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Archive for the ‘Landeskunde’ Category


Offenbar wirken die Maßnahmen zur Senkung des Alkoholkonsums in der Region Wladimir. Es ist immer weniger an dem Klischee dran, zur russischen Gastfreundschaft gehöre Wodka schon zum Frühstück und bis zum Abwinken als Absacker. Nach den jüngsten statistischen Erhebungen liegt das Gouvernement am Goldenen Ring hinsichtlich Nüchternheit landesweit unter allen 85 Subjekten der Republik auf Platz 20 und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um 13 Positionen verbessert. Rechnet man die sieben muslimisch geprägten und ganz vorne platzierten Regionen des Kaukasus oder die Republik Tatarstan heraus, rückt Wladimir sogar noch weiter nach vorne.

Der Studie zugrunde liegen Untersuchungen zur Zahl der dem Alkohol zuzurechnenden Sterbefälle, die Quantität der als alkoholkrank gemeldeten Menschen; die im Zustand der Trunkenheit begangenen Straftaten; der Pro-Kopf-Verbrauch an alkoholischen Getränken; die Wirkung von behördlichen Maßnahmen gegen Alkoholmißbrauch. Letztere wurden offenbar nicht vergebens ergriffen: Seit etwa zehn Jahren darf zwischen 23.00 Uhr und 7.00 Uhr kein alkoholhaltiges Getränk über die Ladentheke (viele Geschäfte haben rund um die Uhr geöffnet) gehen und nur noch in Gaststätten ausgeschenkt werden; Orte, wo Alkoholika verkauft werden, müssen einen Mindestabstand von 25 Metern zu öffentlichen Einrichtungen einhalten; seit Anfang 2014 sind sogar Bier und Wein nur noch bis 23.00 Uhr im Geschäft erhältlich; am 8. Juli, dem „Tag der Familie, Liebe und Treue“ sowie am 1. September, dem „Tag des Wissens“ und Schulbeginns herrscht Prohibition; streng hält man es mit dem Verbot, Alkohol an Minderjährige abzugeben; dem übergroßen Durst wirken aber sicher auch die zwischen zehn und zwanzig Prozent gestaffelt steigenden Preise entgegen.

Wider die Trunksucht!

Bevor jetzt aber die Freunde eines guten Tropfens ganz der Trübsal anheimfallen noch ein tröstender Witz aus dem unerschöpflich reichen Reservoir des russischen Volksmundes:

Nicht auszustehen die Leute, die behaupten, das Leben lasse sich auch ohne zu trinken genießen. Klar, man kann ja auch ohne Sportschuhe laufen. Aber man rennt nun einmal besser und schneller mit als ohne…

Alkohol 3

Vorsitzender des Dorfsowjets – „Genosse Vorsitzender, da ist das Landratsamt dran… Die sagen, wir brennen unseren Wodka selbst.“ – „Aber den holen wir uns doch im Nachbarkreis!“

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Am 18. November feiert nach irdischer Zeitrechnung Väterchen Frost Geburtstag. Für den slawischen Vetter des hl. Nikolaus eine erste Gelegenheit, sich in den vorwinterlichen Städten und Dörfern umzusehen, mit den Kindern zu sprechen, sich umzuhören auf Gottes schönster aller Welten. Der Weg führte den ehrwürdigen Herrn natürlich auch in das adventlich gestimmte Wladimir, wo man ihm einen festlichen Empfang bereitete und einen Briefkasten, von Meisterhand aus Holz gefertigt, aufstellte, in den die Kinder ihre Glückwünsche steckten, die noch am gleichen Tag nach Welikij Ustjug expediert wurden, wo Väterchen Frost residiert und aus allen Zusendungen die schönste auswählt, um den Absender dann zum Neujahr mit einem himmlischen Preis auszuzeichnen.

In der Fürstenstadt an der Kljasma aber blieb der kunstvolle Briefkasten stehen, damit die Kinder dort auch ihre Post mit dem Betreff „Wünsche an Väterchen Frost“ einwerfen können, bis in der finstren Nacht des 24. November eine wahre Untat geschah: Unbekannte Wüteriche trieben ihr schändliches Unwesen, brachen die Holzbox auf und veranstalteten mit den Kinderbriefen eine üble Schnitzeljagd, deren Spuren am nächsten Morgen zu beklagen waren.

Dieser himmelschreiende Frevel blieb natürlich im Jenseits nicht unbemerkt. Erzengel Michael, der stets wachsame Schutzpatron der Polizei, schlug denn auch umgehend Alarm und machte Sankt Nikolaus, der schon mitten in den Vorbereitungen auf seine Erdenfahrt steckte, Meldung von dem unerhörten Vorfall im Land der Reußen. Noch bevor von dort der offizielle Antrag auf Amtshilfe eintraf, beratschlagte sich der Bischof ohne Verzug mit dem Christkind, das gerade aus einem Alptraum aufgewacht war. Verdächtige Gestalten, ein rechtes Gelichter, Spießgesellen der dunklen Mächte hatten sich da lärmend durch seinen Schlaf getrieben und allerlei Allotria veranstaltet, aus Gesangbüchern Seiten herausgerissen, um daraus mit ungeschickten Händen Papierflieger zu falten, mit Weihwasser verdorrte Brennesseln gegossen oder Meßgewänder als Untersatz zu mißbrauchen, mit dem man trockenen Hinterns verschneite Hügel hinabrutschen konnte. Und dann auch das noch: das Briefgeheimnis auf so niederträchtige Weise gebrochen.

Inzwischen war aber schon Augustinus mit einem kleinen Trupp Schriftgelehrter, eskortiert von einer umsichtigen Engelschar, hinabgefahren auf die im Osten noch dunkle Erde. Der Kirchenvater hatte ja seit seiner göttlichen Weisung „tolle et lege“ eine besondere Expertise bei der treffsicheren Lektüre heiliger Schriften bewiesen und erschien den himmlischen Mächten als der richtige Mann, um das Unrecht – „mies und fies“ hatte es Sankt Nikolaus in seiner ersten Aufwallung nur allzu gerechten Zorns genannt – wiedergutzumachen.

In der Tat gelang es dem Gottesmann noch vor Anbruch des Tages, aus den Spuren der Verwüstung herauszulesen, was die Kinder sich so alles wünschten. Mehr noch, der Blog erhielt soeben sogar das Imprimatur für Auszüge aus diesen Briefen, freilich ohne Angabe der Absender. Sätze sind da zu lesen wie: „Immer erfüllst Du die Wünsche anderer, deshalb schicke ich Dir nur ein Bild von mir, damit Du mich auch bestimmt findest.“ – „Was Du mir bringst, ist mir eigentlich egal, Hauptsache – Du kommst!“ – „Ich war leider nicht immer brav in diesem Jahr, aber meine Mama lobt mich immer schon, wenn ich es wenigstens versuche. Ob das für ein Geschenk reicht?“ – „Mein Papa ist bei der Post. Er sagt, mein Brief kommt unfrankiert nicht an. Aber er weiß auch nicht, welche Marke richtig ist. Ich schicke Dir den Brief jetzt per Nachnahme. Wenn Du kommst, gibt Dir Papa die Gebühr zurück.“ – „So viel, wie ich mir wünsche, kann Dein Schlitten gar nicht tragen.“ – „Ich wünsche mir ein Fahrrad, das nie einen Platten kriegt.“ – „Mach bitte meinen Opa wieder gesund im Kopf. Er legt immer wieder sein Gebiß in meine Lieblingstasse, wenn er ins Bett geht. Ich mag ihn sehr, aber das ist pfui und eklig.“ – „Ich wünsche mir, was Du mir bringst!“ – „Mein kleiner Bruder ist krank. Ich habe gehört, wie der Doktor gesagt hat, er lebt vielleicht nicht mehr bis Weihnachten. Kannst Du nicht gleich das Christkind mitbringen?“

Wir wissen nun zwar nicht, welche Buße dereinst den Finsterlingen auferlegt wird, die in jener Nacht den lichten Zauber zu brechen versuchten, aber zuverlässige Quellen sichern uns zu, daß heute Sankt Nikolaus nach getaner Arbeit in seinem weströmischen Herrschaftsbereich auch noch einen Abstecher zu den Kindern in Wladimir plant, deren Briefe keine menschliche Niedertracht daran hindern kann, in den Himmel aufzusteigen, wo sich bestimmt auch noch Väterchen Frost mit dem Bischof zu einem Geburtstagsfestschmaus trifft.

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Der Besucher aus Wladimir, der unlängst meinte, es gebe eine Reihe von Wörtern, die man nicht in Fremdsprachen übersetzen könne, hat wohl recht. Zum Beweis seiner These führte er den Begriff „подстаканник“ an, der sich etwas umständlich mit „Glasuntersetzer“ verdeutschen ließe. Aber versteht man so, was der Gegenstand darstellt? Wohl kaum. „Wikipedia“ transliteriert denn auch einfach aus dem kyrillischen ins lateinische Alphabet und schafft in der Not mit „Podstakannik“ einen Terminus technicus, vergleichbar mit „Perestrojka“.

Gleichviel, wer schon einmal mit der russischen Eisenbahn durchs weite Land gefahren ist, kennt diese Glashalter aus einer Nickel-Kupfer-Zink-Legierung, in der Erste-Klasse-Ausführung auch versilbert oder vergoldet, die nicht nur ein sicheres Abstellen des obligatorisch gereichten Tees ermöglichen, sondern auch die Finger vor Verbrennungen der unterschiedlichsten Grade bewahren. Hergestellt werden diese ornamental-praktischen Utensilien in der Region Wladimir, in Koltschugino, etwa 80 km nordwestlich von der Partnerstadt gelegen und in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts vom Moskauer Kaufmann, Alexander Koltschugin, als Siedlung für die Arbeiter seiner Haushaltswarenwerke gegründet.

An diese Tradition knüpft nun etwa die Firma „Koltschugmelchior“ an, die ein breites Angebot dieser nützlichen Kunstwerke im Sortiment führt. Freilich hat auch hier längst die Hochtechnologie Einzug gehalten, die Verzierungen graviert heute der Laser, nicht Menschenhand. Und zum Einkaufen braucht man nicht unbedingt über Land zu fahren, es genügen ein paar Klicks hier auf dieser Seite:  http://kolchugino-melhior.ru/podstakanniki, der freilich noch ein englisches Menu fehlt, ebenso wie ein eigenes Wort, denn auch in der Weltsprache gibt „Wikipedia“ den „подстаканник“ mit „Podstakannik“ wieder. Wie gesagt, der Besucher aus Wladimir hat wohl recht.

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Sich zu lieben, heißt nicht automatisch, auch zu heiraten. Zumindest spielt das Thema Heirat bei vielen jungen Menschen in Deutschland  nicht immer eine große Rolle. In Rußland scheint das anders zu sein. Wie beschrieb es bereits Lew Tolstoj? „Das einzige, was die Ehe heiligen kann, ist Liebe. Und die einzig echte Ehe ist die, die von Liebe geheiligt ist.“

In der Tat fällt bei einem Rußlandbesuch auf, daß vor allem viele junge Menschen sich für den Bund der Ehe entscheiden. Für die meisten gilt dies nach wie vor als die ideale Form des Zusammenlebens. Ganz anders als in Deutschland treten Frauen oft schon im Alter von 23 Jahren vor den Traualtar. Der russische Bräutigam ist durchschnittlich 27 Jahre alt. Dabei wird besonders in den Sommermonaten gerne Hochzeit gefeiert. Doch daß eine russische Hochzeitsfeier immer eine besonders große Feier ist, scheint ein Klischee zu sein. Vielmehr feiert jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Schulden dafür möchten die meisten nicht aufnehmen.

War es früher für die meisten Brautpaare sehr wichtig, sich in einer orthodoxen Kirche trauen zu lassen, genügt für viele heute das Standesamt. Großer Wert wird hingegen darauf gelegt, bei der anschließenden Hochzeitsfeier die Familie sowie die engsten Freunde dabei zu haben. Das Tragen eines schönen Brautkleides gehört zu einer Hochzeit immer noch dazu. Doch nicht unbedingt ein weißes. Hochzeitsbräuche wie die Entführung der Braut spielen bei den jungen Russen heute keine große Rolle mehr. Das Werfen des Blumenstraußes hingegen ist immer noch eine beliebte Tradition. Und so erfährt man auch heute noch bei jeder Hochzeitsfeier, wer sich als nächstes traut: Die Glückliche, die den Strauß fängt!

Wirft man einen Blick auf das typische russische Eheleben, fällt auf, daß nach wie vor die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau eine sehr traditionelle ist. Der Ehemann sieht es als seine Aufgabe, das Geld zu verdienen. Die Ehefrau ist für den Haushalt und die Erziehung des Kindes zuständig.

Michael Schaab

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Kommunalka lädt alle herzlich ein,  am Donnerstag, den 13. Juli, zusammen das in Rußland und Polen, in der Ukraine und in Weißrußland verbreitete Sommerfest „Iwan Kupala“ zu feiern! Treffpunkt ist um 20.00 Uhr der Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte in der Bismarckstraße 12. Von da aus geht es dann ins Grüne.

In dieser Nacht erblüht der Farn…

Bis heute ist die slawische Mittsommernacht ein beliebtes Fest mit heidnischen Wurzeln, traditionell am 7. Juli gefeiert.

Als Sonnwendfest, das den Übergang zwischen Blüte und Reife der Natur markiert, verbindet man Iwan Kupala traditionell mit verschiedenen Bräuchen und Übergangsriten. Die Nacht vor dem Geburtstag von Johannes dem Täufer (Iwan Kupala) ist eine Zeit, in der die Tore der Anderswelt weit geöffnet sind; Feen, Geister, Magier, Hexen und Teufel treiben ihr Unwesen, prophetische Träume, Blumenorakel und Wahrsagerei sind besonders mächtig, und unermeßlicher Reichtum winkt demjenigen, der die sagenumwobene  Farnblume findet.

Der Sprung über das Feuer

Doch warnt uns der ukranisch-russische Autor Nikolai Gogol: So mancher Schatz ist ein verheerender Fluch…

Feuertaufe

Natürlich möchte Kommunalka einen derart mystischen  Abend gebührend mit möglichst vielen Gästen feiern! (Wenn auch etwas verspätet…)

Schwimmende Kränze

Einstimmend gibt es eine Lesung von Ausschnitten aus Nikolaj Gogols Novelle „Der Abend von Iwan Kupala“, dessen Erzählung übrigens von Modest Mussorgskij in der „Nacht auf dem Kahlen Berge“ vertont wurde, sowie einen Blumenkranz-Workshop und vieles mehr. Siehe auch: fb.me/KommunalkaFAU

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Der heutige Nationalfeiertag, zu dem hier nähere Angaben zu finden sind: https://is.gd/0K0ixh, bietet Gelegenheit einmal über die Namensgebung nachzudenken. Rußland hieß nämlich nicht immer Rußland. Vielmehr gab es die unterschiedlichsten Bezeichnungen, unter denen das Kontinentalreich auf den Landkarten der Welt auftauchte. Eine Auswahl davon wollen wir uns heute ansehen:

Ich liebe dich, Rußland, meine liebe Rus!

  1. Hyperborea, das von den alten Griechen ganz in den hohen Norden, in die Gegend um das heutige Murmansk oder Archangelsk verlegte Land der Mythen, wo laut Diodor von Sizilien Günstlinge Apolls lebten, so erfüllt vom Glück und Wohlergehen, daß die Menschen den Tod als Erlösung vom Überfluß des Lebens erfahren und sich selbst ins Meer stürzen müssen, weil sie sonst nie sterben würden.
  2. Sarmatien, ein Reich, das sich vom Schwarzen Meer bis zum Ural erstreckte, nach Ansicht einiger Geschichtsschreiber besiedelt von Abkömmlingen der Hyperboräer, die den Skythen die Macht entrissen hatten. Viele Geschlechter der polnischen Szlachta führen ihren adligen Stammbaum auf die Sarmaten zurück, und der erste russische Universalgelehrte, Michail Lomonosow, nach dem die Moskauer Universität benannt ist, meinte sogar, die russische Staatlichkeit gehe auf dieses Reich zwischen Weichsel und Wolga zurück. Tatsächlich gelten unter Sprachforschern und Ethnologen die Osseten im Nordkaukasus, der heute zur Russischen Föderation gehört, als direkte Nachfahren der Alanen, eines Stammes der Sarmaten.
  3. Tartarien nannte man im Mittelalter – bis ins 14. Jahrhundert – Zentraleurasien vom Dnjepr im Westen bis zum Japanischen Meer im Osten, eine Bezeichnung, die weniger mit den Tataren zu tun haben dürfte, als vielmehr mit dem Tartarus zu tun hat, mit jenem Abgrund des Hades, in dem Chronos und die anderen Titanen hausen. Lokalisiert hatten die Unterwelt just in den russischen Landen Astrologen, nach deren Berechnungen dieses Gebiet vom Planeten Saturn beherrscht werde – mit allen meist unerfreulichen Folgen. Nostradamus allerdings hatte den Untertanen Saturns prophezeit, sie erwarte am Ende das Goldene Zeitalter.
  4. Gardarike nennen die altnordischen Sagas aus Island das Land, das später als Kiewer Rus bekannt wurde. Sprachgeschichtlich ein hochinteressanter Name, bedeutet der Begriff doch so viel wie „Reich der Städte“, wobei „Städte“ immer als umfriedete Orte verstanden wurden. Aus dem indogermanischen „gard“ entwickelten sich schließlich u.a. das deutsche „Garten“ und das slawische „grad“ und „gorod“, die für „Burg“ und „Stadt“ stehen.
  5. Groß-Schweden: Der isländische Skalde Snorri Sturluson prägte Anfang des 13. Jahrhunderts diesen Begriff für die Landmasse zwischen dem Schwarzen und dem Weißen Meer, wo der Sagendichter viele verschiedene Völker und Sprachen, aber auch Riesen und Zwerge sowie blaue Menschen vermutete. Vielleicht einen Mann wie Nikolaj Stawrogin aus den „Dämonen“ von Fjodor Dostojewskij, die wohl rätselhafteste Figur der russischen Literatur, die behauptete, im Land der Geysire gewesen zu sein?
  6. As-Slawia tauften die arabischen Geographen Al Farsi und Ibn Hauqal im 10. Jahrhundert das heutige Rußland und bezogen sich damit ganz auf das slawische Element. Die Hauptstadt des Reiches versetzten sie nach Salau, nahe dem legendären Slowensk, das man heute mit Nowgorod gleichsetzt. Weitere arabische Bezeichnungen lauteten Artanien und Kujawa, wohl bezogen auf die Regionen um Rjasan und Kiew.
  7. Moskowien, ab dem 14. Jahrhundert in Westeuropa gebräuchlich als inoffizielle Bezeichung des Landes der Großfürsten von Moskau. Dabei führen einige Historiker den Begriff auf Meschech, einen Enkel von Noah, zurück, der dank allerlei Lautumwandlung zum Urvater der Moskowiter geworden sein soll. Auch wenn diese Theorie in der „Synopsis oder kurzen Beschreibung des Anfangs des russischen Volkes“ vertreten wird, die 1674 im Kiewer Höhlenkloster entstand, darf man diese Herleitung getrost zum Schatz der Apokryphen zählen.

Als gesichert darf aber gelten, daß sich Ruthenien oder Reußen, wie das Zarenreich auch genannt wurde, von einem altgermanischen Wort für „Ruderer“ herleitet. Nicht von ungefähr, denn diese auch Waräger genannten Nordmänner in Ruderbooten waren es, die auf Bitten der uneinigen Slawen – hierzu die Nestorchronik: „Unser Land ist groß und reich, doch es ist keine Ordnung in ihm; so kommt über uns herrschen und gebieten.“ – ihr Fürstengeschlecht der Rurikiden begründeten, das erst mit Iwan dem Schrecklichen erlosch und von den Romanows abgelöst wurde.

Die Zeiten, wo die Kiewer Rus nach Fremdherrschaft rief, sind vorüber. Die Russische Föderation hat in ihrer mehr als tausendjährigen Geschichte viel an Einmischung von außen erleben müssen – und überstanden. Nun feiert sie ihre Unabhängigkeit, ihre Verfassung, sich selbst – und dazu unser aller Glückwunsch!

Hier noch eine kleine Lektüreempfehlung eines Rußlandbegeisterten: https://is.gd/Kad3s4

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Auch in der russischen Sagenwelt gibt es natürlich übernatürliche Wesen wie den Drachen. So hat etwa der Recke Dobrynja Nikititsch sogar den Kampf gegen einen dreiköpfigen Lindwurm aufgenommen – und für sich entschieden.

In Wladimir fühlten sich wohl gestern viele in die gruseligen Märchenstunden ihrer Kindheit zurückversetzt, denn an der Hauptstraße, unmittelbar vor einem stets gut frequentierten Schnellrestaurant, erhob ein aufgeblasenes Monster seine drei zackenbewehrte Häupter und lud kleine Gäste gegen einen Obolus von 150 Rubeln für eine Viertelstunde auf eine Rutschpartie ein.

Doch dem Spuk wurde rasch ein unblutiges Ende bereitet. Auf der Grundlage einer Bestimmung des Gouverneurs aus dem Jahr 2010 nämlich ist es nicht erlaubt, mit zeitlich befristet oder gar dauerhaft aufgestellten Objekten den Gesamteindruck der Altstadt mit ihren historischen Bauten und Kathedralen zu stören.

Der Schausteller zeigte sich wohl einsichtig und kam der Aufforderung der Behörden umgehend nach. Nur wenige Stunden nach der Inbetriebnahme der Attraktion war buchstäblich die Luft schon wieder raus. Es bleiben die Bilder – hier von Zebra-TV – in den Sozialen Medien, amüsante Kommentare und Berichte von einem Kampf, der entschieden war, bevor er überhaupt begonnen hatte, friedlich, ohne Einsatz des Schwertes, mit nur einem Federstrich. Für alle Fälle gut zu wissen: Siegfried der Drachentöter hat nicht minder unerschrockene russische Kollegen, die sich zu helfen wissen.

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