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Archive for the ‘Landeskunde’ Category


Die russische Tiefebene in der auch Wladimir auf seinem Hügel über der Kljasma liegt, ist nicht eben bekannt für ihre Erhebungen. Flach geht es da zu, so weit das Auge reicht. Das höchste der Gefühle sind da schon die Erdwellen zwischen der Partnerstadt und Susdal. Aber bergiges Gelände oder gar alpine Felsen? Fehlanzeige.

Sollte man zumindest meinen, bis man in den Landkreis Sudogda kommt, von wo aus dem Einzugsbereich des gleichnamigen Flusses ein großer Teil des Trinkwassers für Wladimir kommt. Hier nämlich, etwa 40 km südöstlich der Gouvernementshauptstadt findet man tatsächlich Berge oder zumindest Steilhänge.

Einer Überlieferung nach soll hier einst ein Räuberdorf gestanden haben, dessen Bewohner – zumindest deren männlicher Anteil – als ausgesprochen grausam galt. Auch gegen die eigenen Leute, sprich die Frauen und Kinder. Diese nun nutzen laut Sage einen Beutezug ihrer Männer und Väter, um sich aus dem Staub zu machen. Nach ihrer Rückkehr fanden die Herren den Ort verlassen vor und machten sich stante pede auf, um den Entflohenen nachzujagen. Freilich vergeblich, was die Räuber nur noch wütiger machte.

Mit der Zeit verschwand die Siedlung, doch der Ort behielt seinen schlechten Ruf und wurde Djukino genannt, was frei mit „Wildhausen“ wiedergegeben werden kann.

Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts begann man hier mit dem Abbau von Kalk; später verfiel der Steinbruch. Erst Anfang der 90er entdeckte man dann, was sich hier für ein einzigartiges Biotop entwickelt hatte, und man richtete ein Landschaftsschutzgebiet ein, wo zum Beispiel der seltene Frauenschuh blüht.

Die Steilwände gelten als weit und breit die einzigen und werden deshalb gern von Kletterern besucht. Es muß ja nicht immer der Kaukasus sein, wenn man Sudogda vor der Haustüre hat.

Zusammengestellt nach Material von Anna Trufakina

 

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Nach der gestrigen Videokonferenz des Staatspräsidenten mit den Gouverneuren des Landes ist jede Region aufgefordert, nach Lage der Dinge vor Ort zu entscheiden, wie gegen die Infektionskrankheit vorzugehen sei. Deshalb kommt es – wie im deutschen oft zu Unrecht gescholtenen „Flickenteppich“ – zu ganz unterschiedlichen Auflagen und deren Anwendung. Während bestimmte Regionen, wie Tschetschenien, sich komplett gegen Reisende aus anderen Gebieten des Landes abschotten, müssen sich Ankömmlinge und Rückkehrer im Gouvernement Wladimir in eine zweiwöchige Quarantäne begeben, und die Reisefreiheit innerhalb des „Bundeslandes“ ist eingeschränkt, sprich nur noch möglich, wenn man einen Passierschein hat, der den Grund belegt. Einfach so auf die Datscha zu fahren, geht nur, wenn man den Nachweis mitführt, auch Eigentümer des Grundstücks oder Hauses zu sein.

Gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Auch wenn die Zahlen allmählich steigen, werden – Stand 8. April, 11.00 Uhr – erst vierzehn Infektionen mit COVID-19, zwei davon in der Partnerstadt gemeldet. Bisher bleibt es auch bei dem einen Todesfall in Kowrow. Noch überschaubar im Vergleich zu den landesweit gezählten 8.672 Ansteckungen und 63 Toten. Aber man rüstet sich weiter für den Ernstfall. Gestern organisierte die orthodoxe Erzdiözese einen Autokorso mit fünf Fahrzeugen als Prozession durch alle Kreisstädte, um für ein rasches Ende der Seuche zu beten. 23 Mitglieder der Partei Einiges Rußland spendeten teilweise oder ganz ihr Märzgehalt für den Kampf gegen Corona, andere Politiker kauften Beatmungsgeräte und Verbrauchsmaterial für die Krankenhäuser. Es gibt Bonuszahlungen nicht nur für das medizinische Personal, sondern auch für Labormitarbeiter oder Fahrer von Krankenwägen. Immer mehr Hauseingänge und Treppenhäuser werden desinfiziert. Und erstmals seit Menschengedenken wird die bisher sakrosankte Frühjahrsjagd auf Wasservögel untersagt, die vom 11. bis 20. April Saison hätte.

Alles wird gut!

Erstaunlich: Auf dem Arbeitsmarkt wirken sich die Betriebsschließungen noch nicht spürbar aus, allerdings werden die Klagen aus der Wirtschaft, besonders aus der Gastronomie, immer lauter. Ganz so rund läuft es natürlich auch nicht mit dem Fernunterricht für die Schüler, da es doch eine ganze Reihe von Familien gibt, die noch ohne Rechner bzw. Internetanschluß leben. Aber im großen und ganzen richtet man sich in der Ungewißheit ein, wie lange die Maßnahmen noch dauern. Und allem Eindruck aus der Ferne nach, hat man die Zeit zur Vorbereitung auf den bevorstehenden Höhepunkt der Kurve gut genutzt.

P.S.: Heute meldet das Gesundheitsamt der Region Wladimir bereits einen Anstieg der Ansteckungen auf 38 Fälle versus 14 gestern…

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So später der Schnee heuer fällt, so rechtzeitig, um den Winter auszutreiben. Während bei uns ab heute Schluß mit lustig ist, steuert der russische Karneval, bekannt als Butterwoche, seinem Höhepunkt entgegen. Bei allem ausgelassenen Treiben gilt allerdings der Grundsatz: Kein Fest ohne feste Regeln. Die tolle Zeit nennt sich hier „Masleniza – Butterwoche“, was darauf hinweist, daß vor der vierzigtägigen österlichen Fastenzeit, die sogar den Verzehr von Milchprodukten untersagt, noch einmal so richtig geschlemmt werden darf, freilich bereits ohne Fleischgenüsse. Was in heidnischer Zeit (das war eben noch ein „Heidenspaß“!) eine Woche vor und eine Woche nach der Tag- und Nachtgleiche gefeiert wurde, hat das Christentum gar streng auf sieben Tage verkürzt.

Masleniza von Dmitrij Cholin

Dennoch hielt sich vieles aus jenen fernen Zeiten, zum Beispiel der Brauch, Pfannkuchen zu backen, die als Symbol für die Sonne gedeutet werden. Als Vorbereitung auf die Fastenzeit darf nur noch Fisch gegessen werden – und natürlich, wie der Name sagt, alles mit viel Butter und Käse, gern auch Kaviar. Doch auch die einzelnen Tage haben ihre je gesonderte Bedeutung:

Masleniza: Jeder Wochentag ist ein besonderer Tag

Der Montag ist der „Rüsttag“, wo im ganzen Land die Jahrmarktsbuden aufgebaut werden und die Pfannkuchen (Bliny) auf den Tisch kommen. Übrigens ging der erste Pfannkuchen immer an die Armen, damit diese Kraft genug hatten, für die armen Seelen zu beten.

Der Dienstag gilt als „Spieltag“, wo die Jugend ruhig einmal über die Stränge schlagen darf.

Der heutige Mittwoch hält „Leckeres“ bereit; der Schwiegersohn geht zur Schwiegermutter, um sich Pfannkuchen abzuholen, trifft dort aber oft auch unerwartet andere Gäste…

Der Donnerstag läßt alle feiern. Ein Volksfest, wie es sein soll mit Schlittenfahrten, Tänzen, ausgelassenem Treiben.

Masleniza von Dmitrij Cholin

Der Freitag führt wieder die jungen Männer zur Schwiegermutter, wo sie sich einen ganzen Abend lang bewirten lassen können.

Der Samstag gehört den Schwägerinnen, die von den jungen Bräuten nach Hause eingeladen werden und nicht ohne ein Geschenk wieder heimgehen.

Der Sonntag steht für die gegenseitige Vergebung, um die man einander für während des Jahres angetanes Unrecht bittet, bevor man die Fastenzeit antritt und in effigie für den Winter eine Strohpuppe verbrennt und deren Asche zu Grabe trägt, aus der im Frühjahr die frische Saat hervorwachsen soll.

Masleniza mit dem Ensemble Rus in Erlangen 2016

Doch das heißt nicht, daß alles in Butter sei. Seit vergangenem Sonntag spitzt sich die Lage vor der Mülldeponie bei Alexandrow weiter zu. Da ganz offenbar entgegen allen Regeln und Verträgen weiterhin Abfälle aus Moskau ihren Weg in die Region Wladimir suchen und finden, nehmen seit Sonntag, dem „Tag des Verteidigers der Heimat“, Aktivisten unter dem Motto „Verteidiger der Mülldeponie von Alexandrow“ die anrüchige Sache selbst in die Hand und blockieren – 15 bis 60 Mann hoch – rund um die Uhr die Zufahrt. Durchgelassen werden nur Fahrzeuge mit einheimischen Nummern. Größere Konflikte gab es bisher nicht, die Moskauer Laster kehren zumeist mit ihrer unwillkommenen Fracht wieder um, aber die Behörden rufen dazu auf, die Sperrungen aufzuheben, weil sie vor allem nachts und wegen der winterlichen Straßenverhältnisse Unfälle fürchten. Außerdem solle man die gerichtlichen Entscheidungen abwarten.

Doch klein beigeben wollen die Verteidiger des Müllbergs nicht, zumal sie nach eigenen Angaben Unterstützer in Moskau haben, die Informationen über Abfalltransporte weitergeben. Man will den Gegner zermürben und mit spielerischer Taktik schlagen:

Es liegt allein in unseren Händen, konsequent zu bleiben und den Sieg mittels gesetzlichem Vorgehen zu erringen. Die Müllkutscher zeigen Nerven und machen unüberlegte Schritte, indem sie den Verkehr stören und damit negative Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wir sind stärker und härter, unser Stehvermögen reicht allemal, um sie am Schachbrett zu schlagen, so sehr sie uns auch in den Ring oder auf die Matte zerren wollen.

Wie auch immer die Sache weitergeht, das Thema wird die Agenda auch dieses Jahres bestimmen. Solange die Politik keine Lösungen bietet, könnten – auch hierzulande – all die kleinen Sünderlein ja mal bei sich anfangen und beim Müll fasten. Aber bitte nicht nur vor Ostern!

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In der Pause des Konzerts des Universal Ensembles von Rainer Glas und Andrej Schewljakow am Sonntag – ein eher rares Treffen. Jonas Eberlein, einst Erlangens Verbindungsmann in Moskau, lebt nun in Darmstadt und begleitet von dort weiter die Entwicklung des Radverkehrs in russischen Städten. Natürlich verfolgt er auch, was sich da auf den Straßen von Wladimir tut – oder leider noch immer nicht tut. Und überhaupt bleibt er der Partnerstadt, die er schon durch eine musikalische Reise mit dem Ohm-Gymnasium kennengelernt hatte, verbunden und hat einen lesenswerten Artikel der Moscow Times im Gepäck, den für alle zu lesen lohnt, die sich für städtebauliche Themen interessieren: https://is.gd/atwpnc

Elisabeth Preuß, Getrud Härer, Axel Just und Jonas Eberlein

 

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Auch in Wladimir ist der Winter nicht mehr das, was er einmal war. Im November hatte es einmal geschneit, aber den ganzen Dezember über wartete man vergeblich auf die weiße Pracht. Nun hat Väterchen Frost den Schnee gebracht – just zu Silvester und Neujahr. Und damit kann man in der Partnerstadt auch eine weiße Weihnacht feiern, die ja dank dem julianischen Kalender der orthodoxen Kirche auf den 6./7. Januar fällt. Mit den besten Wünschen für die Rechtgläubigen dürfen wir uns deshalb mit diesen Bildern von Wladimir Tschutschadejew freundfreuen:

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Schon seit dreizehn Jahren sitzt der Busfahrer Iwan Gromow in Wladimir kurz vor Neujahr als Väterchen Frost am Steuer. Sehr zur Freude nicht nur der Kinder. Aber es macht ihm wohl auch selbst viel Spaß, denn er tut alles aus Lust an der Gaudi auf eigene Kosten: die Dekoration, die kleinen Geschenke, das Kostüm.

Alfia Mambetowa und ein Behelfsschneemann aus Holz mangels Schnee

Die häufigste Frage, die dem russischen „Weihnachtsmann“ gestellt wird: „Wann gibt es endlich Schnee?“ Denn der Winter hält auch in Wladimir derzeit den Fahrplan nicht ein. Seine Antwort darauf: „Meine Helfer haben da wohl etwas durcheinandergebracht und ein Wetter angerichtet, bei dem man einen Schlitten gar nicht brauchen kann. Aber das wird schon noch. Ich habe meine Helfer angerufen und die strikte Anweisung gegeben, zu Neujahr Schnee zu streuen.“ Und dann hat er noch eine Botschaft für seine Frau Natalia und die drei Söhne in Murom, die er jetzt kaum zu sehen bekommt. „Wir sehen uns bald wieder“, verspricht das busfahrende Väterchen Frost seiner Familie.

Aber vorher braucht der Winterbote noch Verstärkung. Bisher fehlt ihm nämlich noch die Enkelin an seiner Seite, das Schneeflöckchen, die ihn in der Silvesternacht begleitet. Dieses Mädchen wird nun per TV-Aufruf gesucht. Aber sehen Sie selbst: https://is.gd/w8qot1

P.S.: Seit heute soll es in Wladimir zumindest leicht schneien, wenn auch die Temperaturen noch weit entfernt sind vom knackigen Frost.

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Wieder eine Wertetabelle, werden manche denken, deren Aussage dann doch nicht unbedingt überzeugend sein muß. Dennoch: Es sind ja meist die Behörden, die derartige Einstufungen in Auftrag geben, um dann zu entscheiden, wie wer und was zu fördern sei. Nun also ein Ranking zur angenehmen Lebensqualität russischer Städte, veranlaßt sogar auf Geheiß des Präsidenten. Untersucht wurden alle 1.114 Städte der Russischen Föderation nach einem Katalog mit 36 Parametern, angefangen beim Straßennetz über die soziale und kulturelle Struktur bis hin zu Grünanlagen, wobei alle zugänglichen Quellen das Gesamtbild speisten. Für jeden Aspekt gab es bis zu zehn Punkte, insgesamt also maximal 360. Ein Idealziel, das sogar Moskau, als führende Stadt der Untersuchung, mit 276 Punkten klar verfehlte, wobei die Fachleute davon ausgehen, ab 180 Punkten handele es sich um eine lebenswerte Stadt.

Demetrius-Kathedrale, gesehen von Wladimir Fedin

Eben dieses Niveau erreichte Wladimir, mehr als die Region insgesamt, die nur auf 173 Punkte kam. Gerechnet auf den Zentralrussischen Verwaltungsbezirk liegt Erlangens Partnerstadt (Moskau ausgenommen) aber immerhin noch auf Platz 9 von 16 Rängen insgesamt, und auch Rjasan kommt ja nur auf die nämlichen 180 Punkte. Dennoch, zufrieden ist man mit dem Ergebnis in Wladimir natürlich nicht. Und auch die Fachleute meinen, da sei noch viel Potential nach oben, gerade auch angesichts der historischen Bedeutung der Stadt. Nun hängt nicht nur einiges von der Politik auf lokaler und regionaler Ebene ab, sondern auch davon, wie die Regierung ihre Fördermittel verteilt. Da ist noch alles offen. Nur ein Ziel ist schon gesteckt: Der durchschnittliche Index soll bis 2024 um 30% steigen, und die Zahl der Städte mit einem weniger angenehmen Lebensumfeld will man um das Doppelte senken. Aber was sagt das alles schon aus. Gäste aus Erlangen jedenfalls fühlen sich schon immer wohl in Wladimir.

 

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Immer wieder ist hier leider vom Sterben der Dörfer gerade auch in der Region Wladimir zu berichten. Seit 2016 gibt es aber nun schon einen Wettbewerb um das schönste Dorf, den am 9. Oktober Usolje im Landreis Kameschkowo gewann. Gegen große Konkurrenz. Denn bei der ersten Ausschreibung nahmen gerade einmal 36 Ortschaften teil; heuer waren es schon 97 Bewerbungen. Verständlich, denn neben dem Rampenlicht der Auszeichnung gibt es obendrein noch 150.000 Rubel zur Dorfverschönerung.

Usolje

So malerisch das Bild von dem Weiler an der Uwod, so erfreulich der Preis, auch Usolje, etwa 70 km nordöstlich von Wladimir gelegen, steht für den Niedergang des Landlebens. Zählte man hier noch Anfang des 20. Jahrhunderts fast 500 Einwohner, liegt deren Zahl bei heute unter 50 Seelen. Womit wir dann doch wieder beim Einführungssatz wären.

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Eine Frage, auf die man zwei Antworten erhält: Die offizielle Version lautet, das erste Mal sei geriffeltes Glas am 11. September 1943 in der Glashütte von Gus-Chrustalnyj, Region Wladimir, hergestellt worden. Wer als Tourist in die Kleinstadt kommt und dort das Museum besucht, hört von den verschiedenen Arten des Glases und die Produktionsweise bei 1.400 bis 1.600 Grad und einer speziellen Technologie sowie von einer Zahl: 10 Millionen Exemplare sollen es sein, die in Gus-Chrustalnyj die Öfen nach zweimaligem Durchlauf seither verließen.

Die Form erdacht hatte die berühmte sowjetische Künstlerin, Wera Muchina, unterstützt angeblich von keinem geringeren als Kasimir Malewitsch und dem Ingenieur Nikolaj Slawjanow. Doch so recht belegen läßt sich das alles nicht, wie das Internetportal Zebra in einem Beitrag schreibt.

Noch weniger als gesichert gilt die Legende, wonach das geriffelte Glas bereits vor mehr als 300 Jahren von einem gewissen Glasbläser namens Jefim Smolin erfunden wurde. Angeblich machte er seine Entdeckung Zar Peter I mit der Versicherung zum Geschenk, es sei unzerbrechlich. Der Selbstherrscher, der immer allen Dingen auf den Grund ging und dabei gern selbst Hand anlegte, schleuderte das Glas zu Boden, wo es prompt zersplitterte. Statt, wie zu erwarten, dem unglücklichen Erfinder zu zürnen, lobte ihn der Kaiser, weshalb seither zerbrochenes Glas als Glücksbringer verstanden wird.

Angeblich stammte Jefim Smolin aus der Gegend um Wladimir, doch selbst das zweifeln Fachleute an, denn erst Mitte des 18. Jahrhunderts baute der Moskauer, Akim Malzow, dort die ersten Glashütten, weil es hier noch genug Holz zum Befeuern der Öfen gab. Archäologen finden zwar immer wieder Glasgegenstände aus der Periode 12. bis 15. Jahrhundert, aber niemand weiß zu sagen, ob sie aus Westeuropa, Byzanz oder gar eigener Produktion stammen. Letzteres wohl doch eher nicht, denn bisher stieß man bei den Grabungen auf keine einzige Glasbläserei aus jener Zeit. Und so ist es wie bei Wolfgang von Goethe: „Mit dem Wissen wächst der Zweifel.“ Aber schön sind sie schon, diese geriffelten Gläser, und gut in der Hand und an den Lippen liegen sie allemal, solange man sie nicht fallen läßt – um des Glückes willen.

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Siehe auch: https://is.gd/q36DQG

 

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Was haben die beiden Begriffe miteinander zu tun, Die berühmte russische Weltrekordfliegerin der 30er Jahre, Polina Ossipenko, und das 6o Jahre später entstandene Erlangen-Haus, als Zeichen und Zentrum der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir. Eigentlich nix!

Aber wie ein Bühnensprecher immer eine Überleitung zum nächsten Stück finden muß, egal wie unterschiedlich die Darbietungen sind, so habe ich mich auch bemüht. Aber eigentlich ist es mir in den Schoß gefallen. Während meiner letzten Reise in die Partnerstadt, Anfang August, wohnte ich wieder bei unserer langjährigen Familienfreundin, Tatjana Parilowa. Und sie wohnt an der Ecke der Straßen P. Ossipenko und Mir (Straße des Friedens). Die Bushaltestelle vor ihrer Tür ist auch nach P. Ossipenko benannt.

Da ich jeden Tag Unterrichtsstunden im Erlangen-Haus hatte, konnte ich wählen: mit dem Ringbus 28 in ca. 16 bis 20 Minuten zur Haltestelle „Sportschule“ – 100 Meter vom Ziel entfernt – oder zu Fuß in 18 Minuten ganz einfach immer die Polina-Ossipenko-Straße entlang. Luftlinie würde die Straße im Garten des Erlangen-Hauses landen, wäre da nicht das Lybjed-Stadion im Weg. Meistens habe ich mich für den Fußmarsch entschieden und dabei auch so einiges entdeckt. Ich habe mir gedacht, vielleicht interessiert es den einen oder die andere, wie so ein ganz normaler Fußweg aussieht, und deshalb habe ich ihn an verschiedenen Stellen photographiert.

Wenn ich morgens aus dem Haus in den sehr großen Innenhof trat, sah ich einen Trupp von Rentnern, die mit Besen und Eimern die ganze Anlage sauber hielten.

Eine sinnvolle Tätigkeit, weil es sonst kaum Beschäftigungsangebote für die Pensionisten gibt. Und in der Landeskunde lernte ich, daß sich viele Menschen vor der Pension fürchten, weil sie dann nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit machen sollen. Da lauert natürlich der Alkohol im Hintergrund und wartet auf seine unheilvolle Chance. In vielen Köpfen herrscht außerdem das frühere Dogma vor, nur der arbeitende Mensch sei ein nützlicher Mensch. Ein Umdenken findet, wenn auch langsam, statt. So gibt es in Moskau schon Initiativen für die Pensionäre, um sich kostenlos mit Joga, Tanzen, Computer, Sport, Kunst u.s.w. zu beschäftigen. Im Sommer findet das in öffentlichen Parks statt. Infos bekommt man unter www.mos.ru/city/projects/dolgoletie .Dolgoletie bedeutet „hohes Alter“. Ein richtiger Weg meine ich.

Zur Haltestelle P. Ossipenko: Wie an vielen Haltestellen, gibt es auch hier einen Minimarkt mit frischestem Obst und Gemüse, gerade geerntet und garantiert „bio“, denn für Agrochemie hat niemand Geld, Gott sei Dank. Pilze gab es immer erst ab Mittag, da dann die Sammler aus den Wäldern zurückkamen.

Etwas weiter die Straße herunter befand sich links die Schule Nr. 33 und rechts das Lehrer-College.

Aber es war August und damit Ferienzeit, und alles war verschlossen.

Die ganze Straße entlang sieht man die neuen silbernen Fernwärmeleitungen. Der Verkehr wird dadurch nicht gestört, da sie sich kunstvoll über die Straßenkreuzungen schwingen.

Einfach gelöst ist auch der Regenrinnenabfluß. Das Wasser strömt direkt auf den Gehsteig und von da auf die Straße. Überschwemmungen gibt’s aber trotzdem nicht, da sich die Polina Ossipenko kontinuierlich zum ehemaligen Flußbett der Lybjed senkt.

Dieses Flußbett existiert heute nicht mehr. Es mußte einer modernen Schnellstraße weichen. Die frühere Gouverneurin, Swetlana Orlowa, hat sich damit ein Denkmal gesetzt.

Bevor ich die Schnellstraße überquere, komme ich noch an einem großen Second-Hand-Laden vorbei, der im 1. Stock angesiedelt ist, und rege frequentiert wird. Nach Überquerung der Schnellstraße geht es auf vielen Treppenstufen bergauf.

Und es ist, nicht nur hier, mit den Schienen an die Rollstuhl- und Radfahrer gedacht.

Am oberen Ende der Treppe befindet sich das Eingangstor zum Lybjed-Stadium.

Hier habe ich zu jeder Zeit dort Leichtathleten trainieren gesehen. Es scheint sehr beliebt zu sein.

Nur einen Steinwurf weiter kommt die berühmte Sportschule, die u.a. den vielfachen Olympia-Turn-Goldmedaillengewinner, Nikolaj Andrianow, hervorbrachte.

Wiederum nur einen Steinwurf entfernt, liegt das exklusive Restaurant Blackwood (oder Schwarzwald?)

Hiervor parkten oft teure Limousinen, deren Chauffeure bei den Wagen blieben. Ich habe einen Augenblick abgepaßt, in dem kein solches Gefährt parkten, denn vielleicht hätten sie ja ein Photo nicht so gerne.

Und hier um die Ecke liegt schon die Große-Nischegorodskaja-Straße, an der, 200 Meter weiter, an einem Einkaufstempel vorbei

das Erlangen Haus liegt. Damit habe ich mein Ziel erreicht und fühle mich fast wie zu Hause, dank der guten Atmosphäre im Erlangen-Haus!

Hans Gruß

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