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Archive for the ‘Zahlen und Fakten’ Category


Was manchen Medien schon immer ein wenig spanisch vorkam, scheint sich jetzt zu bestätigen: Die offiziellen Todeszahlen in Zusammenhang mit COVID-19 sind niedriger als die tatsächliche Sterblichkeit an dem Virus. Für den Juni d.J. nämlich gibt das Standesamt der Region Wladimir 2.226 Verstorbene an, so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr, gute 22% über dem Durchschnitt von 2016 bis 2019, wo für den Vergleichsmonat die Zahl im Mittel bei 1.812 Toten lag. Ähnlich sieht es für den Mai aus, für den 2.039 Sterbefälle ausgewiesen werden, 5,1% mehr als im Mittel der letzten fünf Jahre mit nur 1.939 Toten.

Corona Kar.

Kranker, lauter atmen, der Doktor macht Ferndiagnose.

Eben diese sogenannte Übersterblichkeit halten Fachleute für die geeignete Kennziffer, die das tatsächliche Ausmaß der Corona-Opfer widerspiegelt. Schon lange herrscht ja seitens der WHO und internationalen Medien Zweifel an den offiziellen Zahlen des ganzen Landes, so zum Teil deutlich niedrigere Todesraten angegeben werden als in anderen Ländern. Und diese offiziellen Angaben beziffern die Opfer im Mai mit gerade einmal 14 und im Juni mit 44 Fällen. Eine ähnliche Übersterblichkeit melden auch die Nachbarregionen Kaluga und Jaroslawl, die in dieser Hinsicht wohl unter der Nähe zu Moskau, dem Brandherd der Seuche, leiden. Die Internetplattform Zebra zitiert hierzu den Demographen Alexej Rakscha in aller Deutlichkeit:

Ich neige zu der Annahme, daß der Zuwachs in diesen Regionen einfach zu gut geographisch konzentriert ist zwischen den beiden größten Städten des Landes, um ihn allein dem kalendarischen Faktor zuzuschreiben, besonders vor dem Hintergrund einer möglichen kleinen Lücke bei den Meldungen. Sehr wahrscheinlich ist dies ein Ergebnis der Pandemie.

Aufnahme Sergej Skuratow

Unterdessen meldeten die offiziellen Stellen für das Gouvernement Wladimir gestern bei 4.785 Infektionen 84 Tote, von denen drei auf den 9. Juni fielen. Die aktiven Corona-Patienten werden mit 1.175 Personen angegeben. Der Zuwachs bei den Ansteckungen liegt in den letzten Wochen immer knapp unter 50 Fällen.

Lockerungen hin, Erleichterungen her – Einkaufszentren haben wieder geöffnet und die Wirtschaft kommt erneut in Gang – bleibt es doch weiterhin beim Ausnahmezustand für das Gouvernement Wladimir. Deutliches Zeichen dafür: Die zweiwöchigen Sommerferien für kinderreiche Familien mit niedrigem Einkommen am Schwarzen Meer auf Kosten der Regionalverwaltung sind heuer gestrichen. Erholen darf man sich nur in der Heimatregion, um innerhalb des Landes die Verbreitung der Pandemie einzudämmen.

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Vor dem Hintergrund fallender Infektionszahlen treten nun in der Region Wladimir immer mehr Lockerungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie in Kraft. Seit dem 1. Juli sind nun fast alle Museen wieder geöffnet, auch die Demetrius-Kathedrale und das Historische Museum, freilich mit allen Schutzauflagen, wie sie wesentlich auch bei uns in Deutschland noch gelten. Allein das Landesmuseum rechnet mit Mindereinnahmen von 50 Mio. Rubeln. Wie es die Fügung so will, fiel auf den 1. Juli auch die niedrigste COVID-19-Kennziffer seit einem Monat: 46 Neuansteckungen im ganzen Gouvernement. Seit gestern kann man nun auch wieder die Ausstellungen der Kunstgalerie in der Partnerstadt besuchen, und ab morgen gibt es bei einigen Behörden, wie zum Beispiel beim Finanzamt, wieder Parteienverkehr ohne vorherige Anmeldung. Die Entwicklung bei den Ansteckungen scheint das zu rechtfertigen. Denn gestern, Stand 10.00 Uhr, stellte sich die Situation für die ganze Region Wladimir wie folgt dar: 47 Neuinfektionen, 71 Verstorbene, 3.172 Genesene bei 122.514 durchgeführten Testungen.

Demetrius-Kathedrale unterm Sternenzelt, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Hoffnung gibt es auch für die vielen großartigen Orchester und Chöre in Wladimir. Seit dem 3. Juli dürfen sie wieder proben und sich auf Konzerte vorbereiten. Das Publikum muß freilich vorerst noch draußen bleiben. Wenn man also vorsichtig bleibt, spricht einiges dafür, daß bald weitere Lockerungen anstehen, denn auch landesweit zeigt die Entwicklung einen stetig fallenden Trend mit gegenwärtig gut sechseinhalbtausend Neuinfektionen täglich. Immer noch zu viel natürlich, aber weit entfernt von dem Höhepunkt der Epidemie am 11. Mai mit deutlich über 11.000 Neuerkrankungen.

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Am 13. Juni, 11.00 Uhr, meldete das Gesundheitsamt 3.453 bestätigte Infektionen in der Region Wladimir, davon 63 Neuzugänge und 45 Todesfälle, darunter erst jüngst der Leiter eines Kreiskrankenhauses. 1.721 Personen gelten als genesen. Mehr als 90.000 Tests wurden durchgeführt. 55% der für Corona-Patienten vorgesehenen Betten stehen derzeit leer. Untersucht wird gerade auch, wie es passieren konnte, daß kürzlich der Virus in ein Krankenhaus in der Partnerstadt eingeschleppt werden konnte, wo die Zahl der insgesamt an COVID-19 Erkrankten für den 13. Juni mit 711 angegeben wird.

Gouverneur Wladimir Sipjagin bei der Inspektion der Reservebetten für Corona-Patienten im Rot-Kreuz-Krankenhaus Wladimir

Entspannung? Bedingt. Im Rot-Kreuz-Krankenhaus bereitet man sich – auch wenn im Augenblick die Zahl der täglich genesenen Personen die der Neuinfektionen leicht übersteigt – auf die zweite Corona-Welle im Herbst vor. Noch näher rückt freilich die Abstimmung über die Änderung der Verfassung Ende des Monats. Allein zur Sicherstellung der Desinfizierung der Wahllokale stehen 13 Mio. Rubel zur Verfügung. Und das obwohl Präsident Wladimir Putin den Ausgang des Plebiszits schon zu kennen glaubt. Am Nationalfeiertag zeigte er sich überzeugt, die absolute Mehrheit der Bürger unterstütze und befürworte die Vorschläge zur Veränderung der Verfassung.

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Kühl und verregnet waren die letzten Wochen in Wladimir, erst gestern, zu Pfingsten, konnte man den zentralrussischen Frühsommer so richtig auf der Datscha oder in der Partnerstadt genießen. Verständlich, daß sich da – wie hierzulande ja auch – viele danach sehnen, wieder am Stand der Kljasma liegen und im Wasser des Flusses baden zu können. Eigentlich eröffnet man in der Region Wladimir die Saison zum 1. Juni, doch wegen Corona verschob sich das Datum auf den 15. Juni. An 55 See-, Weiher- und Flußufern darf, wer will und wann dann wieder baden gehen, allerdings unter Einhaltung der physischen Distanz von eineinhalb bis zwei Metern und erst nachdem die Stellen von den Behörden desinfiziert wurden. In den Medien und beim Katastrophenschutz herrschen freilich Zweifel, ob sich alle an die Regeln halten, denn auch die Mahnung, nur ja nicht alkoholisiert ins Wasser zu gehen, schlugen wohl noch in präviraler Zeit viele in den Wind. Deshalb die mahnende Erinnerung an die 23 Ertrunkenen vom Vorjahr, darunter vier Kinder.

Abend in Wladimir an der Kljasma, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Was COVID-19 angeht, herrscht ja die Meinung vor, man habe das Gipfelplateau erreicht. Dennoch sind es immer noch täglich zwischen 50 und 80 Neuinfektionen, die im Gouvernement registriert werden. Insgesamt weist die Statistik zum heutigen 8. Juni, 10.00 Uhr, 3.151 Ansteckungen mit dem Virus, davon 659 allein in der Partnerstadt, aus. Neun Städte in der Region zählen mehr als 100 Erkrankungsfälle. Dem gegenüber stehen fast 1.500 Tests pro Tag, insgesamt schon mehr als 80.000, etwa 1.200 Genesene, aber auch 30 Tote.

Wladimir Bogoljubowo

Und so sah Dmitrij Artjuch gestern Bogoljubowo. Das Kloster hat ja auch schon andere Krisen überstanden.

Wladimir Sergej Skuratow

Und so stimmt Sergej Skuratow auf die Badesaison ein.

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Seit gestern hält die S-Bahn auch wieder an den neun Stationen des Landkreises Petuschki, der neben Wladimir als Corona-Brandherd gilt und an die Region Moskau angrenzt. Einen ganzen Monat lang waren alle, die zur Arbeit nach Moskau wollten, gezwungen, die überfüllten Busse, zu nutzen, um zum einzig geöffneten Tor Richtung Moskau, zum Bahnhof Petuschki, zu kommen. Keine ideale Lösung unter den bis auf weiteres geltenden Bedingungen der Quarantäne, weshalb es viele Beschwerden gab, die bis hinauf zum Präsidenten gingen.

Blick vom Goldenen Tor in Wladimir nach Osten, gesehen von Michail Mojsejantschik

Unterdessen wird, anders als in Petuschki, in einer anderen Kreisstadt, Koltschugino, die Quarantäne ab dem 26. Mai aufgehoben. Überhaupt nutzt die Gouvernementsregierung nun mutig die gesetzlichen Vorgaben, nach Lage der Fallzahlen vor Ort punktuell Lockerungen einzuführen, sprich bestimmte Handelszentren wieder zu öffnen oder Kindergärten und Krippen nach ähnlichen Regeln wieder aufzumachen, wie sie auch bei uns gelten. Gleichzeitig fuhr man die COVID-19-Tests auf den Rekordstand von mehr als 3.000 täglich hoch.

Blick vom Goldenen Tor in Wladimir nach Westen, gesehen von Michail Mojsejantschik

In Susdal könnten nach dem 1. Juni die Hotels und Pensionen wieder öffnen, die nun zwei Monate lang geschlossen waren. Stadtdirektor Sergej Sacharow bittet jedenfalls Gouverneur Wladimir Sipjagin in einem Brief darum und weist auf die sozialen Folgen des Stillstands für die 10.000 Einwohner hin, die im wesentlichen vom Tourismus leben. Mit gerade einmal 30 bestätigten Infizierten erscheine die Wiederbelebung des Fremdenverkehrs, jedenfalls aus Sicht des City-Managers, als vertretbar.

Musterung in Zeiten von Corona, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Dabei schlägt die Pandemie nicht nur auf die Wirtschaft, sondern natürlich auch auf den Haushalt der Kommunen durch. So entließ kürzlich die Kreisstadt Kowrow mit Hinweis auf notwendige Einsparungen sieben Leiter von kommunalen Kulturhäusern und Kunstschulen. Erst die Intervention der Regionalregierung verhinderte eine weitere Kündigung für 18 Mitarbeiter der Sportschulen.

Musterung in Zeiten von Corona, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Soweit der kurze Blick auf einen kleinen Teil der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Nebenwirkungen der Maßnahmen rund um die Pandemie, die sich in der Region Wladimir noch immer ausbreitet: Als infiziert gelten mit Stand 23. Mai 2.194 Personen, von denen 435 auf die Partnerstadt selbst entfallen. 16 Corona-Patienten sind mittlerweile verstorben.

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Wie gestern angekündigt, heute also wieder ein Bericht zum Stand der Corona-Pandemie in Wladimir. Da erschien am 9. Mai auf dem Internetportal Pro Gorod 33 die „Offenbarung“ einer jungen Rettungsassistentin, der zu entnehmen ist, unter welch schweren Bedingungen das medizinische Personal zu arbeiten hat. Sie spricht von „höllischen Bedingungen bei einem 24-Stunden-Einsatz ohne Pause bis zum Umfallen“. Bei 20 bis 25 Einsätzen pro Schicht bleibe keine Zeit, sich die Patienten genauer anzusehen, weshalb das Risiko von Fehldiagnosen steige. Außerdem fehle es an Kräften: „Uns tut die Bevölkerung Wladimirs leid, weil wir manchmal einfach niemanden hinschicken können. Wir zerreißen uns, versuchen, es schneller zu schaffen. Aber das klappt nicht immer…“

Jelena Malyschewa heißt die 28jährige Frau, die seit 2012 beim Notruf arbeitet. Womit sie derzeit konfrontiert ist, beschreibt sie im Interview so:

Die Epidemie ist jetzt voll ausgebrochen, und in Wladimir haben wir von Tag zu Tag mehr Patienten, übrigens der unterschiedlichsten Altersgruppen. Ich denke, das hängt damit zusammen, daß sich die Leute nicht an die Maßnahmen halten, die von allen Medien lautstark verkündet werden. Und sie sehen nicht, was wir sehen, sie machen sich die Lage nicht bis zum Ende klar. Sie denken, das sei alles Fake, Einschüchterung des Volkes. Ganz und gar nicht! Gestern, am 8. Mai, bildete sich vor dem Krankenhaus jenseits der Kljasma eine ganze Schlange von Sankas mit eingewiesenen Corona-Infizierten. Wir haben pro Tag zehn bis zwölf, manchmal auch nur sieben Fahrzeuge laufen. Das ist natürlich viel zu wenig für eine so große Stadt! Darum müssen die Leute oft bis zu einem halben Tag auf uns warten.

Jelena Malyschewa am 8. Mai vor der Sankaschlange

Immerhin seien alle Fachkräfte, die mit Corona-Patienten arbeiten, jetzt mit Schutzkleidung ausgestattet, in der man sich freilich wie im Dampfbad fühle, besonders jetzt, bei zunehmend wärmerem Wetter. Dennoch bleibe, so die Mutter eines Kleinkindes, die Furcht, sich selbst und damit auch die eigene Familie anzustecken

Und dann die Frage nach dem lieben Geld, nach den versprochenen Prämien für das Corona-Patienten betreuende medizinische Fachpersonal, zur Auszahlung bereits im April vorgesehen.

Ja, wir haben das Geld erhalten. Aber uns hat man so wenig ausbezahlt! Die Summen variieren zwischen 100 und 1.000 Rubel im Monat. Unsere Vorgesetzten erklären den Umfang der Zahlungen mit einer Anordnung des Gesundheitsamtes der Region und legten uns die Tariftabelle vor. Die Regionalbeamten haben die Monatsnorm der Arbeitszeit zugrundegelegt und eingeteilt, wonach eine Minute Arbeit an einem Corona-Patienten 4,87 Rubel für Ärzte, 2,44 Rubel für Pflegekräfte und 2,38 Rubel für Fahrer der Sankas kostet! Um also die von Präsident Putin versprochenen 50.000 Rubel für Ärzte oder 25.000 für Pflegekräfte und Fahrer zu erhalten, müssen wir die gesamte Arbeitszeit über mit Corona-Kranken beschäftigt sein. Das ist schlichtweg irre und schrecklich ungerecht! Wir fühlen uns regelrecht veralbert, wenn dann in einer Mustergehaltsabrechnung steht, jemand habe im April sechs Stunden und zwanzig Minuten mit Corona-Patienten gearbeitet und erhalte dafür 927 Rubel und zwei Kopeken Zuschlag. Unser Protestbrief an den Leiter der Gesundheitsbehörde vom 15. April ist bisher nicht beantwortet.

Auf die Frage, mit welcher Stimmung sie zur Arbeit gehe, antwortet Jelena Malyschewa, sie verspüre bei allem Optimismus und den Glauben daran, es werde schon wieder alles gut, ein tiefe Erschöpfung und namenlose Müdigkeit. Zu schaffen mache ihr auch die verbreitete negative Einstellung der Menschen gegenüber allen in der Medizin tätigen Fachleuten:

Ändern sollte sich vor allem die Rückmeldung seitens der Behörden, denn sie haben von uns viele Unterlagen erhalten, uns aber noch keine Antwort geschickt. Wir wünschen uns eine adäquate Bewertung unserer höllisch schweren Arbeit, seitens unserer Leitung einen konstruktiven Dialog und Respekt, seitens der Bevölkerung Verständnis. Wir lassen die Menschen nicht im Stich!!!

Hier geht es zum Original des Artikels, der Dinge anspricht, die so auch aus anderen Regionen und Städten berichtet werden: https://is.gd/NpYHcd

Unterdessen machen drei Kreiskrankenhäuser in der Region Wladimir Schlagzeilen, weil dort die Corona-Standards nicht eingehalten werden. 40 Medizinfachkräfte fürchteten gar so sehr um die eigene Gesundheit, daß sie lieber eine Entlassung in Kauf nahmen, als sich in eine Klinik schicken zu lassen, wo es ihrer Ansicht nach zu gefährlich sei. Nach überregionalen Medienberichten zu dem Casus kümmert sich nun die Oberste Strafverfolgungsbehörde darum.

Immerhin fordert die Partei Einiges Rußland nun von Gouverneur Wladimir Sipjagin, die für das Krankenhauspersonal zugesagten Prämien im vollen Umfang auszahlen zu lassen. Das öffentliche Leben bleibt allerdings bis Ende des Monats stark eingeschränkt, wenn auch jetzt die Busse wieder im gewohnten Takt verkehren und erste Lockerungen für das Geschäftsleben und die Wirtschaft greifen, die natürlich besonders unter der Auflage ächzen, ihr Personal auch ohne Umsatz weiterbeschäftigen und bis auf weiteres bezahlen zu müssen.

Aber was ist das alles angesichts der Fallzahlen: Stand 14. Mai, 10.00 Uhr, weist die Statistik in der Region Wladimir 1.504 mit COVID-19 infizierte Personen aus (285 in der Partnerstadt selbst), von denen 150 als genesen gelten. Unter den Erkrankten zählt man 139 Mitarbeiter des Gesundheitswesens, mehr als die Hälfte davon arbeitete im Rot-Kreuz-Krankenhaus in Wladimir, und am 13. Mai wurde der erste Todesfall einer Krankenschwester bestätigt. So schlimm das ist, ein wenig optimistisch stimmen die in den letzten Tagen leicht rückläufigen Angaben zu den Neuinfektionen. Sie gehen hoffentlich bald gegen Null.

P.S.: Soeben, 15.05., 8.30 Uhr, kommt aus Wladimir die Meldung, die dem medizinischen Personal zugesagten Prämien würden mit dem Mai-Gehalt ausbezahlt. Geht doch!

P.P.S.: Heute wird ein neuer trauriger Rekord gemeldet: 88 bestätigte Corona-Neuerkrankungen in der Region Wladimir, die damit, Stand 16. Mai, 10.00 Uhr, 1.592 Infektionen, davon allein in der Partnerstadt 310 Fälle, aufzuweisen hat.

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Die Zahl der Corona-Infektionen in der Partnerstadt liegen Stand 3. Mai, 10.00 Uhr, bei 121 Fällen, in der ganzen Region zählt man 830 positiv getestete Personen; sieben Tote sind zu beklagen. Dazu passen die Bilder von Wladimir Tschutschadejew, die Wladimir uns fremder und ferner denn je erscheinen lassen, eine Stadt im Ausnahmezustand, wo Lockerungen, wie sie derzeit bei uns ungehemmt diskutiert werden, noch in weiter Ferne liegen. Der Großteil der Aufnahmen ist übrigens am 1. Mai (!) entstanden. Aber sehen Sie selbst – ohne weitere Worte.

Eingang zu Hotel und Restaurant Wladimir

Bestellung am Schalter. Kein Eingang.

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Beginnen wir wieder einmal mit den Zahlen, die, wie wir längst auch aus den Angaben hierzulande wissen, immer mit Vorsicht zu genießen sind und nichts über die mutmaßliche Dunkelziffer der tatsächlich mit COVID-19 angesteckten Personen aussagen. Offiziell, Stand 23. April, 10.00 Uhr, zählen die Behörden in der Region Wladimir 339 Infizierte – davon in der Partnerstadt selbst 34 – und sechs Todesfälle. Diese Zahlen stehen einer Einwohnerzahl des Gouvernements von 1.358.000 Menschen gegenüber, allerdings sind auch die Testkapazitäten, die mit 45.000 pro Monat angegeben werden, zu beachten. Landesweit gelten 56.000 Menschen als infiziert, mit großem Abstand am meisten davon in Moskau lebend.

Tragen Sie während eines Grippeausbruchs bei der Kinderpflege eine Mullmaske. Plakat aus dem Jahr 1963.

Dabei arbeiten die Gesundheitsbehörden nach eigenen Angaben in der Krise, deren Höhepunkt noch gar nicht erreicht ist, schon jetzt am Anschlag und haben obendrein mit viel Fluktuation bis in die Spitze der Verwaltung hinein zu kämpfen. Und das zu einer Zeit, wo in so manchem Krankenhaus einiges aus dem Ruder zu laufen scheint. So räumt eine Landkreisklinik nach Klagen von Patienten ein, nach der Ansteckung des Chefarztes seine ganze Schicht einschließlich des Pflegepersonals in Quarantäne geschickt zu haben.

Während eines Grippeausbruchs empfiehlt es sich bei der Arbeit eine Maske zu tragen. Plakat aus dem Jahr 1963.

Auch im Wladimirer Rot-Kreuz-Krankenhaus haben sich Mediziner infiziert, und ein Erlanger Arzt erhielt von dort die Nachricht, es fehle an Schutzkleidung, während man entgegen den Ankündigungen aus der Politik, sogar die ohnehin kargen Gehälter gekürzt habe. Apropos Politik: Dieser Tage fand eine Videokonferenz des Präsidenten mit seinen Gouverneuren statt. Die Landesväter, darunter auch Wladimir Sipjagin, klagten über Lieferengpässe und Versorgungsprobleme in Zeiten der Corona-Krise, doch das Staatsoberhaupt ließ das nicht durchgehen und gab zurück, sie seien ja eben dafür da, die Schwierigkeiten zu überwinden. Außerdem mahnte Wladimir Putin, die föderalen Mittel schneller abzurufen.

Halten Sie die Hände sauber. Plakat aus dem Jahr 1964.

Unterdessen ist die Lage selbst in der Region Wladimir von der Größe des Bundeslandes Brandenburg durchaus unterschiedlich. Während etwa im Landkreis Susdal noch kein einziger Ansteckungsfall aktenkundig ist, herrscht in Petuschki und Umland eine strenge Ausgangssperre, die nun auch – bisher ohne Erfolg – der Landkreis Kowrow für sich fordert. Alles noch bei verhältnismäßig niedrigen Fallzahlen, von denen freilich alle ahnen, daß sie rasch steigen können. Gestern erst wurden Meldungen bestätigt, wonach es auch in einem Psychiatrischen Krankenhaus unweit von Wladimir zu Infektionen unter dem Personal und wohl auch bei Patienten gekommen sei.

Frischluft ist ein Mittel zur Vorbeugung gegen Grippe. Plakat aus dem Jahr 1963.

Überhaupt überschlagen sich die Meldungen. So fordert beispielsweise der Bund der Atheisten in einem offenen Brief an die Stadt Wladimir strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen in Kirchenkreisen und bei den Behörden, die in der Ostermette die Teilnahme von Dutzenden von Gläubigen nicht verhindert hatten. Damit nämlich habe man eindeutig gegen das in ganz Rußland geltende Abstandsgesetz von eineinhalb Metern und das Versammlungsverbot gehandelt und einer weiteren Verbreitung der Pandemie Vorschub geleistet.

Gemüse und Obst vor dem Verzehr mit kochendem Wasser waschen. Plakat aus dem Jahr 1963.

Und dann sind da die Fälle von uneinsichtigen Patienten, die mit allen denkbaren Folgen ihre häusliche Quarantäne nicht einhalten und nun bestraft, in einem Casus sogar per Gerichtsbeschluß zwangsweise in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

An Grippe erkrankt – unbedingt isolieren. Plakat aus dem Jahr 1963.

Ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Steuereinnahmen. Auch den Energieversorgern brechen die Einnahmen ein, denn kraft einer Regierungsverordnung müssen Schulden bei der Zahlung von Strom und Fernwärme den privaten wie gewerblichen Verbrauchern ohne Aufschlag gestundet werden. Der Stadtrat von Wladimir stimmt über Anträge nur noch virtuell ab. Angeln ist zwar nicht ausdrücklich verboten, verstößt aber gegen das Gebot der „Selbstisolierung“ und der damit einhergehenden Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Saubere Straße, gesundes Zuhause. Plakat aus dem Jahr 1965.

Ein echter Schlag ins Kontor wurde schließlich gestern bekannt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft laufen Untersuchungen wegen der Lieferung von minderwertigen Beatmungsgeräten für ein Krankenhaus in Wladimir. Ende März hatte unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit auf Bitten der Klinikleitung der Geschäftsmann und Duma-Abgeordnete Gregorij Anikejew 50 dieser Apparate im Wert von sechs Millionen Rubel für verschiedene medizinische Einrichtungen in der Region gespendet. Nun stellt sich heraus, daß die Hilfsgüter, erworben bei einer Firma für Medizintechnik in der Nachbarregion Kostroma, das Baujahr 1999 bis 2001 tragen, mit nur zehn bis fünfzehn Prozent Leistung weit unter der geforderten Norm bleiben und die Zulassung für ihren Einsatz bereits vor gut fünfzehn Jahren verloren haben.

Gemüse und Obst mit kochendem Wasser waschen. Plakat aus dem Jahr 1964.

Da droht, viel Vertrauen verloren zu gehen, das gerade in einer solchen Krise als das Grundkapital der Behörden und Politik gilt. Und das vor dem Hintergrund wahrscheinlicher weiterer Zumutungen und Einschränkungen, zumal man landesweit den Höhepunkt der Pandemie erst für Mitte Mai erwartet.

Die Räumlichkeiten feucht reinigen. Plakat aus dem Jahr 1964.

Da kann das seit Tagen verhängte Verkaufsverbot für Alkoholika in der Region Wladimir von abends 19.00 Uhr bis morgens 10.00 Uhr eher als Randphänomen gewertet werden. Wenngleich der Politologe, Roman Jewstifejew, mit einer gewissen Lust an Weltuntergangsphantasien darauf hinweist, bereits zu Beginn des 1. Weltkriegs und während der Perestroika habe es Prohibition gegeben. In beiden Fällen habe sich in der Folge die politische Ordnung kardinal verändert, sei ein neues Staatengebilde entstanden.

In einer für das Land so schwierigen Lage nicht mehr zu trinken, ist dumm und fies.

So düster wollen wir die Dinge nicht sehen, und ob diesbezüglich eine Kausalkette stimmig ist, bleibt dahingestellt. Aber im Verein mit dem dramatischen Verfall des Ölpreises, an dem der Staatshaushalt in wesentlichen Teilen hängt, und der Entwertung des Rubels mit ihren Auswirkungen auf die Inflation haben die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise auch jenseits der medizinischen Komponente leider wirklich das Zeug, noch viel Unheil anzurichten.

Corona 2

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Da bleibt nur, den Freunden in Wladimir alles Gute und viel Gesundheit zu wünschen. Sie haben schon so manche Krise überstanden und werden auch jetzt nicht klein beigeben, zumal ab heute schon wieder der Gang zum Friseur seines Vertrauens und in den Schönheitssalon möglich ist. Zwischen hoffen und bangen eben.

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Noch am 8. April hatte Erzbischof Tichon seinen Segen zu einem Gottesdienst gegeben, bei dem für ein Ende der Corona-Pandemie gebetet wurde. Dicht an dicht, entgegen dem dringenden Rat von Patriarch Kirill an die Gläubigen, zu Hause zu bleiben. Nun steuert man offenbar um.

Die Ostermette, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 24.00 Uhr beginnt soll allen vorgeschriebenen Hygieneauflagen entsprechen, und besonders die älteren Gläubigen werden aufgerufen, die Feier von zu Hause aus am Bildschirm zu verfolgen. Der Segen des Kulitsch, des traditionellen Osterbrotes, wird nur außerhalb der Kirche gespendet, wobei maximal zehn Personen auf das Gelände vorgelassen werden sollen. Abgesagt ist die Prozession, und das Osterfeuer aus Jerusalem wird von der Mariä-Entschlafens-Kathedrale in alle Gemeinden der Region gebracht.

Corona 16 Sogar die Tauben sind weg

Elegischer Blick auf die katholische Rosenkranzkirche. Nicht einmal die Tauben sind da!

Mit Stand 10.00 Uhr, 13. April, zählte man in der Region Wladimir 84 mit COVID-19 infizierte Personen, von denen bereits drei verstarben: ein 49jähriger Mann am 27. März und nun zwei Frauen im Alter von 54 und 79 Jahren. Eine 59jährige Ärztin, die in Moskau arbeitete, kämpft seit Tagen um ihr Leben, und gestern wurde bestätigt, daß eine Rettungssanitäterin aus Wladimir, Anfang 40, die ebenfalls in Moskau eingesetzt war, positiv getestet wurde. Es zeigt sich also auch in der Partnerstadt: Das medizinische Personal ist einer besonders hohen Gefahr ausgesetzt.

Aktualisierung Stand 10.00 Uhr, 14. April: 100 mit COVID-19 infizierte Personen in der Region Wladimir, vier davon in der Partnerstadt. Leider sind mittlerweile auch schon vier Todesfälle zu beklagen.

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Gestern gab Oberstadtdirektor Andrej Schochin bekannt, in Wladimir seinen derzeit zwei Personen positiv auf den Corona-Virus getestet, während 776 Rückkehrer aus dem Ausland oder von Reisen innerhalb der Russischen Föderation unter ärztlicher Beobachtung stehen und eine zweiwöchige Quarantäne einzuhalten haben. Der mit COVID-19 infizierte 48jährige Mann, der am 27. März im Kreiskrankenhaus von Kowrow verstarb, hatte während seiner Behandlung zu fast einhundert Personen Kontakt, weshalb dort ein neuer Ansteckungsherd droht. Unterdessen räumt das Gesundheitsamt der Region ein, es gebe zu wenig Testmöglichkeiten, man müsse wegen der abschließenden Bestätigung, die aus Moskau oder Nowosibirsk, wo die zentralen Labore angesiedelt sind, zu lange warten; überdies fehle es vor Ort an den notwendigen Reagenzien. Außerdem beginne man mit dem Bau von zwei Infektionskrankenhäusern, von denen es bisher kein einziges gebe.

Parallel dazu ruft Gouverneur Wladimir Sipjagin Betriebe und Privatpersonen dazu auf, Mundschutzmasken zu nähen. Banken sollen sich bei den Krediten für Geschäftsleute großzügig zeigen, und Betrieben werden Hilfen für Kurzarbeit versprochen. Und schon warnt auch die IHK der Region Wladimir vor den wirtschaftlichen Folgen des allgemeinen Kontaktverbots, das im Augenblick vor allem den Handel sowie Gastronomie und Hotellerie trifft. Wenn man jetzt nicht bei den Steuern einen Nachlaß einräume, so der Präsident der IHK, Iwan Axjonow, werde der Staat nach der Krise gar keine Gewerbesteuer mehr einnehmen… Sowohl die innerstädtischen wie auch die regionalen und überregionalen öffentlichen Verkehrsverbindungen gehen in den Wochenendtakt über, wenn sie nicht sogar ganz eingestellt werden, und sogar das Standesamt kommt zum Stillstand: Hochzeiten und Scheidungen sind erst im Sommer wieder möglich. Und im Landkreis Petuschki, der an die Region Moskau grenzt, werden drei weitere positive Tests gemeldet.

Erfreulich, wie rasch die Zivilgesellschaft aber den Zusammenhalt in der Krise unter Beweis stellt: Da übernehmen Jugendliche die Einkäufe für die Menschen über 65, die derzeit die Wohnung gar nicht mehr verlassen dürfen, da werden Konzerte und Lesungen oder Schauspiele bis hin zu Puppentheateraufführungen ins Netz gestellt, und da spricht man einander Mut und Zuversicht zu. Ganz wie überall dort – auch in Erlangen – wo der Virus die Gesellschaft im Griff hält. Leider aber sind natürlich auch viele Falschmeldungen und Irreführungen in Umlauf, und bei vielen ist der Ernst der Lage noch nicht angekommen. Immerhin aber rief nun Patriarch Alexij dazu auf, keine Gottesdienste mehr abzuhalten. Auch wenn die Kirchen noch offen bleiben, solle man vom Küssen der Ikonen absehen… In der mehr als tausendjährigen Geschichte der russischen Orthodoxie gab es das noch nie: einen Aufruf, der heiligen Messe fernzubleiben. Ein starkes Zeichen in schweren Zeiten, die auf die Russen zukommen.

Da tröstet vielleicht ein Tagebucheintrag des 2002 verstorbenen deutsch-russischen Künstlers Pjotr Dik aus Wladimir, dessen Bilder diesem Beitrag ihre so eigene Aura verleihen:

Kunst ist die Fähigkeit zu lieben, offen für die Welt zu sein. Mir ist nicht gleichgültig, mit welchen Augen wir die Welt betrachten. Mit ist der Mensch wichtig, die Atmosphäre der Welt, das heißt, wie wir die heutigen Probleme bewältigen und welche Aura wir hinterlassen. Wir haben keine Alternative. Beeilt euch, gute Werke zu tun, nur so können wir überleben.

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