Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Umwelt’ Category


Von Demonstrationen gegen den Müllnotstand in Stadt und Land Wladimir und gegen die Abfallfuhren aus Moskau waren im Vorjahr Demonstrationen fast schon an der Tagesordnung. Seit aber mit Einführung eines neuen Entsorgungssystems Anfang Januar auch die wenigen Container zur Mülltrennung in der Partnerstadt verschwanden, steht das Thema ganz oben auf der Agenda der Menschen und wird zum Objekt der Kunst.

Am Freitag stellte eine Künstlergruppe vor einem Möbelhaus eine Müllinstallation auf, und fanden in der Nähe des Goldenen Tors und auf dem Leninplatz kreative Kunstaktionen unter dem Motto „Müll-Karneval“ statt.

Friede, Arbeit, Mai – beim Abfalltrennen sei dabei!

Sogar ein eigener Hashtag wurde ins Leben gerufen, den man mit #trenndenmuell übersetzen könnte.

Die Proteste richten sich zunehmend gegen der Lokal- und Regionalpolitik, der es bisher nicht gelingen will, der Problematik Herr zu werden. Mit dem Versprechen, bis zum Sommer werde man alles wieder in den Griff bekommen, will man sich nicht mehr abspeisen lassen.

Müllhydra

Auch in Städten der Region, die besonders vom Müllexport aus der Hauptstadt betroffen sind, wachsen Unmut und Widerstand, entstehen immer neue Initiativen, um sich gegen den Mißstand zur Wehr zu setzen, bunt und kreativ, wie hier auf dem Video von TV-Zebra zu sehen: https://is.gd/5PRQg0 Siehe auch: https://is.gd/WtYiJ6

Read Full Post »


Der Moskauer Künstler, Pawel Otdelnow, ist bekannt für seine Industriebilder, zeigte während der 8. Internationalen Biennale für Moderne Kunst „Lokale Orientierung“ in der Tretjakow-Galerie eine Arbeit mit dem Titel „Mülldeponie Alexandrow“. Aufmerksam gemacht hatten den Maler auf das Thema die vielen Meldungen in den Medien, die von der Abfallflut Moskaus berichten, unter der mittlerweile ganz Zentralrußland bis hinauf ans Nordmeer leidet.

Besonders die Region Wladimir mit der Müllkippe bei Alexandrow, die mittlerweile die Höhe eines zehnstöckigen Hauses erreicht haben soll. Auf die Spur der Deponie brachte den Pawel Otdelnow ein GPS-Sender, den er in seinem Hausmüllsack versenkte und dessen Signal er dann bis zum Ziel verfolgte. Die Aktion hielt der Künstler auf Video fest und meint dazu:

Das Problem der Wiederverwertung von Abfall und – noch wichtiger – das Sortieren schon beim Entsorgen, wenn wir den Müll in die Tonne werfen, halte ich für bedeutend. Früher oder später werden wir wohl dazu übergehen, den Müll zu trennen. Doch um darüber nachzudenken, sollte man sich erst einmal vor Augen führen, was wir hier sehen: rundherum Wald, eine noch ziemlich wilde Natur. Und mitten in dieser großartigen Landschaft eine neue Mülldeponie, von denen es so viele gibt, und von denen es noch mehr geben wird, je länger wir vergessen und nicht darüber nachdenken, was mit unserem Abfall passiert. Das Problem wird wachsen wie ein Schneeball bis wir uns selbst unter dem eigenen Hausmüll begraben haben. Mein Müll ist also hier gelandet, und Ihrer auch.

Die Anwohner in den Dörfern Babanino und Boldino an der Grenze der Landkreise Sobinka und Petuschki, erzählen, hier habe es bereits zu Sowjetzeiten eine weitere Müllhalde gegeben. Ab 1991 verfrachtete man hierher auch hochtoxische Industrieabfälle bis 1999 die Deponie nach einer Volksabstimmung geschlossen wurde. Doch zehn Jahre später rollten die Müllautos wieder auf die 20 ha große Fläche, die mehrfach den Betreiber wechselte. Eigentlich sollte ja ein Recyclinghof entstehen, stattdessen kommt immer mehr unsortierter Müll aus der Hauptstadt hier an, Anlaß für viele Protestaktionen, juristische Auseinandersetzungen, politische Ranküne. Doch das Gesetz des Mülls ist stärker, es folgt der Gravitationskraft Richtung Deponie…

Dort tun sich derzeit erstaunliche Dinge: Wegen der nach wie vor ganz und gar nicht winterlichen Witterung kommt es auf der Deponie bei Alexandrow zu Gärungs- und Fäulnisprozessen mit den ihnen eigenen olfaktorischen Effekten. Es stinkt wohl zum Himmel, um es deutlich auszusprechen. Und man fürchtet eine Massenvermehrung von Nagern und Insekten.

Also überzieht man den Müllberg mit einer grün gefärbten Lösung, die zu 98% aus Zellulose und 2% Sulphatammonium besteht, feuerfest und, wie der Betreiber der Deponie versichert, ökologisch unbedenklich. Aber das Kernproblem, von dem auch der Künstler sprach, bleibt ungelöst. Gerade auch in Wladimir, wo nach der Müllreform paradoxerweise die 230 Container für Plastik, die 150 Container für Glas und die 60 bzw. 20 Annahmestellen für Altpapier und Altkleidung verschwunden sind, die man 2013 aufgestellt hatte. Der alte Entsorger hatte die Behältnisse mitgenommen; nun soll die Trennung des Mülls in der Partnerstadt ab der zweiten Jahreshälfte wieder möglich sein. Bis dahin dürfte die Halde weiter wachsen – und nicht nur in der Region Wladimir.

Read Full Post »


Alle reden vom Wetter. Der Blog auch. Nun steht das Fest der Taufe des Herrn an, das normalerweise von klirrender Kälte begleitet wird und das viele Russen nutzen, um ein Eisbad zu nehmen. Das fällt nun bei den anhaltend herrschenden Temperaturen um den Gefrierpunkt und darüber buchstäblich ins Wasser. Sprich, man kann morgen nacht zwar in die kühlen Fluten steigen und das Kreuz schlagen, aber eben nicht bei Eis und Schnee, denn beides ist schlichtweg nicht vorhanden. Nicht einmal das so beliebte Eisfischen ist derzeit – und wohl noch für eine weitere Spanne – möglich, von Schlittenfahrten mit der Troika oder Langlauf und Schneeballschlachten ganz zu schweigen. Winter ade, bevor er so recht begonnen hat.

Aber kaum ein Bild könnte besser für die russische Variante des Klimawandels stehen, als der Gimpel, der, gesehen in Sudogda bei Wladimir, ein ausgiebiges Bad in einem offenen Gewässer nimmt, beobachtet von einem Sperling. Denn der Dompfaff kommt als ausgeprägter Waldvogel ja normalerweise fast nur im Winter in die Nähe menschlicher Behausungen, um dort nach Futter zu suchen. Warum dieser Vogel nun zum Kneipen in die Stadt kam? Vielleicht auf der Suche nach dem Winter… Aber fragen Sie ihn doch selbst und sehen sie ihm bei der Federpflege zu: https://is.gd/a79sr8

P.S.: Schandmäuler behaupten schon, wegen der ungewöhnlich warmen Temperaturen sei in Moskau Lenin erwacht. Außerdem seien Physiker mit dem Auftrag betraut, den Gefrierpunkt in den Plusbereich zu verlegen, um den Winter zumindest simulieren zu können… Tauwetter eben.

Read Full Post »


Am vergangenen Freitag verabschiedete sich Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg von seinem Freund aus Wladimir, Jurij Fjodorow, bei einem Ausflug in die Fränkische Schweiz und stellte dem Gast die Frage, wie es denn aktuell um den Umweltschutz in seinem Land bestellt sei. „Ein ganz wichtiges Thema für Politik und Bürgerschaft“, gab der Abgeordnete des Wladimirer Regionalparlaments zurück, „das auch ganz oben im Kreml angekommen ist.“ Und in der Tat hat sich da in der öffentlichen Wahrnehmung viel getan, denn die Auswirkungen der ökologischen Sünden werden immer spürbarer, etwa auch daran, daß in der Partnerstadt jetzt, wo eigentlich die strengsten Fröste herrschen sollten, Tauwetter angesagt ist.

Jurij Fjodorow und Dietmar Hahlweg vor dem Kunreuther Schloß

Nach Angabe von Wissenschaftlern der Abteilung für dynamische Meteorologie und Klimaforschung am Geophysischen Observatorium in Sankt Petersburg https://is.gd/jk0PpP erwärmt sich das Klima in Rußland zweieinhalb Mal rascher als im Durchschnitt auf der Welt. Zusammenhängen soll das mit der enormen Landmasse des größten Flächenstaats der Erde gegenüber einer verhältnismäßig kleinen Wasserfläche. Denn es seien gerade die Ozeane, die Wärme viel besser speichern als das Land. Und so tauen die Permafrostböden wohl noch schneller auf, es entweicht noch mehr Methan, und der Kippunkt rückt näher, an dem die Eigendynamik der Erderwärmung stärker wird als noch die entschiedenste und radikalste Politik der Einsparung von Treibhausgasen. Die Szenarien von versinkenden sibirischen Städten sind bekannt und brauchen hier nicht weiter ausgebreitet zu werden.

Nächste Baustelle: Wladimir wird den Müll nicht los. Zum einen karrt die Metropole Moskau und ihr Umland weiter ihren Dreck auf eigentlich längst zu schließende Deponien in der Region Wladimir, zum andern führt die seit dem Jahreswechsel in Kraft gesetzte Abfallreform zu teils chaotischen Verhältnissen. So verschwanden unter der Regie des neuen Entsorgers die Container für Trennung und Recycling aus der Partnerstadt, die Abfuhr kommt ins Stocken, und aufgebrachte Unbekannte luden aus Protest ihren Müll sogar schon vor dem Weißen Haus, dem Sitz von Regierung und Parlament des Gouvernements, ab. Kein Tag, an dem nicht neue Berichte in den Medien zu dem Thema erscheinen, für das noch immer nach einer Lösung gesucht wird und vor dem offenbar mittlerweile sogar schon Fachleute kapitulieren.

Sergej Fokin, Jäger und Chefredakteur eines Fachmagazins

Und dann sind da noch die Pläne für die Mautautobahn Moskau – Kasan, die nach bisherigen Projektierung ein wichtiges Biotop bei Petuschki, im Westen der Region Wladimir, durchschneiden soll und damit, wie es Sergej Fokin, Autor eines Artikels, ausdrückt, ein „ökologisches Verbrechen“ darstellt. In der Tat liest sich die Liste der hier, in den Auen der Kljasma – noch – heimischen Vögel wie ein Who is Who der Roten Liste: Knäck-, Löffel-, Reiher-, Schell- und Krickente, Birk- und Rebhuhn, Wachtelkönig, Tüpfelsumpfhuhn, Teichralle, Doppelschnepfe und Bekassine. Auf dem Durchzug legen hier – noch – einen Zwischenhalt ein: Zwergschnepfe, Pfeif-, Tafel- und Spießente, Haubentaucher, Bläß- und Saatgans. Darüber hinaus kann man hier den Kranich, die Schnatterente, den Gänsesäger und Teichwasserläufer, den Kampfläufer und Großen Brachvogel, die Uferschnepfe, das Kleine Sumpfhuhn, die Wasserralle und die Weißflügelseeschwalbe, den Turmfalken oder die Turteltaube beobachten.

Balz der Doppelschnepfe

Man kann den Umweltschützern in der Region nur mehr Kraft und Gelingen wünschen als ihren Leidensgenossen in Bayern, wo ja auch entgegen allen Protesten gnadenlos die Isentalautobahn in die einst so idyllische und ökologisch wertvolle Landschaft gepflastert wurde. Am Ende kommt die Umwelt immer unter die Räder. So wird es wohl leider auch in der Region Wladimir kommen. Und ob es die seltenen Vögel dann hier und überhaupt noch gibt, wird ohnehin kaum jemanden kümmern. Die meisten von uns haben ja noch nicht einmal ihren Namen gehört. Und so könnte das Verzeichnis auch ein Nekrolog der verstummten Vögel werden.

Read Full Post »


„Wer sagt denn, die Erde sei tot? – Nein, sie verbarg sich nur auf Zeit“, singt Wladimir Wyssozkij in seinem „Lied von der Erde“, der man doch ihre Mutterschaft nicht nehmen könne. Der Barde sang freilich gegen den Krieg der Menschen gegen die Menschen auf Mutter Erde an und konnte noch nicht wissen, daß der Mensch mindestens ebenso unbarmherzig auch gegen die Natur einen Vernichtungskrieg führen kann. Davon jedenfalls zeugen die Ergebnisse einer Bodenuntersuchung der landwirtschaftlichen Flächen der Region Wladimir.

Nach der Analyse von 322 Proben auf 30 Grundstücken mit einer Fläche von 460 ha, so berichten Medien, fand man im Labor in 120 Fällen eine Überschreitung der Grenzwerte für toxische Stoffe. Im einzelnen: 21 Proben mit zu viel Nitrat (bis 400 mg/g bei einem zulässigen Höchstwert von 130 mg/kg; drei Proben mit zu viel Benzopyren (bis zu einem mg bei einem zulässigen Höchstwert von 0,02 mg/kg); 25 Proben mit zu viel Schwermetallen wie Zink, Blei und Kupfer; 63 Proben mit zu hohen mikrobiologischen Parametern etwa bei der Gruppe der Enterokokken und der Magen-Darm-Bakterien.

Parallel dazu fällt in 26 Fällen das Niveau der organischen Stoffe, in fünf Fällen der Sauerstoffgehalt, in neun Fällen der pH-Wert, in elf Fällen der Phosphor- sowie der Kaliumanteil unter die zulässige Norm.

Nun müssen zwar die Besitzer jener inkriminierten Flächen – immerhin ein Drittel der untersuchten Fluren – ein Bußgeld von insgesamt mehr als 640.000 Rubel bezahlen, aber ob Mutter Erde, wie der Liedermacher singt, so unerschöpflich wie das Meer ist, bleibt mittlerweile auch dahingestellt, wenn man sich dessen Verschmutzung und Belastung ansieht. Es ist halt doch nur ein Chanson aus einer fernen Zeit mit einer Botschaft, die man heute kaum mehr glauben mag. Trotzdem tröstlich dieses Lied von der Erde: https://is.gd/RymgHa

Read Full Post »


Fridays for Future hat in Rußland noch nicht Fuß gefaßt, aber vor allem der Kampf gegen die Müllflut – besonders aus der Hauptstadt – über das weite Land hin wird längst auch auf der Straße ausgetragen. Die bereits allenthalben manifeste anthropogene Klimaveränderung treibt die Menschen noch wenig um. Das gilt auch für Larissa Jefremowa, ein zehnjähriges Mädchen aus Kowrow, die Greta Thunberg verblüffend ähnelt. Im Interview meint sie sogar, ihre Klasse habe das „Original“ mit ihr verwechselt. Doch es bleibt nicht bei Äußerlichkeiten. Auch die Schülerin aus der Region Wladimir sorgt sich um die Umwelt und wünscht sich, die Menschen würden im Wald keine Abfälle hinterlassen, weil das Wild sich da die Schnauze oder das Maul verletzen könne. Der Kleinen ist nun nur zu wünschen, daß sie die öffentliche Aufmerksamkeit gut verkraftet und nicht mit dem Erwartungsdruck konfrontiert wird, dem die weltbekannte Schwedin erstaunlich robust zu trotzen versteht. Vor allem möge ihr all der Haß erspart bleiben, der Greta Thunberg auf allen Kanälen entgegenschlägt.

Greta und Larissa

Eines vereint beide in jedem Fall: Die Beschämung der Erwachsenen, denen Kinder sagen müssen, wie man sich gegenüber der Umwelt verhalten sollte.

Read Full Post »


Von Montag bis Donnerstag besuchte Marcus Redel, Leiter des Betriebs für Stadtgrün, Abfallwirtschaft und Straßenreinigung, die Partnerstadt, um mit seiner Expertise den Fachleuten in der Region Wladimir Anregungen bei der anstehenden Umsetzung der notwendigen Reformen zur Müllvermeidung und beim Recycling Impulse zu geben. Diese Thematik wurde bereits im Juni ausführlich im Rahmen des Diskussionsforums „Prisma“ mit Gästen aus Wladimir besprochen, und am Ende der Tagung stand der Wunsch der russischen Seite, möglichst bald jemanden aus Erlangen mit Fachwissen zu entsenden. Siehe hier https://is.gd/8qpTqT und https://is.gd/w6SQJy

Alexander Rytschkow, Wjatscheslaw Kartuchin, Marcus Redel und Marina Gedina

Der Blog berichtete immer wieder über die Dramatik der Müllfrage in der Partnerstadt, und die Internetplattform Zebra-TV, das gestern – ebenso wie der staatliche Lokalsender ausführlich über den Auftritt von Marcus Redel am Dienstagnachmittag berichtete, stellt anschaulich dar, in welcher Konstellation der Referent aus Erlangen seinen Vortrag zu halten hatte:

Die Russen können sich einfach noch nicht an die Mülltrennung gewöhnen. Eine Vielzahl von Versuchen unternahm man bereits, um bei uns ein System einzuführen, das dem in Deutschland ähnelt. Bis 2024 sollen nun nicht weniger als 60% der festen Müllmengen wiederverwertet werden. Doch die Aussichten sind durchwachsen. In der Region Wladimir fallen beispielsweise p.a. mehr als 650.000 t Abfälle an, und es ist von mehr als 1.800 illegalen Müllkippen zu rechnen, obwohl es über 70 Organisationen gibt, die in der Abfallverwertung tätig sind. Die mechanischen Prozesse zur Mülltrennung sollten mit einer vernüftig gestalteten Gesetzgebung beginnen, meint Wjatscheslaw Kartuchin:

Man kann heute folgendes sagen: Die Region Wladimir hat es versäumt, rechtzeitig ins Programm der Müllreform einzusteigen. Es liegen jetzt derart viele Entwürfe und normative Dokumente vor, daß sich darin selbst Fachleute kaum mehr zurechtfinden. Der Hauptakteur bei der Müllfrage, die Bevölkerung, befindet sich in völliger Unkenntnis von Regeln, Tarifen und Methoden der Abfalltrennung.

Und so berichten die Medien über den Besuch des Fachmanns aus Erlangen:

Marcus Redel und seine Dolmetscherin, Marina Gedina

Die Erfahrung der Kollegen aus Deutschland. Im Rahmen der Gesprächsplattform „Prisma: Erlangen-Wladimir“ und des Kommunalverbandes der Region Wladimir besprach man Fragen der Wiederverwertung von Abfällen.

Stromgewinnung aus Müll, Dünger für den Garten aus einfachen Speiseresten. Vielen mag das als irreal erscheinen. In Deutschland macht man das schon seit 30 Jahren! Bei dem Praxis-Seminar in der Wladimirer Filiale der Präsidialakademie für Verwaltung und Volkswirtschaft diskutierte man Fragen der Sammlung und Wiederverwertung von Müll.

Unsere russische Seite ist derzeit daran interessiert, dieses Problem anzupacken und zu lösen. Auf staatlicher Ebene werden diesbezüglich sehr ernsthafte Anstrengungen unternommen, und es ist sehr wichtig, allen an diesen Beziehungen beteiligten Akteuren zu verdeutlichen, was von ihnen gefordert wird.

Wjatscheslaw Kartuchin, Direktor der Akademie und stellv. Vorsitzender der Wladimirer Regionalduma

In Deutschland ist die Mülltrennung in die Wirtschaft des Landes eingebunden. Je besser die Abfälle gesammelt werden, desto höher ist der Anteil der Wiederverwertung. So macht man aus losen Blättern neue Hefte, während verschmutztes Papier einfach verbrannt wird. Die Trennung hängt von jedem einzelnen Menschen ab und ist gesetzlich geregelt, vor den Häusern stehen verschiedene Tonnen: für organische Abfälle, Papier und Karton, Plastik, Metall und sogar Elektrogeräte. Aber das war nicht immer so.

In Deutschland stand es um die Müllproblematik noch vor 30 bis 40 Jahren nicht besser als heute in der Russischen Föderation. Im Lauf dieser Zeit machten wir freilich sehr gute Erfahrungen. Das Schlüsselmoment ist das Sammeln jener Abfälle, die für das weitere Recycling verarbeitet werden können. Der Müll, der für die Wiederverwertung nicht mehr in Frage kommt, sollte thermisch behandelt und so verbrannt werden, daß er für die Umwelt keine Gefahr mehr darstellt.

Marcus Redel, zuständig bei der Stadt Erlangen für Müllverwertung und Straßenreinigung

Die Erfahrungen des Auslands zu bewerten, ist besonders wichtig. Umso mehr als unsere Region mit Verspätung die Abfallreform einleitet. Um wertvolle Ratschläge bei der Trennung und Weiterverarbeitung fester kommunaler Abfälle zu erhalten, versammelten sich die Oberhäupter von Städten und Kreisen der Region Wladimir.

Das Problem hat viele Aspekte. Wir wünschen uns nicht nur sozusagen einen Erfahrungsaustausch, sondern wir wollen konkret hören, wie man das in Deutschland anpackt, um dann etwas Gemeinsames zu finden, für sich Schlüsse zu ziehen und das eine oder andere dann auf dem eigenen Gebiet anzuwenden.

Jewgenij Rytschkow, Landrat von Murom

Das Problem zu lösen, hilft die Wiederverwertung mit einem maximalen Nutzen, wie die Erfahrung der deutschen Wissenschaftler lehrt. Allerdings genügt es nicht, richtig zu trennen und die Abfälle zu recyceln, sondern man darf auch keine unkontrollierte Zunahme von neuem Müll zulassen. Es geht darum, die „Müllfrage“ auf „intelligente“ Weise anzugehen.

Die Reportage ist zu sehen unter: https://vladtv.ru/society/103523

Im Publikum. Alle Bilder von Zebra-TV.

Für die Umsetzung des Prozesses der Wiederverwertung bezahlt man eine Abgabe, die unmittelbar von der individuell produzierten Abfallmenge abhängt. Außerdem tragen auch die Hersteller ihren Anteil zur Lösung des Problems bei, für sie lohnt sich das Recycling von Rohstoffen. Es gibt aber auch ein Problem, das, wie Marcus Redel sagt, bisher nicht gelöst ist: Man komme mit den Produzenten noch nicht bei der Einführung von Verpackungen überein, die man einfach und ohne großen Aufwand wiederverwerten könnte.

Die Kultur eines vernünftigen Konsums helfen in Deutschland Fachleute zu schaffen. So erklären beispielsweise in Kindergärten und Schulen Berater den Nutzen der Mülltrennung. Bei uns gibt es dergleichen noch nicht. Aber das ist eine Frage der Zeit. Die ausländische Erfahrung schätzten neben den Studenten auch die Leitungskräfte der kommunalen Selbstverwaltung, die das Problem unmittelbar betrifft. Deshalb bat man den Referenten auch, alles bis ins letzte Detail zu erklären. Die so vermittelten Informationen können an die Gegebenheiten der Region Wladimir adaptiert und umgesetzt werden.

Im Original nachzulesen bei Zebra-TV unter: https://is.gd/yrgm36

 

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: