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Archive for the ‘Umwelt’ Category


Im nördlichen Teil des Nationalparks Meschtschjora entdeckte man eine bis dato dort unbekannte Orchideenart, das Große Zweiblatt, von dem ansonsten nur noch sieben Vorkommen in der Region Wladimir belegt sind. Die Blume steht denn auch in Zentralrußland ebenso wie in Weißrußland, Armenien und in der Ukraine auf der Roten Liste; als schutzwürdig gilt die Pflanze auch hierzulande, weshalb sie bereits 1992 zur Orchidee des Jahres gewählt wurde.

Großes Zweiblatt

Der neue Fundort liegt ausgerechnet am Straßenrand, was Botaniker mit dem Kalzium des Schotters erklären. Der Umstand, daß das Große Zweiblatt blühte, weist auf ein Alter von mindestens zehn Jahren hin, weil es erst im vierten Jahr von der Wurzel her austreibt und dann weitere sechs bis sieben Jahre braucht, um Blüten anzusetzen. Mit der hier bisher unbekannten Spezies zählt der Nationalpark nun 822 Pflanzenarten. Hoffentlich noch länger, denn die Orchidee ist sehr verletzlich: Wird sie zufällig überfahren, ist es für immer dahin mit der Pracht.

Der Blog widmet diesen Beitrag über das Große Zweiblatt und die nachstehenden Verse einer russischen Euterpe mit der Doppelflöte als Attribut und Symbol der Völkerverständigung durch die Kunst, jener Muse, die nicht nur die Redaktion immer wieder aufs neue inspiriert – und nicht nur an ihrem Geburtstag.

Vom Grund der Nacht genommen, / im Gold des Lichts verblüht, / auf diese Welt gekommen, / zurück ins Nichts gespült.

Dazwischen Worte schützen, / was wund sich treibend reibt / und sucht nach Halt und Stütze / just dort, wo doch nichts bleibt.

Als musikalische Dreingabe das unübertroffen schöne Geburtstagslied von Krokodil Gena: https://is.gd/Aoj7xI

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Seit Anfang des Jahres treten in den Ställen und Wäldern um Wladimir immer wieder Fälle der afrikanischen Schweinepest auf. Über den Sommer breitete sich die für den Menschen ungefährliche und in Deutschland noch nicht aufgetretene Variante der europäischen Schweinepest über immer mehr Landkreise des Gouvernements aus, und ein Ende der Infektionen, gegen die es bisher nirgendwo auf der Welt eine Impfung gibt, ist noch längst nicht in Sicht. Eine biblische Plage als göttliche Strafmaßnahme und Vergeltung für die Versündigung gegenüber der Schöpfung könnten das religiöse Fundamentalisten nennen; säkularisiert betrachtet, handelt es sich wohl um einen weiteren Störfall der Massentierhaltung, bei der wir alle längst wissen, was wir tun – und es trotzdem tun. Und so wird denn – wie man das im Frankenland auch täte – gekeult, um darauf neu aufstallen zu können, werden die Kadaver in eigens errichteten Öfen verbrannt, auf daß sie ihre letzte Ruhe in steriler Asche finden und wir dann bald wieder weitermachen können nach dem Lebensmotto „unser täglich Fleisch gib uns heute“.

Da man nicht weiß, welche Wege der Erreger nimmt, findet, um Ansteckungen zu verhindern, auch in den Wäldern um Wladimir das große Schlachten statt. Selbst wenn bisher nur Einzelinfektionen bei Wildschweinen nachgewiesen wurden, setzen die Behörden auf Abschuß: Von den geschätzt 7.500 Exemplaren Schwarzwild haben bereits 90% alle viere von sich gestreckt.

Schweinepest

150 Rubel pro Kilo, in etwa dem aktuellen Marktpreis entsprechend, sollen die Erzeuger für den Verlust als Ausgleich erhalten

Dazu reicht der Blog Hintersinniges vom großen Meister des Absurden, Daniil Charms, in der Übersetzung aus dem Russischen von Peter Urban:

Vier Deutsche aßen Schweinefleisch und tranken grünes Bier. Dem einen Deutschen mit Namen Klaus blieb ein Stück Schweinefleisch im Halse stecken, da stand er vom Tisch auf. Da pfiffen die anderen drei Deutschen lauf auf den Fingern und spotteten ob des Mißgeschicks. Aber der Deutsche Klaus hatte den Bissen Schweinefleisch schnell heruntergeschluckt, grünes Bier nachgetrunken und war bereit zu antworten. Die anderen drei Deutschen, die ausgiebig über den Hals des Deutschen Klaus gespottet hatten, verlegten sich jetzt auf dessen Beine und riefen, Klaus habe ziemlich krumme Beine. Besonders der eine Deutsche mit Namen Michel machte sich lustig über die krummen Beine des Deutschen Klaus. Da zeigte der Deutsche Klaus mit dem Finger auf den Deutschen Michel und sagte, er habe noch nie einen Menschen gesehen, der Wörter „krumme Beine“ so dämlich ausgesprochen hätte wie der Deutsche Michel. Der Deutsche Michel war einen fragenden Blick in die Runde, dem Deutschen Klaus hingegen warf er einen Blick zu, der äußerste Mißbilligung ausdrückte. Da nahm der Deutsche Klaus einen Schluck grünes Bier, mit diesem Gedanken im Kopf: „Zwischen mir und dem Deutschen Michel gibt es jetzt gleich Streit.“ Die beiden übrigen Deutschen aßen schweigend Schweinefleisch. Der Deutsche Klaus aber sah, nach einem weiteren Schluck grünen Bieres, die anderen mit einem Gesichtsausdruck an, der folgendes sagte: „Ich weiß, was ihr von mir wollt, aber ich bin für euch eine verschlossene Schatulle.“

Hörenswert zum Thema schließlich noch „Little Piggies“ von den Beatles: https://is.gd/NJKiCc

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Berlin schwelgt dank der chinesischen Regierung im Pandabärenglück, Wladimir hatte seine helle Freude an einem Braunbärenfindling, der jetzt ein neues Zuhause gefunden hat.

Wladimir Potechin und sein Findling

Begonnen hat das Tiermärchen im dunklen Tann des 1992 gegründeten Nationalparks Meschtschjora im Südwesten der Region Wladimir. Als Durchzügler tauchen dort ab und an in der knapp 120.000 ha weiten Waldlandschaft Braunbären auf. Am 15. Mai fand dort, fünf Kilometer von seinem Dorf entfernt, Wladimir Potechin ein verwaistes Junges, etwa zwei Monate alt und zwei Kilo schwer.

Spaziergang mit Bär

In Mesinowskij, Kreis Gus-Chrustalnyj, wo die Verwaltung des Nationalparks ihren Sitz hat, kam die Bärenwaise in Obhut, wuchs prächtig heran, legte in den zwei Monaten dank einem gesegneten Appetit – vier Mal am Tag läßt sich das Bärenkind schmecken, was so aufgetischt wird: zwei Liter Ziegenmilch, erste Happen Fleich und Fisch, Brei und viele Beeren – gute 20 Kilogramm an Gewicht zu und hat bereits ein Gebiß, vor dem man sich in acht nehmen sollte.

Badetag

Zeit also, eine neue Heimat für Mischutka zu suchen, wo das noch immer possierliche Tierchen artgerecht gehalten werden kann. Fündig wurde man in der Nachbarregion Rjasan, in die das Naturschutzgebiet Meschtschjora hineinreicht. Im dortigen Willkommenszentrum ist mittlerweile für den Gast ein eigenes Gehege eingerichtet, mit eigens angelegtem Badetümpel und Höhle. Hier, in Gefangenschaft, ist zumindest für das Junge ein Überleben gesichert. Die Mutter ist wohl – vielleicht zusammen mit dem Geschwisterchen – einem Wilderer zum Opfer gefallen. Es dürfte also noch dauern, bis der Braunbär wieder heimisch wird in seinen angestammten Wladimirer Revieren.

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Noch will niemand den Sommer in Wladimir aufgeben, zumal dieser Tage die Temperaturen endlich an die 20-Grad-Grenze heranreichen sollen. Bisher freilich trug man in der Partnerstadt einigermaßen fassungslos eher Gummistiefel als Badeschlappen, eher eine Windjacke als eine Schwimmweste. Doch immerhin warten die vier öffentlichen Strände der Partnerstadt bereits auf Sonnenhungrige und Wasserratten.

Die Behörden haben nach der Entnahme der gesetzlich vorgeschriebenen Proben die Ufer der Kljasma und zweier Weiher freigegeben, nur die Analysen des Wassers eines Sees im Umland machen eine Nachuntersuchung notwendig, was aber den Badebetrieb nicht behindert, sofern endlich das Wetter mitmachen sollte.

Unterdessen hat aber das Portal Pro Wladimir zwei Bilder von Wladislaw Tjabin veröffentlicht, die so – zumindest im Blog – noch nicht zu sehen waren. Auf dem zweiten gut zu erkennen der Zusammenfluß von Kljasma und Nerl auf der Höhe der Kirche Mariä Schutz und Fürbitt. Das dunklere Wasser der Nerl erklärt sich aus dem Ursprung in Sümpfen und Torfgebieten. Nach der Aufbereitung fließt es übrigens zu einem guten Teil aus den Hähnen der Wladimirer Haushalte und wird alle drei Stunden rund um die Uhr auf seine Qualität hin untersucht. Wem es also draußen noch zu kühl ist, kann sich ja zu Hause ein Bad einlassen und auf besseres Wetter hoffen.

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Die Wissenschaft hat festgestellt: Die Region Wladimir würde, überließe man sie den Kräften der Natur, ganz rasch wieder flächendeckend mit Wald bewachsen sein. Der Lehrstuhl für Biologie und Ökologie an der Universität Wladimir kommt zu dem Ergebnis, das aus Sicht des Phytozönons ideale Verhältnis von Waldflächen versus Wiesen und Freiland läge bei 7:1. Die Gegend um die Partnerstadt im Kljasmabecken mit all den vielen Zuflüssen gehört nämlich zur Südlichen Taiga, die freilich längst – wie in ganz Westeuropa – vom Menschen ihrer Ursprünglichkeit beraubt ist.

Wald auf unbewirtschafteter Fläche bei Sobinka, Region Wladimir

Aber nicht irreversibel. Die brachliegenden Äcker nämlich – und davon gibt es um die 200.000 ha in der Region – holt sich der Wald rasch zurück. Je länger man die Felder sich selbst überläßt, desto schwerer wird es später, sie wieder unter den Pflug zu nehmen. Denn, seiner Landesnatur nach, so die Wissenschaft, ist und bleibt Wladimir Waldgebiet. Dem Erzähler Konstantin Paustowskij hätte das gefallen, meint er doch: „Die Wälder sind wie die Seen, Meere und Flüsse der schönste Schmuck der Erde, ihr großartiges Festgewand.“

Mehr zu den Wäldern von Wladimir hier: https://is.gd/Wat2dU

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Die Wildnis ist nicht weit von Wladimir zu finden: Gerade einmal 100 km östlich der Partnerstadt liegt am Zusammenfluß von Kljasma und Luch der 1994 gegründete Kljasminsko-Luchskij Nationalpark mit seinen etwa 50 Wisenten, die 43.000 ha Platz haben für ihre Streifzüge durch Wald und Grasland – ohne Straßen, ohne menschliche Ansiedlungen.

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Drei Herden haben sich seit der Auswilderung in den 90er Jahren hier gebildet, die jetzt, im tiefen Winter, gern an die Raufen kommen, um sich mit Kraftfutter, Heu und Stroh zu stärken, bevor sie sich wieder in ihre Deckung zurückziehen.
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Geht es nach der Leitung des Nationalparks, werden die europäischen Bisons allerdings bald einige der Wildwechsel mit Zweibeinern zu teilen haben, denn das Gebiet soll für Besucher zur Naturbeobachtung geöffnet und über einen „Wisentpfad“ erschlossen werden.
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Wer und was einem da so alles begegnen kann, ist in folgendem kleinen Film zu sehen, aufgenommen von einer Videofalle, die freilich nicht preisgibt, ob der Frischling, der am Anfang und Ende durchs Bild flitzt, die Büffelherde antreibt, oder ob sich das Rennschwein vom Fluchttrieb der Wisente hat anstecken lassen. Gleich wie, in jedem Fall drollig zu beobachten, zum Quieken eben: https://is.gd/JcQ1qW

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Über fast 120.000 ha Fläche erstreckt sich etwa 80 km südöstlich von Wladimir der 1992 gegründete Nationalpark Meschtschjora. Nun hat man dort erstmals wieder nach 2014 Luchsspuren gefunden, für Ökologen ein Indikator einer artenreichen Fauna, deren Nahrungskette Raubtiere wie diese auch in russischen Wäldern seltenen Katzen abschließen. Da Rehe, das Lieblingsbeutetier des Pinselohrs hierzulande, in den Weiten und Breiten um Wladimir kaum vorkommen, verlegt sich dort der Luchs auf Hasen, Frischlinge oder größere Vögel.

Luchs

Luchs

Freuen darf man sich auch über eine andere Nachricht aus der Tierwelt. Die 2002 in den Wäldern um Murom, zwei Autostunden von Wladimir entfernt, angesiedelten Wisente vermehren sich tüchtig – 14 Kälber wurden in diesem Jahr geboren – und zählen mittlerweile 70 Exemplare. So viele, daß man nun einige einfangen will, um sie andernorts auszusetzen und so die mächtigen Wildrinder wieder dort heimisch zu machen, wo sie bis zu ihrer Ausrottung noch im 18. und 19. Jahrhundert vorkamen. Immerhin ziehen in der Region Wladimir nun schon – zwei weitere Schutzgebiete eingerechnet – insgesamt 100 Wisente durch die Wälder und Auen, nachdem man bereits 1988 mit dem Wiederansiedlungsprogramm begonnen hatte. 500 sollen es einmal werden.

Wisente

Wisente

Da bleiben Opfer nicht aus. Mindestens ein Bulle wurde bereits gewildert. Aber das Problem kennt man ja auch aus dem Bayerischen Wald, wo man in Cham nun wohl endlich einen Luchswilderer stellen konnte, während man zwischen Baiersdorf und Röttenbach nach jemandem sucht, der ohne Jagdschein Rehe erlegt.

Argali

Argali

Weit weg, im Altaj, wurde vor einiger Zeit ein Wilderer aus Wladimir dingfest gemacht, etwa zwei Kilometer außerhalb eines Schutzgebietes. Der gefallsüchtige Trophäenjäger hatte sich auf seinem illegal erbeuteten Argali, einem streng und vielerorts bereits ausgerotteten geschützten Wildschaf, gerade für ein Selfie samt Gewehr in Szene gesetzt, ein Vorfall, wie man ihn dort seit mehr als zehn Jahren nicht mehr verzeichnet hatte. Gewöhnlich nämlich gehen die Wilderer auf gerissene Weise in kleinen Gruppen vor und lassen sich schwer überführen: Der eine schießt aus dem Hinterhalt und größerer Entfernung, um sich dann aus dem Staub zu machen, während die anderen – ohne Waffe – das Tier holen und – sofern man sie überhaupt stellen sollte – allenfalls mit einem Bußgeld bedroht werden.

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