Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Wissenschaft’ Category


„Ein ganz gewöhnliches Mädchen“, so beschreibt sich Aljona Schuwalowa bescheiden. Dabei hat die Studentin, die am Erlangen-Haus die Deutschkurse besuchte, das Zeug zu einer Botschafterin zwischen unseren Ländern zu werden. Geboren vor 17 Jahren in der sibirischen Region Kemerowo, kam das Mädchen 2011 mit ihrer Familie nach Wladimir. Ein Wendepunkt in ihrem Leben, wie die junge Frau heute meint, ohne den sie wohl kaum ihr Studium in Sankt Petersburg und erst recht nicht in Deutschland aufgenommen hätte.

Aljona Schuwalowa

Dabei zögerte Aljona nach eigener Auskunft lange, die Eltern hätten sie gern Juristin werden lassen, selbst wollte sie lieber Chinesisch lernen. Vor allem konnte sie in der Schule nichts mit Geschichte anfangen, das einzige Fach, wo sie nicht die besten Noten nach Hause brachte. Zum Glück fand sich in Sankt Petersburg eine juristische Fakultät mit vertieftem Chinesischstudium und ohne eine Aufnahmeprüfung in Geschichte. Zeitgleich der Sprachtest des Goethe-Instituts zur Erlangung der Hochschulzugangsberechtigung und im Juli vergangenen Jahres dann schon gemeinsam die Reise mit der Mutter nach Deutschland. Eine schwierige Entscheidung, die nicht ohne Tränen und Verzweiflung gefallen sei.

Aljona Schuwalowa mit Kommilitoninnen

Gar nicht so leicht auch, eine deutsche Universität zu finden, wo ein Studium gewissermaßen aus dem Stand möglich ist. Eine Zusage kam schließlich aus Nordhausen in Thüringen, wo im August die Prüfung abzulegen war und die Möglichkeit bestand, Sankt Petersburg als Option nicht fallenlassen zu müssen. Doch nun ist die Entscheidung gefallen. Die Prüfung ist bestanden, das erste von zwei notwendigen Semestern im Studienkolleg – hier lernt Aljona mit Gleichaltrigen aus aller Welt zusammen – liegt schon fast wieder hinter ihr, und dann kann es im Herbst mit dem Studium der Wirtschaftsinformatik beginnen.

Aljona Schuwalowa

Die Weihnachtsferien nutzte Aljona für einen kurzen Heimaturlaub und einen Vortrag im Erlangen-Haus über ihre Erfahrungen in Deutschland. Dieser Tage kehrt sie an die Hochschule in Nordhausen zurück, das ja gar nicht so weit von Erlangen entfernt liegt. Zumindest für einen Wochenendausflug in die fränkische Partnerstadt sollte genug Zeit sein, und vielleicht wird ja dieses „ganz gewöhnliche Mädchen“ zum Vorbild für weitere junge Leute aus Wladimir, die derartige Möglichkeiten nutzen, um unsere Länder noch enger zu verbinden. Davon können wir gar nicht genug haben!

Read Full Post »


Leider gelingt es auch der Redaktion des Blogs nicht immer, alle – in diesem Jahr waren es wieder 110 an der Zahl – Austauschmaßnahmen zwischen Erlangen und Wladimir zu erfassen. Aus den unterschiedlichsten Gründen gehen auch längst nicht zu allen Begegnungen Berichte ein, etwa zu einer wissenschaftlichen Konferenz Anfang September, wo es unter Erlanger Beteiligung um Fragen der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt am Beispiel der Gewässer im Kljasmabecken ging.

Ökologischer Atlas des Kljasmabeckens

Ein Thema dabei – der Biber und die Nebenwirkung seiner Aktivitäten auf das Ökosystem. Ähnlich wie in Bayern und ganz Deutschland war der Nager auch in der Region Wladimir und auf dem Gebiet der Sowjetunion vor allem durch Bejagung fast ausgerottet. Mit dem Biberschutz begann man in der UdSSR verstärkt ab den 70er Jahren, und seither erholt sich der Bestand merklich. Abzulesen an den Zahlen, die nach der letzten Erhebung – sie fand vom 1. Oktober bis zum 30. November landesweit statt – bei gut 17.000 Exemplaren für die gesamte Region Wladimir mit einer Gesamtfläche von 29.000 qkm liegen, etwa 2.000 mehr als im Jahr 2010.  Fast so hoch schätzt man übrigens die Biberpopulation in Bayern mit seinen gut 70.000 qkm.Und noch etwas ist nachzutragen. Just zu der Konferenz erschien ein aufwendig gestalteter Atlas zu Ökologie des Beckens der Kljasma mit dem Untertitel „Der Mensch in der Umwelt“, herausgegeben von der Wladimirer Universität in Zusammenarbeit mit der Michail-Lomonossow-Universität Moskau und der 1845 gegründeten Russischen Geographischen Gesellschaft. Auf gut 300 Seiten ist da fakten- und tabellenreich die Wechselwirkung von Mensch und Natur am Beispiel der Region Wladimir dargestellt, von der Geologie über die Hydrologie bis zu Fauna und Flora; sogar Demographie, Klima oder Brauchtum haben ihre eigenen Kapitel.

Eine Schatztruhe für alle, die alles über die Partnerstadt und ihr Umland wissen wollen. Nur ein Desiderat bleibt anzumahnen: die Übersetzung des Kompendiums zumindest ins Englische.

 

Read Full Post »


Mein zweiwöchiger Arbeitsbesuch begann Anfang November in der Neurologie des Universitätsklinikums Erlangen, deren Direktor, Professor Stefan Schwab, mich mit seinem Team gleich zur morgendlichen Konferenz einlud, wo man den Zustand der in den letzten Tagen eingelieferten Patienten besprach, neurovisualisierte Unterlagen zeigte und klärte, wie die Behandlung weiterzuführen sei. Anschließend erhielt ich Gelegenheit, das Krankenhaus zu besichtigen. Ein Assistent des Lehrstuhls nahm mich an der Hand und zeigte mir die Abteilungen und Stationen, erklärte mir die jeweilige Spezifik und beantwortete meine im Lauf der „Exkursion“ aufkommenden Fragen. Angesichts dessen, daß ich in Wladimir in der Abteilung für akute Störungen des zerebralen Blutkreislaufs arbeite, interessierte ich mich vor allem für die Strategie und Praxis der Behandlung von Patienten mit Schlaganfall. In der Stroke Unit machten der Stationsleiter und sein Team gemeinsam Visite, sahen sich die Kranken an, besprachen die weitere Behandlung und Rehabilitation sowie die Notwendigkeit weiterer diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen. Hier lernte ich die ganzen Arbeitsabläufe und die Zuständigkeiten auch des Pflegepersonals, der Physiotherapeuten und des gesamten Teams kennen. Für einige Tage hatte ich auch Gelegenheit, die Arbeit in der Aufnahme kennenzulernen, wo festgelegt wird, welchen Weg ein Patient mit seinen jeweiligen Erkrankungen des Nervensystems durch die Abteilungen nehmen soll, welche Behandlungsmethoden für Schlaganfallpatienten in Frage kommen, jeweils abhängig davon, wie schnell sie in die Klinik gebracht wurden. Auch die Arbeit mit dem Computertomographen zeigte man mir. Außerordentlich interessant für mich war auch der Besuch in der Reha-Abteilung des Klinikums am Europakanal, wo Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen verschiedener Art und Abstufung auf eine Rückkehr ins normale Leben vorbereitet werden.

Jürgen Zeus, Susanne Lender-Cassens, Natalia Denissowa, Olga Jaschina und Werner Hohenberger

Zusammenfassend möchte ich bemerken: Der Besuch in Erlangen stellte für mich eine kolossale Erfahrung dar und bot mir Gelegenheit, zu sehen, wie das Gesundheitswesen in Deutschland „von innen“ funktioniert. Dieses Land mit seinem ausgesprochen hohen medizinischen Standard, seiner führenden Ausrüstung, seinem gewaltigen und unerschöpflichen technischen sowie mit seinem mächtigen intellektuellen Potential dient dem sich in der Hinsicht noch „entwickelnden“ Rußland als Eichmaß, als Beispiel, als „Admiralsschiff“. Ich meine, derartige Reisen von Ärzten helfen ihnen (uns) dabei, eine klarere Vorstellung davon zu bekommen, in welche Richtung wir uns bewegen, woran wir arbeiten, worauf wir stärker unsere Aufmerksamkeit richten und wie wir die Prioritäten in diesem oder jenem Bereich des Gesundheitswesens besser setzen sollten, um nach dem Vorbild erfolgreicher Länder auch bei uns das medizinische Niveau und die Lebensqualität anzuheben. Derartige Reisen geben uns verschiedene Abläufe, Prozesse und Strukturen der Arbeit an die Hand, die wir in unseren Kliniken einsetzen und damit die Arbeit unserer Ärzte, Pflegekräfte und paramedizinischer Dienste optimieren können. An diesem Austausch sollten meiner Meinung nach neben Medizinern auch Leute aus der Medizinverwaltung teilnehmen, besonders Vertreter des Gesundheitsamtes der Region Wladimir. Ich hoffe jedenfalls sehr, daß man dieses Programm fortsetzt und Ärzte wie Krankenschwestern, wenn sie in diese gastfreundliche Stadt und an diese nicht minder gastfreundliche Klinik kommen, deren so wertvollen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen vermittelt bekommen. Bei meiner Kollegin und mir hinterließ diese Reise einen gewaltigen Eindruck. Es war ungemein interessant! Ganz herzlichen Dank für die großartige Organisation, die angenehmen Bekanntschaften sowie die herzliche Aufnahme und Unterstützung!

Olga Jaschina

siehe auch: https://is.gd/jIQSh0

Read Full Post »


Vorgestern, am Tag der Ankunft der Religionswissenschaftler, handelte es sich noch um graue Theorie und auf Papier gebannte Analyse, gestern, am ersten Jahrestag des Todes von Wolfgang Vogel, erlebten die Gäste aus Wladimir, wie intensiv in Erlangen die Ökumene praktiziert wird. Und welche Unterschiede es in Glaubensdingen zwischen West und Ost noch immer – und leider wieder zunehmend – gibt. Matthias Wünsche, Gemeindepfarrer von Herz Jesu, und Dekan Josef Dobeneck bedauerten denn auch gegenüber Jewgenij Arinin, Lehrstuhlinhaber für Philosophie und Religionswissenschaften an der Universität der Partnerstadt, und Dmitrij Petrosjan, die wachsende Entfremdung zwischen dem Vatikan und dem Moskauer Patriarchat, nicht ohne zu betonen, wie wichtig gerade deshalb derlei Begegnungen seien.

Matthias Wünsche, Jewgenij Arinin, Dmitrij Petrosjan und Josef Dobeneck

Dennoch, so die Frage der Gäste: „Wie ist es möglich, ein armenisches Steinkreuz auf dem Grund einer katholischen Gemeinde in Erinnerung an einen Katholiken weihen zu lassen, etwas, das so bei uns nicht denkbar wäre?“ – „Weil wir seit dem Zweiten Vatikanum das Verbindende stärker betonen als das Trennende zu forcieren“, lautet komprimiert die Antwort.

Dmitrij Petrosjan und Jewgenij Arinin

Wolfgang Vogels Geist der Verständigung zwischen den Konfessionen und Kulturen schwebte spürbar über der gestrigen Zeremonie, und das Gedenken an ihn hat nun einen würdigen Ort gefunden, hier in Herz Jesu mit dem keltischen Kreuz auf dem Dach, dem Kruzifix in der Kirche und dem armenischen Wegkreuz auf dem Vorplatz. Eine Inspiration sicher auch für die russischen Gäste.

Zum Nachruf auf Wolfgang Vogel geht es hier: https://is.gd/uD7uUb, und mehr Eindrücke zur gestrigen Gedenkfeier findet man unter: https://is.gd/Dlyc6c

Read Full Post »


Rechtschaffen müde traf die fünfköpfige Forschungsgruppe um Jewgenij Arinin, Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie an der Universität Wladimir, gestern gleich nach der langen Reise – um kurz nach Mitternacht waren sie aufgebrochen – am frühen Abend bei der Professorin für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, Julia Obertreis, ein und kamen rasch zum Objekt ihrer wissenschaftlichen Analyse. Anhand eines zusammen mit der Erlanger Seite ausgearbeiteten vierseitigen Fragebogens sollen unter religionswissenschaftlichen und soziologischen Aspekten deutsche und russische Jugendliche Auskunft über ihre Haltung zum Glauben geben. So ungleich bisher noch die Datenlage – ca. 500 Respondenten in Wladimir stehen bis dato erst gut 50 Befragte in Erlangen gegenüber -, so anders auch die Auseinandersetzung mit religiösen Fragen: Erste Ergebnisse deuten wohl auf ein komplexeres Verständnis der deutschen Teilnehmer an der Umfrage hin. Ob sich diese erste Analyse erhärtet, kann aber nur eine Erweiterung des Kreises bestätigen. Deshalb auch die Bitte der Gäste, diese in deutscher Sprache vorliegenden Fragebögen möglichst breit an der Friedrich-Alexander-Universität zu streuen. Denkbar wäre aber auch die Einbeziehung der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit ihren Instituten für Slawistik und Theologie. Eines aber, so der Soziologe Dmitrij Petrosjan, lasse sich aber jetzt schon konstatieren:

Zwei Drittel bezeichnen sich zwar als gläubig, aber wenn es ans Eingemachte geht und nach Glaubensinhalten und die Ausübung des Glaubens gefragt wird, kommen wir rasch in den einstelligen Bereich, bei etwa fünf Prozent, die tatsächlich auch zumindest an Feiertagen den Gottesdienst besuchen. Eine Zahl, die übrigens auch die Statistik der Polizei bestätigt, die gerade zu Weihnachten und Ostern zu deren Schutz Schätzungen der Kirchgänger vornimmt.

Natalia Markowa, Witalij Galkin, Dmitrij Petrosjan, Julia Obertreis, Iwan Wikulow und Jewgenij Arinin

Ansonsten freuen sich die Gäste darauf, noch bis Dienstag ohne jede Ablenkung durch Anrufe und administrative Aufgaben am Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaften sowie vor allem in der Synodalbibliothek mit ihren mehr als 6000 Bänden in russischer und kirchenslawischer Sprache aus allen theologischen Disziplinen zu lesen und zu exzerpieren. Das, so Jewgenij Arinin, könne man in Erlangen wesentlich unkomplizierter als im viel näheren Moskau. Was man dort erst langwierig bestellen müsse, hole man sich hier zur Lektüre oder Kopie einfach aus dem Regal.

Julia Obertreis auf der Weihnachtsfeier mit den Gästen aus Wladimir

Aber auch die Wissenschaft lebt nicht vom Buch allein. Nach dem zweistündigen Gespräch über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit wartet Kommunalka, der vor zwei Jahren während der Wladimir-Exkursion ins Leben gerufene studentische Kreis für osteuropäische Kultur, mit einer vielfältigen Bewirtung auf, vom Hering im Mantel über den Vinaigrette-Salat bis hin zu polnischen Bonbons. Einen besseren Auftakt kann man sich kaum vorstellen.

Zum Thema siehe auch: https://is.gd/kTaCd8

Read Full Post »


Der Ärzteaustausch gehört heute zum Standardprogramm der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir. Aber alles hat seinen Anfang, und den machte bereits 1989 Michail Tjukarkin, der heute via Blog seinem Kollegen und Freund, Klaus-Georg Bregulla, zum 80. Geburtstag gratuliert und die Gelegenheit zu einem kleinen Rückblick auf die erste Begegnung nutzt.

Im September 1989 schickten mich mein Krankenhaus und die Stadtverwaltung Wladimir zum Erfahrungsaustausch mit den Universitätskliniken nach Erlangen. Man holte mich am Flughafen Frankfurt am Main ab, brachte mich in einem feinen Studentenwohnheim unter, stattete mich mit einem Fahrrad aus und stellte mich anderntags bei der morgendlichen Ärztekonferenz der Abteilung für Innere Medizin unter der Leitung von Professor Eckhard Hahn vor. Damals war ich 30 Jahre alt, hatte mich in der selbständigen Arbeit auf den Gebieten der Notfall-, Allgemein- und Gefäßchirurgie bewährt, spielte einigermaßen gut Fußball und Eishockey, beherrschte als Autodidakt mehr schlecht als recht die deutsche Sprache und interessierte mich brennend für englischsprachige Medizin. Und ich befand mich zum ersten Mal in meinem Leben außerhalb der Landesgrenzen der UdSSR. Als das Auditorium der deutschen Ärzte nach meiner Vorstellung durch Professor Hahn mit den Fingerknöcheln auf die Tische klopfte (wie man mir später erklärte, war das als Zeichen einer besonderen und großen Ehre zu verstehen), war ich drauf und dran, den Raum zu verlassen (damals war ich noch etwas wunderlich und hasenherzig). Im weiteren wußte ich gar nicht, worüber ich mich mehr verwundern sollte, über das ausgesprochen hohe Niveau der Arbeitsorganisation, der Ausstattung der Klinik oder über die herzliche Aufnahme, die ich seitens der Kollegen und des ganzen Personals erfuhr. Ich sah schon 1989 an der Klinik Behandlungsweisen und Medizintechnik (Werner Matek), die es bis heute in vielen Moskauer Krankenhäusern oder unserem Regionalkrankenhaus in Wladimir so nicht gibt.

2003 am Hotel „Goldener Ring“ in Wladimir, die Medizindelegation mit Thomas Seltmann, Steffen Lanig, Brigitte Mugele, Michael Reitzenstein, Jürgen Binder und Michail Tjukarkin

Am siebten Tag meines Auslandsaufenthalts teilte man mir mit, ein gewisser Medizinprofessor namens Klaus-Georg Bregulla wolle mich treffen. Am Abend holte mich dann mit seinem Auto ein etwa fünfzigjähriger energischer Mann mittlerer Größe am Wohnheim ab und brachte mich im Dunkeln zu seinem Haus. Der riesige Schäferhund Pepper legte mir derart freundschaftlich die Vorderpfoten auf die Brust, daß ich mich beinahe zur ewigen Ruhe gelegt hätte. Doch der Gastgeber hauchte mir rasch neues Leben ein.

Oberschwester Anna Reswowa, Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, Michail Tjukarkin und ärztlicher Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses, Jewgenij Jaskin, 2017

Ungeachtet meiner damals noch unbeholfenen und armseligen Sprachkenntnisse schwankte ich in meiner Begeisterung hin und her zwischen der Bewunderung für des Professors ungewöhnlich weiten medizinischen Horizont (er war der dritte Gynäkologe europaweit und der erste, der in Deutschland erfolgreich das In-Vitro-Fertilisations-Programm einführte, und hatte an dem Abend auch noch berühmte Kollegen aus Ost-Berlin, darunter von der Charité, zu Gast) und der ihm eigenen Herzensbildung und Gastfreundschaft. In diesen nun fast 30 Jahren der Bekanntschaft ließ ich jedenfalls nie etwas auf ihn kommen und versuchte, mich seiner würdig zu erweisen. Manchmal nenne ich Klaus-Georg Bregulla und seine göttliche Frau Uschi meine zweiten Eltern (ohne jede Blutsverwandtschaft) und Lehrer. Ich freue mich, bis heute mit Erlangen nicht nur diese menschlichen und fachlichen Werte zu verbinden, sondern auch eine solche Freundschaft mit Kollegen in Deutschland pflegen zu können.

Michail Tjukarkin

 

Read Full Post »


Im Juli 2011 fand in Wladimir die erste deutsch-russische Konferenz zum Thema „Erlebnispädagogik“ statt, eingeführt im Rehabilitationszentrum für Kinder „Blauer Himmel“. Damals schon dabei – Olga Filatowa, Inhaberin des Lehrstuhls für Psychologie an der Universität Wladimir, und ihr Kollege, Werner Michl, einer der Väter dieses Studienfachs und seit einem Jahr emeritierter Professor des Fachs an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg. Ein Jahr später unterzeichneten die beiden einen Rahmenvertrag über einen umfassenden Austausch, in dessen Folge unter anderem Gäste aus Wladimir an den Winteruniversitäten Erlebnistage im Harz und im Bayerischen Wald teilnahmen. Gleichzeitig knüpfte die Universität Wladimir Kontakte im Bereich Erlebnispädagogik in die Schweiz, nach Österreich und in die böhmische Partnerstadt, Ustí nad Labem, das frühere Aussig an der Elbe. Nicht zu vergessen ein wichtiges Projekt, die Übersetzung des Standartwerks von Werner Michl zur Erlebnispädagogik ins Russische durch ein Team aus Wladimir, erschienen in einem Moskauer Verlag und seither als Lehrbuch landesweit verwendet.

Irina Tscherkassowa, Wolfgang Wahl, Olga Filatowa, Michael Helmbrecht, Nikita Kruglow und Denis Gerstein

Gestern nun kam Olga Filatowa, begleitet von ihrer Kollegin, Irina Tscherkassowa, und den beiden Studenten, Nikita Kruglow und Denis Gerstein, mit dem Nachfolger von Werner Michl, Wolfgang Wahl, und dessen Kollegen, Michael Helmbrecht, zusammen, um über eine Wiederaufnahme des Austausches auf allen Ebenen zu sprechen. Durchaus erfolgreich! Schon ist die Rede von der Durchführung einer Sommeruniversität Erlebnistage in Wladimir, spätestens im August 2020, mit einer fünfzehnköpfigen Studentengruppe aus Nürnberg, und davor will man sich auf der Arbeitsebene schon im nächsten Jahr wiedersehen – hier wie dort, und natürlich sind Gäste bei der nächsten Winter- oder Sommeruniversität in Deutschland immer herzlich willkommen. Ein gelungener Neustart also für diese wissenschaftliche Kooperation, von der wir sicher bald mehr erfahren werden.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: