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Archive for the ‘Kriminalität’ Category


Wer gestern morgen die Nachrichtenticker der großen russischen Agenturen verfolgte, konnte das Fürchten lernen. Von einem Antiterroreinsatz in der Region Wladimir sprachen die Schlagzeilen. Und tatsächlich gingen die Sicherheitskräfte in der Kreisstadt Koltschugino, gut 70 km nordwestlich von Wladimir gelegen, um 0.35 gegen eine Terrorzelle vor, die im Verdacht stand, einen Anschlag zu planen.

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Das Haus, in dem sich die Verdächtigen aufhielten, wurde umstellt, nachdem die Nachbarn alle evakuiert waren. Die zwei mutmaßlichen Islamisten folgten nicht der Aufforderung, sich zu ergeben, sondern eröffneten selbst das Feuer. Beim folgenden Schußwechsel kamen die beiden Angreifer gegen 5.00 Uhr ums Leben, bei den Sicherheitskräften gab es gottlob keine Opfer.

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Offenbar standen die jungen Männer in Kontakt mit ausländischen Terrorgruppen, in deren Auftrag sie aktiv werden sollten. Dafür fanden sich denn auch in dem Haus eindeutige Indizien: Waffen, Munition, einsatzbereiter Sprengstoff aus Eigenproduktion und extremistisch-religiöse Schriften.

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Nun läuft die Fahndung nach weiteren Mitgliedern der Gruppe und mögliche Verbindungsleute zu anderen Terrorzellen im In- und Ausland.

Um 9.30 Uhr hoben die Behörden den Ausnahmezustand in Koltschugino auf, und Gouvereur Wladimir Sipjagin dankte den Behörden für den erfolgreichen Einsatz, mahnte aber auch die Bevölkerung, weiterhin wachsam zu bleiben, denn die Bedrohung durch islamistischen Terror sei, wie jetzt wieder einmal bewiesen, keine Angelegenheit, die irgendwo in fernen Ländern zu gewärtigen sei, sondern alle überall jederzeit betreffen könne. Leider wahr – hier wie dort und allerorts.

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Rassismus gibt es leider in wohl jedem Land. Aber besonders gefährlich ist er in einem Vielvölkerstaat wie der Russischen Föderation. Desto entschiedener auch die staatlichen Reaktionen auf derartige Tendenzen, vor allem, wenn sie Strukturen annehmen.

Gegen Rassismus und Xenophobie

Nun melden Wladimirer Medien, man habe in der Partnerstadt, in Rjasan und in der Region Moskau bei einer konzertierten Aktion sechs Verdächtige festgenommen, die zu einem rechten Netzwerk gehören, das die „slawische Rasse“ über alle anderen setzt. Bei den Verhafteten fanden sich im Rahmen der Wohnungsdurchsuchungen neben Waffen auch Propagandamaterial und Unterlagen zur Anwerbung und Schulung von neuen Mitgliedern der Gruppierung. Vor allem aber entdeckte man Material, das Beweise für rassistische Übergriffe beinhaltet. Die Inhaftierten erwarten nun langjährige Gefängnisstrafen, aber der Kampf gegen Rassismus wird weitergehen müssen. Hier wie dort und überall.

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Es gibt Vorkommnisse, über die man lieber nicht berichten möchte, aber, einer gewissen Informationspflicht auch über die Grenzen der Partnerschaftsarbeit hinaus folgend, Fälle wie dieser, gerade wenn sie bereits überregionale Aufmerksamkeit erlangten, müssen im Blog ihren Platz finden:
Am 13. März wurde am späten Abend in Wladimir auf den Menschenrechtler Boris Uschakow ein Mordanschlag verübt. Das Opfer, auf dem Heimweg nach einem Einkauf, blieb, wahrscheinlich wegen der eigenen Umsicht, unverletzt, weil es sich nach dem etwa 20 Meter entfernten und maskierten Mann umdrehte, der ihm vor der Wohnung aufgelauert hatte und schon nach der Waffe griff. Der Mitarbeiter der Organisation http://www.gulagu.net ließ die Tüten mit den Lebensmitteln fallen und konnte sich gerade noch hinter der Hausecke verstecken, als der erste und einzige Schuß fiel.

Boris Uschakow

Ich versteckte mich hinter dem Geschäft Kinderwelt. Dann fand ich mich plötzlich – ich weiß selbst nicht mehr wie – im Supermarkt auf der anderen Straßenseite wieder. Da kam ich erst wieder richtig zu Bewußtsein und rief die Polizei.

Die habe sich allerdings seltsam verhalten, den Tatort nicht abgeriegelt, die Spuren nur nachlässig gesichert, die Patronenhülse nicht gefunden und den psychiatrischen Notdienst gerufen, weil man meinte, er stehe unter Drogen oder Alkoholeinfluß. Auch ein Termin bei der Kripo am andern Tag sei ergebnislos verlaufen, nach einem Konflikt mit dem zuständigen Beamten habe er das Kommissariat verlassen, ohne etwas unterschrieben zu haben. Nun wolle er den Vorfall von Moskau aus untersuchen lassen.

Der seit 2017 in Wladimir tätige Menschenrechtler glaubt, der Anschlag habe mit seiner Arbeit zu tun. Immer wieder ging er mit Vorwürfen wegen Folterungen seitens der Behörden des Strafvollzugs an die Öffentlichkeit und erhielt auch schon Morddrohungen. In einigen Fällen nannte Boris Uschakow sogar konkrete Namen, die für Menschenrechtsverletzungen in Gefängnissen der Region Wladimir verantwortlich sein sollen. Das könnte, so seine Annahme, dazu geführt haben, einen Auftragsmörder auf ihn anzusetzen.

Zusätzliche Brisanz gewinnt die Sache vor dem Hintergrund des Selbstmordes von Ajub Tuntujew, eines ehemaligen Leibwächters von Achmat Kadyrow, des ermordeten ersten Präsidenten von Tschetschenien. Der Häftling wurde bereits 2008 wegen eines Terrorakts zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt und saß seit 2015 seine Strafe in einer Einzelzelle in Melechowo, Region Wladimir, ab, von wo aus er zwei Beschwerden wegen Folter an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gerichtet hatte.

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Er gehört schon zur guten Tradition der Gefängnisse in der Region Wladimir. Alle Jahre wieder nehmen Insassen der Strafvollzugsanstalten an einem Kunstwettbewerb teil, ganz der Jahreszeit entsprechend. Vergänglich wie der Schnee.

Die Skulpturen entstehen frei nach Motiven aus der Welt der Zeichentrickfilme, Märchen oder stellen allgemein bekannte Figuren dar, wie den Hund und das Erdschwein aus der chinesischen Kalendermythologie.

Heuer taten sich bei dem Wettbewerb besonders ein Frauengefängnis und zwei Anstalten für Männer hervor.

Ein schöner Kontrast zu dem, was man sich ansonsten unter Gefängnisalltag so vorstellt, vor allem aber auch zu dem Umstand, daß derzeit im Wladimirer Zentralgefängnis wieder einmal drei Häftlinge in den Hungerstreik getreten sind, um ein Gespräch mit dem Generalstaatsanwalt zu erzwingen.

Bleibt zu hoffen, daß dieser Ausstand ebenso friedlich und rasch zu Ende geht wie ähnliche Aktionen in der Vergangenheit.

 

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Nachdem das Wladimirer Zentralgefängnis erst im August wegen des nur wenige Tage währenden Hungerstreiks von drei Häftlingen in die Schlagzeilen geraten war, schreckte dieser Tage die von Menschenrechtlern verbreitete Meldung auf, zwanzig Häftlinge hätten sich aus Protest gegen die Bedingungen ihrer Unterbringung die Pulsadern aufgeschnitten. Die Ombudsfrau für Menschenrechte der Region Wladimir, Ludmila Romanowa, die bereits einen Tag vor Erscheinen dieser besorgniserregenden Nachricht die JVA inspiziert hatte, nahm dies zum Anlaß, gleich noch einmal alle Zellen einzeln zu besuchen und sich von den Inhaftierten die Handgelenke zeigen zu lassen. Ergebnis: keine einzige Spur von Selbstverletzung oder gar Suizidversuch.

Ludmila Romanowa bei ihrer Inspektion

Gegenüber dem Internetportal Zebra bekundete Ludmila Romanowa denn auch ihren Unmut über selbsternannte Menschenrechtler, die „Desinformation verbreiten und Angehörige der Häftlinge in den Zustand der Hysterie versetzen“. Ja, die Bedingungen im Gefängnis seien noch nicht in allen Bereichen so, wie man sie sich wünsche, aber die Mehrzahl der Probleme, auf die man sie hinweise, ließen sich operativ lösen. So gebe es derzeit Klagen über das eine oder andere verspätet eingetroffene Päckchen oder Schwierigkeiten, selten verschriebene Medikamente zu erhalten. Aber schneidet man sich deshalb die Pulsadern auf? Deshalb ihr Rat an die Menschenrechtler: „Nicht den eigenen Status mit alarmistischen Verlautbarungen diskreditieren, die einer Überprüfung nicht standhalten.“

Unterdessen erschüttern drei Tötungsdelikte aus den letzten Tagen die Region Wladimir. Allesamt von besonderer Grausamkeit und Tragik geprägt: Ein 29jähriger verübte nachts einen Überfall auf ein Geschäft und verletzte dabei mit zwölf Messerstichen die Verkäuferin tödlich. Die Polizei stellte ihn noch am Tatort und schoß ihn an, weil er seine Waffe nicht hatte fallen lassen wollen. Eine 19jährige stach 90 Mal auf die Großmutter ihres Freundes ein und befindet sich nun in psychiatrischer Behandlung. Und schließlich erschlug ein 30jähriger die eigene Mutter, mit der er zusammenlebte, nachdem die noch den Notdienst hatte anrufen können, weil ihr psychisch kranker Sohn wohl schon länger seine Medikamente nicht mehr nahm und ein auffälliges Verhalten zeigte.

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Das Wladimirer Zentralgefängnis, einst, in den frühen 80er Jahren, für Menschenrechtler wegen der dort einsitzenden Dissidenten, Anlaß, Erlangen nahezulegen, keine partnerschaftlichen Beziehungen zu der sowjetischen Stadt aufzunehmen, gerät bis heute immer wieder in die Schlagzeilen, weil hier hauptsächlich „schwere Jungs“ ihre Strafe für Mord und Totschlag, Bandenkriminalität oder schwere Verstöße gegen die „Hausordnung“ in anderen Haftanstalten ihre Strafe abbüßen und sich ab und an über die Haftbedingungen beschweren oder es sogar zu Zusammenstößen mit dem Wachpersonal kommen lassen. Immer wieder gelangen auch aus anderen Einrichtungen Meldungen an die Öffentlichkeit, wonach hinter Gittern regelrecht gefoltert werde. Vor allem ein Video aus Wladimirs Nachbarstadt Jaroslawl – der Blog berichtete – erregt die Gemüter, zeigen die Aufnahmen doch tatsächlich, wie ein Häftling erniedrigt und geschlagen wird. Vor diesem Hintergrund haben leider auch die aktuellen Nachrichten aus Wladimir das Potential für einen Skandal, denn, wie jetzt die Gefängnisverwaltung nach anfänglichen Dementis einräumte, befinden sich drei Häftlinge seit dem 22. August im Hungerstreik.

Ludmila Romanowa auf dem Weg zum Treffen mit den Häftlingen

Am Freitag erhielten die Strafgefangenen nun Besuch von Ludmila Romanowa, der Menschenrechtsbeauftragten der Region Wladimir, die gegenüber den Medien diese Angaben bestätigte. Gründe für die Verweigerung der Nahrungsaufnahme nannten das Trio aber offenbar nicht, sondern forderte ein Treffen mit Vertretern der Generalstaatsanwaltschaft, weil man offenbar den lokalen Behörden kein Vertrauen mehr schenkt. Einen Tag zuvor hatte sich bereits eine Abordnung der Zivilgesellschaftlichen Beobachterkommission zur Lage von Gefangenen ein Bild von der Situation vor Ort gemacht und dem Beirat für Menschenrechte im Kreml Bericht erstattet. Ganz offensichtlich also will man alles versuchen, um die Angelegenheit nicht weiter eskalieren zu lassen. Möge denn auch die Sache gut ausgehen und sich nicht entwickeln wie das Schicksal von Oleg Senzow, der sich nun schon seit mehr als einhundert Tagen dem Tod oder der Begnadigung entgegenhungert.

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Katrin Scheib berichtete unlängst in ihrem hiermit zur regelmäßigen Lektüre empfohlenen Blog https://is.gd/4hYsFY von allerlei virtuellen Entdeckungen rund um die neue 2000-Rubel-Note. Ebenfalls erst seit kurzem im Umlauf ist diese 100-Rubel-Note, ganz der letzten Fußballweltmeisterschaften und ihren Austragungsorten gewidmet.

 

Vorteil dieser Sammlerstücke: Sie erscheinen recht sicher vor Fälschungen. Ganz anders als die herkömmlichen Scheine. Da ist nämlich weiter Vorsicht geboten. Es soll ja sogar schon Fälle gegeben haben, wo am Bankautomaten russische Blüten gezogen wurden.

Besonders hoch, so die Behörden, sei die Gefahr dabei vor allem bei 5000- und 1000-Rubel-Scheinen. Und die Moral von der Geschicht? Wenn schon die Einheimischen auf die Fälschungen hereinfallen, wird man als ausländischer Besucher dem Betrug natürlich noch viel leichter aufsitzen. Also lieber gleich die Karte zücken, denn mit der kann man in Wladimir wie im ganzen Land so gut wie überall alles bezahlen.

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