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Archive for the ‘Schüleraustausch’ Category


Seinen 84. Geburtstag feiert er heute, Rudolf Schloßbauer, der Schulmeister der Städtepartnerschaft, unter dessen Ägide der Schüleraustausch zwischen Erlangen und Wladimir in den 90er Jahren ein goldenes Zeitalter erlebten. Mit seinem Namen werden einmal die Historiker dieser Verbindung einen inspirierenden Aufbruch verknüpfen, der erfolgreich den Ansatz verfolgte, bei der Lehrerfortbildung zu beginnen, wenn der Fremdsprachenunterricht an den Schulen und die Begegnungen von jungen Leuten über Ländergrenzen hinweg gelingen sollen.

Rudolf Schloßbauer am Gymnasium Nr. 23 in Wladimir mit der Deutschlehrerin Olga Wolkowa links im Bild

Man muß kein Prophet sein, um zu sehen, daß es nach dem nun gottlob absehbaren Ende der Pandemie jemanden wie den berufsmäßigen Stadtrat a.D. und Schulreferenten braucht, der wieder zusammenführt, was zusammengehört, und dabei auch bereit ist, seine eigene Handschrift zu gebrauchen. Eben so, wie das Rudolf Schloßbauer im Oktober 1995 tat, als er sich und anderen sagte: „Wenn wir einen guten Schüleraustausch wollen, müssen wir etwas für die Deutschkenntnisse ihrer Lehrer tun.“

Fortbildung mit Rudolf Schloßbauer, 1995

Und so konzipierte der gelernte Lehrer mit Praxiserfahrung bis hin nach China in jenem Jahr der Eröffnung des Erlangen-Hauses Lehrgänge für Deutschlehrer, die neben dem Blockunterricht in Wladimir auch einen Gegenbesuch in Erlangen vorsahen.

Teilnahmebestätigungen an der Fortbildung

Unlängst gerieten nun vier Bilder aus jener Zeit in den Besitz der Blog-Redaktion, die zeigen, welche Stimmung damals herrschte, und die ahnen lassen, welchen Kraftakt es wohl brauchen wird, den Austausch wieder in Gang zu bringen. Denn leider gilt, was damals, vor gut einem Vierteljahrhundert, galt: Es fehlen gerade den Lehrkräften der Fachaustausch und die Sprachpraxis, die kein noch so ausgetüfteltes virtuelles Programm ersetzen kann.

Rudolf Schloßbauer und seine Klasse

Deshalb heute neben den Glückwünschen an den Jubilar auch der Dank an den großen Freund der Städtepartnerschaft, von dem zu lesen seine Erinnerungen als Kriegskind empfohlen werden: https://is.gd/mJENCP

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Folgen Sie heute Jonas Eberlein, zu dem Sie hier im Blog eine Vielzahl von Einträgen – von Kultur über Jugendarbeit bis hin zu Sport und Fahrradpolitik finden -, auf seiner Reise in die Welt der deutsch-russischen Musikwelt, wo er eine wundervolle Entdeckung macht.

Seit 2005, meinem Abiturjahr, begleitet mich eine Melodie. Sie reckt sich nach oben, federt leicht und stürzt in Kaskaden hinab.

Jelena Borsowa dirigiert, als der Mädchenchor ihre Bewegungen in Musik umsetzt. Ich bin 19 Jahre alt und reise mit dem Chor und dem Orchester des Ohm-Gymnasiums Erlangen in die Partnerstadt Wladimir. Ich bin überwältigt von der Gastfreundschaft, von der Klangfülle und den neuen Tonalitäten, die wir auf der Reise erleben. Die Melodie klingt mir, die Jahre hindurch, im Geist und hebt, den Gezeiten gleich, das Schöne und Gute unserer Reise immer wieder in mein Bewußtsein.

Alina Wedechina, Jonas Eberlein und Elisabeth Preuß, Juni 2019 in Aachen auf der Städtepartnerkonferenz

Für einige Jahre lebe ich später in Moskau. Ich besuche Konzerte und lausche Chorwettbewerben oder singe selbst. Die Melodie von damals begegnet mir nirgends. In mir klingt sie dennoch weiter.

2019 stirbt Jelena Borsowa mit nur 58 Jahren nach schwerer Erkrankung, schreibt mir Peter Steger. Ich habe sie kaum gekannt, und doch sehe ich den Schatten ihres Dirigats im Probenraum der Tanejew-Musikschule Nr. 1 der Stadt Wladimir.

2021, im zweiten Corona-Jahr, nagt es an mir: Was spricht die Melodie, zweistimmig vorgetragen von Sopran und Alt? Auch der Wladimir-Chor aus dem unglaublichen Abiturjahrgang, der sich eigentlich im Vorjahr zum 15. Jubiläum hatte treffen wollen und dafür eine Chat-Gruppe aufmachte, hat die Noten nicht mehr griffbereit. Also summe ich das Motiv in mein Mobiltelefon und schicke es russischen Chorfreunden, die sich bezaubern lassen wie damals ich mich. Und doch kennt keiner die Melodie. Meine Gastmutter von der Austauschreise nach Wladimir damals sucht schließlich mit, findet die Melodie, und schickt mir einen Link zu einem Konzertmitschnitt. Хор Радуга | Chor Regenbogen: https://is.gd/Et9Gqc Mit Gänsehaut und Freudentränen überkommt mich ein Gefühl der Heimkehr und Dankbarkeit.

Warum ich in den sechzehn Jahren nicht früher nachgefragt habe, möchte meine Gastmutter, Wiktoria Termeta, die stellvertretende Direktorin der 1. Musikschule von Wladimir, erstaunt wissen. Gesucht hatte ich bis dahin nicht, nur geschwelgt in der Melodie, deren hundertstes Jubiläum wir schon damals hätten feiern können. Den halben Tag verbringe ich damit, Aufnahmen verschiedener Chöre aus der ganzen russischsprachigen Welt zu hören, die viel weiter ist, als die Grenzen des ohnehin schon größten Landes der Erde. Ich finde Texte und Notensätze.

Reinhold Glière – Sdrawstwuj, Gostja Sima
Здравствуй, гостья зима! | Sei gegrüßt, Wintergast 

aus dem Liedzyklus Opus 24 (1905): https://is.gd/iQmgS6

Здравствуй, гостья-зима! | Sei gegrüßt Wintergast!
Просим милости к нам | Willkommen seist du –
Песни севера петь | Sing vom Norden ein Lied,
По лесам и полям. | Voll der Waldfelderruh.

Есть раздолье у нас – | Ungebunden sind wir:
Где угодно гуляй; | Zieh ihn weit, deinen Kreis.
Строй мосты по рекам | Brücken schlag übern Fluß,
И ковры расстилай. | Trete Spuren ins Weiß.

Нам не стать привыкать, – | Alles bleibt ungewohnt –
Пусть мороз твой трещит: | Mag auch beißen dein Eis:
Наша русская кровь | Unser russisches Blut
На морозе горит! | Strömt beim Frost in uns heiß!

Das Bild der angedeuteten Verneigungen der Sängerinnen hat sich mit meinem tonalen Gedächtnis verbunden. Ich sehe noch heute, wie sie mit offenen Armen, Engelsflügeln gleich, ihren Gast, den Winter einladen.

Versucht nicht der Musiker, das Himmelreich zu erlangen? In Wladimir hat er es gefunden.

Austausch ist der Kern dieser Geschichte.

Obschon der slawophile Dichter Iwan Sawwitsch Nikitin eindeutige Worte gewählt hat, wird heute das „russische Blut“ gerne in Darbietungen durch „junges Blut“ ersetzt: Textvariation: Наша юная кровь | Aber jung unser Blut

Welche Version die ursprüngliche gewesen sei, soll die Slawistik klären, die leider aus der Alma Mater Erlangensis verschwunden ist.

Reinhold Glier (1874/5-1956) ist ein Nachfahre einer sächsischen Instrumentenbauerfamilie, in Zarenzeiten über Warschau nach Kiew ausgewandert, wo der Komponist zur Welt kam. Er studierte am Moskauer Konservatorium, unter anderem bei Sergej Tanejew (geboren 1856 in Wladimir, gestorben 1915 in Djutkowo bei Swenigorod), hatte sein Studium mit der Goldmedaille abgeschlossen und bekam als frischgebackener Alumnus den Auftrag, den jungen Sergej Prokowjew zu unterrichten. Ab 1900 gab er sich sich mit Accent und extra -e als Glière einen belgisch-französischen Touch. Von 1905 bis 1908 lebte er in Berlin, studierte Dirigat bei Oskar Fried und kehrte dann nach Moskau zurück, um am Gnessin-Institut zu unterrichten. Später übernahm er die Leitung des Konservatoriums in Kiew. Er komponierte Liederzyklen, Orchesterwerke, Kammermusik und Ballette, durch die er mit Красный мак | Der rote Mohn weltweite Berühmtheit erlangte.

Schon unter den ersten Choraufnahmen, die ich im Internet zusammentrug, fand sich eine andere Vertonung zahlreich vertreten. Deren Komponist ist Nikolaj Rimskij-Korsakow (1844-1908). Seine Melodie, im derben Volksfest-Charakter gehalten, zwingt Nikitins Verse ein lachendes Väterchen Frost mit roter Nase auf, dem das feine Schneeflöckchen längst abhandengekommen ist. Aber hören Sie selbst: https://is.gd/8Rud0I Ob der Komponist auch zu Wladimir eine Beziehung hatte oder mit Tanejew in Verbindung stand, mögen die Musikwissenschaftler beantworten.

Jelena Borsowa, 2015, gesehen von Ute Schirmer

Ich bin froh, von Jelena Borsowa die feine Vertonung Gliers geschenkt bekommen zu haben, mit der sie uns, die musikalische Delegation aus Erlangen, als Wintergast empfing, um gemeinsam Brücken zu bauen, die über ihren Tod hinaus noch jeder Wetterlage getrotzt haben.

Zugabe

Fälschlicherweise auch mit Здравствуй, гостья-зима! | Sei gegrüßt Wintergast! beschriftet, ist mir ein schönes Stück aus der Gattung Unterhaltungsmusik von der zu früh verstorbenen und beinahe vergessenen Lidia Klement in die Playlist getanzt, die durch ihre Interpretationen wundervoller Miniaturen begeistert. Das Lied über das winterliche Leningrad hat mich verzaubert: https://is.gd/u88lnH Mal beschreibt sie Berufe, mal Tageszeiten, mal Städte, wie Moskau oder Leningrad, wo sie als Kind die Blockade überlebt hatte und doch schon mit 27 Jahren verstarb. Aber das wäre eine andere Geschichte.

Quellen und LInks:

Mehr von der Konzertreise des Ohm-Gymnasiums an die Musikschule Nr. 1 im Jahr 2005 ist hier https://is.gd/qqEGI2 und der Nachruf auf Jelena Borsowa unter diesem Link zu finden: https://is.gd/Ilr3Q8

Reinhold Ernst Glier 1874/5 – 1956
Рейнгольд Эрнест Глиэр = Рейнгольд Морицевич Глиэ́р
www.reinhold-gliere.net/index2.htm

Dokmentarfilm – 45 Minuten zu Reinhold Glier in russischer Sprache, wahlweise mit Untertiteln.
https://youtu.be/NYwx7bj-gfo

Sergej Iwanowitsch Tanejew
Сергей Иванович Танеев 1856 – 1915
https://is.gd/0zw8Pi

Iwan Sawwitsch Nikitin
Иван Саввич Никитин 1824 – 1861
https://is.gd/IQnz0E

Lidia Klement
Лидия Ричардовна Клемент 1937 – 1964
http://lidia-klement.ru/audio.html

Jonas Eberlein

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Es dürfte sich tatsächlich um einen Rekord handeln, den das Opalicha-Gymnasium aus Krasnogorsk bei Moskau und das Gymnasium Höchstadt a.d.A. im Herbst feiern wollen, so es denn die Pandemie und der Impffortschritt zulassen: 25 Jahre ununterbrochener deutsch-russischer Schüleraustausch. Und gleich noch ein Rekord ist zu vermelden. Der Artikel zu dem Jubiläum, geschrieben von einer Lokaljournalistin, erhielt die Höchstzahl an Klicks, was ja umgerechnet auf Zensuren einer Eins mit Stern oder nach russischer Lesart fünf Punkten entspricht.

Borschtsch auf Deutsch, ein Wort mit zehn Buchstaben

Begonnen hatte alles mit einer Beteiligung der Martin Bauer GmbH & Co. KG aus Vestenbergsgreuth an einem in Opalicha bei Krasnogorsk, einem Vorort von Moskau, gelegenen Betrieb für Heilkräuter. Federführend bei der Investition war Adolf Wedel, ehemaliger Schüler des Gymnasiums Höchstadt, der denn auch den Austausch anregte. Auf seine Initiative hin ging dann am 5. Februar 1996 dieses Fax der „Gymnasisten aus Moskauer Gebiet“ in der fränkischen Kreisstadt ein.

Doch dabei blieb es nicht. Dieser Austausch stand 2003 Pate für die Städtepartnerschaft Höchstadt-Krasnogorsk und für weitere Kontakte mit der Mittelschule Höchstadt und dem Dientzenhofer-Gymnasium Bamberg. Gut so und Gratulation! Bleibt nur zu hoffen, daß in diesem Jubiläumsjahr der Präsenzaustausch fortgesetzt werden kann – ebenso wie das deutsch-russische Schachturnier, an dem sich dann sicher wieder auch Erlangen beteiligt.

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Heute vor 35 Jahren kehrte die erste Erlanger Schülergruppe von einer Reise nach Wladimir zurück. Gerhard Wangemann, damals Stadtrat für die FDP, verdanken wir eine abendfüllende Videodokumentation dieser Fahrt, ein einzigartiges Zeitzeugnis, in dem wir u.a. Bürgermeisterin Ursula Rechtenbacher und Helmut Schmitt vom Schulverwaltungsamt, später als Leiter des Bürgermeister- und Presseamtes ein beherzter Förderer des Austausches nicht nur mit der russischen Partnerstadt.

Dieter Wolz

Initiator der Unternehmung war Dieter Wolz – nach sechs Jahren als Lehrer von 1980 bis 1986 Direktor der Wirtschaftsschule, bevor er nach Nürnberg wechselte, wo er später das Amt des Schulreferenten bekleidete -, der bereits 1984 mit dem Stadtverband Kultur Wladimir besucht hatte. Der gebürtige Oberpfälzer beschloß damals, autodidaktisch mit Cassetten von der Volkshochschule Russisch zu lernen, weil er sich ohne Sprachkenntnisse hilflos fühlte und sich nicht einmal in der Moskauer Metro zurechtfand. Bei seinen weiteren Reisen – noch zwei Mal nach Wladimir, zum letzten Mal im Mai 2005, und einmal für zwei Wochen nach Leningrad sowie einmal nach Charkow, in die Partnerstadt Nürnbergs – kam dem Pädagogen sein Russisch, das er bis heute pflegt, sehr zupaß. Damals, in jenen Jahren des Kalten Krieges, stand für „Papa Wolz“, wie die Schüler ihn gern nannten, der Gedanke der Aussöhnung im Vordergrund. Als regelrecht befreiend erlebte es der Sohn eines Wehrmachtssoldaten, der in der Ukraine gekämpft hatte, in der Umarmung mit einem einarmigen Russen und in den vielen Gesprächen mit den einstigen Gegnern seine Kriegsangst zu verlieren, die ihn während der Kuba-Krise gepackt hatte, als er in Erlangen erlebte, wie die amerikanischen Einheiten in Erlangen die Panzer warmlaufen ließen… Nun erlebte er Freundschaft, etwa mit Bürgermeisterin Wera Sorina, die ihn später auch in Nürnberg besuchte, besonders aber mit Wladimir Balachtin, Leiter des Kulturamtes der Region Wladimir, mit dem er sogar weltanschauliche Dispute ausfechten konnte: „Bist Du Christ?“ – „Nein, Kommunist!“ Oder später, in der U-Bahn von Leningrad, die warmherzige Geste von drei älteren Damen, die die Blockade überlebt hatten und nun eigens mit dem Deutschen ausstiegen, um ihm oben in der Stadt den Weg zu zeigen…

Ursula Rechtenbacher und Gerhard Wangemann

Besonders aber gefiel es Dieter Wolz im Umland von Wladimir, wo er sich in seine Jugendzeit zurückversetzt und wie zu Hause fühlte. Der Pionier der deutsch-russischen Verständigung war angekommen und sieht sich, auch wenn er nun aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reisen kann, noch immer verbunden mit Land und Leuten, wurde er doch überall und stets zuvorkommend behandelt und weiß nun für immer, daß auch die Russen keinen Krieg wollen. Nun aber Film ab zur Zeitreise, 35 Jahre zurück, mit großem Dank an Gerhard Wangemann.

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Noch in der Verlobungsphase der Städtepartnerschaft, vor nun schon 35 Jahren, reiste die erste Schülergruppe von Erlangen nach Wladimir, begleitet von Bürgermeisterin Ursula Rechtenbacher, Stadtrat Gerhard Wangemann und dem Leiter der Wirtschaftsschule, Dieter Wolz. Leider sind keine Bilder von dieser Pionierfahrt erhalten, aber auf Bitten der Blog-Redaktion erinnert sich Gerhard Wangemann an jene Zeit noch ganz genau, und demnächst folgt hier auch die Uraufführung seines Videofilms sowie ein Kurzportrait von Dieter Wolz.

Ursula Rechtenbacher und Gerhard Wangemann

„Haben Sie Interesse in 14 Tagen mit der Erlanger Wirtschaftsschule in die Sowjetunion nach Moskau und Wladimir zu fahren, wir haben einen Platz frei“, so meldete sich der Chef der Wirtschaftsschule, Dieter Wolz, mit einem Anruf Mitte Oktober 1985 bei mir.

„Sowjetunion, da komme ich ja nie hin“, dachte ich. Die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich sagte ja und begann mit den Vorbereitungen. Der Ausweis war noch gültig, aber mein Bild war ohne den Bart, den ich damals trug. Das kann Probleme geben. Für einen neuen Paß war die Zeit zu kurz. Der Bart mußte weg.

Bei einem Vorbereitungstreffen in der Wirtschaftsschule mit allen Reiseteilnehmern, zu denen auch Bürgermeisterin Ursula Rechtenbacher zählte, wurde ausführlich informiert und alles Erforderliche besprochen.

Mit dem Bus ging es am frühen Morgen des 31. Oktober 1985 durch die DDR nach Ostberlin zum Flughafen Schönefeld zur Interflug-Maschine nach Moskau, wo wir auf dem internationalen Flughafen Scheremetjewo landeten. Ein nicht mehr ganz neuer Reisebus holte uns ab. Es lag Schnee und war bitterkalt. Der Verkehr war gering, nur einige Lastwagen waren unterwegs. Riesige Plattenbausiedlungen am Rande Moskaus beeindruckten und erschreckten zugleich.

Nach etwa 50 Kilometern wurde der Bus plötzlich langsamer, der Motor ging aus, wir standen am Straßenrand. Mit meiner damals riesigen Sony-Videokamera stieg ich nach dem Busfahrer ebenfalls aus und konnte den Fahrer filmen, wie er auf der Fahrerseite unterhalb des Seitenfensters eine Abdeckung in der Karosserie öffnete, Zeitungspapier zusammenknüllte, anzündete und in die Öffnung in das Fahrzeug steckte. Ich war sehr froh, nicht mehr im Bus zu sitzen. Bürgermeisterin Ursula Rechtenbacher, die unmittelbar über der Feuerstelle saß, sah das naturgemäß ganz anders…

Nach kurzer Zeit war die Zeitung verbrannt, der Dieseltreibstoff, der wegen der Kälte dickflüssig geworden war, wieder flüssig, und die Fahrt konnte bis zum nächsten Halt weitergehen. Bis Wladimir wurde noch viel Zeitungspapier benötigt.

Wir kamen mit Verspätung im Hotel „Kljasma“ an, etwas außerhalb von Wladimir. Der Empfang war sehr freundlich und zugleich offiziell: Die stellvertretende Stadtspitze, Wera Sorina und Jurij Fjodorow, begrüßten uns, und eine junge Frau in heimischer Tracht entbot das traditionelle russische Willkommen mit Brot und Salz. Ein spätes Essen gab es natürlich auch.

Das Besuchsprogramm war dicht gedrängt und kann hier nur kurz dargestellt werden: Stadtrundfahrt, Museumsbesuch, Führung in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, Besuch in einem Kindergarten, Fahrt nach Susdal mit seinen zahlreichen Klöstern, Empfang im Rathaus bei Oberbürgermeister Michail Swonarjow mit Gruppenbild auf der Rathaustreppe.

Besonders in Erinnerung ist mir das grandiose Konzert des Markin-Chores in der Altgläubigen-Kirche zwischen Ikonen an den Wänden und den Vitrinen über ihre Entstehung.  Die beeindruckende Akustik in diesem Raum, der als Glasmuseum genutzt wird, überwältigte uns alle.

Herausragend war natürlich auch der Besuch in der Sporthalle, in der damals die weltweit führenden Turner der Sowjetunion trainierten. Darunter Nikolaj Andrianow, mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger. Am Reck, am Barren, an den Ringen und am Boden sahen wir Leistungen, die wir zu Hause nur aus dem Fernsehen kannten.

Der Festabend mit zahlreichen Vorführungen von Kindern und Jugendlichen mit Tanz und Gymnastik, mit virtuoser Musik, natürlich auch mit Ansprachen und Übersetzung von offiziellen Vertretern der Stadt und unserer Reisegruppe mündete in einem allgemeinen Tanzvergnügen, auf das die Jugend beider Nationen schon lange gewartet hatte. Die Abfahrt mit dem Bus zurück ins Hotel kam vielen trotz später Stunde zu früh.

Die jährlichen nationalen Feiertage zur Erinnerung an die Oktoberrevolution 1917 warfen bei unserem Aufenthalt in Wladimir ihre Schatten voraus. Riesige Plakate mit Slogans, die wir nicht lesen konnten, und den Köpfen aus dem Zentralkomitee der KPdSU zierten die Stadt. Wer Michail Gorbatschow noch nicht kannte, wußte jetzt, wie er aussieht. Die Feierlichkeiten selbst fanden erst in den beiden Tagen nach unserer Abreise statt.

Ein Programmpunkt, der nicht stattfinden konnte, aber im Reisepreis enthalten war, sollte erstattet werden. Aber in Wladimir gab es keine D-Mark, und in Erlangen konnten wir keine Rubel gebrauchen. Dafür gab es in dem Speiseraum am Flughafen in Moskau vor der Abreise zusätzlich zum normalen Imbiß mehrere Schälchen mit Kaviar, eine gefragte russische Währung. Kaum jemand von den Jugendlichen versuchte diese Delikatesse. Die wenigen Erwachsenen langten dafür kräftig zu und hatten schon beim Betreten des Flugzeuges erheblichen Durst.

Die Stadtrundfahrt in Moskau mit Kreml und dem Ehrenmal an der Kremlmauer, dem Kaufhaus GUM, dem Roten Platz mit der Basilius-Kirche, dem Gorkij-Theater und dem gewaltigen Bau der Lomonossow-Universität sind mir in Erinnerung, bevor es zum Flughafen und nach Hause ging.

Das alles ist 35 Jahre her. Die damals in der Anbahnung befindliche Partnerschaft mit Wladimir ist längst gelungene Realität. Die Partnerschaft mit Jena ist innerdeutsche Wirklichkeit. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr, auch die DDR ist Geschichte. Reisen können wir ohne große Probleme fast überallhin. Leider sind die politischen Konflikte zwischen Moskau und Berlin wieder so tief wie lange nicht mehr.

Ich kann nicht ohne ein herzliches Dankeschön an alle unsere Begleiter und die stets einsatzbereitem Übersetzer aus Wladimir  schließen, ohne sie hätte ich wenig verstanden. Ein herzlicher Dank auch an Dieter Wolz, ihm verdanke ich diese Reise.

Dieter Wolz

Der Initiator der Reise, der damalige Schulleiter, Dieter Wolz, hat noch eine wichtige Erfahrung aus der späteren Partnerstadt Wladimir mit nach Erlangen gebracht:

Nach unserem Eindruck lag den Gastgebern, wie uns ja auch, an guten zwischenmenschlichen Begegnungen, am Abbau von Feindbildern und an einer entspannten Atmosphäre. Auch die russischen Schüler gingen auf unsere Erlanger Wirtschaftsschüler sehr positiv und offen zu, gaben sich bei Tanz und Gesellschaftsspielen alle Mühe. Es war für die Erwachsenen und die Schüler gleichermaßen ein Freundschaftsbesuch. Wir alle waren vor der Reise sehr gespannt, wie man wohl in Wladimir mit uns umgehen würde, wir waren auf das Angenehmste überrascht. Der Kalte Krieg, so jedenfalls unser Eindruck, war doch eher eine Sache der hohen politischen Sphären, von Mensch zu Mensch verstand man sich von Anfang an prächtig.

Gerhard Wangemann, damals Stadtrat, später Wirtschaftsreferent

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Wie so vieles in diesem Corona-Jahr entfällt heuer auch der Schüleraustausch. Jammerschade, denn wie wichtig der ist, zeigt der Bericht von Carla Posch, die als Studentin der Politikwissenschaften in Passau derzeit ein Praktikum im Bürgermeister- und Presseamt absolviert. Sie erinnert sich exklusiv für den Blog zusammen mit ihrer russischen Gastgeberin Ljuba an die Begegnungen im Jahr 2012, über sie bereits damals einen Bericht geschrieben hatte: https://is.gd/XIxOi9

Carla Posch

Wenn ich heute an Wladimir zurückdenke, denke ich an Schnee und an graue Tage, die von den so gastfreundlichen Russen aufgehellt wurden. An die herzliche Art meiner Gasteltern, die mich nach den zwei Wochen gleich für den nächsten Sommer einluden.

d ddie MTG-Gruppe mit Carla Posch, 3. v.l.

Ich war gerade 13 Jahre alt, als ich 2012 an dem Schüleraustausch teilnahm, genauso wie die meisten meiner Schulkameraden. Für mich war das damals der Anfang eines Fernwehs, das noch mehrere Jahre andauern sollte.

Gerade dafür bin ich dem Schüleraustausch sehr dankbar – meine Eltern wohl weniger. Drei Jahre später ging ich dann nämlich für ein halbes Jahr nach Neuseeland, direkt danach nahm ich an einem Schüleraustausch mit Rennes, einer weiteren Erlanger Partnerstadt, teil

Außerdem hat die Fahrt nach Wladimir auch den Zusammenhalt unter uns als Klasse gefördert. Wir unternahmen schließlich zwei Wochen lang jeden Tag etwas miteinander. Und als uns unsere russischen Partner besuchten, planten wir miteinander Aktivitäten für die Wochenenden oder halfen einander bei Problemen.

Wenn ich jetzt mit meinen Freunden auf die Zeit zurückblicke, sind wir alle schon ein wenig stolz, uns damals getraut zu haben, in ein Land zu reisen, dessen Sprache wir nicht beherrschten, dessen Schrift wir nicht entziffern konnten und dessen Kultur so ganz anders ist als unsere. Inzwischen haben wir zwar größtenteils nur noch sporadischen Kontakt zu unseren Austauschpartnern, aber über Instagram und Facebook kriegt man doch noch ein paar Sachen mit. Und jedes Mal erinnere ich mich gern an unseren aufregenden Tagestrip nach Moskau oder an die Begeisterung der Russen, als wir nach Herzogenaurach ins Adidas-Outlet fuhren.

Mit meiner damaligen Austauschpartnerin Ljuba habe ich auch noch hauptsächlich über Instagram Kontakt, doch auch sie hat nur gute Erinnerungen an die Zeit vor acht Jahren, wie sie selbst schreibt.

Carla Posch

Ludmila Barynina begrüßt die russisch-deutsche Klasse

Heute können Jugendliche durch die ganze Welt reisen. Sie können an Austauschprogrammen teilnehmen, eintauchen in die Kultur eines anderen Landes, miteinander kommunizieren, die nützliche Erfahrung machen, wie man auf eigene Faust im Ausland zurechtkommt und seine Fremdsprachenkenntnisse verbessern.

Der Schüleraustausch mit Deutschland bietet die großartige Gelegenheit für russische Jugendliche, nicht nur zu reisen, sondern auch etwas zu lernen und die europäische Kultur kennenzulernen. Ich gehörte zu jenen Kindern aus Wladimir, die im Jahr 2012 an einem solchen Programm teilnehmen und Erlangen besuchen konnten.

Interessanterweise sind Wladimir und Erlangen Partnerstädte, deren Beziehungen bis ins Jahr 1983 zurückreichen. In den 90er Jahren spendeten die Erlanger im Rahmen der Aktion „Hilfe für Wladimir“ mehr als drei Millionen Mark für uns. Das Bayerische Rote Kreuz half Wladimir und lieferte über Jahre medizinische Ausrüstung und Verbrauchsmaterial. U.a. begann 1991 mit Hilfe aus Erlangen der Wiederaufbau der katholischen Kirche in unserer Stadt.

Ich gebe zu, sehr glücklich gewesen zu sein, als ich erfuhr, an dem Austauschprogramm mit Deutschland teilnehmen zu dürfen. Die Schülergruppe aus Erlangen kam im März 2012 an. Wir besuchten täglich gemeinsam den Unterricht, besuchten aber auch Moskau und andere Städte in der Nähe von Wladimir. Für mich war das eine großartige Erfahrung.

Im Spätherbst kamen wir dann nach Erlangen. Auch wir besuchten dort die Schule, und so lernten wir viel über das deutsche Bildungswesen. Die Reise gab mir auch Gelegenheit, München und Jena zu besuchen. Begeistert hat mich die Unterbringung in Familien, was ermöglichte, den Alltag, die Traditionen, die Feiertag und den Tagesablauf von ganz normalen Familien kennenzulernen. Herzliche Beziehungen zur Gastfamilie und persönliche Sympathien während des Aufenthalts halfen, Vorurteile und Stereotypen aufzubrechen und den Horizont zu weiten.

Der gemeinsame Ausflug nach Jena mit den Betreuungslehrerinnen Ludmila Barynina und Helga Häußinger sowie Carla Posch in der Mitte

Ich bin jetzt felsenfest überzeugt, daß das Verständnis für die Kultur eines anderen Landes die Toleranz befördert und lehrt, ethnischen und kulturellen Unterschieden mit Respekt zu begegnen.

Kurzum: Wenn ich zurückblicke, bot mir der Schüleraustausch 2012 die große Chance, die Kultur Deutschlands kennenzulernen und mein Deutsch zu verbessern. So ein internationales Programm ist die perfekte Art, um den Geist von Verständigung, Toleranz und Respekt für Unterschiede sowie Freisein von Stereotypen in jungen Leuten zu verbreiten.

Und auch dazu gibt es einen acht Jahre zurückliegenden Bericht im Blog: https://is.gd/tT7H6H

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Nach mehr als fünf Monaten Pause öffneten gestern in Wladimir und im ganzen weiten Land die Schulen wieder für den Unterricht. Mehr als 4.000 Kinder wurden in der Partnerstadt eingeschult, landesweit waren es etwa 17 Millionen für die ein neues Schuljahr beginnt – immer am 1. September nach gut drei Monaten Ferien. Doch heuer ist natürlich alles anders: Die Klassenräume waren seit Ende März verwaist, als alle Schulen wegen der Corona-Pandemie auf Fernunterricht umgestellt hatten.

Covid-19 hat denn auch das Land mit aktuell mehr als einer Million Ansteckungen noch immer fest im Griff; allein gestern kamen wieder fast 5.000 neue Fälle hinzu, denen 816.000 genese Personen entgegenstehen, davon am 1. September 6.318, aber auch mehr als 17.100 Tote, 123 am gestrigen Dienstag. Für die Region Wladimir geben die Behörden 27 Erstinfektionen an, insgesamt sind es 6.345 Fälle, davon 1.077 in der Partnerstadt. Vor diesem Hintergrund gelten an allen Schulen des Landes neue Vorschriften, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Demnach sollen die Schüler nicht mehr die Klassenräume wechseln und morgens zeitversetzt in den Schultag starten, um Gedränge in den Gängen der Gebäude zu vermeiden. Morgens müssen sich alle auf Fieber messen lassen; bei einer Körpertemperatur von mehr als 37 Grad, ist ein Arzt hinzuziehen. Wird Corona diagnostiziert, bleibt die gesamte Klasse zu Hause. Eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer im Unterricht gibt es allerdings nicht.

Gratulation zum Tag des Wissens. Ein Gruß aus dem Rathaus Wladimir an alle Schüler und Studenten
Glückwunsch zum Tag des Wissens. So gratuliert das Rathaus Wladimir allen Schülern und Studenten, für die es gestern auch zurück in die Vorlesungssäle ging.

Überschattet wurde der gestrige Tag in Wladimir durch eine Reihe von anonymen Bombendrohungen, die per Mail auch gegen Schulen und Kindertagesstätten ausgesprochen wurden, allerdings erst nach Ende der Eröffnungsfeiern, weshalb die Evakuierungen ohne größeren Aufwand vonstatten gehen konnten, zumal nirgendwo Sprengstoff gefunden wurde. Für Ärger sorgten bei den Behörden aber die durchaus realen Verstöße einiger Geschäfte gegen das gestrige Verbot, Alkoholika zu verkaufen. Der hier schon des öfteren vorgestellte Wladimir Autor hat dazu seine eigene Sicht:

„Heute ist der 1. September. Heute ist Schulbeginn. Heute ist der Tag des Wissens. Heute verkaufen die Geschäfte keine Spirituosen. Wer weiß wo, findet sie aber auch heute. Wissen ist Macht.“

Doch hier noch ein Beitrag des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders, gedreht an der Schule Nr. 23, die mit dem Emmy-Noether-Gymnasium einen Austausch pflegt, der eigentlich im Frühjahr hätte fortgesetzt werden sollen…

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Die Woche intensiven Zusammenlebens und Zusammenarbeitens des Gymnasiums Fridericianum an der Partnerschule Nr. 17 in Wladimir eröffnete auch dieser Austauschgruppe vom 28. September bis 6. Oktober, besonders durch die Aufnahme in den Gastfamilien, einen authentischen Eindruck vom russischen Schul- und Lebensalltag und von den Unterschieden, die sich in unserer Lebensrealität immer noch auftun.

Das ist aus mitteleuropäischer Sicht ein Blickwinkel, der für die heranwachsende Generation globale Handlungskompetenz stärkt, wie es kein theoretisches Schulbuch leisten kann.

Dies ist der letzten Satz unseres Berichts für den Schüleraustausch vor zwei Jahren, und diese Aussage gilt uneingeschränkt fort.

Das gewählte Projektthema „Wasser. Zukunft. Leben.“ ist auch Titel der von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) ausgerufenen Wasserdekade vom März 2018 bis zum März 2028.  Der Zusatz „Eine Stunde für das Wasser“ formulierte für die Projektarbeit in deutsch-russischen Arbeitsgruppen das Ziel: eine Präsentation der Ergebnisse vor der Fachschaft Biologie und Oberstufenschülern am Ende der Austauschwoche. Unser Vorhaben überzeugte auch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, weshalb sie unserer Austauschgruppe einen stattlichen Förderbetrag zu den Fahrtkosten in Aussicht stellte und sich sogar für eine gebührenfreie Erteilung der Visa (gemäß Art. 4 des „Abkommens zwischen der Regierung der Bundesrepublik und der Regierung der Russischen Föderation über die Erleichterung des Reiseverkehrs…“) einsetzte. Um die Bearbeitungs- und Zustellungsgebühren der Agentur VFS Services in München kamen wir leider nicht herum.

Das Thema „Sorge um die Trinkwasserressourcen“ an sich ist in bayerischen Lehrplänen – schon aus Zeiten vor „Fridays for Future“ – in vielen Fächern, quasi Fächer übergreifend, verankert. Ethik, Religion, Biologie, Natur und Technik, Biologie, Geographie, etc. Im russischen Schulalltag scheint man sich dagegen dieser Thematik selten zu nähern. Umso gelungener zeigte sich die Motivation fürs Thema durch den Einstieg über einen der zahlreichen „Footprint-Rechner“, die unterschiedliche Organisationen auf ihren Homepages bereitstellen.

Während der Woche vor Ort gab es dann in zehn Einheiten die Möglichkeit, sich in unterschiedlicher Weise der komplexen Thematik zu nähern und sich die Tragweite, persönliche Relevanz und Verantwortung bewußt zu machen. Die russische Koordinationskollegin an der Schule Nr. 17, Jelena Glaskowa, hatte die Zusatzveranstaltungen und Exkursionen sorgfältig im voraus geplant. Dazu gehörten im einzelnen Führungen im Wasserwerk und in einem Großgärtnereibetrieb der Stadt Wladimir sowie Exkursionen nach Moskau und Murom.

Sowohl während der Fahrten als auch vor Ort wurde die immer gemeinsam agierende Gruppe russischer und deutscher Schüler von kompetenten und sachkundigen Übersetzern begleitet.

So wurden unterschiedliche Facetten des Themas bewußt und in der gemeinsamen Arbeit an den kleinen PP-Präsentationen diskutiert und zusammengetragen. Bewußtsein und Wahrnehmung von Wasserverbrauch, virtueller Wasserverbrauch, weltweit und regional unterschiedliche Wasserverfügbarkeit, Problematik von Wasseraufbereitung und -bereitstellung, Abhängigkeit von Wasser seien nur stellvertretend genannt.

Technische Möglichkeiten in den Arbeitsphasen wie Internetzugang in der Schule waren grundsätzlich vorhanden. So stand für jede Arbeitsgruppe ein PC zur Verfügung. Allerdings stellte sich bald heraus: Ein uneingeschränkter, von Lehrern betreuter Zugang  zum Internet, wie wir es aus unserem Schulalltag gewohnt sind, bedurfte einer jeweils täglich einzuholenden Erlaubnis durch die Schulleitung.

Zugang zur Internetrecherche über persönliche Smartphones war aber für die russischen Schüler kein Hindernis und ergänzte so die Informationsmöglichkeiten; für die deutschen Gäste erwies sich dieser Weg teils als sehr kostspielige Variante, weil bei der Nutzung deutscher Simkarten doch immer noch immens hohe Roaminggebühren anfallen.

Abschließend kann man sicher festhalten: Im Rahmen der Projektarbeit wurden jeweils andere Schwerpunkte in der russischen und deutschen Gesellschaft bewußt , die russischen und deutschen Schüler kamen über ein global drängendes Thema ins Gespräch, und schließlich ist nichts wichtiger, als andere Nationen in ihrem Denken und Handeln im Austausch speziell mit Gleichaltrigen kennenzulernen.

Einblicke in russische Kultur und Geschichte flossen natürlich überall mit ein und gaben so der Schülerfahrt weit über rein touristisches Interesse hinausgehende Inhalte.

Die Planungen für den Gegenbesuch im September/Oktober 2020 in Erlangen haben begonnen. Erste Ideen werden bereits umgesetzt und Kontakte geknüpft, so z.B. zu Großbetrieben im Gemüsebau (Nürnberger Knoblauchsland), fränkischen Mineralbrunnen, Wasserwirtschaftsamt zur Frage der überregionalen Wasserversorgung in Bayern (Brombachsee-Speicher) oder auch nachhaltiger (regionaler) Energiegewinnung (Happburger Stausee).  Darüber hinaus werden aber auch globalwirksame, nationale Großprojekte thematisch mit eingebunden. Trotz ungewöhnlich heißer Sommer, denken wir in unseren Regionen noch nicht über Wassertransfer aus der Antarktis nach, aber die Wassernot führt andernorts zu verzweifelt originellen Lösungsideen.

Ein herzlicher Dank für die Unterstützung der Austauschbegegnungen geht an:

–  alle finanziell fördernden Stellen wie der Stiftung Deutsch Russischer Jugendaustausch,

–  den Bayerischen Jugendring, für in Aussicht gestellte Förderung;

–  für organisatorische Unterstützung aus dem Bürgermeisteramt der Stadt Erlangen, durch PeterSteger,  der im Rahmen der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir vor allem bei der Beschaffung der Visa half,

–  und dem Erlangen-Haus in Wladimir mit Irina Chasowa, die vor Ort viel Kommunikation erleichterte.

Schuljahr 2019/20, Christiane Krautwurst (OStRin i.B.)

 

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Zwei Kenner des Landes machen sich gemeinsam mit ihren Ehefrauen im September 2019 auf den Weg und ergänzen sich:

Blick vom Patriarchengarten auf die Altstadt von Wladimir

Der Experimentalphysiker, Andreas Magerl, emeritierter Professor der Friedrich-Alexander-Universität, betreut schon seit Jahren einen Austausch deutscher und russischer Studenten, wobei er in engem Kontakt mit verschiedenen russischen Universitäten steht. Der ehemalige Leiter des Gymnasiums Fridericianum, Gerhard Hammer, wiederum kennt die Erlanger Partnerstadt gut und hat einen bis heute funktionierenden Austausch mit einer Schule in Wladimir begründet. Er stellte auch den Kontakt mit der Universität Wladimir für den Wissenschaftler her. Diese beiden Projekte der Zusammenarbeit bildeten den organisatorischen Rahmen für eine hochinteressante Reise nach Moskau, Wladimir und Kasan.

Ludmila Suschkowa, Gerhard Hammer, Andreas Magerl, Ansor Saralidse und Olga Chochlowa

Was Moskau für eine pulsierende Weltstadt ist, wissen wohl die meisten. Beeindruckend sind das reibungslose Funktionieren des öffentlichen Verkehrswesens und der ausgezeichnete Zustand der touristischen Attraktionen. Insbesondere die religiösen Stätten werden aufwendig restauriert und blitzen mit zahlreichen frisch vergoldeten Kuppeln. Eine umfangreiche international bestückte Ausstellung zum Thema „The coming world: Ecology as the new Politics“ zeigt, wie das Umweltproblem auch hierzulande sehr wohl erkannt worden ist.

Ein pünktlicher und schneller Zug bringt die Reisenden in zwei Stunden nach Wladimir, das sich als muntere Stadt mit Straßenfest, wunderbaren Parkanlagen und vielen netten Restaurants und Cafés von seiner besten Seite zeigt. Überall sind junge Leute engagiert beim Arbeiten zu sehen, und im gastronomischen Bereich gibt es innovative Konzepte, wie z. B. ein Familiencafé mit angeschlossenem Spielzimmer für kleine Gäste. Untergebracht sind die beiden Ehepaare im Erlangen-Haus, in dem neben einem kleinen Hotelbetrieb (man muß sich dort wohlfühlen!) vor allem Deutsch unterrichtet wird. Dabei sind das Niveau der Lehrkräfte und ihr Engagement beeindruckend. Den Höhepunkt der Reise bildet der durch Peter Steger, den Partnerschaftsbeauftragten Erlangens, vorbereitete Besuch in der Universität, wo die deutschen Gäste vom Rektor, Ansor Saralidse, und der Bildungsbeauftragten der Regionalduma, Olga Chochlowa, mit einem offiziellen Empfang sehr freundlich aufgenommen werden.

Andreas Magerl, Ludmila Suschkowa, Ansor Saralidse, Olga Chochlowa, N.N. und Gerhard Hammer

Der Zug zur 800 km langen Weiterreise nach Kasan fährt pünktlich vom Bahnhof Wladimir zur Fahrt in Richtung Sibirien ab und bietet einen höchst angenehmen Service.

In der Hauptstadt der halbautonomen Republik Tatarstan fällt das offensichtlich einvernehmliche Zusammenleben der muslimischen und christlichen Bevölkerung auf: Prächtige Kirchen und ebensolche Moscheen stehen in Kasan nebeneinander, und auch sonst macht die betriebsame Stadt einen offenen und wirtschaftlich aufstrebenden Eindruck.

Kasan

Insgesamt war es eine sehr bildende Reise, sowohl touristisch als auch unter dem Aspekt der Begegnung mit der Bevölkerung ein voller Erfolg. Die große Freundlichkeit, mit der wir Deutsche überall behandelt werden, steht im Gegensatz zu manchen bestehenden Vorurteilen.

Besonderer Dank gebührt Herrn Steger, ohne dessen kompetente Hilfe diese Reise nicht so erfolgreich verlaufen wäre: Man konnte deutsch-russische Partnerschaft im besten Sinn und auf verschiedenen Ebenen erleben.

Eva-Maria Hammer

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Das Lebensmotto von Marina Trubizyna lautet: „Willst du ein besonderer Mensch sein, da sei du selbst.“ Kein schlechter Wahlspruch für eine Lehrerin, die offenbar auch pädagogisch gemäß dieser Sentenz arbeitet. Eigentlich unterrichtet sie ja Englisch an der Schule Nr. 23, aber es liegt ihr offenbar viel daran, ihren Schülern gerade auch die Partnerstadt Erlangen nahezubringen.

Marina Trubizyna mit ihrer Gruppe, gesehen von Karin Günther

Seit 2011 schon kommt sie in zweijähriger Stetigkeit mit einer kleinen Gruppe, mit der sie, ganz ihrem Motto verpflichtet, weitgehend in Eigenregie das Programm zusammenstellt, das möglichst viele landeskundliche Elemente enthalten soll, sprich, gespickt ist mit Ausflügen wie heute nach München.

Ute Schirmer und Marina Trubizyna, gesehen von Karin Günther

Am 3. Oktober angekommen, bleiben die privat untergebrachten Gäste noch bis zum Donnerstag und üben in der Zeit nicht nur ihr Englisch, sondern auch die Zweitsprache Deutsch. Einige, die schon zwei oder drei Mal an diesen Reisen teilnahmen, bringen es da mittlerweile schon zum Gesellenbrief.

Ute Schirmer und die Gruppe, gesehen von Marina Trubizyna

Bei aller Eigenständigkeit nimmt Marina Trubizyna aber gern die Hilfe des Freundeskreises Wladimir an, nicht nur bei der Auswahl der Gastfamilien oder der Ausflugsziele. Wie auch nicht! Dafür haben wir schließlich die Bürgerpartnerschaft, eine besondere, wo alle nach dem Wahlspruch der Wladimirer Pädagogin leben können, immer im Austausch miteinander.

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