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Archive for the ‘Kriminalität’ Category


Der schreckliche Unfall bei Pokrow in der Region Wladimir ging bereits durch die Presse, sogar Angela Merkel kondolierte den Angehörigen der 16 Todesopfer, darunter ein Kind. Ein vollbesetzter 58-Plätze-Bus aus Kasachstan war gestern nacht um 3.39 Uhr auf einem Bahnübergang mit einer Panne liegengeblieben und von einem Zug erfaßt worden.

Einige Passagiere des Busses hatten trotz nachtschlafener Zeit, vom Fahrer alarmiert, den Ernst der Lage begriffen und versucht, das Fahrzeug von den Gleisen zu schieben; gleichzeitig zog der Lokführer die Notbremse. Doch der Aufprall war nicht mehr zu vermeiden und hinterließ ein Bild des Grauens.

Die Einsatzkräfte brachten die Verletzten, darunter auch Kinder, in die umliegenden Krankenhäuser, ein Patient verstarb später in der Wladimirer Notfallklinik.

Die Tragödie hinter dem Unfall: Der Bus war von Schleusern organisiert und mit illegalen Gastarbeitern aus Usbekistan besetzt, die für 5.000 Rubel die eine ganze Woche währende Reise angetreten hatten, um in Rußland ihr Glück zu suchen.

Der Kopf der Schleuser, ein Kasache, sitzt bereits in Untersuchungshaft. Aber Fachleute gehen davon aus, daß derlei Unternehmungen recht häufig vorkämen, daß dahinter ein System stecke. Die nicht verletzten Fahrgäste haben denn auch schon Anzeigen erhalten und werden ausgewiesen, was auch denen droht, die noch in den Krankhäusern behandelt werden, wobei da wohl noch zu klären sein wird, wer für die Kosten aufkommt.

Ebenfalls gestern nacht ein grausiger Unfall im Landkreis Alexandrow: Ein Lkw rammte frontal einen Pkw, der sofort Feuer fing und dessen Insassen, drei Erwachsene und ein Kind, in den Flammen umkamen.

Gennadij Karaulow

Und schließlich wird heute der Arzt Gennadij Karaulow zu Grabe getragen, der in seinem 77. Lebensjahr verstarb und schon 1990 im Rahmen der Aktion „Hilfe für Wladimir“ sein Orthopädisches Zentrum in Jurjewez, inzwischen in die Partnerstadt eingemeindet, weit öffnete für die Kontakte mit den Kollegen aus Erlangen. Ihnen allen ein bleibendes R.I.P.

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Am 30. März vergangenen Jahres kam eine gar düstere Geschichte ans Licht. Jemand hatte geplant, Sergej Sacharow, den ehemaligen Oberbürgermeister von Wladimir und jetzigen Stadtdirektor von Susdal, zu entführen, um Lösegeld zu erpressen. Festgenommen hatte man einen 29jährigen Mann, den der Inlandsgeheimdienst seit Herbst 2015 beobachtete und verdächtigte, den Politiker in einer eigens angemieteten Garage am Stadtrand von Wladimir mit verschiedenem Werkzeug foltern zu wollen – etwa Finger abzuschneiden oder Zähne abzufeilen -, um mittels der Schmerzensschreie, die der Erpresser den Verwandten zuzuspielen vorhatte, seiner Forderung nach zehn Millionen Rubeln Nachdruck zu verleihen. Ausführen wollte der Verkaufsleiter mit einem durchaus ansehnlichen Monatseinkommen von 50.000 Rubeln mit einem vorbestraften Komplizen, der weitere Helfer anwerben sollte, aber an verdeckte Ermittler geriet. Da hatte der Verdächtige aber schon den mutmaßlich reichen Sergej Sacharow im Visier und seinen Weg zur Arbeit von Wladimir nach Susdal ausgekundschaftet. Zwei Mal war er dem Politiker sogar bis in die Nachbarstadt gefolgt, um zu sehen, ob die Entführung dort besser zu bewerkstelligen sei.

Sergej Sacharow vor dem Hintergrund von Susdal

Der Spuk, von dem Sergej Sacharow erst kurz vor der Verhaftung des verhinderten Täters erfuhr, ist nun vorüber und juristisch geklärt. Neun Jahre Haft und ein weiteres Jahr in Sicherheitsverwahrung lautete dieser Tage das Urteil für Lew Kruglow, der übrigens seine Unschuld beteuert, alles auf falsche Freunde schiebt, die ihn angestiftet haben sollen, und die Sache als Provokation ausgibt, während die Ermittler weitere Ergebnisse ihrer Arbeit publik machten: Es waren weitere Entführungen von Politikern aus der Regionalregierung sowie eine führenden Mitarbeiters eines Handelszentrums geplant, und mit der Beute wollte sich der als voll zurechnungsfähig eingestufte Erpresser nach Weißrußland oder Deutschland absetzen. Nun sitzt er aber erst einmal ein, und Sergej Sacharow, der sich übrigens den Gerichtstermin und die damit verbundenen Gegenüberstellung mit seinem vorsätzlichen Peiniger erspart hatte, kann heute unbesorgt das Stadtfest in Susdal feiern, worüber sich seine Freunde freuen, heute und alle Tage.

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Wenn Sie sich selbst verletzt oder ein Ihnen nahestehender Mensch Schmerz zugefügt hat und Sie diese Spuren zudecken möchten, ist eine Tätowierung eine der besten Lösungen. Dort, wo Sie Schmerz empfanden, kann jetzt etwas Schönes sein, etwas, das ganz Ihnen gehört. Anstelle schmerzhafter und schwerer Erinnerungen können neue, ausschließlich angenehme treten. Ihre Haut kann nämlich auch nur Geschichten erzählen, die Sie gern in Erinnerung behalten.

So wirbt Rina Tsunami im Internet für ihr kostenloses Angebot, die Spuren von Gewalt – gleich ob autoaggressiv selbst zugefügt oder im häuslichen Umfeld erlitten – wenn schon nicht ungeschehen, so doch unsichtbar zu machen. Dutzende von Frauen nahmen die Dienste der Tätowierin in Wladimir schon in Anspruch, und es könnten noch mehr werden.

600.000 Frauen und Kinder sollen es nach offiziellen Angaben des russischen Innenministeriums sein, die landesweit pro Jahr Opfer häuslicher Gewalt werden; nach Zählung der Vereinten Nationen erliegen 14.000 davon ihren Verletzungen. Aber was sagen schon Zahlen über Blessuren und Erniedrigungen, über blaue Flecken und Narben, über unsichtbare Wunden der Seele…

Rina Tsunami meint, viel zu viele Frauen verhielten sich noch immer nach dem Motto: „Wenn er mich schlägt, liebt er mich!“ – und suchen die Schuld für die Ausschläge auf der leider nach oben offenen Aggressionsskala ihres Partners bei sich. Außerdem gebe es viel zu wenig Angebote für psychologische Beratung und Betreuung, Rechtsbeistand und materielle Absicherung.

Hinzu kommt seit Februar die neue Gesetzeslage: Wenn jemand innerhalb der eigenen Familie zuschlägt und das zum ersten Mal ohne schwere Mißhandlungen tut, kommt er mit einer Geldstraße bis zu 400 Euro davon oder geht für zwei Wochen in Haft. Vor dieser „Entkriminalisierung“ und Herabstufung auf eine Ordnungswidrigkeit, übrigens von weiblichen Abgeordneten der Staatsduma betrieben, lag das Strafmaß auch für Ersttäter bei bis zu zwei Jahren Gefängnis. So hart bestraft werden jetzt nur noch Prügel im Fall von Rassenhaß oder religiös motivierten Gewalttätigkeiten. Wenn es um Hiebe und Liebe geht, will sich der Staat weitgehend heraushalten. Rina Tsunami sieht die Sache differenziert:

Nach Inkrafttreten des Entkriminalisierungsgesetzes soll es mehr Anzeigen gegeben haben. Einerseits ist es ja gut, wenn man sich gleich an die Polizei wendet, andererseits könnte es damit zusammenhängen, daß angesichts der neuen Lage vielen die Hand schneller ausrutscht, viele sich von der Last der Verantwortung für ihre Handgreiflichkeiten befreit fühlen. Schwer zu sagen, was nun zunimmt: die Zahl der Gewalttaten oder der Mut, sich zur Wehr zu setzen. Ich selbst stand lange dem neuen Gesetz ablehnend gegenüber. Aber jetzt glaube ich auch an eine positive Seite, denn dem Opfer fällt es nun leichter, die Polizei einzuschalten. Die Logik dahinter: Der Schläger wird nicht gleich eingesperrt, also ist es nicht so schlimm, wenn ich ihn anzeige. Ins Gefängnis muß er erst beim dritten oder fünften Mal. Aber wer will sich schon mehrfach mißhandeln lassen, bis der Täter dafür büßt? Ein schwaches und sehr strittiges Argument also.

Wenn er dich schlägt, liebt er dich. Familiensache. Selbst schuld. Die Ehe ist wichtiger

„Die Anwendung von Gewalt ist mit der Liebe unvereinbar“, meinte Lew Tolstoj, der große Moralist und Romancier. Und die Lebenserfahrung zeigt: Wer einmal schlägt, tut es bald wieder. Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Oft ist es besser, wenn man gleich verschwindet!

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Seit Oktober vergangenen Jahres sitzt Dmitrij Chwostow wegen Korruptionsvorwürfen in Untersuchungshaft. Kurz zuvor hatte er sein Amt als Vizegouverneur der Region Wladimir, zuständig für Bauwesen, Architektur und Forstwirtschaft, verloren. Nun wurde über Pfingsten Vizegouverneurin Jelena Masanko, verantwortlich für Liegenschaften und Grundstücksverwaltung, wegen des Vorwurfs festgenommen, von Geschäftsleuten etwa drei Millionen Rubel als „Geschenk“ angenommen zu haben. Ihre mutmaßliche Gegenleistung: die Bevorzugung eines Unternehmens aus der Region Kemerowo, wo sie bis zu ihrer Berufung nach Wladimir vor vier Jahren selbst lebte und arbeitete, bei einem Auftrag aus dem Jahr 2014 zur Renovierung und Möblierung des „Weißen Hauses“, wie die „Staatskanzlei“ des Gouvernements Wladimir gern genannt wird. Gestern entschied ein Gericht in Moskau, wo die Beschuldigte ihren Erstwohnsitz hat, die Beamtin auf Antrag der Verteidigung bis Anfang August unter Hausarrest zu stellen – Verdunkelungsgefahr bestehe nicht, da man alle Unterlagen sichergestellt habe – und das Verfahren unter Ausschluß der Öffentlichkeit fortzusetzen. Grund hierfür: Jelena Masanko ist an Krebs erkrankt und hat ein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre.

Jelena Masanko

Gleich wie der Fall ausgehen mag, bringt die Causa der Region Wladimir landesweit viel unerwünschte mediale Aufmerksamkeit. Der Kampf gegen die scheinbar unausrottbare Korruption gilt als „Staatsräson“,  der Oppositionspolitiker und Präsidentschaftskandidat in spe, Alexej Nawalnyj, hat sich das Thema wie kein anderes auf die Fahnen geschrieben, und die Strafverfolgungsbehörden schauen genauer hin, nehmen jeden Hinweis, jede Aussage sehr ernst. Regional diskutiert man nun, ob da noch mehr im Busch sei, wer noch auf der Fahndungsliste stehen und was dies am Ende für Gouverneurin Swetlana Orlowa bedeuten könnte. Den Ernst der Lage beschreiben ausgerechnet die „Wladimirskije Wedomosti“ besonders drastisch, wenn das „Amtsblatt“ der Regionalverwaltung befürchtet: „Die Sache bedeutet einen vernichtenden Schlag gegen das Ansehen des Gouvernements Wladimir und gegen das Ansehen der Gouverneurin, Swetlana Orlowa.“ Diese – gerade zurück vom Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg, wo sie für Investitionen in ihrer Region geworben hatte – nannte die Verhaftung ihrer Stellvertreterin gegenüber TASS eine „Provokation“ und versicherte, Jelena Masanko habe kein Schmiergeld angenommen.

Jelena Masanko

Bleibt zu hoffen, daß nicht passiere, was man häufig in derlei Dingen erlebt: Im Lauf der Ermittlungen tauchen weitere Verdachtsfälle auf, wenn der Revisor sich traut, auf den Tisch zu hauen, der mit Cognac vollgestellt ist, um den russischen Liedermacher und Erzähler Anatolij Ras zu paraphrasieren.

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Nachdem gestern bekannt geworden war, daß einer der Hintermänner des U-Bahn-Anschlags von Sankt Petersburg, Abror Asimow, in einem Dorf der Region Wladimir gemeldet war, gab gestern der Inlandsgeheimdienst folgenden Meldung heraus:

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Das Treiben hat ein Ende, zumindest sieht man davon jetzt nichts mehr. Immer wieder habe sich in Wladimir ein Exhibitionist an seinem Fenster gezeigt und seinen entblößten Unterleib zur Schau gestellt, besonders dann, wenn Mütter mit Kindern und Mädchen vorübergingen. Und das obwohl der Mann nach Aussage von Nachbarn selbst Frau und Kind habe. Alle Drohungen sollten fruchtlos geblieben sein, auch als man ihm das Fenster einschlug, fuhr er wohl fort, öffentliches Ärgernis zu erregen. Sogar der lokale Sender 6tv hatte darüber berichtet.

Nun wählte ein Quartett von Jugendlichen den Einsatz eines wirkungsvollen Mittels und nagelte eine Wellblechplatte vor das Fenster. Selbstjustiz freilich, beklatscht von den Anwohnern, bei der die Polizei bisher nicht eingriff. Allerdings wolle die sich den Sachverhalt bei Eingang einer Anzeige näher ansehen. Seltsam nur: Wegen der mutmaßlich unsittlichen Handlungen sei bisher keine Beschwerde bei den Ordnungshütern eingegangen. Kuriose Angelegenheit.

Siehe: https://is.gd/frupMh

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Nachrichten aus Wladimir schaffen es nicht alle Tage in die überregionalen Medien. Zu groß das Land, zu viele der Ereignisse. Doch nun macht Erlangens russische Partnerstadt sogar in der Moscow Times Schlagzeilen unter dem Titel „Anonyme Witzbolde bombardieren russische Kinder mit der Botschaft, wie sie dank ausströmendem Gas zu Feen werden können“. Dahinter steckt eine derzeit tatsächlich besonders in der Region Wladimir gehäuft auftretende Cyber-Attacke, die im Märchenton den Tod ins Haus bringen kann.

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Wie wird man zu Hause zur Winx-Feuerfee? Stehe um Mitternacht auf, wenn alle zu Bett gegangen sind, umkreise drei Mal dein Zimmer und sprich dann die Zauberworte: „Königreich Alfeus, liebe Feen, gebt mit die Kraft, ich bitte euch!“ Darauf gehst du leise in die Küche und achte darauf, nicht gesehen zu werden, weil sonst der Zauber der Worte dahin ist! Schalte den Gasherd an, alle vier Ringe, aber entflamme sie nicht! Du wirst dich doch nicht verbrennen wollen? Dann gehst du wieder ruhig zu Bett. Wenn du eingeschlafen bist, kommt das Zaubergas, und während du es voll und ganz einatmest, verwandeltst du dich zur Fee! Wenn du dann wieder erwachst, sprich: „Danke Alfeus, ich wurde zur Fee!“ Erst dann wirst du zu einer echten Feuerfee.

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„Winx Club“ ist eine italienisch-amerikanische Zeichentrickserie, die weltweit über TV und Youtube zu sehen ist, freilich ohne die Kinder zum Selbstmord durch ausströmendes Gas oder eine lebensgefährliche Transsubstantiation aufzurufen. Wer hinter der perfiden Aktion steckt, ist bisher unbekannt; man weiß nur, die verstörende Botschaft verbreitet sich rasend schnell über die verschiedensten Internetkanäle und erreicht auch Erwachsene, sogar den Pressesprecher der Landespolizei von Wladimir. Inzwischen sind Eltern und Pädagogen alarmiert, und es gelingt hoffentlich, den faulen Zauber zu bannen, bevor er wirksam wird. Im übrigen kann es nicht schaden, auch hierzulande immer einmal wieder nachzusehen, was die Kinder bei uns buchstäblich so alles auf dem Schirm haben.

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