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Archive for the ‘Jugend’ Category


Mein Name ist Frederick, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Erlangen. Diesen Sommer habe ich die Schule abgeschlossen und mich anschließend über das Erasmus+ – Programm auf die Stelle in Wladimir beworben. Mein erster Aufenthalt in Wladimir war 2015, als ich dort mit einer Erlanger Pfadfindergruppe einen Niedrigseilgarten für den Blauen Himmel errichtete.

Als mich Peter Steger im Sommer fragte, ob ich mir das Projekt in Wladimir vorstellen könnte, war die Entscheidung für mich eigentlich schon gefallen, da ich bereits ein klares Bild von Wladimir hatte und somit die Vorzüge aber auch die Einschränkungen eines Aufenthalts in der Partnerstadt kannte. Die Tätigkeiten dort klangen sehr vielversprechend, und auch nach etwa dem, was ich bisher für die Erlanger Pfadfinder getan habe. Angst hatte ich nur vor den eisigen Temperaturen, die mir bisher aber noch nicht zu schaffen machen.

Hier in Wladimir werde ich einen russischen Sprachkurs besuchen und für den „Euroklub“, eine Jugendorganisation, die Freizeitangebote für Schüler und Studenten macht, verschiedene Projekte für Kinder und Jugendliche organisieren und durchführen. Der „Euroklub“ hat zum Ziel, jungen Menschen verschiedene landeskundlich-kulturelle Inhalte spielerisch zu vermitteln.

An der Universität werde ich Studenten, die die deutsche Sprache lernen, durch Dialoge und Kurzpräsentationen bei ihren Lernfortschritten unterstützen, aber auch Hintergrundwissen über kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede der beiden Länder vermitteln. Auch Hausarbeiten oder Aufsätze werde ich gegenlesen und mit den Verfassern überarbeiten. Die Studenten sagten mir, ihr Unterricht laufe sehr theoretisch ab und es mangele ihnen deswegen an Praxisgebrauch der Fremdsprachen – die Nachfrage seitens der Studenten an Konversationsstunden ist auf jeden Fall sehr groß.

 

Frederick Marthol im Eispalast von Wladimir

Nach der Landung in Moskau begann ich erst zu begreifen: Dieses Land wird für die nächsten Monate meine Heimat sein. Ärgerlich nur, wenn man die Menschen hier nicht versteht. Weder Zoll- noch Einreisebeamte am Flughafen beherrschen die englische Sprache, geschweige denn Eisenbahnangestellte. Daher stellte sich insbesondere der Fahrkartenkauf für ein Zugticket nach Wladimir als äußerst kompliziert heraus. Leider funktioniert mein deutscher Handyvertrag hier nicht, weshalb ich meine Abholerinnen nicht erreichen konnte, um ihnen zu sagen, daß ich aufgrund einer Verspätung meinen ursprünglichen Zug nach Wladimir nicht erreicht habe und deswegen später komme. Nachdem diese also über zwei Stunden am Bahnhof auf mich gewartet hatten, sind sie wieder heimgefahren, bevor ich kurze Zeit später mit dem 23-Uhr-Zug ankam. Mit meinem gesamten Gepäck verließ ich das Bahnhofsgebäude, um mich in der verschneiten Nacht auf die Suche nach einem WLAN-Netzwerk zu machen, von dem aus ich die Adresse meiner Unterkunft in Erfahrung bringen konnte (da ich abgeholt werden sollte, hatte ich diese ja nicht!). Ein paar Anrufe später saß ich dann endlich im Taxi zu meiner Unterkunft. Da ich noch kein russisches Geld hatte, gab ich dem Fahrer für die zwanzigminütige Fahrt einen Fünf-Euro-Schein, er freute sich unglaublich darüber, denn er hatte umgerechnet nur 1,20 € verlangt.

Die Studentenwohnheime sind triste, plattenbauähnliche Gebäude, ich würde sagen aus den Siebzigerjahren und seitdem ohne größere Sanierungen. Es gibt ein eigenes Wohnheim für die ausländischen Studenten, in welchem auch ich mein Zimmer habe. Dieses an sich ist aber sehr schön, und vor allem größer, als ich es mir vorgestellt habe. Die Küche ist aber nur sehr spärlich ausgestattet, und die Duschen sind, wie selbst die Leiterin der Wohnanlage sagt, schrecklich.

Insgesamt ist die Wohnsituation aber absolut in Ordnung, und ich freue mich auf nette Bekanntschaften an der Wohnanlage.

Am Samstag wurde ich von Jelena Guskowa, der Leiterin des Euroklubs besucht. Sie erklärte mir alles und gab mir freundlicherweise ein paar nützliche Dinge für den Alltag im Studentenwohnheim mit. Anschließend war ich Einkaufen und habe einen mobilen Internetvertrag abgeschlossen, damit ich wieder kommunizieren kann. Hierbei half mir Timofej, ein russischer Student, der Deutsch als Lehramt studiert und sogar ein schöneres Deutsch spricht, als die meisten meiner Freunde in Erlangen. Die Redewendung „Das finde ich ja allerhand“ gehört für ihn genauso zum Stammwortschatz wie diverse Fachbegriffe: „Stagnieren“ ist sein Lieblingswort. Fasziniert von dem Gespräch mit ihm, endet mein erster richtiger Abend in der Stadt.

Den Sonntag habe ich mit anderen Stundentinnen, die ebenfalls Deutsch und Englisch lernen, verbracht. Wir waren im Stadtzentrum, im Park und einer kleinen Cafeteria. Das Highlight des Tages war aber auf jeden Fall das Schlittschuhlaufen in einer Eissporthalle nahe des Zentralnyj Park.

Mein zweiter „erster Eindruck“ ist also sehr gut, ich bin gespannt, was mich in den nächsten Tagen hier erwarten wird. Es lohnt sich also, diesen informativen Blog regelmäßig zu lesen.

Frederick Marthol vor der Universität Wladimir

Frederick Marthol

Und hier geht es zum allerersten Blick von Frederick Marthol auf Wladimir: https://is.gd/RSfPxD

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Beginnen wir bei den Unterschieden: Das Jugendparlament der Region Wladimir, dessen Mitglieder zwischen 16 und 30 Jahre alt sind, gibt es seit 2005, das Pendant in Erlangen blickt bereits auf 15 Jahre Erfahrung zurück. In der russischen Partnerstadt bewirbt man sich mit einer Empfehlung seitens einer Partei, Schule, Universität, Organisation oder Firma bei der Duma, der gesetzgebenden Versammlung des Gouvernements, und dem Nachweis, selbst eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen zu können.  In der Hugenottenstadt bewirbt man sich – ob Schüler oder schon in der Ausbildung im Alter von 12 bis 17 Jahren – selbst und wird, wenn alles gut geht, wie im Fall von Axel Just, für zwei Jahre gewählt, die gleiche Amtsperiode wie in Wladimir. Doch da gibt es – wieder anders als in Erlangen – keinen Haushalt für die Nachwuchspolitiker, sie müssen die notwendigen Mittel selbst einwerben, sei es über Sponsoren oder Ausschreibungen. Und damit machen die jungen Russen dann hauptsächlich Projektarbeit, für die ihre jeweiligen Ausschüsse verantwortlich zeichnen: von Kultur über Sport bis zu Wirtschaft oder Medien. Ausgesprochen ausdifferenziert und ausdrücklich professionell der Ansatz, was sicher auch mit dem Alter zu tun hat.

Axel Just und die Gruppe des Regionalen Jugendparlaments

Dennoch: Das Gemeinsame bei dem Treffen im Erlangen-Haus ist natürlich stärker als alle Unterschiede. Hier wie dort will die Jugend politische Prozesse verstehen, begleiten und gestalten, vor allem aber will man sich näher kennenlernen, und am Ende der Begegnung steht deshalb der Beginn einer neuen partnerschaftlichen Verbindung mit gegenseitigen Einladungen. Ein gelungener Einstand!

Axel Just beim Netzwerken

Während dann Axel Just zu seinem nächsten Treffen mit der katholischen Jugend aufbricht, kommt am späteren Nachmittag mit dem Zug aus Nischnij Nowgorod eine dreißigköpfige bayerische Wirtschaftsdelegation an, der auch Konrad Beugel, berufsmäßiger Stadtrat für Wirtschaft und Finanzen, angehört.

Konrad Beugel, Roman Matwejew und Olga Dejewa

Seit 17 Jahren im Amt – man glaubt es kaum – besucht Erlangens Kämmerer nun erstmals Wladimir. Doch die Gastgeber vermitteln ihm das Gefühl, schon immer dazugehört zu haben, und so besteht er denn auch bravourös die Feuertaufe mit einer Tischrede, gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Olga Dejewa beim abendlichen Empfang an die Geschäftsleute aus ganz Bayern gerichtet. Ein gelungener Einstand, der zuversichtlich macht für die heute und morgen bevorstehenden Gespräche und Besichtigungen.

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Nähert man sich derzeit dem Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde, lassen sich von außen keine großen Unterschiede zum letzten Ortstermin im Frühjahr erkennen.

Außenansicht Pilgerzentrum Wladimir

Ganz anders das Bild aber, wenn man sich den Bau von innen ansieht.

Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir mit deutscher Technik

Da, von innen, ist das Objekt nämlich zum Leben erweckt; von Winterstarre keine Rede.

Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir

In den nächsten Tagen schon wird das Gas strömen, um das Gebäude über den Winter zu beheizen.

Kabelbahnen im Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir

Unbedingt verhindern nämlich will die Bauleitung Frostschäden, die auftreten könnten, wenn das Haus einen zweiten Winter ohne Heizung bliebe.

Schaltschränke Pilgerzentrum Wladimir

Die Wladimirer Firma ist dafür sogar in Vorleistung gegangen, hat die notwendigen Arbeiten und Einbauten vorab auf eigene Rechnung finanziert, um das Projekt nicht ingesamt zu gefährden.

Blick auf das Stadion mit Heizkörper Pilgerzentrum Wladimir

Alle Räume haben mittlerweile die notwendigen Anschlüsse – von Strom über Wasser bis zu Heizung.

Fenster mit „deutscher Qualität“ Pilgerzentrum Wladimir

Und im Keller unten sammeln sich die Verteiler und Rohre, u.a. für die Kanalisation.

Anschlüsse im Keller Pilgerzentrum Wladimir

Wichtig natürlich auch die Feuerleiter, bei aller Funktionalität stilistisch mit dem Gesamtensemble abgestimmt.

Feuertreppe Pilgerzentrum Wladimir

Überhaupt die Abstimmung: Die neugotische Bauweise von Pfarrhaus und Kirche sind auch stilprägend für das Pilgerzentrum.

Pfarrhaus Rosenkranzgemeinde Wladimir

Auf diese Weise entsteht sogar beim Blick zurück auf das im Kessel liegende Stadion der Eindruck, das Pilgerzentrum, dessen Eröffnung für Januar 2019 vorgesehen ist, habe schon immer dazugehört.

Dachansicht Pilgerzentrum Wladimir

Zur Partnerschaft gehört aber auch der Euroklub, der unter der Leitung von Jelena Guskowa bereit 2003 die ersten Kontakte zu Jena und Erlangen aufbaute.

Axel Just zu Gast beim Euroklub mit dessen Leiterin, Jelena Guskowa (ganz rechts im Bild) und Mathilda Wenzel (2. v.l., 1. Reihe)

Nun wird sich zeigen, wie Axel Just und das Erlanger Jugendparlament helfen können, den Austausch weiter voranzubringen, so wie das Mathilda Wenzel aus Saalfeld im Rahmen eines Europäischen Freiwilligenjahrs mit ihren Bemühungen um eine neue Schulpartnerschaft mit Jena derzeit vormacht.

Witalij Gurinowitsch und seine Kräutermischung

Und schließlich gehört zur Partnerschaft die Sorge um erkrankte Gäste. Keine Bange also, wenn man mit einer Erkältung im Gepäck in Wladimir ankommt.

Herbarium auf dem Winterbalkon

Witalij Gurinowitsch ist mit seinem Herbarium auf dem Winterbalkon jedenfalls für derartige Notfälle bestens gerüstet und setzt auch gleich seinen Sud an, für den es freilich keine feste Rezeptur gibt. „Ich bin immer für Experimente zu haben!“ erklärt er seinen Therapieansatz, dem man sich bedenkenlos anvertrauen darf. Es sind – garantiert – freundschaftliche Menschenversuche.

Die Ordnung der Kräuter

Die individuell zu variierende Mixtur sollte nur eine Minute ziehen und zumindest folgende Kräuter enthalten: Melisse, Oregano, Pfefferminze, Estragon, Rosmarin, Thymian, Salbei und Johanniskraut. Ganz zufrieden mit seinem Elexier war der Gastgeber übrigens nicht nach der Verkostung: „Etwas mehr Estragon hätte nicht geschadet.“ Womit wir schon fast beim „non nocere“ des Hippokratischen Eides wären.

Erlangen-Haus bei Nacht

Ob der Zaubertrank auch die gewünschte Wirkung zeigt, wird die Nacht erweisen. Ein gesunder und fester Schlaf im Erlangen-Haus hat da schon manches Wunder gewirkt.

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Die Wladimirer Jugendorganisation „Euroklub“, eng im Austausch mit Erlangen sowie Jena verbunden, betätigt sich seit einigen Wochen nun auch mit Migrationsfragen – und zwar ganz konkret mit Beratungs- und Gesprächsangeboten. Ein Grund zur Freude für Jelena Guskowa, Leiterin des Verbands, die in einer Zuschrift die Leser des Blogs an ihrer Begeisterung teilhaben lassen will:

Endlich ist es gelungen, Freiwillige für diese Arbeit mit Arbeitsmigranten zu gewinnen! Endlich haben wir gelernt, den Nutzen des interkulturellen Dialogs zu sehen. Ich denke, wenn das Projekt so erfolgreich fortgesetzt wird, wie es begonnen hat, könnte es zu einem Durchbruch im Bewußtsein der Wladimirer Stadtgesellschaft führen, einen Beitrag zu Toleranz und Solidarität leisten. Eine große Leistung des „Euroklubs“!

Interviews mit Arbeitsmigranten

Nikolaj Kaplenko erklärt als Projektleiter in einer Zusammenfassung, es gehe den jungen Leuten um die Überwindung von Stereotypen und Vorurteilen auf beiden Seiten. Die einheimische Bevölkerung sehe in den Gastarbeitern oft nur ungebildete Menschen, die in Waggons hausen, nur niedrige Tätigkeiten verrichten und mit denen man sich nicht näher einlassen sollte. Die meist aus den zentralasiatischen Republiken stammenden Migranten stehen ihrerseits häufig den Russen mißtrauisch gegenüber, fürchten, man wolle sie übers Ohr hauen und ihnen die sauer verdienten Rubel wieder abnehmen, die sie an ihre daheim gebliebenen Familien schicken wollen. Sobald sie sich freilich von den guten Absichten der Jugendlichen überzeugten, die auch die Moschee besuchten und mit islamischen Geistlichen sprachen, gingen die Usbeken, Tadschiken, Kasachen und Turkmenen richtig aus sich heraus, erzählten gern von ihren Lebensumständen, – auch davon, wie es ihnen in der Region Wladimir gefalle. Arbeit finden sie – bei Vorlage der Erlaubnis, die an einen erfolgreichen Sprachtest gebunden ist – in allen möglichen Bereichen, von der Landwirtschaft über die Gastronomie bis hin zum Bausektor und verarbeitenden Gewerbe. Aber immer nur auf Zeit, denn ausnahmslos alle leiden an Heimweh, wollen so schnell wie möglich mit ihrem Lohn wieder zurück zu ihren Familien.

Nikolaj Kaplenko (links im Bild) mit seiner Jugendgruppe beim Empfang im Mai 2016 mit Stadtrat Christian Lehrmann

Abschließend meint Nikolaj Kaplenko:

Wir fürchten oft das, was wir nicht kennen. Doch sobald wir unbekannte Menschen näher kennenlernen, wird klar, daß sie und wir gar nicht so anders sind.

Eine Erkenntnis, die der junge Mann schon im Vorjahr bei seinem ersten Besuch in Erlangen hatte. Nun will er diese noch weiter vertiefen, wenn er demnächst in Jena als Freiwilliger bei der „Euro-Werkstatt“ mitarbeitet und sicher auch wieder einmal in Erlangen vorbeischaut.

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Liebe Leser des erlangenwladimir-Blogs, ich bin Mathilda Wenzel, 18 Jahre als und komme aus Saalfeld, in der Nähe von Jena. Vielleicht fragt sich der ein oder andere wie ich dazu komme, über mich etwas auf Peter Stegers Blog zu schreiben. Der Grund ist, seit August profitiere ich selbst in ganz besonderer Weise von der (hier immer so anschaulich beschriebenen) Verbindung zwischen Wladimir und den Städten Erlangen und Jena. Ich mache seit Mitte August einen Europäischen Freiwilligendienst in Wladimir. Dieses Programm wird nicht nur von der EU ermöglicht, sondern auch von der Eurowerksatt Jena und seiner Schwesterorganisation, dem Euroklub Wladimir, die das alles organisieren. Beide Einrichtungen haben sich auch auf dieser Website einen Namen gemacht, und ich möchte nun die Chance nutzen und an dieser Stelle etwas von den ersten Eindrücken mitteilen, die ich von diesem so  anderen und zugleich so schönen Land habe.

Mathilda Wenzel

Eigentlich wollte ich schon immer einmal nach Rußland. Nach den Gründen dafür gefragt, konnte ich nie eine richtige Antwort geben, zumal ich noch nicht einmal Russisch spreche. Deshalb haben meine Familie und Freunde mich auch eher für verrückt erklärt, als ich beschlossen habe, im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes, ein Jahr in Wladimir zu verbringen. Nach fast einer Woche hier würde ich sagen: Es ist vielleicht verrückt, aber vor allem interessant. Die Autofahrt von Moskau nach Wladimir bestätigte erst mal die gängigen Vorstellungen vom Land: auf der einen Seite Reichtum und Prunk in Moskaus Zentrum und den vielen goldkuppeligen Kirchen. Auf der anderen Seite Plattenbausiedlungen, bei denen manche Etagen aussehen, als würden sie bald zusammenbrechen. Oft hat man den Eindruck, als wäre das Geld, das bei der Instandhaltung der Wohnsiedlungen gespart wurde, für Blattgold und Kristallkreuze ausgegeben worden. Man muß allerdings zugeben, daß sich das für den Anblick der wunderschönen Kathedralen vielleicht gelohnt hat. Dank einigen netten Euroklub-Mitgliedern habe ich auch in Wladimir schon ein paar der architektonischen Meisterwerke besichtigt. Natürlich gibt es hier noch viel mehr, das ganz anders ist. Das Klischee der russischen Gastfreundschaft beispielsweise erweist sich als sehr wahr. Man wird zum Essen eingeladen, und alle helfen einem, den Weg zurück zum Wohnheim oder ins Zentrum zu finden. Das Studentenwohnheim ist zwar (natürlich) nicht wie in Deutschland, aber doch besser als erwartet. Nach ein paar Tagen weiß ich jetzt aber, daß der Satz „Es gibt keinen Plan“ hier wirklich wahr ist. Das meiste wird „später“ geregelt. Das ist zwar manchmal frustrierend, aber auch lustig. Von allen Stereotypen über das Land trifft der der russischen Gastfreundschaft am meisten zu. Auch wenn das Eingewöhnen natürlich schwer und alles sehr fremd ist, gibt es viele nette Menschen, die mir dabei helfen und Zeit investieren, damit ich mich wohlfühle.

Die obenstehenden Zeilen habe ich direkt fünf Tage nach meiner Ankunft geschrieben, sie spiegeln meinen allerersten Eindruck wieder. Nach über drei Wochen in Wladimir (die ziemlich schnell vergangen sind), bleibt derzeit vor allem ein sehr positives Gefühl. Ich freue mich auf die Arbeit im Euroklub, und auch der Alltag läßt sich etwas einfacher meistern, jetzt wo ich in der Stadt ein bißchen Orientierung gefunden habe. Wladimirs Zentrum ist wunderschön, und eigentlich ist allein der Anblick der Mariä-Entschlafens-Kathedrale ein Grund, hier zu sein. Inzwischen habe ich mich auch an den vielen Schwarztee gewöhnt und freue mich darauf, in den nächsten Wochen hoffentlich mit dem Russischlernen zu beginnen.

Mathilda Wenzel

Vom 17. bis 23. August fand in Wladimir das 16. internationale Treffen von jungen Künstlern, „Pleinair“ genannt, statt. Die diesjährige Zusammenkunft war dem Jahr des Umweltschutzes gewidmet. Hierzu fanden sich rund 400 Jugendliche aus dem ganzen Land und sieben weiteren Staaten zusammen. Die russischen Teilnehmer und die Jugendlichen aus Deutschland, Spanien, Slowenien, der Ukraine, aus Weißrußland, Usbekistan und Kasachstan trafen sich, um eine Woche lang zu zeichnen, die Umgebung zu erkunden und sich über Kunst auszutauschen. Hauptorganisator der Veranstaltung war die Organisation „Dom mira“ (auf deutsch „Haus des Friedens). Unterstützt wurde diese vom Euroklub Wladimir, der mit seinen Mitgliedern Jugendgruppen betreute, für einen reibungslosen Ablauf des Programms sorgte und übersetzte, kurz: mithalf um das Plenum auch in diesem Jahr wieder zu einem vollen Erfolg zu machen. Die internationalen, jungen und älteren Gäste besichtigten während ihres Aufenthaltes verschiedene Städte der Region und hatten reichlich Gelegenheit, ihren Impressionen auch künstlerisch Ausdruck zu verleihen. Ehrengast des Treffens 2017 war der Pädagoge, Künstler und Professor Boris Nemenskij. Das Großereignis zur Förderung von jungen Künstlern und internationaler Zusammenarbeit im Bereich Jugend, fand am letzten Abend mit einem kulturellen Programm im Haus der Kultur seinen Abschluß. Es gab eine Vorstellung von traditionellen Tänzen und Gesängen, die sehr beeindruckend war. Anschließend wurden Urkunden an die Kinder und Jugendlichen verliehen (geordnet nach Altersklassen und Kategorie des jeweiligen Werks), die stolz in Empfang genommen wurden. Im Rückblick kann man sagen, daß auch das Plenum 2017 wieder großen Anklang bei den Jugendlichen aus verschiedenen Ländern fand und erneut bewies, wie einfach Völkerverständigung sein kann, wenn die junge Generation durch ein gemeinsames Interesse verbunden ist.

Jelena Guskowa und Mathilda Wenzel

Erster Schultag

Am 1. September waren wir in der Schule Nr. 2 zu Gast. Wir wollten den Schülern etwas über die Partnerschaft zwischen den Städten Jena und  Wladimir vermitteln und zugleich die Sache des Euroklubs an der Schule noch bekannter machen. Im kommenden Schuljahr wird, in Zusammenarbeit mit dem Euroklub, möglicherweise ein Austausch zwischen einer deutschen Schule und der Schule Nr. 2 organisiert. Nebenbei hatte ich die Möglichkeit, zu erleben, wie der erste Schultag hierzulande zelebriert wird. Während das nämlich in Deutschland, außer für die Erstklässler, einfach ein normaler Schultag ist, wird der Schulbeginn hier mit einigen Feierlichkeiten begangen. Es gab ein Programm mit verschiedenen Liedern und Tänzen, und einige Leute wurden ausgezeichnet. Am Ende sind alle Schüler klassenweise in die Schule gegangen. Im Unterricht haben wir schließlich in zwei neunten Klassen eine kurze Präsentation über Jena und den Jugendaustausch mit Wladimir gehalten. Meine Worte auf Deutsch wurden abwechselnd von Jelena und den Schülern (beziehungsweise jeweils von dem, der am Meisten verstanden hatte) ins Russische übersetzt. Auch wenn der Schultag in vielen Punkten so anders als in Deutschland verläuft, ist doch das Verhalten der Schüler im Unterricht überall dasselbe. Und so gab es natürlich auch hier die Klassenkasper und diejenigen, die echtes Interesse an Jena und den Aktivitäten des Euroklubs zeigten. Insgesamt war es ein sehr interessanter und schöner Vormittag, an dem wir sowohl den Euroklub etwas bekannter machen, als auch einen Einblick in den russischen Schulalltag gewinnen konnten.

Mathilda Wenzel

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In der diesjährigen Jugendbegegnung zwischen der Universität Wladimir, der Rosenkranzgemeinde Wladimir und der Nadjeschda-Jugend (früher BDKJ) ist die Hälfte der Zeit vorbei, die russische Gruppe ist wieder nach Wladimir zurückgekehrt, am Wochenende brechen die Erlanger Jugendlichen zum Gegenbesuch auf. Hier ein kurzer Bericht, was bisher geschah.

Es ist mal wieder September und somit Halbzeit unserer jährlichen Jugendbegegnung. Nächste Woche geht es für uns nach Wladimir, und im Gegenzug war die russische Gruppe Mitte August bei uns zu Besuch. Allerdings wohnten wir in einem Jugendhaus in Haag bei Geiselwind, das uns ausreichend Möglichkeiten vor Ort bot, um zusammen zu kochen, abends am Lagerfeuer zu sitzen oder spielerisch die Sprachbarriere zu überwinden. „Allerdings“, weil uns so eine Begegnungsstätte in Erlangen leider noch fehlt. Bevor es also los ging mit den Städtetrips, Museumsbesuchen oder dem Souvenirshoppen stand in den ersten zwei Tagen zuerst das gegenseitige Kennenlernen, Einrichten in der neuen Umgebung und eine Einführung in die bayrischen Sitten und Eßgewohnheiten auf dem Plan.

Auch für die nächsten Tage hatten wir in unserem Planungsteam, welches aus Jugendleitern verschiedener Erlanger Gemeinden besteht, ein abwechslungsreiches Programm für unsere Gäste zusammengestellt. Am Mittwoch ging es nach Nürnberg, wo wir das Dokuzentrum und den Gerichtsaal 600 besuchten und ein Stadtspiel durch das Zentrum veranstalteten.

Den folgenden Vormittag widmeten wir der Aufarbeitung der im Museum gewonnen Eindrücke und sprachen in kleinen Diskussionsgruppen über das Gesehene und die Wirkung, die die Geschehnisse auch viele Jahrzehnte später noch auf uns haben. Selbst wenn verständlicherweise bei dem ein oder anderen mal Tränen flossen und nicht jeder etwas dazu sagen wollte, sind solche Diskussionen für uns immer sehr wertvolle Momente, die uns menschlich näher bringen und als Gruppe zusammenschweißen.

Einem ähnlichen Aufbau folgten auch die kommenden Tage. So ging es später am Donnerstag nach Würzburg, wo wir zuerst die Innenstadt erkundeten und uns dann mit einem Mönch des Augustinerklosters trafen. Er erklärte uns nicht nur den umgestalteten Kirchenraum der Klosterkirche, in dem die Gemeinde im Mittelpunkt steht, er gab uns auch einen interessanten Einblick in die moderne karitative Arbeit des Klosters. Da unsere Austauschgruppe zu einem großen Teil aus Studenten der Philosophie und Religionswissenschaften besteht und moderne Kirchenkonzepte auch für unsere russischen katholischen Partner eher die Ausnahme darstellen, stieß diese Führung auf große Resonanz. Abends veranstalteten wir noch ein kleines Open-Air Kino auf der Terrasse und schauten gemeinsam einen deutschen Klassiker, „Knocking on Heavens Door“, den sich unsere Gäste gewünscht hatten, wobei wir die große Vorliebe russischer Mädels für Til Schweiger entdeckten.

Unterbrochen wurde die Zeit in Haag am Freitag traditionsgemäß durch unser Äktschen- & Relaxwochenende in der Fränkischen Schweiz, zu dem alle Wladimirfahrer, Ehemalige und Freunde des Austauschs dazukommen können, um ein wenig russische Luft zu schnuppern.

Wir luden also unsere Busse voll, um in Weidmannsgeseeß ein Lager für 40 Personen aufzubauen und das Freizeitangebot der Gegend auszuschöpfen. Los ging es mit einer Wanderung auf das Walberla und zur Vexierkapelle. Später wurden wir dann leider vom Regen überrascht, der uns zwang, den ersten Abend etwas zu improvisieren, was die erste erlebnispädagogische Einheit – „gemeinsam ein Lager wetterfest machen“ – nach sich zog. Am nächsten Morgen ging es für die unterschiedlichen Gruppen entweder Bogenschießen, Kajakfahren, in den Klettergarten oder Wandern. Wer danach noch nicht genug hatte, konnte in Pottenstein die Sommerrodelbahn runterdüsen. Kaputt aber glücklich trafen sich alle zum Abendessen wieder, und da das gute Wetter anhielt, konnten wir, wie geplant, grillen und den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen. Am nächsten Tag wurden die Zelte wieder eingeschmissen, und nach einem kurzen Abstecher nach Gößweinstein, ging es zurück nach Haag.

Montags machten wir uns dann endlich auf nach Erlangen. Vormittags empfing uns Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und hieß unsere Gäste herzlich in der Partnerstadt willkommen. Nach einer Tour durch die Innenstadt gab es Mittagessen auf dem Entlaskeller, zu dem auch die „Altmitglieder“ von Nadjeschda eingeladen waren, um die Gruppe kennenzulernen.

Danach stand „Rent-a-Russian“ auf dem Plan. Darunter kann man sich erstmal wenig vorstellen und es war ursprünglich nur als Arbeitstitel angedacht, der sich aber recht schnell eingebürgert hat. Eingeführt haben wir diesen Programmpunkt als Ersatz für das Leben in Gastfamilien, und er ermöglicht ein Reinschnuppern in den ganz normalen Alltag, in Freizeitgestaltung, Studentenleben, Arbeit und Familienleben unserer Deutschen.

Die Gastgeber haben sich auch dieses Jahr wieder tolle Aktionen einfallen lassen und spannende Erlebnisse möglich gemacht – während die einen mit ihren Leuten zum Bouldern und Picknicken gingen, machten andere einen Ausflug nach Regensburg in ihre Studenten-WG, wieder andere führten ihre Gäste in die Arbeit im Walderlebniszentrum oder ihr Ehrenamt bei der freiwilligen Feuerwehr ein. Respekt und Dank für diese kreativen und gastfreundlichen Einladungen!

Am nächsten Morgen war dann auch unsere Zeit in Haag vorüber, und es ging ab in die Hauptstadt – diesmal nicht die bayrische, sondern die deutsche. Unterwegs machten wir noch zwei Zwischenstops in Bamberg und Coburg, wo wir uns die Landesaustellung zur Reformation auf der Veste anschauten. Den restlichen Tag verbrachten wir dann on the road und kamen nachts in unserem Hostel in Berlin an.

Da wir inzwischen versuchen, standardisierte Stadtführungen zu vermeiden, wurde am Mittwochmorgen die Zeit zurückgedreht, und unsere Teilnehmer verfolgten in einem an „Mr. X“ angelehnten Stadtspiel Spione des Westens oder Ostens durch die Stadt . Danach ging es in Kleingruppen je nach Wahl entweder in eine Ausstellung zur Geschichte Berlins, ins Spionagemuseum oder Aquarium. Die Krönung des Tages war ein Besuch des Fernsehturms, von wo aus man die Stadt nochmal aus einer ganz anderen Perspektive erkunden konnte.

Nachdem wir uns am ersten Tag eher scherzhaft mit der deutsch-deutschen Teilung auseinandergesetzt hatten, wurde es am letzten Tag nochmal ernst, und wir besuchten die Gedenkstätte Berliner Mauer. Auch wenn man heute nur noch ein paar wenige Überreste der Mauer besichtigen konnte, schuf die Ausstellung und Führung einen eindrucksvollen Überblick.

Leider war damit aber auch das offizielle Programm unseres Austauschs zu Ende, und es blieben uns nur noch ein paar Stunden für ein letztes gemeinsames Abendessen, um die Woche Revue passieren zu lassen. Die Zeit ging mal wieder viel zu schnell vorbei, doch zum Glück fällt einem der Abschied immer nur halb so schwer, wenn man sich noch auf Teil zwei des Austausches freuen kann. So warten wir gespannt, was unsere russischen Freunde für uns planen!

Sabrina Pfau

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Dieses Jahr geht unsere deutsch-russische Freundschaft mit der Organisation „Retter“ aus Wladimir in die vierte Runde. In Zusammenarbeit mit der Bergwacht Erlangen übernahmen wir in diesem Jahr die Organisation für die fünfköpfige Gruppe aus der Partnerstadt.

Bereits seit 2013 unterhält die DLRG Jugend des OV Erlangen einen Austausch mit der Organisation „Retter“.  2011 gründete sich in Wladimir auf ehrenamtlicher Basis dieser Verband, zusammengeführt von der Idee, in Not geratenen Menschen zu helfen: zu Land, zu Wasser, im Gebirge, bei technischen Unfällen, Naturkatastrophen oder Bränden. Aus dem anfangs kleinen Häuflein ist heute eine fünfundzwanzigköpfige Gruppe mit hauptamtlichen Allroundern geworden.

Unser Programm mit der diesjährigen Delegation begann am Donnerstag, den 14. September, abends bei der DLRG Erlangen mit einem Besuch beim Jugend- und Ausbildungstraining, wo wir auch über die Unterschiede in der Schwimmausbildung sprachen und gemeinsam einige Übungen durchführten.

Am Freitag zeigten die Jugendlichen der DLRG Erlangen bei einer kleinen Führung für die russische Delegation unsere wunderschöne Hugenottenstadt und aßen mit den Gästen ordentlich fränkisch zu Mittag. Anschließend fuhren wir zur Wache des ASB Erlangen, um uns dort einen Vortrag über den Katastrophenschutz in Deutschland anzuhören. Danach durften wir einige besondere Katastrophenschutzfahrzeuge besichtigen und das Gehörte in der Praxis sehen. Unser Dank geht hierfür an die Kameraden der ASB Erlangen und des Landesverbandes Bayern des ASB.

Stefanie Haberl und Susanne Lender-Cassens mit den Gästen

Bevor wir den Gästen ein wenig Freizeit gönnten, wurden wir zum offiziellen Empfang im Rathaus geladen, wo wir Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens unseren Austausch näherbrachten und unsere Gäste offiziell vorstellten.

Am Samstag fuhr unsere russische Delegation mitsamt Dolmetscher in die Fränkische Schweiz, um die Bergwacht Erlangen bei einer ihrer jährlichen Helikopterübungen zu begleiten. Nach dem Mittagessen ging es auf die eigentliche Wachstation der Bergwacht Erlangen, wo die Fahrzeuge und Materialien vorgestellt wurden.

Am Sonntag machten sich zum Abschluß der Begegnung die Jugendlichen der DLRG OV Erlangen mit einigen Mitgliedern der Bergwacht und natürlich der russischen Delegation auf den Weg nach Bad Tölz zum Zentrum für Sicherheit und Ausbildung der Bergwacht Bayern, um einer Helikopter-Abseil-Übung zu erleben. Nach einer ausführlichen Begehung der Örtlichkeiten und einer kleinen Einführung wurden wir Zeugen einer Rettung aus dem Wasser mit dem Hubschrauber. Mit einem anschließenden Mittagessen und der Rückfahrt wurde die Maßnahme – völlig groggy, aber glücklich – beendet.  Wir freuen uns auf weitere Begegnungen mit den „Rettern“ und hoffen, diese Freundschaft noch lange pflegen zu können.

Stefanie Haberl

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