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Archive for the ‘Umwelt’ Category


Ornithologen in Deutschland würden etwas darum geben, einen Vogel wie diesen beobachten zu können. In Städten der Region Wladimir – in Kowrow, im Landkreis Murom und sogar in der Partnerstadt selbst – zeigt sich immer wieder der Habichtskauz. Der vorwiegend nachtaktive Beutegreifer schlägt gerne Nagetiere, holt sich aber auch von Zeit zu Zeit einen unachtsamen Sperling, der gerade ein Staubbad nimmt. Jagdszenen zeigt die kurze Reportage des Staatlichen Lokalsenders Wladimir zwar keine, dafür eher schläfrige Eulen im Geäst von Bäumen, gefilmt von Amateuren.

 

Der Raubvogel gilt, wie in seinem gesamten Verbreitungsgebiet, auch in den Wäldern um Wladimir als bedroht; da schützt nicht einmal sein auf das Altslawisch zurückgehender Name „неясыть“ nicht, der übersetzt werden könnte mit „der Ungenießbare“.

Buntspecht

Und weil’s so schön ist, gleich noch ein Buntspecht und ein Biber, gesehen von Wladimir Tschutschadejew etwas außerhalb der Partnerstadt.

BiberDa heute aber Siebenschläfer ist, darf ein Bild des putzigen Kobolds, den man vereinzelt auch in den Wäldern um Wladimir findet, natürlich nicht fehlen: https://is.gd/TytRiebilche-2

 

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Mitte Mai waren Wildhüter im Landkreis Melenki, im Südosten der Region Wladimir, unterwegs, um am Lauf der Oka gegen Wilderei vorzugehen. Tatsächlich konnte man eine Reihe von illegalen Netzen sicherstellen, aber man traf auch auf eine Reihe von Vögeln, die in der Roten Liste geführt werden. Im Bericht heißt es:

Wespenbussard

Besonders freuten wir uns über einen Schwarm von zwölf Höckerschwänen auf einem See in den Auenwäldern der Oka. Darüber hinaus entdeckten wir einige Schnatterenten und an den Ufern des Stroms Turmfalken sowie Uferschnepfen und Austernfischer, aber auch den seltenen Wiedehopf, die Sumpfohreule, die Trauerseeschwalbe oder den Wespenbussard. Auf unserer Tour begegneten uns auch immer wieder kleine Gruppen von Hohltauben.

Sumpfohreule

Auch entomologisch erwiesen sich die Erkundungen als ergiebig. So zeigte sich an einem Ufer eines Altarms der Oka ein Lederlaufkäfer, und am Ufer eines Zuflusses gelang es, einen der ebenso schönen wie seltenen Osterluzeifalter abzubilden. Beide Insektenarten stehen im Roten Buch der Region Wladimir.

Lederlaufkäfer

Osterluzeifalter

Wiedehopf

Darüber hinaus stellten wir eine natürliche Verbreitung von Baumarten, die in unserer Region nur noch vereinzelt vorkommen: die Esche und die Schwarzpappel, die Ulme und die Schwarzerle. In den Seen wachsen Kleine Seerosen.

Altarm der Oka

Zu hören sind Nachtigall, Wachtelkönig, Schlagschwirl, dessen Stimme an den Klang einer Grille erinnert, nach der im Russischen der Vogel auch benannt ist. Die Birkhühner beendeten gerade ihre Balz, und Waldschnepfen waren im Unterholz zu hören. Vereinzelt machten noch Schwärme von Bläßgänsen Rast auf ihrem Zug nach Norden.

Auwald bei Melenki

Da kann man nur guten Flug wünschen und ein Wiedersehen zwischen Kljasma und Oka – ohne Jäger und Wilderer.

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Die russische Tiefebene in der auch Wladimir auf seinem Hügel über der Kljasma liegt, ist nicht eben bekannt für ihre Erhebungen. Flach geht es da zu, so weit das Auge reicht. Das höchste der Gefühle sind da schon die Erdwellen zwischen der Partnerstadt und Susdal. Aber bergiges Gelände oder gar alpine Felsen? Fehlanzeige.

Sollte man zumindest meinen, bis man in den Landkreis Sudogda kommt, von wo aus dem Einzugsbereich des gleichnamigen Flusses ein großer Teil des Trinkwassers für Wladimir kommt. Hier nämlich, etwa 40 km südöstlich der Gouvernementshauptstadt findet man tatsächlich Berge oder zumindest Steilhänge.

Einer Überlieferung nach soll hier einst ein Räuberdorf gestanden haben, dessen Bewohner – zumindest deren männlicher Anteil – als ausgesprochen grausam galt. Auch gegen die eigenen Leute, sprich die Frauen und Kinder. Diese nun nutzen laut Sage einen Beutezug ihrer Männer und Väter, um sich aus dem Staub zu machen. Nach ihrer Rückkehr fanden die Herren den Ort verlassen vor und machten sich stante pede auf, um den Entflohenen nachzujagen. Freilich vergeblich, was die Räuber nur noch wütiger machte.

Mit der Zeit verschwand die Siedlung, doch der Ort behielt seinen schlechten Ruf und wurde Djukino genannt, was frei mit „Wildhausen“ wiedergegeben werden kann.

Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts begann man hier mit dem Abbau von Kalk; später verfiel der Steinbruch. Erst Anfang der 90er entdeckte man dann, was sich hier für ein einzigartiges Biotop entwickelt hatte, und man richtete ein Landschaftsschutzgebiet ein, wo zum Beispiel der seltene Frauenschuh blüht.

Die Steilwände gelten als weit und breit die einzigen und werden deshalb gern von Kletterern besucht. Es muß ja nicht immer der Kaukasus sein, wenn man Sudogda vor der Haustüre hat.

Zusammengestellt nach Material von Anna Trufakina

 

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Bevor wir – sicher früher, als uns lieb sein kann – wieder zu den unerfreulichen Auswirkungen von Corona auf den Menschen kommen, heute wieder einmal ein Ausflug in den Kljasma-Luch-Naturschutzgebiet im Osten der Region Wladimir, wo Ornithologen auf eine kleine Sensation trafen. Sie entdeckten nämlich auf einem abgestorbenen Baum das Nest eines Seeadlerpaares, ganz in der Nähe einer Landstraße und eines Fischweihers.
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Der Greifvogel ist selten in den russischen Lüften zu sehen und findet sich im Roten Buch der Region Wladimir in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“. Sichtungen des Adlers, der gern unweit von fischreichen Gewässern in Baumkronen nistet, sind aus den letzten Jahren nicht bekannt.

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Nun also dieser Horst, entdeckt, eher zufällig am Rand einer ansonsten vielbefahrenen Straße, Anfang des Monats vom Vorsitzenden des Wladimirer Regionalverbands für Vogelschutz, Maxim Sergejew, von dem auch die Bilder stammen. Der Ornithologe meint, wegen der strengen Ausgangsbeschränkungen in Zeiten von Corona hätten viele seltene Tiere ihre Scheu abgelegt und kämen nun auch in  für den Menschen leicht zugängliche Gegenden zurück. Damit zusammen hängen denn auch die Befürchtungen des Vogelschützers: Zum einen könne der trockene Baum in einem vor zehn Jahren durch Feuer verwüsteten Waldstück beim nächsten Sturm umbrechen, zum anderen drohe der nach den Quarantäne-Maßnahmen zu erwartende Ansturm auf die Weiher und Seen die Aare zu vergrämen. Gleiches gilt für den Schwarzstorch, ebenfalls eine Seltenheit in den Wladimirer Wäldern, der sich auch dieser Tage beobachten ließ.

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Ohne Zweifel – Corona verändert alles im Umgang miteinander und natürlich im internationalen Austausch. Doch die Pandemie sollte nicht den Blick darauf verstellen, welchen noch viel elementareren Problemen wir weltweit gegenüberstehen. Wir hatten in Europa das wärmste erste Quartal seit 100 Jahren, in der Antarktis eine Rekordhitze bis über 20°C (!), in Deutschland nur 5% der üblichen Regenmenge im April, in der Region Irkutsk brennen jetzt schon wieder die Wälder – zu wenig Schnee im Winter, zu trocken in den letzten Wochen. Der Virus ist schlimm, aber nichts zu dem, was uns noch erwartet – ohne echten Klimaschutz.

Wladimirer Wölfe in die Photofalle getappt

Doch COVID-19 zeigt auch positive Auswirkungen für die Natur. Nicht nur vor Venedig und Istanbul tauchen wieder Delphine auf, auch in Wladimir atmet die Schöpfung durch. So berichten Ohrenzeugen, man höre die Nachtigall wieder ungestört singen, in ein Waldgebiet am westlichen Stadtrand ist die Rötelmaus zurückgekehrt, und erstmals seit Menschengedenken hat man die Frühjahrsjagd auf Wasservögel abgesagt. Sogar in den Nationalparks, so die Wildhüter, lassen die Tiere den nachlassenden Druck des weitgehend in seine eigenen vier Wände verbannten Menschen in ihrem Verhalten erkennen. So gelang im Osten der Region Wladimir, im Kljasminsko-Luchskij-Nationalpark eine durchaus seltene Aufnahme von tagaktiven Wölfen, die sich eigentlich erst nach der Dämmerung aus der Deckung wagen.

Bärenspur im Reifenprofil

Sogar die Spur eines Bären ließ sich auf einem Forstweg ausmachen. Eines dieser seltenen Tiere, wohl auf der Suche nach einem Revier, überlebte übrigens kürzlich den Zusammenprall mit einem Auto nicht. Wie es uns nach Corona gelingt, das Zusammenstoßen von Zivilisation und Wildnis abzufedern, wie wir Ökonomie und Ökologie in Ausgleich bringen, davon wird unser aller künftiges Leben abhängen.

P.S.: Heute ist übrigens der Tag des Wolfes. Zufälle gibt es!

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Es ist nicht allein der Corona-Virus, der die Welt bedroht. Ein viel größeres Ausmaß nimmt die Gefahr des Artenschwunds an, auch wenn wir uns darum sträflich wenig kümmern. Für so manch eine Spezies wird es in allernächster Zeit zu spät sein – mit Folgen für die gesamte Ökologie, die wir noch gar nicht abschätzen können und wollen. Ein kleines Beispiel hierfür ist das Schicksal des jungen Schelladlers, der im letzten Sommer im Kljasminsko-Luchskij Nationalpark der Region Wladimir in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland beringt und mit einem GPS-System ausgestattet wurde, um sein Zugverhalten zu beobachten. Dieser Tage, hätte der Vogel allmählich wieder in seinem Brutgebiet, wo es noch zehn bis zwanzig Paare gibt, eintreffen sollen. Aber es hat nicht sollen sein. Warum, erklärt der Ornithologe Wladimir Melnikow so:

Wladimir Melnikow beim Beringen des Schelladlerjungen

Der Vogel verbrachte den Winter auf der Arabischen Halbinsel und bewegte sich in mehreren Etappen allmählich von der westlichen zur östlichen Küste. Darauf zog er einen Halbkreis vom nördlichen Persischen Golf hinauf nach Norden. Vor etwa einer Woche kamen die Signale dann nur noch von einem Ort im südlichen Iran, wo unsere persischen Kollegen das Tier in der Nähe einer Stromtrasse fanden, die wohl dem noch nicht einmal ein Jahr alten Schelladler zum Verhängnis wurde.

Die Art wird weltweit – vor allem wegen der Zerstörung des Lebensraums durch den homo sapiens – als bedroht eingestuft. Wieder eine Hoffnung weniger, die Spezies in den wenigen verbliebenen Schutzgebieten zu erhalten. Auch wenn Corona eines Tages besiegt sein wird, bleiben die noch viel bedrohlicheren Probleme ungelöst.

Siehe: https://is.gd/B7zNNU

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Noch einmal kehrte dieser Tage ein Hauch von Winter nach Wladimir zurück, aber insgesamt fiel in den letzten Monaten so wenig Schnee wie kaum je zuvor und auf jeden Fall zu wenig, um genug Spuren von Wildtieren im Nationalpark Meschtschjora in der Region Wladimir als Grundlage für eine fundierte Zählung verfolgen zu können. Dennoch legten die Ranger mehr als 400 km zu Fuß durch die Wildnis zurück, um zumindest eine grobe Schätzung des Bestandes zu ermöglichen.

Gesucht wird hier auf fast 1.200 qkm Fläche im Südwesten der Region Wladimir nach Spuren von jeglichem Getier, das keinen Winterschlaf hält, als da u.a. sind: Elch, Wildschwein, Fuchs, Luchs oder Hase oder Wisent. Offenbar gefällt es dabei besonders den Elchen im Nationalpark, stattliche 1.300 Exemplare an der Zahl, gefolgt von 1.000 Schneehasen, 359 Wildschweinen, 300 Rothirschen, 220 Füchsen, 70 Feldhasen, 57 Baummardern, 56 Rehen, acht Luchsen und einem Wolf.

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Wohlgemerkt: Diese Angaben geben nur ein Bild anhand der Spurenlage wieder. Genauer zählen lassen sich hingegen die Wisente wegen ihres Herdenverhaltens. Da weiß man ziemlich genau, daß sich die Population um 18 Wildrinder auf jetzt 108 Exemplare erhöht hat, eine dynamische Zunahme von durchschnittlich 18%. Noch 2018 zählte man nur 87 Wisente. Es gibt sogar schon Abwanderer unter den Europäischen Bisons. Elf Wisente trennten sich von der Herde und zogen in Richtung Gorochowez ab. Damit die Tiere auch außerhalb des Nationalparks überleben trafen die zuständigen Behörden nun sogar eine Vereinbarung zum Schutz der Wisente.

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Im nächsten Winter, wenn hoffentlich wieder mehr Schnee liegt, will man dann genauere Zahlen ermitteln. Dazu gibt es in allen Nationalparks und Schutzgebieten der Region spezielle Routen für die Fährtenleser: In Meschtschjora sind das 14 Strecken mit einer Gesamtlänge von 142 km, die eine Fläche von 106.000 ha abdecken; im Nationalpark Meschtscherskij 16 Routen auf einer Länge von fast 150 km auf fast 45.000 ha; im Schutzgebiet Murom 17 Routen mit 180 km Länge auf 54.500 ha; im Schutzgebiet Kljasminskij vier Routen mit 40 km Länge auf mehr als 16.000 ha Fläche.

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So später der Schnee heuer fällt, so rechtzeitig, um den Winter auszutreiben. Während bei uns ab heute Schluß mit lustig ist, steuert der russische Karneval, bekannt als Butterwoche, seinem Höhepunkt entgegen. Bei allem ausgelassenen Treiben gilt allerdings der Grundsatz: Kein Fest ohne feste Regeln. Die tolle Zeit nennt sich hier „Masleniza – Butterwoche“, was darauf hinweist, daß vor der vierzigtägigen österlichen Fastenzeit, die sogar den Verzehr von Milchprodukten untersagt, noch einmal so richtig geschlemmt werden darf, freilich bereits ohne Fleischgenüsse. Was in heidnischer Zeit (das war eben noch ein „Heidenspaß“!) eine Woche vor und eine Woche nach der Tag- und Nachtgleiche gefeiert wurde, hat das Christentum gar streng auf sieben Tage verkürzt.

Masleniza von Dmitrij Cholin

Dennoch hielt sich vieles aus jenen fernen Zeiten, zum Beispiel der Brauch, Pfannkuchen zu backen, die als Symbol für die Sonne gedeutet werden. Als Vorbereitung auf die Fastenzeit darf nur noch Fisch gegessen werden – und natürlich, wie der Name sagt, alles mit viel Butter und Käse, gern auch Kaviar. Doch auch die einzelnen Tage haben ihre je gesonderte Bedeutung:

Masleniza: Jeder Wochentag ist ein besonderer Tag

Der Montag ist der „Rüsttag“, wo im ganzen Land die Jahrmarktsbuden aufgebaut werden und die Pfannkuchen (Bliny) auf den Tisch kommen. Übrigens ging der erste Pfannkuchen immer an die Armen, damit diese Kraft genug hatten, für die armen Seelen zu beten.

Der Dienstag gilt als „Spieltag“, wo die Jugend ruhig einmal über die Stränge schlagen darf.

Der heutige Mittwoch hält „Leckeres“ bereit; der Schwiegersohn geht zur Schwiegermutter, um sich Pfannkuchen abzuholen, trifft dort aber oft auch unerwartet andere Gäste…

Der Donnerstag läßt alle feiern. Ein Volksfest, wie es sein soll mit Schlittenfahrten, Tänzen, ausgelassenem Treiben.

Masleniza von Dmitrij Cholin

Der Freitag führt wieder die jungen Männer zur Schwiegermutter, wo sie sich einen ganzen Abend lang bewirten lassen können.

Der Samstag gehört den Schwägerinnen, die von den jungen Bräuten nach Hause eingeladen werden und nicht ohne ein Geschenk wieder heimgehen.

Der Sonntag steht für die gegenseitige Vergebung, um die man einander für während des Jahres angetanes Unrecht bittet, bevor man die Fastenzeit antritt und in effigie für den Winter eine Strohpuppe verbrennt und deren Asche zu Grabe trägt, aus der im Frühjahr die frische Saat hervorwachsen soll.

Masleniza mit dem Ensemble Rus in Erlangen 2016

Doch das heißt nicht, daß alles in Butter sei. Seit vergangenem Sonntag spitzt sich die Lage vor der Mülldeponie bei Alexandrow weiter zu. Da ganz offenbar entgegen allen Regeln und Verträgen weiterhin Abfälle aus Moskau ihren Weg in die Region Wladimir suchen und finden, nehmen seit Sonntag, dem „Tag des Verteidigers der Heimat“, Aktivisten unter dem Motto „Verteidiger der Mülldeponie von Alexandrow“ die anrüchige Sache selbst in die Hand und blockieren – 15 bis 60 Mann hoch – rund um die Uhr die Zufahrt. Durchgelassen werden nur Fahrzeuge mit einheimischen Nummern. Größere Konflikte gab es bisher nicht, die Moskauer Laster kehren zumeist mit ihrer unwillkommenen Fracht wieder um, aber die Behörden rufen dazu auf, die Sperrungen aufzuheben, weil sie vor allem nachts und wegen der winterlichen Straßenverhältnisse Unfälle fürchten. Außerdem solle man die gerichtlichen Entscheidungen abwarten.

Doch klein beigeben wollen die Verteidiger des Müllbergs nicht, zumal sie nach eigenen Angaben Unterstützer in Moskau haben, die Informationen über Abfalltransporte weitergeben. Man will den Gegner zermürben und mit spielerischer Taktik schlagen:

Es liegt allein in unseren Händen, konsequent zu bleiben und den Sieg mittels gesetzlichem Vorgehen zu erringen. Die Müllkutscher zeigen Nerven und machen unüberlegte Schritte, indem sie den Verkehr stören und damit negative Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wir sind stärker und härter, unser Stehvermögen reicht allemal, um sie am Schachbrett zu schlagen, so sehr sie uns auch in den Ring oder auf die Matte zerren wollen.

Wie auch immer die Sache weitergeht, das Thema wird die Agenda auch dieses Jahres bestimmen. Solange die Politik keine Lösungen bietet, könnten – auch hierzulande – all die kleinen Sünderlein ja mal bei sich anfangen und beim Müll fasten. Aber bitte nicht nur vor Ostern!

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Wintergäste kommen, auch wenn der Winter ausfällt, wie dieses Jahr nicht nur hierzulande, sondern in der ganzen zentralrussischen Tiefebene geschehen, in der auch Wladimir liegt. Die Rede ist von Seidenschwänzen, Zugvögeln aus dem hohen Norden, wo es zwar auch längst nicht mehr so kalt ist, wie dort üblich, wo es aber in der dunklen Jahreszeit vor allem an Futter fehlt.

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Die Seidenschwänze leeren die Büsche von Beeren, besetzen die Kronen der Ebereschen und flöten und singen, daß es eine wahre Freude ist. Im Russischen nennt man diese Nomaden der Lüfte denn auch „свиристели“, was man mit „Schalmeienvogel“ übersetzen könnte.

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Die Schwärme der übrigens sehr zutraulichen Vögel bleiben freilich nur solange der Vorrat an Beeren reicht. Ist der aufgebraucht, zieht die geflügelte Karawane weiter – manchmal bis nach Mitteleuropa und – auf der skandinavischen Linie – sogar bis nach England.

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Nicht von der Eberesche allein nährt sich der Piepmatz, er pickt auch gern nach Moosbeeren, Wacholderbeeren, nach den Früchten des Weißdorns, während er die aus Nordamerika eingeführte Apfelbeere nur ungern zu sich nimmt.

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Aber auch an Äpfeln, die an den Bäumen hängengeblieben sind, tut sich der Seidenschwanz gütlich.

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In den nächsten Wochen wird das Futter wieder knapp. Auf die Beeren haben es ja auch die Amseln und Drosseln abgesehen. Im März und April ziehen die Schwärme der Seidenschwänze denn auch wieder in die borealen Wälder zurück.

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Dort, im hohen Norden, brüten sie auf alten Nadelbäumen und zeigen dann im kommenden Winter der nächsten Generation den Weg ins gelobte Land der Beeren, um sich dann wieder weiter zu vermehren. Und das hoffentlich noch lang mit Schalmeienklang.

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So gesehen und beobachtet von Zebra-TV.

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Von Demonstrationen gegen den Müllnotstand in Stadt und Land Wladimir und gegen die Abfallfuhren aus Moskau waren im Vorjahr Demonstrationen fast schon an der Tagesordnung. Seit aber mit Einführung eines neuen Entsorgungssystems Anfang Januar auch die wenigen Container zur Mülltrennung in der Partnerstadt verschwanden, steht das Thema ganz oben auf der Agenda der Menschen und wird zum Objekt der Kunst.

Am Freitag stellte eine Künstlergruppe vor einem Möbelhaus eine Müllinstallation auf, und fanden in der Nähe des Goldenen Tors und auf dem Leninplatz kreative Kunstaktionen unter dem Motto „Müll-Karneval“ statt.

Friede, Arbeit, Mai – beim Abfalltrennen sei dabei!

Sogar ein eigener Hashtag wurde ins Leben gerufen, den man mit #trenndenmuell übersetzen könnte.

Die Proteste richten sich zunehmend gegen der Lokal- und Regionalpolitik, der es bisher nicht gelingen will, der Problematik Herr zu werden. Mit dem Versprechen, bis zum Sommer werde man alles wieder in den Griff bekommen, will man sich nicht mehr abspeisen lassen.

Müllhydra

Auch in Städten der Region, die besonders vom Müllexport aus der Hauptstadt betroffen sind, wachsen Unmut und Widerstand, entstehen immer neue Initiativen, um sich gegen den Mißstand zur Wehr zu setzen, bunt und kreativ, wie hier auf dem Video von TV-Zebra zu sehen: https://is.gd/5PRQg0 Siehe auch: https://is.gd/WtYiJ6

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