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Archive for the ‘Kultur’ Category


Ein neues Denkmal für einen Filmklassiker und dessen weltberühmten Regisseur sind seit fast einem Monat in Susdal zu bestaunen. Damit hat es seine besondere Bewandtnis. Hier nämlich, in der Partnerstadt von Rothenburg, drehte Andrej Tarkowskij 1965 die so eindrucksvolle Abschlußszene von „Andrej Rubljow“ – mit dem Gießen der Glocke, diesem bildmächtigen Symbol für die Kraft der Jugend und Kunst.

Eine stilisierte, vier Meter hohe Glocke, überragt von einer kreuzgekrönten Kuppel, stellt denn auch den mächtigen Hintergrund des Denkmals dar, vor dem der Regisseur und zwei seiner Darsteller, Anatolij Solonizyn als Andrej Rubljow und Nikolaj Burljajew als Boriska, lebensgroß zu stehen kommen, geschaffen in dreijähriger unentgeltlicher Arbeit von der Moskauer Künstlerin Maria Tichonowa zum 85. Geburtstag des bereits 1986 verstorbenen Filmemachers.

Maria Tichonowa

Vor 50 Jahren kam der dreistündige Streifen „Andrej Rubljow“ in den Verleih, freilich von der sowjetischen Zensur einigermaßen zurechtgestutzt und vor allem wegen seiner religiösen Thematik von den Ideologen des Kremls argwöhnisch beäugt. Von Leonid Breschnjew freilich heißt es, die Vorführung habe ihn gelangweilt und schon nach wenigen Minuten sei er ins Billardzimmer verschwunden…

Denkmal für den besten Film aller Zeiten und Völker und dessen Schöpfer, den großen russischen Regisseur A. Tarkowskij

Berufenere Betrachter wie Ingmar Bergman riefen aus, noch nichts in der Art gesehen zu haben, und in der Tat erhielt das Werk mit Szenen, die auch in Wladimir gedreht wurden, Auszeichnung um Auszeichnung bis hin zur Aufnahme in die Empire-Liste der 500 besten Filme aller Zeiten auf Platz 36. Etwas großsprecherisch deshalb, was da die Inschrift des Monuments verkündet, aber im Überschwang der Begeisterung verzeihlich – und nachvollziehbar, wenn man sich wieder einmal der überwältigenden Bildsprache von „Andrej Rubljow“ überläßt und sich mit ihm auf den beschwerlichen Weg zwischen Kunst und Religion durch das spätmittelalterliche Rußland macht, an dessen Ende das göttliche Leuchten der Inspiration wartet.

 

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Am Samstag, den 5. August, gibt es ab 18.00 Uhr in der WAB Kosbach, Schleienweg 11, Musik der besonderen Qualität zu hören: Stepan Jegurajew und seine Frau Anna, am Klavier begleitet von Leila Samorskaja, präsentieren bei ihrem Konzert Arien aus der Opernwelt, russische und italienische Volkslieder sowie Melodien aus China. Eine Mischung, die mit dem Schaffen des Ehepaars zu tun hat: er als Dozent und Baßist in Nischnij Nowgorod, während sie an einem chinesischen Konservatorium unterrichtet und als Sopranistin natürlich auf der Bühne steht.

Stepan Jegurajew

Stepan Jegurajew wurde 1982 in Wladimir geboren, machte sich aber bereits als Student an der Oper zu Nischnij Nowgorod einen klangvollen Namen. Es gibt kaum ein Genre, das er nicht beherrscht, vom Chanson über das Kunstlied bis zu Volksweisen und Arien. Daneben gilt der Sänger als begnadeter Schauspieler.

Gerühmt wird des Interpreten Gabe, virtuos mit der eigenen Stimme umzugehen und sie an die jeweiligen räumlichen Verhältnisse anzupassen. Eben noch eruptiv und kraftvoll ist es im nächsten Moment, als hole er die verstummenden Klänge an Seidenfäden wieder zurück zu sich. Und kein Stück, das nicht mit einer nur ihm zugedachten Mimik vorgetragen würde.

Stepan Jegurajew

Es ist, so meinen Kritiker, als habe man nach einem Konzert von Stepan Jegurajew mit all seinen Rollen und Verwandlungen den Auftritt eines ganzen Ensembles erlebt. Man kann der WAB Kosbach deshalb nur danken dafür, den Künstler nach einem erfolgreichen Konzert im Jahr 2015 nun, erstmals mit seiner Frau, erneut verpflichtet zu haben, bei freiem Eintritt (mit der Bitte um Spenden für die Interpreten).

Eine Kritik des Auftritts von 2015  für alle noch unentschlossenen Musikliebhaber aus der Feder von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß findet sich hier: https://is.gd/Bi8J6i

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Es ist endlich warm, ja richtig heiß geworden in Wladimir. Badewetter also und damit leider auch die Zeit von Todesfällen im Wasser, allein an diesem Wochenende zehn in der Region, fünf davon im Zustand der Trunkenheit. Schlimm genug, aber ein Unglück erscheint besonders tragisch.

Alexej Solodilow

Im Kreis Kameschkowo machte der Künstler Alexej Solodilow am Freitag, ausgerüstet mit Booten und Zelten und begleitet von seinem zwölfjährigen Sohn und dessen ein Jahr älteren Freund sowie weiteren Jugendlichen und Erwachsenen, einen Ausflug ans Ufer der Kljasma. Der 43jährige, in Wladimir geborene Landschaftsmaler und Kunstdozent an der dortigen Universität setzte mit seinem Sohn und dessen Freund zum vis-à-vis liegenden Sandstrand über, wo laut Aussage des Sohnes sein Freund beim Aussteigen gleich im Wasser versank. Vater und Sohn sprangen dem Jungen nach, um ihn zu retten, doch auch sie gerieten in einen Strudel, der den Vater davonriß, während sich der Sohn am Boot festhalten konnte und um Hilfe rief. Doch die Retter vom anderen Ufer kamen zu spät. Sie tauchten zwar noch nach dem Mann und dem Jungen, konnten sie aber nicht mehr finden. Erst anderntags entdeckten das herbeigerufenen dreißigköpfige Einsatzteam stromabwärts die beiden Leichen.

Der Morgen. Alexej Solodilow

„Leonid Iwanowitsch Schigajew ist gestorben…“ So beginnt die Erzählung „Dem Andenken L. I. Schigajews“ von Wladimir Nabokow und fährt fort: „Die bei Nekrologen allgemein üblichen Gedankenpunkte stellen wahrscheinlich die Spuren der Wörter dar, die auf Zehenspitzen entschwunden sind – und auf dem Marmor Fußspuren hinterlassen haben – ehrfurchtsvoll, im Gänsemarsch… Ich möchte diese Grabesstille jedoch stören… Erlauben Sie mir also… Nur einige fragmentarische, wirre, eigentlich unerbetene… Aber immerhin.“

Frühjahr an der Kirche Mariä Schutz und Fürbitt. Alexej Solodilow

Anstelle eines Nachrufs auf den Künstler, der heute mit dem Freund seines Sohnes beigesetzt wird, zeigt der Blog immerhin Bilder des Verstorbenen, der am liebsten in Öl malte. Eines seiner Werke, das Goldene Tor vom Festungswall aus gesehen, schmückt nun im Gedenken an Alexej Solodilow auch die Kopfleiste – und möge auch an die übrigen Toten dieser Tage erinnern, die hier namenlos bleiben, aber auch trauernde Familien hinterlassen, während „auf mir die Welt lastet“, wie es am Ende der verstörend-düsteren Erzählung von Wladimir Nabokow, „Der neue Nachbar“, heißt: „mit ihrer bunten Leere.“

 

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Am vergangenen Sonntag fand in Wladimir, genauer im Park „Freundschaft“, am südwestlichen Stadtrand, ein Treffen von Photographen unter dem Titel „Fotofest“ statt. Die Künstler aus Moskau und aus anderen Städten zeigten zusammen mit ihren Wladimirer Kollegen ihr Können bei wechselhaftem Wetter, aber mit beständigem Erfolg, wie auf den Bildern zu sehen:

Wladimir Tschutschadejew und Sergej Skuratow, zwei Wladimirer Meister der Kamera

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotofest 2

 

 

 

 

 

 

Fotofest 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin ein kleines Wunder

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe Stil

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin ein Superheld – Ich habe Stil

 

 

 

 

 

 

 

Fotofest 13

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr von dem Fest der Bilder gibt es aus dieser Quelle zu schöpfen: https://vk.com/fotofest_33

 

 

 

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Nach unserem ersten Aufenthalt vor zwei Jahren freuten wir uns über eine erneute Einladung vom 12. bis 16. Juni nach Wladimir, verbunden mit der Teilnahme an dem dort seinerzeit ins Leben gerufenen Jazzfestival „Jazz Grom“.

Jens Magdeburg, Florian Fischer und Gunther Rissmann

Nastja und Igor, die derzeit an der Hochschule Geige studieren, holten uns wieder am Flughafen Domodedowo in Moskau ab, und so konnten wir schon auf der mehrstündigen Fahrt nach Wladimir unser geplantes Besuchsprogramm besprechen.

Wladimir im Frühsommer

Untergebracht waren wir erneut in einer Wohnung der Universität, wo uns am nächsten Vormittag Igor abholte und von wo wir gemeinsam mit dem elektrischen Bus der Linie 8 zur Philharmonie fuhren. Dort waren wir Zuschauer einer Aufführung von Studierenden des Instituts für Kunst und Musik, die unter Leitung von Larissa Uljanowa ein humorvolles Kindermusical über den russischen Schulalltag darboten.

Kindermusical

Danach lauschten wir in der Kunst- und Musikfakultät einer Probe und dem Konzert des „High Life Jazz Orchestras“ unter Leitung von Andrej Schewljakow, das dieses Mal ihren musikalischen Schwerpunkt auf Bossa Nova und Samba legten, und gaben selbst noch eine halbstündige Kostprobe unseres Konzertprogramms.

Andrej Schewljakow (ganz rechts stehend) und sein Ensemble

Der nächste Tag war zunächst angefüllt mit einem Seminar der Dekanin Larissa Uljanowa über die musikalische Ausbildungssituation hier wie dort, wobei Florian Fischer, unser Schlagzeuger und derzeit Student an der Musikhochschule Nürnberg-Augsburg, ein begehrter Gesprächspartner war. Einen Dank hier noch an Irina Chasowa vom Erlangen-Haus, die für uns dolmetschte.

Florian Fischer und Gunther Rissmann

Danach ging es in die Philharmonie für einen ersten Soundcheck für das morgige Konzert und dann noch weiter an die Berufsfachschule für Musik in Wladimir. Hier spielten wir Ausschnitte aus unserem Konzertprogramm, beteiligten uns an einer kleinen Jamsession mit den dortigen Studierenden und kamen in ein angeregtes Gespräch über Improvisationskonzepte und mögliche didaktische Umsetzungen.

Jens Magdeburg, Florian Fischer und Gunther Rissmann im Schatten von Wladimir Lenin

Gemeinsames Musizieren hat eben eine ganz stark verbindende Wirkung auch über Ländergrenzen hinweg, die in diesem Workshop auch gut zu spüren war.

Das Trio vor der Philharmonie

Am Donnerstag blieb am Vormittag noch Zeit, die neu angelegten Gärten eines ehemaligen Klosters zu besuchen, bevor wir am Nachmittag dann in die Philharmonie gingen für einen letzten Soundcheck und die Vorbereitung auf das Festivalkonzert. Der Konzertabend wurde von einem Chor aus Wladimir eröffnet, der jazzinspirierte Kompositionen darbot, gefolgt von unserem Trioauftritt.

Auftritt des „High Life Jazz Orchestra“

Nach einer Pause spielte zunächst die landesweit bekannte russische Formation „Acapella Express“, die Vokalmusik auf höchstem Niveau bot. Dann folgte das Konzert unserer Gastgeber, des “High Life Jazz Orchestra“, bevor der Moskauer Pianist, Sergej Schilin, den Abend mit seiner Darbietung beendete.

Das Jens-Magdeburg-Trio inmitten der Wladimirer Freunde

Am nächsten Morgen traten wir schon früh die Heimreise an und bestiegen den Zug nach Moskau, begleitet von Natalia Dumnowa, Dozentin am Erlangen-Haus, die sich freundlicherweise an ihrem freien Tag bereit erklärt hatte, uns Gesellschaft zu leisten.

Florian Fischer, Gunther Rissmann mit Natalia Dumnowa in der Moskauer Metro

So konnten wir abschließend noch ein paar Impressionen aus der beeindruckenden Zehnmillionen-Metropole Moskau erhaschen, bevor wir über Zürich wieder ins heimatliche Franken flogen.

Das Jens-Magdeburg-Trio auf dem Roten Platz

Unser Dank gilt wieder unseren herzlichen Gastgebern in Wladimir, Peter Steger sowie den Damen des Erlangen-Hauses für ihre Mühe und ihr Wohlwollen.

Jens Magdeburg

s. auch: https://is.gd/9clJsG

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Wer zwei einzigartige Gemälde von Michail Schibanow aus der Wladimirer Welt des 18. Jahrhunderts sehen will, muß nach Moskau reisen, in die Tretjakow-Galerie. Zu sehen sind da die wohl ersten Beispiele einer realistischen Darstellung des Lebens abseits des Hofs und der Aristokratie, mit denen so gut wie jedes Lehrbuch über die Geschichte der russischen Malerei aufmacht: erstmals statt historischer Sujets, Pastoralen, Portraits hochgestellter Persönlichkeiten oder mythischer Gestalten – Szenen aus dem Alltag der einfachen Leute.

Michail Schibanow: Bauernmahl

 

Die eine Arbeit von 1774 stellt vier Erwachsene und einen Säugling dar, die andere, drei Jahre später entstanden, zeigt eine bäuerliche Gruppe während eines der Hochzeit vorangestellten Brauchs, der Verlobung. Beide Bilder sind signiert, das eine mit „Dieses Gemälde stellt Bauern der Susdaler Provinz dar. 1774 geschaffen von M. Schibanow.“, das andere mit „In der nämlichen Provinz geschaffen im Kirchdorf Tatarowo 1777 von M. Schibanow.“

Abschluß des Heiratsvertrages

 

Die Forscher sind sich sicher: Hinter jenem Tatarowo verbirgt sich Barkoje Tatarowo, mittlerweile mit dem für seine Lackminiaturarbeiten berühmten Mstjora im Landkreis Wjasniki, Gouvernement Wladimir, zusammengewachsen, wo nach dem Künstler auch eine Straße benannt ist. Von dem Maler weiß man freilich eher wenig, weder Ort noch Datum seiner Geburt oder seines Todes sind bekannt. Man nimmt allerdings an, er entstamme entweder einer Leibeigenenfamilie auf einem der Güter des Fürsten Grigorij Potjomkin-Tawridskij oder des Admirals Grigorij Spiridonow aus Pereslawl-Saleskij, wofür das Protrait von dessen Sohn aus dem Atelier Michail Schibanows spricht.

Katharina II

Als gesichert gilt allerdings, daß der Künstler im Auftrag von Fürst Potjomkin arbeitete und auch ein Portrait der Zarin Katharina II und ihres Favoriten, Alexander Dmitrijew-Mamonow, malte.

Detail aus dem „Bauernmahl“

Welche Laune des Schicksals den Künstler in das Gouvernement Wladimir brachte, ist wiederum Gegenstand von Mutmaßungen. Bleiben werden aber die beiden Arbeiten mit ihren ausdrucksstarken Gesichtern einfacher Leute, die vor zweieinhalb Jahrhunderten lebten und so etwas wie einen enzyklopädischen Schatz darstellen, zeigen die Figuren doch Details der russischen Trachten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Forscher begeistern sich an der exakten Wiedergabe von Einzelheiten der Kleidung wie des Ablaufs einer Zeremonie, die genau dem entsprechen, was man aus schriftlichen Quellen über jene Zeit erfahren kann.

Detail aus dem „Abschluß des Heiratsvertrages“

Und der Betrachter? Er ist erfreut über die ausdrucksstarke Vielfalt der Gesichter und Gesten, die eine längst versunkene Welt auferstehen lassen und zurückführen an den Anfang dessen, was man später die Wladimir Malschule nennen sollte.

zusammengestellt nach Material von Dmitrij Artjuch

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Gestern vormittag verstarb in einem Moskau Krankenhaus mit 89 Jahren einer der ganz Großen des „Goldenen Zeitalters“ des sowjetischen Films, Alexej Batalow, nachdem er tags zuvor noch die Sterbesakramente erhalten hatte. Der vielfach ausgezeichnete und ganz außerordentlich populäre Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Pädagoge hatte mütterlicherseits Wladimirer Wurzeln, die das Portal Zebra-TV nachzeichnet. Der Publikumsliebling wurde nämlich am 20. November 1928 in Wladimir als erster Sohn des Schauspielerpaars Nina Olschewskaja und Wladimir Batalow geboren, obwohl seine Eltern damals bereits in Moskau lebten. Die Ehe ging bald auseinander, doch die Verbindung – wenngleich problematisch – zu Wladimir blieb bestehen.

Alexej Batalow

Der Halbbruder und Schriftsteller, Michail Ardow, berichtet in seinen Erinnerungen, der Vater der gemeinsamen Mutter, Anton Olschewskij sei Tierarzt und Sohn des Oberförsters im Gouvernement Wladimir gewesen, verheiratet mit einer polnischen Gräfin aus dem Hause Poniatowki. Die beiden hatten ohne den Segen der Eltern geheiratet und waren von Polen nach Wladimir gekommen. Außerdem sei Nina Olschewskajas Großvater ein Nachfahre eines Teilnehmers am Polnischen Aufstand 1863 und im Wladimirer Zentralgefängnis eingesperrt gewesen. Des Schauspielers Großmutter, Antonina Olschewskaja, entstamme mütterlicherseits dem Dienstadelsgeschlecht der Narbekows und habe in Wladimir erfolgreich als Zahnärztin gearbeitet sowie sich politisch als Mitglied der Sozialistischen Revolutionäre betätigt, also in Opposition zu den Bolschewiken. Die Familie hatte ein Haus ganz im Zentrum, unweit der Kathedralen, wo Nina Olschewskaja schon als Kind den Gottesdienst besuchte. Doch schon 1925 zog sie nach Moskau, wo sie mehr Gelegenheit hatte, ihr schauspielerisches Talent zu entwickeln.

Zum lebenslangen Bruch mit Wladimir kam es allerdings mit der Verhaftung der Eltern von Nina Olschewskaja im Jahr 1937. Die Kommunisten hatten Nina Olschewskaja ihre führende Rolle in der Opposition nicht verziehen. Zehn Jahre war sie im Zentralgefängnis eingesperrt, ihr Mann überlebte die Haft nicht. Erst in den 70er Jahren besuchte die Schauspielerin mit ihrem Sohn Michail noch einmal ein Dorf in der Region Wladimir, weigerte sich aber kategorisch, in Wladimir auf den Zug nach Moskau zu warten. Anders Alexej Batalow, der ab und an noch – im weißen „Wolga“ – den Ort besucht haben soll, wo sein Elternhaus in Wladimir gestanden hatte. Freilich auch ohne besonders herzliche Gefühle angesichts der Geschichte seiner Großeltern. Traurig, aber verständlich.

Alexej Batalow

Hinterlassen hat Alexej Batalow unsterbliche Filme, von denen auch viele im Westen bekannt sind wie „Moskau glaubt den Tränen nicht“, „Die Kraniche ziehen“, „Die Dame mit dem Hündchen“ oder „Ein Regenschirm für Verliebte“. Beigesetzt wird er nun auf dem Preobraschenskij-Friedhof in Moskau neben seiner Mutter aus Wladimir. Den Tränen dort darf man glauben.

 

 

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