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Archive for the ‘Kultur’ Category


In loser Folge erscheint ab jetzt in der Übersetzung von Peter Steger Kurzprosa des Wladimirer Autors Anatolij Gawrilow. Zum Einstieg heute zwei Texte darüber, wie schnell man ins Gefängnis geraten kann.

Ich bin Künstler. Mein Hauptthema ist das Meer. Mir ist gleich, was ich esse, was ich trage und was man über mich sagt. Ich habe keine Feiertage. Mein Feiertag ist das Meer. Das Meer im Morgengrauen, am Mittag, nachts, das Meer ruhig, unruhig, das Meer in all seinen Erscheinungen. Ich komme gerade aus dem Gefängnis. Man sperrte mich ein, weil einer hochgestellten Dame auf einer Ausstellung meiner Bilder übel wurde. Ein Freund hat mich bei sich aufgenommen. Er überließ mir ein Zimmer, kaufte Pinsel, Farben, Leinwand. Und ich male wieder das Meer.

***

Ein gelangweilter Millionär ließ sich überreden, an einem Spiel teilzunehmen, bei dem man eine Woche als Obdachloser lebt. Danach wählt man drei von den echten Sandlern aus, die einem gefallen, und spendiert ihnen einen gewissen Teil seiner Millionen. Am Ende des einwöchigen Lebens auf Platte erhielten zwei Penner je ein Zimmer in einer Gemeinschaftswohnung, während der dritte, ein Schriftsteller, mit einer Einzimmerwohnung und einem Vertrag mit einem Verlag bedacht wurde. Nach einiger Zeit bemerkt der Millionär, daß alle seine Geschenke verkauft und vertrunken sind, während der Schriftsteller sogar im Gefängnis sitzt – für den Mord an seinem Verleger.

Anatolij Gawrilow

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In einem Bummelzug der 80er Jahre – vollgestopft mit Menschen auf dem Weg zum Einkauf von Lebensmitteln, nach denen man in einem Rätsel suchte: lang, grün und riecht nach Wurst, was ist das? – waren die unmöglichsten Sachen zu hören, konnte man die unglaublichsten Dinge sehen.

Jeden Morgen stürmten ihn die Leute in den Regionen Wladimir, Jaroslawl oder Kalinin, und abends kämpften die müden, mit Rucksäcken und Taschen beladenen Fahrgäste, die den Tag über das ganze Mütterchen Moskau abgelaufen waren, um die Sitzplätze. Kaum jemand ohne schwere Taschen voller Lebensmittel, Schuhe und Kleidung in den Händen. Mit anderen Attributen – Mappen voller Manuskripte, Bücher, Kladden und aller möglicher Kleinkram – reisten die Studenten und angehende Doktoranden.

Gelernte Fahrgäste kannten sich bestens darin aus, in welchen Waggon es sich zu setzen empfahl, um sich nicht über den langen Bahnsteig mühen zu müssen und genau an den Türen zum Heimatbahnhof aussteigen zu können, wo man dann direkt in das nächste Verkehrsmittel umsteigen mußte, sei es Bus oder Oberleitungsbus. Sie wußten Bescheid über die Arten der Angriffe auf die sich öffnenden Türen, wußten, an welcher Stelle genau sich diese Türen auf dem Bahnsteig befinden würden. Und so sprangen  oder flogen sie denn, nachdem sie anfangs einen kleinen Schritt zur Seite getreten waren, in den Waggon hinein, besetzten die Plätze für sich und die Ihren, welche darauf mit überschweren Taschen vorsichtig (da sie auch Eierkartons dabei hatten) zu dem sie erwartenden Verwandten vordrangen.

Wer den rechtzeitigen Einstieg verpaßt hatte, hetzte durch die Waggons auf der Suche nach einem freien Platz und strandete schließlich, ohne auch nur einen einzigen gefunden zu haben, gescheitert im Gang.

So ging auch einmal ein großer, schöner, selbstbewußter Mann um die 50 durch unseren Waggon. Er suchte mit den Augen ein freies Plätzchen, und als er eines im Eck am Ausgang entdeckte, wandte er sich mit der dringenden Bitte an die Fahrgäste, diesen freizuhalten, da er gleich eine Großmutter herbringen werde. „Sie ist sehr müde, bitte lassen Sie niemand anderen Platz nehmen!“ – „Natürlich“, nickte man zustimmend, „wir halten ihn für die alte Dame frei.“

Alle waren es zufrieden, auf ihrem Weg einen so aufmerksamen und liebevollen Sohn getroffen zu haben, und stellten sich nun vor, wie er am Arm eine schwächliche und betagte Frau herein- und an ihren Platz führen würde, um sich dann die Fahrt über um sie zu kümmern.

Der Mann kehrte dann lange nicht zurück. Andere, mit schweren Taschen beladene Fahrgäste fragten dauernd im Vorübergehen, ob der Platz noch frei sei, doch alle Sitznachbarn verteidigten ihn im Chor mit dem Hinweis darauf, gleich werde jemand seine Großmutter herführen. So ging das fast bis zum Abfahrtspfiff weiter.

Und da tauchte endlich in der Tür die bekannte Figur des Mannes auf. Aber wo nur war die Großmutter…, grau, hilflos, ein weißes Kopftuch auf, ein dunkles Kleid an? Eine große, schöne, noch junge Frau, eine die der Volksmund noch „im vollen Saft“ nennt, schwebt erhobenen Hauptes durch den Waggon. An der Hand führt sie ein entzückendes Mädchen mit riesigen weißen Schleifen in den Zöpfen.

Tatjana Oserowa

„Und wo ist nun die alte Dame?“ wollten die Fahrgäste wissen, für die sie so entschlossen den Platz freigehalten hatten. „Ja, steht etwa vor Ihnen etwa keine Großmutter?“ gab der Mann zurück, und alle um ihn herum lachen.

Tatjana Oserowa, Übersetzung Peter Steger

Original unter: https://is.gd/BesSr6

 

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Eigentlich sollte hier spätestens heute eine Rückschau zum Auftritt des Wladimirer Knabenchors vom vergangenen Montag in Erlangen erscheinen. Doch die Umstände wollten es nicht: weder ein geeigneter Auftrittsort, zu kurzfristig das Angebot. Und so blieb es leider bei der Teilnahme des Ensembles unter Leitung von Eduard Markin am 8. Internationalen Robert-Schumann-Chorwettbewerb in Zwickau vom 7. bis 10. Juni.

Eduard Markin und sein Knabenchor

Wer die Ansprüche an sich selbst und seine jungen Künstler, verstärkt durch Männerstimmen, kennt, weiß, daß der Maestro es nicht bei einer schlichten Teilnahme belassen kann. Und so verwundert es nicht, wenn man erfährt, daß von den dreizehn goldenen, vier silbernen und zwei bronzenen Diplomen ein erster Preis an Wladimir ging – in der Kategorie „Jugendchöre mit gemischten Stimmen“.

Großer Auftritt des Knabenchors Wladimir in Zwickau

Hierzu die Stimme von Nikita Birjukow:

Mein jüngster Sohn ist mit einem goldenen Diplom von einem der angesehensten Chorfestivals in Deutschland zurückgekehrt. Es ist bereits zu einer guten Tradition des Wladimirer Knabenchors unter Leitung von Eduard Markin geworden, Preise und Auszeichnungen aus allen möglichen Ecken des Landes und der Welt (!) nach Hause zu bringen. Bravo, Maestro! Bravo, Eduard Mitrofanowitsch Markin! Bravo, Jungs!!!

 

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Das Erlanger Ensemble „Vocanta“ pflegt einen Austausch mit dem Kammerchor „Raspew“ in Wladimir und besuchte nun vom 28. Mai bis 2. Juni bereits zum dritten Mal die Partnerstadt. Gleich nach der Ankunft am Moskauer Flughafen Domodjedowo wurden wir von Deutsch-Studenten herzlich begrüßt und zum von der Stadt Wladimir gestellten Bus begleitet. Dieser schipperte uns durch den Moskauer Feierabendverkehr und an unzähligen Baustellen vorbei.

Plakat Vocanta in Wladimir

Auch wenn es unterwegs so schien, als würde die Fahrt nie enden wollen, waren wir irgendwann doch am Erlangen-Haus in Wladimir angekommen. Dort wurden wir von Irina Chasowa herzlich begrüßt und auf unsere Gastfamilien aufgeteilt. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde, verbrachten wir den Rest des Abends gemütlich bei den Freunden zu Hause.

Frühstück für die im Erlangen-Haus untergebrachten Chormitglieder

Am nächsten Morgen besuchten wir das Kloster Bugoljubowo. Auch für alle, die das Kloster schon kannten, war der Ausflug ein Erlebnis mit den vielen Ikonen, die den Innenraum der Kirche schmücken. Die dort lebenden Nonnen unterliegen der Schweigegelübde, aber eine Schwester durfte uns dann doch etwas zu dem Marienbild erklären. Leider sprach sie zu leise, weshalb nur wenige ihr sehr gutes Englisch verstanden.

Bogoljubowo

Auch die kleine, viel ältere „Urkirche“ besuchten wir. In ihr wird wohl nicht mehr Gottesdienst gefeiert, sie scheint vor allem für neugierige Touristen wie uns geöffnet zu sein. Vor diesem Gotteshaus stellten wir uns auf und sangen im stürmenden Wind „Alta trinita beata“ und „Domine, ad adjuvandum me“.

Züchtig-zünftig gekleidet für den Klosterbesuch

Anschließend nutzten wir die Gelegenheit, bei schönstem Sonnenschein den kurzen Weg zu dem Kirchlein „Mariä Schutz und Fürbitte“ zu gehen. Herrlich, über die sumpfigen Wiesen zu blicken, wo der Wind die Gräser heftig bog, wunderbar die Wallfahrtsstätte zu erreichen und anzusehen! Einige der Wladimirer Chorfreunde, die uns auf diesem Ausflug begleiteten, verrieten uns, wer im Leben viel Glück haben und seine Jugend erhalten wolle, müsse dreimal um das Gotteshaus herumlaufen. Man könnte die Reaktion auf diesen Hinweis als kleine Völkerwanderung bezeichnen…

Freiluftkonzert Vocanta

Zum Mittagsimbiß brachte man uns wieder nach Wladimir zurück, und danach trafen wir uns zu einer dringend nötigen Probe. Hierfür hatten die Verantwortlichen im Erlangen-Haus alles möglich gemacht, um uns den Saal für ein Maximum an Zeit zur Verfügung zu stellen. Dies erlaubte uns ein intensives und ungestörtes Singen, das unsere Vorfreude auf die bevorstehenden Konzerte erheblich steigerte.

Isa und Joachim Adamczewski vor dem Hintergrund von Bogoljubowo

Vorläufig aber waren wir Ehrengäste im Konzert der Solisten des Chores Raspew. Gebannt und fasziniert lauschten wir den großartigen Stimmen, begleitet am Klavier. Musikalisch abgerundet wurde das Konzert von einem hervorragenden Violinisten im Zusammenspiel mit einer Pianistin. Leider nutzen uns die einführenden und erklärenden Worte von Maria wenig, weil wir sie alle nicht (oder viel zu wenig) verstanden. Gerührt beobachteten wir, wie Leute aus dem Publikum anschließend einzelnen Solisten Blumen überreichten – so etwas kennen wir allenfalls aus der Oper.

Solistenkonzert unter Leitung von Natalia Kolesnikowa

Anderntags hatte das Wetter umgeschlagen: Der Wind wehte noch immer heftig, und es war spürbar kälter. Der Kaltlufttropfen aus der Arktis war in Wladimir angekommen. Im Bus nach Murom war davon allerdings nichts zu spüren. Dort durften wir in der Musikfachschule unser erstes Konzert singen. Begleitet vom Tosen des Windes vor den Fenstern, trugen wir unser weltliches und geistliches Programm vor und ernteten schiere Stürme der Begeisterung. Spaß hatte es gemacht, und es war toll, so einen Jubel zu erleben!

„Bei Betreten des Klosters darf die Frau keine Männerkleidung, sondern muß vielmehr ein Kleid (einen Rock) und auf dem Kopf ein Tuch (einen Schal) tragen. Männern ist das Betreten in kurzen Hosen verboten.“ Gesehen von Peter Steger in Murom.

Beim Verlassen der Musikfachschule bemerkten wir, daß während des Konzertes der Wind einen Baum um- und auf die Musikschule geworfen hatte, glücklicherweise ohne großen Schaden anzurichten.

Vocanta und ihr Wladimir-Bus

Nach einem ausgiebigen Mittagessen waren wir gestärkt für die Führung in Murom, ein ganz altes, aber ziemlich kleines Städtchen. Wieder durften wir verschiedene Kirchen und Klöster besuchen, darunter eines, in dem noch Brot nach einem Rezept aus dem 16. Jahrhundert gebacken wird. Das wollte natürlich probiert werden: Es erinnert an Milchbrötchen oder auch an Martinswecken. Ein Abstecher an die Oka zeigte uns einen beeindruckenden, riesig breiten Fluß mit heftiger Strömung, auf den Ilja Muromez eine ganzjährig gute Aussicht hat. Er steht als denkmalgewordener Märchenheld an der Stelle des ehemaligen Kreml. Dann war es  auch schon Zeit, wieder nach Wladimir zurückzufahren.

Natalia Kolesnikowa und Natalia Dumnowa

Der 31. Mai, ein Donnerstag, begann gemütlich mit einem freien Vormittag. Sightseeing oder Shopping waren angesagt, für manche tat es aber auch nur ein Kaffee in gemütlicher Runde, bis es Zeit für die Probe wurde, nach der uns wieder ein üppiges Mittagessen erwartete, von dem der Ranzen fast ein wenig zu voll war für das folgende Konzert. Aber die Aufregung macht einen so etwas Banales völlig vergessen. So gaben wir unser gemischtes Programm ein weiteres Mal zum Besten.

Joachim Adamczewski

Obwohl wir subjektiv den Eindruck hatten, nicht so schön gesungen zu haben wie in Murom, applaudierten und jubelten auch die Wladimirer Konzertbesucher, lobten uns und unseren „Meister“, Joachim Adamczewski, über den grünen Klee, und er bekam ein Bild einer russischen Winterlandschaft geschenkt.

Joachim Adamczewski und Natalia Kolesnikowa

Der Rest des Abends war dem „Bankett“ gewidmet: Festlich gedeckte Tische, die sich unter der Last der Speisen und Getränke bogen, zeigten einmal mehr russische Gastfreundschaft. Viele zu Herzen gehende Trinksprüche (glücklicherweise mit kompetenter Übersetzung) leiteten den ausgelassenen, lustigen Abend ein: Ein Geburtstagsständchen für Sascha, der sich bei uns dafür bedankte, wegen seines Geburtstages eine so weite Reise auf uns genommen zu haben, Volkslieder, die unsere Gastgeber zu den Klängen einer Harmonika darboten, Tanz und übersprudelnde Fröhlichkeit, wo man hinsah. Wie schön, diese Verbundenheit so stark zu spüren!

Festmahl nach dem Konzert

Als verantwortungsbewußte Chorleiterin setzte Natalia Kolesnikowa dem Fest gegen 22.00 Uhr ein Ende, mußten wir doch anderntags früh aufstehen und abends in Moskau ein letztes Konzert geben.

Ankündigung des Konzerts in Moskau

Alle versammelten sich brav am Freitag pünktlich am Bahnhof in Wladimir, und auch unsere Freunde von Raspew waren, soweit möglich, alle da. Sie geleiteten uns zum Zug und winkten, bis wir einander nicht mehr sehen konnten. Ob sie wohl bald einmal wieder nach Deutschland kommen werden und wir ihnen einen ähnlich komfortablen Aufenthalt bereiten können, wie sie uns? Das war sicher ein Gedanke, der viele von uns auf der Fahrt begleitete.

Vocanta vor dem Hintergrund der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau

Keine zwei Stunden später waren wir schon in Moskau. Dank ortskundiger Chormitglieder fanden wir unser Hotel schnell und unkompliziert und starteten gleich anschließend zum Sightseeing. Wie riesig Moskau ist, merkte man schnell an den brennenden Füßen. Beizeiten zurück ins Hotel, Chorkleidung schnappen und gleich wieder los zur evangelischen Peter-und-Paul-Kirche, wo die Kulturabteilung der Deutsche Botschaft unter Federführung von Marina Isjumskaja (herzlichen Dank an sie für die perfekte Vorbereitung!) ein Konzert für uns organisiert hatte. Das zentrumsnah gelegene Gotteshaus erwies sich als echte Überraschung, ist es doch nicht im russischen, sondern eher im europäischen Stil gebaut. Außerdem ist es enorm groß, eine riesige Halle mit viel Hall.

Vocanta vor St. Peter und Paul in Moskau

Wir probten kurz in der Kirche, bevor wir uns in einem Aufenthaltsraum, der quasi im Keller der Kirche lag, zu sammeln und zu konzentrieren versuchten. Nach den bisher moderierten Konzerten war es ganz ungewohnt geworden, nach einem gedruckten Programm zu singen. Aber es gelang, und wenn es auch nicht die Begeisterungsstürme gab, die wir in Murom und Wladimir erlebt hatten, kamen doch viele aus dem Publikum auf uns zu, um uns zu sagen, wie gut ihnen der Auftritt gefallen habe – auch sehr schön.

Auftritt Vocanta in St. Peter und Paul zu Moskau

Wir fuhren zurück zum Hotel, von wo aus sich verschieden große Grüppchen zu diversen Restaurants aufmachten, um zum Essen zu gehen. Damit war auch der letzte Abend schon vorbei.

Am Zubringer zum Flughafen

Die Fahrt zum Flughafen und der Rückflug am Sonntag verliefen problemlos. Dann hieß es rasch, sich wieder im Alltag zurechtzufinden. Wir alle sind voller guter Erinnerungen an Herzlichkeit, Frohsinn und absolut bedingungslose Gastfreundschaft, voller Erfahrungen, von denen wir noch lange zehren werden.

Text Isa Adamczeski, Bilder Vocanta und Wladimir Fedin

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So kann es gehen, wenn man Igor Tschernoglasow zum Geburtstag gratuliert. Der Bildhauer bedankt sich für den Gruß mit dem Bild einer seiner Plastiken, die man wohl demnächst im Straßenbild von Wladimir wiederentdecken kann.

Der Saxophonist von Igor Tschernoglasow

Hier also exklusiv das Modell einer der künftigen Arbeiten des Künstlers, dessen Meisterschaft übrigens im Skulpturenpark von Tennenlohe zu bestaunen ist.

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Der Klöppelverein aus Wladimir hatte ja erst jüngst, zur Eröffnung der „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule, Gelegenheit, auf großer Bühne seine Arbeiten mit einer Modenschau vorzustellen. Applikationen für Kleider vornehmlich, Accessoires für die extravagante Abendtoilette, verspielte Ornamentik für die geschmacksbewußte Dame. Alles Unikate und doch Prêt-à-porter.

Klöppeljugend aus Wladimir

Nun macht der russische Nachwuchs dieses hierzulande vom Aussterben bedrohten Kunsthandwerks von sich reden. Jelena Gorbunowa, Gründerin und Leiterin des Vereins, berichtet, der Deutsche Klöppelverband, dem sie als einzige Russin seit Jahren angehört, habe ihren Mädchen den 1. Platz beim Kinderwettbewerb zum Thema „Reise um die Welt“ bei Gruppenarbeiten zugesprochen. Ein Schelm freilich, wer nun denkt, ein Konzern aus Niedersachsen stehe als pars pro toto für die Fortbewegung rund um den Globus – von der orthodoxen Kathedrale zum Eiffelturm und vom Kolosseum zu den Pyramiden von Gizeh -, weil er sich als Sponsor für die Handarbeit betätigt habe.

Klöppelarbeit aus Wladimir

Die Blog-Redaktion kann denn leider auch kein Preisgeld nach Wladimir überweisen, will es aber nicht versäumen, dem glücklichen Quartett zu dem großen Erfolg zu gratulieren. Es ist, als ob der amerikanische Philosoph und Autor, Ralph Waldo Emerson, seine Sentenz „Auch wer um die ganze Welt reist, um das Schöne zu suchen, findet es nur, wenn er es in sich trägt“ den vier Kunsthandwerkerinnen aus Wladimir zugeeignet hätte.

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Im September vergangenen Jahres schuf er bei dem Skulpturensymposium in Erlanger Stadtteil Büchenbach die Holzfigur „Widerstand“, nun plant Jurij Iwatko für heuer seine Teilnahme am Tennenloher Kunstfest im August. Begleitet von seiner Frau, Jelena Jermakowa.

Jurij Iwatko und Jelena Jermakowa

Das Künstlerehepaar aus Alexandrow, fast zwei Autostunden nordwestlich von Wladimir gelegen, teilt bei allen Unterschieden – sie arbeitet viel im Bereich Enkaustik, er kann auf ein großes Œuvre auf dem Gebiet der Bildhauerei verweisen – die Meisterschaft in der Graphik und Lyrik. Nun würden die beiden Mitglieder des Wladimirer Kunstvereins gern beide ihr Können in Erlangen zeigen, sie bei einer Werkstattveranstaltung die Enkaustik, er bei der öffentlichen Gestaltung seiner neuen Skulptur „Sisyphos“.

Sisyphos-Entwürfe von Jurij Iwatko

Die mythologische Figur, verdammt dazu, den Fels, der immer wieder hinabrollt, fortwährend nach oben zu tragen, versteht Jurij Iwatko universell als Symbol für den Kampf gegen die Gravitation und hat dafür bereits eine Reihe von Entwürfen vorbereitet. Für welchen er sich dann aber vor Ort entscheidet, steht noch nicht fest. Das wird auch vom Material abhängen, das die Veranstalter vom Kunstkreis Tennenlohe bereitstellen.

Jurij Iwatkos Lieblingsmotiv im Kreml von Alexandrow

Aus Erlangen kommen nur wenige Besucher nach Alexandrow. Schade eigentlich, denn die Kreisstadt im Gouvernement war von 1564 bis 1581 Residenz von Iwan dem Schrecklichen, Sitz der staatlichen Druckerei, der Ort, wo der Zar die Gesandtschaften aus aller Welt empfing, von wo aus er den Feldzug gegen Nowgorod in Gang setzte – und wo er im Jähzorn seinen Sohn Iwan erschlug. Von dieser Bluttat erschüttert, kehrte der Selbstgekrönte zurück in den Kreml von Moskau, wo er schon drei Jahre darauf starb und ein folgenschweres Machtvakuum hinterließ, das ein Jahrhundert später Peter der Große zu füllen wußte, nachdem er sich auf den „Deutschen Bergen“, ganz in der Nähe von Alexandrow, in der Kriegskunst geübt hatte.

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