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Archive for the ‘Umwelt’ Category


Leider gelingt es auch der Redaktion des Blogs nicht immer, alle – in diesem Jahr waren es wieder 110 an der Zahl – Austauschmaßnahmen zwischen Erlangen und Wladimir zu erfassen. Aus den unterschiedlichsten Gründen gehen auch längst nicht zu allen Begegnungen Berichte ein, etwa zu einer wissenschaftlichen Konferenz Anfang September, wo es unter Erlanger Beteiligung um Fragen der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt am Beispiel der Gewässer im Kljasmabecken ging.

Ökologischer Atlas des Kljasmabeckens

Ein Thema dabei – der Biber und die Nebenwirkung seiner Aktivitäten auf das Ökosystem. Ähnlich wie in Bayern und ganz Deutschland war der Nager auch in der Region Wladimir und auf dem Gebiet der Sowjetunion vor allem durch Bejagung fast ausgerottet. Mit dem Biberschutz begann man in der UdSSR verstärkt ab den 70er Jahren, und seither erholt sich der Bestand merklich. Abzulesen an den Zahlen, die nach der letzten Erhebung – sie fand vom 1. Oktober bis zum 30. November landesweit statt – bei gut 17.000 Exemplaren für die gesamte Region Wladimir mit einer Gesamtfläche von 29.000 qkm liegen, etwa 2.000 mehr als im Jahr 2010.  Fast so hoch schätzt man übrigens die Biberpopulation in Bayern mit seinen gut 70.000 qkm.Und noch etwas ist nachzutragen. Just zu der Konferenz erschien ein aufwendig gestalteter Atlas zu Ökologie des Beckens der Kljasma mit dem Untertitel „Der Mensch in der Umwelt“, herausgegeben von der Wladimirer Universität in Zusammenarbeit mit der Michail-Lomonossow-Universität Moskau und der 1845 gegründeten Russischen Geographischen Gesellschaft. Auf gut 300 Seiten ist da fakten- und tabellenreich die Wechselwirkung von Mensch und Natur am Beispiel der Region Wladimir dargestellt, von der Geologie über die Hydrologie bis zu Fauna und Flora; sogar Demographie, Klima oder Brauchtum haben ihre eigenen Kapitel.

Eine Schatztruhe für alle, die alles über die Partnerstadt und ihr Umland wissen wollen. Nur ein Desiderat bleibt anzumahnen: die Übersetzung des Kompendiums zumindest ins Englische.

 

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Im Südwesten von Wladimir liegt, eingeklemmt zwischen der Autotrasse M7 und der Bahnstrecke Moskau – Nischnij-Nowgorod, das 1986 eingerichtete, gut 260 ha große Naturschutzgebiet „Park der Freundschaft“, in dem man mit etwas Glück zwischen Seidelbast und Roter Heckenkirsche dem Hermelin oder dem Dreizehenspecht begegnen kann. Seit dem Frühjahr kreuzen aber immer häufiger immer mehr Elche die Wege der Spaziergänger und Langläufer. Zunächst nur eine Kuh mit ihrem Kalb, doch nun zählt die zuständige Behörde bereits sieben Exemplare, darunter einen Bullen, zwei Kühe und zwei Kälber. Zu viele Hirsche für das kleine Areal, weshalb man nun prüft, wie man die Tiere zumindest zu einem Teil umsiedeln könnte, denn ein Abschuß kommt wegen deren Schutzstatus nicht in Frage.

Und schon werden den imposanten Herrschern der Wälder literarische Ehren zuteil. Anatolij Gawrilow, hier schon öfter als Meister der Kurzprosa zitiert, baut die Paarhufer in seine verdichtete Chronik der Ereignisse und Nachrichten ein:

Minus fünf. Im Park kann man Elchen begegnen. Die Polizei verhaftete acht Hacker. Jemand schlug vor, die Staatsduma nach Susdal zu verlegen. Irgendwo entdeckte man nicht identifizierte Leichen. Minus fünf. Es schneit.

Übrigens nimmt man an, die Elche seien über die Straße von Norden eingewechselt, denn die für Schnellzüge ertüchtigte Bahnstrecke ist mittlerweile durch schier unüberwindliche Zäune gesichert. Wie die Begegnung Mensch, Hund und Elch ausgehen kann, sehen Sie hier: https://is.gd/AYew23

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Dieser Tage erscheint die zweite Ausgabe des Roten Buchs der Region Wladimir. Darin aufgeführt findet man zwei Nager, von deren Existenz man bisher gar keine Kenntnis hatte: der Siebenschläfer und der Baumschläfer, beide entdeckt im Nationalpark Meschtschjora, Landkreis Gus-Chrustalnyj.

Baumschläfer im Nationalpark Meschtschjora

Es war im Mai, als Wildhüter einen dieser seltenen Bilche mit dem buschigen Schwanz zu Gesicht bekamen und eine Aufnahme des Siebenschläfers machen konnten, dessen natürliche Feinde Marder und Eule sind, der aber – auch hier am nördlichen Rand seines Verbreitungsgebietes – vor allem unter der Zerstörung seines Lebensraums, des ursprünglichen Waldes mit viel Totholz, leidet. In Rußland kommen vier Arten der nachtaktiven Kleinsäuger vor: der genannte Siebenschläfer, die Haselmaus, der Gartenschläfer und der in Deutschland extrem gefährdete Baumschläfer, der in der Region Wladimir allerdings schon mehrfach, auch in den Wäldern um Murom, nachgewiesen wurde, immer wieder als Gast in Nistkästen.

Siebenschläfer

Jetzt freilich machen sie erst einmal alle ihrem Namen Ehre und schlafen in einem kuschelig ausgepolsterten Astloch oder einem moosbepackten hohlen Baum, zumal der Winter mit Schnee und Eis die Region Wladimir bereits fest im Griff hat.

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Captain Hook kennt man auf der ganzen Welt als heißblütigen Erzfeind von Peter Pan, Pferdekenner – zumindest russische – verbinden mit dem Namen Hook aber einen Hengst kalten Geblüts aus einem Gestüt in Wladimir, der gerade eben, Mitte des Monats, bei der Messe „Goldener Herbst“ in Moskau seine große Klasse zeigte. In der Sparte „Tierzucht“ gewann der fünfzehnjährige Hengst der Wladimirer Rasse nämlich wieder einmal – Gold.

Hook in seinem heimischen Stall in Wladimir

Keine Überraschung für das Team, das Hook betreut, denn als bester Zuchthengst der noch vor wenigen Jahren vom Aussterben bedrohten Rasse zeige er ein beherrschtes Verhalten in allen Situationen, es sei denn, jemand komme ihm mit einer Zigarette zu nahe, denn auf Tabakrauch reagiere er abwehrend. Die Auszeichnung freut natürlich das Gestüt insgesamt, zumal auch andere Pferde bereits Siegertrophäen in ihren Wladimirer Stall holen konnten, zum Beispiel Witebsk und Gustota auf der diesjährigen „Hipposphäre“ in Sankt Petersburg.  42 Tiere hält man derzeit in Wladimir, im nächsten Jahr sollen es bereits 50 Exemplare sein, und man steht, um die Rasse zu erhalten, eng im Austausch mit anderen Gestüten. Kein Wunder, wenn sich nun auch immer mehr Pferdeliebhaber aus Deutschland für das Wladimirer Kaltblut interessieren. Siehe zu dem Thema auch: https://is.gd/tgMLTB

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Flächenfraß, Zersiedelung, Bodenversiegelung mit all den bekannten Auswirkungen, die im je konkreten Fall zu negieren es immer und überall Sachzwänge zu geben scheint – ein Thema, das angesichts neuer Infrastrukturprojekte und der oft ungeregelten Errichtung und Erweiterung von Datschensiedlungen in Stadtnähe, während gleichzeitig historisch gewachsene Dörfer auf dem flachen Land aussterben, nun auch in Wladimir an Brisanz gewinnt. Einen „grünen Schild“ will deshalb eine Bürgerinitiative um Erlangens Partnerstadt legen und fordert, unterstützt von Wissenschaftlern, die Einrichtung einer Schutzzone für nicht weniger als 43 Waldgrundstücke, zum Teil auch auf städtischem Grund gelegen, mit einer Gesamtfläche von 12.500 ha.

Weiter so oder Bannwald um Wladimir?

Die Gesellschaftskammer der Region Wladimir, ein Organ der zivilgesellschaftlichen Mitbestimmung, hat diese Petition, die eine Privatisierung der Wälder mit anschließender Umwandlung in Bauland verhindern soll, nun einstimmig angenommen und zur Entscheidung an die Duma, den „Landtag“, weitergeleitet. Man wird sehen, ob die Volksvertretung auch Volkes Stimme hört, die ein Ende der „chaotischen Bautätigkeit“ oder die Ausweisung von Mülldeponien fordert. Die Stadtverwaltung gibt für alle Fälle schon einmal zu bedenken, ein solch weitreichender Schutzgürtel könne es unmöglich machen, in den Parks die nötige Infrastruktur für Besucher zu schaffen, weshalb die Initiative abzulehnen sei. Sachzwänge eben, wie gesagt. Dort nicht anders als hierzulande. Aber auch eine ausgesprochene Ahnung davon, man habe die Grenzen des Wachstums erreicht. Dort wie hierzulande.

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Ganz im Südosten der Region Wladimir liegt der Landkreis Melenki, eine Gegend mit viel Wald und einem Schutzgebiet mit einer Fläche von fast 15.000 ha. Hier sagen Fuchs und Luchs einander gute Nacht, und hier ist auch eine dieser seltenen Katzen mit ihrem Nachwuchs in die Photofalle gegangen. Bewegte Bilder von der spielerischen Jagd des drei- bis viermonatigen Jungen auf das Muttertier. Der erste Nachweis dieser Art für die Existenz von Pinselohren in diesem Forst. Spuren hatten freilich schon früher auf das Vorkommen von bis zu drei dieser scheuen Jäger hingewiesen, die hier vor Wilderei einigermaßen geschützt sind.

Insgesamt geht man von einer etwa fünfzigköpfigen Population für das Gouvernement Wladimir aus. Gar nicht so wenig. Nur droht auch hier wegen der immer neuen Verkehrsinfrastrukturprojekte eine Verinselung, sprich auf lange Sicht Inzucht mit all ihren Folgen. Aber das soll die Freude am Betrachten des Videos nicht schmälern: https://is.gd/NMJcPm

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Der Saubermann des Rasens


Wie viele Hunde es in Wladimir gibt, weiß wohl niemand so recht zu sagen, denn es gibt keine Steuer und damit auch keine Zählung der Vierbeiner. Wie überall auf der Welt erkennt man sie aber an den an allen Ecken und Enden hinterlassenen Ergebnissen ihres Stoffwechsels. Bisher überließ man dieses Problem zumeist sich selbst und dem Gang der Dinge, vor allem aber der Straßenreinigung. Doch nun startete eine Wohnungsbaugenossenschaft einen Selbstversuch unter den Mitgliedern, zunächst ohne große Hoffnungen, doch dann mit ersten Erfolgen. Eine Mehrheit stimmte nämlich für die Aufstellung spezieller Abfallkörbe aus robustem Blech in einem Wohngebiet mit etwa 200 Mehrfamilienhäusern.

Nennt mich „Saubermann des Rasens“

Nachdem die Infrastruktur geschaffen ist – die Hausmeister der Genossenschaft sollen die Leerung der Kübel übernehmen -, will man nun auf die Mentalität der Hundehalter einwirken, damit diese das Angebot auch nutzen – und andere dort nicht ihren Hausmüll einwerfen. Noch ist es ein Experiment, noch müssen Frauchen und Herrchen ihre Tüten selbst mitbringen, noch ist es erst ein Anfang, aber wenn die Sache gelingen sollte – und warum eigentlich nicht?! – könnte man eines Tages überall in Wladimir die Hundekübel finden. Wahrscheinlich aber auch das eine oder andere bunte Plastikpäckchen zur Landschaftsverschönerung in der freien Natur. Aber das ist eben auch der Gang der Dinge.

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