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Archive for the ‘Kultur’ Category


Die Künstlerfreundschaften zwischen Erlangen und Wladimir gehören zu den schönsten Facetten dieser schönen Städtepartnerschaft. Seit drei Jahren gehört dazu schon die fruchtbare Verbindung zwischen Othmar Wiesenegger und Wladimir Fedin, der im September vergangenen Jahres eine eigene Ausstellung gewidmet war, von der hier zu lesen ist: https://is.gd/yTBXXd

Othmar Wiesenegger auf seiner Ausstellung in Wladimir

Othmar Wiesenegger, 1960 in Österreich geboren, kam mit 20 Jahren nach Erlangen und arbeitet seither bei der Siemens AG, zuletzt im Patentbüro. Der verheiratete technische Zeichner und Vater eines Sohnes kaufte sich mit 16 Jahren seine erste Kamera und machte zunächst hauptsächlich Urlaubsbilder.

Rasch aber erweiterte sich sein Spektrum auch auf die Bereiche Sport, Portrait, Konzert, Tiere, Lost Places, Makro und Reportagen.

Wichtig darüber hinaus bleibt aber für sein Schaffen das Leben in anderen Ländern. Reisen gehört zu den großen Leidenschaften des Photographen: USA, Portugal, Island, Ägypten, Thailand, um nur einige der Staaten zu nennen, die Othmar Wiesenegger bereiste und im Bild festhielt.

Jelena und Swetlana

Zwei Fahrten nach Wladimir eröffneten ihm nun auch die russische Welt, und bereits im September will der zweite Vorsitzende des Siemens Foto- und Videokreises https://foto-video-erlangen.de wieder in die Partnerstadt reisen.

Bis dahin brauchen wir nicht zu warten, denn soeben erreichten die Blog-Redaktion diese Bilder zur Ausstellung im September 2018 von 25 Aufnahmen aus Erlangen, Island, Malta, Namibia und einige Makros.

Wolfram Howein und Irina Chasowa

Am Tag der Vernissage begann auch das Internationale Fest der Volkskunst im Staatlichen Haus der Russischen Volkskunst mit Tanzgruppen und Musikern aus Spanien, Österreich, Portugal, Polen, Slowakei, Italien, Kroatien und natürlich Rußland.

Das Festival hatte 2001 in der Region Rostow begonnen und wird seit 2011 in Wladimir veranstaltet.

Dabei kommen verschiedene Genres der Musik und der Choreographie zur Aufführung.

Othmar Wiesenegger mit der steirischen Gruppe

Die tanzenden und musizierenden Gäste besuchten innerhalb einer Woche die Region Wladimir und traten in Susdal, Kowrow, Gus-Chrustalnyj, Murom sowie in Koltschugino auf und besucht und tauschten sich mit lokalen Kulturgruppen aus. Die steirische Gruppe (sic, aus Österreich) nahm sich dann am Ende der Tournee Zeit für die Ausstellung und ein Gruppenbild mit Othmar Wiesenegger.

Othmar 9

Blumen für Othmar Wiesenegger

Wir dürfen gespannt sein, was das Künstlertandem an weiteren Plänen für Ausstellungen hier und dort schmiedet.

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Die 125 km bis in die nordwestlich von Wladimir gelegene 60.000-Seelen-Kreisstadt Alexandrow lohnen sich besonders in diesen Tagen. Noch bis zum 24. März ist in dem Gebäudekomplex der ehemaligen Residenz von Iwan dem Schrecklichen, der hier von 1564 bis 1581 hofhielt und wohl im unheiligen Zorn seinen Sohn und Thronfolger erschlug, eine Ausstellung zu sehen, die unter dem Titel „Auf der Suche nach dem Leben“ das über Jahrzehnte gereifte Schaffen eines der gewiß größten russischen Künstler der Gegenwart zeigt.

Plakat zur Ausstellung „Auf der Suche nach dem Leben“

Jakow Jakowljew kam 1947 auf Sachalinsk in der Familie eines Generalmajors und Weltkriegsveteranen zur Welt und wurde 1952 heimlich in Moskau getauft. Kindheit und Jugend waren, bedingt durch die militärische Laufbahn des Vaters und die unregelmäßigen Versetzungen, geprägt durch ständige Ortswechsel, bis er 1965 das Studium der Architektur in Nowosibirsk aufnahm und fünf Jahre später, bereits als Dozent, heiratete. 1975 folgte die Aufnahme in den Russischen Künstlerverband mit Ausstellung vor allem seiner Graphiken auch im Ausland. Daneben half der bekennende Christ als Architekt und Ikonenrestaurator bei der Renovierung von Kirchen und Klöstern in der Region Nowosibirsk, bis Jakow Jakowljew 1983 nach Wladimir umzog.

Bischof Innokentij, Patriarch Kirill und Erzbischof Tichon

Nach dem Tod seiner Frau, neun Jahre später, ließ sich der Vater von zwei Töchtern zum Diakon und später zum Priester weihen und wurde noch im gleichen Jahr in den Diözesanrat aufgenommen, zuständig für Bau- und Restaurierungsaufgaben. Wenige Monate später schon übertrug man dem Geistlichen die Aufgabe des spirituellen Rats im Fürstinnenkloster, und 1997 nahm er als Mönch den Namen Innokentij an, nachdem ihn Erzbischof Jewlogij zwei Jahre zuvor bereits zu seinem Generalvikar ernannt hatte.

Bischof Innokentij in seinem Atelier

Genau ein Jahr darauf die Erhebung in den Rang eines Hegumen (Igumen) und der Abschluß seines theologischen Fernstudiums. Ende 2005 geht P. Innokentij als Abt des Alexander-Klosters nach Susdal und wird 2007 in den Rang eines Archimandriten erhoben. 2011 schließlich die Bischofsweihe, der Abschied von Wladimir, die Übernahme der Diözese Nischnetagil und Jekaterinenburg im Ural – und am 14. Mai 2018 die Rückkehr in die Region Wladimir auf den Bischofsstuhl von Alexandrow, zuständig auch für die Kreise Jurjew-Polskij, Kirschatsch und Koltschugino.

Stilleben eines Künstlers

Über all die Jahre seines kirchlichen Werdegangs blieb der Geistliche stets Künstler mit einem Blick auf das Metaphysische, auf die Kostbarkeit des Augenblicks, oft festgehalten in asketisch anmutenden Kompositionen.

Was das Spätwerk besonders auszeichnet, ist die Grenzüberschreitung, das Zusammengehen von Photographie und Graphik, das Übereinanderlegen verschiedener Schichten, das Durchscheinen einer anderen Welt hinter dem ersten Eindruck. Subtil, feinnervig, vieldeutig und polyphon, ganz im Geist der Ikone, gedacht als Fenster in den Himmel, ins Jenseits.

Neben nachgerade prototypischen Portraits finden sich im Œuvre immer wieder Landschaften mit der sprichwörtlichen Weite der russischen Ebene, mal menschenleer, wie im Moment der Schöpfung, dann wieder belebt mit Figuren, die ihre Arbeit verrichten, immer schlicht, ohne Anmutungen von Heroismus oder auch nur einer ausgeprägten Individualität. Bisweilen freilich gestattet sich der Künstler ein Selbstbildnis in der Arbeit zu verstecken oder einen Kollegen anzudeuten. Oder er zitiert andere Meister wie Marc Chagall.

P. Innokentij auf Motivsuche

Selbst deutet der spirituelle Künstler beim Atelierbesuch nicht so gerne die Botschaften seiner Werke; für sich selbst und aus sich selbst heraus sollen sie sprechen, und die Interpretation bleibt dem Betrachter überlassen. Daran tut wohl auch die Blog-Redaktion gut und beläßt es bei folgenden Bemerkungen:

Vitrine mit den Katalogen der beiden bisherigen Ausstellungen in Erlangen

Jede Begegnung mit dem Künstler-Bischof darf man als Geschenk des Himmels erleben. Wenn es die Gegenwart Gottes auf Erden gibt, dann in der Aura eines Menschen wie Pater Innokentij.

Peter Steger und Bischof Innokentij

Und dann: Kann es Zufall sein, daß der erste Eintrag des Blogs am 27. September 2008 https://is.gd/TlpyJY just diesem Künstler und seiner zweiten Ausstellung in Erlangen gewidmet war? Da liegt es nahe, eine dritte Ausstellung anzukündigen. Noch ohne Datum. Aber sie wird kommen, denn, wie der russische Volksmund sagt: „Gott liebt die Drei“.

Mehr Bilder aus dem Atelier und der Ausstellung sind hier auf Facebook zu sehen: https://is.gd/Dlyc6c

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Er ließ es sich nicht anmerken, aber ein wenig nervös war Kirill Wedernikow gestern schon, so kurz vor der Ausstellungseröffnung in der Volkshochschule mit Oberbürgermeister Florian Janik und all den vielen Gästen aus Politik, Verwaltung und vor allem natürlich Kunst und Kultur. Doch schon im Gespräch mit Erlangens Stadtoberhaupt löste sich die Spannung und wich der Freude darüber, mit welcher wißbegierigen Offenheit man seinen Arbeiten begegnete.

Irene Hetzler, Florian Janik, Kirill Wedernikow, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer

Der Künstler hätte es freilich auch schon vorher wissen können. Denn von Beginn an hatte er – „trotz meiner geringen Englischkenntnisse“ – mit der Gruppe Andersartig eine gemeinsame Sprache gefunden, hatte die Verständigung über die Kunst, diese universelle Form des menschlichen Ausdrucks, bestens funktioniert. Und es war manchmal beim Aufbau, als hätten die Bilder ihren Platz an den Wänden und in den Räumen selbst gefunden.

Jutta Brandis

Glücklich und zufrieden jedenfalls waren nicht nur die Künstler, sondern vor allem Jutta Brandis, die mit „(R)Evolution“ nach dreißig Jahren des Wirkens an der Volkshochschule hiermit ihre vorletzte Ausstellung kuratierte, darunter viele mit Gästen aus Wladimir. Doch keine hatte sie nach eigenen Worten bisher so mit Freude über das Gelingen erfüllt wie diese, die nun noch bis zum 12. April in den Räumen der Volkshochschule, Friedrichstraße 19, zu sehen sind.

Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Jutta Brandis, Carolin Gugel, Irene Hetzler, Michael Ort und Eva Herrmann

Zeit genug also, sich selbst noch einen Eindruck zu verschaffen von diesem deutsch-russischen Projekt einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die Florian Janik in seinem Grußwort als wichtiges Element der Verständigung in Zeiten politischer Konflikte lobte, die aber auch zeigt, wie gut Künstler verschiedener Länder konzeptionell zusammenfinden können. Denn, so Kirill Wedernikow: „Sie entsteht zwar in Raum und Zeit, ist aber nicht an diese Dimensionen gebunden, wirkt darüber hinaus.“ Worte, die so auch gelten könnten für das eigens zu dieser Ausstellung komponierte „Concertino für Vibraphon und Klavier“, uraufgeführt von Michael Ort und Eva Herrmann.

Anke Steinert-Neuwirth, Peter Steger, Kirill Wedernikow, Hans-Peter Singer, Carolin Gugel und Irene Hetzler

Ein großer Teil der Bühne – und auch der Ausstellungsfläche – gehörte gestern dem Gastkünstler, der Gelegenheit erhielt, anhand eines Videos mit beeindruckend animierten Arbeiten aus seiner jüngsten Schaffensperiode und einer Präsentation seinen Werdegang darzustellen. Erstmals im Ausland und erstmals in dieser Ausführlichkeit, denn in der Heimat können sich nicht alle an seiner Ästhetik etwas abgewinnen.

Karin Günther und Peter Millian

Sie hat ja auch tatsächlich etwas Düsteres, und vor allem in seinem Zyklus der Lost Places und Industriebrachen sehe man wenig Optimismus und Aufbruch, wie Peter Millian von den Erlanger Nachrichten bemerkte. „Richtig“, bestätigte der 27jährige Künstler aus Wjasniki, hundert Kilometer östlich von Wladimir gelegen, „aber aus diesem Schatten bin ich herausgetreten, diese Periode liegt hinter mir.“

Zwar, so der Künstler, ziehe ihn noch immer diese Landschaft des Verfalls mit ihren groben Formen und den unendlichen Räumen des Vergehens magisch an, weil es da so viel Gestaltungsmöglichkeit gebe, aber nach seinen Anfängen im Bereich des Graffiti und der Straßenkunst und all den Lehrjahren durch die Kunsthochschule in Susdal sowie die Aufenthalte in Sankt Petersburg und Moskau wende er sich nun stärker philosophischen, theologischen und mythologischen Themen zu.

Kirill Wedernikow im Gespräch

Man hört es aus seinen Worten heraus, man merkt es seinen Bildern an: Hier wird man Zeuge eines künstlerischen Reifeprozesses, der auf dem Weg zu echter Meisterschaft ist, im Ausdruck wie im Handwerk. Passend zum evolutionären Titel der Ausstellung mit dem R in Klammern.

So richtig zur Geltung kommt das im Musikzimmer, wo die Keramiken von Carolin Gugel und die Arbeiten von Kirill Wedernikow einander nicht nur ergänzen, sondern in ihrer Wirkung verstärken, formal wie inhaltlich. Aber davon sollte man sich selbst überzeugen. Zeit ist ja noch genug.

Und nehmen Sie sich auch ein paar Minuten für die Mappen, wo sich neben Angaben zu den Persönlichkeiten auch die Preise für die Arbeiten finden. Es bietet sich die exklusive Gelegenheit, eine Wedernikow-Sammlung, die erste in Deutschland und außerhalb seiner russischen Heimat, aufzubauen.

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Die Vorbereitungen auf die Vernissage am Sonntag um 11.15 Uhr im Großen Saal der Volkshochschule sind in vollem Gang. Alle Räume und Korridore im ersten Stock des Gebäudes werden bespielt, und der Gast vom Kunstverein der Region Wladimir, Kirill Wedernikow, kann seine fast dreißig Arbeiten, die er gestern in einer unscheinbaren Mappe mitbrachte, in der „guten Stube“, im Historischen Saal, nachgerade kammermusikalisch hängen.

Ungerahmte Kunst aus Wladimir

Am Vormittag via Moskau und Istanbul eingetroffen, stand der ganze Nachmittag im Zeichen der Rahmung und Hängung der Bilder des 1991 im hundert Kilometer östlich von Wladimir gelegenen Wjasniki geborenen Künstlers, für Erlangen entdeckt und eingeladen von der Gruppe Andersartig, die grenzüberschreitend hinsichtlich der Techniken und Genres ebenso wie der Länder und Sprachen arbeitet. Und natürlich wollte man einander kennenlernen: Jutta Brandis, die Kuratorin der Ausstellung, Markus Bassenhorst, der Leiter der Volkshochschule, und eben Hans-Peter Singer aus Herzogenaurach, der die Städtepartnerschaften seiner Heimatstadt ebenso wie die internationalen Kontakte Erlangens als Brücken der Kunst und Verständigung nutzt und dies so ausdrückt: „Was die Politik nicht hinbekommt, müssen wir schaffen!“

Planungsgespräch: Hans-Peter Singer, Kirill Wedernikow, Jutta Brandis und Markus Bassenhorst

Und Kirill ist gekommen, um moderne russische Kunst zu zeigen. Und was für eine! Mythische Figuren, verfremdet hineingestellt in stilisierte Industrielandschaften, anatomische Studien an Titanen, Wesen einer Zwischenwelt im Kosmos von Welt und Technik, Evolutionen und Revolutionen der Gestaltung. „Paßgenau das, was die Arbeiten von Irene Hetzler, Carolin Gugel und mir von der Gruppe Andersartig thematisch unter dem Titel „(R)Evolution“ ergänzt, die ja dann gemeinsam mit den Bildern aus Wladimir bis April hier hängen werden“, freut sich Hans-Peter Singer. Das andersartige Kunstquartett ist komplett.

Hängung: Hans-Peter Singer und Kirill Wedernikow

Für Kirill Wedernikow, der seine philosophischen Heimat im christlichen Existenzialismus eines Nikolaj Berdjajew sieht, dem es um nicht weniger als die geistige Wiedergeburt des Menschen und die soziale Umgestaltung der Gesellschaft geht, für den Künstler ist es die erste Ausstellung außerhalb seiner Heimat, wo er noch um Anerkennung ringt, nachdem er seine Lehr- und Wanderjahre mit der Ausbildung in Susdal und Stationen in Sankt Petersburg und Moskau abgeschlossen hat und nun in seine kleine Heimatstadt an der Kljasma mit nur gut 35.000 Einwohnern zurückgekehrt ist. In den Großstädten, so seine Erfahrung, drohe die Kunst inhaltsleer zu werden, zu groß sei die Versuchung, den Moden und Trends nachzulaufen. Seine eigene Sprache und Ausdruckskraft könne man viel besser in der Provinz finden, ohne all die Ablenkung der Metropolen, wo dann auch noch die Kosten für das Atelier kaum mehr zu bezahlen seien.

Schaltkreis einer Ausstellung: Kirill Wedernikow, Fred Ziegler und Dieter Erhard

Am ersten Abend in Erlangen dann noch der Besuch einer Vernissage mit Fred Ziegler im Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen unter dem Motto „Poesie der Schaltkreise“, eine Annäherung von Malerei und Wissenschaft – und wieder so eine Grenzüberwindung, für die auch und gerade Dieter Erhard mit seinem kunstfliegenden Wechsel zwischen den Partnerstädten Riverside und Wladimir steht. Aber das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte. Hier für heute nur noch einmal der Verweis auf den ersten Blogartikel zu Kirill Wedernikow unter: https://is.gd/6fq2uz

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Die Kulturredaktion des Blogs wies ja schon des öfteren auf die Bedeutung des russischen Autors Daniil Charms hin, den zu lesen man sicher nicht müde wird, wenn man sich gern schwindelfrei auf sprachliche Grenzgänge einlassen will. Nun bietet sich aber sogar die höchst seltene Gelegenheit, das Stück „Anicula“ nach der Erzählung „Die Alte“ in Erlangen auf der Bühne zu erleben – in russischer Sprache, aufgeführt von der Truppe ArtiSchocken in Zusammenarbeit mit dem Russischen Theater Nürnberg und dem hiesigen Verein Brücken.

Die Aufführung unter der Regie von Radik Golowkow dauert eine Stunde und vierzig Minuten ohne Pause und ist an drei Abenden hintereinander zu sehen: am Freitag und Samstag, den 22. und 23. Februar, jeweils um 19.30 Uhr und am Sonntag, den 24. Februar um 17.30 Uhr im Kultursaal des Siemens-Gebäudes, Luitpoldstr. 49, zum Preis von 18 Euro bzw. 12 Euro im Vorverkauf, der wegen des geringen Platzangebots – nur 35 Sitze – dringend empfohlen wird:


Fr., 22.02. https://www.frankentipps.de/veranstaltung253778
Sa., 23.02. https://www.frankentipps.de/veranstaltung253779
So., 24.02. https://www.frankentipps.de/veranstaltung253780

Das Stück führt zurück ins Jahr 1939, nach Leningrad, genauer gesagt – nach Sankt Petersburg, in der Majakowskijstraße, genauer gesagt – in die Nadeschdinskajastraße, wo plötzlich ein Künstler, genauer gesagt – ein Poet zum Leben erwacht und mit ihm sein wundersamer Freund Sakerdon, das nette Fräulein mit den leuchtend braunen Augen, die lischpelnde Maria Wassiljewna, ein Lokomotivführer und sogar ein Wurstverkäufer.

Oder findet das alles nur im Kopf des Poeten statt? Die schreckliche Alte jedenfalls, die der Künstler, genauer gesagt – der Poet, leichtsinnig nach der Uhrzeit gefragt hatte, stirbt. Frech und rücksichtslos, mitten in des Poeten Zimmer. Ja, die Alte stirbt. Aber nicht ganz. Gott sei Dank schafft sie es, bevor sie stirbt, dem Künstler, nein, dem Poeten eine Wanduhr zu zeigen und damit seine Frage nach der Zeit zu beantworten. Allerdings fehlen dieser Uhr… Doch das ist schon nicht mehr wichtig. Wichtig ist nun, die Leiche schnell loszuwerden, bevor die Nachbarn davon Wind bekommen und den Hauswart rufen. Denn wenn der erst Bescheid weiß, ist auch das Gefängnis nicht mehr weit. Vielleicht ist es am besten, die Alte, im Moor zu versenken. Oder lieber doch nicht?

Der Künstler, von Angesicht zu Angesicht mit einer unergründlichen Macht. Nicht seine Zeit. Nicht sein Raum. Aber das Bedürfnis, sich fortzubewegen, ist zu groß. Ebenso wie die Notwendigkeit, etwas zu schaffen, das bleibt. Sei es auch bloß eine Erzählung über einen Wundertäter, der keine Wunder tut. Ja, diese Macht ist so alt wie die Welt, wie jene Alte mit der Uhr. Und ihr Name ist Anicula.

Noch Fragen? Dann anrufen bei Jelisaweta Schloßberg unter 0176-647 246 87

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Am Sonntag, den 24. Februar, eröffnet Oberbürgermeister Florian Janik um 11.15 Uhr im Großen Saal der Volkshochschule die Ausstellung der Gruppe Andersartig mit dem sprechenden Titel (R)EVOLUTION. An dem Projekt mit Arbeiten von Irene Hetzler, Carolin Gugel und Hans-Peter Singer nimmt auch Kirill Wedernikow teil, der sich als Mitglied des Russischen Künstlerverbandes und bei zahlreichen Ausstellungen und Festivals in Moskau, Sankt Petersburg, Nowgorod, Nischnij Nowgorod, Astrachan und Wladimir einen Namen machte.

Kirill Wedernikow

Kirill Wedernikow wurde 1991 in Wjasniki, einer kleinen Kreisstadt in der Region Wladimir, geboren. Seinen künstlerischen Werdegang begann er mit Graffiti und fand dank dem Studium verschiedener Stile und Richtungen bald zu seinem eigenen Stil. Die Ausbildung an der Fachschule für künstlerische Restaurationsarbeiten in Susdal wird dabei zum Meilenstein in seiner kreativen Entwicklung.

Kirill Wedernikow bei der Arbeit

Die Anziehungskraft alter Industrieviertel, Fabriken und verlassener Häfen an Flüssen stellt eines der zentralen Themen Kirill Wedernikows dar. Gerade dort konzentriert sich die Energie einer anderen Zeit, deren Tiefe und Widersprüchlichkeit der Künstler in seinen Werken zu verstehen und widerzuspiegeln versucht.

Kirill Wedernikows Interesse gilt der Malerei, der Druckgraphik (Xylographie und Linolgravur) sowie originellen Techniken wie Tusche, Zeichenfeder oder Aquarell, aber auch der monumentalen Kunst wie Street Art.

Der Wladimirer Künstler – er wird zur Vernissage in Erlangen erwartet – stellt erstmals in Deutschland aus. Seine Arbeiten sind mit den Exponaten der Gruppe Andersartig bei freiem Eintritt bis zum 12. April in den Räumen der Volkshochschule, Friedrichstraße 19, 1. Stock, montags bis freitags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr zu sehen.

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Knapper und lakonischer als Anatolij Gawrilow, der Wladimirer Großmeister der kleinen Prosa, kann man es nicht sagen:

Schnee fällt. Schnee ist das Subjekt, fällt das Prädikat.

Er fiel und fällt derzeit tatsächlich reichlich in der Partnerstadt. Die Polizei warnt sogar vor unnötigen Fahrten mit dem Auto.

Bei uns ist das ja so eine Sache mit dem Schnee. In Erwiderung zu Anatolij Gawrilow könnte man sagen:

Schnee taut. Schnee ist das Subjekt, taut das Prädiakat.

Aber es gibt ja auch noch andere Wege, sich dem bei uns so flüchtigen weißen Phänomen zu nähern, mit Arbeiten von Georgij Parfjonow, dessen Herbstbilder der Blog bereits vorstellte: https://is.gd/zmhN2X

Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, sei barbarisch, schrieb Theodor W. Adorno vor 70 Jahren. Aber er begriff ja bald selbst, wie schwer es würde, ohne die Schönheit der Kunst weiterzuleben.

Heute, am Tag der Befreiung des Todeslagers durch die Sowjetarmee, dürfen wir uns deshalb über diese Winterbilder eines Künstlers aus Wladimir freuen und dankbar sein für das Wunder der deutsch-russischen Aussöhnung.

Aber der Rest ist dann doch besser Schweigen. Daran arbeitet Anatolij Gawrilow wahrscheinlich derzeit. Vielleicht ist ja dann das Verstummen doch die höchste Form der Poesie.

 

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