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Archive for the ‘Humor’ Category


Wie gestern erst zu erfahren, fällt die morgige Veranstaltung zum „Russischen Humor“ um 15.00 Uhr im Club International leider wegen Erkrankung der Referentin aus. Kein Witz! Ein oder zwei Tage mehr Vorlauf – und Hi-Ha Schelmowitsch, der Blog-Narr vom Dienst, wäre eingesprungen. Doch da er den Humor sehr ernst nimmt, bräuchte er etwas mehr Vorbereitung. Was der seriöse Witzbold hingegen jetzt schon versprechen kann, ist die Selbstverpflichtung, in zwei Jahren, bei den dann elften Russisch-Deutschen Wochen, in die Bütt zu steigen und dem Publikum die Zunge zu zeigen. Doch bis dahin geben wir Michail Schwanezkij, dem Altmeister der russischen Satire (am 6. März feiert er seinen 86. Geburtstag) das Wort und lassen ihn die Frage beantworten „Was ist Humor?“

Ich will gar nicht von mir reden. Es geht mir um die Verteidigung der ganzen Gattung. Ich selbst bin sogar eher weinerlich und grüble andauernd vor mich hin. Und dann drehe und wende ich jedes Wort hin und wieder zurück.

Im Grunde habe ich mein Leben vertan und damit auch den Humor. Und jetzt, wo ich eigentlich alles verloren habe und im abgewetzten Jackett eines heruntergekommenen Philosophen rumlaufe, kann ich’s ja sagen: Es gibt einfach nichts Besseres als das Leben. Humor ist ein Zustand. Humor hat überhaupt nichts mit Witzen zu tun. Humor ist das Aufleuchten in den Augen, die Verliebtheit in den Gesprächspartner (oder Gesprächspartnerin! Anm. der Redaktion) und die Bereitschaft, so lange zu lachen, bis einem die Tränen aus den Augen schießen. (…)

Man sollte auch die humoristischen Autoren nicht unterschätzen. Für einen einzigen Satz von Ilf und Petrow, wie etwa „Die Hunde kletterten mit der Wendigkeit von Bootsmännern hinaus“, würde ich die ganze Seite einer griechischen Tragödie hergeben, wo sich die Helden mit unglaublicher Leidenschaft in die Brust werfen. Ein Meer von Tränen, in dem vier alte Weiber ertrinken, wiegt leichter als eine Lachsalve, die einen Schuß Wahrheit auslöst.

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Laßt die Bären los!


Fast zehn Jahre hatten sie ohne vernehmliches Murren und Knurren, nur mit stummem Brummen, auf ihrer Fensterbank im Plastikzwinger verbracht. Ebenso schweigsam wie genügsam. Genug, wie die Bärenrechtlerin, Renate Winzen, eine wahre Jeanne d’Arc der Fauna, gestern bei einem Kontrollbesuch des Partnerschaftsbüros im Erlanger Rathaus meinte. Ultimativ schleuderte die ehemalige Sonderbeauftragte für die Wissenschaftskontakte mit Wladimir dem Sachbearbeiter für Internationales entgegen: „Geben Sie den Bären Freiheit, Sire!“

Renate Winzen vor der Befreiung der Trostbären

Und siehe da, der städtische Bedienstete zeigte ein Einsehen. In Zeiten, wo kaum noch ein Zirkus seinem Publikum einen Bären aufbinden will und jeder Zoo über ein größeres Gehege für Meister Petz nachdenkt, sollten auch Trostbären artgerecht gehalten, wenn nicht gleich ganz freigelassen werden. Und so kam es, wie es kommen mußte: Mischka und Grischka strampelten sich los von ihrer Hülle und ließen sich zunächst zur Kuschelpflege des Pelzes auf den Armen ihrer Befreierin nieder.

Renate Winzen nach der Befreiung der Trostbären

Nun wollen wir hoffen, daß die beiden nicht zu Problembären werden. In diesem eher unwahrscheinlichen Fall würden sie zwar nicht gleich zum Abschuß freigegeben, aber zurück in ihre Bärenschanze müßten sie wohl schon. Aber wer will daran schon denken, wenn man das Pärchen so traut vereint, Tatze an Tatze sitzen sieht mit Blick auf die weite Welt.

Mischka und Grischka mit Blick nach draußen

Schon hört man, frei nach dem phantasmagorischen Schlußkapitel des Romans „Laßt die Bären los!“ von John Irving Dialoge wie diesen:

In Erlangen gibt’s Bären. – Wirklich? – Mhm. Bären. – Aber Schaden haben sie nicht angerichtet? – Diese Bären doch nicht. Das sind komische Bären. – Seltene Brillenbären? – Also, da weiß ich nix von. – Aber vermehren sie sich? – Davon weiß ich auch nix. Aber sie sind sehr nett zueinander, wissen Sie. – Mhm. Ich weiß.

Und der Archivar des Blogs weiß: Es handelt sich um Nachkommen der kinderlieben Trostbären, die im Dezember 2010 in Erlangen massenhaft auftraten und nach Wladimir wechselten, wie hier nachzulesen: https://is.gd/1gbNSF

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Verkehrte Welt


Nun raten Sie einmal, welcher Schneemann in welcher der beiden Partnerstädte steht. Ja, die Gemüseskulptur wartet in Wladimir auf Schnee, und die andere Figur schmilzt in Erlangen schon wieder dahin. So verrückt und verkehrt ist die Welt nun einmal.

Gesehen von Maria Platanjuk

Dazu noch etwas Sprachunterricht: Im Russischen gibt es wahlweise zwei Begriffe für den Schneemann, der ja im Deutschen von den Gender-Beauftragten noch stiefmütterlich behandelt wird. Je nach Gusto spricht man vom Schneeweib – снежная баба – oder vom снеговик, dem Schneemann. Was natürlich auch Anlaß zu einem Witz gibt, der so geht:

Papa, warum nennen denn unterschiedliche Leute ein und dieselbe Figur aus drei unterschiedlich großen Schneekugeln mit einer Möhre statt der Nase und einem Eimer auf dem Kopf entweder Schneeweib oder Schneemann? – Das, mein lieber Sohn, liegt an den je unterschiedlichen sexuellen Phantasien der Leute.

Gesehen von Jessica Merz

In einem anderen Witz fordert ein Hase mit dem Föhn in der Pfote von einem Schneemann: „Möhre oder Leben“.

P.S.: Und, ja, wieder einmal führte ein Internet-Ausfall zur Verzögerung der ansonsten gewohnt frühen Veröffentlichung. Die Technikabteilung des Blogs arbeitet fieberhaft an einer Dauerlösung und bittet um Verständnis.

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„Es kann der Frömmste nicht in Frieden rauchen, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ So mag mancher denken, wenn er auf einem russischen Balkon nach dem Glimmstengel greift. Ein Gericht hat nämlich unlängst einem Kläger Recht gegeben, der sich vom Rauch des Nachbarn belästigt fühlte. Der gefürchtete Präzedenzfall ist somit geschaffen, getreu dem Gesetz, wonach der Tabakgenuß auf dem Balkon zwar nicht generell verboten sei, wohl aber zu unterbleiben habe, wenn denn der Nachbar sich belästigt fühlen sollte.

Der Mensch hat aber nun einmal seine Laster und will sich nicht alles verbieten lassen, auch nicht das, was ihm und anderen schaden könnte. Wenn man freilich keine Strafe gewärtigen möchte, fügt man sich besser und läßt statt Rauch gehörig Dampf ab, am besten über das Ventil Humor. Darauf verlegte sich nun ein Wladimirer Nichtraucher, der sich in folgendem Dialog die Frage stellt, was denn noch so alles auf dem Balkon verboten werden könnte: „O, Julia, ich flehe Dich an, gib mir eine zu rauchen! – Kommt nicht in Frage, Romeo, das ist verboten! – Und was darf man überhaupt noch treiben, meine Liebe? – Pussieren auf dem Balkon ist nicht verboten, Geliebter! – O, diese heimtückischen Capuleti (stürzt vom Balkon ab)!

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In der „Spiegelgeschichte“ von Ilse Aichinger – immer wieder eine Lektüreempfehlung wert! – findet sich der unvergeßliche Satz: „Vom vielen Lachen kommen leicht die Tränen“. An dieses Diktum fühlt sich vielleicht erinnert, wer diese beiden Bilder aus Wladimir einander gegenüberstellt.

Da ist der Bus, auf dem offensichtlich ein Kind ohne Punkt und Komma seinem Papa wünscht, er möge gesund bleiben. Man stelle sich den Vater vor, der diese Handschrift wiedererkennt.

Und dann spricht da jemand diese Warnung aus: „Einfahrt freihalten! Vorsicht! Bissiger Hund, böse Hausherren, böse Kinder, böse Vögel… Alle sind böse!!!“ Derart viel zur Schau gestellter bissiger Boshaftigkeit steht dann schon wieder im Verdacht, eigentlich gutmütig zu sein. Nach dem Motto: Hunde die beißen, bellen nicht. Wie auch immer – der ewige Kampf zwischen gut und böse in uns Menschen, auch in Wladimir. Und irgendwoher müssen sie ja kommen, die Tränen. Wie es eben auf gut Russisch heißt: и смех и грех – es ist zum Lachen und zum Weinen.

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Was wurde nicht alles wider die Versuche der Europäischen Union geschrieben und gesagt, den Urheberschutz im Internet zu stärken! Vom Ende der Freiheit im Netz ging die Rede, es drohe eine nur noch gefiltert wahrnehmbare virtuelle Wirklichkeit. Keine Sorge, der Blog bleibt für Sie weiterhin frei zugänglich, die Plattform versteht sich weiterhin als offene Quelle, zumal hier ja bei all den Gastbeiträgen nicht immer die Meinung der Redaktion zum Audruck kommt.

Eine kleine, für Sie hoffentlich verschmerzbare Änderung bringt die Richtlinie, wenn sie denn in der gegenwärtigen Fassung vom EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten so angenommen werden sollte. Nicht-kommerzielle Anbieter wie etwa Online-Enzyklopädien oder Open-Source-Software-Plattformen oder eben auch Ihr Blog sind außen vor. Zudem sollen kleine und junge Anbieter von den Regelungen ausgenommen werden: Plattformen, die weniger als zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr machen und weniger als fünf Millionen Nutzer im Monat haben – alles Parameter, die der Wladimir-Blog noch erfüllt – unterliegen nicht den neuen Regeln. Im Kleingedruckten freilich findet sich ein wichtiger Hinweis, der auch für die Nutzer dieses Mediums gilt. Es sollen nämlich nicht nur die Urheberrechte geschützt werden, sondern man will auch die Witwen und Waisen von verarmt und vergrämt im ehrenamtlichen Dienst an der Allgemeinheit verblichenen Blog-Redakteuren gegen die Unzumutbarkeiten eines Lebens im materiellen Elend absichern. Ein Ziel, dem sich wohl niemand edlen Gemütes entziehen möchte. Sie erhalten deshalb ab morgen mit dem Zugriff auf den Blog die Aufforderung, einen automatisch nach Ihrem Nutzerverhalten errechneten Jahresbeitrag zur WWBK (Witwen und Waisen der Blogger-Kasse) zu entrichten. Nach Eingang Ihrer Überweisung werden Sie umgehend wieder für den Blog freigeschaltet. Schauen Sie morgen einfach wieder vorbei, Sie werden dann schon sehen. Im Namen der Witwen und Waisen sagt die Redaktion aber schon heute herzlich danke für Ihre Unterstützung. Denn: kein schwarzer Tag für den Blog, sondern eine lichte Zukunft für die Hinterbliebenen.

Einstweilen halten wir uns an ein Bonmot des Publizisten, Philosophen und Schriftstellers Alexander Herzen, der mehr als zwei Jahre in Wladimir lebte: „Wollten die Menschen, statt die Welt zu retten, sich selber retten; statt die Menschheit befreien, sich selber befreien, – wieviel würden sie da zur Rettung der Welt und zur Befreiung der Menschheit beitragen!“

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Zu Beginn der Fastenzeit die Sinnfrage aus Wladimir, auf die man nur selbst die Antwort geben kann.

Herr Doktor, bleibe ich am Leben? – Was hätte das für einen Sinn?

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