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Archive for the ‘Wirtschaft’ Category


Aus gegebenem Anlaß: Es gibt noch immer virtuell abgelegene Gegenden in den Freistaaten Bayern und Thüringen, wo ein schneller Internetanschluß nicht selbstverständlich ist. Sehr zum Verdruß des dort beheimateten Gewerbes, das über Wettbewerbsnachteile klagt. Da kann es, wenn die Blog-Redaktion sich auf einer Fortbildungsreise befindet, schon auch einmal zu Verzögerungen bei der Veröffentlichung des aktuellen Materials kommen, wie heute bedauerlicherweise geschehen.

internet

Internet – Server der Fiskaldaten mit ausfallsicherem Verteilungsspeicher – Finanzamt und Überprüfung der Kassenbons durch jeden Kunden

Ähnliches fürchten derzeit Unternehmer in der Region Wladimir, denn ab dem 1. Juli d.J. müssen alle Kassen automatisch die Einnahmen per Internet an das Finanzamt melden, gläsernes Einkaufen also. Das macht zum einen natürlich Investitionen in die Technik notwendig, legt aber auch etwas offen, was die russische Telekom anders vermittelt. Es gibt nämlich in Region Wladimir – von der Größe des Bundeslandes Brandenburg – durchaus noch Orte, wo der Zugang zum Netz für größere Datenmengen entweder zu schwach oder zu instabil ist, wie jetzt das Amt für Wirtschaftsförderung zugab. Von den 2.318 Ortschaften im Gouvernement sind erst 270 (davon 230 auf dem Land) mit Glasfaserkabel erschlossen. In allen übrigen läßt sich also zur Einführung der online-Kassen der Stichtag nicht halten.

Aber es handelt sich nur um eine Fristverlängerung. Früher oder später wird der Große Bruder dann jedem an der Kasse über die Schulter und auf die Finger schauen.

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Eigentlich hatte Gouverneurin Swetlana Orlowa den hohen Gast am vergangenen Samstag selbst empfangen wollen, doch dann wurde sie zu einer Sitzung des Staatsrats mit Wladimir Putin nach Jaroslawl gerufen. So durfte ihr Stellvertreter, Alexej Konyschew, die Honneurs für Ronald Pofalla und seine kleine Delegation machen. Der Vorsitzende des Lenkungskreises des Petersburger Dialogs hatte schon viel über die Städtepartnerschaft gehört und nahm nun die Einladung wahr, um sich ein eigenes Bild zu verschaffen. Aber vor Ort erwies sich die Zeit – wie das so ist, wenn man die alte russische Hauptstadt gezeigt bekommt – wieder einmal als viel zu kurz für das Programm, das leider nicht einmal mehr einen Besuch im Erlangen-Haus beinhaltete. Russische Züge warten nämlich nicht… Aber immerhin gibt es jetzt den persönlichen Bezug. Der einstige Generalsekretär der CDU erfuhr, wie vielseitig sich die Städtepartnerschaft – gerade auch im sprachlichen Bereich dank dem Erlangen-Haus – auf das deutsch-russische Verhältnis in Wladimir auswirkt, lernte wichtige Akteure dieser Verbindung kennen und erhielt – zusammen mit einem Brief von Oberbürgermeister Florian Janik – ein Exemplar des Bandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ überreicht, nicht von ungefähr, denn auch Roland Pofallas Vater geriet, wie der Merkel-Vertraute in einem Interview gegenüber dem Focus erklärt hatte, in sowjetische Kriegsgefangenschaft und erzog später seine Kinder im Geist der Aussöhnung und Verständigung mit den Russen und allen Völkern der UdSSR. Da darf man hoffen, daß der Petersburger Dialog in Zukunft gerade auch die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir noch enger einbezieht. Siehe dazu auch: https://is.gd/Yz4aM1

Wiktor Subkow und Ronald Pofalla

Wiktor Subkow und Ronald Pofalla, wie man ihn kennt

In Wladimir sein erster Besuch, aber nicht sein erster Versuch, das russische Wesen zu verstehen, bekennt Ronald Pofalla: „Immer, wenn ich hierher komme, versuche ich Ihr Land, den russischen Charakter, die russische Seele zu verstehen, und mit jedem Mal komme ich dem immer näher.“

Alexej Konyschew und Ronald Pofalla

Alexej Konyschew und Ronald Pofalla

Zum Verstehen von Stadt und Land gehören aber auch Zahlen aus der Wirtschaft, die für sich sprechen: Deutschland belegt im Handel mit der Region Wladimir nach China und vor den USA den zweiten Platz, und nach einem gewissen Einbruch im Vorjahr nimmt der Warenaustausch wieder an Fahrt auf. Interessant dabei: Wladimir exportiert mehr als es einführt. Und dann gibt es da immerhin 25 Unternehmen mit deutschen Kapitalgebern, Beteiligungen oder Eignern. Ein Pfund, mit dem die Partner wuchern und einander immer näher kommen können.

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Nach den USA und vor Deutschland nimmt die Russische Föderation den zweiten Platz der Waffenausfuhrnationen ein. Nun wurde in der Region Wladimir, genauer im Degtjarjow-Werk in Kowrow, mit dem „Kord-M“ eine Weiterentwicklung des dort seit 1998 produzierten Kord-MGs vorgestellt, die zwar zunächst für Spezialkräfte im eigenen Land vorgesehen ist, durchaus aber das Zeug zu haben scheint, es in ihrem todbringenden Segment mit der weltweit verbreiteten Kalaschnikow aufnehmen zu können, zumal das Scharfschützengewehr, wenn man dem Urteil der Zeitung „Iswestija“ Glauben schenkt, dank einem Gewicht von gerade einmal zehn Kilogramm und einer maximierten Treffergenauigkeit auf noch weiter entfernte Ziele international einzigartig sein soll. Experten begeistern sich besonders für die Durchschlagskraft, die eine Panzerung von bis zu 15 cm brechen soll, wobei die Reichweite mit bis zu zwei Kilometern angegeben wird. Die vergleichbaren Waffen aus den USA und Großbritannien, das M82 oder das AS50, wiegen 11.8 kg bzw. 14,1 kg und treffen nur auf etwa 1.100 m bzw. eineinhalb Kilometer.

sturmgewehr

Kord-M

Ein weiterer Vorzug des Maschinengewehrs: ein weniger heftiger Rückstoß, also die Möglichkeit länger am Abzug zu bleiben, ohne Schwindelgefühle und Nierenbeschwerden zu riskieren. Das ergab zumindest die Erprobungsphase, und schon für Anfang 2017 ist dann der Echteinsatz in der russischen Armee vorgesehen. Darauf dürfte sich auch bald zeigen, ob im Ausland Interesse an der Waffe besteht.

Ob der Schießprügel die Welt nun sicherer macht, sei dahingestellt. Es dürfte sich da ähnlich verhalten wie mit dem Straßenbau: Je mehr es neue Strecken gibt, desto mehr Verkehr wird erzeugt. Je mehr man neue Waffen produziert, desto weniger Sicherheit vor Gewalt und Tod. Leo Tolstoj, der in seiner Jugend mit patriotischer Begeisterung in den Krim-Krieg gezogen war, dann sich aber zum Pazifisten wandelte (man lese seine „Sewastopoler Erzählungen“), schrieb in einem Brief an Berta von Suttner, die Autorin des Romans „Die Waffen nieder!“: „Der Abschaffung der Sklaverei ist das berühmte Buch einer Frau vorausgegangen, Madame Beecher-Stowe; gebe Gott, daß das Ihre das gleiche bewirke für die Abschaffung des Krieges.“ Wie wir alle wissen: Gott hat es nicht gegeben und wird es wohl auch nicht geben; er delegiert diese Sache lieber an die nach seinem Angesicht geschaffenen Erdenbewohner, die nicht lassen wollen von Heraklits Maxime: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.“ Nichts Neues unter der Sonne eben, gleich wie sehr man die Waffensysteme immer und überall noch weiter optimiert – und leider auch gleich, was der große russische Romancier über den Krieg auf der Krim Mitte des 19. Jahrhunderts schreiben mochte: „Erschreckende, die Seele erschütternde Bilder werden Sie hier zu Gesicht bekommen, den Krieg nicht in seiner wohlgeordneten, schönen und glänzenden Form, mit Musik und Trommelwirbel, mit wehenden Bannern und stolz zu Pferde sitzenden Generälen sehen, sondern in seiner wirklichen Gestalt – in Blut, Qualen und Tod.“

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Gerade erst hatte die Ställe der Region Wladimir die Schweinepest heimgesucht, nun ist auch noch die Maul- und Klauenseuche in einer Rinderherde des Landkreises Sobinka ausgebrochen, zum ersten Mal wieder seit 23 Jahren. Immerhin ist es gelungen, den mit dem Virenstamm Asia 1 infizierten Betrieb zu isolieren, die Quarantäne tut ihre Wirkung, und eine großflächige Impfaktion ist angelaufen. Dabei galten die Rinder des Gouvernements als frei von der Maul- und Klauenseuche, das verordnete Impfen hatte man schon 2013 eingestellt, um ungehindert die eigenen Milchprodukte und das Fleisch exportieren zu können. Dieser Status, auf internationale Ebene gerade erst 2016 erreicht, ist nun dahin; schon haben Weißrußland und Kasachstan ein Einfuhrverbot für alle tierischen Lebensmittel aus ganz Rußland verhängt. Nicht verwunderlich deshalb, wenn die Angelegenheit bereits das Landwirtschaftsministerium in Moskau alarmiert. Wie der Virus – möglicherweise aus der Türkei, wo er häufig vorkommt – eingeschleppt wurde, muß noch untersucht werden, aber nun gilt es vorrangig, seine weitere Ausbreitung und vor allem auch eine Übertragung auf den Menschen durch unbehandeltes Fleisch oder Rohmilch zu verhindern.

Wyschmanowo

Wyschmanowo

Auch wenn die Erkrankung in einem frühen Stadium entdeckt wurde und man die mehr als einhundert infizierten Kühe bereits getötet hat, wird nun wohl, um ganz sicher zu gehen, die ganze 800köpfige Herde im Dorf Wyschmanowo, eine halbe Autostunde südwestlich von Wladimir gelegen, notgeschlachtet, übrigens unblutig mittels eines Präparats, das man den Tieren spritzt. Die Kadaver kommen dann zur Verbrennung in eine Einheit der Armee, die Asche wird mit Chlorkalk versetzt. So schnell das alles nun geht, der Schaden für die Landwirtschaft in und um Wladimir wird noch lange bleiben.

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Ein ganz entscheidender Wirtschaftszweig der Region Wladimir ist die Rüstungsindustrie. Der größte Betrieb aus diesem Sektor, das Degtjarjow-Werk in Kowrow, die seinerzeit mit dänischem Kapital und westlicher Technik gegründete erste private russische Aktiengesellschaft zur Waffenproduktion, von den Kommunisten später verstaatlicht, feiert in diesen Tagen sein hundertjähriges Bestehen. Aus wirtschaftlichen Gründen besteht auch aller Grund zum Feiern, denn, wie Wladimirer Medien berichten, gelang es, im ersten Halbjahr 2016 Waffen im Wert von 16 Milliarden Rubel zu verkaufen, das Dreifache gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs – und das, obwohl sich die Produktion um fast ein Drittel verringert hat, zu erklären dadurch, daß das Absatzplus durch den nachträglichen Verkauf von bereits 2015 hergestellten Rüstungsgütern entstand. Größter Abnehmer der Raketensysteme ist das Ausland, besonders Indien, wohin 40% der Exporte gehen.

Rüstungswerk in Kowrow

Rüstungswerk in Kowrow

Der Produktionsrückgang in diesem Jahr hat nichts mit nachlassender Nachfrage zu tun, vielmehr arbeitet man in der gut 60 km nordöstlich von Wladimir gelegenen Stadt an einer neuen Raketengeneration, die halbautomatisch funktionieren und mit neuester Elektronik ausgestattet sein soll. Wie schon zu Sowjetzeiten rollen hier auch zivile Güter vom Band, vom Motorrad bis zu Nutzfahrzeugen, deren Motoren allerdings chinesischer Herkunft sind. Freilich trägt dieser nichtmilitärische Sektor kaum etwas zum Gesamtergebnis bei, kann eher als „kollateral“ gesehen werden. Dabei geht es insgesamt um große Investitionen: Jahr für Jahr investiert man 400 Millionen Rubel in die Modernisierung der Produktion, kauft Anlagen aus Deutschland und Italien, hat aber erst 10% des Werks auf den neuesten Stand der Technik gebracht, wobei 50% nötig wären. Hinderlich dabei die Probleme mit der Stromversorgung. Immer wieder auftretende Ausfälle, sogenannte Brownouts, setzen den importierten Aggregaten zu und verkürzen deren Lebensdauer auf gerade einmal zehn Jahre.

Wassilij Degtjarjow

Wassilij Degtjarjow

Dennoch, das Werk in Kowrow, benannt nach Wassilij Degtjarjow, Pionier der russischen Entwicklung und Produktion von Schützenwaffen und Maschinengewehren, gehörte 2015 mit seinen fast 11.000 Mitarbeitern zu den 200 systemrelevanten Betrieben der Russischen Föderation und gilt mit 5,3% Anteil am öffentlichen Haushalt als der größte Steuerzahler der Region Wladimir.

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Die Statistiker haben neue Zahlen, die Auskunft über den wirtschaftlichen Zustand der Region Wladimir geben: Zum 1. Juli zählte man landesweit im Schnitt 285 Pkws auf 1.000 Einwohner. Die Partnerstadt und ihr Umland hinken da noch mit 266 Autos auf 1.000 Personen hinterdrein. Mit anderen Worten nimmt das Gouvernement Wladimir Platz 51 unter den 83 Regionen des Landes ein, was den motorisierten Individualverkehr angeht.

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Angeführt wird diese Liste übrigens erstaunlicherweise von der Halbinsel Kamtschatka und der Region Primorje mit ihrem großen Gebrauchtwagenanteil aus Japan, erst an dritter Stelle folgt der Speckgürtel um Moskau. Schlußlichter sind Inguschetien, Tschetschenien und – wenig verwunderlich – Tschukotka mit mehr Rentieren als Einwohnern. Anzumerken noch: Trotz Wirtschaftskrise und rückläufiger Zuwachsraten beim Absatz sind auf den russischen Straßen immer mehr Autos unterwegs. Vor zwei Jahren nämlich waren es landesweit erst 280 Fahrzeuge auf 1.000 Einwohner. Der Markt wächst also. Dennoch ist der Abstand etwa zu Deutschland noch groß, wo die Relation 532 : 1.000 beträgt.

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Die Deutschen sind noch nicht aus dem Rennen um den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau via Wladimir nach Kasan. Wie jetzt die Zeitung Kommersant berichtet, bietet das Konsortium „Deutsche Initiative“, zu dem sich neben der Siemens AG, die Deutsche Bank und die Deutsche Bahn mit einer Reihe anderer Firmen zusammengeschlossen haben, seine Teilnahme an der Finanzierung der Bahntrasse an und bringt sogar mehr als zwei Milliarden Euro mit, abgedeckt durch eine Hermes-Bürgschaft der Bundesregierung. Die Bedingungen bleiben die gleichen wie für die bisherigen Alleinbieter aus China, was offenbar bei einem Treffen von Dietrich Möller, Siemens-Chef in Moskau, mit der Leitung der Russischen Staatsbahn Anfang Juli bestätigt wurde: eine Anleihe in Höhe von eineinhalb Milliarden Euro für den Bau der Infrastruktur und von 700 Millionen Euro für den Erwerb der Züge. Zudem ging bei der russischen Eisenbahnzentral ein Schreiben der Sparte Mobilität der Siemens AG ein, wo weitere zwei Milliarden Euro im Rahmen einer Hermes-Exportbürgschaft für den Technologietransfer und die Produktion von Zügen vor Ort in Aussicht gestellt werden.

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Ganz gleich sind die Ausgangsbedingungen freilich nicht: Nach Aussagen von russischen Verhandlungsführern hinken die Deutschen mit ihrem Angebot ein halbes Jahr hinter den Chinesen her, die überdies schon einen Vertrag über den Bau der „Seidenstraße“ von Moskau nach Peking unter Dach und Fach haben. Eine weitere Hürde der Deutschen stellen die Sanktionen dar, von denen dieses Geschäft zwar nicht betroffen wäre. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, befürchten wohl manche in Moskau. Ungeachtet aller möglichen Widrigkeiten haben die Russen nun eine echte Wahl, wenn es um den Bau der 770 km langen Verbindung Moskau – Kasan geht, deren Kosten auf mehr als eine Trillion Rubel insgesamt angesetzt sind und die bereits 2021 befahren und dann in Etappen weitergeführt werden soll bis Jekaterinburg, Perm, Ufa und Tscheljabinsk im Ural. Noch ist der Zug ja nicht abgefahren, aber die Deutschen müssen sich sputen, wenn sie im Lokführerhäuschen sitzen wollen.

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