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Archive for the ‘Gesichter’ Category

Olga Dejewa zum Geburtstag


Ende September 2015 wurde in der Nachfolge von Michail Swonarjow, Wladimir Kusin, Igor Schamow, Alexander Rybakow und Sergej Sacharow mit Olga Dejewa die erste Frau in das Amt des Stadtoberhaupts gewählt. Bürgermeisterinnen hatte es in der Partnerstadt schon einige gegeben, aber ganz an der Spitze hatte noch nie zuvor eine Politikerin gestanden.

Florian Janik und Olga Dejewa

Ihr Standvermögen hatte die Wirtschafts- und Finanzwissenschaftlerin schon vor diesem Karrieresprung in den unterschiedlichsten Ämtern unter Beweis gestellt, etwa in der Zivilgesellschaftlichen Kammer der Region Wladimir. Aus Erlanger Sicht von besonderer Bedeutung ihre Rolle als ehrenamtliche Leiterin des Ortsverbandes Wladimir des Russischen Roten Kreuzes. Unter der Ägide von Olga Dejewa erst gelang es der humanitären Organisation im vertrauensvollen Zusammenspiel mit dem Förderverein und dem BRK, in Politik und Gesellschaft wieder Ansehen und Autorität zu gewinnen.

Susanne Lender-Cassens, Julia Obertreis, Olga Dejewa und Peter Steger

Mit Ihrer Wahl entschied sich Wladimir auch für eine Kontinuität in der Städtepartnerschaft. Ein Aspekt, der nicht zu vernachlässigen ist. Oft meint man nämlich, die gerade in dieser durchaus gelungenen deutsch-russischen Verbindung entstandene Volksdiplomatie sei auch ohne das Mitwirken der Politik – aus sich selbst schöpfend – stark genug, die zivilgesellschaftlichen Beziehungen zu pflegen. Doch die Praxis vieler trauriger Beispiele zeigt ein anderes Bild: Sobald die gewählten Vertreter auch nur das Interesse aneinander verlieren – von schlimmeren Entwicklungen, etwa dem offiziellen Abbruch der Kontakte, ganz zu schweigen – hält auch die beste Bürgerpartnerschaft nicht mehr lange dagegen.

Olga Dejewa, Elisabeth Preuß und Jelena Owtschinnikowa

Olga Dejewa, Mitglied der Partei Einiges Rußland, also ein Glücksfall für die Partnerschaft, zumal sie auch bestens mit dem Erlangen-Haus in Wladimir zusammenarbeitet und sich stets auf dem neuesten Stand des Austausches befindet. Vor allem aber verleiht die Mutter und Großmutter der eigenen Stadt, in der sie heute vor 60 Jahren geboren wurde, ein weltoffenes und sympathisch-gewinnendes Gesicht.

Olga Dejewa und Siegfried Balleis

Zu ihrem Jubiläum gratulierte denn auch Florian Janik seiner Kollegin mit Worten des Danks für die so erfolgreiche Zusammenarbeit und in der Vorfreude auf eine weitere Vertiefung der Kontakte. Der Blog kann sich da nur anschließen und die Glückwünsche im Namen all der vielen aussprechen, die bei eigenen Besuchen in Wladimir oder bei einem Termin in Erlangen Gelegenheit hatten, mit Olga Dejewa ins Gespräch zu kommen, sie kennen und schätzen zu lernen.

Melitta Schön und Olga Dejewa

Deshalb hier ein virtuelles „Hoch soll sie leben“ auf die Jubilarin. Auf Russisch klingt das mit abschließendem Geburtstagsgruß dann so: https://is.gd/fvgmDe

 

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Zwei Amtszeiten lang leitete Igor Kechter als Bürgermeister die Geschicke von Susdal und stattete der Partnerstadt Rothenburg o.d.T. zwei Besuche ab, bei denen er viel gelernt hat. Dann kehrte der 53jährige freiwillig der Politik den Rücken, um sich ohne all die Zwänge, die öffentliche Ämter so mit sich bringen, ganz neuen, kreativen Aufgaben zuzuwenden.

Gute hundert Kilometer südwestlich von Saratow gründeten seine Vorfahren den Weiler Klein-Walter. Sie stammten aus Bayern und kamen auf Einladung von Kaiserin Katharina II an die Wolga, wo die Familie bis 1941 blieb, bis nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion die Rußland-Deutschen pauschal zu Volksfeinden erklärt und hinter den Ural verbannt wurden. Igor Kechters Vater, Erik Christianowitsch, war damals gerade einmal zwei Jahre und wuchs im sibirischen Tjumen auf, wo er später auch seine russische Frau aus Chanty-Mansijsk kennenlernte, mit der er unlängst die Goldene Hochzeit feiern konnte. In Wladimir, wo die Tochter bereits lebte und wohin auch Igor und sein älterer Bruder Wladimir zogen. Erst ab 1962 erhielten die verfemten Deutschen das Recht auf freie Niederlassung, konnten die Verbannungsorte verlassen, die Rehabilitation und Befreiung vom Etikett des „Volksfeindes“ erfolgte dann noch später, im Jahr 1991.

Igor und Ludmila Kechter

Wollte man einigermaßen unbehelligt mit einem deutschen Familiennamen leben, tat man gut daran, die Muttersprache nicht zu gebrauchen. Und so ist denn auch das Deutsche in der Familie nicht mehr präsent, nur die Großmutter beherrschte es noch, bereits Igor Kechters Vater wuchs ganz russischsprachig auf. Sechs Geschwister hatte er, von denen drei bei der Vertreibung ums Leben kamen. Und der Großvater, Christian Christianowitsch, kam nicht mehr aus der Arbeitsarmee zurück. Aber das ist für Igor Kechter Geschichte, mit der er sich versöhnt hat. Selbst hat er wegen seiner Herkunft keine Nachteile mehr erfahren, nur in der Kindheit war er beim Räuber-und-Gendarm-Spiel eben immer auf der anderen Seite. Abgesehen von einer Tante mütterlicherseits ist auch niemand ausgewandert oder nach Deutschland übergesiedelt. Der Großteil der mittlerweile vielköpfigen Familie lebt sogar weiterhin in Sibirien. Dennoch: Zu Deutschland besteht schon ein besonderer Bezug, den allerdings seine Ehefrau Ludmila herstellt: „Da fühlen wir uns immer wie daheim.“

1983 immatrikulierte sich Igor Kechter in der Militärakademie und brachte es bis zum stellvertretenden Leiter der Kommunistischen Partei. Dienst tat er lange Jahre ganz im hohen Norden Sibirien, an der Lena, u.a. in der Hafenstadt Tiksi. Derart urwirtlich war es da, und Lebensmittel gab es fast ausschließlich aus Konserven, so daß der Militär seine Frau mit den beiden Kindern immer in die „Sommerfrische“ nach Zentralrußland schickte. „Eine Zeit, in der ich lernen mußte, für mich selbst zu sorgen und mir ab und an eine Freude zu bereiten, indem ich kochte“, erinnert sich Igor Kechter. Damals ist dann wohl auch seine kulinarische Leidenschaft entstanden, angeregt auch vom Kontakt mit den einheimischen Völkerschaften und ihrer Küche aus Rentierfleisch und Fisch. Auf die Frage, ob er denn auch gut koche, reagiert er allerdings schweigend mit einem Blick auf die Frau, die dann auch mit Lob nicht sparen will. Besonders seine Schaschliks seien unschlagbar. Das wird er auch schon bald unter Beweis stellen können, denn dieser Tage nimmt der Hobbykoch an einer Schaschlik-Meisterschaft in Tschetschenien teil, wo er sich nicht kampflos ergeben, sondern die Jury mit einer Kreation überzeugen will, die mit kurz in Salz eingelegten Gurken als Beilage überraschen dürfte.

Auf der „Anrichte“ im Büro von Igor Kechter

Überhaupt die Gurke. Sein Restaurant „Ogurez“ in Susdal trägt den Namen des Gemüses, das wiederum seit den 80er Jahren für die ganze Stadt symbolisch steht, als man sich auf den Anbau spezialisierte und regelrechte Gurkenmillionäre hervorbrachte. Und dann der Tourismus: Als Igor Kechter 1993 seinem älteren Bruder nach Susdal folgte, begannen die beiden mit dem Aufbau eines holzverarbeitenden Betriebs, erkannten aber bald die Chancen im Fremdenverkehr. So gründeten sie mit zwei Kompagnons die AG „Heißen Quellen“, eine einzigartige Sauna- und Badelandschaft, die 2002 eröffnet wurde, von der sie sich dann aber 2013 wieder trennten, als Igor Kechter, der seit 2011 als Stadtrat tätig war, zum Bürgermeister gewählt wurde.

Nun, wieder in der Privatwirtschaft, fühlt er sich freier. Sieben Gebäude gehören ihm in Susdal, die er derzeit restauriert, und im nächsten Jahr soll in Gawrilow Possad in der Nachbarregion Iwanowo ein Museum für russische Nationalgetränke eingerichtet entstehen. Den Grundstock hat er schon in seinem Wladimirer Büro eingerichtet, eine Flaschen- und Krügesammlung mit einer Vielzahl von Unikaten. Überhaupt ist er immer auf der Suche nach dem Besonderen. Immer wieder entdeckt er alte Rezepte und entwickelt zu deren Wiederbelebung neue Konzepte, schreibt Bücher, hält Vorträge und brennt für den Fremdenverkehr, der auf drei Beinen steht, wie er meint: schlafen, sehen und essen. Ein Dreisatz, den er als stellvertretender Vorsitzender des Verbands der kleinen Touristenstädte Rußlands ebenso beherzigt wie als Impulsgeber für die gastronomische Entwicklung Susdals.

Igor Kechter

Seine „kulinarische Landkarte“ sorgt für Vielfalt und lokalen Bezug. 70% der Beschwerden von Touristen betrafen noch vor wenigen Jahren den „Einheitsbrei“ der Restaurants. Nun sollen die Gasthäuser zumindest zwei bis drei originell-originale Gerichte anbieten – und das in allen Fremdenverkehrsstädten des Gouvernements Wladimir – nach einem Qualitätsstandard und einer Zertifizierung. Eine Idee, die auch andere Regionen aufgreifen wollen und die Unterstützung der Politik in Moskau findet. Apropos Politik: Als es in den 80er Jahren darum ging, eine Kleinstadt touristisch „aufzurüsten“, kam Susdal zum Zug, weil jemand im Politbüro ein Faible für die Museumsstadt hatte und damit den Mitbewerber Gorochowez ausstechen konnte. So wurde damals alles zentral gesteuert, auch das Glück Susdals am Goldenen Ring. Für den galt übrigens auch eine kulinarische Planwirtschaft – und durchaus mit Verstand. Um den Touristen nämlich in jenen Zeiten der Mangelwirtschaft nicht immer und überall das gleiche Menü zu kredenzen, gab es Vorgaben für die Städte hinsichtlich der Auswahl von Gerichten.

Igor Kechter vor seiner Flaschensammlung

Dank Igor Kechter weiß man nun aber auch, daß der erste russische Malzkaffee in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts in Susdal hergestellt wurde, daß es früher für jeden Monat ein eigenes Getränk gab, daß man hier sogar Bier braute und ein Monopol auf die Herstellung und den Vertrieb von Honigwein, „Medowucha“ genannt, besaß, daß die Kartoffeln hierzulande einst – wie in Deutschland und Frankreich – „Erdäpfel“ genannt wurden, ein Begriff, der aus dem heutigen Russischen gänzlich verschwunden ist…

Für das Seine brennen

Wer also mehr erfahren will über die Eß- und Trinksitten der Russen, besuche in Susdal das Restaurant „Ogurez“, trinke dort einen Kaffee mit Gurkensirup oder einen Getreidewein, spreche mit Igor Kechter oder greife zu seinem Buch, dessen Titel frei übersetzt lauten könnte: „Für das Seine brennen“, in dem es freilich nicht nur um Selbstgebranntes geht und das in Auszügen bald auch auf Deutsch im Blog erscheinen wird. Dabei geht es mehr als um die Gurke!

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Entschuldigung, liebe Leser, aber ich vermisse hier im Blog eine wichtige Wegkreuzung. Und das, obwohl sich hier im Blog ja viele Wege kreuzen…

  • Wege der Begegnung von Menschen, die sich vielleicht nie begegnet wären, wenn nicht…
  • Wege von Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten, die voneinander wohl nie erfahren hätten, wenn nicht…
  • Wege aufeinander zu von ehemaligen Kriegsgegnern, die sich vielleicht nie gefunden hätten, wenn nicht…

Vielfältige Wege zwischen den Niederlanden im Westen und dem Baikalsee im Osten; Wege, auf denen sich wertvolle Spuren finden; Spuren von Freude, neuen Ideen und Erkenntnissen in all den Begegnungen, Projekten und Kooperationen; Spuren von Versöhnung nach all dem Hassen und Leiden des Zweiten Weltkriegs; Spuren von Wahrhaftigkeit, wenn Unrecht gesehen und benannt wird, das man vielleicht nicht gesehen hätte, wenn nicht…

Den Stegerlesweg gibt es übrigens wirklich – im Schwarzwald! Es handelt sich hier also um keine Photomontage.

… Wenn es nicht den Stegerlesweg gäbe, mit dem all die hier im Blog geschilderten Ereignisse einmal begannen. Darum ist das hier ein Nachtrag zum 5. April 2018. Hier möchte ich den Blick einfach mal auf die Wegkreuzung zum Stegerlesweg lenken und als Wegmarke das Schild aufstellen: „Herzlichen Glückwunsch zu Deinem runden Geburtstag, lieber Peter! Ein frohes und gesegnetes Weitergehen auf Deinem Stegerlesweg; und bis bald mal wieder – an der nächsten Wegkreuzung!“

Renate Winzen

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Deutschland hat mich begeistert – es hat mich mit seiner Architektur, seinen Traditionen und kulinarischen Spezialitäten ab der ersten Sekunde in seinen Bann gezogen.

Ich war vorher noch nie in Deutschland,  hatte jedoch eine gute Vorstellung von diesem Land dank der zahlreichen Schilderungen meiner Schwester, die seit zwei Jahren eine Ausbildung in Erlangen macht. Glücklicherweise ist es mir  gelungen, in diesem Jubiläumsjahr der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Erlangen und Wladimir die ersehnte Reise zu machen.

Mein Aufenthalt in Deutschland – Ende Januar, Anfang Februar – dauerte zwölf Tage. Während dieser Zeit lernte ich viele interessante Leute kennen und entdeckte auch für mich neue landestypische  Speisen: Der Kartoffelsalat und die fränkischen Bratwürste mit Sauerkraut haben mir besonders gut geschmeckt.

Wladislaw Kapsjonkow und Manfred Kirscher am Dechsendorfer Weiher

Begleitet von Manfred Kirscher und meiner Schwester, besuchte ich die herrliche mittelfränkische Stadt Nürnberg. Ich war fasziniert von der wunderschönen Aussicht vom Burgberg und den zahlreichen malerischen Gassen  in der  Altstadt.

Kristina und Wladislaw Kapsjonkow in Nürnberg

Da ich mich für Fußball interessiere, nutzte ich die Gelegenheit, das größte Fußballstadion Deutschlands, den Signal Iduna Park in Dortmund zu besuchen. Das war megacool! Die zweistündige ausführliche Führung durch das Stadion hat auf mich einen bleibenden Eindruck gemacht. Hoffentlich wird es mir gelingen, in naher Zukunft dort mal als Zuschauer zu sein!

Wladislaw Kapsjonkow im Borussia-Stadion

Außer Nürnberg und Dortmund konnte ich noch ein paar Tage in den Niederlanden, und zwar in Amsterdam und Den Haag, verbringen. Diese beiden Städte haben mir auch sehr gut gefallen.

Wladislaw Kapsjonkow in Den Haag

Insgesamt bin ich tief beeindruckt von dieser leider nur sehr kurzen Reise nach Deutschland . Es waren die besten Winterferien in meinem bisherigen Leben!

Kristina und Wladislaw Kapsjonkow über den Dächern von Nürnberg

Ich bin Peter Steger für seine Unterstützung, Manfred Kirscher für seine Gastfreundschaft und meiner Schwester Kristina für die fürsorgliche  Begleitung während meines Aufenthaltes sehr dankbar. Ich hoffe, irgendwann mal wieder nach Erlangen zu kommen.

Diese erlebnisreiche Reise bleibt für immer in meinen Erinnerungen und in meinem Herzen!

Wladislaw Kapsjonkow

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Am 9. November 2016 trug man in Egloffstein Oleg Popow zu Grabe, den russischen Clown, der sich mit seinem feinen Humor und seinen zärtlichen Gesten bei Zirkusfreunden auf rund um den Globus unsterblich gemacht hatte. Damals mit im Trauerzug Wjatscheslaw Kartuchin, Präsident der Wladimirer Akademie für Verwaltung und Wirtschaft, und Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt Osteuropa an der Friedrich-Alexander-Universität: https://is.gd/G9mI52

Grab von Oleg Popow

Verstorben ist der Weltstar der Manege zwar auf einer Tournee in Rostow am Don, doch seine letzte Ruhestätte sollte der Botschafter des russischen Feingeistes an dem Ort finden, den er sich Anfang der 90er Jahre als Wahlheimat gewählt hatte. Für immer in der Nähe seiner Frau Gabriele, mit der seit 1991 verheiratet war.

Oleg Popow: der Blick durch den Vorhang

Noch während seine russischen Bewunderer Abschied nehmen konnten, wurde ein Wettbewerb für das Grabmal ausgelobt, den der junge Rostower Bildhauer Alexander Markin gewann. Überzeugend mit der Sonne, die der Clown immer einzufangen versucht hatte, auf dem einen Spalt breit geöffneten Vorhang, durch den Oleg Popow ins Publikum späht, dahinter die Puppe, in der man unschwer seine Gabi erkennt, und die Luftballons, die bald aufsteigen wollen zum nun nach oben offenen Zirkusdach.

Oleg Popow: hinter den Kulissen

Ein würdiges Denkmal für einen großen Russen, den die Liebe mit Deutschland verband.

Dein Licht wird bei uns sein: Oleg Popow

Am 5. Februar erhielt Oleg Popow nun wieder Besuch aus Wladimir. Das Ehepaar Herbert und Ute Schirmer hatten Wiktor Malygin, Altrektor der Universität in der Partnerstadt, zu einer Fahrt in die Fränkische Schweiz eingeladen und vorab ein Treffen mit Gabriele Popow und Altbürgermeister Christian Meier arrangiert.

Herbert und Ute Schirmer, Christian Meier, Gabriele Popow, Boris Laskin und Wiktor Malygin

Neben den Erinnerungen an den Künstler interessierte den Wladimirer Germanisten natürlich besonders das Egloffstein-Lied, komponiert und getextet von Oleg Popow, nachzulesen und vorzusingen in fränkischer Übersetzung hier: https://is.gd/0bETTV

Egloffstein: Christian Meier, Gabriele Popow, Wiktor Malygin, Ute Schirmer und Boris Laskin

Mit 28 Jahren war Oleg Popow übrigens zum ersten Mal nach Deutschland gekommen. 1957 war das. Und die Zeitungen jubelten ihm schon damals zu: „Clown Popow ist ein Wunder für sich“, begeisterte sich die „Süddeutsche Zeitung“, „denn er hat nicht seinesgleichen, ist ein famoses Monstrum, ein Unikum wie Chaplin, Grock vielleicht und Totò.“ Und die „Frankfurter Rundschau“ schrieb nach Popows Stuttgarter Premiere: „Der Ruf, der Ruhm eilen ihm voraus. Man ist gefaßt, beinahe skeptisch, weil so viel geflüstert wurde. Und dennoch wird man hingerissen. Kein Wort, keine Albernheiten, meist nur Gebärden, nur Andeutungen. Aber hellauf wie ein Feuer flackert der Beifall.“ Nachzulesen in einem Spiegel-Artikel hier: https://is.gd/gZIhlM

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Unerwartet schlechte Wetterbedingungen haben auch ihre gute Seite und können schnell den Eisbrecher zu Beginn von Gesprächen spielen. Gleich nach der Landung des Flugzeuges auf einem der Moskauer Flughäfen fielen mir die hohen Schneemaßen auf dem Gelände auf, was mich aber nicht weiter wunderte. Schließlich haben wir Januar, dachte ich. Doch schon in Gesprächen während der Fahrt vom Südosten Moskaus Richtung Innenstadt ging es vor allem um den ungewöhnlichen Schneefall. Sobald man aus dem Auto ausstieg, merkte man die Höhe der Schneemassen in den Fußgängerzonen. In den Medien war von einem Jahrhundert-Schneefall die Rede. Mir bereitete der Schneesturm jedoch keine Sorge, da ich in Moskau hauptsächliche mit der legendären Metro unterwegs war. Ich hatte aber vor, während meines Verwandtschaftsbesuches in Moskau auch Freunde in unserer Partnerstadt zu besuchen. So hatte ich während meines Aufenthaltes in Moskau einen kurzen Abstecher nach Wladimir geplant. Wie bei früheren Reisen fuhr ich auch dieses Mal mit der „Lastotschka“, einem Schnellzug, der zwischen Moskau und Nischnij Nowgorod verkehrt und in Wladimir hält.

Blick auf die eingeschneite Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Wladimir

Als ich ohne Verspätung ankam, stellte ich fest, daß hier noch mehr Schnee fiel. Zuerst wollte ich mich mit Schamil Chabibullin treffen, der mit seiner Musikband „Metamorphis“ Ende 2017 beim Newcomer Festival im E-Werk die Herzen der Zuschauen erobert hatte (https://is.gd/i7pWzs). Nach dem Treffen mit ihm und anderen Mitgliedern der Gruppe war das kalte und ungewöhnliche Wetter kein Thema mehr für unsere Gespräche. Ich wurde sehr neugierig, als die Rockmusiker mir über ihre „Basis“ erzählten, die sie ohne jegliche Förderung unterhalten, und wollte sie unbedingt mit eigenen Augen sehen.

Schamil Chabibullin und Amil Scharifow

Nach einer kurzen Fahrt durch das eingeschneite Wladimir erreichten wir die „Basis“, die sich in einem Keller befand und aussah wie ein professionelles Musikstudio. Ich erfuhr, daß die Mitglieder der Band die Musik als Freizeitaktivität verstehen und das Studio aus eigenen Mitteln finanzieren. Für das Quartett ist Musik aber mehr als ein Hobby, sie ist Freundschaft, sie verbindet Menschen und bereitet Spaß. Einige der Rockmusiker waren schon mehrmals in Erlangen und haben dort viele Freunde und Bekannte. Die Teilnahme von Wladimirer Bands am Newcomer Festival ist ja schon zu einer guten Tradition geworden. Der Austausch leistet einen wichtigen Beitrag zur Städtepartnerschaft, und dabei spielen Menschen wie Schamil, dem unsere Kontakte sehr am Herzen liegen, eine wichtige Rolle. Mit ihm kann man nicht nur über Musik, sondern auch über gesellschaftliche und deutsch-russische Themen reden.

Amil Scharifow und Sergej Sujew

Als wir beim Spaziergang durch die Innenstadt an der einzigen katholischen Kirche vorbeikamen, stattete ich dem dortigen Pfarrer, Sergej Sujew, einem langjährigen Freund der Städtepartnerschaft, einen unangekündigten Besuch ab. Schließlich dürften die Türen des Gotteshauses offen sein, dachte ich – und wurde nicht enttäuscht. Der Geistliche war über meinen Überraschungsbesuch sichtlich erfreut und schenkte mir eine CD mit russischen spirituellen Liedern. Zugegeben, diese Lieder sind die ersten religiösen Melodien, die ich auf Russisch hören werde, und ich bin gespannt, ob sie Einfluß auf meine Weltanschauung haben.

Schamil Chabibullin in der „Basis“

Am letzten Tag meines Besuches traf ich mich mit Wladimir Tichomolow, der sich Anfang 2017 bei uns in der „Berg-WG“ aufgehalten und Erlangen sowie die nähere Umgebung per Fahrrad erkundet hatte. Über seinen Aufenthalt hat der Blog hier https://is.gd/MOyI3b berichtet. Außerdem kam ich mit Wjatscheslaw Kartuchin zusammen, der auf Wladimirer Seite das Dialogforum „Prisma“ leitet. Kurz vor der Abreise besuchte ich noch Guram Tschjotschjew, einen Landsmann von mir, der in Sachen Städtepartnerschaft ein Begriff ist. Der angesehene Orthopäde war bereits Anfang der 90er Jahre zum Austausch in Erlangen und hat da viele Freunde. Wir hatten eigentlich nur vor, zusammen Kaffee zu trinken. Dann kamen wir jedoch überein, daß sich zwei aus Georgien stammende Menschen im Ausland lieber zu einem Getränk, Tschatscha genannt, verabreden sollten, das in Heimat landestypisch ist und uns verband, bis es Zeit war, nach all dem Wiedersehen mit Freunden wieder in Zug nach Moskau zu steigen… Bis zum nächsten Mal.

Amil Scharifow

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Allmählich verlassen auch die letzten Gäste der „Russisch-Deutschen Wochen“ aus Wladimir ihre Partnerstadt. Wladislaw Kapsjonkow macht sich am Samstag auf die Heimreise – „nach Tagen voll großartiger Eindrücke von einem Land, das ich bisher nur aus den Schilderungen meiner Schwester gekannt hatte.“

Manfred Kirscher, Kristina Kapsjonkowa und Wladislaw Kapsjonkow

Begleitet von Manfred Kirscher und seiner Schwester, die seit zwei Jahren eine Ausbildung am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde macht, erkundete der Student der Geophysik fast zwei Wochen lang die „Bodenschätze“ der Partnerschaft und versprach gestern bei seinem Zwischenbericht im Rathaus, bald die Ergebnisse seiner Messungen und Analysen exklusiv für den Blog vorzustellen. Die Wissenschaftsredaktion bittet deshalb noch um ein wenig Geduld.

Florian Janik und Jurij Fjodorow

Derweil hat das Politikressort noch einen Nachtrag zum Besuch von Jurij Fjodorow, Staatssekretär a.D. und Mitglied der Wladimirer Regionalduma, der sich am Montag ins Gästebuch der Stadt Erlangen eingetragen hatte. Er, 1984 als stellvertretender Vorsitzender des Exekutivkomitees des Rats der Volksdeputierten der erste „Kundschafter“ Wladimirs in der Hugenottenstadt, gilt ja als „Vater der Partnerschaft“ auf russischer Seite und konnte sich nun aufrichtig über all das freuen, was in den 35 Jahren deutsch-russischen Miteinanders alles entstanden ist: „ein einzigartiges Netzwerk einer Bürgerpartnerschaft, genau das, wovon Dietmar Hahlweg und ich damals träumten. Schön, das nun während dieser ereignisreichen Tage der Begegnungen mit so vielen Menschen und bei so großartigen Veranstaltungen selbst erlebt zu haben.“

Erlangen-Haus im Schnee

Die „Russisch-Deutschen Wochen“ gehen nun, während Wladimir im Schnee versinkt, in die Faschingsferien. Aber schon am Montag, den 19. Februar. beginnt mit dem Filmabend „Hundeherz“ die zweite Staffel der Veranstaltungen, zu denen in den nächsten Tagen hier die Vorberichte erscheinen. Einstweilen also „Helau!“ – und bitte dranbleiben.

 

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