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Archive for the ‘Schüleraustausch’ Category


Nach dem Bericht der Erzieherin Natalia Tarakanowa https://is.gd/OWVQ6r über das Sozialpraktikum von sieben Waldorfschülerinnen aus Erlangen in Wladimir kommen nun auch einige der Mädchen selbst zu Wort:

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Katharina Bayer, Paula Politov, Eva Eger, Elisa Salzbrunn, Mona Schleicher , Johanna Hofmann und Maja Politov mit ihren russischen Begleiterinnen

Für zwei Wochen habe ich in Wladimir in einer Gastfamilie gelebt und dort ein Praktikum in einem Kindergarten absolviert. Mir und meinen sechs Klassenkameradinnen ist besonders die außerordentliche Gastfreundlichkeit sofort aufgefallen. Schnell wurde uns aber auch klar: Mit Englisch werden wir nicht recht weit kommen. Das war allerdings überhaupt kein Problem, denn so kamen wir mit den Menschen noch näher in Kontakt! Mit meinen Gasteltern verständigte ich mich meistens pantomimisch, und so hatten wir stets eine Menge zu lachen:) Sehr positiv sind uns auch die öffentlichen Verkehrsmittel aufgefallen. Busfahrpläne gab es zwar keine, das war aber nicht weiter schlimm, da alle paar Minuten ein Bus fuhr und man somit sehr schnell von A nach B kam. Die Busse waren meist gut gefüllt, und somit hielt sich der Verkehr gut in Grenzen. Die russischen Kirchen sind zudem überall vorzufinden mit ihren wunderschönen Sahnehäubchen-Türmen. Besonders viele gab es davon in Susdal. Ich fühlte mich dort, wie in einem Märchenland. Jeden Tag kochte meine Gastmutter etwas typisch Russisches, was jedes Mal vorzüglich schmeckte. Einiges davon vermisse ich schon sehr, wie zum Beispiel Borschtsch, das ist eine Fleischsuppe. Wladimir hat mich auf jeden Fall an allen Ecken und Enden sehr positiv überrascht und ich möchte jedem ans Herz legen, dieses wunderbare Land einmal zu besuchen. Nach der Schule möchte ich meine Gastfamilie unbedingt ein zweites Mal besuchen kommen.

Johanna Hofmann

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Ich habe mein Sozialpraktikum vom 24. Juni bis 5. Juli in Wladimir, der Partnerstadt von Erlangen, in einem Waldorfkindergarten absolviert. Mit einer Freundin wurde ich sehr herzlich von einer netten Gastfamilie aufgenommen. Wir wohnten in einem schönen Einfamilienhaus. Die Familie hatte zwei Töchter im Alter von 15 und zwölf Jahren. Die Arbeit im Kindergarten hat mir auch gut gefallen, da die Kinder uns gegenüber sehr offen und nett waren. Zu unseren täglichen Aufgaben im Kindergarten gehörten u.a.: Gartenarbeiten, wie Blumen gießen und Unkraut zupfen, außerdem Tischdecken und Putzen. Mit den Kindern haben wir einige Spiele gemacht und ihnen beim Umziehen der Kleidung geholfen. Dies hat uns selbstverständlich am meisten Spaß gemacht, auch wenn die Verständigung oft nicht ganz einfach war. Wir konnten kein Russisch, und die Kindergartenkinder und unsere Gastfamilie kein Deutsch und kaum Englisch. Trotzdem haben wir uns alle sehr gut verstanden. Am Nachmittag haben wir uns oft im Erlangen-Haus getroffen und eine Gruppe von Jugendlichen beim Deutschlernen unterstützt. Es war sehr lustig, und es haben sich in dieser Zeit sogar ein paar Freundschaften entwickelt. Wir würden uns freuen, diese Leute auch einmal in Erlangen zu treffen. Meine Familie würde sich auch bereit erklären, russische Gastschüler aufzunehmen. Die Stadt Wladimir und der Ort Susdal haben mich mit ihren zahlreichen Kathedralen und Museen sehr beeindruckt. Besonders der Ausflug nach Moskau war nochmal ein „Highlight“ der Reise. Es ist eine sehr bunte, kulturelle Stadt, die mich mit ihrer Architektur zum Staunen gebracht hat. Der Besuch auf dem Roten Platz war für mich ein unglaublicher Augenblick. Das Land hat mich sehr überrascht, weshalb ich auch vorhabe, es noch einmal zu besuchen. Zu meiner Freude konnte ich noch ein paar Wörter aus meinem einwöchigen Russischkurs vom letzten Jahr abrufen, und auch das Lesen in russischer Schrift fiel mir zum Ende immer leichter. Ich bedanke mich bei der Stadt Erlangen und Peter Steger, die mir dieses Praktikum ermöglicht haben, und vor allem bei Heidi und Jürgen Binder für die Organisation, die Mühe und Fürsorge. Es war eine schöne Erfahrung mit bleibenden Eindrücken und Erlebnissen. Abschließend möchte ich sagen: „Ich kann jedem ein Praktikum bzw. einen Aufenthalt in einem anderen Land empfehlen.“

Katharina Bayer

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Als wir das erste Mal auf die Gastfamilien trafen und zu ihnen nach Hause fuhren, war es ein komisches Gefühl. Denn du kennst diese Menschen nicht und wirst für die nächsten zwei Wochen bei ihnen wohnen. Jede Familie hat schließlich ihre eigenen Gewohnheiten und Eigenheiten. Zudem kamen noch die anderen Gewohnheiten der Russen dazu, da es in diesem Land so üblich ist, zum Beispiel um 22 Uhr Tee zu trinken. Die Familien empfingen uns aber sehr nett. Am Anfang brauchte man natürlich seine Zeit, um sich an die „neue Familie“ zu gewöhnen, doch das ging sehr schnell. Die Russen sind nämlich sehr gastfreundlich und immer hilfsbereit und freundlich. Teilweise haben die Kinder der Familien im Wohnzimmer geschlafen, um uns ein Zimmer frei zu machen, was natürlich nicht selbstverständlich ist. Schließlich ist nicht jeder Mensch dazu bereit, fremde Jugendliche aufzunehmen und auch noch ein Zimmer frei zu machen. Wir hatten bei den Familien alles, was man brauchte. Auch das Essen war sehr gut. Einige Familien konnten nur wenig oder sogar überhaupt kein Deutsch (oder sie trauten sich nicht). Doch man konnte sich immer irgendwie verständigen. Mit Hand und Fuß ging es 😉 Und wenn gar nichts mehr geholfen hat, unterhielt man sich auch über den Google-Übersetzer. Allerdings kommt da teilweise so ein Schwachsinn raus, den man dann trotzdem nicht verstand. Doch irgendwie klappte es am Ende immer. Bei der Verabschiedung schenkten uns die Gastfamilien sogar noch etwas, obwohl ja wir zwei Wochen bei denen geschlafen hatten (natürlich schenkten auch wir unseren Gastfamilien etwas). Das war eine sehr nette Geste. Am Ende war es schwer, „Auf Wiedersehen“ zu sagen, man hatte ja schließlich eine Zeit mit dieser Familie verbracht und sich aneinander gewöhnt. Doch ein paar Familien werden auch nach Deutschland kommen, und darauf freuen wir uns sehr!

Mona Schleicher

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Der erste Eindruck war sehr spannend, da vieles anders als in Deutschland war. Wir (Johanna, Eva, Mona und Maja) wurden auf zwei Kindergärten aufgeteilt (Johanna & Eva kamen in einen staatlichen Kindergarten, Mona & Maja in den Waldorfkindergarten). Die Kinder waren zunächst schüchtern, aber dies verflog schnell. Manches war zunächst sehr fremd, doch mit der Zeit gewöhnte man sich daran. Nach ein paar Tagen erlebten wir es als Alltag an, und wir konnten uns auf alles einstellen. Nach einer Woche durften Mona und Maja einen anderen, einen staatlichen Kindergarten kennenlernen. Beide Einrichtungen hatten ganz unterschiedliche Methoden, die Kinder zu betreuen. Fazit: Es hat sehr viel Spaß gemacht, den Kindergarten zu besuchen, und es war eine tolle Erfahrung.

Maja Politov

Siehe auch: https://is.gd/OWVQ6r

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Gleich nach den Pfingstferien absolvierten zum zweiten Mal in Folge, angeleitet und begleitet von Heidi Binder, Waldorfschülerinnen aus Erlangen ein Praktikum in Wladimir. Hierzu ein kurzer Bericht der Pädagogin Natalia Tarakanowa.

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Schon ist das Praktikum der Erlanger Waldorfschülerinnen wieder zu Ende. Wie schon im Vorjahr machten auch heuer Mädchen aus den höheren Klassen der Waldorfschule in der Partnerstadt ein Sozialpraktikum an Wladimirer Kindergärten.

Dieses Mal hatten sich sieben Mädchen für diesen Aufenthalt bei uns beworben. Vier von ihnen kamen an den Kindergarten Nr. 108 und drei an den Waldorfkindergarten, der übrigens mit Unterstützung aus Erlangen in den 90er Jahren gegründet wurde. Ich war selbst für diese drei wunderbaren jungen Gäste – Maja, Mona, Johanna und Eva – zuständig. Konkret in meiner Gruppe arbeiteten Maja und Mona.

Der Lebensrhythmus erwies sich als vertraut für die Mädchen, und sie klinkten sich rasch in die Arbeit ein. Eva und Johanna kamen in die traditionelle Gruppe zu den dreijährigen Kindern. Das Team war anfangs besorgt, wie die Kleinen mit den Praktikantinnen kommunizieren würden. Doch diese Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Die Mädchen waren ausgesprochen kontaktfreudig und aufgeschlossen. Außerdem spricht Eva gut Russisch.

Die Praktikantinnen nahmen am Gruppenleben teil, halfen in der Hauswirtschaft, kümmerten sich um die Beete und strichen die Wippe. Der wichtigste Teil ihrer Arbeit bestand aber natürlich darin, auf die Kinder einzugehen.

Und bitte glauben Sie nicht, es sei leicht, zu verstehen und zu antworten, wenn mehrere Kinder gleichzeitig etwas wissen wollen, hierhin oder dorthin rufen und etwas von sich erzählen möchten. Das fällt nicht einmal Muttersprachlern leicht, doch die Mädchen ließen sich nicht beirren. Zu Hilfe kamen ihnen dabei ihr Sinn für Humor sowie Lieder und Spiele. Für unsere Kinder war diese Erfahrung sehr wichtig, sie entwickelten die Fähigkeit neue Wege der Kommunikation zu suchen und zu finden.

Die Kleinen gewannen ihre neuen Bekannten lieb und fragen jetzt schon dauernd, wann sie diese denn wiedersehen. Auch die Eltern wollten sich mit den Gästen unterhalten und luden die Mädchen zu Ausflügen und Picknicks nach Bogoljubowo ein.

Ich hoffe, unseren Praktikantinnen – Mona, Maja, Johanna und Eva – gefiel es bei uns. Es wäre schön, wenn sie bei uns nicht nur das erhalten und erfahren hätten, was für ein Sozialpraktikum gefordert wird, sondern auch das Wichtigste: Herzenswärme und ungezwungenen Umgang mit einfachen Menschen. Ein großer Gruß und ein herzlicher Dank geht an das Ehepaar Heidi und Jürgen Binder. Dank dem Enthusiasmus und Optimismus von Heidi Binder ist dieses Miteinander überhaupt erst möglich geworden!

Natalia Tarakanowa

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Walentina Litwinowa, die gestern wieder die Heimreise antrat, unterrichtet an der Fachhochschule für Musik in Wladimir Akkordeon und Bajan sowie das Dirigieren von Folklore-Orchestern. Daneben hält sie Vorträge, gibt Meisterklassen und hat ihre Privatschüler. Gefragt nach dem Nachwuchs, betont sie das nicht nachlassende Interesse an der Musik und das große Potential an Talent. In jedem Kurs habe man zwei bis drei junge Leute mit absolutem Gehör. Nur an Fleiß und Ernsthaftigkeit, an Sitzfleisch und Konzentration mangele es bisweilen. Nicht weiter verwunderlich bei der Masse an Ablenkungsverlockungen. Dennoch sei die Nachfrage groß, und man könne es sich leisten, unbegabte oder lernunwillige Aspiranten wieder nach Hause zu schicken. Dabei ist das Soll an einer der 60 Musikschulen in der Region Wladimir mit ihrem Nachmittagsangebot durchaus anspruchsvoll: pro Woche zwei Unterrichtsstunden im Hauptinstrument sowie im Ensemble und dann noch Stimmbildung, Kompositionslehre. Da ist man rasch bei sechs Einheiten, die obligatorischen 60 Minuten des täglichen Übens zu Hause gar nicht eingerechnet. Da braucht man sich dann nicht zu wundern, wenn es bei einer solchen Nachwuchsarbeit in der Partnerstadt derart viele hervorragende Gruppen und Chöre aller Stilrichtungen zu entdecken gibt.

Bärbel Hanslik und Walentina Litwinowa

Die Städtische Sing- und Musikschule hat da einen anderen Ansatz und ist eher darauf angelegt, Kinder möglichst für ein Instrument oder einen Chor zu gewinnen, bei nur einer einzigen Unterrichtsstunde pro Woche. Dennoch gibt es auch hier für besonders talentierte Schüler Fördermöglichkeiten sowie zusätzliche Angebote, und derzeit, so Bärbel Hanslik, die Leiterin der Einrichtung, verfolge sie mit viel Erwartung die Entwicklung eines vielversprechenden Ensembles für Alte Musik, das man vielleicht in ein oder zwei Jahren auch einmal nach Wladimir schicken könnte. Doch die Besucherin will so lange nicht warten, sie möchte möglichst noch in diesem Jahr ein Trio oder Quartett für einige Konzerte an Erlanger Schulen schicken, und dann wird man sehen, wie der Austausch auf Dozentenebene weitergehen könnte, zumal man ja in drei bis vier Jahren im neu entstehenden Frankenhof dann endlich auch einen eigenen Konzertsaal haben wird. Noch ein wenig Geduld braucht es also, aber die gehört ja ohnehin zu den Kardinaltugenden aller, die in der Pädagogik zugange sind.

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Ihren zehntägigen Besuch in Erlangen, der heute zu Ende geht, verstand die Schülergruppe unter Leitung von Ludmila Mironowa als Friedensmission, als Reise in ein Land von Freunden, die einmal Feinde gewesen, und mit denen man ungeachtet aller politischer Unstimmigkeiten den vertrauensvollen Austausch fortsetzen und ausbauen möchte. Mehr als nur hehre Worte und Absichten, wenn man sich das Programm der letzten Tage ansieht, etwa mit der Exkursion nach Berlin und der Besichtigung des Treptower Parks, wo wie nur an wenigen Orten bedrückend eindrucksvoll zu erleben ist, wozu Krieg führt.

Die Gruppe im Treptower Park

Hierzu gehört der gestrige Abstecher ins Emmy-Noether-Gymnasium mit der Beauftragten für den Wladimir-Austausch, Michaela Spörl, und die gemeinsame Gestaltung der Partnerschaftsvitrine mit den Erlanger Gymnasiasten oder der gruppenweise Besuch des Unterrichts, zumal hier auch das Wahlfach Russisch auf dem Stundenplan steht.

Die Gruppe im Emmy-Noether-Gymnasium mit Michaela Spörl, 1. v.l., 2. Reihe

Besonders aber der Abschiedsabend bringt dieses Friedensmotto überzeugend zum Ausdruck. Mit Blumen und Bewirtung für die überraschten Gastgeber, mit Dank an sie alle und mit Lob für die gute Organisation des Programms.

Die Gruppe mit den Gastgebern im Club International

Vor allem freilich mit dem Vortrag von Alexej Aljochin, heute Student der Wirtschaftswissenschaften in Moskau, der als Schüler von Ludmila Mironowa ehemalige deutsche Kriegsgefangene und deren Angehörige auf deren Spurensuche nach den letzten noch auffindbaren Zeugnissen der deutsch-russischen Vergangenheit aus Kriegs- und Nachkriegszeiten begleitet. Von diesem Erfahrungsschatz, der spürbar auf seine menschliche Entwicklung einwirkte, berichtet der in klarem Deutsch vortragenden Referent am Beispiel von Herbert Mainka, der den Lebensweg seines Vaters in Gefangenschaft nachzeichnen will. Vieles davon ist hier im Blog nachzulesen. Aber diese Episoden einer deutsch-russischen Annäherungen sind, vermittelt von einem Nachgeborenen, dann doch von ganz anderer Qualität.

Ludmila Mironowa und Alexej Aljochin

Dazu sollte man eines wissen: Alexej Aljochin hat sich eigens für diesen Vortrag von den Vorlesungen und Seminaren in Moskau befreien lassen und stieß erst vor vier Tagen zu der Gruppe. Allein dies Beweis genug dafür, wie sehr ihm seine Mission mittlerweile zur Herzensangelegenheit geworden sein muß.

Im Vortragssaal

Und dann die Begegnung mit Wolfgang Morell, Jahrgang 1922 mit dem jungen Mann in dem Alter, als der Rekrut 1941 eingezogen wurde und an die Ostfront kam, wo er schließlich auf dem Rückzug von Moskau in Gefangenschaft geriet. Lebend nur, weil sein Karbiner in der Januarkälte von 1942 bei -42° C versagte, mit dem er sich hatte erschießen wollen, um den sichergeglaubten Folterungen mit anschließender Hinrichtung zu entgehen. Und am Leben blieb er nur, weil der Wehrmachtssoldat via Moskau, dort auf den Tod erkrankt, im Militärhospital von Wladimir gesundgepflegt wurde.

Wolfgang Morell und Alexej Aljochin

Zusammen mit 17 weiteren Kameraden, von denen einer dann Wolfgang Morell unbeabsichtigt wiederum das Leben rettete, weil er es mit den Worten „Du schaffst es eh nicht mehr nach Hause, du bist doch bald tot“ auf das Brot des Zimmergenossen abgesehen hatte, der dieses unter dem Bettkissen hortete, während er sich wegen Dysenterie nur noch von Flüssigem ernährte. Erst dieses Verdikt des Landsmanns brachte den aus Breslau stammenden Wahlerlanger zur Besinnung und ließ ihn zum Brot greifen. Und dann all die anderen Stationen, die Wolfgang Morell auf seinem siebenjährigen Marsch durch sowjetische Lager hinter sich brachte, immer mit der jeweils bestmöglichen medizinischen Versorgung. Nicht von ungefähr schätzt er sich denn auch glücklich, als Wehrmachtssoldat in russische und nicht als Rotarmist in deutsche Gefangenschaft geraten zu sein. Er weiß, wovon er redet. Der eigene Vater beaufsichtigte – bis er es nicht mehr ertrug – ein Lager für Gefangene der Sowjetarmee: „Schrecklich, unbeschreiblich, was wir diesen Menschen angetan haben!“ Ihm stockt die Stimme. Der Wehrpflichtige hatte diese Apokalypse mit eigenen Augen gesehen. Wie sollte er da hoffen dürfen, die Kommunisten würden mit den Faschisten anders verfahren. Und doch war es dann so.

Wolfgang Morell und Alexej Aljochin

Nur Episoden können an einem solchen Abend wiedergegeben werden. Aber zwischen den beiden Referenten ist da etwas Tiefes gewachsen, das sich in Worten nicht mitteilt. Ob sie in Kontakt bleiben, wissen wir nicht, aber es bleibt dieses gegenseitige Verstehen im Blick beider Vertreter dieser so unterschiedlichen Generationen – und die Gewißheit, nicht nur diese zwei, sondern alle Anwesenden vergessen die Botschaft dieses Abends nie, gerade auch am Ende eines Tages, an dem leider all der Opfer von Kertsch zu gedenken ist.

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Ludmila Mironowa verfolgt beharrlich ihre pädagogischen Ziele. Alle zwei Jahre gibt die Deutschlehrerin an der Schule Nr. 23 in Wladimir einer Gruppe aus verschiedenen Klassen die Gelegenheit, die graue Theorie der Sprache mit deren lebendiger Praxis zu verbinden. Die zehn Gäste im Alter zwischen elf und siebzehn Jahren sind denn auch während ihres Besuchs in Familien untergebracht – stellvertretend für die Gastgeber stehen Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und Helmut Aichele -, und sie besuchen vormittags in drei Kleingruppen auf ihre Kenntnisse zugeschnittene Deutschkurse, bevor nachmittags erlebte Landeskunde mit Streifzügen durch Erlangen sowie Ausflügen in die nähere und fernere Umgebung – für zwei Tage geht es sogar bis nach Berlin – auf dem Stundenplan steht.

Olga Mironosizkaja, Ludmila Mironowa, Elisabeth Preuß, Susanne Lender-Cassens und Helmut Aichele mit der Schülergruppe

Ein derartiges Engagement im Rahmen der Städtepartnerschaft verdient besondere Anerkennung. Und die erlebten die Schüler denn auch gestern, am dritten Tag ihres Aufenthalts, der heute in einer Woche endet, im Ratssaal, wo beide Bürgermeisterinnen, Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß, die Gruppe empfingen: „Mit besonderer Freude gerade in politisch schwierigen Zeiten, wo es auf den zwischenmenschlichen Austausch ankommt“, wie Susanne Lender-Cassens betonte, die bei ihrem Besuch vor einem Jahr in Wladimir die Schule von Ludmila Mironowa und Olga Mironosizkaja selbst besucht hatte. Wie erfolgreich diese Verbindung ist, zeigte sich bei der Frage, ob denn jemand aus der Gruppe schon einmal in Erlangen gewesen sei, worauf prompt zwei Hände in die Höhe gingen.

Die Schülergruppe in der Sing- und Musikschule nach dem Unterricht mit Sandra Dichtl, Renate Aigner und Tamer Eisha

Und im Unterricht, so das Pädagogen-Trio Sandra Dichtl, Renate Aigner und Tamer Eisha, zeigten sich alle aufmerksam und interessiert, gut vorbereitet und lernwillig. Nur trauten sich die meisten noch nicht so recht, selbst mit der Sprache herauszurücken. Aber dafür sind die Mädchen und Jungs ja auch gekommen, denn Sprache kommt von Sprechen, und das lernen sie nun vor allem – in den Kursen wie in den Familien, denen an dieser Stelle nochmals ausdrücklich gedankt sei.

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Der nun schon zwei Jahrzehnte währende Schüleraustausch des Gymnasiums Fridericianum und des Lyzeums Nr. 17 in Wladimir weist eine Besonderheit auf. Man besucht nicht nur gemeinsam den Unterricht und macht zusammen landeskundliche Ausflüge, vielmehr erarbeiten die jungen Deutschen und Russen auch in gemischten Teams Vorträge zu bestimmten Themen. Das Diktum von Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es!“ gilt denn auch besonders in der Völkerverständigung. Und dafür sollten derlei Begegnungen Schule machen.

Präsentation im deutsch-russischen Team am Fridericianum

Wenn die Gruppe heute nach einer guten Woche bei den neuen deutschen Freunden wieder nach Wladimir zurückkehrt, wird sie sicher eine Lehre mitnehmen, die leider so nirgends auf dem Stundenplan steht: Gemeinsamkeiten findet man nicht, man muß sie sich schaffen. Nichts verbindet mehr als an der Lösung von Aufgaben zusammenzuwirken.

Gute Stimmung am Fridericianum

Da ist es dann gar nicht mehr so wichtig, welches Thema sich stellt. Dieses Mal war es übrigens – in englischer Sprache vorgetragen – der Sport in all seinen Facetten und Spielarten, von der Freizeitbeschäftigung über Olympia bis hin zu den unterschiedlichen Disziplinen. Immer im gemischten Team vorgetragen.

Im Schaukasten „Wladimir“ in der Aula des Gymnasiums Fridericianum – das Gesicht des Schüleraustausches, Christiane Krautwurst

Die diesjährige Begegnung geht zu Ende, aber der Abschied verspricht ein Wiedersehen im nächsten Jahr, wenn die nächste Gruppe des Gymnasiums Fridericianum die gute Tradition des Austausches mit der Partnerstadt fortsetzt und zeigt, was alles gemeinsam geht zwischen unseren Ländern.

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Seit zwei Jahrzehnten pflegen nun schon das Gymnasium Fridericianum und das Lyzeum der Schule Nr. 17 ihren Austausch, immer alternierend, einmal reist die Erlanger Gruppe nach Wladimir, dann wieder kommt der Gegenbesuch nach Erlangen. In diesem Jahr gibt das Fridericianum die Gastgeberrolle – in bewährter Besetzung mit Christiane Krautwurst und Dieter Seifert.

Schülergruppe mit Oberbürgermeister, Florian Janik

Am Samstag erst kam die fast zwanzigköpfige Gruppe an und gestern schon empfing Oberbürgermeister Florian Janik die jungen Gäste zusammen mit ihren gleichaltrigen Gastgebern. In den nächsten Tagen machen sich die Jugendlichen nun an das gemeinsame Programm: Unterricht, Projektarbeit, Ausflüge und natürlich viel Familienleben.

Das Orgateam: Dieter Seifert, Anna Repina, Christiane Krautwurst und Olga Gurowa

Viel soll heute noch nicht vorweggenommen werden, denn am Ende des Aufenthalts steht als „Hausaufgabe“ auch ein Bericht an, der dann hoffentlich bald hier im Blog zu lesen sein wird. Der gestrige Auftakt im Rathaus ist jedenfalls schon einmal gelungen.

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