Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Humanitäre Hilfe / Rot-Kreuz-Zentrum’ Category


Gestern begleiteten Verwandte, Angehörige und Freunde eine großartig den Menschen zugewandte Frau auf ihrem letzten Weg, ganz im Geiste des Psalms „Befiehl dem Herrn deine Wege, er wird’s wohl machen“, den sie noch selbst für ihre Trauerfeier – ebenso wie die Lieder – ausgewählt hatte. Dabei machte Lieselotte Rossa, mit 92 Jahren im Kreis der Familie verstorben, sicher vieles wohl im Leben – eher im stillen und verborgenen, dafür mit ungeteilter Aufmerksamkeit und behutsamem Feingefühl, stets unterstützt vom Serviceklub „Inner Wheel“, an dessen Gründung sie 1993 mitgewirkt hatte. Vielen kam dieses Wohl zugute, in Erlangen vor allem alten Menschen, in Wladimir vornehmlich alleinerziehenden Müttern.

Lieselotte Rossa

Es war 1999, als Lieselotte Rossa, mit 20 Jahren aus der Kleinstadt Johannisburg im ermländischen Masuren vor der Roten Armee geflohen, einen Kreis von etwa einem Dutzend Familien ins Leben rief, die monatlich einer jungen Familie in der Partnerstadt einen individuell festgelegten Betrag zukommen ließen. Um gegenseitige Abhängigkeiten und Verpflichtungen zu vermeiden, vereinbarte man Anonymität, die Verteilung der Spenden übernahm der Wladimirer Kinderschutzbund je nach Bedürftigkeit. Bis heute gibt es aus diesem Kreis Überweisungen für Wladimirer Mütter in Not. Auch über ihren Tod hinaus also wirkt nach, was Lieselotte Rossa zu ihren Lebzeiten wohl gemacht. Dennoch: Der Weggang dieser Wohltäterin schmerzt – auch weil die Verstorbene jener Generation angehörte, die Krieg, Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erlebten und dennoch in sich die Kraft fanden, nicht im Zorn zurückzublicken, sondern die Verständigung mit dem einstigen Feind zu suchen, ihm die Hand zu reichen. Dieses Vorbild, Versöhnung zu leben, wird ebenso fehlen wie der Mensch Lieselotte Rossa. Wer sie kannte, wird ihr ein dankbares Gedächtnis bewahren.

Read Full Post »


An der Spitze des Russischen-Rot-Kreuz-Ortsverbands Wladimir hat sich ein reibungsloser Wechsel vollzogen. Die bisherige Leiterin, Olga Dejewa, der das Rote Kreuz in der Partnerstadt einen überaus gelungenen Neustart verdankt, konnte ihr Amt als Vorsitzende nach der Wahl zur Oberbürgermeisterin im Herbst 2015 nicht länger wahrnehmen und übertrug diese ehrenamtlichen Aufgaben zunächst an ihre Stellvertreterin, Irina Sokolowa, die mittlerweile die Geschicke der Hilfsorganisation auf regionaler Ebene lenkt, nachdem nun in Olga Antropowa eine Nachfolgerin für die Geschäftsführung des Ortsverbandes gefunden ist. Mit der Direktorin der mehr als einhundert Jahre alten Berufsfachschule für Krankenpflege mit mehr als eintausend Ausbildungsplätzen steht nun eine überaus erfolgreiche Frau an der Spitze des Wladimirer Roten Kreuzes, machen doch so gut wie alle Krankenschwestern, Hebammen und Kräfte in den Bereichen Zahntechnik sowie Pharmazeutik – jährlich mehr als eintausend – in der Partnerstadt ihren Abschluß an diesem Institut. Mehr noch: Auch 600 bis 800 Mediziner – alle fünf Jahre müssen sie eine Fortbildung machen – erhalten hier Jahr für Jahr ihre Zertifizierungen. Im vergangenen Jahr kam dann auch noch eine überregionale Anerkennung mit der Aufnahme in die Liste der besten einhundert Lehreinrichtungen landesweit. Seit mehr als zehn Jahren gibt es einen Austausch mit der Universität von Illinois (Wladimir ist Partnerstadt von Bloomington-Normal, unweit von Chicago gelegen), während die Zusammenarbeit mit der tschechischen Partnerstadt Aussig an der Elbe, Ústí nad Labem, leider zum Erliegen kam. Doch schon zeichnet sich eine neue Kooperation mit Jena ab, von der Ende des Monats zu berichten sein wird. Hier nur so viel: Die Vorarbeiten verlaufen ausgesprochen vielversprechend.

Olga Antropowa, Irina Chasowa und Olga Dejewa

Olga Antropowa, Irina Chasowa und Olga Dejewa

 

Am Mittwoch nun konnte Irina Chasowa, Direktorin des Erlangen-Hauses, im Beisein von Oberbürgermeisterin, Olga Dejewa, 600 Euro an Olga Antropowa übergeben, eine Spende des Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir, bestimmt für die Versorgung der noch aus dem Vorjahr übernommenen Patienten des Programms „Häusliche Pflege“. Dieses bisherige „ambulante Hospiz“ soll nun seitens des Wladimirer Roten Kreuzes eine neue Stufe erreichen, indem Angehörige von schwerkranken Menschen eine Grundausbildung in der Pflege erhalten, handwerklich wie psychologisch. Wie das gelingen kann? Dazu gibt es schon viele Vorstellungen, etwa mit der Gründung eines Vereins „Pflegeschule“, wo auch Freiwillige aus der Berufsfachschule oder angehende Mediziner Praktika ableisten können und ihre Kenntnisse an die pflegenden Angehörigen weitergeben. Olga Antropowa hat sich darüber hinaus schon der Unterstützung durch die deutsche Hartmann-Gruppe versichert, die auch in Wladimir mit ihren Produkten für Medizin und Pflege vertreten ist. Noch läuft die Werbung von Mitgliedern für den Verein über die Medien, ab März dann gibt es monatlich bis Jahresende Fachvorträge und Schulungen zu Themen der Pflege. Wenn so viel Gutes getan wird, kann auch die Stadtverwaltung Wladimir nicht umhin, Unterstützung zu geben – in Form eines Zuschusses in Höhe von 50.000 Rubel, der Übernahme der Miet- und Nebenkosten für Räumlichkeiten sowie der Anschaffung des notwendigen medizinischen Geräts. Bei all dieser Selbsthilfe wird es sicher auch aus Erlangen noch weitere Unterstützung über die 600 Euro hinaus geben, sei es, um den Lehrkräften eine Anerkennung zukommen zu lassen, sei es, um weiteres Unterrichtsmaterial anschaffen zu können oder Fortbildungen zu übernehmen, vielleicht auch – in besonders schweren Fällen – Patenschaften für Familien. Es gibt jedenfalls noch viel Gutes zu tun – gemeinsam.

Read Full Post »


Valeria und Stella haben sich bestens präpariert: Im Wechselgesang tragen sie in makellosem Russisch vor, wie die Klasse 4c der Heinrich-Kirchner-Schule im Advent mit dem Pausenverkauf von Leckereien und Kuchen richtig viel Geld für das Kinderkrankenhaus in Wladimir eingenommen hat: insgesamt 210 Euro.

Valeria und Stella mit der Spende

Valeria und Stella mit der Spende

Die Schüleraktion, von Klassenlehrerin Christine Delfs im Jahr 2000 ins Leben gerufen, gehört immer zu den bewegendsten Momenten in Diensten der Städtepartnerschaft. So auch gestern gleich in der ersten Unterrichtsstunde, wenn die Kinder, noch ganz frisch und aufgeweckt, es gar nicht erwarten können, mit ihren von Jahr zu Jahr und von Klasse zu Klasse immer wieder anderen und neuen Fragen zu Wladimir und dem dortigen Kinderkrankenhaus vom „Gastlehrer“ aus dem Rathaus aufgerufen zu werden.

Christine Delfs mit ihrer 4c

Christine Delfs mit ihrer 4c

Unerwartet dieses Mal das große Interesse am Schüleraustausch, für den die Jahrgangsstufe natürlich noch zu jung ist, und die Frage, ob es ähnliche Aktionen denn auch an anderen Erlanger Schulen gebe. Schön wäre es ja, allerdings ist davon dem Chronisten bisher nichts bekannt. Aber, wer weiß, vielleicht nimmt sich ja einmal noch jemand ein Beispiel an der großartigen Spendenaktion der Klasse von Christine Delfs, von der hier mehr zu lesen ist: https://is.gd/pC5y28

Read Full Post »


1907 erschienen in Jena Lew Tolstojs „Gedanken über die Volksbildung“ in deutscher Sprache, ohne allerdings zunächst größeren Einfluß auf die westliche Pädagogik zu gewinnen. Reformschulen freilich machten sich die Überlegungen des großen russischen Dichters und Denkers durchaus zueigen:

Alle sind sich darüber einig, daß die Schulen unvollkommen sind (ich bin sogar überzeugt, daß sie schädlich sind). Alle sind sich einig, daß sie noch sehr der Verbesserung bedürfen, und daß diese Verbesserungen darin bestehen müssen, den Schülern das Lernen zu erleichtern. Jeder gibt zu, daß man zu diesem Zwecke die Bedürfnisse der Kinder im Alter der Schulpflicht studieren muß, sowie überhaupt die Bedürfnisse eines jeglichen Standes im besonderen. Was geschieht aber, um dieses schwere und komplizierte Studium zu ermöglichen? Schon seit vielen Jahrhunderten wird eine jede neue Schule nach dem Muster aller bisherigen Schulen eingerichtet, die ihrerseits wiederum nach dem Muster noch früherer Schulen eingerichtet waren, und in jeder dieser Schulen ist das höchste Gesetz: die Disziplin; es ist den Schülern verboten zu reden, zu fragen, sich den einen oder den andern Lehrgegenstand selbständig zu wählen – mit einem Wort, es sind alle Maßregeln getroffen, damit der Lehrer sich keinen Begriff von den besonderen Bedürfnissen der einzelnen Schüler bilden kann.

hsk-5
Die auf dem Prinzip des Zwanges beruhende Einrichtung der Schule schließt jede Möglichkeit eines Fortschritts aus; und wenn man denkt, wieviel Jahrhunderte schon hingegangen sind, seit man sich bemüht, den Kindern Fragen zu beantworten, die sie niemals stellen, und wie weit unser heutiges Geschlecht von der alten Form der Bildung entfernt ist, die man heute noch der Jugend eintrichtert, so kann man kaum begreifen, wie sich unsere Schulen überhaupt noch halten können. Die Schule sollte doch ein Mittel zur Bildung und zugleich eine Stätte sein, die uns neue Erfahrungen über unsere Jugend vermittelt, und zu neuen Erkenntnissen über sie hinleitet. Erst wenn die Erfahrung zur Grundlage der Schule gemacht werden wird, erst wenn die Schule sozusagen ein pädagogisches Laboratorium geworden ist, dann erst wird die Schule nicht hinter dem allgemeinen Fortschritt zurückbleiben und dann wird auch die Beobachtung imstande sein, feste Grundlagen für die Wissenschaft der Erziehung zu schaffen.

hsk-4

Was der Autor von „Krieg und Frieden“ oder „Anna Karenina“ als Ziel der Schulbildung begriff, kann man erfahren, wenn man – wie am vergangenen Dienstag – den Pausenverkauf in der Heinrich-Kirchner-Schule für das Kinderkrankenhaus Wladimir miterlebt. Die Schulkinder gestalten selbst eine Aktion, schaffen sich ihr eigenes „Laboratorium“, wo sie all die Elemente zusammenmischen, die sie und wir alle einmal für den „allgemeinen Fortschritt“ benötigen, sie bilden einen Raum des Miteinander, des Mitwirkens – und das im Rahmen eines Marktes, dessen Gesetze nicht auf Verdrängung und Gewinnmaximierung gerichtet sind, sondern das Gemeinwohl im Auge haben, wo jeder nach seinen besonderen Bedürfnissen und Fähigkeit aktiv ist und als willkommene Nebenwirkung auch noch etwas Gutes tun kann.

Christine Delfs mit ihren

Christine Delfs mit ihren „Pausenkindern“

Es ist Christine Delfs wieder einmal zu danken, wenn diese Hilfsaktion für kranke Kinder in Wladimir auch in diesem Advent fortgesetzt wird, eine wohltätige Initiative der Lehrerin, die früh dazu erzieht, auch die Bedürfnisse anderer im Auge zu haben und über die Grenzen des eigenen engeren Umfeldes hinaus zu handeln. Man kann es nicht oft genug sagen: besonders wichtig gerade in unseren Zeiten der fortschreitend regressiven nationalen wie individuellen Selbstbegrenzung.

Bilder: Doris Hinderer

Read Full Post »


Was wir an Gutem erhalten wollen, müssen wir immer wieder ändern, anpassen, verbessern. So banal diese Erkenntnis sein mag, so schwer fällt ihre Umsetzung im privaten Bereich wie im Berufsleben oder in der Politik. Auch ein Lernprozeß im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir. So war zum Beispiel der Blaue Himmel von Beginn an der Psychiatrie direkt unterstellt, auch wenn sich die Einrichtung für verhaltensauffällige und psychisch behinderte Kinder etwa 40 km außerhalb der Partnerschaft befindet. Nun wurde von der regionalen Gesundheitsbehörde beschlossen, das Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik an das in unmittelbarer Nähe befindliche Sanatorium für Veteranen anzugliedern. Zunächst befremdlich für die Gäste, dann aber durchaus einleuchtend, weil durch die Nachbarschaft zu dem Altenheim etwa die Verpflegung der jungen Patienten durch die eigene Küche wesentlich vereinfacht wird. Wolfram Howein, der noch bis Samstag in Wladimir bleibt, will sich deshalb die Zeit nehmen, mit der neuen Leitung zu sprechen.

Wolfram Howein und Alexander Bersenjew

Wolfram Howein und Alexander Bersenjew

Doch der seit 1997 bestehende Kontakt zu Alexander Bersenjew soll darunter nicht leiden. Im Gegenteil. Der Chefpsychiater der Region Wladimir, auf dessen Initiative hin der Blaue Himmel entstand, wünscht sich eine Wiederbelebung der Fachkontakte zu den Kollegen von der FAU, wichtig für ihn, da er doch selbst an der Staatlichen Universität lehrt.

Wolfram Howein, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Dejewa, Irina Sokolowa, Wladislaw und Peter Steger

Wolfram Howein, Wjatscheslaw Kartuchin, Olga Dejewa, Irina Sokolowa, Wladislaw Poldjajew und Peter Steger

Neue Wege geht auch das Rote Kreuz in Wladimir – zusammen mit den Partnern aus Erlangen. Nachdem die Finanzierung der beiden Projekte „Erste Hilfe“ und „Häusliche Pflege“ demnächst ausläuft – allein im Rahmen des letztgenannten Programms erhielten fast 40 Patienten Unterstützung in ihrem letzten Lebensabschnitt -, will man nun mehr auf eigene ehrenamtliche Kräfte setzen. Irina Sokolowa, Vorsitzende des Roten Kreuzes auf Ebene der Region und schon in den 90er Jahren aktiv in der Kooperation mit dem BRK Erlangen-Höchstadt, stellt sich vor, daß junge Leute aus der Fachschule für medizinische Berufe zum einen etwa in Ferienlagern Kindern und Jugendlichen altersgerecht die Grundlagen einer gesunden Lebensführung näherbringen, während eine andere Gruppe mit Angehörigen die häusliche Pflege von Palliativpatienten einüben soll, unterstützt von der Stadtverwaltung, die mietfrei Räume zur Verfügung stellt. Man glaubt so, mit noch weniger Finanzen mehr Menschen in diese erfolgreich mit dem Erlanger Förderverein Rotes Kreuz Wladimir entwickelten Programme einbinden zu können. Ein Ansatz, der überzeugt, weil er rasch zu einer eigenständigen Finanzierung und Weiterentwicklung der Arbeit führen kann. Ganz im Sinne des Mottos: Hilfe zur Selbsthilfe. Sehr zur Freude von Olga Dejewa, die in ihrer Zeit vor der Wahl zur Oberbürgermeisterin die Rot-Kreuz-Zusammenarbeit wiederbelebt hatte und jetzt zusammen mit Wjatscheslaw Kartuchin, dem Leiter der Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, ein neues Forum ins Leben ruft, das den Austausch noch weiter intensivieren soll. Doch davon an anderer Stelle bald mehr.

Witalij Gurinowitsch, Maria Rodina, Irina Chasowa und Igor Konyschew

Witalij Gurinowitsch, Maria Rodina, Irina Chasowa und Igor Konyschew

Auch hinsichtlich der russischen Variante des Buches „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ tun sich unerwartete Perspektiven auf. In einem Gespräch mit Igor Konyschew, dem erst seit einem halben Jahr amtierenden neuen Direktor des Regionalmuseums, und seiner Stellvertreterin für wissenschaftliche Arbeit, Maria Rodina, gelingt es dem Historiker Witalij Gurinowitsch und Irina Chasowa, der Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, rasch das Wesen der Publikation und ihre Bedeutung für die lokale Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit darzustellen. Die Fachleute sind sich einig: Der im Dezember 2015 in Erlangen erschienene Band soll nach Möglichkeit mit photographischem Material aus dem Archiv ergänzt und im Rahmen einer Ausstellung zum Thema Kriegsgefangenschaft in den Räumen des Museums präsentiert werden, – voraussichtlich dann freilich erst im Frühjahr. Bis dahin hat Igor Konyschew dann möglicherweise sogar schon seinen Antrittsbesuch in Erlangen gemacht. So wie er anpackt, ist das durchaus zu erwarten.

Igor Schamow, Eduard Sirko, Julia Alexandrowa und Jelena Tschilimowa

Igor Schamow, Eduard Sirko, Julia Alexandrowa und Jelena Tschilimowa

Der Aufschub gibt aber auch dem Übersetzungstrio mehr Zeit, an den Texten zu feilen, und Altoberbürgermeister Igor Schamow kann vielleicht weitere Sponsoren für das Projekt gewinnen, von dem die russische Seite glaubt, es gebe landesweit keine vergleichbare deutsch-russische Veröffentlichung über die Kriegsgefangenschaft.

Dieter Kümpers, P. Anatolij, Maria Fedotowa und Peter Steger

Dieter Kümpers, Anatolij Seida, Maria Fedotowa und Peter Steger

Aus der Fülle der Begegnungen den ganzen Tag über sei nur noch das Treffen von Dieter Kümpers mit dem Geistlichen, Anatolij Seïda, dem spirituellen Leiter des orthodoxen Pilgerzentrums, und seiner geschäftsführenden Tourismusexpertin, Maria Fedotowa, erwähnt. Hier, noch im 19. Jahrhundert als Siechenhaus neben der Erzengel-Michael-Kirche mit Blick über die Altstadt erbaut, hat man nicht nur mehr als ein Jahrzehnt wertvolle Erfahrung mit Gästen – 50 Betten für einfachste Ansprüche stehen zur Verfügung – gesammelt, sondern man ist auch bereit, mit dem Projekt der Rosenkranzgemeinde zusammenzuarbeiten und etwa die erarbeiteten Exkursionen zu heiligen Stätten in der ganzen Region mit den Katholiken zu teilen. „Wenn wir Christen über alle konfessionellen Grenzen hinweg nicht offen aufeinander zugehen und zusammenhalten, wer soll es dann tun?“ fragt der Geistliche, der nebenher auch noch landwirtschaftliche Eigenversorgung betreibt, mit einem Lächeln in die Runde, zeigt den Besuchern frischgeschlüpfte Küken und beschenkt sie zum Abschied mit Wachteleiern. Besser hätte das Dieter Kümpers vom Verein der christlichen Hoteliers auch nicht ausdrücken können, der natürlich auch interkonfessionell denkt und im Geist der Ökumene agiert. Ermutigend also nicht nur für das Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde, sondern überhaupt eine schöne Wendung für all die vielen Windungen der Wege zwischen Erlangen und Wladimir.

Read Full Post »


Am 14. November 1914, dem Geburtstag von Zarin Maria Fjodorowna, die über das Russische Rote Kreuz die Patronage innehatte, wurde dieses erste Krankenhaus in Wladimir eröffnet, erbaut aus Mitteln des Russischen Roten Kreuzes sowie mit Hilfe von Spenden. Schirmherrin über das Hospital mit 25 Betten wurde die Großfürstin Jelisaweta Pawlowna. Mittlerweile hat die Unfallklinik, unweit vom Rathaus gelegen, Platz für 444 Patienten und erfreut sich eines guten Rufes, nicht zuletzt auch wegen einer immer besseren medizintechnischen Ausstattung, vor allem aber dank der guten Ausbildung ihrer Ärzte. Einer von ihnen, Michail Tjukarkin, war denn auch Pionier der Medizinkontakte und besuchte bereits Ende der 80er Jahre Erlangen.

Rot-Kreuz-Krankenhaus Wladimir

Rot-Kreuz-Krankenhaus Wladimir

Seither herrscht ein reger Austausch mit diesem Krankenhaus, das auch immer wieder humanitäre Hilfe aus Erlangen erhielt, zuletzt vor zwei Jahren die Betten aus der Chirurgie des Universitätsklinikums. Und nun das: Für 40 Millionen Rubel, also etwa eine halbe Million Euro, eine Generalsanierung – innen wie außen -, die sich sehen lassen kann.

Patientin des Rot-Kreuz-Krankenhauses in einem Bett aus Erlangen

Patientin des Rot-Kreuz-Krankenhauses in einem Bett aus Erlangen

Im Bericht des Senders Gubernia 33 loben Patienten die spürbare Verbesserung der Ausstattung – bis hin zu den sanitären Anlagen.

OP im Rot-Kreuz-Krankenhaus

OP im Rot-Kreuz-Krankenhaus

Vor allem aber auch die medizintechnische Ausstattung konnte wesentlich modernisiert werden, neue Leitungen sind verlegt. Wichtig für ein Krankenhaus, wo jährlich um die 15.000 Patienten behandelt werden, 12.000 Operationen zu machen sind und mehr als eine Million Untersuchungen stattfinden.

Diagnostikzentrum im Rot-Kreuz-Krankenhaus

Diagnostikzentrum im Rot-Kreuz-Krankenhaus

Besonders wichtig aber: Das Dach tropft nicht mehr, und die Stationen machen einen fast musealen Eindruck, sind licht und hell geworden, erfreuen Auge und Herz.

Station des Rot-Kreuz-Krankenhauses

Station des Rot-Kreuz-Krankenhauses

Jewgenij Jaskin, ärztlicher Leiter des Krankenhauses, kann stolz auf den Erfolg sein. Als er 2005 die Klinik übernahm, erinnerte der bauliche Zustand, wie er selbst sagt, an ein „baufälliges Nachtasyl“. Es ließ es sich nicht anmerken, aber peinlich war es ihm schon immer, wenn er Kollegen aus Erlangen wie Werner Hohenberger oder Ignaz Schneider empfing.

Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses

Jewgenij Jaskin, ärztlicher Direktor des Rot-Kreuz-Krankenhauses

Das ist nun vorbei, nun bleibt nur noch ein Mißstand zu beheben: der Ärztemangel. Besonders in der Kardiologie und Endokrinologie fehlen Kollegen, und so müssen die vorhandenen Mediziner oft eineinhalb oder gar zwei Stellen abdecken.

Jelena Solowjowa, Ärztin am Rot-Kreuz-Krankenhaus

Jelena Solowjowa, Ärztin am Rot-Kreuz-Krankenhaus

Na ja, und die Röntgenabteilung würde man demnächst auch noch gern erneuern, und ein MRT-Gerät bräuchte man dringend.

Historische Fassade des Rot-Kreuz-Krankenhauses

Historische Fassade des Rot-Kreuz-Krankenhauses

Aber jetzt darf man sich erst einmal über das Erreichte freuen, und der Blog wünscht weiter viel Erfolg.

 

Read Full Post »


Olga Dejewa, seit Ende September vergangenen Jahres Oberbürgermeisterin von Wladimir, kennt Erlangen bereits von einem Besuch im Januar 2013 her, als sie sich, zusammen mit der damaligen stellvertretenden Bürgermeisterin, Jelena Owtschinnikowa, darüber informierte, wie hier das Rettungswesen, die Drogenberatung, die Obdachlosenhilfe oder auch die medizinischen Dienste und das Hospizwesen organisiert sind. Nicht von ungefähr, denn Olga Dejewa hatte seinerzeit eine Doppelfunktion zu erfüllen, als hauptamtliche Leiterin des Wladimirer Sozialwerks zum einen und als ehrenamtliche Vorsitzende / Geschäftsführerin des Ortsverbands des Russischen Roten Kreuzes zum andern.

Olga Dejewa

Olga Dejewa

Nun macht Olga Dejewa vom 20. bis 26. April, begleitet von Irina Chasowa, der Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses, ihren Antrittsbesuch als Stadtoberhaupt und will den Aufenthalt dazu nutzen, neben den offiziellen Begegnungen auch mit Aktiven aus der Bürgerpartnerschaft sowie mit den Mitgliedern der drei Partnerschaftsvereine – Rotes Kreuz, Nadjeschda und Freundeskreis – und allgemein an der Städtefreundschaft Interessierten ins Gespräch zu kommen. Dazu bietet sich, moderiert von Dieter Rossmeissl, Referent für Bildung, Kultur und Jugend, Gelegenheit am Freitag, den 22. April, ab 19.00 Uhr im Club International der Volkshochschule, Friedrichstraße 17 – natürlich bei freiem Eintritt.

Olga Dejewa und Irina Chasowa

Olga Dejewa und Irina Chasowa

Eine Gelegenheit nicht nur für die Gäste, die Vielfalt der Zusammenarbeit kennenzulernen, sondern auch für die Erlanger, davon zu hören, wie sich Olga Dejewa die weitere Entwicklung der Städtepartnerschaft vorstellt. Und sicher wird sie auch einen Rückblick auf ihre eigene zivilgesellschaftliche Arbeit aus der Zeit vor ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin geben, aus den gut vier Jahren, in denen es ihr gelungen ist, das Rote Kreuz in Wladimir wieder zu einer funktionstüchtigen und angesehenen Organisation zu machen. An Gesprächsthemen wird es an dem Abend gewiß nicht mangeln.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: