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Archive for the ‘Umwelt’ Category


Ritte der Jäger aus Kurpfalz heute durch den grünen Wald der Wladimirer Lande, dürfte er seine Flinte längst nicht mehr auf jedes Wild richten. Nicht nur Bär und Luchs sind geschützt, auch eine lange Liste von Vögeln wie der Schreiadler oder der Kranich. Auf dem Index steht nun seit Ende November weiteres Federvieh, auf das der Weidmann ab sofort nicht mehr anlegen darf.

Zwergschnepfe

Dazu gehören jetzt auch die Turteltaube und der Regenbrachvogel. Die beiden Arten finden sich zwar noch nicht im Roten Buch wieder, aber der Wladimirer Gesetzgeber will es erst gar nicht so weit kommen lassen. Gleiches gilt für die Zwergschnepfe, die Pfeif- und Spießente sowie für den Zwergsäger.

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Zwergsäger

Daß Schutzmaßnahmen durchaus greifen, kann man übrigens am Bestand der Kraniche ablesen, der in den Kljasma-Auen mittlerweile auf stolze 3.000 Exemplare angewachsen ist. Es gibt also Hoffnung, daß man in der Region Wladimir auch weiterhin Lebensräume und Arten schützt, bevor sie mit ihrer Vielfalt und Schönheit verschwunden sind.

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Genau einen Monat ist es her, seit in der Region Wladimir ein ganzer See untergetaucht ist. So, wie es im Moment aussieht, wird er wohl auch verschwunden bleiben. Rätselhaft, geheimnisvoll und doch erklärlich ohne Zauberei durch die Geologie. Vor allem in den Landkreisen Murom, Gus-Chrustalnyj, Gorochowez und Wjasniki hat man nämlich Karst unter den Füßen, wodurch sich Relief und Landschaft immer wieder unerwartet verändern können. So tat sich in der Nähe des Dorfes Piwowarowo, Landkreis Wjasniki, im Jahr 1959 mitten im Wald die Erde auf, so tief, daß nach Angaben von Zeitzeugen, ein neunstöckiges Haus in der „Baugrube“ Platz gefunden hätte. Unweit davon hatte sich schon vorher ein Himmelsweiher gebildet, ein Gewässer war in den Landkarten aufgetaucht, das man auf den Namen Sakanzy getauft hatte. Und dann floß der bis zu 20 Meter tiefe See unvermutet ab, im Jahr 1941 und dann wieder 1957. Beide Male sammelte sich wieder Wasser, doch nun, nach 60 Jahren, liegt der Grund wieder trocken.

Sakanzysee

Es muß wohl eine undichte Stelle in der zwei Meter dicken Schlammschicht gegeben haben, die sich unter dem hohen Druck zu einem Trichter öffnete, durch den das Wasser verschwand, hinab auf etwa 80 Meter, wo ein unterirdischer Fluß durch den Karst strömt. Ob und wann sich der See ein drittes Mal bildet, weiß niemand zu sagen. Man wird abwarten müssen – und hat übrigens ein unübersehbares quod erat demonstrandum für die Ablehung der Pläne an der Hand, ein Atomkraftwerk in der Nähe von Murom zu errichten, wo, wie der Blog bereits mehrfach berichtete, auch alles auf Karst gebaut ist.

Wer einen Gleitflug über den verschwundenen See mitmachen möchte, klicke hier: https://is.gd/apd7ht

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Jetzt, wo am Wochenende der erste Schnee in der Partnerstadt gefallen ist, heißt es wieder – wie im preisgekrönten gleichnamigen Film – „wenn die Kraniche ziehen“. Vor dem weiten Flug ins Winterquartier machen die Schreitvögel aus dem Kljasma-Reservat in der Region Wladimir allerdings gern noch einen Abstecher ins angrenzende Gouvernement Iwanowo, um sich daselbst an der Gerste gütlich zu tun. Es schmecken eben nicht nur Nachbars Kirschen am besten…

Graue Kraniche in den Auen der Kljasma

Es ist ein gewaltiges Schauspiel, wenn die bis zu 3.000 Hungerleider auf den Feldern einfallen, ein Spektakel, das freilich den landwirtschaftlichen Betrieben nicht gar so gefallen mag. Um die 150 t Getreide verputzen die Kraniche angeblich als Wegzehrung, von 25 möglichen Doppelzentnern fährt man gerade einmal neun in die Scheune ein, weil die Kostgänger nicht nur gern picken, was ihnen vor den Schnabel kommt, sondern auch zertrampeln, was ihnen im Weg steht. Dank gesetzlichem Schutz läßt man sie freilich gewähren, versucht schlimmstenfalls, sie mit Schreckschüssen zu vergrämen, und freut sich ansonsten, wenn die geflügelte Scharen – plenus venter volat libenter – endlich in Richtung französische und spanische Winterquartiere abheben, um im Frühjahr ausgehungert zurückzukehren in die Auen der Kljasma. Same procedure eben as every year.

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Im nächsten Jahr beginnen die Arbeiten an der 770 km langen Bahnstrecke von Moskau nach Kasan mit Halt in Wladimir, auf der nach Fertigstellung ab 2023 Hochgeschwindigkeitszüge – mit großer Wahrscheinlichkeit aus chinesisch-russischer Gemeinschaftsproduktion – mit einer Fahrzeit von nur noch dreieinhalb Stunden zwischen der Hauptstadt und der Metropole in Tatarstan verkehren. Die Vorarbeiten für das erste Teilstück, Moskau – Wladimir, sind bereits im Gange, und, wie das bei derartigen Infrastrukturprojekten nicht ausbleiben kann, man trifft auf Widerstände, muß einen Ausgleich zwischen Verkehr und Umwelt finden. Eine Herausforderung, die von den Planern offenbar ernstgenommen wird.

Russischer Desman oder Wassermaulwurf

So will man etwa 20 Wassermaulwürfe – der Blog berichtete schon öfter von diesen fast ausgestorbenen Kleinsäugern – aus einer Zone im Becken der Kljasma umsiedeln, weil man befürchtet, die in der Nähe verlaufende Trasse könnte den russischen Desman stören. Aber auch für Grau- und Silberreiher oder Schnepfen überlegt man Schutzmaßnahmen, und in der Brutzeit will man besonders Rücksicht auf das wilde Federvieh nehmen. Mehr noch: Im Grenzgebiet zwischen den Regionen Wladimir und Nischnij Nowgorod verlegt man die Schienen über eine Strecke von neun Kilometern auf Stelzen, um die Natur weitgehend sich selbst zu überlassen. Insgesamt verlaufen sogar 20% der Trasse als „Hochbahn“, um die Natur zu schonen und den Wildwechsel  nicht zu beeinträchtigen, für den zusätzlich insgesamt 89 Brücken vorgesehen sind. Sogar an Unterführungen für Amphibien denken die Projekteure. Wer hätte das gedacht! Gut so. Dann müssen die Kröten nur noch an die richtigen Stellen wandern.

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Mit manchen Wassern der Region Wladimir sollte man besser nicht gewaschen sein, und trüben braucht man das Wässerchen auch nicht mehr. Laut Einschätzung von Ökologen, die sich vor kurzem in der Partnerstadt zu einem Landes-Umwelt-Forum trafen, muß man nämlich die Oberflächengewässer des Gouvernements Wladimir größtenteils als „verschmutzt“ und „stark verschmutzt“ einstufen. Kein Unbedenklichkeitszeugnis also, vor allem nicht für die Gesundheit der Bevölkerung, wie Natalia Mischtschenko, Professorin am Lehrstuhl für Biologie und Ökologie an der Universität Wladimir, zu bedenken gibt.

Sodyschka

Grund hierfür vor allem das Fehlen von Kläranlagen, sprich die hohe Belastung mit Abwässern. Damit in unmittelbarem Zusammenhang steht die Überschreitung von gesetzlich erlaubten Höchstwerten bei zehn von insgesamt vierzehn Parametern. Ausgesprochen kritisch dabei die organischen Stoffe sowie Nitrite, Eisen und Kupfer. Für besonders bedrohlich hält die Wissenschaftlerin den Zustand der nur 22 km langen Sodyschka, die westlich an Wladimir vorbeifließt und Stickstoff in einem Maße mit sich führt, das im menschlichen Organismus hochgradig kanzerogene Nitrosoverbindungen auslösen kann.

Leider warnt die Ökologin auch vor den Gefahren im Trinkwasser, selbst wenn es aus Quellen und Brunnen gewonnen wird. Die nämlich entsprächen zu mehr als 36% bzw. fast zur Hälfte nicht den mikrobiologischen und sanitär-chemischen Vorgaben, während 8% der Proben wegen des unbefriedigenden Zustands von Rohren beanstandet werden. Das häufig zugesetzte Chlor hingegen birgt laute Natalia Mischtschenko ein ganz eigenes Risiko: Es verdoppelt fast das Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Außerdem bilden sich durch diese Beimischung gefährliche Verbindungen, die dann über die Haut – beim Waschen, Duschen oder Baden und Schwimmen – in den Organismus gelangen.
Ein russisches Sprichwort lautet: „Dem Feuer und dem Wasser hat Gott dem freien Willen gegeben.“ Man könnte hinzufügen: Und des Menschen freier Wille hat sich diese Elemente untertan gemacht. Mit bekanntem Ergebnis – überall auf der Welt.

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Im nördlichen Teil des Nationalparks Meschtschjora entdeckte man eine bis dato dort unbekannte Orchideenart, das Große Zweiblatt, von dem ansonsten nur noch sieben Vorkommen in der Region Wladimir belegt sind. Die Blume steht denn auch in Zentralrußland ebenso wie in Weißrußland, Armenien und in der Ukraine auf der Roten Liste; als schutzwürdig gilt die Pflanze auch hierzulande, weshalb sie bereits 1992 zur Orchidee des Jahres gewählt wurde.

Großes Zweiblatt

Der neue Fundort liegt ausgerechnet am Straßenrand, was Botaniker mit dem Kalzium des Schotters erklären. Der Umstand, daß das Große Zweiblatt blühte, weist auf ein Alter von mindestens zehn Jahren hin, weil es erst im vierten Jahr von der Wurzel her austreibt und dann weitere sechs bis sieben Jahre braucht, um Blüten anzusetzen. Mit der hier bisher unbekannten Spezies zählt der Nationalpark nun 822 Pflanzenarten. Hoffentlich noch länger, denn die Orchidee ist sehr verletzlich: Wird sie zufällig überfahren, ist es für immer dahin mit der Pracht.

Der Blog widmet diesen Beitrag über das Große Zweiblatt und die nachstehenden Verse einer russischen Euterpe mit der Doppelflöte als Attribut und Symbol der Völkerverständigung durch die Kunst, jener Muse, die nicht nur die Redaktion immer wieder aufs neue inspiriert – und nicht nur an ihrem Geburtstag.

Vom Grund der Nacht genommen, / im Gold des Lichts verblüht, / auf diese Welt gekommen, / zurück ins Nichts gespült.

Dazwischen Worte schützen, / was wund sich treibend reibt / und sucht nach Halt und Stütze / just dort, wo doch nichts bleibt.

Als musikalische Dreingabe das unübertroffen schöne Geburtstagslied von Krokodil Gena: https://is.gd/Aoj7xI

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Seit Anfang des Jahres treten in den Ställen und Wäldern um Wladimir immer wieder Fälle der afrikanischen Schweinepest auf. Über den Sommer breitete sich die für den Menschen ungefährliche und in Deutschland noch nicht aufgetretene Variante der europäischen Schweinepest über immer mehr Landkreise des Gouvernements aus, und ein Ende der Infektionen, gegen die es bisher nirgendwo auf der Welt eine Impfung gibt, ist noch längst nicht in Sicht. Eine biblische Plage als göttliche Strafmaßnahme und Vergeltung für die Versündigung gegenüber der Schöpfung könnten das religiöse Fundamentalisten nennen; säkularisiert betrachtet, handelt es sich wohl um einen weiteren Störfall der Massentierhaltung, bei der wir alle längst wissen, was wir tun – und es trotzdem tun. Und so wird denn – wie man das im Frankenland auch täte – gekeult, um darauf neu aufstallen zu können, werden die Kadaver in eigens errichteten Öfen verbrannt, auf daß sie ihre letzte Ruhe in steriler Asche finden und wir dann bald wieder weitermachen können nach dem Lebensmotto „unser täglich Fleisch gib uns heute“.

Da man nicht weiß, welche Wege der Erreger nimmt, findet, um Ansteckungen zu verhindern, auch in den Wäldern um Wladimir das große Schlachten statt. Selbst wenn bisher nur Einzelinfektionen bei Wildschweinen nachgewiesen wurden, setzen die Behörden auf Abschuß: Von den geschätzt 7.500 Exemplaren Schwarzwild haben bereits 90% alle viere von sich gestreckt.

Schweinepest

150 Rubel pro Kilo, in etwa dem aktuellen Marktpreis entsprechend, sollen die Erzeuger für den Verlust als Ausgleich erhalten

Dazu reicht der Blog Hintersinniges vom großen Meister des Absurden, Daniil Charms, in der Übersetzung aus dem Russischen von Peter Urban:

Vier Deutsche aßen Schweinefleisch und tranken grünes Bier. Dem einen Deutschen mit Namen Klaus blieb ein Stück Schweinefleisch im Halse stecken, da stand er vom Tisch auf. Da pfiffen die anderen drei Deutschen lauf auf den Fingern und spotteten ob des Mißgeschicks. Aber der Deutsche Klaus hatte den Bissen Schweinefleisch schnell heruntergeschluckt, grünes Bier nachgetrunken und war bereit zu antworten. Die anderen drei Deutschen, die ausgiebig über den Hals des Deutschen Klaus gespottet hatten, verlegten sich jetzt auf dessen Beine und riefen, Klaus habe ziemlich krumme Beine. Besonders der eine Deutsche mit Namen Michel machte sich lustig über die krummen Beine des Deutschen Klaus. Da zeigte der Deutsche Klaus mit dem Finger auf den Deutschen Michel und sagte, er habe noch nie einen Menschen gesehen, der Wörter „krumme Beine“ so dämlich ausgesprochen hätte wie der Deutsche Michel. Der Deutsche Michel war einen fragenden Blick in die Runde, dem Deutschen Klaus hingegen warf er einen Blick zu, der äußerste Mißbilligung ausdrückte. Da nahm der Deutsche Klaus einen Schluck grünes Bier, mit diesem Gedanken im Kopf: „Zwischen mir und dem Deutschen Michel gibt es jetzt gleich Streit.“ Die beiden übrigen Deutschen aßen schweigend Schweinefleisch. Der Deutsche Klaus aber sah, nach einem weiteren Schluck grünen Bieres, die anderen mit einem Gesichtsausdruck an, der folgendes sagte: „Ich weiß, was ihr von mir wollt, aber ich bin für euch eine verschlossene Schatulle.“

Hörenswert zum Thema schließlich noch „Little Piggies“ von den Beatles: https://is.gd/NJKiCc

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