Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Verkehr’ Category


Keine guten Nachrichten für alle Eisenbahnfreunde. Wie „Zebra-TV“ berichtet, rückt der Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau via Wladimir nach Kasan mit späterem Anschluß bis in den Ural und nach Sibirien in weite Ferne. Das zumindest ist Ergebnis eines Arbeitstreffens im Rahmen des 11. Internationalen Verkehrsforums in Moskau, wo auch der zuständige Minister, Maxim Sokolow auftrat und folgende Erklärung zu dem Projekt abgab, das ursprünglich einmal als Infrastrukturmaßnahme zur Fußballweltmeisterschaft gedacht war:

Der Investitionsumfang für dieses Vorhaben wird heute unterschiedlich hoch angegeben – ungeachtet einer zu den Streckenteilen bereits vorliegenden Dokumentation zwischen 1,3 und 1,5 Trillionen Rubel -, und ich denke, aus dem, was vorher über das Finanzdefizit gesagt wurde, ist gut begründet, warum wir bisher diese Sache nicht angehen können… Denn im Haushalt ist für dieses Projekt kein einziger Rubel vorgesehen. Eine solche Summe bereitzustellen und die Rentabilität für private Investoren zu gewährleisten, ein solches Modell bekommen wir bisher nicht hin. Eben deshalb befindet sich ein aus meiner Sicht so wichtiges und strategisches Projekt noch immer im Planungsstadium. Obwohl ja auch die Planung schon ein Vorwärtsbewegung in die Sache bringt.

Wirklich schade drum, zumal erst Mitte Oktober bekannt wurde, man wolle die ursprünglich im ersten Schritt bis Kasan führende 770 km lange Trasse zunächst nur auf die ersten 172 km von Moskau bis Wladimir anlegen und damit die Fahrtzeit um etwa eine Stunde verkürzen. Nun wird auf absehbare Zeit auch daraus nichts. Schade für das Land, das so zusammen mit China die moderne Variante der „Seidenstraße“ bauen wollte – von Moskau bis Peking – , aber immerhin für die Partnerstadt verkraftbar, denn mit den gegenwärtigen Verbindungen in die Metropole in weniger als zwei Stunden ist man ja auch schon recht schnell und bequem unterwegs. Und wie man gestern bei der Jungfernfahrt des ICE zwischen München und Berlin sah, kann die herkömmliche und erprobte Verbindung durchaus schneller und weniger pannenanfällig sein als die neue Sprintvariante.

S. auch die früheren Beiträge, die man nun schon zur Verkehrsgeschichte rechnen kann: https://is.gd/U0l554, https://is.gd/q2RO8w, https://is.gd/SGm5dn und https://is.gd/K4FYGl

 

Read Full Post »


Der schreckliche Unfall bei Pokrow in der Region Wladimir ging bereits durch die Presse, sogar Angela Merkel kondolierte den Angehörigen der 16 Todesopfer, darunter ein Kind. Ein vollbesetzter 58-Plätze-Bus aus Kasachstan war gestern nacht um 3.39 Uhr auf einem Bahnübergang mit einer Panne liegengeblieben und von einem Zug erfaßt worden.

Einige Passagiere des Busses hatten trotz nachtschlafener Zeit, vom Fahrer alarmiert, den Ernst der Lage begriffen und versucht, das Fahrzeug von den Gleisen zu schieben; gleichzeitig zog der Lokführer die Notbremse. Doch der Aufprall war nicht mehr zu vermeiden und hinterließ ein Bild des Grauens.

Die Einsatzkräfte brachten die Verletzten, darunter auch Kinder, in die umliegenden Krankenhäuser, ein Patient verstarb später in der Wladimirer Notfallklinik.

Die Tragödie hinter dem Unfall: Der Bus war von Schleusern organisiert und mit illegalen Gastarbeitern aus Usbekistan besetzt, die für 5.000 Rubel die eine ganze Woche währende Reise angetreten hatten, um in Rußland ihr Glück zu suchen.

Der Kopf der Schleuser, ein Kasache, sitzt bereits in Untersuchungshaft. Aber Fachleute gehen davon aus, daß derlei Unternehmungen recht häufig vorkämen, daß dahinter ein System stecke. Die nicht verletzten Fahrgäste haben denn auch schon Anzeigen erhalten und werden ausgewiesen, was auch denen droht, die noch in den Krankhäusern behandelt werden, wobei da wohl noch zu klären sein wird, wer für die Kosten aufkommt.

Ebenfalls gestern nacht ein grausiger Unfall im Landkreis Alexandrow: Ein Lkw rammte frontal einen Pkw, der sofort Feuer fing und dessen Insassen, drei Erwachsene und ein Kind, in den Flammen umkamen.

Gennadij Karaulow

Und schließlich wird heute der Arzt Gennadij Karaulow zu Grabe getragen, der in seinem 77. Lebensjahr verstarb und schon 1990 im Rahmen der Aktion „Hilfe für Wladimir“ sein Orthopädisches Zentrum in Jurjewez, inzwischen in die Partnerstadt eingemeindet, weit öffnete für die Kontakte mit den Kollegen aus Erlangen. Ihnen allen ein bleibendes R.I.P.

Read Full Post »


Im nächsten Jahr beginnen die Arbeiten an der 770 km langen Bahnstrecke von Moskau nach Kasan mit Halt in Wladimir, auf der nach Fertigstellung ab 2023 Hochgeschwindigkeitszüge – mit großer Wahrscheinlichkeit aus chinesisch-russischer Gemeinschaftsproduktion – mit einer Fahrzeit von nur noch dreieinhalb Stunden zwischen der Hauptstadt und der Metropole in Tatarstan verkehren. Die Vorarbeiten für das erste Teilstück, Moskau – Wladimir, sind bereits im Gange, und, wie das bei derartigen Infrastrukturprojekten nicht ausbleiben kann, man trifft auf Widerstände, muß einen Ausgleich zwischen Verkehr und Umwelt finden. Eine Herausforderung, die von den Planern offenbar ernstgenommen wird.

Russischer Desman oder Wassermaulwurf

So will man etwa 20 Wassermaulwürfe – der Blog berichtete schon öfter von diesen fast ausgestorbenen Kleinsäugern – aus einer Zone im Becken der Kljasma umsiedeln, weil man befürchtet, die in der Nähe verlaufende Trasse könnte den russischen Desman stören. Aber auch für Grau- und Silberreiher oder Schnepfen überlegt man Schutzmaßnahmen, und in der Brutzeit will man besonders Rücksicht auf das wilde Federvieh nehmen. Mehr noch: Im Grenzgebiet zwischen den Regionen Wladimir und Nischnij Nowgorod verlegt man die Schienen über eine Strecke von neun Kilometern auf Stelzen, um die Natur weitgehend sich selbst zu überlassen. Insgesamt verlaufen sogar 20% der Trasse als „Hochbahn“, um die Natur zu schonen und den Wildwechsel  nicht zu beeinträchtigen, für den zusätzlich insgesamt 89 Brücken vorgesehen sind. Sogar an Unterführungen für Amphibien denken die Projekteure. Wer hätte das gedacht! Gut so. Dann müssen die Kröten nur noch an die richtigen Stellen wandern.

Read Full Post »


Es hat, wie Zebra TV berichtet, ein wenig länger gedauert als geplant, aber jetzt kommt die Produktion der neuen Busse im Werk Sobinka bei Wladimir auf Touren. Während hierzulande auf Dieselgipfeln noch verhandelt wird, wie Fahrverbote für Städte zu verhindern seien, schafft man dort bereits die Voraussetzungen für eine abgasfreie Personenbeförderung. durch den Bau von Elektrobussen.

Die ersten drei Prototypen der Neuentwicklung mit zwei Modellen sind jetzt einsatzbereit und sollen Kunden werben.

elavtobus02.jpg
Noch hält sich die Nachfrage in Grenzen, bisher hat nur Kowrow, die zweitgrößte Stadt der Region Wladimir, konkretes Kaufinteresse gezeigt, aber aus Sankt Petersburg, Moskau und Wolgograd gehen bereits erste Absichtserklärungen der dortigen Verkehrsbetriebe für die Busse mit bis zu 90 Plätzen ein, die eine Reichweite von 250 bis 300 km haben und über Nacht innerhalb von acht Stunden ihre Batterie laden können.
elavtobus04.jpg
Bemerkenswert an den Fahrzeugen: Sie werden komplett in der Region Wladimir montiert, und 90% der Komponenten – bis hin zur Batterie – stammen aus inländischer Produktion, 20% davon sogar aus lokalen Werkstätten. Bisher ist noch einiges an Handarbeit notwendig, aber im nächsten Jahr schon soll die Produktion vollautomatisch mit Robotern und auf Hochtouren laufen. Dann könnte – ja nach Eingang der Bestellungen –  auch der Preis um mindestens ein Drittel fallen, der momentan noch über dem für herkömmliche Busse liegt.
Welch eine erfreuliche Entwicklung von den ausgemusterten Bussen der VGN Anfang der 90er Jahre über die Beratung der Erlanger Stadtwerke für den ÖPNV, die Privatisierung der Linien bis hin zur eigenständigen Bussen, die in die Zukunft fahren. Jetzt muß nur noch der Strom ökologisch produziert werden.
Bilder-Quelle: Zebra-TV

Read Full Post »


Es ist jetzt genau 155 Jahre her, seit es die Bahnstrecke Moskau – Nischnij Nowgorod gibt, an der Wladimir liegt. Der „Gußeiserne“, wie man den Zug nannte, ratterte freilich schon Jahrzehnte vor dem Verlegen von Gleisen und Schwellen in der Vorstellung von Visionären von der heutigen Hauptstadt in die „Tasche Rußlands“, wie man die Handelsmetropole am Zusammenfluß von Oka und Wolga nannte. Sogar von Alexander Puschkin, dem Großfürsten der russischen Literatur, ist überliefert, er hielte eine solche Verbindung für wichtiger als die Strecke von Sankt Petersburg nach Moskau. Fast hätte ihm die Geschichte recht gegeben, denn nach der Trasse zwischen dem Zarendorf Zarskoje Selo und Sankt Petersburg sowie von der Hauptstadt nach Moskau baute man als die dritte landesweit eine solche Verbindung zwischen Moskau und Nischnij Nowgorod.

Zarenzug aus dem Hause Stevenson mit dem Waggon „Berlin“

Ein Jahr vorher, 1851, hatte man bereits die Strecke von Moskau bis Wladimir freigegeben. Der berühmte Historiker, Wassilij Kljutschewskij, bestieg just in Wladimir zum ersten Mal in seinem Leben einen Zug und schrieb darüber seinem Vetter:

Ich bekam Gänsehaut, als ich mich in den Waggon setzte und die Maschine, dem Abfahrtssignal gehorsam, zunächst langsam, dann immer schneller und schneller Fahrt aufnahm, bis der Zug schließlich so eilig dahinsauste, daß es schwer war, die vorbeieilenden Gegenstände in den Blick zu nehmen. Ungeachtet dieser Geschwindigkeit (bis zu 30 Werst pro Stunde) ruckelt es gar nicht, die Räder rollen ohne Stöße über die Gleise.

Die Eisenbahnverwaltung freilich hatte vorsichtshalber die Warnung herausgegeben, man könne eine absolute Gleichförmigkeit der Bewegung der Lokomotive nicht garantieren. Gemeint war damit vor allem das starke Ruckeln vor allem beim Anfahren.

Interessant auch, was der Augenzeuge über die Mitreisenden zu berichten weiß:

Im Waggon herrscht ein Stimmengewirr: Man kommt ungezwungen miteinander ins Gespräch, raucht, hält einen Schwatz, stärkt sich mit einem Imbiß, schläft – jeder nach seinem Belieben. Die Maschine zieht in aller Ruhe ein ganzes Dorf hinter sich her. Und dabei kann man sich begeistert den Geräuschen hingeben, die von der unablässigen mechanischen Arbeit all der Hebel künden, die über die gußeisernen Gleise rattern und hämmern… Kurzum bekommt man hier nicht von ungefähr Gänsehaut, nicht vor Furcht – sie kommt einem gar nicht in den Sinn -, sondern vor Begeisterung.

Gebaut wurde die zunächst eingleisige Strecke mit Privatkapital, freilich unter Aufsicht des Staates, der denn auch die Firma wechselte, als das Projekt drohte, ins Stocken zu geraten. Am 13. August 1862 machte sich dann um 15.00 Uhr mit dem Segen des Bischofs der erste Zug von Nischnij Nowgorod nach Moskau auf den 400 km langen Weg. Lokomotive und Waggons mußte man damals noch importieren, der Maschinist kam aus Deutschland. Zugestiegen bei der Jungfernfahrt sind die Honoratioren und reiche Kaufleute, doch sie erlebten einen richtigen Schreck. Bei Kowrow, 60 km vor Wladimir, war nämlich eine Weiche falsch gestellt, so daß der Zug auf das Abstellgleis geriet. Da half kein Bremsen mehr, der Aufprall war unvermeidlich, Lokomotive nebst Kohlenwagen entgleisten, der Begleitingenieur mußte mit gebrochenen Beinen nach Moskau gebracht werden, wo er wenig später seinen Verletzungen erlag.

Der Fehlstart hielt aber den Siegeszug der Eisenbahn nicht auf. Schon 1864 fuhren zwei Paare Personenzüge die Strecke Moskau – Wladimir und Moskau – Nischnij Nowgorod. Im Sommer dauerte die Reise vierzehneinhalb Stunden, im Winter mehr als fünfzehn Stunden, der Güterzug brauchte fast einen ganzen Tag.

Blick auf die Kljasma und die Bahnstrecke, die in Wladimir am Fluß entlang verläuft

Klagen gab es auch damals schon: Ein Fahrgast klagt über den schlechten Service, die ständige Kontrolle des Billets, die vielen Zwischenhalte, den Zwang, das Gepäck gesondert befördern lassen zu müssen. Nirgendwo sonst herrsche eine derartig bösartige Willkür, der Reisende werde vom Personal wie ein Intimfeind behandelt. Nach all den – sogar polizeilichen – Kontrollen beim Einsteigen, werde man ständig geweckt, um die Fahrkarte gelocht zu bekommen. Das hatte freilich auch mit der Konstruktion der übrigens ganz bunten Waggons zu tun, die so in Abteile ohne Gang separiert waren, daß die Schaffner nur von außen über kleine Stufen hereinkamen. Nur so konnte es am 9. Juli 1864 zu einem Vorfall kommen, der wie folgt aktenkundig ist:

Gegen 17.00 Uhr saß ein General im Zug Nr. 3 von Moskau nach Nischnij Nowgorod in einem Waggon der 1. Klasse. Auf der Höhe von Petuschki schlief er ein. Doch da hört er plötzlich einen Ruf: „Den Fahrschein, bitte!“. Der Militär, zum ersten Mal auf der Strecke unterwegs, schreckte auf, warf seinen Mantel ab, ruderte mit den Armen und zerbrach dabei das Glas in der Abteiltür. Am nächsten Bahnhof fordert man vom General, den Schaden zu bezahlen, doch der erklärt, er werde gern für alles aufkommen, was er durch Unachtsamkeit oder eigenes Verschulden beschädigt habe, nicht aber in einem Fall wie diesem, wo er vom Schaffner nachgerade mutwillig erschreckt worden sei. Und so gab er seinen Namen zu Protokoll und fuhr weiter – mit gültigem Billet.

Blick auf den Bahnhof und die Kathedralen von Wladimir

Klagen gab es natürlich auch hin und wieder wegen überteuerten Reiseproviants. So erschienen einem Fahrgast am Bahnhof Wladimir die – nota bene – auf Französisch angebotenen Pfirsiche alles andere als wohlfeil, kosteten sie doch zehn Kopeken mehr als auf dem Markt. Da hat wohl schon damals jemand die Marktwirtschaft nicht recht verstanden.

Heute ist man auf der Strecke – je nach Wahl des Zuges – zwischen vier und sechs Stunden unterwegs, und im nächsten Jahr soll der Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke beginnen. Eines ist aber bei allen Erweiterungen und Verbesserungen der Angebote geblieben: Die Fahrkarten kontrolliert man bereits beim Einsteigen, vergleicht die Daten mit dem Paß, und während der Fahrt auf dem reservierten Platz darf man das Billet dann nochmals knipsen und sich zu diesem Behufe sanft wecken lassen. Sicher ist sicher auf der russischen Eisenbahn, damals wie heute.

Zusammengestellt nach einem Artikel von Alexander Iswestow, der hier im Original nachzulesen ist: https://is.gd/VeT5dG

Read Full Post »


Es war einmal wieder an der Zeit, in den Keller hinabzusteigen und Eingemachtes zu holen. Allein macht das keinen Spaß, und so bat ich meinen Freund, Alexej, mitzukommen. Der Keller liegt fünf Haltstellen von unserem Haus entfernt, doch das Wetter gab sich so heiter, daß wir beschlossen, zu Fuß zu gehen. Als wir ankamen, setzten wir uns erst einmal auf die Bank, unterhielten uns ein wenig und stiegen dann hinunter. Als wir die Taschen vollgestopft hatten mit Konfitüre und eingelegtem Gemüse, machten wir uns auf den Heimweg. Doch die Strecke kam uns nun mit all dem Gewicht viel länger vor, und so entschieden wir, eine Marschrutka, ein Linientaxi, zu nehmen. Es hielt auch auf unser Handzeichen hin gleich eines an, aber wir hatten kein Geld dabei. Wir stiegen trotzdem hinten ein, fragten uns freilich, wie wir zahlen sollten. Da kam mein Freund auf die Idee, dem Fahrer ein Glas von unseren Schätzen zu geben. Was sollten wir sonst tun, wir hatten sonst nichts dabei. Wir richteten uns also auf den Satz „Wir geben das Fahrgeld weiter!“ weiter, und als er dann tatsächlich zu hören war, ging unser Glas von Hand zu Hand bis vor zum Fahrer. Unserer Gesichter waren wie versteinert, und die Fahrgäste verkniffen sich auch jedes Lachen und warteten gespannt auf den Ausgang der Sache. Als das Glas dann beim Fahrer angekommen war… – zunächst eine Minute Schweigen. Und dann brach der ganze Kleinbus in Lachen aus. Auch wir prusteten los. Aber das erwies sich nur als Vorspiel. Plötzlich nämlich ist die Stimme des Fahrers zu vernehmen: „Hier ist euer Rückgeld!“ Und er reichte über die Händekette eingepackt ein belegtes Brot mit geräucherter Wurst an uns weiter. Er wußte unser Eingemachtes zu schätzen. Das nun einsetzende Lachen brachte fast die Scheiben des Busses zum Bersten.
Ob nun so passiert oder nur gut ausgedacht, die Sache dient auch zu einem kleinen landeskundlichen Exkurs. In allen russischen Städten nämlich, natürlich auch in Wladimir, gibt es diese privaten Kleinbusse, nach dem französisch-deutschen Wort „Marschroute“ „marschrutka“ genannt, die – ein wenig teurer als der öffentliche Nahverkehr und deutlich günstiger als ein Taxi – eine bestimmte Strecke mit festen Haltestellen abfahren, allerdings auch dazwischen auf ein Handzeichen hin anhalten und – solange Platz ist – zusteigen lassen.
Eine ausgesprochen effektive, bequeme und günstige Alternative zum Individualverkehr mit hoher Taktfrequenz, vor allem aber viel Kolorit und Möglichkeit, Land und Leute hautnah kennenzulernen. Wer da noch fremdelt, sollte lieber zu Hause bleiben. Warum nur, fragt sich, gibt es dieses Verkehrsmittel nicht auch hierzulande, etwa zwischen Herzogenaurach und Erlangen?

Read Full Post »


In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni kam im historischen Zentrum von Wladimir ein Geländewagen vom rechten Weg ab. Vielleicht wollte der dreißigjährige Fahrer des Mitsubishi Pajero nur einmal sehen, was sein PS-bepacktes Gefährt auf ungewöhnlichem Untergrund zu leisten in der Lage sei.

Als Testgelände für die Probefahrt sollte die Treppe dienen, die auf die Aussichtsplattform führt, von der sich der Blick auf die weiten Kljasma-Auen, die fernen Wälder und natürlich die Kathedralen eröffnet. Die Stufen, die zum schönsten Mirador der Partnerstadt führen, kamen so buchstäblich unter die Räder und boten am Morgen danach einen jämmerlichen Anblick.

Doch die Suche nach dem Rowdy sollte nicht lange dauern. Dank der Videokamera in unmittelbarer Nähe der Demetrius-Kathedrale ließ sich das Auto unschwer zuordnen. Es gehört einer Frau, deren geständiger Ex-Mann am Steuer gesessen hatte und nun mit einer gehörigen Geldstrafe und mit bis zu eineinhalb Jahren Entzug des Führerscheins zu rechnen hat. Ganz zu schweigen von den Sanktionen seitens der Fahrzeughalterin gegenüber ihrem Verflossenen. Auf absehbare Zeit, wird der jedenfalls nicht mehr über Treppenwitze lachen können.

Die Spuren der abwegigen Tour de force zu nachtschlafener Zeit werden bald nicht mehr zu sehen sein, anders als die Aufzeichung der Kamera, die natürlich längst im Internet gelandet ist: https://is.gd/sQzwNo

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: