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Archive for the ‘Kultur’ Category


Olga Alexejewa begeisterte sich schon in der Kindheit für Malerei und Kunst. Mit zehn Jahren ging sie in die Kunstschule und besuchte dort vier Jahre lang Zeichenkurse. Nach der Schule machte sie aus dem Hobby keinen Beruf, sondern machte eine Feldscherausbildung und arbeitet heute beim medizinischen Rettungsdienst.

Olga Alexejewa

Die künstlerische Ader blieb ihr aber, ebenso wie ein großer Wissensschatz über die Geschichte der Malerei, der Kultur und Kunst. Mit ihr läßt es sich bestens über alles Kreative sprechen, man erfährt von ihr viel Neues und wird an Dinge erinnert, die man einmal in der Schule gelernt, aber längst vergessen hat.

Im Studio

Im Jahr 2016 wurde in Wladimir das Malstudio „Maslo – Ölfarbe“ eröffnet. Gründerin und Leiterin, Alina Wlassowa, ist selbst Künstlerin und Designerin. Olga Alexejewa ist dort seit November 2016 aktiv, nachdem sie eine Freundin ins Studio eingeladen hatte. Im Unterschied zu anderen Ateliers oder Kursen dieser Art können hier alle teilnehmen, die Interesse zeigen, es gibt sogar Kindergruppen. Die Lehrkräfte finden zu allen einen persönlichen Zugang.

Pfingstrosen von Olga Alexejewa

Dabei bleibt man mit etwas Talent und Neigung nicht bei einer Stilart stehen. Es werden die unterschiedlichsten Techniken angeboten, von der Ölmalerei über Aquarell und Graphik bis zu Textilarbeiten oder Pleinair. Sogar eine Meisterklasse für Winterkompositionen steht auf dem Programm des Studios.

Regentag, Olga Alexejewa

Interessant ist das Atelier auch dadurch, daß man hier die Möglichkeit erhält, schlußendlich zum eigenen Stil und zu den eigenen Motiven zu finden. Und natürlich kann man sich an den großen Meistern versuchen, etwas das alle kennen. Selbst die berühmtesten Schüler großer Künstler erprobten ihr Können in der Nachahmung ihrer Vorbilder und hofften, diese so oder anders eines Tages übertreffen zu können. Das gilt natürlich auch für Hobbykünstler wie Olga Alexejewa. Sie wendet sich hauptsächlich der Darstellung von Obst und Blumen zu. Ihre Vorbilder in der Welt der Kunst sind vor allem die russischen Wandermaler, die französischen Impressionisten, der Deutsche, Albrecht Dürer, und der wohl berühmteste von aller Namen und Zeiten, Leonardo da Vinci.

Mindestens einmal im Jahr stellt das Studio die Arbeiten seiner Künstler aus – mit großem Erfolg. Es kommen nicht nur die Familienangehörigen und Freunde, sondern auch viele Kunstinteressierte. Die letzte in diesem Jahr wurde im Januar und Februar gezeigt, eine neue ist bereits in Planung. Und am 1. September konnte am Tag der offenen Tür jeder einfach vorbeischauen.

Olga Alexejewa bei der Arbeit

Jetzt will Olga Alexejewa ihre Arbeiten auch einmal in Erlangen zeigen, das sie bereits 2008 und 2013 besuchte, und wo sie jede Menge Ideen für ihr Schaffen sammelte. Vielleicht kommt sogar einmal eine ganze Gruppe aus dem Atelier in Wladimir, um den Erlanger Kunstfreunden ihr Können zu zeigen und einen Austausch zu beginnen. Mehr zum Studio unter: www.maslo-club.com

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Maxim Gorkij, im Westen mindestens mit seinem Stück „Nachtasyl“ bekannt, meint:

Die russische Literatur ist die pessimistischste Literatur Europas. Bei uns werden alle Bücher über ein und dasselbe Thema geschrieben, darüber, wie wir leiden.

Mag ja sein, aber sicher gehört die russische Literatur auch zu den leidenschaftlichsten und ist mindestens so vielfältig und überraschend wie Land und Leute zwischen Kaliningrad und Kamtschatka.

Überzeugen davon kann man sich im Rahmen der Veranstaltungen zu 35 Jahren Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir seit gestern in der Buchhandlung von Ilse Wierny in der Südlichen Stadtmauerstr. 40, im Februar 2017 vom Börsenblatt für ihren „literarischen Spürsinn“ als „Deutschlands schönste Buchhandlung“ ausgezeichnet und am 31. Oktober d.J. in der Documenta-Halle zu Kassel für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert. Wer im wie immer geschmackvoll und einfallsreich gestalteten Schaufenster nichts für sich finden sollte, tut gut daran, sich von der kundigen Inhaberin, Ilse Wierny, persönlich beraten zu lassen. Nicht nur die kommenden sechs Wochen, die ganz im Zeichen der russischen und übrigens auch georgischen (diesjähriges Thema der Frankfurter Buchmesse) Literatur stehen.

Ilse Wierny 3

Ilse Wierny

P.S.: Wir alle haben es mit unserer Kaufentscheidung in der Hand, wie lange noch derartige Buchhandlungen und Geschäfte anderer Ausrichtung in unseren Städten gegen die krakenhafte Übermacht eines großen Versandmonopols bestehen.

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Es ist genau ein Jahr her, seit Othmar Wiesenegger zum ersten Mal nach Wladimir kam, damals mit Bürgermeisterin, Susanne Lender-Cassens, und einem kleinen Team, das am Halbmarathon teilnahm. Damals lernte der aus Österreich stammende Wahl-Erlanger seinen Kollegen, den Photographen Wladimir Fedin, kennen, der im vergangenen Winter seine Bilder in den Redaktionsräumen der Erlanger Nachrichten zeigte.

Othmar Wiesenegger bei der Eröffnung der Ausstellung. Im Hintergrund links Irina Chasowa und Wolfram Howein

Und nun schon die „Revanche“. Auf Initiative von Wladimir Fedin wurde vorgestern in den Räumen des Regionalen Zentrum der Kultur eine Ausstellung mit Arbeiten von Othmar Wiesenegger eröffnet. Im Publikum neben Irina Chasowa, der Direktorin des Erlangen-Hauses, auch Wolfram Howein, der sich ebenfalls derzeit in der Partnerstadt aufhält.

Othmar Wiesenegger im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern

Bis kurz vor der Eröffnung wußte übrigens Othmar Wiesenegger nichts von den Plänen seines Freundes. Die beiden hatten nur immer wieder per Internet ihre Arbeiten ausgetauscht, und aus dieser Sammlung stellte dann wohl Wladimir Fedin, von dem auch alle Aufnahmen dieses Beitrags stammen, die Gesamtschau zusammen.

Othmar Wiesenegger zeigt der Künstlerin, Tatjana Grebnjewa, schon wieder neue Bilder

Wir wissen nicht, was sich aus dieser Künstlerfreundschaft noch so alles ergibt, aber freuen darf man sich schon auf die neuen Eindrück von Othmar Wiesenegger, der seine Tage in Wladimir vor allem für eines nutzen will: Bilder machen von allem, was er so zu sehen bekommt.

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Vom Wesen der Dinge


Heute eine Fortsetzung der losen Folge von litarischen Beobachtungen des Wladimirer Autors Anatolij Gawrilow in der Übersetzung von Peter Steger.

Er spricht über etwas. Kaum jemand versteht es. Er versteht ja selbst nicht, wovon er spricht. Er fährt zu sprechen fort. Einige sind unzufrieden. Sie verstehen das Wesen der Dinge nicht. Dabei besteht doch das Wesen der Dinge darin, daß es kein Wesen der Dinge gibt.

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Dunkel, Regen. Niemand unterwegs. Unter dem Fenster graben sie eine Baugrube für den Neubau eines Wohnhochhauses. Auf dem Tisch ein Notebook. Im Schreibtischfach eine Blockflöte. Die Sonne ist aufgetaucht. Draußen sind Kinder aufgetaucht, Hunde und Katzen. Die Blumen werden videoüberwacht. Jemand sitzt auf dem Bänkchen. Jemand liegt unter dem Bänkchen.

Anatolij Gawrilow

Der dreißigste August. Auf dem Bänkchen sitzt eine Frau, deren Mann sich erhängte. Kinder schaukeln auf der Wippe, machen Klimmzüge an der Reckstange. Katzen dösen auf dem Asphalt. Birken werden schon gelb. Im Keller sind Ratten. Auf dem Kühlschrank ein Kofferradio und ein geriffeltes Glas. Vor dem Fenster Bäume, Büsche und eine Kirche. In der Anrichte Schnapsgläser, Weingläser, Teller. Auf der Anrichte ein Adler aus Holz und ein Pinguin aus Porzellan. Auf dem Balkon ein Aschenbecher, Kippen. Auf dem Bänkchen liest eine Frau ihrem Mann aus der Zeitung vor, der wackelt mit dem Kopf und weint. An einer Mauer hängt jemandes Portrait. Es dunkelt.

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Eine großartige Stadt, nur geht hier manchmal die Sonne nicht auf.

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Ihren Sohn Matwej hatten sie schon – noch als Schüler – alleine zu drei Besuchen nach Erlangen geschickt, nun kamen Swetlana und Eduard Grigorjew selbst zum ersten Mal für eine Woche in die deutsche Partnerstadt, von der sie so viel gehört, ohne sie je selbst gesehen zu haben. Eine Reise, die dem reiseunerfahrenen Ehepaar vor allem eines zeigte: Vorurteile und von Medien suggerierte Vorstellungen versagen im Praxistest den Dienst, fallen glatt durch.

Von all den vielen Begegnungen, die es wert wären, hier festgehalten zu werden, sei nur das eher zufällige Treffen mit dem Künstler Ingo Domdey in Rothenburg erwähnt, wo man sich auf die Feierlichkeiten zum 30jährigen Partnerschaftsjubiläum mit Susdal Anfang September vorbereitet.

Swetlana und Eduard Grigorjew

Dem Graphiker und Kunstsammler, vor drei Jahren nach Rothenburg gezogen, bleibt keine noch so unauffällige sprachliche Färbung verborgen, wenn man sich vor seinem Atelier im Dürerhaus an der Georgengasse über die von ihm gepflanzten und gepflegten Spalierbirnbäume unterhält. Dank seiner Schulzeit bei Leipzig hat er ein feines Gehör für den russischen Zungenschlag – und ein bisher ungestilltes Interesse, einmal Susdal und Wladimir kennenzulernen.

Ingo Domdey, Eduard und Swetlana Grigorjew

Dem Manne kann geholfen werden. Ehe man es sich versieht, steht man inmitten von Originalarbeiten aus der Hand von Francisco de Goya und Albrecht Dürer und erhält Einblick in das eigene Schaffen des sächsischen Künstlers. Nun gilt es, für ihn ein Pendant zu finden. Eher eine der leichteren Fingerübungen angesichts der vielköpfigen Graphikerschule, die Boris Franzusow in Wladimir wie in Susdal hinterließ. Und eine erste Bekanntschaft ist ja auch schon geschlossen.

Swetlana Grigorjewa

Auch wenn sie selbst sich da eher zurückhaltend gibt, ist Swetlana Grigorjewa mit ihren Decoupage-Arbeiten ja auch vom Fach, wenn auch eher der Richtung „angewandte Kunst“, zu der im Blog schon einmal vor sechs Jahren die Rede war unter: https://is.gd/k9T5UT Gleichviel: Wenn das Ehepaar heute wieder zurück nach Wladimir reist, haben wieder zwei Menschen mehr das Schöne gefunden, das Russen und Deutsche in dieser Partnerschaft verbindet. Ganz im Geiste des Erlanger Dichters, Friedrich Rückert: „Wahres und Gutes wird sich versöhnen, / wenn sich beide vermählen im Schönen.“

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Wir setzen heute die lose Reihe mit Kurzprosa von Anatolij Gawrilow aus Wladimir mit drei Skizzen fort:

Endlich bin ich zu Hause. Eine Zeitlang mache ich nichts, mich zieht es nirgendwohin, und ich unterhalte mich mit niemandem. Hier kam ich zur Welt, hier träumte ich davon, zur See zu fahren. Hier gibt es Wälder, einen kleinen Fluß, Pilze, Beeren, Leute aus dem gleichen Dorf. Dann baute ich ein Haus in der Art eines Schiffes. Nachts gehe ich an Deck und rufe „SOS“.

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Bei der Armee wollte man mich wegen der Augen nicht. Die Augen richtete man wieder, aber dann hörte ich nicht mehr. Das Gehör richtete man wieder, aber dann kamen die Beine ab. Die Beine richtete man wieder, aber dann kam der Kopf ab. Dennoch diene ich im Namen der Heimat.

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Ich schaue gern in den Sternenhimmel. Ein großmächtiges Bild. Sie sterben ja auch. Man steht, schaut. Man liegt, schaut. Ein großmächtiges Bild. Und die Leute hetzen ihren nichtigen Angelegenheiten nach. Einige fragen, ob ich nicht Hilfe brauche. Schon, aber nicht jetzt.

Anatolij Gawrilow, übertragen von Peter Steger

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Trafohäuschen fristen überall ein tristes Dasein. Kein Fenster, kein Vorgarten, keine offene Tür. Nur Mauern, oft Projektionsfläche für kreative Alpträume.

Straßenkunst in Wladimir von Michail Borodawtschenko

Überall? Nein, Wladimir wehrt sich gegen die Tristesse und lobt in diesem Sommer wieder – zum sechsten Mal in Folge – einen Wettbewerb unter dem Motto „Farbenfrohe Stadt“ für Künstler aus, die den Wänden von drei Trafohäuschen bunte Gestalt verleihen sollen. Das erste Werk ist nun nach etwa 17 Arbeitsstunden fertig – und gelungen in die Umgebung eingefügt.

Jelena Jermakowa vor dem Trafhäuschen in Tennenlohe mit den Märchenfiguren von Sergej Jermolin und Anatolij Denissow

In Erlangen, genauer in Tennenlohe, gibt es übrigens auch ein Trafohäuschen, das vor mehr als zehn Jahren auf Initiative von Dieter Erhard die Wladimirer Künstler Sergej Jermolin und Anatolij Denissow gestalteten. Nicht minder gelungen und vielleicht ein Anregung, diese Aktion fortzusetzen, denn der Schmuddelwände hat es noch genug, hier wie dort.

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