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Zum festlichen Empfang in den Bayrischen Hof in München hatte am Mittwoch Generalkonsul Sergej Ganscha geladen, um zum einen den russischen Nationalfeiertag und zum anderen den Beginn der Fußball WM zu begehen. Die Gäste strömten noch mehr als im letzten Jahr.

Geladen war nicht nur das diplomatische Corps, sondern auch Unternehmen mit russischen Geschäftspartnern haben und Kommunen, die in Bayern Partnerschaften mit russischen Kommunen pflegen. Bei allen Unwägbarkeiten und Turbulenzen in der großen Politik wurde auch an diesem Tag mehr als deutlich, wie zahlreich die Fäden zwischen unseren beiden Ländern gewoben sind, die es wert sind, gehalten und gestärkt zu werden. Aus Geschäftspartnern sind vielfach Freunde geworden, den Städtepartnerschaften, auch der unseren mit Wladimir, entsprang so manche Ehe. Schon mit Blick auf diese Familien, die zwei Heimaten haben (in diesem Zusammenhang ist der Plural angebracht), sollte auch in Zeiten von Differenzen zwischen Regierungen die Zivilgesellschaft weiter im Gespräch und im Austausch bleiben.

Elisabeth Preuß und Sergej Ganscha, Bild vom Vorjahr

Da ich wegen eines Folgetermins leide nur sehr kurz bleiben konnte, ist mein Eindruck nur eine Momentaufnahme dieses sicher zweistündigen Empfanges, meine Atmosphäre-Sensoren meldeten mir aber eine freundschaftliche Stimmung unter den Teilnehmern. Auch mein Gesprächswunsch mit der Visa-Abteilung fiel dem Zeitdiktat, vielmehr der Abfahrt des ICE zum Opfer, denn nach wie vor ist es mein ganz großer Wunsch, von der russischen Botschaft in Berlin auch sehr wohlwollend begleitet, dass die Visa-Verfahren für Besuche in die Partnerstadt von beiden Seiten möglichst unkompliziert bearbeitet werden – und natürlich kostenlos!

Fazit: Glücklicherweise unterbindet das wechselseitige Embargo nicht gewachsene Kontakte und Freundschaften!

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß


Während man im Deutschen von der Leiche im Keller spricht, verweist man im Englischen im Fall von einem persönlichen „XY unbekannt“ auf das Skelett im Schrank, eine Redensart, die das Russische in Lehnübersetzung übernommen hat. Wie wörtlich die Phraseologie bisweilen genommen werden darf, zeigt ein skurriler Mordfall.

Sie haben kein Skelett im Schrank?! Vielleicht ist das ja auch gar nicht Ihr Schrank…

Laut polizeilichen Ermittlungen hat ein 27jähriger Wladimirer nach einem Saufgelage bei sich zu Hause einen 52jährigen Gast mit Faustschlägen und Fußtritten in den Tod geprügelt. Die Leiche versteckte der Totschläger im Schrank seiner Mietwohnung und ließ den dann zwei Tage später nebst Inhalt von einer Umzugsfirma in eine eigens angemietete Garage bringen. Nach eineinhalb Monaten kündigte der Vermieter wegen der Geruchsentwicklung, ohne zu ahnen, welcher Provenienz diese war, das Mietverhältnis. Spätestens da begriff wohl auch der Verbrecher die Brisanz der Umstände und ließ den ominösen Schrank in ein Waldstück bringen, wo er dann einen Abhang hinuntergeworfen wurde. Nun hat man Schrank und Inhalt gefunden, den geständigen Verdächtigen dingfest gemacht, und im Laufe des Prozesses wird sich dann schon zeigen, ob es da noch mehr Leichen im Keller bzw. Skelette im Schrank gibt…


Anna Lesnjak hat es drauf. Mit ihr macht es Kindern – und Erwachsenen übrigens ebenso – Spaß, Deutsch zu lernen. Sogar die Zahlen, die in jeder Fremdsprache eine besondere Herausforderung darstellen, ohne die freilich niemand aus- und weiterkommt. Aber wie die Ziffern kindgerecht vermitteln? Spielerisch natürlich.

Man begibt sich am Erlangen-Haus dazu aus dem Klassenraum hinaus in den Garten, klebt einige Zahlen an das Garagentor – und fängt sie per Zuruf mit der Fliegenklappe. Das Ergebnis macht auch dem Betrachter Freude und ein wenig wehmütig, wenn man zurückdenkt an das sture Pauken der eigenen Schulzeit. Hier deshalb der Klick zum Zahlenglück: https://is.gd/TNloVg – Und die Zahl, die Russen seit gestern glücklich macht? Klar, die fünf!


Wir blicken heute nochmals zurück auf den Besuch von Ute Schirmer und ihrer Freundin, Gabriele Erkelenz, in Wladimir. Während die Erlanger Ärztin seit 1991 engstens mit der Partnerstadt verbunden ist und dort einen riesigen Freundeskreis hat, besuchte die promovierte Rechtsanwältin aus Bonn Wladimir ersten Mal, freilich auf den Spuren ihrer bereits verstorbenen Mutter, die den Goldenen Ring einst bereist hatte. Machen wir nun aber den Rückblick auf den Besuch mit Anastasia Filimonowa, die ebenso wie Gabriele Erkelenz, einen kleinen Bericht an die Blog-Redaktion schickte.

Anastasia Filimonowa, Gabriele Erkelenz, Ute Schirmer und Galina Postnikowa im Mariä-Schutz-Nonnenkloster, Susdal

Vom 2. bis 7. Juni besuchte Ute Schirmer uns zusammen mit ihrer Schulfreundin Gabriele Erkelenz aus Bonn. Die beiden hatten ein pralles Programm, trafen die Familien russischer Freunde aller Generationen. Frau Schirmer kommt nicht einfach müßig zu uns. All ihre Reisen hatten immer einen wohltätigen oder spirituellen Anspruch.

Ute Schirmer und Gabriele Erkelenz im Kreis der Familie Filimonow

Das war auch dieses Mal nicht anders. So brachte sie Aufnahmen ihres Mannes aus Erlangen mit, mit denen sie an einem Abend im Erlangen-Haus ihre ausführliche und interessante Schilderung unserer Partnerstadt bebilderte.

Ute Schirmer

Der zweite Teil der Veranstaltung war dem Schaffen des Wladimirer Dichters Stanislaw Katkow gewidmet, dessen Gedichte erfüllt sind von Freude, Schönheit und Zartheit, obwohl er im Pflegeheim lebt, wo die beiden Freundinnen ihn später auch noch besuchten.

Blick ins Publikum im Erlangen-Haus

Frau Schirmer rezitierte seine Gedichte in ihrer eigenen Übersetzung. Zu dem Abend hatte sie Freunde eingeladen, mit denen sie schon seit vielen Jahren eine enge Verbindung pflegt.

Ute Schirmer und Tatjana Kolesnikowa bei der Lesung im Erlangen-Haus

Dann war da noch der Besuch in der Schmiede, wo die Handwerkstraditionen der Familie Borodin am Leben erhalten werden. Alles wird hier nach überlieferter Art gemacht, etwas, das man kaum noch so antrifft. Wir hatten sogar die Gelegenheit gezeigt zu bekommen, wie wir unseren eigenen Nagel schmieden können. Diese ungewohnte Betätigung machte unseren Damen richtig Spaß.

Ute Schirmer in der Kunstschmiede

Natürlich durfte bei dem Besuch auch Susdal nicht fehlen. Wir konnten auf den Glockenturm des Erlöser-Euphemius-Klosters, erbaut Anfang des 16. Jahrhunderts. Vor unseren Augen brachte der Glöckner 16 Glocken zum Klingen. Später erlaubte er es auch uns, es als Glöckner zu versuchen. Der Aufstieg war mühsam. Es führt eine Wendeltreppe nach oben, die in alten Zeiten auch eine Wehrfunktion hatte. Im Fall einer Verschwörung konnte jemand da oben in der vorteilhaften Position eine große Zahl von Angreifern abwehren. Derartige Treppen erlauben es dem Angreifer nicht, sich zur vollen Größe aufzurichten. In seiner Rüstung und mit dem Schwert in der Hand ist der Krieger gezwungen, sich langsam und seitwärts nach oben zu bewegen, wobei er die Waffe gar nicht erheben kann. Somit ist er schutzlos den Schlägen von oben ausgeliefert. Zu zweit kommt man gar nicht hoch.

Ute Schirmer und Gabriele Erkelenz

Leider verging die Zeit in Wladimir mit unseren Freundinnen viel zu schnell. Und jetzt überkommt mich eine ganze Welle farbenfroher Erinnerungen. Wir hoffen auf neue Begegnungen!

Anastasia Filimonowa

 

Zwischenmeldung: Der Freundeskreis ist derart groß, daß Ute Schirmer manche ihrer Bekannten erst im Nachhinein wiedererkennt, wenn sie sich nicht selbst zu erkennen geben. Da ist beispielsweise der Fahrer, Jewgenij Tschilimonow, den sie bereits 1991 traf und auf dessen Heirat sie später zu Gast war. Aber so eine Reise offenbart auch unbekannte Seiten der eigenen Freundin, wenn etwa bei dem Treffen mit Damen von Soroptimist International Gabriele Erkelenz plötzlich zu erkennen gibt, dem gleichen Serviceklub anzugehören. Aber bleiben wir noch kurz bei den russischen Freunden, zu denen die Familien der Musiker Alexander und Dmitrij Tichonow gehören, wo Ute Schirmer spät abends noch Flötenunterricht gab und nach Auskunft der Gastgeber so anrührend sang, daß niemand mehr zu Bett gehen wollte.

Galina Postnikowa, Anastasia Filimonowa, Ute Schirmer und Gabriele Erkelenz in Susdal

Es ist eine besondere Reise, wenn man mit Ute Schirmer nach Wladimir fährt und dort im Erlangen-Haus wohnt. Dank Ihrer vielen Freunde und der russischen Gastfreundschaft habe ich viele Menschen kennengelernt und einen kleinen Einblick in das russische Leben gewinnen können.

Abschied und Willkommen für Ute Schirmer im Erlangen-Haus

Das Erlangen-Haus ist ein Schmuckkästchen; die Partnerstädte dürfen stolz auf ihr großartiges Werk sein. Aus einer unbewohnbaren Ruine ist ein bildschönes, repräsentatives Gebäude geworden, behaglich zum Wohnen und zweckmäßig für Kurse und Verwaltung. Das dort beschäftigte russische Team ist liebenswürdig und sympathisch, hilfsbereit und kompetent.

Auf einem Empfang, den Ute Schirmer für ihre Freunde im Erlangen-Haus gab, präsentierte sie Gedichte des russisches Dichters Stanislaw Katkow, der gelähmt in einem Heim für neurologisch Kranke lebt. Zunächst las eine russische Deutschlehrerin den russischen Text sehr ausdruckstark vor, danach Ute Schirmer ihre hervorragende deutsche Übersetzung. Naturbetrachtungen und tiefsinnige Gedanken haben alle sehr beeindruckt.

Ute Schirmer und Stanislaw Katkow, 2013

Tags darauf besuchten wir zusammen mit Ute Schirmers Freundin, Tatjana Oserowa, Stanislaw Katkow  in dem Heim. Begleitet von der liebenswürdigen Leiterin des Hauses, Irina Morosowa, und einer Schwester, wurden wir zu Stanislaw Katkow geführt, der uns im Rollstuhl sitzend empfing. Er war überglücklich, als ihm Tatjana Oserowa in lebhafter Weise von der Präsentation seiner Gedichte im Erlangen-Haus erzählte.

Tamara Neiswestnaja und Ute Schirmer

Bei verschiedenen Einladungen habe ich verschiedene Wohnungen kennengelernt, von einfach bis wohlsituiert; gleich war überall eine wunderbare Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit. Ich hatte den Eindruck, die Freundschaft und die guten Kontakte zu Erlangen liegen allen sehr am Herzen.

Gabriele Erkelenz

Die Bilder sind übrigens von Wladimir Fedin mit Ausnahme des Photos von der Hausmusik, das Dmitrij Tichonow machte. Einen kleinen Videofilm vom Glockenspiel gibt es hier zu sehen: https://is.gd/QMJoBu (bitte auf das Symbol VID_ klicken).


Eigentlich sollte hier spätestens heute eine Rückschau zum Auftritt des Wladimirer Knabenchors vom vergangenen Montag in Erlangen erscheinen. Doch die Umstände wollten es nicht: weder ein geeigneter Auftrittsort, zu kurzfristig das Angebot. Und so blieb es leider bei der Teilnahme des Ensembles unter Leitung von Eduard Markin am 8. Internationalen Robert-Schumann-Chorwettbewerb in Zwickau vom 7. bis 10. Juni.

Eduard Markin und sein Knabenchor

Wer die Ansprüche an sich selbst und seine jungen Künstler, verstärkt durch Männerstimmen, kennt, weiß, daß der Maestro es nicht bei einer schlichten Teilnahme belassen kann. Und so verwundert es nicht, wenn man erfährt, daß von den dreizehn goldenen, vier silbernen und zwei bronzenen Diplomen ein erster Preis an Wladimir ging – in der Kategorie „Jugendchöre mit gemischten Stimmen“.

Großer Auftritt des Knabenchors Wladimir in Zwickau

Hierzu die Stimme von Nikita Birjukow:

Mein jüngster Sohn ist mit einem goldenen Diplom von einem der angesehensten Chorfestivals in Deutschland zurückgekehrt. Es ist bereits zu einer guten Tradition des Wladimirer Knabenchors unter Leitung von Eduard Markin geworden, Preise und Auszeichnungen aus allen möglichen Ecken des Landes und der Welt (!) nach Hause zu bringen. Bravo, Maestro! Bravo, Eduard Mitrofanowitsch Markin! Bravo, Jungs!!!

 

Ein frohes Fest!


Heute feiert das größte Land der Erde sich selbst. Das Fest, „Tag Rußlands“, geht auf den 12. Juni 1990 zurück, als der erste Kongreß der Volksdeputierten der Russischen Sozialistischen Föderalistischen Sowjetrepublik (RSFSR), gegründet am 7. November 1917 als „Mutterschiff“ der späteren UdSSR, die Deklaration seiner staatlichen Souveränität annahm und damit das Ende der Sowjetunion einläutete.

12. Juni – Tag Rußlands – Fest der Freiheit, des gesellschaftlichen Friedens und des guten Einvernehmens aller Menschen auf der Grundlage von Gesetz und Gerechtigkeit. Dieses Fest ist Symbol der nationalen Einheit und allgemeinen Verantwortung für Gegenwart und Zukunft unserer Heimat.

Ein Jahr später, wieder am 12. Juni, wählten die Russen zum ersten Mal frei eine Präsidenten, Boris Jelzin, der den „Tag der Ratifizierung der Deklaration über die Souveränität Rußlands“ 1994 zum offiziellen Feiertag erklärte. Doch weder der sperrige Begriff noch dessen Hintergrund – ab dem 12. Juni 1990 ordnete sich der Beamtenapparat der RSFSR nicht mehr den Gesetzen der UdSSR unter – drangen ins kollektive Bewußtsein ein, viele meinten, an diesem Datum feiere man die Unabhängigkeit des Landes oder freuten sich einfach über den roten Tag im Kalender. Erst Wladimir Putin, der 2001 die bereits von seinem Vorgänger angeregte Umbenennung des Festes in „Tag Rußlands“ umsetzte, gelang es allmählich, den 12. Juni zu einem Fest des Volkes zu machen – mit allem, was dazugehört: vom Straßenkonzert bis zum Feuerwerk.

12. Juni 2017 in Wladimir

Auch in Wladimir ist heute Feiern auf allen Kanälen angesagt, drinnen wie draußen, vom Morgen bis spät in die Nacht, für Kinder und Erwachsene ebenso… Und wenn man in Rußland schon einmal feiert, tut man das gern ausgedehnt. Da das Fest auf einen Dienstag fällt, wurde der gestrige Montag kurzerhand offizielle zum freien Brückentag erklärt, den man sich allerdings am vergangenen Samstag hatte hereinarbeiten müssen. Soviel zum russischen Arbeitsethos. Aber das Thema lassen wir heute beiseite, vielmehr gratuliert die Redaktion des Blogs zum heutigen Fest und feiert fröhlich nun mit allen Russen.


Vom 20. bis 29. September reist wieder eine Jugendgruppe aus dem Erzbistum Bamberg nach Wladimir. Ladoga, das „Basislager“, von wo aus Ausflüge in den russischen Alltag – bis nach Moskau – unternommen werden, befindet sich ganz in der Nähe der Partnerstadt und besteht aus kleinen Hütten, ideal geeignet für kleinere und größere Begegnungen. Und die sind gewollt, denn die deutschen Gäste verbringen die gesamte Zeit gemeinsam mit russischen Gleichaltrigen.

Ladoga

So wie die russischen Jugendlichen bei ihrem Besuch in Erlangen im August einen Tag in deutschen Familien verbringen werden, ist auch für Wladimir wieder die Aktion „Rent a German“ vorgesehen, um den Gästen Gelegenheit zu geben, Einblicke in die russische Lebensart zu gewinnen. Das endgültige Programm ist noch in Arbeit, aber anmelden kann man sich ja schon mal unter https://is.gd/M5lLRi zum Pauschalpreis von 350 Euro, wobei Mitglieder des Vereins Nadjeschda nur 315 Euro zu zahlen haben. Näheres unter: https://is.gd/Ufr58M

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