Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Vermischtes’ Category


Viele in Wladimir glauben noch gar nicht, mit welcher Wucht sie und ihre Lieben der neuartige Corona-Virus treffen kann und wohl auch wird. Bevor der Blog, eher als ihm lieb sein kann, wieder zu diesem schweren Thema zurückkehren wird müssen, hier ein hoffnungsfrohes Bild, das der Politologe, Roman Jewstifejew, schickt, festgehalten im Aufzug eines Hauses in der Partnerstadt. Nehmen Sie es mit in den Tag, für den wieder gilt: Bleiben Sie daheim, passen Sie auf sich und die Ihren auf – und bleiben Sie um Himmels Willen gesund!

Der Frühling hat angerufen! Trunken, glücklich… Ich frage ihn: Wo bist du? Drauf er: Ich komme doch schon, ich komme!

Read Full Post »


Die Russische Föderation unternimmt – bisher durchaus mit Erfolg – alles, um den Import des Corona-Virus möglichst zu unterbinden. Nach dem Einreiseverbot für Chinesen dürfen ab heute auch keine Gäste aus dem Iran mehr über die Grenze. Gemessen an der Größe des Landes und der Zahl der Einwohner sind die Fallzahlen mit einem knappen Dutzend Infizierter, zumeist Urlauber aus Italien, überschaubar. Aber die wirtschaftlichen Auswirkungen drohen, unbeherrschbar zu werden. Der rasant fallende Ölpreis, an den die Währung noch immer gekoppelt scheint, reißt den über viele Monate stabilen Rubel mit, der innerhalb weniger Tage beim aktuellen Wechselkurs von 1 Euro = 77 Rubel ein neues Tief erreichte. Aber auch die Produktion, wie überall auf der Welt mittlerweile eng mit China verflochten, leidet spürbar. So hat zum Beispiel das Buswerk in Worscha bei Wladimir mit seinen 365 Mitarbeitern seit dem 4. März geschlossen, weil die asiatischen Zulieferer weder Motoren noch Achsen liefern. Erst Mitte des Monats soll die Produktion wieder anlaufen. Da zeigt sich der Pferdefuß der Globalisierung. So auch in Murom, wo bereits im Februar zwölf chinesische Manager und vierzig Mitarbeiter eines Technikbetriebs nicht einreisen durften. 17 weitere Chinesen, die noch vor dem Stichtag die Grenze überschritten hatten, mußten sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Seit dem 2. März läuft der Betrieb wieder, die asiatischen Fachkräfte wurden durch einheimische ersetzt.

Alles über den Corona-Virus

Abzuwarten bleibt, wie sich die Lage auf den Austausch der Partnerstädte auswirkt. Mitte nächster Woche erwartet das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde fünf Studentinnen aus dem noch virusfreien Wladimir. Aber schon gehen angesichts der Corona-Fälle in Erlangen Anfragen ein, wie sicher es sei, die Reise nach Franken anzutreten. Noch freilich haben die russischen Behörden keine Reisewarnung für Deutschland ausgesprochen oder gar Einreisebeschränkungen für Bundesbürger verhängt. Keine Panik auf der Titanic! Das bleibt hoffentlich auch so.

Read Full Post »


Das war gestern ein apokalyptisch anmutender Tag für Wladimir, als schwarze Rauchfahnen vom Süden her die Altstadt verhüllten.

Der eine oder die andere glaubte sich schon in einer Zeitmaschine und zurückversetzt in jene finsteren Tage des Jahres 1238, als am 7. Februar das Heer von Batu dem Prächtigen, einem Enkel des Dschingis Khan, nach nur fünftägiger Belagerung die Hauptstadt der Rus einnahm und brandschatzte.

Doch es waren weder die Mongolen im Anmarsch, noch war Feuer in Wohngebieten ausgebrochen, wie zunächst ebenfalls vermutet wurde. Die Nase verriet es: Der Qualm brachte den ätzenden Gestank von brennenden Reifen mit.

In den Auen jenseits der Kljasma gibt es ein Motodrom, in dessen Nähe man unter freiem Himmel ein Lager mit abgefahrenen Reifen eingerichtet hatte. Diese hatte nun jemand auf einer Fläche von 25 qm angesteckt.

Sechs Feuerwehrleute hatten mit zwei Löschfahrzeugen alle Hände voll zu tun, um den Brand zu löschen. Aber der Schaden war schon angerichtet.

Was neben dem Schaden für die Luft bleibt, sind die gespenstischen Bilder von Zebra-TV und aus den sozialen Netzwerken: die Ästhetik des Infernos.

Read Full Post »


Im vergangenen Jahr zählte die offizielle Statistik 2,3 Millionen Einreisen aus der Volksrepublik China in die Russische Föderation, davon anderthalb Millionen Touristen. Zahlen, die heuer wegen des Corona Virus sicher nicht erreicht werden, denn Peking hatte bereits Ende Januar touristische Reisen seiner Bürger ins Ausland begrenzt, und seit Anfang Februar gelten verschiedene Beschränkungen. Moskau schloß seine gut 4.000 km lange Landgrenze zum Reich der Mitte, an den Übergängen wurden Gesundheitsüberprüfungen verstärkt, und die Zugverbindung zwischen den Hauptstädten ist unterbrochen; nur der Warenverkehr rollt weiter. Flugreisende werden zentral an einem Moskauer Terminal Scheremetjewo abgefertigt, die Anzahl ist Flüge reduziert.

Doch nun gilt seit gestern nacht ein generelles Einreiseverbot für alle Staatsbürger Chinas, die aus touristischen oder privaten Gründen, zur Bildung und Ausbildung sowie zur Arbeit ins Land hätten kommen wollen. Ausgenommen sind nur Geschäftsleute, Bürger anderer Staaten und Transitreisende.

Russisch-chinesische Begegnung in Susdal

Ein kleines Stück von diesem Fremdenverkehrskuchen landete auch in der Region Wladimir. In den letzten fünf Jahren wuchs die Zahl chinesischer Touristen beständig. 2016 zähle man 16.000, 30% mehr als im Vorjahr. Damals startete man das Wohlfühlprogramm „China Friendly“, betonte die freundschaftlichen Beziehungen zum großen Nachbar im fernen Osten und lud sogar eine Gruppe von chinesischen Bloggern ein, die in ihrer Heimat Wladimir und Susdal bekannter machen sollten. 2018 lief das Projekt des Landesmuseums an, wonach man plante, die Besucherzahlen zu verdoppeln – mit einer Adaption der Homepage, Wegweisern, Audi-Guides und speziell geschulten Fremdenführern. Im vergangenen Sommer machte der Gouverneur der Region diese Frage sogar zur Chefsache. Doch just sein für Tourismus zuständiger Stellvertreter goß nun Wasser in den Wein. Zwar seien in den ersten neun Monaten 2018 die Zahlen der chinesischen Reisenden erneut gestiegen, doch deren Beitrag zur Wirtschaft werde überschätzt. Wörtlich, wie bei Zebra-TV nachzulesen:

Was stellten die chinesischen Touristen bei uns dar? Massen, die im Bus Instantnudeln aus ihren eigenen Schüsseln essen. Sie ließen kein Geld da, nur Müll. Es gab auch einen geringen Anteil von reichen Chinesen, die kamen, um Geld auszugeben. Die Delle wird sich wieder ausgleichen, sie werden wieder gesund und kommen zurück. Der Hauptstrom reiste an, vergnügte sich, flanierte, warfen ihren Müll weg und fuhren wieder davon. Wirtschaftlich bleibt da leider wenig hängen. Der Bus fährt durch, der Fremdenführer – wenn er denn ein richtiger ist – verdient sein Geld. Wir erwarten deshalb keinen großen Einbruch, so schlimm wird es schon nicht.

Unterdessen gehen russische Fachleute davon aus, daß sich COVID-2019 nicht von selbst erledigt, sie rechnen vielmehr mit einer veritablen Epidemie. Derlei Atemwegserkrankungen treten nämlich wellenartig auf. Und im Herbst könnte ein zweiter Ausbruch auch Rußland treffen, zumal sich das Virus noch immer weltweit ausbreitet. Wenn dann epidemiologisch alles überstanden ist, wird man sehen, wie sich nicht eben chinesenfreundliche Einlassungen wie oben auf das Miteinander von Einheimischen und Fremden auswirkt.

Read Full Post »


Schon wieder ein Schönheitswettbewerb in Wladimir? Wozu das, könnte man fragen. Die Antwort findet sich rasch, wenn man genauer hinsieht. Gekürt wurden da nämlich zwei junge Damen, die nicht nur mit ihrem Phänotyp überzeugen, sondern auch über die vielbeschworenen inneren Qualitäten verfügen.

Anastasia Sacharowa

Beginnen wir bei Anastasia Sacharowa, die in der Kategorie „Talente“ siegte. Die Tochter von Wladimirs Altoberbürgermeister, Sergej Sacharow, verdient ihr Geld als Moderatorin der Nachrichtensendung des lokalen staatlichen TV-Senders und errang den Preis unter anderem dank ihrem Gesangsauftritt, bei dem sie sich selbst mit der Ukulele begleitete.

Alexandra Daschkewitsch und ihre beiden Stellvertreterinnen auf dem Wladimirer Thron der Schönheit

Miss Wladimir darf sich nun aber für ein Jahr die 21jährige Alexandra Daschkewitsch aus Susdal nennen, die Geige spielt und an der Universität der Partnerstadt Religionswissenschaften studiert, ausgerechnet das Fach mit den engsten Verbindungen zur Friedrich-Alexander-Universität. Durchaus möglich, daß die frischgekürte Schönheitskönigin demnächst auch einmal – wie vor ihr schon Anastasia Sacharowa – zum Austausch nach Erlangen kommt.

Wer auch immer die Krone errungen haben mag, die Ausscheidung forderte einiges ab. Mehr als 300 Bewerberinnen gingen in der ersten Runde auf den Laufsteg, am Ende blieben noch 16 Bewerberinnen um den Titel übrig, die nicht nur mit ihrem Aussehen zu punkten, sondern auch durch ihre intellektuellen und musischen Begabungen zu überzeugen hatten.

 

Read Full Post »


Alle Jahre wieder kann man im Internet im Rahmen des Projekts „Stadt Rußlands – die nationale Wahl“ für die nach eigenem Dafürhalten attraktivste und am besten wiedererkennbare Stadt abstimmen. Mit Stand vom heute, 29. Januar, 3.45 Ortszeit, liegt Wladimir mit 19.940 Stimmen auf dem ersten Platz, gefolgt von Smolensk mit gut 1.000 Zählern Abstand. Den letzten Rang der insgesamt 83 Verwaltungszentren nimmt mit gerade einmal 40 Stimmen Jakutsk ein.

Ökumene der Kirchtürme: katholische Rosenkranzkirche und orthodoxe Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Aber den Sekt sollte man noch nicht aus dem Kühlschrank holen, wir stehen ja noch ganz am Anfang der Wahl der schönsten russischen Stadt mit Potential, als Symbol für das ganze Land zu gelten. Im Vorjahr siegte Tscheboksary, die Metropole von Tschuwaschien, die derzeit auf Platz 19 liegt. Wladimir schaffte es 2019 nur auf Rang 45. Aber: Neues Jahr, neues Glück, das auch in Ihren Händen liegt. Ein Klick hier https://is.gd/O4CGW5 – und Wladimir bleibt vorne. Ausgezählt wird freilich erst am 30. Dezember 2020.

Read Full Post »


Was den Erlangern ihr nachts in Farben der Dunkelheit trotzender Schornstein der Stadtwerke ist, könnte schon bald den Wladimirern und den Besuchern der Partnerstadt ein leuchtender Recke sein, der seit wenigen Tagen – oder besser Nächten – an der östlichen Einfallstraße Wache hält.

25 Meter ragt die Figur hoch, mit Schwert und Wappen bewehrt, und richtet den Blick gen Nischnij Nowgorod. Die Lichtgestalt aus der russischen Sagenwelt wechselt sogar, diodenbestückt, die Farbe, freilich nicht in der ganzen Palette des Erlanger Leuchtturms.

Das Projekt wurde bereits im Sommer zwischen einem Stromkonzern und den Behörden der Region Wladimir ausgehandelt. Zur Wahl standen neben dem Heros der Bylinen ein Falke, das Wappentier von Susdal, und der gelöwte Leopard, das Logo des Gouvernements und der Stadt Wladimir.

Nun darf man sich fragen, ob hier Dobrynja Nikititsch, Aljoscha Popowitsch oder der Lokalheld Ilja Muromez wiedererstanden ist. Es steht zu fürchten, daß die Frage selbst nach Lektüre dieser Deutung der russischen Sagenwelt https://is.gd/Q1GCFN offenbleibt. Mögen die drei ihr kleines Geheimnis bewahren.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: