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Archive for the ‘Vermischtes’ Category


Ausgerechnet samstags liegen die durchschnittlichen Zugriffszahlen auf den Blog mit ca. 200 Aufrufen am niedrigsten – ganz unabhängig vom Thema. Aus welchem Grund das so ist, wissen allein die Götter.

Ebenso unbekannt bleiben Angaben dazu, wie häufig Leserkommentare aufgerufen werden. Die interne Statistik weist lediglich deren Gesamtzahl aus: derzeit 1.110 gegenüber den 3.713 seit September 2008 veröffentlichten Beiträgen. Da drängt sich doch förmlich auf, die anstehende Schnapszahl, für die es übrigens seltsamerweise keine idiomatische Entsprechung im Russischen gibt, für einen kleinen Wettbewerb zu nutzen. Die Redaktion ruft also auf, heute fleißig die Kommentarfunktion zu nutzen und belohnt jeden Beitrag mit einem nichtvirtuellen Souvenir – dergleichen gibt es noch in unserer digitalen Welt! – aus Wladimir. Wer aber den ersten Kommentar absendet, findet diesen morgen hier auf der ersten Seite wieder. Also nicht abschrecken lassen vom russischen Sprichwort, wonach der erste Pfannkuchen immer als Klumpen endet.

Und wir haben ihn schon, den ersten Kommentar, der die Schnapszahl 1.111 um kurz nach sieben Uhr voll machte, von Richard Dähler. Der frühe Wurm schrieb:

Die vielen guten Beiträge passend zu kommentieren, ist anspruchsvoll, zudem will man sich nicht als Kommentator immer wieder selbst lesen. Die Bewunderung für die Zuverlässigkeit, Bandbreite und die sprachliche Sorgfalt ist groß.

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Vorsicht, Masern!


Seit gestern trifft es auch Erwachsene. Am 5. März erkrankte ein Kind in Wladimir an den Masern. Ungeachtet aller Vorsorgemaßnahmen ist die Zahl der Infizierten mittlerweile auf 15 angestiegen, wie unterschiedliche Medien übereinstimmend berichten. Darunter nun erstmals auch eine 35jährige Frau.

Kurzer Fremdenführer durch die Welt der Kinderkrankheiten: Scharlach, Windpocken, Röteln und Masern

Jetzt konzentriert man sich auf alle, die mit den Erkrankten Kontakt hatten, beobachtet sie 21 Tage lang und bietet dann eine Impfung an. Darüber hinaus empfehlen die Behörden allen – gerade auch Erwachsenen -, die noch keine Masern hatten, sich impfen zu lassen. Eine Empfehlung, die auch alle Wladimir-Reisenden beherzigen sollten, wenn sie sich bisher als „impfmüde“ gezeigt hatten. Man gefährdet ansonsten nicht nur sich, sondern auch andere.

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Der Begriff „Stalker“ hat im Russischen eine ganz eigene Bedeutung, die auf den 1978/1979 von Andrej Tarkowskij gedrehten, gleichnamigen Film referiert, entstanden nach einem Drehbuch der Brüder Arkadij und Boris Strugazkij und Motiven aus deren Roman „Picknick am Wegesrand“, der in eine abgesperrte, von Menschen verlassene Zone – vergleichbar den „lost places“ – führt, in der unerklärliche Dinge geschehen – mit unheimlich-ungeahnten Auswirkungen auf die Eindringlinge.

So ein Stalker versteht sich als Lotse in einer verlorenen, vergessenen, verbotenen Welt, wo es Dinge zu sehen gibt, die ansonsten dem menschlichen Auge verborgen bleiben.

Solche Pfadfinder in ein Reich hinter morschen Absperrungen, schiefen Zäunen, rostigem Stacheldraht und verblichenen Warnschildern sind gern auch und gerade in Wladimir unterwegs, das ansonsten ja eher durch seine Sehenswürdigkeiten auf sich aufmerksam macht.

Aber es gibt hier eben auch dieses Schattenreich, für dessen Erkundung man schwindelfrei sein sollte, für dessen Vermessung man Stirnlampen und Spezialkleidung benötigt, will man heil zurückkehren in das vertraute Diesseits.

Immer wieder, so berichtet Zebra-TV, kommen Stalker aus Moskau und anderen Städten, um sich an Orten umzusehen, wo der Mensch längst erkaltete Spuren seines Schaffens hinterlassen, wo der Prozeß des Verfalls greifbar wird.

Diese Jäger nach verschollenen Schätzen tun sich gern zu Trupps zusammen, die sich sprechende Namen geben wie „Hartgesottener Moder“ und mit ortskundigen Pfadfindern losziehen.

Gemeinsam besteigen die „Roofer“ dann das Dach eines Gespensterhauses in Sudogda bei Wladimir, das nie fertiggestellt wurde, eine Ruine aus Sowjetzeiten, einst geplant als Zentrale der lokalen Verwaltung der KPdSU. Heute voller Schutt und Müll und all den Hinterlassenschaften einer untergegangenen Zeit.

Oder man überwindet Mauern, hinter denen ein einstiges Werk für Stahlbeton liegt, wo man auf Autofriedhöfe stößt und auf längst stillgelegte Industrieanlagen.

In Wladimir selbst lockt das Chemiewerk mit seinem schon vor Jahren unter Wasser gesetzten Luftschutzbunker, zu dessen Erforschung man tunlichst einen Schutzanzug überstreifen sollte. Hier gibt es sogar noch eine funktionierende Trinkwasserversorgung, die übrige Infrastruktur – wie die beiden Dieselaggregate – wurden hingegen unbrauchbar gemacht.

Eine richtige Unterwelt tut sich da auf mit Versorgungseinrichtungen und Gängen, von denen heute niemand mehr zu sagen weiß, wohin sie führen.

In drei Kurzfilmen haben die jungen Leute ihre Expeditionen festgehalten, hier zu sehen: https://is.gd/Da01C3, https://is.gd/T5kyE2 und https://is.gd/1AGou1

Man nehme sich aber auch die zwei Stunden Zeit für den Spielfilm „Stalker – Willkommen in der Zone“ von Andrej Tarkowskij, ein ganz außergewöhnliches Kunstwerk, dessen Inspirationskraft ungebrochen bleibt, hier in deutscher Synchronfassung: https://is.gd/gdncHs

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Die Kältewelle hat nun auch in Wladimir mit nächtlichen Temperaturen nahe der 30-Grad-Grenze  ihren Scheitelpunkt erreicht. Ab heute wird es wieder wärmer – oder besser weniger frostig. Aber die klirrende Kälte der letzten Tagen hat auch ihre ganz eigenen Reize und zeigte, vor allem am Wochenende, Lichtphänomene wie aus dem Märchenbuch.

Eisnadeln. Quelle: Zebra-TV

Nein, die Bilder wurden nicht bearbeitet. Zu viele Zeugen gibt es für diese nächtlichen Erscheinungen. Und nein, es handelt sich um keine Ausläufer des Polarlichts; dafür liegt die Region Wladimir dann doch nicht nördlich genug. Der optische Effekt ähnelt vielmehr dem in unseren Breiten eher selten auftretenden winterlichen Halo, also dem leuchtenden Ring aus Eiskristallen um die Sonne oder den Mond. Was die Aufnahmen hier zeigen sind aber keine Kreise, sondern vielfarbige Lichtsäulen, bestehend aus kleinsten Staubpartikeln, umgeben von einem durchsichtigen Eispanzer, die bei Windstille in der Luft stehen und alles widerspiegeln, was von der Erde aus gen Himmel strahlt.

Diamantenstaub. Quelle: Zebra-TV

Doch auch der schönste Bilderbuchwinter geht einmal zu Ende, der nächste Windstoß treibt die regenbogenfarbenen Eisnadeln auseinander, und es bleibt der Spruch von Novalis: „Trägt nicht alles, was uns begeistert, die Farbe der Nacht?“

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Bereits 1945 begann der Science-Fiction-Autor Alexander Kasanzew mit der Erforschung des rätselhaften Tunguska-Phänomens in Sibirien aus dem Jahr 1908 – die Ursache für die Verwüstungen auf einer Waldfläche von mehr als 2.000 qkm im Siedlungsgebiet der Ewenken sind bis heute nicht eindeutig geklärt – und stellte der Ufologie zuzurechnende Mutmaßungen an, die übrigens sogar literarischen Niederschlag fanden, etwa bei Stanislaw Lem („Die Astronauten“) oder in „Der Montag fängt am Samstag an“ von Boris und Arkadij Strugazkij. Mit weiteren Propagandisten des Übersinnlichen gründete der Parawissenschaftler 1980 die Gruppe „Kosmopoisk – Spacesearch“, die seit 2004 als „Allrussische Wissenschaftsorganisation“ firmiert, etwa zweieinhalb Tausend Mitglieder zählt und eine Filiale auch in der Region Wladimir, genauer in Murom, unterhält.

Ein Trupp dieser Erforscher des Übernatürlichen besuchten nun laut einem Bericht des Wladimirer Staatlichen Lokalfernsehens die im Südosten angrenzende Region Rjasan, wo auf der Fläche eines Fußballfeldes der sogenannte „Trunkene Wald“ steht, ein Phänomen, das man in ähnlicher Weise auch von der Kurischen Nehrung unter dem Begriff „Tanzender Wald“ kennt. Unter Einsatz von Wärmebildkameras und auf der Grundlage einer Analyse der Jahresringe kamen die Forscher zu dem Ergebnis, eine magnetische Anomalie, möglicherweise hervorgerufen durch die Landung eines Ufos, sei die Ursache der Verwachsungen der Stämme. Manch ein Einheimischer glaubt gar, hier hätten sich zwei Hexen einen Kampf geliefert.

Den Resultaten der Naturwissenschaften freilich können diese Theorien nicht standhalten. Die Erklärung für die gebogenen Stämme liegt nämlich in einer lokalen klimatischen und geologischen Besonderheit, die auch erklärt, warum ungefähr seit 1980 hier alle Bäume im Stadium der Ausnüchterung gerade gen Himmel wachsen, ebenso wie die ältesten Kiefern in diesem Waldstück. Einige Jahre vor den Olympischen Spielen in Moskau nämlich gab es eine Periode mit ausgesprochen feuchten Sommern, denen schneereiche Winter folgten. Damals, in den 70er Jahren, stand hier noch eine Föhrenschonung auf Sandboden, unter dem eine Lehmschicht das Wasser nicht abfließen läßt. Der Sand hatte sich derart mit Wasser vollgesogen, daß er eines Tages ins Rutschen geriet und die jungen Bäumchen mit ihren noch kurzen Wurzeln sich nach Westen neigten. In trockenen Phasen kam der Prozeß immer wieder zum Stillstand, und die Stämmchen richteten sich wieder auf – bis zum nächsten Schub…

Die Trunkenheit dürfte also buchstäblich natürlichen Ursprungs sein. Aber das Unwort des Jahres, „alternative Fakten“, hat ja nicht erst in unserer Zeit eine ganz eigene Magie entwickelt.

 

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Sich zu lieben, heißt nicht automatisch, auch zu heiraten. Zumindest spielt das Thema Heirat bei vielen jungen Menschen in Deutschland  nicht immer eine große Rolle. In Rußland scheint das anders zu sein. Wie beschrieb es bereits Lew Tolstoj? „Das einzige, was die Ehe heiligen kann, ist Liebe. Und die einzig echte Ehe ist die, die von Liebe geheiligt ist.“

In der Tat fällt bei einem Rußlandbesuch auf, daß vor allem viele junge Menschen sich für den Bund der Ehe entscheiden. Für die meisten gilt dies nach wie vor als die ideale Form des Zusammenlebens. Ganz anders als in Deutschland treten Frauen oft schon im Alter von 23 Jahren vor den Traualtar. Der russische Bräutigam ist durchschnittlich 27 Jahre alt. Dabei wird besonders in den Sommermonaten gerne Hochzeit gefeiert. Doch daß eine russische Hochzeitsfeier immer eine besonders große Feier ist, scheint ein Klischee zu sein. Vielmehr feiert jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Schulden dafür möchten die meisten nicht aufnehmen.

War es früher für die meisten Brautpaare sehr wichtig, sich in einer orthodoxen Kirche trauen zu lassen, genügt für viele heute das Standesamt. Großer Wert wird hingegen darauf gelegt, bei der anschließenden Hochzeitsfeier die Familie sowie die engsten Freunde dabei zu haben. Das Tragen eines schönen Brautkleides gehört zu einer Hochzeit immer noch dazu. Doch nicht unbedingt ein weißes. Hochzeitsbräuche wie die Entführung der Braut spielen bei den jungen Russen heute keine große Rolle mehr. Das Werfen des Blumenstraußes hingegen ist immer noch eine beliebte Tradition. Und so erfährt man auch heute noch bei jeder Hochzeitsfeier, wer sich als nächstes traut: Die Glückliche, die den Strauß fängt!

Wirft man einen Blick auf das typische russische Eheleben, fällt auf, daß nach wie vor die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau eine sehr traditionelle ist. Der Ehemann sieht es als seine Aufgabe, das Geld zu verdienen. Die Ehefrau ist für den Haushalt und die Erziehung des Kindes zuständig.

Michael Schaab

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Immer wieder erstaunlich, was die Archäologen von der Russischen Akademie der Wissenschaften in der Region Wladimir so alles aus der Zeit vom 9. bis 11. Jahrhundert ans Tageslicht bringen. Vor allem Belege dafür, welch engen Austausch die Wladimirer Rus mit Byzanz, dem Nahen Osten und dem damals noch weitgehend von finno-ugrischen Stämmen besiedelten Wolgaraum pflegte. Bei den jüngsten Grabungen etwa fanden sich bei einer regelrecht „kosmopolitischen“ Frau, die im Alter zwischen 20 und 29 Jahren verstorben war, insgesamt 140 Objekte, Schmuck und Bestandteile ihrer Kleidung: Ringe aus Silber, Bronze und Glas, Halsketten aus Glasperlen, Anhänger aus Münzen, Armreife, Kopfgeschmeide. Im Kniebereich entdeckte man zwei bogenförmige Anhänger mit Voluten, an den Fersen mutmaßliche Accessoires der Schuhe in Form von rechteckigen Platten mit Anhängern – und im Leichenkleid ornamentale Fragmente aus dem slawischen wie finno-ugrischen Kulturkreis.

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Die weiten Hügellandschaft um Susdal und Wladimir bildete im Mittelalter den „Kern“ der Kern der Rus, bevor das Machtzentrum sich nach Moskau verlagerte. Deshalb nahm man hier unter Leitung von Graf Alexej Uwarow bereits im 19. Jahrhundert Grabungen vor, und seit 2011 untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Archäologie diese Stätten, vor allem solche, die seinerzeit noch unberührt geblieben waren. Erschwert werden die Arbeiten dadurch, daß 1852 noch 244 Kurgane gezählt wurden, während heute wegen der intensiven Landwirtschaft keine Grabhügel mehr auf den Feldern zu erkennen sind. Man muß diese unsichtbaren Nekropolen also mit Hilfe moderner Technik, mit elektrotomographischen Aufnahmen, suchen. So fand man tatsächlich in diesem Sommer fünf bis dato unbekannte Kurgane mit einem Ausmaß von bis zu 600 qm mit insgesamt vier Begräbnisstätten.

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Bemerkenswert die Grabbeigaben der jungen Frau in Form von drei Münzen in der Halskette: zwei aus dem Nahen Osten, die in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Umlauf waren, und eine aus Byzanz, geprägt unter Kaiser Konstantin VII und seinem Sohn und Mitregenten, Roman II. Ein seltener Fund, wie die Forscher vermerken, denn gerade aus dem einstigen Konstantinopel hatte man bisher nur vier dieser Miliarensia zu Tage gefördert.

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In einem anderen Grab dann wieder eine Münze, ein arabischer Dirham aus dem späten 10. Jahrhundert, die man einem Mann in seinen Zwanzigern offenbar als Obolus mitgegeben hatte, gewissermaßen als Passierschein für den Übertritt ins Jenseits. Ein Zeugnis für die fruchtbare gegenseitige Durchdringung der Kulturen, lange bevor die krude Phobie vor „Mischvölkern“ entstand…

Material bearbeitet nach Zebra-TV

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