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Archive for the ‘Humanitäre Hilfe / Rot-Kreuz-Zentrum’ Category


So viel ist noch bei keinem Pausenverkauf in der Heinrich-Kirchner-Schule zusammengekommen, wie im Advent vergangenen Jahres: sage und schreibe 300 Euro. Nicht von ungefähr. Einer der Schüler der Klasse 4a verrät, wie sehr man sich angestrengt hat. „Wir haben dann auch noch in der zweiten Pause weiter verkauft und sind zu den anderen hingegangen und haben die Reste für die Hälfte verkauft. Bis nichts mehr übrig war.“

Der Geldbrief

Überhaupt diese Aktion von Christine Delfs – https://is.gd/1Sgmo1 – für das Kinderkrankenhaus Wladimir, die nun in das 19. Jahr geht. Einfach fabelhaft! Unter all den Fragen, die gestern in der ersten Unterrichtsstunde die Kinder – übrigens auch auf Russisch – an den Partnerschaftsbeauftragten stellten, sie hier nur eine wiedergegeben: „Was gefällt Ihnen am besten bei Ihrer Arbeit?“ – Welch eine Freude, darauf zu antworten: „Zu Euch in die Schule zu kommen und zu sehen, wie Ihr kranken Kindern in Wladimir helft…“

Christine Delfs mit Inessa und Anastasija

Aber dabei soll es heuer, im 35. Jahr der Partnerschaft, nicht bleiben. Die Kinder wollen das Schuljahr mit einer künstlerischen Aktion abschließen und mit ihren eigenen Bildern zeigen, wie sie sich Wladimir vorstellen, und aus dem Krankenhaus in der Partnerstadt kommen dann bestimmt auch kleine Kunstwerke, die man dann gemeinsam in der Heinrich-Kirchner-Schule zeigen kann. Auf diese Weise hätten wir dann auch etwas, das bisher im Programm des Jubiläumsjahrs und der Russisch-Deutschen Wochen noch fehlte: ein Kinderfest.

Die Klasse 4a mit Christine Delfs

Eine Frage sei aber doch noch nachgereicht. Ein Junge wollte wissen, worin sich denn die russischen Kinder unterscheiden. Das wäre ja auch einmal ein Thema für ein Partnerschaftsseminar in diesem Jahr. Einstweilen aber die Erinnerung an den Roman „Der Idiot“ von Fjodor Dostojewskij, der gestern vor 150 Jahren in Fortsetzungen zu erscheinen begann, und in dem man schon auf den ersten Seiten auf vorbehaltliche Unterschiede trifft, die bis heute zu gelten scheinen:

… Unter anderem erzählte er auch, als Antwort auf eine dieser Fragen, daß er allerdings schon längere Zeit, über vier Jahre, nicht in Rußland gewesen sei, und daß man ihn krankheitshalber – er sprach von einer sonderbaren Nervenkrankheit, ähnlich einer Epilepsie oder dem Veitstanz, die in Krämpfen und Zitteranfällen auftrat – ins Ausland gebracht habe. Der Schwarzhaarige lächelte mehrmals auffallend spöttisch, während der andere erzählte, und er lachte laut auf, als jener auf seine Frage, ob er denn dort auch geheilt worden sei, ganz offen antwortete: „Nein, ich bin nicht geheilt worden.“ – „Haha! Das konnt‘ ich mir denken, daß Ihr Euer Geld umsonst fortgeworfen habt! Und wir hier trauen denen immer noch!“ bemerkte der Schwarzhaarige gehässig. – „Da haben Sie ein wahres Wort gesagt!“ mischte sich ein schlecht gekleideter Herr ein, der neben ihm saß. Er mochte etwas von der Art eines im Amts- und Gerichtsschreibertum erfahrenen und gerissenen Beamten sein, vierzig Jahre zählen, war von kräftiger Statur, hatte eine rote Nase und ein finniges Gesicht. „Ein wahres Wort! Sie ziehen nur das ganze russische Geld zu sich hinüber, und wir haben das Nachsehen!“ – „Oh, was meinen Fall betrifft, so irren Sie sich sehr“, versetzte der in der Schweiz nicht geheilte Kranke in ruhigem und versöhnlichem Ton. „Natürlich kann ich Ihnen nicht grundsätzlich widersprechen; denn so genau kenne ich die Verhältnisse nicht. Mein Arzt jedoch hat mir von seinen geringen Mitteln noch das Geld zur Reise gegeben, und außerdem hat er mich dort fast zwei Jahre lang auf seine Rechnung unterhalten.“

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Unübersehbar die bunten Plakate, gestern verteilt über das ganze Gebäude der Heinrich-Kirchner-Schule, die auf eine bereits seit 18 Jahren gepflegte Tradition hinweisen: Kinder spenden für Kinder.

HSK 3

Zunächst sammelten die Klasse von Christine Delfs an der Grundschule Taschengeld, später hatte die Lehrerin die Idee, den Erlös eines Pausenverkaufs an das Kinderkrankenhaus in Wladimir weiterzugeben. Eine Initiative, die jetzt, immer im Advent, fest zum Jahresrhythmus der Schüler in Büchenbach gehört.

Der Verkaufsstand mit Müttern und Schulleiterin Susanne Schmid sowie Christine Delfs

Natürlich nicht möglich ohne die fleißig helfenden Hände zu Hause, wo Eltern mit ihren Kindern all die süßen Happen und Leckerbissen für den Stand vorbereiten. Und auf den ist der Ansturm wieder einmal groß, ganz wie der erste Pausenhunger.

Dieses Mal ist freilich etwas anders. Die Kinder wurden nämlich selbst beschenkt – aus Wladimir mit Lebkuchen. Dahinter steckt eine wahre Weihnachtsgeschichte, die hier erzählt werden soll.

Das Kammerensemble der Philharmonie Wladimir, das am Sonntag nach dem letzten Konzert in Herzogenaurach noch am Abend mit viel Post aus Erlangen an Bord des bedingt fahrtüchtigen Kleinbusses in Richtung Heimat aufbrach, hatte schon gegen Mitternacht ein Panne – mit Ansage. Das Fahrzeug hatte es am Montag vergangener Woche mit einem Getriebeschaden gerade noch so bis Erlangen geschafft, aber es gelang in der Kürze der Zeit nicht, Ersatz zu finden. Während die WAB Kosbach den Gästen einen eigenen Wagen für die Zeit der Tournee bereitstellte, bemühte sich Adam Neidhardt in seiner Werkstatt, den VW-Bus wieder in Gang zu bringen, warnte allerdings, mit ihm die Heimreise anzutreten. Doch nach einer problemlosen Probefahrt auf der Autobahn entschied Igor Besotosnyj, das Wagnis einzugehen. Auf der Höhe von Dresden dann mit Knirschen und Krachen das Aus. Der Notruf in Erlangen ging um 0.30 Uhr ein, und am Montagmittag sah man sich auf dem Parkplatz kurz vor der Abfahrt Hermsdorf wieder. Wenigstens brauchte niemand in der frostigen Nacht frieren, denn der Motor lief ja noch, und der Tank war gut gefüllt. Trotzdem ein harter Schlag: Der herbeigerufene Abschleppdienst diagnostizierte einen irreparablen Getriebeschaden und versprach, sich um Ersatz zu bemühen. Doch wie sollte das Ensemble nach Hause kommen? In Sankt Petersburg erwartet man sie heute schon wieder auf der Bühne… Es gibt zwar eine Busverbindung von Dresden nach Moskau, auch Plätze wären noch frei, aber die Strecke führt über Riga, die Reise dauert fast vierzig Stunden, und mit all den Instrumenten und dem vielen Gepäck auch noch umsteigen? Bleibt nur der Nachtzug. Und da geht tatsächlich einer gegen halb neun, es sind sogar noch vier letzte Betten frei. Aber nicht ab Dresden, sondern ab Berlin. Da ist es gut, einen Bus des Stadtjugendamtes zur Verfügung zu haben, der die Gestrandeten rechtzeitig zum Bahnhof Ost bringt. Gute 20 Stunden später trifft das Trio, unterstützt von seinem technischen Begleiter, gestern abend in Moskau ein, erwartet von Musikerkollegen, mit denen es gleich weiter nach Sankt Petersburg geht, während die Post aus Erlangen wohl schon heute in der Partnerstadt zugestellt wird. Als kleines Zeichen der Dankbarkeit teilte das Ensemble seinen eisernen Proviant an Lebkuchen mit den Kindern von der Heinrich-Kirchner-Schule, nachdem die Künstler von der Aktion erfahren hatten.

Christine Delfs und die Lebkuchen aus Wladimir

Wie geht die Geschichte weiter? Das hängt auch ein wenig von den Lesern des Blogs ab. Seit 1989 tritt Igor Besotosnyj in wechselnder Besetzung mit seinem Ensemble regelmäßig in Erlangen auf und begeistert sein Publikum. Ohne eigenen Bus würde das in Zukunft schwieriger. Das Erlanger Rathaus half zwar bei der Panne und der Heimreise der Gruppe, kann aber nicht die Reparaturkosten in Höhe von geschätzt bis zu 3.000 Euro übernehmen, eine Summe, die für das Ensemble nur schwer zu finanzieren wäre. Die Geschichte könnte also ein richtig gutes Ende nehmen, wenn auf das Konto der Stadt Erlangen DE 797635 0000 0000 000031 mit dem Vermerk „0117537 – Pannenhilfe Wladimir“ der eine oder andere Betrag – gegen Spendenbescheinigung – einginge. Die musikalischen Gäste würden sich bestimmt im nächsten Jahr mit einem Galakonzert für das Weihnachtsgeschenk aus Erlangen bedanken.

 

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Gestern fand die Jahresversammlung des Fördervereins Rotes Kreuz Wladimir statt. Schwerpunkt der Unterstützung bleibt das Projekt „Häusliche Pflege“, nachdem nun an jeder Klinik in der Partnerstadt zwar eine Stelle für Palliativmedizin eingerichtet wird, aber noch längst nicht für alle Patienten ein Bett zur Verfügung steht. Mit Hilfe von medizinischem Fachpersonal und begleitet von Freiwilligen aus der Fachschule für Pflegeberufe betreut deshalb das Rote Kreuz Wladimir schwerkranke Menschen und berät die Angehörigen in allen Fragen der Betreuung.

Melitta Schön, Barbara Wittig, Petra Müller-Hillebrand, Jürgen Üblacker und Wolfram Howein

Auch wenn der Wirkungskreis (noch) nicht sehr groß ist – ein gutes Dutzend Patienten ist derzeit die Obergrenze des Leistbaren – nimmt sich das Rote Kreuz in der Partnerstadt doch eines bisher unterschätzten und kaum wahrgenommenen Problems von höchster gesellschaftlicher Relevanz an, dessen Bedeutung mittlerweile von der Gesundheitspolitik erkannt wird, abzulesen daran, daß sich an dem Programm auch eine Poliklinik beteiligt, die ambulant die medizinische Versorgung der Kranken gewährleistet. Erste wichtig-richtige Schritte also bei der Pflege für Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt. Schritte, die Erlangen und Wladimir gemeinsam tun. Wie sonst?!

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Die Leute, die sich rühmten, eine Revolution gemacht zu haben, haben noch immer am Tag darauf gesehen, daß die gemachte Revolution jener, die sie machen wollten, durchaus nicht ähnlich sah.

Friedrich Engels

Geschieht die Zertrümmerung des Staates durch revolutionäre Elemente, so wird der geschichtliche Kreislauf immer in verhältnismäßig kurzer Zeit zur Diktatur, zur Gewaltherrschaft, zum Absolutismus zurückführen, weil auch die Massen schließlich dem Ordnungsbedürfnis unterliegen.

Otto von Bismarck

Massenerschießungen sind ein legitimes Mittel der Revolution.

Wladimir Uljanow alias Lenin

Zum heutigen hundersten Jahrestag der „Oktoberrevolution“, die nichts anderes als ein Staatsstreich war, marschieren auch in Wladimir wieder alte und neue Kommunisten, die dem Dogma anhangen: „Lenin lebte, Lenin lebt, Lenin wird leben.“ Sie sollten lieber die Toten beklagen, die dessen „Diktatur des Proletariats“ auf dem blutroten Gewissen hat.

Als Kontrapunkt zum Schrecken der Geschichte heute eine Geschichte aus der Partnerschaft, die Menschlichkeit in diesen Gedenktag bringt:

Sascha, ein Waisenkind wie viele. Für mich aber ein besonderes. Er ist im selben Alter wie meine Tochter und begegnete mir bei meinem Praktikum in der Kinderpsychiatrie in Wladimir 2006. Mittlerweile ist er erwachsen, aber vielleicht auch schon nicht mehr am Leben. Wegen seiner unzähligen Ausbruchsversuche aus Waisenhäusern und Selbstmordversuche habe ich seine Spur verloren. Vergessen habe ich ihn nie.

Junge aus dem Waisenheim

Bei Besuchen in den russischen Heimen sah ich viele Kinder, deren Zukunft leider ebenso düster ausschaut. Seitdem hat sich aber schon viel getan. Es gibt viele Bemühungen von öffentlichen und privaten Stellen, die Situation der Kinder zu verändern. Ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Helfern macht es möglich, Spenden auch aus der Partnerstadt Erlangen direkt den Waisenhäusern in Wladimir als Sachwert zukommen zu lassen.

Auf dem Spielplatz

Dem Karl-Liebknecht Waisenhaus konnte dieses Jahr wieder eine private Spende überbracht werden. Anläßlich des Todes meines Vaters im vergangenen Jahr spendeten Freunde und Familienmitglieder einen erfreulichen Betrag. Hiermit konnten Sitzmöglichkeiten für den Garten und ein Motoriktuch für die pädagogische Arbeit angeschafft werden.

Anastasia Blasch bei der Spendenübergabe im Karl-Liebknecht-Waisenheim

Ein sehr, sehr großes Dankeschön geht hier an Anastasia Blasch, Peter Steger, Jelena Borisowna und  viele andere, die den Austausch zwischen Erlangen und Wladimir möglich machen.

Die Gefangenschaft meiner Großeltern in Sibirien, die sich dort kennenlernten, und die Erlebnisse meines Vaters in der Kriegsgefangenschaft haben tiefe Wunden hinterlassen. Dennoch konnte ich meinem Vater durch meine Reisen nach Wladimir und die vielen wertvollen Freunde das Land wieder näher bringen. Er war offen für meine Freunde und all die Eindrücke die ich sammeln durfte. Den Berichten von meinen Reisen folgte er mit großem Interesse. Wenn er uns sehen kann, wird er dieser Spende sein Lächeln schenken. Da bin ich mir ganz sicher.

Mein Vater

Es ist übrigens gar nicht so schwer, die Waisenhäuser zu unterstützen. Einfache Artikel, die für uns nur eine Kleinigkeit bedeuten, können den Waisenhäusern eine große Hilfe sein. Haarbänder, Socken, Toilettenpapier und Windeln werden reichlich benötigt. Bei der nächsten Reise nach Wladimir gibt es bestimmt noch einen Platz im Koffer für eine kleine Spende?

Christine Hubrach

Wer mit einer Geldspende helfen möchte, überweise seinen Betrag auf: Stadtsparkasse Erlangen, BIC/SWIFT-Code: BYLADEM1ERH, IBAN DE79 7635 0000 0000 0000 31, Empfänger: Stadt Erlangen, Verwendungszweck: EIN-HILFEWLAD-17/0117537 Waisenheim

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Montag, 7. August, Flug LH 2162 aus München ist fast pünktlich. Peter Steger und ich holen unsere Gäste aus Wladimir am Albrecht Dürer Airport in Nürnberg ab. Der Vorstand des Roten Kreuzes in Wladimir kommt mit seiner Vorsitzenden, Olga Antropowa. und ihrem Stellvertreter, Wladimir Prosor. auf Einladung des Erlanger Fördervereins zur Unterstützung des Roten Kreuzes in Wladimir zu einem intensiven Informationsbesuch nach Erlangen. Gemeinsam suchen wir nach neuen Ideen und Wegen, um die unzureichende häusliche Versorgung schwerkranker Menschen in Wladimir zu verbessern.

Hans Ziegler, Melitta Schön, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Nadja Steger

Am Dienstagmorgen geht es schon um 7.30 Uhr los. Als Dolmetscherin begleitet uns Anastasia Blasch, eine Wladimirerin, die seit zwei Jahren in Erlangen lebt. Wir fahren zum Roncallistift, wo die Gäste nach kurzer Einführung durch Adelheid Seifert (Leitung Pflege und soziale Dienste) direkt beim Pflegerundgang im Bereich des betreuten Wohnens dabei sein können. In den Diskussionen werden alle Aspekte in Zusammenhang mit der Pflegeversicherung in Deutschland behandelt, eine gute Grundlage für die weiteren Gespräche in den folgenden Tagen. Bemerkenswert schon hier, die herzliche Aufnahme und die umfassende Information durch die Mitarbeiter des Stifts, ein Eindruck, der sich in allen Folgeveranstaltungen wiederholt hat!

Anastasia Blasch, Adelheid Seifert, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

Am späteren Vormittag besuchen wir SAPVPalliativa (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung), eine gemeinnützige GmbH, gegründet vom Hospizverein Erlangen e. V. und dem Hausärzteverein Erlangen und Umgebung e. V.. Die Ärztin Anette Christian informierte uns gemeinsam mit einem Team ausführlich über das Leistungsangebot. In der angeregten Diskussion bleibt keine der vielen Fragen unbeantwortet. Begleitet wird die Diskussion von Jürgen Binder, einem Freund der Partnerschaft und Gründer des Hausärztevereins Erlangen und Umgebung.

SAPVPalliativa-Team mit Anette Christian (Mitte), Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Anstasia Blasch und Jürgen Binder (ganz rechts)

 

 

Nachmittags steht ein Besuch des Rot-Kreuz Altenheims in Etzelskirchen an. Sein Leiter, Jan Pyschny, gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer des BRK Erlangen-Höchstadt und Leiter der ambulanten Pflegedienste, erwartet uns. Auf der Terrasse am großen Garten seiner Einrichtung diskutieren wir Themen der stationären und ambulanten Pflege. Mit der „Dementen WG“ kommt eine für die Russen neue Idee aufs Tapet. Besonders beeindruckend ist für unsere Freude der Streichelzoo im Eingangsbereich des Hauses.

Anastasia Blasch, Wladimir Prosor, Jan Pyschny und Olga Antropowa

Über die Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen erfahren wir am Mittwochvormittag. Unser Ziel ist der Förderverein zur Unterstützung der Tagespflege am Martin-Luther-Platz e.V. Die Leiterin, Kristin Kalden, erwarten uns, und wir erleben, wie Menschen, die wegen ihrer eingeschränkten Fähigkeiten Hilfe benötigen, liebevolle und kompetente Zuwendung erfahren. Die Besucher kommen an vorher vereinbarten Tagen, meistens für den ganzen Tag. Ein Bus des BRK sorgt für den Transport. Die Kosten können z. T. mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden, der Verein braucht aber die Unterstützung seiner Mitglieder und anderer Spender. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen und häuslichen Atmosphäre der behindertengerecht ausgestatteten großen Wohnung und bekommen umfassende Antworten auf unsere Fragen.

Danach gehen wir zum Verein Dreycedern e.V. am Altstädter Kirchenplatz. Brigitta Hildner, im Verein verantwortlich für den Betreuungsbereich, hat ihre Mittagspause für uns geopfert und informiert umfassend über das Konzept der fachlich geschulten „Betreuungspaten“, ehrenamtlich tätige Menschen, die die Familien mit dementen Angehörigen durch Aufklärung und Beratung sowie durch stundenweise Unterstützung und Aktivierung zuhause entlasten. Umfangreiche Schulungsangebote und Gesprächskreise im Haus des Vereins runden das Angebot ab.

Brigitta Hildner, Wladimir Prosor, Olga Antropowa und Anastasia Blasch

Der Nachmittag gehört dem Roten Kreuz in der Henri-Dunant-Straße in Erlangen. Mit dem Vorstand und Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins diskutieren wir die bisherigen Aktivitäten in Wladimir und die Ziele für die noch zu vereinbarende Weiterarbeit. In der Diskussion sind wir uns einig: Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der zukünftigen Aktivitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Unterstützung durch den Förderverein.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prosor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Ein Ergebnis der bisherigen Aktivitäten in Wladimir sind Pflegekurse für Angehörige schwerkranker Menschen. Olga Antropowa berichtet über daraus entstandene neue Kontakte:

Wir arbeiten jetzt erfolgreich mit dem Institut für Justiz zusammen, wo Fachkräfte für den Strafvollzug und die Rechtsprechung ausgebildet werden. Unsere Pflegekurse finden dort großen Anklang und helfen sicher, die Versorgung von Patienten in Gefängnissen oder in U-Haft zu verbessern. Von diesem guten Beispiel ausgehend, planen wir jetzt auch eine Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren staatlichen und ehrenamtlichen Einrichtungen, die bisher alle nur eine Grundausbildung in Erster Hilfe erhalten. Ich denke, auch die Politik versteht zunehmend, wie wichtig unser Beitrag zum Gesundheitswesen ist.

Olga Antropowa, Melitta Schön und Wladimir Prosor

Abschließend gibt es einen Rundgang durch die Einrichtungen des Zentrums, dessen Umfang und technischer Stand tief beeindrucken.

Wladimir Prosor und Olga Antropowa auf dem Weg nach Jena

Das Regio-Ticket Franken-Thüringen bringt uns drei am Donnerstag ab 9 Uhr für nur 32 € nach Jena (hin und zurück), wo uns mittags am Bahnhof bereits Iwan Nisowzew, ein in Jena lebender Ingenieur aus Wladimir, und Robert Hebestreit, Pflegedirektion des Universitätsklinikums Jena, erwarten. Iwan wird die Rolle des Übersetzers übernehmen. Bei Pelmeni in einem russischen Bistro im Stadtzentrum kommt Peter Schreiber, der Vorsitzende des DRK-Kreisverband Jena-Eisenberg-Stadtroda e.V., hinzu. Mit ihm besuchen wir die Rettungsleitstelle Jena und die DRK-Rettungszentrale, wo unsere Gäste die neuesten technischen Einrichtungen der Notarztfahrzeuge bestaunen. Anschließend erfahren wir an der Schule Duolinga, wie das Rote Kreuz in Jena sogar eine zweisprachige Grundschule und insgesamt fünf Kindertagesstätten betreiben kann. Auf dem Parkplatz des DRK-Zentrums fallen die in Reih und Glied aufgestellten Kleinwagen des Pflegedienstes auf, in Wladimir müssen die Pflegekräfte bisher mit dem öffentlichen Personennahverkehr klarkommen! Peter Schreiber erläutert uns abschließend noch die Organisationsstrukturen seiner Einheit.

Peter Schreiber, Norbert Hebestreit, Olga Antropowa und Wladimir Prosor

In der abschließenden Diskussion mit Norbert Hebestreit und Iwan Nisowzew können noch Details der geplanten Folgebesuche und Kontakte mit dem Universitätsklinikum Jena geklärt werden, außerdem wird über mögliche Schulungen und Praktika russischer Pflegekräfte in deutschen Einrichtungen diskutiert. Dazu wären aber – wie bei der Zusammenarbeit mit der Wladimirer Psychiatrie – vorher Deutschkurse zu absolvieren. Voller Ideen und Eindrücke kommen wir gegen 21 Uhr wieder in Erlangen an.

Georg Meyer, Wolfgang Köstner, Melitta Schön, Olga Antropowa, Wladimir Prosor und Waldemar Wagner

Mit dem Freitagvormittag endet das Informationsprogramm. Wir fahren zum Hospizverein Eckental und Umgebung e.V., wo uns der Vereinsvorstand mit Georg Meyer, Melitta Schön und Wolfgang Köstner sowie die Koordinatorin Frieda Meier erwarten. Waldemar Wagner, wieder ein Wladimirer der in Franken seine neue Heimat gefunden hat, unterstützt uns als Dolmetscher. Es geht hier um die Begleitung sterbenskranker Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt, nach Möglichkeit in häuslicher Umgebung. Ca. 40 ehrenamtliche, durch den Verein ausgebildete Hospizbegleiter haben in den letzten Jahren etwa 60 Patienten begleitet. Wir können uns ausführlich über die Arbeit des Vereins, der über eigene Räume verfügt, informieren. Ein Sonderthema ist die in der Russischen Föderation so nicht bekannte Patientenverfügung.

Zurück in Erlangen, erwartet uns ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Susanne Lender- Cassens, die als gelernte Krankenschwester die Gelegenheit nutzen will, den Austausch bei ihrem Besuch im September fortzusetzen.

Wladimir Prosor, Wolfram Howein, Olga Antropowa und Susanne Lender-Cassens

Nachmittags ist Sightseeing angesagt. Wieder unterstützt durch Anastasia Blasch, fahren wir nach Bamberg und erkunden die Altstadt, natürlich darf eine Rauchbierprobe im Schlenkerla nicht fehlen. Die Smartphones leisten als Fotoapparate Schwerstarbeit, und im Rosengarten der Residenz stoßen die Akkus an ihre Grenzen, es reicht aber noch für eine abschließende Fotoserie bei den Fachwerkfassaden am Forchheimer Rathaus im strömenden Regen!

Der Samstag stand dann für unsere Freunde aus Wladimir zur freien Verfügung. Sie berichteten am Sonntag über den schönen Tag in Nürnberg, als Peter Steger und ich Sie morgens um 6 Uhr zum Flughafen bringen. Eine Woche mit intensiven und neuen Eindrücken geht zu Ende, von der Wladimir Prosor meint, sie sei ihm vorgekommen wie ein ganzer Monat.

Es bleibt mir ein herzliches Dankeschön an alle, die an den Treffen teilgenommen und mitgeholfen haben. Ein besonderer Dank gilt Anastasia, Iwan und Waldemar, die als Dolmetscher ihre Freizeit für diesen Besuch geopfert haben. Bleibt zu hoffen, aus dem Besuch entstehen im Laufe der Jahre noch neue Ideen für die Aktivitäten des Roten Kreuzes in Wladimir.

Wolfram Howein

Was Wolfram Howein sich selbst nicht aussprechen kann, sei hier nachgeholt: Danke und спасибо für die Vorbereitung des Programms und die Begleitung durch die intensiven Tage. Die glücklichen Gäste werden es ihm nicht vergessen!

 

 

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Beide sind sie zum ersten Mal in Erlangen, und doch verbindet beide Gäste aus Wladimir eine lange und ganz persönliche Geschichte mit der deutschen Partnerstadt. Olga Antropowa brachte ihren Sohn 1994 zur Welt, als die russische Wirtschaft, insbesondere auch das Gesundheitswesen, am Boden lagen und die Aktion „Hilfe für Wladimir“ noch auf Hochtouren lief. Nicht einmal der Großvater des Jungen, der heute selbst Arzt ist, konnte als Leiter eines Krankenhauses helfen: Es gab einfach nirgends Babynahrung im Fall, daß Mütter nicht stillen konnten. „Wenn damals nicht die Hilfslieferungen aus Erlangen und das Bayerische Rote Kreuz gewesen wären… Wer weiß, ob ich den Kleinen durchgebracht hätte. Noch heute läuft es mir heiß und kalt über den Rücken, wenn ich daran denke“, erinnert sich die stellvertretende Leiterin der Berufsfachschule für Krankenpflege und seit einem Jahr ehrenamtliche Vorsitzende des Roten Kreuzes Wladimir.

Wolfram Howein, Olga Antropowa, Wladimir Prochor, Brüne Soltau, Melitta Schön, Jürgen Üblacker und Barbara Wittig

Wladimir Prochor ist seit 1965 mit dem Roten Kreuz in Wladimir verbunden und hatte eine Vielzahl von Leitungsfunktionen im Gesundheitswesen, später auch in der regionalen Verwaltung, inne. In den 90er Jahren allerdings, während der intensivsten Zeit der humanitären Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Erlangen-Höchstadt des BRK, war der gelernte Mediziner als stellvertretender Leiter des städtischen Gesundheitsamtes tätig und machte die ganzen Ausschreibungen für die Medikamente und Verbrauchsmaterialien, die vor Ort mit Spendenmitteln gekauft wurden, um sie dann an Wladimirer Krankenhäuser abzugeben. Seit fast zwanzig Jahren betreut Wladimir Prochor ehrenamtlich als Koordinator die Programme des Roten Kreuzes in der russischen Partnerstadt und steht nun Olga Antropowa als Stellvertreter zur Seite. Ein gutes Doppel, von dessen einwöchigen Arbeitsprogramm hier bald mehr zu lesen sein wird.

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Gestern begleiteten Verwandte, Angehörige und Freunde eine großartig den Menschen zugewandte Frau auf ihrem letzten Weg, ganz im Geiste des Psalms „Befiehl dem Herrn deine Wege, er wird’s wohl machen“, den sie noch selbst für ihre Trauerfeier – ebenso wie die Lieder – ausgewählt hatte. Dabei machte Lieselotte Rossa, mit 92 Jahren im Kreis der Familie verstorben, sicher vieles wohl im Leben – eher im stillen und verborgenen, dafür mit ungeteilter Aufmerksamkeit und behutsamem Feingefühl, stets unterstützt vom Serviceklub „Inner Wheel“, an dessen Gründung sie 1993 mitgewirkt hatte. Vielen kam dieses Wohl zugute, in Erlangen vor allem alten Menschen, in Wladimir vornehmlich alleinerziehenden Müttern.

Lieselotte Rossa

Es war 1999, als Lieselotte Rossa, mit 20 Jahren aus der Kleinstadt Johannisburg im ermländischen Masuren vor der Roten Armee geflohen, einen Kreis von etwa einem Dutzend Familien ins Leben rief, die monatlich einer jungen Familie in der Partnerstadt einen individuell festgelegten Betrag zukommen ließen. Um gegenseitige Abhängigkeiten und Verpflichtungen zu vermeiden, vereinbarte man Anonymität, die Verteilung der Spenden übernahm der Wladimirer Kinderschutzbund je nach Bedürftigkeit. Bis heute gibt es aus diesem Kreis Überweisungen für Wladimirer Mütter in Not. Auch über ihren Tod hinaus also wirkt nach, was Lieselotte Rossa zu ihren Lebzeiten wohl gemacht. Dennoch: Der Weggang dieser Wohltäterin schmerzt – auch weil die Verstorbene jener Generation angehörte, die Krieg, Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erlebten und dennoch in sich die Kraft fanden, nicht im Zorn zurückzublicken, sondern die Verständigung mit dem einstigen Feind zu suchen, ihm die Hand zu reichen. Dieses Vorbild, Versöhnung zu leben, wird ebenso fehlen wie der Mensch Lieselotte Rossa. Wer sie kannte, wird ihr ein dankbares Gedächtnis bewahren.

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