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Archive for the ‘Zivilgesellschaft’ Category


Ende Juli reihten sich die ersten Maschen aneinander, als die Gruppe aus dem Erlangen-Haus an der Volkshochschule der Partnerstadt beim Abschiedsabend die Stricknadeln auspackte. Seither wird der Friedensschal mit jedem Besuch aus Erlangen ein Stück länger. Wir wissen nicht, wer ab welcher Länge das Gemeinschaftswerk für vollendet erklärt. Vielleicht kommt dieser Moment ja auch gar nicht, weil nach menschlichem Ermessen nicht absehbar ist, wann endlich Frieden auf Erden einkehrt. Gleichviel, kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, wo andere schon ankündigten, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, selbst wenn anderntags die Welt untergehen sollte.

Doris Lang, stehend, und Swetlana Makarowa mit Julia Obertreis am Schal

Aber so weit ist es ja gottlob noch nicht, zumal es Menschen gibt, die unsere Welt besser machen wollen. Im Jahr 2001, zur Gründung von Soroptimist Wladimir, besuchte Doris Lang zum ersten Mal die Partnerstadt und begleitet seither die gemeinsamen Aktionen dieses weltweit tätigen Serviceklubs, der sich für die Rechte und Chancen von Frauen und Mädchen einsetzt. Nun konnte die Steuerberaterin im Kinderkrankenhaus mit eigenen Augen sehen – Swetlana Makarowa, selbst Mitglied bei Soroptimist International, machte die Führung persönlich -, was beispielsweise aus dem vom Erlanger Klub finanzierten gynäkologischen Behandlungsraum für jugendliche Patientinnen wurde. Und – mit der Historikerin Julia Obertreis als Gast – es war endlich auch Gelegenheit, mit den russischen Klubschwestern ins Gespräch zu kommen. Daß darüber der Schal wieder ein Stück länger wurde – nur gut so. Und bestimmt gibt es auch bald wieder etwas über neue Initiativen von Soroptimist Erlangen-Wladimir zu berichten.

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In einem Brief an die Redaktion des Blogs schreibt Sigrid Köhn, seit vielen Jahren Gastgeberin, wann immer Gruppen aus Wladimir unterzubringen und zu betreuen sind:

Herbert und Ute Schirmer, Marina Trubizyna sowie Sigrid und Johannes Köhn, Mai 2011

Hiermit sende ich Ihnen Eindrücke meiner Reise nach Wladimir (6. – 13. Oktober). Dies war jetzt mein dritter Besuch in Wladimir, nachdem ich meine Freundin und ihre Familie beim Fränkischen Fest 1993 in der Partnerstadt kennengelernt hatte. Sie sprach mich damals an und war dann auch dreimal in Erlangen. Als Deutschlehrerin (seit zehn Jahren im Ruhestand) ist sie immer noch an der deutschen Sprache interessiert, die sie mit ihrem Enkel früh geübt hat. Nun unterstützt sie ihn auch im Deutschstudium und hilft Schülern beim Erlernen der Sprache. Sie beklagt allerdings die „neuen“ Unterrichtsmethoden und den Umstand, auch als ehemalige Lehrerin in der Gesellschaft nicht die rechte Anerkennung zu erfahren. So habe sie zum Beispiel am Tag des Lehrers nur von einer einzigen ehemaligen Schülerin eine Grußkarte bekommen. Doch sie kennt ihren Wert und tritt im Alltag selbstbewußt und resolut auf und läßt, wenn nötig, ihre Beziehungen zu ehemaligen Schülern spielen. Auf diese Weise hatte ich auch die Möglichkeit, mit ihr zwei Tage in Moskau zu verbringen.

Wladimir

Mariä-Entschlafens-Kathedrale, gesehen von Wladimir Putschkow

Die überwältigende Gastfreundschaft kann man nur bewundern. Dabei hat meine Freundin nur eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung, in der sie vor meinem Besuch auch eine Erlanger Studentin beherbergt hatte (Bericht folgt, Anm. d. Red.), und besitzt einen Schrebergarten, in dem wir zusammen gearbeitet haben. In den vier Tagen Wladimir waren wir im Puppenmuseum, in Klöstern und Kirchen in der Stadt, in der Kirche an der Nerl und in verschieden Markthallen und Geschäften mit reichem Angebot, besonders im Globus, in dem mich das Fischangebot beeindruckte. Meine Freundin beklagt zwar die hohen Preise, achtet aber sehr auf Qualität und „gönnt“ sich auch etwas. Dabei wollte sie auf keine Weise, daß ich bezahle. Freilich hinterließ ich dann meinen Anteil als „Abschiedsgeschenk“ bei der Tochterfamilie und ihrem Enkel.

Wladimir Fedins Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

So schwierig die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse von uns aus erscheinen, trifft man in Wladimir überall höfliche und freundliche Menschen, und es ist es deshalb wert, die Kontakte zu pflegen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung bei der Vorbereitung der Reise.

Sigrid Köhn

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Der „Blog-Redakteur“, (wie Peter Steger in diesem Blog gelegentlich auf sich selbst Bezug nimmt), hat neben vielen positiven auch eine negative Eigenschaft, nämlich eine über das verträgliche Maß hinausgehende Bescheidenheit. Daß hinter dem täglichen Blog viel mehr steckt, als das Schreiben eines Textes und die Suche nach passenden Bildern, ist dem aufmerksamen Leser allerdings offensichtlich. Profunde Allgemeinkenntnis, ausgedehnte Recherchen (die man bei so manchem Profi der schreibenden Zunft vermißt), Reisen fast bis ans „Ende der Welt“, körperliche Fitness, wache Augen und Ohren, Interesse für alles und jeden, der oder das mit Rußland oder Wladimir zu tun hat, nicht zuletzt die Bereitschaft, Geld einzusetzen, das sind nur die vordergründigen Eigenschaften, die es braucht, um seit mehr als 1.000.000 Klicks täglich und pünktlich zum Frühstück Qualität zu liefern.

Viel wichtiger als all dies aber sind ein weites Herz, ein kritisches Hirn und offene Hände, Antennen also, um all das zu empfangen, was die Städtepartnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen seit 35 Jahren bietet. Und diese drei, überall grundlegenden Zutaten, nämlich Herz, Hirn und Hand, die hat Peter Steger im Überfluß und setzt sie zum Wohle der ihm anvertrauten Städtepartnerschaften ein, neben Wladimir sind das noch Jena, Cumiana, Stoke-on-Trent, Riverside, Bozen, Umhausen und die Patenschaften für die Heimatvertriebenen aus Brüx und Komotau.

Jürgen Ganzmann, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Wolfgang Schneck

Als tägliche Leserin des Blogs, als gelegentliche Autorin und vor allem als Teil der Erlanger Stadtspitze seit mehr als 15 Jahren weiß ich: Es braucht für das Gelingen von Städtepartnerschaften immer (mindestens) drei Beteiligte: 1. eine Stadtspitze, die hinter den Partnerschaften steht und diese (gemeinsam mit dem Stadtrat) mit 2. ausreichend Personal ausstattet und 3. eine Bürgerschaft, die die Partnerschaft mit Leben füllt.

All dies ist in Erlangen gegeben, die Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg, Siegfried Balleis und Florian Janik standen und stehen dazu, daß sich im Sachgebiet „Internationale Beziehungen“ drei Mitarbeiter mit zweieinhalb Stellen darum kümmern, die Städtepartnerschaften eben nicht nur auf dem Schild am Ortseingang stehen zu lassen. (Anm. d. Redaktion: Gegeben sind glücklicherweise auch eine Konstellation und Kondition der Amts- und Sachgebietsleitung sowie des ganzen Teams – Helmut Schmitt, Herbert Lerche, Sabine Lotter und Silvia Klein sind da zu nennen -, die kreatives Arbeiten befördern, in Verwaltungen angeblich nicht gottgegeben.)

Peter Steger aber hat noch eines drauf gelegt und neben der Organisation von Reisen, offiziellen Terminen, Austauschprogrammen, Festakten, Jubiläen, Firmenkontakten und vielem mehr vor zehn Jahren begonnen, diesen Blog zu schreiben, nicht ahnend, wie sehr dieser nicht nur eine engmaschige Chronik, sondern auch ein wertvolles Archiv werden würde.

Im heißen Juli 2018, vor wenigen Wochen, als wieder einmal eine Delegation aus Wladimir in Erlangen weilte, erwähnte ich in meinem Redebeitrag vor den Gästen zum wiederholten Mal voller Dankbarkeit und Bewunderung den Blog. Ich sagte sinngemäß: „Gäbe es einen Nobelpreis für Blogs, Peter Stegers Blog hätte ihn als erster verdient.“ Und so war meine Freude riesengroß, als kurz darauf das Deutsch-Russische Forum unter dem Vorsitz von Matthias Platzeck diesen Blog und das Gesprächsforum „Prisma“ für einen Preis vorschlugen, der am vergangenen Wochenende von den Außenministern beider Länder, Sergej Lawrow und Heiko Maas, persönlich in Berlin überreicht wurde.

Diese hohe Anerkennung für Peter Steger adelt seinen Blog und, lieber Peter, um den Kreis zu schließen: Bei aller geziemender Bescheidenheit: Akzeptiere einfach, daß Du wegen hoher Verdienste zurecht mit der Ehrenbürgerwürde von Wladimir ausgezeichnet wurdest, daß es seinen Grund hat, wenn Du in Wladimir bekannt bist, wie der berühmte bunte Hund, vor allem aber, wenn Wladimir von der Verwaltungsspitze über unzählige Schulen, Unternehmen, Vereine, Organisationen, Veteranenverbände und Friedensinitiativen Dir eine tiefe Wertschätzung und Verbundenheit zeigen, von der Du Dir jedes Jota verdient hast!

Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Anmerkung der Redaktion: Die Erlanger Nachrichten berichten heute ausführlich zum Thema, und auf der Homepage http://www.deutsch-russisches-forum.de sind Pressestimmen aus ganz Deutschland zu der Veranstaltung vom Freitag zu finden, erfreulicherweise auch mit Links zu der Berichterstattung des Blogs: https://is.gd/LsTUfF

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Bei der Tagung zum Ausklang des „Deutsch-Russischen Jahrs der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ am Freitag im Außenministerium zu Berlin gingen nicht nur, wie berichtet, Auszeichnungen an 30 Projekte der unterschiedlichsten Projekte der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern, sondern es erschien auch eine Broschüre mit dem Titel „Städte, Regionen und Initiativen“ mit weiteren deutschen Bewerbungen anläßlich der Ausschreibung für herausragende Partnerschaftsarbeit. Wie dem Vorwort von Martin Hoffmann, geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums, zu entnehmen, „entfaltet dieser Band vor den Lesern einen eindrucksvollen Teppich deutsch-russischer Partnerschaft, geknüpft mit den vielfältigen Qualitäten gesellschaftlicher Diplomatie unserer Länder. Er beinhaltet eine sehr konkrete Erfolgsgeschichte, die viel zu selten durch positive Meldungen, Artikel oder Filmberichte in den Medien gewürdigt wird.“ Wer, vor allem von den Ehrenamtlichen, wollte dem widersprechen!

Broschüre drf

Und so findet man in dieser, mit Zuschüssen des Auswärtigen Amtes geförderten Publikation bebilderte Kurzdarstellungen von Anträgen, die es kaum minder als die 30 ausgewählten verdient hätten, ausgezeichnet zu werden. Darunter auch der Jugendaustausch zwischen Erlangen und Wladimir unter Beteiligung des orthodoxen Erzbistums und der Universität, die Geschichte der deutsch-russischen Raumfahrt aus Sicht des Paares Höchstadt-Krasnogorsk, die deutsch-russische Gruppe der Eurowerkstatt Jena oder die alljährige Hilfsaktion des Partnerschaftsvereins in Rothenburg o.d.T. für Susdal. Ein wahres Kompendium von zivilgesellschaftlichen Kooperationen auch jenseits der offiziellen 105 Städtepartnerschaften, Brücken der Verständigung, von denen es gar nicht genug gibt – und deren es doch durchaus mehr gibt als man gemeinhin zu wissen glaubt. Ebenso ermutigend wie notwendig in Zeiten wie diesen.

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Es wurde ja bereits angekündigt: Zum Ausklang des „Deutsch-Russischen Jahrs der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ sollte es mit der Auszeichnung herausragender Projekte im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eine Anerkennung für ehrenamtliches Engagement geben. Preisträger der Blog, den Sie gerade lesen, und das Gesprächsforum „Prisma“, das Sie aus der Lektüre des Blog bereits kennen.

Sergej Lawrow, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß und Heiko Maas

Mehr als 250 Projekte hatten sich beim Deutsch-Russischen Forum, dem für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung nicht genug gedankt werden kann, um die Urkunde beworben, die gestern im Außenministerium zu Berlin Heiko Maas und Sergej Lawrow am späteren Nachmittag an die 30 von der Jury ausgewählten Partnerschaftspaare überreichten. Einzig Erlangen und Wladimir wurden dabei mit einer doppelten Urkunde ausgezeichnet.

Im Wimmelbild der Ausgezeichneten: Alina Kartuchina und Elisabeth Preuß

Für Erlangen nahm Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Auszeichnung entgegen, selbst häufig mit eigenen Beiträgen im Blog vertreten und regelmäßige Leserin der Plattform, aus Wladimir war zu der Zeremonie Alina Kartuchina angereist, die selbst Ende Januar d.J. als Jugendvertreterin an dem Diskussionsforum „Prisma“ teilgenommen hatte und die Partnerschaft schon vom Schüleraustausch her bestens kennt. Eine gute Wahl also, eine gute Vertretung für Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, die ihren Besuch kurzfristig hatte absagen müssen, weil das Ergebnis der Gouverneurswahlen vom vergangenen Sonntag eine Stichwahl am übernächsten Sonntag notwendig macht und somit Präsenzpflicht für alle Kommunalpolitiker gilt.

Die Partnerschaftsdelegation: Jürgen Ganzmann, Alina Kartuchina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Julia Obertreis und Wolfgang Schneck

Mit dabei aber auch die Historikerin, Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neue und Neueste Geschichte an der FAU und Sprecherin von Prisma deutscherseits, sowie Jürgen Ganzmann, seit 1999 mit seinen Projekten im Bereich Behindertenarbeit und Psychiatrie einer der großen Akteure der Partnerschaft.

Alina Kartuchina und Peter Steger

Warum nun die Auszeichnung für den Blog? Unter den mittlerweile offiziell geführten 105 deutsch-russischen Städtepartnerschaften ist er wohl das einzige Medium, das seit nunmehr zehn Jahren Tag für Tag über den Austausch berichtet und dabei bereits deutlich über eine Million Aufrufe zu verzeichnen hat. Mehr noch: Den aktuell 3.860 Einträgen stehen 1.172 Kommentare gegenüber, die – all die Gastbeiträge gar nicht berücksichtigt – beweisen, welch ein interaktives Leben diese Internetplattform führt. Es ist also eine Auszeichnung nicht nur für den ehrenamtlichen Betreiber des Blogs, sondern vor allem auch für Sie alle, die jetzt gerade diese Zeilen lesen. Ohne Ihre Rückmeldungen, Kommentare, Ermunterungen, kritische Anmerkungen und eigenen Beiträge wäre der Blog längst wieder eingestellt. Danke also an Sie alle!

Großer Saal, voller Saal im Außenministerium zu Berlin

Vor dem Preis floß dann aber auch der Schweiß. In vier Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmer mit Themen wie Strategien für eine Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen und Regionen, Zivilgesellschaft und Ihre Gestaltungskraft für Städtepartnerschaften oder Projekte der Zusammenarbeit im sozialen Bereich.

Volle Arbeitsgruppen

Zu einem weiteren Arbeitskreis war eigens Konrad Wölfel, im Erlanger Amt für Umweltschutz und Energiefragen zuständig für Klimaschutz und Energieberatung, angereist – und traf auf Sergej Siwajew, in den 90er Jahren Vizebürgermeister von Wladimir, mittlerweile als Professor für Urbanistik in Moskau und seit kurzem auch als Fachgebietsleiter bei Rostelecom tätig. Die beiden fanden auf Anhieb zueinander – und schon zeichnet sich ein neues Projekt ab.

Sergej Siwajew und Konrad Wölfel

Sergej Siwajew berät nämlich russische Kommunen dabei, effizienter mit Energie umzugehen. Dabei soll auch das deutsche Modell helfen, wonach – wie in Erlangen – städtische oder staatliche Einrichtungen in Fragen wie Strom und Heizung von einem eigenen Gebäudemanagement betreut werden. In russischen Städten und Gemeinden zeichnet dafür noch immer die Schulleitung oder die Direktion des Krankenhauses verantwortlich – und ist damit häufig überfordert.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Dies soll sich nun ändern, und so darf man also mit einer baldigen Annahme der Einladung nach Erlangen rechnen, ausgesprochen an Sergej Siwajew natürlich auch von Elisabeth Preuß. Am Rande der Begegnungen dann ein weiteres Projekt, an dem Erlangens Bürgermeisterin beteiligt sein wird: Anfang November, wenn sie ohnehin zum nächsten Treffen von Prisma nach Wladimir kommt, nimmt sie in der Partnerstadt an einer Konferenz zu Fragen der kommunalen Selbstverwaltung teil, organisiert von Emil Markwart, Professor an der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung in Moskau. Man ruht sich ja nicht auf den Lorbeeren der Partnerschaft aus…

Jurij Katz aus Wladimir

Wie weit diese Partnerschaft über Erlangen hinaus wirkt, sieht man etwa an obigem Bild, das, rechts stehend, Jurij Katz zeigt, den Gründer der Selbsthilfeorganisation Swet, hier bei einer Konferenz mit dem Verein „Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg – Dagestan“, wo der Vorreiter einer russischen „Lebenshilfe“ gerade auch seine in Franken gesammelten Erfahrungen vermitteln kann.

Gabriele Krone-Schmalz und Jürgen Ganzmann

Unterdessen ging Jürgen Ganzmann, Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, auf Autogrammjagd. Gabriele Krone-Schmalz hatte 2001 den Vorsitz bei der Jury, die den „Preis für bürgerschaftliches Engagement“ in vier Kategorien an die Partnerschaft Erlangen-Wladimir vergab, darunter an das Projekt „Lichtblick“ von Jürgen Ganzmann, der dann im Jahr 2002 den 1. Preis zusammen mit Fritz Wittmann, Brüne Soltau und Peter Steger aus den Händen von Bundespräsident Johannes Rau entgegennehmen konnte. Da kommen Erinnerungen hoch.

Jürgen Ganzmann und Sergej Lawrow

Aber es geht ja weiter, wie beide Außenminister, die sich vertraut beim Vornamen nennen, es sich wünschen. Gerade in politisch schwierigen Zeiten. Die Zivilgesellschaft ist da gefordert wie nie zuvor, aber sie wird auch gefördert. Das Außenministerium stellt als Gastgeber Millionen für die Förderung des Austausches zur Verfügung, die Stiftung West-Östliche Begegnungen, der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften, das Deutsch-Russische Forum – sie alle unterstützen Initiativen und Projekte des Miteinanders.

Nikolaj Kaplenko und Konrad Krebs

Und schließlich gibt es da auch noch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der etwa auch die Arbeit der Eurowerkstatt in Jena unterstützt, von wo Konrad Krebs mit Nikolaj Kaplenko aus Wladimir zur Konferenz kam, auch wenn ihr Projekt dieses Mal keine Auszeichnung erhielt. Aber auch da geht die Verständigungsarbeit weiter.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Dennoch: Es könnte noch viel getan werden für das deutsch-russische Miteinander. In der gemeinsamen Erklärung der Veranstaltung  fordern die Veranstalter deshalb auch neben Erleichterungen bei der Erteilung von Visa und Verbesserungen bei den Bedingungen für Praktika und Hospitationen Unterstützung bei der Gründung eines deutsch-russischen Koordinationsrates der Partnerstädte.

Jürgen Ganzmann und Peter Steger

Vor allem aber: Es kann und darf nicht bei den etwa einhundert kommunalen Partnerschaften bleiben, die in keinem Verhältnis zu den 2.200 deutsch-französischen Verbindungen stehen. Immerhin liierten sich während der Tagung drei neue deutsch-russische Paare – Greifswald & Wyborg, Schwedt & Tuapse siwie Lahr & Swenigorod -, und 2019 soll dann das Deutsch-Russische Jahr der Wissenschaften ausgerufen werden. Es geht also weiter – schon Ende September mit dem deutsch-russischen Jugendforum in Hamburg, an dem Gruppen aus Jena und Wladimir teilnehmen…

Auszeichnung 16

Doch, weil’s so schön war, hier noch einmal das Gruppenbild.

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Oft wird ja gefragt, warum bei all den augenfälligen Unterschieden ausgerechnet Erlangen und Wladimir Partnerstädte geworden sind. Die Antwort ist so einfach wie unbefriedigend. Man weiß es einfach nicht, denn auf das Angebot von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, ausgesprochen 1981 bei seinem Besuch in Moskau, kam der Vorschlag der Sowjetischen Botschaft in Bonn, Kontakt mit Wladimir aufzunehmen. Vielleicht findet ein Historiker eines Tages den Vermerk in den Archiven der KPdSU und des Außenministeriums der UdSSR, der erklärt, wer da warum Wladimir ins Spiel brachte. Wie richtig und gut es war, diese Verbindung einzugehen, braucht man heute ja niemandem mehr erklären. Dennoch immer wieder erstaunlich, welche Übereinstimmungen es gibt.

Wladimir beim Stadtfest, gesehen von Wladimir Fedin

Da wurde nämlich soeben eine Studie der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation zur Frage der Lebensqualität in Großstädten mit 250.000 bis 500.000 Einwohnern veröffentlicht, die Wladimir auf dem vierten Platz sieht, gleich nach Nischnewartowsk, Grosnyj und Surgut. Im Schnitt sind in den untersuchten Städten 82% der Menschen mit ihrem Erdendasein zufrieden, in Wladimir gar 88%. Die Nachbarstädte Iwanowo mit 74%, Jaroslawl mit 78% oder Rjasan und Nischnij Nowgorod mit je 82% bleiben da deutlich zurück. Sogar Moskau gibt sich mit nur 83% gegenüber Wladimir recht bescheiden. Sieht man sich die Rankings der letzten Jahre an, kann Erlangen da durchaus mithalten. Vielleicht auch ein Grund, warum es so gut läuft zwischen den Partnerstädten. Es gibt kein Glücksgefälle zwischen Kljasma und Regnitz.

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Am Samstag feierte Wladimir wieder Geburtstag, seinen nach offizieller Lesart mittlerweile eintausendachtundzwanzigsten.

Wer einmal dieses Stadtfest miterlebte, kann sich vorstellen, was da in der Partnerstadt alles los ist – auf vielen Bühnen gleichzeitig, bei Ausstellungen und Sportveranstaltungen, kulinarisch und kulturell.

Aber es gehören auch immer Einweihungen und Übergaben von öffentlichen Einrichtungen dazu: dieses Mal die Eröffnung eines zweiten Eispalastes an der Stadtausfahrt Richtung Moskau oder eines Musikbrunnens vor dem Goldenen Tor.

Wichtiger aber wohl aus Sicht der nach Tausenden zählenden Gäste und Gastgeber – die vielen Begegnungen unterwegs, die zeigen, wie lebensfroh und vielgestaltig die Wladimirer Gesichter sind, eingefangen vom Meisterphotographen Wladimir Fedin. Hier eine kleine Auswahl seiner Eindrücke.

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