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Ring frei für Runde 5


So jung dieser Austausch noch ist, so schwer ist es, schon zu zählen, zu wie vielen Kämpfen Mann gegen Mann es im Ring zwischen Erlangen und Wladimir gekommen ist. Sagen läßt sich aber immerhin, daß die Boxer der Partnerstädte auf Inititiative von Sergej Schtschedrin, Geschäftsführer des Verbands der Faustkämpfer der Region Wladimir, seit dem Frühjahr 2014 ihre Wettkämpfe miteinander austragen, deren drei bereits in Franken, zwei am Goldenen Ring.

Boxstaffel 21

Vereint im Ring, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Während am letzten Novemberwochenende die Schwimmschule Wladimir in Erlangen beim Röthelheim-Pokal antrat, schwang eine elfköpfige Boxstaffel unter Leitung von Igor Krotter vom TV 1848 bei zwei Turnieren, eines in Kowrow, das andere in der Partnerstadt, die Fäuste und absolvierte damit bereits die fünfte deutsch-russische Begegnung im Ring.

Igor Krotter weiß, wie man Boxer motiviert

Im Februar 2015 hatte der auch für Bad Windsheim agierende Trainer bereits eine dreiköpfige Mannschaft nach Wladimir gebracht und war so begeistert von der Aufnahme und der Stimmung dort, daß er nun erneut ein Team mit elf Sportlern unterschiedlicher Alters- und Gewichtsklassen aus ganz Deutschland – von Franken bis Nordrhein-Westfalen -, zwei Trainern und zwei Kampfrichtern zusammenstellte und begleitete, was der Coach nicht bereuen sollte:

Die Zusammenarbeit mit den Städten Erlangen und Wladimir läuft hervorragend, wir hatten super schöne vier Tage mit spannenden, verletzungsfreien Kämpfen, einem tollen Publikum und einem freundschaftlichen Gastgeber. Nächstes Jahr planen wir erneut im Juni/Juli im Rahmen der Fußball-WM ein Internationales Boxturnier in Wladimir.

Faires Boxen

Auch Sergej Schtschedrin, dem überdies die Bilder zu verdanken sind, zeigt sich zufrieden und schreibt nach Erlangen:

Alles lief bestens. Beim ersten Wettkampf gewannen wir mit 6 zu 5; beim zweiten Turnier verletzten sich dann doch zwei deutsche Boxer leicht, weshalb es nur zu neun Duellen kam, die Wladimir deutlich mit 7 zu 2 für sich entschied.

Boxstaffel 24

Au, Backe!

 

Wie zum Ausgleich wurde Deniel Krotter, der für Bad Windsheim kämpft, als bester Boxer des Turniers ausgezeichnet. Auch er selbst sparte freilich nicht mit Lob für die Gastgeber:

Das Turnier war echt klasse. Man sieht, die Leute verstehen etwas vom Boxen, lieben diesen Sport. Es war einfach klasse. Gute Kämpfe. Die Organisation war in Ordnung. Alles ausgezeichnet.

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Linke Gerade

 

Alles nachzusehen und nachzuhören unter: https://is.gd/Klx81p


Die Mischung macht es, meisterhaft zusammengestellt und mit viel russischer Seele interpretiert, was dem 1992 von Igor Besotosnyj in Wladimir gegründeten Kammerensemble den fortwährenden Erfolg beschert, besonders seit ab 2009 Dorothee Lotsch einen Teil der Konzerte in Süddeutschland organisiert und teilweise sogar selbst als Sängerin mitwirkt. Bald ist die Gruppe nun wieder auf Tournee und natürlich auch in Erlangen und Umgebung zu erleben, allerdings nur als Trio, bestehend aus Igor Besotosnyj (Balalaika), Olga Besotosnaja (Domra) und Alexander Schaposchnikow (Bajan), denn Swetlana Besotosnaja (Geige) ist in anderen Umständen.

Olga Besotosnaja, Igor Besotosnyj und Alexander Schaposchnikow

Man darf gespannt sein, mit welchem neuen Potpurrie das Ensemble aus Wladimir im eigenen Tourbus anreist, welche Stücke aus der russischen und westeuropäischen Klassik, der geistlichen Musik sowie der slawischen Folklore das Instrumentalterzett aufführt, vor allem aber darf man sich freuen auf ebenso virtuose wie stimmungsvolle Konzerte dieser musikalischen Botschafter der Partnerstadt. Der Auftakt erklingt am Montag, den 11. Dezember, um 19.00 Uhr in der „Scheune“ der WAB-Kosbach in Häusling, Haundorfer Str. 32, Erlangen. Weiter geht es dann am Dienstag, den 12. Dezember, um 19.00 Uhr in der AWO / WAB, Fabrikstraße 1a, Adelsdorf; am Mittwoch, den 13. Dezember, um 19.00 Uhr in der m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn, Wörnerweg 30; am Donnerstag, den 14. Dezember, um 19.00 Uhr im Klinikum Penzberg, Am Schloßbichl 7; am Freitag, den 15. Dezember, um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum St. Xystus, Kolpingweg 16, Erlangen; am Samstag, den 16. Dezember, um 14.00 Uhr in der Kirche „Zur Heiligen Familie“ / Barmherzige Brüder, Eustachius-Kugler-Straße 1, Gremsdorf und am gleichen Tag um 19.00 Uhr im Klinikum Starnberg, Oßwaldstr. 1. Die Gastspielreise klingt aus am Sonntag, den 17. Dezember, um 14.00 Uhr auf der Waldweihnacht in Erlangen, Schloßplatz, und um 19.00 Uhr in der m&i-Fachklinik Herzogenaurach, In der Reuth 1. Überall bei freiem Eintritt mit der Bitte um Spenden.


Ritte der Jäger aus Kurpfalz heute durch den grünen Wald der Wladimirer Lande, dürfte er seine Flinte längst nicht mehr auf jedes Wild richten. Nicht nur Bär und Luchs sind geschützt, auch eine lange Liste von Vögeln wie der Schreiadler oder der Kranich. Auf dem Index steht nun seit Ende November weiteres Federvieh, auf das der Weidmann ab sofort nicht mehr anlegen darf.

Zwergschnepfe

Dazu gehören jetzt auch die Turteltaube und der Regenbrachvogel. Die beiden Arten finden sich zwar noch nicht im Roten Buch wieder, aber der Wladimirer Gesetzgeber will es erst gar nicht so weit kommen lassen. Gleiches gilt für die Zwergschnepfe, die Pfeif- und Spießente sowie für den Zwergsäger.

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Zwergsäger

Daß Schutzmaßnahmen durchaus greifen, kann man übrigens am Bestand der Kraniche ablesen, der in den Kljasma-Auen mittlerweile auf stolze 3.000 Exemplare angewachsen ist. Es gibt also Hoffnung, daß man in der Region Wladimir auch weiterhin Lebensräume und Arten schützt, bevor sie mit ihrer Vielfalt und Schönheit verschwunden sind.


Das „Handelsblatt“ titelte zum gestrigen Welt-Aids-Tag, die HIV-Erkrankung sei in Rußland noch immer ein Tabuthema. Auch andere deutsche Nachrichtenmagazine und Zeitungen stoßen in dieses Horn. Verfolgt man freilich die Medien in Wladimir, gewinnt man einen ganz anderen Eindruck. Da nämlich berichtet etwa der staatliche Sender „Gubernia 33“ von einer Pressekonferenz und widmet der modernen Pestilenz und ihrer lokalen wie überregionalen Wirkung folgenden Beitrag. 

Der 1. Dezember wird weltweit als Tag des Kampfes gegen Aids begangen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden in Rußland stündlich zehn neue Fälle einer Infizierung mit dem Immundefizitvirus registriert. In der Region Wladimir leben allein nach offiziellen Angaben 4.000 Menschen mit dieser Diagnose. Diese Menschen arbeiten, nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel, leben möglicherweise Tür an Tür mit anderen. Wie würde da ein gesunder Mensch reagieren, wenn er neben jemandem studierte oder arbeitete, der das HIV-Virus in sich trägt? Diese Frage stellten wir einigen Wladimirern.

Ich würde wahrscheinlich gar nicht groß reagieren, denn, wie alle wissen, wird HIV nicht über die Atemluft als Tröpfcheninfektion übertragen. Das sind ganz gewöhnliche Menschen wie du und ich. – Sollte man sich öfter testen lassen? – Ja, das denke ich schon.

Kristina Knjasjewa

Ich brächte Verständnis für ihn auf. Und natürlich würde ich möglicherweise jede Art von Hilfe leisten, materielle wie spirituelle.

Daniil Dorogow

Ich verhielte mich ihm gegenüber nicht anders als zu anderen Leuten. Sie unterscheiden sich ja eigentlich durch nichts von normalen, gesunden Menschen.

Neman Galandarow

Allein in diesem Jahr registrierte man in unserer Region 556 neue Fälle einer HIV-Infizierung. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 14%. Im „Regionalen Zentrum für den Kampf gegen Aids“ kommt man zu dem Ergebnis, daß diese Diagnose zumeist Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren trifft.

Um die Zahl von neuen Ansteckungen zu verringern, sollte natürlich jeder von seiner HIV-Infizierung wissen, um dann auch sein Verhalten zu ändern. Genau damit aber haben wir ein großes Problem. Die Erkrankung hat ja eine sehr lange symptomfreie Inkubationszeit. Wer also gar nichts von seinem Zustand weiß, wird zur Quelle von Ansteckungen für seine nähere Umgebung.

Tatjana Samkowaja, Leiterin des „Regionalen Zentrums für den Kampf gegen Aids“

Die Fachleute weisen auf einen wachsenden Anteil von Frauen bei den Aids-Infizierten hin. Dabei können HIV-Trägerinnen durchaus ein völlig gesundes Kind zur Welt bringen. Die Chancen erhöhen sich, wenn sich die werdende Mutter genau an die ärztlichen Empfehlungen hält. Dennoch werden in unserer Region jährlich bis zu 100 mit HIV infizierte Kinder geboren.

Von allen in unserem Perinatalen Zentrum geborenen Kindern tragen ungefähr 20% das HIV-Virus in sich, weil die meisten Mütter hier zu Risikogruppen gehören. Wir nehmen hier aus der ganzen Region die Frauen aus Risikogruppen auf, wenn eine perinatale Pathologie vorliegt. Das können Frühgeburten sein, Kinder und Frauen mit bestimmten Pathologien. Deshalb die hohe Zahl von HIV-Infektionen bei uns. Weder eine negative Einstellung noch Vernachlässigung gegenüber diesen Frauen kann und darf seitens des medizinischen Personals oder sonst jemandem vorkommen.

Nadeschda Tumanowa, ärztliche Direktorin des Regionalen Perinatalen Zentrums

Der Befund einer HIV-Infizierung stellt das Leben eines Menschen auf den Kopf. Im „Regionalen Zentrum für den Kampf gegen Aids“ heißt es, eine Diagnose könne sich nicht bestätigen. Jeder Patient erhalte neben der medizinischen Hilfe auch psychologische Betreuung.

Neben der ärztlichen Behandlung ist auch die psychologische Begleitung für das Weiterleben notwendig. So ein Mensch befindet sich in einem depressiven Zustand, er weiß nicht, was tun, wie weiterleben. Und in diesem Moment, wo der Mensch dies akzeptiert, spreche ich immer von dem wunderbaren Satz, der da lautet: „Wenn neben dir ein Mensch ist, der dich zu 100% so akzeptiert, wie du bist, hat die Therapie schon ein wenig begonnen.

Alla Nikolajewa, Psychologin

Nach Aussage von Fachleuten hat sich die Hälfte der Bevölkerung des Landes noch nie auf HIV testen lassen. Es wird ärztlicherseits dringend geraten, genau dies zu tun. Möglich ist das in jeder Poliklinik.

Tabus werden wohl anders definiert. Darüber sollte man beim „Handelsblatt“ (siehe: https://is.gd/XUabxw) und in anderen Redaktionsstuben einmal nachdenken und erst den Bericht aus Wladimir (hier im Original: https://is.gd/TuL2Bf) zur Kenntnis nehmen, bevor man zur Feder greift.


Die Geschichte, die heute erzählt werden will, beginnt Anfang der 90er Jahre, als sich in Nördlingen, angeregt von den Aktionen Rothenburgs in Susdal, eine Initiative mit dem Ziel gründete, in Jurjew-Polskij, etwa 70 km nordwestlich von Wladimir gelegen, humanitäre Hilfe zu leisten, ganz konkret, von Mensch zu Mensch, von Familie zu Familie. Von den Behörden ließ man sich eine Liste bedürftiger Personen geben und immer im Januar besuchte dann über Jahre hinweg eine Bürgergruppe aus dem schwäbischen Bayern die 1152 von Jurij Dolgorukij, dem Gründer von Moskau, erbaute einstige Fürstenresidenz und verteilte Pakete mit vor Ort gekauften Hilfsgütern, die einen Gruß des Absenders enthielten, um der Sache die Anonymität zu nehmen. Diese Art der Hilfe, die auch in den umliegenden Dörfern geleistet und später ganz auf Geldspenden umgestellt wurde, kam gut an, und die vielen nach Nördlingen geschickten Dankesbriefe schufen ein immer engeres Netz von Freundschaften. Im Gefolge der humanitären Aktionen, unterstützt auch von der Erfahrung Erlangens, entstanden auch Verbindungen zum Roten Kreuz, zu Altenheimen und Krankenhäusern, und sogar ein Schüleraustausch kam in Gang. 1993 kam die erste Gruppe aus Jurjew-Polskij nach Nördlingen; auf Einladung von Thomas und Rosi Held auch dabei die damals fünfzehnjährige Jelena Losinskaja. Sie hatte für ihren Großvater – unter Stalin repressiert und später rehabilitiert stand er auf der Bedürftigenliste – den Dankesbrief geschrieben, und die Empfänger luden sie nun spontan ein. Die Schülerin begann, Deutsch zu lernen – übrigens auch im Erlangen-Haus -, kam wieder, die deutschen Gastgeber erwiderten die Besuche, kehrten noch mindestens sieben Mal, sogar mit den eigenen Söhnen, zurück in die Stadt am Kleinen Goldenen Ring mit 17.000 Einwohnern. Eine Freundschaft war geboren, die von Jahr zu Jahr enger wurde: Längst betrachten die Helds Jelena Losinskaja, mittlerweile selbst Mutter eines Sohnes und seit zehn Jahren in Wladimir wohnhaft, wo sie für die Moskauer Schokoladenfabrik „Krasnyj Oktjabr“ die Geldbewegungen überwacht, als ihr drittes Kind.

Thomas und Rosi Held mit Jelena Losinskaja

In den letzten Jahren reist das Ehepaar nicht mehr so viel, aber die „Adoptivtochter“ besucht die beiden ja regelmäßig. Der Austausch zwischen Nördlingen und Jurijew-Polskij hingegen ist mittlerweile zum Erliegen gekommen. Dabei sah es so vielversprechend aus: Sogar Nikolaj Winogradow, damals Gouverneur der Region Wladimir, besuchte mit einer offiziellen Delegation und Peter Steger, Erlangens Partnerschaftsbeauftragter, die ehemalige Reichsstadt, um für eine offizielle Partnerschaft zu werben, aber auf beiden Seiten wagten die Rathäuser den Sprung nicht. Ohne kommunale Strukturen und Unterstützung fehlte es auf Dauer der losen Bürgerinitiative an Kraft, viele der Aktiven wurden alt und krank, verstarben. Heute sind nur noch wenige private Freundschaften am Leben, darunter die nun schon „deutsch-russische Familie“ Held-Losinskaja, die bis heute Freud und Leid miteinander teilt und nun ein Wiedersehen in Wladimir plant. Thomas Held, der aus der humanitären Hilfe für sich den Schluß zieht, es sei schwerer zu nehmen als zu geben, meint dazu: „Nach so vielen Jahren würde es mich schon reizen, einmal wieder hinzufahren und mir Zeit zu nehmen.“ Zeit, um zu sehen, was aus den Menschen in Jurjew-Polskij geworden ist, die aus Nördlingen so viel Hilfe erfahren haben, Zeit aber auch, um zu erleben, was Jelena Losinskaja aus ihrem Leben und der schwäbischen Unterstützung gemacht hat, Zeit, um zurückzublicken auf ein gelungenes gutes Werk.


Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann


Das Jahr ist noch nicht zu Ende, aber ein erstes Fazit darf man schon ziehen und dabei auf einen besonderen Glücksfall der Zusammenarbeit im Rahmen der Städtepartnerschaft hinweisen: den Austausch des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU mit der Staatlichen Universität Wladimir. Im Ergebnis der Exkursion einer neunzehnköpfigen Gruppe aus Erlangen mit der Lehrstuhlleiterin Julia Obertreis nach Sankt Petersburg und Wladimir Ende Mai bildete sich nicht nur die Studenteninitiative „Kommunalka“, sondern die russische Seite schlägt nun auch zum Thema „Die Russische Revolution. Russische und deutsche Perspektiven.“ eine Videokonferenz vor, die am Freitag, den 8. Dezember, um 9.00 Uhr im Regionalen Rechenzentrum der FAU, Martensstraße 1 starten und bis 12.00 Uhr dauern soll. Geplant ist die Diskussion – übrigens auf Englisch und Russisch, wobei ggf. für Übersetzung gesorgt wird – als Synopsis von Publikationen und Interpretationen in beiden Ländern zum „Roten Oktober“.

Alle Macht den Räten! 1917 Beginn einer neuen Ära.

In kurzen Vorträgen, nicht länger als fünf Minuten, wollen die Studenten der Partnerstädte ein aktuelles Buch, einen Zeitungsartikel oder Film, eine Ausstellung, Konferenz oder Dokumentation zum Thema vorstellen. Einige Beiträge stehen schon fest. So wird Moritz Florin, Koordinator der Veranstaltung und Akademischer Rat am Lehrstuhl, zu der Plakatausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ sprechen, die in ganz Deutschland in Schulen und an anderen öffentlichen Orten gezeigt wurde, siehe: https://is.gd/7d5BEN. Klaus Dyroff hat eine Reihe von Zeitungsartikeln zum Thema zusammengestellt, die er allen Teilnehmern in Form eines Readers zur Verfügung stellt.

Es lebe die große sozialistische Oktoberrevolution!

Thematisiert werden können aber auch die aktuellen Fernsehdokumentationen zu dem epochalen Ereignis, etwa „Der letzte Zar“ – siehe https://is.gd/i5neff, wo unter anderem Matthias Stadelmann, Professor am Lehrstuhl von Julia Obertreis, zu sehen ist. Als Stoff bieten sich aber auch neue Bücher deutscher Historiker an, darunter Martin Aust, Gerd Koenen und Karl Schlögel. Zur Lektüre und Vorbereitung empfohlen auch „Rußland 1917“ aus der Feder des Erlanger Emeritus, Helmut Altrichter. Darüber hinaus befassen sich mit dem Jahrestag die Publikationen „100 Jahre Roter Oktober. Zur Weltgeschichte der Russischen Revolution, Berlin 2017“, die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Osteuropa“ sowie das kürzlich erschienene Heft aus der Reihe „Geo-Epoche“. Angesprochen werden können jedoch auch durchaus heikle Themen wie der Film „Mathilde“, zu dessen Resonanz in der russischen und insbesondere der Wladimirer Öffentlichkeit auch der Blog berichtete: https://is.gd/t6UFpQ

Das Land den Bauern, die Betriebe den Arbeitern! – Demonstration der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation am 7. November 2017 in Wladimir.

So frei die Wissenschaft, so offen die Teilnahme – auch ohne Immatrikulation. Wer also an der Videokonferenz – gleich ob aktiv mit einem eigenen Beitrag oder als Gasthörer – teilnehmen möchte, melde sich bei moritz.florin@fau.de an, auch um zu erfahren, in welchem Raum die Veranstaltung stattfinden wird.

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