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Archive for the ‘Religion’ Category


Bereits am 7. Juli verstarb, wie heute einer Traueranzeige in den Erlanger Nachrichten zu entnehmen, Hermann Heinrich, Pastor im Ruhestand. 1992 gehörte der Geistliche zu der Delegation, die sich nach Wladimir aufmachte, um die verschiedenen Glaubensgemeinschaften kennenzulernen und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erkunden. Mit dabei Adventisten, Anthroposophen, Katholiken und Pastor Hermann Heinrich als Vertreter der Baptisten. Diese wurden übrigens bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Deutschland aus im Russischen Reich gegründet, hatten viele Verfolgungen zu erdulden, besonders in den Stalin-Jahren, und verloren so immer wieder ihre besten Köpfe. Die Führung der Gemeinden lag deshalb oft in den Händen von überforderten Laien.

Hermann Heinrich, letzte Reihe links im Bild

In Wladimir gab es anno 1992 zwar eine Baracke, die als Kirche diente, und einen älteren Herrn als Pastor, aber ihm folgte ein „schwieriger Mann“ nach – mit Verbindungen zum Geheimdienst und wohl auch in andere Kreise. Jedenfalls verstand er es mit List und Tücke, das Grundstück und die ehemalige Schule, auf Betreiben der Erlanger von der Stadt Wladimir den Baptisten zur Verfügung gestellt, unter seine Kontrolle zu bekommen und die Gemeinde zu spalten. Der Vertrauensmann der Deutschen hatte sich unterdessen hauptsächlich den Baufragen gewidmet, um da für Transparenz zu sorgen, darüber aber nicht mehr die Zeit gefunden, sich auch um die Gläubigen zu kümmern.

Alter Friedhof Wladimir. Sergej Skuraktow

Eine schwierige Situtation für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ende der 90er Jahre reiste der Erlanger Pastor nochmals nach Wladimir, begleitet von Waldemar Hamm, der, aus Kasachstan stammend, nicht nur als Dolmetscher gute Dienste leistete, sondern vor allem auch beide Welten aus eigenem Erleben kannte. Noch bis 2004 blieben die Kontakte bestehen, dann rissen sie ab, nachdem der Vertrauensmann mit seiner Familie nach Deutschland übergesiedelt war.

Alter Friedhof Wladimir. Sergej Skuraktow

Was aber bleibt, ist das viele Gute, das die Erlanger Baptisten für die Gemeinde in Wladimir getan haben: Nicht nur Sachspenden fanden regelmäßig ihren Weg in die Partnerstadt, sondern auch Geld kam allmonatlich in all den Jahren nach Wladimir. Zur Unterstützung der Gemeindearbeit und als Gehaltszuschuß für den Pastor: 300 DM im Umschlag, immer ohne jede Unregelmäßigkeit über das Erlangen-Haus. Ein einziges Mal, so erinnert sich Hermann Heinrich, habe man einen anderen Weg gewählt. Doch der Bote habe die Geldscheine gegen Papierschnipsel ausgetauscht. Religion und Glauben kommen eben nicht ohne Vertrauen aus. Aber vertraut haben die Baptisten von da an nur noch dem Erlangen-Haus.

Alter Friedhof Wladimir. Sergej Skuraktow

Hermann Heinrich war ein besonnener Mensch mit einem ganz besonderen Segen im Herzen. In seiner Gegenwart spürte man das Wirken höherer Mächte. Er wird seiner Gemeinde, seiner Familie und allen, die ihn kannten, schmerzlich fehlen.

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Nach seiner Versetzung in den Ruhestand als Pfarrer der Gemeinde St. Theresia und Leiter des Seelsorgebereichs Erlangen Nord-Ost am 31. August 2017 zog Udo Zettelmaier in seine alte oberfränkische Heimat, wo er seither als Subsidiar im Pfarreienverbund Ebensfeld wirkt. Am vergangenen Sonntag feierte der Geistliche in der Hankirche zu Prächting nun sein Goldenes Priesterjubiläum.

Bürgermeister Bernhard Storath gratuliert Udo Zettelmaier

Mit dabei aus Erlangen als Vertreter des Fördervereins Nadjeschda, den Udo Zettelmaier von 2005 bis 2017 leitete, das Ehepaar Helmut und Hannelore Röthlingshöfer sowie Georg Kaczmarek, dem obige Aufnahme zu verdanken ist. Dies gibt nun auch dem Blog Gelegenheit, nochmals für die segensreiche Arbeit des Priesters im Austausch mit der Rosenkranzgemeinde in Wladimir ein großes Vergelt’s Gott auszusprechen. Eine Würdigung seines Wirkens für die Partnerstädte findet sich hier: https://is.gd/YTNEVh

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„Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ sagt sich Wassilij Nikitinskij aus Wladimir und behauptet denn auch, sein Blog werde von den besten Menschen des Planeten gelesen. Wenn Sie auch zu diesem erlesenen Kreis gehören wollen, empfiehlt sich ein Klick auf diesen Link: http://nikitinskiy.com/ob-avtore

Wie auch immer, man findet dort neben vielen anderen Reisereportagen auch einen Bericht zu einem Kloster, das kaum ein Wladimir-Reisender zu sehen bekommt, obwohl es unweit von Pokrow liegt, unmittelbar an der Strecke zwischen Moskau und Wladimir. Ein Schwenk dorthin würde sich durchaus einmal lohnen…

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Es war im 16. Jahrhundert, als sich in der Nähe der bereits damals bestehenden Landstraße zwei Mönche niederließen und eine kleine Kirche auf einer Insel bauten. Mit der Zeit gewann der Ort an Anziehungskraft, die örtliche Bevölkerung unterstützte die Ordensleute, und so entstand das heutige Frauenkloster im Wwedenskijsee. IMG_0244 copy.jpg

Zwei Brücken verbinden den Komplex mit dem Festland, die wichtigere und große ist sogar befahrbar, allerdings nicht für Gäste.IMG_0198 copy.jpg

Ein sicherer Stand mit schönem Ausblick.
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Der See selbst ist fast rund, wie die meisten stehenden Gewässer in der Region Wladimir. Ein Umstand, der mit der Karstlandschaft zusammenhängt.IMG_0204 copy.jpg

Von der Betonbrücke aus sieht man auch den Holzsteg.
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Kurz zur Geschichte: Den Segen zur Erhebung in den Rang eines Klosters gab Zar Peter I. Nach dem Aufblühen der Gemeinschaft unter Abt Sergij setzte unter seinem Nachfolger im Amt, Pater Nektarij, ein rascher Niedergang ein. Er hatte die neue Kirche und die Glocke für den Spottpreis von 28 Rubeln an die umliegenden Kirchdörfer verschachert. Wie durch ein Wunder kam der Besitz aber auf die Insel zurück, und man baute anstelle der Holzkirche ein Gotteshaus aus Stein. Im 19. Jahrhundert errichten die Mönche dann eine neue, Nikolaus dem Wundertäter geweihte Kirche, einen Wohntrakt mit den Zellen, einen Bau für den Abt und am Seeufer ein Pilgerheim. Nach der Oktoberrevolution kam hier alles zum Erliegen, im Kloster richteten die Sowjets ein Altenheim, eine Anstalt für Waisenkinder und schließlich sogar ein Frauengefängnis ein. Erst Anfang der 90er Jahre erfolgte die Rückgabe an die Kirche und die Auferstehung des Klosterlebens. Seit 1995 leben hier Nonnen. Besonders verehrt wird hier das Grab eines der Äbte, des Paters Kleopa, der zu den Lokalheiligen zählt.

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Zwei Kirchen schmücken heute die Kirche, die eine Nikolaj dem Wundertäter geweiht, die andere der Allerheiligsten Gottesmutter. Und rund herum wird im Garten gewerkelt.IMG_0207 copy.jpg

Als männlicher Gast, so der Autor, sollte man freilich mit seinem Objektiv nicht zu nahe herankommen und sich lieber in Richtung des Holzstegs aufmachen.IMG_0208 copy.jpg

So kommt man am neuen Glockenturm vorbei.
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Und geht weiter zur Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die derzeit renoviert wird.
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Am Steg angelangt, hört und sieht man ganze Schwärme von Möwen.IMG_0212 copy.jpg

Mit all ihren Hinterlassenschaften…
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Von hier dann der Blick zurück.
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Und von hier könnte man dann rübergehen zu einem der „Lost Places“ der Region Wladimir, dem geschlossenen Bau der einstigen Sonderanstalt für minderjährige Mädchen mit gemeingefährlichem Verhalten.IMG_0216 copy.jpg

Das Frauenkloster soll einen Gegenentwurf dazu gegründet haben, ein Kinderheim mit dem Namen „Arche“, das der Blogger allerdings nicht zu Gesicht bekam.IMG_0218 copy.jpg

Noch einmal geht es zurück auf die Insel.
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Und dann eröffnet sich der Blick auf eine Kapelle im Wasser, die allerdings geschlossen war.
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Wieder Möwen, die überall an den Gebäuden und auf dem Gelände nisten.
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Da der Blogger früh am Morgen gekommen war, traf er nur eine ältere Nonne und zwei Bauarbeiter aus Usbekistan an.
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Das Wetter hätte besser sein können, aber man kann sich vorstellen, was hier an klaren Tagen für eine Morgendämmerung oder Abendstimmung möglich ist.IMG_0229 copy.jpg

Ein Landesteg?
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Landschaftsdesign.
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Verbote.
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Photo- und Videoaufnahmen in der Kirche werden nicht gutgeheißen.
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Das Haus der Äbtissin. Still und sauber.
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Hier gibt es, später am Tag, etwas zu essen, vor allem für Pilger und Besucher. Das Kloster hat auch eine eigene kleine Molkerei.IMG_0239 copy.jpg

Der Apostel Johannes nannte Klöster einmal „Inseln der Gottesliebe“. Hier, an diesem See, darf man diesen Ausspruch wörtlich nehmen.IMG_0240 copy.jpg

Also: Bei der nächsten Fahrt nach Wladimir oder von der Partnerstadt zurück nach Moskau einfach hier abbiegen https://is.gd/w0deEH und – reif für die Insel – eine halbe Stunde dem lieben Gott näher sein.

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Nach dem, was gestern nacht in Wladimir passierte – oder, besser gesagt, nicht passierte – könnte man die Kirche zum Heiligen Rosenkranz der Allerheiligsten Jungfrau Maria zusätzlich dem Patronat von Sankt Florian unterstellen. Um 2.07 ging nämlich bei der Feuerwehr der Partnerstadt ein Notruf ein, weil auf dem Nachbargrundstück hinter der katholischen Gemeinde ein Schuppen in Brand geraten war. Wenige Minuten später trafen 23 Einsatzkräfte mit acht Löschfahrzeuen ein, und schon um 2.21 Uhr erging die Meldung „Gefahr gebannt“. Und, besonders wichtig, ein Übergreifen der Flammen auf Wohnhäuser und das Grundstück der Rosenkranzgemeinde bestand zu keinem Zeitpunkt.

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Angesichts der Rauchsäule, die über die Altstadt zog, fühlten sich verständlicherweise viele Kommentatoren in den Sozialen Netzwerken an die Katastrophe von Notre Dame in Paris vom 15. April erinnert. Aber es blieb gottlob beim Schrecken und einer Brandfläche von 60 qm.

Da St. Florian auch als Patron der Bierbrauer verehrt wird, darf man getrost auf den Heiligen anstoßen und sich darüber freuen, daß dieser bittere Kelch an der Gemeinde vorüberging.

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Vom 14. Mai bis zum 5. Juni ist im Berliner Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur die Ausstellung „Ikone des 12. Jahrhunderts: Die Gottesmutter von Bogoljubowo. 100 Jahre Restaurierung“ zu sehen, exklusiv organisert vom Landesmuseum Wladimir im Rahmen des internationalen Kulturprojekts „Russische Jahreszeiten“ mit seinen mehr als 400 Veranstaltungen in 80 deutschen Städten, leider ohne Einbeziehung der etwa einhundert Partnerkommunen. Aber sei’s drum. Es geht um die Sache. Und die ist zumindest Wladimir so wichtig, daß Swetlana Melnikowa, die Generaldirektorin des Landesmuseums, persönlich zur Eröffnung an die Spree kommt und einen Vortrag zur Geschichte der Gottesmutter von Bogoljubowo hält.

Da der Blog bereits im Januar 2016 ausführlich zu der Ikone berichtet, genüge hier der Link zu dem damaligen Beitrag https://is.gd/PV8rJR, der allen, die sich für die russische Sakralkunst und Kulturgeschichte interessieren, hoffentlich den Impuls gibt, diese einzigartige Ausstellung zu besuchen. Mehr zu dem Projekt unter: http://russianseasons.org/de

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Nach der eher düsteren Seite des Osterfestes heute die ganze Pracht und Herrlichkeit, wie sie die russisch-orthodoxe Kirche als Hüterin der byzantinischen Tradition zu entfalten versteht. Etwa bei der Zeremonie des Osterfeuers, das aus Jerusalem als Zeichen des Lichts, des Lebens und der Auferstehung gestern in der ganzen rechtgläubigen Christenwelt entzündet wurde.

Die ganze Straße vom Goldenen Tor bis zur Mariä-Entschlafens-Kathedrale war gesperrt, und Erzbischof Tichon führt die Prozession an.

Bilder von Wladimir Tschutschadejew, die für sich sprechen. Lassen Sie sie auf sich wirken…

 

 

 

 

 

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Die Brandkatastrophe von Notre Dame in Paris bewegt auch die Menschen in Wladimir. Zumal die Partnerstadt eine besondere Beziehung zu dieser Kathedrale hat. Im Jahr 2007 nämlich schenkte Patriarch Alexij II nach einem Gebet vor der Dornenkrone Christi dem Gotteshaus eine Kopie der Gottesmutter von Wladimir. Lange bangte man um die Ikone, doch nun, zum orthodoxen Palmsonntag und zum westkirchlichen Ostern, kommt die erfreuliche Bestätigung: Das Bildnis wurde kein Raub der Flammen, es ist unversehrt unter den geretteten Werken der sakralen Kunst.

Gottesmutter von Wladimir in Notre Dame. Photo: pravmir.ru

Anlaß zur Freude, Anlaß aber auch für einen näheren Blick auf das Bild vom Typus „Umilenije“, was so viel bedeutet wie „erbarmende Rührung und mitfühlende Hinwendung“, da Mariens Blick als Vorausschau auf das Leiden des Sohnes gedeutet wird, das dann seinerseits – und damit der Bezug zum heutigen Fest – in der Auferstehung seine Auflösung, seine Erlösung und Vollendung findet. Keine Ikone ist wichtiger für die russische Sakralkunst wie die Identität des Landes als die Wladimirer Gottesmutter, keiner werden so viele Wundertaten zugeschrieben, keine steht mit mehr Legenden in Verbindung.

Gottesmutter von Wladimir in der Tretjakow-Galerie

Gemalt wurde das Bild angeblich vom Evangelisten Lukas auf dem Holz des Abendmaltisches und soll dann von Jerusalem nach Konstantinopel gelangt sein. Forscher datieren die Entstehung freilich ins frühe 12. Jahrhundert im Zweiten Rom, von wo aus die Ikone wohl um 1135 nach Kiew gelangte. Gesichert ist, daß Andrej Bogoljubskij die Gottesmutter 1155 mit in den Norden nahm und in seiner neuen Hauptstadt Wladimir in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale verehren ließ. 1395, nach dem Mongolensturm und dem Fall des Zentrums der Alten Rus, verbrachte man die Ikone nach Moskau, wo sie vom 15. Jahrhundert an bis 1918 in der nach Wladimirer Vorbild im Kreml erbauten Mariä-Entschlafens-Kathedrale ihren Platz fand. Im Zuge der Oktoberrevolution profanisierte man das Bild nach einer kurzen Station im Historischen Museum 1930 in der Tretjakow-Galerie, wo die Ikone bis heute zu bewundern ist, während in Wladimir nur eine Kopie verblieb – und der Gründungsmythos der Stadt. Eigentlich nämlich wollte ja Andrej Bogoljubskij weiter nach Rostow Welikij, doch die Pferde scheuten kurz vor Wladimir, dem Fürsten erschien die Gottesmutter, und der Herrscher erbaute ihr zu Ehren vor der Stadt seine Residenz in dem nach ihm benannten Bogoljubowo. Und mit dieser eben dieser Gottesmutter, die wegen ihrer artistischen Ausführung auch kunstgeschichtlich von kaum zu überschätzendem Wert ist, verbindet man später den Sieg über die Mongolen, und angeblich soll sie sogar im Dezember 1941 vom Flugzeug aus – auf Befehl des Kremlherrschers – ihren Schutzmantel über Moskau ausgebreitet haben, um den Vormarsch der Wehrmacht aufzuhalten. Eine Glaubensbild eben, ein Gnadenbild, das jetzt aus dem Inferno von Paris gerettet wurde – und vielleicht ja auch geholfen hat, dort Schlimmeres zu verhindern. Frohe Ostern also!

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