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Archive for the ‘Tourismus’ Category


Nicht nur München leuchtet in der frühen Novelle „Gladius Dei“ von Thomas Mann, auch Wladimir liegt nicht länger im Schatten. Längst schon erstrahlen Kirchen, Kathedralen und Klöster im nächtlichen Glanz der Scheinwerfer, taucht man Straßen und Plätze in Kunstlicht, bisweilen gar zu großzügig. Nun zeigt sich seit gut einem Monat – übrigens unterstützt durch deutsche Technik – auch das Gotteshaus Mariä Schutz und Fürbitt erhellt, verbirgt ihre architektonische Pracht nicht mehr in der Nacht, ist weithin über die Felder und Auen zu sehen.

Die Vorarbeiten erforderten einiges an Aufwand. Wie das Nachrichtenportal „Zebra-TV“ berichtet, wurden drei Trommeln Kabel um den im 12. Jahrhundert aufgeschütteten Hügel verlegt, auf dem sich das Denkmal des UNESCO-Weltkulturerbes erhebt. Sie liefern den Strom für insgesamt 26 in die Erde eingelassene Scheinwerfer, die in feiner Abstimmung die Fassade, die Kuppel und das Kreuz der Kirche ausleuchten.

Als weich gestreut wird das Licht beschrieben, ganz zur Zufriedenheit der Verantwortlichen. Nachjustieren wolle man nur bei den beiden Strahlern, die auf das Kreuz gerichtet sind. Dies, so auch erste Klagen von Photographen, bleibe bisher noch zu dunkel. „Licht aus, Spot an“ funktioniert ansonsten natürlich per Zeitschaltuhr, die hoffentlich für die bald wieder schwärmenden Nachtfalter auch noch ein paar Stunden Dunkelheit vorsieht.

Noch viel wichtiger aber für Besucher dieses Kleinods der mittelalterlichen Baukunst: Bereits im Februar, wenn der Untergrund hoffentlich gefroren ist – bisher zeigte sich der Winter ja eher milde in Wladimir, auch wenn es in der Nacht von gestern auf heute stürmte und schneite -, sollen endlich die sechs Kilometer Stromleitung mit ihren 46 Masten aus der Landschaft verschwinden. Die neue Trasse, errichtet für 300 Mio. Rubel, steht bereits außer Sichtweite und liefert Strom, sobald die bisherige Strecke demontiert ist.

Es lohnt sich also auch für alle, die Mariä Schutz und Fürbitt bereits kennen, den Weg über die Wiesen zu nehmen oder zumindest einen Blick hinüber zu werfen, gleich ob bei Tag oder Nacht, zu schauen die Pracht…

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Gestern pfiff das Wladimirer Restaurant „Blackwood“ das Projekt „Foodball“ an. Was wie eine gesuchte Assonanz klingen mag, ist in Wirklichkeit gastronomisches Marketing. Erlangens Partnerstadt trägt nämlich während der Fußballweltmeisterschaft von Mitte Juni bis Mitte Juli offiziell den Titel „Kulturhauptstadt“. Wie viele Fans tatsächlich aus den Stadien in Moskau, Sankt Petersburg, Nischnij Nowgorod, Kasan, Rostow am Don, Wolgograd, Jekaterinburg, Samara, Saransk, Sotschi und Kaliningrad  eigens an den Goldenen Ring kommen, um sich beschaulich den Musen zu widmen, weiß noch niemand zu sagen. Eines ist aber schon klar: Der Mensch lebt nicht von Musik und Kunst allein, schon gar nicht von der vorgeblich „schönsten Nebensache der Welt“. Es ist denn auch das Brot, das die Römer vor die Spiele setzten, und Wladimir setzt dabei auf die eigene regionale Küche.

Cheftrainer

Und auf viel Phantasie – sowohl was die Speisekarte als auch das Ambiente angeht. Da gibt es dann Gerichte wie Waller am Spieß, der als „Cheftrainer“ firmiert, scharf angerichtete Rinderrippchen unter dem Namen „Rote Karte“, 25 geräucherte Krebse mit dem Pseudonym „Fanblock“ oder sechs Lachspelmeni, die sich als „Strafbank“ ausgeben.

Jewgenij Durnjew, Cheftrainer von Torpedo Wladimir, rechts im Bild

Auch an den Durst ist gedacht. Eine ganze Serie von Cocktails erproben derzeit die Barkeeper, und sogar ein 200-Mann-Zelt soll mitten in der Stadt aufgestellt werden, wo man sich bei jedem Wetter vor, nach und natürlich während der Spiele stärken kann bis zum Abwinken.

In jedem Fall eine große Chance für Wladimir, sich touristisch aller Welt zu präsentieren. Bleibt nur zu hoffen, daß die internationalen Medien davon Notiz nehmen und die Fans nicht nur an den Austragungsorten bleiben, die natürlich auch ihre eigenen Trümpfe ausspielen werden und ihre Gäste halten wollen. Mal sehen, noch rollen ja weder Ball noch Rubel.

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Susdal, Rothenburgs russische Partnerstadt, kann eine erstaunliche Erfolgsgeschichte erzählen und sogar ein Rezept für die Verdoppelung des kommunalen Budgets teilen. Mit gerade einmal 156 Mio. Rubel Haushaltsansatz aus eigenen Mitteln hatte die 10.000-Einwohner-Stadt Ende 2017 stolze 302 Mio. Rubel zur Verfügung. Wie das geht, erklärt City-Manager Sergej Sacharow mit einer einfachen Rechnung:

Wir haben gelernt, mit Förderprogrammen zu arbeiten. 2016 entwarfen wir viele Projekte in den Bereichen Soziales und Infrastruktur, und 2017 schon erhielten wir aus föderalen und regionalen Töpfen Zuschüsse, die auf jede eigene Kopeke noch eine drauflegten.

Wie sinnvoll dieser Ansatz als Blaupause auch für andere russische Kommunen sein kann zeigen die vielen abgeschlossenen Projekte, etwa die Generalsanierung des Kultur- und Freizeitzentrums, die Eröffnung eines 3-D-Kinos oder die Erneuerung der Brücke über die Kamenka sowie die Inbetriebnahme eines modernen Kesselhauses für die Fernwärme. Alles Objekte mit einem Förderanteil von bis zu 95%.

Wenn jetzt die Steuer- und Abgabengesetzgebung es noch zuließe, so richtig vom Fremdenverkehr zu profitieren, wäre Susdal alle Sorgen los, denn allein über die Weihnachtswoche Anfang diesen Jahres zählte man in den verschiedenen Museumseinrichtungen 62.000 Besucher und lag damit knapp hinter den Ergebnissen von Sankt Petersburg und Moskau.

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Susdal, die Museumsstadt, gute 30 km von Wladimir entfernt, entwickelt sich weiter prächtig zum touristischen Zentrum des Goldenen Rings. Gleich zu Beginn des neuen Jahres stellten das die Fremdenverkehrsplaner wieder eindrucksvoll unter Beweis mit dem Filzstiefelfest, das laut einer Meldung der TASS vom 3. bis 5. Januar mehr als 10.000 Besucher anlockte.

Dabei galten die Filzstiefel – auf Russische „Walenki“ – noch bis vor kurzem als Ausweis dörflicher Rückständigkeit, als schlichtweg untragbar und bestenfalls als Requisite der Folklore. Das wärmende Schuhwerk, wegen seiner Wasserdurchlässigkeit vor allem im Winter mit Galoschen oder einer Gummisohle versehen, hatten ursprünglich die Mongolen als Strümpfe in die Alte Rus gebracht.

Seit dem 14. Jahrhundert stellten dann russische Manufakturen Filzstiefel als Massenartikel her, die weitgehend unverändert sogar beim Militär – bis zum Ersten Weltkrieg – Verwendung fanden und im Alltagsleben die einst bei den Ostslawen gebräuchlichen Bastschuhe fast völlig verdrängten.

Russischer Soldat aus dem Ersten Weltkrieg mit Walenki auf den Skiern

Nun ist es nicht so, daß man in den Straßen russischer Städte auf Schritt und Tritt wieder den Filzstiefeln begegnete, aber sie sind wieder im Kommen und finden ihre Liebhaber. Und die werden nun immer um den Jahreswechsel nach Susdal pilgern.

In der Partnerstadt von Rothenburg o.d.T. nämlich denkt man sich manches dafür aus, um die Walenki wieder an die Füße und sogar an die Hände zu bringen: Eishockey, der russische Nationalsport schlechthin, mit Filzstiefeln als Fäustlinge. Gewöhnungsbedürftig. – Oder ein Suchspiel: Wo überall im Kreml zu Susdal haben sich die Walenki versteckt?

Landesweit das erste und einzige Fest, das dem eigenwilligen Schuhwerk gewidmet ist. Das erste und einzige Museum für Walenki gibt es allerdings in Myschkin, der Mäusestadt, an der Wolga in der Nachbarregion Jaroslawl gelegen. Dort wird man später vielleicht einmal all die Modelle bestaunen können, die heute schon in Susdal Augen und Füßen schmeicheln.

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Berlin, du hast es besser! Zumindest dürfte das meinen, wer an russischer Kultur und Wissenschaft interessiert ist und das Russische Haus in der Friedrichstraße 176-179 (noch nicht) kennt. Zusätzlich zu den ohnehin schon ausgesprochen vielfältigen Veranstaltungen und Angeboten richtete man dort vor einem Monat auch ein „WM Fan-Zentrum“ ein. Was das mit Wladimir zu tun hat, wo doch bekanntermaßen während der Weltmeisterschaft von Mitte Juni bis Mitte Juli kein einziges der Fußballspiele ausgetragen wird?

Die Antwort ist so einfach wie anspruchsvoll: Wladimir spielt den kulturellen Joker, trägt für vier Wochen den Titel der Kulturhauptstadt und punktet natürlich mit seiner zentralen Lage und guten Erreichbarkeit sowie mit einem reichen historischen Erbe. Dies alles und noch viel mehr zeigt nun eine Dauerausstellung im Russischen Haus – http://www.russisches-haus.de – für Fans und solche, die es noch werden wollen.

Das TV-Moderatorenpaar aus Wladimir, Sergej Saschin und Aljona Markeljewa, bei der Eröffnung des Standes in Berlin

Dennoch: Wer einmal in Wladimir war, weiß es. Kein Ausstellungsstand der Welt – nicht einmal die tägliche Lektüre des Blogs –  kann einen Besuch in der Partnerstadt ersetzen. Wladimir, du bist besser!

 

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Wer in Wladimirs bester Lage mit Blick auf die weiten Kljasma-Auen und die schier unendlich hingebreiteten Wälder nächtigen will, kennt das Hotel, wer die russische Küche, meisterhaft zubereitet, in apart-geschmackvoller Atmosphäre genießen möchte, schätzt das Restaurant in der „Wosnesenkaja Sloboda“ – https://vsloboda.ru -, das führende Haus am Platz, gegründet und geführt von Anna Schukowa. Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann, war hier vor viereinhalb Jahren zu Gast, zuvor schon hatte Professor Heinz Gerhäuser hier Quartier bezogen, erst im November gaben sich Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg, und Erlangens Wirtschaftsreferent, Konrad Beugel, hier die Ehre, und kaum eine offizielle Delegation aus Wladimirs Partnerstadt, die nicht hier bewirtet würde. So viel sie schon in ganz Europa und natürlich auch Deutschland auf der Suche nach guten Weinen oder kulinarischen Anregungen unterwegs war, nach Erlangen hatte es die Mutter von vier Söhnen noch nie geschafft.

Willkommen, Anna Schukowa!

Nun also endlich von Donnerstag bis zum Heiligen Abend die Premiere, die – das darf man jetzt schon sagen, ohne zu viel zu verraten – bei aller Kürze der Zeit den vielversprechenden Auftakt zu einer „Nouvelle Cuisine“ der Partnerschaft macht. Anna Schukowa firmiert nicht nur als Besitzerin und Geschäftsführerin der „Wosnesenskaja Sloboda“, sie leitet auch ein weiteres Feinschmecker-Restaurant in Susdal und sitzt dem Hotel- und Gaststättenverband der Region Wladimir vor. Gerade erst ist aus ihrer Feder das Buch „Ein Fest nach Rezept – Ihre Lieblingsspeisen von Köchen des Goldenen Rings“ in einer Auflage von 4.000 Exemplaren im Moskauer Verlag „Э“, ISBN 978-5-699-97473-3, erschienen.

Klaus Kobjoll mit Tochter Nicole und Anna Schukowa

Viel zu besprechen gab es da denn auch im „Schindlerhof“ zu Boxdorf, dessen Gründer, Klaus Kobjoll, dank seinen zahlreichen Publikationen auf Russisch und all den von ihm abgehaltenen Seminaren von Moskau über Nischnij Nowgorod bis Irkutsk natürlich schon lange auch Anna Schukowa als Leitstern gilt. Noch gibt es nur handschriftliche Notizen zu den Gesprächen, der Entwurf einer Rezeptur der Zusammenarbeit bleibt noch unter Verschluß, aber das Päckchen unter dem Christbaum der Partnerschaft verspricht allen Gourmets der deutsch-russischen Küche für das kommende Jahr viele köstliche Überraschungen. Es ist angerichtet!

Roadhouse Blues aus der Jukebox von Klaus Kobjoll

Anna Schukowa, gelernte Köchin mit einem Studienabschluß der Betriebswirtschaft in Moskau und einem Diplom der „Akademie für Tourismus“ in Wladimir, genießt übrigens bei aller Liebe zur Raffinesse und ihrem „kulinarischen Gen“ die bodenständige Küche, tradiert von Mutter und Großmutter noch aus der Kinderzeit in Orenburg, südlich des Urals, wo es keine Fertiggerichte gab, die bei der Hausfrau aus Passion übrigens bis heute nicht in den Topf kommen.

Guten Appetit, Anna Schukowa!

Ein weiteres Prinzip der Besucherin: Alles essen, gern auch Butter, Sahne, Fett, alles, was schmeckt. Nur eben in Maßen. „Vom Guten nur wenig“, wie das russische Sprichwort sagt. Das gilt auch für die Bratwurst, von der eine im Weckla zum genußvollen Mittagessen vollauf genügt. Bei der Diät versagt man sich keine Freude, ohne die Figur aus der Form geraten zu lassen.

Anna Schukowa und Benjamin Förtsch

Viel Wert legt Anna Schukowa, die mit ihrem Team schon den Titel „Chef a la Russe“ gewonnen hat, auf Nachhaltigkeit bei den Lebensmitteln, ihre Lieferanten kennt sie persönlich; weniger hatte sie bisher dieses Thema beim Betrieb ihres 22-Zimmer-Hotels im Auge. Doch da will sie nun vom Kreativ-Hotel „Luise“ lernen, dem Flaggschiff für ökologisches Wirtschaften in Erlangen: Einsparen von Müll und Energie, Einbeziehung von Natur in das Gastgewerbe, Verwendung von biologisch unbedenklichen und wiederverwertbaren Materialien, aber auch ein sozialer Umgang mit dem Personal, von der persönlichen Betreuung der Kunden ganz zu schweigen.

Frohe Weihnachten: Oberbürgermeister Florian Janik und Anna Schukowa

Erst zum Ausklang der Waldweihnacht dann findet Anna Schukowa Zeit, die Partnerstadt zu erkunden, die ihr ältester Sohn bereits mit der Schwimmschule und ihr Mann auf Geschäftsreise besucht haben, und trifft prompt auf einen verblüfften Oberbürgermeister, der zwar weiß, wie intensiv die Kontakte sind, sich dann aber doch wundert: „Sogar über die Feiertage noch Besuch aus Wladimir hier?“

Erlanger Waldweihnacht: Innenminister Joachim Herrmann, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Anna Schukowa und Peter Steger

Und Anna Schukowa, wie schafft sie das alles? Im Vorwort zu ihrem Buch versucht sie eine ehrliche Antwort:

Wie ich das alles schaffe, weiß ich selbst nicht. Ich lebe einfach, arbeite, beschäftige mich mit den Kindern und im Haushalt, kümmere mich um meinen Mann, tue, was ich gerne tue und was mir besonderes Vergnügen bereitet – kochen.

Anna Schukowa 8

Weihnachtsbaum „Jolka“, gebastelt von Anna Schukowa

Aber das ist natürlich längst nicht alles: Die Frau des guten Geschmacks bastelt auch noch gern für Freunde, besonders zu Weihnachten. Sie selbst ist gestern wieder nach Wladimir abgereist, aber ihr süßer Gruß bleibt zurück – und das Versprechen, bald, im Frühling, wiederzukommen mit dem deutsch-russischen Rezept für die „Nouvelle Cuisine“ der Partnerschaft.

Bis dahin tröste uns der Roadhouse Blues von den Doors aus der Jukebox von Klaus Kobjoll: https://is.gd/Ff4LiC

 

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Ein Schneesturm fegte durch die Welt,
kein Ende kannte,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Wie sommers die Stechmückenschar
die Flammen locken,
umkreist der Fensterrahmen war
von weißen Flocken.

Das Schneegestöber deckte schnell
das Glas so samten,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Und an der Decke ließ das Licht
die Schatten schweben,
die Schatten überkreuzten sich
wie auch die Leben.

Und zwei Schnürschuhe klappten leicht
auf die Holzdielen,
aufs Kleid Wachstropfen, tränengleich,
herunter fielen.

Im Schneedunst versank die Welt,
im silberblanken,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Die Kerze flackerte im Hauch,
Lust am Entflammen,
wie Engel schwang die Flügel auch
zum Kreuz zusammen.

Schnee wehte treibend durch die Welt,
die Tage rannten,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Boris Pasternak

Bilder aus Wladimir: Max Firgau

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