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Archive for the ‘Jugend’ Category


Gerade noch rechtzeitig, um den Salut zum Tag des Sieges vorgestern abend mitzuerleben, traf das vierköpfige Jugendleiterteam von Jutta Schnabel in Wladimir ein. Kurz über das Programm in der katholischen Rosenkranzgemeinde gesprochen – und dann schon hinein ins nächtliche Festgetümmel.

Salut am Tag des Sieges in Wladimir

In welcher Atmosphäre die Gespräche gestern an der Universität stattfanden, gibt das Bild besser wieder als noch der elaborierteste Hintergrundbericht. Man versteht sich, probt immer wieder neue Konzepte, gibt sich nie mit dem Erreichten zufrieden – und stellt in den nächsten Tagen das Programm für den Jugendaustausch im Sommer und Herbst zusammen.

Jutta Schnabel (links im Bild) und Iwan Wikulow (sitzend) beim ersten Treffen in der Universität

Und, wie Jewgenij Arinin am 8. Mai hier im Blog ankündigte, die Jugendbegegnungen stehen nun in den nächsten drei Jahren unter der analytischen Aufsicht der Wissenschaft. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein. Die „Versuchsreihe“ beginnt.

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Vom 23. bis 29. April hielten sich wieder einmal Wissenschaftler von der Universität Wladimir in Erlangen auf: Jewgenij Arinin, Leiter des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaften, Natalia Markowa, stellvertretende Leiterin des Instituts für Geisteswissenschaften, und Irina Pogodina, Leiterin des Lehrstuhls für Finanzrecht. Ziel des Besuches war die Absprache einiger Fragen zum Komplex „Philosophie Religionskunde als globales Projekt: die deutsche und russische Jugend im Religionsdialog“, ein Vorhaben, das die Russische Stiftung für Grundlagenforschung in Moskau für die Jahre 2018 bis 2020 fördert. Das Projekt begann vor etwa zehn Jahren als Initiative der katholischen und orthodoxen Gemeinden von Wladimir und Erlangen, dem sich die Wladimirer Universität anschloß.

Irina Pogodina, Karl Christian Felmy, Jewgenij Arinin und Natalia Markowa

Das neue Projekt nimmt die religionswissenschaftliche Analyse der Ergebnisse einer soziologischen Befragung von Jugendlichen in den Blick, die am internationalen Austausch zwischen den Partnerstädten teilgenommen haben. Dabei steht die Klärung von drei wesentlichen Aufgaben im Vordergrund: weitere soziologische Forschungen zur Jugend, die am Austauschprogramm zwischen Wladimir und Erlangen teilnimmt; die philosophische Analyse des Terminus „Beobachter erster Ordnung“, sprich der Teilnehmer am internationalen Austausch, und des Begriffs „Beobachter zweiter Ordnung“, also der Wissenschaftler, verantwortlich für die Fixierung der Veränderungsprozesse der kulturellen und religiösen Identität der Jugend als Ausdruck grundlegender Tendenzen im lokalen wie globalen Maßstab; Analyse der Dialogpraxis bei der Interaktion von deutschen und russischen Jugendlichen, wo neue Bedeutungen und Inhalte allgemein verwendeter Begriffe entstehen und die Vorstellungen vom „Eigenen“ und „Anderen“ neue Formen annehmen.

Einige Details des Projekts standen im Mittelpunkt von Treffen mit Jutta Schnabel, Organisatorin des Jugendaustausches, Andreas Nehring, Leiter des Lehrstuhls für Religions- und Missionswissenschaft an der FAU, Prof. em. Karl Christian Felmy (Diakon Wassilij), und Renate Winzen, die seit vielen Jahren die wissenschaftlichen Kontakte zwischen den Partnerstädten begleitet. Die Hauptarbeit bestand allerdings im Studium von Literatur in der Universitätsbibliothek, und ein Tag war dem Besuch von Bamberg mit all seinen Sehenswürdigkeiten und großartigen Museen vorbehalten.

Jewgenij Arinin

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Seit 2003 pflegen Jena und Wladimir einen engen Jugendaustausch, der damals, vor 15 Jahren, mit dem EU-Projekt „Move Together“ mit Begegnungen einsetzte, die alle europäischen Partnerstädte einbezog. Derlei Programme laufen naturgemäß nach einer bestimmten Zeit aus, die Beteiligten gehen auseinander, die Treffen enden nach Abrechnung der Kosten in der Ablage. Nicht so zwischen Jena und Wladimir.

Im Botanischen Garten zu Jena

Cornelia Bartlau, damals noch Streetworkerin, heute Gleichstellungsbeauftragte, hatte im 1997 gegründeten Euroklub und deren Vorsitzenden, Jelena Guskowa, ein Wladimirer Pendant gefunden, das sich an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert zeigte. Und so entstanden neue Ideen, eigene Projekte wie der Freiwilligenaustausch, in dessen Rahmen vor sieben Jahren Iwan Nisowzew nach Thüringen gekommen war – und bis heute als Mittler zwischen den Städten und Menschen geblieben ist.

Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Friedensfahrer Winfried Merkel

Zu den festen Programmen des Euroklub gehören landeskundliche Reisen, die per Bus dieses Mal bis in die Niederlande führen – nach dem Motto: gestern noch Jena, heute Amsterdam. Oder frei nach der russischen Redensart: im Galopp durch Europa.

Plenum

Dabei wollen die knapp 50 jungen Gäste nicht nur selbst möglichst viel von der Kultur und Geschichte vor Ort erfahren, sie stellen vielmehr überall auch ihre eigene Heimat vor. Und die heißt für einige in der Gruppe nicht nur Wladimir, sondern beispielsweise auch Wjasniki, eine Kreisstadt aus der Region, die mit ihren Naturschutzgebieten für sich einnimmt.

Jelena Guskowa, Iwan Nisowzew und Matthias Bettenhäuser

Wie wichtig Jena den Besuch im zehnten Jahr des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir nimmt, zeigt die Begrüßung durch Matthias Bettenhäuser, persönlicher Mitarbeiter und Leiter des Büros von Oberbürgermeister Albrecht Schröter, im Bürgertreff des Rathauses. Wie wichtig der Besuch ist, zeigen die politischen Umstände, die angesichts der aktuellen Eskalation mit der gegenseitigen Ausweisung von Botschaftspersonal mehr denn je auf die Volksdiplomatie setzen muß, gerade auch im „Deutsch-Russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“. Schwere Zeiten für den Austausch, wenn hüben wie drüben neue Feindbilder entstehen. Da mag helfen, manches mit historischem Abstand zu sehen, etwa, wenn man die Fahrt von Erlangen nach Jena nutzt, um sich in die Anmerkungen zum Roman „Der Idiot“ von Fjodor Dostojewskij zu vertiefen. Da findet sich nämlich folgender Hinweis:

Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Matthias Bettenhäuser

Heinrich Joh. Ostermann (geb. 1687 in Westfalen als Sohn eines Pastors) hatte als Jenenser Student seinen Gegner im Duell getötet, war nach Holland geflohen und dort 1703 in russische Dienste getreten. Er gewann Peters Vertrauen und machte sich verdient bei den Friedensschlüssen am Pruth 1711 und namentlich in Nystad 1721. (Geheimrat und Baron Ostermann) Nach Peters Tode 1725 ernannte ihn Katharina I. (1725-27) zum Oberintendanten des Hofes und zum Mitglied des Regentschaftsrates für Peters Enkel, den Knaben Peter II. Alexejewitsch, der aber schon 1730 starb. Die russische Adelspartei unter Führung des Fürsten Dolgorukij erhob hierauf Peters Nichte, die Witwe des Herzogs von Kurland, Anna Iwanowna (1730-40) auf den Thron und versuchte hierbei, die kaiserliche Allmacht zu beschränken. Der Versuch scheiterte an der Opposition der anderen, deutschfreundlichen Partei bei Hofe, und nach dem Sturz und der Verbannung der Russen kam es zur Bildung des Kabinetts, in dem Annas Günstling, Biron (von Bühren), Graf Ostermann und Generalfeldmarschall Münnich die Hauptrolle spielten. Anna ernannte (auf Ostermanns Rat?) ihren zweijährigen Großneffen als Iwan IV. (1740-41) zu ihrem Nachfolger; doch schon 1741 trat Peters jüngste Tochter, Elisabeth, auf und bestieg nach einer Palastrevolution den Thron (1741-62). Graf Ostermann wurde von ihr der Intrigen gegen ihr Thronfolgerecht beschuldigt, zum Tode durch das Rad verurteilt, auf dem Blutgerüst zur Verbannung nach Sibirien begnadigt, wo er 1747 in Berjosoff starb. Er stand im Ruf, ein kluger Staatsmann und geschickter Diplomat zu sein.

zitiert nach der Ausgabe des R. Piper & Co. Verlags, München, 1977

Gruppe aus Wjasniki

Geschickte Diplomaten brauchen wir heute zwischen unseren Ländern mehr denn je, Menschen, die verhindern wollen, daß die deutsch-russischen Beziehungen unter die Räder kommen oder unzerkaut im Rachen jenes Krokodils aus der gleichnamigen Erzählung – schon wieder – von Fjodor Dostojewskij landen, wie derzeit auf der Bühne des Theaters Jena zu sehen: https://is.gd/oQdLfJ

 

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Wladimir wartet gleich mit mehreren Institutionen für ehrenamtliche Helfer auf. In der russischen Partnerstadt haben diese die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum hinweg Auslandserfahrungen zu sammeln und das Leben vor Ort aus nächster Nähe kennenzulernen. Verschiedenste Programme und Stipendien ermöglichen ein Auslandssemester, einen Freiwilligendienst oder auch ein Praktikum in Wladimir. Hier sprechen wir exklusiv für den Blog mit denjenigen, die diese Möglichkeiten aktuell nutzen:

Momentan engagieren sich drei deutsche Jugendliche in Wladimir: Lara Heinen aus Lüdenscheid im Erlangen-Haus, Mathilda Wenzel aus Saalfeld im Euroklub und an einer örtlichen Gesamtschule sowie Frederick Marthol aus Erlangen am Fremdspracheninstitut der Universität und ebenfalls im Euroklub.

Frederick Marthol, Mathilda Wenzel und Lara Heinen

Alle drei haben im letzten Jahr die Schule abgeschlossen und sich danach für einen Aufenthalt in Wladimir entschieden. Im folgenden Gespräch ziehen die drei 18 Jahre alten Gäste ein erstes Resümee aus mehreren Monaten Freiwilligenarbeit:

Redaktion: Warum genau habt Ihr Euch für die Stelle in Wladimir beworben?

  • Lara: „Meine Mutter kommt aus diesem Land, ich kann daher auch fließend Russisch sprechen und war öfters mit der Familie zu Besuch bei Verwandten. Ich habe mich übrigens nicht für Wladimir, sondern die Russische Föderation insgesamt beworben. Nachdem ich also eine Zusage von meiner Trägerorganisation „weit erhalten hatte, standen drei russische Städte zur näheren Auswahl. Ich persönlich hätte es ganz cool gefunden, nach Ufa zu fahren, da diese Stadt um einiges größer als Wladimir ist und insgesamt mehr zu bieten hat. Ich bin aber dennoch sehr glücklich mit meinem Standort hier, da ich auf keinen Fall nach Sergijew-Possad wollte.“
  • Frederick: „Die Erlanger Partnerstädte haben mich schon immer interessiert, und daher wollte ich auf jeden Fall in eine. Nachdem sich die Kommunikation mit den anderen Städten aber als sehr zäh herausgestellt hatte, wurde es dann Wladimir. Ich war aber 2015 schon einmal hier und kannte deswegen grob, was mich erwartet. Der Vorvorgänger meiner Stelle hat mir von der Arbeit ausführlich berichtet, und es klang eigentlich ganz interessant. Außerdem ist es hier einmal etwas komplett anderes, als das, was ich sonst so gewohnt bin. Und das „Erasmus-Plus-Programm“ bietet eine interessante Chance, auch für einen kürzeren Zeitraum, also nicht gleich ein ganzes Jahr, Freiwilligenarbeit im Ausland zu leisten.“
  • Mathilda: „Ich habe mich über die Eurowerkstatt Jena auf mehrere Städte in Europa beworben. Bei einem Seminar des „European Volunteer Service“ habe ich dann von der Möglichkeit gehört, in der Jenaer Partnerstadt Wladimir einen Freiwilligendienst zu machen, woraufhin ich mich hier beworben habe. Ich hatte zwar auch noch eine Zusage für eine französische Kleinstadt erhalten, entschied mich aber letztendlich für Wladimir entschieden, weil mich das einfach mehr interessierte.“

Redaktion: Wie sieht Euer Alltag konkret aus?

  • Mathilda: „Mein Tag beginnt am Morgen mit dem Russischunterricht in der Universität, das dauert meistens vier Stunden. Danach fahre ich mit dem Bus zum Euroklub wo ich meine Deutschunterrichtsstunden oder verschiedene Präsentationen vorbereite. Auch Veranstaltungen für die Gesamtschule oder natürlich auch für den Euroklub plane ich von dort aus. Am Abend fahre ich zurück ins Studentenwohnheim, wo ich manchmal noch den Russischunterricht nachbereite.“
  • Lara: „Der Tag beginnt für mich meist mit Sport im Fitness-Center. Ich muss nämlich erst mittags im Erlangen-Haus erscheinen, da der Deutschunterricht da am frühen Nachmittag beginnt. Dort starten wir dann mir einem kurzen Briefing, bei dem wir die anstehenden Unterrichtsstunden zeitlich ein- und auf unser Team aufteilen. Anschließend assistiere ich beim Unterricht oder realisiere eigene Projekte wie z.B. einen Filmabend oder auch das Plätzchenbacken vor Weihnachten. Hin und wieder gebe ich auch Einzelunterrichtsstunden. Nach dem Feierabend um 21.00 Uhr fahre ich entweder heim oder gehe noch kurz einkaufen.“
  • Frederick: „Nach dem Frühstück gehe ich zur Universität, wo ich entweder zuerst meine eigene Russischunterrichtsstunde habe oder eine Themenpräsentation/Konversationsstunde in der deutschen Sprache anbiete. Nach diesen beiden Terminen spreche ich mich meistens noch mit Oxana, einer Dozentin an der Uni, ab, welche Veranstaltungen in den nächsten Tagen anstehen und wie diese ablaufen sollen. Danach fahre ich auch öfters in das Büro des Euroklub, wo häufig noch weitere Arbeiten auf mich warten.“

Redaktion: Und womit verbringt Ihr Eure Freizeit hier in Wladimir?

  • Mathilda: „Ich treffe mich häufig mit Freunden aus dem Wohnheim auf einen Tee, oder wir unternehmen etwas wie zum Beispiel Eislaufen, einen Museumsbesuch oder ähnliches. Ich war auch schon mehrmals in Moskau, Nischnij Nowgorod und einmal in Samara.“
  • Lara: „Wie schon gesagt, ist mir Sport sehr wichtig. Im Fitness-Center habe ich auch Freunde gefunden, mit denen ich inzwischen vieles unternehme. Wir gehen zum Beispiel öfters ins Kino. Ich fahre auch gerne in andere Städte.“
  • Frederick: „Ich schließe mich den beiden an. Andere Städte anschauen, finde ich klasse, am Wochenende war ich zum Beispiel mit einem befreundeten Studenten in Sankt Petersburg! Nach der Arbeit gehe ich meist noch laufen. Außerdem fahre ich auch ich hin und wieder am Abend in die Stadt auf ein oder zwei Bier.“

Redaktion: Worauf hattet Ihr nach Eurer Ankunft zu verzichten?

  • *Alle Drei*: „Trinkbares Wasser aus der Leitung!“
  • Mathilda: „Das Leben im Wohnheim ist manchmal gewöhnungsbedürftig, besonders die Hygienestandards, aber das liegt vielleicht auch an Studentenwohnheimen generell. Anfangs fand ich auch das Einkaufen schwierig, weil ich die Produktbeschreibungen nicht lesen konnte.“
  • Lara (lacht): „Klopapier darf hier nicht im WC heruntergespült werden, sondern es gehört in den Mülleimer!“
  • Frederick: „Die Registrierungen vor Ort nerven mich. Das stört bei spontanen Fahrten einfach! Am meisten vermisse ich aber das Fahrrad als Fortbewegungsmittel, wie ich es aus Erlangen gewohnt bin. Diese ewige Busfahrerei hier ist schrecklich und macht mich unflexibel.“
  • Mathilda: „Ach ja, und die Einrichtung meines Internetvertrags per Kabel ließ sich nur sehr schwer bewerkstelligen… Ich rannte von einem Universitätsgebäude ins nächste und wurde immer aufs Neue weitergereicht. Diese Bürokratie erschwert viele Angelegenheiten, die sich eigentlich ganz einfach lösen ließen.“

Redaktion: Was war die unangenehmste Erfahrung während Eures Aufenthaltes?

  • Mathilda: „Ich habe mich einmal in Nischnij Nowgorod verlaufen und konnte noch zu wenig Russisch, um mich mit den Einheimischen zu verständigen. Ich wollte zudem noch dringend zum Bahnhof, denn die Zeit war knapp. Das war schlimm. Ich saß in tausend falschen Bussen, fragte mich ewig durch, und bat schließlich einen Bekannten per Handy, einer anderen Buspassagierin mein Problem auf Russisch zu erläutern. Diese half mir dann zum Glück weiter, und ich habe den Zug letztendlich doch noch erwischt.“
  • Frederick: „Diese eine Erfahrung gibt es bei mir jetzt nicht direkt. Aber generell stört es mich, mit den meisten Menschen hier nicht kommunizieren zu können. Wann immer ich von Passanten angesprochen werde, kann ich ihnen immer nur schulterzuckend mitteilen, sie kaum zu verstehen. Richtig unangenehm wird es jedoch erst dann, wenn anschließend völlig unbeeindruckt weitergeredet wird, ohne ein Ende in Sicht. Bei den Sicherheitsbeamten an öffentlichen Gebäuden ist das häufig so.“

Redaktion: Wladimir oder Melbourne nach dem Abi?

  • Frederick: „Auf jeden Fall Wladimir! Nach Australien komme ich bestimmt im Laufe meines Lebens einmal, bei der Russischen Föderation bin ich mir da nicht so sicher. Das ist jetzt nicht unbedingt das Land, wo ich auch als Tourist hinfahren würde. Und, wie schon gesagt, es ist einfach mal etwas anderes als der ganze Standardkram.“
  • Mathilda: „Wladimir! Ganz einfach: Weil ich über dieses Land viel weniger Wissen hatte, als über Australien. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, hier ehemalige Klassenkameraden zu treffen viel geringer.“ (lacht)
  • Lara: „Erstens habe ich ein paar Ansprüche, und zweitens: Was will ich in Australien? Ein paar Känguruhs streicheln und am Strand rumhängen? Nein – Australien ist mir zu Mainstream! Meine Mutter hat mich ja eigentlich auf die Idee gebracht, nach hierher zu fahren. Diese Idee hat mich dann aber endlich auch überzeugt. So bin ich jetzt das erste Mal alleine im Land und kann auch noch meine Sprachkenntnisse anwenden und erweitern.“

Redaktion: Gibt es eigentlich Probleme bei der täglichen Arbeit?

  • Mathilda: „Am Anfang auf jeden Fall die Sprache. Daraus resultierten dann Probleme beim Verständnis von Zwischenmenschlichem… Auch die ungewohnten Arbeitsweisen waren anfangs sehr schwierig für mich und sind es zum Teil immer noch. An der Uni herrschen beispielweise andere Umgangsformen zwischen den Dozenten und Studenten, als ich das von Deutschland gewohnt bin.“
  • Frederick: „Ja, da hat Mathilda schon recht. Die Arbeit läuft einfach ganz anders. Viel unstrukturierter. Es stört mich auch, meine Aufträge immer nur sehr grob bis gar nicht terminiert zu bekommen. Die Sprachbarriere macht sich gar nicht so sehr bemerkbar, eher sind es kulturelle Differenzen, die dann auch die Arbeit beeinträchtigen.“
  • Lara: „In den ersten Wochen meines Aufenthaltes hatte ich oft das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, beziehungsweise überflüssig zu sein. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Vielleicht liegt es an dem Umstand, die erste Freiwillige im Erlangen-Haus zu sein.“

Redaktion: Könnt Ihr Euch mit Euren jetzigen Erfahrungen vorstellen, im Rahmen eines Studiums ein Auslandssemester in Wladimir zu machen?

  • Mathilda: „Nicht in Wladimir, aber an einer anderen russischen Hochschule. Die Uni in Wladimir kenne ich ja jetzt schon sehr gut, da will ich dann schon noch eine andere Stadt sehen.“
  • Lara: „Ich weiß es noch nicht, aber generell ablehnen tue ich es auch nicht.“
  • Frederick: „Nein. Wie Mathilda kenne ich die Uni jetzt sehr gut, und wenn ich noch mal längere Zeit ins Ausland gehen sollte, dann auf jeden Fall in ein anderes Land. Aber vielleicht ändere ich meine Meinung ja noch einmal.“

Redaktion: Vielen Dank für eure Unterstützung! (alle lachen)

Frederick Marthol

Weiterführende Informationen zu einem Aufenthalt in Wladimir:

Auslandssemester an der Vladimir State University: www.vlsu.ru und https://is.gd/Jz1nB5

Bewerbung beim Sprachenzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir, dem Erlangen-Haus: https://www.kulturweit.de  und http://erlangen.ru

Bewerbung beim Euroklub (+ Partnerorganisation): https://is.gd/w7OaB0 und https://is.gd/UkCmby

Sendeorganisation www.eurowerkstatt-jena.de

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Das „Erasmus Plus – Programm“ brachte den Erlanger Frederick Marthol im Dezember nach Wladimir, wo er nun gemeinsam mit Mathila Wenzel aus Saalfeld beim Euro-Klub freiwillige Projektarbeit leistet, voraussichtlich noch bis April. Gute Aussichten für Stammleser des Blogs, denn der Pfadfinder schickt von Zeit zu Zeit Episteln, die richtig Freude bereiten. Dieser Tage nun ging ein weiteres Sendschreiben in der Redaktion ein:

Das russische „Dreikönigsfest“, Epiphanias, wird ja bekanntlich am 19. und nicht wie bei uns am 6. Januar zelebriert. Peter hat mit seinem Artikel „Rein von aller Schuld“ ja auch schon einige Eindrücke der kaltnassen Taufe geliefert: https://is.gd/3hDev2 Doch auch für die Jugendorganisation Euro-Klub war dieser Tag der Anlaß einer alljährlichen Sonderveranstaltung zum Thema „Dreikönig – Epiphanias“, denn die traditionellen Gebräuchlichkeiten könnten in den beiden Ländern wohl nicht verschiedener sein. Nachdem ich selbst über die kältewahnsinnige Badeveranstaltung erfahren hatte, ging es darum, den russischen Schülern und Studenten Traditionen und Herkunft des Dreikönigstages, wie wir ihn kennen, zu vermitteln. Zufälligerweise war ich in meiner Grundschulzeit als „Sternsinger“ im Erlanger Zentrum unterwegs und konnte ein wenig über diese Art des Feiertages berichten, was ebenfalls auf großes Interesse stieß…

Frederick Marthol als Deuter der Epiphanie

Allerdings gibt es noch eine ganz andere Tradition am russischen Epiphaniastag: Es geht darum, ein wenig über die persönliche Zukunft im nächsten Jahr zu erfahren, kurzum man erprobt verschiedene Methoden und Praktiken des Wahrsagens. Seien es zufällig ausgewählte Textpassagen eines Buches (stilecht wurden natürlich Grimms Märchen verwendet) oder das Gießen von flüssigem Wachs in kaltes Wasser (bei uns zu Silvester als „Bleigießen“ geläufig).  Es wird interpretiert und gerätselt, bis eine passende Zukunftsprognose für das kommende Jahr gefunden ist.

Frederick Marthol und Mathilda Wenzel

In der Hoffnung auf die Erfüllung der Zukunftsvisionen und voll neuem Wissen über den Epiphaniastag konnten alle einiges von dem Tag mitnehmen, so auch meine Kollegin Mathilda aus Saalfeld:

Ich fand das Wahrsagen echt spannend und auch lustig. Es war cool, nicht nur über die Traditionen in Deutschland informiert, sondern auch noch etwas über die religiösen Bräuche zu diesem Fest hierzulande erfahren zu haben. Außerdem war es für mich interessant, bei der Recherche vorab zu sehen, wie viele verschiedene Methoden es gibt, um in die Zukunft zu schauen.

Ich bin gespannt welche Feierlichkeiten mich hier während meines Aufenthaltes noch erwarten, denn nach Neujahr ist die Meßlatte ja doch schon sehr hoch angesetzt.

Frederick Marthol

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Da sage noch jemand, zwischen den Jahren und Festen ereigne sich kaum etwas, der Berichterstattung wert. Für die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir gilt das jedenfalls nicht. Ein HURRA erscholl da nämlich gestern in der Redaktion des Blogs, als folgende Eilmeldung vom Leiter des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaft, Jewgenij Arinin, einging:

Die Universität Wladimir erhält seitens der „Russischen Stiftung für Grundlagenforschung“ auf den Zeitraum von drei Jahren (2018 bis 2020) die Förderungszusage zum Thema „Philosophische Religionswissenschaft als globales Projekt: deutsche und russische Jugendliche im Dialog über Religion“.

Jelena Woronzowa, Julia Matuschanskaja, Ojuna Dorschiguschajewa, Jewgenij Arinin, Dmitrij Petrosjan und Wadim Schdanow

Doppelt erfreulich: Als Forschungsgegenstand der Studie dienen die Begegnungen der Katholischen Jugend Erlangens mit Gleichaltrigen aus Wladimir – unter Einbeziehung der Universität, der Rosenkranzgemeinde und der orthodoxen Erzdiözese, begleitet und koordiniert auf deutscher Seite von Jutta Schnabel und Sabrina Pfau mit ihrem Team aus Ehrenamtlichen. Bei aller Freude sollte nicht vergessen werden, daß die entscheidenden Weichen für diesen in der Art bundesweit einzigartigen interkonfessionellen Austausch jemand gestellt hat, dessen ersten Todestag wird bald begehen müssen: Rolf Bernard. Sein gutes Werk erfährt nun die Weihen der Wissenschaft; den Segen von ganz oben genießt sein Wirken mit all den angenehmen Nachwirkungen ja schon von Beginn an. Ein neuer Anfang ist nun gemacht, frisch also, mutig ans Werk!

Siehe auch: https://is.gd/A1rrtg

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Am 21. Dezember organisierten wir in den Räumen des „Informationszentrums für Atomenergie Wladimir“ ein Neujahrsfest für die Kinder und Jugendlichen des Zentrums „Insel der Pflege“. Dort feierten wir gemeinsam mit den Aktivisten vom Euroklub und den Mitarbeitern des Informationszentrums, die unsere Jugendorganisation auch in diesem Jahr wieder bei der Vorbereitung unterstützt haben.

Mathilda Wenzel

Als Ehrengäste waren Väterchen Frost und das Schneemädchen, sowie ihr deutscher Kollege, der Weihnachtsmann, geladen. Diesen spielte unser neuer Freiwilliger, Frederick Marthol aus der Partnerstadt Erlangen, der über die Neujahrsfeier folgendes sagt:

Frederick Marthol als Weihnachtsmann

Diese Art und Weise, Neujahr zu feiern, hat mir sehr gut gefallen, ich könnte mir vorstellen davon etwas auch zu Hause in Deutschland anzubringen. Das Schönste waren aber die glücklichen Kinder, ich denke die Spiele und das Programm haben ihnen wirklich Spaß gemacht.

Frederick arbeitet zusammen mit mir, Mathilda Wenzel aus Saalfeld. Ich bin hier schon seit August als Freiwillige im Einsatz.


Zu Beginn moderierten die Mitarbeiter des Zentrums für die Kinder und Jugendlichen ein Spiel, bei welchem sie im Team möglichst schnell verschiedenen Fragen zu Silvestertraditionen zu beantworten hatten. Danach luden uns die Weihnachtsmänner und ihre Helfer zu Spiel und Tanz in den großen Raum ein. Neben dem Schneeflockentanz und Neujahrsgedichten wurde auch das deutsche Spiel „Wurstschnappen“ in einer abgewandelten Variante – mit Keksen – gespielt, bei dem die Kinder in zwei Teams Kekse, die auf einer Schnur aufgefädelt sind, möglichst schnell abessen müssen.

Die Schwierigkeit besteht darin, die Hände nicht zur Hilfe nehmen zu dürfen. Am Ende, wie es sich für eine Neujahrs- oder Weihnachtsfeier gehört, verteilten Väterchen Frost und der Weihnachtsmann gemeinsam die Geschenke. Die hatten sich die Kinder nach dem Aufsagen von Gedichten und dem Nachweis ihres umfangreichen Wissens über Silvestertraditionen, auch redlich verdient.

Die Geschenke waren vorab im Rahmen der Aktion „Ein Geschenk für Kinder“ gesammelt worden, wobei sich Schüler der Wladimirer Schulen und Gymnasien als besonders aktiv hervortaten. Dafür an dieser Stelle noch einmal Danke. Alles in allem blicken wir auf ein schönes Fest zurück, das sich in den nächsten Jahren hoffentlich wiederholen lassen wird.

Mathilda Wenzel

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