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Archive for the ‘Kriminalität’ Category


Ein kurioser Casus wird da gerade in Wladimir verhandelt. Es geht um einen vermeintlichen Schatz, den ein bereits vorbestrafter Schwindler aus der Nähe von Moskau einem Mann aus dem Landkreis Sudogda, 30 km von der Partnerstadt entfernt, andrehte. Der Trick ging, wie das Portal Zebra TV berichtet, so: Im August vergangenen Jahres machte der eine dem andern das Angebot, einen ganzen Tonkrug voll alter Münzen aus gelbem und silbernem Metall zu erwerben, gefunden angeblich beim Hausbau und dokumentiert durch ein Photo des Schatzes. Um dessen Echtheit zu beweisen, gingen beide zu einem Juwelier, dem der Betrüger  ein Geldstück zur Prüfung vorlegte, das freilich, wie sich später herausstellte, gar nicht zum behaupteten Fund gehörte und als echt befunden wurde. Daraufhin erwarb der geprellte Numismatiker den ganzen Topf für 150.000 Rubel und bemerkte erst später, bei näherer Betrachtung seiner Erwerbung, daß die Münzen alle von billigster Legierung waren.

Der Übeltäter ist geständig und zeigt sich reuevoll, muß nun aber wegen seiner Vorstrafe mit einem Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren rechnen. Zeit genug, um einmal den „Goldnen Topf“ von E. T. A. Hoffmann zu lesen.

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Es ist nicht zu fassen, der Mensch kann’s nicht lassen! Während Stadt und Land sich gegen den Ausbruch der Corona-Pandemie wappnen, wütet in der Region Wladimir eine virulente Seuche, weil – wie alle Jahre im Frühling wieder – in der Region – uneinsichtige Zündler ihr Unwesen treiben und trockenes Gras sowie Gartenabfälle in Brand stecken. Diese bis vor wenigen Jahren noch durchaus geduldete Unsitte verpestet nicht nur die Luft, schädigt nicht nur Flora wie Fauna, sondern kostet auch immer wieder Menschenleben.

Selbst wenn es bisher auf wundersame Weise noch keine Opfer gibt, zogen die Flächenbrände allein innert drei Tagen in einem einzigen Landkreis des Gouvernements Wladimir drei Dörfer in Mitleidenschaft. Trotz Einsatz sogar eines Löschhubschraubers brannte insgesamt mindestens ein Dutzend Datschen und Wohnhäuser nieder. Es gibt da zwar auch die anrührende Anekdote, wie ein Feuerwehrmann am Rande eines Einsatzes einen Igel vor den Flammen rettete, aber Hoffnung auf Einsicht macht auch das nicht. Denn nun liegt vor dem Land eine Woche angeordneter Urlaub, um die Ausbreitung von Corona zu verlangsamen, freie Zeit, die bei anhaltend trockenem Wetter viele verbringen wie Paulinchen aus dem Struwwelpeter, wo es schließlich – wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe – heißt:

Verbrannt ist alles ganz und gar,
das arme Kind mit Haut und Haar;
ein Häuflein Asche bleibt allein
und beide Schuh’, so hübsch und fein.

Auch die leicht abgewandelte Strafandrohung wird daran wenig ändern. Nach gegenwärtigem Kurs berappt man, wenn man denn dingfest gemacht wird, als Privatperson gerade einmal bis zu 4.000 Rubel – nach gegenwärtigem Kurs nicht einmal 50 Euro – für das Abfackeln.

Doch Minz und Maunz, die Katzen,
erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
„Der Putin hat’s verboten!“

Nun haben die Behörden für diese Woche jedes offene Feuer untersagt – gleich ob im Garten oder auf dem Feld und im Wald. Wenn sich nur endlich jeder daran hielte!

P.S.: Damit Sie den Tag nicht nur mit Asche und Rauch beginnen müssen, hier der Sonnenaufgang über dem Goldenen Tor zu Wladimir: https://is.gd/ZFQ1Kz

 

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Laut Zahlen des Innenministeriums, die jetzt auch der Regionalsender Wladimir 33 übernahm, registrierten die Behörden von Januar bis September d.J. mehr als 15.000 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen. 2018 lag die Zahl noch bei 21.000 Anzeigen. Wodurch der eklatante Rückgang zu erklären sie, davon später.

Auf das Gouvernement Wladimir heruntergebrochen – die Fläche von Brandenburg mit etwa 1.300.000 Einwohnern – zählte man 599 Übergriffe, davon 297 im Zusammenhang mit „Morddrohung oder schwerer Körperverletzung“ und 157 „beabsichtigte leichte Körperverletzung“ sowie 44 wegen „mittelschwerer Körperverletzung“. Hinzu kommen noch vier Fälle von Mißhandlung.

So weit die offiziellen Zahlen, hinter denen, das verschweigt auch der Sender nicht, wohl ganz andere Größenordnungen stehen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wird fast ein Drittel aller Frauen seitens ihres Partners einmal Objekt physischer oder sexueller Gewalt. Das dürfte auch in russischen Beziehungen kaum anders sein.

Im Wladimirer Sozialzentrum und Frauenhaus kennt man die Notlage, die oft noch dadurch verschärft wird, daß die Opfer zu ihrem Peiniger zurückkehren (müssen). Zum einen, weil sie die soziale Schmach als schlimmer empfinden als die Erniedrigung zu Hause, oder weil sie keine Möglichkeit sehen, auf eigenen Beinen zu stehen, erst recht nicht mit Kindern, denen man doch nicht den Vater wegnehmen dürfe. Nur in Einzelfällen, so die Leiterin der Einrichtung, Jelena Tschenzowa, gelinge es, mit kostenloser juristischer Beratung zu einer Scheidung oder Gütertrennung zu verhelfen.

Ein neues Phänomen: Immer mehr Frauen erleiden auch seitens ihrer erwachsenen Kinder Gewalt. So prügelte eine rauschgiftsüchtige Frau systematisch die eigene Mutter. Derlei Dinge kommen aber kaum vor den Kadi. Welche Mutter sagt schon gegen das eigene Kind aus – und sei dieses auch noch so alt und erwachsen!

Erst kürzlich nahm der Gesetzgeber eine Initiative auf, um der häuslichen Gewalt prophylaktisch etwas entgegenzusetzen. Demnach sollen verurteilte Gewalttäter sich künftig auf nicht mehr als 50 m ihren Opfern nähern dürfen. Außerdem sollen bereits Schläge als Straftatsbestand gewertet und Wiederholungstäter mit bis zu einem Jahr Haft anstelle einer Geldstrafe härter bestraft werden.

Ein eigenes Thema stellen Kinder dar, die Zeugen der Gewalt werden und/oder auch selbst Opfer der Übergriffe werden.

Alle 40 Minuten stirbt in Rußland ein Frau wegen häuslicher Gewalt. – Manchmal ist das Zuhause der gefährlichste Ort. – Familienmitglied zu schlagen – kein Verbrechen? – Häusliche Gewalt: Krisenzentren in jeder Region!

Doch nun zu der Frage, warum die Zahlen so eklatant zurückgegangen sind. Nicht weil der eheliche Umgang plötzlich ziviler geworden wäre, sondern aus juristischen Gründen. Bis 2017 hatte es im Strafgesetzbuch einen Paragraphen gegeben, der Gewalt innerhalb der Familie und Prügel aus Haß oder Feindschaft gleichermaßen sanktionierte. Schlägt man jetzt die Ehefrau, handelt es sich nur noch um eine Ordnungswidrigkeit. Aus religiösem oder ethnischem Haß hingegen darf man andere also weiterhin nicht physisch angreifen. Wenn ein aggressiver Vater die Fäuste fliegen läßt, drohen ihm nur noch umgerechnet 85 bis 470 Euro Bußgeld oder Arrest bis zu maximal 15 Tagen. Vorher waren Strafen bis zu zwei Jahren Gefängnis möglich. Und „leichtere“ Verletzungen fliegen einfach aus der Statistik.

Dagegen sich zu wehren – und gegen das immer noch verbreitete Stigma als Frau, die ihren schlagenden Mann den Behörden meldet -, offensiv mit diesem Problem in die Öffentlichkeit zu gehen, das steht noch aus. Nicht nur in der Region Wladimir.

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Die Übeltäter


Es begab sich anno 1885, daß ein fünfundzwanzigjähriger Arzt mit literarischen Ambitionen, tätig in einem Krankenhaus im Umland von Moskau, eine Erzählung veröffentlichte, in der ein Bauer von den Eisenbahnschienen Muttern abschraubte, um sie als Senkblei für das Angeln von Quappen zu verwenden. Geschildert wird dies alles im Dialog zwischen dem Übeltäter und dem Strafverfolger, dem es einfach nicht gelingen will, den Geständigen von der Unrechtmäßigkeit seines Handelns zu überzeugen. Warum sollte es verboten sein, sich solch einfache Hilfsmittel zu beschaffen, wenn doch gleichzeitig viel schwerer wiegende Straftaten wie die Annahme von Schmiergeld ungesühnt bleibe. Als dann klar ist, daß am Ende des Verhörs das Gefängnis wartet, erinnert sich der Antiheld auch noch seiner beiden anderen Brüder, die genau das gleiche Gewerbe betreiben, dafür aber – welch ein Unrecht! – nicht belangt werden. Die Geschichte hatte unter dem Titel „Der Übeltäter“ Erfolg bei den Lesern. Der junge Arzt hieß Anton Tschechow.

Die Jahre vergingen, erst einhundert, dann mehr als einhundertdreißig. Bis zum Sommer 2019, als in der Nähe von Murom im Gouvernement Wladimir drei dort einheimische Männer festgenommen wurden, weil sie ungefähr 200 Metallbolzen, Muttern und Scheiben mit einem Gesamtgewicht von mehr als einer halben Tonne vom Gleiskörper abgeschraubt hatten, um Geld daraus zu machen.

Ob sich das Trio auf ein literarisches Vorbild bezog, ist nicht überliefert, aber der Beleg dafür, daß Literatur über den Moment hinauswirkt, dürfte damit erbracht sein. Quod erat demonstrandum: vita brevis, ars longa.

P.S.: Zumindest in Deutschland wäre in unseren Tagen selbst der Versuch, Quappen, auch Ruppe oder Trüsche genannt, untersagt. In den Gewässern hierzulande gehört der Fisch nämlich zu den bedrohten Arten. Der Hinweis des Ertappten auf andere Schwarzangler und Wilderer dürfte da kaum verfangen.

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Dieser Fall hat das Zeug, in die Kriminalliteratur Eingang zu finden: Katzen als Mordmotiv. Die Belletristik ist reich an Beispielen für die unberechenbaren Schmusetiere wie Kater Murr von E.T.A. Hoffmann, der riesenhafte Begemoth von Michail Bulgakow oder der Schwarze Kater von Edgar Allan Poe, um nur drei der bekanntesten felinen Figuren zu nennen. Nun aber gleich zu dem ungeheuerlichen Kasus, der sich im Landkreis Alexandrow der Region Wladimir am 11. Juni auf tragische Weise zutrug.
Die Polizei wurde auf das Gelände eines Heimgartenvereins gerufen, wo sie eine 65jährige Frau mit tödlichen Hieb- und Schußwunden auffand. Als dringend der Tat verdächtig wurde der 37jährige, aus Moskau stammende Vorsitzende der Datschengemeinschaft festgenommen, der freilich zunächst alles abstritt. Doch die Indizien überführten den Mann so überzeugend, daß er bald gestand und auch das Motiv angab, von dem sich die Sprecherin der Staatsanwaltschaft „gelinge gesagt geschockt“ zeigte: Der Tatverdächtige sei nach der Scheidung zunächst auf seine Datscha gezogen – mit einer Katze, die bald darauf verschwand und später in erbärmlichem Zustand in der Nähe seines Gartengrundstücks aufgefunden wurde. Darauf habe er sich ein neues Kätzchen zugelegt, das ebenfalls verschwunden sei, und auch das mittlerweile dritte Tier sei seit dem 10. Juni abgängig. Schuld daran waren nach Auffassung des mutmaßlichen Mörders die Nachbarn. Er habe deshalb nach Verschwinden des dritten Kätzchens zur Luftdruckpistole gegriffen und, gut versteckt, gewartet, wer als erster aus der Nachbardatscha treten werde. Es traf besagte Rentnerin, die alleine war. Der Rächer seiner Katzen stürzte sich auf die Frau, schlug sie und schoß. Doch damit nicht genug: Er stürmte in das Haus des Opfers, wo er eine Schaufel fand, mit der er erneut zuschlug. Nun wird erst einmal ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Da wird sich hoffentlich klären, wie Katzenliebe eine solch irrsinnige Tat motivieren kann. Und sicher liegt hier ein Fall für die forensische Literatur vor. Einem Krimi-Autor würde man ja einen solchen Plot kaum abnehmen.

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Wer gestern morgen die Nachrichtenticker der großen russischen Agenturen verfolgte, konnte das Fürchten lernen. Von einem Antiterroreinsatz in der Region Wladimir sprachen die Schlagzeilen. Und tatsächlich gingen die Sicherheitskräfte in der Kreisstadt Koltschugino, gut 70 km nordwestlich von Wladimir gelegen, um 0.35 gegen eine Terrorzelle vor, die im Verdacht stand, einen Anschlag zu planen.

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Das Haus, in dem sich die Verdächtigen aufhielten, wurde umstellt, nachdem die Nachbarn alle evakuiert waren. Die zwei mutmaßlichen Islamisten folgten nicht der Aufforderung, sich zu ergeben, sondern eröffneten selbst das Feuer. Beim folgenden Schußwechsel kamen die beiden Angreifer gegen 5.00 Uhr ums Leben, bei den Sicherheitskräften gab es gottlob keine Opfer.

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Offenbar standen die jungen Männer in Kontakt mit ausländischen Terrorgruppen, in deren Auftrag sie aktiv werden sollten. Dafür fanden sich denn auch in dem Haus eindeutige Indizien: Waffen, Munition, einsatzbereiter Sprengstoff aus Eigenproduktion und extremistisch-religiöse Schriften.

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Nun läuft die Fahndung nach weiteren Mitgliedern der Gruppe und mögliche Verbindungsleute zu anderen Terrorzellen im In- und Ausland.

Um 9.30 Uhr hoben die Behörden den Ausnahmezustand in Koltschugino auf, und Gouvereur Wladimir Sipjagin dankte den Behörden für den erfolgreichen Einsatz, mahnte aber auch die Bevölkerung, weiterhin wachsam zu bleiben, denn die Bedrohung durch islamistischen Terror sei, wie jetzt wieder einmal bewiesen, keine Angelegenheit, die irgendwo in fernen Ländern zu gewärtigen sei, sondern alle überall jederzeit betreffen könne. Leider wahr – hier wie dort und allerorts.

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Rassismus gibt es leider in wohl jedem Land. Aber besonders gefährlich ist er in einem Vielvölkerstaat wie der Russischen Föderation. Desto entschiedener auch die staatlichen Reaktionen auf derartige Tendenzen, vor allem, wenn sie Strukturen annehmen.

Gegen Rassismus und Xenophobie

Nun melden Wladimirer Medien, man habe in der Partnerstadt, in Rjasan und in der Region Moskau bei einer konzertierten Aktion sechs Verdächtige festgenommen, die zu einem rechten Netzwerk gehören, das die „slawische Rasse“ über alle anderen setzt. Bei den Verhafteten fanden sich im Rahmen der Wohnungsdurchsuchungen neben Waffen auch Propagandamaterial und Unterlagen zur Anwerbung und Schulung von neuen Mitgliedern der Gruppierung. Vor allem aber entdeckte man Material, das Beweise für rassistische Übergriffe beinhaltet. Die Inhaftierten erwarten nun langjährige Gefängnisstrafen, aber der Kampf gegen Rassismus wird weitergehen müssen. Hier wie dort und überall.

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