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Archive for the ‘Religion’ Category


So kann man sich die Bürgerpartnerschaft nur wünschen – mit einem Verein, der nicht nur etwas für den Austausch zwischen Erlangen und Wladimir tut, sondern der es auch trefflich versteht, darüber zu berichten, frei nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“!

Dieser Tage ging die Homepage https://nadjeschda-erlangen.de an den Start, ein Portal, das Informationen rund um die Aktivitäten des Fördervereins Nadjeschda bietet, der 2002 in Erlangen mit dem Ziel gegründet wurde, innerhalb der Städtepartnerschaft in Zusammenarbeit mit der Rosenkranzgemeinde zu Wladimir ökumenische Jugendbegegnungen zu unterstützen. Blogleser wissen es längst aus den vielen, über die Jahre verstreuten Reiseberichten der Jugendgruppen, aber nun soll die Homepage alles zusammenfassen, was den Förderverein im Innersten zusammenhält – mit den Rubriken „Aktuelles“, „Verein“, „Jugend“, „Aktiv werden“ und „Kontakt“ oder Links zu Projektpartnern sowie zum Homepageauftritt JADA Erlangen-Wladimir unter: https://is.gd/kcgWkA

Vieles, wenn nicht alles – auch auf der neuen Homepage – hängt nun davon ab, was weiter im Verein geschieht, der sich natürlich auch über neue Mitglieder freut. Schauen Sie zumindest einmal virtuell vorbei, vielleicht bekommen Sie ja Lust, selbst auch aktiv zu werden und die Zukunft des Austausches mitzugestalten. Добро пожаловать – Willkommen bei Nadjeschda!

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Wolfgang Morell, der sein in der Gefangenschaft erlerntes Russisch bis heute erstaunlich präsent hält, stimmte sich gestern mit den Weihnachtsgedichten des in die USA emigrierten russischen Literaturnobelpreisträgers Joseph Brodsky auf das Fest ein.

Wolfgang Morell und Peter Steger

Doch auch in Wladimir gibt es Lyrik, auch zum heutigen Anlaß, zu entdecken, etwa von Jekaterina Zwetkowa, mit ihren vom 21. Januar 2004 datierten und heute vom Chefübersetzer der Blog-Redaktion ins Deutsche übertragenen Zeilen:

Jekaterina Zwetkowa mit Väterchen Frost

Dem Wunder der Wunder, ein Segen – / den Augen der Jungfrau vom Kind, / die Allzärtlichkeit der Frauen-Mütter-Bräute gegeben: / Liebe, Unnahbarkeit, gehorsamkeitsblind.

Segnet die Freude, segnet die Trauer / im Unkenntnis-Einheits-Glück, / dem allergeheimsten Sakrament, auf dem  wir alles bauen: / eine Handvoll Rußland, von der russischen Erde ein Stück.

 

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Seit gestern ist das an Schismen wahrlich nicht arme Christentum um eine Abspaltung reicher, die freilich ihrerseits nur dank einer Einigung möglich wurde. Die seit 1921 bzw. 1992 vom Moskauer Patriarchat losgelöste autokephale und ukrainisch-orthodoxe Kirche schlossen sich Mitte Dezember zusammen und erhielten nun von Patriarch Bartholomäus, dem Primus inter pares der orthodoxen Christenheit, in Byzanz, alias Konstantinopel oder Istanbul, den Segen zu ihrer kirchlichen Unabhängigkeit.

Theologisch läßt sich diese Trennung von dem, was zusammengehört, nicht erklären. Auch wenn jetzt – sicher, wie das Amen in der Kirche – ein gegenseitiges Anathema auf den nächsten Bannstrahl treffen dürfte, handelt es sich doch einzig um einen politischen Streit, ausgelöst durch die Tragödie um die Krim und den anhaltenden Krieg in der Ostukraine, wo nicht einmal der vereinbarte Waffenstillstand über Weihnachten hält. Noch gar nicht abzusehen, was da mutwillig an seelischem und körperlichem Leid – mutmaßlich nicht in Christi Namen – angerichtet wird: Kiew, die Mutter aller russischen Städte, sagt sich von ihren Kindern los. Ein Familiendrama vor den Augen der Welt.

Dennoch, heute begehen die Gläubigen der Ostkirche den Heiligen Abend, und morgen feiern sie Weihnachten. In Wladimir zumindest das, wovon wir hierzulande immer nur träumen, ein weißes Weihnachten, zu dem der Blog nur den Frieden des Himmels wünschen kann.

Wie schön die weiße Pracht in der Partnerstadt derzeit ist, zeigen einige Bilder von Sergej Skuratow und Wladimir Tschutschadejew.

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Nach 28 Jahren im Amt verabschiedete sich gestern in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale Erzbischof Jewlogij in den Ruhestand. Der Heilige Synod würdigte den Geistlichen als jemandem, den es gelungen sie, die Entwicklung des kirchlichen Lebens in alle Richtungen zu entwickeln, die Zahl der Gemeinden und Priester sowie der Ordensleute zu erhöhen und einen konstruktiven Dialog mit der Öffentlichkeit und der Politik zu führen. Der promovierte Theologe trägt seit dem 14. Jahrhundert, als dieses Amt nach Moskau verlegt wurde, als erster wieder den Titel eines Metropoliten.

Florian Janik, Sergej Sacharow und Erzbischof Jewlogij, 8. Mai 2015

Bereits 2012, mit 75 Jahren, hatte sich Erzbischof Jewlogij ins Kloster zurückziehen wollen, doch der Heilige Synod bat ihn, im Amt zu bleiben. Aus Sicht der Städtepartnerschaft ist dem Kirchenmann nur zu danken. Er begleitete stets wohlwollend den Wiederaufbau der katholischen Rosenkranzgemeinde und gab auch dem Projekt des Pilgerzentrums seinen Segen. Wenn die Region Wladimir wenn schon nicht vom Geist der Ökumene, so doch von einem Klima der gegenseitigen Hochachtung der Konfessionen und Religionen geprägt ist, darf das wesentlich dem auf Ausgleich und Verständigung bedachten Wirken des kontemplativ gestimmten Seelenhirten angerechnet werden.

Generalvikar Warfolomej, Erzbischof Jewlogij Smirnow, Erzbischof Ludwig Schick und Pfarrer Markus Günther, 12. August 2012

Im Amt folgt Jewlogij nun Tichon, 1948 in Woronesch geboren und mit Unterbrechungen seit 1990 Erzbischof von Nowosibirsk und Berdsk, wo es ihm, ebenso wie Jewlogij in Wladimir, gelang, das kirchliche Leben wiedererstehen zu lassen. Was es bedeuten kann für seinen Glauben einzustehen, weiß der 1981 in Moskau zum Priester geweihte Pater aus der Geschichte der eigenen Familie: Sein Großvater wurde 1931 erschossen, weil er sich offen und aktiv zu seiner Gemeinde bekannte. Aber Erzbischof Tichon versteht auch, für die Sache der Orthodoxie zu kämpfen. Auf seine Anzeige hin wurde 2015 in Nowosibirsk eine Tannhäuser-Inszenierung wegen „Verletzung der religiösen Gefühle von Gläubigen und Gotteslästerung“ abgesetzt und der Intendant des Theaters entlassen, worüber seinerzeit die FAZ ausführlich berichtete: https://is.gd/j1enJg

Erzbischof Tichon Jemeljanow

Erzbischof Tichon ist nun gutes Gelingen an seiner neuen Wirkungsstätte zu wünschen, wo freilich auch große Herausforderungen warten, etwa die Rückführung von bisher noch museal genutzten Gotteshäusern und Klöstern der Region Wladimir in den Besitz und in die Verantwortung der Kirche. Da wird viel Verhandlungsgeschick vonnöten sein.

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Auch wenn man sagen könnte „alle Jahre wieder“, ist es doch alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wenn der Staatliche Regionalsender des Gouverneurs Wladimir auch heuer wieder am Heiligen Abend die Weihnachtsbotschaft von Sergej Sujew ausstrahlte, der nicht nur für seine insgesamt höchstens 500 katholischen Seelen spricht, wenn es im Vorspann zu Sendung heißt:

Die römisch-katholische Kirche in Wladimir

Heute feiern die Katholiken auf der ganzen Welt den Heiligen Abend. In der Katholischen Kirche zum Heiligen Rosenkranz der Allerheiligsten Jungfrau Maria ist alles bereit für das Fest: feierliche Girlanden, der Christbaumschmuck, die Weihnachtssterne, die Krippe und das Konzertprogramm. Und wenn Pfarrer Sergej Sujew dann selbst sagt:

Ich begrüße Sie alle, besonders freudig all jene Christen, die nach dem westlichen Kalender heute die Geburt Christi feiern. Heute ist Heiliger Abend, der Vorabend der Geburt Christi, und natürlich möchte ich an diesem Tag allen herzlich gratulieren und Freude sowie den Segen für dieses Freudenfest wünschen, das wir Katholiken heute auf besondere Weise begehen. Morgen dann, am eigentlichen Weihnachtsfest, am 25. Dezember, finden zwei Gottesdienste statt, um 12 Uhr mittags und für alle, die arbeiten, um 19 Uhr am Abend. Diese Tage bringen uns auch dem Neuen Jahr näher. Wir haben dazu ein herrliches Konzertprogramm vorbereitet. Am 29. Dezember gibt es gleich zwei Auftritte. Und vom 2. Januar an gibt es jeden Tag Orgel- und Kammermusikkonzerte. Ich wünsche allen Frohe Weihnachten. Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Frieden in der Seele, Frieden auf den Straßen unserer Stadt, unseres ganzen Landes und auf der ganzen Welt. Möge Gott, der so klein und schutzlos in unsere Welt kam, uns darin bestärken und uns die Vorfreude auf etwas Heiliges und Gutes schenken.

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Dieser Tage schickte Gerhard Wangemann an seinen Freundeskreis die Schilderung einer Begegnung, die märchenhafte Züge trägt. Wer freilich den ehemaligen Referenten für Wirtschaft und Finanzen und Vorsitzenden des Industrie- und Handelsgremiums kennt, weiß auch, wie wenig der Freie Demokrat zum Fabulieren und Filibustieren neigt, wie er vielmehr die klare Kante schätzt und seine Worte zu wählen und zu wägen versteht.

Eine kleine Geschichte will ich erzählen, nicht erfunden, tatsächlich passiert und für uns wie ein Weihnachtsgeschenk:

Wir hatten eine Reise gebucht, im November nach Palermo. Noch ein paar Tage Wärme mit vielen Sehenswürdigkeiten, zahlreichen lebendigen Märkten, frischen Fischen aus dem Meer und sizilianischem Wein.

Heidi und Gerhard Wangemann, umrahmt von Dietmar Hahlweg, Eduard Markin, Rudolf und Inge Schwarzenbach sowie Peter Steger

Unsere  Tochter fuhr uns mit ihrem Auto zum Flughafen München bis kurz vor die Raststätte Fürholzen. Da lag etwas auf der Fahrbahn, und schon war der rechte Hinterreifen geplatzt. Langsam erreichten wir die Raststätte. Ein Taxi sollte uns noch rechtzeitig zum Airport bringen.

Schon  eine Rufnummer zu bekommen, war schwierig und dauerte. Dann der erste türkische Fahrer am Apparat. Er konnte nicht sagen, bis wann er zur Raststätte kommen würde. Der Zweite, ebenfalls mit eingeschränkte Deutsch- und Geographiekenntnissen, wollte uns nur abholen, wenn ich ihm die Koordinaten unseres Standortes  senden würde, da aber war ich überfordert. Raststätte Fürholzen West war ihm nicht präzise genug. Die Zeit verging, der Abflugtermin rückte näher. Ich suchte weitere Taxirufnummern.

Heidi sprach einen Mann an, der unweit von unserem defekten Fahrzeug in sein Auto einsteigen wollte und fragte ihn, ob er zufällig zum Münchner Flughafen fahre. Er sagte : „Nein!“. Dann schaute er auf seine Armbanduhr und sagte: „Ich fahre Sie“. Schnell luden wir unser Gepäck in seinen Kofferraum und stiegen zu ihm ins Auto.

Unterwegs erzählte er uns, dass er Russe sei, Urologe am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern und auf dem Weg zu seiner Tochter an der Ballettschule in München. Er kannte auch Nürnberg. Wir erzählten von unserer Partnerstadt Wladimir und unseren Besuchen dort. Schnell waren wir am richtigen Terminal. Er reichte uns die Koffer, winkte kurz, und fort war er. Wir kannten nicht einmal seinen Namen.

Der Flug war gerettet, bald waren wir in der Luft und etwa zur gleiche Zeit in Palermo wie unsere Tochter mit Unterstützung des ADAC zurück in Erlangen.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale, gesehen von Wladimir Putschkow

Wieder zu Hause, habe ich Namen und  E-Mail-Adresse unseres hilfsbereiten Engels, des  russischen Urologen an der Klinik in Kaiserslautern, im Internet gefunden und konnten ihm ganz herzlich danken und ihn einladen, wenn er wieder einmal in die Gegend von Nürnberg kommt. Er schrieb zurück:

Ich freue mich, daß ihr Urlaub durch diese Autopanne nicht überschattet wurde. Wladimir ist eine wunderschöne Stadt. Da war ich mit meiner Oma und hoffe, irgendwann wieder dahin zu kommen! Das ist nicht nötig, sich bei mir zu bedanken. Ich denke, jeder normale Mensch hätte an meiner Stelle das getan. Vielen Dank für die Einladung! Ich werde mich gerne bei Ihnen melden, sobald ich wieder in Nürnberg bin!

Das war unsere Weihnachtsbescherung schon am 11. November.

Die Geburt Christi von Andrej Rubljow

Ich wünsche Ihnen/Euch allen Frohe Weihnachten, ein gesundes und friedliches Jahr 2019 und, wenn schon Probleme, dann mit einem Ende wie bei uns mit unserem russischen Engel aus Kaiserslautern.

Gerhard Wangemann mit Heidi

 

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Vorgestern, am Tag der Ankunft der Religionswissenschaftler, handelte es sich noch um graue Theorie und auf Papier gebannte Analyse, gestern, am ersten Jahrestag des Todes von Wolfgang Vogel, erlebten die Gäste aus Wladimir, wie intensiv in Erlangen die Ökumene praktiziert wird. Und welche Unterschiede es in Glaubensdingen zwischen West und Ost noch immer – und leider wieder zunehmend – gibt. Matthias Wünsche, Gemeindepfarrer von Herz Jesu, und Dekan Josef Dobeneck bedauerten denn auch gegenüber Jewgenij Arinin, Lehrstuhlinhaber für Philosophie und Religionswissenschaften an der Universität der Partnerstadt, und Dmitrij Petrosjan, die wachsende Entfremdung zwischen dem Vatikan und dem Moskauer Patriarchat, nicht ohne zu betonen, wie wichtig gerade deshalb derlei Begegnungen seien.

Matthias Wünsche, Jewgenij Arinin, Dmitrij Petrosjan und Josef Dobeneck

Dennoch, so die Frage der Gäste: „Wie ist es möglich, ein armenisches Steinkreuz auf dem Grund einer katholischen Gemeinde in Erinnerung an einen Katholiken weihen zu lassen, etwas, das so bei uns nicht denkbar wäre?“ – „Weil wir seit dem Zweiten Vatikanum das Verbindende stärker betonen als das Trennende zu forcieren“, lautet komprimiert die Antwort.

Dmitrij Petrosjan und Jewgenij Arinin

Wolfgang Vogels Geist der Verständigung zwischen den Konfessionen und Kulturen schwebte spürbar über der gestrigen Zeremonie, und das Gedenken an ihn hat nun einen würdigen Ort gefunden, hier in Herz Jesu mit dem keltischen Kreuz auf dem Dach, dem Kruzifix in der Kirche und dem armenischen Wegkreuz auf dem Vorplatz. Eine Inspiration sicher auch für die russischen Gäste.

Zum Nachruf auf Wolfgang Vogel geht es hier: https://is.gd/uD7uUb, und mehr Eindrücke zur gestrigen Gedenkfeier findet man unter: https://is.gd/Dlyc6c

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