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Archive for the ‘Verkehr’ Category


In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni kam im historischen Zentrum von Wladimir ein Geländewagen vom rechten Weg ab. Vielleicht wollte der dreißigjährige Fahrer des Mitsubishi Pajero nur einmal sehen, was sein PS-bepacktes Gefährt auf ungewöhnlichem Untergrund zu leisten in der Lage sei.

Als Testgelände für die Probefahrt sollte die Treppe dienen, die auf die Aussichtsplattform führt, von der sich der Blick auf die weiten Kljasma-Auen, die fernen Wälder und natürlich die Kathedralen eröffnet. Die Stufen, die zum schönsten Mirador der Partnerstadt führen, kamen so buchstäblich unter die Räder und boten am Morgen danach einen jämmerlichen Anblick.

Doch die Suche nach dem Rowdy sollte nicht lange dauern. Dank der Videokamera in unmittelbarer Nähe der Demetrius-Kathedrale ließ sich das Auto unschwer zuordnen. Es gehört einer Frau, deren geständiger Ex-Mann am Steuer gesessen hatte und nun mit einer gehörigen Geldstrafe und mit bis zu eineinhalb Jahren Entzug des Führerscheins zu rechnen hat. Ganz zu schweigen von den Sanktionen seitens der Fahrzeughalterin gegenüber ihrem Verflossenen. Auf absehbare Zeit, wird der jedenfalls nicht mehr über Treppenwitze lachen können.

Die Spuren der abwegigen Tour de force zu nachtschlafener Zeit werden bald nicht mehr zu sehen sein, anders als die Aufzeichung der Kamera, die natürlich längst im Internet gelandet ist: https://is.gd/sQzwNo

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Archive bringen bisweilen wirklich kuriose Zeugnisse ihrer Zeit ans Tageslicht – so wie hier diese Aufnahme aus der frühen Mitte des vergangenen Jahrhunderts der fast autofreien Hauptstraße von Wladimir mit einem Plakat rechter Hand, das mit einem Fingerzeig auf das Landesmuseum hinweist, der heute eine ganz andere Richtung vorgibt und als obszön gilt. Die Zeiten ändern sich eben und mit ihnen auch die Gesten.

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Bleiben wir aber beim Straßenverkehr: Das erste Automobil in Wladimir soll Anfang des 20. Jahrhunderts dem Direktor der Berufsschule gehört haben, wo heute Luftfahrtmechaniker ausgebildet werden. Der Ingenieur, Dmitrij Sowetkin, gilt als Begründer des ersten Systems einer technischen Berufsbildung in Rußland, das buchstäblich Schule machte und sogar von der US-amerikanischen Regierung übernommen wurde. Zum Dank erhielt der pädagogische Techniker ein „automatisches Gespann“ aus Übersee geschenkt.

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Die Tochter am Steuer mit dem Ehepaar Sowetkin

Bis zu den beiden Revolutionen vor einhundert Jahren gab es dann bereits, wie Zebra TV berichtet, eine Reihe von Fahrzeugen im Besitz wohlhabender Wladimirer, doch erst in den 20er und 30er Jahren wuchs deren Zahl erheblich dank der raschen industriellen Entwicklung und Erweiterung der Stadt. Lastkraftwagen und Omnibusse kamen hinzu, und vor dem Zweiten Weltkrieg sprach man bereits von der Notwendigkeit, Oberleitungsbusse einzuführen. Die Hauptverkehrsader – wie bis in unsere Zeit hinein – war die zentrale Straße um das Goldene Tor herum mit „von einem Dutzend bis zu einhundert Autos“ am Tag. Da konnten auch Unfälle nicht ausbleiben, über die bereits Ende der 30er Jahre die Lokalzeitung „Prisyw“ regelmäßig berichtete.

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Bild zu einem Artikel aus dem Jahr 1937 im Prisyw

Da war dann von einem Auto zu lesen, das mit „gewaltiger Geschwindigkeit über die Gorkijstraße brauste“ und einen zehnjährigen Jungen anfuhr, der auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb. Oder von einem betrunkenen Fahrer, der auf dem Weg stadteinwärts in eine Gruppe Arbeiter raste, wobei einer von ihnen zu Tode kam und viele weitere zum Teil schwer verletzte. Oder vom Lkw, der auf dem Weg Richtung Gorkij am Stadtausgang einen Fußgänger erfaßte… Besonderer Gefahr waren natürlich Kinder ausgesetzt, die sich einen Spaß daraus machten, aufzuspringen und ein Stück mitzufahren. Aber auch so gab es viel zu viele Opfer unter ihnen, wohl auch bedingt dadurch, daß es auf der Hauptstraße keine Verkehrspolizei gab, wie ein Chirurg in der Zeitung beklagte. Und – kaum zu glauben – vor 80 Jahren gab es noch kein einziges Verkehrszeichen, wie der „Prisyw“ bemängelt.

Wildes Parken von Lkws im Wladimir der 30er Jahre

Wildes Parken von Lkws im Wladimir der 30er Jahre

Einige Zitate: „An Orten wie dem Molotow-Klub, der Pädagogischen Lehranstalt, dem Kino u.s.w. sind unbedingt Verkehrszeichen aufzustellen. Darum sollte sich endlich das städtische Ordnungsamt kümmern.“ – „In unserer Stadt halten täglich Transitfahrzeuge an. Warum gibt es für sie nicht an einem bestimmten Ort einen Parkplatz? Sie werden alle gegenüber dem Hotel abgestellt und verstopfen die Straße.“ – „Es ist voll und ganz zeitgemäß, auch die Frage nach einer parallelen Straßenführung in der Stadt zu stellen. Warum nur ist der ganze Verkehr auf nur eine zentrale Straße konzentriert?“ Acht Jahrzehnte später ist zumindest dieses Problem mit der Umgehungsstraße, die das Zentrum stark entlastet, gelöst.

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Vorgestern hat extremer Eisregen mit all seinen Folgen wie umgestürzte Bäume und Masten zu Stromausfall in 87 Orten, verteilt auf sechs Landkreise der Region Wladimir geführt. Gestern morgen waren immer noch 37 Dörfer vom Netz abgeschnitten, und dann zog auch schon die zweite Unwetterfront mit weiterem Eisregen auf, der neue Leitungen kappte. Damit nicht genug: Für heute gibt das Rathaus Wladimir eine Warnung heraus, wegen heftiger Schneefälle und Windböen sowie Blitzeis nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben, Kleinkinder daheim zu lassen und, wenn überhaupt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein.

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Schon sind erste Verkehrstote bei Pokrow auf der Trasse zwischen Moskau und Wladimir zu beklagen, und die Behörden bereiten sich mit Übungen auf komplizierte Rettungsmaßnahmen vor. Bei all diesen Unbilden der Witterung ist Wjatscheslaw Kartuchin heute nur eine sichere Heimreise zu wünschen.

 

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Die Statistiker haben neue Zahlen, die Auskunft über den wirtschaftlichen Zustand der Region Wladimir geben: Zum 1. Juli zählte man landesweit im Schnitt 285 Pkws auf 1.000 Einwohner. Die Partnerstadt und ihr Umland hinken da noch mit 266 Autos auf 1.000 Personen hinterdrein. Mit anderen Worten nimmt das Gouvernement Wladimir Platz 51 unter den 83 Regionen des Landes ein, was den motorisierten Individualverkehr angeht.

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Angeführt wird diese Liste übrigens erstaunlicherweise von der Halbinsel Kamtschatka und der Region Primorje mit ihrem großen Gebrauchtwagenanteil aus Japan, erst an dritter Stelle folgt der Speckgürtel um Moskau. Schlußlichter sind Inguschetien, Tschetschenien und – wenig verwunderlich – Tschukotka mit mehr Rentieren als Einwohnern. Anzumerken noch: Trotz Wirtschaftskrise und rückläufiger Zuwachsraten beim Absatz sind auf den russischen Straßen immer mehr Autos unterwegs. Vor zwei Jahren nämlich waren es landesweit erst 280 Fahrzeuge auf 1.000 Einwohner. Der Markt wächst also. Dennoch ist der Abstand etwa zu Deutschland noch groß, wo die Relation 532 : 1.000 beträgt.

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Die Deutschen sind noch nicht aus dem Rennen um den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau via Wladimir nach Kasan. Wie jetzt die Zeitung Kommersant berichtet, bietet das Konsortium „Deutsche Initiative“, zu dem sich neben der Siemens AG, die Deutsche Bank und die Deutsche Bahn mit einer Reihe anderer Firmen zusammengeschlossen haben, seine Teilnahme an der Finanzierung der Bahntrasse an und bringt sogar mehr als zwei Milliarden Euro mit, abgedeckt durch eine Hermes-Bürgschaft der Bundesregierung. Die Bedingungen bleiben die gleichen wie für die bisherigen Alleinbieter aus China, was offenbar bei einem Treffen von Dietrich Möller, Siemens-Chef in Moskau, mit der Leitung der Russischen Staatsbahn Anfang Juli bestätigt wurde: eine Anleihe in Höhe von eineinhalb Milliarden Euro für den Bau der Infrastruktur und von 700 Millionen Euro für den Erwerb der Züge. Zudem ging bei der russischen Eisenbahnzentral ein Schreiben der Sparte Mobilität der Siemens AG ein, wo weitere zwei Milliarden Euro im Rahmen einer Hermes-Exportbürgschaft für den Technologietransfer und die Produktion von Zügen vor Ort in Aussicht gestellt werden.

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Ganz gleich sind die Ausgangsbedingungen freilich nicht: Nach Aussagen von russischen Verhandlungsführern hinken die Deutschen mit ihrem Angebot ein halbes Jahr hinter den Chinesen her, die überdies schon einen Vertrag über den Bau der „Seidenstraße“ von Moskau nach Peking unter Dach und Fach haben. Eine weitere Hürde der Deutschen stellen die Sanktionen dar, von denen dieses Geschäft zwar nicht betroffen wäre. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, befürchten wohl manche in Moskau. Ungeachtet aller möglichen Widrigkeiten haben die Russen nun eine echte Wahl, wenn es um den Bau der 770 km langen Verbindung Moskau – Kasan geht, deren Kosten auf mehr als eine Trillion Rubel insgesamt angesetzt sind und die bereits 2021 befahren und dann in Etappen weitergeführt werden soll bis Jekaterinburg, Perm, Ufa und Tscheljabinsk im Ural. Noch ist der Zug ja nicht abgefahren, aber die Deutschen müssen sich sputen, wenn sie im Lokführerhäuschen sitzen wollen.

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Die Straßen werden sicherer. Nicht nur in der Partnerstadt, sondern im ganzen Gouvernement mit Ausnahme von zwei Landkreisen. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden in der Region Wladimir „nur“ noch 1.075 Unfälle gemeldet – mit 133 Todesopfern und 1.440 Verletzten. Immerhin ein Rückgang bei den Unfällen um 14%, bei den Verkehrstoten um 22% und bei den Verletzten um fast 15%. Im Durchschnitt zählte man pro Tag sechs Unfälle mit Personenschäden und 74 Unfälle nur mit Sachschaden. Zum Vergleich: Auf den Straßen der Russischen Föderation registrierte man im ersten Halbjahr 72.886 Unfälle, 9,2% weniger als im Vorjahreszeitraum, mit 8.149 Todesopfern, 17,1% weniger, und 92.321 Verletzten, 8,7% weniger. Dabei kommt es immer häufiger vor – in jedem fünften Fall -, daß die Angelegenheit nach dem sogenannten Europrotokoll, also ohne Hinzuziehen der Verkehrspolizei, geregelt wird.

Alkohol und Auto sind unvereinbar. Beachten Sie die Verkehrsregeln!

Alkohol und Auto sind unvereinbar! Beachten Sie die Verkehrsregeln!

Gestiegen ist allerdings in der Region Wladimir um 4,5% die Zahl der Unfälle, die auf das Konto von Busfahrern gehen. Auch die schlechte Qualität der Straßen und vor allem der mangelhafte technische Zustand der Fahrzeuge verzeichnen einen Anstieg von 8,2% bzw. sogar 50% an der Unfallursache. – Da wird wohl an der falschen Stelle gespart. Immer noch gefährlich sind die Fußgängerüberwege, auch wenn man meist heil hinüberkommt. Die Zahl der hier registrierten Unfälle ist zwar um 11% niedriger, aber ein Drittel mehr Menschen kam auf den Zebrastreifen ums Leben… Auch sterben noch viel zu viele Kleinkinder im Verkehr – bei 124 Unfällen kamen drei ums Leben, 139 erlitten Verletzungen, häufig wegen fehlender Sitze und weil sie nicht angegurtet waren. Erfreulich aber: Man fährt seltener unter Alkoholeinwirkung. Um ganze 45% ist die Zahl der Unfälle zurückgegangen, bei denen Trunkenheit – es gilt die Null-Promille-Grenze – eine Rolle spielte. Hier wirkt sich wohl die verschärfte Gesetzgebung aus, denn wer zum zweiten Mal alkoholisiert am Steuer angehalten wird, muß mit Strafverfolgung rechnen. Und schließlich noch eine gute Nachrichte: Auch auf der M 7 von Moskau nach Wladimir sinken die Unfallzahlen um 13% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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Es heißt ja, wer nach Wladimir zurückkommen wolle, umrunde einmal dessen Wahrzeichen, das Goldene Tor, erbaut Mitte des 12. Jahrhunderts zum Schutz wie zum Schmuck der Stadt. Dies wurde allerdings erst sechs Jahrhunderte später möglich, nachdem – der Legende nach – eine Kutsche der Kaiserin Katharina II in einer Pfütze der Tordurchfahrt steckengeblieben sein soll, worauf die Alleinherrscherin angeordnet habe, die Befestigungswälle links und rechts des Bauwerks so weit zu entfernen, bis man es umfahren konnte. Seither teilt sich hier die Straße, seither ist das 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobene Bauwerk von einem Ringverkehr umtost und wird selbst nicht mehr durchfahren.

Goldenes Tor

Goldenes Tor

Und hier nun, am Paradezugang zum historischen Kern der Partnerstadt, veranstalten vornehmlich nachts neuerdings immer wieder Raser ihre Privatrennen, wie man sie auch aus Deutschland kennt, wo mittlerweile schon über Gefängnisstrafen und lebenslangen Führerscheinentzug für diese Verkehrsrowdies nachgedacht wird. Wie so eine nächtliche Jagd aussieht – und wie sie recht rasch auch zu Ende kommen kann – ist hier auf diesem Clip zu verfolgen:  https://is.gd/qOQw08. Zur Nachahmung natürlich nicht empfohlen.

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