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Archive for the ‘Wissenschaft’ Category


Wenn sich zwei Berufskollegen treffen, dann redet man nicht selten über den gemeinsamen Beruf. Und wenn sich zwei Ärzte aus Wladimir und Erlangen treffen, dann tauscht man sich erst recht über berufliche Themen aus. So war es auch als Anfang des Monats der Augenarzt Kirill Solotorewskij zu einem zweiwöchigen Austauschbesuch aus der Partnerstadt nach Erlangen kam und sich mit Stadtrat Jürgen Zeus traf. Der Gast, der in der Augenklinik der FAU hospitierte, pendelt als Augenspezialist zwischen Moskau und Wladimir. In Moskau arbeitet er in einer Hornhautbank, und in Wladimir ist er in einer privaten Augenklinik tätig.

Wenn man die Gelegenheit hat, sich mit einem Ophthalmologen ohne Termindruck zu unterhalten, kann man auch über die Vor- und Nachteile der Brille reden. Es gibt sicherlich einige Nachteile beim Brillentragen wie beispielsweise, wenn man den Backofen aufmacht und den Kuchen sich näher anschauen möchte oder, wenn man im Regen mit dem Rad fährt. Demgegenüber kann man als Vorteil für das Brillentragen neben den ästhetischen Gründen auch die Tatsache werten, daß das Augenglas dem Träger einen klaren Blick verschafft.

Jürgen Zeus und Kirill Solotorewskij

Im Zuge des Gesprächs zwischen den beiden Ärzten kam heraus, daß die Brille medizinisch gesehen keine Schwäche darstellt und sogar cool sein kann. In einigen Kulturkreisen assoziiert man das Brillentragen manchmal mit Blindsein, und dies ist nicht selten negativ behaftet. Aber „schlimmer als blind zu sein, sei nicht sehen wollen“ soll Wladimir Lenin einmal gesagt haben. Für eine Augenlaseroperation müßten jedenfalls viel mehr Gründe vorliegen, als ein kurzfristig fehlender Durchblick in der Küche mit offener Backofentür.

Amil Scharifow

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Nein, die Redaktion streikt heute nicht, nur die Technik verhinderte das morgendliche Erscheinen des heutigen Beitrags im Blog. Wir bitten um Ihr Verständnis.

 

Im Deutschen Bundestag können sich junge Leute aus 44 Staaten, darunter der Russischen Föderation – und damit natürlich auch aus Wladimir – für ein fünfzehnwöchiges Arbeitspraktikum bewerben. Die Anmeldefrist läuft noch bis zum 31. Juli. Näheres dazu unter: https://is.gd/44EhL7 – Bitte weitersagen. Vielleicht zieht ja jemand aus Wladimir das große Berliner Los und kommt danach auch noch nach Erlangen.

Unterdessen bietet die Russische Botschaft einen neuen Service an, einen Newsletter mit Nachrichten aus der deutsch-russischen Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur, Bildung und Wissenschaft: https://is.gd/WcByQI – Niemand kann also mehr sagen, er wisse von nichts…

 

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Da kann das Gesundheitsamt der Region Wladimir aber stolz sein! Die Schwesternschülerin Xenia Pantschenko belegte bei der dieser Tage ausgetragenen Allrussischen Olympiade für Krankenpflege den ersten Platz. An dem Wettbewerb in Omsk nahmen Pflegekräfte aus vierzig Gouvernements des Landes teil, die sich bereits auf regionaler Ebene durchgesetzt hatten. Geprüft wurde in der sibirischen Stadt das praktische Können in den „Disziplinen“ Herz-Lungen-Wiederbelebung und medizinische Eingriffe, darüber hinaus galt es, in verschiedenen Prüfungen auch sein theoretisches Wissen zu beweisen. Xenias Sieg ist bei weitem nicht der erste Erfolg der Wladimirer Fachschule für Krankenpflege: Bereits in den Jahren 2015 bis 2017 belegten drei Schwesternschülerinnen vordere Plätze, und 2018 gewann Jelisaweta Weretennikowa den ersten Preis im Fachbereich „Medizinische und soziale Pflege“ im Rahmen der offenen regionalen Meisterschaften „Junge Profis – World Skills Russia“.

Xenia Pantschenko, 3. v.l.

Beste Voraussetzungen also für den noch heuer bevorstehenden Austausch von Krankenschwestern zwischen den Partnerstädten sowie die Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule am Waldkrankenhaus.

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So schnell kann es gehen: Soeben ging der Besuch einer dreiköpfigen Gruppe der Universität Wladimir am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde zu Ende, und gleich nach Ostern beginnt für Iwan Lawrentjew, 2013 noch selbst an diesem Austausch beteiligt, das Studium der Gerontologie an der FAU. Gemeinsam mit seiner Frau Maria ist der Deutschlehrer dieser Tage wieder nach Erlangen gekommen, dieses Mal nicht für jene kurzen drei Wochen, sondern mindestens für drei lange Jahre, „weil es mir hier sehr gut gefällt und ich eine gute Ausbildung haben möchte“.

Iwan und Maria Lawrentjew

Das, eine gute Ausbildung, ist auch Maria wichtig, die derzeit noch einen Sprachkurs an der Volkshochschule besucht und möglichst bald in ihrem Beruf als Erzieherin arbeiten möchte. Aber noch sind die beiden damit beschäftigt, richtig anzukommen, sich mit den Regeln im Studentenwohnheim zurechtzufinden, die Nebenkostenabrechnung zu verstehen, alle notwendigen Anschaffungen zu tätigen. Immerhin, zwei Fahrräder nennen sie schon ihr eigen: unverzichtbar für eine gelungene „Einbürgerung“ in Erlangen. Der Blog wünscht schon mal allzeit gute Fahrt und wird Maria und Iwan sicher bei der einen oder anderen Station begleiten.

Mehr zu Iwan Lawrentjew hier: https://is.gd/7BKRmp und https://is.gd/7tGDJE

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Gestern gab es für die Troika von der Staatlichen Universität Wladimir am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde zum Abschluß ihres dreiwöchigen Studienaufenthaltes in Erlangen die Zeugnisse. Aus der Hand des Institutsleiters, Professor Daniel Gossel, und mit der Versicherung von Heinz Römermann, Leiter der russischen Abteilung, die Noten seien nicht geschönt, all die vielen Einsen und Zweien in den Fächern entsprächen den Leistungen. Nur im Zweifel habe man natürlich nach oben aufgerundet.

Jelena Uwarowa, Wladislaw Anufrijenkow und Maria Agejewa mit Heinz Römermann und Daniel Gossel

Sie sind zufrieden, die drei Gäste: mit dem Unterricht, mit den Gasteltern, mit der Küche (mit Ausnahme von Klößen), mit allem, was sie so gesehen und erlebt haben. Nur eines ist schwer für sie zu begreifen – warum die Deutschen sich so laut schneuzen. Bei ihnen zu Hause putzt man sich die Nase diskreter. Vor allem aber weiß das Trio schon: Es wird weitergehen mit dem Austausch. Denn die nächsten für die Reise im Herbst nach Wladimir haben sich bereits gemeldet. Eine gute Sache, eine sehr gute Sache, diese Verbindung zwischen den Hochschulen der Partnerstädte, die nun schon seit 31 Jahren währt und sich immer wieder neu bewährt.

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Vom 5. bis 8. September 2018 fand die 9. Internationale wissenschaftliche und praktische Konferenz über die „Ökologie der Einzugsgebiete von Flüssen“, veranstaltet durch die Staatliche Universität Wladimir, in Susdal statt. Der historisch bedeutsame Ort liegt circa 40 km nördlich der Partnerstadt an der Kamenka, die sich in weiten Schleifen durch das kleine Städtchen schlängelt.

Eva Gruber, Mitarbeiterin im Amt für Umweltschutz und Energiefragen in den Aufgabenbereichen Natur- und Gewässerschutz, erhielt durch die Stadt Erlangen die Möglichkeit an der Konferenz teilzunehmen und einen eigenen, kurzen Vortrag (auf Englisch) zu halten.

Obwohl die Konferenz für vier Tage angesetzt war, fanden nur am 6. und 7. September Vorträge statt. Am 5. September stand eine Stadtführung durch Susdal auf dem Programm, und der 8. September war als Abreisetag vorgesehen. Da die Stadtführung nicht verpflichtend war und zudem nur auf Russisch stattfinden sollte, wurde dieser Tag als Anreisetag gewählt und auf die Führung verzichtet.

Eindrücke aus der Metro

Von Nürnberg aus ging es über Frankfurt in Richtung Moskau, wo ein Deutschstudent aus Wladimir meinen Mann und mich bereits am Flughafen erwartete, um uns dann durch das Labyrinth der Moskauer U-Bahn bis zum Kursker Bahnhof zu lotsen. Da der nächste Zug erst einige Stunden später fahren sollte, nutzten wir die Zeit um eine Kleinigkeit zu essen. Gegen 18.30 Uhr kamen wir dann im Erlangen-Haus in Wladimir an. Die Begrüßung war herzlich, und Wolfram Howein, der gerade ebenfalls vor Ort war, gab bei einem gemeinsamen Abendessen in der Innenstadt hilfreiche Hinweise für den ersten Aufenthalt hierzulande: Restaurants mit englischen Speisekarten in Wladimir, das Überqueren von Straßen (nur an Ampeln und Zebrastreifen) und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel (Zahlung bei einer speziellen Person im Bus, nicht beim Fahrer) sowie Informationen über Wladimir, Land und Leute im allgemeinen, um nur einiges zu nennen.

Susdal

Am 6. September begann dann die 9. Internationale Gewässerkonferenz, veranstaltet von der Universität Wladimir. Mit dem Taxi ging es zum Hotel Puschkarskaja Sloboda in Susdal. Schon bei der Anmeldung stellte sich die Kommunikation auf Englisch als schwierig heraus. Alle Teilnehmer erhielten ein Buch über das Einzugsgebiet der Kljasma, an der auch Wladimir liegt. Dieser Band ist der erste seiner Art auf dem russischen Markt, wie die Autorin in ihrem Vortrag auf der Konferenz stolz erklärte. Die Tagung fand in einem eng bestuhlten Raum im Keller des Hotels statt. Dort wurde mir „meine“ Dolmetscherin vorgestellt, die für mich die Vorträge aus dem Russischen ins Englische übersetzen sollte. Nach der Begrüßung durch Vertreter der Universität begann die Konferenz mit der bereits erwähnten Vorstellung des Buches, das sich detailliert mit der Geologie, der Entstehung, der Flora und Fauna des Einzugsgebietes der Kljasma aber auch mit den Funden historischer Nachweise früher menschlicher Besiedlung sowie aktueller Nutzung durch den Menschen beschäftigt. Nach etwa eineinhalb Stunden begannen dann die eigentlichen Vorträge. Die Konferenz war dabei in verschiedene Themenblöcke aufgeteilt, wobei sich hier schon bald zeigte, wie etliche Beiträge, die erst zu einem späteren Zeitpunkt und einem anderen Thema eingeplant waren, vorgezogen wurden, da manche Referenten noch andere Verpflichtungen hatten. Leider übersetzte die Dolmetscherin ausschließlich auf Nachfrage, was ein ständiges Frage-und-Antwort-Spiel nach sich zog. Das ständige Nachhaken zum Inhalt einer Powerpoint, zu einem Referat oder dazu, warum sich die Teilnehmer nach einem Vortrag auf einmal stritten und gegenseitig anbrüllten, war auf Dauer ziemlich ermüdend, und viele interessante Inhalte gingen sicherlich verloren, da die Übersetzung oftmals sehr allgemein gehalten war. Da hatte ich mir deutlich mehr erhofft, denn die Vortragstitel klangen durchaus interessant.

Vorbereitung auf die Konferenz

Am frühen Nachmittag stand dann mein Vortrag über Biber im städtischen Umfeld am Beispiel der Stadt Erlangen auf dem Plan. Ich sagte einige Sätze zu der jeweiligen Powerpointfolie, dann war die Dolmetscherin an der Reihe, die alles ins Russische übersetzte. Die Resonanz im Nachhinein war sehr positiv. Während der anschließenden Kaffeepause fanden sich etliche Teilnehmer bei mir ein und erzählten mir von ihren ganz eigenen Biberproblemen. Ich lernte dabei unter anderem: Die Biber wandern hier abhängig von der Jahreszeit und lassen sich im Winter gerne in größeren Gruppen in der Nähe von Städten nieder, während sie sich im Sommer über das ganze Land verteilen. So ein Verhalten wurde bei Bibern in Deutschland bisher nicht beobachtet – kein Wunder, sind doch unsere Winter bei weitem nicht so kalt, rauh und lang wie in den russischen Weiten. Für uns alltägliche Lösungen wie das Anbringen von Maschendraht rund um Baumstämme, um diese vor Verbiß zu schützen, stießen gleichermaßen auf Interesse und Unverständnis. Die einen äußerten sich begeistert, weil sie nun endlich wissen, wie sie ihre Obstbäume schützen können, andere wiederum äußerten ihr Unverständnis, warum man dem Biber verwehre, seinem natürlichen Verhalten nachzugehen. Leider blieb keine Zeit für eine tiefere Diskussion darüber.

Konferenzraum

Tatsächlich zeigte sich schon sehr bald, die Zeit werde nicht für alle Vorträge reichen, denn es gab sehr viele Referate, und die Planung war sehr optimistisch gestaltet. Und obwohl noch sehr viele Vorträge fehlten, die für den Tag geplant waren, wurde die Veranstaltung tatsächlich auch noch früher beendet. Mir wurde noch gesagt, für den nächsten Tag sei keine Dolmetscherin vorhanden, allerdings werde der Mitarbeiter des Organisationskomitees, mit dem ich bereits im Vorfeld Kontakt hatte, etwas für mich übersetzen.

Blick auf Wladimir

Mit dem Taxi ging es zurück nach Wladimir – eine Fahrt, die von Raserei und riskanten Überholmanövern geprägt war und noch dazu das doppelte wie am Morgen kosten sollte. Ich war auf alle Fälle sehr froh, als ich endlich am Erlangen-Haus aussteigen konnte. Nachdem sich meine Nerven wieder etwas beruhigt hatten, ging es zu Fuß zum Abendessen in die Innenstadt, die wir aufgrund der frühen Dämmerung wie bereits am Vortag nur bei Dunkelheit besichtigen konnten.

Blick auf die Kljasma-Auen

Tag zwei der Konferenz. Wieder ging es mit dem Taxi nach Susdal, und wieder zahlte ich nur die Hälfte von dem, was mich die Rückfahrt am Tag zuvor gekostet hatte. Die Anzahl der Teilnehmer war drastisch zurück gegangen. Der Raum war nur noch halb besetzt. Obwohl mein neuer „Dolmetscher“ nicht so gut Englisch sprach wie seine Vorgängerin, übersetzte und erklärte er deutlich mehr von dem, was in den Vorträgen referiert wurde. Zugegeben, der Google-Übersetzer war dabei eine wirklich große Hilfe. Auch diesmal wurde die Veranstaltung früher geschlossen, obwohl noch knapp ein Drittel der Vorträge fehlte. Für den Nachmittag war eine Exkursion nach Wladimir und Bogoljubowo angesetzt.

Boboljubowo

Eigentlich wollten mein Mann und ich zusammen daran teilnehmen. Im Vorfeld wurde auch bestätigt, dies sei möglich. Wie sich nun aber vor Ort herausstellte war die Führung zu einem Sonderpreis geplant, der nur für Russen galt. Wir hätten teilnehmen können, hätten uns dann aber nicht unterhalten dürfen. Die Entscheidung fiel dann auch relativ leicht, nicht an der Exkursion teilzunehmen. Nach einer herzlichen Verabschiedung ging es mit dem Taxi wieder zurück nach Wladimir.

Lenin-Denkmal vor der historischen Bank auf dem Kathedralenplatz von Wladimir

Auf diese Art und Weise hatten wir nun einige Stunden Zeit, um das erste Mal seit Ankunft Wladimir bei Tageslicht besichtigen zu können, wobei wir uns erst einmal auf die Hauptstraße konzentrierten. Am nächsten Tag zogen wir gleich morgens bei herrlichem Wetter los. Es war für russische Verhältnisse zu der Jahreszeit noch sehr warm.

Die Altgläubigen-Kirche mit dem neuen Springbrunnen

Zu unserem Glück fand an diesem Tag auch ein City-Halbmarathon statt, weshalb die Straßen für Autos gesperrt waren. Insbesondere nach dem Lauf hatte man so die einmalige Gelegenheit, Bilder vom Goldenen Tor von der Straßenmitte aus machen zu können. Während unseres Aufenthalts in Wladimir waren wir abends in verschiedenen Restaurants essen. Am besten hat es uns aber im „Vegan Bro“ gefallen und geschmeckt. Das Essen war superlecker, und während vegane Restaurants in Deutschland meist relativ teuer sind, war das Essen dort auch für russische Verhältnisse sehr günstig.

Fortsetzung folgt.

Eva Gruber

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Wie vielfältig sich vor allem in den Geisteswissenschaften der Austausch zwischen der Friedrich-Alexander-Universität und der Staatlichen Universität Wladimir gestaltet, zeigt der Besuch von Evelina Winter Anfang des Monats in der Partnerstadt. Die in ihrer Kindheit aus Usbekistan nach Deutschland übergesiedelte Wissenschaftlerin arbeitet am Lehrstuhl für Didaktik des Deutschen als Zweitsprache und koordiniert im Bürgermeister- und Presseamt das Wi.L.D.-Projekt im Rahmen der kommunalen Sprachförderung Erlangens. Hier nun ihr Bericht.

Nach einer eher schlaflosen Nacht – die Aufregung war doch sehr groß, nach 20 Jahren wieder einmal in einer russischsprachigen Umgebung zu sein – ging es um 6 Uhr zum Nürnberger Flughafen. Der Flug verlief recht ereignislos und auch glücklicherweise ohne weitere Turbulenzen, und so landete ich am frühen Nachmittag wohlbehalten in Moskau. Voller Vorfreude begab ich mich in die Innenstadt und wurde von wunderschön erleuchteten Straßen und Plätzen eingeladen, mir die Stadt, die den Tränen nicht glaubt anzuschauen.

Evelina Winter auf dem festlichen Roten Platz

Ich war sogleich hin und weg. Nicht zuletzt dank den überall reichlich präsenten Polizisten fühlt man sich in dieser riesigen Stadt (man braucht eine Stunde vom Flughafen ins Zentrum) sehr sicher und wohl. Hier ein paar Eindrücke aus Moskau.

Mir bot sich nun die Möglichkeit, ein etwas verfrühtes Butterfest (Masleniza), den russischen Karneval, zu erleben, da die Stadt sich sehr gut auf Touristen wie mich vorbereitet hatte. So hatte ich das Vergnügen, sowohl die Eisfläche am Roten Platz bestaunen zu können (ein Überbleibsel vom Neujahrsfest) als auch gleichzeitig im Hintergrund das Masleniza-Lied zu hören, das den Frühlingsanfang einläutet.

Feststimmung auf dem Roten Platz

Auch die Dekoration in Moskau spiegelte den Übergang zwischen Neujahr und Frühling wider. Tannen, die noch mit Kugeln geschmückt sind und gleichzeitig Ergänzung durch die Sonnenbilder finden, das Symbol der Masleniza.

Nach einer zwar kurzen, aber sehr schönen Zeit in Moskau begab ich mich mit dem Zug (Strisch, Mauersegler genannt) nach Wladimir. Dort wurde ich sehr freundlich von Nadeschda Troschina, der Beauftragten für Internationale Angelegenheiten an der Staatlichen Universität, und ihrem Mann in Empfang genommen und zum Erlangen-Haus gebracht. Dieses erwartete mich in vollem Glanz, über und über bedeckt vom Schnee, der wie ich nicht müde wurde, in der folgenden Woche zu erwähnen, mir wahre Freude bereitete. Im Gegensatz zur allgegenwärtigen Meinung der Wladimirer, ich hätte mir besser eine andere Jahreszeit für meine Reise aussuchen sollen, war ich vom Wetter für meinen Besuch begeistert (trotz teilweise -15° C). Davon wissen auch die folgenden Bilder zu berichten.

Erlangen-Haus

Am nächsten Tag begann mein offizieller, seitens der Universität organisierter Aufenthalt in Wladimir. Doch zuerst lernte ich die gute Seele des Erlangen-Hauses (oder besser gesagt eine davon), die Köchin Galina, kennen und lieben, denn diese, die Liebe, geht ja bekanntlich durch den Magen. An jedem einzelnen der nachfolgenden Tage verwöhnte sie uns Hotelgäste mit allerlei leckeren Sachen, wobei sich nie ein Gericht in dieser Woche wiederholte. Auch die Lehrkräfte des Erlangen-Hauses und dessen Chefin, Irina Chasowa, lernte ich an diesem Morgen kennen und fühlte mich sehr warm willkommengeheißen.

Demetrius-Kathedrale

An diesem ersten Vormittag holte mich Natalia Safronowa am Erlangen-Haus ab und führte mich zum historischen Museum der Stadt Wladimir, wo uns eine sehr nette Dame begrüßte und in die Geschichte über die Entstehung Wladimirs informierte. Danach waren wir uns beide einig darin, wie interessant die Führung war, jedoch sollte man diese wohl öfters mitmachen, um die vielen Informationen und vor allem Namen behalten zu können. Nun erhielt ich noch von Natalia eine kleine Stadtführung, wobei wir einen Blintschik (Pfannkuchen) aßen, um uns dann in das Hauptgebäude der Universität zu begeben, wo uns bereits nicht nur die Lehrstuhlinhaberin Tatjana Tjapkina und Nadeschda Troschina, sondern auch der Vizepräsident Alexej Panfilow erwarteten. Darauf war ich an diesem Tag so gar nicht vorbereitet, dabei hätte ich es eigentlich ahnen können: Hierzulande handhabt man solche Besuche anders und wesentlich offizieller als es bei uns der Fall ist. Es entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch, welches vor allem die unterschiedliche Schulbildung in unseren Ländern beinhaltete.

Das Goldene Tor

Anschließend besprachen wir der Plan für die kommende Woche, und ich machte mich auf in die Innenstadt, um diese zu erkunden und eventuell ein paar Mitbrinsel zu besorgen.

Am nächsten Tag hatte ich einen richtigen Unitag. Ich besuchte einen Kurs, beantwortete Fragen zum Leben in Deutschland und wir stellten vielfältige Vergleiche mit den Studenten an. Nach einer kleinen Mittagspause in der Mensa hielt ich eine Vorlesung zum Thema Methoden, und so neigte sich der Tag dem Ende zu. Wobei den krönenden Abschluß fast jeden Abend ein Gespräch mit der Nachtpförtnerin darstellte. Sie gab mir dann Ratschläge wie diesen: „Man sollte so schnell über das Eis rennen, daß keine Zeit bleibt, um hinzufallen!“

Der Mittwoch war ein Tag voller wunderbarer Ereignisse. So hielt ich zuerst eine weitere Vorlesung an der Uni, danach begleitete mich eine Studentin zum Hauptgebäude. Dort fand ein Konzert zu Ehren des Frauentags am 8. März statt. Dieses war wundervoll inszeniert und ließ mich vollkommen begeistert zurück.

Allerdings bleib nicht viel Zeit, um darin zu schwelgen, da mich bereits die Lehrerinnen im Erlangen-Haus erwarteten. Dort hatten wir die Möglichkeit, uns zu dem Thema Methoden und Deutschvermittlung auszutauschen und einander besser kennenzulernen. Leider war der Zeitrahmen dafür sehr begrenzt, da ich die Ehre hatte, mit der Lehrstuhlinhaberin Tatjana Tjapkina am Abend noch das Theater  zu besuchen. Das Stück „Eine etwas sonderbare Dame“ von John Patrick bereitete uns einen wunderbaren, humorvollen Abend, weshalb wir auch die anschließende Rutschpartie draußen gerne in Kauf nahmen. Ein wirklich wundervoll modern inszeniertes Stück.

Das Schauspielhaus

So flog die Zeit in Wladimir unglaublich schnell vorbei, und kaum, daß man sich versah, war es schon Donnerstag. Noch einmal begann der Tag mit einem Besuch in der Uni, bei dem ich den Studenten diesmal zu einem landeskundlichen Thema (Soziale Strukturen und Steuern in Deutschland) Rede und Antwort stand. Nach der Stunde überraschte die Gruppe nicht nur ihre Dozentin, sondern auch mich mit einem Strauß Blumen zum 8. März. Was für ein wundervoller Feiertag, der auch bei uns ganz schnell eingeführt werden sollte!

Straßenszene in Susdal

Nach dem Seminar erwartete uns (zwei Studentinnen und mich) bereits ein Auto samt Fahrer, das uns nach Susdal bringen sollte, eine der ältesten Städte des Landes und Teil des Goldenen Rings. Dort rutschten wir von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten und genossen die beeindruckende Architektur des 11. und 12. Jahrhunderts sowie die leckeren Piroggen, die wir uns am Ende der Partie redlich verdienten, nachdem wir es geschafft hatten, uns nichts zu brechen und wohlbehalten zum Auto zurückgefunden haben.

Evelina Winter mit ihren russischen Freundinnen in Susdal

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sowie dem Versprechen an mich selbst, sobald wie nur möglich zurückzukommen, wurde ich von Frau Troschina am Freitag in den Zug nach Moskau gesetzt, von wo aus ich den Rückflug nach Nürnberg antrat, natürlich nicht ohne noch ein wenig die Feiertagsstimmung in Moskau mitzunehmen und in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen, als mich am Kursker Bahnhof die Filmmusik zu eben jenem obengenannten Streifen „Moskau glaubt den Tränen nicht“ (siehe: https://is.gd/MuBxsN) empfing.

Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Evelina Winter

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