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Archive for the ‘Jena – Wladimir’ Category


Am 18. Januar 2018 lud der KKV Erlangen zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion über die „Besonderheit der Städtepartnerschaft zwischen Erlangen, Wladimir und Jena“ ein. Dazu referierte der Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Erlangen, Peter Steger, im Pfarrsaal St. Sebald. Er selbst gestaltet die Städtepartnerschaft seit 1987 mit. Zu seinen Anfangszeiten habe Steger übersetzt, wenn Gäste aus der Sowjetunion Erlangen besuchten.

Peter Steger und Kurt Reiter, Vorsitzender des Ortsverbands Erlangen der Katholisch Kaufmännischen Vereinigung (KKV), gesehen von Georg Kaczmarek

Allerdings habe nicht von Anfang an eine Städtepartnerschaft zwischen allen drei Städten bestanden, sondern zunächst nur zwischen Erlangen und Wladimir. Zu Beginn habe es Bedenken gegeben, ob diese Partnerschaft so funktionieren würde. „Zu dieser Zeit existierte noch der Eiserne Vorhang. Und die Sprachbarriere war da natürlich auch“, so Steger. Glücklicherweise seien all diese Befürchtungen nicht eingetroffen. Die Menschen in Wladimir seien sofort sehr herzlich und aufgeschlossen gewesen. Das habe ein gelungenes Miteinander ermöglicht. So hätten die Städte gleich zu Beginn der Partnerschaft in Wladimir Sportveranstaltungen ausrichten können. Übernachtet habe man in Familien.

Zwei besondere Meilensteine zeichnen diese Städtepartnerschaft aus:

Mit der Aktion „Hilfe für Wladimir“ in den Jahren 1989 und 1990 habe Erlangen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Hilfsgüter wie alte Kleidung, noch funktionierende Busse und Heizkessel gespendet. Ferner habe Erlangen ihre Partnerstadt durch Verwaltungskurse unterstützt. Darin sei unter anderem die Verwaltung einer Kommune Thema gewesen. Hauptsächlich sei diese Hilfsaktion vom Bayerischen Roten Kreuz koordiniert worden.

Das weitere wichtige Ereignis sei die Einrichtung des Erlangen-Hauses in Wladimir gewesen. Dafür wurde ein baufälliges Haus renoviert, um dort mit dem Goethe-Institut Deutschkurse anbieten zu können.

Aber nicht nur zu den Russen, sondern auch zu den Menschen im eigenen Land wollte Erlangen Kontakt halten. Vor allem, da während der damaligen Zeit Deutschland noch geteilt war. Deswegen war Erlangen die Städtepartnerschaft mit Jena sehr wichtig. Allerdings habe es mit dem Kontakt zwischen den Städten während der Teilung noch Schwierigkeiten gegeben. Die Städtepartnerschaft sei sehr streng von der Stasi beobachtet worden. Alle Besuche in Jena und dabei geplante Veranstaltungen seien im Vorfeld unbedingt anzumelden gewesen. Eine Abweichung vom gemeldeten Ablauf sei dann nicht mehr ohne weiteres möglich gewesen. Insgesamt habe die Überwachung dazu geführt, daß zunächst der Kontakt zwischen den Menschen nicht so ungezwungen möglich gewesen sei wie in Wladimir.

Aber neben dem Austausch zwischen Ost- und Westdeutschland sei Erlangen auch der Kontakt zwischen Jena und Wladimir wichtig gewesen. Schließlich verbinde die Menschen das gemeinsame politische System nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings seien diese Bestrebungen wegen einiger Vorkommnisse nach dem Ende des Krieges erschwert worden. Vielen Menschen in Jena sei noch die Nachkriegszeit in den Knochen gesteckt. Damals habe die Sowjetunion hohe Reparationsforderungen an die DDR gestellt. Um diese zu begleichen, wurden beispielsweise Straßenbahnschienen in Jena abgebaut. Derartige prägende Erlebnisse seien keine einfache Voraussetzung für den Aufbau einer Städtepartnerschaft gewesen. Mittlerweile habe sich eine Bindung zwischen den beiden Städten aufgebaut.

Trotz aller Schwierigkeiten habe sich mittlerweile ein funktionierendes Städtedreieck entwickelt, bei dem der Kontakt zwischen Jena und Wladimir ebenfalls ungezwungen sei. Vor allem fänden viele geförderte Jugendaustauschprogramme statt. Auch die EU habe mit „Move together“ den Austausch zwischen Jugendlichen aus Jena und Wladimir unterstützt. Offiziell abgeschlossen wurde das Städtedreieck im Jahr 2008.

Heute sei die Partnerschaft zwischen den drei Städten ein Miteinander mit gegenseitigen Besuchen, kulturellen, sportlichen und anderen Veranstaltungen. Dabei ergänzten sich Erlangen und Jena mit dem kulturellen deutschen Angebot. Was die eine Stadt nicht habe, das sei in der anderen zu finden, so Steger.

Momentan gebe es wieder ein neues Projekt zwischen Jena, Erlangen und Wladimir im Bereich der Krankenpflege. Hierbei benötige Wladimir noch Hilfe. Der Medizinaustausch sei mittlerweile zum Glück sehr gut aufgebaut worden, die Verbindungen in der Krankenpflege hätten aber noch Nachholbedarf. Hierbei möchten Jena und Erlangen ihre Partnerstadt mit Experten unterstützen.

Julia Pleninger

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Wladimir wartet gleich mit mehreren Institutionen für ehrenamtliche Helfer auf. In der russischen Partnerstadt haben diese die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum hinweg Auslandserfahrungen zu sammeln und das Leben vor Ort aus nächster Nähe kennenzulernen. Verschiedenste Programme und Stipendien ermöglichen ein Auslandssemester, einen Freiwilligendienst oder auch ein Praktikum in Wladimir. Hier sprechen wir exklusiv für den Blog mit denjenigen, die diese Möglichkeiten aktuell nutzen:

Momentan engagieren sich drei deutsche Jugendliche in Wladimir: Lara Heinen aus Lüdenscheid im Erlangen-Haus, Mathilda Wenzel aus Saalfeld im Euroklub und an einer örtlichen Gesamtschule sowie Frederick Marthol aus Erlangen am Fremdspracheninstitut der Universität und ebenfalls im Euroklub.

Frederick Marthol, Mathilda Wenzel und Lara Heinen

Alle drei haben im letzten Jahr die Schule abgeschlossen und sich danach für einen Aufenthalt in Wladimir entschieden. Im folgenden Gespräch ziehen die drei 18 Jahre alten Gäste ein erstes Resümee aus mehreren Monaten Freiwilligenarbeit:

Redaktion: Warum genau habt Ihr Euch für die Stelle in Wladimir beworben?

  • Lara: „Meine Mutter kommt aus diesem Land, ich kann daher auch fließend Russisch sprechen und war öfters mit der Familie zu Besuch bei Verwandten. Ich habe mich übrigens nicht für Wladimir, sondern die Russische Föderation insgesamt beworben. Nachdem ich also eine Zusage von meiner Trägerorganisation „weit erhalten hatte, standen drei russische Städte zur näheren Auswahl. Ich persönlich hätte es ganz cool gefunden, nach Ufa zu fahren, da diese Stadt um einiges größer als Wladimir ist und insgesamt mehr zu bieten hat. Ich bin aber dennoch sehr glücklich mit meinem Standort hier, da ich auf keinen Fall nach Sergijew-Possad wollte.“
  • Frederick: „Die Erlanger Partnerstädte haben mich schon immer interessiert, und daher wollte ich auf jeden Fall in eine. Nachdem sich die Kommunikation mit den anderen Städten aber als sehr zäh herausgestellt hatte, wurde es dann Wladimir. Ich war aber 2015 schon einmal hier und kannte deswegen grob, was mich erwartet. Der Vorvorgänger meiner Stelle hat mir von der Arbeit ausführlich berichtet, und es klang eigentlich ganz interessant. Außerdem ist es hier einmal etwas komplett anderes, als das, was ich sonst so gewohnt bin. Und das „Erasmus-Plus-Programm“ bietet eine interessante Chance, auch für einen kürzeren Zeitraum, also nicht gleich ein ganzes Jahr, Freiwilligenarbeit im Ausland zu leisten.“
  • Mathilda: „Ich habe mich über die Eurowerkstatt Jena auf mehrere Städte in Europa beworben. Bei einem Seminar des „European Volunteer Service“ habe ich dann von der Möglichkeit gehört, in der Jenaer Partnerstadt Wladimir einen Freiwilligendienst zu machen, woraufhin ich mich hier beworben habe. Ich hatte zwar auch noch eine Zusage für eine französische Kleinstadt erhalten, entschied mich aber letztendlich für Wladimir entschieden, weil mich das einfach mehr interessierte.“

Redaktion: Wie sieht Euer Alltag konkret aus?

  • Mathilda: „Mein Tag beginnt am Morgen mit dem Russischunterricht in der Universität, das dauert meistens vier Stunden. Danach fahre ich mit dem Bus zum Euroklub wo ich meine Deutschunterrichtsstunden oder verschiedene Präsentationen vorbereite. Auch Veranstaltungen für die Gesamtschule oder natürlich auch für den Euroklub plane ich von dort aus. Am Abend fahre ich zurück ins Studentenwohnheim, wo ich manchmal noch den Russischunterricht nachbereite.“
  • Lara: „Der Tag beginnt für mich meist mit Sport im Fitness-Center. Ich muss nämlich erst mittags im Erlangen-Haus erscheinen, da der Deutschunterricht da am frühen Nachmittag beginnt. Dort starten wir dann mir einem kurzen Briefing, bei dem wir die anstehenden Unterrichtsstunden zeitlich ein- und auf unser Team aufteilen. Anschließend assistiere ich beim Unterricht oder realisiere eigene Projekte wie z.B. einen Filmabend oder auch das Plätzchenbacken vor Weihnachten. Hin und wieder gebe ich auch Einzelunterrichtsstunden. Nach dem Feierabend um 21.00 Uhr fahre ich entweder heim oder gehe noch kurz einkaufen.“
  • Frederick: „Nach dem Frühstück gehe ich zur Universität, wo ich entweder zuerst meine eigene Russischunterrichtsstunde habe oder eine Themenpräsentation/Konversationsstunde in der deutschen Sprache anbiete. Nach diesen beiden Terminen spreche ich mich meistens noch mit Oxana, einer Dozentin an der Uni, ab, welche Veranstaltungen in den nächsten Tagen anstehen und wie diese ablaufen sollen. Danach fahre ich auch öfters in das Büro des Euroklub, wo häufig noch weitere Arbeiten auf mich warten.“

Redaktion: Und womit verbringt Ihr Eure Freizeit hier in Wladimir?

  • Mathilda: „Ich treffe mich häufig mit Freunden aus dem Wohnheim auf einen Tee, oder wir unternehmen etwas wie zum Beispiel Eislaufen, einen Museumsbesuch oder ähnliches. Ich war auch schon mehrmals in Moskau, Nischnij Nowgorod und einmal in Samara.“
  • Lara: „Wie schon gesagt, ist mir Sport sehr wichtig. Im Fitness-Center habe ich auch Freunde gefunden, mit denen ich inzwischen vieles unternehme. Wir gehen zum Beispiel öfters ins Kino. Ich fahre auch gerne in andere Städte.“
  • Frederick: „Ich schließe mich den beiden an. Andere Städte anschauen, finde ich klasse, am Wochenende war ich zum Beispiel mit einem befreundeten Studenten in Sankt Petersburg! Nach der Arbeit gehe ich meist noch laufen. Außerdem fahre ich auch ich hin und wieder am Abend in die Stadt auf ein oder zwei Bier.“

Redaktion: Worauf hattet Ihr nach Eurer Ankunft zu verzichten?

  • *Alle Drei*: „Trinkbares Wasser aus der Leitung!“
  • Mathilda: „Das Leben im Wohnheim ist manchmal gewöhnungsbedürftig, besonders die Hygienestandards, aber das liegt vielleicht auch an Studentenwohnheimen generell. Anfangs fand ich auch das Einkaufen schwierig, weil ich die Produktbeschreibungen nicht lesen konnte.“
  • Lara (lacht): „Klopapier darf hier nicht im WC heruntergespült werden, sondern es gehört in den Mülleimer!“
  • Frederick: „Die Registrierungen vor Ort nerven mich. Das stört bei spontanen Fahrten einfach! Am meisten vermisse ich aber das Fahrrad als Fortbewegungsmittel, wie ich es aus Erlangen gewohnt bin. Diese ewige Busfahrerei hier ist schrecklich und macht mich unflexibel.“
  • Mathilda: „Ach ja, und die Einrichtung meines Internetvertrags per Kabel ließ sich nur sehr schwer bewerkstelligen… Ich rannte von einem Universitätsgebäude ins nächste und wurde immer aufs Neue weitergereicht. Diese Bürokratie erschwert viele Angelegenheiten, die sich eigentlich ganz einfach lösen ließen.“

Redaktion: Was war die unangenehmste Erfahrung während Eures Aufenthaltes?

  • Mathilda: „Ich habe mich einmal in Nischnij Nowgorod verlaufen und konnte noch zu wenig Russisch, um mich mit den Einheimischen zu verständigen. Ich wollte zudem noch dringend zum Bahnhof, denn die Zeit war knapp. Das war schlimm. Ich saß in tausend falschen Bussen, fragte mich ewig durch, und bat schließlich einen Bekannten per Handy, einer anderen Buspassagierin mein Problem auf Russisch zu erläutern. Diese half mir dann zum Glück weiter, und ich habe den Zug letztendlich doch noch erwischt.“
  • Frederick: „Diese eine Erfahrung gibt es bei mir jetzt nicht direkt. Aber generell stört es mich, mit den meisten Menschen hier nicht kommunizieren zu können. Wann immer ich von Passanten angesprochen werde, kann ich ihnen immer nur schulterzuckend mitteilen, sie kaum zu verstehen. Richtig unangenehm wird es jedoch erst dann, wenn anschließend völlig unbeeindruckt weitergeredet wird, ohne ein Ende in Sicht. Bei den Sicherheitsbeamten an öffentlichen Gebäuden ist das häufig so.“

Redaktion: Wladimir oder Melbourne nach dem Abi?

  • Frederick: „Auf jeden Fall Wladimir! Nach Australien komme ich bestimmt im Laufe meines Lebens einmal, bei der Russischen Föderation bin ich mir da nicht so sicher. Das ist jetzt nicht unbedingt das Land, wo ich auch als Tourist hinfahren würde. Und, wie schon gesagt, es ist einfach mal etwas anderes als der ganze Standardkram.“
  • Mathilda: „Wladimir! Ganz einfach: Weil ich über dieses Land viel weniger Wissen hatte, als über Australien. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, hier ehemalige Klassenkameraden zu treffen viel geringer.“ (lacht)
  • Lara: „Erstens habe ich ein paar Ansprüche, und zweitens: Was will ich in Australien? Ein paar Känguruhs streicheln und am Strand rumhängen? Nein – Australien ist mir zu Mainstream! Meine Mutter hat mich ja eigentlich auf die Idee gebracht, nach hierher zu fahren. Diese Idee hat mich dann aber endlich auch überzeugt. So bin ich jetzt das erste Mal alleine im Land und kann auch noch meine Sprachkenntnisse anwenden und erweitern.“

Redaktion: Gibt es eigentlich Probleme bei der täglichen Arbeit?

  • Mathilda: „Am Anfang auf jeden Fall die Sprache. Daraus resultierten dann Probleme beim Verständnis von Zwischenmenschlichem… Auch die ungewohnten Arbeitsweisen waren anfangs sehr schwierig für mich und sind es zum Teil immer noch. An der Uni herrschen beispielweise andere Umgangsformen zwischen den Dozenten und Studenten, als ich das von Deutschland gewohnt bin.“
  • Frederick: „Ja, da hat Mathilda schon recht. Die Arbeit läuft einfach ganz anders. Viel unstrukturierter. Es stört mich auch, meine Aufträge immer nur sehr grob bis gar nicht terminiert zu bekommen. Die Sprachbarriere macht sich gar nicht so sehr bemerkbar, eher sind es kulturelle Differenzen, die dann auch die Arbeit beeinträchtigen.“
  • Lara: „In den ersten Wochen meines Aufenthaltes hatte ich oft das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, beziehungsweise überflüssig zu sein. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Vielleicht liegt es an dem Umstand, die erste Freiwillige im Erlangen-Haus zu sein.“

Redaktion: Könnt Ihr Euch mit Euren jetzigen Erfahrungen vorstellen, im Rahmen eines Studiums ein Auslandssemester in Wladimir zu machen?

  • Mathilda: „Nicht in Wladimir, aber an einer anderen russischen Hochschule. Die Uni in Wladimir kenne ich ja jetzt schon sehr gut, da will ich dann schon noch eine andere Stadt sehen.“
  • Lara: „Ich weiß es noch nicht, aber generell ablehnen tue ich es auch nicht.“
  • Frederick: „Nein. Wie Mathilda kenne ich die Uni jetzt sehr gut, und wenn ich noch mal längere Zeit ins Ausland gehen sollte, dann auf jeden Fall in ein anderes Land. Aber vielleicht ändere ich meine Meinung ja noch einmal.“

Redaktion: Vielen Dank für eure Unterstützung! (alle lachen)

Frederick Marthol

Weiterführende Informationen zu einem Aufenthalt in Wladimir:

Auslandssemester an der Vladimir State University: www.vlsu.ru und https://is.gd/Jz1nB5

Bewerbung beim Sprachenzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir, dem Erlangen-Haus: https://www.kulturweit.de  und http://erlangen.ru

Bewerbung beim Euroklub (+ Partnerorganisation): https://is.gd/w7OaB0 und https://is.gd/UkCmby

Sendeorganisation www.eurowerkstatt-jena.de

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Das „Erasmus Plus – Programm“ brachte den Erlanger Frederick Marthol im Dezember nach Wladimir, wo er nun gemeinsam mit Mathila Wenzel aus Saalfeld beim Euro-Klub freiwillige Projektarbeit leistet, voraussichtlich noch bis April. Gute Aussichten für Stammleser des Blogs, denn der Pfadfinder schickt von Zeit zu Zeit Episteln, die richtig Freude bereiten. Dieser Tage nun ging ein weiteres Sendschreiben in der Redaktion ein:

Das russische „Dreikönigsfest“, Epiphanias, wird ja bekanntlich am 19. und nicht wie bei uns am 6. Januar zelebriert. Peter hat mit seinem Artikel „Rein von aller Schuld“ ja auch schon einige Eindrücke der kaltnassen Taufe geliefert: https://is.gd/3hDev2 Doch auch für die Jugendorganisation Euro-Klub war dieser Tag der Anlaß einer alljährlichen Sonderveranstaltung zum Thema „Dreikönig – Epiphanias“, denn die traditionellen Gebräuchlichkeiten könnten in den beiden Ländern wohl nicht verschiedener sein. Nachdem ich selbst über die kältewahnsinnige Badeveranstaltung erfahren hatte, ging es darum, den russischen Schülern und Studenten Traditionen und Herkunft des Dreikönigstages, wie wir ihn kennen, zu vermitteln. Zufälligerweise war ich in meiner Grundschulzeit als „Sternsinger“ im Erlanger Zentrum unterwegs und konnte ein wenig über diese Art des Feiertages berichten, was ebenfalls auf großes Interesse stieß…

Frederick Marthol als Deuter der Epiphanie

Allerdings gibt es noch eine ganz andere Tradition am russischen Epiphaniastag: Es geht darum, ein wenig über die persönliche Zukunft im nächsten Jahr zu erfahren, kurzum man erprobt verschiedene Methoden und Praktiken des Wahrsagens. Seien es zufällig ausgewählte Textpassagen eines Buches (stilecht wurden natürlich Grimms Märchen verwendet) oder das Gießen von flüssigem Wachs in kaltes Wasser (bei uns zu Silvester als „Bleigießen“ geläufig).  Es wird interpretiert und gerätselt, bis eine passende Zukunftsprognose für das kommende Jahr gefunden ist.

Frederick Marthol und Mathilda Wenzel

In der Hoffnung auf die Erfüllung der Zukunftsvisionen und voll neuem Wissen über den Epiphaniastag konnten alle einiges von dem Tag mitnehmen, so auch meine Kollegin Mathilda aus Saalfeld:

Ich fand das Wahrsagen echt spannend und auch lustig. Es war cool, nicht nur über die Traditionen in Deutschland informiert, sondern auch noch etwas über die religiösen Bräuche zu diesem Fest hierzulande erfahren zu haben. Außerdem war es für mich interessant, bei der Recherche vorab zu sehen, wie viele verschiedene Methoden es gibt, um in die Zukunft zu schauen.

Ich bin gespannt welche Feierlichkeiten mich hier während meines Aufenthaltes noch erwarten, denn nach Neujahr ist die Meßlatte ja doch schon sehr hoch angesetzt.

Frederick Marthol

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„Ich hatte mir schon überlegt“, meinte gestern abend bei der Rückfahrt nach Erlangen, „ob es sich denn lohnt, den weiten Weg nach Jena zu machen. Gute zwei Stunden einfach unterwegs, nur um die Honneurs zu machen. Aber jetzt bin ich richtig froh, dabei gewesen zu sein.“

Erlangen auf dem Schreibtisch des Oberbürgermeisters

Der stellvertretende Vorsitzende der Wladimirer „Zivilgesellschaftlichen Kammer“, sprach damit wohl allen russischen Gästen aus dem Herzen, denn, so Olga Dejewa, die klimatischen Bedingungen – immerhin gilt Jena als der zweitwärmste Ort Deutschlands – übertragen sich offenbar auch auf das Wesen der Menschen.  Die Oberbürgermeisterin ist die einzige in der Delegation, die Jena bereits von einem Besuch aus dem Jahr 2013, damals noch in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Roten Kreuzes, kennt und seither zu schätzen weiß.

Olga Dejewa und Albrecht Schröter

Als Stadtoberhaupt war dies nun gestern ihr Antrittsbesuch und die erste Gelegenheit mit Ihrem Amtskollegen, Albrecht Schröter, über die weitere Ausgestaltung des Partnerschaftsdreiecks Erlangen-Jena-Wladimir zu sprechen – und an seiner Seite ein wenig die Stadt zu erkunden.

Dabei treffen die beiden auf Schritt und Tritt auf russische Spuren: mal auf die Ankündigung eines Vortrags über Michail Gorbatschow, den in seiner Heimat wohl erst künftige Historiker vom Makel des Totengräbers der Sowjetunion befreien werden, mal die Erinnerung die Station Jena auf dem langen Lebensweg von Lew Tolstoj.

Gedenktafel am Frommannschen Anwesen

Wichtiger als der Blick zurück – auch in die bereits zehn Jahre währende Dreieckspartnerschaft – ist den Deutschen und Russen die Überlegung, was sie in Zukunft gemeinsam angehen könnten. Und da bietet sich ein breites Spektrum.

Über den Dächern von Jena

Das Freiwilligenprogramm soll fortgesetzt werden, das Rahmenabkommen zwischen der Friedrich-Schiller-Universität und der Wladimirer Universität bietet noch ungenutzte Möglichkeiten für den Wissenschaftsaustausch, bei Kultur und Sport gäbe es noch viel zu tun… Und dann ist da noch der Vorschlag von Albrecht Schröter, gern einmal jemanden aus der Wladimirer Stadtverwaltung einzuladen, um auszuloten, in welchen Bereichen der Administration ein Erfahrungsaustausch nützlich sein könnte.

Albrecht Schröter und seine Gäste

Und natürlich darf die Gegeneinladung nicht fehlen: vielleicht schon zum Wirtschaftsforum im Juni oder spätestens zum Stadtfest im Herbst. Gleichviel, Hauptsache man bleibt im Gespräch und Austausch, so die einhellige Meinung.

Albrecht Schröter und Olga Dejewa, im Hintergrund Norbert Hebestreit

Schon sehr weit gediehen sind die Überlegungen für eine konkrete Zusammenarbeit auf Initiative von Norbert Hebestreit im Bereich der Krankenpflege. Da versprechen sich beide Seiten einen Gewinn, da wollen beide Seiten voneinander lernen, da soll noch heuer ein Austauschabkommen zwischen der Berufsfachschule in Wladimir und dem Klinikum Jena abgeschlossen werden.

Nach der Führung durch das Klinikum Jena

Da darf natürlich auch eine Führung durch die größte Klinik Thüringens und eines der modernsten Krankenhäuser in ganz Deutschland, wenn nicht gar europaweit, nicht fehlen. Immer im Blick auf die künftige Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir.

Alexander Krutow, Renate Winzen, Olga Dejewa, Nadja Steger, Wladimir Rybkin, Anette Christian und Guram Tschjotschjew

So ein Tag endet natürlich beim Abendessen zurück in Erlangen mit Stadträtin Anette Christian am besten mit einem Trinkspruch, den Wladimir Rybkin in ebenso einfachen wie einprägsamen Worten ausbringt: „Ich stehe auf, um mein Glas auf die Gastgeber zu erheben, und ich knöpfe meine Jacke zu dem festlichen Anlaß zu, aber mein Herz ist bis auf den letzten Knopf aufgeknöpft nach all den wunderbaren Begegnungen hier in Deutschland.“

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1992 besuchte die erste Delegation aus Wladimir via Erlangen die thüringische Partnerstadt Jena, und schon ein Jahr später reiste deren Oberbürgermeister, Peter Röhlinger, zum ersten Mal an den Goldenen Ring. In den folgenden Jahren setzte ein zunächst sporadischer Austausch vor allem im Bereich Jugend ein, der schließlich noch vor der Jahrtausendwende durch das Projekt „Move together“ eine Plattform erhielt. Im September 2008 dann der große Schritt: Jena unterzeichnet während der 25-Jahr-Feier der Partnerschaft mit Wladimir in Erlangen einen Kooperationsvertrag, der eine Zusammenarbeit der beiden deutschen Partnerstädte mit den russischen Freunden festgelegt. Schon ein Jahr später macht Jenas Oberbürgermeister, Albrecht Schröter, seinen Antrittsbesuch in Wladimir und sieht erstmals die Originalikonen von Andrej Rubljow, über die der Theologe seinerzeit promoviert hatte.

Albrecht Schröter und sein Kollege, Alexander Rybakow, im Gespräch mit einem orthodoxen Geistlichen, Mai 2009

In den letzten zehn Jahren ist viel geschehen – vom Schüleraustausch über Kulturkontakte bis hin zu konkreten Projekten im Bereich Medizin, oft im Doppel zwischen Jena und Wladimir, häufiger aber noch im Dreiklang mit Erlangen. Zur Besonderheit dieser Troika spricht nun der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, auf Einladung des Katholischen Kaufmännischen Vereins und der Katholischen Erwachsenenbildung am Donnerstag, den 18. Januar, ab 19.30 Uhr im Pfarrzentrum St. Sebald, Ecke Egerlandstraße / Marienbader Straße. Bei freiem Eintritt.

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Austausch und voneinander Lernen – unter dieser Prämisse fand vom 23. bis zum 27. Oktober ein Delegationsbesuch aus Wladimir in Jena statt. Die Gruppe bestand aus Inna Morosowa, Direktorin der Medizinischen Fachschule, Natalia Uschakowa, Abteilungsleiterin der Krankenpflege an der Fachschule, und Julia Arsenina, stellvertretende Direktorin vom Department für Gesundheitswesen des Wladimirer Gouvernements.

Empfang bei Oberbürgermeister Albrecht Schröter

Die Gäste kamen auf Einladung von Oberbürgermeister Albrecht Schröter, der das Trio persönlich begrüßte und bei einer kleinen Führung die Stadt zeigte. “Das russische Gesundheitssystem ist hoch entwickelt. Von einem kontinuierlichen Dialog können beide Städte profitieren. Eine Zusammenarbeit ist also wünschenswert”, betonte er. Wie diese aussehen kann, sollte nun in Sondierungsgesprächen ausgelotet werden.

Jena pflegt seit zehn Jahren eine partnerschaftliche Verbindung zu Wladimir. Eine Besonderheit durch die Dreiecksbeziehung mit Erlangen, geprägt von regelmäßigem Austausch und Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Gebieten wie der Jugend- und Frauenarbeit, in der Verwaltung sowie auf kultureller Ebene.

Stadtführung mit Iwan Nisowzew

Die Partnerschaft soll nun um den Bereich Gesundheitswesen und Pflege ergänzt und bereichert werden. Insofern stand bei diesem Besuch vor allem ein avisiertes Kooperationsvorhaben zwischen dem Bereich Pflegebildung am Universitätsklinikum Jena (UKJ) und der staatlichen Berufsschule für Medizinische Fachberufe in Wladimir im Mittelpunkt. Aber auch eine Zusammenarbeit mit der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales Jena (SBBS) sollte ausgelotet werden. Neben dem gegenseitigen Interesse an gemeinsamen Fachthemen zur schulischen und außerschulischen Ausbildung geht es darüber hinaus darum, gemeinsame Aktivitäten wie Studienreisen oder bilaterale Forschungsarbeiten vorzubereiten. Mögliche Themenfelder sind historische Fragen im Kontext der Gefangenschaft Deutscher in russischen Lazaretten oder das große Thema Robotik und Telemedizin in der Pflege. Außerdem besteht großes Interesse an einem fachlichen Austausch über curriculare Fragen im Kontext der jeweiligen Ausbildungsangebote und -standards in den Pflege- und Gesundheitsfachberufen.

Während ihres Besuchs trafen sich die Gäste mit Arne-Veronika Boock, Pflegedirektorin und Norbert Hebestreit, leitender Pflegewissenschaftler am UKJ, der bereits im Februar Gelegenheit hatte, in Wladimir die ersten fachlichen Kontakte zur Gesundheitsfachschule knüpfen zu können. Gemeinsam mit Iwan Nisowzew, Vorstand des Vereins Eurowerkstatt Jena e.V. und aus Wladimir stammend, hat der promovierte Pflegewissenschaftler den Kooperationsbesuch vorbereitet. Für beide ist es besonders wichtig, eine Zusammenarbeit mit gegenseitigem Nutzen aufzubauen. Beide Partner sind auf unterschiedlichen Gebieten spezialisiert und an den gegenseitigen Erfahrungen interessiert. Der Verein Eurowerkstatt Jena e.V. koordiniert mehrere Programme im Bereich internationaler Jugend- und Bildungsarbeit. Aus diesem Grund wurde von den Vereinsmitgliedern das ausgerufene Deutsch-Russische Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018 mit großem Enthusiasmus aufgegriffen und der Delegationsbesuch in diesen Kontext gestellt.

Regina Halbfinger, Anastasia Owtscharow, Martina Berrocal, Johanna Großer, Iwan Nisowzew, Inna Morosowa, Ramona Schumacher, Natalia Uschakowa, Norbert Hebestreit, Julia Arsenina, Janine Tavangarian, Arne-Veronika Boock und Albrecht Schröter

Auch ein Besuch an der SBBS stand im Programm. Hier trafen die russischen Gäste auf Dagmar Kunze, kommissarische Leiterin der Schule, und ihre Lehrerkolleginnen und Schüler unterschiedlicher Ausbildungsberufe. In Unterrichtsvisiten, Besichtigungen der Lehrkabinette und Skills-Labs sowie insbesondere in vielen fachlichen Gesprächsrunden gab es umfangreiche Gelegenheiten zur Sondierung möglicher Themen für eine weiterführende Zusammenarbeit und zum persönlichen Kennenlernen.

In den Gesprächen wurde deutlich: Auch wenn 2.200 km zwischen den beiden Städten liegen, sind die Herausforderungen im Pflegebereich doch sehr ähnlich. Der Fachkräftemangel macht sich verstärkt bemerkbar, und dadurch wird es immer wichtiger, Gesundheitsfachberufe wettbewerbsfähig zu halten. „Es ist für uns sehr interessant zu sehen, wie in Jena und in Deutschland gearbeitet wird“, sagt Julia Arsenina. Ein Austausch über mögliche Lösungsansätze sowie über den Pflegealltag, die Pflegeorganisation und die bestehenden Prozesse im Allgemeinen kann einen Mehrwert in Form von neuen Lösungsansätzen für beide Seiten bringen. Für Jena ist zum Beispiel das Berufsbild des sogenannten “Feldschers” interessant, einer Position, die zwischen den Ärzten und dem Pflegepersonal angesiedelt ist und eigene Sprechstunden abhält. Ein Haupteinsatzgebiet im russischen Gesundheitswesen liegt in der medizinischen Prophylaxe und der medizinischen Grundversorgung.

Iwan Nisowzew, Regina Halbfinger, Kati Egerland, Anastasia Owtscharow, Natalia Uschakowa, Julia Arsenina, Johanna Großer, Inna Morosowa und Norbert Hebestreit

Aber auch das breite Spektrum der außerschulischen Arbeit ist für die Jenaer Seite von großem Interesse. Wladimir wiederum interessiert sich besonders für die Begegnung von pädagogischen Fachkräften zum intensiveren fachlichen und curricularen Austausch sowie für die umfassende Untergliederung der unterschiedlichen Gesundheitsfachberufe, wie zum Beispiel für das Berufsbild des „Heilerziehungspflegers“.

Das Kooperationsvorhaben und insbesondere die damit verbundenen fachlichen Austauschprogramme werden durch das Koch-Metschnikow-Forum e. V. inhaltlich und ideell intensiv unterstützt. Der Verein fördert deutsch-russische Projekte im Bereich Medizin und Pflege. Ramona Schumacher, Sektionsleiterin Pflege / Pflegewissenschaft und langjährige Pflegemanagerin, war aus diesem Grund ebenso in Jena zu Gast, um aus ihren umfangreichen Erfahrungen im Kontext vergleichbarer Projekte Ideen und Anregungen zu geben und als Expertin insbesondere für russisch-deutsche Pflegebildungsprojekte zur Verfügung zu stehen.

Johanna Großer, Regina Halbfinger, Julia Arsenina, Ann-Kathrin Nefe-Schneider, Inna Morosowa, Anastasia Owtscharow, Uta Mayer, Iwan Nisowzew, Norbert Hebestreit, Dagmar Kunze und Natalia Uschakowa

Sprachmittlerisch vorbereitet und begleitet wurde der Delegationsbesuch von den Studentinnen Regina Halbfinger, Johanna Großer und Anastasia Owtscharow vom Institut für Slawistik der Friedrich-Schiller-Universität, die im Rahmen eines studentischen Praktikums im Vorfeld der Besuchswoche erforderliche Übersetzertätigkeiten vorgenommen und während aller Termine als Dolmetscherinnen gearbeitet haben. Die Studierenden wurden angeleitet durch die Dozentin und Praktikumsbeauftragte des Instituts, Martina Berrocal.

Neben den finanziellen Mitteln der Stadt Jena und der beteiligten Kooperationspartner wurde der Delegationsbesuch finanziell unterstützt durch die Stiftung West-Östliche Begegnungen (WÖB), deren Zweck es ist, Austauschprojekte zwischen Deutschland und den östlichen Partnerländern zu fördern. Andere Projekte innerhalb der Verbindung Jena – Wladimir wurden bereits durch die Stiftung finanziert. Insofern ist es besonders erfreulich, nun auch für Vorhaben im Bereich Gesundheit und Pflege Mittel zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Die Gäste verbrachten vier Arbeitstage in Jena. Es wurden viele fachliche Gespräche geführt, persönliche Kontakte hergestellt und gemeinsam Kultur erlebt. Das Wichtigste aber: Man schmiedete bereits konkrete Pläne für die Zukunft. Zunächst wollen die Partner in Telekonferenzen die gemeinsamen Arbeitspakete besprechen und verhandeln, um dann auf beiden Seiten an konkreten Schritten zur Umsetzung der Kooperation arbeiten zu können. Dem folgt eine Delegationsreise der deutschen Seite im folgenden Jahr – die Einladung dazu nach Wladimir wurde bereits ausgesprochen.

Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew

Kontakt: russisch@eurowerkstatt-jena.de

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Das Jahr ist noch nicht um, doch Jena zeigt, wie sich, geht man die Sache zielstrebig an, auch in gerade einmal neun Monaten ein neues Kapitel der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Wladimir schreiben läßt. Nach einem Erkundungsbesuch von Norbert Hebestreit, Leiter des Bereichs Pflegebildung am Universitätsklinikum Jena, und Iwan Nisowzew, dem ehrenamtlichen Koordinator des Austausches, Ende Februar und zwei über Erlangen arrangierte Begegnungen mit Fachbesucherinnen aus Wladimir in Jena hielt sich nun vom 23. bis 27. Oktober eine dreiköpfige Wladimirer Delegation aus dem Gesundheitsbereich an der Saale auf. Zusammenfassend schreibt das Presseamt der Stadtverwaltung, von der Blogredaktion leicht bearbeitet, zu dem Besuch:

Gegenseitiger Austausch und voneinander Lernen bringt einen voran – unter dieser Prämisse ist derzeit eine Delegation aus der russischen Stadt Wladimir in Jena. Ziel des Besuches ist es, eine Zusammenarbeit im Pflegebereich auszuloten. Denn auch wenn 2.200 Kilometer zwischen den beiden Städten liegen, sind die Herausforderungen im Pflegebereich doch sehr ähnlich: Der Fachkräftemangel macht sich verstärkt bemerkbar, und dadurch wird es immer wichtiger, den Berufszweig wettbewerbsfähig zu halten. Ein Austausch über mögliche Lösungsansätze sowie über den Pflegealltag, die Pflegeorganisation und die bestehenden Prozesse im allgemeinen kann einen Mehrwert in Form von neuen Lösungsansätzen für beide Seiten bringen. Für Jena ist zum Beispiel das Berufsbild des sogenannten “Feldschers” interessant, einer Position, die zwischen den Ärzten und dem Pflegepersonal angesiedelt ist. Wladimir will mehr über die Freiwilligenarbeit in Jena erfahren, die es so in Rußland nicht gibt.

Das Gastgeberteam mit der Wladimirer Delegation, flankiert von Iwan Nisowzew und Norbert Hebestreit vor dem Universitätsklinikum

Zu der Delegation gehörten Inna Morosowa, Leiterin der medizinischen Fachschule Wladimir, Natalia Uschakowa, Abteilungsleiterin für Krankenpflege an der Fachschule, und Julia Arsenina, stellvertretende Direktorin vom Department für Gesundheitswesen der Region Wladimir. Sie trafen sich während ihrer Zeit in Jena mit Arne-Veronika Boock, Pflegedirektorin der Universitätsklinik Jena, Norbert Hebestreit, Leitender Pflegewissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Iwan Nisowzsew, Vorstand des Vereins Eurowerkstatt e.V. und selbst aus Wladimir stammend. Das  Programm des Besuches wird auch von dem Institut für Slawistik der Friedrich-Schiller-Universität unterstützt. Martina Berrocal leitet die Gruppe aus drei Slawistik-Studierenden, die schriftlich und mündlich die Sprachbarriere fallen lassen.

Albrecht Schröter mit Gästen und Orgateam am Eingang zum Rathaus

Oberbürgermeister Albrecht Schröter ließ es sich nicht nehmen, die Delegation persönlich zu begrüßen. “Rußland hat ein hochentwickeltes Gesundheitssystem. Von einem kontinuierlichen Dialog können beide Städte profitieren. Eine Zusammenarbeit ist also wünschenswert”, betonte er.

Wie diese aussehen kann, wurde in Sondierungsgesprächen ausgelotet. Daneben standen auch der  Besuch des Universitätsklinikums, eine Unterrichtshospitation sowie ein Treffen mit der Eurowerkstatt auf dem Programm.

Im nächsten Jahr soll eine Vereinbarung über den Fachaustausch geschlossen werden. Dann besteht die Kooperation zwischen Jena und Wladimir seit 10 Jahren. Die Besonderheit ist, daß Jena und Wladimir mit Erlangen dieselbe Partnerstadt pflegen. Diese Dreiecksbeziehung ist geprägt von regelmäßigem Austausch und Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Gebieten wie der Jugend- und Frauenarbeit, in der Verwaltung sowie auf kultureller Ebene.

Mehr zum Thema unter: https://is.gd/Z3iyD1 und https://is.gd/f8IBKQ sowie hier mit einem Bericht der Ostthüringischen Zeitung: https://is.gd/rR6VtZ

P.S.: Wer hätte sich heute vor 28 Jahren – als die Mauer fiel – vorstellen können, was heute selbstverständlich und doch so großartig ist. DDR und BRD wurden eins, die UdSSR zerfiel, aber die deutsch-russische partnerschaftliche Zusammenarbeit hält alle zusammen.

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