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Archive for the ‘Verkehr’ Category


Im Rahmen des Projekte „Erhaltung der Wälder in der Region Wladimir“ legt man derzeit eine Baumschule für Kiefern mit einem erhöhten genetischen Wert an. Diese sollen Samen für die Wiederaufforstung des „idealen Waldes“ liefern.
Wachsen sollen diese Bäume der Zukunft im Landkreis Kowrow, östlic.h der Partnerstadt, auf einer in ihrer Art für die ganze Region einzigarten Plantage.
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Die hier eines Tages gewonnenen Samen sollen dann mit ihren vererbbaren genetischen Optimierungen die Wiederstandsfähigkeit der Wälder verbessern.
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Die Kiefer wählte man, weil sie ohnehin schon der „Leitbaum“ der Wälder um Wladimir herum ist. Auch ein Grund, warum man einen Schutzstreifen um die Pflanzungen anlegt: Es soll nämlich weitgehend eine Bestäubung mit der gewöhnlichen Föhre vermieden werden.

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Die Arbeiten führt man jetzt in der kurzen Periode von Ende April bis Mitte Mai durch, in einer Zeit, wo die Erde noch genug Feuchtigkeit in sich hat, um ein rasches Anwurzeln zu gewährleisten.

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Bis es so weit ist, will man 3.300 ha Waldfläche wiederaufforsten – mit durchschnittlich 4.500 Setzlingen der herkömmlichen Kiefer pro Hektar. Damit will man auch eine Verbuschung verhindern, vor allem auf landwirtschaftlich nicht mehr genutzten Flächen. Die ganze Region hat – zum Vergleich – eine Waldfläche von eineinhalb Millionen Hektar Wald.

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So wird er also weiterwachsen, der Steckerleswald rund um Wladimir, wo einst mächtige Forste mit Eichen, Linden, Birken und Tannen standen, die weitgehend alle schon im 19. Jahrhundert und davor gefällt wurden. Seither setzt man auf die rasch wachsenden Fichten und Kiefern. Primärwälder gibt es nur noch in einigen Schutzgebieten, und leider setzt man auch weiterhin in den Nutzforsten nach Kahlschlägen auf diese Nadelbäume in Monokultur statt natürlichen und dem Standort entsprechenden Mischwald wachsen zu lassen, wie man das endlich auch im Sebalder Forst und darüber hinaus tut.

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In dreieinhalb statt bisher vierzehn Stunden von Moskau ins 800 km entfernte Kasan, in weniger als einer Stunde von Moskau nach Wladimir – so seit 2013 die Pläne für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke der Eisenbahn, die später einmal bis nach Sibirien weiterführen sollte. Schon für 2015 plante man die Arbeiten mit einem sagenhaften Kostenvolumen von einer Trillion Rubel aufzunehmen, finanziert zu einem Drittel von privaten Investoren und zu zwei Dritteln vom Staat. Ganz so schnell ging es natürlich nicht, aber immerhin stand die Streckenführung durch die Region Wladimir schon fest, öffentliche Anhörungen hatten stattgefunden, alles sah nach einer Umsetzung der Schienenträume von Premier Dmitrij Medwedjew aus. Doch Ende März des Jahres dann das plötzliche Aus. Präsident Wladimir Putin hält die Sache für nicht finanzierbar, erwartet ein zu geringes Fahrgastaufkommen und stellt die Signale nur auf die ebenfalls geplante Hochgeschwindigkeitstrasse Moskau – Sankt Petersburg, die sich wohl schneller refinanzieren ließe. Festgehalten hingegen wird bisher an dem eurasischen Vorhaben eine superschnelle Bahnverbindung zwischen Berlin und Peking mit chinesischem Geld zu bauen. Bisher.

Kaum hatte der Kreml gesprochen, schon zog das Verkehrsministerium neue Pläne aus der Schublade: Eine Maut-Autobahn soll es richten, privat finanziert, zwischen Moskau und Kasan – im Verein mit mehr Billigfliegern. Von Verkehrswende also keine Spur. Es ist als hätte man sich von den Kollegen in Berlin beraten lassen, wo man ja auch über Jahrzehnte auf den Individualverkehr setzte und bis heute Straßen um Straßen baut. Nun liegt die Streckenführung auf dem Tisch, und die Behörde für die Landschaftsschutzgebiete der Region Wladimir erhebt Einspruch: zu groß die Gefahren für bedrohte Fauna und Flora, zu viele Einschnitte in bisher unberührte Natur, zu unkalkulierbar die Folgen für das Grundwasser, zu laut für Anwohner, besonders Laubenpieper und Datschenbesitzer, deren Ruhe wohl bald dahin sein könnte. Aufhalten wird man den Bau wohl nicht können – 2025 schon soll der Verkehr rollen -, weshalb auch nur eine alternative Streckenführung vorgeschlagen wird. Ob sich die Autobahn freilich rechnet und die versprochenen Vorteile für die Wirtschaft bringt, muß sich noch zeigen. Viel Arbeit jedenfalls für alle beteiligten Seiten am Tag der Arbeit. Ein Anlaß aber zum Feiern? Der Verkehrsexperte der Blog-Redaktion macht jedenfalls keinen Hehl aus seiner Enttäuschung darüber, wenn nun zur bereits bestehenden M7 eine parallele Autobahn das Land durchschneidet.

 

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Vorbei die Zeiten, als in Wladimir die öffentlichen Busse dicke Rußfahnen hinter sich herzogen und einem den Atem anhalten ließen, gezählt damit auch die Tage jener gebrauchten Busse, die aus oder via Erlangen seit Anfang der 90er Jahre in die Partnerstadt rollten, um die dortigen Linien zu bedienen. Noch ist es nicht ganz so weit, aber die Vorgaben sind eindeutig. Man will weg vom Diesel und hin zum Flüssiggas als Treibstoff des innerstädtischen Verkehrs.

Geht es nach den Plänen von einem der beiden Unternehmen, die in Wladimir die Personenbeförderung gewährleisten, wird die ganze Flotte von mehr als 50 Fahrzeugen durch gasbetriebene Busse der Firma Volgabus mit ihrem Stammsitz in Wolgograd und einer Niederlassung in Sobinka, vor den Toren der Partnerstadt ersetzt. Und die ersten fünf stehen nun schon bereit, nach eingehender technischer Prüfung, Schulung des Personals, Zulassung und Abschluß der Versicherung.

Eine kostspielige Investition. Die Gasbusse kosten nämlich nicht nur bis zu zwei Millionen Rubel mehr als die Dieselvariante, sie benötigen auch mehr teure Wartung, die Schulungen des etwa zweihundertköpfigen Personals schlagen zu Buche… Mittel- und langfristig sind die neuen Fahrzeuge demnach – auch wenn bei den Ausgaben für Treibstoff gespart werden kann – nicht günstiger als die konventionellen Busse, ohne Subventionen sogar eher unwirtschaftlich für das Unternehmen. Aber welch ein Gewinn für die Luftqualität!

Ein anderes Projekt bringt freilich Wladimirs Ökobilanz wieder zum Kippen, wenn sich denn bewähren sollte, was gerade fertiggestellt wird: eine elektrische Bodenheizung für eine Bushaltestelle. Schon in diesem Winter soll der Probelauf an einer Station beginnen, auf sechs Quadratmetern. Von 6 Uhr bis 8 Uhr und von 17 Uhr bis 19 Uhr, also nur in den Stoßzeiten (damit keine frierenden Berber hier platte machen), will man den Strom anstellen, den, ebenso wie die Installation der Technik, ein Unternehmen für Außenreklame bezahlt. Immerhin 700 Euro würde das für den Betrieb während der fünf kalten Monate insgesamt bedeuten, nach Meinung der Stadtverwaltung ein verkraftbarer Betrag, während der Einbau der Heizung auf etwa 800 Euro kommt. Gelingt das Experiment, sollen die Fahrgäste Schritt für Schritt an allen 450 Haltestellen keine kalten Füße mehr bekommen. Die Rechnung für den Klimaschutz ist da freilich noch nicht eingepreist.

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Die Stadt

Es war Ende August 2018 nach 14 Jahren meine vierzigste Reise nach Wladimir. Strahlend blauer Himmel, die ganzen zehn Tage lang, der „Jubiläumsreise“ angemessen, meine ich.

Fußgängerzone Wladimir

Es ist immer wieder beeindruckend, zu erleben, wie sehr sich die Stadt in den wenigen Jahren entwickelt hat. Vor 14 Jahren waren Spaziergänge, vor allem bei schlechtem Wetter, eher ein Hindernislauf um Pfützen und Stolperfallen herum, heute sind Gehsteige gepflastert, und man wird allenfalls gelegentlich von Radfahrern gestört, die verständlicherweise die Bürgersteige den von Autos beherrschten Straßen vorziehen.

Fußgängerzone Wladimir

Auch die Straßen wurden modernisiert, nördlich von der Altstadt entstand eine neue, vierspurige Trasse, um den Durchgangsverkehr durch die Innenstadt besser zu verteilen. Allerdings kann der Straßenbau mit der Zunahme der Fahrzeuge nicht mithalten, und damit wird „Stop and Go“ zum Standard während der Rushhour. Das Internetportal mit der aktuellen Verkehrssituation zeigt jeden Tag morgens und nach Feierabend über die Stadt verteilt rot eingefärbte Straßenabschnitte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 2 km/h.

Patriarchengarten

Eine Oase der Ruhe und Erholung ist dagegen die neue Fußgängerzone neben der Hauptstraße am Abhang zur Kljasma. Alte, restaurierte Häuser, Boutiquen und Andenkengeschäfte, kleine Museen sowie drei Aussichtsplattformen mit Blick zur Kathedrale, zur Kljasma und zum Patriarchengarten laden zum Verweilen ein. Dieser Park (Eintritt 80 Rubel) mit einer großen Fontäne und Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale ist besonders schön im Mai, wenn die Kirschen blühen.

Springbrunnen im Zentrum von Wladimir

Ganz neu und erst zum Stadtfest am 26. August eingeweiht, ist der Springbrunnen vor dem Schauspielhaus am Goldenen Tor. Der Brunnen ist ebenerdig mit Gitterrosten angelegt, und so kann man zwischen den in der Intensität ständig wechselnden Fontänen einherspringen, ein Magnet für Kinder und gelegentlich auch für jung gebliebene Erwachsene. Abends erstrahlt das Ensemble dann in bunten Farben, und stündlich wird das Ganze noch mit Musik untermalt.

Wasserfreuden

Nicht weit entfernt liegt die Kirche der katholischen Rosenkranzgemeinde. Natürlich hat Pfarrer Sergej Sujew Zeit, mir die Fortschritte auf der Baustelle des Pilgerzentrums zu zeigen. Strom, Wasser, Abwasser und Heizung sind installiert, jetzt steht der Innenausbau an. Zurzeit wird aber noch an der Außenanlage gearbeitet. Durch einen Gerichtsentscheid wird das Grundstück geschätzte 100 m² größer, was z. B. zusätzliche Parkflächen ermöglicht. Leider erschweren und belasten immer wieder neue Auflagen die Kostenseite und damit den Fortgang der Arbeiten. So müssen jetzt alle Stromzuführungen unterirdisch verlegt werden, und dies trifft nicht nur den Neubau, sondern auch das Pfarrhaus und die Kirche. Bis zur Einweihung des Zentrums wird sicher noch mindestens ein Jahr vergehen, vorausgesetzt, die Spenden kommen rechtzeitig an.

Die Initiative Swet

Seit 1995 besteht in der Region Wladimir die Initiative Swet, in der sich mehr als 800 Eltern von Kindern mit den verschiedensten Behinderungen zusammengefunden haben. Ziel ist es, die jungen Leute aus der durch die administrativen Vorgaben und die medizinische Therapie entstandenen Isolation zu befreien und in die Gesellschaft zu integrieren, ein Recht, das ihnen durch die Gesetze der Russischen Föderation garantiert wird. Swet erfuhr vielfältige Unterstützung durch die Partnerschaft mit Erlangen. Mit Einzelspenden und Spendenaktionen wurden die Projekte gefördert. Mit Unterstützung von Erlangen entstanden Kontakte zu deutschen Einrichtungen und Institutionen der Behindertenarbeit, die WAB in Kosbach stellte z. B. Hospitationen zur Verfügung.

Jurij Katz in Susdal

Einer der Initiatoren und engagierten Repräsentanten ist Jurij Katz, mit dem ich über die Wiederbelebung von Hospitationen bei den Barmherzigen Brüder in Gremsdorf geredet habe. Diese Zusammenarbeit geht zurück auf das Projekt „Lichtblick“ mit dem Kinderzentrum „Blauer Himmel“. Aus dieser Zusammenarbeit erhielt Swet 2015 ein Datscha-Grundstück am Nerl zur geeigneten Verwendung. Das Grundstück wurde dann verkauft, weil die von Swet betreuten Menschen in der Gesellschaft, in Städten leben sollen, ein Leben auf dem Land würde wieder eine Isolierung bedeuten.

Swet-Baustelle in Susdal

Jurij Katz fuhr deshalb mit mir nach Susdal, um die aus dem Erlös des Grundstücks gekaufte Wohnung zu besichtigen. Sie liegt in der Mitte der Stadt, direkt gegenüber von den Handelsreihen. Es handelt sich um eine von drei Wohnungen in einem alten Holzhaus. Zurzeit läuft eine umfassende Renovierung, drei Handwerker waren auf der Baustelle tätig. Es entstehen drei Wohn-/Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein WC mit Dusche und ein kleiner Lagerraum. Das Ganze soll als Schulungszentrum für Behinderte (ggf. mit Angehörigen) genutzt werden. Bis zu neun Personen können unterkommen und sollen in ein- bis mehrwöchigen Kursen die Grundlagen eines eigenständigen Lebens erlernen.

Jurij Katz im neuen Zentrum

Danach besuchten wir noch ein Therapiezentrum für behinderte Kinder in Susdal. In sozial schwachen Susdaler Familien sind 80 behinderte Kinder bekannt. Das Zentrum wurde von einer privaten Initiative gegründet, die Organisation Swet hilft beratend.

Therapiezentrum in Susdal

Die Finanzierung erfolgt durch Sponsoren, auch die Stadt Susdal gibt mit kleinen Anteilen Unterstützung. Ein verfallener Gebäudekomplex wird, getaktet durch die Verfügbarkeit von Spenden, Raum für Raum ausgebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, was mit einfachen Mitteln erreicht werden kann!

Jurij Katz

Auf dem Weg zurück fällt uns etwa in der Mitte zwischen Susdal und Wladimir auf der linken Seite ein großer Neubau ins Auge, ein privates Museum mit Autos und Motorrädern. Darin befindet sich ein Café, an dessen Bar man auf Motorrädern Platz nimmt.

Wolfram Howein

Wir machen eine Sitzprobe, verziehen uns für unser Gespräch aber gerne auf die Stühle an den nebenstehenden Tischen. Ob sich das Investment rechnet? Ich bin mal gespannt, was daraus in einem Jahr geworden ist, wenn ich mal wieder nach Susdal fahren werde.

Wolfram Howein

Fortsetzung folgt.

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Wladimir gibt Gas


Wie Vertreter von Gasprom und des Ministeriums für Energetik bei ihrem Besuch in Wladimir dieser Tage konstatierten, habe die Region das Zeug dazu, landesweit eine Pilotfunktion bei der Einführung von Flüssigerdgas als Treibstoff für Fahrzeuge zu übernehmen. Die seit diesem Monat funktionstüchtige Station in der Partnerstadt, auf bis zu acht Tankvorgänge (15 Minuten für einen Bus, fünf Minuten für einen Pkw) gleichzeitig ausgelegt, könne Ausgangspunkt für ein ganzes Netz von Tankstellen – bisher gibt es sie schon in drei weiteren Kreisstädten – im Gouvernement werden, das man in den nächsten vier bis fünf Jahren ausbauen wolle. Um den Faktor drei billiger als Benzin oder Diesel und wesentlich weniger umweltschädlich, könnte das Methan an Bedeutung gewinnen, nicht nur in und um Wladimir, sondern landesweit.

Für eine saubere Stadt umweltfreundliche Verkehrsmittel

Schon jetzt verkehrt auf einer Linie in Wladimir ein methangetriebener Bus, hergestellt von Volgabus in jenem Werk vor den Toren Wladimirs, das auch die Delegation der IHK Nürnberg im vergangenen Winter besuchte. Hier liefen bereits 2016 221 Erdgasbusse vom Band, im Vorjahr waren es schon deren 302, nächstes Jahr soll die volle Leistung mit 650 Fahrzeugen erreicht werden. Aber auch bis zu 1.500 Pkws will man dann hier produzieren, die den blauen Kraftstoff tanken. Insgesamt sind lt. Statistik 340 Gasfahrzeuge in der Region Wladimir im Einsatz. Damit haben die Flüssiggastankstellen eine Auslastung von 73%, während dieser Anteil landesweit bei gerade einmal 27% liegt. Als nächstes will man nun die Busflotte für Touristen, die den Goldenen Ring bereisen, umstellen. Immerhin zwölf Busse fahren schon mit Gas. Ein guter Anfang in Wladimir, der hoffentlich tatsächlich landesweit Schule macht.

Siehe auch: https://is.gd/UEtwZL

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Wer sagt’s denn, es geht doch! Stadt und Land Wladimir beteiligten sich gestern an der Aktion „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“. Hinsichtlich Psychologie und Infrastruktur noch immer für viele in der Partnerstadt eine Herausforderung, aber möglich, wie jetzt die Redaktion des staatlichen Radio- und TV-Senders Gubernia 33 exemplarisch beweist.

Zur Arbeit kann man auf unterschiedliche Weise kommen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. Es geht auch zu Fuß, wenn das Büro nicht weit ist und man gern morgendliche Spaziergänge unternimmt. Aber es gibt eine bessere Art, das Fahrrad! Tritt in die Pedale: keine Staus, gut für die Gesundheit und die Hauptsache – man spart Geld.

Karina Romanowa

Viele aus der Redaktion, so weiter im Text, brauche man davon gar nicht mehr überzeugen, etwa Karina Romanowa, die alle Wege zur Arbeit oder zum Training vorzugsweise im Sattel zurücklegt.

Zum ersten Mal saß ich wahrscheinlich mit drei Jahren auf einem Fahrrad. Aber erst mit ungefähr acht Jahren erwachte meine Liebe zu ihm, als ich bemerkte, daß meine schon lang genug waren, um die Pedale des riesigen „Storchs“ meines Großvaters zu erreichen. Ich strampelte los und stürzte natürlich, schlug mir die Knie blutig, aber die Liebe zum Fahrrad blieb von da an. Meine Lieblingsstrecke führt von der Arbeit nach Hause durch das Zentrum. Gern radle ich auch in der Gegend vom „Weißen Haus“, weil das eine recht anspruchsvolle Trasse ist, wo man gut trainieren kann. Ein großes Problem ist freilich das Fehlen von Radwegen. Dem Gesetz nach darf ich weder hier noch dort fahren…

Stas Tregubow

Weniger Probleme damit hat Kameramann Stas Tregubow, der von sich sagt, er fahre überall, wo asphaltiert sei. Dafür habe es bei ihm etwas gedauert mit der Liebe zum Zweirad.

Ich weiß noch, wie andere Kinder in meinem Alter schon auf so großen Rädern saßen, ohne mit den Füßen bis zum Asphalt zu kommen. Für mich undenkbar. Ich kann nicht aufs Fahrrad, wenn ich mit den Füßen nicht bis zum Asphalt komme. Es braucht die Verbindung zur Erde, möglichst die Haftung mit dem Wladimirer Boden. Die Region Wladimir ist der Ort, wo ich leben und radeln will. Radwege sind Unfug. Jedenfalls so, wie sie bei uns angelegt sind. Wenn man schon Radwege macht, dann bitte auf der Fahrbahn als eigener Streifen, damit alle Radler sich an die Regeln halten. So wie jetzt ist alles viel einfacher: Du schnappst dir dein Rad und fährst los, wohin zu willst.

Alexander Krawtschenko

Alexander Krawtschenko, Cutter bei dem Sender, ist schon lange ein Radfan. Für ihn geht es dabei aber mehr um Sport als um Vergnügen. Er fährt auch schon einmal 190 km am Stück, wenn ihm danach ist. An Werktagen freilich auch nur zur Arbeit und wieder heim oder zum Training.

Zunächst ist es einfach gut für die Gesundheit. Denn so trainierst du, dein Herz wird trainiert. Und dann ist da die Sache mit den Staus, die man gewöhnlich in der Stoßzeit nach der Arbeit hat und die man mit dem Rad einfach hinter sich lassen kann. In der Hitze ist das doch unerträglich. Und dann schaue ich mir vom Sattel aus auch immer die Leute an, die in den Bussen gequetscht stehen. Da fühle ich mich auch gleich leichter und besser. Denn es ist doch besser, in die Pedale zu treten, als sich so zu fühlen. Und schneller ist es auch noch. Und gesünder.

Und dann kommt Boris Putschkow, Autor dieses von der Blog-Redaktion übernommenen Berichts, noch fast ins Schwärmen:

Ungeachtet des faktischen Fehlens von Fahrradwegen wächst in Wladimir die Zahl der Freunde des Zweiradverkehrs mit jedem Tag. Dabei schrecken weder der schlechte Straßenbelag noch die hohen Bordsteinkanten unterwegs. Dies alles macht im Übermaß dieses Gefühl einer praktisch grenzenlosen Freiheit wett.

P.S.: Passend zum Thema ein Streitgespräch im Himmel, aufgezeichnet vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel: https://is.gd/NRsWnS

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Was im Frühjahr 2015 verkehrspolitisch so hoffnungsvoll begann, findet nun sein vorzeitiges Ende: Die Flugverbindung von Wladimir nach Sankt Petersburg wird eingestellt. Es rechnet sich einfach nicht mehr, und die staatlichen Zuschüsse bleiben aus. Ausgelastet waren die Maschinen ja nie, zwischenzeitlich hatte es schon einmal ein Aus gegeben, dann kam ein Neustart, jetzt ist die Konkurrenz der Bahn zu stark geworden.

Flughafen Wladimir

Seit März des Jahres verkehren zwischen der Partnerstadt und dem Venedig des Nordens täglich Schnellzüge der Siemens-Baureihe „Sapsan“, die für die Strecke sechseinviertel Stunden brauchen, während man mit dem Flieger zwei Stunden unterwegs ist. Rechnet man aber all die Zeit für die Flughafentransfers und die Abfertigung und Kontrolle mit ein, ist der Zeitunterschied nicht mehr so entscheidend. Und auch beim Preis kann die Luftlinie nicht mithalten. Der Flugschein kostet fast 5.000 Rubel einfach, die Bahnfahrkarte hingegen ist je nach Klasse und Buchungsdatum bereits ab 2.000 Rubel zu haben. Alle Beteiligten können sich nun sagen, einen Versuch sei es wert gewesen, aber bei aller vermeintlich grenzenlosen Freiheit über den Wolken muß eben am Boden die Kasse stimmen. Man wird nun sehen, ob andere Ziele, wie etwa Sotschi, bestehen bleiben oder auch gestrichen werden. Auf absehbare Zeit jedenfall wird die Destination Wladimir nicht auf den internationalen Flugplänen zu finden sein.

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