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Archive for the ‘Jena – Wladimir’ Category


Mein Name ist Lou, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Jena. Seit einigen Tagen bin ich nun in Wladimir und werde hier ein Jahr als Freiwillige im Euroklub arbeiten. Genauso wie Mathilda Wenzel https://is.gd/eNLFs2 habe ich den Kontakt über die Eurowerkstatt in Jena hergestellt.

Es ist schon verrückt, jetzt hier zu sein. Bisher habe ich das noch nicht recht begriffen, und ich denke, das wird auch noch etwas dauern. Im Moment ist für mich alles neu: die Umgebung, die Sprache, die Währung, das Essen, das Wohnheim, die Selbstversorgung. In ein bis zwei Wochen wird das hoffentlich für mich „echter“ sein, so auch der Fakt, die nächsten zehn Monate hier zu leben.

Lou Schmalbrock und ihre neuen Freundinnen in Wladimir

Mein erster Eindruck ist nur positiv. Den Weg vom Flughafen Wnukowo, Moskau, nach Wladimir fand ich erstaunlich gut, natürlich auch dank Google Maps. Die Verbindungen in Moskau sind gut, die Metrostationen sehr beeindruckend. Vor allem ist alles sehr sauber, zumindest das, was ich auf dem Weg von Moskau sehen konnte. Am Bahnhof lagen fast keine Zigarettenstummel auf dem Boden, die Leute werfen ihren Müll in die öffentlichen Abfalleimer. Im Zug nach Wladimir wurde jedem Passagier ein Wagon + Platznummer zugewiesen. Ich wollte mich einfach irgendwo hinsetzen, aber die Leute haben es mir dann erklärt und geholfen, auch wenn sie kein Englisch sprachen. Was mir auch gleich auffiel, ist das herzliche Lächeln vieler Russen. Sie sind ein schönes Volk, vor allem die Frauen.

Wladimir gefällt mir sehr gut, es ist viel geordneter und moderner als ich erwartet hatte und auch sehr grün. Zwei Mädchen aus dem Euroklub zeigten mir am Sonntag das Stadtzentrum, wir waren in zwei Museen und in der Mariä- Entschlafens-Kathedrale, das war sehr beeindruckend.

Anders ist auf jeden Fall eine Frau, die im Bus Fahrscheine an alle verkauft. Und was (natürlich) anders ist, so gut wie nichts zu verstehen, und das stört mich. Glücklicherweise hatte ich heute meine erste Russischstunde bei einer Lehrerin an der Uni, es hat echt Spaß gemacht!

Obwohl ich noch nicht einmal eine Woche hier bin, kommt es mir vor, als wäre ich vor längerer Zeit angekommen. Jeden Tag wirken neue Eindrücke auf mich, abends falle ich dann geschafft ins Bett.

Mein Besuch in Bogoljuwobo

Am Wochenende durfte ich mit einer Schülergruppe (11-15 Jahre) und ihrer Lehrerin Anna einen Ausflug machen. Mit dem Bus fuhren wir nach Bogoljubowo, ein Dorf in der Nähe von Wladimir. Dieses Dorf ist eines der ältesten hier in der Region, es wurde um 1200 gegründet.

Zuerst besuchten wir dort das Frauenkloster, welches noch immer als solches fungiert. Der Großfürst von Wladimir, Andrej Bogoljubskij, wurde dort im 12. Jahrhundert ermordet. Wir sahen dort ein paar Nonnen, für viele Kinder war es ebenfalls das erste Mal, das Kloster zu besuchen. Danach überquerten wir die Bahnschienen und spazierten über eine riesige Wiese, welche uns zur Mariä-Schutz und Fürbitt-Kirche führte. Neben dieser Kirche münden zwei Flüsse ineinander, die Kljasma (die durch Wladimir fließt) und die Nerl. Neben dieser Mündung veranstalteten wir ein kleines Picknick, die Kinder hatten Kekse und Schokolade mitgebracht, und wir tranken Apfelsaft.

Lou Schmalbrock vor Mariä Schutz und Fürbitt

Anfangs waren die Kinder zu schüchtern, um mit mir zu reden, doch das löste sich mit der Zeit, und gegen Ende konnte ich mich einigermaßen, soweit mein Russisch es erlaubt, mit ihnen unterhalten. Manche von ihnen lernen schon Deutsch oder Englisch in der Schule und konnten deshalb einiges übersetzen, falls ich es nicht auf Russisch verstand.

Es hat mir sehr viel Freude gemacht, diesen Ort gemeinsam mit der kleinen Gruppe zu besuchen. Das Wetter war toll, die Kinder munter und der Ort beeindruckend – ein perfekter Samstagsspaziergang also.

Mein Besuch in Schepelewo

Diesen Samstag bin ich mit dem Bus in ein Dorf ca. zehn km von Wladimir gefahren – Schepelewo. Dort besuchte ich einen Kindergarten. Die Kleinen hatten ein herbstliches Programm vorbereitet. Begonnen wurde mit einem Klavierstück, welches die 17jährige Tochter der Chefin spielte. Außerdem waren Stücke auf der Gitarre zu hören, kleine Mädchen sangen, ein Junge tanzte etwas vor, und ein Jugendlicher interpretierte russische Volkslieder.

Bastelstunde

Gegen Ende sollte ich mit den Kindern einen Workshop machen, um ihnen etwas von der deutschen Kultur zu zeigen. Vorher hatte ich über verschiedene Sachen nachgedacht, letztendlich entschied ich mich dafür, Papierdrachen zu basteln. Diese könnten sich die Kinder dann in ihr Zimmer oder ans Fenster hängen. Also hatte ich alle Materialien mitgebracht und vorher selbst einen Drachen als Beispiel gebastelt. Die Kinder machten alle mit und hatten ihre Freude, denke ich.  Aus Buntpapier schnitten sie den Drachen aus, malten mit Filzstiften Gesichter darauf. Manche klebten auch kleine Schleifen an die Seiten. Am Ende befestigten wir dann Bänder zum Aufhängen. Die Kinder beschlossen dann, alle Drachen im Kindergarten aufzuhängen. Sie erzählten mir davon, wie sie im Herbst kleine Puppen aus Stoff basteln und in die Fenster stellen, aber ohne Gesichter.

Es war interessant, ein russisches Dorf zu sehen, und es hat mir wirklich Spaß gemacht, mit den Kindern zu arbeiten und vor allem auch ihr Programm zu sehen

Lou Schmalbrock

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Vom 28. August bis 2. September besuchte eine Delegation der Stadt Jena das partnerschaftlich verbundene Wladimir. Die Reise knüpfte an die einjährigen Kooperationsbemühungen im Bereich Gesundheit und Pflege an und war eingebettet in einen mehrjährigen, lebendigen Austausch. Angeführt wurde die Delegation von Norbert Hebestreit, Pflegewissenschaftler am Universitätsklinikum Jena, begleitet von Iwan Nisowzew, Vorstand der Eurowerkstatt Jena e. V., Johanna Großer, Studentin am Institut für Slawistik, Dagmar Kunze, stellvertretende Leiterin der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales Jena, sowie Andreas Dippl, Bereichsleiter für Pflege und Soziale Dienste beim Deutschen Roten Kreuz Jena-Eisenberg-Stadtroda. Ebenfalls mit im Reiseteam – Ramona Schumacher, Sektionsleiterin Pflegewissenschaft am Koch-Metschnikow-Forum Berlin, begleitet von ihrem Mann Bernd.

Ziel des Besuches war die Weiterentwicklung der Kooperation zwischen der Berufsschule für Gesundheitsfachberufe Wladimir und den eingebundenen deutschen Partnerinstitutionen. Im Mittelpunkt der Kooperationsabsichten stehen Austauschprogramme für Schüler, Fach- und Lehrkräfte beider Schulen und angebundener Kliniken sowie gemeinsame Forschungsprojekte im niedrigschwelligen, drittmittelgeförderten Bereich. Entsprechend der vorgenannten Felder potentieller Projekte der Zusammenarbeit stellten die Gastgeber ein umfassendes Angebot an Besichtigungen fachlich unterschiedlich ausgerichteter Kliniken und Versorgungszentren zusammen. Hierzu zählen die Städtische Klinik für Notfall- und Unfallversorgung (Rot-Kreuz-Krankenhaus), das Zentrum für Tuberkuloseprävention und -behandlung, das Regionale klinische Onkologiezentrum sowie das Regionale Zentrum für Transfusionsmedizin. Neben dem fachlichen Austausch mit den jeweiligen leitenden Medizinern und Pflegekräften wurden auch Perspektiven des Austauschs von Fachleuten zu Hospitationszwecken eruiert und gegenseitige Fragen zum Schwerpunkt Fachausbildung erörtert.

Empfang im Rathaus mit Olga Dejewa

Von besonderer Bedeutung war der Empfang durch Oberbürgermeisterin Olga Dejewa im Rathaus, begleitet von der Leiterin des Roten Kreuzes, Olga Antropowa, und von Jelena Gusjewa, Vorsitzende des Euroklubs, einer Partnerorganisation der Eurowerkstatt Jena e. V. im Bereich Jugendaustausch. Frau Dejewa betonte ausdrücklich das Interesse ihrer Stadt an einem Auf- und Ausbau der Kooperationen zwischen Wladimir und Jena insgesamt und insbesondere im Bereich Gesundheit und Pflege, da die fachlichen Voraussetzungen und die zukünftigen Herausforderungen auf russischer wie auch auf deutscher Seite gleichermaßen hoch seien.

Norbert Hebestreit

Diesen Gedanken vertiefend, fand in der einladenden Berufsschule für Gesundheitsberufe unter Leitung der Direktorin, Inna Morosowa, die erste gemeinsam vorbereitete wissenschaftlich-praktische Fachkonferenz statt. Diese Tagung erwies sich aus fachlicher und kooperationsbezogener Sicht zweifellos als der Höhepunkt der Delegationsreise: aus beiden Ländern wurden Bildungsstandards, Curricula der unterschiedlichen Ausbildungsberufe und wissenschaftliche Projekte der Pflege- und Gesundheitsfachberufe präsentiert und als Impuls für einen intensiven – sprachmittlerisch herausfordernden – Fachdialog aufgegriffen. Die im Kreis der Fachkonferenz unter Pädagogen geführten Diskussionen setzte der kleine Kreis der Kooperationsentwickler – also die Leitungsebene der beteiligten Einrichtungen – im Hinblick auf zentrale Themen der zukünftigen Zusammenarbeit fort.

Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses, und Norbert Hebestreit

Neben den fachlichen und kommunalpolitischen Programminhalten wurden die Delegationsmitglieder erneut Zeugen der ausgeprägten Gastfreundschaft und hohen Wertschätzung durch die Gastgeber. Ein den Arbeitsteil weit umspannender, kultureller und kulinarischer Anteil des Gesamtprogrammes führte die Teilnehmer gemeinsam mit den russischen Kollegen unter anderem nach Susdal, der heimlichen Hauptstadt des Goldenen Ringes, zu den architektonischen Denkmälern der Stadt Wladimir und an den neu erbauten und zum diesjährigen Stadtfest eingeweihten musikalischen Springbrunnen – magnetischer Anziehungspunkt für die gesamte Stadtbevölkerung.

Ausflug nach Susdal

Diese Mischung aus fachlichem Austausch, freundschaftlicher Begegnung und kultureller Erfahrung hinterließ einen tiefen Eindruck bei den Mitreisenden und ist zugleich Impulsgeber für die Zukunft der Zusammenarbeit beider Städte.

Inna Morosowa und ihre Gäste aus Jena

Die Reise fand im Rahmen des Jahres der Deutsch-Russischen kommunalen und regionalen Partnerschaft 2017/18 statt, wurde gefördert durch die Stadt Jena, die Stiftung West-Östliche-Begegnungen e. V. und das Koch-Metschnikow-Forum Berlin e. V. und organisatorisch vorbereitet, begleitet und nachbereitet durch die Eurowerkstatt Jena e. V.

Dr. Norbert Hebestreit, Delegationsleiter, Johanna Großer, Programmkoordination, Iwan Nisowzew, Delegationsleitung

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Nun ist der Jugendaustausch beendet

Vom 20. bis 27. April fand in Jena im Rahmen des Partnerschaftsdreiecks Jena-Wladimir-Erlangen, ein Jugendaustausch statt. Für die Vorbereitung und Durchführung der Begegnungen waren die ÜAG Jena GmbH und der Euroklub Wladimir zuständig, die Euro-Werkstatt Jena e.V. unterstützte sie. Die Jugenddelegation bestand aus Mitgliedern des Euroklubs, Schülern des Gymnasiums Nr. 35, Studentinnen der Berufsfachschule für Pflegeberufe und der Staatlichen Universität. Finanziert wurde der Austausch durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch im Rahmen des „Deutsch-Russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaft 2017/2018“ (www.russlandpartner.de).

Nikolaj Kaplenko, 2. v.l. sowie Frederick Mathol, Cornelia Bartlau und Iwan Nisowzew, rechts im Bild

Während der Zeit in Deutschland berichteten die Besucher den Schülern der Staatlichen Berufsbildenden Schule (SBBS) für Gesundheit und Soziales von ihrer Heimatstadt Wladimir. Sie besuchten die Friedlich-Schiller-Universität mit einer Präsentation über Wladimir, besichtigten das Universitätsklinikum Jena sowie das Altersheim des Roten Kreuzes. Auf dem Programm stand auch ein Besuch des KZ Buchenwald. Außerdem pflanzten sie 250 Bäume in der Nähe der Stadt Jena. Selbstverständlich kam auch das Treffen mit der deutschen Jugend und internationalen Freiwilligen nicht zu kurz.

Deutsch-russische Graffiti-Wand in Jena

Wir hoffen, den Gästen hat die Reise gefallen, und sie nehmen nicht nur Souvenirs mit nach Hause, sondern auch viele schöne Eindrücke. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch und die Fortsetzung des Austausches!

Partnerschaft – unsere Zukunft

Wir hatten es kaum geschafft, die Jugendgruppe aus Wladimir zu verabschieden, als schon Jelena Guskowa, die Vorsitzende des Euroklubs, gemeinsam mit Schülern und Studenten nach Jena kam.

Diskussionskreis

Diese Gruppe hielt sich vom 29. April bis zum 01. Mai in Jena auf. Für sie wurde eine Stadtführung sowie ein Kennenlernen mit der deutschen Kultur organisiert. Die Exkursion wurde von den Freiwilligen und dem Leiter der Euro-Werkstatt Jena e.V., Iwan Nisowzew, durchgeführt. Die russischen Gäste brachten den deutschen Jugendlichen süße Geschenke aus ihrem Heimatland mit. Sie hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit der Partnerstädte und freuen sich auf deutsche Gäste in Wladimir.

Willkommen und Abschied

Diese Reise verlief unter der Devise „Partnerschaft – unsere Zukunft“ und fand im Rahmen des „Deutsch-Russischen Jahres lokaler und regionaler Partnerschaften 2017/2018“ (www.russlandpartner.de) statt. Das Projekt wurde durch den Euroklub Waldimir und seine Partnerorganisationen in Jena, die Euro-Werkstatt e.V. und die ÜAG GmbH Jena, unterstützt durch die Stadtverwaltung Jena, durchgeführt.

Nikolaj Kaplenko, Übersetzung: Johanna Grosser

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Heute darf ich, Nikolaj Kaplenko, Sie herzlich begrüßen. Ich bin 22 Jahre alt, habe 2017 die Akademie für Verwaltung und Wirtschaft in Wladimir abgeschlossen und dann die Gelegenheit wahrgenommen, in Jena ein Jahr im Rahmen des „Europäischen Freiwilligendienstes“ zu verbringen. Vorher war ich schon Mitglied des Wladimirer „Euro-Klubs“ und engagierte mich dort im Bereich der Städtepartnerschaft. Meine Entscheidung für Jena kam also nicht zufällig zustande, denn auch hier beschäftige ich in der „Eurowerkstatt“ mit der deutsch-russischen Zusammenarbeit und dem Partnerschaftsdreieck Erlangen-Wladimir-Jena. Zu meinen Aufgaben gehört es, meinen Leiter, Iwan Nisowzew, den Vorsitzenden der „Eurowerkstatt“ bei der Durchführung von Kulturveranstaltungen, bei der Kommunikation mit dem Euro-Klub, beim Austausch zwischen dem Universitätsklinikum Jena und der Wladimirer Fachschule für Medizinische Berufe ebenso zu unterstützen wie bei der Vorbereitung von Delegationsbesuchen aus den Partnerstädten oder bei der Arbeit im Büro der „Eurowerkstatt“, bei Freiwilligenfestivals und bei vielem anderen zu helfen. Mit Alexander Fomin hält sich derzeit ein weiterer Freiwilliger aus Wladimir in Jena auf.

Nikolaj Kaplenko und Iwan Nisowzew

In meiner Freizeit treffe ich mich mit anderen Freiwilligen und Studenten aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Der Austausch mit ihnen hilft mir, andere Menschen besser zu verstehen und zu begreifen, daß wir so verschieden gar nicht sind. Ich erlerne die deutsche Sprache und reise viel, um die deutsche Kultur besser zu verstehen.

Vom 19. bis 23. Februar besuchte ich unsere Partnerstadt Erlangen, um an den „Russisch-Deutschen Wochen“ teilzunehmen. Daneben wollte ich neue Kontakte knüpfen, von der Erfahrung bei der Durchführung derartiger Veranstaltungen profitieren und einen ausländischen Blick auf die russische Kultur verstehen lernen.

Cornelia Bartlau und „ihre“ Freiwilligen

In dieser Woche sah ich den Film „Hundeherz“ aus dem Jahr 1988, versuchte mich in der russischen Kaligraphie und fühlte mich wieder wie in der ersten Klasse, als ich überlegen mußte, wie man die Buchstaben untereinander verbindet. Dann war da jener überwältigende Vortrag zum Thema „Russische Klassik gestern und heute“ mit einem Lektor, Dorian Keilhack, der nicht nur erzählte, sondern auch zusammen mit seiner Frau und Tochter selbst einige Stücke spielte. Auch der Abend, der einer Radfahrt von Erlangen nach Wladimir gewidmet war, hat mir sehr gut gefallen. Schön auch, nach dem Bericht all die vertrauten Bilder aus Wladimir und der Region um meine Stadt wiederzusehen.

Anastasia Blasch, Wolfgang Morell und Nikolaj Kaplenko

Besonders freute mich die Bekanntschaft mit dem Weltkriegsveteranen, Wolfgang Morell. Er lieh mir sein Exemplar der russischen Fassung des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ von Peter Steger. Es handelt sich dabei um die Sammlung von Erinnerungen ehemaliger Kriegsgefangener an ihre Lagerzeit auf dem Gebiet der Region Wladimir.

Meine Eindrücke von dieser Woche waren durchweg positiv, ich hatte das Gefühl, eine Woche lang gar nicht in Erlangen, sondern zu Hause, in Wladimir, zu sein. Ich hoffe nun, mit meinen in dieser Zeit erworbenen Kenntnissen eine ähnliche Veranstaltung auch in Jena organisieren zu können.

Nikolaj Kaplenko

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Seit 2003 pflegen Jena und Wladimir einen engen Jugendaustausch, der damals, vor 15 Jahren, mit dem EU-Projekt „Move Together“ mit Begegnungen einsetzte, die alle europäischen Partnerstädte einbezog. Derlei Programme laufen naturgemäß nach einer bestimmten Zeit aus, die Beteiligten gehen auseinander, die Treffen enden nach Abrechnung der Kosten in der Ablage. Nicht so zwischen Jena und Wladimir.

Im Botanischen Garten zu Jena

Cornelia Bartlau, damals noch Streetworkerin, heute Gleichstellungsbeauftragte, hatte im 1997 gegründeten Euroklub und deren Vorsitzenden, Jelena Guskowa, ein Wladimirer Pendant gefunden, das sich an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert zeigte. Und so entstanden neue Ideen, eigene Projekte wie der Freiwilligenaustausch, in dessen Rahmen vor sieben Jahren Iwan Nisowzew nach Thüringen gekommen war – und bis heute als Mittler zwischen den Städten und Menschen geblieben ist.

Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Friedensfahrer Winfried Merkel

Zu den festen Programmen des Euroklub gehören landeskundliche Reisen, die per Bus dieses Mal bis in die Niederlande führen – nach dem Motto: gestern noch Jena, heute Amsterdam. Oder frei nach der russischen Redensart: im Galopp durch Europa.

Plenum

Dabei wollen die knapp 50 jungen Gäste nicht nur selbst möglichst viel von der Kultur und Geschichte vor Ort erfahren, sie stellen vielmehr überall auch ihre eigene Heimat vor. Und die heißt für einige in der Gruppe nicht nur Wladimir, sondern beispielsweise auch Wjasniki, eine Kreisstadt aus der Region, die mit ihren Naturschutzgebieten für sich einnimmt.

Jelena Guskowa, Iwan Nisowzew und Matthias Bettenhäuser

Wie wichtig Jena den Besuch im zehnten Jahr des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir nimmt, zeigt die Begrüßung durch Matthias Bettenhäuser, persönlicher Mitarbeiter und Leiter des Büros von Oberbürgermeister Albrecht Schröter, im Bürgertreff des Rathauses. Wie wichtig der Besuch ist, zeigen die politischen Umstände, die angesichts der aktuellen Eskalation mit der gegenseitigen Ausweisung von Botschaftspersonal mehr denn je auf die Volksdiplomatie setzen muß, gerade auch im „Deutsch-Russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften“. Schwere Zeiten für den Austausch, wenn hüben wie drüben neue Feindbilder entstehen. Da mag helfen, manches mit historischem Abstand zu sehen, etwa, wenn man die Fahrt von Erlangen nach Jena nutzt, um sich in die Anmerkungen zum Roman „Der Idiot“ von Fjodor Dostojewskij zu vertiefen. Da findet sich nämlich folgender Hinweis:

Iwan Nisowzew, Jelena Guskowa und Matthias Bettenhäuser

Heinrich Joh. Ostermann (geb. 1687 in Westfalen als Sohn eines Pastors) hatte als Jenenser Student seinen Gegner im Duell getötet, war nach Holland geflohen und dort 1703 in russische Dienste getreten. Er gewann Peters Vertrauen und machte sich verdient bei den Friedensschlüssen am Pruth 1711 und namentlich in Nystad 1721. (Geheimrat und Baron Ostermann) Nach Peters Tode 1725 ernannte ihn Katharina I. (1725-27) zum Oberintendanten des Hofes und zum Mitglied des Regentschaftsrates für Peters Enkel, den Knaben Peter II. Alexejewitsch, der aber schon 1730 starb. Die russische Adelspartei unter Führung des Fürsten Dolgorukij erhob hierauf Peters Nichte, die Witwe des Herzogs von Kurland, Anna Iwanowna (1730-40) auf den Thron und versuchte hierbei, die kaiserliche Allmacht zu beschränken. Der Versuch scheiterte an der Opposition der anderen, deutschfreundlichen Partei bei Hofe, und nach dem Sturz und der Verbannung der Russen kam es zur Bildung des Kabinetts, in dem Annas Günstling, Biron (von Bühren), Graf Ostermann und Generalfeldmarschall Münnich die Hauptrolle spielten. Anna ernannte (auf Ostermanns Rat?) ihren zweijährigen Großneffen als Iwan IV. (1740-41) zu ihrem Nachfolger; doch schon 1741 trat Peters jüngste Tochter, Elisabeth, auf und bestieg nach einer Palastrevolution den Thron (1741-62). Graf Ostermann wurde von ihr der Intrigen gegen ihr Thronfolgerecht beschuldigt, zum Tode durch das Rad verurteilt, auf dem Blutgerüst zur Verbannung nach Sibirien begnadigt, wo er 1747 in Berjosoff starb. Er stand im Ruf, ein kluger Staatsmann und geschickter Diplomat zu sein.

zitiert nach der Ausgabe des R. Piper & Co. Verlags, München, 1977

Gruppe aus Wjasniki

Geschickte Diplomaten brauchen wir heute zwischen unseren Ländern mehr denn je, Menschen, die verhindern wollen, daß die deutsch-russischen Beziehungen unter die Räder kommen oder unzerkaut im Rachen jenes Krokodils aus der gleichnamigen Erzählung – schon wieder – von Fjodor Dostojewskij landen, wie derzeit auf der Bühne des Theaters Jena zu sehen: https://is.gd/oQdLfJ

 

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Fast ein Jahr ist es her, seit sich Andrej Schewljakow und Dorian Keilhack am Abend des 8. Mai trafen, auf Anhieb eine musikalische Freundschaft eingingen und begeistert die Anregung aufnahmen, zum 35. Jubiläum der Städtepartnerschaft gemeinsam ein Festkonzert zu geben. Auch auf den Termin hatten sich der Multiinstrumentalist aus Wladimir und der Leiter der Camerata Franconia rasch geeinigt, freilich ohne Abstimmung mit der Kanzlei des Kreml, wie Oberbürgermeister Florian Janik bei der Eröffnung des Jubiläumsabends gestern anmerkte, die im Dezember just für den 18. März die Präsidentschaftswahlen ansetzte.

Andrej Schewlajkow, Igor Starowerow, Lydia Wunderlich, Dorian Keilhack und Alexander Tichonow

Der protokollarische Teil der Veranstaltung nahm denn auch nur wenige Minuten in Anspruch, denn aus gegebenen Gründen konnte keine offizielle Delegation aus der Partnerstadt anreisen. Desto hochrangiger dafür das künstlerische Aufgebot mit dem Musiker und Komponisten, Andrej Schewljakow, mit dem Konzertmeister des Wladimirer Universitätsorchesters, Igor Starowerow, und dem Cellisten, Alexander Tichonow, verstärkt von Lydia Wunderlich, Mitglied der Jenaer Philharmonie in den 2. Violinen, denn es gab ja noch ein zweites Jubiläum zu feiern: zehn Jahre Partnerschaftsdreieck Erlangen-Jena-Wladimir.

Dorian Keilhack, Christian Hilz, Tilmann Stiehler und Eberhard Klemmstein

Vor dem Feiern aber standen – nach Wochen und Monaten des Austausches von Noten und Audiofiles – die Proben, von Donnerstagabend mit den ersten Einstudierungen im Christian-Ernst-Gymnasium über die offenen Proben am Freitag im Wohnstift Rathsberg und das Hauptkonzert dort am Samstagabend bis zur Generalprobe am gestrigen Vormittag im Redoutensaal. Konzentriert und diszipliniert, vor allem aber bestens aufeinander abgestimmt, obwohl doch die häufig noch ganz jungen Mitwirkenden aus einem Dutzend verschiedener Länder kommen, von Venezuela bis Österreich, von Serbien bis Israel. Vielleicht auch deshalb das einhellige Urteil der russischen Gastmusiker: „Es ist als hätten wir schon immer mit diesem Ensemble gespielt. Dieses Orchester besitzt große Klasse, und es ist uns Freude wie Ehre, hier mitzuspielen.“

Alexander Tichonow und Gerhard Rudert

Gerhard Rudert, Kontrabaßist aus Möhrendorf, der mit Alexander Tichonow bereits in den 90er Jahren gemeinsame Konzerte gab und Alben dieser deutsch-russischen Verbindung veröffentlichte, dazu in seiner fränkisch-lapidaren Ausdrucksweise: „Die Camerata ist halt ein Profi-Orchester, und das spürt und hört man.“

Camerata Franconia

In der Tat darf Erlangen stolz sein auf diese musikalische Visitenkarte, die nicht nur höchsten künstlerischen Ansprüchen genügt, sondern auch eindrucksvoll den internationalen Flair der Stadt verkörpert. Und nun auch noch die Verbindung zu Wladimir, wo Dorian Keilhack bereits vor mehr als einem Vierteljahrhundert als Pianist aufgetreten war, ganz in der Tradition seiner Eltern, Dirk und Vivien, die schon 1986 an den Erlanger Kultur- und Sporttagen in der Partnerstadt teilgenommen hatten.

Florian Janik

Oberbürgermeister Florian Janik beschwor denn auch in seiner Ansprache diesen Geist der Verständigung, der sich – unter Anspielung auf die sich weiter zuspitzende politische Gemengelage – nicht nach dem richte, was da gerade in London, Moskau oder Berlin übereinander gesagt werde – und erinnerte an die schweren Zeiten der Anfänge in Zeiten des Kalten Krieges, von denen die Begründer der Städtepartnerschaft, besonders Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg und Altbürgermeisterin Ursula Rechtenbacher, passend zum musikalischen Abend „ein Lied singen können“.

Redoutensaal

Im Saal war dann übrigens doch mehr Wladimir vertreten, als man meinen möchte: die Athleten, die am Winterwaldlauf teilgenommen hatten, der Photograph Wladimir Fedin, eine Gruppe Austauschstudenten, private Gäste… Vor allem aber natürlich war die Bühne frei für Wladimir, dem der Auftakt des Abends vorbehalten blieb.

Andrej Schewljakow

Andrej Schewljakow hatte zwei Eigenkompositionen mitgebracht, die gestern ihre deutsche Erstaufführung erlebten: „Die Mühle“, ein pointillistisches Werk mit jazzig perlenden Läufen am Flügel, bevor der von Alexander Skrjabin inspirierte Leiter einer eigenen Cross-Over-Combo zur Violine wechselte und seine „Serenade“ vorstellte, eine beschwingt virtuose Hommage an Joseph Haydn, an die das Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur des großen Meisters der Wiener Klassik nahtlos anschließen konnte.

Alexander Tichonow

Wer sein Können am Cello zeigen will, spielt dieses Stück. Entweder man scheitert daran grandios, oder man spielt sich in die Herzen des Publikums. Alexander Tichonow ergriff den Saal von den ersten wuchtigen Takten seines Solos an und riß die Zuhörer mit auf seinem halsbrecherischer Wettlauf über alle Stege hinweg, in einem faszinierenden Wechselspiel mit dem Orchester, wobei man nie so recht hätte zu sagen wissen, wer da wen mehr antreibt, der Solist das Ensemble oder dieses den Cellisten. Wenn aber beide immer wieder am Ende jeden Satzes glücklich-gleichzeitig im harmonisch sich auflösenden Schlußakkord ankommen, ist das besonders dem wachsamen Blickkontakt zwischen Konzertmeisterin Eva Bindere aus Riga und dem zupackenden Tempomacher Tilmann Stiehler, dem Leiter des Erlanger Musikinstituts, zu verdanken.

Andrej Schewljakow, Igor Starowerow, Eva Bindere, Dorian Keilhack und Alexander Tichonow

Ein strahlender Auftritt unter dem so unangestrengt lächelnden Dirigat von Dorian Keilhack, der keiner großen Gesten und herrischer Einsätze bedarf, um sein Ensemble zu leuchtender Spielkraft zu führen. Auch im zweiten Teil des Konzerts mit der Uraufführung der sechs Chansons von Eberhard Klemmstein mit dem Erlanger Bariton Christian Hilz, die ein nicht minder konzentriertes Musizieren verlangt.

Dmitrij Tichonow, Eberhard Klemmstein, Werner Heider, Dietmar Hahlweg und Alexander Tichonow

Klar deshalb auch das Urteil von Dmitrij Tichonow, der den Bruder begleitete und ebenfalls bereits in den 90er Jahren in Erlangen auftrat. „Ein ganz außerordentlicher Dirigent, den wir unbedingt auch einmal nach Wladimir einladen müssen. Ein wirklich großer seines Fachs!“ Nun wünscht sich der Pianist zunächst aber Noten von Werner Heider, um sie zu Hause einzustudieren und vielleicht auch einmal selbst wieder in Erlangen zu musizieren .

Udo und Asja Neumann mit Alexander Tichonow

Wer weiß aber heute schon zu sagen, was da alles gestern in Gang kam, welche künstlerische Energie der Abend freisetzte. In jedem Fall war das Festkonzert ein Höhepunkt nicht nur des Jubeljahres, sondern wird weit darüber hinaus seine Wirkung entfalten.

Alexander Tichonow und Bürgermeisterin Elisabeth Preuß

Übrigens: Auch Eberhard Klemmstein ist Wladimir bereits seit langem verbunden. Bereits 1991 trat er mit seinem Marteau-Ensemble in Wladimir auf und kooperierte mit Eduard Markin und dessen Kammerchor bei Festival des Hörens in Erlangen ein Jahr zuvor. Aber noch ist das Konzert ja nicht am Ende. Man merkt es Dorian Keilhack an, wie sehr er mit der russischen Musik verbunden ist, wenn er auswendig die „Sinfonie classique“ von Sergej Prokofjew dirigiert und durch diese verzauberte Notenwelt gleitet, als wäre es ein Bild von Marc Chagall oder eine Ode an die Freude, wo er weilt, jener sanfte Flügel der Kunst. Und dann als Zugabe eine hauchzarte Ahnung von „Summertime“, ein feinst gewobenes Arrangement von Andrej Schewljakow nach Motiven von George Gershwin, hingebungsvoll interpretiert von Christian Hilz. Beifall, Beifall und nochmals Beifall.

Eberhard Klemmstein, Christian Hilz, Dorian Keilhack und Tilmann Stiehler

Am Ende eines solchen Abends ist der Sparkasse Erlangen ebenso zu danken wie der Bürgerstiftung Erlangen für ihre Unterstützung. Dank all den Gastgebern, die für diese ereignisreichen Tage den Gästen aus aller Welt ihre Türen öffneten, und ein Vergelt’s Gott an Geigenbaumeister Günter H. Lobe auf dessen wundervollen Instrumenten die Musiker aus Wladimir ihr Können zeigen durften.

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Am 18. Januar 2018 lud der KKV Erlangen zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion über die „Besonderheit der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen, Wladimir und Jena“ ein. Dazu referierte der Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Erlangen, Peter Steger, im Pfarrsaal St. Sebald. Er selbst gestaltet die Städtepartnerschaft seit 1987 mit. Zu seinen Anfangszeiten habe Steger übersetzt, wenn Gäste aus der Sowjetunion Erlangen besuchten.

Peter Steger und Kurt Reiter, Vorsitzender des Ortsverbands Erlangen der Katholisch Kaufmännischen Vereinigung (KKV), gesehen von Georg Kaczmarek

Allerdings habe nicht von Anfang an eine Städtepartnerschaft zwischen allen drei Städten bestanden, sondern zunächst nur zwischen Erlangen und Wladimir. Zu Beginn habe es Bedenken gegeben, ob diese Partnerschaft so funktionieren würde. „Zu dieser Zeit existierte noch der Eiserne Vorhang. Und die Sprachbarriere war da natürlich auch“, so Steger. Glücklicherweise seien all diese Befürchtungen nicht eingetroffen. Die Menschen in Wladimir seien sofort sehr herzlich und aufgeschlossen gewesen. Das habe ein gelungenes Miteinander ermöglicht. So hätten die Städte gleich zu Beginn der Partnerschaft in Wladimir Sportveranstaltungen ausrichten können. Übernachtet habe man in Familien.

Zwei besondere Meilensteine zeichnen diese Städtepartnerschaft aus:

Mit der Aktion „Hilfe für Wladimir“ in den Jahren 1989 und 1990 habe Erlangen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Hilfsgüter wie alte Kleidung, noch funktionierende Busse und Heizkessel gespendet. Ferner habe Erlangen ihre Partnerstadt durch Verwaltungskurse unterstützt. Darin sei unter anderem die Verwaltung einer Kommune Thema gewesen. Hauptsächlich sei diese Hilfsaktion vom Bayerischen Roten Kreuz koordiniert worden.

Das weitere wichtige Ereignis sei die Einrichtung des Erlangen-Hauses in Wladimir gewesen. Dafür wurde ein baufälliges Haus renoviert, um dort mit dem Goethe-Institut Deutschkurse anbieten zu können.

Aber nicht nur zu den Russen, sondern auch zu den Menschen im eigenen Land wollte Erlangen Kontakt halten. Vor allem, da während der damaligen Zeit Deutschland noch geteilt war. Deswegen war Erlangen die Städtepartnerschaft mit Jena sehr wichtig. Allerdings habe es mit dem Kontakt zwischen den Städten während der Teilung noch Schwierigkeiten gegeben. Die Städtepartnerschaft sei sehr streng von der Stasi beobachtet worden. Alle Besuche in Jena und dabei geplante Veranstaltungen seien im Vorfeld unbedingt anzumelden gewesen. Eine Abweichung vom gemeldeten Ablauf sei dann nicht mehr ohne weiteres möglich gewesen. Insgesamt habe die Überwachung dazu geführt, daß zunächst der Kontakt zwischen den Menschen nicht so ungezwungen möglich gewesen sei wie in Wladimir.

Aber neben dem Austausch zwischen Ost- und Westdeutschland sei Erlangen auch der Kontakt zwischen Jena und Wladimir wichtig gewesen. Schließlich verbinde die Menschen das gemeinsame politische System nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings seien diese Bestrebungen wegen einiger Vorkommnisse nach dem Ende des Krieges erschwert worden. Vielen Menschen in Jena sei noch die Nachkriegszeit in den Knochen gesteckt. Damals habe die Sowjetunion hohe Reparationsforderungen an die DDR gestellt. Um diese zu begleichen, wurden beispielsweise Straßenbahnschienen in Jena abgebaut. Derartige prägende Erlebnisse seien keine einfache Voraussetzung für den Aufbau einer Städtepartnerschaft gewesen. Mittlerweile habe sich eine Bindung zwischen den beiden Städten aufgebaut.

Trotz aller Schwierigkeiten habe sich mittlerweile ein funktionierendes Städtedreieck entwickelt, bei dem der Kontakt zwischen Jena und Wladimir ebenfalls ungezwungen sei. Vor allem fänden viele geförderte Jugendaustauschprogramme statt. Auch die EU habe mit „Move together“ den Austausch zwischen Jugendlichen aus Jena und Wladimir unterstützt. Offiziell abgeschlossen wurde das Städtedreieck im Jahr 2008.

Heute sei die Partnerschaft zwischen den drei Städten ein Miteinander mit gegenseitigen Besuchen, kulturellen, sportlichen und anderen Veranstaltungen. Dabei ergänzten sich Erlangen und Jena mit dem kulturellen deutschen Angebot. Was die eine Stadt nicht habe, das sei in der anderen zu finden, so Steger.

Momentan gebe es wieder ein neues Projekt zwischen Jena, Erlangen und Wladimir im Bereich der Krankenpflege. Hierbei benötige Wladimir noch Hilfe. Der Medizinaustausch sei mittlerweile zum Glück sehr gut aufgebaut worden, die Verbindungen in der Krankenpflege hätten aber noch Nachholbedarf. Hierbei möchten Jena und Erlangen ihre Partnerstadt mit Experten unterstützen.

Julia Pleninger

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