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Archive for the ‘Verkehr’ Category


Vorbei die Zeiten, als in Wladimir die öffentlichen Busse dicke Rußfahnen hinter sich herzogen und einem den Atem anhalten ließen, gezählt damit auch die Tage jener gebrauchten Busse, die aus oder via Erlangen seit Anfang der 90er Jahre in die Partnerstadt rollten, um die dortigen Linien zu bedienen. Noch ist es nicht ganz so weit, aber die Vorgaben sind eindeutig. Man will weg vom Diesel und hin zum Flüssiggas als Treibstoff des innerstädtischen Verkehrs.

Geht es nach den Plänen von einem der beiden Unternehmen, die in Wladimir die Personenbeförderung gewährleisten, wird die ganze Flotte von mehr als 50 Fahrzeugen durch gasbetriebene Busse der Firma Volgabus mit ihrem Stammsitz in Wolgograd und einer Niederlassung in Sobinka, vor den Toren der Partnerstadt ersetzt. Und die ersten fünf stehen nun schon bereit, nach eingehender technischer Prüfung, Schulung des Personals, Zulassung und Abschluß der Versicherung.

Eine kostspielige Investition. Die Gasbusse kosten nämlich nicht nur bis zu zwei Millionen Rubel mehr als die Dieselvariante, sie benötigen auch mehr teure Wartung, die Schulungen des etwa zweihundertköpfigen Personals schlagen zu Buche… Mittel- und langfristig sind die neuen Fahrzeuge demnach – auch wenn bei den Ausgaben für Treibstoff gespart werden kann – nicht günstiger als die konventionellen Busse, ohne Subventionen sogar eher unwirtschaftlich für das Unternehmen. Aber welch ein Gewinn für die Luftqualität!

Ein anderes Projekt bringt freilich Wladimirs Ökobilanz wieder zum Kippen, wenn sich denn bewähren sollte, was gerade fertiggestellt wird: eine elektrische Bodenheizung für eine Bushaltestelle. Schon in diesem Winter soll der Probelauf an einer Station beginnen, auf sechs Quadratmetern. Von 6 Uhr bis 8 Uhr und von 17 Uhr bis 19 Uhr, also nur in den Stoßzeiten (damit keine frierenden Berber hier platte machen), will man den Strom anstellen, den, ebenso wie die Installation der Technik, ein Unternehmen für Außenreklame bezahlt. Immerhin 700 Euro würde das für den Betrieb während der fünf kalten Monate insgesamt bedeuten, nach Meinung der Stadtverwaltung ein verkraftbarer Betrag, während der Einbau der Heizung auf etwa 800 Euro kommt. Gelingt das Experiment, sollen die Fahrgäste Schritt für Schritt an allen 450 Haltestellen keine kalten Füße mehr bekommen. Die Rechnung für den Klimaschutz ist da freilich noch nicht eingepreist.

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Die Stadt

Es war Ende August 2018 nach 14 Jahren meine vierzigste Reise nach Wladimir. Strahlend blauer Himmel, die ganzen zehn Tage lang, der „Jubiläumsreise“ angemessen, meine ich.

Fußgängerzone Wladimir

Es ist immer wieder beeindruckend, zu erleben, wie sehr sich die Stadt in den wenigen Jahren entwickelt hat. Vor 14 Jahren waren Spaziergänge, vor allem bei schlechtem Wetter, eher ein Hindernislauf um Pfützen und Stolperfallen herum, heute sind Gehsteige gepflastert, und man wird allenfalls gelegentlich von Radfahrern gestört, die verständlicherweise die Bürgersteige den von Autos beherrschten Straßen vorziehen.

Fußgängerzone Wladimir

Auch die Straßen wurden modernisiert, nördlich von der Altstadt entstand eine neue, vierspurige Trasse, um den Durchgangsverkehr durch die Innenstadt besser zu verteilen. Allerdings kann der Straßenbau mit der Zunahme der Fahrzeuge nicht mithalten, und damit wird „Stop and Go“ zum Standard während der Rushhour. Das Internetportal mit der aktuellen Verkehrssituation zeigt jeden Tag morgens und nach Feierabend über die Stadt verteilt rot eingefärbte Straßenabschnitte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 2 km/h.

Patriarchengarten

Eine Oase der Ruhe und Erholung ist dagegen die neue Fußgängerzone neben der Hauptstraße am Abhang zur Kljasma. Alte, restaurierte Häuser, Boutiquen und Andenkengeschäfte, kleine Museen sowie drei Aussichtsplattformen mit Blick zur Kathedrale, zur Kljasma und zum Patriarchengarten laden zum Verweilen ein. Dieser Park (Eintritt 80 Rubel) mit einer großen Fontäne und Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale ist besonders schön im Mai, wenn die Kirschen blühen.

Springbrunnen im Zentrum von Wladimir

Ganz neu und erst zum Stadtfest am 26. August eingeweiht, ist der Springbrunnen vor dem Schauspielhaus am Goldenen Tor. Der Brunnen ist ebenerdig mit Gitterrosten angelegt, und so kann man zwischen den in der Intensität ständig wechselnden Fontänen einherspringen, ein Magnet für Kinder und gelegentlich auch für jung gebliebene Erwachsene. Abends erstrahlt das Ensemble dann in bunten Farben, und stündlich wird das Ganze noch mit Musik untermalt.

Wasserfreuden

Nicht weit entfernt liegt die Kirche der katholischen Rosenkranzgemeinde. Natürlich hat Pfarrer Sergej Sujew Zeit, mir die Fortschritte auf der Baustelle des Pilgerzentrums zu zeigen. Strom, Wasser, Abwasser und Heizung sind installiert, jetzt steht der Innenausbau an. Zurzeit wird aber noch an der Außenanlage gearbeitet. Durch einen Gerichtsentscheid wird das Grundstück geschätzte 100 m² größer, was z. B. zusätzliche Parkflächen ermöglicht. Leider erschweren und belasten immer wieder neue Auflagen die Kostenseite und damit den Fortgang der Arbeiten. So müssen jetzt alle Stromzuführungen unterirdisch verlegt werden, und dies trifft nicht nur den Neubau, sondern auch das Pfarrhaus und die Kirche. Bis zur Einweihung des Zentrums wird sicher noch mindestens ein Jahr vergehen, vorausgesetzt, die Spenden kommen rechtzeitig an.

Die Initiative Swet

Seit 1995 besteht in der Region Wladimir die Initiative Swet, in der sich mehr als 800 Eltern von Kindern mit den verschiedensten Behinderungen zusammengefunden haben. Ziel ist es, die jungen Leute aus der durch die administrativen Vorgaben und die medizinische Therapie entstandenen Isolation zu befreien und in die Gesellschaft zu integrieren, ein Recht, das ihnen durch die Gesetze der Russischen Föderation garantiert wird. Swet erfuhr vielfältige Unterstützung durch die Partnerschaft mit Erlangen. Mit Einzelspenden und Spendenaktionen wurden die Projekte gefördert. Mit Unterstützung von Erlangen entstanden Kontakte zu deutschen Einrichtungen und Institutionen der Behindertenarbeit, die WAB in Kosbach stellte z. B. Hospitationen zur Verfügung.

Jurij Katz in Susdal

Einer der Initiatoren und engagierten Repräsentanten ist Jurij Katz, mit dem ich über die Wiederbelebung von Hospitationen bei den Barmherzigen Brüder in Gremsdorf geredet habe. Diese Zusammenarbeit geht zurück auf das Projekt „Lichtblick“ mit dem Kinderzentrum „Blauer Himmel“. Aus dieser Zusammenarbeit erhielt Swet 2015 ein Datscha-Grundstück am Nerl zur geeigneten Verwendung. Das Grundstück wurde dann verkauft, weil die von Swet betreuten Menschen in der Gesellschaft, in Städten leben sollen, ein Leben auf dem Land würde wieder eine Isolierung bedeuten.

Swet-Baustelle in Susdal

Jurij Katz fuhr deshalb mit mir nach Susdal, um die aus dem Erlös des Grundstücks gekaufte Wohnung zu besichtigen. Sie liegt in der Mitte der Stadt, direkt gegenüber von den Handelsreihen. Es handelt sich um eine von drei Wohnungen in einem alten Holzhaus. Zurzeit läuft eine umfassende Renovierung, drei Handwerker waren auf der Baustelle tätig. Es entstehen drei Wohn-/Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein WC mit Dusche und ein kleiner Lagerraum. Das Ganze soll als Schulungszentrum für Behinderte (ggf. mit Angehörigen) genutzt werden. Bis zu neun Personen können unterkommen und sollen in ein- bis mehrwöchigen Kursen die Grundlagen eines eigenständigen Lebens erlernen.

Jurij Katz im neuen Zentrum

Danach besuchten wir noch ein Therapiezentrum für behinderte Kinder in Susdal. In sozial schwachen Susdaler Familien sind 80 behinderte Kinder bekannt. Das Zentrum wurde von einer privaten Initiative gegründet, die Organisation Swet hilft beratend.

Therapiezentrum in Susdal

Die Finanzierung erfolgt durch Sponsoren, auch die Stadt Susdal gibt mit kleinen Anteilen Unterstützung. Ein verfallener Gebäudekomplex wird, getaktet durch die Verfügbarkeit von Spenden, Raum für Raum ausgebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, was mit einfachen Mitteln erreicht werden kann!

Jurij Katz

Auf dem Weg zurück fällt uns etwa in der Mitte zwischen Susdal und Wladimir auf der linken Seite ein großer Neubau ins Auge, ein privates Museum mit Autos und Motorrädern. Darin befindet sich ein Café, an dessen Bar man auf Motorrädern Platz nimmt.

Wolfram Howein

Wir machen eine Sitzprobe, verziehen uns für unser Gespräch aber gerne auf die Stühle an den nebenstehenden Tischen. Ob sich das Investment rechnet? Ich bin mal gespannt, was daraus in einem Jahr geworden ist, wenn ich mal wieder nach Susdal fahren werde.

Wolfram Howein

Fortsetzung folgt.

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Wladimir gibt Gas


Wie Vertreter von Gasprom und des Ministeriums für Energetik bei ihrem Besuch in Wladimir dieser Tage konstatierten, habe die Region das Zeug dazu, landesweit eine Pilotfunktion bei der Einführung von Flüssigerdgas als Treibstoff für Fahrzeuge zu übernehmen. Die seit diesem Monat funktionstüchtige Station in der Partnerstadt, auf bis zu acht Tankvorgänge (15 Minuten für einen Bus, fünf Minuten für einen Pkw) gleichzeitig ausgelegt, könne Ausgangspunkt für ein ganzes Netz von Tankstellen – bisher gibt es sie schon in drei weiteren Kreisstädten – im Gouvernement werden, das man in den nächsten vier bis fünf Jahren ausbauen wolle. Um den Faktor drei billiger als Benzin oder Diesel und wesentlich weniger umweltschädlich, könnte das Methan an Bedeutung gewinnen, nicht nur in und um Wladimir, sondern landesweit.

Für eine saubere Stadt umweltfreundliche Verkehrsmittel

Schon jetzt verkehrt auf einer Linie in Wladimir ein methangetriebener Bus, hergestellt von Volgabus in jenem Werk vor den Toren Wladimirs, das auch die Delegation der IHK Nürnberg im vergangenen Winter besuchte. Hier liefen bereits 2016 221 Erdgasbusse vom Band, im Vorjahr waren es schon deren 302, nächstes Jahr soll die volle Leistung mit 650 Fahrzeugen erreicht werden. Aber auch bis zu 1.500 Pkws will man dann hier produzieren, die den blauen Kraftstoff tanken. Insgesamt sind lt. Statistik 340 Gasfahrzeuge in der Region Wladimir im Einsatz. Damit haben die Flüssiggastankstellen eine Auslastung von 73%, während dieser Anteil landesweit bei gerade einmal 27% liegt. Als nächstes will man nun die Busflotte für Touristen, die den Goldenen Ring bereisen, umstellen. Immerhin zwölf Busse fahren schon mit Gas. Ein guter Anfang in Wladimir, der hoffentlich tatsächlich landesweit Schule macht.

Siehe auch: https://is.gd/UEtwZL

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Wer sagt’s denn, es geht doch! Stadt und Land Wladimir beteiligten sich gestern an der Aktion „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“. Hinsichtlich Psychologie und Infrastruktur noch immer für viele in der Partnerstadt eine Herausforderung, aber möglich, wie jetzt die Redaktion des staatlichen Radio- und TV-Senders Gubernia 33 exemplarisch beweist.

Zur Arbeit kann man auf unterschiedliche Weise kommen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. Es geht auch zu Fuß, wenn das Büro nicht weit ist und man gern morgendliche Spaziergänge unternimmt. Aber es gibt eine bessere Art, das Fahrrad! Tritt in die Pedale: keine Staus, gut für die Gesundheit und die Hauptsache – man spart Geld.

Karina Romanowa

Viele aus der Redaktion, so weiter im Text, brauche man davon gar nicht mehr überzeugen, etwa Karina Romanowa, die alle Wege zur Arbeit oder zum Training vorzugsweise im Sattel zurücklegt.

Zum ersten Mal saß ich wahrscheinlich mit drei Jahren auf einem Fahrrad. Aber erst mit ungefähr acht Jahren erwachte meine Liebe zu ihm, als ich bemerkte, daß meine schon lang genug waren, um die Pedale des riesigen „Storchs“ meines Großvaters zu erreichen. Ich strampelte los und stürzte natürlich, schlug mir die Knie blutig, aber die Liebe zum Fahrrad blieb von da an. Meine Lieblingsstrecke führt von der Arbeit nach Hause durch das Zentrum. Gern radle ich auch in der Gegend vom „Weißen Haus“, weil das eine recht anspruchsvolle Trasse ist, wo man gut trainieren kann. Ein großes Problem ist freilich das Fehlen von Radwegen. Dem Gesetz nach darf ich weder hier noch dort fahren…

Stas Tregubow

Weniger Probleme damit hat Kameramann Stas Tregubow, der von sich sagt, er fahre überall, wo asphaltiert sei. Dafür habe es bei ihm etwas gedauert mit der Liebe zum Zweirad.

Ich weiß noch, wie andere Kinder in meinem Alter schon auf so großen Rädern saßen, ohne mit den Füßen bis zum Asphalt zu kommen. Für mich undenkbar. Ich kann nicht aufs Fahrrad, wenn ich mit den Füßen nicht bis zum Asphalt komme. Es braucht die Verbindung zur Erde, möglichst die Haftung mit dem Wladimirer Boden. Die Region Wladimir ist der Ort, wo ich leben und radeln will. Radwege sind Unfug. Jedenfalls so, wie sie bei uns angelegt sind. Wenn man schon Radwege macht, dann bitte auf der Fahrbahn als eigener Streifen, damit alle Radler sich an die Regeln halten. So wie jetzt ist alles viel einfacher: Du schnappst dir dein Rad und fährst los, wohin zu willst.

Alexander Krawtschenko

Alexander Krawtschenko, Cutter bei dem Sender, ist schon lange ein Radfan. Für ihn geht es dabei aber mehr um Sport als um Vergnügen. Er fährt auch schon einmal 190 km am Stück, wenn ihm danach ist. An Werktagen freilich auch nur zur Arbeit und wieder heim oder zum Training.

Zunächst ist es einfach gut für die Gesundheit. Denn so trainierst du, dein Herz wird trainiert. Und dann ist da die Sache mit den Staus, die man gewöhnlich in der Stoßzeit nach der Arbeit hat und die man mit dem Rad einfach hinter sich lassen kann. In der Hitze ist das doch unerträglich. Und dann schaue ich mir vom Sattel aus auch immer die Leute an, die in den Bussen gequetscht stehen. Da fühle ich mich auch gleich leichter und besser. Denn es ist doch besser, in die Pedale zu treten, als sich so zu fühlen. Und schneller ist es auch noch. Und gesünder.

Und dann kommt Boris Putschkow, Autor dieses von der Blog-Redaktion übernommenen Berichts, noch fast ins Schwärmen:

Ungeachtet des faktischen Fehlens von Fahrradwegen wächst in Wladimir die Zahl der Freunde des Zweiradverkehrs mit jedem Tag. Dabei schrecken weder der schlechte Straßenbelag noch die hohen Bordsteinkanten unterwegs. Dies alles macht im Übermaß dieses Gefühl einer praktisch grenzenlosen Freiheit wett.

P.S.: Passend zum Thema ein Streitgespräch im Himmel, aufgezeichnet vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel: https://is.gd/NRsWnS

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Was im Frühjahr 2015 verkehrspolitisch so hoffnungsvoll begann, findet nun sein vorzeitiges Ende: Die Flugverbindung von Wladimir nach Sankt Petersburg wird eingestellt. Es rechnet sich einfach nicht mehr, und die staatlichen Zuschüsse bleiben aus. Ausgelastet waren die Maschinen ja nie, zwischenzeitlich hatte es schon einmal ein Aus gegeben, dann kam ein Neustart, jetzt ist die Konkurrenz der Bahn zu stark geworden.

Flughafen Wladimir

Seit März des Jahres verkehren zwischen der Partnerstadt und dem Venedig des Nordens täglich Schnellzüge der Siemens-Baureihe „Sapsan“, die für die Strecke sechseinviertel Stunden brauchen, während man mit dem Flieger zwei Stunden unterwegs ist. Rechnet man aber all die Zeit für die Flughafentransfers und die Abfertigung und Kontrolle mit ein, ist der Zeitunterschied nicht mehr so entscheidend. Und auch beim Preis kann die Luftlinie nicht mithalten. Der Flugschein kostet fast 5.000 Rubel einfach, die Bahnfahrkarte hingegen ist je nach Klasse und Buchungsdatum bereits ab 2.000 Rubel zu haben. Alle Beteiligten können sich nun sagen, einen Versuch sei es wert gewesen, aber bei aller vermeintlich grenzenlosen Freiheit über den Wolken muß eben am Boden die Kasse stimmen. Man wird nun sehen, ob andere Ziele, wie etwa Sotschi, bestehen bleiben oder auch gestrichen werden. Auf absehbare Zeit jedenfall wird die Destination Wladimir nicht auf den internationalen Flugplänen zu finden sein.

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Im Ersten Kanal des Zentralen Russischen Fernsehens lief dieser Tage ein Beitrag über die in Wladimir und Umgebung gestartete Aktion „Verschenke ein Fahrrad“. Es handelt sich dabei um einen Aufruf an alle, die in der Garage ein nicht mehr benötigtes, aber funktionsfähiges Velo stehen haben, das ein Kind aus ärmlichen Verhältnissen brauchen könnte. Die Aktion wurde von einer Elterngruppe ins Leben gerufen, die sich neben der technischen Instandsetzung auch darum kümmert, die Kinder auf den Verkehr vorzubereiten.

Mit dem Fahrrad in den Mai vom Goldenen Tor bis zum Kathedralen-Platz

Und so treten sie denn in die Pedale, die glücklichen Kinder, auch wenn der Rahmen etwas verrostet sein oder das Rad einen Achter haben sollte. Und eines Tages, wenn sie groß sind, leben sie dann hoffentlich in einer Welt, wo nicht mehr nur das eigene Auto als das allein seligmachende Mittel der alltäglichen menschlichen Fortbewegung gilt. Hier zu sehen unter: https://is.gd/kYCzg1

Mit dem Fahrrad in den Mai vor dem Hindergrund des Wladimirer Kreml

Dank für den Hinweis auf die Sendung an Jonas Eberlein

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Seit dem ersten Vademecum von Wolfram Howein https://is.gd/qhLBsZ sind fast acht Jahre vergangen, hat sich vieles verändert. Grund genug für Frederick Marthol, sich an eine Neuauflage zu machen:

Da der projektierte Großflughafen in Wladimir leider noch keine nennenswerte Planungsfortschritte zu verzeichnen hat, sind Reisende in die Partnerstadt vorerst noch auf die Flughäfen der russischen Hauptstadt angewiesen. Es gilt also, eine sinnvolle und günstige Verbindung zu buchen und anschließend die ca. 180 Kilometer von Moskau nach Wladimir auf schnellstem Wege zurückzulegen.

Das Auto ist für uns hierbei keine Option, da die Verkehrslage und somit auch die Reisedauer absolut unberechenbar und langwierig sein können. Mehr als 200 Ampeln liegen auf der Strecke vom Flughafen in die Partnerstadt.

Ungewohnt für die meisten sind aber sicherlich auch die vielen Sicherheitskontrollen auf den Wegen, die ich jetzt vorschlage: Von der Landung in Moskau bis Wladimir müssen wir drei (!) flughafenähnliche Checks passieren. Gerade mit viel Gepäck kann das, genauso wie die vielen Treppen, nerven. Das sollte uns klar sein, bevor wir uns auf die Reise machen.

Diese Handreichung soll also eine kleine Unterstützung bei dem (zugegebenermaßen etwas komplexen) Reiseverlauf sein. Speziell Reisende ohne Russischkenntnisse, die auch die kyrillische Schrift nicht lesen können, werden die Fahrt hiermit problemlos bewerkstelligen können.

Flug nach Moskau

Ab Nürnberg gibt es keine Direktverbindung nach Moskau, weshalb entweder ein Zubringerflug oder ein anderer Flughafen genutzt werden muß. Welche der beiden Optionen die günstigere oder schnellere ist, läßt sich pauschal nicht sagen. Umweltfreundlicher ist aber sicherlich die letztere.

In Moskau gibt es drei gängige Flughäfen: Domodjedowo, Scheremetjewo und Wnukowo.

Flüge ab Nürnberg

Ab Nürnberg gibt es zahlreiche Umsteigeverbindungen nach Moskau: Eine Variante mit den Gesellschaften der StarAlliance über Frankfurt/München/Zürich/Brüssel nach Domodjedowo bietet eine komfortable Möglichkeit, die gerne und oft von vielen Partnerschaftsreisenden genutzt wird.

Eine Alternative stellt ein Flug nach Scheremetjewo via Paris oder Amsterdam dar. Diese Verbindungen sind oft günstiger und haben den Vorteil erschwinglicher Preise auch bei kurzfristiger Buchung. Zudem sind die Gepäckgebühren im Ticketpreis bereits enthalten, und Jugendliche erhalten flexible Tickets kostenfrei.

Flüge ab München / Frankfurt

Ab München und Frankfurt gibt es mehrmals täglich Direktverbindungen von Lufthansa, S7 sowie Aeroflot. Diese fliegen die Flughäfen Domodjedowo oder Scheremetjewo an. Vom Erlanger Bahnhof zum Flughafen kommt man bequem mit dem Fernbus, welcher sich auch direkt über die Lufthansa-Webseite buchen läßt. Ein Vorteil hierbei: Steht der Bus im Stau, und der Flug wird verpaßt, bucht die Gesellschaft kostenfrei um. Eine Anreise mit der Bahn ist ebenfalls möglich, birgt aber aufgrund der möglichen Verspätungen auch immer ein gewisses Risiko. Selbst mit dem eigenen Auto zum Airport zu fahren wäre in der Theorie möglich. Hier sind aber die teuren Parkgebühren meist das Ausschlußkriterium.

Flüge ab Memmingen

Pobeda Airlines fliegt ab dem Allgäu-Airport zu Dumpingpreisen (ab 12 € für eine Richtung) nach Moskau/Wnukowo. Das Tochterunternehmen von Aeroflot bietet sich also für Reisegruppen, die nach Memmingen gefahren werden, oder für Sparfüchse an, die mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Zu beachten sind bei dieser Gesellschaft jedoch die strengen Gepäckrichtlinien sowie die seltenen Abflugzeiten.

Nach Moskau mit dem Aeroexpress

Alle Flughäfen sind mit den modernen Aeroexpress-Zügen bestens an die Moskauer Innenstadt angebunden. Der Aeroexpress-Terminal ist in allen Ankunftshallen bestens ausgeschildert. Die Taktung dieser Züge ist sehr eng. Tagsüber sollte man also nicht länger als eine halbe Stunde auf einen entsprechenden Zug warten müssen. Die etwa eine dreiviertel Stunde dauernde Fahrt kostet 500 Rubel, ein Ticketkauf ist an einem der vielen mehrsprachigen Automaten unkompliziert möglich. Für Reisende mit einer kontaktlosen Kreditkarte ist ein Fahrkartenkauf nicht erforderlich, hier kann am Drehkreuz einfach die Kreditkarte auf den Scanner aufgelegt werden. Bitte die Fahrscheine ggf. bis zum Ziel aufbewahren, da nur mit ihnen das Verlassen des Bahnhofs möglich ist.

Praktisch ist auch die im Aeroexpress vorhandene kostenlose Internetverbindung. Eine kurze Nachricht an Bekannte über die Ankunft in Moskau ist hier also ohne teure Roaming-Gebühren möglich.

Flughafen Ankunftsbahnhof Weitere Infos
Domodjedowo Pawelezkaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/domodedovo.html
Scheremetjewo Belorusskaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/sheremetyevo.html
Wnukowo Kiewskaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/vnukovo.html

Wie aus der Tabelle ersichtlich, kommen die Zubringer der verschiedenen Flughäfen auch alle an unterschiedlichen Bahnhöfen in Moskau an. Die Züge nach Wladimir fahren aber alle ab dem Fernbahnhof Kurskaja, bei dem keine der drei Linien hält. Um diesen Bahnhof zu erreichen, kommt nun die Moskauer Metro zum Einsatz.

Metro: Ringbahn Nummer 5

Wir suchen gleich nach dem Verlassen des Zuges nach dem großen „M“; die Ausschilderung ist an allen Bahnhöfen gut. Notfalls kann man auch ohne Sprachkenntnisse nach dem Weg fragen, das Wort „Metro“ (mit Betonung auf dem „o“) wird wohl jeder verstehen.

Das große „M“

Nachdem wir das Metrogebäude betreten haben, ist ein Fahrschein zu lösen. Wir bevorzugen auch hier aus genannten Gründen wieder den Automaten. Ein Einzelticket kostet 55 Rubel, eine Kartenzahlung ist immer möglich und die Automaten besitzen auch ein englisches Interface. Auch hier die Fahrkarte bitte nicht nach dem Drehkreuz wegschmeißen, denn es gibt Kontrollen im Zug.

Wir müssen nun, egal von welchem Flughafen wir kommen, in die Linie 5.

Das Praktische an einer Ringbahn ist deren Kurs im Kreis. Es gibt bezüglich der Richtung also kein richtig oder falsch, sondern nur schnell und langsam, und dieser Zeitunterschied ist für uns vernachläßigbar. Wir steigen in die nächste U-Bahn, egal auf welcher Seite der Plattform.

Im Inneren des Zuges gibt es über den Türen eine Anzeige aller Haltestellen. Der Vorteil für uns hier: Die Namen der Haltestellen sind auch in lateinischer Schrift aufgelistet. Der jeweils nächste Halt wird gut sichtbar angeleuchtet. Wir verlassen den Zug bei der Station Kurskaja.

Die Bahnhöfe Belorusskaja, Kurskaja, Pawlezkaja und Kiewskaja liegen auf der Ringbahn 5 („Kolzewaja“)

Ticketkauf

Angekommen an der Haltestelle Kurskaja, ist der schwierigste Teil bereits geschafft. Wir fahren hoch ins Bahnhofsgebäude. Nun brauchen wir nur noch einen Zug nach Wladimir und, wenn nicht schon vorher gebucht, auch noch ein Ticket.

Zugverbindungen im Internet buchen

Um vor Ort Hektik zu vermeiden, suchen wir uns bereits in Erlangen mögliche Zugverbindungen heraus. Die russische Eisenbahngesellschaft RZD hat eine eigene Buchungsseite, die auch in englischer Sprache verfügbar ist. Dort lassen sich, ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, Fahrkarten kaufen und direkt ausdrucken. Die Buchung ist ausschließlich mit Kreditkarte möglich und erfordert eine vorherige Registrierung bei der Internetseite: http://pass.rzd.ru

Ticketkauf am Schalter

Es gibt sehr viele Ticketschalter am Kursker Bahnhof, wir nutzen aber nur diejenigen für Fernverkehrszüge („ticket offices for long-distance trains“). Dort gibt es nämlich ein „Ticket office for disabled persons“. Diesen Schalter nutzen auch wir, denn Reisende mit einer „Sprachbehinderung“ werden ohnehin dorthin verwiesen.

Der Ticketkauf am Schalter gestaltet sich ohne Russischkenntnisse aber auch hier als kompliziert. Sehr hilfreich ist es daher, eine Übersicht mit den verschiedenen Zügen vorher auszudrucken und die gewünschte Reiseverbindung zu markieren. Gegen Vorlage des Reisepasses bucht das Bahnpersonal uns dann auf den gewünschten Zug und kassiert das Geld, zwischen 600 und 800 Rubel.

Welcher Zug ist der Richtige?

Die Züge „Swift“ und „Strizh“ (jeweils gut eineinhalb Stunden bis Wladimir) sind aus Bequemlichkeitsgründen der „Lastoschka“ (sie braucht eine Viertelstunde länger) vorzuziehen. Denn diese Hochgeschwindigkeitszüge sind mit dem deutschen ICE ähnlich, während die „Lastoschka“ eher mit einer Regionalbahn zu vergleichen ist. Nach einem langen Reisetag kein sonderlich angenehmes Fortbewegungsmittel, da die Beinfreiheit zugunsten zusätzlicher Sitzplätze minimiert wurde.

Zeitlich beträgt der Unterschied aber nur fünf Minuten, da die „Lastoschka“ noch einen Zwischenhalt einlegt, beide Züge jedoch gleich schnell fahren. In den meisten Fällen werden wir also den Zug nehmen, der sich zeitlich besser anbietet.

Vom Kursker Bahnhof nach Wladimir mit dem Zug

Praktisch ist für uns: Mittlerweile sind fast alle Schilder und Lautsprecheransagen auf auf Englisch zu lesen und zu hören. Die Anzeigetafeln, auf denen das Gleis ersichtlich wird, sind leider nach wie vor nur in kyrillischer Schrift. Wir orientieren uns daher am einfachsten an Abfahrtsuhrzeit + Nummer des Zuges, denn die Zahlen sind ja dieselben wie bei uns.

Auf der Anzeigetafel steht dann die Nummer einer „platform“, die aber nicht mit dem deutschen Begriff „Gleis“ gleichzusetzen ist: Jede Plattform hat mehrere (meist zwei) „tracks“.

Die Strizh-Züge nach Wladimir / Nischnij-Nowgorod fahren alle ab „platform 1 / track 1“ und sind gesondert ausgeschildert. Sie sind zudem auch direkt aus der Bahnhofshalle (direkt neben unserem Fahrtkartenschalter) erreichbar (ähnlich dem Erlanger Gleis 1).

Bei den Lastoschka-Zügen kann das Gleis variieren, häufig ist es aber zum Beispiel „platform 3 / track 7“.

Um zu diesen Gleisen zu gelangen, fahren wir die Rolltreppe hinunter und folgen der Beschilderung „Long-Distance-Trains“ (z.B. Tunnel 2).

Anders als in Deutschland hat jedes Zugticket einen zugehörigen Sitzplatz. Der Einstieg in den Zug ist nur gegen Vorlage der Bordkarte und des Reisepasses möglich. Außerdem darf der Zug nur in dem Wagon bestiegen werden, in dem sich auch der persönliche Sitzplatz befindet. Es ist zudem auch unbedingt der eigene Sitzplatz einzunehmen, da häufig noch eine Kontrolle im Zug stattfindet. Die Schaffner werden sonst schnell unfreundlich.

Bahnangestellte gehen während der Fahrt durch den Zug und verkaufen Kopfhörer, Speisen und Lotteriescheine. Hier kann es öfters vorkommen, gefragt zu werden, ob wir auch etwas wollen. Ein freundlich-bestimmtes „Njet, spasibo“ sollte uns aber in jedem Fall zukünftig Ruhe bescheren.

Strizh auf dem Kursker Bahnhof

Taxi in Wladimir

In Wladimir angekommen, müssen wir noch eine letzte Treppe überwinden, um über die Brücke in das Bahnhofsgebäude zu gelangen. Vor diesem stehen dann Taxen bereit, wenn man sich nicht – etwa vom Erlangen-Haus – abholen lassen will. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, die Zieladresse in kyrillischer Schrift vorab auszudrucken, um Komplikationen zu vermeiden. Für eine Fahrt in die Innenstadt (z.B. zum Erlangen-Haus) sind Preise um die 150 Rubel der Regelfall.

Noch ein wichtiger Hinweis: Vor allem für die Rückreise – Anleitung einfach „umdrehen“ – empfiehlt sich die Bahnvariante, die sich viel genauer als der Transfer auf der Straße an die jeweilige Abflugzeit abstimmen läßt. Außerdem hat man dann schon ein wenig Akklimatisierung hinter sich. Bevor man sich aber für diese Variante entscheidet, bitte unbedingt beachten: Es sind in der Metro einige Treppen zu Fuß zu bewältigen, was anstrengend sein kann, wenn man schweres Gepäck zu schleppen hat.

Eine allzeit gute Reise wünscht jedenfalls

Frederick Marthol

P.S.: Seit gestern verkehrt nach zweijähriger Pause wieder einmal täglich der Saspan, der russische ICE, zwischen Nischnij Nowgorod und Sankt Petersburg mit Halt in Wladimir und Moskau. Um 7.02 Uhr geht es in der Partnerstadt los, und schon sechs Stunden später, um 13.20 Uhr landet man auf des Wanderfalken – so die deutsche Übersetzung von „Sapsan“ – Fittichen im Venedig des Nordens. Retour pfeift der Schaffner um 17.00 Uhr an der Newa, und um 23.04 Uhr steigt man an den Gestaden der Kljasma aus seinem Abteil. Wer wollte da noch fliegen und vom Airport Wladimir träumen…

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