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Archive for the ‘Humor’ Category


In der „Spiegelgeschichte“ von Ilse Aichinger – immer wieder eine Lektüreempfehlung wert! – findet sich der unvergeßliche Satz: „Vom vielen Lachen kommen leicht die Tränen“. An dieses Diktum fühlt sich vielleicht erinnert, wer diese beiden Bilder aus Wladimir einander gegenüberstellt.

Da ist der Bus, auf dem offensichtlich ein Kind ohne Punkt und Komma seinem Papa wünscht, er möge gesund bleiben. Man stelle sich den Vater vor, der diese Handschrift wiedererkennt.

Und dann spricht da jemand diese Warnung aus: „Einfahrt freihalten! Vorsicht! Bissiger Hund, böse Hausherren, böse Kinder, böse Vögel… Alle sind böse!!!“ Derart viel zur Schau gestellter bissiger Boshaftigkeit steht dann schon wieder im Verdacht, eigentlich gutmütig zu sein. Nach dem Motto: Hunde die beißen, bellen nicht. Wie auch immer – der ewige Kampf zwischen gut und böse in uns Menschen, auch in Wladimir. Und irgendwoher müssen sie ja kommen, die Tränen. Wie es eben auf gut Russisch heißt: и смех и грех – es ist zum Lachen und zum Weinen.

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Was wurde nicht alles wider die Versuche der Europäischen Union geschrieben und gesagt, den Urheberschutz im Internet zu stärken! Vom Ende der Freiheit im Netz ging die Rede, es drohe eine nur noch gefiltert wahrnehmbare virtuelle Wirklichkeit. Keine Sorge, der Blog bleibt für Sie weiterhin frei zugänglich, die Plattform versteht sich weiterhin als offene Quelle, zumal hier ja bei all den Gastbeiträgen nicht immer die Meinung der Redaktion zum Audruck kommt.

Eine kleine, für Sie hoffentlich verschmerzbare Änderung bringt die Richtlinie, wenn sie denn in der gegenwärtigen Fassung vom EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten so angenommen werden sollte. Nicht-kommerzielle Anbieter wie etwa Online-Enzyklopädien oder Open-Source-Software-Plattformen oder eben auch Ihr Blog sind außen vor. Zudem sollen kleine und junge Anbieter von den Regelungen ausgenommen werden: Plattformen, die weniger als zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr machen und weniger als fünf Millionen Nutzer im Monat haben – alles Parameter, die der Wladimir-Blog noch erfüllt – unterliegen nicht den neuen Regeln. Im Kleingedruckten freilich findet sich ein wichtiger Hinweis, der auch für die Nutzer dieses Mediums gilt. Es sollen nämlich nicht nur die Urheberrechte geschützt werden, sondern man will auch die Witwen und Waisen von verarmt und vergrämt im ehrenamtlichen Dienst an der Allgemeinheit verblichenen Blog-Redakteuren gegen die Unzumutbarkeiten eines Lebens im materiellen Elend absichern. Ein Ziel, dem sich wohl niemand edlen Gemütes entziehen möchte. Sie erhalten deshalb ab morgen mit dem Zugriff auf den Blog die Aufforderung, einen automatisch nach Ihrem Nutzerverhalten errechneten Jahresbeitrag zur WWBK (Witwen und Waisen der Blogger-Kasse) zu entrichten. Nach Eingang Ihrer Überweisung werden Sie umgehend wieder für den Blog freigeschaltet. Schauen Sie morgen einfach wieder vorbei, Sie werden dann schon sehen. Im Namen der Witwen und Waisen sagt die Redaktion aber schon heute herzlich danke für Ihre Unterstützung. Denn: kein schwarzer Tag für den Blog, sondern eine lichte Zukunft für die Hinterbliebenen.

Einstweilen halten wir uns an ein Bonmot des Publizisten, Philosophen und Schriftstellers Alexander Herzen, der mehr als zwei Jahre in Wladimir lebte: „Wollten die Menschen, statt die Welt zu retten, sich selber retten; statt die Menschheit befreien, sich selber befreien, – wieviel würden sie da zur Rettung der Welt und zur Befreiung der Menschheit beitragen!“

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Zu Beginn der Fastenzeit die Sinnfrage aus Wladimir, auf die man nur selbst die Antwort geben kann.

Herr Doktor, bleibe ich am Leben? – Was hätte das für einen Sinn?

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Was zum Lachen


Hände weg, der Herr!

Zündhölzer aus Espenholz – helfen gegen Vampire und andere unreine Geschöpfe* — * wirkungslos gegen Ghule

Haltet euch fern von Menschen, die keine Katzen mögen.

Rettungsring

Hunde nicht füttern, keine da.

Bei uns unterrichtet man richtig!

Waschen oder nicht waschen?

Wer da? – Aufmachen, Polizei!

Ein Dior-Kleid auf einer Straße in der UdSSR

Aufpassen bei Schnupfen. Nicht die Nase blutig kratzen, sonst kann leicht ’ne Ader platzen! Nicht in der Nase bohren!

Wladimir – Vorsicht, in der Stadt herrscht Asphaltmangel!

 

Humor 9

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Frühjahr. Ein Wolf, ein Fuchs und ein Bär teilen ihre Eindrücke vom Winter. Fuchs und Wolf sehen ganz zerzaust und abgerissen aus, der Bär hingegen strotzt vor Kraft. Der Fuchs erzählt, er habe den Winter in einem Hühnerstall zugebracht und pro Woche ein Henne verspeist. Aber der Bauer habe sein Federvieh gezählt, gemerkt, daß zehn fehlen und eine Falle aufgestellt. Der Wolf klagt, er habe in einem Schweinestall überwintert und pro Woche eine Sau gefressen, was aber nicht lange unbemerkt blieb, mit Hunden habe man ihn vertrieben. Nun ist der Bär an der Reihe. Die beiden anderen meinen, er habe die kalte Jahreszeit wohl schlafend in seiner Höhle verbracht. „Nichts da“, gab der Braune zurück. „Ich zog mich auf eine Baustelle zurück. Da gibt es viele Gastarbeiter, und die zählt keiner.“

Eine Russischlehrerin gibt Erlebnisberichte zum Thema „Wie verbrachte ich meine Sommerferien“ auf. Anstelle von Noten vergibt sie nach der Korrektur Altersempfehlungen 16+, 18+…

Die Schwiegermutter zu ihrem Schwiegersohn: Hör endlich auf, an dem Handy rumzuwischen, geh runter und gieß die Blumen. – Aber es regnet doch! – Na und, dann zieh dir halt was über.

Kurz vor der Niederkunft erscheint der werdenden Mutter ein Engel und versprach ihr nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“, der Vater ihres Kindes werde die Hälfte der Schmerzen zu spüren bekommen. Als ihr Mann sie nach der Geburt im Krankenhaus besucht, fragt sie, wie er die letzte Nacht geschlafen habe. „Kein Auge konnte ich zutun, der Nachbar brüllte die ganze Zeit wie am Spieß.“

Warum stinkst du so nach Schnaps? – Das ist nur zu Vorbeugung. – Wozu? – Na, um mir keine Erkältung zu holen. – Warum solltest du dich erkälten? – Aber ich war doch im Meer baden, und das Wasser war saukalt. – Und wozu bist du baden gegangen? – Um wieder nüchtern zu werden.

Der Polizist fragt den betrunkenen Fahrer: Wie konnten Sie sich nur in diesem Zustand ans Steuer setzen? – Meine Freunde halfen mir beim Einsteigen.

Daß seine Frau ihn betrog, bemerkte er, als er im Schrank einen Hocker und ein Heft mit ausgefüllten Kreuzworträtseln fand.

Jelissej, du hast so einen ungewöhnlichen Namen. Veralbert man dich nicht im Kindergarten? – Nein, gar nicht. Warlaam ist krank, Jermolaj hat die Gruppe gewechselt, Onissim und Prokofij sind meine Freunde, und Swetosar und Fedot kann ich selber veräppeln. Vielleicht noch Lukerja und Jewrosinja, aber das sind beide blöde Kühe.

Papa, wie ist das eigentlich, wenn man einen so klugen und schönen Sohn hat? – Weiß ich doch nicht, frag deinen Opa!

Mama, warum landen alle meine Mails bei dir im Spam? – Das fragst du noch, wenn im Betreff schon steht: Kauf mir eine Jacke; ich brauche mehr Geld; kann ich ein neues Handy haben?

Mama, warum bekomme ich keinen Zugang zu WiFi? – Du sollst jetzt deine Hausaufgaben machen. – Aber wenn ich jetzt verrate, wo du den italienischen Käse versteckt hast?

Ich sah meinen Ex mit seiner neuen Flamme. Jetzt bin ich beruhigt. Das Schicksal nahm Rache für mich.

Neulich war ich wieder einmal auf der Post. Ich habe ein Puzzle mitgenommen und ein paar Zeitschriften. Auf das Paket warte ich noch immer.

Hast du gehört, die beiden wollen heiraten. – Na und? – Aber die waren doch ganz verrückt nacheinander.

Putin will den Winter abschaffen, weil die Regierung sonst  in den Winterschlaf fällt.

Felix Edmundowtisch, ich vermisse einen Bleistift. – Keine Sorge, wir werden der Sache nachgehen. – Felix Edmundowitsch, der Bleistift ist wieder aufgetaucht. – Schade, gerade haben zwei ein Geständnis abgelegt.

Wenn du dir nicht die TV-Nachrichten ansiehst, wirst du nie begreifen, wie gut es uns geht.

Zwei Politologen: Der entwickelte Sozialismus war genau so eine Krankheit wie der jetzt herrschende wilde Kapitalismus. Beides braucht Zeit zum Auskurieren. – Schon, aber im Sozialismus waren die Kuren wenigstens kostenlos.

In den Nachrichten: In Nikolajewo verprügelten drei Weihnachtsmänner einen Lokalpolitiker. – Offenbar ist doch jemandes Brief angekommen.

Putin fragt in Peking: Warum stellt ihr ballistische Raketen an unserer Grenze auf? – Erstens stimmt das nicht. Zweitens tun wir das ausschließlich zu friedlichen Zwecken. Drittens wollen wir damit die in der Russischen Föderation lebende chinesischsprachige Bevölkerung schützen.

Eine Mutter in einer Fragestunde: Ich habe zwei kleine Söhne, Herr Präsident. Was kann ich da vom Staat erwarten? – Wenigstens zwei Einberufungsbescheide.

 

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Ein bekannter Witz geht so: Anruf beim russischen Freund: „Hör mal, bei uns ist es saukalt, bestimmt minus 40 Grad. Ich stehe an der Bushaltestelle und friere mir einen ab. Was macht ihr Russen denn bei so einem Frost, wenn man lange auf den Bus wartet?“ – „Die Männer trinken Bier, und die Kinder essen Eis.“

Plombir

Vorzugsweise „Plombir“, dieses einzigartig cremige Sahneeis ohne alle chemischen Zusätze, Geschmacks- und Aromastoffe. Eis pur, Genuß pur, der, benannt nach der Stadt Plombières-les-Bains, von Frankreich aus schon im 19. Jahrhundert den russischen Gaumen eroberte. Übrigens auch in Erlangen erhältlich – mit vielen weiteren russischen, polnischen und rumänischen Lebensmitteln im „Wesna“, Langfeldstraße 43, oder bei „Irina“ in der Dorfstraße 56. Einfach mal probieren, falls kulinarische Nostalgie nach der russischen Küche aufkommen sollte.

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„Leichtfertige Späße aber und albernes oder zum Lachen reizendes Geschwätz verdammen wir allzeit und überall, und keinem Jünger erlauben wir, zu derlei Reden den Mund zu öffnen.“ So wird Bendedikt zitiert, Gründer des nach ihm benannten Ordens, dessen Regelwerk auf dem Dreiklang „Ora et labora et lege“ ruht. Für das Beten und Arbeiten sind andere zuständig, zum Lesen aufzufordern, ist freilich Bestimmung des Blogs, der sich heute – naheliegend und bereits anklingend – einem religiösen Thema widmet.

An den hl. Benedikt anknüpfend fordert der Wladimirer Wandermönch Dementij Sawonarolskij schon im 14. Jahrhundert: „Die Komödien wurden geschrieben, um die Leute zum Lachen zu bringen, und das war schlecht. Unser Herr Jesus hat weder Komödien noch Fabeln erzählt, ausschließlich klare Gleichungen, die uns allegorisch lehren, wie wir ins Paradies gelangen, und so soll es bleiben.“ Diese strenge Observanz bewahrt die russisch-orthodoxe Kirche bis heute und besinnt sich dessen besonders heute, wo das Osterfest, der höchste Feiertag der östlichen Christenheit, justament auf den 1. April fällt. Ein Streich des Kalenders gewissermaßen, dem entgegenzuwirken nun vom Patriarchen in Moskau eine Kommission unter dem Vorsitz des Wladimirer Erzpriesters, Polikarp Besschutok, mit dem Auftrag einberufen wurde, künftig diese unziemliche Koinzidenz zu verhindern.

Überhaupt wurde dieser Tag der Narren von ausländischen Angehörigen des Hofs von Peter I. ins Russische Reich eingeführt. Dem Zaren gefielen die Späße über die Maßen und, laut dem Zeugnis eines Zeitgenossen, habe sich Ihre Majestät sogar selbst zum 1. April Streiche einfallen lassen. Verbürgt ist in jedem Fall für das Jahr 1700 die Ankündigung einer Gruppe von Fakiren in Moskau, wonach einer der Artisten bei der nächsten Vorstellung durch den Hals einer gewöhnlichen Flasche in das Innere des Behältnisses schlüpfen werde. Nicht verwunderlich, daß die Schaulustigen in rauhen Mengen anrückten. Auch der Zar mischte sich unters Publikum und erblickte mit allen anderen, als sich der Vorhang hob, auf der Bühne eine Flasche mit der Aufschrift „1. April“. Der Kommentar des gekrönten Hauptes – „Freiheit der Komödianten“ – markiert wohl den Siegeszug des Possen zum Monatsersten auch im Russischen Reich.

Doch Peter der Große gilt bis heute vielen Rechtgläubigen wegen seiner kirchenfeindlichen Politik als der Antichrist, und nun auch noch das: das Fest der Auferstehung des Herrn fällt auf den Tag, der nichts ernst nimmt, dem nichts heilig ist. Man darf gespannt sein, welche Eingebung des Heiligen Geistes den Kirchenmännern weiterhilft, um Spott und leichtfertige Späße an Ostern in Zukunft zu verhindern. Schon wird von einer Kalenderreform gemunkelt. Aber warten wir es geduldig ab.

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Alexandrow mit der Residenz von Iwan dem Schrecklichen

Geduld braucht es ohnehin in der Geschichte. Aber die wird dann auch belohnt; früher oder später kommt nämlich doch alles ans Licht. So auch der Hintergrund des gegenwärtigen Zerwürfnisses zwischen London und Moskau, das, wie der sensationelle Fund eines Sendschreibens in Alexandrow zeigt, seinen Anfang schon im 16. Jahrhundert nahm. Iwan der Schreckliche hatte ja 1564 den provisorischen Umzug seiner Residenz in das Provinzstädtchen befohlen, heute im Gouvernement Wladimir gelegen, und dort ein Archiv anlegen lassen, das es in sich hat. Einem codierten Brief, den zu entschlüsseln erst jetzt gelungen ist, kann man nämlich entnehmen, daß es Königin Elisabeth persönlich war, die dem am Zarenhof dienenden englischen Arzt, Johann Eiloff, den Geheimauftrag erteilte, den Herrscher des Russischen Reichs mit „graduell zu steigernden Verabreichungen von Quecksilber“ schleichend zu vergiften. Nachdem bereits dessen Thronfolger, Iwan V, auf die gleiche Weise beseitigt worden war – zu den Hintergründen laufen die Ermittlungen noch – meinte man, leichtes Spiel mit Rußland zu haben: Während einer Zeit der Wirren, der Selbstfindung und des Bürgerkriegs mit anschließenden Kämpfen von Rivalen um den Thron, glaubte man in London, sich die erste große Kolonie im Osten Europas sichern zu können. Es kam anders, wie wir heute wissen, aber es hätte auch alles genau so werden können. Wer weiß das schon…

Frohe Ostern

Frohe und Fröhliche Ostern!

 

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