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Archive for the ‘Wissenschaft’ Category


„So etwas hatten wir noch nie“, meinte Oberbürgermeister Florian Janik beim gestrigen Empfang im Rathaus für die vier Studentinnen aus Wladimir. „Ansonsten kommen die Gäste aus der russischen Partnerstadt im Wochentakt, und jetzt sind Sie seit Monaten die ersten Gäste, die ich empfangen kann.“ Aber auch selbst brennt das Erlanger Stadtoberhaupt darauf, endlich wieder nach Wladimir reisen zu können, wo er zuletzt vor gut fünf Jahren zum 65. Jahrestag des Kriegsendes war und jetzt am 9. Mai wieder hätte auf dem Platz des Sieges hätte sprechen sollen: „Sobald es geht, komme ich wieder!“ Wann es wieder geht, vermag freilich derzeit niemand zu sagen. Nicht einmal die Frage der Studentinnen, wann denn wohl endlich wieder Präsenzunterricht an der Friedrich-Alexander-Universität stattfinde, läßt sich klar beantworten. Aber Partnerschaft und Studium gehen natürlich weiter.

Florian Janik mit Wiktoria Fadejewa, Oxana Stachowskaja, Polina Foliforowa und Jekaterina Ragusina

Wiktoria Fadejewa aus Alexandrow in der Region Wladimir, studiert bereits seit dem Wintersemester 2018 in Nürnberg Bauingenieurswesen, Oxana Stachowskaja, erst dieser Tage aus Köthen eingetroffen, wo sie ihr im Erlangen-Haus erlerntes Deutsch auf Hochschulniveau brachte, will Grundschullehrerin werden, während Polina Foliforowa und Jekaterina Ragusina, der Leserschaft des Blogs ja bereits durch ihre pfiffigen Videos bekannt, via Erasmus + nur noch bis zum Herbst in Erlangen bleiben, um dann in Wladimir ihr Lehramtsstudium abzuschließen. Ob bis dahin auch der Austausch zwischen den Partnerstädten in Gang kommen wird? Da zögert auch Florian Janik mit einem Ja. Immerhin geht für die vier jungen Frauen das Studium weiter und damit das Leben in Vorbereitung auf die Zeiten nach Corona.

Immerhin, ab dem 15. Juli wollen die russischen Fluglinien wieder den Betrieb mit bestimmten Ländern aufnehmen. Deutschland wird da wohl noch nicht dabei sein, weil die EU u.a. zu den USA und der Russischen Förderation die Grenzen noch geschlossen halten. Dennoch, ein erster Lichtblick: https://is.gd/d6HCDS

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Ein Jahr nach seinem letzten Besuch in Erlangen https://is.gd/Eky8I7 veröffentlich nun Wiktor Baraschkow in der russischen Fachzeitschrift für Religionswissenschaften seinen Artikel über moderne Sakralkunst in Deutschland. Dem Text ist eine kurze Zusammenfassung auf Englisch vorangestellt.

Wiktor Baraschkow bei seinem ersten Besuch in Erlangen 2018

Ein weiteres schönes Zeugnis für die vielfältige akademische Zusammenarbeit der Partnerstädte:

Барашков В.В._Религиоведение_2020_2_109-120

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Von einem veritablen Streit ist heute zu berichten, ausgebrochen vor dem Hintergrund eines Grundsatztextes des russischen Präsidenten zur Rolle der UdSSR im Zweiten Weltkrieg, unaufgefordert von der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin als Studienmaterial an Lehrstühle für Geschichtswissenschaften versandt. Dort aber, an den Universitäten, springt sofort die Sprinkleranlage an, sobald auch nur der Hauch einer Einmischung in das hohe Gut der Freiheit von Forschung und Lehre ruchbar wird. Als erste schlug Prof. Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, per Twitter Alarm, dem sich weitere kritische Stimmen aus ihrem Fachbereich anschlossen, nachzulesen in diesem Artikel der Deutschen Welle vom 23. Juni: https://is.gd/QGMRoi

Ansor Saralidse, Rektor der Staatlichen Universität Wladimir, und Julia Obertreis im November 2018

Der Artikel Wladimir Putins fand auch jenseits der Wissenschaft in vielen weiteren deutschen Medien seinen Niederschlag, beispielgebend sei hier der Beitrag der Tagesschau vom 24. Juni genannt, in dessen Mittelpunkt die Siegesparade auf dem Roten Platz zum 75. Jahrestag des Kriegsendes steht: https://is.gd/RFYwin

In welchen Jahren Paraden zu Ehren des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg stattfanden

Eine weitere Einordnung des Artikels nimmt die Deutsche Welle hier vor: https://is.gd/D7YRNg, und der Autor Wiktor Jerofejew kommentiert die Angelegenheit in einem anregenden Aufsatz, zu finden unter: https://is.gd/D7YRNg. Schließlich sei noch das „Corpus delicti“ nachgeliefert, der Artikel des russischen Präsidenten, erschienen im amerikanischen Fachjournal „National Interest“ auf Englisch und hier auf Deutsch bei Sputnik: https://is.gd/kHIeva – Nun bilden Sie sich selbst Ihre Meinung zum Streit.

 

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Man meint ja, viel zu wissen über die historisch gewachsenen Verbindungen zwischen Deutschen und Russen – von Katharina der Großen und ihrer Einladung an Bauern und Handwerker aus ihrer Heimat, das Land an der mittleren und unteren Wolga urbar zu machen, oder von all den Gelehrten und Dichtern wie Michail Lomonossow oder Boris Pasternak, die an deutschen Universitäten studierten, von der lyrischen Freundschaft zwischen Marina Zwetajewa und Rainer Maria Rilke, um nur die prominentesten Bereiche zu nennen -, auch die bayerisch-russischen Kontakte mit dem Poeten Fjodor Tschjutschew bei der Gesandtschaft in München, wo er u.a. Heinrich Heine kennenlernte, gehören fast schon zum Gemeingut. Aber als Desiderat galt lange Zeit die Erforschung der fränkisch-russischen Beziehungen, bis vor zwölf Jahren Jochen Haeusler zu dem Thema beim Russischen Symposium am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde sprach.

Was dieser Vortrag alles ans Tageslicht brachte ist ebenso staunens- wie lesenswert, nimmt er uns doch mit ins Jahr 1438, als der Moskauer Metropolit Isidor auf der Durchreise zum Konzil in Ferrara-Florenz durch Forchheim und Nürnberg kommt, oder erinnert an den Graphit aus Sibirien für die mittelfränkische Bleistiftindustrie und die Rolle der Firmen Schuckert und Siemens, die des Zaren Schiffe und Theater erleuchteten oder die Krankenhäuser von Kaliningrad bis Kamtschatka mit Medizintechnik ausrüsten. Eine wahrlich verdienstvolle Arbeit, die Ihnen die Wissenschaftsredaktion des Blogs heute mit der Empfehlung vorstellt, die pdf-Datei wegen ihres Umfangs auszudrucken und in aller Ruhe zu lesen.

Jochen Haeusler Franken und Russen

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Wie das so ist, wenn man an der Friedrich-Alexander-Universität studiert, ohne je in einem Vorlesungssaal gesessen, ohne je in der Mensa gegessen, ohne je die Zeit in der Bibliothek vergessen zu haben, all das und noch so einiges mehr schildern wieder ebenso witzig wie informativ die beiden Studentinnen aus Wladimir, Jekaterina Ragusina und Polina Foliforowa, in ihrer neuesten Videobotschaft in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln:

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Heute nehmen uns Jekaterina Ragusina und Polina Foliforowa im Auftrag von TV Мы auf einen Ausflug nach Würzburg mit. Nach Regensburg und Rothenburg o.d.T. ist das nun schon die dritte Stadt Bayerns, die wir mit den Augen der beiden Gaststudentinnen aus Wladimir sehen. Und – Sie ahnen es – das wird nicht die letzte Reportage gewesen sein. Die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Partnerschaftssenders bieten Ihnen, dem geneigten Publikum, sogar an, sie in eine Stadt Ihrer Wahl zu schicken. Sie können Ihr Lieblingsziel entweder hier im Kommentar des Blogs hinterlassen oder auch direkt via youtube angeben. Aber sehen Sie erst einmal selbst, wie Würzburg auf Russisch mit deutschen Untertiteln aussieht:

Übrigens: Gleich nach Ausstrahlung des Videos aus Rothenburg meldete sich ein treuer Blog-Leser aus Ettlingen, verpartnert mit Gatschina, mit einer Einladung nach Karlsruhe. Da kommt schon Vorfreude auf!

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Es soll ja in Erlangen noch immer den einen oder anderen geben, der noch nie in Rothenburg war. All denen haben die unternehmungslustigen Studentinnen aus Wladimir, Polina Foliforowa und Jekaterina Ragusina, etwas voraus. Sie setzen sich – mir nichts, dir nichts – am letzten Wochenende in die vielen leeren Züge und genossen einen Tag im fränkischen Susdal – ohne das sonst dort übliche Geschiebe und Gedränge von Touristenmassen.

Polina Foliforowa und Jekaterina Ragusina

Und, jetzt kommt’s, die beiden drehten ihr mittlerweile zweites Video für TV Мы – frisch, fröhlich und erstmals mit deutschen Untertiteln. Also anklicken und ab nach Rothenburg. Gute Reise!

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Die Internetplattform Pro Wladimir veröffentlichte dieser Tage den Bericht einer Arina genannten Ärztin, die mit ihrer Familie eine Corona-Infektion überlebte. Ihre Krankengeschichte erschien der Blog-Redaktion lesenswert genug, um sie zu übersetzen und stellvertretend für viele COVID-19-Patienten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen:

Ungeachtet der steigenden Corona-Infektionen kennt fast jeder in Wladimir jemanden, den man als COVID-19-Dissidenten bezeichnen könnte, der davon fabuliert, es handle sich um Fehldiagnosen, weshalb gar keine Gefahr bestehe. Anderen flößen die offiziellen Verlautbarungen und Mitteilungen in den Medien panischen Schrecken ein, der dazu zwingt, in Abgeschlossenheit zu leben und nur ganz selten Freigang zu nehmen, um Graupen, Klopapier und Schutzmasken zu kaufen. Tatsache ist freilich, daß weder die einen noch die anderen gegen den Virus gefeit sind. Letztendlich ist das niemand.

Arina ist Ärztin an einem städtischen Krankenhaus. Ihr und ihren Angehörigen stellte man die Diagnose „COVID-Lungenentzündung“, was für mehrere Wochen spürbare Veränderungen im Familienleben mit sich brachte. Jetzt, wo sie die Krankheit bereits überwunden hat, berichtete Arina dem Internetportal Pro Wladimir von den Symptomen und Ängsten in Zusammenhang mit der Corona-Infektion sowie von der Reaktion des Freundeskreises auf die Diagnose und von dem Geld, das für die Behandlung aufzuwenden war.

Ob ich darüber nachgedacht habe, daß diese Krankheit auch mich und meine Angehörigen treffen könnte? Meine Antwort lautet: Ja! Ich bemühte mich deshalb, so gut wie möglich Vorsorge zu treffen, mich und die Familienmitglieder und natürlich die Eltern zu schützen.

Am 26 April erkrankte ich, am 28 April erkrankte mein Mann, und am 30. April erkrankten meine Eltern. Ein wenig später steckten sich die Kinder an, eins nach dem andern – mit Fieber bis zu 38 Grad, wobei sie aktiv blieben. Die ältere Tochter klagte über unerträgliche Kopfschmerzen, die dann wieder spurlos vergingen.

Unser verhängnisvoller Fehler bestand darin, daß wir uns mit den Eltern trafen. Wir sehnten uns einfach in der Selbstisolation nacheinander. Und mit Blick auf unser aller „Gesundheit“ verbrachten wir am 24. April einen Tag gemeinsam auf der Datscha. Auf dem Weg machten wir noch Besorgungen im Einkaufszentrum, unserem möglichen Ansteckungsort.

Mir war klar, daß man sich die Infektion ohne weiteres im öffentlichen Raum holen konnte, weshalb wir stets die Mittel für den individuellen Schutz mit uns führten. Auf der Arbeit, beim Einkaufen oder Tanken, wo auch immer. In Geschäfte ging ich ausgesprochen selten, diese Seite deckte vorübergehend mein Mann ab. Übrigens erkrankte niemand auf der Arbeit nach dem Kontakt mit ihm und mir, was bedeuten kann, daß die Inkubationszeit recht kurz sein könnte, vielleicht nur ein paar Tage.

Wir werden nicht oft krank. Ich dachte zunächst, es sei eine Erkältung, eingefangen auf der Datscha. Der Wind hatte kräftig geweht, und ich hatte mit kaltem Wasser gearbeitet. Erst als ich am zweiten Tag den Geruchssinn verlor, ohne daß die Nase verstopft gewesen wäre, wurde ich unruhig.

Begonnen hatte alles in der Nacht von Sonntag auf Montag. Der Kopf tat furchtbar weh, ich bekam 38,6 Grad Fieber. Dank Paracetamol gelang es rasch, die Temperatur wieder auf 37,8 Grad zu senken, und die ersten drei Tage fühlte ich mich damit auch recht munter. Als aber am Abend des 28. Aprils mein Mann 39.2 Grad Fieber bekam, das zwei Tage lang nicht sinken wollte, bestand für mich kein Zweifel mehr daran, daß der Virus unsere Familie befallen hatte.

Am ersten Tag hatte ich noch mein Geschmacksempfinden, doch am nächsten Tag war es schon vollkommen weg. Es ist natürlich verwirrend, nichts mehr zu schmecken und zu riechen. Doch dieser Virus zeichnet sich dadurch aus, daß die Schwäche so übermächtig ist, daß man den Verlust dieses Sinns während der akuten Phase gar nicht als störend empfindet. Am Donnerstagmorgen schaffte ich es nicht mehr, aus dem Bett zu kommen: Schwäche, unerträgliche Gelenk- und Muskelschmerzen, als wäre man durchgeprügelt worden. Ich spürte jeden Teil meines Körpers. Überdies überkam mich eine Empfindung, als hätte man mich verbrüht, jede Berührung der Haut auf dem Rücken und Bauch war ausgesprochen unangenehm. Sich anziehen, bequem sitzen oder liegen, sich im Bett umdrehen, all das verursachte Unbehagen.

Dann trat das Gefühl einer Last auf der Brust ein. Beim Einatmen fragt man sich schon, ob es überhaupt gelinge, Luft zu holen. Der Schmerz in der Brust läßt einen verkrampfen, Panikattacken sind die Folge. Man begreift, daß flache Atmung erlaubt, bei Bewußtsein zu bleiben, während der Versuch, tief Luft zu holen, nur die Beunruhigung verstärkt.

Es gibt keine spezifische Therapie, und uns wurde klar, daß in den ersten Tagen viel trinken und die Einnahme von fiebersenkenden Mitteln und Vitaminen eine raschere Gesundung fördern. Dabei ist es übrigens so, daß man gar nicht besonders trinken und essen möchte, man will nur die ganze Zeit schlafen. Man muß sich also dazu zwingen, und das ist ganz wichtig!

Vom ersten Tag an meldete ich mich krank und ließ eine Ärztin aus einer Privatklinik kommen. Angesichts der Beschwerden des ersten Tags der Erkrankung, der Arbeit draußen und mit kaltem Wasser gab es mehr Anlaß für eine Diagnose der Art viraler Atemwegserkrankung. Als dann aber die Ärztin am Freitag nochmals kam und alle Ergebnisse zusammenführte, ordnete sie ein CT der Lunge an. Dieses führte dann zu der Diagnose: „CT-Bild einer zweiseitigen viralen Lungenentzündung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit COVID-19“…

Die CT machte man meinem Mann und mir am fünften Tag, weil man davon ausgeht, daß es vorher zu einem pathologischen Prozeß in der Lunge kommt. Nun stellte sich heraus, daß die Lunge meines Mannes zu 15%, meine eigene zu 13% infiziert war. Die Ärztin verschrieb uns darauf sofort eine stärkere Therapie.

Wegen der eher geringfügigen Infizierung der Lunge und eines hohen Sauerstoffsättigungswerts ließen wir uns zu Hause behandeln. Wir haben eine Pulsoxymeter zu Hause und konnten den Sauerstoffgehalt im Blut selbst messen. Das beruhigte uns ein wenig. Dank der neuen Therapie hielt sich bei meinem Mann das Fieber bei 38,2 Grad. Nach einigen Tagen machte er nochmals eine CT. Es zeigte sich eine negative Dynamik, und der Umfang der Infektion seiner Lunge lag bereits bei 38%, während die Sauerstoffsättigung abfiel. Mit all diesen Fakten konfrontiert und eingedenk des wahrscheinlichen Risikos einer bedeutenden und sogar rasch erfolgenden Verschlechterung des Zustands, riefen wir den Notdienst. Übrigens brauchte der Rettungswagen schon damals dreizehn Stunden, bis er bei uns eintraf. Mein Mann wurde auf die Corona-Station des Regionalkrankenhauses eingeliefert.

Meine Eltern sind über 65 Jahre alt und gehören zur Risikogruppe. Am fünften Tag nach den ersten Symptomen ließen sie auch eine CT machen. Papas Lunge war sauber, während die meiner Mutter gleich zu mehr als 40% infiziert war. Dabei hatte mein Vater die ersten fünf Tage mit hohem Fieber und großer Schwäche zu kämpfen, während sich Mama bei 37,4 Grad wohl fühlte. Allerdings begann auch sie am vierten Tag zu fiebern; Paracetamol half da bereits nicht mehr. Man brachte sie mit einem Rettungsfahrzeug ins Regionalkrankenhaus.

Heute sehen die Standards für eine CT-Untersuchung ein wenig anders aus, wenn man eine COVID-19-Infektion vermutet. Fühlt sich der Patient einigermaßen gut, liegt die Temperatur unter 38 Grad und zeigen die Blutwerte eine hohe Sauerstoffsättigung, ist es besser, die CT nicht wesentlich vor dem neunten Tag zu machen. Eile mit Weile, weil man sonst eine ungenaue Information erhält, ohne Anzeigen für eine Lungenentzündung. Oder sie werden sich erst noch zeigen, was dann als leichter Verlauf und als Kriterium gewertet, um eine häusliche Therapie zu verordnen. Ein Beispiel dafür ist just mein Mann.

Die Corona-Station im Regionalkrankenhaus wurde am 5. Mai eröffnet. Fünf Tage später war die Klinik schon bis aufs letzte Bett voll, zu sehen an dem Bild, das mein Mann aus seinem Zimmer über der Aufnahme machte.

Was das Krankenhaus anlangt, so ergab sich der Eindruck, die Ärzte seien am Anfang recht durcheinander gewesen. Neue Arbeitsbedingungen, jede Menge Patienten, die Einweisungen erfolgten chaotisch. Der Gerechtigkeit halber ist zu sagen, daß sich die Mediziner rasch gefangen hatten. Allerdings ist es um das Essen im Regionalkrankenhaus natürlich nicht zum besten bestellt. Man wird dort spärlich versorgt: Frühstück um zehn, Mittagessen um eins, Abendessen um fünf Uhr. Eine vollwertige Ernährung für Patienten mit einer Erkrankung wie Lungenentzündung ist ein wichtiger Beitrag zur Genesung. Lebensmittel ins Krankenhaus darf man nicht bringen, und das macht Hoffnung darauf, daß die Frage derzeit einigermaßen gelöst ist, aber…

Während des Krankenhausaufenthalts testete man meinen Mann zwei Mal auf Corona, weil zwei negative Befunde als Entlassungsgrund gelten. Gewöhnlich fällt der Test positiv bei einem Infizierten ohne Symptome aus, wenn er die ersten Tage hohes Fieber hatte, das bis zu zehn Tage dauern kann. Danach ist er dann in der Regel schon negativ. Wir hatten also die Diagnose COVID-19-Lungenentzündung mit einem unbestätigten Laborergebnis.

Übrigens kam niemand von der Aufsichtsbehörde, um uns zu testen, weder mich, noch meinen Vater, noch mögliche Kontaktpersonen unter meinen Verwandten. So viel zur Statistik. Und noch eine Bemerkung: Ein positiver Test während der Krankheit verhilft zu keiner Zaubertablette, um auf einen Schlag wieder gesund zu werden. Die Einhaltung der Selbstisolation hängt vielmehr von der Gewissenhaftigkeit jedes einzelnen ab. Als wir begriffen, daß es sich um COVID-19 handelte, begaben wir uns umgehend in die Selbstisolation. Aus der Wohnung kamen wir nur zur CT – mit dem eigenen Auto, überwiesen von unserer Ärztin und nach Anmeldung unseres Besuchs beim Klinikpersonal.

Es gibt da noch so eine Besonderheit: In Familien verläuft die Krankheit viel heftiger, was wahrscheinlich mit der Konzentration des Virus zusammenhängt. Daraus erklärt sich auch der schwerere Verlauf der Krankheit im Fall von medizinischem Personal.

Die Diagnose und Therapie von COVID-19 ist kein billiges Vergnügen. Allein die CT-Untersuchung ist mit 3.500 Rubel pro Person zu veranschlagen. Und wenn es dann gleich um  eine ganze Familie geht… Aber wer wollte da knausern. Wenn es Anzeichen für eine Infektion gibt, ist das im wesentlichen die einzige Methode, eine Lungenentzündung zu diagnostizieren. Allein für mich fielen da für die CT und Medikamente etwa 10.000 Rubel an. Eine CT-Kontrollaufnahme der Lunge macht man dann einen bis spätestens drei Monate später, und das sind dann wieder Kosten. Wir hatten bisher die Möglichkeit die Untersuchungen machen zu lassen und die Medikamente zu kaufen. Wer sich das nicht leisten kann, hat als gute Alternative, sich an seine Poliklinik zu wenden, um dort entsprechend der Quote eine CT zu machen und sich stationär mit genau den gleichen Medikamenten behandeln zu lassen.

Wir haben einen Pulsoxymeter, was beruhigend ist. Auch als es mir so richtig schlecht ging, konnte ich immer die Sauerstoffsättigung im Blut messen und mich vergewissern, daß es noch nicht gar so schlimm um mich stand. Ein gewöhnliches Modell dieses Geräts kostet übrigens bis zu 1.000 Rubel, allerdings sind die Preise in letzter Zeit nach oben geschossen. Wenn man überhaupt noch fündig wird. Allerdings ist fraglich, ob man das Gerät tatsächlich im Alltagsleben in jedem Haushalt benötigt. Wohl eher wird es wie das Bluthochdruckgerät nur herumliegen, da wir es bisher kaum nutzen.

Im Bekanntenkreis waren wir die ersten, die erkrankten. Unsere Freunde standen unterschiedlich zur Verbreitung des Virus. Die einen nahmen die Sache, so wie wir selbst, sehr ernst, begriffen, daß es sich da um kein Hirngespinst handele, sondern man sich und seine Eltern schützen müsse. Die anderen meinten, sie hätten die Selbstisolation satt. Und dann gab es noch jene, die meinten: „Was soll’s, das ist doch alles Unsinn, wir gehen weiter aus und treffen uns mit andern.“ Als wir denen dann sagten, daß wir infiziert seien und vom Rettungswagen abgeholt wurden, kam ein langes Schweigen als Antwort… Erst dann stimmten sie allmählich zu, daß das alles kein Spaß sei. Und jenen, die überhaupt nicht an den Virus glauben wollten, boten wir herausfordernd an, uns doch zu Hause zu besuchen, wir würden sie gern am gedeckten Tisch bewirten.

Aber das sind alles lyrische Abschweifungen. Unsere Freunde erwiesen sich als die aufmerksamsten Menschen: tägliche Kontaktaufnahme, Lebensmittel, Hygieneartikel und Spielsachen für die Kinder an der Tür. So sieht wahre Freundschaft aus!

Optimistisch stimmt zu begreifen, daß wir all das überlebt haben. Nicht so ohne weiteres, aber wir haben überlebt. Meine Lieben sind alle wieder zu Hause, und COVID-19 kann uns keine Furcht mehr machen!

Das unangenehmste Phänomen dieser Krankheit ist das Gefühl des Erschlagenseins. Noch nie zuvor war ich derartig krank. Man kann schlicht und ergreifend nicht aufstehen, man kommt nicht aus dem Bett, man liegt und will rein gar nichts machen: Apathie, Asthenie. Man denkt nur, wie die Tage schneller vergehen könnten, wie das alles schneller vorbei sein könnte. Manchmal kam bei Einschlafen ein Schrecken, der mir die Tränen in die Augen trieb: Was, wenn du nicht mehr aufwachst? Und das, obwohl man weiß, daß alles gar nicht so schlimm ist, daß alles seinen vorgesehenen Gang geht. Pathogenetisch ist das Auftreten von Panikattacken bei dieser Erkrankung noch nicht bewiesen, aber die Absenz des Geruchssinns und eine besondere Empfindsamkeit der Haut deuten auf ein Eindringen des Virus in das zentrale Nervensystem. Und bisweilen verschlimmern auch die Medien die Situation.

Allerdings ist anzumerken, daß die Erkrankung verhältnismäßig selten so verläuft, wie es bei uns der Fall war. Die meisten Menschen erleben COVID-19 als typische virale Atemwegserkrankung. Meine Krankengeschichte erzähle ich, damit niemand sich fürchte, damit alle wissen, daß ein derartiger Verlauf möglich ist. Und wenn man einigermaßen gesund ist, vergeht alles wie ein Alptraum, sofern man sich an die ärztlich verordnete Ruhe, Ernährung und sonstige Verhaltensmaßnahmen hält. Keinesfalls sollte man sich selbst verarzten.

Meine Krankenakte wurde schon fast einen Monat nach den ersten Symptomen geschlossen. Übrigens dauerte es genauso lange, bis mein Geruchssinn zurückkehrte. Allerdings fühle ich mich noch immer nicht endgültig gesund. Geblieben sind eine gewisse Schwäche und der Wunsch, tagsüber ein Nickerchen zu machen. Der klassische Verlauf einer Lungenentzündung, ganz gleich welcher Art, ist immer von einer ausgeprägten Asthenie während der Genesung begleitet. Die Kräfte kommen nicht sofort zurück. Doch die Familie, die Kinder, die Arbeit sorgen für eine rasche Rückkehr in die gegebene Realität.

Die Einführung der Selbstisolierung war notwendig, um den Krankenhäusern Luft zu verschaffen, die Bauarbeiten auszuführen, die Technik und Medikamente zu kaufen. Und die Ärzte brauchten Zeit, um sich zu COVID-19-Fachleuten umschulen zu lassen und, wie es sich für sie gehört, Menschenleben zu retten. Ich möchte all den furchtlosen Ärzten aller Fachrichtungen ein riesiges Danke sagen, den Internisten, den Ophthalmologen, den HNO-Ärzten, den Chirurgen, den Neurologen und allen übrigen, den Krankenschwestern, den Schwesternhelferinnen, die, gleich unter welchen Umständen, vornean stehen und dabei ihre eigene wie die Gesundheit ihrer Angehörigen riskieren. Passen Sie auf sich auf, bleiben Sie gesund!

P.S.: Zufall oder Fügung – gestern gab es gleich zwei Rücktritte auf Grund von Versäumnissen und Vorwürfen im Zusammenhang mit der Pandemie. Sowohl der Leiter des Gesundheitsamtes der Region als auch der medizinische Direktor des Regionalkrankenhauses Wladimir stellten ihren Posten zur Verfügung.

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Ja, wer hätte das gedacht! Trotz Pandemie und Reisewarnungen, trotz Rückholaktionen und Quarantänebestimmungen sind zwei Studentinnen aus Wladimir seit Anfang März in Erlangen und bleiben noch bis Ende des Semesters, also bis Anfang August. Sie vermissen natürlich den üblichen Lehrbetrieb, den ungezwungenen Umgang mit Kommilitonen aus aller Welt, doch andererseits erleben sie nun dank dem Programm „Erasmus +“ die Partnerstadt auf eine ganz außergewöhnliche und sicher einmalige Art und Weise.

Jekaterina Ragusina und Polina Foliforowa

So jung die beiden angehenden Germanistinnen sind – 22 Jahre -, so viel an Erfahrung bringen sie schon mit: Teilnahme am Projekt Mix-Tour in Jena oder an den Deutsch-Russischen Jugendforen in Hamburg und München sowie ehrenamtliche Mitarbeit im Euro-Klub Wladimir. Nun suchen die Gäste auch in Erlangen einen Praktikumsplatz, der es ihnen ermöglicht, mehr Einblick in Arbeit und Leben der Menschen in Erlangen zu erhalten.

Amil Scharifow, Polina Foriforowa und Jekaterina Ragusina

Da bietet sich schon einmal an, nicht nur TV Мы ein erstes Interview zu geben, sondern selbst zu Handy und Notizblock zu greifen und kleine Reportagen für die Daheimgebliebenen zu drehen. Wie sich das anläßt, ist hier im Gespräch auf der Parkbank in Erlangen

und da auf der Reise nach Regensburg zu sehen:

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Noch wächst sie langsam in Rußland, die Zahl der positiv auf Corona getesteten Personen. Stand heute 6.00 Uhr zählt man gerade erst 63, von denen drei schon wieder genesen sind, aber Oberstadtdirektor Andrej Schochin handelt sicher vom Standpunkt der Epidemiologen richtig, wenn er per Verfügung ähnlich verfährt wie die Region Moskau und einige andere Gouvernements und erste Schritte unternimmt, um das öffentliche Leben einzuschränken.

Ikonenmaler Andrej Rubljow mit Mundschutz auf dem Kathedralenplatz von Wladimir, montiert von Zebra-TV

Zu den ersten prophylaktischen Maßnahmen gehört, daß ab heute die Warnstufe „erhöhte Alarmbereitschaft“ für die Partnerstadt – wenngleich noch nicht für die Region – ausgerufen wurde. Dazu gehört die Möglichkeit für Eltern, ihre Kinder ab sofort nicht mehr in die Schule, Betreuungseinrichtungen oder Sportstätten zu schicken. Wie sich das entwickelt, wird man sehen. Vielleicht wäre es doch besser, diese schwierige Entscheidung nicht den Eltern zu überlassen. Aber es ist ja auch nur ein erster Schritt in einer Stadt und Region wo bisher kein einziger Infektionsfall gemeldet wird. Jedenfalls hat das Schulamt bereits die Anweisung, alle Möglichkeiten zu schaffen, um auf Fernunterricht umzuschalten.

Darüber hinaus verfügt Wladimirs City-Manager alle Arbeitgeber, niemanden an den Arbeitsplatz zu lassen, der unter Quarantäne steht. Die Betriebe und Firmen sind überdies verpflichtet, die Behörden über Kontaktpersonen zu unterrichten, mit denen eine infizierte Person zusammentraf. Und: Wer zur Arbeit geht, muß dort täglich Fieber messen. Wer erhöhte Temperatur hat, ist verpflichtet, sich sofort nach Hause und dort in eine zweiwöchige Quarantäne zu begeben.

Als nächster Schritt sind Einschränkungen bei den Massenveranstaltungen geplant. Wladimir tut gut daran, hat man doch noch einen entscheidenden zeitlichen Vorsprung bei all den Maßnahmen. Es möge gelingen! Wladimir bleibe gesund!

P.S.: Ab sofort stellt auch die Staatliche Universität Wladimir, einer Empfehlung des Bildungsministeriums folgend, den Lehrbetrieb um auf Fernstudium.

P.P.S.: Soeben, um 10.30 Uhr, wird gemeldet, 136 Personen befänden sich in der Region Wladimir in Quarantäne. Am Freitag waren es noch 80 Verdachtsfälle. Hinzugekommen sind ja nun wohl auch die fünf Austauschstudentinnen, die gestern zurückkehrten.

Aktualisierung um 14.00 Uhr: Die russischen Behörden zählen nun bereits 93 positiv auf den Corona-Virus getestete Personen, 30 mehr als noch heute morgen…

 

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