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Archive for the ‘Wissenschaft’ Category


Es gehört zu den schönen Gepflogenheiten von Lehranstalten, Jahresberichte herauszugeben. So ist soeben die Chronik 2016/2017 des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde erschienen, das zusammen mit der Volkshochschule zu den Erlanger Bildungseinrichtungen mit der längsten und intensivsten Wladimir-Austauschpraxis gehört. Folgerichtig findet sich in der achtundachtzigseitigen Publikation auch nachstehender Bericht der vier Studentinnen, die im März für drei Wochen Erlangen erlebten:

Wir haben auf diese Reise ungeduldig gewartet, weil es für drei von uns vier die erste Bekanntschaft mit Deutschland war. Als wir zum Bordfenster hinaus auf die bayerischen Landschaften schauten, verliebten wir uns in die Natur Deutschlands. In Erlangen fuhren wir zuerst zum Institut, wo wir Heinz Römermann kennenlernten und von ihm einen Stundenplan bekamen (und sogar gleich die erste Hausaufgabe). Danach wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt. Das erste, was uns auffiel, war die Gastfreundlichkeit nicht nur unserer Gastfamilien, sondern auch die aller Menschen in Deutschland. Am nächsten Tag begann für uns der Schulalltag. Nach dem Unterricht hatten wir die Möglichkeit, durch die schöne und gemütliche Stadt Erlangen zu bummeln. Am Mittwoch wurden wir ins Rathaus eingeladen, wo man uns damit beehrte, die Bürgermeisterin kennenzulernen, welche uns freundlich empfing. Es war der 8. März, also der Weltfrauentag, und jede von uns bekam eine Blume, was wir nicht erwartet hatten, aber als sehr nett und aufmerksam empfanden.

Daniel Gossel, Alexandra Klemeschowa, Darja Lukjanowa, Marina Aljokina, Jelena Jewdokimowa, Tatjana Maier, Elisabeth Preuß und Heinz Römermann

In den nächsten drei Wochen besuchten wir viele fränkische Städte wie Bamberg, Rothenburg, Nürnberg und Forchheim. Am besten gefielen uns Bamberg und Rothenburg, weil wir uns in das Mittelalter versetzen konnten: keine Fabriken, keine mehrstöckigen Gebäude, nur Kirchen, Türme und natürlich das wunderschöne Panorama der Städte.

Wir hatten Glück, zwei Tage in der Hauptstadt zu verbringen. Trotz des Regenwetters konnten wir unseren Traum verwirklichen, Bilder vor dem Reichstag und dem Brandenburger Tor zu machen. Wir waren auch von der deutschen Küche begeistert. Sowohl in den Gastfamilien als auch in den Restaurants probierten wir verschiedene deutsche Spezialitäten aus wie z.B. Weißwürste mit Brezel, Schupfnudeln, Bratwürste mit Kartoffelsalat, Jägerschnitzel, Knödel und viele andere gute Speisen.

Abgesehen von den Ausflügen lernten wir natürlich auch. Unsere Bekanntschaft mit Erlangen begann ja mit dem Besuch des Instituts, wo wir die meiste Zeit verbrachten. Als wir unseren Stundenplan bekamen, verstanden wir, wie viel anspruchsvolle Arbeit auf uns wartete. Wir hatten jeden Tag Unterricht, und jede Stunde, die uns angeboten wurde, war sehr interessant. An unserem ersten Unterrichtstag lernten wir gleich einige Lehrer und Studenten kennen. Die erste Stunde war Landeskunde BRD bei Michael Süß. In diesen Stunden erfuhren wir einiges über das politische System der BRD und ihr Wahlsystem. Natürlich war uns vieles schon bekannt, aber trotzdem war alles sehr lehrreich. Die erste Stunde kam uns sehr kurz vor, weil wir in Wladimir nicht eine Stunde (45 Min.) haben, sondern immer Doppelstunden. Es war so ungewohnt, wenn jede Stunde so schnell zu Ende ging und wir uns zur nächsten Stunde zu beeilen hatten, damit wir nicht zu spät sind, denn es waren nur fünf Minuten Pause dazwischen! Bei uns sind immer 20 Minuten Pause dazwischen.

Birgit Tordinava, Oxana Löscher, Roland Kleiber, Heinz Römermann (stehend), Swetlana Steinbusch und Oxana Kirej (sitzend)

Besonders gut gefiel uns die Methodik des Übersetzens, weil wir an unserer Universität kein solches Lehrfach haben. Oxana Kirej zeigte uns die falschen Freunde des Übersetzens und wie man diese richtig übersetzt. Mit Swetlana Steinbusch übten wir, verschiedene Texte aus dem Deutschen ins Russische korrekt zu übersetzen und mit Heinz Römermann aus dem Russischen ins Deutsche. In der Methodik des Übersetzens von Birgit Tordinava lernten wir verschiedene Möglichkeiten, wie man richtig aus dem Russischen ins Deutsche (z.B. lange Genitivketten oder die Mengenangaben) übersetzen sollte.

Wir wunderten uns nicht nur über die große Auswahl an verschiedenen Übersetzungsthemen, sondern auch über die Außen- und Innenansicht der Institutsgebäude. Als wir diese zum ersten Mal sahen, hätten wir nicht gedacht, es handele sich hier um ein Institut, weil diese Gebäude den anderen bewohnten Häusern in der Umgebung sehr ähnlich sind. Die meisten Universitätsgebäude bei uns sind mehrstöckige Bauten, die sehr offiziell aussehen.

Es war für uns eine unvergeßliche Reise nach Deutschland, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Und natürlich hoffen wir, irgendwann wieder nach Erlangen zu kommen.

Marina Alekina, Jelena Jewdokimowa, Alexandra Klemeschowa und Daria Lukianowa

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Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt zu Fragen des Religionsunterrichts an Schulen der Russischen Föderation, betrieben vom Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität und dem Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaft an der Staatlichen Universität Wladimir geht dem Ende entgegen. Dieser Tage trifft sich in Erlangen, koordiniert von Wadim Schdanow als Gastgeber und Jewgenij Arinin als Verbindungsmann für die russische Seite, eine Gruppe von weiteren russischen Hochschulen, die an der Untersuchung beteiligt sind: Tatarstan, Burjatien, Moskau, Orjol und Archangelsk. An den beiden letzteren ist Jewgenij Arinin selbst Gastprofessor, und das Gewicht der Partnerstadt an der deutsch-russischen Wissenschaftskooperation beweist zusätzlich die Teilnahme des in Wladimir angesehenen Soziologen Dmitrij Petrosjan, der zum ersten Mal nach Erlangen gekommen ist.

Jelena Woronzowa, Julia Matuschanskaja, Ojuna Dorschiguschajewa, Jewgenij Arinin, Dmitrij Petrosjan und Wadim Schdanow

Bis zum Wochenende tagt man nun noch im Jordanweg am Fuße des Burgbergs, legt fest, welche Artikel zu welchen Themen wer zu der geplanten Monographie beisteuert, und es gibt neben den methodischen Fragen auch Raum für anekdotische Anmerkungen zu Geschichte und Gegenwart des Religionsunterrichts, von seinem Verbot zu Sowjetzeiten und der atheistischen Erziehung – Chemielehrer widerlegten da beispielsweise zum Ergötzen der Schüler den Glauben an die Transsubstantiation und andere Wunder, oder man zeigte maßlos überzeichnete Karikaturen und Hetzfilme von Vertretern der Konfessionen und Religionen – bis hin zum heutigen Versuch, den „heiligen Stoff“ wertneutral und mit Äquidistanz zu vermitteln. Was in einem orthodoxen Umfeld bei aller in Wladimir geübten Toleranz nicht immer gelinge, wie Jewgenij Arinin zu berichten weiß. So gab es erste Beschwerden muslimischer Studenten, weil in einer Vorlesung der Islam mit Terror gleichgesetzt worden sein soll. Oder da ist jenes muslimische Mädchen, das sich ausgegrenzt fühlt in einer christlich orthodox geprägten Klasse. Auch die grundsätzlichen Unterschiede des Religionsverständnisses zwischen dem in Glaubensfragen eher offensiv auftretenden Kaukasus und durchaus gemäßigten Auslegung des Korans in Tatarstan sollen noch analysiert werden. Schließlich bleibt noch eine Darstellung des Judentums im Religionsunterricht. Es wird dem Gast bei der Konferenz jedenfalls rasch klar: Da ist mit dem Ende des Projekts erst ein Etappenziel erreicht, der wissenschaftlichen Desiderate gibt es noch viele, und diese einzigartige Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir hat noch viele Ziele.

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Alexej Panfilow, Vizerektor für die Lehre, blickt mit Zuversicht in die Zukunft seiner Staatlichen Universität in Wladimir, hat sie doch einen entscheidenden Schritt in Richtung Ausbau ihrer landesweiten Bedeutung getan. In der russischen Bildungslandschaft vollziehen sich nämlich, wie der Professor für Gießereitechnik und Materialwissenschaften, gestern seinem Erlanger Kollegen, Professor Günter Leugering, erläuterte, tiefgreifende Veränderungen. Von den derzeit etwa eintausend Hochschulen, so der Gast, werden wohl am Ende des Reformprozesses gerade einmal einhundert Universitäten übrigbleiben: die beiden wissenschaftlichen Hochburgen in Moskau und Sankt Petersburg, die gewissermaßen außer Konkurrenz und autark agieren; das gute Dutzend Einrichtungen mit föderalem Status und herausgehobene Institute; sowie jene Stätten der Forschung und Lehre, die im Rahmen eines Wettbewerbs an ihrem Standort als „Stütze und Säule“ der Wissenschaft anerkannt sind. Wladimir hat sich diesen Titel erworben und gehört damit – derzeit als 33. Mitglied – zu dem ausgewählten Kreis der voraussichtlich 80 Universitäten, die in ihrer jeweiligen Region den Ton angeben. Mehr noch, so glaubt Alexej Panfilow: „Hier gilt – bestehen oder vergehen.“

Alexej Kutscherik, Günter Leugering und Alexej Panfilow

Um weiter gut bestehen und vorangehen zu können, braucht es aber auch internationale Partner wie die Friedrich-Alexander-Universität, mit der man vor 17 Jahren einen Kooperationsvertrag unterzeichnet hatte. Nicht nur für das Protokoll, sondern tatsächlich auch mit Leben erfüllt, wenn man an die Kontakte vom Bereich der Bildgebenden Verfahren über Umweltverfahrenstechnik bis hin zu Psychologie und Geschichte oder an den Studentenaustausch denkt. Dennoch lohnt es immer wieder, neue Impulse zu setzen. Etwas, worauf auch Günter Leugering als Professor für Angewandte Mathematik abzielt, der die beiden Universitäten gerade im Zusammenspiel mit der Städtepartnerschaft als Doppel sieht, das noch viele Felder gemeinsam bespielen könnte. Keinen Zweifel jedenfalls läßt er daran aufkommen, seinen Beitrag dazu leisten zu wollen.

Alexej Kutscherik und Alexej Panfilow am Bayerischen Laserzentrum

Wie gut das gelingen kann, zeigt das Beispiel der Zusammenarbeit des Bayerischen Laserzentrums in Erlangen mit dem Partnerinstitut in Wladimir, eine ebenfalls vertraglich festgelegte Zusammenarbeit, die besonders Alexej Kutscherik, dem austauscherfahrenen Akademischen Rat am Lehrstuhl für Physik und angewandte Mathematik, am Herzen liegt. Wenn die beiden Wissenschaftler nach intensiven Tagen in Erlangen heute wieder die Heimreise antreten, tun sie das, um bald schon wiederzukommen, weitere Delegationen zu entsenden und Gäste in Wladimir zu empfangen, mit denen sich neue Stützpfeiler und Säulen der gemeinsamen Forschung und Lehre errichten lassen.

Welch einen begabten Baumeister etwa Alexej Kutscherik abgibt, dessen wissenschaftlicher Werdegang eng mit Erlangen verbunden ist, zeigt dieser frühere Eintrag im Blog: https://is.gd/Bm3nVB

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Zum 10. Todestag von Rawus Chuduschewitsch Bagirow (29.08.1939 – 08.07.2007)

Ein Beitrag von Renate Winzen

„Ich kümmere mich um sie!“ Kurz entschlossen nahm der Regisseur Rawus Bagirow sich meiner an, als ich am ersten Tag meines Praktikums beim Staatlichen Fernsehen der Region Wladimir durch verschiedene Abteilungen des Senders geführt wurde. Das war im Oktober 1994, in jenen 90er Jahren, als das Leben dort überall im Land von verfallenden Strukturen, materieller Not und alltäglichem Überlebenskampf geprägt war. Löhne wurden monatelang nicht ausgezahlt, und wenn doch, so reichten sie kaum, um den alltäglichen Lebensunterhalt zu bestreiten. Man behalf sich irgendwie, man half sich gegenseitig; so genau habe ich nie herausgefunden, woher die Leute damals ihr Essen nahmen, – und nicht allen gelang es, genug zum Essen zu haben. Das, was sie hatten, teilten sie gerne mit dem Gast – nein, sie teilten nicht, sie gaben dem Gast mehr, als sie sich selbst gönnten.

Renate Winzen (4. v.l.) mit dem TV-Team von Chefredakteur Leonid Skakunow (1. v.l.)

„Ich kümmere mich um sie!“ Gesagt – getan. Rawus Bagirow nahm mich unter seine Fittiche: Drehbuch-Konzeption, Dreharbeiten, Interviews, Filmschnitt – überall bezog er mich ein, erläuterte, lehrte, gab mir Raum für Fragen und Diskussionen. Aber da war noch mehr; manchmal sprach er mich auf Deutsch an, er interessierte sich für mein Land, die dortigen  Lebensumstände, die deutsche Kultur und Mentalität, – und er tat alles, damit ich mich im fernen russischen Ausland heimisch fühlen könne.

Er selbst hatte seine Heimat verloren, war aus akuter Gefahr geflohen vor dem Bürgerkrieg in Aserbeidschan. Unfreiwillig war er Tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat, nicht wissend, ob er jemals zurückkehren könne, ohne eigenen Wohnraum, mit seiner Frau in einem Zimmer bei anderen Leute untergebracht… Wie anders war seine Situation hier im russischen Ausland als meine! Doch er blieb nicht bei sich stehen – leidenschaftlich setzte er sich für seine Mitmenschen ein: in seinen Filmen und in seinem Alltag.

Mitten im Zerfall gab es in diesen 90er Jahren auch Orte des Aufbruchs. Dazu gehörte das Staatliche Fernsehen Wladimir. Hier hatte man sich der Glasnost verschrieben; in engagierten Reportagen und Berichten setze man sich offen, ganz im Sinne der „Transparenz“, mit verschiedensten Themen auseinander.

Rawus Bagirow (im Vordergrund) bei Aufnahmen zur Umweltreihe „Perlenkette der Seen“

Rawus Bagirow lenkte in seinen Reportagen den Blick dahin, wo Menschen Ungerechtigkeit und Mißachtung erlebten. Es war ihm ein Herzensanliegen, Menschen die (neue?) Erfahrung von Wertschätzung und Gerechtigkeit zu ermöglichen.

Am Herzen lag im auch das, was er „den zweiten“ Blick“ nannte. Eines Tages eröffnete er mir, ich habe nun genug durch Hospitanz bei verschiedenen Filmen gelernt, es sei an der Zeit für mich, einen eigenen Film zu machen. Dafür schlug er eine Reportage über die Technische Universität Wladimir mit dem Ziel vor, Kooperationen zwischen der Hochschule und der Universität Erlangen-Nürnberg aufzubauen. Dabei regte er mich dazu an, nicht bei dem stehen zu bleiben, was sofort ins Auge fiel: armselige, veraltete Laborausrüstung;  ein Studenten- und Wissenschaftler-Alltag, in dem das Geld auch für das Essen knapp war; und das in einem Land, in dem das Leben geprägt war von ausbleibenden Lohnzahlungen, schlechter Infrastruktur und dem Kampf ums alltägliche Überleben.

Was könnte westliche Wissenschaftler dazu bringen, mit solch einer TU zusammenzuarbeiten und sich in ein solches Land zu begeben? Nein – über diesen ersten Blick hinausgehen und weiterfragen: Was sind das für Studenten, die unter solchen Bedingungen nicht aufgeben, sondern dranbleiben am Studium? Was sind das für Wissenschaftler, die der Forschung und der Studentenausbildung die Treue halten, obwohl vor allem an Hochschulen die Gehälter so niedrig sind, daß das Geld hinten und vorne nicht reicht? Welche Kraft treibt diese Studenten und diese Wissenschaftler an, – und ist nicht genau diese Kraft ein Faktor, weswegen es sich für westliche Kollegen lohnen kann, mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten?

Rawus Bagirow wurde damit zum Initiator für den Aufbau von Kooperationen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften zwischen der Staatlichen Universität Wladimir (ehemalige TU Wladimir) und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Strategie des „zweiten Blicks“ half immer wieder, systembedingte Wertungen und Irritationen zu überwinden.

Mit seiner freundlichen Achtsamkeit für seine Mitmenschen und mit seinem Humor und seiner Herzlichkeit hat er das Leben vieler Menschen bereichert, auch meines.

Sein Wirken umfaßt aber noch weit mehr.

Selbst heimatlos geworden, gab er anderen Heimat und das Gefühl, zu Hause zu sein.

Selbst Mißachtungen ausgesetzt gewesen, gab er anderen Respekt und Wertschätzung.

Selbst in hoch angespannter Lebenslage geraten, lag ihm das Wohlbefinden anderer am Herzen.

Dieser Weg verändert mehr als viele Protestaktionen. Dieser Weg bewirkt mehr als so manche Strukturmaßnahmen. Dieser Weg ist immer möglich, in der Städtepartnerschaft und darüber hinaus.

Danke, Rawus.

Siehe auch: https://is.gd/5QYkF7

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Kommunalka lädt alle herzlich ein,  am Donnerstag, den 13. Juli, zusammen das in Rußland und Polen, in der Ukraine und in Weißrußland verbreitete Sommerfest „Iwan Kupala“ zu feiern! Treffpunkt ist um 20.00 Uhr der Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte in der Bismarckstraße 12. Von da aus geht es dann ins Grüne.

In dieser Nacht erblüht der Farn…

Bis heute ist die slawische Mittsommernacht ein beliebtes Fest mit heidnischen Wurzeln, traditionell am 7. Juli gefeiert.

Als Sonnwendfest, das den Übergang zwischen Blüte und Reife der Natur markiert, verbindet man Iwan Kupala traditionell mit verschiedenen Bräuchen und Übergangsriten. Die Nacht vor dem Geburtstag von Johannes dem Täufer (Iwan Kupala) ist eine Zeit, in der die Tore der Anderswelt weit geöffnet sind; Feen, Geister, Magier, Hexen und Teufel treiben ihr Unwesen, prophetische Träume, Blumenorakel und Wahrsagerei sind besonders mächtig, und unermeßlicher Reichtum winkt demjenigen, der die sagenumwobene  Farnblume findet.

Der Sprung über das Feuer

Doch warnt uns der ukranisch-russische Autor Nikolai Gogol: So mancher Schatz ist ein verheerender Fluch…

Feuertaufe

Natürlich möchte Kommunalka einen derart mystischen  Abend gebührend mit möglichst vielen Gästen feiern! (Wenn auch etwas verspätet…)

Schwimmende Kränze

Einstimmend gibt es eine Lesung von Ausschnitten aus Nikolaj Gogols Novelle „Der Abend von Iwan Kupala“, dessen Erzählung übrigens von Modest Mussorgskij in der „Nacht auf dem Kahlen Berge“ vertont wurde, sowie einen Blumenkranz-Workshop und vieles mehr. Siehe auch: fb.me/KommunalkaFAU

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Ich hatte bei der Wahl der Praxis für meine Pflichtfamulatur in der Allgemeinmedizin großes Glück, da ich hierbei Jürgen Binder kennenlernen konnte, einen promovierten Arzt, der sich schon seit langem für den medizinischen Austausch im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir mit Herz und Seele engagiert.

Der Mediziner bot mir die unglaubliche Gelegenheit, ihn und eine Delegation von Ärzten aus Erlangen Mitte Juni in die russische Partnerstadt zu begleiten. Das Land faszinierte mich sowieso seit jeher, und nun hatte ich die Möglichkeit, sowohl die medizinische Versorgung vor Ort, als auch Land und Leute kennenzulernen. Wie könnte man da ablehnen?!

Wladimir bei Nacht

Die Anreise war sogleich unser erstes Abenteuer. Nachdem schon alle Passagiere an Bord gegangen waren, wurde ein technischer Defekt festgestellt (quasi in letzter Sekunde), woraufhin wir das Flugzeug wieder zu räumen hatten. Es folgten nervenzehrende Verhandlungen mit der Fluggesellschaft über das weitere Vorgehen, doch glücklicherweise konnten wir, zwar mit erheblicher Verspätung, unsere Fahrt dennoch am selben Tag antreten.

Bei unserer Ankunft wurden wir im Erlangen Haus trotz der frühen Zeit (4.30 Uhr) herzlich aufgenommen und konnten uns von den Strapazen der Anreise für einige Stunden erholen. Nach einem ausgiebigen Frühstück, zeitlich wohl eher Brunch, starteten wir gestärkt und gespannt  in unser Programm für den ersten Tag:  die Besichtigung der Palliativabteilung sowie der Dialyseabteilung im Krankenhaus Nr. 6 und ein Treffen mit Alexander Kirjuchin, dem Leiter des Gesundheitsministeriums der Region Wladimir, am Nachmittag.

Prof. Christoph Ostgathe und seine Wladimirer Palliativkolleginen

Das Team der Palliativabteilung begrüßte uns mit Kaffee und Tee, sowie kleinen Häppchen. Anschließend wurden wir durch die Station geführt und konnten einen Eindruck von der palliativen Versorgung in diesem Krankenhaus gewinnen; durch Gespräche mit Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und auch Patienten lernten wir die Organisation  und die Herangehensweise dieser Fachdisziplin etwas näher kennen.

Flur der Palliativstation

Gerade für mich war es sehr spannend, da ich aus Studium und Praxis am Universitätsklinikum Erlangen eine hochmoderne High-Tech-Medizin gewohnt bin. Zu sehen, wie man auch mit einfachsten Mitteln den Bedürfnissen schwerkranker Patienten gerecht werden kann, weckte vor allem Demut für die Arbeit der Ärzte und Pflegekräfte dieser Abteilung.

Am Nachmittag waren wir dann im Gesundheitsministerium der Region bei Alexander Kirjuchin zu Gast. Hierbei wurden vor allem Brücken geschlagen, um den weiteren fachlichen und personellen Austausch im Bereich der Palliativmedizin zu festigen.

Empfang bei Alexander Kirjuchin

Abends lernte ich endlich meine Gastfamilie kennen, bei der ich die restlichen Tage wohnte. Dies war für mich in dieser Zeit eine besonders wichtige Erfahrung, da ich mich dort nicht nur fachlich austauschen konnte (beides Mediziner), aber auch den Alltag und das Miteinander einer russischen Familie erleben durfte. Die Gastfreundschaft, die mir in dieser Familie widerfuhr, kann man nicht beschreiben.

Felix Wackerbauer und seine Gastfamilie Seliwjorstow

Am darauffolgenden Tag besichtigten wir das Notfallkrankenhaus gemeinsam mit dessen ärztlichem Direktor, Jewgenij Jaskin. Wir wurden auch hier wieder herzlich (und kulinarisch) empfangen, bevor wir durch die Stationen geführt wurden.

Unsere Gruppe mit Jewgenij Jaskin und Irina Chasowa, unserer unermüdlichen Betreuerin und kompetenten Dolmetscherin

Die „Rot-Kreuz-Krankenhaus“ genannte Klinik dient vor allem der Notfallversorgung der Region und beherbergt insbesondere chirurgische Fachdisziplinen. Wie schon am Tag zuvor, konnte ich einen direkten Vergleich zu unseren modernen Kliniken ziehen und war wieder einmal erstaunt darüber, wie dort Medizin auf hohem Niveau betrieben wird – trotz der (in unseren Augen) einfachen, dort vorherrschenden Verhältnisse.

Ansicht des Rot-Kreuz-Krankenhauses unmittelbar nach der Fertigstellung vor gut einhundert Jahren

Hier begegneten uns auch die Krankenbetten wieder, die vor einiger Zeit, vom Uniklinikum Erlangen ausgemustert, an das Notfallkrankenhaus in Wladimir gespendet wurden.

Krankenbett aus Erlangen

Nach einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns dann vom Gastgeber und starteten anschließend in den Kulturteil unserer Reise.

Jewgenij Jaskin und Felix Wackerbauer

Hier möchte ich mich nun etwas kürzer fassen, da über Wladimir und Susdal in diesem Blog bereits mehrfach ausführlich berichtet wurde. Beide Städte liegen am sogenannten „Goldenen Ring“, nordöstlich von Moskau, mit seinen altrussischen Städten eines der bekanntesten Reiseziele im Land, das Einblick gibt in die Geschichte der Entstehung des Russischen Reiches. Hier lagen insbesondere die religiösen und wirtschaftlichen Zentren der mittelalterlichen Rus.

Ich hatte ehrlicherweise nach kurzer Zeit schon einen kleinen „Kirchenkoller“, will jedoch zugeben, die Kirchen, Kathedralen und Klöster, die wir besichtigten, wunderschön und wirklich beeindruckend gefunden zu haben. Insbesondere die Freskenmalereien im Inneren luden zum Staunen ein.

Am Tag unserer Abreise hatten wir noch die Gelegenheit, einige Stunden in der Hauptstadt zu verweilen. In der kurzen Zeit, die uns blieb, besichtigten wir den Kreml und den Roten Platz und fuhren selbstverständlich auch mit der Metro. Wir hatten auch zum ersten Mal schönes Wetter! Es war warm und die beiden Orte quollen vor Touristen schon beinahe über, dennoch war es toll, bei unserer Abreise noch „ein wenig Moskau“ mitnehmen zu können.

Felix Wackerbauer vor der Basilius-Kathedrale

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Jürgen Binder und Peter Steger bedanken, die mir diese großartige Erfahrung ermöglichten. Weiterhin möchte ich mich auch bei der Reisegruppe für die schöne Zeit und die angenehmen Gespräche bedanken, die ich mit allen führen konnte. Und zu guter Letzt möchte ich mich bei Iwan und seiner Familie bedanken, die mich für die Zeit des Aufenthalts bei sich zu Hause aufnahmen und mir die russische Lebensart ein wenig näher brachten. Ich habe hier einen sehr guten Freund gefunden!

Christoph Ostgathe, Thomas Schöllhammer, Stephan Horn, Christiane Schöllhammer, Anette Christian, Felix Wackerbauer und Jürgen Binder

„Wladimir wird mich wiedersehen“, verspricht Felix Wackerbauer

Siehe auch: https://is.gd/lzz0yh

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Ihn im Bekanntenkreis zu empfehlen, hätte wohl eher etwas von schwarzem Humor, aber unter Kollegen wird Mark Furman als führender Kopf gehandelt. Nun wurde der Gerichtsmediziner aus Wladimir beim Allrussischen Ärztewettbewerb sogar mit dem Titel „Bester Experte“ ausgezeichnet. Und das angesichts staatlicher Konkurrenz, denn eingereicht wurden 653 Bewerbungen aus 29 Fachgebieten und 62 Regionen des Landes.

Mark Furman

Der 1936 geborene promovierte Wissenschaftler trägt bereits den Titel „Verdienter Arzt der Russischen Föderation“ und arbeitet seit 1968 in unterschiedlicher Funktion bei der Wladimirer Gerichtsmedizin. Wenn er zwischen all seinen Expertisen noch Zeit findet, schreibt es Sachbücher zu seiner Arbeit, von denen zwei sogar verfilmt wurden. Zur Ruhe setzen will sich Mark Furman übrigens noch nicht, er plant sogar noch einen Besuch in Erlangen, wo er in den 90er Jahren erstmals seine Kollegen besucht hatte. Die waren damals übrigens auch schon beeindruckt von Wissen und Erfahrung des Kollegen aus der Partnerstadt.

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