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Archive for the ‘Wissenschaft’ Category


Schon frieren die Gewässer in Wladimir zu, schon kündigt sich eisig der Winter an. Doch wir blicken noch einmal zurück in den Frühherbst, als das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde seinen Austausch mit der Staatlichen Universität in der Partnerstadt fortsetzte:

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii, ich war noch niemals in Wladimir. Dementsprechend neugierig war ich auf diese Stadt und allgemein auf das Land. Ich kannte nur wenige Details aus Berichten und Dokumentationen. Dieser Schüleraustausch, ausgehend vom Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde in Erlangen, ermöglichte es, mir mein eigenes Bild zu verschaffen. Schon im Flieger war ich sehr aufgeregt, da ich mich auch noch nie richtig auf Russisch unterhalten hatte und ich mich etwas unsicher fühlte. Wir flogen jedoch zu zweit dorthin, was die Sache für mich erleichterte.

Also ging die Reise nun los, drei Wochen Wladimir, ich war gespannt.

Häuser an der Bolschaja Nischegorodskaja

Nach einem angenehmen Flug wurden wir sehr nett von einer unserer Gastfamilien empfangen und von Moskau nach Wladimir gebracht. Obwohl es schon sehr spät in der Nacht war, verspürten wir keinerlei Müdigkeit und schauten wie Kinder aufgeregt aus dem Fenster des Autos. Moskau mit seinen neuen schicken Hochhäusern zog an uns vorbei. Schon alleine die Luft hatte einen ganz anderen Geruch als zu Hause, wir waren wirklich angekommen, nach sechs Wochen Sommerferien. Vier Stunden Fahrt brachten wir hinter uns, bis wir Wladimir erreichten, eine Stadt von der Größe Nürnbergs. Das Leuchtschild mit der  Aufschrift “Wladimir“ an der Stadteinfahrt begrüßte uns ebenso herzlich wie die Gastfamilien.

Platz an der Bolschaja Nischegorodskaja

Ich wohnte bei einer sehr lieben Oma eines Austauschstudenten. Sie war früher Deutschlehrerin, was die Konversation etwas erleichterte. Es sollten sehr interessante und lehrreiche drei Wochen werden. Wir bekamen auf der einen Seite einen Einblick in den russischen Familienalltag und auf der anderen Seite ein Bild von der Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten sowie von der Wladimirer Universität.

Der Bahnhof Wladimir

Ich verbrachte sehr viel Zeit mit der netten Dame, wir frühstückten zusammen Haferbrei und tranken Kaffee, dabei witzelten wir oft in russischen Floskeln. Sie zeigte mir die Stadt bei einem Spaziergang, und danach gab es ein deftiges Mittagessen, wozu manchmal auch ein kleines Schnäpschen serviert wurde. Dieser Kurze sollte vor allem einer Erkältung bei schlechtem Wetter vorbeugen. Genauso wie das sehr heiße Fußbad, was mir auf nette, aber auch sehr bestimmte Weise angeboten wurde.

Man versucht sich hierzulande durch natürliche Hausmittel und alte Weisheiten gesund zu halten, da Medikamente sehr teuer sind. Auch gibt es den einen oder anderen Aberglauben, wie bei uns eben auch. Jedoch ist es sehr interessant, wie dieser in anderen Ländern aussieht. Mir wurde zum Beispiel gesagt, ich solle nicht pfeifen, da ich sonst mein Geld „hinauspfeifen“ würde, oder man solle vor einer Reise eine Minute sitzen und warten, was die Reise begünstigen soll.

Ich lernte sehr viel, und wir gewöhnten uns gut aneinander: Wir verbrachten zusammen den Nachmittag im Gemüsegarten oder auf der Datscha. An den Abenden sahen wir manchmal russisches Fernsehen und diskutierten über die Themen.

Auf der Datscha

An den Vormittagen waren wir unter der Woche für drei Stunden am Pädagogischen Institut im Russischunterricht. Wir waren zu zweit bei einer sehr netten Lehrerin, was den Unterricht intensivierte. Ich brauchte meine Zeit, um mich einzufinden, da die Stunden nur auf Russisch waren und ich das so nicht kannte. Aber nach eineinhalb Wochen funktionierte es besser. Wir bekamen sehr viel Material und übten eine Menge. Nachmittags machten wir oft Ausflüge mit den Austauschstudenten, die uns dann die Stadt zeigten. Wir besuchten Museen, Sehenswürdigkeiten oder durchschlenderten Parkanlagen und Einkaufszentren. Es war jeden Tag etwas geplant. Mit der Zeit kannten wir uns auch ein wenig aus in der Stadt, da man mit dem Bus eigentlich überall hinfahren konnte, wie in Deutschland eben auch. Der Verkehr war auch sehr organisiert, nicht wie wir es immer dachten, chaotisch und ohne Regeln. Doch im Busverkehr war etwas anders als bei uns: Bei einer Frau wird das Ticket gekauft, die im Bus auf- und abgeht und sich genau merkt wer aus- und wer einsteigt. Das ist vielleicht für diese Person etwas belastend, aber dennoch eine gute Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und eine Vermeidung von Schwarzfahrten. Ich fand das sehr interessant zu sehen.

Erlangen-Haus

Manchmal überrollten mich die Eindrücke, und ich fühlte mich unsicher, wie ich mit manchen Situationen umgehen sollte, doch ich denke das ist ganz normal. Man lernt und wächst an diesen interkulturellen Situationen, und man gewöhnt sich mehr und mehr an die Sprache. Insgesamt war es eine sehr interessante, lehrreiche und schöne Zeit.

Спасибо большое sagt Victoria Zollner

 

 

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In einer seiner frühen Erzählungen, „Die stählerne Kehle“, schildert Michail Bulgakow, im Brotberuf Arzt, was einem jungen Mediziner so durch den Kopf gehen kann:
Und so war ich also auf mich allein gestellt. Um mich das Novemberdunkel mit kreiselndem Schnee, das Haus zugeweht, das Heulen des Winds im Kamin. All die 24 Jahre meines Lebens hatte ich in einer riesigen Stadt verbracht und immer geglaubt, Schneestürme heulten nur in Romanen. Nun stellte sich heraus, daß sie tatsächlich heulen. Die Abende sind hier ungewöhnlich lang, die Lampe spiegelte sich unter ihrem blauen Schirm im schwarzen Fenster, und ich kam ins Träumen, als ich so auf den Fleck blickte, der linker Hand von mir leuchtete. Ich träumte von der Kreisstadt, vierzig Werst von mir entfernt. Wie gern wäre ich von hier dorthin entflohen. Dort gab es Strom, vier Ärzte, mit ihnen könnte man sich beraten, jedenfalls wäre es nicht so schrecklich. Aber von hier wegzukommen, war undenkbar, und bisweilen begriff ich auch selbst, daß eine solche Flucht kleinmütig wäre. Schließlich hatte ich ja genau deswegen an der medizinischen Fakultät studiert… „Aber wenn sie jetzt eine Frau mit einer schweren Geburt bringen? Oder, nehmen wir an, jemanden mit einer eingeklemmten Hernie? Was mache ich da bloß? Lassen Sie es mich doch bitte wissen! Vor 48 Tagen habe ich die Fakultät abgeschlossen – mit Auszeichnung, aber eine Auszeichnung ist das eine, ein Bruch etwas anderes. Einmal schaute ich zu, wie ein Professor eine solche eingeklemmte Hernie operierte. Ich saß im Amphitheater. Und nun rann mir beim Gedanken an den Bruch der kalte Schweiß in Strömen das Rückgrat hinunter. Abend für Abend saß ich in der gleichen Pose und goß mir Tee nach: Links von mir lagen alle Handbücher zur operativen Geburtshilfe auf dem Tisch, oben auf der Kleine Döderlein, rechts zehn verschiedene Bände zur operativen Chirurgie mit Zeichnungen. Ich räusperte mich, steckte eine Zigarette an, trank von meinem kalten schwarzen Tee…

Jürgen Zeus, Susanne Lender-Cassens, Natalia Denissowa, Olga Jaschina und Werner Hohenberger

Ganz so dramatisch würden ihren Seelenzustand die Gynäkologin Natalia Denissowa und die Neurologin Olga Jaschina sicher nicht beschreiben, aber die zweiwöchige Hospitation an den Universitätskliniken – wieder dankenswerterweise vermittelt und finanziert vom Serviceklub Rotary – hat schon auch etwas von einem Praxisschock gegenüber dem, was sie aus dem Krankenhausalltag in Wladimir – gleich ob in der Abteilung für Schlaganfälle oder im Kreißsaal – kennen, zumal sie sich ohne Dolmetscherbetreuung auf Englisch verständigen müssen. Eine nützliche und wichtige Erfahrung bekunden die Gäste vom Regionalkrankenhaus der Partnerstadt freilich beim gestrigen Empfang im Rathaus gegenüber Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, selbst im Brotberuf Krankenschwester, und den beiden Kollegen, dem emeritierten Chirurgen von Weltruf, Werner Hohenberger, und Jürgen Zeus, Internist i.R. und Stadtrat. Und eine Erfahrung, die man gern auch dem Pflegepersonal ermöglichen möchte. Also wieder ein Ergebnis des Austausches, das ausstrahlt auf andere Bereiche. Eben bereichernd.
P.S.: Die „Arztgeschichten“ von Michail Bulgakow sind 2009 in der Sammlung Luchterhand auf Deutsch erschienen. Bei obiger Übersetzung handelt es sich um eine Ad-hoc-Übertragung.

 

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Seit die Slawistik an der Friedrich-Alexander-Universität vor zehn Jahren aufgelöst und nach Bamberg verlegt wurde, fehlt dem wissenschaftlichen Austausch zwischen Erlangen und Wladimir eine wesentliche Komponente. Umso erfreulicher, wenn nun schon seit 2016 Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, Kontakte zur Staatlichen Stoletow-Universität pflegt. Hier nun ihr Bericht über ihren mittlerweile schon dritten Besuch an der Partnerhochschule.

Am 7. November traf die Professorin den Rektor der Universität, Ansor Saralidse, sowie ihre Historikerkollegin, Jelena Petrowitschewa, Leiterin des Lehrstuhls für Geschichte Russlands, zu einem Meinungsaustausch. Der Rektor kennt Deutschland auch von privaten Reisen recht gut und betonte im Gespräch, die internationale Vernetzung sei ihm ein wichtiges Anliegen. Auch die neueste Monographie, von der die Besucherin ein Exemplar für die Universitätsbibliothek mitgebracht hatte, nahm er mit großem Interesse zur Kenntnis.

Anschließend fand ein Gespräch mit Doktoranden und Magistranden des Lehrstuhls von Prof. Petrowitschewa statt, die sich unter anderem für Karrierewege und die Wahl von Forschungsthemen an deutschen Universitäten und die Struktur der Studiengänge an der FAU interessierten. Man war hier sehr erstaunt zu hören, ein Lehrstuhl im Fach Geschichte in Deutschland bestehe häufig nur aus zwei Stellen, der Professur  und einer Assistenz. Denn hier haben die Lehrstühle bis zu 20 und mehr Mitarbeiter und ein sehr breites inhaltliches Profil, das im Falle von Prof. Petrowitschewa die gesamte Geschichte des Landes inklusive der Regionalgeschichte abdeckt. Auch eine Vertreterin der Abteilung für internationale Beziehungen der Universität, Nadeschda Troschtschina, war zugegen und wies auf die bereits bestehenden Austauschmaßnahmen für Studierende und Dozenten hin. Sie ermunterte die anwesenden Mitarbeiter, diese aktiver zu nutzen; unter anderem werden dreimonatige Forschungsaufenthalte an deutschen Universitäten vom Deutschen Akademischen Austauschdienst finanziert, und das ist doch eine große Chance, auch wenn man sich dafür – was vielen offenbar schwerfällt – für drei Monate von der Familie entfernt.

Ansor Saralidse, Jelena Petrowitschewa und Julia Obertreis

Um 12.00 Uhr präsentierte Prof. Obertreis in einem modernen Hörsaal einem größeren Publikum aus Studenten und Doktoranden der Geschichte ihre im letzten Jahr in englischer Sprache erschienene, auf langjähriger Forschung basierende Monographie über Baumwollanbau und die Modernisierung der Bewässerung in Zentralasien unter russisch-sowjetischer Herrschaft („Imperial Desert Dreams. Cotton Growing and Irrigation in Central Asia, 1860-1991“). Die Rückmeldungen dazu zeigten, wie groß das Interesse an der hierzulande noch recht neuen Forschungsrichtung Umweltgeschichte ist. Die Erlanger Wissenschaftlerin sagte deshalb zu, dazu einen Beitrag für die Universitätszeitschrift im Bereich Geisteswissenschaften (Vestnik VlGU – Social’nye i gumanitarnye nauki) zu schreiben.

Julia Obertreis mit Auditorium

Am Nachmittag traf sich Julia Obertreis mit ihrer Professorenkollegin, Irina Lapschina, Inhaberin des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte, das heißt vor allem Geschichte des Westens, hier mit einem Schwerpunkt auf den USA im 20. Jahrhundert. Auch hier gab es, in weniger formeller Atmosphäre, einen Austausch mit Doktoranden und Mitarbeitern und viel Interesse an der Forschung des Gastes sowie an neuesten Entwicklungen an deutschen Universitäten. Auch politische aktuelle Themen kamen zur Sprache, etwa der Aufstieg der AfD und die aktuellen persönlichen und beruflichen Beziehungen der Mitarbeiter zur Ukraine, die sich erfreulicherweise nicht verschlechtert zu haben scheinen.

Der Nachmittag endete mit einem schönen Spaziergang auf der Spasskaja-Straße, einem Besuch in einem sehr gemütlichen Bücher-Antiquariat („Bukinist“) sowie einem georgischen Abendessen im Chinkali-Haus (Хинькальный Дом). Wie so oft entstehen die besten Ideen im ungezwungenen Austausch: Für nächstes Jahr wurde vereinbart, eine zweite studentische Video-Konferenz zu veranstalten, diesmal zum Thema Rivalität im Kosmos („Space Race“) im Kontext des Kalten Krieges – ein Thema, das mit Jurij Gagarin, dem Sputnik-Schock und der ersten Mondlandung 1969 auf großes Interesse der Studierenden auf beiden Seiten stoßen wird.

Julia Obertreis

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Seit 2013 erstellt die britische Agentur Quacquarelli Symonds (QS) ein Ranking der 400 besten Hochschulen der BRICS-Staaten. Zum ersten Mal taucht nun in dieser Liste auch die Universität Wladimir auf und nimmt Rang 351 ein, in unmittelbarer Nachbarschaft mit Limpopo und Jaroslawl. Insgesamt wurden 101 russische Hochschulen bewertet, darunter auch die Lomonossow-Universität in Moskau, die auf Platz sechs rangiert. Angeführt wird das Feld freilich von China mit sieben Positionen unter den ersten zehn, davon die ersten fünf! Sankt Petersburg und Nowosibirsk folgen erst auf den Plätzen 11 und 12.

Insgesamt kommt die Studie – hier die komplette Auswertung https://is.gd/eBjFfX – zu dem Ergebnis, die russischen Universitäten seien gegenüber denen aus China, Brasilien, Indien und Südafrika hinsichtlich der individuellen Betreuung von Studenten und der Wertschätzung seitens der Arbeitgeber im Vorteil. Allerdings mangle es im Bereich der Forschung, der zitierten Publikationen und des ausländischen Lehrpersonals.

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Man hat ihr schon so manchen hohen und höchsten Posten in der Verwaltung des Gesundheitswesen der Region Wladimir angeboten, aber, so Swetlana Makarowa, „ich kann doch meine Kinder nicht verlassen.“ Und so ist und bleibt die gelernte Pulmologin und Pädiaterin gern ärztliche Direktorin des Kinderkrankenhauses, in dem junge Patienten aus dem ganzen Umland, so groß wie ganz Franken und die halbe Oberpfalz, bei schweren Erkrankungen medizinische Hilfe finden. Was ihr dabei besonders gefällt: An einem Tag in der Woche (einschließlich Nachtdienst) praktiziert sie selbst in ihrer Klinik, kennt also die Abläufe aus eigenem Erleben, sieht Schwächen und Stärken, weiß, wo Verbesserungen notwendig und möglich sind.

Wolfgang Rascher, Swetlana Makarowa und Patrick Morhart

Um aber das Notwendige möglich zu machen, wendet sich Swetlana Makarowa an Erlangen, dessen Unterstützung sie seit Beginn der Aktion „Hilfe für Wladimir“ 1990 zu schätzen weiß, erst recht, seit sie vor elf Jahren zur Direktorin berufen wurde. An ihrer Seite hat sie dabei seit 1998 ihren Kollegen, Wolfgang Rascher, der bereits zwei Besuche in Wladimir hinter sich hat und dabei die Fortschritte vor Ort zu sehen bekam. Nun gibt er zwar Ende März endgültig die Leitung der Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche an der FAU ab, verspricht jedoch: „Der Austausch geht weiter.“ Dafür steht auch jemand wie Patrick Morhart, ärztlicher Leiter der Neonatologie I, der seiner Besucherin erklärt, welche Geräte und Therapien man im Bereich der Hämodialyse für Früh- und Neugeborene einsetzt, etwas, das man bald auch in Wladimir einführen möchte. Darüber hinaus soll in der Partnerstadt eine ambulante Palliativversorgung für Kinder aufgebaut werden. Die gesetzlichen Voraussetzungen seien zwar gegeben, aber es fehlten die Erfahrungen, meint die Kinderärztin, weshalb man gern die fast zehnjährige Expertise der deutschen Freunde nutzen möchte.

Wolfgang Rascher, Birgitt Aßmus, Swetlana Makarowa und Patrick Morhart

Je länger die Gespräche am Montag dauern, desto mehr Ideen entstehen, und wenn man, wie etwa Stadträtin Birgitt Aßmus, über die Jahre beobachten konnte, wie positiv dieser Erfahrungsaustausch der Pädiater sich entwickelt, glaubt man auch an die baldige Umsetzung der Anregungen, die der Gast heute wieder mit nach Hause nimmt. Doch damit nicht genug, Swetlana Makarowa will auch Einblick nehmen in die Arbeit des Gesundheitsamtes, das am Tag ihres Besuches gerade vor 99 Tage ins Landratsamt eingezogen ist.

Swetlana Makarowa und Frank Neumann

Was Swetlana Makarowa von Frank Neumann, promovierter Mediziner aus dem Vogtland, der in Erlangen studierte und die Behörde seit Herbst 2015 leitet, erfährt, kennt sie so von der eigenen Gesundheitsadministration nicht: Man hat hier eigene Ärzte, die Untersuchungen machen und Gutachten erstellen, man entlastet die Krankenhäuser und niedergelassenen Ärzte, indem Assistenten die medizinischen Einschulungstests machen, man bietet anonyme Geburten und Schwangerschaftsberatung an… So viel wird hier anders gemacht, daß die Besucherin ihren Kollegen möglichst bald in Wladimir begrüßen möchte, um im größeren Fachkreis von seinen Zuständigkeiten zu berichten. Da gäbe es in vielen Bereichen – etwa bei der HIV-Problematik oder bei der TBC-Vorbeugung und Impffrage – Erfahrungen, die man nutzen könnte. Nützlich dabei könnten sicher auch die Russischkenntnisse des Gastgebers sein.

Christine Delfs, Swetlana Makarowa, Ulrike Rascher und Susanne Schmid

Christine Delfs muß in dieser Hinsicht dieses Mal passen. Bisher hatte sie in ihrer 4. Klasse an der Heinrich-Kirchner-Schule immer Kinder, die aus russischsprachigen Familien kamen. Nun ist da nur noch ein Junge, der aber selbst kein Russisch mehr spricht. Aber ausschlaggebend ist das ja nicht. Sie will ihre Aktion unbedingt fortsetzen, die sie 1999 mit Taschengeldspenden für das Kinderkrankenhaus Wladimir begonnen hatte und die mittlerweile mit dem Pausenverkauf von Leckereien aus der elterlichen Küche im Advent regelmäßig dreistellige Summen erbringt, mit denen Swetlana Makarowa bedürftige Patienten unterstützt oder Mal- und Bastelutensilien kauft. Denn es gehen immer wieder auch Bilder und Zeichnungen hin und her. Und wenn Christine Delfs eines Tages in Ruhestand geht, übernimmt diese Tradition – so vereinbarte man das im Beisein von Schulleiterin, Susanne Schmid – nach dem Motto „Familientradition verpflichtet“ Ulrike Rascher, Tochter des Professors für Kinderheilkunde. So schließen sich Kreise.

Soroptimist-Präsidentin Christine Faigle, Swetlana Makarowa, Rentia van Eldik und Doris Lang

So ein Kreis schließt sich auch beim Treffen mit den Schwestern von Soroptimist International, wo Swetlana Makarowa Mitglied ist. Der Serviceklub organisierte ja bereits die Ausstellung „Heimat“ mit dem Kinderkrankenhaus und richtete den ersten gynäkologischen Behandlungsraum für Mädchen in der Region Wladimir ein. Nun erhielt die Besucherin wiederum eine Spende für ihre Klinik, und schon im November will Doris Lang sich selbst ein Bild von der Partnerstadt machen und den Kontakt mit Soroptimist Wladimir ausbauen.

Susanne Lender-Cassens und Swetlana Makarowa

Am Ausbau dieser Verbindungen möchte auch Susanne Lender-Cassens verstärkt mitwirken. Bereits zu der Zeit, als sie noch als Krankenschwester am Universitätsklinikum arbeitete, schickte sie regelmäßig medizinisches Verbrauchsmaterial an das Kinderkrankenhaus. Nun versucht sie, dabei zu helfen, den Austausch von Pflegepersonal voranzubringen. Und Swetlana Makarowa kann der Bürgermeisterin auch schon eine erste Kandidatin benennen, die sie gerne für eine Hospitation nach Erlangen schicken würde. Und überhaupt – wen wundert das noch? – kann sie mit Stolz berichten, eine ihrer Krankenschwestern habe unlängst den ersten Preis bei einem regionalen Wettbewerb gewonnen. An Können und Motivation fehlt es da sicher nicht.

Christine Hetterle und Swetlana Makarowa

Woran es aber leider noch mangelt, ist eine Unterbringungsmöglichkeit für Eltern, deren Kinder – vor allem wegen onkologischer Erkrankungen – für einen längeren Zeitraum auf Station bleiben müssen. Zwar wurden mit Hilfe von Soroptimist einige Krankenzimmer und Räume für diese Bedürfnisse eingerichtet, aber es bräuchte etwas in der Art wie das Ronald-McDonald-Haus in Erlangen. Sicher ein noch langer Weg, aber, mit den Erfahrungen und Erläuterungen von Christine Hetterle im Gepäck, macht sich Swetlana Makarowa ermutigt und zuversichtlich heute auf die Heimreise. Wer, wie sie, erfolgreich die Bauchfelldialyse von Erlangen nach Wladimir übertragen hat, wird auch Behörden und Politik von der Notwendigkeit eines Gästehauses oder der Einführung einer palliativen Ambulanz für Kinder überzeugen.

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„Wie hätte ich denn da zu Hause bleiben sollen?! Da gab es doch gar keinen Zweifel“, erwiderte gestern Swetlana Makarowa mit ihrem so gewinnenden Lächeln die erstaunten Fragen, warum sie denn eigens den weiten Weg nach Erlangen auf sich genommen habe, um an der gestrigen Abschiedsfeier für Wolfgang Rascher teilzunehmen. „Wir haben in Wladimir ihm und seinem ganzen Haus unendlich viel zu verdanken, und dafür meine Verbundenheit zu zeigen, ist kein Weg zu weit.“

Wolfgang Rascher, Swetlana Makarowa und Dieter Wenzel

Die ärztliche Direktorin des Regionalen Kinderkrankenhauses in der Partnerstadt weiß, wovon sie spricht. Als Pulmologin nahm sie vor drei Jahrzehnten dort die Arbeit auf und erlebte 1990/91 als stellvertretende Leiterin der Klinik den Beginn der Aktion „Hilfe für Wladimir“, für ihr Haus koordiniert von Dieter Wenzel, mit all den Lieferungen von medizinischem Gerät, Medikamenten, Lebensmitteln, Verbrauchsmaterial, begleitet von Hospitationen und Fortbildungen an der Klinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche in Erlangen.

Swetlana Makarowa, Elisabeth Preuß und Florian Janik

Seit elf Jahren leitet sie nun selbst das Krankenhaus mit 325 Betten, wo Kinder aus der ganzen Region behandelt werden. Und das immer besser – seit der Zusammenarbeit Erlangen, die Erfolge von der Einführung der Peritonealdialyse bis zu den Standards bei der Krebstherapie aufzuweisen hat.

Swetlana Makarowa und Peter Steger

Aber, man merkt es der Pädiaterin an, es ist mehr als nur die materielle Hilfe und der Wissenstransfer, für den sie zu danken kam. „Es geht tiefer, viel tiefer“, betont sie denn auch in ihrem Grußwort, das sie auch an die Stadtspitze, prominent vertreten durch Oberbürgermeister, Florian Janik, und Bürgermeisterin, Elisabeth Preuß, die beide die Klinik in Wladimir und die kindermedizinische Erfolgsgeschichte kennen. Dieses „Tiefer“ darf man getrost Freundschaft nennen, Verbundenheit, die mit dem gestrigen Tag nicht endet. „Es geht weiter“, bestätigte diesen Eindruck der nach 20 Jahren im Amt des Klinikdirektors scheidende Wolfgang Rascher. „Und jetzt habe ich ja mehr Zeit, auch für Wladimir.“

Swetlana Makarowa und Wolfgang Rascher

Da fügt sich auch das Geschenk ins Bild, ein Gemälde des Goldenen Tors, als „Anerkennung für einen goldenen Menschen, der hoffentlich bald wieder kommt und durch das Goldene Tor in unsere Stadt tritt.“ Noch aber darf der Gastgeber nicht abtreten. Der bereits berufene Nachfolger bog im letzten Augenblick in eine andere Richtung ab, und so wird Wolfgang Rascher, dessen segensreichem Wirken die Erlanger Nachrichten gestern eine ganze Seite widmeten, noch bis März 2019 weiter die Geschicke seiner Klinik leiten.

Swetlana Makarowa und Klemens Stehr

Wenn schon der Nachfolger nicht im Publikum saß, dann doch der Vorgänger, Klemens Stehr, von 1977 bis 1998 Direktor der Klinik, unter dessen Ägide die Zusammenarbeit mit Wladimir ja begann, und der, bereits emeritiert, 2001 die Partnerstadt im Rahmen einer Rotary-Delegation besuchte. Für Swetlana Makarowa ein besonderer Tag, bewegend, tiefergehend…

Und hier geht es zum Reisebericht von Wolfgang Rascher: https://is.gd/9bQwhm

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Als einziger Unternehmer aus Wladimir hat es Michail Dragomirow geschafft, den von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit ausgeschriebenen Wettbewerb zu gewinnen und für drei Wochen nach Deutschland zu kommen, um mit einer gut zehnköpfigen russischen Wirtschaftsdelegation von Tübingen aus Kontakte zu deutschen Firmen zu knüpfen und das hiesige Geschäftsleben kennenzulernen. Da seine Frau Antonia vor drei Jahren schon einmal mit dem Erlangen-Haus zum Deutschkurs in der Partnerstadt war – siehe: https://is.gd/Qws50Q – lag es für den Ingenieur nahe, selbst einmal Erlangen zu besuchen, freilich mit einem klaren Ziel. Vorgestern dann war es so weit.

Michail Dragomirow

Der Weg ist gut ausgeschildert, dennoch verläuft man sich leicht, wenn man zunächst auf dem Campus der FAU in der Südstadt die Räume der Informatik im Hochhaus ansteuert. Das FabLab findet man nämlich genau gegenüber, unterhalb der Bibliothek in den Kellerräumen. Seit sieben Jahren schon kann man sich in dieser offenen Werkstatt von ehrenamtlichen Kräften zeigen lassen, was sich mit einem 3D-Drucker, einem Laser-Cutter oder mit Fräser- und CNC-Maschinen so alles herstellen läßt. Eng geht es hier zu, jede Ecke ist mit Geräten bestückt, und überall hilfsbereite Menschen, die bereitwillig alles erklären. Einer von ihnen, Michael, der sich schon zum Inventar des Fabrikationslabors zählt, erklärt dem Gast denn auch geduldig, wie man allen Interessierten – auch von außerhalb der Universität – Zugang zu den technischen Möglichkeiten biete, alles kostenlos, nur das Material und die Nutzung des Laser-Cutters werden abgerechnet.

Michael und Michail

Als Unternehmer wird Michail Dragomirow – mehr zu seiner Firma unter: http://engineering-tech.pro – diesen Service nicht gratis anbieten können, da ja die notwendige technische Ausstattung kaum, wie in Erlangen, die Universität oder eine andere Institution anschaffen wird, aber der Geschäftsmann überlegt, für seine Kunden diese Möglichkeiten gegen Bezahlung zu schaffen. Und dazu erhielt er nun in Erlangen die notwendigen Anregungen, auch wenn hier die neueste Entwicklung fehlt: die Verarbeitung am Laser-Cutter von Metall. Manches ist eben auch einer deutschen Spitzenuniversität (noch) zu teuer.

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