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Archive for the ‘Zahlen und Fakten’ Category


Passend zum gestrigen Beitrag über das Erlangen-Haus, dem das Goethe-Institut beim nächsten Audit vielleicht eine Männer-Quote als Desiderat ins Zeugnis schreibt, heute eine Meldung zum Damenüberschuß in der Partnerstadt. Da veröffentlichte nämlich das Internetportal Zebra zum Welt-Männertag, der am 2. November begangen wird, Zahlen des Amtes für Statistik der Region Wladimir, die einen unaufhaltsamen Schwund der Herren belegen.

Der alternde Planet: die Welt insgesamt, Japan, Großbritannien, USA, Rußland, China, Türkei und Südafrika * Anteil von über 60jährigen an der Gesamtbevölkerung eines Landes; ** gemitteltes Durchschnittsalter der Bevölkerung

Wenn in der Region Wladimir Anfang 2018 noch um die 624.000 Männer gezählt wurden, waren es Anfang dieses Jahres nur noch 619.000, also 5.000 weniger. Auch wenn in diesem Zeitraum auch bei den Damen ein Minus zu verzeichnen war – um ganze 7.500 – bleibt es doch bei einem Ungleichgewicht von 1.000 Männern auf 1.207 Frauen. Dabei fällt eines besonders ins Auge: Das Mißverhältnis betrifft just die Altersklasse bis 15, wo eben jene 5.000 fehlen, während jenseits der 60 die Zahl der Männer um 2.100 zunahm. Ein weiterer Beleg für die Überalterung der Bevölkerung. Aber die Zukunft gehört ja auch hierzulande eher den älteren Herrschaften…

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Keine guten Nachrichten von den Statistikern. In den vergangenen neun Jahren konnten nur die Städte Wladimir und Raduga einen leichten Zuwachs an Bevölkerung verzeichnen, alle übrigen Landkreise und Kommunen verloren zum Teil deutlich an Einwohnern.

Die Partnerstadt gewann seit 2010 immerhin 14.400 Neubürger hinzu und zählt nun 360.400 Einwohner, von denen 2.500 in den eingemeindeten Dörfern leben. Doch auch hier übertrifft die Sterblichkeit, wie in der ganzen Region, die Geburtenquote fast um das Doppelte.

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Schautafel für die Bevölkerungsentwicklung der Landkreise der Region Wladimir 2010-2019

Der Zuwachs in Wladimir rührt also wesentlich von der Migration innerhalb des Gouvernements her, geht demnach zu Lasten der „Provinz“. Zuzug aus anderen Region der Russischen Föderation findet hingegen kaum statt, und aus dem Ausland meldeten sich im vergangenen Jahr gerade einmal ca. einhundert Personen neu an. Seine Größe zumindest halten konnte nur Murom mit 116.800 Einwohnern, alle übrigen Kommunen und Landkreise verloren zum Teil massiv, wie etwa Wjasniki mit einem Minus von 13.000.

Die Entwicklung setzt sich leider für die gesamte Region Wladimir fort. Die Statistik weist für die ersten sieben Monaten des Jahres im Vergleichszeitraum von 2018 einen Rückgang der Geburten um 10% und der Sterbefälle um 5%. Und: Es sterben 1,9 mal mehr Menschen als Geburten zu verzeichnen sind, wobei die Kindersterblichkeit auf 3,5% anstieg und jetzt bei 5,9 Todesfällen auf 1.000 Geburten liegt – gut zwei mehr als in Deutschland, aber deutlich niedriger als im Landesschnitt (ca. acht Todesfälle auf tausend Geburten).

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Ja, mit den Umfragen und ihren Ergebnissen ist das so eine Sache. Und doch geben sie ein Stimmungsbild ab, das Rückschlüsse auf das allgemeine Befinden ermöglicht. Das wiederum hängt wesentlich davon ab, wie sicher sich die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung wähnen. Just dazu erschien nun eine Studie auf der Grundlage einer Bewertung von mehr als 90.000 Respondenten in 200 Städten der Russischen Föderation, denen man den Satz „Ich lebe in einem ungefährlichen Stadtviertel und fürchte mich nicht, wenn ich im Dunkeln nach Hause gehe“ mit einer Skala von 1 wie „stimmt überhaupt nicht“ bis 10 wie „voll zutreffend“ vorlegte.

Sichere Stadt

Wladimir belegt mit 6,9 Punkten Platz 68, eingerahmt von den Kreisstädten Murom auf Rang 28 am einen und Kowrow auf Position 168 am anderen Ende. mit 7,3 versus 6,1 Punkten. Erstaunlich, daß Moskau mit Platz 49 als relativ sicher empfunden wird, während alle übrigen Hauptstädte der Nachbarregionen – Iwanowo, Nischnij Nowgorod, Rjasan und Jaroslawl – deutlich hinter der Partnerstadt liegen. Aber ist das wirklich so deutlich, wenn die Bewertungen alle zwischen 6,1 und 7,2 Punkten liegen? Deshalb nur noch der Vollständigkeit halber: Als unsicherste Stadt gilt Schachty in der Region Rostow mit 4,5 Punkten, als am wenigsten gefährlich bewertet wird mit 8,6 Punkten Jejsk in der Region Krasnodar. Das ist dann doch deutlich.

Auch wenn das individuelle Gefühl der Bedrohung immer recht unterschiedlich sein mag, darf für Wladimir eine uneingeschränkte Reiseempfehlung ausgesprochen werden. Bisher zumindest berichteten Besucher der Partnerstadt eher davon, sich kaum der Gastfreundschaft erwehren zu können, denn um Leib und Leben fürchten zu müssen. Und das ist nicht nur ein individuelles Gefühl, sondern eine allgemeine empirische Erfahrung.

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Die neuesten Zahlen der RIA Nowosti für das Jahr 2018 sehen die Region Wladimir auf dem absteigenden Ast, zumindest hinsichtlich der mittleren Einkommen im Verhältnis zu einem festgelegten Waren- und Dienstleistungskorb. Danach nimmt das Gouvernement mit 12,8% Einwohnern, die jenseits der Armutsgrenze leben, Platz 70 unter den 85 föderalen Subjekten der Russischen Föderation ein. In absoluter Armut leben 1,3%, definiert dadurch, daß man weniger als die Hälfte des Existenzminimums zur Verfügung hat. Die Nachbarregionen stehen zum Teil deutlich besser da: Iwanowo auf Platz 57, Rjasan 55, Jaroslaw 45, Nischnij Nowgorod 20 und das Umland von Moskau gar auf Rang 8. Wer dort lebt, kann sich demnach das Eineinhalbfache oder Doppelte des Waren- und Dienstleistungskorbs leisten.

Da gehen auch zwei Rubel, um die jetzt wieder die Preise im ÖPNV steigen, ins Geld. Für eine Fahrkarte mit dem Bus bezahlt man ab morgen im Bus bzw. Oberleitungsbus 24 und 23 Rubel.

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30 Jahre ist es jetzt her, seit in der UdSSR zum letzten Mal eine Volkszählung durchgeführt wurde. In dieser Zeit verlor das Gouvernement Wladimir 288.000 Einwohner, wobei der Rückgang recht gleichmäßig vonstattenging. Einzig im Jahr 2010 war ein leichter Anstieg zu verzeichnen, ausgerechnet als der bisher letzte Zensus in der postsowjetischen Region Wladimir und landesweit durchgeführt wurde. Trotz anhaltender Landflucht verloren die Städte mehr Menschen als die Dörfer – im Verhältnis von 251.000 gegenüber 37.000.


Blickt man freilich weiter zurück, ins Jahr 1926, zeigt sich, wie sich insgesamt die Demographie umgekehrt hat. Gegenwärtig leben 296.000 Wladimirer auf dem Land und 1.006.000 in Städten. Anno 1926 stellte sich die Relation genau andersherum dar: 1.057.000 vs. 264.000.

Bei so viel Zahlen sei dem Auge ein wenig Ruhe gegönnt mit diesen Februarbildern des Wladimirer Malers Georgij Parfjonow.

 

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Kommt man nach Wladimir zu Besuch, könnte man meinen, alle Leute zahlten so gut wie alles per Karte, jedenfalls scheint es, der bargeldlose Einkauf sei dort stärker verbreitet als zu Hause. Traut man jedoch den Zahlen der Statistiker mehr als den eigenen Augen, sieht das Bild ganz anders aus, besonders in der Region Wladimir, die in dieser Hinsicht im landesweiten Schnitt konservativer agiert.

Die Nationale Agentur für Finanzforschung kommt nämlich zu dem Ergebnis, das nur 70% der Verbrauer in der Region Wladimir eine Karte nutzen, während das insgesamt landesweit im Durchschnitt 75% der Bevölkerung tut, und nur 12% zahlen auch tatsächlich bargeldlos im Kontrast zu insgesamt 16%. Bei der Nutzung von Internetbanken ein ähnliches Bild: 25% versus 31%. Da liegt auch die Frage nach dem Sparverhalten nahe. Auch da unterscheiden sich die Wladimirer von den Durchschnittsrussen, indem 20% regelmäßig etwas auf die Hohe Kante legen, wohingegen nur 17% der Gesamtbevölkerung eine derartige Vorsorge treffen, was wiederum mit der Zahl der Eröffnung von oder Einzahlung auf ein Sparkonto korrespondiert: 29% gegenüber 25%. Da verwundert es auch nicht mehr, wenn 72% der Wladimirer den Banken vertrauen, was im übrigen Land gerade einmal 64% von sich behauptet.

Nun weden sich bestimmt eines Tages Soziologen daran machen, nach den Gründen für diese Unterschiede zu suchen. Aber auch das wird die übrige Welt wohl kaum dabei weiterbringen, die ungeschriebenen Gesetze des russischen Gemeinwesens zu verstehen. Dabei helfen vielleicht einige Sprichwörter zum Thema Geld wie „Der Geizige zahlt doppelt“, „Ein Wort zählt mehr als Geld“ oder „Besser 100 Freunde als 100 Rubel“. Konkret über Geld zu sprechen, das man hat oder nicht hat, gehört sich noch immer nicht, hat etwas Unangenehmes an sich, besonders für die älteren Menschen, die einem gern sagen, Geld mache nicht glücklich oder besser einen guten Menschen an der Seite als Geld in der Tasche. Da ist dann auch der Neid nicht weit und die verbreitete Meinung, alle Reichen hätten ihre Besitztümer mit Gaunereien zusammengetragen, Wohlstand sei nur eine Folge von Spekulantentum. Diese das Geld generell eher abwertende Haltung ist Ergebnis einer jahrhundertelangen Erziehung, wo man nie lernte, selbst Geld zu machen, sondern immer das von den Vorgesetzten festgelegte und einem zustehende Gehalt erhielt. In der Sowjetzeit hatte man ja sogar mit empfindlichen Strafen zu rechnen, wenn man auf eigene Rechnung arbeitete und seinen Wohlstand mehren wollte. Doch auch in der Zarenzeit galt der erfolgreiche Kulak, der Großbauer, oder der Kaufmann eher als Ausbeuter, denn als Vorbild für eigenes Handeln. Erst mit der jungen Generation dreht sich die Stimmung: 84% der Jugendlichen meinen heute, es sei gut, mehr zu arbeiten, um auch mehr zu verdienen, und sie wissen, wenn der Rubel nicht rollt, wird es auch nichts mit der Ausbildung, mit der Kultur, mit Reisen… Aber das war ja jetzt fast schon ein Ausflug in die Soziologie.

 

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Zum heutigen Tag des Vaterlandsverteidigers veröffentlichen die Statistiker Zahlen zum Thema „Männer“, die nachdenklich stimmen. Zunächst einmal sind sie in der Unterzahl: 624.000 zählte man im Vorjahr in der Region Wladimir, 130.000 weniger als Frauen. Damit kamen 2018 auf 1.000 Männer 1.207 Frauen, ein Verhältnis, das sich bereits Jahren so darstellt – seit 2010 stehen 45% Männer 55% Frauen gegenüber. Demographisch geraten die Männer zunehmend ins Hintertreffen, denn 2018 wurden sie um 7.300 weniger, wobei der Anteil der älteren Männer konstant bei 17% bleibt, was die allgemeine Alterung der Gesellschaft widerspiegelt. Alarmierend dabei die hohe Zahl von Männern, die das Gouvernement Wladimir verlassen. 2018 waren das 9.200, 300 mehr als 2017. Dieser „Fluchtreflex“ zeigt sich freilich bei den Frauen noch ausgeprägter. 11.000 waren es im vergangenen Jahr, die ihrer Heimat den Rücken kehrten, 2017 lag die Zahl noch bei 10.400.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Schneesturm, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Positiv zu vermerken ist aber die gute Beschäftigungslage. Die Arbeitslosigkeit unter Männern ist zwar nur leicht, aber immerhin nachweisbar gefallen, von 5% im Jahr 2017 auf 4,8% im Vorjahr. 95% von ihnen verfügen über ein stabiles Einkommen. Dabei besetzen die Herren ungeachtet aller Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit weiter vornehmlich Leitungspositionen und typische „Männerberufe“ und dominieren diesen Bereich mit teilweise mehr als 60% Anteil: Versorgung und Entsorgung, Bau, Transportwesen, Logistik, Land- und Forstwirtschaft, Naturwissenschaften, Energie-Erzeugung, Abfallverwertung – und Straßenreinigung, besonders heute, denn gestern tobte über Wladimir ein Schneesturm.

Schnee 5

Nikolaj Liwschiz, Chefredakteur des Prisyw

 

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