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Archive for the ‘Veteranen’ Category


Alle Kriege sind furchtbar. Nichts kommt den Schrecknissen von Kriegen gleich.

1943 erhielten wir die Nachricht des Deutschen Heeres, die gesamte Einheit unseres Bruders Horst sei in der Sowjetunion aufgerieben worden. Welch ein Wort! VERSCHOLLEN! Ich erinnere mich an die Wochen danach, an eine weinende Mutter, die nachts eine Kerze in ein Fenster stellte und Rückkehr des Sohnes erflehte. Vergebens.

Kameschkowo: Friedhof der Kriegsgefangenen

So ging der 2. Weltkrieg zu Ende, und die Nachkriegszeit begann. Die Erinnerung meiner Familie an den Sohn blieb. Und die Ungewißheit über sein Schicksal. Und doch war da ein schicksalhaftes Licht. Nämlich der Fleiß und die Akribie der Menschen beim Deutschen Roten Kreuz. Von dort erhielten wir am 04.08.2004 die erlösende Nachricht über den Tod unseres Bruders, der am 14.09.1945 in Kameschkowo an Tuberkulose verstorben sei. Schon damals erwachte in uns der Wunsch,  ihm durch einen Besuch dort die letzte Ehre zu erweisen.

Museum in Kameschkowo, ehemaliges Lazarett für Kriegsgefangene

Am 11.6.2019 war es dann soweit: Wir traten die Reise an. Zunächst nach Moskau, wo wir dank hilfsbereiter Freunde zwei interessante und beeindruckende Tage verbrachten. Von dort ging es mit dem Zug weiter nach Wladimir und Kameschkowo. Wenn dieser Reiseabschnitt so gut verlaufen ist, verdanken wir das der herzlichen Unterstützung von Peter Steger, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Erlangen. Er war es auch, der den Kontakt zu dem hervorragenden Historiker, Witalij Gurinowitsch, herstellte, der uns nach Kameschkowo begleitete.

Kameschkowo: Korridor im ehemaligen Lazarett für Kriegsgefangene

Die erste Station unserer Reise in die Vergangenheit war das heutige Schul – und Museumsgebäude, das ehemalige Lazarett, in dem Horst 1945 verstorben ist. Der Besuch dort war unerhört emotional und auch bedrückend. Interessant und aufschlußreich gestaltete sich die Führung durch das Museum, welches unter anderem Ausrüstung, Bilder und Schriftstücke der damaligen Zeit beherbergt. Danach wurden wir dort mit Tee und Gebäck versorgt, und wir sprachen dabei über die deutsch-russische Verbindung und Geschichte.

Dann kam der Höhepunkt: der Besuch auf dem Soldatenfriedhof der Stadt Kameschkowo, der Dank der vorzüglichen Hilfe ortsansässiger Schüler in einem sehr gepflegten Zustand ist.  Man kann sich nur schwer vorstellen, wie es dort viele Jahre ausgesehen haben mag. Nun wird dort den verstorbenen Soldaten aus Deutschland, Rumänien, Bulgarien, Italien und den Verzweifelten aus Stalingrad eine angemessene Ruhestätte bereitet, die auch den Angehörigen zu trauern erlaubt. Wir legten eine Schleife und rote Rosen nieder; mein Vater konnte sich dort nach all den Jahren von seinem Bruder verabschieden, es gab Zeit zur Andacht und Besinnung.

Eichler 7

Schule in Kameschkowo

Wir sind den vielen freundlichen Menschen dankbar, die uns die Möglichkeit gaben, diese Reise durchzuführen und danken unserem Schicksal. Inständig hoffen wir, es möge nie wieder solches Leid über unsere Völker hereinbrechen.

Ulrike und Wolfgang Eichler

Hintergründe zu dem Lazarett sind hier zu finden: https://is.gd/57NHhX

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Ludmila Bundina weiß, was sie will, und sie versteht es, andere dafür zu begeistern und mit vereinter Kraft ihre Ziele zu erreichen. Selbst ohne Eltern im Waisenheim Susdal aufgewachsen, lernte die Handwerkerin früh, selbst anzupacken und gründete im Dezember 2010 in Wladimir, wo sie heute im Stadtrat sitzt, die Organisation „Kinder des Krieges“, aus dem schon ein halbes Jahr später ein landesweit agierender Verband wurde, dem sie vorsteht. Das Schicksal derer, die zwischen dem 22. Juni 1928 und 3. September 1945 geboren, das Unheil des Zweiten Weltkrieges sowie der harten Jahre danach, geprägt von Entbehrung, Hunger, Verlust der Angehörigen und den Folgen des anschließenden Kalten Krieges, zu durchleiden hatten, steht im Mittelpunkt dieser Nichtregierungsorganisation, der es auf regionaler Ebene bereits gelungen ist, für besagte Altersgruppe Vergünstigungen und Sonderzahlungen der öffentlichen Hand zu erstreiten. Derzeit aber widmet die Lokalpolitikerin, unterstützt von Wiktor Baranow, Mitglied der Interessensvertretung, und Roman Alexandrow, Vorsitzender des Allrussischen Jugendverbandes, einen Großteil ihrer Zeit auf das Projekt, die Erinnerung jener Generation aufzubewahren: in Form von Briefen, Bildern, Gegenständen und sogar mit einem eigenen Museum. Noch in diesem Jahr soll nun ein Buch dieser gesammelten Zeitzeugnisse erscheinen. Und dann, möglichst zum 75. Jahrestag des Kriegsendes, ein weiterer Band, ergänzt durch Beiträge aus Erlangen.

Wiktor Baranow, Ludmila Bundina, Peter Steger und Roman Alexandrow

Aus all den vielen Gesprächen in kleiner und großer Runde zum zentralen Thema des nächsten Jahres – 8./9. Mai: Tag des Sieges, Tag der Niederlage, Tag der Befreiung -, das gut vorbereitet sein will, ragt die gestrige Begegnung im Rathaus der Partnerstadt mit dem Trio besonders heraus. Denn, von dem Treffen angeregt, ergeht ab heute der Aufruf an alle, die als Kinder den Krieg und die Wirren danach erlebten, ihre Wahrnehmungen und Empfindungen von damals auf ein bis zwei Seiten aufzuschreiben und – falls gewünscht, auch anonymisiert – an peter.steger@stadt.erlangen.de zu senden oder per Post an Rathausplatz 1, 91052 Erlangen zu schicken bzw. persönlich im Bürgermeister- und Presseamt der Stadt Erlangen abzugeben. Eine Jury trifft dann eine Auswahl unter den Einsendungen, die in das russisch-deutsche Buch Aufnahme finden; alle übrigen Beiträge erscheinen auf einer zweisprachigen Homepage, die in nächster Zeit freigeschaltet wird. An alle, die diesen Blogeintrag lesen, deshalb die Bitte, den Aufruf breit zu streuen, gern auch über Erlangen hinaus, um möglichst viele Menschen jener Generation zu erreichen. Weder inhaltlich noch formal gibt es Vorgaben. Nur einen Wunsch gibt Ludmila Bundina dem Gast noch mit auf den Weg: Es sollte doch unbedingt auch in Erlangen ein Verein der Kriegskinder gegründet werden, damit man sich auf direktem Wege untereinander austauschen könne. Wie gesagt, sie weiß, was sie will!

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Nach dem Tod ihres Vaters, des großen Versöhners zwischen Deutschen und Russen, Fritz Wittmann, kündigte Johanna Sander im November an, sie wolle im nächsten Sommer mit ihrem Sohn Paul nach Wladimir reisen, um endlich mit eigenen Augen zu sehen und in Begleitung ihres Sohnes Paul zu erleben, warum es den Weltkriegsveteranen immer wieder so in die Partnerstadt zog. Dann, im Dezember, die gemeinsamen Auftritte der Sängerin mit dem Kammerchor Wladimir unter Leitung von Tatjana Grin in Erlangen und Kirchehrenbach, und nun ist Johanna Sander bereits seit einer Woche in der einstigen russischen Hauptstadt und hatte gestern ihren ersten Auftritt im Zentrum für Klassische Musik.

Nikolaj Schtschelkonogow und Paul Sander

Einer der einprägsamen Aphorismen, die Fritz Wittmann hinterließ, lautet: „Wo Deutsche und Russen einander Familienphotos zeigen, können keine Feindbilder mehr entstehen.“ Ganz im Geiste dieses Mottos blätterten denn auch vor dem Konzert der Frontkämpfer, Nikolaj Schtschekonogow, und Paul Sander in einem Album, das zurückreicht bis ins Jahr 1991, als sich die beiden Friedenskämpfer zum ersten Mal trafen. Welch eine Begegnung!

Johanna Sander mit Nikolaj Schtschelkonogow und Sohn Paul

Und Johanna Sander? Sie erlebt ein Wladimir, wie sie es aus den Schilderungen ihres Vaters kennt und wie sie es sich doch nicht vorstellen konnte mit all der Aufmerksamkeit, die ihr entgegengebracht wird, vom Chor, vom Erlangen-Haus, vom Publikum… Eine Begeisterung, die sie sagen läßt: „Das war bestimmt nicht meine letzte Zusammenarbeit mit Wladimir und diesem Ensemble.“

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander

An der Seite von Tatjana Prokuschkina bestand Johanna Sander dann gestern zur Eröffnung der Konzertsaison eine schwierige Prüfung mit dem Requiem des zeitgenössischen Komponisten, Artjom Semjonow, dessen überwältigendes Werk für Chor, zwei Klaviere und Schlagwerk die Wladimirer Sopranistin oft bis an die musikalische Schmerzgrenze führte, während die deutsche Altistin eine tröstend-warme Stütze bot, ganz so, als gehörte sie schon immer zu dem Ensemble. Nur bei den allerersten Takten merkte man der Baiersdorferin noch die Aufregung an.

Tatjana Prokuschkina und Johanna Sander mit Dmitrij Fjodorow am Klavier

Nun darf sich das Publikum in Erlangen wie in Wladimir auf neue Projekte von Johanna Sander und ihren Wladimirer Freunden freuen. So geht ja auch noch hoffentlich der große Wunsch von Fritz Wittmann in Erfüllung: „Wir mögen die letzten Kriegsveteranen sein.“ Und im Album der Freundschaft von Nikolaj Schtschelkonogow gibt es nun neue Bilder.

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„Woher können Sie nur so gut Russisch?“ lautete die erste Frage des Teams vom Staatlichen Fernsehsender Minsk, das am Samstag nach Erlangen gekommen war, um mit Wolfgang Morell ein Interview zu dessen Kriegsgefangenschaft in Lagern der UdSSR zu führen. Für den heute 97jährigen schien es von Beginn seiner Festsetzung im Januar 1942 an klar, daß er lange in Feindesland würde bleiben müssen, und um zu überleben, sollte man die Sprache lernen. Systematisch begann er damit in Kasan, nach seiner Entlassung aus dem Spital von Wladimir, wo man dem „Fritz“ das Leben gerettet hatte, im Hospital für Kriegsgefangene – man stelle sich derartige Einrichtungen in Nazi-Deutschland vor! -, wo ein jüdischer Starosta als Dolmetscher fungierte. Von diesem Stubenältesten lernte der gebürtige Breslauer immerhin das Alphabet und die Grundlagen des Russischen, das er bis zu seiner Entlassung in die Heimat 1949 nahezu perfekt beherrschte und bis heute dank der Partnerschaft mit Wladimir so frisch und lebendig erhält, daß das Gespräch, von dem hier gar nicht mehr verraten werden soll, mit den weißrussischen Gästen fast ganz ohne die Hilfe der mitgereisten Dolmetscherin geführt werden konnte.

Wolfgang Morell im Interview

Gestern dann befragte das Team auch noch Günter Kuhne in Gera, der als „Bestarbeiter“ im Wladimirer Traktorenwerk eingesetzt war. Gesendet werden soll die Reportage im Mai 2020 zum 75. Jahrestag des Kriegsendes. Aber die Journalisten versprachen, den Link zu den Interviews schon vorab zu schicken, um das zeitgeschichtliche Dokument im Blog zugänglich zu machen.

P.S.: Heute wird in Lüsche, im Oldenburger Land, Franz Sieve zu Grabe getragen. Auch er ein Kriegsgefangener in Wladimirer Lagern. Auch er hatte der Blogredaktion ausführlich Bericht über seine Zeit hinter Stacheldraht erstattet. Er ruhe in Frieden.

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für uns, auch für Sie – so lauteten am 22. Juni 1941 um 4.30 Uhr in Moskau die Worte von Wjatscheslaw Molotow an Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, den deutschen Außenminister in Moskau, nachdem dieser dem damaligen Vorsitzenden des Rats der Volkskommissare und späteren Außenminister die Mitteilung gemacht hatte, der Führer habe befohlen, der durch die UdSSR und England bestehenden Bedrohung „mit allen zur Verfügung stehenden Machtmitteln entgegenzutreten“. Da hatte der größte Vernichtungs- und Eroberungskrieg aller Zeiten bereits begonnen.

Niemand mache mehr den Fehler, die Worte von Faschisten und Nationalsozialisten nicht ernst zu nehmen. Adolf Hitler hatte alles schon in „Mein Kampf“, und 1939 verkündete er öffentlich:

Alles was ich unternehme, ist gegen Rußland gerichtet; wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen, und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden.

Alles, was wir heute unternehmen, muß auf den Frieden gerichtet sein. Nie mehr ein so großes Unglück!

Am 22. Juni 2011 sprach Wolfgang Morell, der soeben seinen 97. Geburtstag feierte, als erster deutscher Kriegsteilnehmer in Wladimir auf dem Platz des Sieges bei der Gedenkfeier zum Überfall der Wehrmacht auf die UdSSR und wandte sich in russischer Sprache mit folgenden Worten an die in den frühen Morgenstunden versammelten Menschen:

Wolfgang Morell, Iwan Mochow, Sergej Sacharow, Andrej Schochin, Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Preuß, 22. Juni 2011

Liebe Wladimirer, liebe Freunde,

als letzter wendet sich an Sie ein deutscher Zeitzeuge jenes verhängnisvollen Tages vor 70 Jahren, der uns den Anlaß für diese Gedenkstunde gibt. Ich hatte damals gerade das Gymnasium abgeschlossen und wartete auf meine Einberufung. Ich erinnere mich noch ganz klar an den 22. Juni 1941. Es war ein strahlender Sonntag, noch früh am Morgen, als mich meine Mutter mit dem Ausruf weckte: „Jetzt greifen die Unseren Rußland an.“

Ein lastendes Gefühl ergriff die ganze Familie… Ungefähr gegen 8.00 Uhr trat unser Propagandaminister Goebbels im Radio auf und behauptete, die Wehrmacht sei mit ihrem Angriff nur einer sowjetischen Aggression zuvorgekommen. Viele Deutsche – ich meine sogar die Mehrheit – glaubte ihm. Wir, meine Familie, wir glaubten ihm nicht! Warum?

Mein Bruder, damals Soldat bei der Artillerie an der deutsch-sowjetischen Grenze in Ostpreußen, hatte unter anderem die Aufgabe, das Schußfeld im Osten zu dokumentieren. Wir waren also informiert über den Gang der Dinge… Doch was ich damals noch nicht ahnen konnte, war, daß ich ein halbes Jahr später in Kriegsgefangenschaft geraten würde. Die Gefangennahme war für viele Soldaten an der Ostfront, so auch für mich, etwas, das man sich in den dramatischsten Farben ausmalte. Ich verdanke mein Leben nur dem Versagen meines Karabiners!

Ich blieb am Leben, erkrankte aber schon bald. Zu meinem Glück brachte man mich ins Militärhospital nach Wladimir, das damals in der Lunatscharskijstraße lag. Hier pflegte man mich innerhalb von sechs Monaten wieder gesund, als wäre ich einer von den eigenen Leuten, ein Rotarmist. Deshalb sage ich voller Überzeugung: In Wladimir hat man mir das Leben zurückgegeben! Hier vollzog sich auch die Kehrtwende – von Mißtrauen und Feindschaft hin zu Verständigung, Partnerschaft und Freundschaft. Für mich liegt ein tiefer Sinn darin, daß ausgerechnet die Stadt, deren Bewohnern ich für immer zu Dank verpflichtet bleibe, eine Partnerschaft mit meiner Heimatstadt Erlangen pflegt.

Wir haben hier voll der Achtung der Opfer gedacht, die jener unglückselige Krieg auf beiden Seiten forderte. Bitte lassen Sie uns an dieser Stelle gerade auch besonders der Kameraden beider Seiten gedenken, die in Gefangenschaft ums Leben kamen und jetzt die ewige Ruhe gefunden haben. Danke!

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Heute feiert man in Wladimir – wie im ganzen Land – den 74. Jahrestag des Sieges mit Reden, Aufmärschen und der Erinnerung an die Helden, Versehrten und Opfer des Großen Vaterländischen Krieges. Alles richtig und wichtig. Der Blog begeht dieses Datum der Befreiung Deutschlands vom Faschismus mit einem stillen Gedächtnis der Wladimirer Autorin Tatjana Oserowa, deren Onkel seit Dezember 1941 als vermißt gilt, mit dem Titel „Der Koffer“.

Ich kannte damals das Erwachsenenwort „Archiv“ noch nicht als Ort, wo man verschiedene Unterlagen aufbewahrt. Aber wir hatten daheim hinter dem Vorsprung aus Ziegelsteinen zum Liegen auf unserem Ofen einen kleinen Koffer mit alten Papieren und Bildern, Briefen und Telegrammen aus der Kriegszeit, geschrieben auf Zeitungspapier. Meine Schwester und ich taten kaum etwas lieber, als von Zeit zu Zeit die weinroten Stimmkarten des Vaters durchzusehen, der an der einen oder anderen Parteikonferenz teilgenommen hatte. Wir kannten viele Lieder und Verse aus der Kriegszeit auswendig. Zur Weiterverbreitung druckte man sie damals auf einzelnen Blättern aus Hartpapier mit Noten und kleinen Zeichnungen und Illustrationen. Häufig sangen wir bei unseren Hauskonzerten im Türrahmen zwischen den Stores, die als Theatervorhang fungierten, unsere Lieblingslieder: „Die schlanke Eberesche“, „Das kleine Licht“, „Dunkle Nacht“, „Da kommen die Soldaten“, „Die Nachtigallen“, „Wo seid ihr nur jetzt, ihr Waffenbrüder?“ usw. Dann setzten wir uns an den großen Tisch und betrachteten zusammen mit den Eltern die Bilder aus dem Koffer. Von den Photos sahen uns ihre Freunde an, junge Offiziere mit einer wallenden Haarpracht oder kurzgeschnittenen Frisur, mit einem breiten Lächeln oder mit einem strengen Blick. Einige auf den Gruppenaufnahmen waren mit einem kleinen Kreuz über dem Kopf gekennzeichnet, was bedeutete, daß der Freund ums Leben gekommen war.


Unter diesen Papieren und Bildern fanden sich auch besondere Schächtelchen, wo Vaters Orden aufbewahrt wurden. Darin lagen auch zusammengefaltete Todesanzeigen, die tragischen Benachrichtigungen über Verwandte und Angehörige: „Ihr Ehemann…, Bruder…, kam um oder starb den Tod der Tapferen…“ Vaters Medaillen und Orden lagen in der obersten Schublade der alten Kommode, weil sie nach dem Krieg nur noch selten jemand trug. Am Orden des Roten Sterns fehlte ein Strahl, das Emaille war aus irgendeinem Grund abgesprungen.

Zärtlich streichst du mit der Kinderhand über die Auszeichnung des Vaters und denkst, denkst an diese und stellst dir seine Heldentat vor – und seinen Sieg…

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Heute nun die Fortsetzung zum gestrigen Bericht, die wegen technischer Probleme erst jetzt im Blog erscheinen kann: eine bebilderte Zusammenfassung der Ziele und Ergebnisse einer von Alexej Aljochin, unterstützt von seiner Lehrerin, Ludmila Mironowa, Recherche auf den Spuren von deutschen Kriegsgefangenen in Lagern der Region Wladimir.

Die deutsche Seite von Kowrow und Anopino

Die Kriegsgefangenenlager

Philipp Dörr und P. Wladimir

Das Projekt “Ein Blick in die Vergangenheit”, 2008

Gewinner und Preisträger des Wettbewerbs “Kulturbrücke Rußland-Deutschland”, Dezember 2013

Besichtigung der Gedenkstätte für gefallene Sowjetsoldaten, wo Ludmila Mironowas Großvater Wasilij Fedotow 1944 beigesetzt wurde.

Ludmila Mironowa, Alexej Aljochin und Herbert Meinka in Kowrow.

ZIELE:

  1. Informationen über die Gefangenenlager in Kowrow und Anopino, Region Wladimir, zu gewinnen.
  2. Ein Bild vom Leben und dem Аlltag der deutschen Kriegsgefangenen zu erhalten, die dort während des Krieges und in der Nachkriegszeit interniert waren.
  3. Die Ereignisse in Erinnerung zu halten, um die freundschaftlichen Beziehungen zu den Bürgern des heutigen Deutschlands zu festigen.

AUFGABEN:

  1. Material aus den Büchern und der Ausstellung in Kowrow / Anopino zu sammeln.
  2. Treffen und Interviews mit Verwandten der Gefangenen sowie mit Zeitzeugen.
  3. Internetrecherche zum Thema.
  4. Zusammenfassend Informationen über diese Ereignisse zu zusammenzutragen und das Gesicht des Krieges mit den Augen der damaligen deutschen Kriegsgefangenen zu zeigen.

Arthur Mainka, Vater von Herbert Mainka.

Der alte Stadtplan von Kowrow, Region Wladimir. Das Kriegsgefangenenlager ist rot, der Weg von dort zum Bahnhof blau markiert.

Die weiße Mauer ist der letzte Rest des Lagers für Kriegsgefangene Nr. 1. Auch Arthur Mainka war hier untergebracht.

Die Kirche auf dem Gelände des Lagers ist bis heute erhalten geblieben.

Alter Bahnhof in Kowrow. Hier kamen die Kriegsgefangenen an.

Die Häuser, auf die deutsche Kriegsgefangenen ein weiteres Stockwerk, die 4. Etage, setzten.

Der sogenannte Deutsche Turm vor der Glasfabrik in Anopino, aufgenommen von Herbert Mainka.

Anopino, das Innere der Werkhalle wo Arthur Mainka als Kriegsgefangene arbeitete.

Herbert Mainka, Michail Lissow, Ludmila Mironowa und Alexej Aljochin vor einem Glasofen der neuen Fabrik.

Michail Lissow, Herbert Mainka und Ludmila Mironowa vor dem „Madrid“ genannten Gebäude der Lagerleitung.

Etwa hier befand sich der Friedhof der Kriegsgefangenen, nicht weit von Anopino.

Abschluß

Als Fazit möchte ich den Gedanken festhalten: Es ist entscheidend wichtig, immer an unsere Geschichte zu erinnern, die uns mit Menschen aus der ganzen Welt verbindet und die wir besonders mit den Deutschen teilen. Ich meine, dies ist die einzige Weise, den Frieden auf der Erde zuhalten und den Krieg zu verhindern.

Alexej Aljochin

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