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Archive for the ‘Projekte Lichtblick und Blauer Himmel’ Category


Am 12. März feierte die „Lernwohnung“ der Selbsthilfeorganisation Swet in Susdal ihren ersten Geburtstag. Die Initiative, vergleichbar mit unserer Lebenshilfe, hat zwar ihren Sitz in Wladimir, eröffnete aber am 5. März vergangenen Jahres in Rothenburgs Partnerstadt ein Haus ein, in dem junge Erwachsene mit unterschiedlichen Behinderungen betreut wohnen und an die Selbständigkeit herangeführt werden.

Jurij Katz vor dem Haus in Susdal, September 2018

Swet erfährt ja schon seit seiner Gründung Anfang der 90er Jahre Unterstützung aus Erlangen, finanziell wie ideell und fachlich. Im Wladimirer Zentrum der Organisation gibt es zum Beispiel ein „Erlanger Zimmer“, eingerichtet mit Spenden aus der Hugenottenstadt. Auch die ersten Wohnungen für selbständiges Leben wurden mit Hilfe aus Erlangen eingerichtet. Doch das Haus in Susdal hat eine ganz besondere Geschichte, die bis ins Jahr 2002 zurückreicht, als die Barmherzigen Brüder Gremsdorf eine Projektförderung für den Blauen Himmel von der Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks erhielten, an der sich auch das Erzbistum Bamberg und weitere Sponsoren beteiligten. Man kaufte ein 3.000 qm großes Grundstück, zwischen Wladimir und Susdal gelegen, an, um dort ein Rehabilitationszentrum für Kinder aus der Psychiatrie aufzubauen. Doch die Pläne scheiterten am Widerstand der Anwohner im Dorf Barskoje Gorodischtsche (s. https://is.gd/cNN8b5), der Blaue Himmel fand in Penkino seine Heimstadt, und so entschied die Stiftung Lichtblick, die Liegenschaft der Organisation Swet zu überschreiben. Diese wollte zunächst hier ein Erholungsheim für Familien mit behinderten Kindern bauen, entschied sich aber schließlich zum Verkauf, um aus dem Erlös ein Haus in Susdal mit dem gleichen Zweck zu erwerben.

Baustelle am Haus in Susdal, September 2018

Nun also ist das Haus im Zentrum von Susdal seit einem Jahr bewohnt und gilt als das erste behindertengerechte und selbstbestimmte Hotel der ganzen Region, wenn nicht von ganz Zentralrußland.

Ljubow Katz und der Mädchenchor von Swet mit dem Geburtstagsständchen

Das Ehepaar Ljubow und Jurij Katz schreibt in einem Dankbrief an die Erlanger:

Das Haus steht Gästen offen und beherbergt behinderte junge Menschen, die ihre Selbständigkeit entwickeln, dient aber auch der sozio-kulturellen Rehabilitation. Behinderte Kinder werden ja oft von Alleinerziehenden betreut, 70% der Väter verlassen die Familie im Fall einer Behinderung des Kindes, 32% geben den Kontakte zu ihren Kindern ganz auf, und nur vier Prozent bezahlen Alimente. Da fehlt natürlich das Geld für einen Urlaub oder Aufenthalt in einem Sanatorium. Überdies erhalten Mütter mit behinderten Kindern gar keine Überweisung in ein Erholungsheim, weil da in aller Regel die Voraussetzungen für die jungen Gäste mit Einschränkungen fehlen. Einige der Kinder, die hierher nach Susdal kommen, hatten deshalb noch nie die Möglichkeit, ihren Wohnort zu verlassen. Und nun all die Sehenswürdigkeiten hier in Susdal – und die Möglichkeit, das selbständige Leben zu erlernen.

Geburtstagsfeier

Und weiter schreibt das Ehepaar:

Wir danken allen Freunden in Erlangen, allen anteilnehmenden Menschen dafür, geholfen zu haben, den Traum dieser ganz besonderen Kinder und Jugendlichen wahr werden zu lassen. Sie können jetzt reisen, einander begegnen, eine wunderbare Stadt besichtigen und lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.

Und Irina Chasowa, Direktorin des Erlangen-Hauses, die unter den Ehrengästen war, ergänzt:

Wirklich großartig, was da mit der Hilfe aus Erlangen geschaffen wurde. Ein kleines Wunder für uns alle!

 

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Arina Alstut vom Zentrum für Selbstbestimmtes Leben ist auf dem besten Weg, zu einer anerkannten Beraterin des russischen Sozialsystems zu werden. Nach den Konferenzen in Wladimir, Pskow, Moskau und Irkutsk fand nun vom 22. bis 22. November in Kemerowo eine Konferenz zum Thema „Gegenwart und Zukunft der Langzeitpflege“ statt. Unter den etwa 600 Fachleuten aus 52 Regionen der Russischen Föderation vertrat die Erlangerin die deutsche Expertise, und das ganz prominent, auf dem Podium.

Arina Alstut, rechts im Bild

Das besondere Moment dieser Begegnungen: Selbsthilfeorganisationen, freie Träger und Behörden arbeiten Hand in Hand, ganz so, wie es die Elterninitiative Swet in Wladimir als Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Erlangen seit mehr als 20 Jahren praktiziert. Ziel ist es, durch qualitativ hochwertige Pflege, die Lebenserwartung – sie liegt noch immer deutlich unter dem Niveau von Deutschland – auf 80 Jahre zu erhöhen, möglichst selbstbestimmt. Und der Erfolg bestätigt alle Beteiligten: Für den Spätsommer diesen Jahres ist bereits die Fortsetzung geplant – am Baikal!

 

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Inhaltlich darf man den heutigen Eintrag durchaus als Fortsetzung des gestrigen Berichts über den Besuch der beiden Erlebnispädagogik-Professoren aus Nürnberg in Wladimir verstehen. Nur Ort und Zeit stehen dazwischen und der höhere Praxisanteil.

Arina Alstut stehend, 2. v.l.

Seit 2010 gibt es eine von Jürgen Ganzmann, Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, und Leonhard Hirl, Gründer der WAB Kosbach, aus Erlangen sowie Jurij Katz, Gründer der Selbsthilfeorganisation Swet in Wladimir, getragene Zusammenarbeit mit dem von Bernd Schleberger, ehemaliger Leiter der  Oberbrucher Rurtal-Schule, in Pskow zusammen mit der Evangelischen Kirche im Rheinland aufgebauten Netzwerk der Sonderpädagogik. Mehr dazu ist hier zu lesen: https://is.gd/fWg0YT

Bernd Schleberger, 1. Reihe, 3. v.l. und Arina Alstut, 7. v.l.

Nach dem letzten Treffen im April in Pskow nahm nun Arina Alstut, Mitarbeiterin des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, vom 16. bis 21. September an der russisch-deutschen Tagung der „Baikal-Plattform für Sozialarbeit“ zum Thema „Soziale Hilfen und soziale Begleitung im Alter und bei Behinderung“ teil. Ziel der Veranstaltung mit mehr als einhundert Fachleuten war es, die Erfahrungen aus beiden Ländern anhand konkreter Fallbeispiele auszutauschen.

Arina Alstut und Bernd Schleberer, 1. Reihe, 4. u. 3. v.r.

In acht Arbeitsgruppen und bei Besuchen in Kinder- und Altenheimen sowie Einrichtungen für Behinderte näherte man sich dem Thema an, wobei Arina Alstut, im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben zuständig für Fragen der Familie, Bildung und Sozialarbeit, Gelegenheit zu einem Vortrag über ihre Erfahrungen erhielt. Offenbar mit so viel Erfolg, daß sie bereits eine Einladung zur Folgeveranstaltung im November nach Moskau erhielt, wieder gefördert vom Bundesverband Deutscher West-Ostgesellschaften.

Arina Alstut, 1. Reihe, 2. v.l.

Schon eine besondere Auszeichnung für Erlangen und Wladimir als einziges Paar einer deutsch-russischen Städtepartnerschaft bei dem Pilotprojekt „Inititative Pskow“ der Evangelischen Kirche im Rheinland mitwirken zu können!

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Eigentlich würde dieses Jubiläum eine ganz eigene Würdigung verdienen, aber wer Jürgen Ganzmann kennt, weiß, wie wenig ihm an Aufhebens um seine Person liegt. Ihm ging und geht es um die Menschen, in deren Dienst er sich beruflich wie ehrenamtlich stellt. So will es denn auch der Blog heute auch bei der schlichten Bemerkung bewenden lassen, daß der Leiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben heuer sein zwanzigjähriges Jubiläum der Zusammenarbeit mit Wladimir begeht und mit immer neuen Ideen und Impulsen weiterführt, was einmal mit der Kinderpsychiatrie begann und fortgesetzt wurde mit dem 2002 von Bundespräsident Johannes Rau ausgezeichneten Projekt „Lichtblick“, das sich dann mit einem weitverzweigten Austauschprogramm mit hunderten von Hospitationen weiterentwickelte zum „Blauen Himmel“, um schließlich in der Einführung von Erlebnispädagogik und in der inhaltlichen Unterstützung der Selbsthilfegruppe für Eltern mit schwerbehinderten Kindern „Swet“ zu münden, um nur die wichtigsten Stationen zu skizzieren.

Jurij Katz, Arina Alstut und Jürgen Ganzmann

Im Jahr 2010 dann eine wichtige Wegmarke mit der Aufnahme einer Kooperation mit Bernd Schleberger, der von Pskow aus ein Netzwerk für die Behindertenarbeit in russischen Städten und Regionen aufbaute. Siehe hierzu: https://is.gd/gjzjaw. Was sich in den Jahren seither tat, verdient höchste Anerkennung und jede denkbare Auszeichnung, denn mittlerweile ist da eine regelrechte Bewegung entstanden, die bilateral auf der Ebene von Experten und Praktikern die Fragen von Inklusion und barrierefreier Gesellschaft spürbar voranbringen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, resümiert jedenfalls Jürgen Ganzmann das letzte Treffen in Pskow vom 7. bis 11. April unter dem Titel „Entwicklung eines idealen Modells zu ambulanten Betreuungsdiensten für Menschen mit geistiger Behinderung“.

Jürgen Ganzmann, Ajschat Gamsajewa (Machatschkala), Roman Alexandrow und Jurij Katz

Acht Regionen – von Archangelsk bis Machatschkala, von Kaliningrad bis Irkutsk – und – erstmals als trilateraler Partner eine Delegation aus Minsk – trafen sich mit Jürgen Ganzmann und seiner Mitarbeiterin Arina Alstut – die beiden einzigen Fachleute aus Deutschland! – sowie mit Jurij Katz, Gründer von „Swet“, und Roman Alexandrow, Direktor des Jugendzentrums der Stadtverwaltung Wladimir. Nicht von ungefähr in dieser Konstellation, denn die Kooperation Erlangen-Wladimir gilt mittlerweile in diesen Fragen als Blaupause, und die Erfolge der russischen Partnerstadt – vor allem im Bereich „betreutes Wohnen“ – betrachtet man inzwischen landesweit als wegweisend zu einem idealen Modell. Schon entstanden nun nach dem Vorbild von Wladimir auch in Nischnij Nowgorod und Sankt Petersburg erste Projekte mit betreutem Wohnen. Um einander aber noch besser zu verstehen – die Begriffe sind in ihrer Vieldeutigkeit oft schwer zu übertragen – arbeitet man nun an einem Glossar zum Thema, das auch die unterschiedlichen bürokratischen Systeme transparent machen soll. Ermutigend dabei: Die Nichtregierungsorganisationen erfahren durch die örtlichen Behörden zunehmend Unterstützung, was sich auch darin ausdrückt, daß die Delegationen von Vertretern der kommunalen Verwaltungen begleitet wurden. Nur so lassen sich die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention, die ja auch die Russische Föderation unterzeichnete, erreichen. Die föderalen Gesetze sind nämlich – ähnlich wie in Deutschland – das eine, aber die Durchführung nach Kassenlage vor Ort etwas anderes, das sich nur mit dem Ehrenamt ins Werk setzen läßt.

Jürgen Ganzmann und Bernd Schleberger, stellvertretender Vorstand des BDWO und Koordinator des Projekts

Die nächsten Ziele sind nun neben der Einrichtung weiterer Wohnungen mit Betreuung die Organisation von Reisen für Behinderten. Nischnij Nowgorod denkt da an die Route Moskau –  Wladimir – Kasan, und Jurij Katz lädt eine Behindertengruppe aus Erlangen in sein neueröffnetes barrierefreies Haus nach Susdal ein. Noch nicht genug? Natürlich nicht: Im September reist Arina Alstut nach Irkutsk, um in Vertretung des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben zusammen mit 80 russischen Fachleuten Fragen der Betreuung von Behinderten aller Altersstufen zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Eine Einladung, die zeigt, welches Ansehen sich Erlangen auf dem Gebiet erworben hat. Eine Auszeichnung, die Jürgen Ganzmann im zwanzigsten Jahr seines deutsch-russischen Fachaustausches sicher mehr bedeutet als jede Urkunde.

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Der Samstagvormittag gehört im Erlangen-Haus den Kindern. Ebenso erstaunlich wie erfreulich die Weiterentwicklung des pädagogischen Programms. Im August 2017 hatte Anna Lesnjak eine Fortbildung am Goethe-Institut in Moskau gemacht, und schon wenige Wochen später startete sie mit der Zwerglgruppe.

Man merkt es dem Großen Saal im Erlangen-Haus an: Das Unterrichtsmaterial zeigt spielerische Elemente, und die Lehrerin geht denn auch mit spielerischem Ernst ans Werk.

Man merkt es den Kindern an: kein Zwang, keine Unlust. Sie freuen sich auf den Unterricht und sind mit Eifer bei der Sache.

Wer erinnert sich noch, wie diese beiden Maskottchen heißen?

Mit einem Ball bringt Jekaterina Ussojewa alle ins Spiel. Wer ihn zugeworfen bekommt, stellt sich vor und wirft ihn dann weiter. Das ging gestern schwuppdiwupp, denn es waren nur fünf gekommen. Wo denn die andere Hälfte abgeblieben sei, fragt der Gast. „Die feiern noch den 8. Mai und die Butterwoche“, kommt prompt zur Antwort. Auch recht, wenn Festtage als Entschuldigungsgrund genügen.

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Jekaterina Ussojewa

Nachhilfe brauchen die Kleinen aber noch in Sachen Erlangen. Was das für eine Stadt ist, wo sie liegt, was sie mit Wladimir zu schaffen hat, wissen noch nicht alle. Aber, wer weiß, in fünf oder sechs Jahren kommt ja vielleicht schon die eine oder der andere per Schüleraustausch in die deutsche Partnerstadt und erinnert sich dann an diese kleine Einführung.

Peter Steger und die Zwerglgruppe

Während sich dann der Unterricht wieder dem eigentlichen Stoff – den Jahreszeiten und der Rechtschreibung – zuwendet, wartet draußen der tauende Rest des Winters.

Und wo könnte man den schöner erleben als in Susdal, wohin man für gerade einmal 100 Rubel in knapp einer Stunde mit dem Linienbus fahren kann – mit Stehplatz. Eng an eng, denn in Rothenburgs Partnerstadt gibt es etwas zu erleben: das Winteraustreiben, die Butterwoche, die Masleniza, den Höhepunkt des russischen Karnevals.

Von dem bunten Spektakel gibt es hier http://www.facebook.com/peter.steger.5492 mehr zu sehen.

Peter Steger und Sergej Skuratow

Besonders schön aber am Rand des Volksfestes: Freunde wiedersehen, wie den Bildreporter Sergej Skuratow, der die Partnerschaft seit Anfang der 90er Jahre mit seiner Kamera begleitet.

Sergej Sacharow und Peter Steger

Und natürlich Sergej Sacharow, Stadtdirektor von Susdal und bis vor dreieinhalb Jahren Oberbürgermeister von Wladimir, der sich den ganzen Nachmittag Zeit nimmt, um seine Wintermärchenstadt zu zeigen. Aber auch, was ihm besonders am Herzen liegt: das Wohl von behinderten Kindern, deren Zentrum die Stadtverwaltung nach Kräften unterstützt, etwa durch die teilweise Übernahme der Kosten für die Heizung oder des pädagogischen Personals. Ansonsten aber funktioniert die Einrichtung ganz ähnlich wie in Deutschland die Lebenshilfe.

Und dann der Höhepunkt: die Wohnung zum Lebenlernen. Eben erst eröffnet. Heute ziehen die ersten fünf behinderten Jugendlichen für zwei Wochen ein, um hier einzuüben, wie sie für sich selbst sorgen, ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Möglich wurde dies dank dem Engagement der Selbsthilfegruppe Swet, die ja seit ihrer Gründung vor einem Vierteljahrhundert eng mit Erlangen zusammenarbeitet und in Wladimir bereits Wohnungen dieser Art einrichten konnte – mit Unterstützung der fränkischen Freunde. So auch hier: Die Finanzierung des Projekts wurde möglich dank dem Verkauf eines Grundstücks – zwischen Wladimir und Susdal gelegen -, das aus Mitteln des Erzbistums Bamberg angekauft worden war, um dort eine erlebnispädagogische Einrichtung für behinderte Kinder zu schaffen. Dieses Vorhaben wurde dann in Penkino unter dem Namen „Blauer Himmel“ verwirklicht, das Bauland blieb eine Brache und ging an die Organisation Swet, die ihrerseits dort ein kleines Kinderdorf errichten wollte. Als sich auch diese Pläne zerschlugen, fiel die Entscheidung für den Verkauf, und aus dem Erlös konnte nun in Susdal – mitten im Zentrum der Stadt, gegenüber dem Marktplatz, in bester Lage – ein ganzes Haus saniert und behindertengerecht eingerichtet werden.

Guten Morgen

Viele Umwege waren nötig, um an dieses Ziel zu kommen. Aber es hat sich gelohnt, nicht aufzugeben. Jeder Morgen wird daran erinnern. Möge jeder Morgen ein guter Morgen für die jungen Gäste des Hauses werden!

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Besten Dank nochmals für Ihre ausführlichen Informationen über das vielseitige und erfolgreiche Wirken, in besonderer Weise Ihrerseits und anderen Beteiligten, zur Thematik der Behindertenhilfe im Rahmen der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir. Ihre umfassenden, ganzheitlichen Sichtweisen, die Sie ja auch als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter des Landkreises umsetzen, waren beeindruckend und uns Orientierung gebend – das war ja unser Wunsch und Ziel der Informationsfahrt nach Erlangen. Bei dieser Besuchsgelegenheit konnten wir Ihnen und Peter Steger auch vermitteln, wie die Deutsch-Russische Gesellschaft Pforzheim/Enzkreis und ich selbst im beruflichen Bereich (ehemals Jugendamtsleitung kreisfreie Stadt) einige Projekte erfolgreich in Irkutsk (ohne Oblast-Bezug) umsetzen konnten (DRG: z.B. Handwerkerfortbildung, Jugendamt: z.B. Jugendhilfesystem-Transformation Pflegeeltern). Es war interessant und hilfreich zugleich, in wesentlichen Punkten etwaiger Ansatzpunkte für ein Engagement zum Aufbau einer qualifizierten Behindertenhilfe in Irkutsk übereinzustimmen. Sehr angenehm war für uns, von Ihnen und vom Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen zu erfahren, daß in Wladimir Oblast- und Stadtverwaltung auch gemeinsame Kooperationspartner sind und vor allem durch die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit heute eine wesentliche Unterscheidung der formalen Zuständigkeit beider Behörden so gut wie nicht erforderlich ist. Insbesondere spielt es demnach für die städtische Partnerschaft keine Rolle, wenn bei einzelnen Projekten – aus welchen Gründen auch immer – die Region Ansprech- bzw. Kooperationspartner ist. Der wesentliche Grund und die Ausgangsbasis sind dort: die eigentliche Zielgruppe der beabsichtigten Wirkungen sind die betroffenen Behinderten(!). Dies wird für uns nunmehr auch die naheliegende Leitorientierung und Argumentation, um dabei maßgebliche Funktionsträger und sonstige Personen kennenzulernen, die mit entsprechender Kompetenz zu einer kontinuierlichen Zusammenarbeit bereit wären. Für die Reise nach Irkutsk von wenigstens zwei Wochen haben wir uns den Monat Mai 2020 in Aussicht genommen. Bis zum Jahresende 2019 sollte der genaue Reisezeitpunkt abgesprochen werden.

Für die Perspektive unserer Zusammenarbeit darf ich mich sehr bedanken und auch die gleichlautende sehr positive Einschätzung von Jörg Göttlicher mit einbeziehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie im Laufe des Jahres einmal nach Pforzheim kämen, um über Ihre Aktivitäten in Wladimir und Umgebung zu berichten (Rahmen Deutsch-Russische Gesellschaft Pforzheim). Das organisieren wir sehr gerne. Nach Rücksprache mit unserer Vorsitzenden, Katharina Leicht, melde ich mich wieder.

Jörg Göttlicher, Albina Alstut, Manfred Becker und Jürgen Ganzmann

Dieses Zitat aus einem Schreiben von Manfred Becker bezieht sich auf eine Besprechung mit Jürgen Ganzmann am vergangenen Donnerstag im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben mit dem Ziel, Erfahrungen in der Behindertenarbeit in Wladimir und Irkutsk auszutauschen und in Zukunft inhaltlich zusammenzuarbeiten. Der Träger des Verdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik Deutschland baut in den 90er Jahren in der sibirischen Partnerstadt von Pforzheim das erste System von Pflegefamilien auf, das heute landesweit eingeführt ist und erfolgreich – auch in Wladimir – praktiziert wird. Außerdem stiftete er Kindergartenpatenschaften in einer Zeit, als die Kleinen noch meinten, die Altersgenossen im andern Land trügen grüne Haare. Unterstützt von Jörg Göttlicher, promovierter Naturwissenschaftler im Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft, dürfte die Umsetzung dessen, was besprochen wurde, nicht lange auf sich warten lassen, denn Manfred Becker ist ein Mann der Praxis und der Tat, der Ideen möglich macht. Im Gespräch mit einem hochrangigen Politiker in Irkutsk gab er einmal den Tip: „Ein Antragsteller will kein Vielleicht hören, er braucht ein Ja oder ein Nein!“ Nach diesem Prinzip handelt er auch selbst, ebenso wie Jürgen Ganzmann, der im April mit seiner Mitarbeiterin Albina Alstut nach Pskow reist, um dort bei einer Konferenz u.a. die Partner aus Wladimir und Irkutsk zu treffen und zusammenzubringen.

 

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Im Juli 2011 fand in Wladimir die erste deutsch-russische Konferenz zum Thema „Erlebnispädagogik“ statt, eingeführt im Rehabilitationszentrum für Kinder „Blauer Himmel“. Damals schon dabei – Olga Filatowa, Inhaberin des Lehrstuhls für Psychologie an der Universität Wladimir, und ihr Kollege, Werner Michl, einer der Väter dieses Studienfachs und seit einem Jahr emeritierter Professor des Fachs an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg. Ein Jahr später unterzeichneten die beiden einen Rahmenvertrag über einen umfassenden Austausch, in dessen Folge unter anderem Gäste aus Wladimir an den Winteruniversitäten Erlebnistage im Harz und im Bayerischen Wald teilnahmen. Gleichzeitig knüpfte die Universität Wladimir Kontakte im Bereich Erlebnispädagogik in die Schweiz, nach Österreich und in die böhmische Partnerstadt, Ustí nad Labem, das frühere Aussig an der Elbe. Nicht zu vergessen ein wichtiges Projekt, die Übersetzung des Standartwerks von Werner Michl zur Erlebnispädagogik ins Russische durch ein Team aus Wladimir, erschienen in einem Moskauer Verlag und seither als Lehrbuch landesweit verwendet.

Irina Tscherkassowa, Wolfgang Wahl, Olga Filatowa, Michael Helmbrecht, Nikita Kruglow und Denis Gerstein

Gestern nun kam Olga Filatowa, begleitet von ihrer Kollegin, Irina Tscherkassowa, und den beiden Studenten, Nikita Kruglow und Denis Gerstein, mit dem Nachfolger von Werner Michl, Wolfgang Wahl, und dessen Kollegen, Michael Helmbrecht, zusammen, um über eine Wiederaufnahme des Austausches auf allen Ebenen zu sprechen. Durchaus erfolgreich! Schon ist die Rede von der Durchführung einer Sommeruniversität Erlebnistage in Wladimir, spätestens im August 2020, mit einer fünfzehnköpfigen Studentengruppe aus Nürnberg, und davor will man sich auf der Arbeitsebene schon im nächsten Jahr wiedersehen – hier wie dort, und natürlich sind Gäste bei der nächsten Winter- oder Sommeruniversität in Deutschland immer herzlich willkommen. Ein gelungener Neustart also für diese wissenschaftliche Kooperation, von der wir sicher bald mehr erfahren werden.

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