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Archive for the ‘Vermischtes’ Category


Unter dieser Überschrift veröffentlichte gestern auf Facebook der Wladimirer Bauunternehmer, Dmitrij Pawlow, zu dessen Projekten auch das Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde gehört, einen Nachruf:

Vermaledeites Covid 😰

Ich kann nicht anders, es muß aus mir heraus:
In dieser Woche verloren zwei gute Bekannte von mir das Leben.

Beide waren sie junge und erfolgreiche Männer.

Ich kann meine Gefühle kaum zurückhalten…

Beider Lungen waren zu 80% befallen.
Die offizielle Diagnose wurde erst im Lauf der Erkrankung gestellt, aber das ist eine ganz andere Frage.

Corona ist nicht weg, achtet aufeinander! 🙏😰
Jetzt nur nicht nachlässig werden!

Maxim war ein guter, hilfsbereiter Mensch. Ich arbeitete immer vertrauensvoll mit ihm zusammen. Ein Unternehmer, der Arbeitsplätze schuf, unsere Stadt aufbaute.
Sergej war ein „Staatsmann“. Jemand mit Gewissen, Bescheidenheit und Gefühl für das rechte Wort.
Dies bleibt mir von ihnen in meiner Erinnerung.
Mögen die Jungs ruhen in Frieden. 🙏

Eine weitere Stimme gehört der Kunstlehrerin Aida Dynnikowa, die zu der Gruppe 65 + gehört, die seit Ende März unter häuslicher Quarantäne steht und in diesem „Hausarrest“ noch mindestens bis Ende des Monats leben muß.

Ich brenne ganz und weiß nicht wovon. Mein Herz, wie soll das weitergehen? Ich will so sehr zur Arbeit, um alle zusammen zu umarmen. Ich habe den Hausarrest so satt, obwohl alles inklusiv ist: ein weicher Diwan, ein reiner Topf. 30 Schritte von Fenster zu Fenster, immerhin genug Borschtsch auf dem Herd! Der Virus hat sich wie eine Motte verkrochen, um sich mucksmäuschenstill vollzufressen. Die Fühler ausgestreckt, pfui Teufel, noch bin ich nicht verreckt.

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In Zeiten von Corona, wo der leibhaftige Austausch zwischen den Partnerstädten ruht, bleibt als einziges und gern genutztes Mittel der Kommunikation neben dem guten alten Fernruf das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten. Insbesondere ist das die Videokonferenz, zu der man sich von zu Hause, vom Arbeitsplatz oder von unterwegs dazuschalten kann, wenn man von einem Gastgeber, „Host“ genannt, eingeladen wird. Diese Rolle übernahm nun vorgestern die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft in Wladimir mit ihrem Leiter, Wjatscheslaw Kartuchin, für das Diskussionsforum „Prisma“, das mit dem Thema „Gedenkkultur“ eigentlich bereits im Juni in der Partnerstadt hätte stattfinden sollen, wenn da nicht die Pandemie dazwischengekommen wäre.

Nun sitzt man sich also per Bildschirm gegenüber – und arrangiert sich mit den Umständen, die zwar, wenn die Sitzung, wie im gegebenen Fall, ganze zweieinhalb Stunden dauert, durchaus Sitzfleisch und Konzentration fordern, die aber auch eine erstaunlich gut funktionierende Plattform bieten, um Argumente und Meinungen auszutauschen. Technisch ohne jede Störung, vor allem aber nutzbar auch von digitalen Laien, sofern der Rechner mit Kamera und Mikrophon ausgestattet sein sollte, was, wie man hört, noch nicht für alle Arbeitsplätze im Erlanger Rathaus gilt.

Oleg Gurejew, Nikolaj Schtschelkonogow und Alexander Illarjonow

Und so sitzt man sich also gegenüber und beschnuppert sich in einem fünfzehnköpfigen Kreis schon ein paar Minuten vor Beginn der Konferenz mit virtuellen Lockerungsübungen, prüft die Leitung, den Ton, die Kameraeinstellung, die Sitzhaltung und sagt sich, wie weiland der Schöpfer: „Es ist gut!“

Olga Dejewa

Schwierig freilich ist das Thema der Sitzung, die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, den Oberbürgermeisterin, Olga Dejewa, in ihrer Begrüßung eine „große Tragödie“ nennt, unter der auch ihre eigene Familie – wie fast alle in der Sowjetunion – zu leiden hatte: Ein Onkel fiel an der Front, ein zweiter kam versehrt zurück… Es sei deshalb von überragender Bedeutung, das Gedächtnis an jene Jahre an die nächsten Generationen weiterzugeben und zu einer patriotischen Haltung zu erziehen.

Wjatscheslaw Kartuchin

Schwierig, weil sich, wie Wjatscheslaw Kartuchin mit Bezug auf den jüngst veröffentlichten Aufsatz von Wladimir Putin, ausführt, um ihren entscheidenden Beitrag zum Sieg über den Faschismus betrogen sehen. Geschichtsklitterung, Verzerrung und Entstellung der Fakten, Relativierungen, alles Entwicklungen, denen man sich entgegenstellen müsse.

Julia Obertreis

Schwierig, weil, wie Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU, in ihrem Beitrag ausführte, die Forschung in Deutschland der russischen Sicht etwa einer Mitschuld Polens am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht teile.

Wehrmachtsangehörige in sowjetischer Gefangenschaft

Schwierig vor allem aber, wenn dann die Wladimirer Seite fragt, wie es denn so weit habe kommen können, daß ein Kulturvolk wie die Deutschen so habe verrohen, so bestialisch habe wüten können wie besonders an seiner Ostfront. Da kann keine Erklärung ausreichen, da kann kein Verweis auf Propaganda weiterhelfen. Darüber wird man weiter sprechen müssen: Wie ist ein solcher Kulturbruch möglich?

Botschafter Géza Andreas von Geyr übergibt am 6. Mai 2020 Dokumente aus deutschen Archiven an Michail Schwydkoj, Beauftragter des russischen Präsidenten für internationale Kulturzusammenarbeit

Bei allem Schwierigen setzt Julia Obertreis aber auf die weiteren Gespräche im Rahmen der deutsch-russischen Historikertreffen, und vor allem die virtuellen Gastgeber loben immer wieder die Rolle der Städtepartnerschaft, die sich seit dem 22. Juni 1991, dem 50. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die UdSSR, besonders der Versöhnung zwischen den Veteranen verpflichtet sieht, wofür neben dem einstigen Frontkämpfer – 140 von ihnen leben noch in Wladimir – Nikolaj Schtschelkonogow auch Witalij Gurinowitsch steht, der 1995, damals noch Leiter der zeitgeschichtlichen Abteilung des Landesmuseums, eine Ausstellung zum Thema „Kriegsgefangene in Wladimirer Lagern“ nach Erlangen brachte. Sein einstiger Kollege und heutiger stellvertretender Direktor des Museums schlägt nun eine Neuauflage der Ausstellung mit zusätzlichem Material vor. Ein Angebot, das Erlangen gewiß nicht ausschlagen wird, zumal auch hier die Stoffsammlung fleißig weitergeht und es Überlegungen gibt, eine aktualisierte Fassung des Erinnerungsbandes „Komm wieder, aber ohne Waffen“ herauszugeben.

Peter Steger

So schwierig sie sein mag, bei allem Trennenden verbindet kaum etwas die Deutschen und Russen so sehr wie die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Da ist es gut, die verbindliche Stimme des ebenfalls zugeschalteten Politikwissenschaftlers, Roman Jewstifejew, zu hören, der meint, alles sei eine Frage der Wahrnehmung und der Beeinflussung durch Politik und Medien. Er plädiert deshalb für die „soft power“ der Wissenschaft, die sich gegen jede Propaganda stellen und offenbleiben müsse. Offen bleiben aus Zeitgründen dann auch noch die Beiträge von Jutta Schnabel mit Beispielen aus der Erinnerungsarbeit im Rahmen des Jugendaustausches und von Peter Steger zum Beitrag der Städtepartnerschaft zur deutsch-russischen Verständigung. Doch schon plant man die nächste Konferenz dieser Art, um – auch anhand dieser Referate – die so notwendige Diskussion fortzusetzen, denn auch das Trennende sollte uns verbinden.

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Österliche Ruhe


Heute verordnet sich der Blog österliche Ruhe, denn am heutigen Weißen Sonntag feiert die orthodoxe Kirche das Fest der Auferstehung.

Am vergangenen Sonntag sah es in der Rosenkranzgemeinde bei den Katholiken in Wladimir noch so aus – Gemeinschaft auf Abstand.

Erzbischof Tichon

Heute sollen die rechtgläubigen Kirchen leer bleiben, die Gottesdienste sind ins Internet verlegt. Aber man wird sehen, ob dieses Gebot der weltlichen Obrigkeit mit dem Segen des Patriarchen auch in jeder Gemeinde befolgt wird. Es regt sich da in der Geistlichkeit viel Widerstand.

Österliche Sauerampfersuppe aus der Blog-Küche

Aber wir belassen es, wie gesagt, bei der österlichen Ruhe und rufen allen den russisch-orthodoxen Gruß zu Христос воскрес! – Воистину воскрес! Christ ist erstanden! – Wahrlich ist er erstanden!

Ostern 6

So feiert man Ostern in Wladimir in Zeiten von Corona – zu Hause.

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Es lag in der Luft, eines Tages würde auch Wladimir vom Corona-Virus infiziert werden. Nun bestätigten die Behörden gestern vormittag tatsächlich zwei Erkrankungen an COVID-19, eine davon, eine Frau, in Wladimir, die andere in der Kreisstadt Kowrow, etwas größer als Erlangen und gute 60 km nordöstlich der Partnerstadt gelegen. Dort verstarb bereits am 27. März ein 48jähriger Mann im kommunalen Krankenhaus, wo er auf der allgemeinmedizinischen Station wegen einer doppelseitigen Lungenentzündung behandelt wurde. Die Corona-Virus-Infektion diagnostizierte man erst post mortem.

Vorsicht, Corona-Virus! Passen Sie auf sich selbst und Ihre Nächsten auf.

Dieser Umstand wirft natürlich Fragen auf: Können sich das medizinische Personal, Reinigungskräfte, Besucher und andere Patienten angesteckt haben? Kann man nachvollziehen, wer mit dem Kranken Kontakt hatte, um den Herd zu lokalisieren und einzugrenzen? Und vor allem: Gibt es weitere Menschen, die vermeintlich „nur“ an einer Lungenentzündung starben, in Wirklichkeit aber den Virus in sich trugen?

Ein Priester spendet mit der Ikone der Muttergottes von Bogoljubowo vom Hubschrauber aus den Segen über das Wladimirer Land

Strenge Maßnahmen sind ergriffen, die Straßen sind leer, die Menschen bleiben im wesentlichen zu Hause, vor allem jetzt, wo ja vom Präsidenten eine Woche arbeitsfrei angeordnet wurde. Aber was ist mit all jenen Moskowitern, die noch vor der Ausgangssperre aufs Land ausschwärmten oder ans Schwarze Meer flogen? Wie viele von ihnen – in Moskau sind mit Stand vom 30. März 1.226 Erkrankte gemeldet, von denen sechs bereits verstarben – werden die Infektion nun weitertragen? Unbekannt. Unsichere Zeiten stehen nun auch der Partnerstadt bevor.

Wladimir Corona 2

Die menschenleere Fußgängerzone von Wladimir, gesehen von Sergej Schtschedrin mit dem Kommentar: „Nur die Tauben fliegen noch über unserer Zone“.

P.S.: Am meisten Sorge bereitet das exponentielle Wachstum der Ansteckungen: Am 15. März meldeten die Behörden landesweit ganze 63 Ansteckungen, gestern lag die Zahl bei 1.836 bestätigten Infektionen. Die Kurve schnellt senkrecht nach oben. Wann sie abflacht? Das wird wohl noch dauern und viel Opfer kosten.

Ge

Wladimir Corona 3

Gehalt – Pizza – Post

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Viele in Wladimir glauben noch gar nicht, mit welcher Wucht sie und ihre Lieben der neuartige Corona-Virus treffen kann und wohl auch wird. Bevor der Blog, eher als ihm lieb sein kann, wieder zu diesem schweren Thema zurückkehren wird müssen, hier ein hoffnungsfrohes Bild, das der Politologe, Roman Jewstifejew, schickt, festgehalten im Aufzug eines Hauses in der Partnerstadt. Nehmen Sie es mit in den Tag, für den wieder gilt: Bleiben Sie daheim, passen Sie auf sich und die Ihren auf – und bleiben Sie um Himmels Willen gesund!

Der Frühling hat angerufen! Trunken, glücklich… Ich frage ihn: Wo bist du? Drauf er: Ich komme doch schon, ich komme!

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Die Russische Föderation unternimmt – bisher durchaus mit Erfolg – alles, um den Import des Corona-Virus möglichst zu unterbinden. Nach dem Einreiseverbot für Chinesen dürfen ab heute auch keine Gäste aus dem Iran mehr über die Grenze. Gemessen an der Größe des Landes und der Zahl der Einwohner sind die Fallzahlen mit einem knappen Dutzend Infizierter, zumeist Urlauber aus Italien, überschaubar. Aber die wirtschaftlichen Auswirkungen drohen, unbeherrschbar zu werden. Der rasant fallende Ölpreis, an den die Währung noch immer gekoppelt scheint, reißt den über viele Monate stabilen Rubel mit, der innerhalb weniger Tage beim aktuellen Wechselkurs von 1 Euro = 77 Rubel ein neues Tief erreichte. Aber auch die Produktion, wie überall auf der Welt mittlerweile eng mit China verflochten, leidet spürbar. So hat zum Beispiel das Buswerk in Worscha bei Wladimir mit seinen 365 Mitarbeitern seit dem 4. März geschlossen, weil die asiatischen Zulieferer weder Motoren noch Achsen liefern. Erst Mitte des Monats soll die Produktion wieder anlaufen. Da zeigt sich der Pferdefuß der Globalisierung. So auch in Murom, wo bereits im Februar zwölf chinesische Manager und vierzig Mitarbeiter eines Technikbetriebs nicht einreisen durften. 17 weitere Chinesen, die noch vor dem Stichtag die Grenze überschritten hatten, mußten sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Seit dem 2. März läuft der Betrieb wieder, die asiatischen Fachkräfte wurden durch einheimische ersetzt.

Alles über den Corona-Virus

Abzuwarten bleibt, wie sich die Lage auf den Austausch der Partnerstädte auswirkt. Mitte nächster Woche erwartet das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde fünf Studentinnen aus dem noch virusfreien Wladimir. Aber schon gehen angesichts der Corona-Fälle in Erlangen Anfragen ein, wie sicher es sei, die Reise nach Franken anzutreten. Noch freilich haben die russischen Behörden keine Reisewarnung für Deutschland ausgesprochen oder gar Einreisebeschränkungen für Bundesbürger verhängt. Keine Panik auf der Titanic! Das bleibt hoffentlich auch so.

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Das war gestern ein apokalyptisch anmutender Tag für Wladimir, als schwarze Rauchfahnen vom Süden her die Altstadt verhüllten.

Der eine oder die andere glaubte sich schon in einer Zeitmaschine und zurückversetzt in jene finsteren Tage des Jahres 1238, als am 7. Februar das Heer von Batu dem Prächtigen, einem Enkel des Dschingis Khan, nach nur fünftägiger Belagerung die Hauptstadt der Rus einnahm und brandschatzte.

Doch es waren weder die Mongolen im Anmarsch, noch war Feuer in Wohngebieten ausgebrochen, wie zunächst ebenfalls vermutet wurde. Die Nase verriet es: Der Qualm brachte den ätzenden Gestank von brennenden Reifen mit.

In den Auen jenseits der Kljasma gibt es ein Motodrom, in dessen Nähe man unter freiem Himmel ein Lager mit abgefahrenen Reifen eingerichtet hatte. Diese hatte nun jemand auf einer Fläche von 25 qm angesteckt.

Sechs Feuerwehrleute hatten mit zwei Löschfahrzeugen alle Hände voll zu tun, um den Brand zu löschen. Aber der Schaden war schon angerichtet.

Was neben dem Schaden für die Luft bleibt, sind die gespenstischen Bilder von Zebra-TV und aus den sozialen Netzwerken: die Ästhetik des Infernos.

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Im vergangenen Jahr zählte die offizielle Statistik 2,3 Millionen Einreisen aus der Volksrepublik China in die Russische Föderation, davon anderthalb Millionen Touristen. Zahlen, die heuer wegen des Corona Virus sicher nicht erreicht werden, denn Peking hatte bereits Ende Januar touristische Reisen seiner Bürger ins Ausland begrenzt, und seit Anfang Februar gelten verschiedene Beschränkungen. Moskau schloß seine gut 4.000 km lange Landgrenze zum Reich der Mitte, an den Übergängen wurden Gesundheitsüberprüfungen verstärkt, und die Zugverbindung zwischen den Hauptstädten ist unterbrochen; nur der Warenverkehr rollt weiter. Flugreisende werden zentral an einem Moskauer Terminal Scheremetjewo abgefertigt, die Anzahl ist Flüge reduziert.

Doch nun gilt seit gestern nacht ein generelles Einreiseverbot für alle Staatsbürger Chinas, die aus touristischen oder privaten Gründen, zur Bildung und Ausbildung sowie zur Arbeit ins Land hätten kommen wollen. Ausgenommen sind nur Geschäftsleute, Bürger anderer Staaten und Transitreisende.

Russisch-chinesische Begegnung in Susdal

Ein kleines Stück von diesem Fremdenverkehrskuchen landete auch in der Region Wladimir. In den letzten fünf Jahren wuchs die Zahl chinesischer Touristen beständig. 2016 zähle man 16.000, 30% mehr als im Vorjahr. Damals startete man das Wohlfühlprogramm „China Friendly“, betonte die freundschaftlichen Beziehungen zum großen Nachbar im fernen Osten und lud sogar eine Gruppe von chinesischen Bloggern ein, die in ihrer Heimat Wladimir und Susdal bekannter machen sollten. 2018 lief das Projekt des Landesmuseums an, wonach man plante, die Besucherzahlen zu verdoppeln – mit einer Adaption der Homepage, Wegweisern, Audi-Guides und speziell geschulten Fremdenführern. Im vergangenen Sommer machte der Gouverneur der Region diese Frage sogar zur Chefsache. Doch just sein für Tourismus zuständiger Stellvertreter goß nun Wasser in den Wein. Zwar seien in den ersten neun Monaten 2018 die Zahlen der chinesischen Reisenden erneut gestiegen, doch deren Beitrag zur Wirtschaft werde überschätzt. Wörtlich, wie bei Zebra-TV nachzulesen:

Was stellten die chinesischen Touristen bei uns dar? Massen, die im Bus Instantnudeln aus ihren eigenen Schüsseln essen. Sie ließen kein Geld da, nur Müll. Es gab auch einen geringen Anteil von reichen Chinesen, die kamen, um Geld auszugeben. Die Delle wird sich wieder ausgleichen, sie werden wieder gesund und kommen zurück. Der Hauptstrom reiste an, vergnügte sich, flanierte, warfen ihren Müll weg und fuhren wieder davon. Wirtschaftlich bleibt da leider wenig hängen. Der Bus fährt durch, der Fremdenführer – wenn er denn ein richtiger ist – verdient sein Geld. Wir erwarten deshalb keinen großen Einbruch, so schlimm wird es schon nicht.

Unterdessen gehen russische Fachleute davon aus, daß sich COVID-2019 nicht von selbst erledigt, sie rechnen vielmehr mit einer veritablen Epidemie. Derlei Atemwegserkrankungen treten nämlich wellenartig auf. Und im Herbst könnte ein zweiter Ausbruch auch Rußland treffen, zumal sich das Virus noch immer weltweit ausbreitet. Wenn dann epidemiologisch alles überstanden ist, wird man sehen, wie sich nicht eben chinesenfreundliche Einlassungen wie oben auf das Miteinander von Einheimischen und Fremden auswirkt.

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Schon wieder ein Schönheitswettbewerb in Wladimir? Wozu das, könnte man fragen. Die Antwort findet sich rasch, wenn man genauer hinsieht. Gekürt wurden da nämlich zwei junge Damen, die nicht nur mit ihrem Phänotyp überzeugen, sondern auch über die vielbeschworenen inneren Qualitäten verfügen.

Anastasia Sacharowa

Beginnen wir bei Anastasia Sacharowa, die in der Kategorie „Talente“ siegte. Die Tochter von Wladimirs Altoberbürgermeister, Sergej Sacharow, verdient ihr Geld als Moderatorin der Nachrichtensendung des lokalen staatlichen TV-Senders und errang den Preis unter anderem dank ihrem Gesangsauftritt, bei dem sie sich selbst mit der Ukulele begleitete.

Alexandra Daschkewitsch und ihre beiden Stellvertreterinnen auf dem Wladimirer Thron der Schönheit

Miss Wladimir darf sich nun aber für ein Jahr die 21jährige Alexandra Daschkewitsch aus Susdal nennen, die Geige spielt und an der Universität der Partnerstadt Religionswissenschaften studiert, ausgerechnet das Fach mit den engsten Verbindungen zur Friedrich-Alexander-Universität. Durchaus möglich, daß die frischgekürte Schönheitskönigin demnächst auch einmal – wie vor ihr schon Anastasia Sacharowa – zum Austausch nach Erlangen kommt.

Wer auch immer die Krone errungen haben mag, die Ausscheidung forderte einiges ab. Mehr als 300 Bewerberinnen gingen in der ersten Runde auf den Laufsteg, am Ende blieben noch 16 Bewerberinnen um den Titel übrig, die nicht nur mit ihrem Aussehen zu punkten, sondern auch durch ihre intellektuellen und musischen Begabungen zu überzeugen hatten.

 

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Alle Jahre wieder kann man im Internet im Rahmen des Projekts „Stadt Rußlands – die nationale Wahl“ für die nach eigenem Dafürhalten attraktivste und am besten wiedererkennbare Stadt abstimmen. Mit Stand vom heute, 29. Januar, 3.45 Ortszeit, liegt Wladimir mit 19.940 Stimmen auf dem ersten Platz, gefolgt von Smolensk mit gut 1.000 Zählern Abstand. Den letzten Rang der insgesamt 83 Verwaltungszentren nimmt mit gerade einmal 40 Stimmen Jakutsk ein.

Ökumene der Kirchtürme: katholische Rosenkranzkirche und orthodoxe Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Aber den Sekt sollte man noch nicht aus dem Kühlschrank holen, wir stehen ja noch ganz am Anfang der Wahl der schönsten russischen Stadt mit Potential, als Symbol für das ganze Land zu gelten. Im Vorjahr siegte Tscheboksary, die Metropole von Tschuwaschien, die derzeit auf Platz 19 liegt. Wladimir schaffte es 2019 nur auf Rang 45. Aber: Neues Jahr, neues Glück, das auch in Ihren Händen liegt. Ein Klick hier https://is.gd/O4CGW5 – und Wladimir bleibt vorne. Ausgezählt wird freilich erst am 30. Dezember 2020.

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