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Archive for the ‘Verkehr’ Category


In der Pause des Konzerts des Universal Ensembles von Rainer Glas und Andrej Schewljakow am Sonntag – ein eher rares Treffen. Jonas Eberlein, einst Erlangens Verbindungsmann in Moskau, lebt nun in Darmstadt und begleitet von dort weiter die Entwicklung des Radverkehrs in russischen Städten. Natürlich verfolgt er auch, was sich da auf den Straßen von Wladimir tut – oder leider noch immer nicht tut. Und überhaupt bleibt er der Partnerstadt, die er schon durch eine musikalische Reise mit dem Ohm-Gymnasium kennengelernt hatte, verbunden und hat einen lesenswerten Artikel der Moscow Times im Gepäck, den für alle zu lesen lohnt, die sich für städtebauliche Themen interessieren: https://is.gd/atwpnc

Elisabeth Preuß, Getrud Härer, Axel Just und Jonas Eberlein

 

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Für die nachtaktiven und aufgeweckten unter den geneigten Lesern, gewohnt, die Neuigkeiten aus der Welt des Blogs bereits über den Frühstückstisch gebeugt zu erfahren, brechen wieder normale Zeiten an. Die Redaktion kann nach dem behobenen technischen Schaden an der Internetleitung wieder frühmorgens frisch und fröhlich ans Werk gehen.

Heute brachte unser Verkehrsexperte Fulgur „Speedy“ Tachow zwei Videos mit, aufgenommen von den in russischen Autos allgegenwärtigen Dashcams, deren Bilder vor Ärger mit Versicherung und Polizei schützen sollen und massenhaft den Weg ins Netz finden. Die erste Fahrt zeigt eine Strecke im Osten der Region Wladimir mit unerwarteten Hindernissen, die bereits zur Entlassung der beiden verantwortlichen Beamten führte: https://is.gd/SPQCKT

Im zweiten Kurzfilm ist eine Schrecksekunde in der Nähe von Wladimir festgehalten, die sicher noch ihre Folgen haben wird. Doch sehen Sie selbst, nachdem Sie sich vorher angeschnallt haben: https://is.gd/xp3BkU

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Wenn alles so kommt, wie es die Ausschreibung vorsieht, verläuft die geplante Maut-Autobahn Moskau – Kasan entgegen aller Proteste durch das Landschafts- und Naturschutzgebiet entlang der Kljasma. Immerhin aber zeigt die russische Politik mehr Vernunft in Sachen Ökologie und Sicherheit als hierzulande, indem sie für die Trasse noch vor deren Bau eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h festlegt. Na ja, bevor man in Deutschland ein Limit am Steuer einführt, verteilt man in den USA zur Selbstverteidigung statt teurer Feuerwaffen kostenlose Spritzpistolen.

Straßenbauprojekt bei Nowgorod. So könnte es bald auch in der Region Wladimir aussehen…

Dennoch: Die Entscheidung, auf die Hochgeschwindigkeitseisenbahntrasse zu verzichten und an ihrer Statt eine vierspurige Autobahn zu bauen, bleibt umstritten: Die IHK der Region Wladimir fürchtet, die Streckenführung werde der Wirtschaft nicht die erhofften Impulse bringen, weil sie an den industriellen Zentren vorbeilaufe, und die Umweltschützer zittern um das ökologische Gleichgewicht. Alarm schlägt nun aber auch eine Berufsgruppe, die sich ansonsten aus derartigem Streit eher heraushält. Der Künstlerverband der Region Wladimir, vertreten durch den Maler und Professor an der Universität der Partnerstadt, Wladimir Rusin, wird deutlich:

Wir waren sehr verärgert über die Nachricht. Ich weiß, das wird eine große Straße. Es geht um Infrastruktur, um Rodungen. Diese wunderschönen Orte werden einfach weggebügelt. An ihrer Stelle kommt Lärm, kommt Staub, kommt Gestank. Wir sehen das alles entlang der M7 „Wolga“, die unsere Dörfer durchschneidet. Überall Schutzplanken, Billboards. Die reinste Verhöhnung der Menschen. Man sollte die Strecke besser andernorts verlaufen lassen. Ansonsten gehen unschätzbare Orte verloren.

Anatolij Kuwin. Landschaft, die durch die Autobahn zerstört würde.

Man erkennt zwar unschwer eine russische Variante des Sankt-Florian-Prinzips, aber der Widerstand zeigt doch auch, wie sensibel hier wie dort die Zivilgesellschaft auf Prozesse und Projekte reagiert, an denen sie sich nicht ausreichend beteiligt fühlt. Ob das ausreicht, die neue Autobahn zu verhindern? Eher nicht. Längst ist auch des Russen liebstes Kind – das Auto.

Siehe auch: https://is.gd/NCwhQg

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Gestern fand landesweit in der Russischen Föderation die Aktion „Zur Arbeit mit dem Fahrrad“ statt. Mit welchem Erfolg in Wladimir? Darüber geben die Medien bisher keine Auskunft.

Aber einen zumindest gibt es, Altoberbürgermeister Sergej Sacharow, der dafür keiner besonderen Einladung bedarf. Er fährt nicht nur regelmäßig Straßenrennen, sondern setzt sich auch auf den Sattel, wenn er von der Partnerstadt aus, wo er nach wie vor wohnt, ins gut 30 km entfernte Rathaus von Susdal radelt, dessen Geschicke er als Stadtdirektor leitet.

John Stackmann und Sergej Sacharow am 7. September vor dem Erlangen-Haus

Unterdessen stritt man im Wladimirer Stadtrat darüber, ob man einen Bußgeldkatalog für die E-Roller-Fahrer einführen solle, deren Zahl beständig wachse. Zu einem Ergebnis kam die Lokalpolitik in der Sache noch nicht, zumal man erst einmal, wie der Abgeordnete Dmitrij Kuschpita einwarf, die Infrastruktur für die neuen Verkehrsmittel schaffen sollte. Mit dem zweigleisigen System – Straße und Bürgersteig – sei man nicht für die Zukunft gerüstet. Man brauche endlich auch das dritte Element: Fahrradwege, die es in Wladimir leider immer noch erst in Ansätzen gibt. Ein Grund auch, warum den Pedalen noch immer nicht trauen: zu gefährlich bei all dem Verkehr. Dabei kann es noch viel schlimmer kommen, wie vor einigen Tagen in der Kreisstadt Petuschki, wo ein 2018 aus dem Gefängnis entlassener 28jähriger Straftäter einen 59jährigen, der mit dem Rad zum Angeln unterwegs war, lebensgefährlich mit einem Beil verletzte und bei seiner Festnahme nicht einmal ein Motiv für seine bizarre Attacke angeben konnte. Einfach so, aus heiterem Himmel. Gottlob überlebte das Opfer, dem auch einige Finger abgehackt wurden. Bizarr eben.

Der gestrige weltweite Klimastreik mit Großdemonstrationen auch in Erlangen und seinen Partnerstädten Jena, Bozen, Rennes, Eskilstuna, Riverside und sogar Stoke-on-Trent blieb in Wladimir übrigens unbemerkt. Dort geht nach einem viel zu kühlen und verregneten Sommer ein bisher warmer und trockener Herbst in die jahreszeitlich übliche trübe Witterung über. Eben so, wie man es gewohnt ist. Klimawandel hin, Klimawandel her.

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Nun liegen die konkreten Pläne für die mautpflichtige Autobahn vor, die anstelle der Hochgeschwindigkeitstrasse für die Eisenbahn – möglicherweise mit Hilfe italienischer Investoren – weitgehend parallel zur bestehenden M7 ab 2025 Moskau via Wladimir mit Nischnij Nowgorod und Kasan verbinden soll, wovon der Blog bereits berichtete: https://is.gd/NCwhQg

Die erste Wildbrücke Rußlands in der Region Kaluga

Auf einer Länge von 36 km verläuft die Streckenführung nach Meinung von Umweltschützern durch hochsensible Ökosysteme, die großen Schaden nehmen könnten. Derzeit läuft deshalb eine Unterschriftenaktion, gerichtet an Staatspräsident Wladimir Putin, die zumindest für dieses Teilstück – das gesamte Projekt wird nicht in Frage gestellt – eine alternative Trasse vorschlägt.

Mit dem Fahrrad aufs Land statt mit dem Auto!

Am westlichen Stadtrand von Wladimir beabsichtigt ein Bauträger die Errichtung eines neuen Wohnviertels am Rand eines Naherholungsgebiets. Dem breiten Widerstand bis hin zu einem Protestkonzert schloß sich nun sogar Gouverneur Wladimir Sipjagin an, der sich für den Erhalt der grünen Zone aussprach.

Reinigung eines Teiches in Wladimir bei einem Subbotnik

In der Region Wladimir – vor allem an der Grenze zum Gouvernement Moskau – laufen die Menschen Sturm gegen den aus der Hauptstadt importierten Müll. Die Zufahrten zu Flächen, die im Wald für Deponien vorgesehen sind, werden blockiert, gleichzeitig fordert die Bevölkerung überall, illegale Halden zu schließen beziehungsweise zu entfernen und zu rekultivieren. Sogar die Staatsanwaltschaft nimmt sich des Themas verstärkt an.

Und auch die Kommunalpolitik steuern allmählich um. Gerade eben richtete man die drei ersten Annahmestellen für quecksilberhaltiges Material in der Region Wladimir ein. Und in der Partnerstadt läuft ein Pilotprojekt an, das die Abholung von Sperrmüll organisiert. Landesweit schließlich gibt es Aufrufe, den Müll zu trennen. Hier, unter diesem Link, gut zu sehen, auch wenn man kein Russisch kann: http://просторазделяй.рф – Auffallend allerdings die Ablehnung der Müllverbrennung als umweltschädlich, während sie ja in Deutschland seit Jahrzehnten mit großer Akzeptanz praktiziert wird. Wie man in Rußland tatsächlich ohne die thermische Behandlung der Abfallberge Herr werden will, muß sich noch zeigen.

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In dreieinhalb statt bisher vierzehn Stunden von Moskau ins 800 km entfernte Kasan, in weniger als einer Stunde von Moskau nach Wladimir – so seit 2013 die Pläne für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke der Eisenbahn, die später einmal bis nach Sibirien weiterführen sollte. Schon für 2015 plante man die Arbeiten mit einem sagenhaften Kostenvolumen von einer Trillion Rubel aufzunehmen, finanziert zu einem Drittel von privaten Investoren und zu zwei Dritteln vom Staat. Ganz so schnell ging es natürlich nicht, aber immerhin stand die Streckenführung durch die Region Wladimir schon fest, öffentliche Anhörungen hatten stattgefunden, alles sah nach einer Umsetzung der Schienenträume von Premier Dmitrij Medwedjew aus. Doch Ende März des Jahres dann das plötzliche Aus. Präsident Wladimir Putin hält die Sache für nicht finanzierbar, erwartet ein zu geringes Fahrgastaufkommen und stellt die Signale nur auf die ebenfalls geplante Hochgeschwindigkeitstrasse Moskau – Sankt Petersburg, die sich wohl schneller refinanzieren ließe. Festgehalten hingegen wird bisher an dem eurasischen Vorhaben eine superschnelle Bahnverbindung zwischen Berlin und Peking mit chinesischem Geld zu bauen. Bisher.

Kaum hatte der Kreml gesprochen, schon zog das Verkehrsministerium neue Pläne aus der Schublade: Eine Maut-Autobahn soll es richten, privat finanziert, zwischen Moskau und Kasan – im Verein mit mehr Billigfliegern. Von Verkehrswende also keine Spur. Es ist als hätte man sich von den Kollegen in Berlin beraten lassen, wo man ja auch über Jahrzehnte auf den Individualverkehr setzte und bis heute Straßen um Straßen baut. Nun liegt die Streckenführung auf dem Tisch, und die Behörde für die Landschaftsschutzgebiete der Region Wladimir erhebt Einspruch: zu groß die Gefahren für bedrohte Fauna und Flora, zu viele Einschnitte in bisher unberührte Natur, zu unkalkulierbar die Folgen für das Grundwasser, zu laut für Anwohner, besonders Laubenpieper und Datschenbesitzer, deren Ruhe wohl bald dahin sein könnte. Aufhalten wird man den Bau wohl nicht können – 2025 schon soll der Verkehr rollen -, weshalb auch nur eine alternative Streckenführung vorgeschlagen wird. Ob sich die Autobahn freilich rechnet und die versprochenen Vorteile für die Wirtschaft bringt, muß sich noch zeigen. Viel Arbeit jedenfalls für alle beteiligten Seiten am Tag der Arbeit. Ein Anlaß aber zum Feiern? Der Verkehrsexperte der Blog-Redaktion macht jedenfalls keinen Hehl aus seiner Enttäuschung darüber, wenn nun zur bereits bestehenden M7 eine parallele Autobahn das Land durchschneidet.

 

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Vorbei die Zeiten, als in Wladimir die öffentlichen Busse dicke Rußfahnen hinter sich herzogen und einem den Atem anhalten ließen, gezählt damit auch die Tage jener gebrauchten Busse, die aus oder via Erlangen seit Anfang der 90er Jahre in die Partnerstadt rollten, um die dortigen Linien zu bedienen. Noch ist es nicht ganz so weit, aber die Vorgaben sind eindeutig. Man will weg vom Diesel und hin zum Flüssiggas als Treibstoff des innerstädtischen Verkehrs.

Geht es nach den Plänen von einem der beiden Unternehmen, die in Wladimir die Personenbeförderung gewährleisten, wird die ganze Flotte von mehr als 50 Fahrzeugen durch gasbetriebene Busse der Firma Volgabus mit ihrem Stammsitz in Wolgograd und einer Niederlassung in Sobinka, vor den Toren der Partnerstadt ersetzt. Und die ersten fünf stehen nun schon bereit, nach eingehender technischer Prüfung, Schulung des Personals, Zulassung und Abschluß der Versicherung.

Eine kostspielige Investition. Die Gasbusse kosten nämlich nicht nur bis zu zwei Millionen Rubel mehr als die Dieselvariante, sie benötigen auch mehr teure Wartung, die Schulungen des etwa zweihundertköpfigen Personals schlagen zu Buche… Mittel- und langfristig sind die neuen Fahrzeuge demnach – auch wenn bei den Ausgaben für Treibstoff gespart werden kann – nicht günstiger als die konventionellen Busse, ohne Subventionen sogar eher unwirtschaftlich für das Unternehmen. Aber welch ein Gewinn für die Luftqualität!

Ein anderes Projekt bringt freilich Wladimirs Ökobilanz wieder zum Kippen, wenn sich denn bewähren sollte, was gerade fertiggestellt wird: eine elektrische Bodenheizung für eine Bushaltestelle. Schon in diesem Winter soll der Probelauf an einer Station beginnen, auf sechs Quadratmetern. Von 6 Uhr bis 8 Uhr und von 17 Uhr bis 19 Uhr, also nur in den Stoßzeiten (damit keine frierenden Berber hier platte machen), will man den Strom anstellen, den, ebenso wie die Installation der Technik, ein Unternehmen für Außenreklame bezahlt. Immerhin 700 Euro würde das für den Betrieb während der fünf kalten Monate insgesamt bedeuten, nach Meinung der Stadtverwaltung ein verkraftbarer Betrag, während der Einbau der Heizung auf etwa 800 Euro kommt. Gelingt das Experiment, sollen die Fahrgäste Schritt für Schritt an allen 450 Haltestellen keine kalten Füße mehr bekommen. Die Rechnung für den Klimaschutz ist da freilich noch nicht eingepreist.

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