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Archive for the ‘Wissenschaft’ Category


Findet jetzt zusammen, was zusammengehört? Wenn es nach Oxana Löscher, in der Nachfolge von Heinz Römermann am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA) für den Austausch mit der Staatlichen Universität Wladimir zuständig, und Jutta Schnabel, ehrenamtliche Koordinatorin der interkonfessionellen Jugendbegegnungen zwischen den Partnerstädten, gehen sollte, könnte das schon zu Ostern gelingen, wenn sich die nächste Gruppe aus Erlangen wieder auf den Weg zum Goldenen Ring macht. So gestern abend bei einem Vorbereitungstreffen mit angehenden Russischdolmetscherinnen und dem Orga-Team um Jutta Schnabel vom Förderverein Nadjeschda besprochen, das im Februar zu den russischen Partnern reist, um Inhalt und Programm der Osterfahrt abzustimmen. Eine Reise übrigens mit Bildungsanspruch, wie Jutta Schnabel betont, denn man besuche nicht einfach nur Wladimir und andere, von dort aus erreichbare Städte, sondern wolle auch über konkrete Projektzusammenarbeit – etwa im kirchlichen und sozialen Bereich – Land und Leute von innen heraus kennenlernen. Ideal also für alle jungen Leute, die Erlangens Partnerstadt nicht nur touristisch erleben wollen. Anmeldungen zu der Reise sind noch bis Ende des Monats möglich unter: https://is.gd/HXMk8E

Oxana Löscher (2. v.l.) und Jutta Schnabel (6. v.l.) mit der Jugendgruppe im Henry’s Pub

Ein vielversprechender Auftakt also für den Austausch mit Wladimir, der da gestern in den Jugendräumen von St. Heinrich stattfand, zumal auch Möglichkeiten für die Russische Abteilung am IFA besprochen wurden, sich intensiver an der Städtepartnerschaft zu beteiligen und verstärkt die Gelegenheiten zu nutzen, in diesem Rahmen den jungen Leuten auch Praktika anzubieten. Da geht also bestimmt etwas zusammen, wo bisher je eigene Wege beschritten wurden. Gut so!

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Zum ersten Mal besuchte ich Erlangen im Sommer 2006. Damals war ich Hörerin der Deutschkurse am Sprachlernzentrum des Erlangen-Hauses in Wladimir und nahm an einer Reise nach Erlangen unter Leitung meiner Lehrerin, Marina Gajlit, und Irina Chasowa, der Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, teil. Wir besuchten damals einen zweiwöchigen Sprachkurs an der Volkshochschule und waren in Familien untergebracht, ich bei der überaus gastfreundlichen Silvia Singer-Fischer in Baiersdorf.

Silvia Singer-Fischer und Maria Wedenejewa, 2006

Neben dem Kurs erlebten wir ein großartiges Kulturprogramm mit Ausflügen nach Nürnberg und Bamberg, einer Führung durch Erlangen, dem Besuch der Firma Siemens sowie des Theaterstücks „Mutter Courage und ihre Kinder“ und vieles mehr. Am Ende gab es eine Stadtrallye mit einer ganzen Liste von Fragen über Erlangen, seine Sehenswürdigkeiten und bedeutungsvollen Orte. Wir mußten entweder selbständig auf diese Fragen antworten oder Einheimische um Rat fragen.

Wiedersehen mit der Volkshochschule für Maria Wedenejewa, Dezember 2019

Für mich war das eine gute Erfahrung und eine ausgezeichnete Sprachpraxis. Just da kam in mir der Wunsch auf, noch einmal nach Erlangen zurückzukehren. Und nun habe ich es 2019 – dreizehn Jahre später – doch geschafft, wieder nach Erlangen zu kommen, allerdings in einer anderen Funktion, nämlich als leitende Mitarbeiterin des Büros für Internationale Zusammenarbeit an der Staatlichen Universität Wladimir.

Maria Wedenejewa und die internationale Delegation an der FAU

Vom 2. bis 6. Dezember besuchte ich die Friedrich-Alexander-Universität im Rahmen des europäischen Programms Erasmus +, um an einem Personaltraining zum Thema „Herausforderungen der Digitalisierung“ teilzunehmen. Eingeladen waren auch Fachleute von Universitäten aus Sankt Petersburg, der Tschechischen Republik, Serbien, Estland, Portugal, Kuba, Bosnien-Herzegowina, Ägypten, Israel, Jordanien, Tunesien, Südafrika sowie aus der Ukraine und dem Iran. Man hatte ein straffes Programm für uns vorbereitet, das nicht nur Vorträge, Präsentationen und Seminare beinhaltete, sondern auch Ausflüge nach Nürnberg und Fürth, eine Stadtführung durch Erlangen und andere Veranstaltungen vorsah.

Maria Wedenejewa im Seminar

Die Vorträge und Seminare widmeten sich den Fragen der Digitalisierung in der Bildung, dem Online-Studium. Man machte uns mit innovativen Programmen der digitalen Transformation vertraut, wie sie bereits an der FAU Anwendung finden, und demonstrierte uns Beispiele des Online-Studiums an verschiedenen Fakultäten sowie des Internationalen E-Examens, aber auch die Möglichkeiten des Multimedia-Zentrums. Ihre Erfahrungen in diesem Bereich teilten mit uns darüber hinaus die Hochschule für Wirtschaft in Prag, die Universität von Porto oder die Schule für Wissenschaft und Technik in Sarajewo.

Maria Wedenejewa und Bianca Köndgen

Außerdem nahm ich an der Internationalen Börse für Pädagogische Bildung teil, die am 3. Dezember in Nürnberg stattfand, und wo ich die Staatliche Universität Wladimir präsentierte.

Maria Wedenejewa

Die Führungen durch Erlangen, Nürnberg und Fürth sowie der Besuch des Weihnachtskonzerts des Symphonieorchesters Nürnberg gaben mir nicht nur Gelegenheit, Geschichte, Architektur und Kultur von deutschen Städten kennenzulernen, sondern auch in die festliche Adventsatmosphäre einzutauchen und die Weihnachtsstimmung mitzuerleben.

Maria Wedenejewa

Insgesamt betrachte ich meinen Besuch in Erlangen im Dezember 2019 als ausgesprochen nützlich. Neben den neuen Bekanntschaften, neuen Kontakten und dem Erfahrungsaustausch stehen gute Laune und schlicht und einfach Sprachpraxis. Und jetzt hoffe ich, ein weiteres Mal nach Erlangen kommen zu können.

Maria Wedenejewa im Jahr 2006

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die hervorragende Organisation unseres Aufenthalts. Danken möchte ich insbesondere allen, die meinen Besuch der FAU Erlangen-Nürnberg möglich machten, insbesondere der Koordinatorin des Programms Erasmus +, Bianca Köndgen, dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, und der Leiterin des Büros für Internationale Zusammenarbeit an der Staatlichen Universität Wladimir, Nadeschda Troschina.

Maria Wedenejewa

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Seit dem Herbst hat das für die Städtepartnerschaften und Internationalen Beziehungen zuständige Team Verstärkung aus Wladimir. Mehr noch: Die junge Frau verlängert ihren zunächst auf ein Semester begrenzten Aufenthalt bis zum kommenden Sommer. Doch lesen Sie selbst:

Ich heiße Polina Timofejewa und studiere im achten Semester an der Staatlichen Universität Wladimir. Dank meinen Studienerfolgen in diesem Jahr erhielt ich die einmalige Chance, eine Praktikum im Bürgermeister- und Presseamt, Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, zu absolvieren.

Polina Timofejewa

Kurz zur Vorgeschichte: Seit meiner Kindheit mag ich Fremdsprachen. Ich besuchte ein neusprachliches Gymnasium, ging ans Amerikanische Haus in Wladimir… Nach der Schule entschied ich mich dafür, weiter Sprachen an der Universität zu studieren und meine Zukunft an sie zu knüpfen. Obwohl ich in der Schule Französisch hatte, wählte ich bei meiner Immatrikulation Deutsch als erste Fremdsprache. Ich hatte meine Gründe dafür und brauchte meine Entscheidung noch kein einziges Mal zu bedauern.

Ich könnte nicht sagen, das Studium einer neuen Sprache habe mir große Schwierigkeiten bereitet. Dazu trugen sehr meine Englischkenntnisse und wahrscheinlich die unglaublich sensiblen und erfahrenen Dozenten bei, die uns Tag für Tag motivierten und uns eine feste sprachliche Grundlage beibrachten.

Allerdings hätte ich mir bei der Wahl von Deutsch als mein Hauptfach nicht vorstellen können, einige Jahre später in einem Rathaus in Deutschland zu sitzen und einen Artikel über meine Erfahrung zu schreiben. Solche Möglichkeiten bieten sich nicht jedem, und ich bin unendlich glücklich und meinen Dozenten und Peter Steger dankbar für diese Gelegenheit.

Eine meiner Aufgaben ist es hier, im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, die Zusammenarbeit der Partnerstädte Erlangen und Wladimir zu unterstützen. Während meines Praktikums konnte ich bereits an einigen Veranstaltungen teilnehmen und beispielsweise helfen, den Empfang für einen Kriegsveteranen oder die Auftritte einer Rockband aus Wladimir zu begleiten.

Außerdem beteilige ich mich an der Herausgabe eines Buches mit Erinnerungen von „Kriegskindern“. Ich übersetze die erlebten Geschichten von Menschen, die am eigenen Leib all die Beschwernisse des Krieges durchmachten. Ich hoffe, damit meinen noch so kleinen Beitrag zum globalen Problem, der Schaffung des Friedens auf der ganzen Welt, leisten zu können.

Mein Praktikum im Erlanger Rathaus absolviere ich neben meinem Studium an der Friedrich-Alexander Universität, das sicher auch zu den Hauptzielen meines Aufenthaltes hier gehört. Das Studium in Deutschland unterscheidet sich etwas von dem an russischen Universitäten. Hier ist mehr Selbständigkeit und Aufmerksamkeit gegenüber den Details gefordert.

Die Erfahrungen, die ich hier sammle, können in ihrem Wert gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich lerne jede Menge Leute kennen, angefangen bei Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern bis zum Oberbürgermeister von Erlangen. Außerdem konnte ich meine Kenntnisse im Deutschen und Englischen verbessern, verschiedene Städte und Länder bereisen, neue Freunde finden, viel Neues über die deutsche Kultur erfahren, Bratwurst und Sauerkraut probieren, das Oktoberfest besuchen, wo mich faszinierte, wie die Deutschen in Tracht auf den Tischen tanzen. Ich trank Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und erhielt vom Nikolaus ein Geschenk, das er mir in die Stiefel steckte…

Abschließend möchte ich betonen, wie sehr ich mich über die positiven Gefühle und die Erfahrungen freue. Und ich kann die neuen Eindrücke dieses wunderbaren Programms gar nicht erwarten!

Polina Timofejewa

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Wenn sich später einmal jemand mit der Historie dieser deutsch-russischen Städtepartnerschaft beschäftigen sollte, wird das Projekt von Jewgenij Arinin, Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaften an der Staatlichen Universität Wladimir, sicher besondere Aufmerksamkeit erfahren. Seit gut 15 Jahren nämlich kooperiert der Gelehrte schon mit dem Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaften an der FAU, und seit Anfang 2018 untersucht er, interdisziplinär unterstützt von Natalia Markowa, Dekanin des Instituts für Geisteswissenschaften, Irina Pogodina, Leiterin des Lehrstuhls für Finanzrecht, und dem Soziologen Dmitrij Petrosjan, den Komplex „Philosophie und Religionskunde als globales Projekt: die deutsche und russische Jugend im Religionsdialog“, ein Vorhaben, das die Russische Stiftung für Grundlagenforschung in Moskau fördert. Im Fokus dabei – die Frage, wie sich im Laufe des Austausches und der Begegnungen die sozialen und religiösen Werte von Jugendlichen aus den Partnerstädten entwickeln und verändern. Diese Woche schloß das Team nun die Forschungsarbeiten in Erlangen ab; im März will man die Fortsetzung des Projekts beantragen. Durchaus mit der Aussicht auf Erfolg, denn längst ist die Untersuchung über den engen Rahmen der Städtepartnerschaft hinausgewachsen: von Astrachan bis Archangelsk und von Ulan-Ude bis Moskau erhebt man Daten, und die Befragung von Jugendlichen soll im nächsten Jahr noch weiter intensiviert werden, möglichst auch unter Einbeziehung der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Elisabeth Preuß, Witalij Galkin, Natalia Markowa, Irina Pogodina, Jewgenij Arinin und Dmitrij Petrosjan

Dmitrij Petrosjan äußerte denn auch beim Empfang am Mittwoch im Rathaus gegenüber Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Hoffnung, die Datenbasis im nächsten Schritt zu erweitern, denn sogar innerhalb der russischen Städte gebe es große Unterschiede bei der Rolle von religiösen Werten. Archangelsk sei sehr stark säkular geprägt, erläutert Jewgenij Arinin, während Wladimir als eher rechtgläubig orientiert gelte, Kasan stärker in Richtung Islam ausgerichtet und Ulan-Ude vom Buddhismus bestimmt sei. Eine Kurzfassung der Ergebnisse präsentierte der Blog bereits Anfang des Monats unter: https://is.gd/zPbFN3, seit gestern liegt der Redaktion auch die umfangreiche Gesamtuntersuchung – auf Russisch – vor, die allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden kann.

Morgen reisen nach getaner Arbeit die Gäste wieder nach Hause zurück und schließen für dieses Jahr den Besucherreigen aus der Partnerstadt mit den besten Wünschen von Elisabeth Preuß für die nächste Etappe des Projekts, das in der Historie der Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir schon jetzt eine Ausnahmestellung einnimmt.

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Eindrücke über meinen Aufenthalt an der FAU

Als Dozentin an der Staatlichen Universität Wladimir besuchte ich im Rahmen des Programms „ERASMUS + Staff Mobility for Teaching“ vom 11. bis 15. November 2019 die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Mein Aufenthalt diente der Vertiefung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und dem Austausch von Wissen und Erfahrung zwischen unseren Hochschulen.

Ich besuchte die Universitätsstandorte in Erlangen und Nürnberg. Erlangen ist eine kleine und gemütliche Stadt. Beeindruckt haben mich die kleinen Bürgerhäuser, die wunderbaren Parkanlagen und die vielen einladenden Restaurants und Cafés. Alles wirkte ruhig und aufgeräumt. Auf dem Marktplatz wurden schon Vorbereitungen für die Weihnachtszeit getroffen; die Stimmung ist teilweise feierlich und voller Vorfreude. Die Lehrkräfte der Universität waren alle sehr freundlich, höflich und hilfsbereit.

Evelina Winter und Olga Kossowan

Ich wurde vom Städtepartnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen, Peter Steger, sowie von der ERASMUS-Hochschulkoordinatorin an der FAU, Bianca Köndgen, und Evelina Winter, Mitarbeiterin des Lehrstuhls Didaktik des Deutschen als Zweitsprache, herzlich begrüßt. An der Universität war eine sehr interessante Ausstellung zum Thema „Fernweh“ zu sehen.

Nürnberg machte auf mich den Eindruck einer schönen und lebhaft pulsierenden Stadt. Die Atmosphäre im Stadtzentrum war beinahe feierlich zu nennen: strahlende Kaufhäuser und lebhafte Cafés, gut gelaunte Menschen, Glockengeläut auf dem Hauptmarkt.

Im Mittelpunkt meines Aufenthalts stand aber das Kennenlernen des Lehrstuhls Didaktik des Deutschen als Zweitsprache und seiner Lehrstuhlinhaberin, Prof. Dr. Magdalena Michalak. Ich hatte Gelegenheit, an ihrem Seminar zum Thema „Sprache im Fachunterricht“ sowie an ihrer Vorlesung mit der Bezeichnung „Erwerb des Deutschen als Zweitsprache“ teilzunehmen. Dargestellt wurden u.a. Lehrstrategien und didaktische Ansätze für die zukünftigen Lehrkräfte. Beide Veranstaltungen waren äußerst interessant und bereichernd, auch wegen der vielfältigen Erfahrungen und Kreativität.

Olga Kossowan

Ich selber hielt einen Vortrag zum Thema „Language Awareness – Welche sprachlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen dem Russischen und dem Deutschen?“ Die Studenten hörten aufmerksam zu und beteiligten sich aktiv. Sie waren besonders interessiert zu erfahren, wie in Wladimir Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird.

Insgesamt war der Besuch für mich in jedweder Hinsicht ein Gewinn. Der fachliche Erfahrungsaustausch war sehr angenehm, und zugleich haben die beiden mittelfränkischen Städte viel Kultur, Lebensart und neue Eindrücke geboten.

Frau Winter hat mir im Rahmen einer interessanten Stadtführung durch Nürnberg das größte Felsenkellerlabyrinth Süddeutschlands gezeigt. Der Weg führte zum Dürerkeller, der den Einwohnern Nürnbergs im 2. Weltkrieg als Luftschutzbunker gedient hatte. Dieser Besuch vermittelte Eindrücke von der Geologie des Nürnberger Burgberges sowie von der Herstellung und Lagerung von Bier. Abgeschlossen wurde dieser Rundgang bei einem Besuch der Nürnberger Hausbrauerei Altstadthof, die ein gutes Rotbier braut und seit einigen Jahren auch Whisky herstellt.

Olga Kossowan

Ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken, die zur Ermöglichung und zum Gelingen meines Besuches an der FAU im Rahmen des ERASMUS+ Programmes beigetragen haben. Insbesondere gebührt mein Dank Magdalena Michalak, Evelina Winter, Bianca Köndgen und Peter Steger.

Olga Kossowan

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Jelena Woronzowa, Fakultät für Geschichte an der Staatlichen Universität Moskau, und Jutta Schnabel, Physikerin an der FAU sowie Kopf und Herz des Jugendaustausches zwischen den Partnerstädten Erlangen und Wladimir, legten, unterstützt von Iwan Wikulow, Philosophische Fakultät der Staatlichen Universität Wladimir, einen Artikel zum Thema „Interaktion der Jungend im interkulturellen Umfeld: Erfahrung einer soziologischen Untersuchung“ vor, der heute als weiteres Zeugnis der fruchtbaren Hochschulkooperation zwischen den Partnerstädten in der deutschen Übersetzung von Peter Steger auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Jugendaustausch Erlangen-Wladimir

Anmerkung: Der Artikel betrachtet die vorläufigen Ergebnisse einer Untersuchung zu den Wertvorstellungen von russischen und deutschen Jugendlichen, die am Austausch zwischen Erlangen und Wladimir teilnahmen. Der dazu ausgearbeitete Fragebogen enthielt eine Reihe von Blöcken mit Fragen aus der Weltweiten Werte-Erhebung, was erlaubte, die Resultate mit den Daten der großangelegten Untersuchung von 2011 für die Russische Föderation und von 2013 für Deutschland zu vergleichen. Auf der Grundlage der gesammelten Daten machen die Autorinnen den Versuch, die Spezifik jugendlicher Einstellungen in den jeweiligen Gruppen herauszuarbeiten.

Um die weltanschaulichen Einstellungen und religiösen Vorlieben der russischen und deutschen Jugendlichen, die am Austausch teilgenommen hatten, zu erfassen, hatte die Forschungsgruppe einen Fragebogen vorbereitet. Die Befragung erfolgte in beiden Sprachen auf der kostenfreien deutschen Internetplattform Face Africa, was es ermöglichte, papierfrei und rasch die erhobenen Daten zu verarbeiten. Etwa 30 umfangreiche Fragen, ausgerichtet an der Weltweiten Werte-Erhebung (World Values Survey), waren zu beantworten, für die deutsche Seite auf der Grundlage der Formulierungen und Daten der Umfrage aus dem Jahr 2013 und für die russischen Jugendlichen auf der Basis der analogen Erhebung aus dem Jahr 2011.

Unser Fragebogen https://is.gd/TKlpkt konzentrierte sich auf die Festigung von weltanschaulichen Haltungen mit der Ausrichtung auf die Religiosität, weshalb folgende Fragegruppen enthalten waren: Einbezogenheit in die Interaktion mit einer Gruppe, Beziehung zu universellen Werten, Politik und Gesellschaft, Religiosität, Selbstwahrnehmung. Über die grundlegenden biographischen Fragen zu Geschlecht und Alter hinaus wurde auch die Frage nach der religiösen Selbstidentifizierung gestellt. Hinsichtlich dieser Frage ist folgender Vorbehalt zu machen: In Rußland ist die religiöse Zugehörigkeit dieser oder jener Person völlig unreglementiert, in den allermeisten Fällen fehlen formale Kriterien einer Mitgliedschaft oder sie spielen für die jeweilige Person keine entscheidende Rolle. So kann also jemand angeben, orthodox zu sein, ohne zur Kommunion zu gehen oder sich als festes Mitglied einer Gemeinde zu bezeichnen. In Deutschland hingegen wird noch immer eine besondere Kirchensteuer erhoben, die dieser oder jener Kirche / Gemeinde zugutekommt. Wer diese Steuer nicht bezahlt, gehört formal nicht mehr zu dieser oder jener Gemeinde, wird in ihren Listen nicht geführt. Allerdings bedeutet die Weigerung, diese Steuer zu bezahlen – ein derzeit lebhaft diskutiertes Thema in der deutschen Öffentlichkeit -, nicht unbedingt, daß man deshalb nicht dennoch religiös sein könne. Diese Menschen können durchaus ihre religiösen Einstellungen beibehalten, allerdings wollen sie nicht mehr zu diesen oder jenen religiösen Institutionen gehören.

Im Lauf des Austausches zwischen Wladimir und Erlangen wurden im April des Jahres 19 deutsche und 20 russische Teilnehmer aus der Studentengruppe befragt. Dabei bezeichneten sich die russischen Jugendlichen zu über 50% als „orthodox gläubig“ (landesweit liegt dieser Wert bei etwa 60%), in der deutschen Gruppe hingegen erklärten sich mehr als 65% zu Gläubigen (Katholiken oder Protestanten), während in Deutschland insgesamt 65% der Bevölkerung sich als konfessionslos bezeichnet. Die Daten zu unseren deutschen Teilnehmern unterscheiden sich also deutlich von der Gesamtheit der Datenlage zu Deutschland.

Zu beobachten ist derweil ein höherer Wert bei den russischen Jugendlichen hinsichtlich der Religiosität: Während 60% der Russen insgesamt und fast 50% der von uns befragten Jugendlichen sich als religiös bezeichnet, sind es auf deutscher Seite nur 40% insgesamt bzw. 30% unter den Jugendlichen.

Paradoxerweise scheinen die russischen Jugendlichen toleranter gegenüber Vertretern anderer Religionen zu sein – und das obwohl gemeinhin davon ausgegangen wird, Deutschland sei stärker auf tolerante Einstellungen ausgerichtet. So verstehen sich mehr als 80% der befragten Studenten aus Wladimir als tolerant gegenüber Vertretern anderer Religionen und Konfessionen, während das nur 50% der deutschen Studenten aus Erlangen tun. Insgesamt aber nimmt aus beiden Gruppen nur eine zu vernachlässigende Zahl eine extreme Haltung bei der Frage nach der einzig akzeptablen Religion ein

Die Analyse des Fragenblocks zum Thema Politik gestattet die Aussage, daß die deutschen Teilnehmer insgesamt ein höheres Interesse an politischen Fragen zeigen (90% vs. 30% der russischen Studenten), sich als Träger demokratischer Werte bezeichnen und sich überwiegend als zufrieden mit den herrschenden Umständen erklären.

Die russischen Jugendlichen neigen nicht dazu, ihr Land für demokratisch zu halten: In Rußland hält sich – im Gegensatz zu Deutschland – die Neigung zu einem „starken Führer“. Sie fühlen sich ungeschützt (50% antworten, ihre Rechte werden „eher nicht gewahrt“, während weniger als 10% der Deutschen das so sehen).

Die Jugend insgesamt könnte man als Träger von universellen und kosmopolitischen Werten bezeichnen. Überwiegend zeigen das jedenfalls die Antworten der deutschen Teilnehmer (90% vs. 65% der russischen Jugendlichen).

Hinsichtlich der Selbstidentifizierung demonstriert die deutsche Jugend mehrheitlich eine Nähe zu den Werten der persönlichen Entwicklung, der Entfaltung der eigenen Individualität u.s.w. So zeigen sich mit der Einschätzung „Ich halte mich für ein autonomes Individuum“ mehr als 80% der deutschen Befragten einverstanden, während es auf russischer Seite nicht einmal 50% sind.

Interessant ist es, diese Angaben den religiösen Selbstidentifizierungen gegenüberzustellen.

Religiöse Überzeugungen

Религиозные убеждания

Ich halte mich für ein autonomes Individuum  Я ситаю себя автономным ндивидом Trifft völlig zu Совершенно согласен Trifft eher zu Скорее согласен Trifft eher nicht zu Скорее не согласен Абсолютно не согласен
Keine Religionszugehörigkeit 7 1 3 1
католичество, röm.-kath. 6 4 1 1
протестантизм, ev. 2 2 1 0
православние, russ.-orth. 1 2 2 4

Die Tabelle zeigt, daß die Werte des autonomen Individuums mehrheitlich von den Befragten geteilt werden, die sich als konfessionslos bezeichnen. Unter den russischen Jugendlichen erreicht die Zahl an Personen, die sich negativ hinsichtlich der individualistischen Werten zeigen, ihr Maximum.

Schließlich ist die Anhängerschaft gegenüber einem Traditionalismus in etwa gleich stark bei den Katholiken und Orthodoxen vertreten, während die Protestanten und Konfessionslosen dem Wert der Tradition eher ablehnend gegenüberstehen.

Religiöse Überzeugungen Религиозные убеждания Für mich ist es wichtig, der Tradition zu folgen Для меня важно следовать традиции Trifft auf mich sehr zu Очень похоже на меня Trifft auf mich zu Похоже на меня Trifft in gewisser Weise auf mich zu  Чем-то похоже на меня Trifft kaum auf mich zu Немного похоже на меня Не похоже на меня Совсем не похоже на меня
Ни к какой религии konfessionslos 0 1 1 1 4 5
католичество röm.-kath. 0 4 3 0 2 3
протестантизм ev. 0 1 0 1 0 1
православние russ.-orth. 0 3 3 3 1 0

So kann die Befragung eine Reihe von Unterschieden zwischen den Teilnehmern an diesem deutsch-russischen Austausch konstatieren. Vor allem sticht der höhere Anteil an Religiosität bei den russischen Jugendlichen ins Auge, aber auch das Gefühl mangelnden Schutzes und eines Mißtrauens gegenüber der Politik bei gleichzeitiger Bewahrung einer Unterordnung unter die Tradition und einer minimalen Neigung zu den Werten des Individualismus. Für die deutschen Teilnehmer ist ein hohes Interesse an Politik ebenso charakteristisch wie das Vertrauen in den Staat, die Betonung der persönlichen Entwicklung und der demokratischen Werte.

Der Fragenblock zur Gruppenarbeit und zu den universellen Werten bedarf einer weiteren Messung anhand der Ergebnisse einer Teilnahme der gleichen Studenten am nächsten Austausch. Eine derartige wiederholte Befragung erlaubt es, herauszufinden, inwieweit sich die Wertevorstellungen und grundlegenden Einstellungen über das andere Land im Lauf der Teilnahme am Austausch ändern.

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Welchen Beruf ergreifen? Die klassische Frage, die jeden Schüler belastet, der von einer erfolgreichen Zukunft träumt. Und wenn dann bis zum Abschluß nur noch eineinhalb Jahre bleiben, erhalten die Gedanken über den späteren Berufsweg eine gewisse Priorität.

Iwan Seliwjorstow und Olga Serdjuk

Iwan Seliwjorstow geht in die 10. Klasse des Gymnasiums Nr. 23 in Wladimir. Er ist ein ganz normaler Teenager, der sich für Sport und Musik begeistert sowie Sprachen (Englisch und Deutsch) lernt. Seinen beruflichen Werdegang sieht Iwan schon ganz klar vor sich. Er interessiert sich für Chemie und Biologie. Deshalb wählte er auch als Schwerpunkt im Unterricht der 10. und 11. Klasse der allgemeinbildenden Schule die Fächerkombination „Chembio“. Dies half ihm dabei, in die faszinierende Welt des Studentenlebens an der Wladimirer Staatlichen Universität einzutauchen. Labors, Auditorien, Lehrstühle, „Paare“, wie man die Lehreinheiten an der Hochschule nennt. Dies alles ermöglichte es ihm, das Nahen des neuen Lebens als Erwachsener zu erfahren.

Da Iwan am Erlangen-Haus Deutsch lernt, interessierte ihn die Frage, wie denn das Studium an den Universitäten in Deutschland aussehen könnte, erst recht, wo es doch in der Partnerstadt Erlangen die FAU mit ihrem Weltruf gibt. Dank der altbewährten Partnerschaft beider Städte und der aktiven Unterstützung durch Peter Steger im Bereich des Austausches auf den Gebieten der Kultur und Bildung erhielt Iwan die Möglichkeit, in die FAU hineinzuschnuppern. Und so machte sich der Schüler in den Herbstferien – in der vergangenen Woche – auf den Weg nach Erlangen.

Zunächst einmal: Iwan kam zum ersten Mal nach Deutschland. Erlangen empfing ihn mit herrlich warmem Wetter, anheimelnden und sauberen Gassen, historischen Gebäuden – und mit dem Lächeln der Menschen. Was ihm ebenfalls sofort ins Auge fiel, waren die vielen medizinischen Einrichtungen, alles Unterabteilungen der Universitätskliniken, schöne, lichte und moderne Gebäude, eher futuristischen Bauten oder Hotels ähnlich. Erst nach einem längeren Spaziergang durch die Stadt begriff er, daß die Hörsäle und Verwaltungseinrichtungen der FAU über ganz Erlangen verteilt sind, daß es hier nicht nur einen zentralen Campus gibt, sondern daß das studentische Leben historische Gebäude ebenso erfüllt wie hochmoderne Bauten. Und dann begriff er auch noch, daß der ihm seit der Kindheit bekannte Begriff Siemens ganz direkt mit dieser außergewöhnlichen Stadt verbunden ist. Überhaupt gewann er einen erstaunlichen Eindruck von Erlangen. Ebenso altehrwürdig wie modern, ein Magnet für junge Leute, die hungrig darauf sind, für sich einen Platz in der Zukunft zu finden, einen Platz in einem Beruf, der jungen Leuten ein großes Potential zur Selbstverwirklichung bietet.

Almut Ruyter und Iwan Seliwjorstow

Am Tag darauf kam es zu einem Gespräch an der Naturwissenschaftlichen Fakultät, den Nadja und Peter Steger liebenswürdigerweise organisiert hatten, und wo Iwan mit Fachleuten aus den Fachbereichen Biologie und Chemie sprechen konnte, immer begleitet von Polina Timofejewa, einer Studentin der Wladimirer Staatlichen Universität, die derzeit an der FAU ein Semester absolviert. Das erste Treffen erfolgte mit Olga Serdjuk. Sie kommt aus Rostow am Don und hat einen Doktortitel in der Chemie. Sie erzählte von ihrem eigenen Weg zum Beruf, davon, wie sie die Entscheidung traf, der Arbeit wegen nach Erlangen zu kommen, und schließlich, der wichtigste Punkt, was man sich unter der Arbeit eines Chemikers in Deutschland vorzustellen habe, welche praktischen Möglichkeiten es hier gebe, die praktische Anwendung einer Ausbildung im Bereich Materialchemie oder Pharmazeutik umzusetzen oder in welchen Etappen man in Deutschland in den Fächern zum Profi wird, welche Bedeutung berufliche Kompetenzen und Kontakte besitzen.

Iwan Seliwjorstow und Susanne Morbach

Das nächste Treffen fand im Büro von Almut Ruyter statt. Die promovierte Chemikerin berät zum Bachelor-Studiengang im Bereich Chemie und Molecular Science. Das Studium läuft auf Deutsch. Es geht um eine bodenständige Ausbildung in der biologischen medizinischen Chemie. Einsatz nach dem Studium: Industrie, Behörden, Forschung. Sie berichtete ausführlich über das Propädeutikum, also die Vorbereitung der Studenten auf einen individuellen Ausbildungsweg je nach eigenen Interessen. Schließlich traf Iwan noch Susanne Morbach (Studiengangskoordinatorin Department Biologie). Die promovierte Wissenschaftlerin berät zum Bachelor-Studium im Bereich Biologie. Dabei war von besonderem Interesse, daß in Deutschland das Biologiestudium am Ende auf eine konkrete Spezialisierung zuläuft: Paläontologie, Botanik, Genetik u.s.w. Und dann gibt es da noch all die Besonderheiten beim Bachelor in der Biologie…

Ein großer und erkenntnisreicher Tag für Iwan. Die Städtepartnerschaft macht die Welt unserer Jugend weiter und vielschichtiger, erfüllt sie mit Interaktion und Kontakten in Bildung und Wissen. Die Zukunft liegt in der Hand der Jugend!

Und dann ist da noch Weihnachten, auf das sich Erlangen bereits vorbereitet. Am 1. Dezember feiert man den 1. Advent. Die Weihnachtsmärkte sind in dieser Weltgegend besonders farbenprächtig. Der Geist des nahenden Weihnachtsfestes schwebte jedenfalls bereits über der Stadt…

 Iwan Seliwjorstow

Anm. der Redaktion: Der Bericht stammt vom Vater, der den gleichen Vornamen wie der Sohn trägt. Iwan Seliwjorstow ist Arzt und koordiniert den Medizineraustausch, den Rotary fördert. Siehe: https://is.gd/is4YRk

 

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