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Archive for the ‘Wissenschaft’ Category


Am 22. und 23. April lud die Adam-Mickiewicz-Universität in Posen zu einer internationalen Wissenschaftskonferenz ein, die sich dem Thema „Die Welt im Zeitalter der Pandemie und der Postpandemie“ widmete. Virtuell trafen sich da mehr als 180 Fachleute aus Weißrußland, Deutschland, Kasachstan, Kirigisien, Moldawien, Litauen und natürlich Polen. Aus Wladimir zugeschaltet war der Politologe Roman Jewstifejew von der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft mit seinem Beitrag in der Sektion „Aktuelle Fragen zum Komplex Städtepartnerschaften der Länder der Europäischen Union mit der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten: vor und nach der COVID-19-Pandemie“.

Roman Jewstifejew

Dabei referierte der Wissenschaftler zu den „Konstanten von städtepartnerschaftlichen Beziehungen unter Bedingungen einer globalen Instabilität am Beispiel Wladimir-Erlangen“. Wie der Professor berichtet, stießen seine Forschungsergebnisse zu der Erfahrung dieser einzigartigen und langjährigen Verbindung auf großes Interesse und weckte die Aufmerksamkeit an deren positiven Ergebnissen. „Jetzt kennt unsere Partnerschaft die ganze Welt“, kommentierte Roman Jewstifejew augenzwinkernd seinen Eindruck von dem Kongreß. Und jetzt wissen auch die Blog-Leser, daß sich die Welt der Wissenschaft der Partnerschaft annimmt und sicher noch von sich wird hören lassen. Derweil sollten wir fortfahren mit dem kleinen und bescheidenen deutsch-russischen Verständigungswerk, wohlwollend begleitet von der Forschung.


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Heute die versprochene Fortsetzung des Berichts https://is.gd/uxwJbM von Arkadij Malygin über seine Verbindung zu Erlangen.

Und so machte ich mich denn im März 1999 im letzten Studienjahr mit meinen Kommilitonen nach Erlangen auf, um am dreiwöchigen Austauschprogramm unserer Hochschulen am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde teilzunehmen.

Bis heute habe ich gut in Erinnerung, wie hervorragend alles organisiert war. Untergebracht waren wir in deutschen Gastfamilien, und wir gingen jeden Tag zum Unterricht in richtige deutsche Klassen, wo wir Seit an Seit mit den dortigen Studierenden Deutschunterricht erhielten. Mich beeindruckte die technische Ausstattung des Instituts: ein modernes Sprachlabor, Filmprojektoren, Notebooks, Computer, Internet. Alles, um das Studium möglichst effektiv und interessant zu gestalten. Als Studenten der 90er Jahre konnten wir von all dem zu Hause leider nur träumen.

Die Dozentenschaft zeichnete sich durch große Vielfalt aus: die Kurse hielten mal noch ganz junge Lehrkräfte, die eben erst just jenes Institut abgeschlossen hatten, dann wieder erfahrene Fachleute mit gewaltiger Berufspraxis und Erfahrung. Natürlich gestaltete sich die allgemeine Atmosphäre im Unterricht auf europäische Weise demokratischer und, wie mir schien, auch etwas entspannter. Im Vergleich zu unserer fast militärischen Disziplin am heimischen Fremdspracheninstitut war das durchaus verblüffend. Zu Beginn frappierte uns dieser Unterschied im Lehrprozeß, dann begriffen wir aber, daß alles mit dem hohen Verantwortungsbewußtsein der Studierenden zusammenhing, die hierher mit der festen Absicht kamen, sich zu Übersetzern und Dolmetschern ausbilden zu lassen und Fremdsprachen nicht unter der Knute zu lernen, sondern weil sie ihren künftigen Beruf liebten und ihr Fach so gut wie irgend möglich beherrschen wollten.

Arkadij Malygin und Heinz Römermann (beide stehend) mit ihrer Gruppe

Unsere Gruppen und Klassen setzten sich ausgesprochen uneinheitlich zusammen: So fanden sich in meinem Kurs zum Beispiel Deutsche, Russen, Tschechen, Armenier, Niederländer, Kasachen und Bulgaren. Sie alle hatten ihre eigene Geschichte, die sie nach Deutschland geführt hatte. Das Besondere dabei: echte ethnische Deutsche, die auch in Deutschland zur Welt gekommen waren, gab es in unserer Gruppe nicht mehr als drei oder vier. Wir hatten es also mit einem regelrechten Schmelztiegel der Kulturen zu tun, in dem wir uns pudelwohl fühlten.

Auch das pralle Leben außerhalb der Klassenräume stellte ein interessantes Moment dar. Alle deutschen Kommilitonen gingen da einer Beschäftigung nach: Die eine schrieb als freie Journalistin Artikel für die Zeitung, ein anderer trieb Sport, wieder eine andere verdiente sich als Model etwas dazu. Nach dem Unterricht blieben wir oft im Wohnheim, wo das Studentenleben nie zur Ruhe kam und uns neue Bekanntschaften mit Altersgenossen aus aller Welt eröffnete: aus Spanien, aus dem Libanon, von Kap Verde, aus Georgien, aus Ägypten, aus den USA und anderen Ländern.

Abschließend möchte ich mit besonderer Dankbarkeit Heinz Römermann erinnern, der als unser Betreuer und Hauptdozent mit seinem herausragenden Unterricht und allem drum herum für einen angenehmen Aufenthalt am Institut sorgte. Ich habe viel bei ihm gelernt und denke bis heute gern an seine Kurse zurück.

Natürlich sind drei Wochen eine sehr kurze Zeit, um einen mehr oder weniger umfassenden Eindruck von einem Land, seiner Kultur und der Menschen dort zu gewinnen. Und so kam ich denn ein halbes Jahr nach dieser kurzen Reise zu zwei weiteren Semestern nach Erlangen, um ein ganzes Studienjahr in Deutschland zu verbringen, in dessen Verlauf ich sehr viel mehr Zeit haben sollte, um die Mentalität der Deutschen besser zu verstehen, neue Freunde aus verschiedenen Ländern der Erde zu finden und in das multikulturelle Studentenleben einzutauchen.

Arkadij Malygin

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Bereits Anfang März war es zu einem ersten Kennenlernen zwischen Matthias Wrede, Professor und Lehrstuhlinhaber für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Sozialpolitik, an der Friedrich-Alexander-Universität und dem Lehrstuhl für Management und Marketing an der Universität Wladimir gekommen. Beide Seiten interessierten sich besonders für die Auswirkungen der Pandemie auf die lokale und regionale Wirtschaft.

Nun fand am Donnerstag letzter Woche die erste, ganz der Ökonomie gewidmete Videokonferenz zwischen den beiden Hochschulen statt, zu der sich ein etwa dreißigköpfiges Auditorium dazuschaltete. Seitens der FAU als Referent noch dabei Andreas Mense, der über die räumliche Ausbreitung von COVID-19 sprach, während Matthias Wrede die Kreditvergabe des Bankenwesens in Zeiten der Pandemie vorstellte.

Die Wladimirer Seite präsentierte die erstaunlich gute Entwicklung in der Region, weitgehend zurückzuführen auf einen Wirtschaftsgipfel mit vielen Anreizen für das produzierende Gewerbe, zur Sprache kamen aber die Zukunft des Finanzsystems und das gegenwärtige Verhalten von Aktionären.

Man hatte sich viel zu sagen und will nun die Skripten austauschen. Fortsetzung nicht ausgeschlossen…

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Seit dem Sommersemester 2019 studiert Iwan Lawrentjew aus Wladimir an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Gerontologie. Nun steht seine Masterarbeit an, zu der er eine Umfrage (s. Ende des Berichts) macht. Ihm fehlen für die Studie besonders noch ethnische Deutsche und Menschen, die aus Westeuropa stammen. Nehmen Sie sich also bitte heute nicht nur Zeit zur Lektüre des Blog-Eintrags, sondern auch zum Ausfüllen des Fragebogens.

Iwan und Maria Lawrentjew

Nach eineinhalb Jahren geht mein Studium zu Ende, und es ist Zeit mit der Masterarbeit zu beginnen. Bevor man einen Dozenten kontaktiert, sollte der Student sich überlegen, mit welchem Thema er sich auseinandersetzen möchte und die entscheidende Frage klären, ob es genug Literatur zu dem geplanten Thema gibt, denn es wäre sehr erbärmlich beim Erstellen des theoretischen Teils der Masterarbeit festzustellen, in der Sache sei bisher zu wenig geforscht worden.

Sobald man sich für ein bestimmtes Thema entschieden hat, kann man einen Dozenten suchen, der die Masterarbeit betreut. Hier ist wichtig zu beachten, einander gut zu kennen und schon einmal zusammengearbeitet zu haben, da die Chemie passen sollte. Falls der Dozent seine Zustimmung gibt, bittet er ein Exposé zu schreiben, wo du deine zukünftige Masterarbeit skizzierst: Einleitung, Forschungsstand, Forschungskonzept, Zielsetzung, Fragestellung und Methodik. Am Ende solltest du eine Hypothese aufstellen, die du in deiner Masterarbeit entweder beweist oder widerlegst. Das Exposé hilft dem Dozenten, einen Überblick darüber zu bekommen, was du genau vorhast, es kann aber auch für dich sehr hilfreich sein, weil du da deine Arbeitsplanung ersichtlich machst, und während des Schreibens kann du dich gut orientieren, wo du dich momentan befindest und was noch zu machen ist, oder wieviel Zeit du noch übrig hast. In der Regel hat jeder Student in Vollzeit bis zu sechs Monate Zeit für die Masterarbeit, in Teilzeit macht das neun Monate aus.

Ich wollte schon am Anfang meines Studiums eine empirische Studie durchführen und das Thema mit älteren Personen mit Migrationshintergrund verbinden, weil ich selber aus Wladimir stamme und mich einfach interessiert, wie sich Migranten 30 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Deutschland eingelebt haben.

Dann kam die Pandemie und die damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen. Das Thema lag förmlich auf der Hand. Es galt nur noch, eine gute Fragestellung zu entwickeln und die Betreuung zu klären.

Anja Beyer

Meine Wahl fiel auf Anja Beyer, Dozentin am Institut für Psychogerontologie (IPG) der Friedrich-Alexander-Universität, die schon viele Masterarbeiten erfolgreich betreut und vor kurzem promoviert hat. Ich besuchte ihre Seminare, und ihre Arbeitsmethode gefiel mir recht gut. Entscheidend für mich war auch, sie tagsüber anschreiben und schnell eine Antwort bekommen zu können, was bei den Betreuern, die eine eigene Praxis haben oder noch an einem anderen Lehrstuhl unterrichten, nicht immer der Fall ist.

Am IPG werden neben klassischen Seminaren und Vorlesungen regelmäßig kostenlose Kurse angeboten, wo man alles über Datenerhebung und Auswertung erfahren kann. Solche Lehrveranstaltungen sind vor allem für diejenigen Studenten sehr nützlich, die eine empirische Studie durchführen und mehr über statistical software wie Limesurvey, SPSS, PSPP erfahren wollen.

Für mich, einen Studenten mit pädagogischer Ausbildung, war Statistik ein Fremdwort. Deswegen war dieser Kurs ein Desiderat.

Im Folgenden möchte ich kurz auf das Thema meiner Masterarbeit eingehen.

Die Pandemie hat nicht nur neue Probleme mitgebracht, sondern auch die schon vorhandenen Herausforderungen durch Lockdown, Ausgangssperre, Reiseverbot signifikant verschärft, eine davon stellt die Einsamkeit dar.

Ziel meiner Masterarbeit ist, mit Hilfe von standardisierten Fragebögen Daten zu Einsamkeit, sozialer Isolation und Lebenszufriedenheit zu erheben und festzustellen, inwieweit sich Personengruppen mit verschiedenen Migrationshintergründen voneinander unterscheiden.

Dabei gehe ich von der durch soziale Forschungen mehrfach belegten Annahme aus, wonach ältere Menschen aus dem osteuropäischen Raum eine schlechtere soziale Einbettung und Wohnungssituation sowie niedrigere finanzielle Ressourcen aufweisen, die wiederum zentrale Risikofaktoren für soziale Isolation und Einsamkeit bedingen. Dem gegenüber steht der Umstand, wonach diese Personen untereinander sehr gut vernetzt sind.

Allerdings ist auch die Tatsache zu berücksichtigen, wonach die Befragung unter den Bedingungen des Lockdown stattfindet, der die gewohnte alltägliche Lebensführung stark betrifft.

Methodik

Eine der ersten und dabei zentralen Aufgaben bestand darin, einen Fragebogen zu erstellen, damit Daten zu der Fragestellung erhoben werden können. Ich wollte nicht das Rad neu erfinden und übernahm deshalb bekannte standardisierte Instrumente: die UCLA Loneliness Scale zur Erhebung von Einsamkeit, die Lubben Social Network Scale zur Erfassung sozialer Isolation, FLZM zur Erhebung von Lebenszufriedenheit und weitere Parameter, die Daten zu Geschlecht, Alter, Bildungs- und Familienstand abfragen sollen.

Die Befragung wird sowohl in Papierform, als auch in Online-Format stattfinden, damit möglichst viele Personen daran teilnehmen können. Je nachdem, wie jemand mit dem Computer umgeht, kann man sich entweder für Online oder die Papierform entscheiden. Der Link zu Online Befragung wurde bereits an den Vorsitzenden der Franconian Society, Frank Gillard, den Seniorenclub Erlangen und an Mitglieder der hiesigen russischen-orthodoxen und jüdischen Gemeinde verschickt und von ihnen per E-Mail, in WhatsApp-und Telegramgruppen weitergeteilt. Außerdem liegen in den obengenannten Gruppen Fragebögen in Papierform aus, damit Personen, die an Online-Befragung nicht teilnehmen können, Gelegenheit erhalten, den Papierfragebogen auszufüllen und in eine Urne einzuwerfen, womit auch auf die Anonymität und Vertraulichkeit der Befragung gewährleistet ist Für die Befragungsdurchführung sind zwei Monate geplant, danach werden die erhobenen Daten in SPSS ausgewertet.

Nun meine Bitte, wenn Sie mindestens 50 Jahre alt sind, an der Studie teilzunehmen oder die Links weiterzuleiten. Sie würden mir damit sehr helfen.

für Deutsch: https://www.ipg.phil.fau.de/lime2/index.php/485938?lang=de
für Russisch: https://www.ipg.phil.fau.de/lime2/index.php/329241?lang=ru

Iwan Lawrentjew

Mehr zu dem angehenden Gerontologen: https://is.gd/VEC3wy

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Der Blog blickt heute wieder einmal zurück in die Geschichte der Städtepartnerschaft und veröffentlicht die Erinnerungen eines einstigen Studenten aus Wladimir an seinen ersten Aufenthalt in Erlangen.

Meine erste Bekanntschaft mit Deutschland begann mit einer wunderbaren Frau, bei der ich im März 1999 drei Jahre lang lebte, als ich am Studentenaustausch unserer Städtepartnerschaft teilnahm und das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde besuchte. Meine Gastgeberin hieß Inge Roller. Neben allem andern kannte sie auch noch meinen Vater, Prof. Wiktor Malygin, der zusammen mit Peter Steger den Hochschulaustausch zwischen Wladimir und Erlangen vorantrieb. Ohne die beiden wäre meine Reise schlichtweg nicht möglich geworden.

An Frau Roller, die ich liebenswürdigerweise einfach Inge nennen durfte, habe ich nur die besten Erinnerungen. Sie zeigte mir Nürnberg mit seinem historischen Stadtkern, wir waren in Würzburg mit seiner bemerkenswerten Festung, besuchten das allseits bekannte Bamberg mit seinem großartigen Dom, und natürlich machte sie mich überall mit der deutschen Küche bekannt, von den Nürnberger Bratwürsten zum bernsteinfarbenen Trunk aus der heimischen Brauerei bis zu den allerleckersten Kartoffelklößen zur für mich damals ganz ungewohnten Apfelschorle.

Inge Roller, Arkadij Malygin und Herr Hartmann, 1999 in Würzburg

Inge brachte mich mit ihrem Sohn Thomas zusammen, und ich erinnere mich an unseren gemeinsamen Ausflug zur Automobilausstellung, die damals gerade in Nürnberg veranstaltet wurde. Wie ein Schwamm saugte ich die deutsche Kultur auf, vermittelt durch meine „Fremdenführerin“, Inge Roller.

Zu meinem Erstaunen fiel mir der Umgang mit ihr ungeachtet des riesigen Altersunterschieds von ungefähr vierzig Jahren ganz leicht, und den Austausch mit ihr erlebte ich als absolut entspannt. Sie war richtig lieb zu mir und tat alles, um meinen Besuch in Deutschland zu einem unvergeßlich eindrucksvollen Erlebnis zu machen. Wir sprachen nur Deutsch miteinander, was auch wichtig war, weil ich so ganz in die Atmosphäre der deutschen Sprache und Kultur eintauchen und den Unterricht am Institut, wo wir unsere Kenntnisse vervollkommneten, im Alltagsgebrauch ergänzen konnte.

Meine Gruppe ging damals ganz im Studium am Institut auf, an dem ich später zwei unvergessene Semester studieren und eine Unzahl von einzigartigen Menschen kennenlernen sollte: Dozenten und Studenten aus verschiedenen Ländern der Erde, vor allem aber meine echte Liebe zur deutschen Sprache dank dem Vertrautwerden mit der Kultur des Landes „von innen“ und der Freundschaft mit Deutschen. Doch das ist dann schon wieder eine andere Geschichte, die ich das nächste Mal erzählen werde. Heute möchte ich nur meiner ersten „Fremdenführerin“ durch das Reich der deutschen Kultur, Inge Roller, für all das danken, was sie für mich während meines ersten Besuchs in Erlangen 1999 tat. Ich bin sicher, sie kann mich hören.

 Arkadij Malygin

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Sie haben es gestern möglicherweise schon den überregionalen Medien entnommen: Nach Sputnik V (und bereits zwei weiteren Impfstoffen) für die Immunisierung von Menschen gegen COVID-19 stellte nun ein russisches Forschungsinstitut auch das weltweit erste Vakzin für Tiere vor, das Schutz vor dem Coronavirus bietet. Was Sie eher noch nicht wissen dürften: Entwickelt und nun auch registriert wurde das Mittel mit der Bezeichnung „Carnivak-Cov“ – kein Aprilscherz! – in Wladimir. Mehr noch, auch die Produktion ist in der Partnerstadt geplant.

Владимирские ученые создали и зарегистрировали первую в мире вакцину от коронавируса для пушных зверей
Bilder von Alexander Plonskij

Wie verschiedene Medien berichten, veröffentlichte die russische Fachzeitschrift „Veterinar“, dieser Durchbruch bei der Seuchenbekämpfung sei dem „Föderalen Zentrum zum Gesundheitsschutz von Tieren“ gelungen, das der Aufsichtsbehörde für Landwirtschaft unterstellt und seit Jahrzehnten in Jurjewez, dem westlichsten Stadtteil von Wladimir, angesiedelt ist.

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In dem Institut arbeitete man schon seit vergangenem Jahr an dem bisher weltweit einzigen Serum und entwickelte zunächst Testsysteme zur Diagnostik des Virus in Tieren. Später dann, seit Oktober, erprobte man das Mittel an Frettchen und nach den ersten positiven Ergebnissen an Katzen und anderen Pelztieren wie Nerzen, Polarfüchsen und Hunden. Nun ist man offenbar sicher, keine Nebenwirkungen fürchten zu müssen und von einer hohen Immunität ausgehen zu können, denn die geimpften Tiere entwickelten zu 100% Antikörper gegen den Erreger.

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Nach Einschätzung der Fachleute bleiben die Antikörper bis zu einem halben Jahr im Tierorganismus aktiv und weisen eine Effektivität von 90% auf. Noch in diesem Monat soll deshalb die Massenherstellung in Wladimir, der landesweit größten Produktionsstätte für Veterinärmittel, aufgenommen werden.

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Wie aktuell die Sache ist, zeigen immer mehr Meldungen über Corona-Infizierungen von Tieren überall auf der Welt, etwa in der vergangenen Woche von drei Haustieren in Mexiko und einem in Italien. Auch Argentinien hatte bereits bei vier Hunden und Katzen das Virus registriert. Und natürlich sind da die Infektionen mit Mutationen von COVID-19 auf Nerzfarmen in Dänemark und Holland, die zu einer massenhaften Keulung der Tiere geführt hatten.

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In russischen Zuchtanlagen ist es bisher offenbar zu keinen Ansteckungen gekommen. Die Wladimirer Forscher hatten, um ganz sicher zu gehen, mehr als eintausend Tests in Pelztierzuchtanlagen gemacht, alle mit negativem Ergebnis. Allerdings gibt es zwei aktenkundige Infektionen bei je einer Katze in Moskau und in Tjumen.

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Vor allem erhofft man sich von einer Impfung der Tiere den Schutz vor weiteren Mutanten des Virus, die meist bei der Übertragung von einer Spezies auf eine andere entstehen. Allerdings empfehlen die russischen Behörden derzeit keinen Pieks für Haustiere, da es bisher keinen wissenschaftlichen Beweis für eine Übertragung auf den Menschen gebe.

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In der Fachwelt war man natürlich über die Arbeiten in Wladimir informiert, und so verwundert es auch nicht, wenn seitens Pelztierfarmen bereits Anfragen aus Griechenland, Polen, Österreich, Kanada, Singapur und den USA vorliegen.

P.S.: Unser freier Mitarbeiter, Franz Assiskij, dem eine besondere Affinität zur Schöpfung und Tierwelt eignet, freut sich zwar mit der ganzen Redaktion des Blogs aufrichtig über den Erfolg der Wladimirer Wissenschaftler, er mahnt aber auch eindringlich, endlich abzulassen, von der industriellen Nutzung von Geschöpfen. Diese Fehlentwicklung, so seine feste Überzeugung, werde sich immer wieder auch gegen den Menschen selbst richten, rascher als dieser Gegenmaßnahmen ergreifen könne. Aber das predigte ja auch schon sein italienischer Namensvetter im 13. Jahrhundert. Wir wissen alle, mit welchem Erfolg.

Eilmeldung: Soeben berichtet Georg Kaczmarek, die heutige Ausgabe der renommierten russischen Zeitung „ПРАВДА“ (zu Deutsch „Die Wahrheit“) berichte exklusiv, der Wladimirer Virologe Iwan Grosnowitsch Kriworukij habe von der Chinesischen Gesundheitsbehörde die Anfrage erhalten, ob das neuentwickelte Vacczinus Lunochod X bereits gegen die Chinesische Mu-Tante namens Pong-Ping getestet worden sei. Die Antwort von Prof. Kriworukij steht bisher noch aus. Die Blog-Redaktion konnte diese Nachricht noch nicht unabhängig überprüfen.

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In den 90er Jahren hatte ich gerade erst in der Städtischen Kinderklinik als HNO-Ärztin zu arbeiten begonnen, da wurde mir schon die Leitung der Abteilung übertragen. Ich brannte für meine Arbeit, wollte viel machen, aber es fehlte ebenso an Geräten wie ausreichenden Fertigkeiten. Doch da erschien in dieser seltsamen Zeit erschien wie ein Engel vom Himmel Peter Steger, der Frieden in diese verrückte Welt bringen wollte. Auch mich ergriff dieses gute Wirken.

Anna Parfjonowa mit Peter und Dominik Steger

Man bot mir eine Hospitation in der Partnerstadt Erlangen an: im riesigen HNO-Krankenhaus. Die Klinik leitete der unvergessene Professor Malte Erik Wigand. Ein Geschenk des Schicksals war das. Ich sah die hochprofessionelle Qualitätsarbeit eines geschulten und erfahrenen Teams, das wie ein ganzer Mechanismus für das Wohl der Menschheit arbeitete. Man beherrschte dort buchstäblich alles: angefangen beim banalen ambulanten Eingriff, wie der Öffnung von Abszessen oder der Herstellung einer Kurzschlußverbindung des Trommelfells, bis hin zu ausgesprochen komplexen plastischen und rekonstruktiven Operationen und Cochlear Implantaten. Der OP-Bereich nahm pünktlich von 8.00 Uhr den Betrieb auf und schloß um 17.00 Uhr.

Anna Parfjonowa und Dominik Steger

Wie taktvoll und akkurat man sich doch auf meinen Wunsch einstellte, alles kennenzulernen, alles auszuprobieren! Ich lernte Operationen an der Nasenscheidewand durchzuführen und das OP-Mikroskop zu beherrschen. Wichtiger als all das war aber der Austausch mit hochgebildeten Ärzten und wundervollen Menschen. Peter Steger, Professor Malte Erik Wigand oder Oberschwester Rosa und das ganze HNO-Team wurden nicht nur meine Lehrer, sondern waren auch meine einfühlsamen und guten Helfer, die mich behutsam und unaufdringlich unterstützten.

Anna Parfjonowa und Dominik Steger

Nun ist schon viel Zeit seither vergangen, doch ich erinnere mich noch immer an ihre Worte, ihre Blicke und ihren Wunsch, mir zu helfen. Ich überzeugte mich ein weiteres Mal davon, daß im zwischenmenschlichen Austausch Grenzen, Nationalitäten und Sprachen keine Rolle spielen. Und dann war da noch jenes gewaltige Geschenk für unsere Stadt, ein Deckenmikroskop für den OP-Saal, das, wie ich hoffe, noch immer gute Dienste im heutigen Regionalen Kinderkrankenhaus leistet. Die Spende aus Erlangen hatte uns ein Wladimirer Fuhrunternehmen gebracht. Ich hoffe sehr, daß all dies half, unseren Kindern in Wladimir gesünder zu werden.

Anna Parfjonowa

Tatjana Zwetkowa, die damalige ärztliche Direktorin des Kinderkrankenhauses, mit Dominik und Peter Steger

Anm. d. Redaktion: Die Ärztin arbeitet heute in einer Wladimirer Privatklinik und behandelte Dominik Steger im Dezember 1997 wegen einer Mittelohrentzündung. Der kleine Patient hatte fortan bis heute nie mehr Probleme mit den Ohren.

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Nun also doch: Schon vor einiger Zeit hatten Angela Merkel und Wladimir Putin fernmündlich Möglichkeiten besprochen, wie man den russischen Impfstoff Sputnik V im Kampf gegen die Pandemie auch in Deutschland produzieren könnte; gestern nun dachte auch Gesundheitsminister Jens Spahn laut über diese Option nach, und die Zulassung des Vakzins dürfte angesichts des herrschenden Bedarfs wohl nur eine Frage der Zeit sein. Ob das der Grund für die Veröffentlichung eines längeren Artikels über den aus Gus-Chrustalnyj stammenden Nervenarzt Sergej Korsakow im Wladimirer Nachrichtenportal Prisyw war, wissen wir nicht, aber der Ausruf, den 1897 der an der Berliner Charité wirkende Universalgelehrte Pathologe, Rudolf Virchow, auf dem von Zar Alexander III eröffneten 12. Internationalen Medizinerkongreß im Bolschoj Theater zu Moskau tat, will gut ins Bild passen: „Lernt von den Russen!“

Sergej Korsakow

Sabine Schuchart hatte bereits 2018 im Deutschen Ärzteblatt unter dem Titel „Berühmte Entdecker von Krankheiten: Sergej S. Korsakow, Psychiater und Humanist“ von dem Russen aus dem Gouvernement Wladimir berichtet: https://is.gd/HWsRlW. Die Wissenschaftsredaktion des Blogs unter Leitung von Dementij Kopirowskij erlaubt sich, den Artikel aus dem Fachjournal mit Angaben aus dem Prisyw zu ergänzen, um eine Gesamtschau zu ermöglichen.

Sergej Korsakow

Obwohl der Arzt, am 3. Februar 1854 in dem heute nach Gus-Chrustalnyj eingemeindeten Kirchdorf Malzowskij als Sohn des Direktors eines Glaswerks geboren, wegen eines Herzfehlers nur 46 Jahre alt wurde, prägte der Mediziner, der zeitlebens unter Atemnot und einer erblich bedingten Fettleibigkeit litt, die moderne russische Psychiatrie. Sergej Korsakow erforschte in Moskau, wo er nach dem mit Auszeichnung bestandenen Abitur – seinem deutschen Privatlehrer verdankte er die Fremdsprachenkenntnisse – mit gerade einmal 16 Jahren das Studium aufgenommen hatte, ab 1875 am Preobraschenskij-Krankenhaus Alkohol-Psychosen, beschrieb die Paranoia und trat für einen fürsorglicheren Umgang mit psychisch Kranken ein.

Psychiatriekurs von Sergej Korsakow

An alkoholabhängigen Patienten beobachtete schon der junge Psychiater, der sich viel mit Sigmund Freuds Erkenntnissen beschäftigte, starke Gedächtnis- und Orientierungsstörungen und die Neigung zum Konfabulieren, sprich die Darstellung von Sachverhalten ohne bewußte Täuschungsabsicht, die verzerrt oder frei erfunden waren. Die Kranken schmückten Erlebtes mit zufälligen Einfällen aus, die ihnen kohärent erschienen und berichteten wortreich von Ereignissen, die nur in ihrer Phantasie existierten, aber zur geschilderten Situation paßten. Dabei waren sie von der Richtigkeit ihrer „Erinnerungen“ überzeugt und in dieser Gewißheit durch nichts zu erschüttern. In dem Symptomenkomplex erkannte Korsakow das pathologische Geschehen: gestörte Erinnerungs- und/oder Wahrnehmungsprozesse nach erworbenen Hirnschäden. Als Schüler von Alexej Koschewnikow, dem Begründer der russischen Neurologie, dokumentierte er dieses Phänomen mit Fällen langjährigen Alkoholmißbrauchs, konstatierte aber, dieses könnte auch durch Krankheiten wie Typhus ausgelöst werden.

Sergej Korsakow: führender russischer Psychiater, einer der Begründer der nosologischen Richtung in der Psychiatrie und der Moskauer Wissenschaftlichen Psychiatrieschule, Autor des klassischen „Psychatriekurses“ (1893), beschrieb die alkoholbedingte polyneuritische Psychose (Morbus Korsakowi) im Jahr 1897.

Aus dem Studenten der Moskauer Psychiatrieschule, immer vom Wunsch getrieben, anderen zu helfen, wurde selbst ein Lehrer und Meister. Sergej Korsakow gilt als Vater der russischen Krankheitslehre, leitete eine private Nervenheilanstalt und promovierte „Über Alkoholische Paralyse“. Ab 1888 war er Privatdozent und erhielt mit nur 33 Jahren den Ruf zum Chef der neu gegründeten Psychiatrieklinik der Universität Moskau, dem heutigen Setschen-Institut. In dieser Position konnte der Humanist nicht nur eine neue Klassifikation psychiatrischer Krankheiten auf Basis einer naturwissenschaftlichen Neuropathologie durchsetzen, sondern auch seine humanen Anliegen weiter befördern. Er engagierte sich gegen Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie – er ließ die Gitter vor den Fenstern und die Schlösser an den Türen entfernten, sorgte für ein heimeliges Umfeld, führte Feiern und Feste ein, veranstaltete Schachturniere und Theateraufführungen für die Kranken – und unterstützte bedürftige Studenten. Seit Beginn seiner Karriere stand der unermüdliche Forscher im Austausch mit Neurologen und Psychiatern in ganz Europa. Neben seiner Erstbeschreibung der Paranoia stießen vor allem seine Studien zu Gedächtnisstörungen auf reges Interesse, so Stanley Finger, Autor von „Origins of Neuroscience“. 1903 fanden sich in der Medizinliteratur mehr als 190 Fallbeschreibungen eines Korsakow-Syndroms; 38 hatte der praktizierende Gelehrte noch selbst beigesteuert, bevor er 1900 starb. Als revolutionär für seine Zeit darf gelten, daß Sergej Koraskow die Schizophrenie, die er „Dysnoesis“ nannte, und andere psychiatrische Erkrankungen nicht einer charakterlichen oder psychischen Störung zuschrieb, sondern als neurobiologische Störungen erkannte.

Denkmal vor seiner Klinik in Moskau: Professor Sergej Sergejewitsch Korsakow: Wissenschaftler, Denker, Psychiater, Humanist

Immer wieder wird berichtet, Sergej Korsakow habe keinen Unterschied zwischen einem Obdachlosen und einem Adligen gemacht. Für ihn galt nur, die Krankheit zu heilen. Ohne Medikamente, nur mit der Kraft der Überzeugung und dem Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten. Leider nicht immer mit Erfolg: Zar Alexander III konsultierte zwar den Arzt, aber auch dessen Kunst konnte den Tod des alkoholkranken Herrschers nicht verhindern. Obwohl ausgesprochen fromm, trennte der Mediziner stets klar zwischen Wissenschaft und Glauben. Vor der nach ihm benannten Moskauer Psychiatrie-Klinik erinnert ein Monument mit der Aufschrift „Für Sergej Sergejewitsch Korsakow – Wissenschaftler, Denker, Psychiater, Humanist“ an den großen russischen Mediziner. Und natürlich gibt es auch in Gus-Chrustalnyj eine Gedenkstätte für den berühmten Sohn der Stadt, der nach dem Urteil von Zeitgenossen das Umtriebige vom Vater und die Gutherzigkeit von der Mutter geerbt habe.

An diesem Ort stand das Haus, wo am 22. Januar 1854 (Julianischer Kalender, Anm. der Redaktion) Sergej Sergejewitsch Korsakow geboren wurde, ein großer russischer Gelehrter, Arzt und Psychiater

Fasziniert von den Ideen des Russen war, wie Sabine Schuchart ausführt, auch Alfred Döblin, der bis zu seiner Emigration aus Deutschland 1933 in Berlin als Arzt praktizierte und weltweit bekannt wurde durch seinen Roman „Berlin Alexanderplatz: Die Geschichte vom Franz Biberkopf“. Der Titel seiner Dissertation, mit der Alfred Döblin 1905 zum Doktor der Medizin promoviert wurde, lautet „Gedächtnisstörungen bei der Korsakoff՚schen Psychose“. Darin postulierte Döblin, der sich trotz seines Erfolgs als Schriftsteller zeitlebens mehr als Arzt fühlte, eine Geistesverwandtschaft zwischen Literatur und Psychose. Sowohl das Dichten des Schriftstellers als auch die Konfabulationen des Korsakow-Patienten seien „Verbindungsstörungen“: „Das wirklich Erlebte wird dislociert; Erträumtes, Erlesenes, Gedachtes, Halluciniertes wird vermengt, commutiert.“ – Schade nur, daß im Osten wie im Westen später jahrzehntelang ganz einseitig auf die medikamentöse Behandlung gesetzt wurde und der therapeutische Ansatz von Sergej Korsakow in Vergessenheit geriet.

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Am 9. Dezember erlebten die beiden Erasmus-Plus-Studentinnen, Daria Koslowa und Waleria Lodygina, ihre vorweihnachtliche Überraschung, und am Dienstag dieser Woche überreichte Pascal Aldoais nun auch Daria Schaschkowa und Oxana Stachowskaja, die am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde bzw. der Friedrich-Alexander-Universität eingeschrieben sind, ihre Tüten mit Plätzchen. Die Mission zur Rettung von Weihnachten https://is.gd/hHm737 ist damit für ihn in Sachen Wladimir #savechristmas2020 erfüllt, denn mehr Gäste aus der Partnerstadt halten sich aus bekannten Gründen derzeit nicht in Erlangen auf.

Daria Schaschkowa, Pascal Aldoais und Oxana Stachowskaja

Bei allen Beschwernissen, den das Ende des Präsenzstudiums gerade für Studenten aus dem Ausland mit sich bringt, klagt übrigens keine der vier jungen Frauen über die herrschenden Bedingungen und Beschränkungen. Auch auf peinlichste Nachfrage ist im Gegenteil nur Zufriedenheit zu vernehmen – mit den Studienbedingungen ebenso wie mit dem ganzen Lebensumfeld hier. Der Gastgeber hört dergleichen natürlich gerne, aber dennoch wäre dem Quartett ein Aufenthalt unter normalen Bedingungen zu wünschen, zumal wegen der Pandemie auch kein Heimaturlaub über die Feiertage in Frage kommt. Immerhin versprechen die Wladimirerinnen, sich zu melden, falls doch der eine oder andere Wunsch noch auftauchen sollte. Vielleicht noch eine Tüte selbstgebackener Plätzchen? Der Weihnachtsmann ließe da bestimmt mit sich reden, zumal Oxana Stachowskaja gleich ein Gegengeschenk zur Hand hatte, als hätte sie es geahnt…

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An der Online-Veranstaltung „Young Urban Diplomacy Forum“, veranstaltet vom 3. bis 5. November durch das Deutsch-Russische Forum, beteiligte sich seitens Erlangen Igor Biberman vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas. Hier seine Rückschau.

„Wären Sie als junger Mann das erste Mal nach Deutschland gekommen, hätten Sie jetzt ein anderes Bild von unserem Land.“ Diese einst an Michail Gorbatschow adressierte und hier sinngemäß wiedergegebene Aussage  stammt von Professor Wilfried Bergmann. Der stellvertretende Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums richtete seine nunmehr historischen Worte diesmal an das Plenum des „Young Urban Diplomacy“-Forums 2020 mit leicht veränderter Konnotation. Wie seine Mitrednerin, Jelena Druschinina, Sprecherin des Bildungsministerium der Russischen Föderation, betonte, findet gerade ein Generationenwechsel in den Städtepartnerschaften statt. Es liege nun am aktiven Nachwuchs, den Staffelstab aufzunehmen und die Arbeit fortzuführen, für die die Pioniergeneration der Zusammenarbeit die Weichen gestellt hat.

So brachte das bewährte Jugendforum im Jahrgang 2020 zwei Neuerungen mit sich. Zum einen richtete sich die Ausschreibung nicht nur an Mitglieder von zivilgesellschaftlichen Initiativen und Projekten, sondern erstmals vorranging an Mitarbeiter der kommunalen Verwaltungen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Zum anderen teilte die Konferenz das Schicksal vieler Veranstaltungen im Corona-Jahr. Ursprünglich für Ende Juni in Rostow am Don geplant, wurde die Durchführung zunächst verschoben und schließlich in den digitalen Raum verlagert. Wie Professor Bergmann zum Trost jedoch anzumerkte, sei diese Entwicklung ganz sinnbildlich für diesjährigen Themenschwerpunkte „Umwelt und Digitalisierung“ zu verstehen. Die Möglichkeit, auf den klimaschädigenden Flieger Richtung Südrußland zu verzichten, könne somit doch auch als Chance begriffen werden.

Zukunftsentwurf der Grünen Stadt 2025 einer Arbeitsgruppe

Und tatsächlich hat auch die unverhoffte Digitalisierung ihre Vorteile. So erhielten wir in Deutschland jeweils um 8.30 Uhr, pünktlich zum Morgenkaffee, Zugang zu den Fachvorträgen nach Hause geliefert. Der russische Gegenpart konnte den Wecker derweil etwas später stellen, denn die Veranstaltungen starteten für sie um 10.30 Uhr Moskauer Zeit. Am ersten Tag erhielt man eine Einführung in Geschichte und den Status quo der städtepartnerschaftlichen Zusammenarbeit. Insbesondere wurden die Auswirkungen internationaler Krisen, wie der Ukraine-Konflikt, auf kommunale Partnerschaften diskutiert. Trotz der jüngsten Herausforderungen wurde an dieser Stelle der übergreifende Wunsch deutlich, die produktive Zusammenarbeit auf Mikroebene ungeachtet der außenpolitischen Spannungen auf keinen Fall einschlafen zu lassen.

Den zweiten Veranstaltungstag eröffnete der Kölner Oberbürgermeister a.D., Jürgen Roters, mit einem Impulsvortrag zum aktuellen Umwelt- und Klimaschutzprogramm der Rheinmetropole. In einer anschließenden Expertensitzung gab es Informationen zum Digitalisierungskonzept der kommunalen Dienstleistungsinfrastruktur im Bereich Bürgerbeteiligung der Stadt Moskau.

Nikolaj Schtschelkonogow im Gespräch mit Moritz Florin, Igor Biberman und Olga Malinowa-Tsiafeta im November 2019

Am letzten Veranstaltungstag gingen wir mit unseren Partnerstädten in die Spin-off Sessions. Das Ziel war nichts Minderes als die Erarbeitung eines realitätsnahen Zukunftskonzepts für die eigenen Kommunen. Das akribisch vorbereitete Organisatonsteam stellte eine Reihe von digitalen Werkzeugen vor, die das gemeinsame Brainstorming erleichtern sollten.  In mehreren Diskussionsrunden wurden Erfahrungen der eigenen Stadt mit verschiedenen Problemstellungen und Lösungsansätzen geteilt und diskutiert. Neben den eingangs definierten Kernthemen standen insbesondere auch mit der Pandemie verbundene soziale Notlagen und kommunale Hilfsangebote im Mittelpunkt.

Am Ende kann eine Bilanz gezogen werden: Als zentrale Problemstellung ihrer Kommunen definierte man transnational den Handlungsbedarf beim Ausbau des ÖPNV sowie einer nachhaltigeren Mobilität, bei der Schaffung von (grünen) Freiräumen sowie der konsequenten Nutzung von Lehrständen und Brachflächen zur Eindämmung von Wohnraumknappheit, aber auch den Ausbau von digitaler Infrastruktur zur Förderung von Bürgerbeteiligung.  Da die Vielfalt an unterschiedlichen Erfahrungen die meisten im Forum überraschte, wurde mehrfach der Wunsch nach der Einführung von Austauschplattformen für aktuelle kommunale Herausforderungen zwischen den Partnerstädten geäußert.

Am Ende gebührt besonderer Dank den Orgateam der Russischen Technischen Universität und dem Deutsch-Russischen Forum, die ungeachtet der räumlichen Distanz und des für viele noch ungewohnten Zoom-Formats stehts für eine produktive und warme Arbeitsatmosphäre sorgten. Nicht zu vergessen sind auch die Frauen und Männer, die über die gesamte Veranstaltung hinweg eine beidseitige Simultanübersetzung bereitgestellt haben.  

Igor Biberman

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