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Archive for the ‘Tourismus’ Category


In den Sozialen Netzwerken Wladimirs tauchen in letzter Zeit immer wieder Bilder einer weitgehend unbekannten Sehenswürdigkeit der Region auf. Die Rede ist vom Riesen an der Kolokscha.

Die Skulptur, die wirkt wie eine Mischung aus Osterinsel und Heinrich Kirchner, in der Nähe des Dorfes Ustje, am Zusammenfluß von Kolokscha und Kljasma, etwa 30 km südwestlich von Wladimir, kann auf dem Gelände des Hotels „Rubljowskije Sori“ bestaunt werden. Nach Auskunft des Direktors handelt es sich dabei um ein gutes Totem.

Hergestellt ist das Kunstwerk aus Gußbeton mit einem Metallrahmen im Innern. Mit der rechten Hand und dem Blick begrüßt der Riese die Gäste des Hotels. Und die Krone, die man ihm erst kürzlich aufsetzte, dient als Ausguck.

Landeskundler behaupten, der Gigant habe gewissermaßen einen Stammbaum, stehe in Verbindung mit der altslawischen Kultur, wo es den Einklang von Natur, Harmonie und Wohlwollen gegeben habe. Im Nacken der Figur sei ein Zeichen zu erkennen, das an das Symbol der Dreieinigkeit, an die drei Welten, erinnere. Ein Zeichen, das auch von dem berühmten Künstler und Philosophen Nikolaj Rerich verwendet wurde.

Etwas Mythisches berge die Geschichte des Riesen überdies. Chroniken des 14. Jahrhunderts berichten nämlich von einer Siedlung Matrjonino an dieser Stelle mit einer Höhle am Flußufer, die als Eiskammer genutzt wurde. Bei deren Erweiterung sei man auf die sterblichen Überreste eines Vier-Meter-Riesen gestoßen. Umstände, von denen bei der Errichtung der heutigen Figur niemand etwas wußte. Erst post factum wiesen die Fachleute auf den Zusammenhang hin. Die Chroniken weisen darauf hin, daß die sterblichen Überreste des Riesenmenschen an Ort und Stelle in der Höhe umgebettet wurden, nur etwas tiefer. Ob die Skulptur deshalb so wirkt, als erhebe sie sich gerade aus der Erde? Wer wollte da die Deutungshoheit für sich beanspruchen?!

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Wie das Leben – zumindest aus dem phantastischen Blickwinkel des Wladimirer Video-Kunst-Projekts „Lestniza“ – in der Zeit vor Corona aussah, so voller Nähe und Lust und Freude am Dasein, zeigen die beiden Videos, die freilich für all jene nicht zu empfehlen sind, die an Heimweh nach und Abstand von der Partnerstadt leiden.

Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Aber solche Warnungen wirken wahrscheinlich auch nicht viel mehr als die Schockbilder auf Zigarettenpackungen. Also klicken Sie getrost und lassen sie sich trösten, wenn für Sie – wie bei so vielen von uns – die nächste Reise nach Wladimir in himmelsferne Weite gerückt ist: https://is.gd/oPkwt3 und https://is.gd/ZNd2eN

 

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Vom 11. bis 16. Mai laden die russisch-orthodoxen Gemeinden von Nürnberg und Erlangen zu einer Pilgerreise ein, die nach Wladimir, Bogoljubowo, Susdal, Sergijew Possad und Moskau führt. Nicht weniger als 37 Heiligtümer, Kirchen und Klöster stehen auf dem Besuchsprogramm, und übernachtet wird im orthodoxen Pilgerzentrum unserer Partnerstadt, zu dem hier im Blog am Ende des Eintrags vom 14. Dezember 2016 https://is.gd/CbTDri zu lesen ist.

Auch wenn sich das Angebot inklusive Flug, Transfers, Unterbringung mit Halbpension und Führungen vor Ort zum Preis von 549 Euro (Kinder zahlen lediglich 299 Euro) hauptsächlich an russischsprachige Gemeindemitglieder richtet, könnte sich ein Anruf bei Julia Schlening unter 0911/5679391 durchaus lohnen. С Богом! Gott befohlen!

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Peter Steger hat es wieder einmal geschafft. Er hat eine Idee, gibt diese weiter, und daraus wird dann ein ganzes Projekt. Der Reihe nach.

Im Herbst 2018 rief mir der Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Erlangen einen Namen zu. Diese Person sollte ich unbedingt kennenlernen. Erlangen hat mit Universität, Medizin und Kultur genügend Schwerpunkte, die die Städtepartnerschaft mit Wladimir beflügeln. Tourismus und Gastronomie passen wiederum sehr gut zu Rothenburg ob der Tauber. Deswegen der Zuruf an mich. Von Beruf Vermögensverwalter und aktiv im Partnerschaftsverein, bilden gute Voraussetzungen, um ein Wirtschaftsthema aufzugreifen. Gesagt getan. Im Januar dieses Jahres lernte ich auf einer meiner Rußlandfahrten den Leiter der Wladimirer Hotelfachschule, Fjodor Lawrow. kennen, in Erlangen auch wegen seines Fußballtalentens bereits bestens bekannt. Nach einer Führung durch die Schule und einer Erklärung der Aufgabenstellung dieser Weiterbildungseinrichtung war mir klar, was dort gemacht wird. Zu Hause, in heimatlichen Gefilden, nahm ich Kontakt zum örtlichen Hotel- und Gaststättenverband auf. Dort wurde mir eindrücklich aufgezeigt, welch massiver Personalmangel in dieser Branche herrscht. Restaurants schließen zwei oder drei Tage in der Woche, weil sie keine Servicekräfte haben. Manche Hotels können nicht alle Zimmer vermieten, weil das Housekeeping fehlt.

Erfreulich war, daß von Juli bis September daraufhin zwei Hospitantinnen aus Wladimir ihre Auslandserfahrungen in Rothenburg sammelten. Dies hatte sehr gut funktioniert. Die Hoteliersfamilie war sehr beeindruckt von Genauigkeit, Pünktlichkeit, Freundlichkeit und Engagement seitens der beiden 18- und 20jährigen Mädels. Und bei den zwei jungen Damen gab es beim Abschied sogar Tränen. Sie fühlten sich in der familiären Atmosphäre sehr wohl.

Fjodor Lawrow, Alissa Uschakowa, Adelheid Teutscher, Amalia Dobronrawowa und Erwin Bauer

Nach dem ersten Erfolgserlebnis soll dies nun ausgebaut werden. Das Projekt verzeichnet eine Win-Win-Situation. Die russischen Gäste können in ihrer Vita auch einen beruflichen Auslandsaufenthalt nachweisen. Bei den deutschen Gastronomen kann die Personalsituation temporär entlastet werden.

Deshalb war ich jetzt Ende November wieder in Wladimir. Ich hielt vor versammelter Mannschaft von 170 Studenten einen Werbevortrag für Rothenburg. Mit einem selbstproduzierten Musikvideo mit russischer Musik über Rothenburg konnte ich gleich die volle Aufmerksamkeit der jungen Leute erzeugen. Die persönlichen Einladungen von den Hotelmanagern verstärkten noch einmal den Eindruck, daß die Hospitanten wirklich sehr gut in Rothenburg aufgenommen werden. Nach meinem Vortrag kamen denn auch spontan drei Jugendliche auf mich zu und fragten mich, was sie konkret tun müßten, um nach Rothenburg zu kommen.

Erwin Bauer als Referent bei der Jährlichen wissenschaftlich-praktischen Studentenkonferenz zu den Ergebnissen von Praktika 2019

Am Tag darauf hielt ich den gleichen Vortrag noch einmal in der Susdaler Berufsfachschule vor gut 70 jungen Leuten aus dem Tourismus- und Hotelbereich. Auch dort meldeten sich spontan mehrere Personen, die Interesse an einem Arbeitsaufenthalt in Rothenburg zeigten.

Auditorium in Susdal

Natürlich muß noch einiges abgeklärt werden. Zustimmung der Eltern und der Schule, Visum beantragen und Flugtickets kaufen. Es wird also wirklich spannend, wieviel Russen letztendlich kommen werden. Die gesamte Rothenburger Gastronomie hat inzwischen Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit angekündigt.

Auch im Teilbereich Wirtschaft kann die Städtepartnerschaft weiter wachsen. Für beide Seiten wäre es von Vorteil. Peter Steger hat den Stein ins Wasser geworfen und ich setze das Projekt um.

Erwin Bauer

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Trotz Reisen durch Alaska, Grönland, Spitzbergen, Tibet und viele andere kalte Länder: Diese Radtour war die eisigste Fahrt meines Lebens. Als meine Mitradler und ich im März 2013 aufbrachen, ahnte niemand von uns, daß dieses Frühjahr ein Jahrhundertwinter werden sollte! Schnee, Eis und Kälte haben uns begleitet vom ersten bis zum vorletzten Reisetag… Die Radtour begann in Erlangen, führte durch Tschechien, Polen, Litauen, Lettland und Estland nach Rußland.

So beginnt Walter Költsch selbst die Werbung für seinen einzigartigen Film, den er am Donnerstag, den 14. November, um 20.00 Uhr zum Auftakt des Fernwehfestivals im Redoutensaal zeigt. Und der Veranstalter, das Fernwehfestival, ergänzt:

Wir haben es nicht lassen können und einmal mehr den „Fränkischen Indiana Jones“ (O-Ton Frankenfernsehen), Walter Költsch, zu unserem Festival eingeladen. Wer ihn, beziehungsweise seine Multivisionen kennt, weiß auch, was das Publikum im Vortragssaal erwartet. Denn Walter verfolgt bekanntlich das Vortragsmotto: „Meine Zuschauer müssen leiden!“ Sein Vortragsstil ist legendär und unvergleichlich humorvoll.

Walter Költsch in Aktion

Viele echt verrückte Reisen haben Walter schon in alle Teile unseres Welt gebracht, viele Abenteuer galt es in dieser Zeit zu bestehen, vielen Unbillen zu trotzen. Die Hitze der Wüsten, die Feuchtigkeit und Schwüle der Tropen und die Kälte des hohen Nordens. Und dennoch meint er, der Radtrip nach Moskau sei das „Eisigste, was er in seinem Leben jemals erlebt hat“. Aber immerhin war er nicht allein unterwegs. Begleitet wurde der Abenteurer von der Erlanger Extremsportlerin Gertrud Härer, dem Erlanger Fahrradguru Jörg Gruner und vom Weltumradler Peter Smolka, für den diese Tour gleichzeitig die Startetappe zu seiner zweiten Weltumrundung war.

Als diese Mannschaft im März 2013 gen Osten aufbrach, konnte sie nicht ahnen, daß dieses Frühjahr so gar nichts von einem Frühling hatte, sondern mehr den Charakter eines Jahrhundertwinters verkörperte! Schnee, Eis und Kälte waren die Begleiter vom ersten bis zum vorletzten Reisetag!

Die Radtour begann in Erlangen, führte für die Gruppe durch Tschechien, Polen, Litauen, Lettland, Estland und schließlich nach Rußland. Nach einem Umweg über Sankt Petersburg endete die Reise nach 4.000 Fahrradkilometern ein gutes Stück jenseits von Moskau, in Erlangens Partnerstadt Wladimir.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ihr werdet wieder einmal mit Walter leiden müssen und bestimmt während des Vortrags immer wieder den Kopf schütteln, wenn sich die Radler frierend durch Schnee, Eis, Matsch und Schneegestöber quälen. Aber wir versprechen Euch ebenso: Ihr werdet Euch wieder köstlich amüsieren über die in perfektem Hochfränkisch vorgetragenen Anekdoten über Begegnungen mit Menschen, über die vielen Pleiten, Pech und Pannen. Der Film lebt aber auch vom Kontrast aus grandioser, einsamer Natur und weltberühmten Städten wie Riga, Tallinn, Sankt Petersburg und Moskau.

Nadja Steger, die noch keine Vorstellung des Films auslies!

Ein Roadmovie der anderen Art. – Freut Euch auf einen weiteren Film aus der Reihe „Walters Verrückte Reisen“. Siehe https://walters-verrueckte-reisen.de

Walter Költsch beim Start in Erlangen

Anzumerken hat die Redaktion freilich schon noch, daß Peter Smolkas Tour de Friends durch sämtliche Partnerstädte Erlangens – ausführlich im Blog dargestellt – den Anlaß für die unfreiwillige Winterfahrt bot. Nach Wladimir, seiner ersten Station, strampelte er über vier Jahre weiter, bevor er via Jena am 10. August 2017 mit 88.000 km auf dem Buckel wieder in Erlangen eintraf.

Walter Költsch, Jörg Gruner, Peter Smolka und Gertrud Härer vor dem Erlangen-Haus in Wladimir

Auch wenn es viele Plätze im Redoutensaal geben mag, sollte man nicht allzu lange mit dem Reservieren warten: https://is.gd/vaxBGz. Karten gibt es ab 10 Euro. Günstiger und unterhaltsamer kommt man nicht nach Wladimir!

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Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 6

Liebe Leserinnen und Leser,

es wird höchste Zeit, zum Ende zu kommen, bevor es langweilig wird und Sie sagen „Oh Gott, der schon wieder“. Also bemühe ich mich jetzt, jede Langatmigkeit zu überwinden. Wir sind ja auch nicht mehr in Karelien, diesem kleinen Paradies. Protzteufel ist das aber auch schade. Ich hatte es Ihnen erzählt. Der Reiseveranstalter hatte mal kurzer Hand das Programm geändert. Auch das ist Rußland. Akzeptiere und schweige. Oder beschwere dich direkt beim Kremlchef. Andere Alternativen hast Du da nicht.

Also die Änderung sah vor, einen Ausflug mit dem Bus nach Kronstadt zu machen. Natürlich nur wer wollte. Alternativ gab es Besichtigungstouren in Sankt Petersburg. Wir entschieden uns für Kronstadt. Ich hatte, ganz ehrlich gesagt, keine Ahnung, weshalb meine Freunde sich dafür entschieden. Ich sollte es später erfahren.

Gegen 9.00 Uhr ging es los mit dem Bus. Wir fuhren in Richtung der skandinavischen Grenze. So stand es auf den Hinweisschildern. Schnell waren wir auf einer sechsspurigen Autobahn, die natürlich nachts beleuchtet wird. Dann ging es lange durch ein Waldstück. Links und rechts nur Wald. Ich denke, hier habe man halt schnell mal eine Schneise zum Bau der Autobahn geschlagen. Nach geraumer Zeit durchfuhren wir viel freies Land. So weit das Auge reicht. Das sind meine Glücksmomente. Freiheit ohne Ende. Ja, auch gefährlich oder gar tödlich in diesem Land. Aber trotzdem ganz einmalig. Wunderschön. Doch nur, wenn man keine anderen Gedanken hat. So funktioniert es prima.

In der Ferne kam dann Wasser auf uns zu. Immer noch auf dieser Autobahn mit dem Richtungshinweis Skandinavien.

Welches Wasser dachte ich? Na ganz einfach, die Ostsee. Und wie kommt man von der Ostsee weiter nach Skandinavien oder Finnland? Na, Sie werden sagen, mit dem Schiff.

Aber wir wollten ja nur nach Kronstadt. Also haben die Sowjets oder auch andere für uns einen Kanal, nein einen Deich, durch die Ostsee gebaut. Ja, der Deich war einfach da, mit Befestigung, Beleuchtung, Straßenschildern und natürlich einer Zugbrücke. Die Schiffe müssen ja irgendwie durch.

Wow, kilometerweit links und rechts Wasser. Ja, ein befahrbarer Deich. Ich will das jetzt ökologisch nicht bewerten. Es war einfach einmalig. Klasse.

40 km vor der Grenze kamen wir dann in Kronstadt an. Schlechtes und regnerische Wetter begleitete uns. Aber egal. Unsere Gruppe hielt gemeinsam durch. Auch eine gute Erfahrung.

Sie sehen schon: Kronstadt ist ein militärischer Stützpunkt und gehört administrativ zu Sankt Petersburg, wenn auch weit entfernt.

Früher gab es hier nur eine Festung. Mit dem Damm durch die Ostsee wurde sie mit der Stadt verbunden.

Der Kronstädter Pegel dient übrigens als Bezugsgröße für weite Teile Osteuropas.

Die Stadt wurde als Marinestützpunkt von Zar Peter I im Jahr 1703 an der Ostsee gegründet. Damals verteidigte der Ort den Zugang zur Hauptstadt vom Meer her. Die anderen Himmelsrichtungen wurden mit Küstenbatterien, also diesen schrecklichen Dauerfeuergranaten, versehen. Die Geschichte ist wechselhaft, verbunden mit Meutereien und Aufständen.

Ich bin dankbar, nicht zu dieser Zeit dort gewesen zu sen. Die Ostsee war wohl rot vor Blut, die Menschen halb tot und abgewrackt wir ein altes Schiff. Aber Menschenleben zählten noch nie im Krieg. Es schaudert mich. Und das Wetter hier tut das Seine dazu: Regen, Kälte und starker Wind.

Dieser Mensch hier wird als Eindecker der Nordmeere verehrt. Da er Mitglied der Marine war, durfte er diese Entdeckung nie für sich in Anspruch nehmen. So wird das zumindest erzählt. Ich meine, das hier war Peter der Große in Kronstadt.

Lange Zeit herrschte hier Sperrgebiet. Zutritt war nur mit einem Passierschein möglich. Erst seit 1996 dürfen Touristen in die Stadt. Und jetzt wir!

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, jetzt komme ich auf den ersten Teil meiner Geschichte zurück. Ein U-Boot in der Kirche.

In Kronstadt gibt es eine Kathedrale, die wie ich denke, speziell für die Seeleute gebaut wurde. Übersetzt heißt sie deshalb auch „Meereskirche“. Hier ein paar wenige Eindrücke von der Schönheit des Gotteshauses.

Wie überall hier war die Kirche in der Sowjetzeit zunächst ruiniert und als Lagerraum mißbraucht worden. Heute steht sie in neuem Glanz als Halt und Glauben, als Hoffnung und Wiederkehr der Marinesoldaten zur Verfügung. Ich meine, ihre ursprüngliche Aufgabe kann sie wieder voll und ausnahmslos erfüllen.

Nach Kronstadt ging es am Nachmittag zurück. Den Weg brauche ich nicht mehr beschreiben. Sie müssen ihn sich nur rückwärts denken.

Ich bin Patriot

Die letzten Stunden in St. Petersburg sind es, denke ich, nicht wert erneut in einem eigenen Kapitel aufgriffen zu werden. Obwohl die Stadt natürlich unschlagbar schön und einzigartig ist.

Aber am Rande doch eine kleine Beobachtung. Am Flughafen Pulkowo wie auch auf Moskaus Scheremetjewo konnte ich das neue Design der Aeroflot bewundern. Modern, aufgeschlossen und professionell. So war auch der Flug hin und zurück.

Liebe Leserinnen und Leser, ich danke für Ihre Begleitung während meiner Ausführungen. Es sind ganz persönliche Eindrücke und Erfahrungen. Vielleicht manchmal zu sehr gespickt mit ironischen Anmerkungen. So bin ich halt, und es soll ja auch Spaß machen, solche Berichte zu schreiben.

Mein Wunsch im kommenden Jahr ist eine Reise in den Kaukasus. Dann lesen Sie wieder von mir. bis dahin sage ich danke für Ihr Aufmerksamkeit.

Ihr Günther Allinger

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Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 5

Vorab eine zerknirschte Anmerkung der Blog-Redaktion: Aus Versehen sind Teil 4 und Teil 5 in der Reihenfolge vertauscht worden. Was Sie also heute lesen, hätte bereits vorgestern erscheinen sollen. Wir bitten um Nachsicht und wünschen wieder viel Freude an der ganz eigenen Günther-Allinger-Prosodie.

Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, dann ist Karelien auf jedem Fall mit dabei. Ja, ich denke, dies kann man ohne Übertreibung sagen, auch wenn ich nicht alles gesehen habe.

Die Insel Walaam ist ein echtes Biotop. Wunderschön und naturbehalten. Ich kann heute nicht ausschweifen, denn heute beginnt in Fürth die Michaelis Kirchweih. Wissen Sie was das bedeutet? Liebe Leserinnen und Leser, ich verzichte zugunsten der Berichterstattung auf dieses Event. Okay, Sie haben es geahnt. Ist mir auch nicht so wichtig.

Nach der Ankunft wurden wir in Gruppen aufgeteilt. Eigentlich sollte es mit einem kleineren Boot in die Fjorde der Insel gehen. Dem Veranstalter wurde es an diesem Tag aber bei dem Seegang zu gefährlich, und man brachte uns mit zahlreichen Kleinbussen zu den Sehenswürdigkeiten.

Der erste Halt war in der Nähe des dortigen Klosters.

Auf der Insel leben etwa 100 Mönche und ca. 50 Privatpersonen. Die beiden im Bild mögen mir die geheime Aufnahme verzeihen. Schauen Sie doch mal auf die linke Schulter. Der Mann hat immer seinen Proviant dabei: getrockneten Fisch. Ja, schon ein uriges Leben hier. Man muß es halt auch mögen. Ich denke Streß haben Sie nicht.

Das Kloster dort ist sehr groß und überwiegend renoviert, bzw. saniert. Es macht einen guten Eindruck, und man vermutet dort eigentlich keine so große Glaubensmannschaft. Es ist ein großes, schönes und ruhiges, ja, besinnliches Areal. Zunächst halten wir uns im Freien auf und besichtigen einige bedeutsame Orte, z.B. den Friedhof.

Große Steine dienen als Grabsteine. Bemalt, beschriftet mit den Daten des Verstorbenen. In der Regel einfache Mönche, die hier beerdigt wurden. Für Äbte oder Höhergeweihte gibt es dann Grabstätten mit einem großen Stein und einem Kreuz. Alleine über diesen besonderen und einmaligen Friedhof könnte man eine eigene Geschichte scheiben. Aber ich will Euch ja nicht langweilen.

Ein Durchgang im Kloster selbst eröffnete uns kleine Einblicke in das Leben der Mönche. Es gibt dort einen kleinen Laden, wo Touristen wie Mönche einkaufen, und es gibt eine besonders großartige Fischräucherei. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Auf wirklich einfachstem Niveau produzierte Fische aus dem Ladogasee in Spitzenqualität. Ich habe diesen Duft noch immer in der Nase. Auch wenn ich kein Fischliebhaber bin, dort wurde ich zu einem.

Ja, liebe Leser, das sind riesige geräucherte Forellen.

Warum haben wir eigentlich keine gegessen? Eine Schande, wie ich meine. Wir waren satt vom Frühstück, und das Mittagessen erwartete uns. Wenn ich wieder dort hinkomme, weiß ich, was ich zu tun habe.

Schließlich besuchten wir natürlich die Kathedrale. Eine komplett restaurierte Kirche. Sie wissen ja, daß in der Sowjetunion alle Kirchen weiß übertüncht und als Lagerräume verwendet wurden. Figuren, künstlerische Werke, Stuck usw. wurden zerstört. Heute bezeichnet man das als Frevel, damals war das üblich. Ich will nicht urteilen, dazu gehören immer Menschen, die eine Ideologie vertreten. Aber wir leben nicht die Vergangenheit, sondern gestalten die Zukunft. Das ist doch, was wir wollen. Eine gute, konfliktfreie Zukunft ohne Idealismus sondern mit mehr Naturalismus.

Es ist unglaublich, was die Mönche und ihre Helfer hier geleistet haben. Diese Kirche war wirklich mal eine Lagerhalle. Weiß übertüncht. Teilweise zerstört und von der Welt unbeachtet. Umso größer die Freude über dieses unschätzbare Engagement.

Ich will Sie jetzt nicht länger aufhalten als nötig, erzähle aber noch eine kleine Begebenheit. Als ich mich intensiver in der Kirche umsah, entdeckte ich im Mittelschiff auf einer Höhe von rund zehn Metern eine Malerin. Vielleicht eine Künstlerin, vielleicht eine Nonne. Sie arbeitete an einem kleinen Detail „in dieser Höhe“ aus der Heiligengeschichte. Ich glaube, kein Mensch, außer ein Professor oder Bischof oder der Pope selbst hätte diese kleine unfertige Stelle entdeckt.

Alles wird hier eben vervollständigt. Eine wunderbare Einstellung, die für Frieden, Gemeinsamkeit, Hilfsbereitschaft und das Lebe steht.

Ich bin dankbar für diese ersten Eindrücke. Bald geht es weiter, und ich hoffe, Sie sind noch interessiert.

Günther Allinger

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Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 4

Über sieben Brücken mußt Du gehen; auch in Walaam.

Ich hatte meinen letzten Teil mit dem bevorstehenden Mittagessen beendet. Nein, das stimmt nicht. Mit dem Bild meines Enkels. Der ist da gerade mal hereingeschneit, und ich habe mich natürlich, wenn auch räumlich weit entfernt, unheimlich darüber gefreut. Da ich noch leicht erkältet bin, habe ich ihn noch nicht gesehen. Aber bald.

Nun zurück nach Karelien und die Insel Walaam. Nach dem Mittagessen ging es planstabsmäßig weiter mit der Entdeckung der Inselgeheimnisse. Womit wir nicht gerechnet hatten, diesmal zu Fuß. Ich glaubte, das gehe perpetuum mobile. Das war aber nur mein Wunschdenken. Ohne Energie, in diesem Fall die körperliche Energie, geht nichts. Auch nicht hier. Über Stock und Stein, auf unbefestigten Waldwegen und teilweise provisorischen Laufstegen mußte unser Grüppe die Ochsentour überstehen.

Also ich meine mal, daß sich die berühmten Models hier auf den Laufstegen die zarten Füßchen gebrochen hätten. Zum Glück waren sie nicht dabei. Bergauf und bergab leitete uns die Führerin durch ein Labyrinth von Wegen. Unsere Gruppe bestand aus Chinesen und Russen und mir. War trotzdem schön. Wir besichtigten die vielen kleinen Kirchen auf der Insel.

Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch zog ein richtiges Unwetter auf. Der Wind heulte, der Regen prasselte nur so nieder, und der Wald knirsche im Gehölz. Wir fanden Unterstand bei einer Kirche. Das war genau hier.

Unter dem Vordach. Und soll ich Ihnen etwas sagen? Plötzlich verschwanden die Chinesen in unserer Gruppe. Was war denn passiert? Auf meine Frage erhielt ich zur Antwort, Chinesen hätten Angst vor Regen und Unwetter. Ich habe das einfach mal geglaubt. Aber komisch war schon, daß der junge Reisebegleitet der Chinesen nicht davonlief. Er blieb bei uns. Er nannte mir seinen Namen, da er auch etwas Englisch konnte. Eine Wiedergabe des Namens ist mir allerdings unmöglich. Vielleicht könnte sich ein chinesischer Professor an den Namen erinnern. Ich leider nicht.

Jetzt blieben nur noch die Reiseleiterin, meine beiden Freunde, zwei russische Paare und ich mit dem jungen Chinesen übrig. Eine überschaubare und eher angenehme Gruppe.

Der Chinese erzählte, er studiere in Sankt Petersburg. Er spricht perfekt Russisch und kommt von der chinesischen Seite Tibets. Dort wohnt er in 2.000 m Höhe über dem Meeresspiegel. Er ist ein sehr angenehmer Mensch, offen, aufgeschlossen und respektvoll im Umgang. Da soll noch mal jemand was über unsere Jugend sagen.

Nach einiger Zeit des Abwartens gingen wir trotz Unwetter weiter. Die Kleidung hielt stand.

Sie kennen das Lied: „Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, es hat vor lauter…“

Es war kein Männlein, dem wir begegneten. Auf jeden Fall waren wir trotz Regen, der etwas nachgelassen hatte, irritiert über liebliche Geigenklänge, die unsere Ohren streichelten. Und dann! Ein paar Schritte weiter: „Eine Frauchen steht im Walde mit ihrer Geige…“ Warum sie da stand, dort spielte im Schutz des Waldes, weit und breit keine Zivilisation in Sicht? Wir wissen es nicht. Dennoch entlockte Sie Ihrer Geige zauberhafte und märchenhaft wunderschöne Klänge, als wollte Sie uns damit verzaubern. So etwas hatte ich auch noch nie erlebt.

Wir gingen weiter und ließen uns von dem Zauber der Musik nicht einfangen. Vielleicht eine richtige Entscheidung, damit wir nicht wie Hänsel und Gretel gefangen werden.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie merken es schon, man kann gar nicht alles berichten und erzählen. Es sind einfach Tausende von Eindrücken, die mir gefallen haben, die mich aber auch sehr bewegen.

Über Stock und Stein und über provisorische Laufstege ging es bis zum Ende der Besichtigung. Es war eine richtige Wallfahrt.

Um 18.00 Uhr hatten wir den etwa zehn Kilometer langen Spaziergang, nein Abenteuergang, beendet. Wir waren kurz vor dem Schiff. Da kam ein Mann aus unserer Reisegruppe auf mich zu. Wir kannten uns natürlich vom Sehen und den gemeinsamen Erlebnissen, und ich war schon versucht zu denken, er sei ein Agent. Er fragte nämlich: „Günther, kak dela?“ – „Wie geht’s?“

Ein weiterer Moment der Freude für mich. Es war wirklich herzlich und interessiert gefragt, uns so verabschiedeten wir uns auf unbestimmte Zeit.

Ganz ehrlich, beide Waden und Füße schmerzten von dieser Ochsentour. Aber wer gibt das schon gerne zu! Unsere Reiseleiterin ging immer leichtfüßig, und da war mir klar, sie ist bestens trainiert. Na, ich halt nicht, und ich meine, einige andere auch nicht. Egal.

Wir waren zurück auf dem Schiff. Ich war aus Erfahrung klug geworden und heizte die Bude gleich leicht ein. Das war viel angenehmer. Um Schlag 19.00 Uhr starteten die Motoren. Es ging zurück in den Hafen nach Sankt Petersburg. Wie immer, gab es um 20.00 Uhr das Abendessen. Aber wo fand das Kapitänsessen statt? Mit Empfang etc.? Na hier nicht. Das gibt es wohl bloß auf der AI…

Egal. Wir verbrachten noch einen schönen Abend in der Bar. Es gab nette Kontakte mit den Anwesenden, und keiner störte sich an meiner Herkunft. Auf dem Schiff waren mehrere Deutsche. Das höre ich natürlich. Also mehr so Preußen. Denke, diese haben die Lokalitäten auf dem Schiff nicht so genutzt und sind pflichtbewußt ins Bett gegangen. Habe ich auch gemacht. Aber später.

Das Schiff steuert im Ladogasee seinen Kurs zurück nach Sankt Petersburg. Der Wellengang ist ruhig und unmerklich. In ca. zwölf Stunden sollten wir wieder im Venedig des Nordens sein.

Ich habe sehr ruhig und gemütlich in diese Kajüte geschlafen. Man darf halt nicht so anspruchsvoll sein und sollte die harte Spanplatte unter dem Bett als Gitterrost akzeptieren.

Zurück im Sankt Petersburg, gab es gegen 8.00 Uhr noch ein Frühstück auf dem Schiff. Dann Check-out mit der Option, eine Fahrt nach Kronstadt zu buchen. Das machten wir. Natürlich! Oder so, weil wir Lust dazu hatten. Unsere Heimreise nach Wladimir war erst für den Nachmittag gebucht.

Wen es interessiert, davon im fünften Teil etwas mehr.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen allen noch eine angenehme und schöne Woche.

Günther Allinger

 

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Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 3

Ogschdoch´n is bei da Färdder Kärwa. (Angestochen ist das erste Faß Bier bei der Kirchweih in Fürth), und ich schreibe wieder. Aus Fürth, Sie wissen schon, da wo die IKEA ist. Soll keine Schleichwerbung sein.

Das Kloster in Walaam dürfte zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert erbaut worden sein. Nur der Herrgott weiß, wann genau. Nach Bränden, Vertreibung und Zerstörung wurde der Wiederaufbau auf Ukas Peters des Großen 1715 eingeleitet. Im 18. Jahrhundert wurde auf der Insel viele Einsiedeleien errichtet. Erst in den 1890er Jahren kehrte das kirchliche Leben zurück. Das Gotteshaus ist heute der Verklärung Christi geweiht. Die Weltkriege machten Walaam zu einer menschenleeren Region. Erst in Friedenszeiten kam wieder Leben auf die Insel, und man gestaltete das Kloster neu. Trotz Bombardement blieb viel erhalten. Wie bereits berichtet, hat natürlich die Sowjetzeit viel zerstört. Mehr als der Krieg.

Heute erfreut sich Walaam seiner Rolle als Magnet für viele Touristen, und das christliche Leben der russisch-orthodoxen Kirche blüht auf. Dabei handelt es sich um einen Archipel, der aus einer Hauptinsel und etwa vierzig kleineren Inseln besteht. Leider kann man nicht alles in der Kürze der Zeit besuchen. Dennoch bin ich etwas traurig, den angrenzenden Onegasee nicht gesehen zu haben.

Die natürliche Vegetation ist einmalig. Ich bin kein Profi, aber vieles ist einfach ohne Einmischung des Menschen gewachsen. Denke, sie haben auch kein Insektenproblem wie wir in Westeuropa. Dennoch sieht man kaputte und tote Bäume. Vielleicht ist das ökologische System auf dieser Insel sehr gesund. Auch wenn man teilweise anderes sieht, z.B. hier auf dem Bild in einem Fjord. Da sieht man Parasiten oder auch symbiotisches Leben. Letztlich stirbt der Baum.

Und wissen Sie noch was? Die karelische Birke. Ja, ich habe sie gesehen, aber nicht so beachtet. Der Baum ist etwas ganz Besonderes. Sie unterscheidet sich nur wenig von den anderen Birken. Aber ihr gemasertes Holz gehört zum teuersten der Welt, das nicht wie üblich verkauft wird, sondern einen Kilogrammpreis hat. Na, halt was für Reiche und nichts für uns.

Karelien ist riesig. Wir haben viel zu wenig Zeit. Es reichte nicht für einen Besuch der Hauptstadt Petrosawodsk. Da muß ich noch mal hin. Es ist in der Tat ein Land wie man sich das Paradies vorstellt.

Jetzt aber mal zurück, denn wir sind noch am Vormittag der Inselbesichtigung, und es geht zum Mittagstisch auf das Schiff. Schon etwas stressig hier.

Zwischendurch informiert: Das ist eine Extratour, die mir natürlich besonders gefallen hätte. Aber vielleicht komme ich ja wieder. Eine gigantische Aktion, ein gigantisches Bauwerk. Eine gigantische, unmenschliche Ausbeutung. Wohl auch ein Verbrechen gegen alle internationalen Vereinbarungen. Vielleicht sollte ich nicht darüber informieren. Vielleicht aber gerade deshalb. Einerseits macht es mich sehr betroffen, und andererseits sollte das nicht verschwiegen werden.

Es geht um den „Weißmeer-Ostsee-Kanal“. Schon mal davon gehört? Bereits in den 30er Jahren hat man begonnen. Der Sowjetisch-Finnische Krieg brachte Verzögerungen. Danach folgte der 2. Weltkrieg. Das Projekt blieb unvergessen.

Man bezeichnete es als „Denkmal der Epoche des Stalinismus“. Gut, der Weißmeerkanal ist einzigartig. Die Idee stammt bereits aus dem 16. Jahrhundert. 1932 wurde das Projekt beschlossen und bestätigt. Bereits aber am 16. Oktober 1931 begann man mit den Felsarbeiten und schon 1933 befuhren die ersten Schiffe den Kanal. Dieses Bautempo ist 160.000 Zwangsarbeiter zu verdanken. Die Sterberate betrug neun Prozent. Die Idee der massenhaften Nutzung von kostenloser Arbeitskraft wurde hingenommen.

Der Kanal funktioniert seit 1993 mit permanenter Sanierung seit dieser Zeit. Er hat eine Länge von 227 Kilometer.

Der Panamakanal steht eigentlich in seinem Schatten. Aber das ist alles nicht so wichtig. Hohe Technologie fordert immer Menschen. Und hier sollte unser Interesse sein. Wo gibt es den Mittelweg? Egal ob Strafgefangene oder arme Tagelöhner. Wir haben eine Verantwortung für die Menschen. Ich habe kein Rezept, aber Mißbrauch darf niemals toleriert werden.

Jetzt gehen wir mal zum Mittagstisch, und bald geht es weiter mit meinem Bericht.

Schon toll. Ein Schiff der ehemaligen DDR mit Auszeichnung und Goldmedaille. Was will man mehr. Alles hat gepaßt.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie kennen mich jetzt schon. Luxus ist geil aber nicht notwendig. Also auf dem Schiff gab es nichts Notwendiges.

Ja, der Nachmittag dieses Tages fehlt. Der war crazy, aber auch interessant und verdammt anstrengend. Aber für meinen Freund auch etwas erotisch. Hoffe, man darf hier darüber sprechen. Es ist ja nichts passiert. Denke ich. Oder doch?

Gerade erreicht mich die Nachricht, daß ich Opa geworden bin.

Günther Allinger

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Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 2

In Sankt Petersburg fahren wir bei miesem und kaltem Wetter schnell via Transferhaltestelle zu den Schiffen im Hafen. Nur gut, wenn man lesen kann. Der Transfer beginnt erst in ca. zweieinhalb Stunden.

Hinab in den Untergrund – gigantisch!

Eine interessante Station mit dem Namen „Proletarskja“. Also die Straße der Proletarier. Hatte das was mit uns zu tun? Sollten wir uns vielleicht schämen wegen der Kreuzfahrt, oder dient der Straßenname nur der Erinnerung? Egal wir hatten keine Idee. Aber nicht egal war die lange Wartezeit. Andererseits hatten wir auch Hunger. Es gab noch nichts zu essen. Wir fragten uns nach einem Lokal durch und landeten in einer einfachen Kantine. Diese war von außen nicht erkennbar. Das Essen war einfach, aber gut und schmackhaft und für Petersburger Verhältnisse sehr billig. Dort vertrieben wir uns noch ein wenig die Zeit, bis wir wieder zum Transferbus aufbrachen. Wir haben das Teil, also den Bus, irgendwie erkannt, was auch den Einheimischen schwerfiel, und los ging es in den Hafen.

Der Busfahrer zum Hafen war flott unterwegs. Man konnte glauben, er werde verfolgt. Aber die fahren da alle eher etwas schneller. Aber der Blick aus dem Bus bei der Anfahrt. Einfach schön.

Das war bereits der Vorgeschmack auf unsere Schiffsreise.

Es folgten das Eincheckprozedere und die Kabinenzuweisung. Verdammt, waren diese Dinger klein. Ich konnte mich kaum umdrehen, geschweige denn meinen Koffer öffnen. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft. Ein Blick aus dem Kabinenfenster hat für alles entschädigt.

Jetzt starteten die Motoren. Es war ca. 19.00 Uhr, und wir sollten die ganze Nacht unterwegs sein. Und so war es dann auch. Um 20.00 Uhr gab es ein Abendessen. Pünktlich, wie geplant.

Also danach gleich ins Bett gehen, wäre eine Schande gewesen. Die See, also der Ladogasee, war etwas unruhig, und wir schaukelten auch ohne Wodka. Übrigens: Der Ladogasee dürfte zu den größten Binnenmeeren gehören. Er speist die Newa, also den Strom, der durch Sankt Petersburg fließt. Und wer ihn gesehen hat in seiner Größe, Breite und Tiefe, kann ein wenig ermessen, wie riesig der Ladagosee sein muß.

Und er ist riesig. Die Überfahrt zur ersten Insel Walaam dauerte rund 13 Stunden. In der Mitte des Sees sieht man am Horizont rund herum nur Wasser. Ein Gefühl, als sei man auf einem der Weltmeere. Und die See war doch leicht unruhig. Nicht schlimm.

Tief schwarz präsentiert sich die See. Ein Zeichen oder Hinweis auf ihre Tiefe. Der Ladogasee ist teilweise über 200 Meter tief. Wir haben Scherze gemacht und überlegt, was man hier alles „tiefer“ legen kann. Hier kann sich aber jeder jetzt seine eigenen Gedanken machen.

Irgendwann ging es nach ein paar Getränken und netten Gesprächen in der Bar in die Kajüte. Verdammt kalt war es zwischenzeitlich hier. Das Fenster, eine Einfachverglasung. Ich holte mir gleich die zweite Decke. Trotzdem fror ich die ganze Nacht wie ein Hund, der im Winter des Hauses verwiesen wurde. Und eine Erkältung habe ich mir auch gleich eingeholt. Ich steckte meine Nase unter die Decke, um der kalten Luft vom Fenster zu entgehen. Es half etwas. Schlafen ging auch, da die Wellenbewegung wie das Schaukeln im Schaukelstuhl wirkte. In der Frühe habe ich mich dann mal mit der Klimaanlage im Schiff beschäftigt. Und siehe da, Sie werden es jetzt nicht glauben oder schon, ich hätte die Kabine auch heizen können. Man sagt ja „Gott bestraft die kleinen Sünden sofort“. Ich bin mir nur keiner Sünde bewußt. Eine Bewandtnis wird es schon haben.

Und da liefen wir dann auch schon in den Hafen der Insel Walaam ein.

Fortsetzung folgt.

Günther Allinger

 

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