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Archive for the ‘Zivilgesellschaft’ Category


Wer in Wladimir lebt, empfindet den Einfluß von Nichtregierungsorganisationen auf die Gesellschaft mehrheitlich als wertvoll. In einer Umfrage zu dem Thema, an der im November gut 700 Menschen teilnahmen, äußerten sich 51,5% positiv und nur 1,6% negativ zu deren Rolle, während die übrigen sich dahingehend noch keine Meinung gebildet hatten. So zumindest das Ergebnis dieser Studie, an der maßgeblich der auch in der Partnerschaft aktive Soziologe Dmitrij Petrosjan mitwirkte und die jetzt veröffentlicht wurde. Besonders in der Altersgruppe von 31 bis 50 Jahren wächst offenbar das Wissen über diese ehrenamtlich arbeitenden Organisationen, und man kennt mittlerweile die Namen und das Profil von Vereinen wie dem Roten Kreuz Wladimir oder auch der Selbsthilfegruppe Swet, die ja beide mit Erlangen zusammenarbeiten. Allerdings scheint das Wissen noch oberflächlich, denn 71% können bislang nichts mit den Namen der Organisationen anfangen. Der entscheidende Unterschied aber zu einer ersten Studie zum Thema aus dem Jahr 2002: Die Arbeit der NGOs wird überwiegend positiv gesehen.

Als wir 2002 dazu forschten, war die Ausgangslage eine ganz andere. Kaum jemand hatte eine Vorstellung von diesem ehrenamtlichen Bereich. Heute ist das – vielfach auch dank dem Internet – anders, die Leute sind besser über das informiert, was in der Gesellschaft passiert. (…) Erwartet hatten wir allerdings eine etwas ablehnendere Haltung gegenüber einer ausländischen Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen. Auch dachten wir, die Menschen nähmen an, diese NGOs seien hauptsächlich auf das eigene Wohl und das Fortkommen ihrer Mitarbeiter aus. Diese Befürchtungen bestätigten sich nicht, die Menschen haben eine durchaus angemessene Einstellung zu den Dingen. Allerdings bringt man die NGOs auch weniger mit Politik und dem Schutz der Menschenrechte als vielmehr mit der Lösung sozialer Fragen in Zusammenhang, weil bei uns traditionell schon immer die sozialen Rechte über die politischen und Bürgerrechte gestellt wurden.

Для владимирцев социальное благо важнее политических прав

Dmitrij Petrosjan

Fragen wie Ökologie, Hilfe für Häftlinge oder Migranten, vor allem aber den Schutz der Bürgerrechte verbindet man am wenigsten mit der Arbeit dieser Organisationen. Eine Erscheinung, die offenkundig landesweit gilt. Nach Einschätzung der Soziologen ist den Russen die soziale Absicherung insgesamt wichtiger als die Verteidigung ihrer Persönlichkeitsrechte. Deshalb meinen auch die Befragten in Wladimir, NGOs sollten sich hauptsächlich um Veteranen und Rentner (68,7%), Behinderten und Familien mit behinderten Kindern (60,9%), (sozialen) Waisen und Kindern in prekären Lebensumständen (54,5%) oder kinderreichen Familien (52,1%) helfen. Weiter unten rangieren die Unterstützung für Obdachlose (16,6%), Arbeitslose (13,7%), Frauen (7,5%), Migranten (3,3%) und Strafgefangene (2,4%).

Dmitrij Petrosjan hält dieses soziale Übergewicht für ungut, wenn nur 12,7% der Befragten die Aktivitäten der NGOs mit dem Schutz der Bürger- und Menschenrechte assoziieren:

Die Menschen begreifen die Nichtregierungsorganisationen als dem Bereich der sozialen Absicherung zugehörig. Warum ich das für schlecht halte? Weil dies just jene Mißachtung gegenüber ihren eigenen, juristischen und bürgerschaftlichen Rechten zum Ausdruck bringt. Diese Einstellung wird auch auf die NGOs übertragen. Man nimmt keine ernsthafte Haltung gegenüber den Rechten ersten Ranges ein: die Freiheit des Wortes, die Gewissensfreiheit, die Unantastbarkeit der Person. Dieser Parameter ändert sich kaum, und daher rührt auch das niedrige Niveau der Entwicklung von zivilgesellschaftlichen Organisationen in unserem Land. Die Menschen glauben in nur geringem Umfang an die Möglichkeit eines effektiven Schutzes ihrer Bürgerrechte. Dabei, so ein Ergebnis der Studie, betrachtet man diese Vereine und Verbände als verlängerten Arm des Staates, der mit öffentlichen Mitteln den Schutz von sozial benachteiligten Menschen gewährleisten soll. Um dies umzudrehen bedürfte es einer rechtlichen Aufklärung, im schlimmsten Fall einer heftigen Verschlechterung der Wirtschaftslage, eines Sinkens von Lebensstandard und Einkommen sowie der Einsicht, daß die politischen Rechte an erster Stelle stehen sollten und von ihnen alles übrige abhängt. Aber diese harte Variante noch einmal durchmachen zu müssen, bleibe uns doch besser erspart.

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Wie stark sich das Umweltdenken in der russischen Zivilgesellschaft entwickelt, zeigt derzeit die Debatte um das in der Region Wladimir gelegene und „Opolje“ genannte Gebiet, das zu großen Teilen aus der fruchtbaren und zumeist intensiv genutzten Schwarzerde besteht. Ein gutes Dutzend führender Wissenschaftler und namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, hinter denen etwa die Geographische Gesellschaft oder Naturschutzverbände stehen, wandten sich unlängst in einem offenen Brief an Gouverneur Wladimir Sipjagin und warnten, diese ertragreichen Böden etwa im Landkreis Susdal liefen Gefahr, durch falsche Nutzung durch die Besitzer und verantwortungslose Entscheidungen der Behörden zu stark ausgelaugt zu werden und ihre Regenerationskraft zu verlieren. Besonders weisen die Unterzeichner des Schreibens auf die Pläne hin, dort den Bestand der Milchkühe auf 7.000 Tiere auszuweiten und eine Schweinezucht mit 60.000 Exemplaren aufzubauen. Damit nicht genug: Beklagt wird auch der Landfraß durch Datschensiedlungen und Gewerbegebiete. Gehe diese Entwicklung so weiter, bringe man nicht nur nachhaltige Landwirtschaft in Bedrängnis, sondern gefährde auch die archäologischen Schätze an der Nerl und bringe die gesamte ökologische Situation in eine Schieflage.

Die Forderung an die Politik lautet denn auch, diesen landesweit einzigartigen nördlichen Schwarzerdgürtel mit einer Ausdehnung von etwa 30 km von Süd nach Nord und 70 km in Nordostrichtung unter Landschaftsschutz zu stellen und keine Genehmigungen mehr für weitere Tiermastbetriebe und Baumaßnahmen auszustellen.

Die Antwort von Gouverneur Wladimir Sipjagin ließ nicht lange auf sich warten und fiel so aus, wie sie wohl auch ein Politiker hierzulande formuliert hätte: mit Verständnis für die Initiative, aber auch deren Ablehnung unter Verweis auf die Versorgung der Bevölkerung, das Bruttosozialprodukt, die Arbeitsplätze im ländlichen Raum und die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen. Erfreulich jedoch in dem Antwortschreiben: Wladimir Sipjagin schlägt vor, zu der Frage einen Dialog zwischen Gegnern und Befürwortern der Entwicklungsmaßnahmen aufzunehmen und eine „ausgewogene Entscheidung über das weitere Schicksal der Opolje-Böden zu erarbeiten“.

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Seit dem 25. Januar streitet man in Wladimir, wie die Nachrichtenplattform Zebra-TV berichtet, über etwas, von dessen Existenz wohl nur wenige Kenntnis hatten. Auf einer Militärbasis in der Nähe der Partnerstadt lagern Dutzende von Kisten voller Beutegut aus dem Zweiten Weltkrieg, Waffen der Wehrmacht: Pistolen des Typs Walther P38 und Parabellum P08 sowie Maschinengewehre der Bauart MG42B.

Ginge es nach den Plänen des Verteidigungsministerium würde das ganze Arsenal eingeschmolzen und – nach Meinung der Bauherren – sinnvoll verwendet für die Stufen, die zu einer Kirche der Superlative führen sollen, geplant im monumental-byzantinischen Stil als das landesweit größte Gotteshaus mit 11.000 qm, einer Höhe von gut 95 m und Platz für etwa 6.000 Gläubige, das man schon 2020 zum 75. Jahrestag des Sieges über die Hitlertruppen im Park „Patriot“ vor den Toren Moskaus als Symbol der „Spiritualität des russischen Militärwesens, das einzig und allein zum Schutz seines Vaterlandes das Schwert erhebe“ fertigstellen will.

Die zu erichtende Kathedrale im Themenpark „Patriot“ bei Moskau

Nun erheben sich aber – vor allem in Internetforen – erzürnte Stimmen, die meinen, die Waffen gehörten nicht in den Schmelzofen, sondern sollten als kulturelles und historisches Erbe an Museen, patriotische Vereine und Reenactment-Gesellschaften abgegeben werden, die historische Ereignisse nachstellen. Auch den Verkauf des Beuteguts an Sammler können sich die Kritiker vorstellen, um den Erlös dann dem Kirchenbau zukommen zu lassen. Sogar eine Petition in dieser Sache gibt es bereits, die innerhalb von nur vier Tagen 2.000 Unterschriften gesammelt haben soll.

Wie auch immer diese Sache entschieden wird, eines ist klar: Deutsche tun gut daran, sich in diese Auseinandersetzung nicht ungebeten einzumischen. Immerhin waren es Deutsche, die jene Waffen herstellten und damit gegen die Völker der Sowjetunion den verheerendsten Vernichtungskrieg aller Zeiten führten.

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Vor acht Jahren veranstaltete das Bürgermeister- und Presseamt zum ersten Mal einem Empfang für Personen und Gruppen, die sich ehrenamtlich für die Städtepartnerschaften engagieren. Seither entwickelte sich die Feier im Ratssaal zu einer festen Institution, bei der von Mal zu Mal die Sessel und Stühle zahlreicher besetzt sind. Gestern nun, als Wolfram Howein aus den Händen von Oberbürgermeister Florian Janik den Ehrenbrief für Verdienste auf dem Gebiet der Städtepartnerschaften entgegennahm, blieb freilich wirklich kein Platz mehr frei. Vielleicht, weil, wie der Laudator, anerkennend und vom Manuskript abweichend, meinte, der Geehrte es beispielhaft verstehe, andere in seine vielfachen Aktivitäten und Initiativen einzubinden.

Wie vielfältig und für das Gemeinwohl entscheidend dieses Engagement gerade auch im Internationalen Bereich wirkt, betonte Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens in ihrer Begrüßung. Durchaus auch aus eigener Anschauung vor Ort auf dem Feld der Ökologie, Jugendarbeit oder Kulturvereine. Das Stadtoberhaupt ging sogar noch weiter und stellte diese Arbeit in einen globalen Zusammenhang: „Heute bedarf es mehr denn je der Menschen, die Brücken bauen; gerade jetzt, wo so viele andere sich daran machen, Brücken einzureißen und Mauern hochzuziehen.“

Florian Janik und Wolfram Howein

Desto wichtiger, einmal im Jahr all die einzuladen, denen die Zusammenarbeit mit den zehn Partnerstädten und den drei befreundeten Kommunen, von den sonstigen Verbindungen Erlangens in alle Welt zu schweigen, am Herzen liegt. Und eine Person stellvertretend für die anderen auszuzeichnen, gestern Wolfram Howein. Wofür und mit welchen Worten ist hier nachzulesen: Laudatio Wolfram Howein – 21.11.2018

Wolfram und Inge Howein

Florian Janik machte es sichtlich Freude, dem ehemaligen Siemens-Manager das in vierzehn Jahren und auf vierzig Wladimir-Reisen verdiente Lob auszusprechen, kennt er doch die Ergebnisse dieser großartigen Arbeit aus eigener Anschauung, im Blauen Himmel wie beim Roten Kreuz, im Forum Prisma wie bei den wissenschaftlichen Projekten, besonders aber im Erlangen-Haus, wo beide das „beste Frühstück in der Partnerstadt“ zu schätzen wissen, und von wo aus beide sich auch schon auf die Suche nach einem Schlummertrunk machten.

Gratulation von Melitta Schön an Wolfram Howein

Wolfram Howein nahm es in seiner Erwiderung sportlich: „Mein Engagement für Wladimir ist allemal billiger als Golf zu spielen.“ Aber im Ernst: „Mein Leben ist reicher geworden durch diese Begegnungen, und Wladimir ist mir zum Jungbrunnen geworden.“ Möglich aber natürlich auch nur, wenn die Frau diesen Einsatz unterstützt. Deshalb galt denn der erste und größte Dank Inge Howein, die nun auch schon zehn Reisen in die Partnerstadt hinter sich hat.

Gratulanten: Margrit Vollertsen-Diewerge, Ute Schirmer, Jürgen Binder, Inge und Wolfram Howein, Gerda-Marie und Michael Reitzenstein

Was das Ehepaar noch vor sich hat? Hoffentlich noch viele Jahre der Zusammenarbeit mit Wladimir – zumal sich, siehe Blogeintrag von gestern, im Bereich Erlebnispädagogik schon wieder neue Türen öffnen – und die dafür nötige Gesundheit.

Knut Gradert und seine Stadl Harmonists

Zum Gelingen des Abends trugen auf ihre Weise die Stadl Harmonists aus Kosbach mit „Weltmusik“ bei, von „California Dreaming“ über „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Über den Wolken“ bis hin zum abschließenden „Oj, moros, moros“, das der Leiter des Ensembles, Knut Gradert, bereits 1993 zum Fränkischen Fest in Wladimir mit seinem großen Chor einstudierte und zur Überraschung der Gastgeber auf Russisch interpretierte. Gestern nun also auch noch diese musikalische Brücke über ein Vierteljahrhundert Partnerschaft. Was kann schöner sein?!

Karin Günther, Ruth Sych mit der Broschüre über ihr Engagement in Wladimir vor 20 Jahren und Susanne Lender-Cassens

Höchstens noch die vielen Gespräche, die beim Stehempfang zustandekamen – über die Grenzen der jeweiligen Städtepartnerschaften hinweg. Jena stand da neben Riverside und Rennes kam mit San Carlos ins Gespräch, während Wladimir mit Cumiana Erfahrungen austauschte.

Rudolf und Inge Schloßbauer mit Giuseppe Andolina

Eine Börse der internationalen Beziehungen eben, wo, wie Florian Janik bei der Eröffnung des Buffets meinte, „bestimmt wieder neue Ideen und Projekte entstehen“.

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Ende Juli reihten sich die ersten Maschen aneinander, als die Gruppe aus dem Erlangen-Haus an der Volkshochschule der Partnerstadt beim Abschiedsabend die Stricknadeln auspackte. Seither wird der Friedensschal mit jedem Besuch aus Erlangen ein Stück länger. Wir wissen nicht, wer ab welcher Länge das Gemeinschaftswerk für vollendet erklärt. Vielleicht kommt dieser Moment ja auch gar nicht, weil nach menschlichem Ermessen nicht absehbar ist, wann endlich Frieden auf Erden einkehrt. Gleichviel, kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, wo andere schon ankündigten, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, selbst wenn anderntags die Welt untergehen sollte.

Doris Lang, stehend, und Swetlana Makarowa mit Julia Obertreis am Schal

Aber so weit ist es ja gottlob noch nicht, zumal es Menschen gibt, die unsere Welt besser machen wollen. Im Jahr 2001, zur Gründung von Soroptimist Wladimir, besuchte Doris Lang zum ersten Mal die Partnerstadt und begleitet seither die gemeinsamen Aktionen dieses weltweit tätigen Serviceklubs, der sich für die Rechte und Chancen von Frauen und Mädchen einsetzt. Nun konnte die Steuerberaterin im Kinderkrankenhaus mit eigenen Augen sehen – Swetlana Makarowa, selbst Mitglied bei Soroptimist International, machte die Führung persönlich -, was beispielsweise aus dem vom Erlanger Klub finanzierten gynäkologischen Behandlungsraum für jugendliche Patientinnen wurde. Und – mit der Historikerin Julia Obertreis als Gast – es war endlich auch Gelegenheit, mit den russischen Klubschwestern ins Gespräch zu kommen. Daß darüber der Schal wieder ein Stück länger wurde – nur gut so. Und bestimmt gibt es auch bald wieder etwas über neue Initiativen von Soroptimist Erlangen-Wladimir zu berichten.

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In einem Brief an die Redaktion des Blogs schreibt Sigrid Köhn, seit vielen Jahren Gastgeberin, wann immer Gruppen aus Wladimir unterzubringen und zu betreuen sind:

Herbert und Ute Schirmer, Marina Trubizyna sowie Sigrid und Johannes Köhn, Mai 2011

Hiermit sende ich Ihnen Eindrücke meiner Reise nach Wladimir (6. – 13. Oktober). Dies war jetzt mein dritter Besuch in Wladimir, nachdem ich meine Freundin und ihre Familie beim Fränkischen Fest 1993 in der Partnerstadt kennengelernt hatte. Sie sprach mich damals an und war dann auch dreimal in Erlangen. Als Deutschlehrerin (seit zehn Jahren im Ruhestand) ist sie immer noch an der deutschen Sprache interessiert, die sie mit ihrem Enkel früh geübt hat. Nun unterstützt sie ihn auch im Deutschstudium und hilft Schülern beim Erlernen der Sprache. Sie beklagt allerdings die „neuen“ Unterrichtsmethoden und den Umstand, auch als ehemalige Lehrerin in der Gesellschaft nicht die rechte Anerkennung zu erfahren. So habe sie zum Beispiel am Tag des Lehrers nur von einer einzigen ehemaligen Schülerin eine Grußkarte bekommen. Doch sie kennt ihren Wert und tritt im Alltag selbstbewußt und resolut auf und läßt, wenn nötig, ihre Beziehungen zu ehemaligen Schülern spielen. Auf diese Weise hatte ich auch die Möglichkeit, mit ihr zwei Tage in Moskau zu verbringen.

Wladimir

Mariä-Entschlafens-Kathedrale, gesehen von Wladimir Putschkow

Die überwältigende Gastfreundschaft kann man nur bewundern. Dabei hat meine Freundin nur eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung, in der sie vor meinem Besuch auch eine Erlanger Studentin beherbergt hatte (Bericht folgt, Anm. d. Red.), und besitzt einen Schrebergarten, in dem wir zusammen gearbeitet haben. In den vier Tagen Wladimir waren wir im Puppenmuseum, in Klöstern und Kirchen in der Stadt, in der Kirche an der Nerl und in verschieden Markthallen und Geschäften mit reichem Angebot, besonders im Globus, in dem mich das Fischangebot beeindruckte. Meine Freundin beklagt zwar die hohen Preise, achtet aber sehr auf Qualität und „gönnt“ sich auch etwas. Dabei wollte sie auf keine Weise, daß ich bezahle. Freilich hinterließ ich dann meinen Anteil als „Abschiedsgeschenk“ bei der Tochterfamilie und ihrem Enkel.

Wladimir Fedins Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

So schwierig die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse von uns aus erscheinen, trifft man in Wladimir überall höfliche und freundliche Menschen, und es ist es deshalb wert, die Kontakte zu pflegen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung bei der Vorbereitung der Reise.

Sigrid Köhn

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Der „Blog-Redakteur“, (wie Peter Steger in diesem Blog gelegentlich auf sich selbst Bezug nimmt), hat neben vielen positiven auch eine negative Eigenschaft, nämlich eine über das verträgliche Maß hinausgehende Bescheidenheit. Daß hinter dem täglichen Blog viel mehr steckt, als das Schreiben eines Textes und die Suche nach passenden Bildern, ist dem aufmerksamen Leser allerdings offensichtlich. Profunde Allgemeinkenntnis, ausgedehnte Recherchen (die man bei so manchem Profi der schreibenden Zunft vermißt), Reisen fast bis ans „Ende der Welt“, körperliche Fitness, wache Augen und Ohren, Interesse für alles und jeden, der oder das mit Rußland oder Wladimir zu tun hat, nicht zuletzt die Bereitschaft, Geld einzusetzen, das sind nur die vordergründigen Eigenschaften, die es braucht, um seit mehr als 1.000.000 Klicks täglich und pünktlich zum Frühstück Qualität zu liefern.

Viel wichtiger als all dies aber sind ein weites Herz, ein kritisches Hirn und offene Hände, Antennen also, um all das zu empfangen, was die Städtepartnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen seit 35 Jahren bietet. Und diese drei, überall grundlegenden Zutaten, nämlich Herz, Hirn und Hand, die hat Peter Steger im Überfluß und setzt sie zum Wohle der ihm anvertrauten Städtepartnerschaften ein, neben Wladimir sind das noch Jena, Cumiana, Stoke-on-Trent, Riverside, Bozen, Umhausen und die Patenschaften für die Heimatvertriebenen aus Brüx und Komotau.

Jürgen Ganzmann, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Wolfgang Schneck

Als tägliche Leserin des Blogs, als gelegentliche Autorin und vor allem als Teil der Erlanger Stadtspitze seit mehr als 15 Jahren weiß ich: Es braucht für das Gelingen von Städtepartnerschaften immer (mindestens) drei Beteiligte: 1. eine Stadtspitze, die hinter den Partnerschaften steht und diese (gemeinsam mit dem Stadtrat) mit 2. ausreichend Personal ausstattet und 3. eine Bürgerschaft, die die Partnerschaft mit Leben füllt.

All dies ist in Erlangen gegeben, die Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg, Siegfried Balleis und Florian Janik standen und stehen dazu, daß sich im Sachgebiet „Internationale Beziehungen“ drei Mitarbeiter mit zweieinhalb Stellen darum kümmern, die Städtepartnerschaften eben nicht nur auf dem Schild am Ortseingang stehen zu lassen. (Anm. d. Redaktion: Gegeben sind glücklicherweise auch eine Konstellation und Kondition der Amts- und Sachgebietsleitung sowie des ganzen Teams – Helmut Schmitt, Herbert Lerche, Sabine Lotter und Silvia Klein sind da zu nennen -, die kreatives Arbeiten befördern, in Verwaltungen angeblich nicht gottgegeben.)

Peter Steger aber hat noch eines drauf gelegt und neben der Organisation von Reisen, offiziellen Terminen, Austauschprogrammen, Festakten, Jubiläen, Firmenkontakten und vielem mehr vor zehn Jahren begonnen, diesen Blog zu schreiben, nicht ahnend, wie sehr dieser nicht nur eine engmaschige Chronik, sondern auch ein wertvolles Archiv werden würde.

Im heißen Juli 2018, vor wenigen Wochen, als wieder einmal eine Delegation aus Wladimir in Erlangen weilte, erwähnte ich in meinem Redebeitrag vor den Gästen zum wiederholten Mal voller Dankbarkeit und Bewunderung den Blog. Ich sagte sinngemäß: „Gäbe es einen Nobelpreis für Blogs, Peter Stegers Blog hätte ihn als erster verdient.“ Und so war meine Freude riesengroß, als kurz darauf das Deutsch-Russische Forum unter dem Vorsitz von Matthias Platzeck diesen Blog und das Gesprächsforum „Prisma“ für einen Preis vorschlugen, der am vergangenen Wochenende von den Außenministern beider Länder, Sergej Lawrow und Heiko Maas, persönlich in Berlin überreicht wurde.

Diese hohe Anerkennung für Peter Steger adelt seinen Blog und, lieber Peter, um den Kreis zu schließen: Bei aller geziemender Bescheidenheit: Akzeptiere einfach, daß Du wegen hoher Verdienste zurecht mit der Ehrenbürgerwürde von Wladimir ausgezeichnet wurdest, daß es seinen Grund hat, wenn Du in Wladimir bekannt bist, wie der berühmte bunte Hund, vor allem aber, wenn Wladimir von der Verwaltungsspitze über unzählige Schulen, Unternehmen, Vereine, Organisationen, Veteranenverbände und Friedensinitiativen Dir eine tiefe Wertschätzung und Verbundenheit zeigen, von der Du Dir jedes Jota verdient hast!

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Anmerkung der Redaktion: Die Erlanger Nachrichten berichten heute ausführlich zum Thema, und auf der Homepage http://www.deutsch-russisches-forum.de sind Pressestimmen aus ganz Deutschland zu der Veranstaltung vom Freitag zu finden, erfreulicherweise auch mit Links zu der Berichterstattung des Blogs: https://is.gd/LsTUfF

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