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Archive for the ‘Zivilgesellschaft’ Category


Nach jedem Gipfeltreffen der deutsch-russischen Partnerstädte stellt sich die Frage, wie es danach weitergeht, welche neuen Ziele man sich setzt. So auch gestern nach dem frühmorgendlichen deutsch-russischen Freundschaftslauf – zunächst für fünf Kilometer ausgeschrieben, dann auf gerade einmal drei Werst verkürzt – eines etwa einhundertköpfigen Teams durch einen der nebeldampfenden Parks von Krasnodar.

Sieg der Partnerschaft: Sergej Siwajew und Peter Steger

Nach der Rückschau auf die Ergebnisse der Arbeitskreise und die Präsentation der Projektvorschläge seitens der ungefähr einhundert Jugendlichen aus beiden Ländern in der Philharmonie, nach der Einladung zur nächsten Austragungsstätte 2019 in Düren, nach der Verabschiedung und dem verdienten Dank an die Organisatoren vor allem vom Deutsch-Russischen Forum und dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO) sowie dem Internationalen Verband der Partnerstädte und der Gastgeber…

Der deutsch-russische Freundschaftslauf

Eine Frage, die zunächst natürlich jedes Partnerschaftspaar für sich zu entscheiden hat, eine Frage aber auch, der sich mehr denn je zuvor gerade auch die hohe Politik annimmt, wie es die nachstehende Vereinbarung der Außenministerien in Berlin und Moskau ganz undiplomatisch klar formuliert:

K 25

Elisabeth Preuß mit Peter Franke, Vorsitzender des BDWO, und Oxana Kogan-Pech, Schriftführerin des BDWO

Nach einem erfolgreichen „Jahr des deutsch-russischen Jugendaustausches 2016/2017“ sollen Austausch, Verständigung und gegenseitiges Vertrauen im deutsch-russischen Verhältnis durch eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit auf kommunaler und regionaler Ebene vertieft werden. Eine besondere Rolle kommt dabei den zahlreichen Partnerschaften zwischen Bundesländern, Regionen, Kreisen, Städten und Gemeinden sowie gesellschaftlichen Vereinigungen, Universitäten und Schulen zu. Diese Verbindungen bilden das Rückgrat aktiver deutsch-russischer Beziehungen. Viele dieser Partnerschaften feiern 2017 und 2018 ihr 25-jähriges Bestehen. Wir wollen diese Partnerschaften stärker in das öffentliche Bewußtsein rücken und die aus ihnen hervorgehende Dynamik nutzen, um für weitere Partnerschaften zwischen Deutschen und Russen zu werben und dadurch Vertrauen wachsen zu lassen. Wir sind überzeugt, die kommunalen und regionalen Partnerschaften stellen eine unverzichtbare tragende Komponente der bilateralen Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern dar.

Präsentation der Jugendprojekte

Wir, der Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation und der Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, stellen daher die Initiative eines „deutsch-russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“, das die Tradition erfolgreicher Kreuzjahre in unseren Ländern weiterführt, unter unsere Schirmherrschaft.

Das „Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“ soll während der Städtepartnerschaftskonferenz vom 28. bis 30. Juni 2017 in Krasnodar eröffnet werden. Es soll eine positive Dynamik des Zusammenwirkens und der Kontakte zwischen den Zivilgesellschaften der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland sicherstellen. Wir hegen den gemeinsamen Wunsch, über die zahlreichen kommunalen und regionalen Partnerschaften die Zahl und Intensität der direkten Kontakte zwischen Russen und Deutschen zu steigern und dadurch den Dialog und das Verständnis zwischen unseren Gesellschaften zu stärken. Gerade in politisch schwierigen Zeiten kommt es auf sichtbare Zeichen der Zusammenarbeit an.

Daher verbinden wir mit dem „deutsch-russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ große Erwartungen. Die im Rahmen der kommunalen und regionalen Partnerschaften entstehenden Kontakte und Verbindungen zwischen Menschen aus verschiedenen Bereichen bürgerschaftlichen Engagements bieten eine unschätzbare Zukunftschance für das gutnachbarschaftliche Verhältnis zwischen Deutschen und Russen.

Elisabeth Preuß dankt den freiwilligen Helfern, den jungen Schutzengeln der Veranstaltung

Es ist dies jener „Schatz“, den es zu hüten gilt, von dem Sigmar Gabriel zur Eröffnung der 14. Städtepartnerkonferenz in Krasnodar am Mittwoch so eindringlich gesprochen hatte. Jetzt kommt es darauf an, dieses Talent nicht zu vergraben, sondern es nach Kräften zu mehren. Erlangen und Wladimir wollen das jedenfalls tun, gerade auch angesichts des 2018 bevorstehenden 35jährigen Jubiläums der Bürgerpartnerschaft.

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Unter diesem Motto startete gestern morgen im Expograd vor den Toren von Krasnodar der Arbeitstag der 14. deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz mit einem ganzen Reigen von Diskussionsveranstaltungen mit Kurzvorträgen. Wer die als Biennale angelegten Veranstaltungen aus früheren Jahren kennt, weiß wie detailverliebt die Organisatoren das Programm gestalten.

Sergej Sacharow und Sergej Siwajew

Da gibt es einen Markt der Möglichkeiten, wo sich Initiativen mit ihren völkerverbindenden Aktivitäten präsentieren können, vor allem aber bespricht man in Arbeitsgruppen laufende und künftige deutsch-russische Projekte unterschiedlichster Ausrichtung.

Matthias Platzeck in der Arbeitsgruppe

Es geht um Wirtschaftskontakte, die helfen sollen, in schwierigen Zeiten durch Handel und Wandel die Zukunft gemeinsam zu schaffen. Man entwickelt eine Gedenkkultur, die an die in Leid und Freude verbindende Geschichte um der Zukunft willen erinnert. Kooperationsangebote in den Bereichen Bildung, Sprachförderung und Jugend stehen auf der Agenda, während der Sport seinen Beitrag zu Verständigung und Toleranz leisten soll. Schließlich kommen auch „aktive Bürger ins Gespräch“ und erörtern soziale Fragen im Rahmen von Städtepartnerschaften.

Elisabeth Preuß in der Arbeitsgruppe

In einer sechsten Gruppe sitzen all jene, darunter auch Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, zusammen, die sich, unterstützt von Sergej Sacharow, ehemaliger Oberbürgermeister von Wladimir und jetziger Stadtdirektor von Susdal, sowie von Sergej Siwajew, Professor an der Moskauer Hochschule für Urbanistik und einst erster stellv. Bürgermeister von Wladimir, den „aktuellen Herausforderungen der Kommunen und Perspektiven in der Zusammenarbeit“ stellen wollen.

Sergej Siwajew bei seinem Vortrag zur Rolle der Städte bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Es geht um Fragen wie Energieeffizienz und Verkehrssysteme in der Verantwortung von Kommunen, um das Bemühen, die Städte lebenswerter zu machen, die Bürgerschaft in Entscheidungen der Politik frühzeitig einzubinden und an allen Prozessen zu beteiligen, den Lebensraum der Menschen zukunftsfähig zu machen und nachhaltig zu wirtschaften.

Sergej Sacharow bei seinem Vortrag

Fachleute aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie oder der Deutschen Energieagentur sowie aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung stellen ihre Expertise den russischen Kollegen und den Partnerstädten zur Verfügung. Mehr noch: Es gibt die Möglichkeit sich an einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu beteiligen, die zum Ziel hat, deutsche und russische Städte bei ihrem gemeinsamen Streben nach einer nachhaltigen kommunalen Entwicklung zu unterstützen. Mit dabei die Paare Dresden – Sankt Petersburg, Gelsenkirchen – Nischnij Nowgorod sowie Erlangen – Wladimir auf der Suche nach Konzepten für die Stadt der Zukunft im Rahmen einer deutsch-russischen Kooperation für nachhaltiges Wirtschaften im urbanen Raum.

Elisabeth Preuß bei ihrem Vortrag

Elisabeth Preuß wirbt mit ihrem Vortrag dafür, die Erfahrungen Erlangens mit der Verlagerung des zentralen Siemens-Standorts auf den Campus im Süden der Stadt für Wladimir nutzbar zu machen, denn dort steht man wegen der Lage von Betrieben, die einst prägenden Charakter hatten und heute in großen Teilen brachliegen, vor durchaus vergleichbaren Herausforderungen. Ob aus dem Ansatz ein gemeinsames Projekt wird, vermag derzeit noch niemand zu sagen, aber den Schweiß der Tüchtigen ist die Sache in jedem Fall wert.

Elisabeth Preuß im Gespräch mit Maria Josten und Tanja Abendschein-Angerstein

Im übrigen ist es durchaus erstaunlich, was die russischen Städte unter teilweise recht schwierigen Bedingungen aus eigener Kraft auf die Beine stellen. Etwa Susdal, dem es mit Hilfe von Fördermitteln der Zentralregierung und der Regionalverwaltung gelungen ist – übrigens in enger Abstimmung mit den Einwohnern der Museumsstadt – ein neues System für die Straßenbeleuchtung einzurichten, das nicht nur Energie und Kosten spart, sondern auch noch „Luft“ läßt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nachts anzustrahlen. Jetzt will man auch noch die veraltete Steuerungstechnik modernisieren, alles im Hinblick auf 2024, das tausendjährige Jubiläum der heimlichen Hauptstadt des Goldenen Rings.

Nach getaner Arbeit: die Gruppe „Stadt der Zukunft“

Prognosen sind bekanntlich schwierig, besonders dann, wenn sie die Zukunft betreffen. Aber eines zeigt die Konferenz von Krasnodar schon jetzt, auch wenn sie erst heute zu Ende geht: Es braucht einem nicht bange zu sein, um das Fortbestehen der deutsch-russischen Partnerschaften. Sie erfinden sich nicht nur immer wieder neu, sondern sie erhalten auch zusehends Unterstützung von den Regierungen, können sich an staatlichen Programmen beteiligen, erfahren Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Mehr braucht es gar nicht, denn – da wiederholt Matthias Platzeck, seinerzeit selbst Stadtoberhaupt von Potsdam, gern noch einmal die Worte von Sigmar Gabriel -, „ginge es nach den Bürgermeistern, wären fast alle Probleme der Welt gelöst.“

Folkert Kiepe aus Köln, Beigeordneter des Deutschen Städtetages a.D., und Elisabeth Preuß

Dabei schätzen die Lokalpolitiker eines ganz besonders: ihre kommunale Selbstverwaltung, kraft welcher sie ja auch ihre ganz eigene Außenpolitik verfolgen, friedlich und zum gegenseitigen Nutzen, den Blick auf die Zukunft gerichtet und eingedenk der Verantwortung, die ihnen aus der Vergangenheit zuwächst.

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Aus vielen deutschen und russischen Städten machten sich in diesen Tagen diejenigen auf den Weg nach Krasnodar, die in den Begegnungen von Schülern, Sportlern, Künstlern, in Gesprächen, Diskussionen, bei Feiern, bei Treffen in der Natur und in der Banja einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung sehen.

Elisabeth Preuß, Schirmherrin der Partnerschaft mit Wladimir

Es geht um viel mehr als nur einen nüchternen Beitrag: Die schier unerschöpfliche Themenvielfalt, die engen Freundschaften, die Seminare, aber sicher auch die Schwierigkeiten und Stolpersteine auf dem Weg zu so manchem Austausch zeigen einen Weg auf, wie auf der menschlichen Ebene das erreicht werden kann, worum auch in Sitzungen in Ministerien oder Botschaften gerungen wird, stabile und ausdauernde Freundschaft zwischen unseren Ländern, zur Zeit wahrlich ein großes Ziel.

Denkmal für Alexander Newskij in Krasnodar, den Großfürsten von Wladimir seit 1252 und russischen Heerführer: „Nicht in der Stärke wohnt Gott, sondern in der Wahrheit“.

Die persönliche Begegnung, das persönliche Gespräch, das auf dieser Konferenz in der Realität Erlebte ist umso wertvoller, als in verschiedensten Medien, seltsamerweise „soziale Medien“ genannt, Nachrichten in die Welt gesetzt und per Klick gedankenlos weitergegeben werden, die nicht der Kenntnisnahme von Fakten dienen, sondern eher dem Verbreiten von Lüge, Neid und Angst.

Elisabeth Preuß vor dem Denkmal für Kaiserin Katharina II, die das einst nach ihr benannte Krasnodar gründen ließ

Da es kaum schlechtere Ratgeber gibt als Neid und Angst, hat die Konferenz in Krasnodar eine große Aufgabe: Alle Teilnehmer aus 50 deutschen und fast 100 russischen Städten werden zu Botschaftern. Zu Botschaftern in den Kommunalverwaltungen, Partnerschaftsvereinen oder Freundeskreisen – mit einer Mission: Unsere beiden Länder sind Geschwister, – nicht immer einer Meinung, aber im Wissen um die vielen gemeinsamen Aufgaben, die unter dem Dach der gemeinsamen Verantwortung für den Frieden anstehen.

Das Programm der Konferenz ist vielfältig und reicht von praktischen Aspekten wie Beteiligung bis hin zu zukunftsgerichteter Erinnerungskultur, ein Füllhorn an Ideen für alle, die das Denken und Handeln nicht anderen überlassen, sondern selbst anpacken.

Elisabeth Preuß auf dem Weg zur Konferenz

Elisabeth Preuß, Verfasserin dieser Einführung ins Thema, gehört zu jenen, die selbst anpacken bei der deutsch-russischen Verständigung, doch Erlangens Bürgermeisterin macht sich keine Illusionen: Der Weg ist noch weit, den ihr Kollege Wolfram Jäger aus Karlsruhe, Gastgeber des Kongresses vor zwei Jahren, bei der Eröffnung der 14. Partnerschaftskonferenz in Krasnodar vorzeichnet. Er baut an einer Dreieckspartnerschaft Krasnodar – Nancy – Karlsruhe und träumt von einem engen bürgerschaftlichen Netz der Kontakte zwischen deutschen und russischen Kommunen – ganz nach dem Vorbild der deutsch-französischen Aussöhnung, die übrigens auch Altoberbürgermeister Anfang der 80er Jahre ermunterte, die Verbindung zu Wladimir nach dem Beispiel mit Rennes aufzunehmen.

Die Philharmonie Krasnodar in Konferenzlaune

Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, das gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften und der Stiftung West-Östliche Begegnungen die Konferenz ausrichtet, ruft in der Philharmonie von Krasnodar die ca. 500 Delegierten aus beiden Ländern sogar dazu auf, ihren Beitrag dazu zu leisten, die Zahl der Partnerschaften zu verdoppeln. Denn: „Wir brauchen einander mehr denn je!“

Folklore für die Gäste

Doch die Zahlen lassen da wenig Hoffnung aufkommen. Den gut 2.200 deutsch-französischen kommunalen Freundschaften stehen gerade einmal knapp einhundert deutsch-russische Partnerschaften gegenüber. Konstant, seit Jahren – ungeachtet aller Bemühungen, neue Gemeinden für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Zu groß scheinen die Vorbehalte vor allem auf Seiten der deutschen Lokalpolitiker zu sein, die wohl befürchten, derlei Kontakte seien zu personalaufwendig, könnten zu teuer werden, wären schwer mit Leben zu erfüllen.

Sergej Siwajew, Elisabeth Preuß und Sergej Sacharow

Welch ein Irrtum, wenn man sich die vielfältigen Aktivitäten der Partnerstädte ansieht, welch ein Irrtum, wenn man weiß, was dank den zivilgesellschaftlichen Verbindungen an konkreter Arbeit für Frieden und Verständigung geleistet werden kann.

Matthias Platzeck und Elisabeth Preuß

Man weiß dies längst auch in den Außenministerien beider Länder und würdigt dies auch mit der Teilnahme von Sigmar Gabriel und Sergej Lawrow an der Konferenz. Beide kommen übrigens nicht nur mit Worten und Gesten, sondern mit konkreter Unterstützung für diese bürgerschaftliche Arbeit, indem sie unter ihrer Schirmherrschaft das „Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“ zwischen unseren Ländern ausrufen.

Die Plätze sind reserviert – und werden übrigens später von den Politikern getauscht

Zukunftsprojekte in der deutsch-russischen Kooperation auf lokaler Ebene will man fördern und nach Möglichkeit die Gründung neuer Partnerschaften anregen. Vor allem Sigmar Gabriel, der heute seine Gespräche in Moskau fortführt, will nicht verhehlen, wie sehr im die Sache am Herzen liegt, wohl auch weil er die „Völkerverständigung von unten“ aus eigenem Erleben kennt.

Sigmar Gabriel bei der Konferenz

1980 nämlich nahm der spätere Außenminister an einem Jugendaustausch teil und besuchte Moskau und Leningrad just und gerade wegen des Olympia-Boykotts. Dabei kam bei Sigmar Gabriel wohl schon etwas in Gang, das ihn heute noch so leidenschaftlich für die Verständigung kämpfen macht, auch wenn er gerade gestern bei der späteren Pressekonferenz mit seinem russischen Kollegen wegen Syrien und Nato-Fragen durchaus uneins blieb.

Elisabeth Preuß und Sergej Sacharow

Sein Credo lautet: „Nur Dialog schafft Vertrauen!“ Deshalb auch sein spontaner Vorschlag, ein Institut für Frieden und Verständigung zu schaffen. In Leningrad. Ein Versprecher ohne Manuskript, aber desto glaubwürdiger, denn hier spricht jemand, der gerade den Bogen von der Erinnerung in die Zukunft schlägt und betont: „Je schwieriger die politische Lage, desto wichtiger die kommunalen und bürgerschaftlichen Kontakte.“ So wie das Erlangen und Wladimir seit 34 Jahren praktizieren und fortsetzen wollen, auch wenn Oberbürgermeisterin Olga Dejewa aus dienstlichen Gründen nicht an der Konferenz teilnehmen kann. Aber ihr Vorgänger im Amt, Sergej Sacharow, mittlerweile Stadtdirektor in Susdal, und Sergej Siwajew, in den 90er Jahren erster stellv. Bürgermeister von Wladimir und Förderer des Erlangen-Hauses und jetzt als Professor für Urbanistik in Moskau tätig, werden sicher in der Partnerstadt berichten, was in Krasnodar gestern besprochen und heute vielleicht schon entschieden wird.

Dietrich Möller und Elisabeth Preuß

Wie wichtig die Konferenz auch für die Wirtschaft ist, beweist etwa die Teilnahme von Dietrich Möller, dem Präsidenten der Siemens AG in der Russischen Föderation und Zentralasien, oder von Vertretern der Deutschen Bahn, der Beratungsfirma Röld & Partner oder der Knauf Gips KG, die immer wieder auch die Partnerschaft Erlangen – Wladimir unterstützt. Die Anwesenden haben begriffen, worum es geht. Nun gilt es, neue Verbindungen herzustellen und die bestehenden zu festigen. Wie das geht, erlebt man in Krasnodar. Aber der Weg ist noch weit, und es braucht viele weitere Sternfahrer.

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Bernd Gronau drückt mit wenigen Worten aus, was man wie das Drehbuch der Bürgerpartnerschaft lesen könnte: „Damals kamen unsere Väter nicht bis Moskau. Wenn wir heute in Wladimir sind, bedeutet das: Mit Freundschaft kommt man weiter als mit Gewehren.“ Dietlinde, seine Frau, erzählt von ihrem Vater, der aus der russischen Gefangenschaft ohne Verbitterung, sondern mit viel Sympathie für Land und Leute zurückkehrte. Offenbar wurde da schon etwas grundgelegt, das bis heute nachwirkt. Vor 28 Jahren nämlich meldete sich das Erlanger Ehepaar nach einem Aufruf in der Zeitung und bot zwei Gästen aus Wladimir Quartier. Die beiden, Wera und Wjatscheslaw Koslow tanzten damals beim Folklore-Ensemble „Rus“ und fühlten sich im Hause Gronau sofort heimisch, zumal zeitgleich auch noch eine ältere Dame aus Dresden zu Besuch war, die mit ihren Russischkenntnissen die Verständigung erleichterte. Ein Jahr später kam dann die Sängerin Galina Saïkina hinzu, die damals Mitglied des Akademischen Chors „Elegie“ war, heute in einem Kirchen-Quintett aktiv ist und via Erlangen mit dem Ehepaar Koslow Freundschaft schloß.

Galina Saïkina, Michael Gronau, Christine Jeppich, Wera Koslowa, Sascha Gronau, Dietlinde und Bernd Gronau sowie Wjatscheslaw Koslow

Seither geht es fast im Jahresrhythmus hin und her. „Wir sind schon längst nicht mehr nur Freunde, wir sind eine Familie“, bekräftigt Wera Koslowa, die sich um den tänzerischen Nachwuchs bei „Rus“ kümmert und mittlerweile recht passabel Deutsch spricht, im Notfall aber auch gern die Kommunikation per Internet mit der Gronau-Tochter in den USA nutzt, weil „Dietlinde nicht ständig online ist“. Ohnehin schätzt die große Freundschaftsfamilie mehr den unmittelbaren Kontakt – generationenübergreifend: Sohn Michael war vor sieben Jahren schon einmal in Wladimir und reist nun mit Enkel Sascha im Juli erneut in die Partnerstadt, während Dietlinde und Bernd Gronau auch schon einmal der Tochter ihrer russischen Freunde zur Hochzeit, zu der sie selbstverständlich geladen waren, eine Reise nach Erlangen mit Abstecher nach Paris schenkten. Wie gesagt: Mit Freundschaft kommt man weiter.

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Die Russische Föderation ist ein Vielvölkerstaat. So einfach, so klar. Und doch wird das häufig vergessen, wenn man von den Russen spricht, die in manchen Teilen des Landes sogar zur ethnischen Minderheit zählen. Nicht so freilich in der Region Wladimir, wo 95,6% der Menschen dieser ostslawischen Volksgruppe angehören, gefolgt von fast einem Prozent Ukrainern und etwa halb so vielen Tataren sowie 0,4% und 0,3% Armeniern bzw. Weißrussen und 121 weiteren, weniger stark vertretenen Nationalitäten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag der Anteil der Russen an der Gesamtbevölkerung im Gouvernement übrigens noch bei 99,74%. Dennoch: Wladimir ist noch immer vergleichsweise ethnisch homogen. Trotzdem hat jetzt, wie Zebra-TV berichtet, die Regionalregierung einen Acht-Jahres-Plan erarbeitet, der helfen soll, eine nationale Identität zu schaffen, geprägt von Solidarität und ethnokultureller Vielfalt, einschließlich der Freiheit, die je eigenen religiösen und tradierten Werte zu leben. In das Konzept will man als Querschnittsaufgabe möglichst alle staatlichen Institutionen – auf Ebene der Föderation, der Region und der Kommune – einbeziehen und dabei auch auf die Zivilgesellschaft setzen. Ausdrücklich genannt werden dabei die Vertretungen von 29 Volksgruppen von den Juden über die Georgier bis zu den Jessiden oder Koreanern, aber auch die 390 religiösen Organisationen und 17 Konfessionen, die auf dem Gebiet der Region Wladimir registriert sind.

Rußland und seine Völker

Ausdrücklich spricht sich das Papier für gleiche Rechte und Freiheiten aus, unabhängig von Rasse, Nationalität, Sprache, Herkunft, Besitz, Beruf, Wohnort, Einstellung zur Religion, Überzeugung sowie Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen, und wendet sich gegen jede Form der Diskriminierung oder Anfeindung. Eine löbliche Deklaration, von der man sich nur noch wünscht, sie möge eines Tages auch ausdrücklich die sexuellen Minderheiten einbeziehen. Dann wären politischer Anspruch und conditio humana wirklich deckungsgleich.

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Als Heidi Binder mit einer kleinen Schüler- und Lehrergruppe der Waldorfschule im April 2014 nach Wladimir reiste, wohnte sie in der Familie von Jelena Below. Die beiden blieben seither in Kontakt, und als nun die Gastgeberin von damals mit ihrem Sohn Daniil Berlin besuchten, lag gestern ein Abstecher nach Erlangen nahe, wenn auch nur für einen Tag. Bald schon gibt es dann ein Wiedersehen, denn der dem Austausch eng verbundene Allgemeinarzt, Jürgen Binder, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Ehrenmitglied des Bayerischen Hausärzteverbandes, hat wieder einmal eine Medizinerdelegation zusammengestellt, die Wladimir im Juni einen Fachbesuch abstattet. Mit dabei natürlich auch seine Frau, wieder in Sachen Waldorfpädagogik.

Heidi Binder, Daniil Below, Jelena Belowa und Jürgen Binder

Jelena Belowa ihrerseits unterrichtet zu Hause Englisch am Amerikanischen Haus und nimmt selbst – man hört es: ausgesprochen erfolgreich – Deutschunterricht bei Marina Gajlit, ehemals Dozentin am Erlangen-Haus und jetzt an der Universität Wladimir tätig, während Daniil Deutsch an der Schule lernt. So kommt man sich näher, so versteht man sich in der Bürgerpartnerschaft – abseits der offiziellen Agenda des Austausches. Gut so!

Leseempfehlung: https://is.gd/HqEFKu

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Sonntag, 9.4.2017

Wir trafen uns schon sehr früh am Morgen, um mit dem Kleinbus nach München zum Flughafen zu fahren. Unser Flieger nach Moskau ging gegen Mittag, und wir landeten am frühen Nachmittag in Moskau. Nach der Grenzkontrolle holten wir unsere Koffer, jedoch blieb einer verschwunden. Trotzdem machten wir uns dann per Bus auf den mehrstündigen Weg nach Wladimir. Im Erlangen-Haus angekommen, wurde ich gleich von meiner Gastfamilie abgeholt und nach Hause gebracht, während die anderen zusammen zu Abend aßen. Schon an diesem Tag lernte ich die Gastfreundschaft der Russen kennen, die mich gleich wie zu Hause fühlen ließ.

Gastgeberin Weronika Rytschkowa und Anna Barth

Montag, 10.4.2017

Nach einer Nacht in einer wohlhabenden Familie etwas außerhalb von Wladimir, traf ich mich mit den anderen der Gruppe um 9 Uhr im Erlangen-Haus wieder. Gegen 10 Uhr hatten wir einen Empfang in kleinem Kreis im Rathaus. Danach wurden wir in einem anderen Gebäude von der gesamten Diskussionsgruppe von russischer Seite erwartet. Nach einem kleinen Empfang bat man uns in das Gesprächszimmer. Es wurde kurz und knapp die Geschichte erzählt, wie man auf dieses Diskussionsforum gekommen war. Das Ziel des Forums wurde schnell geklärt, denn allen beteiligten Personen war und ist es wichtig, einen gemeinsamen Austausch der Partnerstädte über beide Seiten bewegende Themen zu veranstalten. Danach unterschrieben die beiden Oberbürgermeister das Protokoll, das die Gründung des Gesprächsforums namens PRISMA vorsieht. Anschließend eine kurze Kaffeepause, um sich nochmals vor der folgenden Diskussion zu stärken.  Das vorherrschende Thema der Diskussion waren die aktuellen Fragen der Migrationspolitik in beiden Städten, wie man die Flüchtlinge in Deutschland integriert; ob dies gelingt; die Probleme, die mit einer Flüchtlingswelle kommen und die geopolitischen Aspekte, die auch eine Ursache von Fluchtgründen sind.

Nach zwei von der deutschen Delegation allerdings auf Russisch gehaltenen Vorträgen  begann die eigentliche Diskussion. Auch wenn ich selber nichts beisteuern konnte, so habe ich doch einen guten Eindruck in den Ablauf der Gesprächsrunde bekommen können.

Nach der Diskussion gab es nochmals Kaffee, und ich erhielt die Möglichkeit, mich mit zwei Personen aus dem Jugendparlament von Wladimir zu unterhalten. Ich fragte sie nach ihrer Tätigkeiten und erkannte, wie ähnlich doch die Themen sind, die wir haben. Auch zum Jugendparlament aus Wladimir kommen andere Personen mit ihren eigenen Anliegen und tragen diese vor. Die größten Unterschiede liegen jedoch im Alter, denn wir sind zwischen 12 und 18 Jahren, die Mitglieder in der Partnerstadt zwischen 18 und knapp 30 Jahren alt. Ein weiterer Unterschied besteht darin: Die Parlamentarier aus Wladimir müssen in eigenen Bereichen arbeiten und dazu dann auch Projekte durchführen.

Später dann hatte ich die Möglichkeit, im Erlangen-Haus den Deutschunterricht der Stufen A2 und B1 zu besuchen. In der einen Klasse ging es um die Reflexivpronomen, und in der anderen Klasse besprach man die Regeln beim Bergwandern. Danach gab es noch ein gemeinsames Essen, bei dem nur ein Teil der russischen Seite anwesend war. Wie es bei den Russen üblich ist, brachte jeder einen Trinkspruch aus, der in irgendeiner Weise wichtig für das Treffen ist. So wurde auch ich als jüngste Teilnehmerin nicht davon verschont, meinen ersten Toast  auszubringen. Den verbleibenden Abend verbrachte ich dann mit der Familie.

Das Gesprächsforum Prisma

Dienstag, 11.04.2017

Auf dem heutigen Programm stand ein kleiner Stadtrundgang. Wir besuchten die prachtvolle Mariä-Entschlafens-Kathedrale, den nebenanliegenden Park und die kleine Demetrius-Kathedrale, die wir jedoch nicht betreten konnten. Am Nachmittag fuhren ein paar der Deutschen nach Susdal, wo ein Männerkloster, ein Holzmuseum und eine weitere Kathedrale besucht wurden. Am späteren Nachmittag hatte ich nochmals die Möglichkeit den Deutschunterricht zu besuchen, da die Tochter meiner Gastfamilie Unterricht hatte. Dieses Mal wurden die verschiedenen Ausweise, wie Gesundheits- oder Mitgliedskarte, besprochen. Nach diesem Unterricht verbrachte ich den Abend wieder mit der Familie. Wir spielten miteinander und lachten viel.

Anna Barth (2. v.l.) mit der Gruppe im Erlangen-Haus

Mittwoch, 12.04.2017

Für mich startete der Morgen schon um halb 5, denn unser Bus nach Moskau sollte um 5 Uhr abfahren. In Moskau hatten wir dann durch das frühe Ankommen noch sehr viel Freizeit, die wir in einem Café absaßen. Unseren Flug nach München haben dann auch alle gut überstanden, und die Heimfahrt nach Erlangen ging auch schnell vorüber.

Ich möchte mich noch einmal bei Peter Steger dafür bedanken, mich auf diese Reise mitgenommen und mir die Möglichkeit gegeben zu haben, in Ansätzen eine neue Kultur kennenzulernen, der Diskussionsrunde beizuwohnen und einen Teil der Städtepartnerschafts-Geschichte mitzuerleben. Vielen Dank.

Anna Barth

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