Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Vermischtes’ Category


Zu den Klassikern der modernen russischen Literatur gehört „Picknick am Wegesrand“ von den Brüdern Arkadij und Boris Strugazkij, ein Roman, der Andrej Tarkowskij als Vorlage zu seinem ikonographischen Film „Stalker“ diente. Beide Werke wirken bis heute in der Kunst und Literatur sowie in der Weltsicht der Russen nach und gehören zum Gemeingut.

Ein „Stalker“ ist im Russischen deshalb nicht, wie bei uns, jemand, der Frauen nachstellt, sondern ein Jäger der vergessenen und ungehobenen Schätze untergegangener und verblaßter Zeugnisse unserer Zivilisation. Auf die Spur solcher Industrieruinen machte sich unlängst auch der Wladimirer Photograph Daniil Gorodnitschew und stellte sie der Journalistin Olga Redina zur Verfügung, die sie nun bei Kljutsch Media veröffentlichte.

Die Pirsch mit der Kamera brachte etwas Erstaunliches zu Tage. Zunächst meinte der Künstler, er habe es hier mit einem Friedhof für ausrangierte Züge zu tun. Dann wunderte er sich aber darüber, wie verbeult die Waggons sind, und erfuhr, daß es sich hier um Übungsmaterial handelt.

Der Fuhrpark an der Bahnhofsstraße, schon im Wald gelegen, dient also Bergungskräften dazu, die Griffe und Schritte zu erlernen und zu praktizieren, die notwendig sind, wenn ein Zug entgleist. Daher auch die vielen Beulen und Schrammen.

Was hier steht, ist also noch nicht auf dem Abstellgleis oder zum Abwracken vorgesehen, sondern dient dem Katastrophenschutz – und natürlich als Photomotiv, das zu einem neuen Roman und/oder Film anregen könnte.

Am Rande bemerkt: Fahne und Appell kennt man aus Weißrußland: „Es lebe Belarus!“

Read Full Post »


Lang ist die Geschichte des ursprünglich aus dem von der Wehrmacht eingekesselten Leningrad nach Wladimir evakuierten und mit Hilfe von Kriegsgefangenen aufgebauten Traktorenwerk, das zum Flaggschiff der Wirtschaft wurde und seine Nutzfahrzeuge in die ganze sozialistische Welt exportierte, bis es dann in den 90er Jahren immer wieder Management und Besitzer wechselte und schließlich trotz vieler Rettungsversuche in der rauhen See der Marktwirtschaft sank.

Nun pflügt ein neuer Schlepper aus dem Gewerbegebiet von Kameschkowo, 40 km nordöstlich er Partnerstadt gelegen, nein, noch nicht die Meere der Welt, aber doch die russischen Felder und Äcker, und da die Neuentwicklung mit der Bezeichnung „Wladimir 4050“ als Alleskönner konzipiert ist, einsetzbar auch als Räumfahrzeug und im Straßenbau, verspricht man sich bald guten Absatz, vielleicht auch im Ausland. Allerdings ist nun zunächst auch ein Service- und Vertriebsnetz aufzubauen. Auch die Produktionskapazität ist erst zu 64% ausgelastet. Aber ein Neuanfang ist gemacht, und schön zu wissen, daß man mit Wladimir wieder so einen kleinen Kraftprotz assoziieren kann. Allzeit gute Fahrt.

Read Full Post »


Der Austausch zwischen Erlangen und Wladimir trotzt Corona mit immer neuen Formaten. Als in den Osterferien unser Theater in den Erlanger Nachrichten einen Aufruf an Kinder veröffentlichte, für eine Lesung des Märchens „Der kleine Prinz“ Motive aus dem bekanntesten Buch von Antoine de Saint-Exupéry zu gestalten, kam dem Partnerschaftsbeauftragten in den Sinn, an der Aktion auch die Partnerstädte zu beteiligen, eine Idee, die von den Veranstaltern begeistert aufgenommen wurde. Leider blieb die Resonanz in den jeweiligen Kommunen eher bescheiden: zu kurzfristig, Ferien, Corona… Einzig Wladimir signalisierte sofort Bereitschaft, Kinderbilder zu schicken. Aida Dynnikowa, seit Jahren mit Erlangen künstlerisch verbunden, konnte freilich zum Teil auf einen eigenen Wettbewerb zurückgreifen, den sie zum Thema „Der Kleine Prinz“ bereits selbst veranstaltet hatte. Und so dauerte es nur wenige Tage, bis eine ganze elektronische Mappe von Zeichnungen eintraf, die nun in die zehn Folgen der Lesung eingestreut zu sehen sind. Und – eine besondere Auszeichnung – eine der Arbeiten aus der Partnerstadt schaffte es sogar auf das Plakat.

Das Theater Erlangen zeigte sich damit auf seine Art erkenntlich und schrieb:

Herzlicher Dank und Grüße nach Wladimir, in die Partnerstadt Erlangens, von wo aus uns zahlreiche Bilder geschickt wurden!

Sie haben nun die Möglichkeit, allein oder mit den Kindern oder Enkeln virtuell ins Theater zu gehen und sich an den phantasiereichen Bildern aus Erlangen und Wladimir zu erfreuen.

Read Full Post »


Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin schreibt eine Reise durch die Regionen der Russischen Föderation aus. Wer mitmachen und gewinnen will, sollte sich allerdings sputen. Es gilt, bis zum 25. Mai in Ihren Sozialen Netzwerken einen Beitrag zu den Ihrer Meinung nach fünf bemerkenswertesten russischen Charaktereigenschaften zu veröffentlichen. Dabei sollte man die Hashtags #НевероятныеРоссиянe und #UnbelievableRussians verwenden und das Land angeben, aus dem man kommt bzw. schreibt. Die Bekanntgabe der Ergebnisse erfolgt dann schon einen Tag darauf, am 26. Mai, während der Ausstrahlung der Aktion „Fenster nach Rußland“ im Kreativ-Cluster „Red October“. Den Preis nimmt man in Moskau entgegen, und die Reise kann bis Ende des Jahres angetreten werden.

Wer nun bei Facebook & Co. nicht persönlich vertreten ist (soll es ja noch geben), kann, einer einstimmigen Entscheidung der Redaktion nach, kostenlos die Plattform des Blogs nutzen und seine fünf bemerkenswertesten Charakteristika entweder direkt hierher oder an peter.steger@stadt.erlangen.de schicken. Wäre doch gelacht, wenn sich nicht jemand aus der Leserschaft von wladimirpeter den Preis holte. Wir drücken die Daumen und sind gespannt, zu hören, was Sie an den Menschen in der Russischen Föderation so bemerkenswert finden.

Read Full Post »


Wenn Sie das nächste Mal nach Wladimir kommen – jetzt rückt diese Möglichkeit ja allmählich wieder in die absehbare Zukunft – kann es gut sein, daß Sie an einem Graffito vorbeikommen, das von Nikita, wie er sich nennt, mit dem Tag молния, Blitz, stammt. Seine Sprüharbeiten, die er seit 2007 macht, versteht der Straßenkünstler denn auch als „Geistesblitz“, als Augenblickseinfall, der ein Gebäude ebenso treffen soll, wie einen Passanten. Seine Identität gibt er ebensowenig preis wie der weltbekannte Bansky, von dem ihn allerdings künstlerisch und technisch einiges unterscheidet, denn der russische Kollege verwendet keine Schablonen. Aber machen Sie sich selbst ein Bild seiner Kunst.

Read Full Post »


Seit fünf Jahren gibt es in Wladimir mehrmals im Jahr thematische Veranstaltungen rund um das Heiraten. Dieser Tage drehte sich alles um Brautmoden und das ideale Frühstück nach der Hochzeitsnacht. 30 Modelle wurden vorgestellt – mit einer maximal geringen Männerquote. Aber das soll uns nicht kümmern, freuen wir uns lieber an der Schönheit von Schnitt und Schritt und wünschen wir allen künftigen Paaren, wie es auf Russisch heißt, alle Tage Liebe und Rat. Damit Vorhang auf zur Galerie der stilvollen Bilder der Wladimirer Brautschau, kunstvoll gemacht von Anna und Sergej Sokolow.

Die ideale Hochzeit

Read Full Post »


Der vor fast genau zwei Jahren verstorbene Rapper Dezl, mit bürgerlichem Namen Kirill Tolmazkij, war es wohl, der die Dreadlocks auf russischen Köpfen salonfähig machte. Auch in Wladimir, wo Katja Krüger, mit bürgerlichem Namen Jekaterina Majorowa, selbst ein Lockenkopf, schon Hunderte dieser Rasta-Frisuren knüpft. Von Beruf eigentlich Architektin, interessiert sie sich vor allem für die Gestaltung von Haar, auf dem Kopf wie im Gesicht, wie hier in diesem Fall, der von Zar Peter I wohl mit einer saftigen Bartsteuer belegt würde und nicht so ganz zu der viralen Rasier-Challenge passen würde, die Erlangens Oberbürgermeister, Florian Janik, ausrief, um der FFP2-Maske nicht die Wirkung zu nehmen.

Was die Stilistin sonst noch so alles mit Köpfen anstellt, ist schon einen Blick wert. Und man darf gespannt sein, wer von seinem nächsten Besuch in Wladimir mit neuer Frisur zurückkommt.

Katja Krüger und ihre Kreationen

Read Full Post »


Es genügt ein Blick in die Augen des Ehepaars Klaus und Doris Höhle, um das Freudestrahlen nie wieder zu vergessen und zu verstehen, warum die beiden als bisher einzige Erlanger zum zweiten Mal in Folge per Fahrrad eine Rußlandreise via Wladimir bis in die Mongolei unternommen haben.

So beginnt einer der vielen, hier nachzulesenden Berichte über zwei Menschen, mit der Partnerstadt seit sieben Jahren innigst verbunden, die es auch in diesem Jahr wieder mit eigens neu beantragten Pässen nach Zentralasien zog, die auch in diesem Jahr ihre russischen Freunde wiedersehen wollten. Doch in diesem Jahr sollte alles ganz anders kommen, besonders für Klaus Höhle. Die Pandemie ließ den Schlagbaum herab, und in dem so froh dem Leben ergebenen Körper begann der Krebs sein Werk der Zersetzung. Im Herbst, beim letzten Treffen zur Quittenernte in Frauenaurach, flackerte diese Freude in seinem Blick schon nur noch wie eine Kerze im Wind, nun ist die Flamme vorgestern, wenige Wochen nach seinem 81. Geburtstag, still verlöscht.

Klaus und Doris Höhle mit Jewgenij und Nadeschda Tschischow 2019

Außer seiner Frau, die ihn auf allen noch so abenteuerlichen Reisen begleitete, dürfte niemand in Erlangen über eine derartige Rußlanderfahrung verfügen wie der in Ratibor zur Welt gekommene Klaus Höhle: ob per Fahrrad oder mit dem eigens für die Touren ausgerüsteten Geländewagen, immer ganz nah an den Menschen dran, die über alle Sprachgrenzen hinweg in ihm stets den offen zugewandten Fremden erkannten, der sich innerhalb weniger Augenblicke zum Freund verwandelte, dem man Tür und Herz öffnete. Dabei hätte auch alles ganz anders ausgehen können, denn schon als Dreijähriger verlor Klaus seinen regimekritischen Vater unter wohl nie mehr endgültig zu klärenden Umständen an der Ostfront – am 15. Dezember 1942. Auf den Tag genau vor 78 Jahren folgte ihm nun der Sohn. Welch eine Fügung! In seinen eigens für den Blog zusammengestellten Erinnerungen als Kriegskind schrieb Klaus Höhle:

Erst kürzlich war ich beim Klassentreffen des Jahrganges 1939 in Berchtesgaden. 80 Jahre, wie schnell sind sie vergangen! Viele waren nicht mehr da, aber alle haben es geschafft, das Leben erfolgreich zu meistern. Vielen Dank an alle Mütter und Väter, die in dieser sehr schweren Zeit mit Krieg und Vertreibung uns Kriegskinder behütet, versorgt und in ein geordnetes Leben geführt haben. Ein Leben, in dem ich auch viele Freunde in dem Land fand, in dem mein Vater auf bis heute ungeklärte Weise im Krieg ums Leben kam.

Gastmahl in Susdal: Sergej Sacharow, Klaus und Doris Höhle mit Freunden 2018

Nun ist auch Klaus Höhle nicht mehr da. Unfaßbar! Dieser stets auf Hochtouren und wie geschmiert laufende Generator mit all seinen sportlichen Erfolgen bis hin zum Iron Man, dieser welterfahrene Mann, den sein Beruf aller Herren Länder hatte bereisen lassen, dieser Meilenfresser der Völkerverständigung ist nicht mehr. Zurück bleibt seine Witwe Doris als Hüterin der gemeinsamen Erinnerungen, die sicher die Freundschaft mit Wladimir halten wird. Kein Trost für den Verlust, aber ein Versprechen für die Zukunft und sicher im Geist des Verstorbenen, den wir alle schon jetzt so schmerzlich vermissen.

Zu den Kindheitserinnerungen geht es hier: https://is.gd/voD5O3 und einer von vielen möglichen Links zu Wladimir findet sich da: https://is.gd/S02fYl

Read Full Post »


Es gibt ja den Begriff Lost Places für Orte, die vergessen und verlassen ein Dasein weit jenseits ihrer einstigen Funktion fristen, die von den Planern aufgegeben wurden, die kaum ein Tourist besucht, die aber eine magische Anziehungskraft auf Künstler ausüben. So wie diese Kirche in Soroguschino, unweit der Kreisstadt Jurjew Polskij in der Region Wladimir.

Michail Mojsejantschik, Journalist und Aktivist der Partnerschaft, stieß hier Anfang des Monats auf diese dem Verfall preisgegebene Kirche, 1808 erbaut mit Spenden der Gemeindemitglieder und der Geburt der Gottesmutter geweiht.

Einst hingen im Oktagon des Turms drei Glocken, im Schiff prangten zwei Patriarchenthrone. Im Kirchdorf zählte man vor der Oktoberrevolution 96 Höfe mit 427 Frauen und 387 Männern. Heute ist der Ort so gut wie ausgestorben.

Der Betreten des Innenraums ist übrigens verboten. Ein holländisches Sprichwort meint, alte Kirchen haben trübe Augen. Man könnte fortfahren uns sagen, verfallene Kirchen schließen die Augen.

Read Full Post »


Dieser Tage erschien die Broschüre „Erfahrungswelt Corona“ des Seniorenbeirats in Zusammenarbeit mit dem Büro für Chancengleichheit und Vielfalt / Internationale Beziehungen. Darin findet sich unter anderen auch diese Schilderung aus der ersten Pandemie-Welle, festgehalten von der Mitarbeiterin des Landesmuseums Wladimir-Susdal.

Jelena Ljubar, 2016

Grüß Gott und einen schönen Tag Ihnen allen,

ich heiße Jelena und lebe in Wladimir. Seit dem 27. März befinde ich mich in häuslicher Quarantäne. Zum Glück langweile ich mich zu Hause nicht und bin auch nicht in eine Depression verfallen. Obwohl mein Leben von außen betrachtet banal erscheinen mag. Ich folge dazu einigen einfachen Regeln.

Zuerst einmal sollte man die Ruhe bewahren, dafür höre ich so wenig wie möglich die Nachrichten über das Corona-Virus. Diese negative „Wahrheit“ traktiert unglaublich das Nervensystem, obwohl ich sehr gut verstehe, wie ernst die Situation ist.

Ich lerne, mich über jede Kleinigkeit zu freuen. Früher war dieser Satz für mich wie eine Luftnummer. Wenn ich in der Früh aber auf den Balkon rausgehe und das Zwitschern der Vögelchen höre und im kleinen Teich schwimmende Enten sehe, empfinde ich eine richtig ruhige Lebensfreude. Übrigens habe ich neulich bemerkt, wie die Traubenkirsche unter meinem Fenster blüht.

Ich versuche, einen geregelten Tagesablauf einzuhalten. Ich gehe nicht später als zwischen 22.30 Uhr und 23.00 Uhr ins Bett und stehe zwischen 7.00 Uhr und 7.30 Uhr auf. Für mich ist es sehr wichtig, ausgeschlafen zu sein. Jeden Tag stelle ich mir kleine Aufgaben: zehn Seiten für den Unterricht schreiben, Fenster putzen, in einem Schrank Ordnung schaffen usw. Ich schaue oft ein Theaterstück oder Ballett, von denen ich schon lange geträumt habe (Hoch lebe das Internet!).

Viel Zeit verbringe ich beim Telephonieren (wie schön es ist, Stimmen von meinen Lieben zu hören und nicht nur einander zu schreiben!).

Und dazu noch gibt es in meinem Leben Bücher, Serien, ein wenig Sport. Das wichtigste ist jetzt meiner Meinung nach, die Ruhe bei den Dingen zu bewahren, die wir nicht beeinflussen können, nicht in Panik zu geraten und nicht mutlos zu werden. Das Leben ist nicht stehengeblieben, nur weil wir zu Hause sitzen, es hat einfach sein Gesicht geändert.

Jelena Ljubar

Neugierig geworden? Diesen und mehr als zwanzig weitere Berichte aus Erlangen und einigen seiner Partnerstädte finden Sie unter diesem Link: https://is.gd/SE6jPl

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: