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Archive for the ‘Zivilgesellschaft’ Category


Ein gutes Jahr geht für den politisch wie konfessionell neutralen Verein „Nadjeschda“ zu Ende. Seit 15 Jahren aktiv in der Zusammenarbeit  und bei der Förderung des Jugendaustausches mit der katholischen Rosenkranzgemeinde Wladimir, ehrte Erzbischof Ludwig Schick die 39 Mitglieder für im Juli für ihre völkerverbindende Arbeit, und bereits im April hatte Vorstandsmitglied Jutta Schnabel aus den Händen der Bürgermeisterinnen Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß den „Ehrenbrief der Stadt Erlangen für besondere Verdienste im Bereich der Jugendarbeit“ erhalten.

Nadjeschda am Nikolaus-Tag 2017

Überhaupt die Jugendarbeit: Sie dominierte auch neben dem Projekt „Pilgerzentrum“ die gestrige Vollversammlung von „Nadjeschda“ – zu Deutsch „Hoffnung – unter dem Vorsitz von Dekan Josef Dobeneck mit einem ausführlichen Rückblick auf die jüngsten Begegnungen – dazu wird noch ein Bericht für den Blog erwartet – und einer Vorschau auf die Planungen für das nächste Jahr, in dem der Verein im Rahmen des 2018 anstehenden fünfunddreißigjährigen Partnerschaftsjubiläums in verschiedenen Gemeinden einen „Wladimir-Tag“ veranstalten möchte, um über die Katholiken in Wladimir zu berichten und die Kollekte für deren Gemeindearbeit vorzusehen. St. Kunigund und St. Sebald haben in der Hinsicht für dieses Jahr bereits ihren Plan großmütig erfüllt. Vor allem aber: Jedes Mitglied zählt mit seinen Ideen und Aktivitäten. Wer also mitmachen will, ist herzlich eingeladen, sich bei Josef Dobeneck unter Tel.: 09131/4000350 oder per E-Mail unter josef.dobeneck@erzbistum-bamberg.de zu melden. Der Mindestmitgliedsbeitrag beträgt gerade einmal 15 Euro. Möglich sind aber natürlich auch Einzelspenden auf das Vereinskonto Nr. IBAN DE09 7635 0000 0022 0017 64. Vergelt’s Gott!

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Die Wladimirer Jugendorganisation „Euroklub“, eng im Austausch mit Erlangen sowie Jena verbunden, betätigt sich seit einigen Wochen nun auch mit Migrationsfragen – und zwar ganz konkret mit Beratungs- und Gesprächsangeboten. Ein Grund zur Freude für Jelena Guskowa, Leiterin des Verbands, die in einer Zuschrift die Leser des Blogs an ihrer Begeisterung teilhaben lassen will:

Endlich ist es gelungen, Freiwillige für diese Arbeit mit Arbeitsmigranten zu gewinnen! Endlich haben wir gelernt, den Nutzen des interkulturellen Dialogs zu sehen. Ich denke, wenn das Projekt so erfolgreich fortgesetzt wird, wie es begonnen hat, könnte es zu einem Durchbruch im Bewußtsein der Wladimirer Stadtgesellschaft führen, einen Beitrag zu Toleranz und Solidarität leisten. Eine große Leistung des „Euroklubs“!

Interviews mit Arbeitsmigranten

Nikolaj Kaplenko erklärt als Projektleiter in einer Zusammenfassung, es gehe den jungen Leuten um die Überwindung von Stereotypen und Vorurteilen auf beiden Seiten. Die einheimische Bevölkerung sehe in den Gastarbeitern oft nur ungebildete Menschen, die in Waggons hausen, nur niedrige Tätigkeiten verrichten und mit denen man sich nicht näher einlassen sollte. Die meist aus den zentralasiatischen Republiken stammenden Migranten stehen ihrerseits häufig den Russen mißtrauisch gegenüber, fürchten, man wolle sie übers Ohr hauen und ihnen die sauer verdienten Rubel wieder abnehmen, die sie an ihre daheim gebliebenen Familien schicken wollen. Sobald sie sich freilich von den guten Absichten der Jugendlichen überzeugten, die auch die Moschee besuchten und mit islamischen Geistlichen sprachen, gingen die Usbeken, Tadschiken, Kasachen und Turkmenen richtig aus sich heraus, erzählten gern von ihren Lebensumständen, – auch davon, wie es ihnen in der Region Wladimir gefalle. Arbeit finden sie – bei Vorlage der Erlaubnis, die an einen erfolgreichen Sprachtest gebunden ist – in allen möglichen Bereichen, von der Landwirtschaft über die Gastronomie bis hin zum Bausektor und verarbeitenden Gewerbe. Aber immer nur auf Zeit, denn ausnahmslos alle leiden an Heimweh, wollen so schnell wie möglich mit ihrem Lohn wieder zurück zu ihren Familien.

Nikolaj Kaplenko (links im Bild) mit seiner Jugendgruppe beim Empfang im Mai 2016 mit Stadtrat Christian Lehrmann

Abschließend meint Nikolaj Kaplenko:

Wir fürchten oft das, was wir nicht kennen. Doch sobald wir unbekannte Menschen näher kennenlernen, wird klar, daß sie und wir gar nicht so anders sind.

Eine Erkenntnis, die der junge Mann schon im Vorjahr bei seinem ersten Besuch in Erlangen hatte. Nun will er diese noch weiter vertiefen, wenn er demnächst in Jena als Freiwilliger bei der „Euro-Werkstatt“ mitarbeitet und sicher auch wieder einmal in Erlangen vorbeischaut.

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Im September vor sieben Jahren verirrte sich ein fünfjähriges Mädchen namens Lisa Fomkina mit ihrer Tante in einem Waldstück an der Grenze zwischen den Regionen Wladimir und Moskau. Katastrophenschutz und Polizei taten sich bei der Suche nicht besonders hervor, und so durchkämmten fast 500 Ehrenamtliche die Gegend, zusammengerufen durch einen Appell in den Sozialen Medien. Das Kind  fand man schließlich zehn Tage nach der Vermißtmeldung, aber die Hilfe kam um mindestens einen Tag zu spät, denn am neunten Tag – das ergab die gerichtsmedizinische Untersuchung – war das Mädchen an Unterkühlung und Auszehrung gestorben.

Such- und Rettungseinheit Liza Alert – Mach mit!

Dieses erschütternde Unglück führte schon wenige Tage später zur Gründung der nichtstaatlichen Rettungsorganisation „Liza Alert“ mit einer Filiale auch im Gouvernement Wladimir, unterstützt von Fährtenlesern, Hundeführern, Tauchern, Hubschrauberpiloten, Fahrern von Geländewagen und Menschen mit medizinischer Ausbildung. Eine Notrufnummer ist rund um die Uhr besetzt.

Im Herbst bricht die Zeit der stillen Jagd an, wenn man Pilze sammeln kann.

Wie sinnvoll dieser Dienst zeigt sich gerade wieder in diesen Tagen. Die Pilzsaison geht in den tiefen Wäldern um Wladimir ihrem Höhepunkt entgegen, und an einem Tag können bis zu 15 Anrufe eingehen. Wenn denn das Netz stabil ist. Wie gefährlich es sein kann, sich im dunklen Tann ohne Ortskenntnis auf die „stille Jagd“ zu begeben, bewiesen gerade wieder unfreiwillig zwei Frauen, die mit einem zweijährigen Kind in die Pilze gingen. Am frühen Nachmittag wurde ihnen klar, sich verlaufen zu haben, aber erst am späten Abend ortete sie ein Rettungstrupp vom Hubschrauber aus, und um ein Uhr in der Nacht fand man die drei dann am Boden.

Das Kleinkind wurde übrigens zum glücklichen hundertsten Jubiläumsfund seit Gründung der Initiative, die freilich noch glücklicher wäre, wenn die Pilzsammler folgende Grundregeln beachten wollten: Akku vom Handy laden, Wasser und Lebensmittel ebenso mitnehmen wie ggf. notwendige Medikamente und Streichhölzer für ein Signalfeuer. A und O aber – Ortskenntnis, wenn es einem nicht ergehen soll wie Hänsel und Gretel.

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Am kommenden Wochenende feiert Wladimir wieder Geburtstag mit dem Stadtfest, das – kaum jemand weiß dies noch – zurückgeht auf die Zehnjahresfeier der Städtepartnerschaft im September 1993 mit dem „Fränkischen Fest“ als Höhepunkt im Stadtpark. Der hier im Blog schon des öfteren zitierte Politologe Roman Jewstifejew macht sich hierzu seine eigenen Gedanken, unfrisiert und ungeniert, wie der Dozent an der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft nun einmal Wladimir und die Welt sieht, in der wir gar nicht so anders erscheinen. Aber machen Sie sich Ihr eigenes Bild:

Die Hauptsache ist: Beim Wladimirer Stadtfest fehlen die Bürger. Zum Fest geladen werden nicht Bürger, sondern Konsumenten, um ihnen Erfolge, Vergnügungen und ein Feuerwerk zu verkaufen. Es gibt überhaupt keine Rituale, um die Bürger miteinander zu vereinen, keinerlei Stätten des Gedenkens und Aktionen, die Konsumenten in Bürger verwandeln könnten, nach Meinung der „Verkäufer“ ja auch gänzlich unnötig, denn „kaufen“ sollen sie, was man ihnen gibt, und zufrieden sollen sie damit sein.

So, wie man einen Park gestaltet, so soll er eben sein, womit man ein neues Museum vollstopft, das soll dort eben hängen, wer an der Ehrentafel zu sehen ist, soll dort eben zu sehen sein. Für wen die Haushaltsmittel reichen, der soll eben auch auf dem Fest singen und tanzen. Man sehe es uns nach, aber es ist besser, ihr konsumiert, was man euch gibt.

Dabei seien doch, wie das Stadtoberhaupt sagt, die Hauptsache in der Stadt ihre Menschen. Nichts wahrer als das. Nur sind mit diesen Menschen nicht Bürger gemeint, sondern Konsumenten, die annehmen, was von oben gegeben wird, die offenbar einzig Brot und Spiele fordern. So sind wir in der Vorstellung der Beamten.

Die Stadt hat eine tausendjährige Geschichte, aber beim Stadtfest gibt es nichts zu erinnern; sich als Teil dieser Geschichte zu empfinden, ist fast nirgendwo möglich, es wurden keine Rituale geschaffen, keine Stätten der Erinnerung an die Geschichte der Stadt eingerichtet.

Natürlich wird das eine oder andere hergerichtet, etwas zum Fest fertiggestellt, und das ist gut so. Aber das gewaltige zivilgesellschaftliche Potential des Festes ist auf Null gesetzt. Dieses Potential ist gefährlich, man stellt es lieber ruhig, während die öffentliche Aktivität und die zivilgesellschaftlichen Anfragen lieber mittels Anhörungen in Hinterzimmern und zivilgesellschaftliche Kammern kontrolliert, die besonders „zivilgesellschaftlich Aktiven“ aber durch polizeiliche Maßnahmen wieder auf Linie gebracht werden. Soll das eine Stadt sein? In ihres ganzen Wortes Sinn? Nein. Wie soll man das nennen? Man bilde sich da selbst ein Urteil.

Ich erinnere mich an ein durch und durch phantasievoll gestaltetes Stadtfest in Wladimir, Mitte der 90er Jahre, als man aus der Partnerstadt Erlangen Fässer mit echtem deutschen Bier in den zentralen Park brachte, wobei jedes Faß umgeben war von einer Mannschaft echter Deutscher, die das Getränk zapften und für die Durstigen ausschenkten. Das war der Wahnsinn.

Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg und sein Kollege Igor Schamow, im Hintergrund Stadtratsvorsitzender Gennadij Andrianow und Richard Heindl, Gründer der Heitec AG, gesehen von Wladimir Filimonow

Die halbe Stadt hatte sich damals im Park versammelt, um sich das deutsche Bier schmecken zu lassen. Aber nicht nur um das Bier ging es, nicht nur um das Trinken, sondern da waren einfach wirklich jede Menge Leute. Da konnte man Gott weiß wen treffen, und alle freuten sich, einander zu sehen. Man sprach miteinander, stand in Gruppen beisammen, man stritt, diskutierte und traf Verabredungen. Bei aller auch ökologischen Widersprüchlichkeit dieser Veranstaltung, bleibt dieses Fest unübertroffen, eben wegen des Gefühls der Freiheit, der Solidarität und der Vereinigung der Bürger. Etwas in der Art gab es später nie wieder.

Überhaupt erfüllt das Stadtfest derzeit keinen anderen Zweck als Vergnügungen, die wegen der klammen städtischen Finanzen bescheiden und unattraktiv ausfallen. Deshalb, Freunde, vergnügt euch selbst so, wie ihr es eben könnt. Wenigstens ist gutes Bier heute viel einfacher zu bekommen, als vor zwei Jahrzehnten.

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Nach jedem Gipfeltreffen der deutsch-russischen Partnerstädte stellt sich die Frage, wie es danach weitergeht, welche neuen Ziele man sich setzt. So auch gestern nach dem frühmorgendlichen deutsch-russischen Freundschaftslauf – zunächst für fünf Kilometer ausgeschrieben, dann auf gerade einmal drei Werst verkürzt – eines etwa einhundertköpfigen Teams durch einen der nebeldampfenden Parks von Krasnodar.

Sieg der Partnerschaft: Sergej Siwajew und Peter Steger

Nach der Rückschau auf die Ergebnisse der Arbeitskreise und die Präsentation der Projektvorschläge seitens der ungefähr einhundert Jugendlichen aus beiden Ländern in der Philharmonie, nach der Einladung zur nächsten Austragungsstätte 2019 in Düren, nach der Verabschiedung und dem verdienten Dank an die Organisatoren vor allem vom Deutsch-Russischen Forum und dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO) sowie dem Internationalen Verband der Partnerstädte und der Gastgeber…

Der deutsch-russische Freundschaftslauf

Eine Frage, die zunächst natürlich jedes Partnerschaftspaar für sich zu entscheiden hat, eine Frage aber auch, der sich mehr denn je zuvor gerade auch die hohe Politik annimmt, wie es die nachstehende Vereinbarung der Außenministerien in Berlin und Moskau ganz undiplomatisch klar formuliert:

K 25

Elisabeth Preuß mit Peter Franke, Vorsitzender des BDWO, und Oxana Kogan-Pech, Schriftführerin des BDWO

Nach einem erfolgreichen „Jahr des deutsch-russischen Jugendaustausches 2016/2017“ sollen Austausch, Verständigung und gegenseitiges Vertrauen im deutsch-russischen Verhältnis durch eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit auf kommunaler und regionaler Ebene vertieft werden. Eine besondere Rolle kommt dabei den zahlreichen Partnerschaften zwischen Bundesländern, Regionen, Kreisen, Städten und Gemeinden sowie gesellschaftlichen Vereinigungen, Universitäten und Schulen zu. Diese Verbindungen bilden das Rückgrat aktiver deutsch-russischer Beziehungen. Viele dieser Partnerschaften feiern 2017 und 2018 ihr 25-jähriges Bestehen. Wir wollen diese Partnerschaften stärker in das öffentliche Bewußtsein rücken und die aus ihnen hervorgehende Dynamik nutzen, um für weitere Partnerschaften zwischen Deutschen und Russen zu werben und dadurch Vertrauen wachsen zu lassen. Wir sind überzeugt, die kommunalen und regionalen Partnerschaften stellen eine unverzichtbare tragende Komponente der bilateralen Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern dar.

Präsentation der Jugendprojekte

Wir, der Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation und der Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, stellen daher die Initiative eines „deutsch-russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“, das die Tradition erfolgreicher Kreuzjahre in unseren Ländern weiterführt, unter unsere Schirmherrschaft.

Das „Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“ soll während der Städtepartnerschaftskonferenz vom 28. bis 30. Juni 2017 in Krasnodar eröffnet werden. Es soll eine positive Dynamik des Zusammenwirkens und der Kontakte zwischen den Zivilgesellschaften der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland sicherstellen. Wir hegen den gemeinsamen Wunsch, über die zahlreichen kommunalen und regionalen Partnerschaften die Zahl und Intensität der direkten Kontakte zwischen Russen und Deutschen zu steigern und dadurch den Dialog und das Verständnis zwischen unseren Gesellschaften zu stärken. Gerade in politisch schwierigen Zeiten kommt es auf sichtbare Zeichen der Zusammenarbeit an.

Daher verbinden wir mit dem „deutsch-russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ große Erwartungen. Die im Rahmen der kommunalen und regionalen Partnerschaften entstehenden Kontakte und Verbindungen zwischen Menschen aus verschiedenen Bereichen bürgerschaftlichen Engagements bieten eine unschätzbare Zukunftschance für das gutnachbarschaftliche Verhältnis zwischen Deutschen und Russen.

Elisabeth Preuß dankt den freiwilligen Helfern, den jungen Schutzengeln der Veranstaltung

Es ist dies jener „Schatz“, den es zu hüten gilt, von dem Sigmar Gabriel zur Eröffnung der 14. Städtepartnerkonferenz in Krasnodar am Mittwoch so eindringlich gesprochen hatte. Jetzt kommt es darauf an, dieses Talent nicht zu vergraben, sondern es nach Kräften zu mehren. Erlangen und Wladimir wollen das jedenfalls tun, gerade auch angesichts des 2018 bevorstehenden 35jährigen Jubiläums der Bürgerpartnerschaft.

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Unter diesem Motto startete gestern morgen im Expograd vor den Toren von Krasnodar der Arbeitstag der 14. deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz mit einem ganzen Reigen von Diskussionsveranstaltungen mit Kurzvorträgen. Wer die als Biennale angelegten Veranstaltungen aus früheren Jahren kennt, weiß wie detailverliebt die Organisatoren das Programm gestalten.

Sergej Sacharow und Sergej Siwajew

Da gibt es einen Markt der Möglichkeiten, wo sich Initiativen mit ihren völkerverbindenden Aktivitäten präsentieren können, vor allem aber bespricht man in Arbeitsgruppen laufende und künftige deutsch-russische Projekte unterschiedlichster Ausrichtung.

Matthias Platzeck in der Arbeitsgruppe

Es geht um Wirtschaftskontakte, die helfen sollen, in schwierigen Zeiten durch Handel und Wandel die Zukunft gemeinsam zu schaffen. Man entwickelt eine Gedenkkultur, die an die in Leid und Freude verbindende Geschichte um der Zukunft willen erinnert. Kooperationsangebote in den Bereichen Bildung, Sprachförderung und Jugend stehen auf der Agenda, während der Sport seinen Beitrag zu Verständigung und Toleranz leisten soll. Schließlich kommen auch „aktive Bürger ins Gespräch“ und erörtern soziale Fragen im Rahmen von Städtepartnerschaften.

Elisabeth Preuß in der Arbeitsgruppe

In einer sechsten Gruppe sitzen all jene, darunter auch Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, zusammen, die sich, unterstützt von Sergej Sacharow, ehemaliger Oberbürgermeister von Wladimir und jetziger Stadtdirektor von Susdal, sowie von Sergej Siwajew, Professor an der Moskauer Hochschule für Urbanistik und einst erster stellv. Bürgermeister von Wladimir, den „aktuellen Herausforderungen der Kommunen und Perspektiven in der Zusammenarbeit“ stellen wollen.

Sergej Siwajew bei seinem Vortrag zur Rolle der Städte bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Es geht um Fragen wie Energieeffizienz und Verkehrssysteme in der Verantwortung von Kommunen, um das Bemühen, die Städte lebenswerter zu machen, die Bürgerschaft in Entscheidungen der Politik frühzeitig einzubinden und an allen Prozessen zu beteiligen, den Lebensraum der Menschen zukunftsfähig zu machen und nachhaltig zu wirtschaften.

Sergej Sacharow bei seinem Vortrag

Fachleute aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie oder der Deutschen Energieagentur sowie aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung stellen ihre Expertise den russischen Kollegen und den Partnerstädten zur Verfügung. Mehr noch: Es gibt die Möglichkeit sich an einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu beteiligen, die zum Ziel hat, deutsche und russische Städte bei ihrem gemeinsamen Streben nach einer nachhaltigen kommunalen Entwicklung zu unterstützen. Mit dabei die Paare Dresden – Sankt Petersburg, Gelsenkirchen – Nischnij Nowgorod sowie Erlangen – Wladimir auf der Suche nach Konzepten für die Stadt der Zukunft im Rahmen einer deutsch-russischen Kooperation für nachhaltiges Wirtschaften im urbanen Raum.

Elisabeth Preuß bei ihrem Vortrag

Elisabeth Preuß wirbt mit ihrem Vortrag dafür, die Erfahrungen Erlangens mit der Verlagerung des zentralen Siemens-Standorts auf den Campus im Süden der Stadt für Wladimir nutzbar zu machen, denn dort steht man wegen der Lage von Betrieben, die einst prägenden Charakter hatten und heute in großen Teilen brachliegen, vor durchaus vergleichbaren Herausforderungen. Ob aus dem Ansatz ein gemeinsames Projekt wird, vermag derzeit noch niemand zu sagen, aber den Schweiß der Tüchtigen ist die Sache in jedem Fall wert.

Elisabeth Preuß im Gespräch mit Maria Josten und Tanja Abendschein-Angerstein

Im übrigen ist es durchaus erstaunlich, was die russischen Städte unter teilweise recht schwierigen Bedingungen aus eigener Kraft auf die Beine stellen. Etwa Susdal, dem es mit Hilfe von Fördermitteln der Zentralregierung und der Regionalverwaltung gelungen ist – übrigens in enger Abstimmung mit den Einwohnern der Museumsstadt – ein neues System für die Straßenbeleuchtung einzurichten, das nicht nur Energie und Kosten spart, sondern auch noch „Luft“ läßt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nachts anzustrahlen. Jetzt will man auch noch die veraltete Steuerungstechnik modernisieren, alles im Hinblick auf 2024, das tausendjährige Jubiläum der heimlichen Hauptstadt des Goldenen Rings.

Nach getaner Arbeit: die Gruppe „Stadt der Zukunft“

Prognosen sind bekanntlich schwierig, besonders dann, wenn sie die Zukunft betreffen. Aber eines zeigt die Konferenz von Krasnodar schon jetzt, auch wenn sie erst heute zu Ende geht: Es braucht einem nicht bange zu sein, um das Fortbestehen der deutsch-russischen Partnerschaften. Sie erfinden sich nicht nur immer wieder neu, sondern sie erhalten auch zusehends Unterstützung von den Regierungen, können sich an staatlichen Programmen beteiligen, erfahren Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Mehr braucht es gar nicht, denn – da wiederholt Matthias Platzeck, seinerzeit selbst Stadtoberhaupt von Potsdam, gern noch einmal die Worte von Sigmar Gabriel -, „ginge es nach den Bürgermeistern, wären fast alle Probleme der Welt gelöst.“

Folkert Kiepe aus Köln, Beigeordneter des Deutschen Städtetages a.D., und Elisabeth Preuß

Dabei schätzen die Lokalpolitiker eines ganz besonders: ihre kommunale Selbstverwaltung, kraft welcher sie ja auch ihre ganz eigene Außenpolitik verfolgen, friedlich und zum gegenseitigen Nutzen, den Blick auf die Zukunft gerichtet und eingedenk der Verantwortung, die ihnen aus der Vergangenheit zuwächst.

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Aus vielen deutschen und russischen Städten machten sich in diesen Tagen diejenigen auf den Weg nach Krasnodar, die in den Begegnungen von Schülern, Sportlern, Künstlern, in Gesprächen, Diskussionen, bei Feiern, bei Treffen in der Natur und in der Banja einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung sehen.

Elisabeth Preuß, Schirmherrin der Partnerschaft mit Wladimir

Es geht um viel mehr als nur einen nüchternen Beitrag: Die schier unerschöpfliche Themenvielfalt, die engen Freundschaften, die Seminare, aber sicher auch die Schwierigkeiten und Stolpersteine auf dem Weg zu so manchem Austausch zeigen einen Weg auf, wie auf der menschlichen Ebene das erreicht werden kann, worum auch in Sitzungen in Ministerien oder Botschaften gerungen wird, stabile und ausdauernde Freundschaft zwischen unseren Ländern, zur Zeit wahrlich ein großes Ziel.

Denkmal für Alexander Newskij in Krasnodar, den Großfürsten von Wladimir seit 1252 und russischen Heerführer: „Nicht in der Stärke wohnt Gott, sondern in der Wahrheit“.

Die persönliche Begegnung, das persönliche Gespräch, das auf dieser Konferenz in der Realität Erlebte ist umso wertvoller, als in verschiedensten Medien, seltsamerweise „soziale Medien“ genannt, Nachrichten in die Welt gesetzt und per Klick gedankenlos weitergegeben werden, die nicht der Kenntnisnahme von Fakten dienen, sondern eher dem Verbreiten von Lüge, Neid und Angst.

Elisabeth Preuß vor dem Denkmal für Kaiserin Katharina II, die das einst nach ihr benannte Krasnodar gründen ließ

Da es kaum schlechtere Ratgeber gibt als Neid und Angst, hat die Konferenz in Krasnodar eine große Aufgabe: Alle Teilnehmer aus 50 deutschen und fast 100 russischen Städten werden zu Botschaftern. Zu Botschaftern in den Kommunalverwaltungen, Partnerschaftsvereinen oder Freundeskreisen – mit einer Mission: Unsere beiden Länder sind Geschwister, – nicht immer einer Meinung, aber im Wissen um die vielen gemeinsamen Aufgaben, die unter dem Dach der gemeinsamen Verantwortung für den Frieden anstehen.

Das Programm der Konferenz ist vielfältig und reicht von praktischen Aspekten wie Beteiligung bis hin zu zukunftsgerichteter Erinnerungskultur, ein Füllhorn an Ideen für alle, die das Denken und Handeln nicht anderen überlassen, sondern selbst anpacken.

Elisabeth Preuß auf dem Weg zur Konferenz

Elisabeth Preuß, Verfasserin dieser Einführung ins Thema, gehört zu jenen, die selbst anpacken bei der deutsch-russischen Verständigung, doch Erlangens Bürgermeisterin macht sich keine Illusionen: Der Weg ist noch weit, den ihr Kollege Wolfram Jäger aus Karlsruhe, Gastgeber des Kongresses vor zwei Jahren, bei der Eröffnung der 14. Partnerschaftskonferenz in Krasnodar vorzeichnet. Er baut an einer Dreieckspartnerschaft Krasnodar – Nancy – Karlsruhe und träumt von einem engen bürgerschaftlichen Netz der Kontakte zwischen deutschen und russischen Kommunen – ganz nach dem Vorbild der deutsch-französischen Aussöhnung, die übrigens auch Altoberbürgermeister Anfang der 80er Jahre ermunterte, die Verbindung zu Wladimir nach dem Beispiel mit Rennes aufzunehmen.

Die Philharmonie Krasnodar in Konferenzlaune

Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, das gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften und der Stiftung West-Östliche Begegnungen die Konferenz ausrichtet, ruft in der Philharmonie von Krasnodar die ca. 500 Delegierten aus beiden Ländern sogar dazu auf, ihren Beitrag dazu zu leisten, die Zahl der Partnerschaften zu verdoppeln. Denn: „Wir brauchen einander mehr denn je!“

Folklore für die Gäste

Doch die Zahlen lassen da wenig Hoffnung aufkommen. Den gut 2.200 deutsch-französischen kommunalen Freundschaften stehen gerade einmal knapp einhundert deutsch-russische Partnerschaften gegenüber. Konstant, seit Jahren – ungeachtet aller Bemühungen, neue Gemeinden für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Zu groß scheinen die Vorbehalte vor allem auf Seiten der deutschen Lokalpolitiker zu sein, die wohl befürchten, derlei Kontakte seien zu personalaufwendig, könnten zu teuer werden, wären schwer mit Leben zu erfüllen.

Sergej Siwajew, Elisabeth Preuß und Sergej Sacharow

Welch ein Irrtum, wenn man sich die vielfältigen Aktivitäten der Partnerstädte ansieht, welch ein Irrtum, wenn man weiß, was dank den zivilgesellschaftlichen Verbindungen an konkreter Arbeit für Frieden und Verständigung geleistet werden kann.

Matthias Platzeck und Elisabeth Preuß

Man weiß dies längst auch in den Außenministerien beider Länder und würdigt dies auch mit der Teilnahme von Sigmar Gabriel und Sergej Lawrow an der Konferenz. Beide kommen übrigens nicht nur mit Worten und Gesten, sondern mit konkreter Unterstützung für diese bürgerschaftliche Arbeit, indem sie unter ihrer Schirmherrschaft das „Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“ zwischen unseren Ländern ausrufen.

Die Plätze sind reserviert – und werden übrigens später von den Politikern getauscht

Zukunftsprojekte in der deutsch-russischen Kooperation auf lokaler Ebene will man fördern und nach Möglichkeit die Gründung neuer Partnerschaften anregen. Vor allem Sigmar Gabriel, der heute seine Gespräche in Moskau fortführt, will nicht verhehlen, wie sehr im die Sache am Herzen liegt, wohl auch weil er die „Völkerverständigung von unten“ aus eigenem Erleben kennt.

Sigmar Gabriel bei der Konferenz

1980 nämlich nahm der spätere Außenminister an einem Jugendaustausch teil und besuchte Moskau und Leningrad just und gerade wegen des Olympia-Boykotts. Dabei kam bei Sigmar Gabriel wohl schon etwas in Gang, das ihn heute noch so leidenschaftlich für die Verständigung kämpfen macht, auch wenn er gerade gestern bei der späteren Pressekonferenz mit seinem russischen Kollegen wegen Syrien und Nato-Fragen durchaus uneins blieb.

Elisabeth Preuß und Sergej Sacharow

Sein Credo lautet: „Nur Dialog schafft Vertrauen!“ Deshalb auch sein spontaner Vorschlag, ein Institut für Frieden und Verständigung zu schaffen. In Leningrad. Ein Versprecher ohne Manuskript, aber desto glaubwürdiger, denn hier spricht jemand, der gerade den Bogen von der Erinnerung in die Zukunft schlägt und betont: „Je schwieriger die politische Lage, desto wichtiger die kommunalen und bürgerschaftlichen Kontakte.“ So wie das Erlangen und Wladimir seit 34 Jahren praktizieren und fortsetzen wollen, auch wenn Oberbürgermeisterin Olga Dejewa aus dienstlichen Gründen nicht an der Konferenz teilnehmen kann. Aber ihr Vorgänger im Amt, Sergej Sacharow, mittlerweile Stadtdirektor in Susdal, und Sergej Siwajew, in den 90er Jahren erster stellv. Bürgermeister von Wladimir und Förderer des Erlangen-Hauses und jetzt als Professor für Urbanistik in Moskau tätig, werden sicher in der Partnerstadt berichten, was in Krasnodar gestern besprochen und heute vielleicht schon entschieden wird.

Dietrich Möller und Elisabeth Preuß

Wie wichtig die Konferenz auch für die Wirtschaft ist, beweist etwa die Teilnahme von Dietrich Möller, dem Präsidenten der Siemens AG in der Russischen Föderation und Zentralasien, oder von Vertretern der Deutschen Bahn, der Beratungsfirma Röld & Partner oder der Knauf Gips KG, die immer wieder auch die Partnerschaft Erlangen – Wladimir unterstützt. Die Anwesenden haben begriffen, worum es geht. Nun gilt es, neue Verbindungen herzustellen und die bestehenden zu festigen. Wie das geht, erlebt man in Krasnodar. Aber der Weg ist noch weit, und es braucht viele weitere Sternfahrer.

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