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Archive for the ‘Umwelt’ Category


Captain Hook kennt man auf der ganzen Welt als heißblütigen Erzfeind von Peter Pan, Pferdekenner – zumindest russische – verbinden mit dem Namen Hook aber einen Hengst kalten Geblüts aus einem Gestüt in Wladimir, der gerade eben, Mitte des Monats, bei der Messe „Goldener Herbst“ in Moskau seine große Klasse zeigte. In der Sparte „Tierzucht“ gewann der fünfzehnjährige Hengst der Wladimirer Rasse nämlich wieder einmal – Gold.

Hook in seinem heimischen Stall in Wladimir

Keine Überraschung für das Team, das Hook betreut, denn als bester Zuchthengst der noch vor wenigen Jahren vom Aussterben bedrohten Rasse zeige er ein beherrschtes Verhalten in allen Situationen, es sei denn, jemand komme ihm mit einer Zigarette zu nahe, denn auf Tabakrauch reagiere er abwehrend. Die Auszeichnung freut natürlich das Gestüt insgesamt, zumal auch andere Pferde bereits Siegertrophäen in ihren Wladimirer Stall holen konnten, zum Beispiel Witebsk und Gustota auf der diesjährigen „Hipposphäre“ in Sankt Petersburg.  42 Tiere hält man derzeit in Wladimir, im nächsten Jahr sollen es bereits 50 Exemplare sein, und man steht, um die Rasse zu erhalten, eng im Austausch mit anderen Gestüten. Kein Wunder, wenn sich nun auch immer mehr Pferdeliebhaber aus Deutschland für das Wladimirer Kaltblut interessieren. Siehe zu dem Thema auch: https://is.gd/tgMLTB

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Flächenfraß, Zersiedelung, Bodenversiegelung mit all den bekannten Auswirkungen, die im je konkreten Fall zu negieren es immer und überall Sachzwänge zu geben scheint – ein Thema, das angesichts neuer Infrastrukturprojekte und der oft ungeregelten Errichtung und Erweiterung von Datschensiedlungen in Stadtnähe, während gleichzeitig historisch gewachsene Dörfer auf dem flachen Land aussterben, nun auch in Wladimir an Brisanz gewinnt. Einen „grünen Schild“ will deshalb eine Bürgerinitiative um Erlangens Partnerstadt legen und fordert, unterstützt von Wissenschaftlern, die Einrichtung einer Schutzzone für nicht weniger als 43 Waldgrundstücke, zum Teil auch auf städtischem Grund gelegen, mit einer Gesamtfläche von 12.500 ha.

Weiter so oder Bannwald um Wladimir?

Die Gesellschaftskammer der Region Wladimir, ein Organ der zivilgesellschaftlichen Mitbestimmung, hat diese Petition, die eine Privatisierung der Wälder mit anschließender Umwandlung in Bauland verhindern soll, nun einstimmig angenommen und zur Entscheidung an die Duma, den „Landtag“, weitergeleitet. Man wird sehen, ob die Volksvertretung auch Volkes Stimme hört, die ein Ende der „chaotischen Bautätigkeit“ oder die Ausweisung von Mülldeponien fordert. Die Stadtverwaltung gibt für alle Fälle schon einmal zu bedenken, ein solch weitreichender Schutzgürtel könne es unmöglich machen, in den Parks die nötige Infrastruktur für Besucher zu schaffen, weshalb die Initiative abzulehnen sei. Sachzwänge eben, wie gesagt. Dort nicht anders als hierzulande. Aber auch eine ausgesprochene Ahnung davon, man habe die Grenzen des Wachstums erreicht. Dort wie hierzulande.

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Ganz im Südosten der Region Wladimir liegt der Landkreis Melenki, eine Gegend mit viel Wald und einem Schutzgebiet mit einer Fläche von fast 15.000 ha. Hier sagen Fuchs und Luchs einander gute Nacht, und hier ist auch eine dieser seltenen Katzen mit ihrem Nachwuchs in die Photofalle gegangen. Bewegte Bilder von der spielerischen Jagd des drei- bis viermonatigen Jungen auf das Muttertier. Der erste Nachweis dieser Art für die Existenz von Pinselohren in diesem Forst. Spuren hatten freilich schon früher auf das Vorkommen von bis zu drei dieser scheuen Jäger hingewiesen, die hier vor Wilderei einigermaßen geschützt sind.

Insgesamt geht man von einer etwa fünfzigköpfigen Population für das Gouvernement Wladimir aus. Gar nicht so wenig. Nur droht auch hier wegen der immer neuen Verkehrsinfrastrukturprojekte eine Verinselung, sprich auf lange Sicht Inzucht mit all ihren Folgen. Aber das soll die Freude am Betrachten des Videos nicht schmälern: https://is.gd/NMJcPm

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Der Saubermann des Rasens


Wie viele Hunde es in Wladimir gibt, weiß wohl niemand so recht zu sagen, denn es gibt keine Steuer und damit auch keine Zählung der Vierbeiner. Wie überall auf der Welt erkennt man sie aber an den an allen Ecken und Enden hinterlassenen Ergebnissen ihres Stoffwechsels. Bisher überließ man dieses Problem zumeist sich selbst und dem Gang der Dinge, vor allem aber der Straßenreinigung. Doch nun startete eine Wohnungsbaugenossenschaft einen Selbstversuch unter den Mitgliedern, zunächst ohne große Hoffnungen, doch dann mit ersten Erfolgen. Eine Mehrheit stimmte nämlich für die Aufstellung spezieller Abfallkörbe aus robustem Blech in einem Wohngebiet mit etwa 200 Mehrfamilienhäusern.

Nennt mich „Saubermann des Rasens“

Nachdem die Infrastruktur geschaffen ist – die Hausmeister der Genossenschaft sollen die Leerung der Kübel übernehmen -, will man nun auf die Mentalität der Hundehalter einwirken, damit diese das Angebot auch nutzen – und andere dort nicht ihren Hausmüll einwerfen. Noch ist es ein Experiment, noch müssen Frauchen und Herrchen ihre Tüten selbst mitbringen, noch ist es erst ein Anfang, aber wenn die Sache gelingen sollte – und warum eigentlich nicht?! – könnte man eines Tages überall in Wladimir die Hundekübel finden. Wahrscheinlich aber auch das eine oder andere bunte Plastikpäckchen zur Landschaftsverschönerung in der freien Natur. Aber das ist eben auch der Gang der Dinge.

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Angesichts der Millionen von Hektar Wald, die Jahr für Jahr in Sibirien und im Fernen Osten jenseits der von den Behörden angegebenen Daten abbrennen, erscheinen sogar aus Sicht von Greenpeace die Flächen, die in den dichter besiedelten Regionen von Zentralrußland dem Feuer zum Opfer fallen, ohne im ganzen Umfang gemeldet zu werden, sich eher in einem fast schon zu vernachlässigenden Umfang zu bewegen. Dennoch zählt für die Umweltschutzorganisation, die auch in der Russischen Föderation registriert und aktiv ist, allein der wahre Zustand der Natur. Deshalb auch eine Klage, eingereicht bei der Generalstaatsanwaltschaft in Moskau wegen eines Waldbrandes Anfang Mai, etwa elf Kilometer nordwestlich von Gorochowez, Gouvernement Wladimir, wo Luftaufnahmen eine Fläche von 75 ha für ein Feuer nachweisen, das dort Anfang Mai wütete, während die Forstverwaltung angibt, es habe sich nur um knapp eineinhalb Hektar gehandelt. Als Großbrände sind nach russischer Gesetzeslage aber Feuer ab 25 ha anzuzeigen – mit Ausrufung des Ausnahmezustands für das betroffene Gebiet.

Waldbrand bei Gorochowez

Während dieser Fall wohl die Gerichte beschäftigen dürfte, ist in Sachen russischer Wald vs. russischer Staat auch eine erfreuliche Nachricht zu vermelden. Landesweit liegen etwa 40 Mio. Hektar brach, eine gewaltige Fläche, die sich allmählich wieder mit Wald bedeckt. Just diese Gebiete wollte ein Gesetzesentwurf aus dem Forstschutzprogramm herausnehmen, sprich die Besitzer – unter Androhung der Enteignung – wieder zur landwirtschaftlichen Nutzung zu zwingen, wogegen Greenpeace eine Aktion gestartet hatte. Erfolgreich. Die Novelle wurde vorgestern zurückgezogen und soll überarbeitet werden. Nun darf man hoffen, daß auf diesen Brachen Bäume wachsen können, die in einigen Generationen die Rodung der letzten russischen Urwälder überflüssig machen.

Natürliche Wiederaufforstung auf Brachland in der Region Nowosibirsk

Eine Hoffnung, die gerade am heutigen „Welterschöpfungstag“ das ansonsten zappendustere Bild unter unserem Himmel ein wenig aufhellt, auch wenn wir alle wissen: Es ist längst fünf nach zwölf für die Erde, deren allein wir in Deutschland ganze drei verbrauchen, um unsere unbescheidenen Bedürfnisse zu befriedigen. Man muß nicht gläubig zu sein, um zu sehen, wie mindestens drei der sieben Todsünden – Habsucht und Unmäßigkeit, gefolgt von Trägheit – unser globales Ökosystem kollabieren lassen. Unser Leitstern bleibt wohl, wider besseres Wissen, auf unabsehbare Zeit unser aller Gier nach mehr, bleibt unsere Maxime des Unwillens zu teilen und zu verzichten, bleibt unser Lebensstil der Bequemlichkeit, die sich in einem stetigen Zuwachs an Unterlassungen spiegelt. Wir, im nimmersatten Klub der G20, verfrühstücken gerade an unserer Festtafel schamlos die Zukunft der ausgesperrten Habenichtse dieser Welt. Doch die wollen nicht mehr abgespeist werden, sie kommen und fordern ihren gerechten Anteil, gleich wie hoch wir Zäune und Mauern ziehen, gleich wie viele wir zurückweisen und abschieben, zurück in eine geschröpfte Schöpfung. Ein wahrlich erschöpfendes Thema.

Welterschöpfungstag

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„Man muß sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet“, meinte einmal Paul Cézanne. Was den französischen Maler zum Pinsel greifen ließ, ist für viele Photographen heute Antrieb, nach Orten zu suchen, wo die Vergänglichkeit alles Irdischen zerfallende Gestalt annimmt. Die sogenannten „lost places“ sind die modernen Motive der Vanitas und ersetzen die Attribute Totenschädel und Sanduhr durch den mensch- und gottverlassenen Ort.

Die Region Wladimir bietet diesem Genre ein Übermaß an Anschauungsmaterial, etwa ein ehemaliges Wasserkraftwerk an der Nerl, das, vor 65 Jahren in Betrieb genommen, einmal mit vier Turbinen und einer Leistung von 525 Kilowatt das größte von 68 seiner Art werden sollte. 30 Dörfer und vier Kolchosen erhielten von hier Strom, die bis dahin ihre Elektrizität von störanfälligen Dieselgeneratoren erhalten hatten.

Eine ganze Kaskade weiterer Wasserkraftwerke sollte an der Nerl entstehen, doch bereits Anfang der 60er Jahre stellte man in der Region hauptsächlich auf Kohle, später auf Gas um, und die Bauten blieben sich selbst überlassen.

Vor acht Jahren dann noch ein Architektenwettbewerb mit dem Vorschlag, das Ensemble zu einer Wassermühle mit Gastronomie umzubauen, doch es fand sich kein Investor.

Nur wenige Kilometer weiter, in Starodub, die Überreste einer vor einhundert Jahren gebauten Textilmanufaktur, die in den 90er Jahren aufgegeben wurde. Auch so ein Ort, den sich die Natur zurückholt. Doch bevor er verschwindet, besuchen ihn noch die Chronisten mit der Kamera. Vielleicht auch Othmar Wiesenegger, der Ende August wieder nach Wladimir aufbricht, um dort die Patina des Verfalls zu bewahren.

Vielleicht auch den Zauber der Landschaft, in dem diese verlorenen Orte liegen, wie Starodub an der Kljasma, wo 1935 ein Naturschutzgebiet zur Wiederansiedlung des Wassermaulwurfs und einige Jahre später zur Biberzucht eingerichtet wurde. Beide einst von der Ausrottung bedrohte Arten findet man heute übrigens wieder im Einzugsbereich der Kljasma. Lost places und Natur gehen eben gut zusammen.

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In diesem Jahr erscheint eine neue Ausgabe des Roten Buchs der bedrohten und aussterbenden Fauna und Flora in der Region Wladimir. 2008 hatte man zum ersten Mal eine Bestandsaufnahme vorgenommen, damals noch unvollständig, mit vielen blinden Flecken. Die Datenbasis ist mittlerweile viel besser geworden, leider aber eben auch das Tempo des Artenschwunds. Wäre ja auch zu schön, könnte man die Gegend um die Partnerstadt als Insel der seligen Tiere und Pflanzen bezeichnen. Ungeachtet aller erfreulicher Tendenzen beim Schutz etwa des Wassermaulwurfs oder des Wisents, drohen leider auch hier viele Spezies, für immer zu verschwinden, besonders unter den Kerbtieren – mit all den verheerenden Folgen für Pflanzen und Vögel.

Distelhummel

Einer der Mitautoren des Roten Buches weist nun auf das Bienensterben hin, das besonders auch die Hummeln betrifft, von denen man in Wald und Flur des Gouvernements Wladimir von der Größe des Bundeslandes Brandenburg 28 Arten zählt, darunter vier Spezies der parasitären Kuckuckshummeln. Alle werden sie seltener, besonders aber die auch in Deutschland vom Aussterben bedrohte Samthummel und die Distelhummel. Erstere mag es trocken, die zweite braucht Feuchtgebiete. Spezialistinnen, denen zunehmen der Lebensraum fehlt.

Samthummel

Ob der Eintrag im Roten Buch den brummelnden Insekten, denen man nachsagt, sie seien noch emsiger und effektiver als die kleinere Honigbiene, zu überleben hilft, sei dahingestellt, aber immerhin wissen wir so, was wir in absehbarer Zeit verlieren – sehenden Auges. Spätere Generationen werden uns fragen, warum wir wider besseres Wissen nicht handelten.

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