Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Humor’ Category


Es war einmal wieder an der Zeit, in den Keller hinabzusteigen und Eingemachtes zu holen. Allein macht das keinen Spaß, und so bat ich meinen Freund, Alexej, mitzukommen. Der Keller liegt fünf Haltstellen von unserem Haus entfernt, doch das Wetter gab sich so heiter, daß wir beschlossen, zu Fuß zu gehen. Als wir ankamen, setzten wir uns erst einmal auf die Bank, unterhielten uns ein wenig und stiegen dann hinunter. Als wir die Taschen vollgestopft hatten mit Konfitüre und eingelegtem Gemüse, machten wir uns auf den Heimweg. Doch die Strecke kam uns nun mit all dem Gewicht viel länger vor, und so entschieden wir, eine Marschrutka, ein Linientaxi, zu nehmen. Es hielt auch auf unser Handzeichen hin gleich eines an, aber wir hatten kein Geld dabei. Wir stiegen trotzdem hinten ein, fragten uns freilich, wie wir zahlen sollten. Da kam mein Freund auf die Idee, dem Fahrer ein Glas von unseren Schätzen zu geben. Was sollten wir sonst tun, wir hatten sonst nichts dabei. Wir richteten uns also auf den Satz „Wir geben das Fahrgeld weiter!“ weiter, und als er dann tatsächlich zu hören war, ging unser Glas von Hand zu Hand bis vor zum Fahrer. Unserer Gesichter waren wie versteinert, und die Fahrgäste verkniffen sich auch jedes Lachen und warteten gespannt auf den Ausgang der Sache. Als das Glas dann beim Fahrer angekommen war… – zunächst eine Minute Schweigen. Und dann brach der ganze Kleinbus in Lachen aus. Auch wir prusteten los. Aber das erwies sich nur als Vorspiel. Plötzlich nämlich ist die Stimme des Fahrers zu vernehmen: „Hier ist euer Rückgeld!“ Und er reichte über die Händekette eingepackt ein belegtes Brot mit geräucherter Wurst an uns weiter. Er wußte unser Eingemachtes zu schätzen. Das nun einsetzende Lachen brachte fast die Scheiben des Busses zum Bersten.
Ob nun so passiert oder nur gut ausgedacht, die Sache dient auch zu einem kleinen landeskundlichen Exkurs. In allen russischen Städten nämlich, natürlich auch in Wladimir, gibt es diese privaten Kleinbusse, nach dem französisch-deutschen Wort „Marschroute“ „marschrutka“ genannt, die – ein wenig teurer als der öffentliche Nahverkehr und deutlich günstiger als ein Taxi – eine bestimmte Strecke mit festen Haltestellen abfahren, allerdings auch dazwischen auf ein Handzeichen hin anhalten und – solange Platz ist – zusteigen lassen.
Eine ausgesprochen effektive, bequeme und günstige Alternative zum Individualverkehr mit hoher Taktfrequenz, vor allem aber viel Kolorit und Möglichkeit, Land und Leute hautnah kennenzulernen. Wer da noch fremdelt, sollte lieber zu Hause bleiben. Warum nur, fragt sich, gibt es dieses Verkehrsmittel nicht auch hierzulande, etwa zwischen Herzogenaurach und Erlangen?

Read Full Post »


Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einem Forstweg in den Wald, um dort mit Freunden ein Picknick zu machen, den Vögeln zu lauschen oder einfach nur die frische Luft und das Leben froh zu genießen. Und da tritt ihnen unvermutet beidseitig Gevatter Tod entgegen, erinnert mit zwei zueinander passenden Sarghälften an unser aller Sterblichkeit, murmelt sein Memento mori der ewigen Ruhe. Eine Szene aus einem zweitklassigen Horrorfilm, meinen Sie? Weit gefehlt. So gesehen und erlebt im finstren Tann unweit von Wladimir. Nur zu ertragen mit einer gerüttelt Portion schwarzen Humors. Kostproben gefällig?

Da war es wohl wirklich an der Zeit, etwas zu unternehmen, als der Bestatter auf dem Rückfenster seines Leichenwagens die Aufschrift entdeckte: „Wasch mich!“ Von innen geschrieben…

Das Schiff geht unter. Der Kapitän fragt, wer beten könne. Als sich jemand meldet, bekommt er zu hören: „Bestens! Uns fehlt eine Schwimmweste. Fangen Sie schon mal zu beten an!“

Als es ans Sterben geht, ruft der alte Herr seine Familie zusammen. „Mein Bruder, erinnerst du dich, wie man dich seinerzeit auf der Arbeit entließ? Das habe ich veranlaßt. Meine Schwester, weißt du noch, wie sie dich zum KGB schleppten? Ich habe dich anonym angezeigt. Und du, meine Frau, hast bestimmt nicht vergessen, wie sie dich hinter Gitter brachten. Auch dahinter steckte ich. Vergebt mir, wenn ihr könnt! Und jetzt zu meinem letzten Wunsch: Hängt mich nach meinem Tod kopfüber am Kronleuchter auf.“ Darauf verschied er in Frieden. Seine Verwandten mühten sich nach Kräften, seinen letzten Wunsch zu erfüllen, und als der Tote schließlich in der richtigen Position hing, klingelt es an der Tür. Die Polizei tritt ein und meldet: „Bei uns ist da gerade eine Anzeige wegen Leichenschändung eingegangen…“

Immer am 1. April kamen ganze Abordnungen von grauhaarigen Männern aus dem Arbeitszimmer von Genosse Stalin. Ebenso grau wie erleichtert.

Read Full Post »


Das Schicksal des Amerikanischen Hauses in Wladimir könnte eine neue Wendung nehmen. Ronald Pope, ein Professor der University of Illinois, hatte Anfang der 90er Jahre die Idee, in der Partnerstadt mit Hilfe von Ehrenamtlichen Englischkurse aufzubauen und die amerikanische Lebensart erlebbar zu machen. Dazu erbaute er aus eigenen Mitteln – u.a. mit Hilfe seines väterlichen Erbes, da die Stadt Wladimir sich aus Finanznot nicht beteiligen konnte – ein American Home aus Fertigteilen, eigens aus den USA angelandet, das im Sommer 1992 eröffnet wurde und sich rasch zur führenden Sprachschule mit bis zu 400 Kursteilnehmern pro Semester entwickelte, gut doppelt so viele wie zu besten Zeiten am Erlangen-Haus Deutsch lernen. 2014 dann der Schock für die Betreiber: Ein anonymer Artikel insinuierte, die Einrichtung sei eine Filiale des State Department, wo antirussische Umtriebe im Gange seien, und prompt fand sich im Archiv der städtischen Behörden ein Vertrag, dem keine der beiden Seiten gefolgt war, wonach das Amerikanische Haus ab dem 1. Januar 2003 hätte an die Kommune zurückgegeben werden müssen. Nach einem Rechtsstreit wurde zu Gunsten der Stadt entschieden, für die Kurse mußten neue Räume angemietet werden, und das Haus wurde Ende 2014 geschlossen. Erst vor wenigen Wochen dann kam die Entscheidung, hier, in unmittelbarer Nähe des Goldenen Tors und im Schatten des Festungswalls, ein Museum für die Kirschenkultur Wladimirs einzurichten.

Doch auch diese Pläne könnten bald Makulatur werden, denn unlängst sickerte aus regierungsnahen Quellen durch, das Weiße Haus in Washington plane hier in Abstimmung mit dem Kreml, für Michael Flynn, den ehemaligen Sicherheitsberater des Präsidenten, einen „Außenposten“ für den Fall einzurichten, daß sich im Untersuchungsausschuß seine unterstellten Moskau-Kontakte bestätigen sollten. Allem Anschein nach laufen die diplomatischen Drähte auch schon heiß, um Möglichkeiten für ein politisches Asyl des in Ungnade gefallenen Offiziers zu prüfen, aus dessen persönlicher Umgebung wiederum zu vernehmen ist, er wolle ggf. den Antrag stellen, das Amerikanische Haus zum Matratzenlager umfunktionieren zu dürfen, um dort zunächst in Ruhe probeliegen zu können, eine Wanzenzucht einzurichten und später seinen Lebensunterhalt bis zu seinem Tod als Handlungsreisender der Firma Askona https://is.gd/Z9igFU zu verdienen. Ob mit dem mutmaßlichen Gast dann auch gut Kirschen essen sein wird, muß sich freilich noch weisen.

Read Full Post »


Wir Menschen glauben ja gerne, im Himmel gebe es keine Geheimnisse mehr, niemand habe etwas zu verhehlen, nichts bleibe verborgen. Pustekuchen! Weit gefehlt. Das omnipräsente Auge des Allgütigen späht zwar noch den letzten Winkel seines ewigen Reiches aus und kennt all die Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten seiner Geschöpfe, über die Er selbst oft nur gütig lächeln kann, Ihm ist also alles bekannt, aber vieles fällt dennoch unter das Siegel der Verschwiegenheit, wird nur dem kleinen Kreis der Vertrauten, dem Rat der Heiligen, offenbart und sollte dort auch bleiben. Der hl. Rochus, zu Lebzeiten selbst als Spion ins Gefängnis geworfen, kann noch so auf der Hut sein: Immer wieder kommt es auch im Jenseits zu Indiskretionen, eingeschleuste Agenten des Bösen treiben ihr sinisteres Unwesen und schmieden finstere Ränke, verbreiten Gerüchte und Gezänke, setzen Falschmeldungen in Umlauf, belauschen vertrauliche Gespräche, belauern die Boten des Erzengels Michael mit der verrätselten Korrespondenz zwischen Himmel und Erde, betreiben das schimpfliche Handwerk der Verwirrung der Geister, schrecken nicht zurück vor Fälschungen und säen Mißtrauen zwischen Männern und Frauen.

Wladimir in Erwartung des Neuen Jahrs

Wladimir in Erwartung des Neuen Jahrs

Nur so erklärt sich, was heute zu berichten; wenngleich wir zur Vorsicht mahnen, denn die Quelle spendet trübes Wasser, und verbürgen für folgenden Bericht will sich gewiß niemand, zumal er lückenhaft auf uns gekommen und aus unbekanntem Mund vernommen. Gesichert erscheint nur, daß Hausmutter Marina ihr Schweigegelübde nicht gebrochen hat; das Leck – oder Neo-Coelestal das „Leak“, später auch „Niko-Leak“ genannt – tat sich andernorts auf und bleibt noch aufzuspüren. Dies überlassen wir aber den Hunden des Herrn, den Dominikanern, und wenden uns nun – unter allem gebotenen Vorbehalt – dem Studium der jüngsten Chronik aus dem weihnachtlichen Wladimir zu.

Schon vor Jahr und Tag hatte Väterchen Frost den Ukas erlassen, alle Kinder des Russischen Reiches in Geschenkelisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Zar Wladimir Statthalter von Moskowien. Da ging jedes Kind mit den Eltern in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen und bei der Bescherung nicht vergessen zu werden. Doch zu allen Zeiten waren und sind derartige Zählungen mehr Schätzungen als genaue Verzeichnisse, bleiben Menschwerk und damit unvollkommen.

Als nun aber St. Nikolaus am Krankenbett seines Amtsbruders im Erlangen-Haus zu Wladimir Platz genommen und sich hatte einführen lassen in die bevorstehenden Aufgaben, hob Väterchen Frost mit einer eindringlichen Ermahnung an:

„Werter Kollege, hierzulande herrschen andere Gesetze – zu Himmel wie auf Erden. Das gilt es zu beachten. Uns Vertretern des Heiligen und der Märchenwelt ist freilich die Macht verliehen, zu besonderen Zeiten diese Regeln außer Kraft zu setzen. Sei es mit Worten des Zaubers, sei es mit Hilfe von Instrumenten. Dein Krummstab etwa verleiht Dir die Bürde der Würde, er kann sicher Segen spenden und Böses zum Guten wenden. Aber ob er auch hier bei uns wirkt? Wir sollten es nicht darauf ankommen lassen. Geschätzter Freund, ich halte es deshalb für angezeigt, Dir meinen Stock anzuvertrauen. Er sei Dir Stütze und Halt in Stadt und Wald, und wenn Du klopfst mit ihm auf Schnee und Eis, dann gibt er sein Geheimnis preis. Ich bin mir sicher, Du kannst ihn brauchen.“

Wie gesagt, wir wissen nicht, was in jenen Stunden der innigen Unterredung zwischen den beiden würdigen Herrn so alles besprochen wurde. Es ist aber davon auszugehen, daß der hohe Gast aus dem Abendland das Verzeichnis aller Russenkinder erhielt und wohl auch die Bekanntschaft der Enkelin von Väterchen Frost machte, die St. Nikolaus auf seiner Fahrt zum Jahreswechsel zusammen mit Knecht Ruprecht begleiten sollte. Außerdem haben wir Grund zur Annahme, daß der bettlägerige Alte seinem katholischen Vertreter im Amt den Chronographen anvertraute, mit dem findige Tüftler schon zu Zeiten des untergegangenen Imperiums der sakrophoben Sowjets erfolgreich das simulierten, was von Mystikern als die Ewigkeit der Gegenwart oder von Wissenschaftlern als Zeitdehnung bezeichnet wird. Dieses wundersame Gerät läßt die Zeit nicht mehr nach den bekannten Maximen der klassischen Physik verstreichen, sondern macht sie innehalten, läßt den schönen Augenblick verweilen und mit andren teilen.

Die Nacht kam mit Rabenschwingen geflogen aus den dunklen Wäldern hinter den schneebedeckten Feldern. Auf Wladimir senkte sich eine stille Wolke herab, und nur um das lichte Erlangen-Haus herum ertönte ein Klingen und Singen wie aus einem tausendkehligen Kinderchor, voll andächtiger Freude und unsagbarem Glück. „Es ist Zeit, mein Freund“, sprach da Väterchen Frost. „Begebe Dich auf den Weg hinaus in Stadt und Land im Festgewand, und vergiß mir keines der Kinder, nun mach schon, geschwinder…“

Schneeflöckchen und Knecht Ruprecht erwarteten den Bischof schon auf der menschenleeren Straße, immer noch miteinander fremdelnd. Ihr war der finstere Geselle aus dem fernen Westen alles andere als geheuer, und er scheute zurück vor der strahlenden Schönheit des Mädchens. Der Schlitten war vollgeladen mit bunt verpackten Geschenken, und im dunkelnden Garten des Erlangen-Hauses funkelten weitere Berge von farbigen Säckchen und Päckchen, alle mit kleinen Namensschildern versehen, wohl zur weiteren Versendung und Bescherung vorbereitet.

Noch ein Schluck vom glühenden Meßwein aus dem Flachmann im Ärmel mit einem murmelnd vorangestellten „Hic est enim Calix Sanguinis mei“ – und schon konnte es losgehen, über Plätze und Straßen, durch Gassen und Wege, über Brücken und Stege, stets kundig geführt von Väterchen Frosts Enkelin und treu gefolgt von dem schwerbeladenen Ruprecht, der seine Rute nur murrend im Erlangen-Haus zurückgelassen hatte. Die Kinder staunten Bauklötze angesichts des unerwarteten Trios, rissen den verwunderten Mund so weit auf, daß ihnen die vielen Fragen gar nicht über die Lippen kommen wollten, was Sankt Nikolaus ganz recht war, denn das einst im Seminar studierte Altkirchenslawisch war ihm mangels Übung nicht mehr so recht präsent. Ohnehin übernahm immer das redegewandte Schneeflöckchen die Gesprächsführung und ließ den Gesandten des Himmels erst gar nicht in die Verlegenheit kommen, etwas sagen zu müssen.

So ging das dahin im Sauseschritt, im Himmelsritt, von Kind zu Kind, so schnell wie der Wind. Schlittenladung um Schlittenladung wurde nachgeliefert, von Hand zu Hand gingen die Geschenke, und ehe es sich Sankt Nikolaus versah, waren die Gaben für die Stadtkinder verteilt – und immer weiter, es eilt, es eilt. Andernorts warten die Kinder schließlich auch.

Und schon sauste und brauste der Schlitten über die Wipfel der Tannen und Fichten. Richten ließ es sich leicht nach den Kuppeln und Kappen der Kirchen und Klöster, die Laternenstreifen der Straßen strahlten weit hinein in die Finsternis, und wenn die Wolken einmal aufrissen, zogen sich unter ihnen wie Schatten die eiserstarrten Schlangenlinien der Flüsse dahin. Der Chronograph zeigte erst wenige Sekunden seit der Abfahrt am Erlangen-Haus, dennoch wurde dem Heiligen angst und bange, als sich ihm die ganze Weite des Landes eröffnete. Schneeflöckchen bemerkte sein Unbehagen und legte ihm die kleine Hand auf den Arm: „Du brauchst doch nicht an alles denken, ich übernehme hier das Lenken, und Du kannst immer weiter schenken“, flüsterte ihm das Mädchen zu, während der Schlitten schon wieder in den Sinkflug ging. „Wir landen jetzt gleich im Blauen Himmel, wo bestimmt eine ganze Kinderschar auf uns wartet. Wenn es diese Bleibe nicht gäbe, hätten die Kleinen niemanden, der sich um sie kümmert. Manche von ihnen sind auch, wie das der Gottessohn ausdrückte, etwas arm im Geiste und werden oft von anderen gehänselt und verspottet. Die freuen sich bestimmt besonders auf unser Kommen.“

Mit Stieben und Stoben kam der Schlitten vor einer Art Ortsschild zu stehen, auf dem „Sternstunden“ zu lesen war. Nur wenige Schritte entfernt lag das Heim mit hellerleuchteten Fenstern, festlich geschmückt, aus denen ausgelassenes Lachen drang. Schon wollte Sankt Nikolaus, den Stab von Väterchen Frost in der Rechten, die Stufen zum Eingang emporsteigen, als er sich verwundert zu seinem Knecht umdrehte. „Da stimmt doch etwas nicht“, wandte er sich an Ruprecht. „Dein Sack ist ja ganz leer, zeig ihn doch mal her…“ Und tatsächlich, man konnte bis auf den Grund sehen, und da war nichts, rein gar nichts, nicht einmal ein Stück Paketschnur oder ein Fetzen Packpapier. Nichts, aber auch gar nicht.

Auf den erstaunt fragenden Blick seines Herrn erwiderte der Knecht: „Auf der Liste ist diese Adresse nicht vorgesehen. Ich kann doch nicht die Geschenke anderer Kinder in den Sack stecken. Da hat jemand bei der Vorbereitung geschlampt. Anders kann ich mir das nicht erklären, da müssen wir uns beschweren.“ „Dafür ist es jetzt zu spät“, mischte sich Schneeflöckchen ein, „wir sollten uns besser etwas einfallen lassen, wie wir den Kindern trotzdem eine Freude machen können, damit sie froh und munter werden. Viel Zeit bleibt uns nicht, da kommt schon Olga, die Direktorin.“

Tatsächlich war die Ankunft der Troika nicht unbemerkt geblieben: das Glockengeläut des Schlittens, das gedämpfte Getrappel der Rentierhufe, die schweren Schritte der beiden Männer. Über der Pforte hing, girlandengeschmückt, ein „Willkommen im Blauen Himmel“, und in der großen Stube der Herberge stimmten die Kinder gerade „Niklaus ist ein braver Mann“ an. „Ja, so etwas, spricht man denn hier Deutsch?“ fragte der Bischof und strich sich ungläubig durch den Bart. „Woher die von Deiner Amtshilfe für meinen Großvater wissen, ist mir schleierhaft“, gab Schneeflöckchen mit einer ausholenden Geste zurück, „aber das hier alles haben vor einigen Jahren gute Menschen aus Erlangen gestiftet, und immer wieder kommen hier deutsche Gäste vorbei. So etwas hinterläßt seine Spuren. Du wirst schon sehen.“ „Das macht die Sache leichter“, beruhigte sich Sankt Nikolaus, „da wird mir schon eine Eingebung kommen.“ Sprach’s und schritt mit festem Tritt, Schneeflöckchen an seiner Seite, in den Saal hinein, während er seinen Knecht draußen zu warten hieß, weil er um die bangen Herzen der Kleinen fürchtete und Ruprecht ohnehin mit leerem Sack zu nichts nütze wäre.

40 erwartungsfrohe Kinderaugen hefteten sich auf den festlichen Gast, der sich nicht lange bitten ließ, zu der Gruppe zu sprechen, übersetzt von Schwester Natalia, die in Diensten des Ordens der Barmherzigen Brüder ihr Deutsch gelernt hatte. „Liebe Kinder“, begann er, „vergelte Gott Euer Willkommenslied. Ich sehe, ihr alle seid leidlich brav und bemüht euch redlich. Das ist im Himmel nicht unbemerkt geblieben, in meinem Buch ist nur Gutes über euch geschrieben. Ich will euch deshalb ein ganz besonderes Geschenk machen, wie es niemand sonst aus meinen Händen erhält. Dazu müßt ihr euch aber jetzt warm anziehen, in eure Stiefel steigen und mit mir nach draußen kommen.“ Sankt Nikolaus hatte sich kaum zur Tür gewandt, als er die Kinder schon alle mucksmäuschenstill in ihren Mänteln und Mützen fand, als hätten sie den ganzen Abend für diesen Auftritt geprobt. „Mir nach“, rief der heilige Mann und nahm einen Jungen auf den Arm, der ein zu kurzes Bein hatte und stark hinkte.

Auf den Stab gestützt, der ein sanftes Licht ausstrahlte und den Kindern den Weg wies, stapfte der Bischof einen Pfad in den tiefen Schnee und führte die kleine Schar hinter sich immer weiter in den Wald, wo die Bäume dicht an dicht standen. Auf einer kleinen Lichtung mit verschneiten Spielgeräten angekommen, machte er halt und zeigte auf eine kleine Tanne, deren untere Zweige ganz in einer Schneewehe steckten. Sankt Nikolaus stieß mit dem Stab dreimal auf die gefrorene Erde, nahm ehrfürchtig seine Bischofsmütze ab und hieß die Kinder, mit ihm zusammen in den Nachthimmel hinaufblicken. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ ließ er seine mächtige Stimme erschallen, um dann in ein stilles Gebet zu verfallen. Unterdessen war es, als senkte sich das Firmament wie ein schwebender Baldachin auf die Welt herab, die Sterne übertrafen einander mit Gefunkel im Dunkel, und lauter tinkenkleckskleine Lichter tropften auf das Bäumchen, bis alle seine Zweige sich strahlend vor den Kindern neigten. „Das ist von nun an euer Tannenbaum“, wandte sich der Gottesmann wieder an die Kleinen um ihn her. „Immer zur Weihnachtszeit und in der Silvesternacht wird er für euch hier leuchten. Und wenn ihr einmal groß seid und im Winter nicht mehr hierherkommt, erscheint euch die Sternentanne bestimmt eines Nachts im Traum, und dann wißt ihr, jetzt ist es an der Zeit, den Weg hierher anderen Kindern zu zeigen.“

Auf dem Rückweg hingen alle ihren eigenen Gedanken nach. Sankt Nikolaus setzte das Hinkebein auf den Stufen zum Heim ab, winkte den Kindern zum Abschied zu, bestieg im Gefolge von Schneeflöckchen und Knecht Ruprecht den Schlitten und entschwand in einer weißen Wolke, wie hochgeblasen von einem Sturm, hinauf an den nun wieder so fernen Sternenhimmel.

aus dem apokryphen Nachlaß von Eduard dem Schneemann

Read Full Post »


Immer wieder kommen dezente Hinweise darauf, die Einträge im Blog seien zu textlastig, erinnerten also mit anderen Worten an den Dialog zwischen Kaiser Joseph II mit Wolfgang Amadeus Mozart nach der Premiere der „Entführung aus dem Serail“: „Zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel Noten, lieber Mozart!“ – worauf der Komponist geantwortet haben soll: „Gerade so viel Noten, Eure Majestät, als nötig sind.“

Ci12xEcWEAA93P_

Also lassen wir heute die Bilder sprechen und kommentieren sie mit gerade so viel Worten als nötig sind.

1463480291_007_3

Die Mehrheit der Bären, die schon einmal einen Menschen zu sehen bekam, denkt, die Zweibeiner seien Baumbewohner.

1456378985_033

Willkommen im „Café zu den drei Stufen“.

1456378999_029

Patriotismus wärmt auch, wenn die Heizung aus bleibt.

1457003578_021

Die russischen Straßen: immer wieder Objekt der Spottlust.

1461231048_001

Pack die Badehose ein…

1462340331_00_1

Wann schaffst Du Dir nur endlich einen Kerl an?

1339670998_kollekciya-demov-prikolov-32

Ein ganzer Kerl!

медецинские_приколы_в_фото_twolove_ru_21

Sexopathologe: Den Hintereingang freihalten.

dem_20

Die Gentlemen sind noch nicht ausgestorben.

1444773723_05

Wenn die Kreativität mit den Zimmermädchen durchgeht.

633674_eto-zhe-rossiya

Das ist halt Rußland!!! Damit es bloß nicht geklaut wird…

Humor

Leben in Zeiten der Sanktionen: Und morgen bringt man uns alle ins Krematorium.

Humor 1

Der neueste Brüller: Auf eine Anfrage an Dmitrij Medwedjew, ob nicht bedürftige Rentner auf der Krim mehr Unterstützung erhalten könnten, gab der Ministerpräsident in einer Regierungsverordnung offiziell zur Antwort: „1. Kein Geld vorhanden. 2. Halten Sie dort durch. 3. Ihnen alles Gute, beste Laune, Gesundheit.“ Nun kursieren im Internet bereits alle möglichen Memes wie etwa obiges Formular einer Rechnung für Mietnebenkosten mit dem Vermerk: „Kein Geld vorhanden, aber halten Sie dort durch.“

 

 

Read Full Post »


Noch gibt es keinen echten „Italiener“ in Wladimir, aber immerhin behaupten die jungen russischen Wirte des „Frankie Fapp“, bei ihnen gebe es die erste richtige neapolitanische Pizza in der Partnerstadt zu genießen. Als Blickfang setzen die Wirte Mitte März auf die Bank vor ihrem Schnellrestaurant in der Hauptstraße einen rotzfrechen Lümmel aus Bronze, angeblich der historischen Figur des Franco Fappiano nachgebildet, der es im Amerika der 30er Jahre als Emigrant als Pizzabäcker und Mafioso rasch zu freilich vergänglichem Wohlstand gebracht haben soll.

foto_sculptboy

Folgt man einer Meldung des Staatlichen Wladimirer Lokalsenders vom 1. April, den die Blog-Redaktion – man sehe es ihr großmütig nach – leider erst jetzt zur Kenntnis nehmen konnte, nehmen freilich immer mehr anständige Bürger Wladimirs Anstoß an dem Flegel mit der Steinschleuder in der Hand. Mittlerweile habe sich sogar bereits die Zivilgesellschaftliche Kammer mit dem Kunstwerk zweifelhafter moralischer Natur beschäftigt, schließlich wolle niemand das historische Zentrum der alten russischen Hauptstadt zum Scherbenviertel und Treffpunkt von Rabauken und Halbstarken verkommen sehen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Buch in der Hand anstelle der Waffe? Solle man wirklich kapitulieren vor dieser zur fragwürdigen Kunst geronnenen Verherrlichung von Straßenkriminalität? Wer schon wolle sich neben eine derart mißratene Figur setzen, sich ihr sozusagen gleichsetzen?

DSC02450

Hört man auf die schweigende Mehrheit, wünscht die sich nun einen anständigen jungen Pionier auf der Bank – mit einem einladenden Lächeln statt dem herausfordernden Grinsen des Tunichtgut. Das Grummeln im Volk blieb auch den Kommunalpolitikern nicht verborgen. Und so macht man sich im Rathaus zu Wladimir tatsächlich Sorgen um das touristische Image der vom Fremdenverkehr so abhängigen Stadt. Negativschlagzeilen wünscht sich da niemand. Andererseits möchte man auch niemand der künstlerischen Freiheit Einhalt gebieten. Abstimmen soll deshalb Volkes Sitzfleisch. Bleibt der Spitzbube weiter so alleine auf der Bank, wie hier zu sehen, wandert er ins Archiv oder gar in den Schmelzofen, lassen sich aber Einheimische und Besucher mit ihm zusammen sehen und gar ablichten, darf er bleiben, erhält er eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis. Die Pizzeria soll sogar dem ersten Gast aus Erlangen, der sich mit der strittigen Figur zusammen zeigt, freie Bewirtung zugesagt haben. Großes Ganovenehrenwort!

Read Full Post »


Durchaus bisweilen kontroverse Reaktionen auf die wutmaßlich humorvolle Seite des Blogs machen immer wieder klar, wie ernst man in der Hitze Witze nehmen kann. Da tut es gut, ein wenig abzukühlen und sich selber auf den Zahn zu fühlen, denn es ist, folgt man Fjodor Dostojewskij, „ein schlimmes Vorzeichen, wenn man aufhört, Ironie, Allegorie und Scherze zu verstehen“. Versuchen wir es deshalb heute mit Liza Kos, einer „deutsch-russischen Komikerin, die in verschiedene Rollen schlüpft“, mit einer „Frau, die nicht immer weiß, wer sie ist“, aber mit ihrem Programm zwischen Öcher Platt und slawischem Slang, vorgetragen gern auch auf Kiezdeutsch, ihren Beitrag zur „Intrigation“ leistet und dabei selbst einen Heidenspaß hat. Wer also schon immer einmal wissen wollte, was Russinnen an deutschen Männern zum Lachen finden, und warum die Begegnung mit deutschen Frauen für Russen einen Kulturschock auslösen kann, klicke hier: http://is.gd/jAtHNQ

Liza Kos

Liza Kos

Die Autorin, über die man unter http://www.lizakos.de mehr erfährt, als einem lieb sein kann, versteht sich übrigens auch auf das nachdenkliche Metier – ohne den Wettlauf um die rascheste Pointe, nachzulesen unter https://kosliza.wordpress.com. Nichts für ungut also und frei nach Karl Valentin: „Sie wissen ja: Sie sind auf den Blog nicht angewiesen, sondern der Blog auf Sie. Merken´s Ihnen des!“ Das zumindest meint kein Miesepeter.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: