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Archive for the ‘Umwelt’ Category


Im nächsten Jahr beginnen die Arbeiten an der 770 km langen Bahnstrecke von Moskau nach Kasan mit Halt in Wladimir, auf der nach Fertigstellung ab 2023 Hochgeschwindigkeitszüge – mit großer Wahrscheinlichkeit aus chinesisch-russischer Gemeinschaftsproduktion – mit einer Fahrzeit von nur noch dreieinhalb Stunden zwischen der Hauptstadt und der Metropole in Tatarstan verkehren. Die Vorarbeiten für das erste Teilstück, Moskau – Wladimir, sind bereits im Gange, und, wie das bei derartigen Infrastrukturprojekten nicht ausbleiben kann, man trifft auf Widerstände, muß einen Ausgleich zwischen Verkehr und Umwelt finden. Eine Herausforderung, die von den Planern offenbar ernstgenommen wird.

Russischer Desman oder Wassermaulwurf

So will man etwa 20 Wassermaulwürfe – der Blog berichtete schon öfter von diesen fast ausgestorbenen Kleinsäugern – aus einer Zone im Becken der Kljasma umsiedeln, weil man befürchtet, die in der Nähe verlaufende Trasse könnte den russischen Desman stören. Aber auch für Grau- und Silberreiher oder Schnepfen überlegt man Schutzmaßnahmen, und in der Brutzeit will man besonders Rücksicht auf das wilde Federvieh nehmen. Mehr noch: Im Grenzgebiet zwischen den Regionen Wladimir und Nischnij Nowgorod verlegt man die Schienen über eine Strecke von neun Kilometern auf Stelzen, um die Natur weitgehend sich selbst zu überlassen. Insgesamt verlaufen sogar 20% der Trasse als „Hochbahn“, um die Natur zu schonen und den Wildwechsel  nicht zu beeinträchtigen, für den zusätzlich insgesamt 89 Brücken vorgesehen sind. Sogar an Unterführungen für Amphibien denken die Projekteure. Wer hätte das gedacht! Gut so. Dann müssen die Kröten nur noch an die richtigen Stellen wandern.

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Mit manchen Wassern der Region Wladimir sollte man besser nicht gewaschen sein, und trüben braucht man das Wässerchen auch nicht mehr. Laut Einschätzung von Ökologen, die sich vor kurzem in der Partnerstadt zu einem Landes-Umwelt-Forum trafen, muß man nämlich die Oberflächengewässer des Gouvernements Wladimir größtenteils als „verschmutzt“ und „stark verschmutzt“ einstufen. Kein Unbedenklichkeitszeugnis also, vor allem nicht für die Gesundheit der Bevölkerung, wie Natalia Mischtschenko, Professorin am Lehrstuhl für Biologie und Ökologie an der Universität Wladimir, zu bedenken gibt.

Sodyschka

Grund hierfür vor allem das Fehlen von Kläranlagen, sprich die hohe Belastung mit Abwässern. Damit in unmittelbarem Zusammenhang steht die Überschreitung von gesetzlich erlaubten Höchstwerten bei zehn von insgesamt vierzehn Parametern. Ausgesprochen kritisch dabei die organischen Stoffe sowie Nitrite, Eisen und Kupfer. Für besonders bedrohlich hält die Wissenschaftlerin den Zustand der nur 22 km langen Sodyschka, die westlich an Wladimir vorbeifließt und Stickstoff in einem Maße mit sich führt, das im menschlichen Organismus hochgradig kanzerogene Nitrosoverbindungen auslösen kann.

Leider warnt die Ökologin auch vor den Gefahren im Trinkwasser, selbst wenn es aus Quellen und Brunnen gewonnen wird. Die nämlich entsprächen zu mehr als 36% bzw. fast zur Hälfte nicht den mikrobiologischen und sanitär-chemischen Vorgaben, während 8% der Proben wegen des unbefriedigenden Zustands von Rohren beanstandet werden. Das häufig zugesetzte Chlor hingegen birgt laute Natalia Mischtschenko ein ganz eigenes Risiko: Es verdoppelt fast das Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Außerdem bilden sich durch diese Beimischung gefährliche Verbindungen, die dann über die Haut – beim Waschen, Duschen oder Baden und Schwimmen – in den Organismus gelangen.
Ein russisches Sprichwort lautet: „Dem Feuer und dem Wasser hat Gott dem freien Willen gegeben.“ Man könnte hinzufügen: Und des Menschen freier Wille hat sich diese Elemente untertan gemacht. Mit bekanntem Ergebnis – überall auf der Welt.

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Im nördlichen Teil des Nationalparks Meschtschjora entdeckte man eine bis dato dort unbekannte Orchideenart, das Große Zweiblatt, von dem ansonsten nur noch sieben Vorkommen in der Region Wladimir belegt sind. Die Blume steht denn auch in Zentralrußland ebenso wie in Weißrußland, Armenien und in der Ukraine auf der Roten Liste; als schutzwürdig gilt die Pflanze auch hierzulande, weshalb sie bereits 1992 zur Orchidee des Jahres gewählt wurde.

Großes Zweiblatt

Der neue Fundort liegt ausgerechnet am Straßenrand, was Botaniker mit dem Kalzium des Schotters erklären. Der Umstand, daß das Große Zweiblatt blühte, weist auf ein Alter von mindestens zehn Jahren hin, weil es erst im vierten Jahr von der Wurzel her austreibt und dann weitere sechs bis sieben Jahre braucht, um Blüten anzusetzen. Mit der hier bisher unbekannten Spezies zählt der Nationalpark nun 822 Pflanzenarten. Hoffentlich noch länger, denn die Orchidee ist sehr verletzlich: Wird sie zufällig überfahren, ist es für immer dahin mit der Pracht.

Der Blog widmet diesen Beitrag über das Große Zweiblatt und die nachstehenden Verse einer russischen Euterpe mit der Doppelflöte als Attribut und Symbol der Völkerverständigung durch die Kunst, jener Muse, die nicht nur die Redaktion immer wieder aufs neue inspiriert – und nicht nur an ihrem Geburtstag.

Vom Grund der Nacht genommen, / im Gold des Lichts verblüht, / auf diese Welt gekommen, / zurück ins Nichts gespült.

Dazwischen Worte schützen, / was wund sich treibend reibt / und sucht nach Halt und Stütze / just dort, wo doch nichts bleibt.

Als musikalische Dreingabe das unübertroffen schöne Geburtstagslied von Krokodil Gena: https://is.gd/Aoj7xI

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Seit Anfang des Jahres treten in den Ställen und Wäldern um Wladimir immer wieder Fälle der afrikanischen Schweinepest auf. Über den Sommer breitete sich die für den Menschen ungefährliche und in Deutschland noch nicht aufgetretene Variante der europäischen Schweinepest über immer mehr Landkreise des Gouvernements aus, und ein Ende der Infektionen, gegen die es bisher nirgendwo auf der Welt eine Impfung gibt, ist noch längst nicht in Sicht. Eine biblische Plage als göttliche Strafmaßnahme und Vergeltung für die Versündigung gegenüber der Schöpfung könnten das religiöse Fundamentalisten nennen; säkularisiert betrachtet, handelt es sich wohl um einen weiteren Störfall der Massentierhaltung, bei der wir alle längst wissen, was wir tun – und es trotzdem tun. Und so wird denn – wie man das im Frankenland auch täte – gekeult, um darauf neu aufstallen zu können, werden die Kadaver in eigens errichteten Öfen verbrannt, auf daß sie ihre letzte Ruhe in steriler Asche finden und wir dann bald wieder weitermachen können nach dem Lebensmotto „unser täglich Fleisch gib uns heute“.

Da man nicht weiß, welche Wege der Erreger nimmt, findet, um Ansteckungen zu verhindern, auch in den Wäldern um Wladimir das große Schlachten statt. Selbst wenn bisher nur Einzelinfektionen bei Wildschweinen nachgewiesen wurden, setzen die Behörden auf Abschuß: Von den geschätzt 7.500 Exemplaren Schwarzwild haben bereits 90% alle viere von sich gestreckt.

Schweinepest

150 Rubel pro Kilo, in etwa dem aktuellen Marktpreis entsprechend, sollen die Erzeuger für den Verlust als Ausgleich erhalten

Dazu reicht der Blog Hintersinniges vom großen Meister des Absurden, Daniil Charms, in der Übersetzung aus dem Russischen von Peter Urban:

Vier Deutsche aßen Schweinefleisch und tranken grünes Bier. Dem einen Deutschen mit Namen Klaus blieb ein Stück Schweinefleisch im Halse stecken, da stand er vom Tisch auf. Da pfiffen die anderen drei Deutschen lauf auf den Fingern und spotteten ob des Mißgeschicks. Aber der Deutsche Klaus hatte den Bissen Schweinefleisch schnell heruntergeschluckt, grünes Bier nachgetrunken und war bereit zu antworten. Die anderen drei Deutschen, die ausgiebig über den Hals des Deutschen Klaus gespottet hatten, verlegten sich jetzt auf dessen Beine und riefen, Klaus habe ziemlich krumme Beine. Besonders der eine Deutsche mit Namen Michel machte sich lustig über die krummen Beine des Deutschen Klaus. Da zeigte der Deutsche Klaus mit dem Finger auf den Deutschen Michel und sagte, er habe noch nie einen Menschen gesehen, der Wörter „krumme Beine“ so dämlich ausgesprochen hätte wie der Deutsche Michel. Der Deutsche Michel war einen fragenden Blick in die Runde, dem Deutschen Klaus hingegen warf er einen Blick zu, der äußerste Mißbilligung ausdrückte. Da nahm der Deutsche Klaus einen Schluck grünes Bier, mit diesem Gedanken im Kopf: „Zwischen mir und dem Deutschen Michel gibt es jetzt gleich Streit.“ Die beiden übrigen Deutschen aßen schweigend Schweinefleisch. Der Deutsche Klaus aber sah, nach einem weiteren Schluck grünen Bieres, die anderen mit einem Gesichtsausdruck an, der folgendes sagte: „Ich weiß, was ihr von mir wollt, aber ich bin für euch eine verschlossene Schatulle.“

Hörenswert zum Thema schließlich noch „Little Piggies“ von den Beatles: https://is.gd/NJKiCc

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Berlin schwelgt dank der chinesischen Regierung im Pandabärenglück, Wladimir hatte seine helle Freude an einem Braunbärenfindling, der jetzt ein neues Zuhause gefunden hat.

Wladimir Potechin und sein Findling

Begonnen hat das Tiermärchen im dunklen Tann des 1992 gegründeten Nationalparks Meschtschjora im Südwesten der Region Wladimir. Als Durchzügler tauchen dort ab und an in der knapp 120.000 ha weiten Waldlandschaft Braunbären auf. Am 15. Mai fand dort, fünf Kilometer von seinem Dorf entfernt, Wladimir Potechin ein verwaistes Junges, etwa zwei Monate alt und zwei Kilo schwer.

Spaziergang mit Bär

In Mesinowskij, Kreis Gus-Chrustalnyj, wo die Verwaltung des Nationalparks ihren Sitz hat, kam die Bärenwaise in Obhut, wuchs prächtig heran, legte in den zwei Monaten dank einem gesegneten Appetit – vier Mal am Tag läßt sich das Bärenkind schmecken, was so aufgetischt wird: zwei Liter Ziegenmilch, erste Happen Fleich und Fisch, Brei und viele Beeren – gute 20 Kilogramm an Gewicht zu und hat bereits ein Gebiß, vor dem man sich in acht nehmen sollte.

Badetag

Zeit also, eine neue Heimat für Mischutka zu suchen, wo das noch immer possierliche Tierchen artgerecht gehalten werden kann. Fündig wurde man in der Nachbarregion Rjasan, in die das Naturschutzgebiet Meschtschjora hineinreicht. Im dortigen Willkommenszentrum ist mittlerweile für den Gast ein eigenes Gehege eingerichtet, mit eigens angelegtem Badetümpel und Höhle. Hier, in Gefangenschaft, ist zumindest für das Junge ein Überleben gesichert. Die Mutter ist wohl – vielleicht zusammen mit dem Geschwisterchen – einem Wilderer zum Opfer gefallen. Es dürfte also noch dauern, bis der Braunbär wieder heimisch wird in seinen angestammten Wladimirer Revieren.

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Noch will niemand den Sommer in Wladimir aufgeben, zumal dieser Tage die Temperaturen endlich an die 20-Grad-Grenze heranreichen sollen. Bisher freilich trug man in der Partnerstadt einigermaßen fassungslos eher Gummistiefel als Badeschlappen, eher eine Windjacke als eine Schwimmweste. Doch immerhin warten die vier öffentlichen Strände der Partnerstadt bereits auf Sonnenhungrige und Wasserratten.

Die Behörden haben nach der Entnahme der gesetzlich vorgeschriebenen Proben die Ufer der Kljasma und zweier Weiher freigegeben, nur die Analysen des Wassers eines Sees im Umland machen eine Nachuntersuchung notwendig, was aber den Badebetrieb nicht behindert, sofern endlich das Wetter mitmachen sollte.

Unterdessen hat aber das Portal Pro Wladimir zwei Bilder von Wladislaw Tjabin veröffentlicht, die so – zumindest im Blog – noch nicht zu sehen waren. Auf dem zweiten gut zu erkennen der Zusammenfluß von Kljasma und Nerl auf der Höhe der Kirche Mariä Schutz und Fürbitt. Das dunklere Wasser der Nerl erklärt sich aus dem Ursprung in Sümpfen und Torfgebieten. Nach der Aufbereitung fließt es übrigens zu einem guten Teil aus den Hähnen der Wladimirer Haushalte und wird alle drei Stunden rund um die Uhr auf seine Qualität hin untersucht. Wem es also draußen noch zu kühl ist, kann sich ja zu Hause ein Bad einlassen und auf besseres Wetter hoffen.

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Die Wissenschaft hat festgestellt: Die Region Wladimir würde, überließe man sie den Kräften der Natur, ganz rasch wieder flächendeckend mit Wald bewachsen sein. Der Lehrstuhl für Biologie und Ökologie an der Universität Wladimir kommt zu dem Ergebnis, das aus Sicht des Phytozönons ideale Verhältnis von Waldflächen versus Wiesen und Freiland läge bei 7:1. Die Gegend um die Partnerstadt im Kljasmabecken mit all den vielen Zuflüssen gehört nämlich zur Südlichen Taiga, die freilich längst – wie in ganz Westeuropa – vom Menschen ihrer Ursprünglichkeit beraubt ist.

Wald auf unbewirtschafteter Fläche bei Sobinka, Region Wladimir

Aber nicht irreversibel. Die brachliegenden Äcker nämlich – und davon gibt es um die 200.000 ha in der Region – holt sich der Wald rasch zurück. Je länger man die Felder sich selbst überläßt, desto schwerer wird es später, sie wieder unter den Pflug zu nehmen. Denn, seiner Landesnatur nach, so die Wissenschaft, ist und bleibt Wladimir Waldgebiet. Dem Erzähler Konstantin Paustowskij hätte das gefallen, meint er doch: „Die Wälder sind wie die Seen, Meere und Flüsse der schönste Schmuck der Erde, ihr großartiges Festgewand.“

Mehr zu den Wäldern von Wladimir hier: https://is.gd/Wat2dU

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