Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Umwelt’ Category


Noch will niemand den Sommer in Wladimir aufgeben, zumal dieser Tage die Temperaturen endlich an die 20-Grad-Grenze heranreichen sollen. Bisher freilich trug man in der Partnerstadt einigermaßen fassungslos eher Gummistiefel als Badeschlappen, eher eine Windjacke als eine Schwimmweste. Doch immerhin warten die vier öffentlichen Strände der Partnerstadt bereits auf Sonnenhungrige und Wasserratten.

Die Behörden haben nach der Entnahme der gesetzlich vorgeschriebenen Proben die Ufer der Kljasma und zweier Weiher freigegeben, nur die Analysen des Wassers eines Sees im Umland machen eine Nachuntersuchung notwendig, was aber den Badebetrieb nicht behindert, sofern endlich das Wetter mitmachen sollte.

Unterdessen hat aber das Portal Pro Wladimir zwei Bilder von Wladislaw Tjabin veröffentlicht, die so – zumindest im Blog – noch nicht zu sehen waren. Auf dem zweiten gut zu erkennen der Zusammenfluß von Kljasma und Nerl auf der Höhe der Kirche Mariä Schutz und Fürbitt. Das dunklere Wasser der Nerl erklärt sich aus dem Ursprung in Sümpfen und Torfgebieten. Nach der Aufbereitung fließt es übrigens zu einem guten Teil aus den Hähnen der Wladimirer Haushalte und wird alle drei Stunden rund um die Uhr auf seine Qualität hin untersucht. Wem es also draußen noch zu kühl ist, kann sich ja zu Hause ein Bad einlassen und auf besseres Wetter hoffen.

Read Full Post »


Die Wissenschaft hat festgestellt: Die Region Wladimir würde, überließe man sie den Kräften der Natur, ganz rasch wieder flächendeckend mit Wald bewachsen sein. Der Lehrstuhl für Biologie und Ökologie an der Universität Wladimir kommt zu dem Ergebnis, das aus Sicht des Phytozönons ideale Verhältnis von Waldflächen versus Wiesen und Freiland läge bei 7:1. Die Gegend um die Partnerstadt im Kljasmabecken mit all den vielen Zuflüssen gehört nämlich zur Südlichen Taiga, die freilich längst – wie in ganz Westeuropa – vom Menschen ihrer Ursprünglichkeit beraubt ist.

Wald auf unbewirtschafteter Fläche bei Sobinka, Region Wladimir

Aber nicht irreversibel. Die brachliegenden Äcker nämlich – und davon gibt es um die 200.000 ha in der Region – holt sich der Wald rasch zurück. Je länger man die Felder sich selbst überläßt, desto schwerer wird es später, sie wieder unter den Pflug zu nehmen. Denn, seiner Landesnatur nach, so die Wissenschaft, ist und bleibt Wladimir Waldgebiet. Dem Erzähler Konstantin Paustowskij hätte das gefallen, meint er doch: „Die Wälder sind wie die Seen, Meere und Flüsse der schönste Schmuck der Erde, ihr großartiges Festgewand.“

Mehr zu den Wäldern von Wladimir hier: https://is.gd/Wat2dU

Read Full Post »


Die Wildnis ist nicht weit von Wladimir zu finden: Gerade einmal 100 km östlich der Partnerstadt liegt am Zusammenfluß von Kljasma und Luch der 1994 gegründete Kljasminsko-Luchskij Nationalpark mit seinen etwa 50 Wisenten, die 43.000 ha Platz haben für ihre Streifzüge durch Wald und Grasland – ohne Straßen, ohne menschliche Ansiedlungen.

wisente-3
Drei Herden haben sich seit der Auswilderung in den 90er Jahren hier gebildet, die jetzt, im tiefen Winter, gern an die Raufen kommen, um sich mit Kraftfutter, Heu und Stroh zu stärken, bevor sie sich wieder in ihre Deckung zurückziehen.
wisente-1
Geht es nach der Leitung des Nationalparks, werden die europäischen Bisons allerdings bald einige der Wildwechsel mit Zweibeinern zu teilen haben, denn das Gebiet soll für Besucher zur Naturbeobachtung geöffnet und über einen „Wisentpfad“ erschlossen werden.
wisente-2
Wer und was einem da so alles begegnen kann, ist in folgendem kleinen Film zu sehen, aufgenommen von einer Videofalle, die freilich nicht preisgibt, ob der Frischling, der am Anfang und Ende durchs Bild flitzt, die Büffelherde antreibt, oder ob sich das Rennschwein vom Fluchttrieb der Wisente hat anstecken lassen. Gleich wie, in jedem Fall drollig zu beobachten, zum Quieken eben: https://is.gd/JcQ1qW

Read Full Post »


Über fast 120.000 ha Fläche erstreckt sich etwa 80 km südöstlich von Wladimir der 1992 gegründete Nationalpark Meschtschjora. Nun hat man dort erstmals wieder nach 2014 Luchsspuren gefunden, für Ökologen ein Indikator einer artenreichen Fauna, deren Nahrungskette Raubtiere wie diese auch in russischen Wäldern seltenen Katzen abschließen. Da Rehe, das Lieblingsbeutetier des Pinselohrs hierzulande, in den Weiten und Breiten um Wladimir kaum vorkommen, verlegt sich dort der Luchs auf Hasen, Frischlinge oder größere Vögel.

Luchs

Luchs

Freuen darf man sich auch über eine andere Nachricht aus der Tierwelt. Die 2002 in den Wäldern um Murom, zwei Autostunden von Wladimir entfernt, angesiedelten Wisente vermehren sich tüchtig – 14 Kälber wurden in diesem Jahr geboren – und zählen mittlerweile 70 Exemplare. So viele, daß man nun einige einfangen will, um sie andernorts auszusetzen und so die mächtigen Wildrinder wieder dort heimisch zu machen, wo sie bis zu ihrer Ausrottung noch im 18. und 19. Jahrhundert vorkamen. Immerhin ziehen in der Region Wladimir nun schon – zwei weitere Schutzgebiete eingerechnet – insgesamt 100 Wisente durch die Wälder und Auen, nachdem man bereits 1988 mit dem Wiederansiedlungsprogramm begonnen hatte. 500 sollen es einmal werden.

Wisente

Wisente

Da bleiben Opfer nicht aus. Mindestens ein Bulle wurde bereits gewildert. Aber das Problem kennt man ja auch aus dem Bayerischen Wald, wo man in Cham nun wohl endlich einen Luchswilderer stellen konnte, während man zwischen Baiersdorf und Röttenbach nach jemandem sucht, der ohne Jagdschein Rehe erlegt.

Argali

Argali

Weit weg, im Altaj, wurde vor einiger Zeit ein Wilderer aus Wladimir dingfest gemacht, etwa zwei Kilometer außerhalb eines Schutzgebietes. Der gefallsüchtige Trophäenjäger hatte sich auf seinem illegal erbeuteten Argali, einem streng und vielerorts bereits ausgerotteten geschützten Wildschaf, gerade für ein Selfie samt Gewehr in Szene gesetzt, ein Vorfall, wie man ihn dort seit mehr als zehn Jahren nicht mehr verzeichnet hatte. Gewöhnlich nämlich gehen die Wilderer auf gerissene Weise in kleinen Gruppen vor und lassen sich schwer überführen: Der eine schießt aus dem Hinterhalt und größerer Entfernung, um sich dann aus dem Staub zu machen, während die anderen – ohne Waffe – das Tier holen und – sofern man sie überhaupt stellen sollte – allenfalls mit einem Bußgeld bedroht werden.

Read Full Post »


Seit 2013 messen Mitglieder der Organisation „Junger Journalist“ und Jugendliche aus der Schule Nr. 21 in Wladimir alljährlich im Herbst die radioaktive Strahlung in der Partnerstadt. Dieses Mal prüften die Aktivisten vor allem neuere Kunstobjekte, aber auch historische Gebäude mit dem Geigerzähler.

107598.JPG

Das Ergebnis ist beruhigend: Keine der mehr als 50 Messungen – weder im Stadtzentrum noch in den Kljasma-Auen – zeigte erhöhte oder gar bedenkliche Werte. Wie übrigens auch schon in den Vorjahren.

107611.JPG

Überall in Wladimir liegt die Strahlung demnach im natürlichen Bereich, also von 0,08 μSv/h bis 0,10 μSv/h.

strahlung-4

Etwas erhöht sind die Wert nur dort, wo Granit als Baumaterial verwendet wurde, aber auch da ist alles im grünen Bereich. Man müßte schon 30 Jahre ununterbrochen neben einem solchen Granitbrocken sitzen, um auch nur die minimale für den Menschen gefährliche Strahlungsdosis aufzunehmen, meint ein Atomexperte.

107613.JPG

Dennoch sollen die Aktionen – übrigens per Fahrrad – auch im nächsten Jahr eine Fortsetzung finden, zumal sich nach dem Auftakt in Wladimir 2013 mittlerweile auch Jekaterinburg, Kaliningrad, Sankt Petersburg, Saratow und andere Städte – auch solche in unmittelbarer Nähe von Kernkraftwerken – dem Programm angeschlossen haben, alle mit bislang unbedenklichen Ergebnissen. Das möge auch in Zukunft so bleiben.

P.S.: Der Befund gilt in der Region Wladimir übrigens auch für Wild, Beeren und Pilze, denn die radioaktive Wolke von Tschernobyl zog damals weiter südlich mit ihrer gefährlichen Fracht. Die Wälder und Felder um die Partnerstadt blieben verschont.

Read Full Post »


Eigentlich wollte Jurij Galata in der Nähe von Susdal nur zum Angeln nehmen, aber auf dem Weg zum Fluß durch ein Waldstück fiel ihm dann etwas auf, das er zunächst für einen Pflasterstein hielt. Neugierig geworden, berührte er das seltsame Trum, wunderte sich über dessen Weichheit und begriff, daß er hier mit einem acht Kilogramm schweren Riesenbovist einen rekordverdächtigen Fang ganz unvermuteter Art gemacht hatte. Die Verarbeitung des Pilzes, dem wegen seines Calvacingehalts die unterschiedlichsten Heilwirkungen zugeschrieben werden, will der Fischköstler übrigens seiner Tochter überlassen. Wenn der Stäubling, wie er auch genannt wird, denn nicht schon zu zäh sein sollte, kann man den „Regenling“ (so heißt er sinnigerweise im Russischen) ja köstlich auf den Tisch bringen: paniert und gebraten in Scheiben, als Ragout oder Suppe.

????????????????????????????????????

Jurij Galata und sein Fund

Überhaupt die Pilze rund um Wladimir. Die sprießen nach den langen Regentagen und einem insgesamt sehr feuchten Sommer getreu der Redensart aus dem Waldboden. In rauhen Mengen. Eimerweise tragen sie die Anhänger der „stillen Jagd“, wie man das Pilzesammeln im Russischen gern nennt, nach Hause. Manche verlaufen sich allerdings auch auf der Pilzpirsch. Fast 30 Menschen – meist schon älter – haben sich in dieser Saison schon verirrt und wurden zum Teil erst nach Tagen von Suchtrupps gefunden, vier werden bis heute vermißt.

Read Full Post »


Für Eingriffe in die Natur müssen auch russische Unternehmen einen Ausgleich schaffen, entweder finanziell oder indem sie neue Biotope anlegen bzw. diese renaturieren. Eine derartige Aktion war dieser Tage an der Kljasma bei Wladimir zu beobachten. Schon das dritte Jahr in Folge setzt das Straßenverkehrsamt der Region Wladimir in dem Fluß Jungfische aus, heuer 47.000 kleine Sterlets aus einem Moskauer Zuchtbetrieb im Wert von fast zwei Millionen Rubel – und als Kompensation für die Arbeiten an drei Brücken.

DSC00363

Vier Stunden dauerte der Wechsel aus dem Großbehälter via Netz und Eimer in die neue Heimat, wo sich der Störnachwuchs hoffentlich auch wohl fühlt und selbst wieder für neue Generationen sorgt. Tatsächlich rechnen die Fachleute dank verbesserter Wasserqualität und der notwendigen Temperatur des Flusses mit einer recht hohen Überlebensrate von 30 bis 50%. Durchaus erfreulich, denn noch vor wenigen Jahren galt der einst in der Kljasma heimische Sterlet als ausgestorben – wegen Überfischung, vor allem aber aufgrund der Verschmutzung.

 

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: