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Archive for the ‘Umwelt’ Category


So lautete der Titel den Sergej Jelisarow gestern bei einer Videokonferenz der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit der katholischen Hilfsorganisation Renovabis hielt. Der von Michael Kleiner, Eine-Welt-Referent der Erzdiözese Bamberg und Koordinator des Projekts Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde in Wladimir, moderierte Beitrag stand eigentlich für den Mai im Veranstaltungskalender, mußte dann aber wegen der Pandemie auf den 23. Juni verschoben werden.

Michael Kleiner und direkt über ihm in der Leiste Sergej Sujew

Sergej Jelisarow lebt und arbeitet in Pskow und wurde von Sergej Sujew, Gemeindepfarrer von Wladimir und als Dekan auch zuständig für den Sprengel Pskow, benannt. Er unterrichtet ökologisches Verhalten an einer Schule vor Ort, und sieht sich nun Anfragen von weiteren 20 Schulen gegenüber. Der Pädagoge war bereits zwei Mal in Deutschland, das letzte Mal bei einem Treffen mit Papst Benedikt XVI im Jahr 2006. Derzeit macht der leidenschaftliche Triathlet und zweimalige Teilnehmer am Iron Man eine zweite Ausbildung zum Umweltingenieur. Hier nun sein Skript mit einigen Ergänzungen, vorgetragen im Themenblock „Schöpfung bewahren: Religiöse Werte und Nachhaltigkeit“:

Sergej Jelisarow

In Rußland gibt es heute eine Reihe von Problemen bei der ökologischen Nachhaltigkeit:

 – illegale Müllhalden und Deponien

– Problem der Verschmutzung des Baikalsees durch Haushalts- und Industrieabfälle

– fehlende Kontrolle über Industrieunternehmen durch den Staat

– niedriges Niveau der Umweltkultur in der Bevölkerung

– Fehlen der Hausmülltrennung

Es ist eine erwiesene Tatsache, daß Abfallverwertungsanlagen viel effizienter und sicherer sind als Verbrennungsanlagen, allein schon deshalb, weil weniger Ressourcen und frisches Wasser verbraucht werden, um neue Dinge zu produzieren. Aber die Regierung setzt sich aktiv für die Verbrennung ein, und bald wird jede Region ihre eigene Müllverbrennungsanlage haben. Bisher aber wird nur ein Prozent der Abfälle verbrannt, vier Prozent werden aufgearbeitet, und der ganze Rest landet auf Deponien, davon viele illegaler Natur. Vor nicht allzu langer Zeit gab es eine große Umweltkatastrophe in der Stadt Norilsk, als eine Menge Heizöl in den örtlichen Fluß gelangte und das Ökosystem zerstörte. Hätten lokale Umweltschützer dieses Thema nicht auf die Landesebene gebracht, wäre die Geschichte totgeschwiegen worden. Das Fehlen von Verantwortungsgefühl und die Meinung, man werde straflos davonkommen, sitzt immer noch tief in den Köpfen der Beamten, die eigentlich Entscheidungen zugunsten der Menschen treffen sollten.

Auf meiner Ebene, als Umweltaktivist in der Region Pskow, engagiere ich mich in der ökologischen Bildung. Ich glaube, daß man vom frühesten Alter an lernen sollte, wie man im Einklang mit der Natur lebt, die natürlichen Ressourcen schont und gleichzeitig komfortabel lebt. Vor kurzem habe ich ein Stipendium des Präsidenten gewonnen und werde das ganze Jahr damit verbringen, an drei Schulen in meiner Stadt Unterricht über Ökologie zu geben. Ich bin ausgebildeter Geographielehrer, und dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Jetzt mache ich eine zweite Ausbildung zum Umweltingenieur. Das Hauptziel meines Projektes ist es, die ökologische Kultur von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Mein Traum ist es, alle Schulen in der Region Pskow zu erreichen, damit die Kinder verstehen, wie wichtig es ist, den Hausmüll zu trennen und sich jeden Tag gute Gewohnheiten anzueignen.

Meine zweite Richtung ist es, ökologische Vorträge in Unternehmen zu halten. Ich glaube, daß auch Erwachsene daran erinnert werden sollten, daß es möglich ist, nach den Zero-Waste-Regeln zu leben und dennoch glücklich zu sein.

Jetzt stehe ich im Dialog mit der Stadtverwaltung von Pskow, um ökologische Flächen in Parks zu schaffen. Es soll Bänke aus recyceltem Plastik geben und Informationstafeln, die erklären, wie man der Natur helfen kann. Andere Regionen sind an unseren Ideen interessiert, aber bisher gibt es keine finanziellen Mittel, um sie umzusetzen. Allerdings finden sich nun in unserem Land Menschen, die sich um die Umwelt sorgen und in einem sauberen Umfeld leben wollen. Sie sortieren den Abfall zu Hause, sammeln den Müll im Wald. Doch es sollte mehr Menschen wie diese geben.

Ich betreibe seit einiger Zeit meine Radiosendung „Ökologische Umwelt“, und wir sprechen mit unseren Gästen live über verschiedene Umweltthemen, kündigen Aktionen und Wettbewerbe an. In meiner katholischen Gemeinde möchte ich die Sammlung von Batterien organisieren und Umweltunterricht für Kinder durchführen. Es ist einfach, mit Kindern zu arbeiten, weil sie offen sind und gerne spielen.

Die Umweltprobleme in Rußland werden erst seit 2017 angegangen, und es ist noch ein langer Weg zu gehen. Wir liegen bei diesem Thema 40 Jahre hinter Deutschland zurück.

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Im Vorgriff auf den gestrigen Weltnichtrauchertag beteiligten sich am vergangenen Samstag die Partnerstädte Erlangen, Rennes, Jena und Wladimir an einer in ihrer Art bisher einzigartigen europaweiten Aktion. Auf Initiative der französischen Umweltorganisation Hebdo Ecolo sammelten zwischen 14.00 Uhr und 16.00 Uhr Freiwillige auf Straßen, Plätzen und Grünanlagen Zigarettenkippen, für die es in der Bretagne sogar eine Wiederaufbereitungsanlage gibt.

Der Trupp vom Euroklub vor der Mariä-Entschlafens-Kathedrale

In Wladimir ließ sich der Euroklub für die Sache begeistern und füllte mit einer zehnköpfigen Gruppe innerhalb einer Stunde vier Eineinhalbliter-Plastikflaschen mit dem giftigen Abfall. Jelena Guskowa, Leiterin des Jugendtreffs, berichtete, paradoxerweise habe man die meisten Kippen rund um Abfalleimer gefunden, aber sie freute sich auch über Passanten, die spontan anboten, bei künftigen Umweltaktionen mitzumachen. So wie der Euroklub selbst:

Der Trupp vom Euroklub in der Fußgängerzone Wladimir

Wegen der Pandemie können wir unsere ausländischen Freunde jetzt nicht treffen, aber wir unterstützen ihre Aktivitäten und schließen uns ihren Initiativen an.

Jelena Guskowa

Das Nachrichtenportal Zebra-TV berichtete nicht nur über die Aktion, sondern lieferte auch noch interessante Zahlen, wonach 24,4% der Einwohner der Region Wladimir rauchen und 7.4% sich das Laster abgewöhnt haben. Im ersten Quartal d.J. gaben die Menschen gut drei Milliarden Rubel für den blauen Dunst aus, immerhin 2,6% weniger als im Vorjahr.

Die Beute des Euroklubs in Wladimir

Zur Ergänzung hier noch der Bericht über die Aktion in Erlangen:

In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischen Institut Erlangen (dFi) sammelte heute eine fünfzehnköpfige Gruppe des HEBDO ECOLO mit hiesigen Freiwilligen, ausgestattet mit leeren Plastikflaschen und Handschuhen, innerhalb von nur eineinhalb Stunden etwa 11.000 Kippen #mégots in der Erlanger Innenstadt und übergab diese am Nachmittag auf dem Rathausplatz Bürgermeister Jörg Volleth.

Vor dem Bahnhof mit Altstadträtin Felizitas Traub-Eichhorn zu Beginn der Aktion

Bemerkenswert an der Aktion: Es beteiligten sich gleichzeitig auch die Partnerstädte, Rennes, Jena und Wladimir. Eine in der Art noch nie dagewesene Achse für eine saubere Umwelt.

Zwischenergebnis in der Fußgängerzone

Wer die Trupps begleitete, spürte: Es handelt sich noch um eine Minderheit, die sich für den ökologischen Wandel engagiert und auf diese Art der Umweltverschmutzung hinweist. Dabei sprechen die Fakten eine erschreckende Sprache: 70% der Vögel sind mit Giftstoffen aus Zigaretten belastet, deren Filter aus Plastikteilchen und somit aus Erdöl bestehen.

Wie in Wladimir, so in Erlangen: Die meisten Kippen liegen rund um die Abfalleimer

Die Kippen gelten als Haupttodesursache für Meerestiere. Dabei sind die Böden jetzt schon 24 Mal stärker verschmutzt als die Ozeane: Das Einsammeln von Zigarettenkippen heute ist also von großer Bedeutung. Denn 80% des Mülls, der auf die Straße geworfen wird, landen im Meer.

Die in Frankreich entstandene Bewegung packt also das Übel von Böden und Ozeanen an der Wurzel und sorgt sogar für das Recycling der Kippen, von denen weltweit ca. 137.000 pro Sekunde auf den Boden oder ins Wasser geworfen werden. Jede dieser Kippen verschmutzt 500 Liter Wasser, so viel wie ein Mensch im Jahr trinkt.

Jörg Volleth zeigte sich tief beeindruckt von dem Engagement und wies gemeinsam mit der ehemaligen Stadträtin Felizitas Traub-Eichhorn auf die Pläne der Stadtverwaltung hin, dieses Umweltproblem in Zukunft noch stärker in den Blick zu nehmen und Abfalleimer aufzustellen, die „alle, die noch immer rauchen“ einladen, dort auch ihre Kippen auszudrücken. Und schließlich kamen auch Lob und Anerkennung von Passanten für die jungen Leute. Sogar der Bayerische Rundfunk interessierte sich für die Initiative und sendete am Samstag um 18.30 Uhr in der Rundschau einen Bericht.

Jörg Volleth dankt der Gruppe auf dem Rathausplatz

Herzlichen Dank an Laure Péan und Rachel Gillio vom Deutsch-Französischen Institut Erlangen für die Organisation in Erlangen!

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Immer wieder tauchen im Internet Klagen über den schlechten Zustand des Wassers der Nerl auf. Nun reagiert in Person von Wjatscheslaw Kartuchin, stellvertretender Vorsitzender der Duma und der Partei Einiges Rußland in der Region Wladimir, auch die Politik mit einem offenen Brief an die zuständige Oberste Naturschutzbehörde, aus dem hier zitiert wird:

Die Nerl mit der Kirche Mariä Schutz und Fürbitt sowie im Hintergrund dem Frauenkloster von Bogoljubowo vor den Toren von Wladimir

Auf der Internetplattform http://www.change.org findet sich eine Petition mit der Forderung, die Verschmutzung des Flusses zu stoppen und die schuldigen Personen zur Verantwortung zu ziehen. In der Quelle heißt es, die 2021 von der Aufsichtsbehörde gezogenen Gewässerproben aus der Nerl hätten ein mangelhaftes Zeugnis für die Qualität ergeben, da die mikrobiologischen Parameter nicht den geltenden Normen entsprächen. (…) Dies gelte insbesondere für kolimorphe und thermotolerante Bakterien. Anzumerken ist darüber hinaus, daß sich in unmittelbarer Nähe zur Nerl Quellen befinden, die zu den wenigen gehören, aus den die Stadt Wladimir ihr Trinkwasser bezieht. Die Verschmutzung des Flusses kann also die Bevölkerung von der Versorgung mit Quellwasser abschneiden. Angesichts der besonderen sozialen Bedeutung des angesprochenen Problems bitte ich darum, alles im Rahmen Ihrer Kompetenzen Mögliche zu unternehmen und mich innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist per E-Mail zu informieren.

Baden verboten

Tatsächlich ist bereits den zweiten Winter in Folge an bestimmten Stellen des Flusses das traditionelle Eisbad zum Fest der Taufe Christi untersagt, und nun fürchtet man, es könnte auch im Sommer zu Verboten kommen. Als Verschmutzer werden Landwirtschaft, Gewerbe und unzureichend gereinigte Abwässer aus der Kanalisation verantwortlich gemacht. Bei aller Brisanz des Themas – doch auch ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie zivilgesellschaftlicher Protest zu politischem Handeln führen kann. Bleibt zu hoffen, daß sich die Nerl am Ende ihres fast 800 km langen Weges bald wieder klar und rein in die Kljasma ergieße.

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Ein kleiner und mittlerweile in seinem gesamten Verbreitungsgebiet seltener Greif, der Rotfußfalke, trägt in Rußland den Titel „Vogel des Jahres“. Um 30 Prozent, so Ornithologen, sei der Bestand landesweit in letzter Zeit zurückgegangen. Immerhin gibt es in der Region Wladimir vereinzelte Sichtungen des Zugvogels. Allerdings dürfte es um die Zukunft des Jägers düster bestellt sein, denn seine Beute, große Insekten, werden ja auch immer seltener.

Rotfußfalke (Quelle: komotoz.ru)

Auch eher selten ist das Hermelin geworden, vor allem in der Nähe menschlicher Siedlungen. Umso erstaunlicher die Beobachtung der schneeweißen Räubers im Stadtpark von Wladimir, jenseits der Kljasma. Der Beobachter, Sergej Wolkow, reagierte geistesgegenwärtig, und es gelangen ihm einige sehenswerten Aufnahmen, sogar eine kurze Videosequenz, die den kleinen Marder zeigen, wie er sich eine Maus schnappt: https://is.gd/JUn5gU

Auch das Reh gehört übrigens zu den seltenen Tieren in den Wäldern um Wladimir. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte nämlich nur bis in die süd-westlichen Zonen vor Moskau. Weiter im Osten und Norden sind (oder waren) die Winter zu streng, vor allem der Harsch im Wechsel von Tauwetter und Frost macht den Tieren zu schaffen, sie holen sich blutige Läufe und finden kaum Nahrung. So scheiterte denn auch Anfang der 1960er Jahre der Versuch, zehn Exemplare in der Nähe der Kreisstadt Gus-Chrustalnyj auszusetzen. Erst seit die Winter milder werden, verbreiten sie sich offenbar langsam. Allerdings liegen keine Zahlen zum Bestand vor. Deshalb, so häufig diese Bilder bei uns sein mögen, in der Region Wladimir, genauer im Landkreis Sudogda, haben diese Aufnahmen Seltenheitswert: https://is.gd/s1AqXL

Weniger selten ist der Elch, von dem es etwa 6.000 Exemplare in der Region Wladimir geben soll. Der König der Wälder ist zwar nicht geschützt, aber eine Lizenz braucht es schon, ihn zu schießen. Richtig abschreckend deshalb ist das Urteil, das nun das Kreisgericht Susdal im Fall einer Wilderei sprach: drei Jahre Lagerhaft ohne Bewährung und 400.000 Rubel Strafe für den unerlaubten Abschuß einer Elchkuh sowie zwei Jahre Verbot, eine Waffe zu tragen.

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Die Internetplattform Gubernia 33 verschweigt wohlweislich den Ort, wo in der Region Wladimir dieses Elchkalb schon seit einigen Monaten immer wieder aus dem nahegelegenen Wald kommt und sich im Dorf von den Kindern füttern läßt und sie – wie zum Dank – sogar bis zur Haltestelle des Schulbusses begleitet. Wahrscheinlich hat das Jungtier die Mutter verloren und sucht deshalb den Kontakt zu Menschen. Doch von denen droht auch die größte Gefahr – durch Wildern, weshalb ja auch der Ortsname nicht genannt wird.

Angst vor dem Luchs hingegen braucht das Elchkalb nicht zu haben. Bisher zumindest gibt es nämlich in der Region Wladimir keinen dokumentierten Fall eines Risses durch die größte Katze Europas, von der zwischen 30 bis 50 Exemplare durch die Wälder um Wladimir streifen sollen. Genauer weiß das niemand so recht, denn der scheue Jäger lebt heimlich und zurückgezogen und hat sich übrigens auch noch nie als Kleinviehräuber aktenkundig gemacht. Dabei führte man das Raubtier bis 1965 offiziell als Schädling, den es ohne Schonzeit auszurotten galt. Für jeden erlegten Luchs bzw. dessen Fell gab es von staatlicher Stelle – wie für den Wolf – 50 Rubel auf die Hand.

Häufiger scheint der Luchs, der sich hier vor allem von Hasen und Haselhuhn ernährt, aber auch damals nicht gewesen zu sein, denn von 1946 bis 1962 zahlten die Behörden die Abschußprämie nur vierzig Mal aus. Seit 1965 nun steht das Pinselohr ganzjährig unter Schutz, bleibt aber natürlich eine beliebte Trophäe für Wilderer und gefährdet vor allem durch den Straßenverkehr. Da sind Bilder wie diese von einer Photofalle im Kljasma-Luch-Naturschutzgebiet desto wertvoller und erfreulicher:

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Wenn es im Blog um Fauna und Flora der Region Wladimir geht, ist fast immer die Rede von den Sümpfen und Wäldern im Landkreis Gorochowez und dessen Naturschutzgebiet an der Grenze zum Gouvernement Nischnij Nowgorod. So ist auch heute für Freunde der Wildnis dank einem Bericht von Zebra TV von dort erfreuliche Kunde zu vermelden.

Kratzspuren eines Bären an einer Föhre

Wildhüter und ehrenamtliche Feuerwehrleute fanden nämlich Markierungen und Fährten, die das Vorkommen von drei Vertretern der Roten Liste bestätigen: Braunbär, Luchs und Wisent.

Kratzspuren des Luchs

Fündig wurden die Spurenleser in den Gorochowezker Sümpfen, zwei zu Zeiten der Sowjetunion noch für den Torfabbau genutzten Feuchtgebieten, die seit zwei Jahren mit Unterstützung von Greenpeace renaturiert und sich selbst überlassen werden. Wichtig nicht nur für den Artenschutz, sondern auch, wie inzwischen sogar Laien wissen, für das Klima, denn solche Moore binden CO2 und wirken damit der Erderwärmung entgegen. Legt und läßt man sie trocken, wirken sie als regelrechte Generatoren für das besonders klimaschädigende Gas Methan.

Renaturiertes Sumpfgebiet bei Gorochowez

Doch zurück zu den Tieren und zu Meister Petz, dessen stabiles Vorkommen im Osten der Region Wladimirs nun bestätigt scheint. Erste Lebenszeichen hatte das inoffizielle russische Wappentier bereits vor einem Jahr gegeben, als es in eine Kamerafalle tappte, in diesem Jahr fixierte ein automatischer Photoapparat sogar, wie ein Bär einen Elch jagte, und Fährten im Sand eines Wirtschaftswegs im Nationalpark Kljasma-Luch ergänzten das Bild – wie auch leider ein Jungtier, das heuer auf einer Straße unter die Räder geriet und verendete. Das alte und traurige Lied vom Zusammenprall von Zivilisation und Wildnis. Bleibt zu hoffen, daß die Wildnis von Wladimir auch in Zukunft ihren einigermaßen gesicherten Platz behält – auch zum Schutz der Artenvielfalt und des Klimas.

Wisentfährte

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Nein, natürlich bleibt auch im Wladimirer Land das Wetter nicht für immer so warm. Nach einem ungewöhnlich langen Altweibersommer mit Temperaturen bis um die 20° C kühlt es ab heute ab, und bald soll sogar der erste Schnee fallen. Doch vorher noch einige Bilder, die auch erfahrene Botaniker in Erstaunen versetzen.

Da blühte nämlich in den Gärten um Susdal im Oktober der Flieder, da gab es eine späte Ernte von Himbeeren, und in den Wäldern reiften noch einmal Erdbeeren – fast wie im Märchen „Die zwölf Monate“. Der Klimawandel läßt auf Russisch grüßen…

Jetzt aber nochmals der Hinweis auf das heutige Konzert, das ab 18.00 Uhr MEZ direkt aus dem Erlangen-Haus per Zoom (eine eigene Installation des Programms ist nicht notwenig!) übertragen wird. Mehr dazu unter: https://is.gd/b989nV

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Das hier schon des öfteren vorgestellte Naturschutzgebiet am Zusammenfluß von Luch und Kljasma im Grenzgebiet der Regionen Wladimir, Iwanowo und Nischnij Nowgorod hält für Ornithologen wahre Schätze bereit. Die Verwaltung des Reservats läßt es sich besonders angelegen sein, mit Nisthilfen den Bestand der nachtaktiven Greifvögel zu sichern, von den kleinsten, der Zwergohreule und dem Sperlingskauz, bis zu zum mächtigen Habichts-, Wald- und Bartkauz oder der Waldohreule oder dem König der Dunkelheit, dem Uhu.

Zwergohreule

Von ganz anderen Vögeln hat man in der Region schon Abschied genommen, bis sie im Frühjahr hoffentlich vollzählig zurückkommen an die Kljasma: Kraniche, die im Herbst gen Süden ziehen. Apropos vollzählig. Das Wetter soll nicht so ideal gewesen sein, um sie alle zu zählen, aber etwa 1.500 Exemplare des majestätischen Vogels sollen es bestimmt sein.

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Die Herpetologie gehört auch in der russischen Welt der Wissenschaft zu den Randgebieten. Und so verwundert es nicht, wenn Sergej Antipow sich als den einzigen Fachmann der Region Wladimir für die Schlingnatter bezeichnet.

Sergej Antipow und Wiktoria Martynowa mit einer Schlingnatter

Dieses Reptil, das vor allem wegen der Zerstörung des Lebensraums auch bei uns nur noch selten anzutreffen ist, gilt in den Wäldern und Feldern rund um die Partnerstadt als stark gefährdet und genießt strengen Schutz. Dennoch setzen dem Bestand der Straßenverkehr und vor allem die verbreitete Furcht der Menschen vor Schlangen stark zu. Und so wird die für den Menschen völlig ungefährliche, da ungiftige Natter denn mutmaßlich oft mit der Kreuzotter verwechselt und mutwillig getötet. Dabei gibt es ja nicht einmal einen Grund, letztere nicht am Leben zu lassen.

Mit dieser Botschaft geht der junge Hobbyforscher, unterstützt von Wiktoria Martynowa, auch an die Öffentlichkeit – Zebra TV sei Dank! – und klärt vor Ort die Bevölkerung über die Bedeutung des Reptils für das Ökosystem auf. Vor allem aber untersucht er von Mai bis September die Schlingnattern und markiert die Kriechtiere, um genauere Angaben zum Bestand machen zu können.

Eine schier unlösbare Aufgabe angesichts der Flächen, wenn Sergej Antipow nicht genau wüßte, wo in einem Schutzgebiet bei Gorochowez sich die wärmeliebenden Schlangen gerne verstecken oder zeigen. Mehr als einhundert Exemplare hatte er hier in diesem Jahr schon in der Hand. Nun will er auch andere mögliche Vorkommen der Schlingnatter in der Region Wladimir erforschen und vor allem seine Botschaft unter die Menschen bringen: Fürchtet euch nicht vor Schlangen! Auch nicht, wenn deren wissenschaftlicher Name mit einem gewissen Virus in Verbindung gebracht werden könnte: Coronella austriaca.

„Was ist das denn für eine Kreatur?“ fragte sich ein Ehepaar beim Waldspaziergang im Landkreis Sudogda, als es in der Pfütze etwas sah, das wie nicht von dieser Welt wirkte. Gut, daß die beiden Handyaufnahmen machten und diese dem Lokalsender GTRK zur Verfügung stellten, der seinerseits einen Fachmann für Urzeitkrebse hinzuzog. In der Tat handelt es ich bei den Tierchen um Vertreter der mehr als 200 Mio. Jahre alten Art Triops cancriformis, die zwar im Aquarium gern gehalten wird, in freier Wildbahn allerdings extrem selten vorkommt. Schauen Sie mal rein in die Reportage:

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Bis heute haftete den Fledermäusen etwas Unheimliches an, dabei führen sie doch nur ein heimliches Leben, vorzugsweise in der Dämmerung und in dunkler Nacht. 50 Arten der Hautflügler gibt es in den russischen Landen, davon etwa 16 in der Region Wladimir.

Rauhautfledermaus

Wie es um die Insektenvertilger bestellt ist, welche Wanderungen sie unternehmen, in welcher Zahl sie vorkommen, all dem gehen nun Wissenschaftler im Kljasma-Luch-Nationalpark nach, jenem mehr als 40.000 ha großen Schutzgebiet im Osten der Region Wladimir, wo einander Wisent und Wolf Gute Nacht sagen.

Großer Abendsegler

Nun zogen die Forscher aus, um die Teichfledermaus, die Große Bartfledermaus und die Wasserfledermaus, die Rauhautfledermaus, die Zweifarbfledermaus, das Braune Langohr, die Nordfledermaus und den Großen Abendsegler – zumeist noch unvorsichtige Jungtiere – in feinen Netzen zu fangen, zu beringen und zu dokumentieren, was da an Artenvielfalt durch die finsteren Lüfte schwirrt und hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Gemachtes Nest für den Bartkauz

Um die Erhaltung von nächtlichen Räubern geht es auch bei einem weiteren Projekt im gleichen Nationalpark. Bartkauz und Waldohreule gelten nicht eben als emsige Baumeister; sie beziehen am liebsten Quartier in verlassenen Horsten oder Höhlen ihrer tagaktiven gefiederten Verwandtschaft. Doch zum einen ist die auch nicht mehr so häufig, und zum andern fehlt es sogar in den Schutzgebieten oft an geeigneten Altbäumen, die als Nistplätze dienen könnten. Die Holzwirtschaft hat auch in den Wäldern um Wladimir fast nur menschengemachte Forste geschaffen.

Bruthöhle für die Waldohreule

Darum nun also die Nisthilfen in der Hoffnung auf Bezug im nächsten Frühjahr mit viel Nachwuchs. Schon in einigen Monaten wissen wir mehr.

 

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