Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘17. Winterwaldlauf Brucker Lache’


Nach einem Jahr Pause konnte ich heuer endlich wieder die lieben Sportfreunde aus Wladimir zum Winterwaldlauf begrüßen und mit ihnen einen Tag vor dem Wettkampf die Strecke ablaufen. Das interessierte auch besonders die Neulinge unter ihnen, wie Wlad, Natalia und Anna. Wlad meinte nach 1,5 km: „Can we run faster?“ „No problem!“ erwiderte ich und zog an. Flotter mittlerer Dauerlauf, auch Olga blieb erstaunlicherweise in unserer Dreiergruppe und redete einfach weiter. Wlads Englisch war gut verständlich, obwohl nicht perfekt. Wir haben uns sofort verstanden, wie früher bei Dmitrij und Alexej anno 1992. Und ich spürte mit meinem Trainerinstinkt auch jetzt wieder bei unserer Unterhaltung den Ehrgeiz des Gastes: Er wollte die 15 km einfach sehr gut finishen. „How fast do you want to go?“ – „About 51 minutes.“ Das könnte schon zum Sieg reichen, dachte ich, denn die guten bayerischen Läufer sind alle in einer Woche bei der BLV-10-km-Meisterschaft in Neuhaus. Nachher machte er eindrucksvoll noch schnelle Steigerungen und Lauf-ABC mit seinen lange Beinen, und sein Haarzöpfchen stand dabei waagerecht im Laufwind. Die Lasagne meiner Ehefrau Manuela schmeckte uns allen danach prima. Sie hatte sich wieder reingehängt als aufmerksame Gastgeberin: Obst, Kuchen und … Doch ich mußte dann mal kurz weg zu Eisert, Drucksachen für die Teilnehmer hinbringen, die sich tags zuvor ihre Unterlagen abholen wollten. Schnell reingeradelt, aber doch nicht gleich wieder zurück, da trotz Zusage eine Helferin nicht kam und sich eine Lücke auftat, die ich schloß. Später waren Olga, Wlad, Wiktor und die anderen auch im Eisert – klar, daß ich mich um sie kümmerte. Manuela hatte sie nacheinander hinkutschiert.  Man hatte mich sowieso bei Eisert gebraucht, wie immer.

17. Winterwaldlauf Erlangen 25.03.2017, Siegerinterview: Wlad Demjanow und John Stackmann, Photo: Stefan Schöner

Denn schon die Anmeldezahlen (insgesamt 1660) waren so hoch wie nie zuvor. Am sonnigen Wettkampftag und tags zuvor gab es auch noch viele Nachmeldungen, zudem waren mehr als 120 Walker durch den Wald marschiert, so viele wie noch nie. Ganz abgetrocknet war die Strecke noch nicht gewesen von den kürzlichen Niederschlägen. Besonders im Startbereich gab es einiges an Schlamm und Pfützen. Also bin ich nach der Vorab-Startnummernausgabe bei Eisert noch los, um mit den Holzraspeln der KITA Mooswichtel e.V. die Piste nach dem Start zu verputzen. Die Frühlingssonne am nächsten Morgen stimulierte enorm, obwohl anfangs ein kalter Ostwind aufkam. Aber im Wald war der kaum zu spüren, und bei den Starts der Kleinsten ganz vergangen. Voll motiviert sprinteten schon die dann los (hinter mir her) mit ihren instruierten Eltern. Sie bauten zwar schnell ab, aber die Anfeuerungen der Eltern und deren Ziehkraft rissen sie weiter nach vorne. Ein ähnlicher Startsprint bei den zwei Tausendmeterläufen, aber mit nur wenigen Erwachsenen. Diesmal kam glücklicherweise trotzdem kein Kind zu Fall, denn ich hatte eindringlich auf Fairplay hingewiesen. Genau so wollte ich es haben.

17. Winterwaldlauf Erlangen 25.03.2017, Bambini-Lauf mit John Stackmann, Photo: Stefan Schöner

Der große Platz füllte sich immer mehr, der 15er-Hauptlauf stand bevor. Noch Siegerehrungen durchführen, den Johnny-Pokal übergeben, Ankündigungen, Hinweise nach kleine Zwischenfragen, Redemanuskript, Begrüßungen und gute Stimmung im heiteren Sonnenschein des Vorfrühlings. Pünktlich um 13 Uhr durften die gut 300 erwachsenen und 30 jugendlichen Läufer losrennen. Wlad und unser Felix nach einer Runde voran, Favorit Jürgen schon deutlich dahinter, bevor das restliche Feld kam. Nach zwei Runden Wlad dann alleine in der Spitzenposition nach seiner deutlichen Temposteigerung kurz zuvor. Das sah recht locker und souverän aus. Und so gewann Wlad Demjanow auch überlegen, die erste Überraschung des Tages! 51 Minuten und 10 Sekunden. Nach der Frauensiegerin, Angela Kühnlein, lief schon Olga Sagitowa als achte Frau ins Ziel, klar an der Spitze der W55. Auch Wiktor Winogradow überzeugte als Sieger der M70. Drei erste Plätze für Wladimir, darunter der Gesamtsieger. Ebenfalls drei erste Klassen-Plätze und den zweiten gesamt stellte die LG Erlangen.

17. Winterwaldlauf Erlangen 25.03.2017, Start 15-km-Lauf mit Wlad Demjanow, Photo: Stefan Schöner

Spannend auch das Jugendrennen: Zwei Kader-Triathletinnen gegen die Rekordhalterin Anja vom LAC. Triathletin Sofia Rubio entschied es für sich vor Anja, verfehlte aber knapp deren Rekord. Naja, sie lief ja dann noch in der LAC-Frauenstaffel mit Hannah, war da auch siegreich. Wieder viele asylsuchende Jugendliche von der Berufsschule waren dabei, sozusagen auf den letzten Drücker, und hatten ihren Spaß. Ich eilte derweil auf dem gesamten Platz umher, und neben meinen Hauptaufgaben Starts und Siegerehrungen löste ich so manches „Problemchen“, denn mit Micha moderierte auch Markus gut (ohne mich). Wieder Siegerehrungen (kleines Interview mit Wlad), die Micha wie immer sorgfältig vorbereitet hatte und zu denen Rüdiger pünktlich und schnell Listen und Urkunden lieferte. Es klappte wieder alles wie am Schnürchen, einfach professionell.

10-km-Start, Photo: Fabiana Garske

Kurz nach Hause gejoggt, kurz erholt und dann zum großen Finale: 10 km und Staffel bildeten wie üblich das größte Feld des Tages. Ob wir wohl die 500 knacken, trotz Neuhaus mit BLV-10? Zumindest waren wir knapp dran (496). (1-2-3🙂 Joseph hatte sich in alter Treue nachgemeldet, und ich habe ihn angestachelt, die 31 Min. zu unterbieten. Er drehte als erster weit vor allen anderen hinter dem Führungsfahrrad gekonnt und leicht seine zwei Runden im 3-Minuten-Tempo, sehr eindrucksvoll, Siegerzeit 30:26! Dann kam lange nichts. Erst nach drei Minuten finishte Markus klar vor Christian. Markus als aktueller LG-Starter und zwei Ex-LGler (Joseph und Christian) standen zusammen auf dem Podium. Treppenlauf-Europameister Christian Riedl war nicht undankbarer Vierter, denn er war hinter Markus zweiter der Siemens-Wertung vor meinem italienischen Freund Luigi. Ursula Schürle ließ sich diesmal den 10-km-Sieg nicht nehmen, lag aber deutlich hinter der siegreichen jugendlichen LAC-Frauenstaffel. Die zwei schnellsten Staffeln waren gemischte aus Forchheim und die von der LG Erlangen, wobei die Erlanger gegen die Gundermanns keine Chance hatten. Gesamtplatz 2 und zwei erste Plätze für die LG Erlangen und den zweiten Staffel-Rang des Mix-Teams gab es über 10 km, Wladimir überzeugte vor allem mit der bemerkenswerten Leistung des verletzt an den Start gegangenen Alexej Butakow, der vor wenigen Tagen erst seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte und mit 54 Minuten und 39 Sekunden auf den zweiten Platz der M70 lief.

Der Freundschaftspokal: Chankischi Emirgamsajew, Wlad Demjanow, John Stackmann, Wiktor Winogradow, Olga Sagitowa, Manuela Stackmann, Sofia Prutnikowa und sitzend Natalia Krutskich und Alexej Butakow

Aber das ist ja auch nicht so wichtig, denn den Freundschaftspokal hatten sie sicher. Und der wurde am nächsten Abend beim Abschiedsessen stimmungsvoll überreicht und mit Reden, die Peter übersetzte, und kleinen Geschenken unterfüttert. Und sie überreichten mir im Gegenzug den Läuferpokal von Laufklub Bodrost Wladimir. Eine Runde mit glänzenden, freudestrahlenden Gesichtern unter Freunden: Was gibt es Schöneres! Beim Betrachten der über 1.100 Bilder, von den Siemens-Photographen mit ihrem Gespür und Können aufgenommen, kommen mir am Tag darauf die Tränen.

Bodrost Kernteam

Das Kernteam mit John Stackmann

Welch eine schöne Veranstaltung hatten wir doch, das Orga-Team und die vielen Helfer, wieder auf die Beine gestellt und damit den über 1.430 Finishern welch eine Freude bereitet. Wie lange werde ich noch die Kraft dafür haben, obwohl mich mein Orga-Team aus fünf Freunden und am Veranstaltungstag bis zu 80 Helfer so gekonnt und freundlich unterstützen? Die Kraft, zu der Freude und Freundschaft so wesentlich beitragen. Kraft, die nicht nur in den Beinen steckt, die aber gefordert sein wird, wenn ich nachher mit Olga und Wlad trainiere. Kraft, die auch Manuela demonstriert, die schon den ganzen Tag nach dem Einkauf am Herd steht, um bei unserem Grillen für den Abendschiedsabend wieder für glänzende Gesichter zu sorgen. Natürlich, Freude und Freundschaft stecken einfach an.

John Stackmann

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: