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Archive for the ‘Politik’ Category


Die erste Amtsperiode des Stadtdirektors von Susdal ist abgelaufen. Zeit, nach vier Jahren jemanden für die Nachfolge zu bestimmen – oder den bisherigen Citymanager zu bestätigen. Bei nur drei Gegenstimmen entschied sich nun vorgestern der Stadtrat mehrheitlich (zwölf der 15 Mitglieder des Gremiums waren anwesend) für die Vertragsverlängerung mit Sergej Sacharow. Damit setzte sich der ehemalige Oberbürgermeister von Wladimir – vom März 2011 bis September 2015 und zuvor zehn Jahre lang als Abgeordneter der Regionalduma tätig – gegen eine Herausforderin und einen weiteren Gegenkandidaten durch. Grund genug, sich auch in Rothenburg o.d.T., Susdals Partnerstadt, auf die nächsten vier Jahre der Zusammenarbeit zu freuen.

Sergej Sacharow im Stadtrat von Susdal

Die größte Herausforderung für Sergej Sacharow dürfte nun die Vorbereitung auf das 2024 anstehende tausendjährige Stadtjubiläum darstellen, das Susdal landesweit und durchaus auch international große Aufmerksam verspricht. Dem Blog bleibt, herzlich zu gratulieren und gutes Gelingen zu wünschen.

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Gestern beging man wieder in der ganzen Russischen Föderation den Tag des Gedenkens der Opfer des Terrors und der Willkür. Allein in der Region Wladimir gelten 11.520 Menschen als verfolgt und verhaftet; 1.973 von ihnen stellten die Scharfrichter an die Wand, 7.494 landeten im Gulag und 1.445 wurden in die Verbannung geschickt. Nicht enthalten in diesen Zahlen des Schreckens sind die mehr als 25.000 Angehörigen der sogenannten Kulaken (Großbauern), die ihre Gehöfte an Kolchosen und Sowchosen verloren. Etwa 700 Überlebende jener Zeit zählt man heute noch in der Partnerstadt, in der ganzen Region sollen es gut 3.000 sein. Eine Handvoll kam gestern in Wladimir zusammen, um an die Epoche der Unterdrückung zu erinnern.

Gedenkstunde für die Opfer des Stalinismus

Unterdessen ist, weitgehend unbeachtet von der deutschen Öffentlichkeit, am vergangenen Sonntag Wladimir Bukowskij in Cambridge an einem Herzinfarkt verstorben. Dabei galt der 76jährige Neurophysiologe zusammen mit Alexander Solschenizyn seinerzeit als Symbolfigur der Dissidenten und Gewissenshäftlinge der Sowjetunion. Für seine gegen die herrschende Ideologie gerichteten Ansichten saß der Autor insgesamt zwölf Jahre in verschiedenen Lagern, psychiatrischen Anstalten und Gefängnissen, darunter im Wladimirer Zentral, ab, bevor er 1976 zusammen mit seiner Mutter am Flughafen Zürich gegen Luis Corvalan, den Führer der KP Chiles, ausgetauscht wurde.

Wladimir Bukowskij

1942 in Baschkirien geboren, verwies man den „bösartigen Rowdy, der sich antisowjetisch betätigt“ mit 17 Jahren von der Schule, weil er sich an der Herausgabe einer kritischen Zeitschrift beteiligt hatte. Anfang der 60er Jahre gehörte er zu den Organisatoren von öffentlichen Lesungen verbotener Lyrik am Wladimir-Majakowskij-Denkmal in Moskau, und schon wenig später wurde der widerspenstige Geist drei Mal psychiatrisch zwangsbehandelt und inhaftiert, weil er zensierte Bücher veröffentlichte, eine Demonstration für die Dissidenten Andrej Sinjawskij und Julij Daniel vorbereitete und gegen die Verhaftung von Alexander Ginsburg protestierte.

1971 dann die vierte Verurteilung zu sieben Jahren Haft wegen „antisowjetischer Agitation und Propaganda“. Die ersten eineinhalb Jahre davon verbrachte er im Wladimirer Zentral, wo damals mehr als 80 Dissidenten einsaßen, ein Grund übrigens, warum es bei der Aufnahme der Kontakte zur späteren Partnerstadt in Erlangen und weit darüber hinaus Widerstand von Menschenrechtsgruppen gab. Wladimir Bukowskij wurde später in das berüchtigte Lager Perm-36 im Ural verlegt, bevor man ihn 1974 als „unverbesserlichen Störer der Haftordnung“ nach Wladimir zurückschickte.

Als „Mensch von unerhörter moralischer Statur“ beschrieben ihn jene, die sich für Wladimir Bukowskij einsetzten, als jemanden der „seiner Heimat ergeben und ein Mann mit Seele und geschärftem Gewissen“ sei. Im englischen Exil – während der Haft hatte er mit großer Konsequenz englische Vokabeln repetiert, um dem Stupor zu entgehen – schloß er die Universität von Cambridge ab, schrieb Bücher, betätigte sich politisch, half bei der Organisation einer internationalen antikommunistischen Initiative, kämpfte gegen die Politik von Boris Jelzin wie von Wladimir Putin und wollte sich 2007 sogar für die Präsidentschaftswahlen in Rußland aufstellen lassen, was ihm freilich verweigert wurde. Seine letzten Lebensjahre überschattete nicht nur sein schlechter Gesundheitszustand, sondern auch die Anklage der königlichen Staatsanwaltschaft, Kinderpornographie hergestellt und gespeichert zu haben. Wladimir Bukowskij wehrte sich dagegen mit einem Hungerstreik und mutmaßte, der russische Geheimdienst stecke hinter der Sache. Der Prozeß wurde schließlich wegen Erkrankung des Angeklagten eingestellt. Es gilt also: In dubio pro reo.

Modell des Wladimirer Zentralgefängnisses aus Knetgummi, hergestellt von Wladimir Bukowskij

Bleiben werden seine Schilderungen der Haft im Wladimirer Zentral, dargestellt im „Wind vor dem Eisgang“ aus dem Jahr 1978, in dem sich ein Nachbau des Gefängnisses aus Knetgummi findet. Die Internetplattform Zebra-TV zitiert ausführlich aus diesem Buch von Wladimir Bukowskij. Auszüge davon nun hier in deutscher Sprache im Blog:

Jetzt waren es gerade einmal noch um die 20.000 politische Häftlinge im Land, etwa ebensoviele wie früher in einem Winter in Norilsk ums Leben kamen. Aber im Westen ahnte man bereits, daß deren Schicksal, ihre eigene Zukunft teilweise im Wladimirer Gefängnis entschieden würde. Die westliche Presse begann, uns eine gewisse Aufmerksamkeit zu schenken, sogar in unseren Krieg mit dem Regime einzudringen, aber eben nur grammweise, graduell und zentimeterweit. Man interessierte sich plötzlich für die Menschlichkeit, ob es ein Gefängnis mit menschlichem Antlitz geben könne. Uns kam das sehr gelegen, denn mit dem Gefängnis hatten wir seit langem Bekanntschaft geschlossen, aber das menschliche Antlitz fehlte schmerzlich. Und dann kam es plötzlich vor, daß wir unseren turnusgemäßen Hungerstreik noch gar nicht hatten beenden können, als uns die Wärter schon hinter vorgehaltener Hand Einzelheiten einer Sendung der BBC oder des Senders „Swoboda – Freiheit“ zu just jenem Hungerstreik wissen ließen. Sie hatten sogar ihren Spaß an diesem Ätherkrieg.

1976 saß ich zum Beispiel in Wladimir mit einem 47jährigen armenischen Zahnarzt aus Baku ein. Er hatte Unterschlagungen und Bestechungen in seinem Arbeitsbereich bis ans Zentralkomitee der KPdSU gemeldet, aber nichts ausgerichtet. So kam er mit der Zeit zu der Überzeugung, man vertusche dort in Moskau derartige Fälle. Also schrieb er mehrfach an Leonid Breschnjew und schilderte die Machenschaften der Machthaber in Aserbajdschan. Schlußendlich verhaftete man ihn und verurteilte ihn für antisowjetische Propaganda zu drei Jahren Haft und vier Jahren Lager. Seine Schuld freilich konnte er einfach nicht einsehen. „Wen soll ich denn agitiert haben?“ fragte er vor Gericht. „Etwa Breschnjew?“ – „Wissen Sie“, antwortete man ihm. „Breschnjew hat viele Sekretäre, Mitarbeiter und Referenten. Eben jene haben Sie agitiert.“

In meiner Zelle saßen zwei weitere Häftlinge. Einer von ihnen begann, kaum daß er sich den Schlaf aus den Augen gerieben hatte, Parolen zu rufen: „Schluß mit der bolschewistischen Sklaverei! Freiheit und Amnestie für alle! Unabhängigkeit für den ukrainischen Staat!“ Den ganzen Tag über schrie er wie von Sinnen und ohne Unterlaß. Später erfuhr ich, daß er wegen „ukrainisch-bürgerlichem Nationalismus“ inhaftiert war und 17 Jahre in Wladimir einsaß, wo er irgendwann den Verstand verlor. Er wurde jeden Tag unbarmherzig geschlagen, die Wärter hatten es satt, seine Schreie zu hören. Man schloß die Tür, und sechs Mann warfen sich wie Hunde auf ihn. Am ersten Tag wollte ich noch dazwischengehen, aber ich bekam derart eins übergezogen, daß ich unters Bett flog und mit Mühe wieder hochkam. Ich konnte ihm mit nichts helfen, aber schweigend zuzusehen, wie sie ihn prügelten, hielt ich auch nicht aus.
Da ergeht also an eine übergeordnete Dienststelle neben weiteren Zahlen und Angaben, Berichten und Mitteilungen über den Fortgang des Aufbaus des Kommunismus die Meldung von 75.000 Beschwerden gegen das Wladimirer Gefängnis und gleich gegen die Haftanstalten der gesamten Region im jeweiligen Rechenschaftsperiode. Niemand hat diese Beschwerden je gelesen, aber die Zahl klingt unerhört. Sie bringt gleich die ganze Statistik durcheinander, stört diese oder jene Parameter beim sozialistischen Wettbewerb dieser oder jener Belegschaft, Behörde oder gar Regionalverwaltung. Niemand hat etwas davon: Die ganze Region fällt von den vorderen Plätzen nach hinten, das eine oder andere führende rote Banner, eine Auszeichnung oder ein Pokal werden aberkannt. Die Werktätigen sind unzufrieden, im Regionalkomitee der Partei bricht Panik aus, und in euer Gefängnis schickt man umgehend eine hochrangig besetzte Kommission.

Wladimir Bukowskij

Selbst im Exil blieb Wladimir Bukowskij ein unbequemer Kopf, der nicht nur die Politik in seiner Heimat kritisch verfolgte, sondern auch vor dem überbordenden Bürokratismus der Europäischen Union warnte. Zum Abschluß noch drei Zitate des Verstorbenen:

Die Demokratie ist kein gemütliches Haus, kein schönes Auto, kein Arbeitslosengeld, sondern zuvorderst das Recht zu kämpfen und der Wille zum Kampf.

Rußland ist ein Land der Sklaven. Die Russen hatten nie eine Demokratie und werden nie eine haben. Sie sind nicht geeignet für sie. Man braucht es gar nicht erst versuchen. Anders läuft es nicht mit unserem Volk!

Ich begriff früh, was der Tod ist. Wir wohnten in einer Kommunalka, meine Großmutter, die mir aus Schukowskij und Puschkin vorlas, starb praktisch unter meinen Augen. Ich begriff, daß auch mich das treffen wird. Dabei war ich nicht religiös, ich begriff, daß man da verschwindet. Ich werde nicht daran denken und bedauern, zu kurz gelebt zu haben, wenn ich einmal früher gehen sollte. Deshalb hatte ich auch nie Furcht vor dem Tod.

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Es wird ja immer wieder beklagt, auf der zwischenstaatlichen Ebene mangele es an Dialog. Diese Unzufriedenheit mag mit den vielen Disharmonien im Austausch zwischen Berlin und Moskau zu tun haben. Aber wer genau hinhört, kennt auch die Vielzahl von Foren und Plattformen, wo Russen und Deutsche sich austauschen, auch im Widerstreit und Dissens, aber immer mit dem Willen zur Verständigung. Davon spricht auch Dirk Wiese, seit April vergangenen Jahres, Koordinator für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft, in diesem Mitschnitt seiner Erwiderung auf Kritik seitens der AfD und der Linken an der Rußlandpolitik der Bundesregierung: https://is.gd/9IG7Ad

Harry Scheuenstuhl, Dirk Wiese, Carsten Träger und Peter Steger, gesehen von Franz Rabl

Was Dirk Wiese mit der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir verbindet, ist hier nachzulesen: https://is.gd/Eo7tr2

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Seit dem Zusammenbruch der UdSSR bröckeln Macht und Einfluß der Gewerkschaften. Einst staatlich und ideologisch gelenkte Massenbewegungen, fehlt es heute an Mitgliedern und Durchsetzungskraft. Dem soll nun in der Region Wladimir ein Feiertag zu Ehren der Vertreter der Arbeitnehmerinteressen entgegenwirken, ein Vorhaben, das allerdings im Landtag des Gouvernements, der Duma, durchaus kontrovers diskutiert wurde. Vor allem aus den Reihen der Kommunisten war zu hören, die Gewerkschaften seien viel zu passiv, hätten es versäumt bei der Umstrukturierung von Betrieben in Erscheinung zu treten oder gar etwas gegen Entlassungen zu tun. Ein Abgeordneter merkte sogar an, die Pilotengewerkschaft in Deutschland lasse im Notfall sogar bis zum Stillstand der Lufthansa kommen, wenn sie der Auffassung sei, ihre Ziele noch nicht vollständig erreicht zu haben. Und sogar in China werde keine Entscheidung in einem Betrieb getroffen, ohne die Gewerkschaften einzubeziehen.

Dem arbeitenden Menschen einen würdigen Lebensstandard!

Am Ende stimmten dann doch 24 der 40 Mitglieder für den neuen – nicht arbeitsfreien! – Feiertag der Gewerkschaften, der ab dem nächsten Jahr immer am 15. November begangen werden soll. Das vielfach vorgetragene Argument, so könne es gelingen, dieser gesellschaftspolitisch so wichtigen Organisation wieder zu Aufmerksamkeit und Ansehen zu helfen, überwog schließlich die Skepsis, die sich auch an einer Zahl landesweit ablesen läßt: 1990 zählte der Allrussische Gewerkschaftsverband noch 54 Mio. Mitglieder, heute sind es keine 20 Mio. mehr.

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Gestern abend fand die Eröffnungsveranstaltung der XV. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz im Aachener Krönungssaal mit einer Festrede von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet statt.

Armin Laschet

Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Dr. Michail Schwydkoj, Sonderbeauftragter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Außenministerium der Russischen Föderation, Matthias Platzeck, Ministerpräsident a.D., Vorsitzender des Vorstands, Deutsch-Russisches Forum e.V., Wolfgang Spelthahn, Landrat des Kreises Düren und Sergej Netschajew, Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Russischen Föderation, hielten Grußworte.

Krönungssaal zu Aachen in voller Besetzung

Unter dem Motto „Wege der Verständigung: Partnerschaften als Mittler des Deutsch-Russischen Dialogs“ werden sich heute und morgen mehr als 700 Vertreter von Städten und Gemeinden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Politik und Wirtschaft aus beiden Ländern in sieben Arbeitsgruppen miteinander austauschen.

Elisabeth Preuß und Matthias Platzeck

„Die Konferenz steht in der langen Tradition einer vertrauensvollen städteverbindenden Zusammenarbeit mit Rußland. Sie setzt ein klares Signal für die versöhnende Kraft des Bürgerdialogs in Europas Städten und Gemeinden“, betonte Matthias Platzeck.

Martin Hoffmann, geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums

Die deutsch-russische Städtepartnerkonferenz wird alle zwei Jahre wechselnd in Deutschland und in Russland ausgetragen und vom Deutsch-Russischen Forum e.V., dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften e.V. und der Stiftung West-Östliche Begegnungen in Zusammenarbeit mit der Internationalen Assoziation der Partnerstädte in Moskau durchgeführt.

Im Westen nichts Neues? Durchaus! Hier, im Länderdreieck Deutschland, Belgien und Niederlande, wo Karl der Große sein Reich einte, hier, ganz im Westen der Bundesrepublik, bekannte sich mit Armin Laschet ein westdeutscher Ministerpräsident mit ganzem Herzen zum deutsch-russischen Dialog und erinnerte an den Handelsweg, der schon im Mittelalter von Brügge via Aachen bis nach Nowgorod führte, heute noch immer nachzufahren auf der B1, die sogar das Brandenburger Tor passiert. Hier, wo Winston Churchill schon 1955, ausgezeichnet mit dem Karlspreis, betonte, Europa sei ohne die Sowjetunion und die Russen nicht zu denken und gestalten.

Michelle Müntefering

Da hat es dann schon besonderes Gewicht, wenn Staatsministerin Michelle Müntefering öffentlich überlegt, ob es nicht sinnvoll sei, in ihrem Außenministerium eine Stelle zur Koordination der deutsch-russischen Städtepartnerschaften einzurichten. Denn, bei all dem, was die beiden Staaten derzeit politisch trennt – und die Rednerin wurde da durchaus deutlich -, komme es doch vor allem darauf an, das Verbindende zu stärken.

Chor aus Mytischi

Das kann natürlich nur die Unterstützung der vielen Aktiven in den mittlerweile knapp über einhundert deutsch-russischen Kommunalpartnerschaften – zwei neue Vereinbarungen wurden an dem Abend unterzeichnet – finden und macht Hoffnung auf mehr politische Aufmerksamkeit und Begleitung dieser zivilgesellschaftlichen Verbindungen.

Jewgenij Sacharjewitsch, Elisabeth Preuß, Jekaterina Ragusina und Jewgenia Bykowskaja von der Jugendorganisation Euroklub Wladimir

Und es ist auch ein Versprechen an die Jugend, die in einem eigenen Forum eine ganze Woche lang gemeinsame Projekte erarbeitete und sich unter anderem auch über gemeinsame Aktionen zum Thema Klima- und Umweltschutz einigten, am bisher heißesten Tag des Jahres in Deutschland und vor dem Hintergrund von Fridays for Future fast schon zwingend. Der Euroklub aus Wladimir hatte eigens eine dreiköpfige Delegation nach Aachen und Düren entsandt, die gemeinsam mit einem jungen Mann aus Jena – darauf wird noch zurückzukommen sein – ein eigenes Medienprojekt initiierte.

Kurt Förster, Elisabeth Preuß, Sergej Sacharow und Erwin Bauer

Und es ist ein Auftrag an die Kommunalpolitik, der ja gottlob nicht nur in Erlangen, Rothenburg o.d.T., Susdal und Wladimir ernst genommen wird. Und so folgten denn neben Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Bürgermeister Kurt Fuchs und Erwin Bauer vom Partnerschaftsverein in Rothenburg auch Referentin Alina Wedechina, seit sechs Jahren im Rathaus Wladimir für die Städtepartnerschaft zuständig, und Stadtdirektor Sergej Sacharow aus Susdal, vormals Oberbürgermeister von Wladimir, der Einladung nach Nordrhein-Westfalen.

Alina Wedechina, Jonas Eberlein und Elisabeth Preuß

Schön, wenn man dann auch die Früchte der Partnerschaftsarbeit ernten kann. Jonas Eberlein, 2005 im Rahmen eines musikalischen Austausches des Ohm-Gymnasiums erstmals in Wladimir und später von Moskau aus immer wieder ideenreicher Gast in der Partnerstadt – auch als Teilnehmer am ersten Halbmarathon im Jahr 2017, ist jetzt als Dolmetscher für die Jugenddelegation des Kongresses tätig. Und Sergej Siwajew, in den 90er Jahren stellvertretender Bürgermeister von Wladimir und jetzt Professor für Urbanistik in Moskau, nimmt als Fachmann für kommunale Energiesparmaßnahmen mit einem eigenen Beitrag an der Tagung teil.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Viele bekannte Gesichter also bei der Konferenz, aber auch nicht weniger viel Neues im Westen Deutschlands, im Herzen Europas, wo auch Rußland nun endlich angekommen ist, wo es hingehört seit alter Zeit und heute erst recht.

Mehr Bilder zum gestrigen Abend unter: https://is.gd/Dlyc6c

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Ob in Sachen Bildung oder Internetnutzung, in vielen Bereichen blickt man gern nach Skandinavien. Nun machen die Finnen wieder einmal vor, wie es besser geht. Laut Zebra-TV nämlich hat Suomi in Wladimir ein Büro des weltweit operierenden VFS Global eingerichtet, wo man Visa beantragen kann, leider nur für Finnland. Dies erspart allen, die nach Kerawa, in die finnische Partnerstadt, oder sonstwohin zwischen Helsinki und Utsjoki reisen möchten, die lästige Fahrt nach Moskau, also Zeit und Geld.

Da sollte es doch auch möglich sein, ein Visazentrum in Wladimir zu eröffnen, wo die Sichtvermerke für die Schengen-Staaten beantragt werden können. Wenigstens bis endlich einmal visafreier Verkehr auch zwischen Wladimir und Erlangen eingeführt ist. Immerhin will sich jetzt Dirk Wiese, der Beauftragte der Bundesregierung für die zivilgesellschaftlichen Kontakte mit den Nachfolgestaaten der UdSSR für die Aufhebung des Visumzwangs für Jugendliche einsetzen.

 

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Eine Blitzumfrage in der Redaktion des Blogs ergab: Niemand hat auch nur eine Staffel von „Game of Thrones“ gesehen. Vom Hörensagen weiß man natürlich von der Unzufriedenheit mancher Fans dieser Serie mit dem Ausgang der Saga aus einem fiktiven Mittelalter, aber Hören und Sehen vergehen einem schon, wenn der Verdruß sogar die Partei „Kommunisten Rußlands“ ergreift und diese sogar eine Änderung des Schlusses fordern. Ganz nach dem Motto: Ende nicht gut, alles schlecht. Oder, wie das schon Wilhelm Busch dräute: Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

In Abstimmung mit der Parteispitze in Moskau hat sich nun jedenfalls der Vorsitzende des Regionalverbands der Kommunisten Rußlands in einem Brief an die Produzenten der Serie mit der Bitte gewandt, die letzte Folge wegen „einer nicht durchdachten Linie des Sujets, des Mangels an unerwarteten Wendungen und der stellenweise nicht richtig ausgearbeiteten schauspielerischen Leistung“ noch einmal zu drehen. Mehr noch:

Wir sind entsetzt darüber, wie unter Einsatz von kolossalen finanziellen und menschlichen Ressourcen die Macher der Serie im Wesen die Bitten der Fans ignorierten und den Weg einer trivialen Konzeption und eines Minimalismus von kreativen Ideen einschlugen. Wir meinten, Sie haben das Bild des Königs der Nacht nicht im vollen Umfang offenbart und das Schicksal von Daenerys sowie von John Snow und ihrer Freunde und Gefolgsleute auf nur niedrigem Niveau entwickelt. Nach dem Ausgang der letzten Folge bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit und des Mangels an einem Konzept, an logischen Schlüssen und einer moralischen Komponente. Es fehlt der umfassende und philosophische Blick auf die Helden und Ideen der Serie insgesamt.

Am besten wäre es, so der Verfasser des Schreibens, wenn man bei der geforderten Neuauflage die Kulturabteilung der Kommunistischen Partei der USA einbezöge. Auch erklärt der Brief, warum gerade Kommunisten diese Produktion so gerne sehen, denn hier könne man sehen, wozu monarchische Regimes führen können. Außerdem habe man wohl die aus den „Steuerabgaben einfacher amerikanischer Arbeiter und unterdrückter Neger generierten Mittel wahrscheinlich nicht in der gebührenden Weise verwendet“.

Politische Partei – Kommunisten Rußlands

Im Gespräch mit Zebra TV, das den Brief auch in voller Länge abdruckte, bestätigte Andrej Nikolskij, der Vorsitzende des Regionalverbands der Kommunisten Rußlands, das Schreiben per E-Mail an die Produzenten und Regisseure abgesandt zu haben, nicht als Provokation, wie er betonte, sondern als „politischen Kampf für die Rechte seiner Wähler, unter denen es nicht wenige Anhänger der Show gebe“.

P.S.: Die Partei besteht formal seit 2012 und versteht sich als Alternative zur Kommunistischen Partei, der sie gegenwärtig nicht zutraut, wieder an die Macht zu kommen. Selbst freilich blieben die Kommunisten Rußlands bisher bei allen Wahlen stets deutlich unter der Fünf-Prozent-Marke, sind also weder in der Staatsduma noch in Regionalparlamenten vertreten.

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