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Archive for the ‘Tourismus’ Category


Ein Schneesturm fegte durch die Welt,
kein Ende kannte,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Wie sommers die Stechmückenschar
die Flammen locken,
umkreist der Fensterrahmen war
von weißen Flocken.

Das Schneegestöber deckte schnell
das Glas so samten,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Und an der Decke ließ das Licht
die Schatten schweben,
die Schatten überkreuzten sich
wie auch die Leben.

Und zwei Schnürschuhe klappten leicht
auf die Holzdielen,
aufs Kleid Wachstropfen, tränengleich,
herunter fielen.

Im Schneedunst versank die Welt,
im silberblanken,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Die Kerze flackerte im Hauch,
Lust am Entflammen,
wie Engel schwang die Flügel auch
zum Kreuz zusammen.

Schnee wehte treibend durch die Welt,
die Tage rannten,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Boris Pasternak

Bilder aus Wladimir: Max Firgau

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Es ist die Krux aller touristisch attraktiver Städte und Stätten. Überall bieten – meist unter dem Marktpreis – private Fremdenführer ihre nicht immer professionellen Dienste an. Diesem Unwesen will man nun seitens des Wladimirer Landesmuseums abhelfen, indem man Anfang nächsten Jahres eine Lizenz einführt, die, gestaffelt nach Touren, berechtigt, Touristen die Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Dazu ist neben einer Gebühr bei der Anmeldung eine dreistufige Prüfung abzulegen: Vorstellung einer Tour in der Theorie, dann vor Ort und schließlich Nachweis allgemeiner Kenntnisse über Geschichte und Landeskunde.

Panoramablick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Die Genehmigung soll dann je nach Gültigkeitsbereich zwischen 4.000 und 7.000 Rubel Jahresgebühr kosten und vorbehaltlich gelten, denn eine Fachkommission ist berechtigt, laufend die Qualität der Führungen zu überprüfen. Entzogen wird die Lizenz natürlich auch bei jeder Art von Mißbrauch, etwa bei der Weitergabe der eigenen Kennmarke an „schwarze“ Kollegen, bei Touren abseits der eigenen Zulassung oder beim Ablegen von falschem Zeugnis gegenüber der Arbeit des Museums.

Pallas mit Demetrius-Kathedrale

Ob sich die privaten Fremdenführer durchsetzen, wird sich zeigen. Zu wünschen wäre nur mehr Einfühlung in das notorische Unwissen der ausländischen Gäste hinsichtlich der russischen Geschichte. Zu viele zumeist unbekannte Namen und isolierte Jahreszahlen verwirren oft nur. Mehr Überblick und Einordnung in die großen Zusammenhänge der europäischen Geschichte könnten da hilfreich sein.

P.S.: Ja, der Winter hat in Wladimir Einzug gehalten.

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Man kann seine Anreise noch so gut planen und die besten Absichten hegen, um dann doch nur wieder feststellen zu müssen, wie ausgeliefert der Passagier der Willkür der Umstände bleibt.

Warum, so denkt sich der Reisende, eigens wegen zweier Gäste von Wladimir ein Auto nach Moskau schicken, wenn es doch auch passende Zugverbindungen gibt. Was aber, wenn die Aeroflot-Maschine nicht, wie vorgesehen, um 13.05 Uhr in München abhebt, sondern erst gegen 15.00 Uhr? Und was, wenn dann auch noch bei der Ankunft die Schlangen bei der Abfertigung kein Ende nehmen wollen und einem auch noch der Zubringer in die Stadt vor der Nase wegfährt und man erst den Zug um 21.30 Uhr erreicht? Alles, was sich auf dem Fahrplan so schön ineinandergefügt hatte, ist jetzt dahin: Das Erlangen-Haus – ganz auf Service eingestellt – hatte sogar die Fahrkarten für die „Lastoschka“, die „Schwalbe“, gebucht, die um 21.07 Uhr vom Kursker Bahnhof in zwei Stunden und elf Minuten nach Wladimir saust. Auch der letzte Bummelzug um 21.12 Uhr, der fast drei Stunden bis zur Partnerstadt braucht, war natürlich – bei der notorischen Pünktlichkeit im russischen Eisenbahnwesen – längst weg, denn der „Aeroexpress“ endet am Weißrussischen Bahnhof, von wo aus man mit all seinem Gepäck per Metro auf der „Ringstrecke“ bis zum Kursker Bahnhof fährt, was auch noch einmal alles in allem eine halbe Stunde kosten kann. Das kostet Puste!

Axel Just im zweiten Rang des Liegewagens Moskau – Wladimir – Ischewsk

Gut, wenn man da jemanden wie Jonas Eberlein hat, der einen erwartet, die Fahrkarten umtauscht und noch eine gute Reise wünscht, wenn es dann doch um 22.55 Uhr im Schlafwagen losgeht, der auf dem Weg nach Ischewsk seinen ersten Halt um 1.16 Uhr in Wladimir einlegt. Gut, wenn Jonas Eberlein sich um die Abholung von Axel Just gekümmert hat, der als Mitglied des Erlanger Jugendparlaments die beiden letzten Tage als Gast des Jugendforums „Potsdamer Begegnungen“ in Moskau verbrachte und nun den Rest der Woche Wladimir kennenlernen will.

Axel Just im Erlangen-Haus

Und besonders gut, wenn man dann noch zu später Stunde im Erlangen-Haus freundlich empfangen wird, auch wenn der Taxifahrer – Partnerschaft hin, Partnerschaft her – seinen gepfefferten Nachtzuschlag fordert und für die Kurzstrecke stolze 300 Rubel nimmt. Wir nehmen es sportlich, raten aber vor Nachahmung dieses Reiseplanes ab. Der kann nämlich immer noch schiefer gehen, die Umstände könnten noch widriger sein. Der allerletzte Zug von Moskau nach Wladimir geht zwar um 23.55 Uhr vom Jaroslawsker Bahnhof, aber man muß es ja nicht darauf ankommen lassen…

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Da der Blog keinen Redaktionsschluß kennt, sind auch Beiträge stets willkommen, die erst einige Zeit der Lagerung und Reifung benötigen. Daher heute Betrachtungen über Möglichkeiten der Anreise nach Wladimir von Moskau aus, niedergeschrieben schon vor etlichen Monaten von Jonas Eberlein, also einem, der bereits als Schüler des Ohm-Gymnasiums auszog, um die Partnerstadt kennenzulernen und dort seit seiner Tätigkeit für den Deutschen Akademischen Austauschdienst immer wieder ein wohlgelittener Gast ist.

Obgleich es eine Fahrt ist, die nur so lange dauert, wie ein ausgedehntes Mittagessen mit einem guten Freund, nehme ich selten den Zug gen Osten nach Wladimir, in die weiße Stadt an der Kljasma. Oft schon habe ich die Partnerstadt Erlangens besucht, – aber niemals war ich mit dem Fahrrad dort gewesen.

Jonas Eberlein, Gertrud Härer, Manuel und Fredi Schmitt; nur das Tandem durfte nicht mit…

Den schaurigen Wettervorhersagen zum Trotz strahlt immer noch die Sonne, als ich bereits zum zweiten Mal heute mit meinem Köfferchen in die Trambahn steige, um zum Bahnhof zu fahren. Dieser leuchtende Apriltag wäre die Gelegenheit für eine ausgedehnte Radtour gewesen. Zwei Tage würde es dauern, wenn man nicht die M7 nähme, die wie alle „Automagistralen“ im weiten Land für Radfahrer verboten ist. Zwei Wege bietet ein Blick auf die Karte: südlicher durch das Torfgebiet von Sсhatura, oder über Kirschatsch und Koltschugino, nördlich der Magistrale.

Jonas Eberlein, Susanne Lender-Cassens und Gertrud Härer in Susdal – ohne Tandem

Rückenwind wäre heute gewesen, denke ich, als mich eine Stimme zurück in den Wartesaal reißt: „Wären Sie ein paar Minuten früher gekommen“, sagt der Administrator und liest mir die nächsten Abfahrtszeiten vor, die ich auf meinem Smartphone so oft gescannt hatte, als ich in der Schlange wartete, daß ich sie ihm beinahe auswendig aufsagen konnte. „Vor ein paar Minuten“, verkneife ich mir zu kommentieren, „ließ sich eine betagte Dame bezüglich ihrer Reise nach Minsk beraten.“ – „In drei Wochen, junger Mann“, hatte sie zu demselben Herrn gesagt, der nun vor mir steht. Durch eine riesige Glasscheibe ist er abgetrennt von der hektischen Welt. Und in den nächsten Feiertagen wollte ein Herr nach Jekaterinburg reisen, erkundigte sich daher höflich nach unteren Liegeplätzen im Nachtzug: „Aber in Waggon Nr. 3 vielleicht? Sehen Sie doch bitte noch einmal nach, ja?“ Der multilinguale Automat, der gegenüber den Kassenfenstern in der Wartehalle lauert und dessen rot gestrichener Blechkollege heute sowieso nicht arbeitete, wollte partout keine Tickets mehr für den frühen Zug verkaufen. Drei Mal hatte ich es in gründlicher Eile versucht.

Jonas Eberlein mit Peter Steger zum Aufwärmen auf dem Tandem in Wladimir vor dem Halbmarathon im September

„Für den Nachmittagszug also, junger Mann?“, fragt mich der Administrator. „Für den Nachmittagszug also“, gebe ich zu. „Kasse 16“, sagt der Administrator und nimmt meinen Reisepaß an sich, um mir ein Ticket ausstellen zu lassen. Ich hätte wirklich mit dem Fahrrad fahren sollen.

Jonas Eberlein – aus dem April 2017

Photos: Othmar Wiesenegger

Jonas Eberlein und Doris Härer vor dem Lauf

Regelmäßige Blogleser wissen es längst: Jonas Eberlein, Erlangens „Botschafter“ in Moskau, war mittlerweile mit dem Rad, sogar per Tandem, in Wladimir, zusammen mit Gertrud Härer, und wird hoffentlich noch die eine oder andere Anekdote dieser Reise nachliefern, zu der es den immer wieder lesenswerten Blog gibt: https://gertrud.haerer.org

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Die Früchte der Förderung des Fremdenverkehrs in der Region Wladimir durch Politik und Wirtschaft machen Freude. Als dieser Tage nämlich die Organisatoren des Wettbewerbs „Russian Event Awards“ – 639 Projekte aus 65 Landesteilen der Russischen Föderation hatten teilgenommen – zur Preisverleihung schritten, erhielt das Gouvernement am Goldenen Ring einen ganzen Strauß von Auszeichnungen in den verschiedenen Kategorien.

Fremdenverkehrsbüro auf dem Kathedralenplatz von
Wladimir, Quelle Zebra-TV

Platz eins in der Nomination „Städtisches Fremdenverkehrszentrum“ ging an die Stadt Wladimir, Rang drei an den Landkreis Gorochowez an der Grenze zur Region Nischnij Nowgorod. Ganz vorne zu liegen kam die Region Wladimir auch in der Kategorie „Unterbringung“ mit dem „Klubhotel Weles“ im Dorf Dworiki, Landkreis Kameschkowo. Oben auf dem Treppchen kam das „Mückenfest“ von Sudogda als bestes Beispiel für „Kindertourismus“ zu stehen.

Der „Velo-Sommer“ in Susdal

Und auch der Grand-Prix für die gelungenste Veranstaltung im Rahmen des Umweltjahres ging nach Sudogda bei Wladimir für das „Waldfest“. Einen Sonderpreis in der Disziplin „Tourismus und Sport“ erhielt Susdal für das heuer erstmals veranstaltete Fahrradfestival „Velo-Sommer“, und auch der Grand Prix für die erfolgreichste Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsgewerbe nahm für sein „Winteraustreiben“ die Partnerstadt von Rothenburg o.d.T. entgegen.

Okroschka-Tag in Wladimir

Den ersten Platz bei der „Popularisierung von Event-Tourismus“ teilt sich Murom für die alljährliche Veranstaltung zum „Tag der Familie, Liebe und Treue“ mit den „Harley Days“ in Sankt Petersburg. Da verwundert es nicht, wenn auch das überregionale Wirtschaftsforum „Goldener Ring Rußlands – 50“ den Großen Preis für die beste Veranstaltung anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens des Goldenen Rings zugesprochen bekam. Und – wie zum Nachtisch – gab es vom Nationalen Verband der Bewahrer des gastronomischen Erbes und Fremdenverkehrs auch noch Lob für das dem Susdaler Honigwein gewidmete „Medowucha-Fest“ und den „Okroschka-Tag“ im Wladimirer Restaurant „Russisches Dorf“. Da bleibt nur, zu den Erfolgen zu gratulieren und – auch wenn sie eher in den Sommer paßt – wieder einmal eine Okroschka zu probieren: https://is.gd/5nJzjY

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„Unsere Stadt besuchen jährlich mehr als eineinhalb Millionen Touristen, und als Zentrum des Fremdenverkehrs sollte Susdal auf der Höhe der Zeit sein“, meint Stadtdirektor Sergej Sacharow und hat allen Grund zur Freude und zum Stolz. Der Staatskonzern „Rostelekom“ hat nämlich entsprechend einem Vertrag von Ende November vergangenen Jahres mehr als sieben Kilometer Glasfaser verlegt und garantiert nun an 19 Punkten kostenlosen Internetzugang mit einer Leistung von zwei Gigabyte pro Sekunde, ausbaubar auf zehn Gigabyte.

Die Stadtverwaltung mietet die Leitungen für zunächst drei Jahre zum Preis von fast eineinhalb Millionen Rubel p.a., was laut „Rostelekom“ keinesfalls die Investitionskosten decke, weshalb man die Aktion denn auch mehr als Geste des guten Willens verstehe. Dem Gast der Zehntausend-Seelen-Stadt jedenfalls bietet sich nun die Möglichkeit, einmal eingewählt, die Sehenswürdigkeiten zu besuchen und sich gleichzeitig frei durch die virtuellen Welten zu bewegen, seine Bilder und Eindrücke in Echtzeit um den Globus zu schicken, ohne sich immer wieder neu im Internet anmelden zu müssen. Übrigens ganz wie in Rothenburg o.d.T., der fränkischen Partnerstadt von Susdal, wo die Devise gilt: „Für die über zwei Millionen Besucher aus aller Welt, aber auch für Einheimische, ist die schnelle mobile Verbindung ins Internet, abseits des eigenen Mobilfunkvertrages, der kostengünstige Draht nach Hause oder in die Welt.“ Die beiden Partnerstädte sind halt auf Draht.

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Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

jetzt hat es etwas gedauert, bis ich zum Schreiben des letzten Teils gekommen bin. Ich war in der Zwischenzeit in Rom, der ewigen Stadt, und das wäre einen eigenen Reisebericht wert. Natürlich nicht in diesem Blog. Aber vielleicht doch eine kleine Anmerkung, etwas Besonders, das die Menschen in Rom auszeichnet. Also in den Bussen war es genauso voll wie in den Trollis in Wladimir. Man hätte auch hier einen „Schubser“ wie in Japan brauchen können. Frei nach der Devise „einer geht noch rein“ standen wir wie die Soldaten im Bus. Umfallen war nicht mehr möglich. Dafür habe ich mir ganz umsonst den römischen Grippevirus eingefangen. Der war wohl im Fahrpreis inbegriffen. Also was wollte ich erzählen? Wir, insgesamt elf Personen, waren im Generalat, dem Hautquartier des Ordens der Barmherzigen Brüder. Wir hatten vier Menschen mit einer Behinderung dabei. Anlaß und Hintergründe der Reise erzähle ich jetzt nicht. Natürlich wollten wir alles besichtigen. Eine Papstaudienz, ein Spaziergang durch den Vatikan, das Kolosseum, der Trevi-Brunnen, der Dom und das Vatikanmuseum, die Katakomben usw. gehörten zu unsrer Besichtigungstour. Und fast überall waren endlose Menschenschlangen, und es wurde Eintritt verlangt. So und jetzt kommt das Besondere der Römer. Als Ordner oder Wachpersonen sahen, daß wir Menschen mit Behinderung bei uns haben, hieß es immer „no line“, wir mußten uns also nicht anstellen und durften immer nach vorne durchgehen. Damit aber noch nicht genug. Nein, es kommt noch besser. Was glaube Sie ist das? Wir brauchten keinen Eintritt bezahlen und sparten so über 300 Euro. Als wir diese Erfahrung erstmals im Vatikanischen Museum machten, sagte eine der mitreisenden behinderten Frauen ganz unbedarft: „Na, wir sind halt VIPs“.

Sie können sich vorstellen, wie wir uns alle amüsiert haben und uns diese Aussage stets begleitet hat. Wir werden auch künftig nicht mehr von einem Wohnheim für Behinderte sprechen, sondern von Wohnmöglichkeiten für VIPs. Die Werkstatt für behinderte Menschen wird ebenfalls umgetauft und heißt jetzt Werkstatt für VIPs.

Jetzt geht es aber rasant weiter mit meinem Bericht über Pljos und Kostroma und..? Besonders elegant war es an der Promenade der Wolga. Einen schönen Sonnenuntergang konnte ich verfolgen.

Eindrucksvoll waren auch die brennenden Bäume. Da gab es eine Straße, die von der Promenade hoch nach oben führte. Dort habe ich auch das Bild mit dem Sonnenuntergang gemacht. Wenn man oben auf dieser Anhöhe ist, geht es in eine Allee. Es waren lauter schöne und große Platanen, die die Allee säumten, leicht abschüssig nach unten zu einer Aussichtsplattform. Als ich meinen Blick nach hinten richtete, mochte ich meinen Augen nicht trauen. Ist da ein Feuer, ein Brand ausgebrochen? Nein, kein Feuer, sondern ein Schauspiel der Natur. Just in diesem Moment war die Lichteinstrahlung von der tiefstehenden Sonne so intensiv, daß man „brennende“ Bäume sah. Sehen Sie selbst.

Und noch etwas muß erwähnt werden. Im Vordergrund des Bildes sehen Sie eine Bank. Und diese Bank, bzw. die Sitzbänke in der Stadt, zeichnet etwas Besonderes aus. Es handelt sich nämlich nicht nur um Bänke, sondern sie zeigen mir einfach, wie liebevoll die Menschen hier mit ihrer Stadt umgehen. Es ist die Liebe zum Detail, zur Schönheit und Einzigartigkeit. Im nächsten Bild werden Sie sehen, was ich meine. Diese kleine Zierde an den Bänken sorgt sofort für eine Identifikation mit der Stadt und lässt uns die Stimmung der Menschen hier erahnen.

Sie sehen, die Bank wurde mit einem Ausschnitt aus dem Stadtwappen gestaltet.

Fürst Jurij Dolgorukij war es, der im Jahr 1152 im Siedlungsgebiet finno-ugrischer Stämme Kostroma gründen ließ. Diese Völkerschaften besiedelten vermutlich schon viel früher diese Region. Unter Zar Michail Romanow entwickelte sich die Stadt rasant und wurde 1778 zur Gouvernementshauptstadt erhoben. Also so wie Ansbach für den Bezirk Mittelfranken oder Landshut für den Bezirk Niederbayern.

Die Galeere im Wappen deutet übrigens auf den Besuch der Kaiserin Katharina die Große hin. Im Jahr 1767 war die Zarin dort quasi auf der Durchreise bei ihrer Wolgafahrt.

Nicht unerwähnt bleiben darf das Ipatios-Kloster. Warum? Natürlich gibt es überall diese wunderschönen Kirchen und Klöster in Rußland. Aber das Ipatios-Kloster ist eines der bedeutendsten seiner Art und gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten am Goldenen Ring. Es ist ein russisch-orthodoxes Männerkloster und wird erstmals urkundlich 1432 erwähnt. Hier lebte übrigens dann auch der oben bereits erwähnte Michail Romanow in der Verbannung, bevor er zum Zaren gewählt wurde.

Sicher gibt es noch viele andere besondere Gebäude in Kostroma, wie z.B. die Christi-Geburts-Kirche oder die Christi- Verklärungs-Kirche. Diese erkunden Sie, liebe Leserinnen und Leser, bei Ihrer nächsten Reise nach Rußland  aber besser selbst. Sonst werde ich ja gar nicht mehr mit meinem Bericht fertig.

Nach drei Tagen Kostroma (eigentlich zu kurz für diese großartige Stadt) geht es mit dem Auto zurück nach Wladimir. Die Rückfahrt stellen Sie sich jetzt einfach in der umgekehrten Reihenfolge wie die beschriebene Anfahrt vor.

In Wladimir selbst war dann mieses Regenwetter angesagt. Dennoch sollte ein ausführlicher Spaziergang möglich sein. Die Stadt verändert sich ja auch ständig, und da entdeckte ich diesen neugestalteten Platz zwischen der alten Apotheke und der katholischen Kirche. Ganz wundervoll, mit vielen Details und in Bronze gegossenen Statuen, werden hier kleine Geschichten erzählt, findet man Hinweise auf historische Gegebenheiten. Schon von weitem sah ich den Apotheker und assoziierte mit der Statue sofort eine in Wladimir bekannte Persönlichkeit die sich über viele Jahre hinweg in der Stadt engagierte. Wissen Sie wen ich meine? Schauen Sie sich doch einfach mal das Bild an. Ich könnte da eigentlich gleich ein Preisausschreiben damit verbinden. Gerade aber habe ich halt keinen passenden Preis für den Sieger zu Hand. Dennoch können Sie hier natürlich einen Tip abgeben. Würde mich freuen, im Blog Ihre Ideen zu lesen. Jetzt aber Vorhang auf. Sogar die Darstellung als Apotheker paßt irgendwie zu ihm. Na, schon Ideen und Gedanken?

Etwas weiter habe ich mich dann mit dem Feuerwehrmann angefreundet.

So, liebe Blogredaktion, liebe Leserschaft, jetzt höre ich aber endgültig mit der Schreiberei auf, bevor ich Sie alle noch langweile. Dennoch muß ich kurz auf das regnerische Wetter eingehen. Die letzten zwei Tage in Wladimir hat es Tag und Nacht geregnet. Aber wie! Richtig heftig! Wie wenn der Himmel einen Wassereimer nach den anderen ausschüttet. Hier sagen wir manchmal, unser heiliger Petrus sei wohl undicht geworden. Ich hatte wirklich schon Bedenken, daß es die Bahnschienen ausschwemmt und ich nicht mehr nach Hause komme. Ob es jetzt eine Befürchtung war oder vielleicht eine Hoffnung, weiß ich gerade nicht. Auf jeden Fall war ich auf meinen Ausflügen in Wladimir ständig durchnäßt. Ganze Bäche und Flüsse bildeten sich auf den Straßen, und es war trotzdem irgendwie schön.

Jetzt aber wirklich zum Schluß. Die Region um Wladimir ist ja auch eine der Kornkammern von Rußland. Und das will ich in einem abschließenden Bild zeigen. Unendliches Kornfeld in der unendlichen Weite Rußlands. Das Bild entstand in der Nähe der Stadt, Sie wissen schon, dort wo es nichts gibt außer die Unendlichkeit. Bevor ich ins Schwärmen komme, hier das Bild.

So, jetzt könnte ich noch über Landbau, Nachhaltigkeit oder alternative Landwirtschaft erzählen. Aber vielleicht deutet das Unkraut im Kornfeld einfach nur darauf hin, daß zum falschen Zeitpunkt gegen Unkraut gespritzt wurde. Ich weiß es einfach nicht.

Bis bald mal wieder, sehr geehrte Leserinnen und Leser des Blogs. Hoffe, Sie hatten etwas Freude an meiner Erzählung zur Reise. Und wer doch am Preisausschreiben teilnehmen will, der möge sich melden. Ein kleiner Preis wird mir schon noch einfallen.

Herzlicher Gruß!

Günther Allinger

Wer sich noch einmal mit dem augenzwinkernden Autor auf die vergnügliche Reise von der Kljasma über die Wolga bis zum Tiber machen möchte, klicke hier https://is.gd/xYhzPh und da https://is.gd/S8Gtdm und freue sich des Lebens.

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