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Archive for the ‘Umwelt’ Category


Michail Malyschew gelang am 15. Mai in der Nähe des Dorfes Schukowa im Landkreis Sudogda ein seltenes Bild mit einem Schwarm Grauer Kraniche. die Vögel stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Fauna; 2014 zählte man knapp über 2.000 Exemplare in der gesamten Region Wladimir.

Stark zurückgegangen ist die Population bereits in der Sowjetzeit, als man viele Sümpfe trockenlegte, um neues Ackerland zu gewinne. Mittlerweile hat sich der Bestand erholt und stabilisiert, die Vögel kommen nicht nur im Umland von Sudogda vor, sondern auch in den Landkreisen Kameschkowo, Wjasniki und Gorochowez sowie im Nationalpark Meschtschjora. Bald, Ende Mai, beginnen die Männchen ihren „Balztanz“, der allerdings wohl gar nicht, wie lange angenommen, mit dem flügelschlagenden Springen auf der Stelle die Weibchen beeindrucken soll, sondern den Platz für das künftige Nest vorbereiten soll, wo dann später ein bis zwei Eier bebrütet werden. Hoffentlich weiter erfolgreich, damit der Kranich eines Tages aus den Roten Zahlen komme. Einstweilen empfiehlt der Literaturredakteur des Blogs die Lektüre der Erzählung „Frühe Kraniche“ von Tschingis Aitmatow.

P.S.: Ganz Bayern kommt auf kaum zehn Brutpaare. Immerhin, denn bereits im 19. Jahrhundert galt der Kranich hierzulande als ausgestorben.

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Die Blumenpflanzarbeiten sind in vollem Gange. Wer Wladimir aus früheren Jahren kennt, weiß zu schätzen, wie sich die Partnerstadt von Frühling zu Frühling immer schöner herausputzt. Auf 7.500 qm sollen heuer mehr als 350.000 Blumen blühen, statistisch also etwa für jeden Einwohner eine Pflanze. Alle übrigens aus eigener Zucht: Begonien, Dahlien, Salbei, Petunien, Studentenblumen, Zinnien, Buntnesseln und viele andere. Auf 200 qm gegenüber der Staatskanzlei sollen sogar Rosen das Auge erfreuen. Außerdem sind mehr als 300 Blumenampeln und neue -skulpturen geplant, etwa einen Blütenspringbrunnen an der vor eineinhalb Jahren eröffneten Straße zur Umfahrung des historischen Stadtkerns, der Lybjedtrasse.

Anregungen zu all dem Blumenschmuck holte sich Wladimir übrigens auf der Insel Mainau, zu der die Partnerstadt bereits 2001, vermittelt über Erlangen und Jena, Kontakte aufnahm. Mehr zu dieser Geschichte unter: https://is.gd/fnWPMf

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Den Schlager von Nena kennt man in Wladimir wohl kaum, aber die Gefahren, die für das Ökosystem von den vermeintlich so unschuldigen Luftballons, die da auf ihrem Weg zum Horizont sind, sehen nun sogar schon die Schulkinder in der Partnerstadt kritisch – und wollen, wie Anastasia Sacharowa vom Regionalsender herausfand, diese bunten Flugkörper nicht mehr in den Himmel steigen lassen. Dabei gehörten sie bisher zum festen Repertoire der Abschiedsfeiern, die bald anstehen. Nun denken die Schüler der Abschlußklassen darüber nach, was mit den Kunststoffhüllen passiert, die nach kaum mehr als einer Stunde Flugzeit den Auftrieb verlieren und Dutzende Kilometer weiter entfernt zu Boden sinken oder wassern. Sie gelangen ins Ökosystem, in die Nahrungskette und richten dort mehr schaden an, als man glauben möchte. Tiere verheddern sich in den Schnüren, verschlucken die Hüllen, verwenden sie als wasserundurchlässiges Nistmaterial, das zum Tod des Nachwuchses führen kann… Dascha Strachowa aus der Schule Nr. 3 jedenfalls hält die Luftballons nur noch für „Müll, den man in den Himmel schmeißt“, und ihre Lehrerin, Jekaterina Romatschewa, ergänzt: „Wir verzichteten bereits zur Einschulungsfeier am 1. September auf Luftballons und riefen die Schüler dazu auf, sich Alternativen auszudenken.“ Die gibt es bereits: Maxim Sesjulin schlägt, freilich auch nicht ganz emissionsfrei, vor, ein paar Knaller zu zünden und abends vielleicht ein Feuerwerk zu veranstalten, wonach man das Gelände wieder aufräumen wolle, während Polina Krylowa meint, man könne doch auf Seifenblasen umrüsten, die seien auch sehr schön und absolut umweltverträglich.

Himmelsmüll

So oder so: Die Luftballons kommen in Wladimir außer Mode. Schon denken Dutzende anderer Organisationen und Einrichtungen ebenfalls über Ersatz nach.

Die Journalistin mit Erlangen-Erfahrung beendet ihre Reportage mit den Worten:

Es mag ja ernsthaftere ökologische Probleme geben, etwa die Müllinseln im Meer und die Weiterverarbeitung von Plastik. Aber wie soll sich die Situation verändern, wenn man nicht im kleinen beginnt?

Elisabeth Preuß und Anastasia Sacharowa, November 2015

Wie wahr! Und übrigens hat Greta Thunberg dieser Tage auch die russischen Schüler aufgefordert, sich den freitäglichen Klimastreiks anzuschließen. Weiter so! Wie beschämend für uns Erwachsene, es so weit gekommen haben zu lassen und immer noch viel zu zögerlich und unzureichend zu handeln. „Mann, wer hätte das gedacht, daß es einmal soweit kommt“, heißt es übrigens in dem Lied von Nena an einer Stelle.

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Im Landkreis Sudogda, 70 km von Wladimir entfernt, liegt das Naturschutzgebiet Djukinskij, wo die Orchideen des Nordens wachsen.

Neottianthe cucullata

Ab Mitte Mai bis Ende Juni findet man hier auf geführten Touren den Frauenschuh, das Helm-Knabenkraut und sogar die 1919 von Rudolf Schlechter erstmals beschriebene Neottianthe cucullata, eine besonders bedrohte Spezies. Aber auch wer an Geologie interessiert ist, kommt hier nicht zu kurz.

Fontäne des Peredel

Die Blumen wachsen in einem Gebiet, wo man urzeitliche Muscheln und Krebse buchstäblich mit Händen greifen kann. Und dann ist da noch der natürliche Springbrunnen des Flusses Peredel zu bestaunen, dessen Druck das Wasser auf bis zu fünf Metern Höhe sprudeln läßt.

Speisemorchel

Aber auch etwas ganz anderes schießt jetzt nach oben: Die Speisemorchel, ein Frühlingspilz, der in der Umgebung von Wladimir gern gesammelt wird. Freilich nur von Kennern, denn wer will sich schon gern eine unbekömmliche Stinkmorchel zu Gemüte führen!

 

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Eine Frage, die den Blog immer wieder beschäftigt und die auch jüngst Thema des Journalistenaustausches war, ein Problem, buchstäblich brandaktuell, weil in der Nähe der Kreisstadt Gus-Chrustalnyj wieder einmal eine Müllhalde auf der Fläche von einem Hektar in Flammen stand und man dort nach einer neuen Deponie sucht. Auch das nächste Treffen von „Prisma“ im Juni wird sich der Sache annehmen, und nun bringt Amil Scharifow, Mitglied dieses Gesprächsforums, seine Gedanken zu der Problematik von seinem jüngsten Besuch in Wladimir mit:

Wie russische Medien berichten, fanden in den letzten Wochen in einigen Städten zum Teil nicht-genehmigte „Müllproteste“ statt. Auf die Straße gingen Menschen u.a. in der Region Archangelsk, wo sich die Demonstrationen vor allem gegen die Errichtung von Deponien für den Abfall aus Moskau richteten. Die Region Archangelsk ist flächenmäßig so groß wie Deutschland und liegt am Weißen Meer mit Zugang zum Arktischen Ozean.

Protest in der Stadt Archangelsk: „Wir sind gegen Mülldeponie im Norden“, „Nein zum Moskauer Müll“. Bild: 29.ru

Die Idee der Errichtung von Deponien für den Müll aus der Hauptstadt außerhalb der Moskauer Region sorgt auch in anderen Gouvernements für Aufregung. Menschen in den benachbarten Regionen haben die Sorge, auch vor ihrer Haustüre könnten Mülldeponien für den Abfall aus Moskau entstehen. Wenn man durch die Straßen Moskaus spaziert, sieht man, wie sauber die Stadt weitestgehend ist. Tatsächlich sei die Metropole laut einer nicht-oppositionellen Umweltorganisation sauberer als andere Städte und Regionen der Russischen Föderation. Die Umweltorganisation „Зелёный патруль“ (Grüne Patrouille) veröffentlicht regelmäßig eine Liste der ökologischen Bewertung der russischen Regionen. In dieser Liste liegt Moskau (Stadt) unter den Top 10, während die Moskauer Region die 80. Position von 85 Plätzen einnimmt. Die drei letzten Ränge belegen zwei Regionen aus dem Uralgebirge, Swerdlowsk und Tscheljabinsk. Bei der Bewertung werden mehrere Kriterien, darunter auch die Verschmutzung durch die Schwerindustrie berücksichtigt, was für die ökologische Lage in den beiden letztplatzierten Regionen eine wichtige Rolle spielen dürfte. Die Region Wladimir kommt in der Liste übrigens auf Platz 55.

Neben Moskau findet sich auch Sankt Petersbug unter den zehn saubersten Gebietskörperschaften, was man dadurch erklären könnte, daß die Großstädte im Wohngebiet verständlicherweise keine Schwerindustrie haben. Außerdem kann man vermuten, daß die Zentren ihren Müll in den Nachbarregionen entsorgen, was die weit abgeschlagene Position der Moskauer Region auf der Liste zum Teil erklären dürfte.  Anscheinend gibt es im Umland von Moskau keinen Platz mehr für den Müll aus der Metropole, weshalb hierfür neue Abnehmerregionen gesucht werden. Dabei kommen sogar Regionen wie Archangelsk, die über tausend Kilometer von Moskau entfernt liegen, als möglicher Deponieort in Frage.

So erfährt man aus den Medien wie in privaten Gesprächen auch in der Partnerstadt, womöglich könne auch die Wladimirer Region als Standort für Deponien aus der Hauptstadt dienen. Anscheinend hat der Abfallnotstand in Moskau bei den Menschen eine Art neuer Sensibilisierung für die Themen Müll und Umwelt hervorgerufen. In Wladimir jedenfalls machen sich die Bürger und Politiker nun auf kommunaler und regionaler Ebene Gedanken zur Frage Trennung und Verarbeitung von Müll, und man möchte sich dazu mit Erlangen austauschen. Bei all der Diskussion um Verwertung und Trennung von Abfällen, sollte man aber auch auf das Thema Müllvermeidung ein besonderes Augenmerk legen. Aus der Stadt Moskau kann man zwar den Müll Hunderte von Kilometer wegfahren, damit die Stadt sauber aussieht. Wenn man aber in der Provinz mit dem Zug fährt, fallen neben der schönen Natur auch zum Teil vermüllte Bahngleise auf. Es viele Initiativen, die landesweit, mitunter auch mit patriotischen Aufrufen, die Umwelt schützen wollen, wie auf dem Bild der süddrusischen Stadt Georgijewskij zu sehen:

„Leute, werft den Müll nicht überall hin! Die ist doch eure Heimat“ Bild: georgievsk.info

Sobald die Verarbeitung und Vermeidung von Müll wirtschaftlicher werden, können auch die Bahngleise in den Provinzen wie die Moskauer Innenstadt aussehen.

                                                                                                              Amil Scharifow

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Allein an einem Tag gehen bis zu 50 Meldungen bei der Feuerwehr in Wladimir ein. Alle Jahre wieder im Frühling. Kaum ist der Schnee geschmolzen, kaum ist der Boden einigermaßen trocken, schon brennen die Raine und Hänge, die Wiesen und Auen.

Da helfen offenbar keine Verschärfungen der Strafen, das Bußgeld kann gar nicht hoch genug sein: Es bleibet dabei: Feuer frei – auf etwa 20 ha allein am Wochenende in den Kljasma-Auen bei Wladimir.

Und so hängen über Wladimir und Susdal Wolken aus Rauch und Qualm, die Menschen bekommen Atembeschwerden, vom Schaden für Flora und Fauna ganz zu schweigen. Die Unsitte scheint unausrottbar zu sein. Ungeachtet aller administrativen Maßnahmen seitens des Gouvernements, seit dem 19. April der Feuergefahr besonders streng entgegenzutreten.

Manchmal wendet sich die Pyromanie auch gegen die Zündler selbst: So verbrannte eine ältere Frau in Kirschatsch auf ihrer Datscha bei lebendigem Leib, als sie Gartenabfälle anzündete und ihre Kleider Feuer fingen, und in einem Dorf der Region Wladimir fielen gleich ein paar Häuser den Flammen eines Flächenbrands zum Opfer.

Susdal an der Kamenka

Habhaft wird man der Brandstifter nur selten, allerdings vermutet man bei größeren Flächen immer öfter deren Besitzer als Täter, die mit Hilfe der Flammen ihre häufig unbestellten Felder von Verkrautung und Verbuschung befreien, für die sie Strafe zahlen müssen. Da könnte vielleicht helfen, das Legen von Bränden deutlich teurer zu machen als das Land brachliegen zu lassen. Nur gut, daß nach dem ersten Regen wieder Gras darüber wächst.

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Kennen Sie den Widerstand der Bevölkerung vor Ort gegen die Einrichtung eines Nationalparks im Spessart? Der ist ja mittlerweile derart entschieden, daß die Landesregierung in Bayern wohl lieber die Finger davon läßt. Ganz ähnlich geht es in der Region Wladimir zu, wo etwa 130 km östlich der Partnerstadt im Kreis Seliwanowo auf einer Fläche von 40.000 ha eine geschützte Zone entstehen soll, in der dann 22 Ortschaften mit insgesamt etwa 10.000 Einwohnern liegen. Angeführt von einem Unternehmer, der mit dem Verlust von Arbeitsplätzen nicht nur in seinem Betrieb warnt, spricht sich eine Bürgerversammlung einstimmig gegen das Vorhaben der Regierung aus: Man wolle nicht in einem „Reservat“ leben, wo man nur mit Zugangsberechtigung und Ausweis in den Wald zum Pilze- und Beerensammeln gehen dürfe, so ein Argument neben all den Sorgen um den ökonomischen Niedergang der eigenen Heimat. Ob gegen derartige Opposition die Pläne ad acta gelegt werden, oder ob, wie ein Vorschlag aus der Bevölkerung lautet, der Nationalpark an anderer Stelle eingerichtet wird, wo ohnehin niemand wohne, wird sich zeigen.

Apropos an anderer Stelle: Am westlichen Stadtrand von Wladimir liegt ein Landschaftsschutzgebiet, das teilweise für den Wohnungsbau vorgesehen ist. Aber nun regt sich Widerstand just gegen das Entwicklungsprojekt. Hier soll, geht es nach dem Willen der Anwohner, der „grüne Schild“ der Stadt erhalten bleiben. Widersprüchlich ist er halt der Mensch, hier wie dort, in seinem Widerstand, gleich ob im Spessart oder in Wladimir.

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