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Archive for the ‘Medien’ Category


Mit dem Vertrauen in die Medien ist das überall so eine Sache. In Wladimir wollte man der Sache einmal auf den Grund gehen und befragte 1.100 Personen in der Partnerstadt dazu, inwieweit sie den Informationen im Fernsehen mehr als denen im Internet vertrauen. Und siehe da, 51% der Wladimirer verlassen sich lieber auf die Nachrichten im TV, nur 43% halten die Informationen aus dem Netz für glaubwürdiger. Warum das? Weil im virtuellen Raum zu viel an Meldungen unterwegs sei, um sie alle überprüfen zu können. Außerdem arbeiten, so ein Argument, bei den staatlichen Medien Fachleute, während im Internet jeder seine eigene Wahrheit verbreiten könne. Aber es gibt auch die Meinung:

Ja, im Netz ist viel an Information unterwegs, aber das ist auch ein Vorteil. Man kann selbst wählen und sortieren. Es gibt jede Menge seriöse Plattformen und Seiten, wo man sich rasch mit überprüfter Information versorgen kann.

Die Wladimirer Zahlen entsprechen weitgehend den landesweiten Proportionen, zeigen aber ein etwas höheres Vertrauen gegenüber dem Internet als im Schnitt. So vertrauen laut dem renommierten Lewada-Zentrum 54% der Befragten dem Fernsehen und nur 22% dem Internet, während die Stiftung Öffentliche Meinung zu einem Verhältnis von 35% vs. 20% kommt. Bei aller Differenz der Zahlen bleibt also immer der Abstand zwischen beiden Medien in etwa gleich. Erklärt wird das mit dem Umstand, die ältere Generation schenke den klassischen staatlichen Nachrichten mit ihrer überschaubaren Meinungsfülle traditionell mehr Vertrauen als dem ausdifferenzierten und durchaus unübersichtlichen Angebot des weltweiten Netzes. Eine Frage der Zeit also, wann das Internet auch als Informationsquelle die TV-Kanäle ablösen dürfte. Zumal ja längst alle Sender auch im Internet präsent sind…

Bleibt nur noch, die Vertrauensfrage für den Blog zu stellen.

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Gestern veröffentlichte die Internetplattform provladimir.ru einen Artikel über die internationalen Beziehungen Wladimirs:

Bekanntlich hat Wladimir Partnerstädte. Dabei fallen einem am ehesten das deutsche Erlangen und das tschechische Ustí an der Elbe ein. Tatsächlich aber haben wir an die 30 solcher Kontakte. Wir sind befreundet mit Chinesen, Franzosen, Amerikanern, Finnen, Polen, Bulgaren, Weißrussen… Wenn man wieder einmal von der Unterzeichnung einer weiteren Vereinbarung oder über den Besuch einer ausländischen Delegation liest, kommt einem manchmal die Frage in den Sinn, was das den Wladimirern bringen soll. Wir wollen einmal versuchen, diese Frage zu klären.

Anna Kulikowa, die Autorin des Artikels, der hier in voller Länge einzusehen ist https://is.gd/tvMP2m, gab dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, die Gelegenheit, einige Fragen zur Qualität und Quantität des Austausches mit Erlangen zu beantworten, das „sein eigenes Haus in Wladimir hat“ und weitere neun Partnerschaften sowie drei Freundschaften pflegt. Kenner der Materie dürfte das Ergebnis nicht überraschen. Für beide Städte sind die deutsch-russischen Kontakte mit etwa einhundert Begegnungen pro Jahr die intensivsten, wenn man den Sonderfall Jena einmal beiseite läßt.

Gruppe des Erlangen-Hauses in Bamberg, Juli 2019

Wie wechselhaft die Beziehungen sein können, zeigt die vierzigjährige Verbindung zu Aussig, nach dem in Wladimir eine Straße benannt ist, während das Hotel Vladimir in Ustí heute als Comfort Hotel firmiert. In den 90er Jahren kam der einst florierende Austausch völlig zum Erliegen, erst in jüngster Zeit reisen Delegationen wieder hin und her. Und dann sind da die jüngsten Partnerschaften zum usbekischen Buchara (2017) und bulgarischen Karlovo (2018), die erst noch beweisen müssen, was in ihnen steckt. Das Paar Erlangen-Wladimir braucht sich und anderen nichts mehr beweisen, aber weder hier noch dort wird man wohl darin nachlassen, die Zusammenarbeit immer weiter zu vertiefen und zu erweitern. Vor allem dank der Volksdiplomatie, von der hier im Blog so viel zu berichten ist.

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Eine Blitzumfrage in der Redaktion des Blogs ergab: Niemand hat auch nur eine Staffel von „Game of Thrones“ gesehen. Vom Hörensagen weiß man natürlich von der Unzufriedenheit mancher Fans dieser Serie mit dem Ausgang der Saga aus einem fiktiven Mittelalter, aber Hören und Sehen vergehen einem schon, wenn der Verdruß sogar die Partei „Kommunisten Rußlands“ ergreift und diese sogar eine Änderung des Schlusses fordern. Ganz nach dem Motto: Ende nicht gut, alles schlecht. Oder, wie das schon Wilhelm Busch dräute: Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

In Abstimmung mit der Parteispitze in Moskau hat sich nun jedenfalls der Vorsitzende des Regionalverbands der Kommunisten Rußlands in einem Brief an die Produzenten der Serie mit der Bitte gewandt, die letzte Folge wegen „einer nicht durchdachten Linie des Sujets, des Mangels an unerwarteten Wendungen und der stellenweise nicht richtig ausgearbeiteten schauspielerischen Leistung“ noch einmal zu drehen. Mehr noch:

Wir sind entsetzt darüber, wie unter Einsatz von kolossalen finanziellen und menschlichen Ressourcen die Macher der Serie im Wesen die Bitten der Fans ignorierten und den Weg einer trivialen Konzeption und eines Minimalismus von kreativen Ideen einschlugen. Wir meinten, Sie haben das Bild des Königs der Nacht nicht im vollen Umfang offenbart und das Schicksal von Daenerys sowie von John Snow und ihrer Freunde und Gefolgsleute auf nur niedrigem Niveau entwickelt. Nach dem Ausgang der letzten Folge bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit und des Mangels an einem Konzept, an logischen Schlüssen und einer moralischen Komponente. Es fehlt der umfassende und philosophische Blick auf die Helden und Ideen der Serie insgesamt.

Am besten wäre es, so der Verfasser des Schreibens, wenn man bei der geforderten Neuauflage die Kulturabteilung der Kommunistischen Partei der USA einbezöge. Auch erklärt der Brief, warum gerade Kommunisten diese Produktion so gerne sehen, denn hier könne man sehen, wozu monarchische Regimes führen können. Außerdem habe man wohl die aus den „Steuerabgaben einfacher amerikanischer Arbeiter und unterdrückter Neger generierten Mittel wahrscheinlich nicht in der gebührenden Weise verwendet“.

Politische Partei – Kommunisten Rußlands

Im Gespräch mit Zebra TV, das den Brief auch in voller Länge abdruckte, bestätigte Andrej Nikolskij, der Vorsitzende des Regionalverbands der Kommunisten Rußlands, das Schreiben per E-Mail an die Produzenten und Regisseure abgesandt zu haben, nicht als Provokation, wie er betonte, sondern als „politischen Kampf für die Rechte seiner Wähler, unter denen es nicht wenige Anhänger der Show gebe“.

P.S.: Die Partei besteht formal seit 2012 und versteht sich als Alternative zur Kommunistischen Partei, der sie gegenwärtig nicht zutraut, wieder an die Macht zu kommen. Selbst freilich blieben die Kommunisten Rußlands bisher bei allen Wahlen stets deutlich unter der Fünf-Prozent-Marke, sind also weder in der Staatsduma noch in Regionalparlamenten vertreten.

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Manchen mag es schon aufgefallen sein, dennoch hier der Hinweis. Seit einigen Tagen bietet der Blog einen neuen Service, zu finden ganz oben in der Leiste neben Startseite, About und Datenschutz. In unregelmäßiger Reihenfolge sollen hier Quellen der Wladimirer Medien erscheinen, aus denen die Redaktion schöpft. Alle in russischer Sprache, aber in Zeiten durchaus brauchbarer maschineller Übersetzungen doch mittlerweile für alle erschließbar.

Julia Kusnezowa

Versuchen Sie es: Den Anfang machen die umfangreichen Berichte der beiden Journalistinnen, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa, die das in Erlangen gesammelte Material zu Fragen der Müllbehandlung und des Umgangs mit Haustieren, aber auch die Begegnungen mit ihren deutschen Kollegen, erstaunlich detailliert dem Wladimirer Publikum vorstellen. – Und jetzt auch Ihnen.

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Wer bisher die Berichte im Blog über den Besuch der beiden Journalistinnen, Karina Romanowa und Julia Kusnezowa, begleitet vom Leiter der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung, Wjatscheslaw Kartuchin, verfolgte, könnte meinen, den Gästen ginge es vorrangig um den Austausch mit ihren hiesigen Kollegen von Presse, Rundfunk und Fernsehen. In der Tat stand dieses Ziel auch im Vordergrund, als vor einigen Wochen die Planung begann. Doch dann kam aus Wladimir der Wunsch, doch auch das Thema Müll mit all seinen Facetten ins Arbeitsprogramm zu nehmen. Man wolle erfahren, wie man mit diesem Problem in Erlangen umgehe, da man selbst mit der Abfallflut, die mittlerweile auch aus der Region Moskau hereinschwappe, nicht mehr zurandekomme und nach Auswegen aus der Krise suche.

Karina Romanowa, Julia Kusnezowa, Susanne Lender-Cassens, Wjatscheslaw Kartuchin und Peter Schmidt

„Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“, sagt sich natürlich leichter, als es sich umsetzen läßt. Aber einen Anfang macht man damit immerhin, über den sich Umweltbürgermeisterin Susanne Lender-Cassens bei der Begrüßung des Trios am Montagmorgen natürlich freut. Angesichts der Dringlichkeit der Problematik in der Region Wladimir wird man sich freilich nicht wie in Deutschland weitere vierzig Jahre Anlaufzeit leisten können, die, auf vier Tage aufgeteilt, den Gästen in einem Schnellkurs vorgestellt werden: von den Müllhalden der 70er Jahre bis hin zur Wertstofftrennung, Kompostierung und Verbrennung nach aktuellem Standard.

Wertstoffhof Erlangen

Und so durchlaufen die Besucher denn auch nicht nur in der Theorie, sondern vor allem auch in der Praxis mit Peter Schmidt, zuständig für die Abfallberatung im Umweltamt, die Etappen der Trennung des Mülls in wiederverwertbare Fraktionen – bis hin zu den Resten, die nur noch verbrannt werden können.

Thomas Scharold, Gabriele Totzauer, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Wjatscheslaw Kartuchin

Gabriele Totzauer, Leiterin der Abfallwirtschaft, zeigt die von ihr über vier Jahrzehnte aufgebaute Kompostieranlage und erklärt, wie man mit diesen Verfahren allein schon das Volumen des Hausmülls um ein Drittel reduzieren und mit Erlanger Kompost sogar Geld verdienen kann.

Julia Kusnezowa, Regina Meinardus und Karina Romanowa

Dazu gehört natürlich auch die Umweltbildung, die Zusammenarbeit mit Schulen und Ausbildungsstätten, wo Regina Meinardus Vorträge hält und in die komplexe Materie einführt.

Lena Jakob und Karina Romanowa

Dazu gehören auch Menschen wie Lena Jakob, die nicht nur beruflich für Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften tätig sind, sondern auch privat ihren Beitrag leisten wollen, etwa durch Plastikfasten, den so weit als möglich gehenden Verzicht auf all die überflüssige Verpackung und die Vermeidung von Produkten, die Mikroplastik enthalten, das bisher von keiner Kläranlage der Welt aus dem Wasser gefiltert wird, aber auch in den Boden gelangt – mit noch ungeahnten Folgen für das gesamte Ökosystem.

Karina Romanowa und Julia Kusnezowa mit den Kids for Future

Und – ganz aktuell – eine Begegnung mit jungen Leuten, die nicht mehr warten wollen, bis die Politik in Sachen Klima und Umweltschutz in die Gänge kommt. Die Kids for Future – wenn auch von manchen angefeindet oder verspottet – schafften es ja, heute vor einer Woche rund um den Globus so viele Menschen auf die Straßen zu bringen, daß weder Gesellschaft noch Politik länger weitermachen können wie bisher. Wenn es für uns Erwachsene schon fünf vor zwölf sei, was wird dann die Uhr zeigen, wenn die jungen Leute einmal Eltern werden wollen?

Karina Romanowa, Arnd Externbrink und Julia Kusnezowa

Arnd Externbrink, technischer Betriebsleiter des Müllheizkraftwerks Bamberg, geht die Dinge mit seinem trockenen Humor nüchterner an. Zur Begrüßung sagt er gleich: „Euer Müll aus Erlangen wird gerade verfeuert.“ Die Anlage, längst am Limit angelangt, verbrennt allein vom Abfallzweckverband Erlangen-Höchstadt, der je zur Hälfte Bamberg und Coburg als Partner für die thermische Behandlung seines Restmülls beschickt, etwa 20.000 t, was 15% des Gesamtaufkommens entspricht. Gar nicht vorzustellen, wenn es den über vierzig Jahre immer weiter ausgebauten und modernisierten Komplex nicht gäbe. „Der ganze Dreck von Bamberg, Forchheim, Wunsiedel, Erlangen und Höchstadt würde auf der Kippe oder irgendwo in der Landschaft landen“, meint der Gastgeber.

Julia Kusnezowa

„So etwas brauchen wir unbedingt auch“, meinen die Gäste übereinstimmend. „Es ist an der Zeit, so kann es nicht weitergehen.“ Und sie glauben, mit ihren geplanten Sendungen zum Thema die Bevölkerung und Politik dafür gewinnen zu können, wenn sie vermitteln, wie umweltschonend diese Verfahren sind, wie wenig Schadstoffe dabei noch in die Luft gelangen, wie man sogar Geld verdienen kann mit der Gewinnung von Wärme und Strom aus der Verbrennung von Abfällen.

Karina Romanowa, Nicola-Simone Franz-Haas und Julia Kusnezowa

Schließlich treibt die Journalistinnen aber ein weiteres Thema um, das derzeit in Wladimir für heiße Debatten sorgt: die gehäuften Angriffe von Meuten verwilderter Hunde auf Menschen. Ein Phänomen, das Nicola-Simone Franz-Haas, Amtstierärztin in der Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung, so aus ihrer Praxis nicht kennt. Aber gerade deshalb ist ein Erfahrungsaustausch auch zu diesem Thema von großer Bedeutung. Soll und darf man die Tiere abschießen? Wenn man sie fängt, wie lange kann man sie im Tierheim halten? Darf man sie – wie bisher in Wladimir praktiziert – nach der Kastration wieder freilassen? Wäre es sinnvoll, alle Hunde registrieren zu lassen und gar eine Steuer einzuführen? Eine erste Antwort gibt die Politik in Wladimir bereits: Abschüsse soll es nicht geben, und für die Unterbringung im Tierheim wird man 250 Mio. Rubel einsetzen.

Karina Romanowa, Wjatscheslaw Kartuchin und Julia Kusnezowa

Wenn die Gäste heute wieder die Heimreise antreten, geht damit zwar ein ungemein intensiver Aufenthalt zu Ende, aber der Abschied verspricht noch viele Begegnungen, noch viel Austausch zu den Themen Journalismus und Umwelt. Ein guter, ein sehr guter Anfang ist gemacht.

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„Hier riecht es nach Zeitung“, rief Ella Rogoschanskaja erfreut, als es in den Keller der Nürnberger Nachrichten ging, wo – ein ingenieurtechnisches Meisterwerk – auf engstem Raum die Druckerei liegt, von wo aus die Postkästen und Kioske der ganzen Region beliefert werden. Die seit Jahren in Nürnberg lebende Journalistin aus Wladimir hatte die Gäste am Vormittag durch ihre neue Heimat geführt und sah nun auch zum ersten Mal das Verlagshaus mit allen Bereichen, von den Redaktionsstuben bis zur Auslieferung der Blätter Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung.

Wjatscheslaw Kartuchin, Karina Romanowa, Julia Kusnezowa, Klaus Schrage und Ella Rogoschanskaja

„Eine derart moderne und große Druckerei, noch dazu unter einem Dach mit der Redaktion, haben wir in Wladimir nicht“, bekennt Wjatscheslaw Kartuchin, Leiter der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung, dem Betriebsratsvorsitzenden Klaus Schrage, der sich gestern viel Zeit für die Führung genommen hatte. „Diese Bereiche sind in der Regel getrennt. Dafür haben wir in so gut wie jeder Kreisstadt unserer Region eine eigenständige Lokalzeitung.“ Noch, möchte man hinzufügen, denn auch die russische Medienlandschaft befindet sich im Umbruch, orientiert sich zu Lasten der gedruckten Zeitung immer stärker auf das Internet. Noch aber zeigt sich in der Partnerstadt und im ganzen Gouvernement mit der Größe von ganz Franken und der halben Oberpfalz zusammengenommen ein buntes Bild mit allein in Wladimir vier TV-Stationen, nicht weniger Radiosendern, drei Zeitungen und vielen Internetportalen, unter denen Zebra-TV, immer wieder auch die Referenz für den Blog, herausragt. „Wenn bei uns eine Pressekonferenz angesetzt ist“, beschreibt Julia Kusnezowa vom privaten Fernsehkanal TV6, der zu Ren TV gehört, „dann ist die Hütte voll, während es, wie wir erfahren haben, im Erlanger Rathaus schon einmal vorkommen kann, daß ein Termin platzt, weil kein Journalist kommt. Undenkbar bei uns.“

Julia Kusnezowa und Karina Romanowa

Beide Journalistinnen arbeiten ja beim Fernsehen (s. vorherige Einträge im Blog) und machten ihre ersten Medienerfahrungen mit dem Radio. Beide moderieren, beide haben sich die Liebe zum gesprochenen Wort bewahrt und genießen staunend die technischen Möglichkeiten beim Bayerischen Rundfunk, Studio Franken, kundig-pfundig rundgeführt von Daniel Peter und begrüßt von Thomas Rex, dem Gesicht der allsonntäglichen Frankenschau, der mit seinen drei Reportagen über die Städtepartnerschaft besonders eng mit Wladimir verbunden ist und auch bereits einmal einer russischen Kollegin Gelegenheit zu einem Praktikum gab: https://is.gd/nbCQw3

Thomas Rex, Karina Romanowa, Julia Kusnezowa, Daniel Peter und Wjatscheslaw Kartuchin

„Wenn wir das alles so sehen, würden wir uns auch Rundfunkgebühren wünschen“, meinen die Gäste, „aber das ließe sich gesellschaftspolitisch nicht durchsetzen. Bei allen Vorteilen, die wir hier sehen, etwa die starke Präsenz in den Regionen und die ausgewogene Berichterstattung.“ Vor allem auf letzteres kommt es Julia Kusnezowa und Karina Romanowa an, und so lautet denn auch die Antwort auf eine Frage am Abend im Kollegenkreis, was das schönste Zuschauerlob für sie beide sei: „Die Anerkennung, den Fakten entsprechend und ehrlich berichtet zu haben.“ Dies, Tatsachen und Gewissenhaftigkeit, sei denn auch ihr höchster Anspruch an sich selbst, und: „Die Leute wissen das zu schätzen. Damit und mit Kompetenz verschafft man sich dann auch Ansehen in einem allgemeinen Klima des Mißtrauens gegenüber den Medien.“ Etwas, das die deutschen Kollegen sicher ebenfalls unterschreiben würden.

Ella Schindler, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Klaus Schrage

Im Unterschied zur Podiumsdiskussion im Erlanger Club International am Montag geriet das gestrige Gespräch in der Nürnberger Nordkurve, gemeinsam unterhaltsam moderiert von der eloquent zweisprachigen Ella Schindler und dem noch besser als sonst schon gestimmten Klaus Schrage eher zu einer kammermusikalischen Veranstaltung mit – freilich zu wenig – Zeit für Zwischentöne, für Fragen nach dem journalistischen Arbeitsalltag in Wladimir, für das kollegiale Kennenlernen – und für noch mehr Lust, einander besser zu verstehen.

Wjatscheslaw Kartuchin, Wolfgang Mayer, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa, Ella Schindler und Klaus Schrage

Ein Wort des Dankes fehlt noch. Wolfgang Mayer hatte nach seiner Teilnahme an der Prisma-Reise nach Wladimir im November vergangenen Jahres, die Idee, eine Journalistendelegation aus der Partnerstadt zur Fortsetzung des Dialogs einzuladen. Er hielt sich nun bescheiden im Hintergrund. Aber ohne ihn wären all die Begegnungen nicht zustande gekommen. Wie schade und bedauerlich das wäre, zeigen diese Begegnungstage. Deshalb nochmals danke und спасибо!

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Zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal in Erlangen, zum ersten Mal in der Redaktion der Lokalzeitung in der Partnerstadt. Auf diesen Termin hatten sich die Journalistinnen Karina Romanowa und Julia Kusnezowa nach der Podiumsdiskussion am Montagabend besonders gefreut. Weniger die eigene Arbeit erklären, als vielmehr sich mit Kollegen austauschen und erfahren, was eint und was trennt.

Karina Romanowa, Markus Hörath und Julia Kusnezowa

Schnell wird im Gespräch mit Markus Hörath, Redaktionsleiter der Erlanger Nachrichten, klar, da ist mehr was eint als trennt: der Schwund bei der Printausgabe, die zurückgehenden Werbeeinnahmen, der Kostendruck mit Auswirkungen auf die Personaldecke, die Orientierung auf das Internet. Aber auch ein fairer Umgang mit Politikern ohne Schongang, ein Vertrauensbasis mit der Leserschaft, eine emotionale Bindung an Stadt und Region.

Wjatscheslaw Kartuchin, Elisabeth Preuß, Julia Kusnezowa, Karina Romanowa und Amil Scharifow

Und: Man weiß viel zu wenig voneinander, sollte mehr die Möglichkeiten der Partnerschaften nutzen, um sich auch unter Journalisten besser kennenzulernen und vielleicht sogar das eine oder andere Material zwischen den Redaktionen auszutauschen. Denn, auch darin ist man sich einig, die völkerverbindenden Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir will man auch in Zukunft journalistisch begleiten, gerade auch vor dem Hintergrund der schwierigen geopolitischen Lage.

Julia Kusnezowa, Florian Janik, Karina Romanowa und Wjatscheslaw Kartuchin

Ganz im Sinne von Oberbürgermeister Florian Janik, der dritten Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und von Landrat Alexander Tritthart, die alle mit ihren je eigenen Worten den Wert der Kontakte betonen. Ganz nebenbei können die Gäste beim Besuch des Landratsamtes eine Besonderheit feststellen: Nirgendwo sonst in einem bayerischen Landkreis gibt es zwei deutsch-russische Städtepartnerschaften wie hier, das Paar Höchstadt an der Aisch mit Krasnogorsk und eben die Verbindung Erlangen-Wladimir.

Julia Kusnezowa, Alexander Tritthart und Karina Romanowa

Und noch etwas verbindet, von dem Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen, berichtet. Es werde, so die übereinstimmende Auffassung, hier wie dort, immer schwieriger, komplexe Zusammenhänge und Entscheidungswege – etwa im Fall der Stadt-Umland-Bahn – angemessen zu vermitteln. Durch eine Vermischung von Fakten und Meinungen, besonders in den Sozialen Medien, komme es häufig rasch zu Verdrehungen der Sachverhalte, zu absichtlichen Entstellungen und oft auch zu offener Ablehnung, ohne sich mit dem Wesen der Sache beschäftigt zu haben. Leider wirke dann derlei Meinungsmache oft regelrecht ansteckend und untergrabe das Vertrauen in den Journalismus ebenso wie in Behörden und Institutionen.

Christofer Zwanzig, Julia Kusnezowa und Karina Romanowa

Wichtig ist den beiden aber: „Wir haben uns hier gleich wie zu Hause gefühlt, nicht wie Fremde.“ Und noch etwas freut sie: „In Erlangen scheinen die Politiker für Journalisten so zugänglich und offen zu sein.“ Spürbar schon am freien, unkontrollierten und unangemeldet möglichen Zugang zu Behördengebäuden ohne Wachpersonal. Vielleicht auch daher der Eindruck von Julia Kusnezowa und Karina Romanowa nach gerade einmal drei Tagen in Erlangen: „Es ist, als gingen hier für uns alle Türen von selbst auf.“

 

 

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