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Archive for the ‘Zahlen und Fakten’ Category


Die neuesten Zahlen der RIA Nowosti für das Jahr 2018 sehen die Region Wladimir auf dem absteigenden Ast, zumindest hinsichtlich der mittleren Einkommen im Verhältnis zu einem festgelegten Waren- und Dienstleistungskorb. Danach nimmt das Gouvernement mit 12,8% Einwohnern, die jenseits der Armutsgrenze leben, Platz 70 unter den 85 föderalen Subjekten der Russischen Föderation ein. In absoluter Armut leben 1,3%, definiert dadurch, daß man weniger als die Hälfte des Existenzminimums zur Verfügung hat. Die Nachbarregionen stehen zum Teil deutlich besser da: Iwanowo auf Platz 57, Rjasan 55, Jaroslaw 45, Nischnij Nowgorod 20 und das Umland von Moskau gar auf Rang 8. Wer dort lebt, kann sich demnach das Eineinhalbfache oder Doppelte des Waren- und Dienstleistungskorbs leisten.

Da gehen auch zwei Rubel, um die jetzt wieder die Preise im ÖPNV steigen, ins Geld. Für eine Fahrkarte mit dem Bus bezahlt man ab morgen im Bus bzw. Oberleitungsbus 24 und 23 Rubel.

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30 Jahre ist es jetzt her, seit in der UdSSR zum letzten Mal eine Volkszählung durchgeführt wurde. In dieser Zeit verlor das Gouvernement Wladimir 288.000 Einwohner, wobei der Rückgang recht gleichmäßig vonstattenging. Einzig im Jahr 2010 war ein leichter Anstieg zu verzeichnen, ausgerechnet als der bisher letzte Zensus in der postsowjetischen Region Wladimir und landesweit durchgeführt wurde. Trotz anhaltender Landflucht verloren die Städte mehr Menschen als die Dörfer – im Verhältnis von 251.000 gegenüber 37.000.


Blickt man freilich weiter zurück, ins Jahr 1926, zeigt sich, wie sich insgesamt die Demographie umgekehrt hat. Gegenwärtig leben 296.000 Wladimirer auf dem Land und 1.006.000 in Städten. Anno 1926 stellte sich die Relation genau andersherum dar: 1.057.000 vs. 264.000.

Bei so viel Zahlen sei dem Auge ein wenig Ruhe gegönnt mit diesen Februarbildern des Wladimirer Malers Georgij Parfjonow.

 

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Kommt man nach Wladimir zu Besuch, könnte man meinen, alle Leute zahlten so gut wie alles per Karte, jedenfalls scheint es, der bargeldlose Einkauf sei dort stärker verbreitet als zu Hause. Traut man jedoch den Zahlen der Statistiker mehr als den eigenen Augen, sieht das Bild ganz anders aus, besonders in der Region Wladimir, die in dieser Hinsicht im landesweiten Schnitt konservativer agiert.

Die Nationale Agentur für Finanzforschung kommt nämlich zu dem Ergebnis, das nur 70% der Verbrauer in der Region Wladimir eine Karte nutzen, während das insgesamt landesweit im Durchschnitt 75% der Bevölkerung tut, und nur 12% zahlen auch tatsächlich bargeldlos im Kontrast zu insgesamt 16%. Bei der Nutzung von Internetbanken ein ähnliches Bild: 25% versus 31%. Da liegt auch die Frage nach dem Sparverhalten nahe. Auch da unterscheiden sich die Wladimirer von den Durchschnittsrussen, indem 20% regelmäßig etwas auf die Hohe Kante legen, wohingegen nur 17% der Gesamtbevölkerung eine derartige Vorsorge treffen, was wiederum mit der Zahl der Eröffnung von oder Einzahlung auf ein Sparkonto korrespondiert: 29% gegenüber 25%. Da verwundert es auch nicht mehr, wenn 72% der Wladimirer den Banken vertrauen, was im übrigen Land gerade einmal 64% von sich behauptet.

Nun weden sich bestimmt eines Tages Soziologen daran machen, nach den Gründen für diese Unterschiede zu suchen. Aber auch das wird die übrige Welt wohl kaum dabei weiterbringen, die ungeschriebenen Gesetze des russischen Gemeinwesens zu verstehen. Dabei helfen vielleicht einige Sprichwörter zum Thema Geld wie „Der Geizige zahlt doppelt“, „Ein Wort zählt mehr als Geld“ oder „Besser 100 Freunde als 100 Rubel“. Konkret über Geld zu sprechen, das man hat oder nicht hat, gehört sich noch immer nicht, hat etwas Unangenehmes an sich, besonders für die älteren Menschen, die einem gern sagen, Geld mache nicht glücklich oder besser einen guten Menschen an der Seite als Geld in der Tasche. Da ist dann auch der Neid nicht weit und die verbreitete Meinung, alle Reichen hätten ihre Besitztümer mit Gaunereien zusammengetragen, Wohlstand sei nur eine Folge von Spekulantentum. Diese das Geld generell eher abwertende Haltung ist Ergebnis einer jahrhundertelangen Erziehung, wo man nie lernte, selbst Geld zu machen, sondern immer das von den Vorgesetzten festgelegte und einem zustehende Gehalt erhielt. In der Sowjetzeit hatte man ja sogar mit empfindlichen Strafen zu rechnen, wenn man auf eigene Rechnung arbeitete und seinen Wohlstand mehren wollte. Doch auch in der Zarenzeit galt der erfolgreiche Kulak, der Großbauer, oder der Kaufmann eher als Ausbeuter, denn als Vorbild für eigenes Handeln. Erst mit der jungen Generation dreht sich die Stimmung: 84% der Jugendlichen meinen heute, es sei gut, mehr zu arbeiten, um auch mehr zu verdienen, und sie wissen, wenn der Rubel nicht rollt, wird es auch nichts mit der Ausbildung, mit der Kultur, mit Reisen… Aber das war ja jetzt fast schon ein Ausflug in die Soziologie.

 

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Zum heutigen Tag des Vaterlandsverteidigers veröffentlichen die Statistiker Zahlen zum Thema „Männer“, die nachdenklich stimmen. Zunächst einmal sind sie in der Unterzahl: 624.000 zählte man im Vorjahr in der Region Wladimir, 130.000 weniger als Frauen. Damit kamen 2018 auf 1.000 Männer 1.207 Frauen, ein Verhältnis, das sich bereits Jahren so darstellt – seit 2010 stehen 45% Männer 55% Frauen gegenüber. Demographisch geraten die Männer zunehmend ins Hintertreffen, denn 2018 wurden sie um 7.300 weniger, wobei der Anteil der älteren Männer konstant bei 17% bleibt, was die allgemeine Alterung der Gesellschaft widerspiegelt. Alarmierend dabei die hohe Zahl von Männern, die das Gouvernement Wladimir verlassen. 2018 waren das 9.200, 300 mehr als 2017. Dieser „Fluchtreflex“ zeigt sich freilich bei den Frauen noch ausgeprägter. 11.000 waren es im vergangenen Jahr, die ihrer Heimat den Rücken kehrten, 2017 lag die Zahl noch bei 10.400.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Schneesturm, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Positiv zu vermerken ist aber die gute Beschäftigungslage. Die Arbeitslosigkeit unter Männern ist zwar nur leicht, aber immerhin nachweisbar gefallen, von 5% im Jahr 2017 auf 4,8% im Vorjahr. 95% von ihnen verfügen über ein stabiles Einkommen. Dabei besetzen die Herren ungeachtet aller Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit weiter vornehmlich Leitungspositionen und typische „Männerberufe“ und dominieren diesen Bereich mit teilweise mehr als 60% Anteil: Versorgung und Entsorgung, Bau, Transportwesen, Logistik, Land- und Forstwirtschaft, Naturwissenschaften, Energie-Erzeugung, Abfallverwertung – und Straßenreinigung, besonders heute, denn gestern tobte über Wladimir ein Schneesturm.

Schnee 5

Nikolaj Liwschiz, Chefredakteur des Prisyw

 

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Schwere Kost à jour: Die Region Wladimir nimmt den dritten Platz unter den zentralrussischen Gouvernements hinsichtlich der Aids-Ansteckungsrate ein – mit weiterhin steigender Tendenz. Das zumindest geht aus dem Jahresbericht 2017 des Russischen Gesundheitsministeriums hervor. Ein Trend, der für das ganze Land gilt, weil es, wie Experten beklagen, vor allem an Aufklärung und Vorbeugung fehlt. Und so zählt man in der Region Wladimir aktuell fast 48 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner. Schlimmer ist es nur noch in den Gouvernements Iwanowo und Tula mit den Kennziffern 62 und 50. Allerdings nehmen in Wladimir und Umland die Fälle weiter zu: 55 Neuinfektionen von 2016 bis 2017, während sie im Raum Tula um 123 zurückgingen.

Wichtig dabei: Die Zahl der Neudiagnosen sagt wenig über das aktuelle Infektionsgeschehen aus, denn sie erfaßt lediglich, wie viele Menschen in einem bestimmten Zeitraum positiv getestet wurden. Der Zeitpunkt der Infektion liegt dann oft schon lange zurück. Neue HIV-Infektionen werden oft erst Jahre später festgestellt und in der Statistik erfaßt. Und dann ist da immer noch die Dunkelziffer derer, die gar nichts von ihrer Infektion wissen (wollen). Daß da auch bei uns noch vieles im argen liegt, zeigt dieser Artikel der SZ: https://is.gd/N61WvR

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Immer wieder fragen Erstreisende nach Wladimir, welche Summe an Bargeld man am besten mitnehme, wie viel man schon hier oder vor Ort tauschen solle. Die Antwort: So wenig wie möglich, denn man kann so gut wie überall mit der gleichen Karte bezahlen wie hier, in jedem Restaurant, in jedem Geschäft, wo auch immer.

Nun belegt diese Beobachtung auch die Finanzstatistik, wonach im ersten Quartal des Jahres die Konsumenten der Region Wladimir 44.700.000 Mal bei Bezahlen zur Karte griffen und 91.100.000.000 Rubel bargeldlos ausgaben, fast eineinhalb Mal mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf knapp 1.400.000 Einwohner kommen 2.100.000 Karten, und auf die entfielen bei Einkäufen im Einzelhandel und Bestellungen in der Gastronomie bereits 77% aller Zahlungen. Glaubt man den Prognosen, wird 2018 das erste Jahr in der Region Wladimir sein, in dem für Anschaffungen und Dienstleistungen insgesamt mit einem Anteil von 55,6% erstmals häufiger die Karte – übrigens immer häufiger auch kontaktlos – eingesetzt als Bargeld verwendet wird.

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Am 8. Juli feiert man überall im Land – besonders aber in Murom, wo die beiden Schutzpatrone des Festes, Pjotr und Fewronia, herkommen und verehrt werden – den „Tag der Liebe und Treue“, auch „Tag der Familie“ genannt. Leider unter einem unguten Vorzeichen. Die Statistiker nämlich vermelden keine Zahlen, die Vorfreude aufkommen ließen, sind doch 2017 die Geburtenraten in der Region Wladimir nach einem Jahrzehnt des Anstiegs nun wieder auf das Ausgangsniveau gefallen.

Von 2003 bis 2015 stiegen die Geburten auf 1.000 Einwohner von der Kennziffer 9,3 auf 11,6. Allerdings gibt es seit 2016 einen Knick von 11,2 auf aktuelle 9,7 Kinder, was einem Rückgang von 2.300 auf insgesamt 13.400 Neugeborene entspricht. Eine Tendenz, die sich heuer fortsetzen dürfte. Man geht von einem zu erwartenden Koeffizienten bei etwa 9,3 aus.

Damit liegt das Gouvernement Wladimir im Trend der zentralrussischen Regionen sowie des gesamten Landes, wo im Vorjahr 1.690.000 Geburten verzeichnet wurden, 198.400 weniger als 2016. Am niedrigsten liegt die Rate im Umland von Sankt Petersburg mit 8,3 Kindern auf 1.000 Einwohner, am höchsten in der schamanisch-buddhistisch geprägten Republik Tywa sowie in den muslimisch dominierten Kaukasusregionen Tschetschenien und Dagestan mit je 21,9, 22 und 16,4 Geburten.

Mütterkapital 2018

Damit scheint sich der Effekt des 2007 eingeführten und immer wieder erhöhten „Mütterkapitals“ in Höhe von gegenwärtig 453.000 Rubel ab dem zweiten Kind verflüchtigt zu haben.

Einige Zahlen mehr: Zum Stichtag 01.01.2018 lebten in der Region Wladimir 252.400 Kinder, davon 129.600 Buben und 122.800 Mädchen, die große Mehrheit, 80%, in Städten und 20% außerehelich. 100.300 wachsen in Familien oder mit Alleinerziehenden auf, die Sozialhilfe beziehen. 4.500 Kinder im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren betreiben organisiert Sport und etwa 50.000 kamen in den Genuß eines Kur- oder Sanatoriumaufenthalts.

Anmerkung zum Mütterkapital: Das Geld wird nicht einfach ausbezahlt, sondern kann ab dem zweiten und jedem weiteren Kind verwendet werden für die Verbesserung der Wohnverhältnisse der Familie, die Ausbildungskosten eines Kindes, als Kapitalanlage für die Mütterrente, die Anschaffung von Gegenständen oder die Bezahlungen von Dienstleistungen für die Integration und Inklusion von behinderten Kindern sowie eine monatliche Zahlung je nach Bedürftigkeit bis das Kind eineinhalb Jahre alt ist. Das Programm wurde soeben bis zum 31. Dezember 2021 verlängert.

 

 

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