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Archive for the ‘Religion’ Category


So lautete der Titel den Sergej Jelisarow gestern bei einer Videokonferenz der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit der katholischen Hilfsorganisation Renovabis hielt. Der von Michael Kleiner, Eine-Welt-Referent der Erzdiözese Bamberg und Koordinator des Projekts Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde in Wladimir, moderierte Beitrag stand eigentlich für den Mai im Veranstaltungskalender, mußte dann aber wegen der Pandemie auf den 23. Juni verschoben werden.

Michael Kleiner und direkt über ihm in der Leiste Sergej Sujew

Sergej Jelisarow lebt und arbeitet in Pskow und wurde von Sergej Sujew, Gemeindepfarrer von Wladimir und als Dekan auch zuständig für den Sprengel Pskow, benannt. Er unterrichtet ökologisches Verhalten an einer Schule vor Ort, und sieht sich nun Anfragen von weiteren 20 Schulen gegenüber. Der Pädagoge war bereits zwei Mal in Deutschland, das letzte Mal bei einem Treffen mit Papst Benedikt XVI im Jahr 2006. Derzeit macht der leidenschaftliche Triathlet und zweimalige Teilnehmer am Iron Man eine zweite Ausbildung zum Umweltingenieur. Hier nun sein Skript mit einigen Ergänzungen, vorgetragen im Themenblock „Schöpfung bewahren: Religiöse Werte und Nachhaltigkeit“:

Sergej Jelisarow

In Rußland gibt es heute eine Reihe von Problemen bei der ökologischen Nachhaltigkeit:

 – illegale Müllhalden und Deponien

– Problem der Verschmutzung des Baikalsees durch Haushalts- und Industrieabfälle

– fehlende Kontrolle über Industrieunternehmen durch den Staat

– niedriges Niveau der Umweltkultur in der Bevölkerung

– Fehlen der Hausmülltrennung

Es ist eine erwiesene Tatsache, daß Abfallverwertungsanlagen viel effizienter und sicherer sind als Verbrennungsanlagen, allein schon deshalb, weil weniger Ressourcen und frisches Wasser verbraucht werden, um neue Dinge zu produzieren. Aber die Regierung setzt sich aktiv für die Verbrennung ein, und bald wird jede Region ihre eigene Müllverbrennungsanlage haben. Bisher aber wird nur ein Prozent der Abfälle verbrannt, vier Prozent werden aufgearbeitet, und der ganze Rest landet auf Deponien, davon viele illegaler Natur. Vor nicht allzu langer Zeit gab es eine große Umweltkatastrophe in der Stadt Norilsk, als eine Menge Heizöl in den örtlichen Fluß gelangte und das Ökosystem zerstörte. Hätten lokale Umweltschützer dieses Thema nicht auf die Landesebene gebracht, wäre die Geschichte totgeschwiegen worden. Das Fehlen von Verantwortungsgefühl und die Meinung, man werde straflos davonkommen, sitzt immer noch tief in den Köpfen der Beamten, die eigentlich Entscheidungen zugunsten der Menschen treffen sollten.

Auf meiner Ebene, als Umweltaktivist in der Region Pskow, engagiere ich mich in der ökologischen Bildung. Ich glaube, daß man vom frühesten Alter an lernen sollte, wie man im Einklang mit der Natur lebt, die natürlichen Ressourcen schont und gleichzeitig komfortabel lebt. Vor kurzem habe ich ein Stipendium des Präsidenten gewonnen und werde das ganze Jahr damit verbringen, an drei Schulen in meiner Stadt Unterricht über Ökologie zu geben. Ich bin ausgebildeter Geographielehrer, und dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Jetzt mache ich eine zweite Ausbildung zum Umweltingenieur. Das Hauptziel meines Projektes ist es, die ökologische Kultur von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Mein Traum ist es, alle Schulen in der Region Pskow zu erreichen, damit die Kinder verstehen, wie wichtig es ist, den Hausmüll zu trennen und sich jeden Tag gute Gewohnheiten anzueignen.

Meine zweite Richtung ist es, ökologische Vorträge in Unternehmen zu halten. Ich glaube, daß auch Erwachsene daran erinnert werden sollten, daß es möglich ist, nach den Zero-Waste-Regeln zu leben und dennoch glücklich zu sein.

Jetzt stehe ich im Dialog mit der Stadtverwaltung von Pskow, um ökologische Flächen in Parks zu schaffen. Es soll Bänke aus recyceltem Plastik geben und Informationstafeln, die erklären, wie man der Natur helfen kann. Andere Regionen sind an unseren Ideen interessiert, aber bisher gibt es keine finanziellen Mittel, um sie umzusetzen. Allerdings finden sich nun in unserem Land Menschen, die sich um die Umwelt sorgen und in einem sauberen Umfeld leben wollen. Sie sortieren den Abfall zu Hause, sammeln den Müll im Wald. Doch es sollte mehr Menschen wie diese geben.

Ich betreibe seit einiger Zeit meine Radiosendung „Ökologische Umwelt“, und wir sprechen mit unseren Gästen live über verschiedene Umweltthemen, kündigen Aktionen und Wettbewerbe an. In meiner katholischen Gemeinde möchte ich die Sammlung von Batterien organisieren und Umweltunterricht für Kinder durchführen. Es ist einfach, mit Kindern zu arbeiten, weil sie offen sind und gerne spielen.

Die Umweltprobleme in Rußland werden erst seit 2017 angegangen, und es ist noch ein langer Weg zu gehen. Wir liegen bei diesem Thema 40 Jahre hinter Deutschland zurück.

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In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts gründeten sich in Wladimir je eine katholische und lutheranische Gemeinde. Bei Beantragung und Bau einer Kirche waren die Protestanten ein wenig schneller als die Katholiken, denn bereits 1859 wandte sich die evangelische Gemeinde mit der Bitte an den Gouverneur, ein eigenes Gotteshaus errichten zu dürfen. Zwei Jahre später erwarben die Gläubigen – zumeist Deutsche – ein Holzhaus, das sie zur Kirche umgestalteten und 1884 abrissen, um an seiner Stelle nach Plänen des deutschstämmigen Architekten, Michael Knopf, eine Kirche aus Stein zu bauen.

Wie auch etwas später, 1891, die mehrheitlich polnischen Katholiken, bauten die Evangelischen im neugotischen Stil. Doch im Unterschied zur Rosenkranzkirche überstand das Gotteshaus der Protestanten die Wirren der Sowjetzeit nicht. 1928 wurde sie von den lokalen Bolschewiken geschlossen und dem Verband der Buchdrucker überlassen, bis man das Gebäude 1954 einriß. 1958 entstand hier, unter der Adresse ul. Dworjanskaja 15 ein fünfstöckiges Wohnhaus. Die wenigen verbliebenen Protestanten feiern ihre Gottesdienste heute ganz im Geist der Ökumene in der Rosenkranzkirche.

Dazu noch zwei Anmerkungen: Sprachlich erkennt man noch immer die nationale Zuordnung der Konfessionen an den unterschiedlichen russischen Bezeichnungen für Kirchen. Handelt es sich um ein evangelisches Gotteshaus, nennt es sich „кирха“, also „Kircha“, geht es um ein katholisches, heißt es nach dem polnischen „kościół“ „костёл“. Und ganz aktuell: Der Antrag der Wladimirer Regionalsektion des Allrussischen Verbands der Atheisten, in der Partnerstadt eine „Straße der Atheisten“ in den Plan aufzunehmen, wurde vom zuständigen Ausschuß für Toponyme abgelehnt.

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Man nennt sie die „Königin der Orgel“. Stefanida Jermolajewa tritt dieses Wochenende in Wladimir auf. Die Musikerin gewann den ersten Preis beim Wettbewerb „Blauer Vogel“ des Fernsehsenders Rossia und spielt heute nachmittag – nach einem Konzert am gestrigen Abend – auf der Orgel der katholischen Rosenkranzgemeinde. Bereits am Freitag hatte die Moskauerin dem Wladimirer Lokalfernsehen ein Interview gegeben, das hier wiedergegeben werden soll.

Eine Stadt, die man „einatmen“ möchte. So spricht Stefanida Jermolajewa über das altehrwürdige Wladimir. Seine Symphonie ist Geschichte – Kirchen, Wälle, der Hauch der Jahrhunderte. Dies ist das erste Mal, daß die Musikerin die Wladimirer Lande besucht. Sie gesteht: Dank der Konzerte eröffnet sie mir Rußland erst so richtig.

Ob Irkutsk, Kaliningrad oder Karelien, ich bin immer wahnsinnig glücklich, irgendwohin zu reisen. Ruhe, ein Tapetenwechsel, natürlich, neue Erfahrungen und natürlich immer wieder eine neue Orgel.

Stefanida Jermolajewa und Sergej Sujew, gesehen von Maria Platanjuk

Stefanida wird von Segej Sujew, dem Pfarrer der Gemeinde vom Allerheiligsten Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria, empfangen. Die 19jährige Preisträgerin internationaler und gesamtrussischer Wettbewerbe, hat in Wladimir eine musikalische Mission. Zwei Konzerte mit Orgelmusik. Und das vor allem für Kinder.

Die Stimme der Kirche – so nennt man in der katholischen Tradition die Orgel. Sie ist ein Symbol für Schönheit und Geheimnis, eine vielstimmige Textur: Sie hat alles – vom Gesang der Vögel über das Rollen der Steine bis hin zum Läuten der Glocken. Laut Stefanida, Berufspianistin und Studentin an der Gnesin-Akademie, hatte die Orgel nicht sofort für sich entdeckt. Am Anfang spielte sie das Instrument nur als Wahlfach. Jetzt ist die Orgel zu einem lebenswichtigen Bestandteil für sie geworden. Die Königin der Instrumente hat gesiegt. Ich betrachte sie als ein Symphonieorchester, das ich dirigieren kann. Es ist eine Leistung, die kein anderes Instrument bieten kann. Allerdings ist natürlich jedes Instrument, wenn der Musiker es liebt, für ihn schon die ganze Welt. Für mich ist die Orgel mehr als die Welt.

Die Rosenkranzgemeinde erhielt 2008 ihre Stimme. Das Instrument dient der Gemeinde und allen Liebhabern der geistlichen Musik treu. Unter den Gewölben der katholischen Kirche finden regelmäßig Konzerte statt.

Dazu Sergej Sujew selbst:

Wir arbeiten mit dem mit dem Kulturzentrum Pokrowskije Worota in Moskau zusammen, und dort erfuhren wir, daß den Wettbewerb eine Organistin gewonnen hat. Stefanida. Und sie äußerte den Wunsch, Wladimir zu besuchen und dort aufzutreten. Wir haben das Angebot gerne angenommen.

Dieser jüngste Wettbewerb, der Blaue Vogel, gehört zu den wichtigsten in Stefanidas musikalischer Biographie. Dieses Projekt des TV-Kanals „Rossia“ bietet jungen Talenten aus dem ganzen Land die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen. Stefanida überzeugte die Jury ein ums andere Mal, schaffte es nicht nur in der siebten Staffel bis ins Finale, sondern sie trug auch den Sieg davon. Hinter diesem Höhenflug steckt eine Gabe, die durch enormen Fleiß multipliziert wird.

Ich erinnere mich und möchte zurückkehren. Es fühlte sich so real an. Das Wertvollste ist, daß ich selbstsicherer wurde. Mehr Vertrauen in meinen Beruf, in meine Berufswahl gewann.

Folgen Sie Ihren Träumen. So lautet einer der Leitsprüche des Blauen Vogels. Die junge Stefanida spricht noch nicht über ihren innigsten Traum, stellt aber schon fest, daß die besten Träume manchmal ganz zufällig wahr werden. Obwohl diese Zufälligkeiten oft einer Gesetzmäßigkeit folgen.

Die Künstlerin Anna Titowa und Sergej Sujew im Gespräch in Alexandrow

P.S.: Ohne bereits Details verraten zu wollen, darf man sich jetzt schon auf die Eröffnung des Pilgerzentrums der Rosenkranzgemeinde noch in diesem Jahr freuen. Noch ein wenig Geduld bitte!

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In den letzten Tagen gehen die Corona-Infektionszahlen für die Region Wladimir leicht, aber stetig zurück. Derzeit werden aber immer noch täglich mehr als 160 Neuansteckungen gemeldet, davon immer zwischen 40 und 50 allein in der Partnerstadt. Mittlerweile, so die Behörden, habe man auch wieder bei den Intensivbetten nachgerüstet – 1.905 sollen es ingesamt sein -, die zu 75% ausgelastet seien. 538 Patienten erlagen ihrer Erkrankung mit dem Virus. Doch die offiziellen Todeszahlen darf man getrost anzweifeln, nachdem sogar Tatjana Golikowa, in Personalunion Gesundheitsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin, vor einigen Tagen in einem Interview einräumte, die bisher landesweit veröffentlichten Kennziffern müsse man wohl mit dem Faktor drei multiplizieren. Da ist es gut, wenn mittlerweile auch das Impfen Fahrt aufnimmt. Noch im Dezember wurden für diesen Monat 52.000 Dosen Sputnik V angekündigt, die vor allem für medizinisches Personal und Lehrkräfte – die Schulen sollen ja offen bleiben – vorgesehen sind.

Und wie ist das mit den Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum? Wenn man sich so die Bilder von Konzerten und Sportveranstaltungen ansieht, kann einem schon blümerant werden. Das gilt leider auch für die Gläubigen, die zu den gestrigen Weihnachtsgottesdiensten zwar in geringerer Zahl kamen, dafür aber die Abstandsregeln und die Mahnungen von Gouverneur Wladimir Sipjagin zumeist schlichtweg ignorierten. Dabei hatte sich der Landesvater vor dem Fest noch eindringlich an die Öffentlichkeit gewandt:

Das Erzbistum Wladimir-Susdal ergreift seinerseits alle notwendigen Maßnahmen, es ist aber sehr wichtig, daß sich die Kirchgänger verantwortungsbewußt gegenüber der eigenen und der Gesundheit ihrer Nächsten verhalten. Liebe Landsleute, achten Sie auf Ihre Gesundheit und auf die Gesundheit ihrer Nächsten! Halten Sie sich fern von belebten Orten und tragen Sie bitte Mund-Nasen-Schutz.

Nun veröffentlichte gestern die Diözesanverwaltung Bilder vom Festgottesdienst in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit Erzbischof Tichon, der gleich zu Beginn seiner Predigt den Mеtropoliten Makarij von Moskau zitierte:

Christus kam zur Welt, um die Menschheit vor der Sünde zu retten, vor dem Ursprung aller Krankheiten und Nöte. Die Menschen wußten, daß sie krank waren und versuchten, sich selbst zu heilen, aber es gelang ihnen nicht. Auf Erden gab es kein Mittel gegen diese Krankheiten, nur im Himmel gab es dieses… Gottes Sohn ist selbst vom Himmel herabgestiegen, der allmächtige Arzt, von Gottvater gesandt… Er vereinte sein göttliches Wesen mit unserem, um jeden Menschen von der Sünde zu heilen. Man braucht nur die von Ihm gereichten Heilmittel einzunehmen und auf Seinen Rat zu hören. Heilmittel einzunehmen bedeutet, sanftmütig und in Dankbarkeit alle von Gott gesandten Kümmernisse zu erdulden. Wenn wir nicht an diesen Arzt glauben und Seine Hilfe zurückweisen, kann uns niemand vor dem ewigen Untergang retten. Der göttliche Arzt stiftete auf Erden eine geistliche Heilanstalt ein, die Rechtgläubige Kirche. Wer in ihr ist, wird nicht nur von der Sünde geheilt, sondern hat auch Anteil am ewigen Leben in Gnaden.

Und von sich aus fügte der Geistliche hinzu:

Wie aktuell doch diese Worte heute klingen, wo sich sogar Gläubige von verhängnisvollen Modeerscheinungen einschüchtern lassen und vergessen, Wer der wahre Arzt und Heiler unser aller Seele und Leib ist!

Man möchte sich lieber nicht vorstellen, wie es in den anderen Weihnachtsgottesdiensten aussah, und noch weniger möchte man sich ausmalen, was dieses Verhalten epidemiologisch für Auswirkungen hat, wenn der „wahre Arzt und Heiler“ seine Kunst erst im Jenseits anwendet. Die Messe dort können ja in den heiligen Hallen die gut einhundert Priester lesen, die allein bis Anfang Dezember nach offiziellen Schätzungen mit einer Corona-Infektion schon einmal vorausgegangen sind. „Der Hirte möge Verstand regnen lassen auf seine Schafe“, möchte man da ausrufen – und die Frage stellen, warum die irdischen Behörden da nicht eingreifen.

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Je nach Zählung und Status darf man heute von zwischen 25 und 30 Klöstern im Erzbistum Wladimir ausgehen. Eine erstaunliche Wiedererweckung des monastischen Lebens, wenn man bedenkt, daß in der Region keine einzige zölibatäre Gemeinschaft die Oktoberrevolution und die nachfolgenden sieben Jahrzehnte der Kirchenverfolgung überstanden hatte.

Kloster Snowizy

Nun erhielten gegen Ende des vergangenen Jahres zwei bisher von Erzpriestern geleitete Kongregationen den Rang selbständiger Klöster, eine in Snowizy, Landkreis Susdal, und eine weitere in Kupalischtsche, Landkreis Sudogda. In Snowizy, wo bereits im 15. Jahrhundert ein Männerkloster beurkundet ist, das 1764 aufgehoben wurde, sollen nun bis zu 25 Nonnen leben, während in Kupalischtsche jetzt schon 80 Frauen die ewige Profeß abgelegt haben.

Kloster Kupalischtsche

Erfreulich nicht nur für das spirituelle Leben der Region Wladimir, gerade jetzt, wo sich die orthodoxe Christenheit auf Weihnachten vorbereitet, sondern auch für kulturinteressierte Gäste, denn bewohnte und belebte Gotteshäuser werden natürlich auch anders erhalten, als leerstehende Gebäude. Bestes Beispiel dafür das Frauenkloster Bogoljubowo, von dem aus man zur Kirche Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl pilgern kann.

Kloster Bogoljubowo

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Rechtzeitig zu Weihnachten wurden mit dem Winterbeginn in Wladimir die Bauarbeiten an dem Pilgerzentrum abgeschlossen. Das vielleicht schönste Geschenk seit der Renovierung der Rosenkranzkirche, dessen sich die katholische Gemeinde in der Partnerstadt freuen kann. Jutta Schnabel konnte das bei der Zusammenstellung der untenstehenden Videogrußbotschaft noch nicht wissen, das Geheimnis, das Pfarrer Sergej Sujew bisher nur mit dem engeren Planungsteam in Erlangen und Bamberg geteilt hatte, lüftet der Geistliche nun aber in seiner Antwort. Doch sehen und hören Sie zunächst die Weihnachtsbotschaft aus Erlangen nach Wladimir:

Und hier die Erwiderung aus Wladimir mit der Übersetzung zum Nachlesen:

Meine allerliebsten Kurt Reiter und Georg Kaczmarek, Pfarrgemeinderat und Mitglieder des Fördervereins Nadjeschda,

ganz persönlich, aber auch im Namen der gesamten Pfarrei möchte ich Ihnen allen für die Glückwünsche danken! Sie sind schon seit vielen Jahren unsere treuen Freunde. Für uns ist das sehr erfreulich und wichtig! Dank dieser Freundschaft und Unterstützung ertragen wir die Schwierigkeiten leichter, die uns im Wege stehen! Wir sind froh, mit eigenen Augen zu sehen, wie der Bau eines so großen Projekts wie des Pilgerzentrums, an dem auch Sie helfenden Anteil haben, zum Abschluß kommt. Jetzt steht nur noch die Innenausstattung an, die wir in nächster Zeit hoffen, in Angriff nehmen zu können. Dann würden wir uns freuen, Sie bei uns als Gäste zu begrüßen, damit Sie sich hier wie daheim fühlen! Weihnachten steht unmittelbar bevor. In diesem Jahr müssen wir das Fest einigermaßen anders als früher feiern… Aber das kann keinen Schatten auf dieses freudenreiche Familienfest werfen.

Zusammen mit unserer ganzen Gemeinde wünschen wir Ihnen Frohe Weihnachten! Möge die Nacht der Prüfungen von unserer gemeinsamen Freude über die Geburt Christi erleuchtet werden! Möge die Gesundheit die Krankheit besiegen, und unsere Freundschaft möge unsere vorübergehende Trennung überwinden! Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Im Gebet bleiben Ihre russischen Freunde mit Ihnen verbunden. Soweit Pfarrer Sergej Sujew in seiner Videobotschaft.

Nun aber zu seinem Gruß an die Blogleser, an die sich Geistliche eigens schriftlich wendet:

Liebe Leser dieses Blogs, gerne sende ich Ihnen die besten Wünsche zu Weihnachten und zum Neuen Jahr! Bleiben Sie gesund – und möge der Segen des Herrn auf Ihnen allen ruhen! Das ausklingende Jahr nennen viele schwierig. Da wird man schwerlich widersprechen können. ABER:

Aber dieses durchaus schwierige Jahr trug doch auch ausgesprochen gute Früchte, die ich ERFAHRUNG nennen möchte! Wir waren gezwungen, vieles zu lernen! Dank diesem Jahr lernten wir, zu sehen, zu bemerken und zu schätzen, was wir früher unbeachtet, nicht bis in unsere Herzen eindringen ließen. Jetzt können wir vieles ganz anders sehen, menschlich, wie wahrhaft gläubige Menschen!

Und noch ein ABER: Ungeachtete aller Schwierigkeiten kann sich unsere Gemeinde als Vollendung dieses Jahres 2020 über ein sehr erfolgreiches Ergebnis freuen: Der Bau des Großprojekts „Pilgerzentrum“ ist ABGESCHLOSSEN!!! Die langjährige schwere Arbeit ersteht nun in ihrer ganzen Pracht vor uns! Am Heiligen Abend erleben wir also die Geburt einer neuen Initiative, einer neuen Sache in der alltäglichen Krippe unserer Gemeinde! Möglich wurde das nur dank dieser langjährigen Freundschaft mit Erlangen. Es waren die Erlanger, die als Katalysatoren der Sammlung jener vielen, für den Bau notwendigen Mittel in Erscheinung traten. Für all das sind wir unendlich dankbar. Dabei komme ich nicht umhin, den leidenschaftlichen Verteidiger dieses Projekts, den schon bei Gott ruhenden Rolf Bernard, unseren demütigen und gutherzigen Peter Steger, den zentralen Finanzstrategen Michael Kleiner, die jugendlichen wie erwachsenen Mitglieder des Fördervereins Nadjeschda und all jene zu nennen, die auf unterschiedliche Weise unseren Hilferuf erhörten und diese Idee unterstützten! Gott kennt sie alle und weiß um sie! „Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen sei Ehre!“ Gottes Wille ist durch diese Menschen geschehen, denen unsere Gemeinde nun dankt, die wir segnen und denen wir ein Andenken bewahren!

Udo Zettelmaier, Michael Kleiner, Jutta Schnabel, Rolf Bernard und Sergej Sujew, 2015

Frohe Weihnachten, meine Lieben! Lassen Sie uns die Geburt der Hoffnung auf das Beste feiern! Möge die Gesundheit über die Krankheit siegen, möge die Freundschaft die Trennung überwinden, mögen Beistand und Glaube Verzweiflung und Unglauben vernichten! Christ ist geboren! Ehre und Preis sei Ihm! Im Namen der katholischen Gemeinde in Wladimir, Pfarrer Sergej Sujew.

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Zum gestrigen Eintrag im Blog hinterließ Richard Dähler, der über das Schicksal japanischer und deutscher Kriegsgefangener in der UdSSR promoviert hat und die Städtepartnerschaft nicht nur via Blog verfolgt, sondern auch als Mäzen für den Blauen Himmel und das Buch „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ unterstützt (die Eingabe seines Namens in die Suchmaske bringt lesenwerte Treffer!), einen Kommentar folgenden Inhalts:

Dieser Beitrag ruft mir ein gleiches Erlebnis in Erinnerung. 2009 organisierte Irina Porzevskaja eine Besichtigung Susdals und jener Ortschaft, die einst samt umgebendem Land dem berühmten Heerführer Suvorov gehört hatte. Der Name ist mir entfallen. Juri war unser Führer, Redakteur der Lokalzeitung, Historiker und, darauf war er sehr stolz, nach seiner Aussage derjenige, der das alte Kirchenläuten wieder belebt hatte. Er gab uns dort eine Kostprobe. Von Susdal aus breitet sich dieser Brauch wieder aus. Ihn würde ich gerne wieder treffen. Suvorov wollte, dass seine Leibeigenen eine prachtvolle Kirche besitzen und schenkte ihnen eine aus Stein/Ziegeln. Ebenfalls hielt er Bildung für wichtig und schenkte dem Dorf eine Schule. Bei unserem Besuch war die Kirche, die 70 Jahre als Heuschuppen und Lagerraum gedient hatte, ausgeräumt, liess aber noch die reiche Ausstattung erkennen. Im Blog würde ich gerne einmal etwas über dieses Kirchenläuten lesen.

Die Kirche, wie sie Richard Dähler wahrscheinlich 2009 sah

Eine derartige Anfrage eines treuen Lesers will der Blog nicht lange unbeantwortet lassen und berichtet also:

In der Nähe von Susdal, im Dorf Kistysch, dem ehemaligen Erbhof des Generalissimus Alexander Suworow, wiederbelebte eine Initiativgruppe von Veteranen der russischen Streitkräfte und des Inlandsgeheimdienstes FSB mit öffentlichen Spenden die architektonische und historische Anlage des großen russischen Feldherrn der Napoleon-Kriege.

Die Kirche bei der Renovierung 2011

Kurz zur Historie des Projekts

Seit Juli 2011 restauriert die Initiativgruppe unter Leitung von Generalmajor a.D. Alexander Tscherkassow, einem großen Verehrer seines Namensvetters, mit dem Segen des erst vor einem halben Jahr verstorbenen Metropoliten von Wladimir und Susdal, Jewlogij, den zerstörten Schrein des Heiligen Basilius des Großen. Der Erzbischof gab ein Sendschreiben der Kirche heraus und stellte eine landesweite Spendensammlung für die Restaurierung des Gotteshauses auf das Konto der Diözese unter seinen Segen.

Damals – heute

Peter I. hatte das Dorf Kistysch dem Großvater des Kommandeurs Iwan Suworow für seine Verdienste um den Zaren und das Vaterland vermacht. Der Selbstherrscher schätzte den Militär sehr und wurde 1705 Pate dessen Sohnes Wassilij, des Vaters des zukünftigen Generalissimus. Wassilij baute zu Ehren seines Namenspatrons, des Heiligen Basilius, eine hölzerne Kirche, die sich fortan in seinem Familienbesitz befand. Nach seinem Tod wurde das Gotteshaus baufällig und verfiel teilweise. Im Jahre 1780 begann Alexander Suworow in Erinnerung an seinen geliebten Vater auf eigene Kosten mit dem Bau einer neuen Steinkirche. 1782 wurde im Seitenaltar die erste Messe zu Ehren des Schutzpatrons von Alexander Suworow, des Großfürsten Alexander Newskij, gefeiert; der Überlieferung nach war der Bauherr persönlich anwesend. Elf Jahre später war St. Basilius in Kistysch fertiggestellt.

Im Zug des Kirchenkampfs der Bolschewisten schloß man die Kirche im Jahr 1928 und überließ sie dem Verfall, wobei der Glockenturm vollständig zerstört wurde.

St. Basilius heute

Seit 2015 sind Generalmajor a.D. Oleg Maximtschik (ehemaliger Kamerad von General Alexander Tscherkassow) und Oberst a.D. Wassilij Wereschtschak, Vizepräsident der Internationalen Veteranenvereinigung der Anti-Terror-Einheit „Alpha“, aktiv an den Restaurierungsarbeiten beteiligt. Hintergrund ist – man höre und staune –, daß Oleg Wereschtschak als Verehrer von Alexander Suworow bereits den Schweizer Historiker, Walter Gähler, unterstützt hatte, der seit vier Jahrzehnten Originalartefakte des Feldzugs der russischen Armee durch die Schweizer Alpen sammelt und seit 1986 das von ihm gegründete private Alexander-Suworow-Museum in Linthal, Kanton Glarus, leitet, das nun leider im Herbst wegen eines Wasserschadens mit nur einem Bruchteil der Exponate nach Altdorf umziehen mußte.

Die beiden Russen besuchten 2016 erstmals das Museum und ließen sich von dem Enthusiasmus des Schweizers dazu inspirieren, das Andenken an den Heerführer in seiner Heimat wiederzubeleben. Die Kirche wurde damals bereits restauriert, und nun entstand die Idee, auch das ehemalige Dorf wiedererstehen zu lassen. Im 19. Jahrhundert lebten hier 2.000 Menschen, heute kaum mehr 70 Seelen.

Projektplan für die Anlage

Im März 2018 gründete sich in Wladimir die Stiftung „Architektonische und historische Anlage des Generalissimus Alexander Suworow“ mit dem Ziel, neben der Restaurierung der Kirche St. Basilius ein Freiluftmuseum einzurichten, zu dem ein Teich mit seiner heiligen Quelle, ein Park mit Suworow-Denkmal und ein militärisches Trainingslager für Rekruten gehören sollen. In der Perspektive soll der Ort auf einer Fläche von fast vier Hektar mit Unterstützung des Landkreises Susdal in die touristische Route des Goldenen Rings Aufnahme finden.

Doch zurück zur Kirche: Seit 2011 sind mehr als 20 Mio. Rubel an Spenden verbaut worden. Die Renovierungsarbeiten an dem nun unter Denkmalschutz stehenden Gotteshaus kommen gut voran, derzeit versucht man, das Refektorium wiederherzustellen, und auch die Restaurierung der Ikonostase und der Innenausstattung sind im Gang. Noch offen ist die Finanzierung der Heizung sowie des Wiederaufbaus des Glockenturms. In jedem Fall darf man sich darüber freuen, daß die Stätte des Gebets vor dem Schicksal gerettet wurde, das noch immer viel zu viele Kirchen – siehe der gestrige Bericht im Blog – in der Region Wladimir und landesweit erleiden.

Jurij Jurjew

Jurij Jurjew, der Glöckner von Susdal, hingegen ist leider bereits 2014 im Alter von 70 Jahren verstorben, aber er hinterließ ein Vermächtnis, das weiterlebt, die Woche des Glockenspiels in Susdal, die Meister aus dem ganzen Land in die Region Wladimir bringt. Und, lieber Richard, es gibt von Jurij Jurjew diese Filmaufnahmen, die ein wenig jene Stimmung bewahren, an die Du Dich sicher erinnerst: https://www.youtube.com/watch?v=p6YYmps5zZE

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Es gibt ja den Begriff Lost Places für Orte, die vergessen und verlassen ein Dasein weit jenseits ihrer einstigen Funktion fristen, die von den Planern aufgegeben wurden, die kaum ein Tourist besucht, die aber eine magische Anziehungskraft auf Künstler ausüben. So wie diese Kirche in Soroguschino, unweit der Kreisstadt Jurjew Polskij in der Region Wladimir.

Michail Mojsejantschik, Journalist und Aktivist der Partnerschaft, stieß hier Anfang des Monats auf diese dem Verfall preisgegebene Kirche, 1808 erbaut mit Spenden der Gemeindemitglieder und der Geburt der Gottesmutter geweiht.

Einst hingen im Oktagon des Turms drei Glocken, im Schiff prangten zwei Patriarchenthrone. Im Kirchdorf zählte man vor der Oktoberrevolution 96 Höfe mit 427 Frauen und 387 Männern. Heute ist der Ort so gut wie ausgestorben.

Der Betreten des Innenraums ist übrigens verboten. Ein holländisches Sprichwort meint, alte Kirchen haben trübe Augen. Man könnte fortfahren uns sagen, verfallene Kirchen schließen die Augen.

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In der Nacht vom 22. auf den 23. Juli erlag Erzbischof Jewlogij in einem Moskauer Krankenhaus seinen altersbedingten Leiden. Der 1937 in Kemorowo als eines von zehn Kindern einer Familie aus einfachen Verhältnissen geborene Geistliche wählte noch vor seiner Einberufung zum dreijährigen Militärdienst den Weg ins Kloster und legte 1965 das Gelübde ab, bevor er, ein Jahr später, die Geistliche Akademie in Moskau mit seiner Promotion in der Theologie im Fach Homiletik abschloß. Auf seinem weiteren Lebensweg verband er stets das Mönchstum mit der Lehre und der Seelsorge.

Bischöflicher Abschied von Erzbischof Jewlogij

Im November 1990 erhielt Jewlogij seine Ernennung zum Bischof von Wladimir und Susdal. Schon fünf Jahre später trug er den Titel Erzbischof und seit 2013 stand er im Rang eines Metropoliten. Nicht von ungefähr, denn die Bilanz des Gottesmannes kann sich sehen lassen.

Prozession um die Mariä-Entschlafens-Kathedrale mit dem Sarg von Erzbischof Jewlogij

Bei Antritt seines Amtes gab es in der gesamten Region Wladimir gerade einmal 75 Gemeinden. Als Jewlogij vor zwei Jahren den Bischofsstab an seinen Nachfolger Tichon weiterreichte, zählte man mehr als 270 Gotteshäuser, renovierte wie neuerbaute, wo ungefähr 400 Geistliche ihren Dienst versehen. Gut 30 Klöster, zehn orthodoxe Gymnasien und ein Priesterseminar entstanden unter der Ägide des Ehrenprofessors der Staatlichen Universität Wladimir, der nun am Samstag in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale seine letzte Ruhe fand.

Erzbischof Tichon

Mit seiner ebenso ruhigen wie festen Art gelang es Jewlogij nicht nur, erfolgreich die schwierigen Verhandlungen mit staatlichen Stellen um die Rückgabe von häufig museal genutzten Sakralbauten zu führen, sondern er begleitete auch ausgesprochen wohlwollend die Wiedererstehung der katholischen Rosenkranzgemeinde und gab seinen Segen zu dem interkonfessionellen Jugendaustausch der Partnerstädte. Auch wenn er selbst – im Unterschied zu seinem Nachfolger, der im November vergangenen Jahres eine Einladung annahm – nie nach Erlangen kam, empfing er doch immer wieder Gäste aus der deutschen Partnerstadt, insbesondere die beiden Oberbürgermeister, Siegfried Balleis und Florian Janik, zu Gesprächen.

Generalvikar Warfolomej, Erzbischof Jewlogij, Erzbischof Ludwig, Pfarrer Markus Günther, August 2012

Als besonderen Höhepunkt der Begegnungen im Rahmen der Städtepartnerschaft darf man aber sicher das Treffen im August 2012 mit seinem Bamberger Amtsbruder Ludwig sehen, der in seinem Kondolenzschreiben, gerichtet an seinen Kollegen Tichon, den Verstorbenen wie folgt würdigt:

Er war ein frommer, demütiger und engagierter Guter Hirte seiner Kirche. Mit Ihnen und allen Gläubigen danke ich für sein vorbildliches Leben und Wirken. Ich erbitte ihm den verdienten Lohn von Jesus Christus, dem er treu als Christ, Priester und Bischof gedient hat. In der Feier der Eucharistie und in den Gebeten denke ich an den Verstorbenen. Möge er ruhen in Frieden. Ihnen und allen Gläubigen erbitte ich Trost und Hoffnung aus dem Glauben an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben im Himmelreich.

Siehe auch: https://is.gd/mPwlSS

 

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Nachdem Georg Kaczmarek, Vorstandsmitglied des Fördervereins „Nadjeschda“ und treuer Leser des Blogs, am Wochenende über seinen Verteiler die Nachricht zu den vergeblichen Bemühungen der katholischen Gemeinde in Kirow verbreitete, ihre 1903 von polnischstämmigen Gläubigen erbaute Kirche per Gerichtsentscheid zurückzuerhalten, erscheint eine kurze Einordnung dieses Vorgangs nützlich. Denn das Gotteshaus teilt sein Schicksal in der etwa 200 km südöstlich von Moskau gelegenen Stadt von der Größe Nürnbergs mit vielen weiteren Sakralbauten, auch orthodoxen – und auch in der Region Wladimir.

St. Alexander in Kirow

Zunächst sei daran erinnert, daß die Rosenkranzkirche in Wladimir 1993 zu den landesweit ersten drei Gotteshäusern gehörte, die ihrer neugegründeten Gemeinde vom russischen Staat zurückgegeben wurden, nach gut zweijährigen Verhandlungen mit der lokalen Verwaltung und dem Landesmuseum, von dem die Räume, vor allem das Pfarrhaus, genutzt wurden; am Ende, ohne hier auf die Details eingehen zu wollen, erfolgreich vor allem dank der Städtepartnerschaft. Dies konnte und kann nicht überall gelingen, gerade auch, wenn diese internationale kommunale Zusammenarbeit nicht gegeben ist. Doch auch – prominentestes Beispiel hierfür in Wladimir ist die Altgläubigenkirche vor dem Goldenen Tor – die orthodoxen Gemeinden kämpfen bis heute vielfach vergeblich um die Rückgabe ihres historischen Eigentums. Häufig, wie nun in Kirow entschieden und in der Partnerstadt schon vor einiger Zeit festgelegt, weil das Schiff schon seit Jahrzehnten als musealer Raum oder Konzertsaal genutzt und ein öffentliches Interesse an dessen Erhalt behauptet wird. Ähnlich gelagert ist ein Casus in Gus-Chrustalnyj, jener Kreisstadt der Region Wladimir, bekannt für ihre Glashütten. Die dortige Kathedrale bleibt ungeachtet aller Anstrengungen der orthodoxen Erzdiözese im Besitz des Landesmuseums, um – mangels räumlicher Alternativen – weiter die ständige Ausstellung von Bleikristall zeigen zu können, die zusammen mit den Exponaten in der Wladimirer Dreifaltigkeitskirche zweifellos von nationaler Bedeutung ist.

St. Alexander in Kirow

Das Gesetz steht zwar auf Seiten der Gemeinden, kann aber im Einzelfall zu Gunsten staatlicher Stellen ausgelegt werden, zumal die Gerichte häufig ein weiteres, durchaus nachvollziehbares Argument ins Feld führen, das alle Konfessionen ins Mark trifft: Der Zweifel nämlich, ob angesichts der prekären Finanzlage – es gibt ja keine Kirchensteuer, und die Zahl der Kirchgänger dürfte selbst bei optimistischer Schätzung kaum mehr als fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen – die Gemeinden sich den Unterhalt der Kirche überhaupt leisten können und ob tatsächlich Bedarf bestehe.

Dreifaltigkeitskirche der Altgläubigen in Wladimir

Eine in jedem Fall durchaus schwierige Abwägung gerade auch dann, wenn der Staat nach der Profanation – meist schon in den frühen Sowjetjahren – zumindest für die weltliche Weiternutzung der Liegenschaft sorgte. Die Blog-Redaktion maßt sich damit kein Urteil über die Entscheidung von Kirow an, sondern freut sich vielmehr mit Sergej Sujew, dem Gemeindepfarrer von Wladimir und Dekan, dessen Zuständigkeit von Kirow bis Nischnij Nowgorod reicht, über das Glück der Katholiken in der Partnerstadt und den Fortgang der Arbeiten am Pilgerzentrum, wovon hier sicher bald wieder zu berichten sein wird. Im übrigen gilt:

O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind Seine Entscheidungen, wie unerforschlich Seine Wege!

Mehr zu Kirow hier: https://is.gd/HVpVre. Und wer die Rundbriefe abonnieren möchte, sende eine Mail an Georg E. Kaczmarek gekacz@web.de. Schließlich noch das „Erlangen-Gebet“ von allen für alle Christen: https://is.gd/rRlfeo

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