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Archive for the ‘Kriminalität’ Category


Seit Oktober vergangenen Jahres sitzt Dmitrij Chwostow wegen Korruptionsvorwürfen in Untersuchungshaft. Kurz zuvor hatte er sein Amt als Vizegouverneur der Region Wladimir, zuständig für Bauwesen, Architektur und Forstwirtschaft, verloren. Nun wurde über Pfingsten Vizegouverneurin Jelena Masanko, verantwortlich für Liegenschaften und Grundstücksverwaltung, wegen des Vorwurfs festgenommen, von Geschäftsleuten etwa drei Millionen Rubel als „Geschenk“ angenommen zu haben. Ihre mutmaßliche Gegenleistung: die Bevorzugung eines Unternehmens aus der Region Kemerowo, wo sie bis zu ihrer Berufung nach Wladimir vor vier Jahren selbst lebte und arbeitete, bei einem Auftrag aus dem Jahr 2014 zur Renovierung und Möblierung des „Weißen Hauses“, wie die „Staatskanzlei“ des Gouvernements Wladimir gern genannt wird. Gestern entschied ein Gericht in Moskau, wo die Beschuldigte ihren Erstwohnsitz hat, die Beamtin auf Antrag der Verteidigung bis Anfang August unter Hausarrest zu stellen – Verdunkelungsgefahr bestehe nicht, da man alle Unterlagen sichergestellt habe – und das Verfahren unter Ausschluß der Öffentlichkeit fortzusetzen. Grund hierfür: Jelena Masanko ist an Krebs erkrankt und hat ein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre.

Jelena Masanko

Gleich wie der Fall ausgehen mag, bringt die Causa der Region Wladimir landesweit viel unerwünschte mediale Aufmerksamkeit. Der Kampf gegen die scheinbar unausrottbare Korruption gilt als „Staatsräson“,  der Oppositionspolitiker und Präsidentschaftskandidat in spe, Alexej Nawalnyj, hat sich das Thema wie kein anderes auf die Fahnen geschrieben, und die Strafverfolgungsbehörden schauen genauer hin, nehmen jeden Hinweis, jede Aussage sehr ernst. Regional diskutiert man nun, ob da noch mehr im Busch sei, wer noch auf der Fahndungsliste stehen und was dies am Ende für Gouverneurin Swetlana Orlowa bedeuten könnte. Den Ernst der Lage beschreiben ausgerechnet die „Wladimirskije Wedomosti“ besonders drastisch, wenn das „Amtsblatt“ der Regionalverwaltung befürchtet: „Die Sache bedeutet einen vernichtenden Schlag gegen das Ansehen des Gouvernements Wladimir und gegen das Ansehen der Gouverneurin, Swetlana Orlowa.“ Diese – gerade zurück vom Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg, wo sie für Investitionen in ihrer Region geworben hatte – nannte die Verhaftung ihrer Stellvertreterin gegenüber TASS eine „Provokation“ und versicherte, Jelena Masanko habe kein Schmiergeld angenommen.

Jelena Masanko

Bleibt zu hoffen, daß nicht passiere, was man häufig in derlei Dingen erlebt: Im Lauf der Ermittlungen tauchen weitere Verdachtsfälle auf, wenn der Revisor sich traut, auf den Tisch zu hauen, der mit Cognac vollgestellt ist, um den russischen Liedermacher und Erzähler Anatolij Ras zu paraphrasieren.

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Nachdem gestern bekannt geworden war, daß einer der Hintermänner des U-Bahn-Anschlags von Sankt Petersburg, Abror Asimow, in einem Dorf der Region Wladimir gemeldet war, gab gestern der Inlandsgeheimdienst folgenden Meldung heraus:

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Das Treiben hat ein Ende, zumindest sieht man davon jetzt nichts mehr. Immer wieder habe sich in Wladimir ein Exhibitionist an seinem Fenster gezeigt und seinen entblößten Unterleib zur Schau gestellt, besonders dann, wenn Mütter mit Kindern und Mädchen vorübergingen. Und das obwohl der Mann nach Aussage von Nachbarn selbst Frau und Kind habe. Alle Drohungen sollten fruchtlos geblieben sein, auch als man ihm das Fenster einschlug, fuhr er wohl fort, öffentliches Ärgernis zu erregen. Sogar der lokale Sender 6tv hatte darüber berichtet.

Nun wählte ein Quartett von Jugendlichen den Einsatz eines wirkungsvollen Mittels und nagelte eine Wellblechplatte vor das Fenster. Selbstjustiz freilich, beklatscht von den Anwohnern, bei der die Polizei bisher nicht eingriff. Allerdings wolle die sich den Sachverhalt bei Eingang einer Anzeige näher ansehen. Seltsam nur: Wegen der mutmaßlich unsittlichen Handlungen sei bisher keine Beschwerde bei den Ordnungshütern eingegangen. Kuriose Angelegenheit.

Siehe: https://is.gd/frupMh

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Nachrichten aus Wladimir schaffen es nicht alle Tage in die überregionalen Medien. Zu groß das Land, zu viele der Ereignisse. Doch nun macht Erlangens russische Partnerstadt sogar in der Moscow Times Schlagzeilen unter dem Titel „Anonyme Witzbolde bombardieren russische Kinder mit der Botschaft, wie sie dank ausströmendem Gas zu Feen werden können“. Dahinter steckt eine derzeit tatsächlich besonders in der Region Wladimir gehäuft auftretende Cyber-Attacke, die im Märchenton den Tod ins Haus bringen kann.

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Wie wird man zu Hause zur Winx-Feuerfee? Stehe um Mitternacht auf, wenn alle zu Bett gegangen sind, umkreise drei Mal dein Zimmer und sprich dann die Zauberworte: „Königreich Alfeus, liebe Feen, gebt mit die Kraft, ich bitte euch!“ Darauf gehst du leise in die Küche und achte darauf, nicht gesehen zu werden, weil sonst der Zauber der Worte dahin ist! Schalte den Gasherd an, alle vier Ringe, aber entflamme sie nicht! Du wirst dich doch nicht verbrennen wollen? Dann gehst du wieder ruhig zu Bett. Wenn du eingeschlafen bist, kommt das Zaubergas, und während du es voll und ganz einatmest, verwandeltst du dich zur Fee! Wenn du dann wieder erwachst, sprich: „Danke Alfeus, ich wurde zur Fee!“ Erst dann wirst du zu einer echten Feuerfee.

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„Winx Club“ ist eine italienisch-amerikanische Zeichentrickserie, die weltweit über TV und Youtube zu sehen ist, freilich ohne die Kinder zum Selbstmord durch ausströmendes Gas oder eine lebensgefährliche Transsubstantiation aufzurufen. Wer hinter der perfiden Aktion steckt, ist bisher unbekannt; man weiß nur, die verstörende Botschaft verbreitet sich rasend schnell über die verschiedensten Internetkanäle und erreicht auch Erwachsene, sogar den Pressesprecher der Landespolizei von Wladimir. Inzwischen sind Eltern und Pädagogen alarmiert, und es gelingt hoffentlich, den faulen Zauber zu bannen, bevor er wirksam wird. Im übrigen kann es nicht schaden, auch hierzulande immer einmal wieder nachzusehen, was die Kinder bei uns buchstäblich so alles auf dem Schirm haben.

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Welch eine Koinzidenz der Ereignisse! Während in der immer donnerstags vom Wladimirer Schulamt veranstalteten Vortrags- und Diskussionsreihe „Nützliche Elternversammlungen“ das Thema „Grausamkeit von Kindern und Jugendlichen“ auf der Agenda steht, gibt die Staatsanwalt ein Verbrechen bekannt, bereits während der Neujahrsfeiertage verübt, dessen Details derart bizarr erscheinen, daß sich die Behörde darüber Stillschweigen auferlegt und nur mitteilt, ein dreizehnjähriger Junge habe sich, mit alkoholischen Getränken versorgt, in die Gesellschaft einer Runde von erwachsenen Zechern begeben und sei ab einem bestimmten Zeitpunkt mit einem älteren Trinker alleine zurückgeblieben, um ihn dann auf nicht näher beschriebene Weise zu töten, den Leichnam auszunehmen, zu verstecken und die Eingeweide alle in gesonderte Gefäße zu geben, eine Vorgehensweise, die der auch nach russischem Gesetz strafunmündige und bisher völlig unauffällige „Pathologe“ damit erklärt, er habe einmal sehen wollen, wie der Mensch von innen beschaffen sei.

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Diese verstörende Kernschmelze jeder Hemmung, diese verschreckende Bestialität erinnert fatal an den Roman „Clockwork Orange“ von Anthony Burgess, der 1962 die literarische Welt mit dem fünfzehnjährigen Antihelden Alex und dessen dreiköpfiger Gang schockierte, die sich daran ergötzte, wehrlose Männer brutal zu verprügeln und Frauen zu vergewaltigen, geschildert in einem ganz eigenen Jargon, dem übrigens mit verfremdeten Versatzstücken aus dem Russischen generierten „Nadsat“, den man am besten im Original liest:

„Our pockets were full of deng, so there was no real need from the point of view of crasting any more pretty polly to tolchok some old veck in an alley and viddy him swim in his blood while we counted the takings and divided by four.“ („deng“ = „dengi“ = Geld; „tolchok“ = Stoß; „veck“ = „tschelowek“ = Mensch; „viddy“ = „videt“ = sehen)

Die Gegenwart des in die nähere englische Zukunft projezierten Romans scheint nun auch Wladimir und die ganze Region erreicht zu haben, wenn man sich die Entwicklung der Jugendkriminalität anhand einiger Exzesse im vergangenen Jahr ansieht: Da ist der behinderte Junge, der auf offener Straße grundlos von vier Heranwachsenden überfallen und krankenhausreif geschlagen wurde. Da ist der 27jährige Mann, den vier Teenager überfielen und mit einem Schraubenzieher übel zurichteten, wobei die schlimmsten Verletzungen just auf das Konto des jüngsten Mitglieds im Quartett gehen. Da sind die hilflosen Patienten eines Pflegeheims, an zwei Tagen hintereinander von zwei Minderjährigen – sie kletterten über die Mauer der Anstalt – verspottet und gequält. Da ist das Mädchen, von einer 16jährigen im Suff mit einem Ziegelstein erschlagen. Da sind die beiden Schüler, die ihre Tierquälerei filmten und ins Netz stellten. Da ist die Rentnerin, der ein Junge im Bus von hinten mit der Faust auf den Kopf schlug, bevor er ausstieg und sich dann draußen mit einem Freund das Opfer verlachte. Da sind die fünf Mädchen, die eine ihnen völlig unbekannte Schülerin in einen Hauseingang zerrten, sie mit Schlägen und Tritten so traktierten, daß sie zwei Wochen stationär behandelt werden mußte und zwei Zähne verlor.

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Man mag einwenden, schon Friedrich Schiller habe gewarnt: „Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.“ Man mag sagen, juvenile Brutalität sei ein Phänomen aller Zeiten und aller Kulturen. Aber deshalb die Waffen strecken? Wladimir jedenfalls will sich den Gewaltausbrüchen stellen, schon in den Krippen und Kindergärten Aggressionen angehen, mit psychologisch-fachkundiger Hilfe die Eltern und Lehrkräfte unterstützen, Aufklärung betreiben und vor allem auf eines hinweisen: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Was Kinder in der Familie erleben (müssen), leben sie selbst wieder aus. Vielleicht genügt aber auch schon in manchen Fällen der Hinweis auf die „Nummer gegen Kummer“, die man in Wladimir rund um die Uhr gebührenfrei wählen kann – möglichst vor dem ersten Schlag, vor der ersten Ohrfeige, vor dem ersten Tritt…

 

 

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Das Erlangen-Haus hat viele Vorzüge. Wie anders ließe sich erklären, daß eine solche Einrichtung seit mehr als einem Vierteljahrhundert derart erfolgreich tätig sein kann! Das größte Pfund, mit dem die Außenstelle der Städtepartnerschaft in Wladimir freilich wuchern kann, ist zweifelsohne das Team um Geschäftsführerin Irina Chasowa mit seiner Dozentenschaft. Abzulesen sicher auch daran, daß man sich hier nie mit dem erreichten Niveau zufriedengibt, nie stehen bleibt, immer neue Herausforderungen annimmt.

Tatjana Kirssanowa und Natalia Korssakowa

Tatjana Kirssanowa und Natalia Korssakowa

So hat jetzt die Koordinatorin der Deutschkurse, Tatjana Kirssanowa, gemeinsam mit ihrer Kollegin, Natalia Korssakowa – getreu dem Motto: Man lernt im Leben nie aus – erfolgreich eine Weiterbildung beim Goethe-Institut Moskau zum Thema „Landeskunde Cross Media“ abgeschlossen, um den Unterricht noch lebendiger und abwechslungsreicher zu gestalten.

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Und soeben hat eine weitere Dozentin, Natalia Dumnowa, die sprachliche Begleiterin des BDKJ-Austausches, das Programm „Grünes Diplom“ abgeschlossen und damit ein Zertifikat erhalten, das auf der ganzen Welt als Nachweis der Qualifizierung als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache anerkannt wird. Das macht Freude und verdient drei große Komplimente!

Natalia Dumnowa

Natalia Dumnowa

Aber es gibt auch die verstörende Nachricht von dem einundvierzigjährigen Mann, der vorgestern abend ganz in der Nähe des Erlangen-Hauses von mindestens fünf Schüssen, zum Teil in den Kopf, so schwer verwundet wurde, daß er im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Hintergründe und Motive des Verbrechens sind noch unklar. Freud und Leid – wie immer und leider auch hier wieder – ganz nah beisammen.

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Gerade eben konnte die Polizei mit berechtigtem Stolz verkünden, in allen 59 Mordfällen des ersten Halbjahrs in der Region Wladimir die Täter überführt zu haben. Eine hundertprozentige Aufklärungsquote. Und da ist auch schon der nächste Casus gelöst, freilich von einer Art, die selbst erfahrene Kriminalisten schaudern macht. Die Schreckensgeschichte, ein Familiendrama, nahm so ihren Lauf:

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Vor zehn Jahren lernte ein damals 36jähriger Wladimirer seine spätere Frau, ein fünfzehnjähriges Mädchen, kennen, das bei ihrem Stiefvater und Halbbruder aufwuchs. Das schwere Schicksal der Waise rührte nach eigener Aussage das Herz des Mannes, der sich – ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen – als „guter Onkel“ der Halbwüchsigen annahm und sie, gerade volljährig geworden, heiratete. Er brachte einen Sohn mit in die Ehe, selbst blieb das Paar kinderlos und lebte das letzte halbe Jahr getrennt. Als die junge Frau nach dem russischen Nationalfeiertag am 13. Juni nicht zur Arbeit erschienen war, meldete sich eine Freundin bei der Polizei, die bald feststellte, daß der Mann der letzte war, der die Verschwundene gesehen hatte. Der gab an, er habe sich tatsächlich an dem Festtag mit seiner Frau versöhnt, in der Nacht sei sie aber noch in einen Klub, wo sie freilich niemand gesehen hatte. Der Verdacht der Ermittler fiel denn auch auf den Mann – und, wie sich zeigen sollte, berechtigterweise, denn er hatte in jener Nacht seinem Opfer – wohl aus Eifersucht – buchstäblich den Hals umgedreht. Der Gerichtsmediziner stellte an der Leiche den Bruch der Halswirbel fest.

Anderntags, so das Ergebnis der Fahnder, bat der Mörder seinen Sohn um Rat, und der rief einen Freund, um die Leiche zu dritt in einem Dorfweiher unweit von Susdal zu versenken. Doch nach einigen Tagen dämmerte dem Täter, in den Kleidern der Toten könnte noch ihr Handy stecken, das die Polizei auf ihre Spur führen dürfte. Also fuhr er nochmals mit dem Sohn zu dem Gewässer, wo die Tote inzwischen wieder aufgetaucht war. Die beiden holten die Ermordete an Land und vergruben sie unter Büschen am Ufer, an einem Ort, zu dem der geständige Mörder die Polizisten nun führte.

Auch wenn die Statistik stimmt, nimmt einem doch ein derartiges Verbrechen den Atem. Bei Othello, dem klassischen Eifersuchtsdrama, findet man dazu die Worte: „Mein Herz ist zu Stein geworden; ich schlage daran, und die Hand schmerzt mich.“

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