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Archive for the ‘Religion’ Category


Wenn man sich schon nicht an die Vorgaben der Behörden und dringenden Empfehlungen des eigenen Patriarchats hält, sollte man sich in Zeiten von Corona zumindest nach Matthäus 18, 20 richten, wo geschrieben steht:

Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Es waren hingegen bei gestrigen Osterfest, wie Bericht und Bilder der Internetplattform Zebra TV sowie viele Beiträge in den Sozialen Medien zeigen, viele, viel zu viele, die es entgegen allen Warnungen in die Gottesdienste zog. Glaube versus Vernunft.

Unterdessen kursieren gerade unter den Gläubigen all die abstrusen Gerüchte und Verschwörungstheorien, die der Redaktion des Blogs als gar zu dumm und aberwitzig erscheinen, um ihnen hier Raum zu geben.

Eigenartig allerdings auch, daß die Sicherheitskräfte nicht eingriffen. Die Kirchen wurden zwar vorab desinfiziert, aber wer weiß schon, was die Kirchgänger alles unbekannterweise in sich trugen und munter weitergaben. Ohne jede Abstandsregel. Derartiges Verhalten nennt Wladimir Putin übrigens „verbrecherisch“.

Will man die Pandemie unter Kontrolle bringen, wird der Staat nicht umhin kommen, auch gegenüber der Kirche zu zeigen, wer der Herr im Hause ist. Denn – auch das findet sich in der Bibel – es spricht Christ der Herr: „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist!“

Was sich da gestern so alles abspielte, kommentiert der medizinische Berater des Blogs, Alexej Petrowitsch, mit der Diagnose „Arroganz der Ignoranz“. Sancta Simplicitas, Heilige Einfalt. Auf Russisch fällt einem dazu nichts mehr ein außer „без слов“.

Zumal auch die Region Wladimir sich auf steigende Infektionszahlen einrichten muß: 225 bestätigte Corona-Fälle, davon 27 neue Ansteckungen, weist die offizielle Statistik mit Stand 19. April, 10.00 Uhr, bei bisher fünf Verstorbenen aus. 60 Patienten liegen in Krankenhäusern, die übrigen COVID-19-Infizierten kurieren sich in häuslicher Quarantäne aus. Bleibt zu hoffen, daß sich die Zahlen auch nach Ostern weiter so gemäßigt erhöhen und bald ihre Spitze erreicht haben.

Ohne Worte…

Wladimir Sipjagin

Vorbildlich hingegen privatissime beim Osterfest – Gouverneur Wladimir Sipjagin. Wir wissen nicht, wie gläubig der Landesvater der Region Wladimir ist, aber die Kirchgänger hätten sich mal besser an ihm ein Beispiel genommen.

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Ein gutes Jahr ist Erzbischof Tichon nun im Amt. Grund genug für den Oberhirten der Diözese Wladimir-Susdal, am 10. Februar eine Pressekonferenz zu geben, bei der er sich allerdings Ärger einhandelte. Er hatte nämlich die Anastasia-Bewegung und Scientology als „totalitäre Sekten“ bezeichnet, deren Führer er für „kriminelle Personen“ halte. Er kenne diese Religionsgemeinschaften noch aus seiner Zeit als Bischof von Nowosibirsk, wo man eine Sektenberatung eingerichtet habe. Daher wisse er, daß ein Mitglied von Scientology bis zu elf Jahre brauche, um sich von der Bewußtseinskontrolle zu befreien.

Erzbischof Tichon und sein deutscher Amtsbruder Mark in der russ.-orth. Gemeinde Erlangen, November 2019

Diese Aussagen – ganz im Geiste des Jesus-Wortes „Eure Rede aber sei: Ja! Ja! Nein! Nein! Was darüber ist, das ist vom Übel.“ -, die sicher auch der Überzeugung der katholischen und evangelischen Kirche entsprechen, veranlaßten nun Scientology zu einer Gegendarstellung, in der darauf hingewiesen wurde, man sei weder verboten noch eine „Sekte“, und die 60 Gruppen, über die ganze Russische Föderation verteilt, träten für eine „Zivilisation ohne Wahnsinn, Verbrechen und Krieg ein, wo die geeigneten Menschen sich entwickeln und die ehrlichen Menschen zu ihrem Recht kommen und der Mensch dafür frei sei, sich hoch hinauf zu erheben.“

Eine Stellungnahme der Mitte der 90er Jahre entstandenen russischen Anastasia-Bewegung, die auch im Westen wegen ihrer völkisch-rechtslastigen und antisemitischen Elemente von Sektenbeauftragten ausgesprochen kritisch beurteilt wird, liegt bisher nicht vor.

Jedenfalls feiern die orthodoxen Christen heute den Sonntag der Vergebung als Vorbereitung auf die vierzigtägige Fastenzeit. Ob die Indulgenz auch im Fall dieser Andersgläubigen Anwendung findet, erscheint freilich eher fraglich, stehen sie doch eindeutig außerhalb der rechtgläubigen Gemeinschaft. Da kann es kein Wanken geben. Aber von Mensch zu Mensch einander zu verzeihen, fordert ja schon das alle Christen verbindende „Vater unser“ mit seinem „… wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ – heute und alle Tage.

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Es ist jenes besondere Licht, das die Ikonen von Andrej Rubljow zum Erstrahlen bringt, ein Leuchten, das tief von innen kommt und das der russische Wandermönch ebenso wie sein deutscher Bewunderer, der evangelische Pfarrer und Jenas Oberbürgermeister, Albrecht Schröter, auf den Schöpfer, auf Gott zurückführt. Eine innig-transzendente Verbindung zu Wladimir ist da vor fast genau sechs Jahren entstanden, die schon in der Studienzeit des Theologen gründet, als der spätere Politiker zu der russischen Sakralkunst forschte. Und dann dem Geheimnis der göttlichen Schönheit gegenüber, in Wladimir, in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, in einem Augenblick der Zurückgezogenheit, außerhalb des Protokolls und Programms seines offiziellen Besuchs. Das hält zusammen. Über Ämter und Fristen hinaus.

So im Blog am 7. April 2015 zum 60. Geburtstag von Albrecht Schröter zu lesen, einen Monat vor seiner zweiten Reise in die Partnerstadt, und nun auf „Wiedervorlage“ zum Rückblick auf den gestrigen Vortrag des Altoberbürgermeisters von Jena im gut gefüllten Großen Saal der Erlanger Volkshochschule im Rahmen der Russisch-Deutschen Wochen zum Thema „Ikonen – ein Schlüssel zum Verständnis“.

Albrecht Schröter

Der gelernte Krankenpfleger, dem als Kind einer bekennend religiösen Familie der direkte Weg zum Studium verbaut war – Albrecht Schröters Vater kam vor genau 70 Jahren zum Theologiestudium nach Erlangen – ließ sich am „Institut für Konfessionskunde der orthodoxen Kirchen“ an der Universität seiner Heimatstadt Halle an der Saale, geprägt von dessen Gründer, Konrad Onasch, vom Geist der Ikonen ergreifen. Wobei es in den sechs Jahren neben der Wissenschaft vor allem eines zu begreifen galt: Die Seminare, Vorlesungen und Forschungen sind wichtig und geben das Rüstzeug zum Verständnis. Verstehen wird man das Bild, von dem das orthodoxe Christentum so geprägt ist, aber erst bei der Betrachtung mit dem Blick der Liebe.

Albrecht Schröter und Elisabeth Preuß

Und so ist denn auch der Schlüssel zum Verständnis, den der Gast mitbringt, die innere Haltung, weniger der rationale Ansatz einer Interpretation, als vielmehr der emotionale Zugang zur Darstellung. Denn es geht bei allen Ikonen, gleich aus welchem Jahrhundert, gleich ob für den liturgischen, privaten oder öffentlichen Raum geschaffen, gleich ob im Herrgottswinkel klappbar aufgestellt oder bei Prozessionen mitgetragen, immer um das eine: das liebende Auge.

Andrej Rubljow: Wladimirer Gottesmutter

Bis weit zurück in den Bilderstreit der Ikonodulen und Ikonoklasten, bis zum Propheten Daniel und seinem „Alten an Tagen“, wie Gott da bezeichnet wird, führt der Vortrag zurück und zieht die Linie von der Kaiserverehrung der Römer bis zu der in Byzanz entstanden Gottesmutter, die ihren Weg bis nach Wladimir und schließlich in die Tretjakow-Galerie in Moskau fand. Technik und Stil, Aufbau und Deutung, Perspektiven und Motive – nichts kommt zu kurz in dieser Stunde voller Wirklichkeit des Jenseits, in dieser Einführung in die heiligen Bilder, die Himmel und Erde verbinden, das Fenster zu Gott öffnen, durch das der Höchste seinerseits den Menschen anblickt – in wechselseitiger Liebe und Zuwendung.

Andrej Rubljow: Dreifaltigkeit

Eine Stunde kann nicht genug sein für die Fülle der Ewigkeit, für die Vielfalt der Ikonen. Mancher im Publikum hätte sich denn auch gewünscht, länger bei der einen oder anderen Ikone zu verweilen. Desto dankbarer war man dann für die eingehende Betrachtung der Dreifaltigkeit von Andrej Rubljow mit ihrer feinsinnigen Wahl der Farbgebung und der Komposition des dreifachen Kelches oder der Schilderung des Acheiropoieton, des nicht von Menschenhand geschaffenen Urbilds der Ikonographie.

Albrecht Schröter im Gespräch

Eine Wissenschaft für sich, könnte man sagen, die gestern abend aber vor allem eines schaffte: Herzensbildung und – Albrecht Schröter sei Dank! – einen spirituellen Höhepunkt der Russisch-Deutschen Wochen, die zum ersten Mal in ihrer zehnten Auflage das Geheimnis der Ikonen thematisierten, ohne es zu profanisieren.

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Nach dem persönlichen Dank https://is.gd/UBkVKg kam gestern bei der offiziellen Verabschiedung von Josef Dobeneck aus dem Amt des Dekans, das er 25 Jahre bekleidete, das Vergelt’s Gott aus Moskau und Wladimir für all das Gute, das der Geistliche für die Städtepartnerschaft wirkte:

Lieber Pfarrer Dobeneck,
von Pfarrer Sergej Sujew über Ihr Ausscheiden aus dem langjährigen Amt des Dekans unterrichtet, nutze ich die Gelegenheit, Ihnen meine Dankbarkeit für all das zum Ausdruck zu bringen, was Sie für die Unterstützung der katholischen Gemeinde in Wladimir geleistet haben. In vielerlei Hinsicht ist die Stabilität dieser Gemeinde ein Verdienst Ihrer Amtszeit als Dekan von Erlangen, der Partnerstadt von Wladimir. Mich freut besonders, die Freundschaft zwischen der Jugend der Wladimirer Pfarrgemeinde und der Jugend aus Erlangen zu sehen. Besonders danken möchte ich Ihnen und all den anderen, die einen nicht unerheblichen Anteil an der Sammlung von Mitteln für den Bau des Pilgerzentrums der Rosenkranzgemeinde haben. Ich hoffe, wir können schon bald das Ergebnis dieser Bemühungen sehen!

Bitte nehmen Sie meine besten Wünsche für Ihre Gesundheit, ein langes Leben und Freude am Dienst für Gott und die Menschen entgegen!

Im Gebet verbunden
Ihr
Erzbischof Paolo Pezzi
Metropolit der Erzdiözese der Gottesmutter in Moskau

Peter Steger und Josef Dobeneck

Hochwürdiger und in Christo geliebter Pfarrer Josef,

gestatten Sie mir, mich in die Vielzahl der Gratulationen oder, genauer gesagt, in die Vielzahl der Danksagungen für Ihren langjährigen seelsorgerischen Dienst für Gott und die Menschen einzureihen!

Wir sind Ihnen unendlich dankbar für diese Jahre, in denen Sie in Ihrem Herzen und Gedanken einen Platz für die katholische Gemeinde in Wladimir fanden! Dank Ihrer Anteilnahme schlossen wir eine echte Freundschaft und gewannen die Unterstützung vieler Menschen in Erlangen und Bamberg! All diese Anteilnahme ermöglichte es unserer Gemeinde, in den Jahren des Werdens und Entstehend auf die Beine zu kommen.

Dank dem Verein „Nadjeschda“ schöpften wir Hoffnung auf Hilfe und Unterstützung. In diesen Jahren ging der Jugendaustausch nun schon in der zweiten Generation weiter. Die von uns begonnene Sache lebt also und entwickelt sich weiter…

Dies alles sind die guten Früchte Ihres Dienstes! Gute und erfreuliche Früchte!

Wir allen hoffen, noch viele solcher Früchte und Ergebnisse Ihrer Anteilnahme zu sehen. So hoffen wir etwa im bald fertiggestellten Pilgerzentrum ein weiteres Beispiel auch und gerade Ihrer Anteilnahme und Sorge erblicken zu können!

Lieber Pfarrer Josef, wir beten zu unserem Herrn um Gesundheit für Sie, um die Fülle des Segens, der auf all Ihren guten Werken ruhen möge, um Frieden und Freude für Ihr Herz! Unser FREUND lebe hoch!

Im Namen der katholischen Gemeinde Wladimir

Ihr dankbarer Freund, Sergej Sujew, Gemeindepfarrer

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In der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir hängen die Gesetze der Physik nicht von der Zeit ab. Die einmal aufgebrachte Energie wird nicht aufgebraucht, sie bleibt vielmehr erhalten, kehrt in dieser oder jener Form wieder. Eine Formel, die immer wieder empirisch erlebbar ist. So auch gestern abend, als ein Geschenk der Wladimirer Künstlerin, Irina Arschanych, nach mehr als zehn Jahren endlich seine Bestimmung fand. Eine Kreuzigungsgruppe mit Regenbogen aus der Nähe von Gremsdorf, wo die junge Frau seinerzeit ein Praktikum bei den Barmherzigen Brüdern machte. Das Bild der russischen Photographin war damals, im Sommer 2009, im Rahmen einer Ausstellung in den Räumen des Bayerischen Roten Kreuzes, Henri-Dunant-Straße, zu sehen. Nun soll die Arbeit das Pfarrhaus von Josef Dobeneck schmücken, dessen Amtszeit als Dekan nach 25 Jahren und fünf Wahlperioden an Neujahr endete.

Josef Dobeneck und Peter Steger

Das Geschenk vereint den Karpfengrund, die Heimat des Geistlichen, der sich im August auch von seiner Gemeinde St. Kunigunde in Uttenreuth verabschieden wird, mit der Städtepartnerschaft, die Josef Dobeneck über ein Vierteljahrhundert aktiv begleitete, immer an der Seite der Rosenkranzgemeinde in Wladimir und des Jugendaustausches mit Wladimir sowie seit 2017 sogar als Vorsitzender des Fördervereins Nadjeschda. Und wenn wir schon beim Dank sind: Der Kirchenmann erfüllte darüber hinaus die Verbindungen zu Jena und Bozen mit spirituellem Leben, immer auf der Suche nach der Städtepartnerschaft Bestes…  Möge auch diese Kraft erhalten bleiben!

Und von hier stammt das Geschenk: https://is.gd/ud6bkD

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Dieser erst Besuch eines Erzbischofs von Wladimir und Susdal in Erlangen vom Donnerstag bis heute gestaltete sich als ein Fest der Freude für die hiesige russisch-orthodoxe Gemeinde. Auch weil zu seiner Delegation Mitglieder der Erzdiözese gehörten, die in der Partnerstadt die Ikonenmalerei, das Glockenspiel und die Textilkunst pflegen und hier für die Gläubigen Meisterkurse veranstalteten.

Erzbischof Tichon und Gemeindepriester Anatolij im Dom zu Bamberg mit Domkapitular Norbert Jung

Wie für so gut wie alle Gäste aus Wladimir gehörte ein Besuch in Bamberg auch zum Besuchsprogramm des Geistlichen, auch wenn sein Amtsbruder Ludwig leider dienstlich verreist war. Aber Domkapitular Norbert Jung und Michael Kleiner, Leiter des Referats Eine Welt und Koordinator des Projekts Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde in Wladimir, füllten würdig die Lücke.

Gemeindepfarrer Anatolij und Erzbischof Tichon mit Michael Kleiner, Leiter des Referats Eine Welt, dazwischen

Spürbar bei allen Begegnungen: das aufrechte Bemühen des hohen Gastes um den Dialog im Geiste der Ökumene. Etwas, das auch die Katholiken in Wladimir immer wieder dankbar erleben.

Aber der Höhepunkt fand sicher gestern vormittag beim Festgottesdienst in der kleinen Dreifaltigkeitskirche, Stintzingstr. 20, statt, als Erzbischof Tichon mit nicht minder als 50 Gemeindemitgliedern die heilige Messe feierte. Mit etwa ebensovielen wird übrigens auch die Zahl der russisch-orthodoxen Seelen in Erlangen angegeben, die regelmäßig zum Gotteshaus kommen.

Übrigens gab es bereits 1945 eine „tragbare Hauskirche“ für russisch-orthodoxe Gläubige in der Danziger Straße 8. Etwa 200 Mitglieder aus ganz Osteuropa soll sie laut einem Schreiben vom November jenes Jahres gezählt haben, die sich um den polyglotten Erzpriester Wassilij aus Polen scharten und sich bereits im Dezember jenes Jahres der Jurisdiktion von Metropolit Serafim in München unterstellten.

Übrigens ist auch schon der Gegenbesuch aus Erlangen geplant. Vom 11. bis 16. Mai nächsten Jahres die Agentur Jakobsweg in Nürnberg eine Pilgerreise nach Wladimir, Bogoljubowo, Susdal, Sergijew Possad und Moskau für € 549. Näheres hierzu demnächst in Ihrem Blog.

Erzbischof Tichon in der Dreifaltigkeitskirche

Wenn also bisher nur einige Gemeindemitglieder an der Städtepartnerschaft teilhatten, darf man seit dem Besuch von Erzbischof Tichon die Dreifaltigkeitskirche als den spirituellen Außenposten Wladimirs verstehen.

Tichon 1

Erzbischof Mark von Berlin und Deutschland

Im folgenden noch eine Bildstrecke von Othmar Wiesenegger, dem dafür herzlich Dank gesagt sei.

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Nach 28 Jahren im Amt verabschiedete sich am 3. Januar in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale zu Wladimir Erzbischof Jewlogij in den Ruhestand. Der Heilige Synod würdigte den Geistlichen als jemanden, dem es gelungen sei, die Entwicklung des kirchlichen Lebens in alle Richtungen zu lenken, die Zahl der Gemeinden und Priester sowie der Ordensleute zu erhöhen und einen konstruktiven Dialog mit der Öffentlichkeit und der Politik zu führen. Der promovierte Theologe trägt seit dem 14. Jahrhundert, als dieses Amt nach Moskau verlegt wurde, als erster wieder den Titel eines Metropoliten.

Florian Janik, Erzbischof Tichon, Elisabeth Preuß und Erzbischof Mark

Im Amt folgte Jewlogij nun Tichon, 1948 in Woronesch geboren und mit Unterbrechungen seit 1990 Erzbischof von Nowosibirsk und Berdsk, wo es ihm, ebenso wie Jewlogij in Wladimir, gelang, das kirchliche Leben wiedererstehen zu lassen. Was es bedeuten kann für seinen Glauben einzustehen, weiß der 1981 in Moskau zum Priester geweihte Pater aus der Geschichte der eigenen Familie: Sein Großvater wurde 1931 erschossen, weil er sich offen und aktiv zu seiner Gemeinde bekannt hatte.

Erzbischof Tichon beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Erlangen

Während Jewlogij in Wladimir immer wieder hohe Vertreter aus Erlangen empfing, etwa die beiden Oberbürgermeister Siegfried Balleis und Florian Janik sowie seinen katholischen Amtsbruder, Erzbischof Ludwig, in all den Jahren aber nie nach Erlangen kam, nahm nun Tichon nach gerade einmal elf Monaten im Amt die Einladung der Erlanger russisch-orthodoxen Gemeinde an, die er seit gestern, nach dem Empfang im Rathaus und dem Eintrag ins Goldene Buch, begleitet von einer Delegation seiner Erzdiözese, noch bis Sonntag visitiert.

Erzbischof Mark übersetzt die Grußbotschaft von Erzbischof Tichon

Vorausgegangen ist dem Besuch ein mehrtägiger Aufenthalt in München bei seinem Amtsbruder Mark im Kloster des Heiligen Hiob von Potschajew, der seit 1982 als Erzbischof von Berlin und Deutschland der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland fungiert und den Titel eines Archimandriten trägt.

Erzbischof Mark beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Erlangen

„Eine ganz besondere Ehre und Freude“ nannte denn auch Oberbürgermeister Florian Janik im Gespräch mit den Geistlichen diesen ersten Besuch eines so hohen Würdenträgers aus Wladimir. Freilich ganz im Geiste der Partnerschaft, denn seit Jahren pflegen die Katholiken der Rosenkranzgemeinde mit den Mitgliedern der Erzdiözese einen ausgesprochen einvernehmlichen Dialog, der besonders deutlich beim gemeinsamen Jugendaustausch zum Ausdruck kommt. Wichtig sei aber auch, wie Erlangens Stadtoberhaupt betonte, die enge wissenschaftliche Zusammenarbeit der Theologen und Religionswissenschaftler mit ihrer langen Tradition zwischen den Partnerstädten.

Die Delegation von Erzbischof Tichon mit Oberbürgermeister Florian Janik, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Erzbischof Mark und den beiden Stadträten Martin Ogiermann und Jürgen Zeus (2. Reihe, zweiter und erster v.r.)

Da überrascht es dann kaum noch, wenn der Wladimirer Metropolit erklärt, bereits vor 40 Jahren zum ersten – und bisher letzten Mal – in Erlangen gewesen zu sein, um Fairy von Lilienfeld, von 1966 bis 1984 Inhaberin des Lehrstuhls für Geschichte und Theologie des christlichen Ostens an der Theologischen Fakultät der FAU, bei der Zusammenstellung einer Biographie russischer Bischöfe zu unterstützen. Später dann habe er auch noch die Evangelische Akademie in Tutzing besucht und an verschiedenen ökumenischen Konferenzen in Deutschland teilgenommen. Alles nun aber schon lange her. – Und sein 1941 in Chemnitz geborener und 1964 während seines Slawistikstudiums in Heidelberg zur Orthodoxie konvertierter Amtsbruder kennt Erlangen sogar schon seit 50 Jahren, als er hier an der Universität tätig war.

Florian Janik, Erzbischof Tichon, Erzbischof Mark, Elisabeth Preuß und Gemeindepfarrer Anatolij

Der Delegation, der auch eine Glöcknerin, ein Ikonenmaler und eine Textilkünstlerin angehören, nutzen den Aufenthalt, um mit der hiesigen Gemeinde in den spirituellen, kunsthandwerklichen und zwischenmenschlichen Dialog zu treten, und am Sonntag feiern beide Erzbischöfe in der russisch-orthodoxen Kirche, Stinzingstraße 20, um 9.30 Uhr einen Festgottesdienst, zu dem herzliche Einladung ergeht.

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