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Archive for the ‘Jugend’ Category


Neben Cornelia Bartlau war es Thomas „Kaktus“ Grund, der den Jugendaustausch zwischen Jena und Wladimir in Gang brachte. Der mittlerweile verrentete Streetworker veröffentlichte dieser Tage auf Facebook seine Erinnerungen an jene durchaus anarchischen Pionierzeiten mit mittlerweile wohl verjährten läßlichen Sünden.

Als ich 1994 das erste Mal mit einer Gruppe Jugendlicher in Wladimir war, war auch ein Substituierter dabei, für den ich das Methadon schmuggeln mußte. Als wir ankamen, mußte ich feststellen, daß die russischen Teilnehmerinnen entsetzt waren. Tätowierte waren nur Knastbrüder und keine normalen Menschen. Die nächsten Tage verbrachten sie damit, sich mit mir photographieren zu lassen, ich war wohl doch kein Knastbruder für sie.

Thomas „Kaktus“ Grund mit Dieter Argast und Cornelia Bartlau im Hintergrund

Wir waren bei Gasteltern untergebracht. Mein Gastgeber hieß Boris, der in einer Parterrewohnung bei seiner Mutter lebte, die gerade im Krankenhaus lag. Er studierte Musik am Konservatorium. In der ersten Nacht sagte er, du darfst nicht das Fenster öffnen, nur die Tür zum Flur. Ich verstand das erst am nächsten Tag. Eine Gruppe ordentlich Zurechgetrunkener stand vorm Haus. Sie umringten mich gleich, bewunderten meine Tattoos, zeigen mir ihre verblassten Knast-Tattoos. Es gab eine Flasche lauwarmen Wodka-Fusels, ich spendierte Westzigaretten. Zum Abschied gab es Umarmungen. In dieser Nacht habe ich das Fenster geöffnet, weil klar war, ich bin jetzt ihr deutscher Freund.

Bei Freunden: Jelena Guskowa, Gennadij Stachurlow, Dieter Argast, N.N. und Cornelia Bartlau

Die nächsten Abende gab es immer viel Wodka mit Boris und seinen Freunden. Ich gab mir Mühe, zu gewinnen. Am letzten Abend war ich Sieger und mußte am Morgen Boris wachrütteln. Der rief mir dann eine Taxe, die mich zum Flughafen brachte, und wankte wieder ins Bett. Zurück schmuggelte ich russische Westzigaretten für 50 Cent die Schachtel.


Bei einer Wanderung fragte mich ein russischer Arzt, was meine Rückentattoos bedeuten. Unsere Dolmetscherin übersetzte ihm die Bedeutung nach Freud: Der Stier ist mein Ich, der durch die Mauer des Überich, über die tosenden Fluten von Lava des Unbewußten springt! Er lächelte und sagte: „Ich weiß, was das bedeutet: Anarchie.“ Da hatte er wohl recht.

Thomas „Kaktus“ Grund

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Eben erst aus Wladimir zurückgekehrt sind Jutta Schnabel und Felix Mörsberger, und schon liefern sie einen Bericht für den Blog.

Es gibt Jugendleiter, die haben Wladimir noch nie im Winter gesehen. Da das auf alle Fälle ein Versäumnis ist, das man schnellstmöglich beseitigen sollte, machten wir uns von der Nadjeschda-Jugend, leider nur zu zweit, dieses Jahr schon im Februar in die Partnerstadt auf, um die Begegnung mit der Universität und der Rosenkranzgemeinde für dieses Jahr vorzubereiten. Der frühe Termin hatte wohl auch damit zu tun, daß wir uns heuer schon im April mit zwanzig erwartungsfreudigen jungen Leuten aufmachen werden, unsere russischen Freunde in wiederzusehen. Also trotzten wir den windigen -14 Grad und dem Schnee und machten uns auf ins kalte, aber winterlich schöne Wladimir.

Jutta goldenes_tor_schnee_klein

Goldenes Tor im Schnee

Nach der üblichen Anreise per Flugzeug und Zug über Moskau nach Wladimir setzten wir uns am ersten Tag gleich nochmal in den Zug, um mit drei unserer Partner bis nach Nischnij Nowgorod weiterzufahren, die Stadt der Wahl für unseren diesjährigen Austausch. Hinter zwei verfallenen Häusern fanden wir hier die katholische Gemeinde, in der wir warm empfangen wurden und gleich das Komplettpaket für unseren Besuch in Aussicht gestellt bekamen, mit Unterkunft im Klostergebäude, jeder Menge guter Tips für das Programm, wenn wir denn zu Ostern kommen würden, und einer guten Erklärung zu der manchmal schwierigen Lage der Gemeinde in der Stadt. Danach genossen wir wegen des weniger einladenden Wetters vor allem die Buntheit der Pelmeni und die verwirrende Vielfalt koffeinhaltiger Heißgetränke der Gastonomieangebote in der Fußgängerzone, der ideale Platz, um gemeinsam das planerische Großprojekt für den nächsten Tag vorzudenken, da wir tags darauf bei einem Seminar die Weichen für den gesamten Austausch für das Jahr 2019 stellen wollten.

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Felix Mörsdorfer, sechster v.l. und Jutta Schnabel, ganz rechts im Bild, vor der Planungswand

Vielleicht dank dieser kaffeegestärkten Vorgespräche schafften wir es wirklich, an einem Seminartag mit insgesamt zehn Leitern zwei komplette Austauschprogramme zu planen – natürlich noch mit ein paar Platzhaltern und offenen Stellen, doch schon einer guten Vorstellung, wie unsere Tage in Wladimir und der Besuch der russischen Gruppe im Sommer ablaufen würden. Das funktionierte vor allem, weil wir uns inzwischen untereinander gut kennen und auch über die Jahre gelernt haben, daß dieses persönliche Verständnis die Grundlage eines guten Austauschs bildet. Das wurde uns besonders bei unserer Diskussion zu Beginn des Seminars klar, als wir uns über unsere gemeinsamen Ziele in der Begegnung austauschten und feststellten: Kern einer erfolgreichen Begegnung sind gegenseitiges Vertrauen und Kennenlernen der anderen in kleinen Gruppen oder ganz persönlich. Mit kreativen Wortneuschöpfungen wie „Nuklearisation“ für die Begegnung in diesen Kernbeziehungen oder durch die schöne Sprachfigur „ответная открытость“, welche die gegenseitige „antwortende Offenheit“ für uns als Leiter – aber auch gegenüber neuen Teilnehmern – beschreiben soll, versuchten wir, unsere bisherigen Erlebnisse zu reflektieren, um die diesjährige Begegnung tatsächlich nicht nur zu einem informativen Ausflug in ein neues Land, sondern eine teifgreifende Erfahrung werden zu lassen.

So innerlich erwärmt, stellten wir uns auch noch dem letzten kalten Tag, an dem ein Treffen mit den „alten Herren“ unserer Begegnung, Pfarrer Sergej Sujew, dem Universitätsseelsorger, Vater Warfolomej und Professor Jewgenij Arinin die offizielle Seite des Austausches in den Blick nahm. Hier ging es um die Rahmenbedingungen, denn über die Jahre entstanden im Umfeld der Begegnungen nicht nur neue Formen der Zusammenarbeit, sondern auch ein Forschungsprojekt der Universität, das den Einfluß interkultureller Begegnungen auf die Wertebildung von Jugendlichen untersucht. Neben der Einbeziehung von Nischnij Nowgorod ist heuer noch etwas ganz neu: Dieses Jahr nehmen mehr russische Jugendliche an unserem Programm teil, die von der namensgleichen, aber nicht verwandten Organisation Nadjeschda für Waisen in Wladimir betreut werden, und auch die orthodoxe Seite wird die Begegnungen durch Angebote und Treffen unterstützen. Nach dieser intensiven Arbeit genossen wir schließlich einen unserer Meinung nach wohlverdienten letzten Abend im Kreis unserer alten Bekannten, um bei Tee und Nudeln zu pflegen, was im Austausch begonnen wurde – unsere Freundschaft.

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Die Partnerschaft zwischen dem Euroklub Wladimir und der Eurowerkstatt in Jena, entstanden aus der gemeinsamen Verbindung mit Erlangen hält nun schon seit fünfzehn Jahren. Grund genug auch für das Rathaus der Partnerstadt, den wichtigsten Akteuren dafür zu danken, so viele junge Menschen zusammengebracht zu haben. Grund genug, diese natürlich auch im Blog nochmals zu nennen: Jelena Guskowa, Cornelia Bartlau, Elke Kerber, Thomas Kaktus Grund, Natalia Kostina, Iwan Nisowzew und Anna Kulakowa.

Aber auch in Jena würdigt man dieses völkerverbindende Engament. So erhielt Elke Kerber, mittlerweile im Ruhestand, für ihren Einsatz im Rahmen des Austausches der Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft ÜAG mit Jugendlichen aus Wladimir, unlängst aus den Händen von Oberbürgermeister Thomas Nitzsche eine Ehrenurkunde.

Thomas Nitzsche und Elke Kerber

Von den vielen Berichten über diese Begegnungen sei nur dieser Bericht aus dem Blog https://is.gd/z7SVNg angeführt, und ein kreatives Zeugnis der Zusammenarbeit findet man noch heute in Jena.

Bleibt nur, weiter Glück und Erfolg bei der Völkerverständigung auch für die kommenden fünfzehn Jahre zu wünschen. Und Dank zu sagen an alle, die mitwirkten und dabeibleiben.

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Am Nachmittag dieses 16. Januars versammelten sich ca. zwölf Jugendliche im Euroklub, um meinen Vortrag über Wahrsagerei bzw. deutsche Traditionen zur persönlichen Jahresvorhersage zu hören. Also berichtete ich über Glückskekse, Marzipanschweinchen und Bleigießen. Um die Traditionen noch näherzubringen, hatte ich vorab Glückskekse gebastelt und einen kleinen Spruch auf Deutsch aufgeschrieben, der die Gruppe auf das Jahr „vorbereiten“ sollte. Eine Deutschstudentin übersetzte glücklicherweise alles auf Russisch. Das war also die erste Etappe der Vorhersage für 2019.

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Lou Schmalbrock und die Glückskekse

Als nächstes folgte Bleigießen, mit Kerzenwachs allerdings. Auf dem Boden breiteten wir ein Tuch aus und stellten darauf alle nötigen Utensilien, Wasserschüssel, eine Kerze, Löffel usw. Ich hatte das Gefühl, sie waren wirklich erstaunt und interessiert daran, das auszuprobieren. Also schmolzen wir Wachs und schütteten es ins Wasser. Dabei entstanden aber keine Formen wie beim Bleigießen, sondern das Wachs schwamm auf der Oberfläche des Wassers, was ebenfalls eine super Interpretationsgrundlage bildete. Der Auserwählte interpretierte dann die entstandene Form (alle anderen gaben Ideen und Vorschläge dazu, falls man sich nicht sicher war), und ich suchte in einer Liste die entsprechende Bedeutung, z.B. Kleeblatt – großes Liebesglück. Als ob das nicht schon genug wäre, führte Jelena Guskowa, die Leiterin des Euroklubs, dann noch alles weiter aus und erklärte den Brauch aus ihrer Sicht, damit auch jeder genau weiß, was ihn erwartet ;-).

Wahrsagen mit Lou Schmalbrock

Als letztes nahmen wir noch ein Buch auf Deutsch, und jeder durfte sich eine Seite und eine Zeile auswählen. Dieser Satz sollte ebenfalls das neue Jahr vorhersagen (eigentlich eine russische Tradition). Zum Glück wurde dies wieder von der Deutschstudentin übersetzt, und Jelena konnte jeder noch so abstrakten Wegbeschreibung einen Sinn abgewinnen. Das war echt lustig.

Der magische Kreis von Lou Schmalbrock

Insgesamt hat alles echt viel Spaß gemacht, und ich hoffe und denke, die Jugendlichen in irgendeinem Weg inspiriert zu haben, kreativ zu sein und herumzufantasieren.

Lou Schmalbrock

Mehr zu der Ehrenamtlichen aus Jena in Wladimir ist hier zu finden: https://is.gd/rmszSI

 

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So kann man sich die Bürgerpartnerschaft nur wünschen – mit einem Verein, der nicht nur etwas für den Austausch zwischen Erlangen und Wladimir tut, sondern der es auch trefflich versteht, darüber zu berichten, frei nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“!

Dieser Tage ging die Homepage https://nadjeschda-erlangen.de an den Start, ein Portal, das Informationen rund um die Aktivitäten des Fördervereins Nadjeschda bietet, der 2002 in Erlangen mit dem Ziel gegründet wurde, innerhalb der Städtepartnerschaft in Zusammenarbeit mit der Rosenkranzgemeinde zu Wladimir ökumenische Jugendbegegnungen zu unterstützen. Blogleser wissen es längst aus den vielen, über die Jahre verstreuten Reiseberichten der Jugendgruppen, aber nun soll die Homepage alles zusammenfassen, was den Förderverein im Innersten zusammenhält – mit den Rubriken „Aktuelles“, „Verein“, „Jugend“, „Aktiv werden“ und „Kontakt“ oder Links zu Projektpartnern sowie zum Homepageauftritt JADA Erlangen-Wladimir unter: https://is.gd/kcgWkA

Vieles, wenn nicht alles – auch auf der neuen Homepage – hängt nun davon ab, was weiter im Verein geschieht, der sich natürlich auch über neue Mitglieder freut. Schauen Sie zumindest einmal virtuell vorbei, vielleicht bekommen Sie ja Lust, selbst auch aktiv zu werden und die Zukunft des Austausches mitzugestalten. Добро пожаловать – Willkommen bei Nadjeschda!

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Auch dieses Jahr fand wieder ein Jugendaustausch zwischen Wladimir und Erlangen statt. Im August durften wir unsere russischen Freunde in Deutschland begrüßen, und Mitte September machten wir uns selbst auf die Reise in den Osten.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit ausfallenden Bahnverbindungen fanden sich 16 junge Erwachsene in München am Flughafen zusammen, um sich zum diesjährigen Abenteuer aufzumachen.

In Moskau angekommen, durften wir gleich unsere ersten russischen Gastgeber begrüßen, die uns halfen, uns in der Moskauer U-Bahn zurechtzufinden. Mit vereinten Kräften konnten wir am Abend müde, aber gut gelaunt den Rest unserer Gastgeber in Wladimir in die Arme schließen. Ein Wiedersehen wie von alten Freunden.

Die ersten Tage wohnten wir gemeinsam in dem Freizeitcamp Ladoga nahe Wladimir. Dort nutzten wir die gemeinsame Zeit, um durch ein Stadtspiel quer durch Wladimir Land und Leute besser kennenzulernen.Auch die folgenden Tage waren vom russischen Leitungsteam perfekt durchgeplant. Einige Highlights darunter: Schlittschuhlaufen, ein gemeinsames Fußballtraining unter professioneller Aufsicht, ein Besuch der Universität Wladimir und das gemeinsame Kochen eines russischen Festmahles. Auch eine spannende Diskussionsrunde mit einem orthodoxen Pfarrer war Teil unserer gemeinsamen Zeit.

Natürlich gab’s auch reichlich Zeit um miteinander zu diskutieren. So nahmen wir uns an einem Abend Zeit, um der Frage auf den Grund zu gehen: „Freundschaft zwischen Mann und Frau – geht das? Beziehungsweise welche Probleme bringt das mit sich?“

An einem anderen Tag durften wir ein russisches Sozialprojekt hautnah erleben. Zusammen mit der russischen Gruppe besuchten wir alte Menschen und halfen ihnen bei der täglichen Hausarbeit (Teppichklopfen, Fensterputzen, Saugen…) und hatten natürlich auch Zeit, einiges aus deren spannenden Leben zu erfahren.

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch bei den Kosaken, einer Gruppe in der Tradition des russischen Reitervolks. Dort wurden wir in die hohe Kunst des Kampfes mit dem russischen Kurzschwert, dem Schaschka, eingeführt. Außerdem zeigte uns der Leiter dieser Gemeinschaft einige Trainingsspiele. Zu guter Letzt gab er uns eine Kostprobe seiner meisterhaften Reiterkunst. Kurz gesagt: Einmalig!

Doch dann kam der Programmpunkt, auf den alle gewartet hatten: Rent a German.

Dafür wurden wir aufgeteilt, um einen Tag in einer russischen Familie zu erleben. So durften sich einige im Quadfahren üben, andere sausten mit Buggys durchs Land. Einige russische Traditionen, wie das Anfertigen von Blumengestecken oder der Volkstanz, gab es zu bewundern. Andere gingen Angeln. Und einige durften eine Datscha (vergleichbar mit einem Schrebergarten) bestaunen. Jeder dieser Punkte endete mit einem phantastischen Essen. Ein brillanter Tag.

Um noch ein wenig mehr von Land und Leuten zu erforschen, ging es am siebten Tage mit dem Bus nach Murom und von dort aus etwas entlang der transsibirischen Eisenbahn nach Kasan, der Hauptstadt der Teilrepublik Tatarstan.

Durch diese geschichtsträchtige Stadt erhielten wir dank einer Unidozentin eine überaus spannende Stadtführung und durften einen kurzen Einblick in die lutherische Gemeinde erhaschen. Abends besuchten wir noch die Universität von Kasan. Dort hörten wir einen Vortrag inmitten des Studentenbundes. Danach hielt einer der Studenten ein überaus interessantes Referat über die Tataren, eine überwiegend muslimische Volksgruppe, namensgebend für Tatarstan.

Mit dem Nachtzug der Transsibirischen ging es dann nach Moskau. Dort hatten wir noch kurz Zeit, um den Roten Platz genauer zu erforschen. Nachdem alle Sehenswürdigkeiten ausgiebig bestaunt waren, hieß es auch schon wieder, schweren Herzens Abschied nehmen.

Doch eins ist sicher: Durch diesen Jugendaustausch sind Verbindungen und Freundschaften entstanden, die selbst diese Distanz nicht mindern können.

Jonas Zelkowicz

Mehr, sehr viel mehr Bilder zu diesem bemerkenswerten Austausch gibt es auf Facebook unter: https://is.gd/kcgWkA

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Was tun Sie, wenn Sie in der Fußgängerzone ein junger Mensch anlächelt und auf einem Schild „Free Hugs“, also kosenlose Umarmungen, anbietet? Manch einer schüttelt wohl nur den Kopf und geht weiter, andere aber nehmen das Angebot gerne an – und holen sich eine Umarmung für den Tag ab. So geschehen am vorvergangenen Donnerstag, als die deutsch-russische Gruppe vom Jugendaustausch zwischen Nadjeschda e.V. in Erlangen und der katholischen Gemeinde und Universität in Wladimir mit Schildern durch die Innenstadt zogen, um mit dem Angebot, Leute zu umarmen, ein positives Zeichen zu verschenken.

Elisabeth Preuß mit der deutsch-russischen Gruppe, gesehen von Georg Kaczmarek

Dabei ging die Gruppe erst sehr sektiererisch vor: Erst einmal verkündeten die Schilder, es würden nur „Katzenliebhaber“, „Bartträger“, „Vielleser“ oder „Fußballspieler“ umarmt – denn das waren die Gruppen, mit denen sich die Schildträger am meisten identifizieren konnten. Spalter! Warum nur die einen umarmen, aber nicht die anderen? Doch die Sektiererei war nur ein Anstoß, einmal umzudenken: Das Lied „Wind of Change“ singend, besserten die Umarmer schnell ihr Angebotsschild aus, auf dem nun „Free Hugs for Everyone“ zu lesen war. Denn, wie im Lied der Scorpions schon anklingt, wer sich erlaubt, anders zu denken, kann Unterschiede überwinden.

Elisabeth Preuß und Wolfgang Schneck mit der deutsch-russischen Gruppe vor der Hugenottenkirche, gesehen von Georg Kaczmarek

Auf dem Hugenottenplatz traf die Gruppe schließlich auf  Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, die die Gruppe willkommen hieß in Erlangen, das „offen aus Tradition“ diese Aktion begrüße, und die schließlich auch in das gemeinsame Singen von „Wind of Change“ einstimmte. Daß diese Zeichen wohl nicht verschwendet sind, konnte man auch bei dem kurzen Treffen merken, denn ein Herr mit etwas provokanten Thesen verteilte an die Gruppe Aufkleber zur Unterstützung der rechten Identitären Bewegung, was dankend abgelehnt wurde. Eine Umarmung wollte er nicht.

Jutta Schnabel

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