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Archive for the ‘Tourismus’ Category


Boris Putschkow, Moderator bei Gubernia33, gehört zu den profiliertesten Photographen Wladimirs. Dieser Tage veröffentlichte er im Internet eine kleine Serie mit Bildern aus der Partnerstadt, die man mit beiden Augen betrachten sollte, mit jenem, das laut Angelus Silesius nur sieht, was sich in flüchtiger Zeit bewegt, und mit dem andern, das erblickt, was ewig ist und göttlich:

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„Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ sagt sich Wassilij Nikitinskij aus Wladimir und behauptet denn auch, sein Blog werde von den besten Menschen des Planeten gelesen. Wenn Sie auch zu diesem erlesenen Kreis gehören wollen, empfiehlt sich ein Klick auf diesen Link: http://nikitinskiy.com/ob-avtore

Wie auch immer, man findet dort neben vielen anderen Reisereportagen auch einen Bericht zu einem Kloster, das kaum ein Wladimir-Reisender zu sehen bekommt, obwohl es unweit von Pokrow liegt, unmittelbar an der Strecke zwischen Moskau und Wladimir. Ein Schwenk dorthin würde sich durchaus einmal lohnen…

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Es war im 16. Jahrhundert, als sich in der Nähe der bereits damals bestehenden Landstraße zwei Mönche niederließen und eine kleine Kirche auf einer Insel bauten. Mit der Zeit gewann der Ort an Anziehungskraft, die örtliche Bevölkerung unterstützte die Ordensleute, und so entstand das heutige Frauenkloster im Wwedenskijsee. IMG_0244 copy.jpg

Zwei Brücken verbinden den Komplex mit dem Festland, die wichtigere und große ist sogar befahrbar, allerdings nicht für Gäste.IMG_0198 copy.jpg

Ein sicherer Stand mit schönem Ausblick.
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Der See selbst ist fast rund, wie die meisten stehenden Gewässer in der Region Wladimir. Ein Umstand, der mit der Karstlandschaft zusammenhängt.IMG_0204 copy.jpg

Von der Betonbrücke aus sieht man auch den Holzsteg.
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Kurz zur Geschichte: Den Segen zur Erhebung in den Rang eines Klosters gab Zar Peter I. Nach dem Aufblühen der Gemeinschaft unter Abt Sergij setzte unter seinem Nachfolger im Amt, Pater Nektarij, ein rascher Niedergang ein. Er hatte die neue Kirche und die Glocke für den Spottpreis von 28 Rubeln an die umliegenden Kirchdörfer verschachert. Wie durch ein Wunder kam der Besitz aber auf die Insel zurück, und man baute anstelle der Holzkirche ein Gotteshaus aus Stein. Im 19. Jahrhundert errichten die Mönche dann eine neue, Nikolaus dem Wundertäter geweihte Kirche, einen Wohntrakt mit den Zellen, einen Bau für den Abt und am Seeufer ein Pilgerheim. Nach der Oktoberrevolution kam hier alles zum Erliegen, im Kloster richteten die Sowjets ein Altenheim, eine Anstalt für Waisenkinder und schließlich sogar ein Frauengefängnis ein. Erst Anfang der 90er Jahre erfolgte die Rückgabe an die Kirche und die Auferstehung des Klosterlebens. Seit 1995 leben hier Nonnen. Besonders verehrt wird hier das Grab eines der Äbte, des Paters Kleopa, der zu den Lokalheiligen zählt.

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Zwei Kirchen schmücken heute die Kirche, die eine Nikolaj dem Wundertäter geweiht, die andere der Allerheiligsten Gottesmutter. Und rund herum wird im Garten gewerkelt.IMG_0207 copy.jpg

Als männlicher Gast, so der Autor, sollte man freilich mit seinem Objektiv nicht zu nahe herankommen und sich lieber in Richtung des Holzstegs aufmachen.IMG_0208 copy.jpg

So kommt man am neuen Glockenturm vorbei.
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Und geht weiter zur Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die derzeit renoviert wird.
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Am Steg angelangt, hört und sieht man ganze Schwärme von Möwen.IMG_0212 copy.jpg

Mit all ihren Hinterlassenschaften…
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Von hier dann der Blick zurück.
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Und von hier könnte man dann rübergehen zu einem der „Lost Places“ der Region Wladimir, dem geschlossenen Bau der einstigen Sonderanstalt für minderjährige Mädchen mit gemeingefährlichem Verhalten.IMG_0216 copy.jpg

Das Frauenkloster soll einen Gegenentwurf dazu gegründet haben, ein Kinderheim mit dem Namen „Arche“, das der Blogger allerdings nicht zu Gesicht bekam.IMG_0218 copy.jpg

Noch einmal geht es zurück auf die Insel.
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Und dann eröffnet sich der Blick auf eine Kapelle im Wasser, die allerdings geschlossen war.
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Wieder Möwen, die überall an den Gebäuden und auf dem Gelände nisten.
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Da der Blogger früh am Morgen gekommen war, traf er nur eine ältere Nonne und zwei Bauarbeiter aus Usbekistan an.
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Das Wetter hätte besser sein können, aber man kann sich vorstellen, was hier an klaren Tagen für eine Morgendämmerung oder Abendstimmung möglich ist.IMG_0229 copy.jpg

Ein Landesteg?
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Landschaftsdesign.
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Verbote.
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Photo- und Videoaufnahmen in der Kirche werden nicht gutgeheißen.
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Das Haus der Äbtissin. Still und sauber.
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Hier gibt es, später am Tag, etwas zu essen, vor allem für Pilger und Besucher. Das Kloster hat auch eine eigene kleine Molkerei.IMG_0239 copy.jpg

Der Apostel Johannes nannte Klöster einmal „Inseln der Gottesliebe“. Hier, an diesem See, darf man diesen Ausspruch wörtlich nehmen.IMG_0240 copy.jpg

Also: Bei der nächsten Fahrt nach Wladimir oder von der Partnerstadt zurück nach Moskau einfach hier abbiegen https://is.gd/w0deEH und – reif für die Insel – eine halbe Stunde dem lieben Gott näher sein.

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Immer wieder erhellend zu hören, wie Gäste aus Wladimir Deutschland erleben. Heute deshalb der Reisebericht von Tamara Mironowa, die im Dezember mit dem Kammerchor in Erlangen auftrat und nun dieser Tage eine Reise nach Prag mit einem Ausflug nach Dresden machte. Auch wenn sie es nicht ganz bis nach Erlangen schaffte: lesenswert.

Natürlich ist es unmöglich, eine Stadt, in die man als Gast kommt, innerhalb weniger Tage kennenzulernen. Nach Prag zum Beispiel möchte ich wieder und wieder kommen – und möglichst zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Die Stadt ist immer herrlich und märchenhaft. Prag hat aber auch einen weiteren Vorteil für Besucher, denn es bietet (dabei ausgesprochen günstig für russische Touristen) die Möglichkeit, auch einen Abstecher in die Nachbarländer der Tschechei zu machen. Und so kamen wir bei der jüngsten Fahrt auch nach Deutschland. Eine Stunde per Bus – und schon waren wir im prächtigen Dresden. Mein Gott, wie sich diese Stadt von Prag durch ihre Atmosphäre, Luft und Farbgebung unterscheidet! Dresden ist gedämpfter, verhalten, stiller als Prag. Und dann der Zwinger mit seinen einzigartigen Museen, wo sich auch Raffaels Sixtinische Madonna findet, oder der Königspalast mit dem Bild des Fürstenzugs gleich nebenan, der die Geschichte Sachsens zeigt.

Tamara Mironowa

Am stärksten aber beeindruckte mich die Frauenkirche! Sie stellt eines der Symbole der Stadt dar, wurde 1945 zerstört und erst in den 90er Jahren wiederaufgebaut. Die Originalsteine erkennt man vor dem hellen Hintergrund der Fassade an den schwarzen Flecken. Dresden ist eine Stadt von erstaunlicher Schönheit, die sorgfältig wiedererstand. Seelische Wunden lassen sich heilen, aber auch die Wunden einer Stadt wachsen irgendwann zu. Früher oder später werden die neuen und die alten Steine die gleiche Farbe annehmen…

Und als Mahnung an die für Dresden schrecklichste Zeit, ist auch das Graffito eines russischen Scharfschützen erhalten: „Geprüft. Keine Minen mehr.“

Tamara Mironowa

 

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Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Bogoljubowo, besichtigten das dortige Kloster und wanderten zur außerhalb gelegenen Mariä-Schutz-und-Fürbitt-Kirche. Mit Freude stellte ich dabei fest, daß auf Rußlands Wiesen doch noch einige Pflanzen mehr blühen als in Deutschland. Dementsprechend mehr Schmetterlinge waren auch überall unterwegs. Selbst in Wladimir trafen wir auf deutlich mehr Schmetterlinge als in Erlangen.

Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl

Zum Wochenwechsel hin änderte sich auch das Wetter. Es kühlte etwas ab, und es zog sich immer mehr zu. Da der Montag noch trocken sein sollte, nutzten wir den Tag um nach Susdal zu fahren und die Partnerstadt von Rothenburg ob der Tauber zu erkunden. Es ist wirklich idyllisch, wie sich die historischen Gebäude in die Landschaft schmiegen, wobei man den Tourismus deutlich merkt. Die Innenstadt machte mehr den Eindruck eines Museumsdorfes als den einer belebten Kleinstadt.

Die Kamenka bei Susdal

Nach zwei weiteren Tagen in Wladimir, die vom Wetter her zu keinen größeren Unternehmungen einluden, ging es für uns zurück nach Moskau, wo uns zum Glück besseres Wetter erwartete, das auch die nächsten Tage über anhielt. Bereits in Wladimir hatten wir in der Touristeninformation einen Flyer von „Moscow me“ gefunden, ein Büro, das englischsprachige Führungen durch die Hauptstadt anbietet. Unter anderem hat man auch eine kostenlose Führung im Programm.

Abschied von Wladimir

Neugierig meldeten wir uns online an und erwarteten, es werde sich vermutlich eine große Gruppe einfinden. Tatsächlich hatten sich an diesem Tag aber nur mein Mann und ich angemeldet, weshalb wir eine sehr interessante und spannende, private Stadtführung bekamen. Da uns diese so gut gefallen hatte (was sich im Trinkgeld widerspiegelte), buchten wir für den Abend gleich noch eine weitere Führung – diese allerdings gegen Gebühr –, und auch diesmal waren wir die einzigen Teilnehmer. Der Guide sah „minimal“ überrascht aus, uns so bald wiederzusehen.

Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Am Samstag statteten wir dem riesigen Souvenirmarkt Ismajlowo einen Besuch ab. Matrjoschka-Puppen so weit das Auge reicht. Dazwischen unzählige Tücher, Handwerkskunst und Essen. Der Markt teilt sich dabei in drei Bereiche: den Souvenirmarkt, einen Art Jahrmarkt und einen Trödel- und Antiquitätenmarkt. Dort findet man selbstgestrickte Strümpfe neben Taucherglocken und diese wiederum neben Pistolen und Maschinengewehren. Ein spannendes und interessantes Allerlei, in dem man wunderbar Mitbringsel für die Lieben daheim einkaufen kann (wobei sich die Mitnahme eines Maschinengewehrs nach Deutschland als schwierig gestalten dürfte).

Der Ismajlowo-Markt

Der Sonntag war grau und feucht, doch den verbrachten wir kurzerhand mit dem Besichtigen der unterirdischen Paläste, sprich den wirklich pompösen und beeindruckenden U-Bahnstationen. Gleich 22 von diesen nahmen wir uns an diesem Tag vor.

Die Metro

Es folgten krankheitsbedingt zwei ruhige Tage, an denen keine Aktivitäten möglich waren. Als es dann endlich wieder etwas besser ging, nahmen wir uns das Historische Museum vor. Auch dieses ist sehr prachtvoll gestaltet, und auch wenn es meist keine englische Beschriftung der Ausstellungsstücke gibt, erhält man doch die wichtigsten Informationen über den englischen Audioguide.

Das Bolschoj

Für den letzten Tag in Moskau hatten wir noch eine Führung durch das Bolschoj-Theater gebucht. Für den Besuch einer Vorführung waren wir leider zu spät dran. Hier sollte man frühzeitig Karten buchen. Auch die Führung war gut besucht, und es gibt nur wenige Plätze. Man sollte also rechtzeitig buchen, wenn man das Gebäude von innen besichtigen möchte. Die Führung dauerte ca. eine Stunde, in der man durch alle möglichen Räumlichkeiten geführt wurde und einige historische Details zum Gebäude erfuhr.

Das Auferstehungstor auf dem Roten Platz

Rußland ist ein spannendes Land voller Gegensätze. Während Moskau den Charme einer überaus gepflegten, modernen Weltmetropole versprüht, in die hohe Summen investiert werden, sieht es außerhalb der Metropole ganz anders aus.

Moskau an der Moskwa

Ein gutes Beispiel ist hier der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV): Während in Moskau moderne Linienbusse auf breiten, gut erhaltenen Straßen verkehren, findet man in Wladimir fast ausschließlich ausrangierte Busse aus Deutschland – oftmals an Aufklebern wie „Bitte nach hinten durchgehen“ oder „Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen“ erkennbar –, die ihre besten Zeiten schon lange hinter sich haben (löchrige Böden, die teilweise mit Blech verstärkt wurden, damit die Fahrgäste nicht hindurchbrechen. Nichtsdestoweniger konnte man in etlichen Bussen durch Löcher im Boden die Straße darunter begutachten und alte, qualmende, stinkende Dieselmotoren bestaunen, die über von Schlaglöchern gespickte Straßen rumpeln. Dafür ist der öffentliche Personennahverkehr in Wladimir mit ca. 30 Rubel pro Fahrt (~0,38 €) unschlagbar günstig für deutsche Verhältnisse. In Moskau kostet eine Tour schon 55 Rubel (~0,69 €) – für deutsche Verhältnisse immer noch spottbillig; wenn man allerdings das Lohnniveau außerhalb von Moskau bedenkt, durchaus teuer.

Die Christ-Erlöser-Kathedrale

Die kommunistische Vergangenheit zeigt sich überall an Gebäudeverzierungen, Statuen von Lenin (im Gegensatz zu Stalin scheint Lenin in der Bevölkerung noch ein gewisses Ansehen zu genießen, so zumindest unser subjektiver Eindruck nach Gesprächen mit Einheimischen) und steht im Gegensatz zum erstarkten Kapitalismus, der sich vor allem in Moskaus Innenstadt in Form von unzähligen Luxuskaufhäusern, Premiumautos und ähnlichem zeigt.

Die Kluft zwischen arm und reich ist tief und ausgeprägt und manifestiert sich nicht nur zwischen einzelnen Menschen, sondern auch zwischen Städten und Regionen, was unweigerlich zu Spannungen führen wird. Land und Leute sind komplex mit einer bewegten Vergangenheit und einer Gegenwart voller Gegensätze, was dieses Land durchaus zu einem einzigartigen und besonderen Reiseziel macht.

Eva Gruber

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Unsere Reise begann Ende Oktober vergangenen Jahres. Unsere Eltern beschlossen, mit uns nach Deutschland zu fahren. Das Wetter war damals nicht besonders. Von oben rieselte Schneeregen. Das versprach alles einen nahen und kalten russischen Winter. Als wir Wladimir verließen, herrschte dunkle Nacht, und wir wollten nichts mehr als schlafen. In Moskau flogen wir im Morgengrauen ab. Nach einigen Stunden des Flugs fanden wir uns in Deutschland wieder, wo uns großartige Menschen gastfreundlich in Empfang nahmen und uns ein richtig goldener Herbst freundlich zunickte. Vom Flughafen brachte man uns nach Erlangen. Diese Stadt verzauberte uns mit ihren sauberen Ecken, den gepflegten Häusern, den gemütlichen Restaurants und Bäckereien. Wir atmeten saubere Luft. Vom ersten Moment an spürten wir Gastfreundschaft und eine behagliche Atmosphäre.

Während unseres kurzen Besuchs in Erlangen reisten wir auch viel in Bayern herum. Zu erzählen, wo wir überall waren, würde viel Zeit erfordern. Wichtiger ist wohl, das Schlüsselwort zu all diesen Orten zu erwähnen: „erstmals“. Wir waren ja überall zum ersten Mal. Wir erzählen deshalb lieber nur von einigen besonderen Eindrücken, wie vom Besuch der Höhlen in der Fränkischen Schweiz, die wir mit Lampen betraten, um uns die Stalaktiten und Stalagmiten anzusehen. Zum ersten Mal konnten wir deren Wachsen so genau beobachten und uns den Unterschied zwischen ihnen einprägen. Unglaublich, daß so ein Regentropfen sich seit einer Million Jahren an der Decke einer Höhle halten kann. Nach der Verdampfung des Wassers kristallisierte ein winziger Kalkring an der Decke. Dann kam der zweite Tropfen, der dritte, vierte und fünfte, und alle hinterließen sie Kalk an jener Stelle. Und wir können jetzt diese ungewöhnlichen Formationen sehen, die aus einer unendlichen Zahl von Tropfen im Lauf von vielen Jahren geschaffen wurden. Ein Wunder!

Plötzlich blieben wir stehen… In einer Deckenspalte entdeckten wir eine Fledermaus! Zum ersten Mal sahen wir dieses Tierchen so aus der Nähe. Wir hätten es sogar berühren können, wollten aber den Schlaf der nächtlichen Schönheit nicht stören.

Und dann noch zum Schwimmbad in Staffelstein. Behablich ist es da im Becken mit dem warmen Salzwasser. Eine ruhige und heilsame Atmosphäre. Sprudel, Unterwassermassage, Sauna mit Aromen. Besonders gefallen hat uns die Möglichkeit, nach draußen zu schwimmen. Und alles so sauber und ruhig. Auch das erlebten wir zum ersten Mal!

Unsere Reise nach Deutschland fiel in unsere Ferien. Klar, wer will schon in den Ferien zur Schule gehen? Aber wir brachten das fertig und besuchten die Waldorfschule. Wir begegneten da unseren Freunden wieder, Leonie, Elena und René, die im Sommer ein Praktikum in Wladimir gemacht hatten. Sie fanden Zeit, uns Nürnberg zu zeigen. Natürlich hinderte uns die Sprachbarriere daran, uns in allem ganz auszutauschen, wir verstanden nicht immer, was man uns erzählte, wir konnten nicht immer richtig antworten und den Dialog aufrecht erhalten. Aber spornt uns auch an, jetzt mehr in der Fremdsprache zu sprechen – und sei es auch nur untereinander.

Doch wir haben ja Freunde in Erlangen! Wir sind den Familien Binder und Gruß dankbar für die Organisation der Reise, für ihre Hilfe und Fürsorge. Persönlich danken wir Heidi und Jürgen Binder für die Gastfreundschaft und die angenehmen Gespräche sowie für das außergewöhnliche Frühstück an jedem Morgen und das immer so leckere Abendessen! Unser Dank gilt auch dem Ehepaar Brigit und Hans Gruß für die Aufmerksamkeit, die interessanten Begegnungen und die Unterstützung bei verschiedenen Ausflügen und Konzerten. Und schließlich herzlichen Dank an unsere Fremdenführerin und Ideengeberin für alle möglichen Reisen, die energiegeladene und – wir scheuen uns nicht, das zu sagen – junggebliebene Ute Schirmer

Hoch sollen sie leben, unsere Freunde!

Warwara und Wassilissa Fjodorow, unterstützt von ihren Eltern und Tatjana Parilowa

Siehe auch: https://is.gd/iiv2o1 und https://is.gd/U6YymD

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Nachdem sich der erste Bericht eher auf den Transport bezog, nun etwas mehr Inhalt. Schließlich sind die Transportmittel ja auch (aber nicht nur) Mittel zum Zwecke des Ankommens an schönen Orten.

Das Erlangen-Haus hieß uns, wie immer, herzlich willkommen, Zimmer, Frühstück und persönliche Gespräche machten es wie immer zu einem echten Zuhause auf Zeit. Wir hatten uns drei Programmpunkte vorgenommen, Wladimir selbst, Susdal und Bogoljubowo.

Zum ersten Mal war Wolfgang dabei, der zwar schon zu einem sommerlichen Besuch bei meinem Vater in Nischnij Nowgorod war, aber noch nicht in Wladimir und schon gar nicht im Winter. Entsprechend hatte er Mores und investierte in gute Schuhe, war mit warmer Unterwäsche und mehreren Schals und Mützen gut ausgerüstet. Leider ließ uns der Winter arg im Stich, die Temperaturen schwankten um den Gefrierpunkt. Auch die Sonne blieb hinter den Wolken versteckt, der Schnee war also weiß, (abseits der Straßen), nicht aber gleißend, wie im winterlichen Sonnenschein. Eines lernten wir ob des Straßenschmutzes schnell, nämlich unsere Schuhe gut abzuklopfen, ehe wir irgendwo eintraten.

Die Kathedralen, das Heimatmuseum „Altes Wladimir“ im Wasserturm, eine Ausstellung mit Schülerbildern aus dem Leben von Alexander Solschenizyn und einige Spaziergänge eröffneten Wolfgang ein gutes Bild unserer Partnerstadt. Am Abend ging es ins Konzert zum Knabenchor von Eduard Markin, allen Freunden der Partnerschaft gut bekannt. Dort hatten wir ein Erlebnis der Sorte „Die Welt ist ein Dorf“, denn wir wurden von Gabor Nemenyi aus Nürnberg, einem Mitglied des Freundeskreises Wladimir, begrüßt, der mich erkannte.

Der Chor bot wie immer eine fantastische Leistung, so manches Lied verursachte uns Gänsehaut. Lieder aus unterschiedlichsten Zeiten, manche lustig, manche fast dramatisch, und immer mit Präzision und Sangesfreude dargeboten. Nach all den Jahren erkenne ich viele Gesichter wieder, die sich vom Jungen zum jungen Mann verändert haben. Ich hoffe, es werden sich auch weiterhin begabte Jungen finden, die vor dem sicher harten Probenplan, der Disziplin und den vielen Reisen nicht zurückschrecken. Nach dem Konzert waren es  übrigens Jungs wie alle anderen auch, die sich schubsten, ihre Mobiltelefone zückten und durcheinander redeten.

Mit unserem neuen Begleiter Gabor kamen wir ins Gespräch und beschlossen, den Abend im „Wiener Café“ ausklingen zu lassen. Zu uns gesellte sich dann noch Tatjana Kolesnikowa, eine Lehrerin des Erlangen-Hauses, und wir sprachen, wie so oft, über die Rätsel und unerwarteten Wendungen der deutschen Sprache. Der Unterschied von „Entspannen“ und „Erholen“ beispielsweise wurde diskutiert und auch, wie man denn eine Fremdsprache nahezu akzentfrei lernen könne.

Wladimir hat mit seinem Kathedralenplatz ein Zentrum, das für sich stehen kann und eigentlich keine weitere „Verzierung“ braucht. Der Blick geht vom Platz über den Anstieg zum Glockenturm der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, dem fünfkuppligen Kirchenbau selbst und weiter in den Park.

Warum dort ein wohl 15m langer Schriftzug „I❤️Wladimir“ (sic!) stehen soll, versteht wohl keiner. Warum auf diesem Platz auch noch Karussells und Buden stehen müssen, erschließt sich ebenfalls nicht. Die Weniger-ist-mehr-Puristen in der Stadtverwaltung sind wohl in der Minderheit. So nutze ich am Abend einen vorbeifahrenden Bus, der den Schriftzug wohltuend verdeckte.

Susdal stand am nächsten Tag auf dem Programm. Der Bus brachte uns bis ins Zentrum dieser märchenhaften Kleinstadt, über deren weitläufiges Areal unzählige Kirchen und Klöster verteilt sind. Und gab es irgendwo eine Baulücke, so fügte sich immer noch eine kleine Kapelle hinein. Zum ersten Mal war ich auf eigene Faust dort. Wir konnten also selber bestimmen, wohin es ging und wie lange wir vor welchem Bild stehen und staunen wollten. Auch hatten wir uns den ganzen Tag Zeit genommen.

Wolfgang Schneck und Elisabeth Preuß

Wir begannen mit einer Schlittenfahrt, ein Fehler, denn danach waren die Füße kalt, für den Beginn des Erlaufens der Klöster gar nicht gut. Wir kehrten also erstmal ein, und bei heißem Tee und Piroggen wurde uns wieder warm.

Mit warmen Füßen ging’s dann in den Kreml, wo man zwischen  Billets für „draußen“ und „draußen und drinnen“ wählen kann. Wir nahmen letztere und wurden nicht nur mit dem Inneren der wunderbaren Kirche, sondern auch mit dem Museum belohnt. Dort gab es weltliche Exponate aus der Geschichte der Stadt, wunderbare, riesige Öfen mit Delfter Glasur, die von den alten Beziehungen zwischen Holland und dem Russischen Reich erzählen. Höhepunkt aber waren die Ikonen, einige über 500 Jahre alt und in sehr gutem Zustand.

Das Freilichtmuseum war das nächste Ziel, dann wieder Aufwärmen bei Soljanka, anschließend ein Gang zum Klosterkomplex, in dem Generalfeldmarschall Paulus interniert war. Allmählich wurde es dunkel, wir gingen zurück zum zentralen Marktplatz an den Arkaden und beobachteten die Händler beim Einräumen der Waren. Anfang Februar scheint für die Händler keine gute Zeit zu sein, denn an den Ständen war es den ganzen Tag sehr ruhig. Uns kam das entgegen, weil wir die Kirchen und Klöster im winterlichen Schnee ohne Menschenmassen genießen konnten, für die Händler aber sicher eine harte Zeit.

Unser dritter und schon letzter Tag sollte uns nach Bogoljubowo führen. Ich nahm morgens wieder eine Lektion Russisch bei meiner Lehrerin Natalia Dumnowa, mittags fuhren wir dann mit einem Linienbus für 22 Rubel pro Nase nach Bogoljubowo. Da der Vorort noch zu Wladimir gehört, gilt der normale Tarif, den man auch zahlt, wenn man nur eine Haltestelle z.B. zur Post, fahren möchte.

1158 gegründet, hat das Kloster wie alle kirchlichen Bauten hier eine bewegte Geschichte, hat die Sowjetzeiten aber glücklicherweise als Museum und nicht, wie die Kathedrale in Nischnij Nowgorod, als Fischhalle überlebt. Seit ca. 30 Jahren ist es wieder Kloster und wird von Nonnen bewohnt, die in der Kirche z.B. Kerzen verkaufen und einen kleinen Souvenirladen betreiben. Da es sich nicht um ein Museum, sondern um ein aktives Kloster handelt, nimmt man keinen Eintritt. Es wird aber von den Besuchern selbstverständlich erwartet, den sakralen Charakter des Ortes zu respektieren und sich entsprechend zu verhalten, So ist es unerwünscht, die Nonnen anzusprechen, wenn sie nicht im Verkauf tätig sind.

Nach der Besichtigung ging es dann auf den ca. eineinhalb km langen Weg zum Kirchlein an der Nerl, ein Erlebnis, das zu jeder Jahreszeit beeindruckend ist. Wenn man, so wie wir, eine  Schneelandschaft vor sich hat, mit blütenweißem Schnee, der Weg nahezu verlassen, kontemplativ das Ziel dauernd vor Augen, sich Schritt für Schritt nähernd, dann ist das ein wahres Geschenk. Ich hoffe, diese kleine Wanderung noch oft machen zu können!

Und so war auch diese Reise wieder zu kurz, um all das sehen zu können, was noch zu sehen gewesen wäre. Weder Langlaufen im „Park der Freundschaft“, noch eine Fahrt im Riesenrad, noch die Gemäldegalerie im Landesmuseum konnten wir zeitlich unterbringen. Auch haben wir viele liebe Freunde nicht getroffen. All dies dann beim nächsten Mal!

Elisabeth Preuß

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Nach der vorhergehenden, drei Tage währenden Anreise nach Wladimir mit SWISS kehrte ich am Donnerstag vergangener Woche reumütig zu Aeroflot zurück, die uns auch pünktlich und sicher nach Moskau brachte. Es gibt nichts zu berichten, außer: Es klappte alles. Mein langbeiniger Mann durfte sogar ohne Aufpreis einen Platz mit mehr Beinfreiheit besetzen. Ich kann Aeroflot nur empfehlen, auch das elektronische Einchecken am Tag vorher war einfach.

Insgesamt ist der russische öffentliche (Nah-)Verkehr in klar und gut geregelt, auch Nichtsprachkundige können problemlos die Automaten bedienen. Der Automat für den Flughafenexpress rät Pärchen unaufgefordert gleich dazu, zwei Karten in einem Vorgang zu kaufen, 850 statt 1.000 Rubel, auf Hin- und Rückweg gerechnet, macht das schon wieder einen Cappuccino aus.

Es werden sogar Antworten auf Fragen gegeben, die man gar nicht gestellt hat, die aber gestellt hätten werden können:

So leuchtet uns beim Automat des „Aeroexpress“ folgendes entgegen, wenn man sich anschickt, einen 1.000-Rubelschein einzuführen: „Ja, der Automat gibt Wechselgeld heraus.“

Das beruhigt, und wenn dann die 150 Rubel auch nicht in den schweren 10-Rubelmünzen, sondern als drei Scheine im Ausgabefach liegen, freut man sich doppelt. Bei der Deutschen Post soll es ja immer noch Restgeld in Briefmarken geben…

Ein Verbundfahrschein für Metro, Tram, Bus, Oberleitungsbus und S-Bahn

In der Metro dasselbe: Automaten in sehr einfacher Sprache und klarem Design. In der U-Bahn dann ein Bild, wie wir es aus allen Transportmitteln in aller Welt kennen: Alle schauen auf ihr Mobiltelefon. Alle? Nein! Eine unbeugsame Moskowiterin löst Kreuzworträtsel auf Papier, das aus Sowjetzeiten zu stammen scheint.

Für die Züge zwischen Moskau und Wladimir gilt das oben Gesagte: Schon zu Hause kann man die Fahrkarten bequem ausdrucken, zu jedem Ticket gehört selbstverständlich ein Sitzplatz. Die Wagen halten am Bahnhof an einem fixen Punkt, weshalb auch jeder genau dort steht, wo sein Waggon tatsächlich zum Stehen kommt. Im Zug werden heißer Tee, Plätzchen etc. an den Platz gebracht. Stauraum für Gepäck ist reichlich vorhanden. Nach jedem Zustieg wird der Boden gewischt, was im Winter auch notwendig ist.

Alles verläuft in Ruhe, und egal ob auf Fahrten von Moskau nach Wladimir oder zwischen Wladimir und Nischnij Nowgorod: Niemals habe ich Gedrängel oder eine „angezeigte, geänderte Wagenreihung“ erlebt.

Auf der DB-Rückfahrt von Frankfurt nach Erlangen am Montag dann das krasse Gegenteil: In Frankfurt Hauptbahnhof drängte eine große Menge in den schon vollen Zug. Zwei Probleme trafen aufeinander: Der Zug war nur halb so lang, wie er sein sollte, und viele Reisende fuhren ohne Reservierung.

Die Dringlichkeit und Dramatik der Durchsagen steigerte sich von: „Wir bitten unsere Kunden, freiwillig auszusteigen“ (was keiner machte) über: „Wir bitten Sie, freiwillig auszusteigen, sonst kann der Zug nicht losfahren, weil wir für Ihre Sicherheit nicht garantieren können“ (keiner rührte sich) über „Jeder Kunde, der aussteigt, erhält im Kundenzentrum einen Gutschein über 25 Euro“ (jetzt kam Bewegung in die Sache). Der Höhepunkt war aber: „Wenn jetzt nicht ausreichend viele Kunden den Zug freiwillig verlassen, dann wird er von der Polizei geräumt.“ Irgendwann ging es dann los, mit großer Verspätung natürlich. Die Reisenden solidarisierten sich, kamen ins Gespräch, und jeder hatte eine Geschichte zu erzählen. Da konnte ich dank RZD (Russische Eisenbahn) gut mithalten…

Auch wenn in Stoßzeiten die Busse in Wladimir manchmal überfüllt sind, läuft der Nahverkehr recht gut. Viele Busse stammen nach wie vor noch aus Deutschland. „Wagen hält“, das weckt heimatliche Gefühle. Altersschwäche wird durch Ausgestaltung mit Plakaten oder Plüschtieren wettgemacht. Die Lage des Erlangen-Hauses ist ideal, in und aus der Innenstadt führen viele Linien, weshalb man nie auf einen Fahrplan schauen braucht. Ob es einen gibt, weiß ich gar nicht.

15 Minuten zu Fuß vom Erlangen-Haus entfernt liegt der Busbahnhof, von wo es nach Susdal, Alexandrow, Murom oder in andere Städte geht. Nach Susdal fährt alle 30 Minuten ein Bus. Man wird, einmal eingestiegen, sogleich als Tourist erkannt und erhält (sicherlich) gute Ratschläge, die ich nicht verstehe und wegen meiner immer noch rudimentären Sprachkenntnisse nur mit „спасибо“ beantworten kann.

Marschrutkas schließlich, kleinere Busse, haben ein ganz eigenes Geldsystem: Der Fahrer hat meist einen Besteckkasten, wo er das Geld offen liegen hat. In meinem Fall wies er mir den Platz neben sich zu, im Winter oft der einzige Platz mit Aussicht, da wegen des wässrigen Schlammes aus den Straßen die seitlichen Scheiben fast undurchsichtig sind.

Das ist nicht nur schade, sondern erschwert auch bei den regulären Stadtbussen das richtige Aussteigen erheblich, wenn man sich die Namen der Haltestellen nicht eingeprägt hat. Von Vorteil ist hier die Durchsage der kommenden und der nächsten Haltestelle, wodurch man weiß, wann man auszusteigen hat.

Und die Moral von der Geschicht: Im öffentlichen Verkehr lernt man Land und Leute kennen!

Elisabeth Preuß

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