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Archive for the ‘Vermischtes’ Category


„Wir haben eine ganz besondere Beziehung zu Frauen in unserem Land, eine fürsorgliche.“ Damit begründete Wladimir Putin in seiner gestrigen Ansprache an sein Volk seine Entscheidung, das Renteneintrittsalter für Arbeitnehmerinnen statt der geplanten acht nur um fünf Jahre – von 55 auf 60 – zu erhöhen. Die Reformpläne hatten zu landesweiten Protesten geführt, die Umfragewerte für den Präsidenten und seine Regierung schmierten ab, die allgemein gehobene Stimmung nach dem Fußball-Sommermärchen ist Ernüchterung gewichen. Der Realitätsschock wirkt nun. Laut Präsident führe „wegen schwerwiegender demographischer Probleme“ kein Weg an der schrittweisen Erhöhung – alle zwölf Monate um ein Jahr – des Renteneintrittsalters vorbei. Dabei bleibt es für die Männer dabei, sie sollen in Zukunft nicht schon mit 60, sondern erst mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen. Es sei denn, sie dienten in der Armee, Polizei oder paramilitärischen Organisationen und anderen staatlichen Sonderbereichen. Da gelten nach wie vor Sonderregelungen.

Der Unmut der Bevölkerung gründet wesentlich in der niedrigen Lebenserwartung. Während Frauen im Schnitt 77 Jahre alt werden, endet das Leben der Männer im statistischen Mittel bereits mit knapp 66 Jahren (s. Tabelle unter Punkt 24). Da bleibt dann dem starken Geschlecht – auch wenn man mit einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung rechnen darf – nicht mehr viel Zeit, um den Ruhestand zu genießen. Aber die Sache ist nun beschlossen, die Russen wissen, woran sie sind – und wie alt sie gemittelt werden. Wie groß dabei die Spanne sein kann, zeigt die Tabelle: Es führen die Gebiete im Kaukasus mit Moskau und Sankt Petersburg auf den Rängen 3 und 6, wo man gute 70 und älter werden kann, während das Gouvernement Wladimir mit knapp 64 Jahren nur auf Platz 60 kommt. Als Durchschnittsmann erlebt man hier also seine Rente gar nicht. Schlußlicht ist mit anderen Subjekten der Russischen Föderation aus dem „Fernen Osten“ mit nicht einmal 62 Jahren die Region Irkutsk. Die sprichwörtliche sibirische Gesundheit hat da wohl gegen die Statistik einen schweren Stand. Bei einer Differenz von 15 Jahren zwischen Platz 1 und Rang 80 bleibt da auch noch viel zu tun für die Schaffung gleicher Lebensverhältnisse im größten Land der Erde.

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Öffentlichkeit, Medien und Behörden stehen vor einem Rätsel. Ist es der heiße Sommer, fragt beispielsweise das Internetportal Zebra-TV, mit der Sehnsucht nach Durchzug und frischer Luft in der Wohnung, oder ist der massenhafte Einsatz von doppelverglasten Fenstern ohne Kindersicherung, am Ende gar einfach die Unaufmerksamkeit der Eltern? Wissen tut es niemand, wie das Phänomen zu erklären sei. Allein in diesen Frühlings- und Sommermonaten wurden in der Region Wladimir 23 Fälle von Kindern gezählt, die aus dem Fenster stürzten, drei davon sogar in den Tod. 2017 waren es lediglich vier Fensterstürze ohne einen einzigen Todesfall, und in den Vorjahren passierte dergleichen wirklich nur ab und an.

Jetzt, vorgestern erst, in Schichobalowo, einem Dorf im Landkreis Jurjew-Polskij, wieder so ein alptraumhaftes Vorkommnis. Ein dreijähriges Kind blieb am frühen Abend unbeaufsichtigt, während die Mutter den Abwasch machte und der Vater mit den beiden anderen zwei Kleinen spielte, ging in ein anderes Zimmer mit offenem Fenster, kletterte auf das Fensterbrett, lehnte sich an das Fliegengitter und stürzte aus dem ersten Stock hinunter. Hoch genug, um schwere Verletzungen – Brüche, Schädeltraumata, Prellungen und Quetschungen – zur Folge zu haben. Auch wenn die Ärzte das Kind – es war ins Koma gefallen – mittlerweile stabilisieren konnten, bleibt sein Zustand kritisch. Und leider typisch: Auch in den anderen Fällen kam es zu schwersten Verletzungen.

Ein Merkzettel für Erwachsene: Fenster offen, Gefahr für Kinder

Was tun? Es bleibt nur, an die Eltern und älteren Geschwister zu appellieren, kleine Kinder in den Wohnungen mit offenen Fenstern nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Auf den Schutzengel zu hoffen, reicht jedenfalls nicht aus, nicht in diesem Sommer.

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Ich liebe Wladimir


Gerade geht ein Wettbewerb zu Ende, den das Rathaus der Partnerstadt unter dem Motto „Ich liebe Wladimir“ ausgeschrieben hatte. Bedingung für die Teilnahme war unter anderem die Anmeldung beim russischen Internetportal В контакте. Leider ein Ausschlußkriterium für die meisten Blogleser. Deshalb der Vorschlag, doch einmal einen derartigen Wettbewerb für Gäste Wladimirs, besonders aus den Partnerstädten, zu veranstalten.

„Ich liebe Wladimir“ vor dem Hintergrund des Amtes für Migration

Bis dahin – hier als nichtrepräsentative Auswahl – einige von den mehr als 200 Einsendungen, größtenteils auch noch mit schriftlichen Liebeserklärungen an Wladimir versehen.

Schon seit 63 Jahren liebe ich Wladimir

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Die Nabelschau ist so eine Sache; über Gebühr lange sollte man sich nicht mit ihr aufhalten, sonst ist man für andere nicht mehr auszuhalten. Aber diese magische Zahl von einer Million Zugriffen auf den Blog hat eben doch die eine oder andere Reaktion hervorgerufen, von denen einige hier zitiert werden sollen.

Hans Gruß in einer Wladimirer Apotheke

Bereits am 19. Juni schrieb Hans Gruß:

Lieber Peter, morgen vormittag müßte ein kleines Feuerwerk vom Rathaus ausgehen. Dein einmillionster Blogaufruf wird ganz sicher kommen. Herzlichen Glückwunsch dazu und viel Kraft für die zukünftigen Blogs.

Susanne Lender-Cassens beim Russischen Abend 2018

Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens gratulierte per Facebook:

Danke für diese unermüdliche Direktleitung zu und in unsere Partnerstadt Wladimir. 1 Mio mal geklickt… Wow!

Elisabeth Preuß und Michail Mojsejantschik

Ihre Kollegin, Elisabeth Preuß, schickte dann folgende Rezension:

Ich wäre so gerne Millionär…

….müssen so manche singen, Peter Steger aber ist es. Irgendwann in der vergangenen Nacht war es so weit: Einer der Klicks auf den Blog war der einmillionste! Nie werden wir erfahren, ob es einer der vielen täglichen Leser war, die keine der reich bebilderten, geschliffenen Texte verpassen, ob es jemand war, der im Rahmen der WM auf russischen Wegen im Internet wandelt und zufällig darauf stieß, ob Schlaflosigkeit oder Informationshunger über unsere Partnerstadt der Grund für den einmillionsten Klick waren.

Eines ist jedenfalls sicher: Das Niveau der Artikel stünde mancher Zeitung gut an, es wird nicht gehetzt, nicht gelogen und nicht geneidet. Informationen sind wohl recherchiert, auch die „Stimme der anderen“ kommt zu Wort, Quellen sind sauber angegeben, Wladimir wird uns in seiner ganzen Vielfalt dargeboten, alle Lebensbereiche finden Eingang in den Blog.

Kurz: Wer diesen Blog regelmäßig liest, kennt nicht nur das „who is who“ der Partnerschaft, sondern auch die wichtigen Meilensteine dieser 35jährigen Erfolgsgeschichte.

Ein anderer Aspekt soll aber auch noch zu Wort kommen: Redaktion, Archiv, Recherche, das Schreiben, Bebildern und Online-Setzen – all das wird ehrenamtlich gemacht und das mit Freude, wie ich aus gelegentlichen Begegnungen mit dem Blog-Redakteur bezeugen kann.

Lieber Peter, von Herzen спасибо für diesen Blog, der sicher nicht nur mein Frühstück jeden Tag mit einem Happen Rußland garniert.

Hermann Proksch

Ein Glückwunschschreiben kam schließlich gestern auch noch aus Höchstadt, von Hannelore und Hermann Proksch:

Mach weiter so ehrgeizig und informativ in Deiner Berichterstattung, wir freuen uns täglich auf Informationen aus Wladimir.

Wiktor Malygin (rechts im Bild) in Egglofstein

Da darf natürlich auch Wladimir selbst nicht hintan stehen, und so schreibt Wiktor Malygin:

Gratulation zur ersten Million! Das gehört ins Guinness-Buch der Rekorde.

Igor Tschernoglasow

Und Igor Tschernoglasow, Vorsitzender des Kunstvereins der Region Wladimir und Mitglied im Vorstand des Erlangen-Hauses, grüßt im Namen seines Verbandes von allen Mitgliedern.

Blog 7

Zu schön, um es nicht zu zeigen: Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl, gesehen von Sergej Skuratow

Nun aber genug der Nabelschau, werfen wir noch einen letzten Blick zurück auf den 27. September 2008, als alles noch so zaghaft und bescheiden begann mit dem Eintrag https://is.gd/jUf407 – und richten wir die Augen auf die zweite Million. Bleiben Sie also Ihrer Partnerschaft und Ihrem Blog gewogen, sonst wird das nichts. Denn das eine wie das andere sind für Sie geschaffen und werden durch Sie geschaffen.

Zugabe für alle, die noch dran sind, quasi als Kommentar zum Skuratow-Bild, eine Meditation von Anatolij Gawrilow, dem Wladimirer Großmeister der Kurzprosa:

Alles muß von Rauch überzogen sein. Keine Landschaften, Menschen, Philosophien, Klänge. Nichts darf auf etwas anderem bestehen. Rauch im Lauf einer unbestimmten Zeit. Dunst allein, Brodem und Geheul.

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Ausgerechnet samstags liegen die durchschnittlichen Zugriffszahlen auf den Blog mit ca. 200 Aufrufen am niedrigsten – ganz unabhängig vom Thema. Aus welchem Grund das so ist, wissen allein die Götter.

Ebenso unbekannt bleiben Angaben dazu, wie häufig Leserkommentare aufgerufen werden. Die interne Statistik weist lediglich deren Gesamtzahl aus: derzeit 1.110 gegenüber den 3.713 seit September 2008 veröffentlichten Beiträgen. Da drängt sich doch förmlich auf, die anstehende Schnapszahl, für die es übrigens seltsamerweise keine idiomatische Entsprechung im Russischen gibt, für einen kleinen Wettbewerb zu nutzen. Die Redaktion ruft also auf, heute fleißig die Kommentarfunktion zu nutzen und belohnt jeden Beitrag mit einem nichtvirtuellen Souvenir – dergleichen gibt es noch in unserer digitalen Welt! – aus Wladimir. Wer aber den ersten Kommentar absendet, findet diesen morgen hier auf der ersten Seite wieder. Also nicht abschrecken lassen vom russischen Sprichwort, wonach der erste Pfannkuchen immer als Klumpen endet.

Und wir haben ihn schon, den ersten Kommentar, der die Schnapszahl 1.111 um kurz nach sieben Uhr voll machte, von Richard Dähler. Der frühe Wurm schrieb:

Die vielen guten Beiträge passend zu kommentieren, ist anspruchsvoll, zudem will man sich nicht als Kommentator immer wieder selbst lesen. Die Bewunderung für die Zuverlässigkeit, Bandbreite und die sprachliche Sorgfalt ist groß.

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Vorsicht, Masern!


Seit gestern trifft es auch Erwachsene. Am 5. März erkrankte ein Kind in Wladimir an den Masern. Ungeachtet aller Vorsorgemaßnahmen ist die Zahl der Infizierten mittlerweile auf 15 angestiegen, wie unterschiedliche Medien übereinstimmend berichten. Darunter nun erstmals auch eine 35jährige Frau.

Kurzer Fremdenführer durch die Welt der Kinderkrankheiten: Scharlach, Windpocken, Röteln und Masern

Jetzt konzentriert man sich auf alle, die mit den Erkrankten Kontakt hatten, beobachtet sie 21 Tage lang und bietet dann eine Impfung an. Darüber hinaus empfehlen die Behörden allen – gerade auch Erwachsenen -, die noch keine Masern hatten, sich impfen zu lassen. Eine Empfehlung, die auch alle Wladimir-Reisenden beherzigen sollten, wenn sie sich bisher als „impfmüde“ gezeigt hatten. Man gefährdet ansonsten nicht nur sich, sondern auch andere.

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Der Begriff „Stalker“ hat im Russischen eine ganz eigene Bedeutung, die auf den 1978/1979 von Andrej Tarkowskij gedrehten, gleichnamigen Film referiert, entstanden nach einem Drehbuch der Brüder Arkadij und Boris Strugazkij und Motiven aus deren Roman „Picknick am Wegesrand“, der in eine abgesperrte, von Menschen verlassene Zone – vergleichbar den „lost places“ – führt, in der unerklärliche Dinge geschehen – mit unheimlich-ungeahnten Auswirkungen auf die Eindringlinge.

So ein Stalker versteht sich als Lotse in einer verlorenen, vergessenen, verbotenen Welt, wo es Dinge zu sehen gibt, die ansonsten dem menschlichen Auge verborgen bleiben.

Solche Pfadfinder in ein Reich hinter morschen Absperrungen, schiefen Zäunen, rostigem Stacheldraht und verblichenen Warnschildern sind gern auch und gerade in Wladimir unterwegs, das ansonsten ja eher durch seine Sehenswürdigkeiten auf sich aufmerksam macht.

Aber es gibt hier eben auch dieses Schattenreich, für dessen Erkundung man schwindelfrei sein sollte, für dessen Vermessung man Stirnlampen und Spezialkleidung benötigt, will man heil zurückkehren in das vertraute Diesseits.

Immer wieder, so berichtet Zebra-TV, kommen Stalker aus Moskau und anderen Städten, um sich an Orten umzusehen, wo der Mensch längst erkaltete Spuren seines Schaffens hinterlassen, wo der Prozeß des Verfalls greifbar wird.

Diese Jäger nach verschollenen Schätzen tun sich gern zu Trupps zusammen, die sich sprechende Namen geben wie „Hartgesottener Moder“ und mit ortskundigen Pfadfindern losziehen.

Gemeinsam besteigen die „Roofer“ dann das Dach eines Gespensterhauses in Sudogda bei Wladimir, das nie fertiggestellt wurde, eine Ruine aus Sowjetzeiten, einst geplant als Zentrale der lokalen Verwaltung der KPdSU. Heute voller Schutt und Müll und all den Hinterlassenschaften einer untergegangenen Zeit.

Oder man überwindet Mauern, hinter denen ein einstiges Werk für Stahlbeton liegt, wo man auf Autofriedhöfe stößt und auf längst stillgelegte Industrieanlagen.

In Wladimir selbst lockt das Chemiewerk mit seinem schon vor Jahren unter Wasser gesetzten Luftschutzbunker, zu dessen Erforschung man tunlichst einen Schutzanzug überstreifen sollte. Hier gibt es sogar noch eine funktionierende Trinkwasserversorgung, die übrige Infrastruktur – wie die beiden Dieselaggregate – wurden hingegen unbrauchbar gemacht.

Eine richtige Unterwelt tut sich da auf mit Versorgungseinrichtungen und Gängen, von denen heute niemand mehr zu sagen weiß, wohin sie führen.

In drei Kurzfilmen haben die jungen Leute ihre Expeditionen festgehalten, hier zu sehen: https://is.gd/Da01C3, https://is.gd/T5kyE2 und https://is.gd/1AGou1

Man nehme sich aber auch die zwei Stunden Zeit für den Spielfilm „Stalker – Willkommen in der Zone“ von Andrej Tarkowskij, ein ganz außergewöhnliches Kunstwerk, dessen Inspirationskraft ungebrochen bleibt, hier in deutscher Synchronfassung: https://is.gd/gdncHs

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