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Archive for the ‘Politik’ Category


Der Antrittsbesuch von Susanne Lender-Cassens ging gestern in die Zielgerade mit einem medizinisch-sportlichen Programm, unterwegs zu allen Terminen, ganz wie in Erlangen, mit dem Fahrrad. Und es zeigt sich: Entgegen der hier vorherrschenden Meinung kann man auch auf Wladimirs Straßen abgasfrei vorankommen, sogar recht zügig und ohne ständig fürchten zu müssen, so auf dem schnellsten Weg in die Unfallchirurgie zu gelangen.

Anna Reswowa, Susanne Lender-Cassens, Michail Tjukarkin und Jewgenij Jaskin

Ungläubiges Staunen denn auch in den Augen und Worten des ärztlichen Direktors vom Rot-Kreuz-Krankenhaus, wo alle schweren Fälle landen, als er von Erlangens Bürgermeisterin erfährt, wie sie sich hier fortbewegt, die den umgehend angebotenen Dienstwagen auch noch rundweg mit einem entschiedenen Lächeln ablehnt. Aber es geht hier ja auch um ein ganz anderes Thema, den Austausch von Krankenschwestern, der auf Wunsch des Gastgebers möglichst bald stattfinden soll, denn ohne die Pflege hilft dem Patienten auch die allerbeste Operation und Therapie nicht.

Anna Reswowa, Susanne Lender-Cassens und Maria Kabakowa

Wie gerufen, kommt beim Rundgang durch das Krankenhaus mit seinen 450 Betten, der Besucherin Michail Tjukarkin entgegen, der als erster Wladimirer Arzt – übrigens mit recht guten Deutsch-Kenntnissen – bereits 1989 in Erlangen hospitierte und den Anfang im Medizinaustausch machte. Ein gutes Omen für die Aufnahme von Krankenschwesternkontakten.

Gertrud Härer und Susanne Lender-Cassens beim Radkorso auf der Umgehungsstraße

Wenige Pedaltritte unterhalb des Krankenhauses eröffnete man gestern eine vierspurige Straße – ins einstige Bett des Baches Lybjed hineinasphaltiert -, von der man sich eine wesentliche Verkehrsbelastung für die bisherige Hauptachse durch die Altstadt verspricht. Mit welchem Erfolg, wird sich noch weisen.

Gennadij Stachurlow und Susanne Lender-Cassens

Erfreulich in jedem Fall, daß die Planungen auch noch Radwege entlang der Trasse vorsehen, für etwa 50 Mio. Rubel. Dabei, so buchstäblich die Erfahrung der Radler aus Erlangen, würde eine schlichte Markierung am Straßenrand auch schon ein Mehr an Sicherheit und Komfort bringen. Aber da geht man eben überall seiner eigenen Wege. Auch hier übrigens ein Wiedersehen: Susanne Lender-Cassens und der Wladimirer Fahrradpionier, Gennadij Stachurlow, kennen sich von einem Treffen in Erlangen und hoffen, noch viel gemeinsam für Umwelt und ökologische Verkehrsplanung machen zu können.

Inna Morosowa, Leiterin der Fachschule, Susanne Lender-Cassens, Jelena Owtschinnikowa, Tatjana Sajtschikowa und Olga Antropowa, beide stellv. Leiterinnen der Fachschule

Die Zeremonie freilich dauerte gar zu lange, auf die Bürgermeisterin wartete schon der nächste Termin in der Berufsschule für Pflegekräfte, die bereits in der Planung für einen Austausch mit Jena steht und natürlich auch Erlangen gern im Boot hätte. Überhaupt herrscht hier ein internationales Klima, denn es gibt auch schon Verbindungen zu einer Partnereinrichtung in Illinois. Was soll da dem Austausch noch entgegenstehen!

Interview im Garten des Erlangen-Hauses: Peter Steger und Susanne Lender-Cassens

Ein wenig später und etwa drei Radkilometer weiter geht es dann im Büro von Jelena Owtschinnikowa, der stellvertretenden Leiterin der Regionalen Gesundheitsverwaltung, um ein Herzstück der Partnerschaft, den „Blauen Himmel“. Wegen neuer föderaler Gesetze, die eine unmittelbare Anbindung von Reha-Einrichtungen an die jeweils zuständige Klinik fordern, wurde die Einrichtung in Penkino geschlossen. Man ist dort dabei, ein Sanatorium Senioren einzurichten, angegliedert an die bereits bestehende medizinische Einrichtung für Veteranen. Die Kinder hingegen sollen nach ihrer Behandlung in der Psychiatrie oder ihrem Aufenthalt in einer sozialen Einrichtung in Zukunft zur Rehabilitation und erlebnispädagogischen Nachsorge ein neues Dach, ebenfalls außerhalb Wladimir in naturnaher Lage finden. Auf keinen Fall, so die Medizinerin und ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin, werde man das Projekt „Blauer Himmel“ aufgeben, das könne sie allen versichern, die sich für dieses Gemeinschaftswerk verdient gemacht haben.

Witalij Iwantschuk, Susanne Lender-Cassens und Oleg Medwedjew

Zurück im Garten des Erlangen-Hauses stand noch ein Interview mit der Lokalredaktion des TV-Senders „Rossija 1“ auf dem Programm – mit Fragen zu Zielen und Ergebnissen des Besuchs. Immer wieder erfreulich, wie sehr sich die Medien für die Partnerschaft interessieren und damit den Austausch im Bewußtsein halten.

Schule für Rhythmische Sportgymnastik

Zu diesem Austausch gehört natürlich schon immer auch der Sport, besonders das Turnen, eine Disziplin, mit der Wladimir Weltruhm genießt. Nicht vergleichbar mit Erlangen – Susanne Lender-Cassens weiß das als Sportbürgermeisterin nur zu gut -, aber die Gastgeber, Witalij Iwantschuk und Oleg Medwedjew, ihres Zeichens Leiter der Turnschule und Chef des städtischen Sportamtes, bieten Trainern und deren Schützlingen aus ihrer Partnerstadt Meisterklassen an, auch im Bereich Rhythmische Sportgymnastik, die im Gebäude gleich gegenüber unterrichtet wird. Zumal so ja auch viele neue Freundschaften entstehen könnten. Recht haben sie natürlich

Kunstwerk von Stefan Schnetz im Garten des Erlangen-Hauses

Was bleibt? Vieles, woran angeknüpft werden kann, jede Menge neuer Ideen und Initiativen und noch viel mehr, als sich hier im Blog darstellen läßt. In jedem Fall Impulse, von denen der Austausch schon bald noch vielfältiger und intensiver wird. Ganz im Sinne der Erfinder dieser wunderbaren Freundschaft.

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Auf dem Kathedralenplatz von Wladimir bereitete man sich gestern schon ab der Mittagszeit auf das heutige Laufereignis vor. Vor einer schöneren Kulisse könnten Start und Ziel des Neun-Kilometer-Laufs und des Halbmarathons kaum zu liegen kommen, und dann prangt da ja auch noch das Transparent mit der Aufschrift „Deutsch-Russisches Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“, ausgerufen von den Außenministern Sigmar Gabriel und Sergej Lawrow Ende Juni in Krasnodar, wo Erlangen und Wladimir natürlich nicht fehlen dürfen.

Zu einem Besuch der Partnerstadt gehört – besonders für Neulinge wie Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und den Großteil ihrer Delegation – nach der Tour durch Wladimir ein Abstecher nach Susdal, wo das Wetter sich noch einmal alle Mühe gab, den sommerlichen Dauerregen vergessen zu machen.

Eberesche und Birke, russischer Frühherbst

Das Freilichtmuseum in der Partnerstadt von Rothenburg o.d.T. bietet aber auch den Rückblick in jene längst versunkene Zeit der Bauernkaten und eines Dorflebens  – mit immer wieder überraschend anheimelnden Winkeln und Ecken.

Russische Bauernstube

Und dann all diese unerwartet weiten Panoramen, wenn man sich Susdal nähert, von allen Seiten geschützt durch sich selbst überlassene Wiesen und vom Wind bestellte Felder, dazwischen der träge Lauf der Kamenka mit ihren sumpfigen Uferstreifen.

Susanne Lender-Cassens

Zugänglich erlebt man den 10.000-Seelen-Ort, streckenweise fast schon autofrei und ausgestattet mit der ganzen Infrastruktur für Radfahrer, die sich ihr Gefährt mittlerweile sogar in einigen Hotels leihen können.

Jonas Eberlein, Susanne Lender-Cassens und Gertrud Härer mit Fahrradständer

Aber wozu hier viele Worte verlieren. Wo doch nur die unausgesprochene Stimmung gilt von stillen Farben, singenden Glocken und jenem Himmel, weit und breit, so nur erlebbar hier in Susdal.

Zeit zum Heimflug. Merely this, and nothing more.

Also ruhig ein Moment des Schweigens, dem Andrej Tarkowskij in seinen episch-mythischen Filmen den schwingenden Raum schenkt, in versiegelter Zeit gefangen. Man sehe sich nur „Nostalghia“ oder „Andrej Rubljow“ an, der ja in wichtigen Teilen in Wladimir und Susdal entstand.

Andrej Tarkowskij

Welch ein Glück muß es sein, hier die Geschicke der Menschen lenken zu dürfen, wie Sergej Sacharow, der als Stadtdirektor durchaus eigene Wege beschreitet.

Guten Abend, gute Nacht in Susdal

Etwa indem er Radwege anlegt oder alljährlich im Sommer ein dreitägiges Fahrradfest veranstaltet. Oder indem er immer einmal wieder selbst in die Pedale tritt und den Arbeitsweg von Wladimir, wo er wohnt, nach Susdal hin und retour im Sattel bewältigt – immerhin insgesamt 60 km.

Susanne Lender-Cassens und Sergej Sacharow

Da interessiert er sich natürlich besonders für die Partnerschaftstour von Gertrud Härer, ihre durchschnittlich 100-km-Tagesetappen, ihre Eindrücke von der Strecke, ihr Wunsch nach asphaltierten Randstreifen entlang den russischen Fernstraßen, zumal er selbst auch auf einen Tagesrekord von 300 km verweisen kann.

Gertrud Härer, Sergej Sacharow, Susanne Lender-Cassens und Jonas Eberlein

Und natürlich weiß er sich mit der Kollegin aus Erlangen, Susanne Lender-Cassens, eins: „Wir müssen mehr Menschen aufs Fahrrad bringen, wenn wir unsere Verkehrsprobleme lösen wollen.“ Doch heute geht es – siehe oben – erst einmal ums Laufen, getreu dem Motto: „Keine Gnade für die Wade!“

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„Wladimir empfängt uns mit einem Regenbogen, wunderschön aufgespannt!“ So macht der Blog von Gertrud Härer auf, der sich noch einmal hat reparieren lassen und all die unglaublichen Berichte von der Strecke Erlangen – Wladimir enthält.

Getrud Härer unterm Willkommen-Regenbogen in Wladimir

Am Donnerstagabend zusammen mit Jonas Eberlein, ihrem Begleiter seit Wolokolamsk, eingetroffen, hat sich die Langstreckenradlerin gestern der Delegation von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens angeschlossen und bereitet sich nun auf den Halbmarathon am Sonntag vor. Mit Ruhephasen und nur kleinen Trainingseinheiten, denn das Strampeln über 3.255 km hat sicher keinen Muskelschwund verursacht.

Jonas Eberlein und Gertrud Härer unter den Bögen des Goldenen Tors

Aber vor den Preis setzten die Götter den Schweiß und die russischen Gesetze eine eingehende ärztliche Untersuchung auf Herz und Nieren. Einfach nur auf eigene Verantwortung die Startnummer angeheftet und losgerannt, – das läuft hierzulande nicht.

Joachim Kokott, Susanne Lender-Cassens, Gertrud Härer, Manuel Schmidt, Jonas Eberlein, Fredi Schmidt

Also geht es nüchtern in Sportmedizinische Zentrum von Wladimir, wo die wichtigsten Körperfunktionen in mehreren Durchläufen untersucht, wo gewogen und gemessen und Urin- sowie Blutproben genommen werden. Eine Prozedur, die normalerweise bis zu zwei Tage dauern kann, für die eiligen Gäste aber so getaktet ist, daß nach zwei Stunden die Ergebnisse vorliegen und die Atteste ausgestellt sind. In einem Fall freilich, der Datenschutz gebietet da Stillschweigen, legt der Befund eine weitere Untersuchung zu Hause nahe. Mal sehen, ob das Feld morgen noch weiter ausgedünnt ist, nachdem ja schon John Stackmann seine Teilnahme hat absagen müssen.

Empfang im Rathaus mit Olga Dejewa für die Gäste aus Erlangen: Othmar Wiesenegger, Jonas Eberlein, Fredi und Manuel Schmidt, Susanne Lender-Cassens, Gertrud Härer und Joachim Kokott

Beim Empfang im Rathaus stellt dann Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens vor allem den Sport und die Umwelt in den Mittelpunkt ihrer Wünsche für den weiteren Austausch. Gefragt nach ihren sonstigen politischen und administrativen Aufgaben, entfährt Oberbürgermeisterin Olga Dejewa ein: „Das schafft nur eine Frau!“ Wer wollte da widersprechen…

Marina Ilina, Nadeschda Troschina, Alexej Panfilow, Susanne Lender-Cassens, Jelena Petrowitschewa und Ljubow Naumowa

Zumal dies auch nur Auftakt des Arbeitsprogramms war, gefolgt von einem Gespräch an der Universität mit Vizerektor Alexej Panfilow, der unlängst ja Erlangen – zum wiederholten Male – besucht hatte und alles daransetzen will, die Verbindungen zur Friedrich-Alexander-Universität  auszubauen. Dazu will Nadeschda Troschina in der nächsten Woche Gespräche im Rahmen eines Erasmus-Plus-Programms mit den fränkischen Kollegen führen, dazu plant Marina Ilina, Leiterin des Instituts für Biologie und Ökologie die Intensivierung ihrer Kontakte zum Lehrstuhl für Umweltverfahrenstechnik, dazu hält Julia Obertreis, Inhaberin des Lehrstuhl für Neue und Neueste Geschichte an der FAU, im Oktober einen Vortrag in Wladimir zum Thema „100 Jahre Oktoberrevolution“ dazu erwartet man schon am Sonntag wieder für drei Wochen vier Austauschstudenten vom Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde…

Jonas Eberlein, Susanne Lender-Cassens, Jewgenij Jaskin und Gertrud Härer

Weiter soll es auch im Medizinaustausch gehen. Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses, wünscht sich für eine Gruppe von Pflegekräften eine Hospitation in Erlangen und trifft bei der gelernten Krankenschwester, Susanne Lender-Cassens, damit natürlich auf offene Ohren.

Susanne Lender-Cassens in der Schule Nr. 23 mit Dominik Steger und Robin Bockelmann, zweite Reihe rechts außen

Und dann der Besuch an der Schule Nr. 23, die seit Ende der 90er Jahre einen regelmäßigen Austausch mit dem Emmy-Noether-Gymnasium pflegt und sich immer wieder auch durch Schüler hervortut, die nicht nur über herausragende Sprachkenntnisse verfügen, sondern auch Projekte – etwa zum Thema Kriegsveteranen – über Jahre vorantreiben. Und dann ist da noch die Schülerin, deren Vater in ihrem heutigen Alter zu den ersten gehört hatte, die am Austausch teilnahmen. Nun kommt sie Ende des Monats zum ersten Mal selbst nach Erlangen. Eine Tradition, die sich gerne fortsetzen darf, wenn das Mädchen einmal selbst Mutter geworden. Zu dem Termin dazugestoßen sind übrigens auch noch die beiden Studenten an der Berliner Charité, Robin Bockelmann und Dominik Steger, die gerade ihr Pflegepraktikum in Wladimirer Krankenhäusern abgeschlossen haben.

Susanne Lender-Cassens mit Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale

Fragt man Susanne Lender-Cassens nach ihren Eindrücken vom ersten Wladimir-Besuch, sprudelt ihr die Begeisterung nur so von den Lippen, auch wenn bisher noch keine Zeit war, die Stadt zu erkunden. Aber: „Es ist wirklich unglaublich, was da für ein Beziehungsnetz aufgebaut wurde, was da alles an Austausch möglich ist.“

Susanne Lender-Cassens und der gemischte Chor des Zentrums für Chormusik

Damit da auch kein Stillstand zu befürchten ist, besucht die musikbegeisterte Bürgermeisterin am Abend dann auch noch eine Probe des gemischten Chors am Zentrum für Chormusik. Das Ensemble steht in der Tradition des von Eduard Markin schon in den 70er Jahren ins Leben gerufenen Chors, der aus der Geschichte der Partnerschaft nicht wegzudenken ist. Nun soll versucht werden, für die Gruppe eine Gastspielreise nach Erlangen zu organisieren. Vielleicht, geht es nach Susanne Lender-Cassens, schon 2018, wenn Erlangen und Wladimir ihr 35jähriges Jubiläum feiern.

Susanne Lender-Cassens im Herzen von Wladimir

Am späteren Abend bleibt dann doch bloß, Oberbürgermeisterin Olga Dejewa zuzustimmen: „Das schafft nur eine Frau!“ Eine Sentenz, die natürlich auch für Gertrud Härer gilt.

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Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens ist gestern nach fünfstündiger Stau-Fahrt vom Moskauer Flughafen Domodjedowo mit ihrer Sportdelegation – wohlbehalten, aber leider nicht vollständig – gegen 22.00 Uhr im Erlangen-Haus eingetroffen, gastlich empfangen von Irina Chasowa. Zu Hause geblieben ist mit einer Virusinfektion ausgerechnet John Stackmann, der sich in den letzten Wochen so zielstrebig auf den Halbmarathon in Wladimir vorbereitet hatte. Aber Gesundheit geht vor sportlichem Ehrgeiz. Nun werden also Gertrud Härer, Fredi und Manuel Schmidt mit Peter Steger am Sonntag ohne ihr Zugpferd auf die Strecke gehen müssen.

Susanne Lender-Cassens und ihre Delegation: Joachim Kokott, Manuel und Fredi Schmidt, Othmar Wiesenegger und Irina Chasowa, Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses

Der aufmerksame Betrachter vermißt sicher auch Gertrud Härer auf dem Bild. Keine Sorge! Sie hat gestern planmäßig Wladimir per Fahrrad erreicht, zusammen mit dem Jonas Eberlein, dem Erlanger, der seit einer Woche an ihrer Seite fährt. Nur leider ist Blog https://gertrud.haerer.org „abgeschnitten“, ausgerechnet im Ziel. Nach der Reparatur gibt es dann sicher auch die Bilder zur Ankunft nach mehr als 3.000 km Radreise von Erlangen bis Wladimir. Und bestimmt vieles mehr – auch zu dem, was die Mitglieder der Delegation in den nächsten Tagen in der Partnerstadt so alles erleben werden.

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Ende März hatte sich die erneuerte Leitung des 2007 gegründeten „Rates zur Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung“, der dem Präsidenten des Landes zugeordnet ist, konstituiert. Im Führungsgremium – Sergej Sacharow, von 2011 bis 2015 Oberbürgermeister von Wladimir und seit 2016 Oberstadtdirektor von Susdal.

Sergej Sacharow, vierter v.l.

Bei der Jahresversammlung am 5. August in Kirow schlug der Lokalpolitiker nun Wladimir Putin vor, das Finanzsystem für kleine Städte von historischer Bedeutung dahingehend zu ändern, daß ein größerer Anteil der Steuern auf Einkommen, Besitz und Grund vor Ort verbleibt. Bleibe alles wie bisher, fehle das Geld, um – meist ohne viel Gewerbe oder gar Großbetriebe – all die zusätzlichen Aufgaben von touristisch attraktiven Gemeinden zu erfüllen. Vom Gesamtaufkommen der drei genannten Steuern dürfe Susdal bisher gerade einmal 10% im eigenen Haushalt verwenden, der Rest gehe zu 5% an den Landkreis Susdal und zu 85% an das Gouvernement Wladimir. Laut der Nachrichtenagentur RIA habe das Staatsoberhaupt zunächst gescherzt, wenn man in dem Bereich etwas verändere, werde sich jede Kleinstadt als historisch bedeutend erklären, fügte dann aber doch im Ernst dazu, es lohne über den Vorschlag nachzudenken, zumal „wir nur ein Susdal haben“. Und das „russische Rothenburg“ begeht ja 2024 das tausendjährige Gründungsjubiläum, soll also in all seinem historischen Glanz erstrahlen. Durchaus möglich deshalb, daß der gute Rat aus Susdal Wirkung zeigt.

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Am 30. Juli 1937 begann in der bereits 20 Jahre vorher durch den Roten Terror erschütterten Sowjetunion der Große Terror mit dem Befehl des Innenministeriums unter der Bezeichnung „Über die Repression ehemaliger Kulaken, Krimineller und anderer antisowjetischer Elemente“ eine beispiellose Welle der „Säuberungen“, die bis zu ihrem blutrünstigen Kamm im November 1938 etwa eineinhalb Millionen Menschen in die Straflager spülte, wenn diese nicht – etwa die Hälfte von ihnen betraf das wohl – gleich standrechtlich hingerichtet wurden. Die Unrechtsurteile fällte in der Regel eine Troika – unter Ausschluß der Öffentlichkeit, oft auch in Abwesenheit des Angeklagten, immer aber ohne Anwalt und Rechtsmittel. Dokumentiert sind die Schuldsprüche in „Auszügen aus dem Sitzungsprotokoll der Troika der Leitung des Innenministeriums der UdSSR“, hier ein Beispiel aus der Region Moskau vom 9. Oktober 1937. Zum Tode durch Erschießen verurteilt hat das Dreiergericht an dem Tag den 1883 geborenen Priester, Alexander Orlow, weil er gegen die Sowjetmacht und die Allunionspartei der Bolschewiken agitiert und für den Kirchgang von Kindern geworben habe.

Die letzte Hinrichtung in der Russischen Föderation, Rechtsnachfolgerin der UdSRR, wurde 1996 exekutiert. 1999 dann verhängte das Verfassungsgericht ein Moratorium gegen die Todesstrafe, und zehn Jahre später bestätigten die obersten Richter in Sankt Petersburg, mit der Unterzeichnung des sechsten Protokolls zur Europäischen Menschenrechtskonvention im Jahr 1997 sei die Todesstrafe in Friedenszeiten ausgeschlossen.

Davon will nun offenbar Gennadij Sjuganow, seit 1993 Vorsitzender der Kommunistischen Partei, deren Fraktionsführer in der Duma und bei allen bisherigen Wahlen unterlegener Präsidentschaftskandidat, nicht viel wissen. Bei einem Forum in der Nähe von Wladimir sprach er gegenüber Jugendlichen zunächst von all den Gefahren, denen sich das Land ausgesetzt sehe und auf die man mit Wachsamkeit und Stärke reagieren müsse und beantwortete dann die Frage, ob der Kampf gegen die Korruption nicht vielleicht wie in China durch die Verhängung und Exekutierung der Todesstrafe effektiver zu machen sei, zunächst mit dem Hinweis darauf, man benötige ein ganzes Maßnahmenpaket, um mit diesem Phänomen fertigzuwerden:

Werft mir nicht Blutrünstigkeit vor, aber ich würde das Gesetz über die Todesstrafe nicht abschaffen. Es gibt einige Arten von Verbrechen, für die du verpflichtet bist, mit deinem Leben zu bezahlen. Wenn du dich an jemandem vergangen hast und deinesgleichen vernichtest, Kinder tötest, Frauen und Alte schändest, mußt du wissen, daß du dafür bestraft wirst. Ohne die Möglichkeit, mit dem Leben davonzukommen.

Wir sind gegen die Todesstrafe

Damit nicht genug: Der Großmeister der doch angeblich so fortschrittlich-humanen Ideologie des „neuen Menschen“ fährt just zum 80. Jahrestag des Beginns von Tod und Terror zu behaupten fort, ein Mensch, der für sich ein Leben in der Kriminalität zur Norm erklärt habe, lasse sich moralisch nicht wiederherstellen. Also lebenslang wegsperren oder gleich die Genickschußpistole entsichern? Muß da noch nachgetragen werden, daß ein weiterer Oppositionsführer und Präsidentschaftskandidat auf Lebenszeit, Wladimir Schirinowskij, ebenfalls bei besagtem Forum vertreten, keinen Hehl daraus macht, nicht weniger unmißverständlich für den „kurzen Prozeß“ einzutreten…

Es ist ein gewaltiger zivilisatorischer Fortschritt Rußlands – übrigens gerade auch gegenüber den USA mit ihren wegen der eigenen Justiz bisweilen bigotten Forderungen nach Einhaltung der Menschenrechte -, für den der Präsident des Landes, Wladimir Putin, gegen viele Widerstände votiert. Gleich, wie die Wahlen im nächsten Jahr ausgehen: Sie werden also auch über Leben und Tod entscheiden.

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Nach jedem Gipfeltreffen der deutsch-russischen Partnerstädte stellt sich die Frage, wie es danach weitergeht, welche neuen Ziele man sich setzt. So auch gestern nach dem frühmorgendlichen deutsch-russischen Freundschaftslauf – zunächst für fünf Kilometer ausgeschrieben, dann auf gerade einmal drei Werst verkürzt – eines etwa einhundertköpfigen Teams durch einen der nebeldampfenden Parks von Krasnodar.

Sieg der Partnerschaft: Sergej Siwajew und Peter Steger

Nach der Rückschau auf die Ergebnisse der Arbeitskreise und die Präsentation der Projektvorschläge seitens der ungefähr einhundert Jugendlichen aus beiden Ländern in der Philharmonie, nach der Einladung zur nächsten Austragungsstätte 2019 in Düren, nach der Verabschiedung und dem verdienten Dank an die Organisatoren vor allem vom Deutsch-Russischen Forum und dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO) sowie dem Internationalen Verband der Partnerstädte und der Gastgeber…

Der deutsch-russische Freundschaftslauf

Eine Frage, die zunächst natürlich jedes Partnerschaftspaar für sich zu entscheiden hat, eine Frage aber auch, der sich mehr denn je zuvor gerade auch die hohe Politik annimmt, wie es die nachstehende Vereinbarung der Außenministerien in Berlin und Moskau ganz undiplomatisch klar formuliert:

K 25

Elisabeth Preuß mit Peter Franke, Vorsitzender des BDWO, und Oxana Kogan-Pech, Schriftführerin des BDWO

Nach einem erfolgreichen „Jahr des deutsch-russischen Jugendaustausches 2016/2017“ sollen Austausch, Verständigung und gegenseitiges Vertrauen im deutsch-russischen Verhältnis durch eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit auf kommunaler und regionaler Ebene vertieft werden. Eine besondere Rolle kommt dabei den zahlreichen Partnerschaften zwischen Bundesländern, Regionen, Kreisen, Städten und Gemeinden sowie gesellschaftlichen Vereinigungen, Universitäten und Schulen zu. Diese Verbindungen bilden das Rückgrat aktiver deutsch-russischer Beziehungen. Viele dieser Partnerschaften feiern 2017 und 2018 ihr 25-jähriges Bestehen. Wir wollen diese Partnerschaften stärker in das öffentliche Bewußtsein rücken und die aus ihnen hervorgehende Dynamik nutzen, um für weitere Partnerschaften zwischen Deutschen und Russen zu werben und dadurch Vertrauen wachsen zu lassen. Wir sind überzeugt, die kommunalen und regionalen Partnerschaften stellen eine unverzichtbare tragende Komponente der bilateralen Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern dar.

Präsentation der Jugendprojekte

Wir, der Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation und der Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, stellen daher die Initiative eines „deutsch-russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“, das die Tradition erfolgreicher Kreuzjahre in unseren Ländern weiterführt, unter unsere Schirmherrschaft.

Das „Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“ soll während der Städtepartnerschaftskonferenz vom 28. bis 30. Juni 2017 in Krasnodar eröffnet werden. Es soll eine positive Dynamik des Zusammenwirkens und der Kontakte zwischen den Zivilgesellschaften der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland sicherstellen. Wir hegen den gemeinsamen Wunsch, über die zahlreichen kommunalen und regionalen Partnerschaften die Zahl und Intensität der direkten Kontakte zwischen Russen und Deutschen zu steigern und dadurch den Dialog und das Verständnis zwischen unseren Gesellschaften zu stärken. Gerade in politisch schwierigen Zeiten kommt es auf sichtbare Zeichen der Zusammenarbeit an.

Daher verbinden wir mit dem „deutsch-russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018“ große Erwartungen. Die im Rahmen der kommunalen und regionalen Partnerschaften entstehenden Kontakte und Verbindungen zwischen Menschen aus verschiedenen Bereichen bürgerschaftlichen Engagements bieten eine unschätzbare Zukunftschance für das gutnachbarschaftliche Verhältnis zwischen Deutschen und Russen.

Elisabeth Preuß dankt den freiwilligen Helfern, den jungen Schutzengeln der Veranstaltung

Es ist dies jener „Schatz“, den es zu hüten gilt, von dem Sigmar Gabriel zur Eröffnung der 14. Städtepartnerkonferenz in Krasnodar am Mittwoch so eindringlich gesprochen hatte. Jetzt kommt es darauf an, dieses Talent nicht zu vergraben, sondern es nach Kräften zu mehren. Erlangen und Wladimir wollen das jedenfalls tun, gerade auch angesichts des 2018 bevorstehenden 35jährigen Jubiläums der Bürgerpartnerschaft.

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