise durch die russische Literatur- und Geistesgeschichte einen Halt in Wladimir einzulegen, die so geprägt ist von Verbannung und Exil wie kaum eine andere in Europa.

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