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Archive for the ‘Zahlen und Fakten’ Category


Während sich die russische Wirtschaft insgesamt erholt, müssen die durchschnittlichen Familien in Wladimir zurückstecken, wenn man den jüngsten Angaben des Amtes für Statistik für den Zeitraum 2011 bis 2016 folgt. Zwar sind Löhne und Gehälter um den Faktor 1,6 von 15.500 Rubel auf 23.700 Rubel gestiegen, rechnet man aber auch nur die offiziell fixierte Inflation ein, kommt man auf ein Minus beim Einkommen von drei Prozent. Dabei gibt man offenbar immer mehr für Nahrungsmittel aus: von 35% ein Anstieg auf 38%. Bei den Mieten das gleiche Bild: 2011 veranschlagte man dafür noch 25%, fünf Jahre später sind es schon 28%.

Damit folgt die Region Wladimir einem landesweiten Trend, wonach mehr als ein Drittel der Mittel für Lebensmittel im Budget reserviert sind. Angaben, die das Amt gleich selbst kommentiert: „Überall auf der Welt legt man in der statistischen und ökonomischen Praxis den Anteil der Ausgaben für Lebensmittel in der Struktur des Konsumverhaltens als verallgemeinernden Faktor für den Wohlstand der Bevölkerung zugrunde. Je höher dieser Anteil, desto niedriger der Wohlstand der Menschen.“

Mit Auswirkungen auf das übrige Kaufverhalten: wenn vor fünf Jahren noch 39% übrig blieben für sonstige Anschaffungen, auch langlebiger Waren, so sind es jetzt nur noch 33%. Nur ein Prozent der befragten Familien gaben an, über genug Einkommen zu verfügen, um nicht nur den täglichen Bedarf zu decken, sondern auch etwas übrig zu haben für ein neues Auto oder eine Wohnung.

Profit schlagen daraus die Produzenten von billigen Fleisch- und Wurstwaren, deren Absatz in der untersuchten Zeitspanne um 15% angestiegen ist. Allein von 2015 bis 2016 ist der Ausstoß von Wurstwaren – getreu dem Motto „Fleisch muß sein, beiß rein!“ – um 22% und der von Fertiggerichten mit tierischem Anteil um fast ein Viertel gestiegen. Eine Tendenz, die ungebrochen anhält: Im ersten Halbjahr 2017 nahm im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Produktion von Wurstwaren und Fertigprodukten in der Region Wladimir noch einmal um 12% bzw. 15,5%. Weniger stark der Zuwachs bei Fisch, Milchprodukten und Eiern.

Bleibt zu hoffen, daß die Wladimirer Kochkunst unter der Entwicklung zum billigen und vorgefertigten Essen nicht dauerhaft leidet. Hierzulande hat man ja da schon seine traurigen kulinarischen Erfahrungen gemacht, die man den Russen gern ersparen würde. Aber aus Fehlern lernt man ja meist zu spät, besonders aus denen anderer. Bleibt nur, hier im Blog bald einmal wieder ein leckeres Rezept aus einer Wladimirer Küche vorzustellen – ohne Anleitung von der Packung.

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Die Spitzen der Graphik machen es anschaulicher als jede Statistik: Der Großteil der russischen Bevölkerung lebt in der Hauptstadt, gute zwölf Millionen, und in der Region Moskau, siebeneinhalb Millionen, gefolgt von Sankt Petersburg mit mehr als sieben Millionen und dem Gouvernement Leningrad, wo 1,78 Millionen Menschen leben. Überhaupt ist vor allem der westliche Teil Rußlands besiedelt, während es in den ohnehin schon dünn bewohnten nördlichen und östlichen Teilen der Föderation nach wie vor mehr Abwanderung als Zuzug gibt. Statistiker teilen das größte Land der Erde gern in zwei Zonen ein, den West-Süd-Streifen mit mehr als acht Einwohnern pro qkm und die nördliche Hälfte, wo weniger als sechs Menschen auf dem Quadratkilometer leben. So gerechnet steht es, auf die 85 Gouvernements bzw. Regionen heruntergebrochen: 62:23. Noch konkreter: Von den knapp 147 Mio. Einwohnern Rußlands leben 126 Millionen auf 35% der Fläche, während auf die restlichen 65% der nördlichen Zone nur 15% der Bevölkerung, also gerade einmal 21 Millionen entfallen, also 3,8 Millionen qkm versus 13,3 Millionen qkm. Zur Ergänzung das Stadt-Land-Verhältnis: 74% der Menschen leben in Städten, davon 23% in den 15 Millionenmetropolen; allein 12% entfallen auf Moskau und Sankt Petersburg.

Bei so vielen Zahlen darf natürlich auch die Statistik zu Wladimir nicht fehlen. Derzeit zählte man 1 389 599 Einwohner in der Region, mit abnehmender Tendenz. In der Partnerstadt leben aktuell 352.681 Menschen, gefolgt von Kowrow mit 140.117 und Murom mit 110.746 Einwohnern. Auf den qkm kommen knapp 48 Einwohner. Zum Vergleich: Das Bundesland Brandenburg, für deutsche Verhältnisse sehr dünn besiedelt, bringt es bei der in etwa gleichen Fläche wie die Region Wladimir mit ihren gut 29.000 qkm mit 84 Einwohnern pro qkm fast auf das Doppelte.

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Der Stellenportal „Headhunter“ kommt in einer Umfrage zu dem Ergebnis, wonach 11% der Wladimirer über eine zu große Belastung am Arbeitsplatz klagen. Mehr als die Hälfte fühlt sich allerdings nur einige Male im Monat überfordert, 8% geben an, nie dergleichen zu verspüren. Hauptsächlich nicht zurechtkommen 40% mit dem Tempo der Arbeitsabläufe, 37% haben Probleme mit dem Umfang der Aufgaben, und 35% fühlen sich durch vorgegebene Fristen überlastet. Betroffen sind dabei Frauen um das Eineinhalbfache mehr als Männer, denen eher Ergebnisse und zeitliche Zwänge Kopfschmerzen bereiten, während ihre Kolleginnen unter Konflikten im Team und Überlastung leiden. Beide Geschlechter werden ab 45 Jahren gelassener, es sind in der Hauptsache jüngere Menschen, die sich unter Druck fühlen.

Am stärksten treten mit 31% diese Symptome in der Versicherungsbranche auf, genervt zeigt man sich aber auch in den Bereichen Unternehmensberatung, Einkauf, Personalwesen sowie Tourismus und Gastronomie. Absolut entspannt geben sich nur Beschäftigte in den Sparten Objekt- und Personenschutz, Ausbeutung von Rohstoffen sowie Sport.

Erleichterung verschaffen sich die befragten Wladimirer zu 51% mit einem Hobby, ein Drittel tauscht sich im Freundeskreis, 15% unter Kollegen aus. Allerdings überläßt auch jeder vierte seinen Willen den Pillen, und 15% halten es mit Wilhelm Busch: „Es ist ein Brauch von alters her, / wer Sorgen hat, hat auch Likör.“ Letzteres gilt offenbar besonders für Leute aus dem Marketing und der Werbung, aus dem Tourismus- und Versicherungsgewerbe, dem Medienbereich und dem kreativen Sektor.

Ohne gefährliche Nebenwirkungen hilft aber sicher, einmal wieder die Kinderlektüre zur Hand zu nehmen, zu Karlsson aufs Dach zu klettern und sich von ihm trösten zu lassen: „Ruhig, ganz ruhig!“

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Mitte Juli veröffentlichte das „Allrussische Zentrum zur Erforschung der öffentlichen Meinung“ die Ergebnisse einer Umfrage unter 1.600 ausgewählten Personen in 130 Orten zu den größten Befürchtungen der Russen. Danach ängstigt die Bevölkerung auf einer Skala von -100 bis 100 Punkten am meisten der Preisanstieg und die Gefahr von kriegerischen Konflikten. Interessant dabei: Die Ängste haben im Vergleich zum Vorjahr und in den letzten Monaten deutlich zugenommen. So erreichte das Furchtbarometer im Januar nur 17, im Juni aber bereits 27 Punkte, während die Kriegsangst seit März stabil zwischen 19 und 20 Punkten schwankt.

Den dritten Platz nehmen Gesundheit und medizinische Versorgung ein – mit einer Zunahme von 0 auf acht Punkte innerhalb des ersten Halbjahrs. Sorgen bereiten auch Gehaltskürzungen bzw. ausstehende Lohnzahlungen sowie Arbeitslosigkeit mit 18 Punkten. Insgesamt sehen die Meinungsforscher einen zunehmenden Zweifel daran, die politische Stabilität und die Überwindung der Wirtschaftskrise seien eine ausgemachte Sache.

Dieser Tage publizierte die Tageszeitung „Die Welt“ die Ergebnisse einer ähnlichen Untersuchung, die Einblicke in die Ängste der Deutschen gibt:

1.000 repräsentativ ausgewählte Bürger wurden am 26. und 27. Juli befragt, ihnen wurden sieben mögliche Antworten vorgegeben, wobei Mehrfachnennungen möglich waren. 71 Prozent entschieden sich für die Veränderung des Weltklimas, 65 Prozent nannten neue Kriege, 63 Prozent Terroranschläge, 62 Prozent Kriminalität, 59 Prozent Altersarmut. Am wenigsten Angst haben die Deutschen laut dieser Umfrage vor der Zuwanderung von Flüchtlingen (45 Prozent) und Arbeitslosigkeit (33 Prozent).

Furcht ist das beste Mittel, dich zu manipulieren

So unterschiedlich die Ängste der Deutschen und Russen sein mögen, es gilt, worauf der Musikkritiker aus der Blogredaktion hinweist, was John Cale so hypnotisch-suggestiv zu besingen weiß: Fear is Man’s best Friend, zu hören unter: https://is.gd/q2wgWn

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Keine erfreulichen Zahlen, die da vom Amt für Statistik der Region Wladimir veröffentlicht werden: Immer noch wandern mehr Menschen in die Nachbargouvernements Moskau und Nischnij Nowgorod ab, als geboren werden und zuziehen. So leben derzeit – Stand vom 1. Januar 2017 – 1.390.000 Einwohner in der Region Wladimir, 78% davon in Städten, 22% auf dem Land. Den Prognosen zufolge werden es 2036 nur noch 1.231.000 sein, wobei man ein Verhältnis von Stadt zu Land in der Größenordnung von 81% vs. 19% erwartet. Dies würde in 18 Jahren einen Verlust von gut 11% bedeuten, sprich 160.000 Menschen weniger als derzeit. Nicht verwunderlich angesichts einer kontinuierlich sinkenden Geburtenrate – von 11,5 Promille im Jahr 2012 auf 9,7 Promille im Vorjahr und erwarteten 9 Promille im Jahr 2035. Gleichzeitig verstarben in der Region im Jahr 2016 fast 23.000 Menschen, etwa so viele wie 2015, also 16,5 Todesfälle auf 1.000 Personen, verursacht – wie schon in den vergangenen fünf Jahren – vorrangig durch Herz- und Kreislauferkrankungen (mehr als die Hälfte), Krebsleiden (gut 15%) und Versagen innerer Organe und des Verdauungstrakts mit etwa 8% Anteil. Aktuell zeichnet sich ein Trend ab, wonach im ersten Quartal des Jahres eine Zunahme um das 2,3-fache der Erkrankungen des Nervensystems – bei gleichzeitigem Rückgang der anderen Faktoren – als Todesursache zu vermerken ist. Für 2035 geht man bereits von 17 Sterbefällen auf 1.000 Personen aus. Leider fällt da kaum ins Gewicht, wenn Erfolge beim Kampf gegen Kindersterblichkeit zu vermelden sind: In den letzten fünf Jahren lag zu Zahl so niedrig wie nie zuvor, bei 6,4 Todesfällen im ersten Lebensjahr auf 1.000 Neugeborene. Im ersten Quartal 2017 sank diese Ziffer sogar auf 5.

Die sinkende Geburtenrate in Rußland brachte man mit der geringen Zahl junger Frauen in Zusammenhang

 

Wenig Trost bietet auch die Entwicklung der Migration: 2016 zogen 17.600 Neubürger in die Region, während 19.500 Einwohner des Gouvernements Wladimir ihre Heimat verließen. Ein Verlust, den auch Zuwanderer aus dem Ausland nicht ausgleichen können. 2015 waren es gerade einmal 46 Personen mehr als im Vorjahr, 491 aus der Ukraine und 305 aus Tadschikistan. Allerdings rechnet man in der Perspektive mit einem Zuwachs von 400 ausländischen Migraten im Jahr 2021 auf 1.300 Neubürger im Jahr 2035.

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Im Kalender der russischen Seele ist der 8. März in festlichem Rot gehalten. So farblos und beiläufig der Internationale Frauentag im Westen abgehandelt wird, so prächtig begeht man ihn in ganz Osteuropa und vor allem zwischen Kaliningrad und Kamtschatka, gleich ob privat, protokollarisch oder politisch. In jedem Fall erfährt heute jede Frau die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die sie jeden Tag verdient hätte, hier wie dort.

Gratulation zum 8. März!

Der Blog will da natürlich nicht hintanstehen und stellvertretend für alle Frauen einem Triumfemat gratulieren, das in Wladimir die Politik von Einiges Rußland bestimmt, jener staatstragenden Partei die landesweit die Mehrheitsrolle spielt. Wie sehr nämlich das einst „schwache Geschlecht“ mittlerweile durchaus machtbewußt das öffentliche Leben prägt, zeigen eindrucksvoll die Positionen von Olga Dejewa, Olga Chochlowa und Swetlana Orlowa. Erstere ist nicht nur Wladimirs Oberbürgermeisterin, sondern seit Dezember auch – nach geheimer Wahl ins Amt gehoben – für fünf Jahre Vorsitzende des Ortsverbands ihrer Partei, der die zweite, die stellvertretende Vorsitzende der Regionalduma, Einiges Rußland auf Gouvernementsebene vorsteht, während die dritte im Bunde als Landesmutter fungiert.

Oberbürgermeisterin Olga Dejewa, stellv. Dumavorsitzende Olga Chochlowa und Gouverneurin Swetlana Orlowa

Dennoch: Auch in Wladimir ist vor allem im Berufsleben noch einiges für die völlige Gleichberechtigung von Frau und Mann zu tun. Die „weiblichsten“ Stellen finden sich nämlich nach wie vor in der Schönheitsindustrie und im Sport (90%), in der Gastronomie (54%) und in der Bildung mit einem Anteil von je 90%, 54% bez. 82%. Dabei sind die Frauen in der Partnerstadt bereit, sich mit 23.000 Rubel Gehalt im Monat zufrieden zu geben, immerhin 5.000 weniger als ihre männlichen Pendants, wobei der Durchschnittlohn bei etwa 33.000 Rubeln liegt. In etwa ausgeglichen sind die Zahlen für den öffentlichen Dienst, was sich allerdings wieder ändert, wenn es um weibliche Bewerbungen auf Führungspositionen geht. Ganze 5% Frauenanteil findet sich im Wettlauf um Stellen im obersten Management, und Leitungsaufgaben insgesamt wollen nur 32% der weiblichen Kräfte übernehmen. Allerdings, man glaubt es kaum, gibt es auch „Frauenberufe“, wo mehr zu verdienen ist: in der chemischen Industrie erhalten Mitarbeiterinnen 103% und in der Gastronomie sogar 105% des Gehalts ihrer Kollegen.

Damit die Schönheit der russischen Frau nie vom Angesicht der Erde verschwinde!

Bleibt noch eine Frage zu klären: In der Altersgruppe bis 30 Jahren ist das Zahlenverhältnis Frau zu Mann 800 : 1.000, danach dreht sich die Relation auf 1.000 zu 1.200. Wie da die Blumen gerecht verteilt werden können, bleibt das Geheimnis der russischen Männer.

Mehr zur Geschichte des Frauentags unter: https://is.gd/bHSZHx – Und was Frauen in Wladimir sonst noch so leisten, findet sich hier: https://is.gd/zZRji2

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Etwa 2.500 Dörfer gibt es in der Region Wladimir, von denen nur 200 mehr als 200 Einwohner haben. Um der anhaltenden Landflucht und Vergreisung der Kleinkommunen entgegenzuwirken, hat die Verwaltung des Gouvernements ein Programm entwickelt, das bei einer Konferenz in Moskau als landesweit beispielhaft bezeichnet wurde. Grund genug, einmal die einzelnen Punkte zu betrachten.

Verlassenes Dorf von P. Innokentij

Verlassenes Dorf von P. Innokentij

Das Sterben der Dörfer kann nur aufgehalten werden, wenn möglichst viele Angebote vor Ort gemacht werden, wenn man nicht wegen jeder Angelegenheit in die nächste Stadt oder gar bis Wladimir fahren braucht. Die Region hat ja immerhin die Größe des Bundeslandes Brandenburg. Also fahren regelmäßig Diagnostikzentren auf Rädern in die ländlischen Gebiete, und ab Januar gibt es das System „Tele-EKG“, während bereits seit März ein diagnostisches Beratungszentrum in Wladimir tätig ist, wo schon mehr als 400 EKG-Daten aus verschiedenen Dörfern eingegangen sind. Nicht minder wichtig – die Bildung mit innovativen Ansätzen. 3.000 Schüler auf dem Land sind bereits an ein Fernnetz angeschlossen. Und natürlich darf auch die Kultur nicht zu kurz kommen, weshalb es zum Beispiel seit drei Jahren das Festival „Musikalische Expedition“ gibt, das in Kleinstädten und Siedlungen Station macht, und seit zwei Jahren führt man einen Wettbewerb nach dem Motto „Unser Dorf soll schöner werden“ durch. Schließlich sind dann aber auch noch die Infrastrukturprojekte von der Straßenbeleuchtung bis hin zur Anbindung an das Gasnetz, die den Bevölkerungsrückgang verlangsamen sollen. Immerhin gelten etwa 300 Dörfer als aufgegeben, und 700 weitere stehen kurz davor, verlassen zu werden, sprich es wohnen dort nicht mehr als zehn Menschen. Gerade einmal knapp 22% der Bevölkerung in der Region Wladimir lebt noch auf dem Land. Ein Bild, das in etwa auch insgesamt für die Russische Föderation gilt. Da tut Abhilfe not, wenn man mit den Menschen nicht auch eine ganze Kultur verlieren will.

 

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