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Archive for the ‘Tourismus’ Category


Niemand brauchte gestern abend im Kulturpunkt Bruck frieren, aber nicht alle hatten noch Platz in dem überfüllten Saal gefunden, einige wurden wegen Überfüllung wieder hinaus in die dunkle Kälte geschickt, bevor Walter Költsch – zum zweiten Mal in Erlangen – seinen live kommentierten Reisefilm „Eiskalt – Mit dem Fahrrad durchs Baltikum nach Rußland“ vorstellte. Ein Roadmovie, der von Erlangen über Görlitz, via Masuren, Tallinn, Sankt Petersburg und Jaroslawl – auch auf manchen zum Teil unpassierbaren Umwegen – bis nach Susdal, Wladimir und Moskau führt und in gut zweieinhalb Stunden eine Strecke von etwa 4.000 km mit Bildern und Eindrücken bewältigt, die den Zuschauer nicht nur an überwältigenden Landschaften und faszinierenden Städten teilhaben läßt, sondern vor allem an stets offene und hilfsbereite Menschen so hautnah heranführt, daß man deren Atem zu spüren meint, ihrer Seele so nahe kommt, als wäre man ihnen selbst begegnet.

Walter Költsch

Ein etwa zwanzigköpfiger Trupp war es, der kurz vor Ostern 2013 Peter Smolka auf seiner am Ende viereinhalb Jahre dauernden und sich über 80.000 km erstreckende Tour de Friends um die Welt mit Stationen in allen Partnerstädten Erlangens begleitete, im Gepäck Grußbotschaften vom damaligen Oberbürgermeister, Siegfried Balleis, an seine Kollegen auf dem ganzen Erdenrund. Das erste Ziel, Wladimir, erreichten dann aber nur noch vier: besagter Peter Smolka, Gertrud Härer, Jörg Gruner und eben Walter Költsch, der diese Reise nach zweijähriger, unfallbedingter Zwangspause mit zwei geschienten und genagelten Unterarmen antrat, und für den die Fahrt zur bisher kältesten werden sollte.

Getrud Härer, Anneliese Martin, Walter Költsch und Peter Steger

Warum die kälteste, erklärt sich rasch: Im Knoblauchsland erfror in jenem Frühjahr 2013 das Gemüse, in der Fränkischen Schweiz lag Schnee, und bis weit über das Baltikum hinaus hatte die Equipe mit winterlicher Witterung und vor allem einem eisigen Gegenwind zu kämpfen. Aber wiedergeben läßt sich das nur anhand der Bilder des Films, anhand der kopfschüttelnden Menschen am Wegrand und anhand der Frage: „Warum tut ihr euch das an?!“

Nadja Steger

Seine Antwort wird Walter Költsch noch einmal, am 14. November, geben, wenn er um 19.30 Uhr im Redoutensaal mit seinem Vortrag das diesjährige Fernwehfestival eröffnet. Wer diesen einzigartigen Film bisher noch nicht gesehen hat, sollte sich diese vielleicht letzte Gelegenheit nicht entgehen lassen. Eine jedenfalls wird wieder, dann schon zum dritten Mal, im Publikum sitzen, die zur ersten Vorführung fast schon hatte zwangsverpflichtet werden müssen, bis sie – bereits im Vorspann – bemerkte, daß einige kurze Sequenzen auch Piszowo zeigen, jenes Städtchen auf halber Strecke zwischen Jaroslawl und Wladimir, wo ihr Vater geboren wurde und sie als Kind immer wieder die Ferien verbrachte. Mehr als zwanzig Jahre hatte Nadja Steger dieses kleine Stück Heimat nicht mehr gesehen, und nun das: Peter Smolka, Deutschlands wohl bekanntester Weltumradler, Gertrud Härer, eine der weltweit besten Langstreckenläuferinnen, Jörg Gruner, mit seinem Wisch-Handy der findigste Pfadfinder zwischen Franken und dem Ural und – bei all den Pannen – unverzichtbare Fahrradmonteur, sowie Walter Költsch, der unübertroffene Chronist und kurzweiligste Kommentator von Extremtouren rund um den Globus – ausgerechnet dieses Dreamteam legt einen Zwischenhalt in dem russischen Allerweltsdorf Piszowo ein, das für die Wahlerlangerin für immer ein Teil ihrer Kindheit bleibt. Das verbindet – und verpflichtet bis zum nächsten Auftritt von Walter Költsch, zu dessen Homepage mit all den übrigen Terminen und Themen es hier geht, ohne Frostbeulen und Schneegestöber, zum Mitreisen: https://walters-verrueckte-reisen.de

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Wer im Dezember 2016 die Gelegenheit nicht nutzen konnte, hat nun am Donnerstag, den 10. Januar 2019, um 19.00 Uhr im Kulturpunkt Bruck, Fröbelstraße 6, noch einmal die Chance, den Fahrrad-Roadmovie von Walter Költsch mitzuerleben, der selbst zu diesem Abenteuer schreibt:

Durch Eis und Schnee nach Wladimir

Trotz Reisen durch Alaska, Grönland, Spitzbergen, Tibet und viele andere kalte Länder: Diese Radtour war die eisigste Reise meines Lebens. Als meine Mitradler – Gertrud Härer, Jörg Gruner und Peter Smolka – mit mir im März 2013 aufbrachen, ahnte niemand von uns, daß dieses Frühjahr ein Jahrhundertwinter werden sollte! Schnee und Eis haben uns begleitet vom ersten bis zum letzten Reisetag…

Noch 24 km bis Wladimir – und endlich grün…

Die Radtour begann in Erlangen, führte durch Tschechien, Polen, Litauen, Lettland und Estland nach Rußland. Nach einem Umweg über Sankt Petersburg endete die Reise für drei von uns nach 4.000 Kilometern ein gutes Stück jenseits von Moskau, in Erlangens Partnerstadt Wladimir. Für den Weltumradler Peter Smolka war dies lediglich die Startetappe zu einer weiteren, vierjährigen und 80.000 Kilometer langen Weltumrundung!

Walter Költsch, Jörg Gruner, Peter Smolka und Gertrud Härer, Anfang Mai 2013 vor dem Erlangen-Haus

Ich fürchte, mein Publikum wird während dieses Vortrags nicht nur leiden müssen, sondern auch den Kopf schütteln, wenn wir uns frierend durch Schnee, Eis, Matsch und Schneegestöber quälen. Aber es wird sich auch wieder köstlich amüsieren über die in perfektem Hochfränkisch vorgetragenen Anekdoten über Begegnungen mit Menschen und Berichte über Pleiten, Pech und Pannen. Der Film lebt auch von dem Kontrast aus grandioser, einsamer Natur und weltberühmten Städten wie Riga, Talinn, Sankt Petersburg und Moskau.

Eben ein Roadmovie der anderen Art! Und wer ihn schon gesehen hat, läßt ihn sich bestimmt auch ein zweites Mal nicht entgehen.

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Russen, die in der Stadt leben, haben meist auch auf dem Land eine Datscha.

So auch mein Freund, der Photograph Wowa (Wladimir Fedin). Am Sonntag, den 2. September, ging es ca. 30 km raus vor die Stadt.

Auf der Fahrt konnte ich endlich meine ganz bescheidenen Grundkenntnisse in der kyrillischen Schrift umsetzen: Aksessuary, Bank, Autoschkola, Service, reservieren, – ich fühlte mich hier nicht mehr ganz so fremd.

Und dann über schnurgerade Straßen raus aufs Land.

Bei Landschaftsaufnahmen ohne Wolken fehlt doch etwas.

Wir kommen an einem landwirtschaftlichen Betrieb und an einer Milchproduktion vorbei.

Die letzten Kilometer zur Datscha sind nicht mehr geteert.

Sogar im Ort geht es ohne Asphalt, hier gibt es auch verlassene Häuser.

Das Grundstück ist riesig, sogar mit Bienenvölkern darauf.

Ein Eldorado für mein Makro-Objektiv.

Das nächste Mal besuche ich hier auch die Banja, die natürlich nicht fehlt!

Othmar Wiesenegger

Wir wissen leider nicht, wann – und ob überhaupt – es das nächste Mal einen Bericht dieser Art gibt, aber fehlen wird uns bis dahin etwas!

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Vorab: Vom ersten Augenblick der Landung in Moskau an flutschte es. Aber davor wurde eine vermeintlich einfache, samstägliche Reise nach Wladimir zu einem Drei-Tages-Trip. Immerhin mit einem erklecklichen Ergebnis auf der Habenseite, auch wenn im Soll zwei versäumte Tage Russisch Intensivkurs von Natalia standen.

Tag 1: Samstag, 27. November, erster Ferientag. Mein Ziel: Sprachkurs im Erlangen-Haus nach Anreise mit SWISS über Zürich nach Moskau. Mit Bedacht hatte ich rechtzeitig gebucht und fuhr auch mit reichlich Zeit zum Nürnberger Flughafen, denn mir war klar, es würde so mancher nach Mallorca, nach Kreta oder eben über Zürich sonstwohin in die Welt unterwegs sein. Leider kamen die Ferien für Swiss offensichtlich völlig überraschend.

Als man mir am Schalter sagte: Ihren Sitz erfahren Sie beim Boarding, dachte ich mir noch nichts. Mit einem Kaffee versorgt, begann ich, was ich seit Wochen tun wollte, nämlich russische Verben zu konjugieren. Ich war gerade so richtig mittendrin: я отдыхаю, ты отдыхаешь… und hatte die vage Hoffnung, Natalia doch nicht ganz zu enttäuschen, als ich am Gate Unruhe wahrnahm. Drei Passagiere waren offensichtlich ziemlich in Rage. Mir fiel ein, noch keinen Sitzplatz zu haben und gesellte mich zu den Aufgebrachten. Der Grund des Ärgers wurde schnell klar: Die Maschine war überbucht und alle, die in den Urlaub fliegen wollten, waren tatsächlich gekommen, um in den Urlaub zu fliegen.

Die Dame vom Bodenpersonal versuchte sich mit „Wir dürfen 10% überbuchen, und eigentlich kommen immer einige Geschäftsleute nicht“, herauszureden, aber das generierte auch keine Plätze. Ich wies darauf hin, man wisse in der Schweiz vielleicht nichts vom Beginn der Herbstferien in Bayern, weshalb am ersten Ferientag vielleicht auch weniger Geschäftsleute und dafür mehr Urlauber fliegen wollten – und überdies sei ja heute kein Arbeitstag, sondern Wochenende. Ich gebe zu, wenig hilfreich, aber ich war sauer, denn ich fand dieses Buchungsgehabe wenig professionell.

Überbuchte Flüge sind ja leider keine Seltenheit, und gewöhnlich gibt es immer Passagiere, die sich gegen mehrere Hundert Euro Entschädigung auf einen späteren Flug umbuchen lassen. Swiss aber versuchte das gar nicht erst: Alles ging an Bord, und am Ende war ein Grüppchen zurückgelassene Passagiere übrig, deren Gemütszustand von stoisch über sauer bis verzweifelt reichte. Der Verzweifelte bekam dann noch einen Jump-Seat zugewiesen, man merkte ihm die Erleichterung deutlich an. Der Rest, mich eingeschlossen, zog von dannen.

Das freundliche Angebot, doch über Frankfurt zu fliegen, konnte ich leider nicht annehmen, da nach Ankunft in Moskau auch der allerletzte “Lumpensammler“ nach Wladimir, der Cапcан, nicht mehr zu erreichen sein würde, und eine Nacht auf dem Kursker Bahnhof schien mir wenig attraktiv. Also nahm ich das Angebot von Swiss an, es am nächsten Tag nochmals zu versuchen.

Und so war ich, zur freudigen Überraschung meiner Familie, gegen Mittag wieder zu Hause. Ich hatte nun die Wahl, mich zu ärgern, oder Straße, Hof und Balkon vom Eichenlaub zu befreien, zwei Maschinen Wäsche zu waschen, eine ebensolche von vor einer Woche zu bügeln und Papierkram zu erledigen. Ich entschied mich für die zweite, deutlich produktivere Variante. Zufrieden ging’s zu Bett, am nächsten Morgen, da Sonntag war und der Busverkehr etwas ausgedünnt, gönnte ich mir ein Taxi zum Flughafen.

Tag 2: Und tatsächlich, dieses Mal war es deutlich ruhiger, und offensichtlich hatte jeder Passagier auf seiner Bordkarte auch einen Sitzplatz. Ich machte also weiter: он отдыхает, мы отдыхаем, вы от… Da überkam mich ein Déjà-vu-Gefühl, denn am Boarding-Schalter gab es wieder Unruhe. Wie am Vortag geübt, ging ich dazu und ja, tatsächlich, unser Flieger würde deutlich später starten. Vorsichtig erwähnte ich, mein Weiterflug sei relativ knapp (allerdings eine Verbindung, die von Wladimir-Reisenden häufig gebucht wird). Schon leicht genervt, sagte mir der Mitarbeiter, das werde wohl nicht mehr klappen, aber ich solle doch auf alle Fälle mit nach Zürich fliegen, da sei ich doch schon einen Schritt weiter.

Dem konnte man nicht widersprechen, und so stand ich kurze Zeit später in Zürich am Transfertisch, wo mir das zweite Déjà vu beschert wurde, nämlich das Angebot des gleichen Flugs über Frankfurt, den ich mit dem gleichen Argument ablehnte. Und so fuhr ich wenig später, ausgestattet mich einem Hotelgutschein, einem 24-Stundenticket für den ÖPNV, einem Gutschein für ein Abendessen über 20 € (in der Schweiz reicht das gerade für einen Toast Hawaii) in ein nahegelegenes Hotel, stellte mein Gepäck ab und fuhr in das mir bis dato unbekannte Zürich, wo ich zum Bürkli spazierte, Töffli sah, bei Sprüngli Kaffee trank, und abends zufrieden mit dem Gesehenen wieder im Hotel eintraf. Ich meinte, mich aber vage zu erinnern, Grund der Reise sei nicht Sightseeing in der Schweiz, sondern ein Sprachkurs in Wladimir gewesen. Und so nahm ich mir noch mal отдыхать vor.

Unter dem Strich zwei ertragreiche Tage, wenn auch anders als geplant. Ich war wirklich nicht unzufrieden, denn Zürich hat mir gut gefallen, aber der Sonntag hätte halt mein erster Tag Russischkurs sein sollen!

Tag 3: Nach einem ausgezeichneten Birchermüsli zum Flughafen, eingecheckt, Sitzplatz (!), und nur mit leichter, kaum erwähnenswerter Verspätung ging’s nach Moskau. Nach der Landung betrat ich russischen Boden, und dann passierte Folgendes: An der Grenzkontrolle stand niemand, außer Beamten, die auf uns warteten. Mein Gepäckband war das erste und nicht das hinterste. Direkt am Gepäckband befand sich ein Ticketautomat für den Aero-Express. Mein Koffer kam nicht als letzter, sondern ziemlich bald. Der Aero-Express brachte mich zur Ringlinie 5, der Metroautomat nahm meine Münzen, die U-Bahn fuhr gerade ein. Zwei Stationen kuschelig eng mit Moskauern auf dem Weg zum Feierabend. Am Kursker Bahnhof alles perfekt ausgeschildert zum Cтриж nach Wladimir. Mein Waggon 15 wartete gerade dort, wo ich vom Tunnel hochkam, und der Zug nach Wladimir fuhr auf die Minute ab.

Elisabeth Preuß auf der Loggia des Erlangen-Hauses

Und das Allerbeste: Knapp zwei Stunden später erwartete mich Irina Chasowa und fuhr mich ins Erlangen-Haus, unser gemütliches Zuhause in Wladimir. Und dann heißt es: Я люблю отдыхать вo Владимире. Ich freue mich auf die Urlaubstage in Wladimir!

 

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In einem Brief an die Redaktion des Blogs schreibt Sigrid Köhn, seit vielen Jahren Gastgeberin, wann immer Gruppen aus Wladimir unterzubringen und zu betreuen sind:

Herbert und Ute Schirmer, Marina Trubizyna sowie Sigrid und Johannes Köhn, Mai 2011

Hiermit sende ich Ihnen Eindrücke meiner Reise nach Wladimir (6. – 13. Oktober). Dies war jetzt mein dritter Besuch in Wladimir, nachdem ich meine Freundin und ihre Familie beim Fränkischen Fest 1993 in der Partnerstadt kennengelernt hatte. Sie sprach mich damals an und war dann auch dreimal in Erlangen. Als Deutschlehrerin (seit zehn Jahren im Ruhestand) ist sie immer noch an der deutschen Sprache interessiert, die sie mit ihrem Enkel früh geübt hat. Nun unterstützt sie ihn auch im Deutschstudium und hilft Schülern beim Erlernen der Sprache. Sie beklagt allerdings die „neuen“ Unterrichtsmethoden und den Umstand, auch als ehemalige Lehrerin in der Gesellschaft nicht die rechte Anerkennung zu erfahren. So habe sie zum Beispiel am Tag des Lehrers nur von einer einzigen ehemaligen Schülerin eine Grußkarte bekommen. Doch sie kennt ihren Wert und tritt im Alltag selbstbewußt und resolut auf und läßt, wenn nötig, ihre Beziehungen zu ehemaligen Schülern spielen. Auf diese Weise hatte ich auch die Möglichkeit, mit ihr zwei Tage in Moskau zu verbringen.

Wladimir

Mariä-Entschlafens-Kathedrale, gesehen von Wladimir Putschkow

Die überwältigende Gastfreundschaft kann man nur bewundern. Dabei hat meine Freundin nur eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung, in der sie vor meinem Besuch auch eine Erlanger Studentin beherbergt hatte (Bericht folgt, Anm. d. Red.), und besitzt einen Schrebergarten, in dem wir zusammen gearbeitet haben. In den vier Tagen Wladimir waren wir im Puppenmuseum, in Klöstern und Kirchen in der Stadt, in der Kirche an der Nerl und in verschieden Markthallen und Geschäften mit reichem Angebot, besonders im Globus, in dem mich das Fischangebot beeindruckte. Meine Freundin beklagt zwar die hohen Preise, achtet aber sehr auf Qualität und „gönnt“ sich auch etwas. Dabei wollte sie auf keine Weise, daß ich bezahle. Freilich hinterließ ich dann meinen Anteil als „Abschiedsgeschenk“ bei der Tochterfamilie und ihrem Enkel.

Wladimir Fedins Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

So schwierig die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse von uns aus erscheinen, trifft man in Wladimir überall höfliche und freundliche Menschen, und es ist es deshalb wert, die Kontakte zu pflegen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung bei der Vorbereitung der Reise.

Sigrid Köhn

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Nun kann sie wohl endlich im Jahr 2020 kommen, die Fremdenverkehrsabgabe von ein bis zwei Prozent der Übernachtungskosten eines Touristen in Susdal, so wie das Stadtdirektor, Sergej Sacharow, nach dem Beispiel der Partnerstadt Rothenburg o.d.T.  schon seit langem immer wieder fordert. Anders, so sein Petitum, könnten kleinere Kommunen dem Ansturm der Gäste nicht die notwendige Infrastruktur entgegensetzen, zumal in einigen Regionen des Landes diese Taxe bereits erhoben wird.

Die stille Seite Susdals im Herbst

Der Besucherstrom nimmt denn auch beständig zu, vor allem aus Asien. Bereits in den ersten neun Monaten des Jahres wählten mehr Touristen aus dem Fernen Osten als im gesamten Vorjahreszeitraum den Goldenen Ring als Urlaubsziel. Um 41% wuchs deren Anteil, und man geht davon aus, bis zum Ende des Jahres werde man doppelt so viele Chinesen beherbergt haben wie 2017.

Salzgurken im Glas. Für die Richtigkeit der Übersetzung ins Chinesische übernimmt der Blog keine Verantwortung.

Dem trägt man allenthalben Rechnung. Im Straßenbild tauchen überall chinesische Schriftzeichen auf, und die Homepage des Museums für Holzarchitektur hat bereits ein Sinologe für User aus dem Reich der Mitte überarbeitet. Mittels QR-Code und Broschüren in der eigenen Sprache finden sich auch Individualreisende nun besser zurecht. Und dem Stadtsäckel sollte es auch bald besser gehen, wenn man sich weiter ein Beispiel an Rothenburg nimmt, wo man ja mit einem eigenen Konzept schon seit Jahren besonders auf Gäste aus Japan setzt.

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Die Stadt

Es war Ende August 2018 nach 14 Jahren meine vierzigste Reise nach Wladimir. Strahlend blauer Himmel, die ganzen zehn Tage lang, der „Jubiläumsreise“ angemessen, meine ich.

Fußgängerzone Wladimir

Es ist immer wieder beeindruckend, zu erleben, wie sehr sich die Stadt in den wenigen Jahren entwickelt hat. Vor 14 Jahren waren Spaziergänge, vor allem bei schlechtem Wetter, eher ein Hindernislauf um Pfützen und Stolperfallen herum, heute sind Gehsteige gepflastert, und man wird allenfalls gelegentlich von Radfahrern gestört, die verständlicherweise die Bürgersteige den von Autos beherrschten Straßen vorziehen.

Fußgängerzone Wladimir

Auch die Straßen wurden modernisiert, nördlich von der Altstadt entstand eine neue, vierspurige Trasse, um den Durchgangsverkehr durch die Innenstadt besser zu verteilen. Allerdings kann der Straßenbau mit der Zunahme der Fahrzeuge nicht mithalten, und damit wird „Stop and Go“ zum Standard während der Rushhour. Das Internetportal mit der aktuellen Verkehrssituation zeigt jeden Tag morgens und nach Feierabend über die Stadt verteilt rot eingefärbte Straßenabschnitte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 2 km/h.

Patriarchengarten

Eine Oase der Ruhe und Erholung ist dagegen die neue Fußgängerzone neben der Hauptstraße am Abhang zur Kljasma. Alte, restaurierte Häuser, Boutiquen und Andenkengeschäfte, kleine Museen sowie drei Aussichtsplattformen mit Blick zur Kathedrale, zur Kljasma und zum Patriarchengarten laden zum Verweilen ein. Dieser Park (Eintritt 80 Rubel) mit einer großen Fontäne und Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale ist besonders schön im Mai, wenn die Kirschen blühen.

Springbrunnen im Zentrum von Wladimir

Ganz neu und erst zum Stadtfest am 26. August eingeweiht, ist der Springbrunnen vor dem Schauspielhaus am Goldenen Tor. Der Brunnen ist ebenerdig mit Gitterrosten angelegt, und so kann man zwischen den in der Intensität ständig wechselnden Fontänen einherspringen, ein Magnet für Kinder und gelegentlich auch für jung gebliebene Erwachsene. Abends erstrahlt das Ensemble dann in bunten Farben, und stündlich wird das Ganze noch mit Musik untermalt.

Wasserfreuden

Nicht weit entfernt liegt die Kirche der katholischen Rosenkranzgemeinde. Natürlich hat Pfarrer Sergej Sujew Zeit, mir die Fortschritte auf der Baustelle des Pilgerzentrums zu zeigen. Strom, Wasser, Abwasser und Heizung sind installiert, jetzt steht der Innenausbau an. Zurzeit wird aber noch an der Außenanlage gearbeitet. Durch einen Gerichtsentscheid wird das Grundstück geschätzte 100 m² größer, was z. B. zusätzliche Parkflächen ermöglicht. Leider erschweren und belasten immer wieder neue Auflagen die Kostenseite und damit den Fortgang der Arbeiten. So müssen jetzt alle Stromzuführungen unterirdisch verlegt werden, und dies trifft nicht nur den Neubau, sondern auch das Pfarrhaus und die Kirche. Bis zur Einweihung des Zentrums wird sicher noch mindestens ein Jahr vergehen, vorausgesetzt, die Spenden kommen rechtzeitig an.

Die Initiative Swet

Seit 1995 besteht in der Region Wladimir die Initiative Swet, in der sich mehr als 800 Eltern von Kindern mit den verschiedensten Behinderungen zusammengefunden haben. Ziel ist es, die jungen Leute aus der durch die administrativen Vorgaben und die medizinische Therapie entstandenen Isolation zu befreien und in die Gesellschaft zu integrieren, ein Recht, das ihnen durch die Gesetze der Russischen Föderation garantiert wird. Swet erfuhr vielfältige Unterstützung durch die Partnerschaft mit Erlangen. Mit Einzelspenden und Spendenaktionen wurden die Projekte gefördert. Mit Unterstützung von Erlangen entstanden Kontakte zu deutschen Einrichtungen und Institutionen der Behindertenarbeit, die WAB in Kosbach stellte z. B. Hospitationen zur Verfügung.

Jurij Katz in Susdal

Einer der Initiatoren und engagierten Repräsentanten ist Jurij Katz, mit dem ich über die Wiederbelebung von Hospitationen bei den Barmherzigen Brüder in Gremsdorf geredet habe. Diese Zusammenarbeit geht zurück auf das Projekt „Lichtblick“ mit dem Kinderzentrum „Blauer Himmel“. Aus dieser Zusammenarbeit erhielt Swet 2015 ein Datscha-Grundstück am Nerl zur geeigneten Verwendung. Das Grundstück wurde dann verkauft, weil die von Swet betreuten Menschen in der Gesellschaft, in Städten leben sollen, ein Leben auf dem Land würde wieder eine Isolierung bedeuten.

Swet-Baustelle in Susdal

Jurij Katz fuhr deshalb mit mir nach Susdal, um die aus dem Erlös des Grundstücks gekaufte Wohnung zu besichtigen. Sie liegt in der Mitte der Stadt, direkt gegenüber von den Handelsreihen. Es handelt sich um eine von drei Wohnungen in einem alten Holzhaus. Zurzeit läuft eine umfassende Renovierung, drei Handwerker waren auf der Baustelle tätig. Es entstehen drei Wohn-/Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein WC mit Dusche und ein kleiner Lagerraum. Das Ganze soll als Schulungszentrum für Behinderte (ggf. mit Angehörigen) genutzt werden. Bis zu neun Personen können unterkommen und sollen in ein- bis mehrwöchigen Kursen die Grundlagen eines eigenständigen Lebens erlernen.

Jurij Katz im neuen Zentrum

Danach besuchten wir noch ein Therapiezentrum für behinderte Kinder in Susdal. In sozial schwachen Susdaler Familien sind 80 behinderte Kinder bekannt. Das Zentrum wurde von einer privaten Initiative gegründet, die Organisation Swet hilft beratend.

Therapiezentrum in Susdal

Die Finanzierung erfolgt durch Sponsoren, auch die Stadt Susdal gibt mit kleinen Anteilen Unterstützung. Ein verfallener Gebäudekomplex wird, getaktet durch die Verfügbarkeit von Spenden, Raum für Raum ausgebaut. Es ist immer wieder erstaunlich, was mit einfachen Mitteln erreicht werden kann!

Jurij Katz

Auf dem Weg zurück fällt uns etwa in der Mitte zwischen Susdal und Wladimir auf der linken Seite ein großer Neubau ins Auge, ein privates Museum mit Autos und Motorrädern. Darin befindet sich ein Café, an dessen Bar man auf Motorrädern Platz nimmt.

Wolfram Howein

Wir machen eine Sitzprobe, verziehen uns für unser Gespräch aber gerne auf die Stühle an den nebenstehenden Tischen. Ob sich das Investment rechnet? Ich bin mal gespannt, was daraus in einem Jahr geworden ist, wenn ich mal wieder nach Susdal fahren werde.

Wolfram Howein

Fortsetzung folgt.

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