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Archive for the ‘Umwelt’ Category


Ganz im nördlichen Teil der Landkreises Wjasniki in der Region Wladimir, etwa 130 km von der Partnerstadt entfernt, ruht still und tief im finstern Tann ein 138 ha großer See, dessen Name, Kschtschara, bereits Rätsel aufgibt, geht seine Bezeichnung doch wohl auf ein Wort einer ausgestorbenen finno-ugrischen Sprache zurück. Als sicher gilt aber, daß es sich hierbei mit 65 Metern um das tiefste Gewässer des Gouvernements handelt, über den karstigen Untergrund möglicherweise mit anderen Teichen in der Umgebung verbunden.

Der fischreiche Naturschatz liegt im Kljasma-Luch-Schutzgebiet mit seinem großen Wildreichtum – von der Wasserspitzmaus und den Baummarder bis zum Elch und Wisent, vom Prachttaucher bis zum Auerhahn – und darf nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Dabei gilt der See als Prototyp für die Legende von der Stadt Kitesch. Zu Olims Zeiten soll am Ufer ein Dorf mit einer Kirche gestanden haben, das beim Anrücken von Feinden mit einem schrecklichen Laut im Wasser versank, um dann andernorts wieder aufzutauchen und die Eindringliche in die Irre zu führen. Sogar eine Geisterinsel soll hier über den Wassern schweben. Alles vielleicht gar nicht so abwegig, denn Karstseen brechen tatsächlich von Zeit zu Zeit ein und nehmen mit in die Tiefe, was in ihrer Nähe steht, und Treibholz kann sich durchaus einmal auch zu einem Eiland zusammenfügen.

Nicht verwunderlich deshalb, wenn hier die sowjetische Verfilmung des Wildtöters von James Fenimore Cooper entstand. Nur darf das Wild hier nicht mehr einfach so getötet werden, und auch der Fischfang ist streng reglementiert, denn noch gibt es hier frei nach dem Anglerlatein: Flußkrebse, Barsche, Quappen, Hechte, Haseln, Silberkarpfen, Alande, Ukeleien, Schleien, Gründlinge oder Karauschen. Das möge auch noch lange so bleiben.

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Die Krebspest und die Zerstörung des Lebensraums im Verein mit der Gewässerverschmutzung brachten im vergangenen Jahrhundert die Krustentiere an den Rand des Aussterbens. Nun ist es zumindest an der einen oder anderen Stelle gelungen, die Voraussetzungen für eine Wiederbesiedlung zu schaffen. In der Region Wladimir etwa durch das Einsetzen des Europäischen Sumpfkrebses in der Kljasma, die heute deutlich sauberer ist als noch vor 20 oder 30 Jahren. In der Region Sobinka beobachtet man derzeit die Vorbereitung auf die Winterzeit. Wenn man übrigens auf Russisch jemandem zeigen will, wo der Barthel den Most holt, droht man an, zu zeigen, wo die Krebse überwintern. Und dann gibt es noch das Sprichwort vom Krebs, der in der fischlosen Zeit auch als Fisch durchgeht. Das ist freilich lange her…

Europäischer Sumpfkrebs

Parallelität der Ereignisse: Naturschutzverbände in der englischen Partnerstadt Stoke-on-Trent melden, die Bestände des Dohlenkrebses hätten sich in den Gewässern des nahegelegenen Peak Districts erholt.

Dohlenkrebs

Gute Indikatoren für einen kleinen Erfolg beim Artenschutz in Zeiten des globalen Artenschwundes. Wenn die Natur nämlich den Krebsgang einlegt, geht es ihr zumindest lokal auch ein wenig besser. Und den Menschen wohl auch.

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Spuren von ihm hatte man immer einmal wieder von ihm gefunden, auch die eine oder andere glaubwürdig verbürgte Sichtung hatte es vom größten Raubtier Europas gegeben, und seit 2015 galt es als gesichert, daß in der Region Wladimir zwischen fünf und sieben Braunbären vor allem durch die Wälder des Nationalparks Kljasma-Luch im Nordosten des Gouvernements streifen.

Nun tappte der in seinem Bestand als erloschen geltende und ins Rote Buch der vom Aussterben bedrohten Arten eingetragene Meister Petz, im Russischen „Klumptatz“ genannt, erstmals in eine Photofalle, womit das quod erat demonstrandum erbracht ist.

In Bayern fällt einem zu dem Thema leider sofort das letale Schicksal von Bruno, dem „Problembären“ ein. Keine Sternstunde des hiesigen Artenschutzes fürwahr. Doch für die Russen gilt der Bär als Nationalsystem, eine große Partei führt ihn sogar in ihrem Logo. Und so droht dem Allesfresser, der sich derzeit wohl den Speck für den Winterschlaf anfuttert, wohl nur Gefahr durch Wilderer und natürlich auch in den Wladimirer Weiten die weitere Einengung seines Lebensraums.

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Die bereits Mitte August gemachten Bilder wurden erst dieser Tage veröffentlicht und zeigen auch weitere Bewohner des Nationalparks wie Luchs, Wisent und Elch, Wolf oder Wildschwein, das man wegen des Ausbruchs der Schweinepest in den letzten Jahren stark dezimiert hatte. Aber so schnell lassen sie sich nicht unterkriegen, wie folgendes Video einer Rotte zeigt.

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Mehr zum Nationalpark hier: https://is.gd/YVn6uD

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Gestern fand landesweit in der Russischen Föderation die Aktion „Zur Arbeit mit dem Fahrrad“ statt. Mit welchem Erfolg in Wladimir? Darüber geben die Medien bisher keine Auskunft.

Aber einen zumindest gibt es, Altoberbürgermeister Sergej Sacharow, der dafür keiner besonderen Einladung bedarf. Er fährt nicht nur regelmäßig Straßenrennen, sondern setzt sich auch auf den Sattel, wenn er von der Partnerstadt aus, wo er nach wie vor wohnt, ins gut 30 km entfernte Rathaus von Susdal radelt, dessen Geschicke er als Stadtdirektor leitet.

John Stackmann und Sergej Sacharow am 7. September vor dem Erlangen-Haus

Unterdessen stritt man im Wladimirer Stadtrat darüber, ob man einen Bußgeldkatalog für die E-Roller-Fahrer einführen solle, deren Zahl beständig wachse. Zu einem Ergebnis kam die Lokalpolitik in der Sache noch nicht, zumal man erst einmal, wie der Abgeordnete Dmitrij Kuschpita einwarf, die Infrastruktur für die neuen Verkehrsmittel schaffen sollte. Mit dem zweigleisigen System – Straße und Bürgersteig – sei man nicht für die Zukunft gerüstet. Man brauche endlich auch das dritte Element: Fahrradwege, die es in Wladimir leider immer noch erst in Ansätzen gibt. Ein Grund auch, warum den Pedalen noch immer nicht trauen: zu gefährlich bei all dem Verkehr. Dabei kann es noch viel schlimmer kommen, wie vor einigen Tagen in der Kreisstadt Petuschki, wo ein 2018 aus dem Gefängnis entlassener 28jähriger Straftäter einen 59jährigen, der mit dem Rad zum Angeln unterwegs war, lebensgefährlich mit einem Beil verletzte und bei seiner Festnahme nicht einmal ein Motiv für seine bizarre Attacke angeben konnte. Einfach so, aus heiterem Himmel. Gottlob überlebte das Opfer, dem auch einige Finger abgehackt wurden. Bizarr eben.

Der gestrige weltweite Klimastreik mit Großdemonstrationen auch in Erlangen und seinen Partnerstädten Jena, Bozen, Rennes, Eskilstuna, Riverside und sogar Stoke-on-Trent blieb in Wladimir übrigens unbemerkt. Dort geht nach einem viel zu kühlen und verregneten Sommer ein bisher warmer und trockener Herbst in die jahreszeitlich übliche trübe Witterung über. Eben so, wie man es gewohnt ist. Klimawandel hin, Klimawandel her.

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In gut 30 Regionen der Russischen Föderation kam es heuer zu einem massenhaften Bienensterben. Das Landwirtschaftsministerium spricht von einem „beträchtlichen Schaden“, ohne freilich genauere Angaben zu machen. Auch das Gouvernement Wladimir bleibt von dem Phänomen nicht unberührt. Überall bekommt man zu hören, es gebe weniger Honig. Und tatsächlich beklagen sich vor allem im Landkreis Jurjew-Polskij die Imker darüber, wegen des unsachgemäßen Einsatzes von Herbiziden – so habe man beispielsweise abends, statt am frühen Morgen den Weizen gespritzt -, seien Dutzende von Völkern im Juni verendet. Alle fast gleichzeitig innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Auch Wildinsekten seien schwer betroffen. Ein Lokalpolitiker, der selbst einige Körbe sein eigen nennt, räumt ein, das verwendete Gift könnte vielleicht doch – entgegen den Versicherungen des Herstellers – für Bienen & Co. schädlich sein. Ob freilich seine Überlegung, im nächsten Jahr, ein ausländisches Mittel zu verwenden, die Lösung bringt? Helfen würde sicher nur – aber das bekommt die Politik ja in Deutschland auch nicht hin – die komplette Umstellung der Landwirtschaft auf ökologischen Anbau. Die allermeisten Wildbienen oder Hummeln werden das aber nicht mehr erleben, weder hier noch dort. Dazu braucht man kein Pessimist zu sein.

Uns so lautet denn auch die Stellungnahme der Behörden, das landesweit aufgetretene Massensterben von Bienen habe die Region Wladimir nicht betroffen. Lediglich knapp 500 der insgesamt 12.000 Völker seien eingegangen. Also alles in der statistischen Norm. Auch die 1.500 Proben hätten weder Infektionserkrankungen noch Pestizidvergiftungen nachgewiesen. Bei Problemen solle man sich an die zuständigen Beratungsstellen wenden… Unterdessen kehrt der Herbst ein, und das Summen und Brummen nimmt – hoffentlich nur bis zum nächsten Frühjahr – ein natürliches Ende. Bis der Bauer wieder den Traktor einspannt, auf alles pfeift, zur Spritze greift, damit sein Korn schnell reift.

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In Zusammenarbeit mit dem NABU, dem Naturschutzbund Deutschland, beringt man derzeit Vögel gefährdeter Arten in der Region Wladimir. Das von der deutschen Umweltorganisation finanzierte Projekt sieht sogar die Ausstattung der Tiere mit einem GPS-Peilsender vor.

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Erstmals gelang es nun, einen Nestling aus dem Horst eines Schelladlers auf diese Weise in ein Überwachungsprogramm aufzunehmen. Der Greifvogel, der im Winter nach Nordafrika oder Südasien zieht, gilt in seinem gesamten Verbreitungsgebiet als vom Aussterben bedroht, und auch in der Region Wladimir ziert er mit nur noch zehn bis zwanzig Paaren leider die Rote Liste.

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Der Bestand hat am Zusammenfluß von Kljasma und Luch, Kljasminsko-Luchskij Naturschutzgebiet, ein letztes Refugium gefunden, das 2011 von der Politik beinahe aufgegeben worden wäre. Siehe hierzu: https://is.gd/AKjD0K

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Das Junge erwies sich übrigens als Männchen, und anhand einer Genanalyse ließ sich auch feststellen, daß es sich nicht – wie durchaus häufig – um einen Hybriden handelt. Schelladler paaren sich nämlich immer wieder mit dem kleineren Schreiadler, der ebenfalls ausgedehnte Sumpfgebiete bewohnt.

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Die Wissenschaftler hoffen nun, mehr Erkenntnisse über das Verhalten der Vögel zu gewinnen und damit natürlich auch deren Schutz verbessern zu können.

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Dank einer kleinen Solarzelle ist der Sender übrigens energieautark und sollte seine Signale über einen längeren Zeitraum an die Vogelschützer schicken.

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Und besonders schön: Russen und Deutsche arbeiten auch im Bereich des Artenschutzes zusammen. Es gibt eben doch viel mehr Verbindendes als Trennendes zwischen unseren Ländern.

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Wladimir Putin versprach es bei seiner letzten TV-Sprechstunde einer Bloggerin: Er werde persönlich die Reformen zur Müllproblematik kontrollieren. Und Wladimir Sipjagin, Gouverneur der Region Wladimir, will die Sache auch angehen, wenn er sagt:

Wilde Müllkippe bei Wladimir

Wir bezahlen jetzt tatsächlich für die vielen Jahre des achtlosen Umgangs mit der Frage des Naturschutzes. Das Unternehmen produzierte Mineralwasser in einer Plastikverpackung, der Konsument kaufte es und warf die Flasche in den Mülleimer. Und dann? Vergraben auf einer Deponie? Niemand will die in der Nähe seines Hauses. Wiederverwerten? Niemand will in der Nähe seines Hauses eine solche Anlage. Diese Anlage und eine Deponie weit weg von bewohntem Gebiet und den vorhandenen Straßen einrichten? Niemand will für die Müllentsorgung ein Vielfaches vom bisherigen Tarif bezahlen. Also müssen wir einen Kompromiß suchen und begreifen, daß es keine raschen Veränderungen geben wird. In einigen Dingen sind wir durch Gesetzesnormen und Verfahrensweisen eingeschränkt. Wenn wir auch nur einmal das Gesetz verletzen, legen wir den Grundstein für die Anarchie. In der Ökologie wäre ein solches Risiko ein Verbrechen. Die Rolle der Behörden beim Umweltschutz ist systembildender, organisierender und kontrollierender Natur. Doch jede einzelne Person und die Gesellschaft insgesamt sind Teilnehmer am ökologischen Umbau. Davon bin ich überzeugt. Bei der Müllreform sind wir alle gefragt.

Alexandra Jewstjunina braucht man das nicht mehr zu sagen. Die 92jährige Weltkriegsveteranin übernimmt lieber selbst die Initiative und sammelt die Hinterlassenschaften anderer in einem Waldstück an der Stadtgrenze von Wladimir. Sogar Zettel heftet sie an die Bäume mit der Bitte, die Natur sauber zu hinterlassen. Hier die Reportage dazu von Anastasia Sacharowa, die man auch ohne Russischkenntnisse ganz gut verstehen kann: https://is.gd/bMyZqw

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